<?xml 
version="1.0" encoding="utf-8"?><?xml-stylesheet title="XSL formatting" type="text/xsl" href="https://kommunisierung.net/spip.php?page=backend.xslt" ?>
<rss version="2.0" 
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
>

<channel xml:lang="de">
	<title>Kommunisierung.net</title>
	<link>https://kommunisierung.net/</link>
	<description></description>
	<language>de</language>
	<generator>SPIP - www.spip.net</generator>
	<atom:link href="https://kommunisierung.net/spip.php?id_rubrique=1&amp;page=backend" rel="self" type="application/rss+xml" />




<item xml:lang="de">
		<title>Bernard Lyon &#8211; Zur Str&#246;mung der Kommunisierung</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Bernard-Lyon-Zur-Stromung-der-Kommunisierung</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Bernard-Lyon-Zur-Stromung-der-Kommunisierung</guid>
		<dc:date>2026-04-01T17:36:50Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Die Bewegung der Kommunisierung ist die Durchf&#252;hrung der Revolution selbst, wovon wir sprechen, ist eine die Kommunisierung bef&#252;rwortende Str&#246;mung, wenn das Wort kein Zungenbrecher w&#228;re, w&#228;re es die &#8222;kommunisierungistische&#8220; Str&#246;mung. Diese Str&#246;mung ist die direkte Erbin der Ultralinken, aber eine Erbin, die ein ernsthaftes Inventar gemacht hat! Sie hat das gesamte Korpus der Ultralinken radikal kritisiert, die von ihr begonnene, aber auf die Kritik der Vermittlungen der Affirmation des (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/meeting-revue-2.webp?1775064971' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die &lt;i&gt;Bewegung&lt;/i&gt; der Kommunisierung ist die Durchf&#252;hrung der Revolution selbst, wovon wir sprechen, ist eine die Kommunisierung &lt;i&gt;bef&#252;rwortende&lt;/i&gt; Str&#246;mung, wenn das Wort kein Zungenbrecher w&#228;re, w&#228;re es die &#8222;kommunisierungistische&#8220; Str&#246;mung. Diese Str&#246;mung ist die direkte Erbin der Ultralinken, aber eine Erbin, die ein ernsthaftes Inventar gemacht hat! Sie hat das gesamte Korpus der Ultralinken radikal kritisiert, die von ihr begonnene, aber auf die Kritik der Vermittlungen der Affirmation des Proletariats begrenzte Kritik des Arbeiterprogramms vollendet, n&#228;mlich begrenzt auf die Gewerkschaft und die Partei, wobei das Machtorgan, der Rat, beibehalten worden ist, daher die Bezeichnung R&#228;tekommunisten f&#252;r die konsequentesten Ultralinken, die nicht die Partei auf die eine oder andere Weise wieder aufgriffen. Das Konzept der Kommunisierung hat sich in der Kritik der Ultralinken herausgebildet und jenes der Str&#246;mung der Kommunisierung ist in der Vertiefung dieser Kritik und Ausarbeitung einer &#252;ber die Vision der Revolution als Resultat der Erlangung der Autonomie durch das Proletariat hinausgehende Theorie entstanden, eine Autonomie, die dazu bestimmt war, &lt;i&gt;ein postuliertes revolution&#228;res Wesen des Proletariats&lt;/i&gt; zum Vorschein zu bringen, die eine Art letzte &lt;i&gt;Vorbedingung&lt;/i&gt; der Revolution und erst recht des Kommunismus sei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss von der unmittelbaren Situation ausgehen, in welcher die Str&#246;mung der Kommunisierung entsteht, d.h. allen voran der Kritik des radikalen Demokratismus und danach jener des Programms der Affirmation des Proletariats, obwohl dieses Programm mittlerweile und schon lange &#252;berholt ist, auf diese Art und Weise hat sich die Str&#246;mung der Kommunisierung &#246;ffentlich herausgebildet (wenn auch die Kritik des Programmatismus und die Protokollierung der Restrukturierung der Kritik des radikalen Demokratismus um mehr als zehn Jahre vorausging).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Str&#246;mung der Kommunisierung ist also eine politische oder theoretische Str&#246;mung, die eine Konzeption der Revolution vermittelt, indem sie den radikalen Demokratismus und seine politische Ableitung, den B&#252;rgeraktivismus, als m&#246;gliche Form einer kommenden Konterrevolution kritisiert, aber sie formuliert diese Kritik mit der Pr&#228;zisierung, dass dieser neue Reformismus keineswegs mit dem Arbeiterreformismus gegen&#252;ber den revolution&#228;ren Str&#246;mungen der Epoche der programmatischen Affirmation des Proletariats verglichen werden kann. Das bedeutet, dass die Str&#246;mung der Kommunisierung nicht die richtige revolution&#228;re der falschen reformistischen radikaldemokratischen Linie entgegenh&#228;lt (oder das zumindest nicht tun sollte), als ob der radikale Demokratismus nicht existieren k&#246;nnte. Es kann keine begr&#252;ndete Verteidigung der richtigen Linie geben, weil der radikale Demokratismus als Grenze des Kampfes der Klasse selbst in der gegenw&#228;rtigen Periode hervorgebracht wird, eine Periode, in welcher der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital nicht mehr Tr&#228;ger seiner eigenen Vertiefung als Zukunft des Kapitals ist. Das Proletariat trug diese Zukunft integriert in seine Praxis: eine Praxis, in welcher es nach seiner Affirmation strebte, um Produktivkr&#228;fte zu befreien, f&#252;r welche das Kapital nunmehr ein Hindernis sein k&#246;nnte. Der radikale Demokratismus &lt;i&gt;kann nicht&lt;/i&gt; von der Perspektive der Abschaffung der Klassen &lt;i&gt;getrennt werden&lt;/i&gt; und wir sitzen mit ihm und gegen ihn im gleichen Boot!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der gegenw&#228;rtigen Periode, in welcher im Widerspruch zum Kapital zu sein bedeutet, im Widerspruch zu seiner Klassenbedingung zu sein, ist die Dynamik des Kampfes der Klasse die Infragestellung dieser Klassenzugeh&#246;rigkeit, diese Infragestellung &lt;i&gt;gegen das Kapital&lt;/i&gt; dr&#252;ckt sich h&#228;ufig auf &lt;i&gt;autonomisierte&lt;/i&gt; Art und Weise als Affirmation des Menschen als schon jenseits der Klassen stehendes Individuum aus, in einer sowohl antizipierenden als auch retroaktiv vorprogrammatischen Form, d.h. &lt;i&gt;in Manier&lt;/i&gt; der utopistischen Theoretiker und des jungen Marx vor der Verfestigung des sozialistischen Arbeiterprogramms. Dieses &lt;i&gt;scheinbare&lt;/i&gt; Wiederaufleben des theoretischen Humanismus wird durch die restrukturierte Form der Ausbeutung verursacht, sie scheint nun nicht mehr nur zur Ausf&#252;hrung der Arbeit zu geh&#246;ren, sondern Teil ihres Wesens selbst zu sein, da sie also nicht mehr befreit werden kann, setzt sie den Menschen und nicht mehr den Arbeiter als Objekt der Befreiung. In den K&#228;mpfen tritt das Proletariat ideologisch nicht mehr als (politisch-gewerkschaftliche) &lt;i&gt;Klasse f&#252;r sich&lt;/i&gt; auf, ganz im Gegenteil, der &lt;i&gt;Massencharakter&lt;/i&gt; seines Kampfes erscheint als nicht durch die Klassenhandlung als Ganzes subsumierte Intersubjektivit&#228;t; es ist insofern, als die Ideologie des Menschen und des Individuums angetrieben wird, es ist, f&#252;r uns, im Rahmen der Autonomisierung der Dynamik der Periode, die unvermeidliche und vor&#252;bergehende Ideologisierung einer Bewegung, die, vermittelt durch die Krise, die Tr&#228;gerin der Abschaffung der Klassen ist.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Die Affirmation in den K&#228;mpfen, gegen die grossen Shows der Globalisierung und Gegenshows der Antiglobalisierung, einer individuellen revolution&#228;ren Subjektivit&#228;t, die, schon in einem Jenseits des Kapitals situiert, trotz ihrer humanistischen Illusion mit der in die Tat umgesetzten Intersubjektivit&#228;t, die wir in den Generalversammlungen und Kollektiven der Bewegung im Fr&#252;hling 2003 beobachten konnten, zusammenwachsen kann, ist vielleicht die Voraussetzung einer Selbsttransformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen. In der Bewegung von 2003 wurden die Gewerkschaften in ihren institutionellen Rollen als Repr&#228;sentantinnen der Streikenden gegen&#252;ber dem Staat belassen, nicht mehr, weil sie den Streik organisiert h&#228;tten, sondern eben genau im Gegenteil, weil sie ihn im Alltag nicht organisierten und ihnen eine Funktion zugewiesen wurde, in welcher sie nichts beherrschten und, w&#228;hrend den &#8222;H&#246;hepunkten&#8220;, eine &#8222;Begleitung&#8220; einer intersubjektiven, &lt;i&gt;und eben nicht autonomen&lt;/i&gt; Streikbewegung inszenierten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Intersubjektive unterscheidet sich komplett von der Autonomie, insofern als die Autonomie auf die Klasse, so wie sie im Kapital, gegen&#252;ber dem Kapital ist, verweist, w&#228;hrend das Intersubjektive ein Proletariat als (tendenziell) nicht mehr durch und f&#252;r das Kapital, nicht mehr f&#252;r sich selbst seiend setzt; die Intersubjektivit&#228;t verweist es jenseits seiner selbst, sie ist keine Subsumtion, sie deutet auf die Selbsttransformation in unmittelbar gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Klasse gegen Klasse, damit ist Schluss, wir gehen in Richtung: die Klasse gegen die Klassen&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Autonomisierung der Dynamik ist sowohl gleichbedeutend mit dem Auftauchen einer Str&#246;mung, die sich f&#252;r die Kommunisierung ausspricht, als auch jenem der radikalen immediatistischen humanistischen Ideologie; der Immediatismus existiert in der Str&#246;mung der Kommunisierung und durch die umfassende Selbstkritik dieses Aspekts ihrer selbst ruft die Str&#246;mung Elemente zu sich, die dabei sind, sich von den letzten programmatischen Formen zu entfernen. (Wird das Proletariat sich nicht als letzte Vorbedingung zur Kommunisierung konstituieren m&#252;ssen? Aufheben.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zerstreuung des Streiks von 2003, der Charakter eines Kampfes f&#252;r den Kampf, die Unregelm&#228;ssigkeit des Streiks, die &#8222;Arbeitsteilung&#8220; mit den auf die Repr&#228;sentation verwiesenen Gewerkschaften, ohne dass jemand emp&#246;rt oder froh dar&#252;ber w&#228;re, und der gesellige Charakter des Rahmens und der Handlungsorte erlauben viele Schl&#252;sse bez&#252;glich des Prozesses der Abschaffung der Klassen: tats&#228;chliche entgegenst&#228;ndlichende Bem&#228;chtigung des Kapitals, ohne Proklamation, Geschrei oder Fahnen. Sogar die Delegierung/Zur&#252;ckweisung der Gewerkschaften auf gewisse Funktionen sagt uns etwas Wesentliches, n&#228;mlich dass es Delegierungen von Aufgaben geben wird, auch hier tats&#228;chlich, Delegierungen jedoch ohne Ruhm und jederzeit widerrufbar, wie es den R&#228;tekommunisten in der guten alten Zeit am Herzen lag, jetzt allerdings ist die Widerruflichkeit gleichbedeutend mit der M&#246;glichkeit zur Vergessenheit!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Str&#246;mung der Kommunisierung kritisiert jetzt also gegen&#252;ber dem radikalen Demokratismus (der sich fundamental unterscheidet von den versteinerten &#220;berbleibseln der Ultralinken, die den sozialen Bewegungen die Leviten lesen, damit sie wieder werden, was sie nicht mehr sein k&#246;nnen, n&#228;mlich sch&#246;n programmatische K&#228;mpfe der Klasse) das Verschwinden jeglichen revolution&#228;ren Horizonts, nicht um zu versuchen, wieder einen herzustellen, sondern um das Problem der &lt;i&gt;Hervorbringung&lt;/i&gt; der &#220;berwindung aufzuwerfen, aber wie kann diese Kritik, da es sich um eine hervorzubringende &#220;berwindung handelt, dies tun? Hier bringen die theoretischen Analysen nat&#252;rlicherweise eine &lt;i&gt;Verteidigung&lt;/i&gt; des Kommunismus oder gar der &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; mit sich. Hier kann eine Tendenz existieren, die sich diese &lt;i&gt;Partei der Kommunisierung&lt;/i&gt; erhofft. In unserer Aktivit&#228;t, seien es Herausgabe von Texten, Diskussionen, Treffen, Suche nach Mittel zur Bekanntmachung unserer Positionen, ist dieser Aspekt der Verteidigung unumg&#228;nglich, er kann zudem mit alternativistischen Aspekten verbunden sein, denn diese Verteidigung ist auch eine Autonomisierung dessen, was das Wesentliche dieser Periode ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss auch damit rechnen, dass Konzepte wie &lt;i&gt;die Hervorbringung der gesellschaftlichen Unmittelbarkeit&lt;/i&gt; der Individuen in Problematiken der Klassenautonomie verwendet werden, diese werden sich weiterhin in einem letztendlich immer noch programmatischen Rahmen platzieren. Wir werden also Echos von zwei Seiten haben, einerseits von den Anh&#228;ngern der Autonomie, sowohl aus der anarchistischen als auch der ultralinken Tradition stammend, und andererseits von &#8222;radikalen&#8220; aktivistischen Randgruppen, die ihre alternativistischen Vorgehensweisen als Kommunisierung theoretisieren werden. Der Wille, &lt;i&gt;den Kommunismus jetzt zu leben&lt;/i&gt;, wird jetzt im Kampf der Klasse hervorgebracht, es geht darum, diesen Willen weder als anachronistisches Revival des Phalansteriums noch als Reformismus oder Vorwegnahme der Kommunisierung zu betrachten, sondern als reelles Element des Kampfes der Klasse, mit welchem die Polemik notwendig ist, ohne diesen Willen mit dem radikalen Demokratismus gleichzusetzen oder in ihm einen &#8222;privilegierten Verb&#252;ndeten&#8220; zu sehen, umso mehr, weil gegen&#252;ber dieser Str&#246;mung die Theorie des Proletariats als Klasse des Kapitals und Klasse der Kommunisierung thematisch im Zentrum der Polemik steht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir m&#252;ssen von der Perspektive eines gewissen Erfolgs ausgehen und somit wissen, dass man uns falsch verstehen wird und das ist umso schlimmer/besser! Die Autonomisierung dessen, was die Dynamik dieses Kampfzyklus ist, ist ein absolut normales Ph&#228;nomen und total nat&#252;rlich f&#252;r die Periode und gewissermassen gibt es kein falsches Verst&#228;ndnis der von uns ausgearbeiteten Themen, die Polemik ist eher ein konstitutives Element der Themen selbst! Unser Versuch einer gegenseitigen Ann&#228;herung ist auch eine Abwendung von der Klandestinit&#228;t. Die Mittel, wovon im &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; (zu einer Partei der Kommunisierung) gesprochen wird, sind alles in allem Mittel, die aus einer alternativistischen Perspektive verstanden werden, aber wir m&#252;ssen versuchen, diese Mittel zu haben: Treffen, Ver&#246;ffentlichungen, Lokale, Druckereien, wir m&#252;ssen ein Netzwerk aufbauen, &lt;i&gt;ohne nach jeglicher Reinheit zu streben&lt;/i&gt;, die Verschiedenheit unserer aktuellen Ver&#246;ffentlichungen garantiert uns, die M&#246;glichkeit einer konfliktreichen Ausarbeitung unserer Analysen nicht zu verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Str&#246;mung der Kommunisierung ist jetzt schon der Bereich, wo wir uns befinden, die Epoche der Durststrecke (die Restrukturierung) ist vorbei. Das Projekt einer internationalen Zeitschrift ist essenziell. Es ist w&#252;nschenswert, dass ein internationales Treffen zu Themen, die sich aus dieser ersten Sitzung ergeben sollten, organisiert wird. Diese Themen werden von Leuten, die sich nicht als Vertreter von Positionen der Kommunisierung betrachten, als Mittel zur Analyse benutzt werden k&#246;nnen. Als Beispiele werde ich hier die proletarische Bedingung als Zwang der kapitalistischen Klasse oder die Unmittelbarkeit der Klassen erw&#228;hnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser Projekt wird ein Element zur Polarisierung der Str&#246;mung sein, unsere eigenen Meinungsverschiedenheiten garantieren, dass wir nicht Gefahr laufen, eine sterile Einm&#252;tigkeit zu erschaffen! Denn das Ende des Programmatismus (des Arbeiterparadigmas der Revolution) wird unter verschiedenen Bezeichnungen anerkannt: &#8222;alte Arbeiterbewegung&#8220;, &#8222;Arbeiterideologie&#8220; oder schlicht und einfach &#8222;Sozialismus&#8220;. Unsere Analysen entsprechen einem Bed&#252;rfnis, die Kommunisierung ist ein erwartetes Konzept, Konzepte werden entsprechend den Bed&#252;rfnissen integriert, wobei alle in den Konzepten enthaltenen Ambivalenzen benutzt werden &#8211; die Kritik dieser Nutzungen wird f&#252;r uns ein wesentlicher Weg sein, um zu verstehen, wie die Kommunisierung als praktische Antwort eingef&#252;hrt werden kann, d.h. als ambivalente Antwort, die ihre eigene Grenze enth&#228;lt. Die Revolution wird mit der Konterrevolution konfrontiert sein und wenn wir versuchen, nicht alles miteinander zu vermischen oder keine Politik als Fiktion zu betreiben, wird die Rezeption des Konzepts der Kommunisierung f&#252;r uns ein Konfrontationsfeld sein, nicht um gegen den Alternativismus zu k&#228;mpfen, sondern um eine Konzeption am Leben zu erhalten, in welcher die Krise und die Hervorbringung der &#220;berwindung miteinander verschr&#228;nkt sind und weder das Eine durch das Andere noch beides durch &#8222;das Kapital&#8220; hervorgebracht wird, sondern beide gleichbedeutend mit dem Kampf der Klasse sind. Es ist eben genau, weil einige sagen, dass sie den Kommunismus leben oder Anarchie verbreiten wollen, dass wir uns in einer kommunisierenden Bewegung konzipieren k&#246;nnen, obwohl niemand den Kommunismus leben oder die Anarchie verbreiten wird!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl wir unsere Handlung weder als einen Kampf f&#252;r den Aufbau einer Art Ersatzpartei noch um irgendeine Vormachtstellung unserer Analysen konzipieren, konzipieren wir sie sehr wohl als Parteinahme und Aktivit&#228;t zur Ausweitung dieses Bereichs der Kommunisierung, wohl wissend, dass sie keine Vorwegnahme der wirklichen Kommunisierung sein wird. Die wirkliche Kommunisierung, die Vertiefung der Intersubjektivit&#228;t des Kampfes f&#252;r den Kampf, die zur Kommunisierung der Verh&#228;ltnisse gegen das Kapital &lt;i&gt;wird&lt;/i&gt;, wird den Radikalismus der Forderungen zur Verteidigung der proletarischen Bedingung &#252;berwinden. Die &#220;berwindung ist gleichbedeutend mit der Transformation der Verteidigung der proletarischen Bedingung in ihre Abschaffung, ohne dass die Orientierung oder die Akteure davon sich ver&#228;ndern w&#252;rden, Akteure, die sich in unmittelbar gesellschaftliche Individuen &lt;i&gt;gegen das Kapital und f&#252;r und durch diesen Kampf&lt;/i&gt; verwandeln werden. Obwohl dieser Bereich weder eine Partei noch eine Vorwegnahme des Kommunismus ist, ist sie ein politisch-praktischer Raum, d.h. sowohl ein theoretischer &#8222;Ort&#8220; als auch physische Orte, Orte des Lebens und der Begegnungen, Orte der Ausarbeitung unseres Verst&#228;ndnisses der K&#228;mpfe und des Verlaufs des Kapitals und Sammelpl&#228;tze der Mittel ihrer Verbreitung. Deshalb ist die Antwort auf die Frage von Fran&#231;ois, ob eine Str&#246;mung der Kommunisierung existiert, ein klares Jein, ja insofern, als sehr beschr&#228;nkt tats&#228;chlich Leute existieren, welche die Revolution als unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus definieren, nein insofern, als die Anh&#228;nger der Kommunisierung noch nicht wirklich eine Str&#246;mung konstituieren. Damit diese Str&#246;mung existiert, ist es zuerst einmal notwendig, dass sie sich ihrer selbst bewusst ist, und danach, dass sie festh&#228;lt, dass die Kommunisierung nur die seine Ausbeutung durch die kapitalistische Klasse abschaffende Handlung des Proletariats sein kann, dass sie diese Klasse, ihre eigene Klassenbedingung und die Klassen abschafft. Die Existenz der Str&#246;mung der Kommunisierung ist also die Existenz eines internen polemischen Bereichs, doch diese Existenz ist selbst ein Produkt der Polemiken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Str&#246;mung der Kommunisierung ist das Produkt politisch-theoretischer Raufereien und das wird immer so sein, sie tr&#228;gt diese unmittelbar gegen mehrere Gegner aus: zuerst gegen den radikalen Demokratismus, danach gegen die unilaterale Opposition dagegen, gegen die alternativistischen Versuchungen (wobei sie diese gewissermassen auf kritische Art und Weise theoretisch integriert), gegen die versteinerten &#220;berbleibsel der Ultralinken, gegen den noch bei uns nahestehenden Leuten pr&#228;senten Restbestand an proletarischem Programmatismus, vielleicht vor allem gegen die sehr starke Tendenz, das Proletariat mit der Menschheit als die Revolution &#8222;machend&#8220; zu ersetzen (indem das eine mit der anderen gleichgesetzt wird), diese Tendenz integriert dadurch das sogenannte Verschwinden des Proletariats (eventuell zugunsten der Multitude), eliminiert jegliche Dynamik der Ausbeutung und des Kapitals und behauptet, die Kommunisierung sei jederzeit m&#246;glich, oder, im besten Fall, es gebe zu ergreifende oder verpassende Gelegenheiten, und schliesslich gegen die radikale Form dieser letzten Tendenz, die das Kapital verewigt und die moderne, rein &#246;konomische Ideologie der kapitalistischen Klasse in kommunistische Kreise importiert, jene der Selbst&#252;berwindung des Kapitals, das den Wert abgeschafft oder seines Inhalts entleert habe, die abstrakte Arbeit verwerte sich in der Spekulation, da die Arbeitswerttheorie gleichwesentlich mit der Ausbeutungstheorie ist, wird das Proletariat damit radikal negiert, diese These geht &#252;brigens einher mit der Idee, dass die Arbeit von den Kapitalisten nur noch aufrechterhalten werde, um die Proletarier zu besch&#228;ftigen/entfremden, und sich nur noch die archaischen Kapitale mithilfe der Ausbeutung der Arbeit verwerten. Die Str&#246;mung der Kommunisierung ist eine polemische Str&#246;mung, aber die daran Beteiligten sind in den K&#228;mpfen der Klasse engagiert, ohne dass sie sich je &#8222;als&#8220; Kommunisierer pr&#228;sentieren w&#252;rden, wir sind in den K&#228;mpfen der Klasse mit unseren Konzeptionen engagiert, und das sogar, &lt;i&gt;weil&lt;/i&gt; wir sie haben, aber nie &#8222;als&#8220; irgendetwas, trotzdem muss die Str&#246;mung, ohne in Konkurrenz mit den radikalen Demokraten zu sein, Bekanntheit erlangen, ihre Thesen m&#252;ssen unausweichlich werden. Die Positionen der Kommunisierung sind in Anbetracht der gegenw&#228;rtigen Richtung der Bewegung des Kapitals, der K&#228;mpfe, der Entwicklung der Konflikte, der &#8222;privaten&#8220; und staatlichen terroristischen Kriege unerl&#228;sslich, es ist notwendig, dass der B&#252;rgeraktivismus und die Bewegung gegen die Globalisierung nicht hegemonial sind, dass immer eine hartn&#228;ckige revolution&#228;re Kritik existiert, demokratische &#8222;L&#246;sungen&#8220; sind immer auch schon milit&#228;rische L&#246;sungen, wenn man sieht, wie die europ&#228;ischen Pazifisten &lt;i&gt;das Empire&lt;/i&gt; bis zum letzten Iraker oder Pal&#228;stinenser bek&#228;mpfen. Wir m&#252;ssen uns die Mittel geben, in den K&#228;mpfen und auf nicht ideologische, d.h. auf nicht werbende Art und Weise auf die kommunistische Perspektive zu verweisen, denn, obwohl die Demokratie im Moment die Antwort auf alle Fragen ist, zeigt sich zunehmend der nie vollendete und nun kriegerische Charakter der Restrukturierung. Der Verlauf der K&#228;mpfe und der Entwicklung des Kapitals wird noch lange dauern, bevor die &#220;berwindung hervorgebracht werden wird; in der Krise dieses Anfang der 1990er Jahre begonnenen Kampfzyklus enth&#228;lt diese hervorgebrachte &#220;berwindung die Entwicklung der Str&#246;mung der Kommunisierung, zuerst als Kritik der Grenze der K&#228;mpfe, die Grenze und die Kritik davon werden beide von den K&#228;mpfen hervorgebracht. Obwohl die Kommunisierung nicht gleichbedeutend mit dem Sieg dieser Str&#246;mung sein wird, ist ihr Auftauchen nicht ein Resultat einer inneren Entwicklung der kommunistischen Theorie, sondern jenes der K&#228;mpfe der Klasse, die keine Affirmation der Arbeit mehr entwickeln, sondern dazu tendieren, sich infrage zu stellen, wie es die Kritiken der Arbeit zeigen und obwohl diese f&#252;r die Arbeit, d.h. das Proletariat und somit den Widerspruch zwischen Kapital und Proletariat wichtig sind. Die Str&#246;mung der Kommunisierung in den K&#228;mpfen ist empirisch gleichbedeutend mit der Theorie als reelles Element der K&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kommunisierung vs. Vergesellschaftung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem der Kommunisierung ist jenes der &#220;berwindung durch das Proletariat, oder eher durch die Proletarier, ihrer defensiven Handlungsweise hin zu einer Aktivit&#228;t der Bem&#228;chtigung des Kapitals, die keine Vergesellschaftung ist, d.h. keine Verwaltungsweise der &#214;konomie, sondern die Konstitution einer Gemeinschaft von Individuen, die unmittelbar ihre Komponenten sind. Die Kommunisierung geschieht &lt;i&gt;mittels&lt;/i&gt; der Bem&#228;chtigung der Mittel zum Lebensunterhalt, der Kommunikationsmittel, der Transporte und &lt;i&gt;letztendlich&lt;/i&gt; der Produktionsmittel im engeren Sinne. Die Kommunisierung der Beziehungen, die Konstitution der menschlichen Gemeinschaft/des Kommunismus wird f&#252;r den Kampf gegen das Kapital, in ihm und durch ihn verwirklicht, in diesem Kampf kann man nicht die &#220;bernahme der materiellen Mittel und die Transformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen einander entgegenstellen, es ist die gleiche Aktivit&#228;t. Der radikale Unterschied zur Vergesellschaftung ist die Tatsache, dass es sich nicht um einen Eigentumswechsel der materiellen Mittel handelt. Es gibt in der Kommunisierung keine &lt;i&gt;Aneignung&lt;/i&gt; der G&#252;ter durch irgendeine Instanz, Staat, Kommune oder sogar Rat, welche die das Kapital enteignenden Proletarier beherrschen und somit daraus eine &lt;i&gt;Aneignung&lt;/i&gt; machen w&#252;rde. Der Wechsel des Eigentumsregimes ist gleichbedeutend mit der Konstitution einer neuen Form der &#214;konomie: Sozialismus, obwohl es sich gegenw&#228;rtig eher um die solidarische &#214;konomie handeln w&#252;rde, und zum Gl&#252;ck, denn als der Sozialismus real m&#246;glich war, war es der Kommunismus nicht. Die Kommunisierung konstituiert keine &#214;konomie, sie macht sich alles zunutze, hat aber kein anderes Ziel als sich selbst. Die Kommunisierung ist nicht Kampf f&#252;r den Kommunismus, sondern der sich konstituierende Kommunismus gegen das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber, obwohl die kommunisierende Handlung der Ausgang des Kampfes der Klasse in der revolution&#228;ren Krise ist, kann die gleiche Handlung der Bem&#228;chtigung, wie wir gesehen haben, Kommunisierung oder Vergesellschaftung sein, jede Handlung dieser Art kann das Eine oder das Andere sein, alles h&#228;ngt von der Dynamik, vom sich konstant transformierenden Rahmen, d.h. alles h&#228;ngt vom Kampf gegen das Kapital ab, der sich entweder vertieft und ausweitet oder sich verlangsamt und sehr schnell zum Erliegen kommt. Alles h&#228;ngt auch vom Kampf im Kampf gegen das Kapital ab. Die Konstitution des Kommunismus ist mit jener einer allerletzten Form der Alternative in der Tradition des Sozialismus verschr&#228;nkt. Die Tendenz hin zur Konstitution von Instanzen, die danach streben, aus der Bem&#228;chtigung der materiellen Mittel eine &#246;konomische Vergesellschaftung zu machen, werden bis zur vollst&#228;ndigen Kommunisierung permanent sein. Die Permanenz einer konterrevolution&#228;ren Tendenz innerhalb der Bewegung der Revolution ist gleichbedeutend mit der Existenz einer &#8222;programmatischen&#8220; Dimension der Affirmation und Befreiung der Arbeit bis zuletzt. Die Aufrechterhaltung dieses Programmatismus wird durch die Existenz des noch nicht abgeschafften Kapitals hervorgebracht, solange das Kapital gegen&#252;ber dem Proletariat existiert, auch gegen&#252;ber dem es abschaffenden Proletariat, d.h. dem sich selbst abschaffenden Proletariat, bewahrt das Proletariat einen Rest an Positivit&#228;t und diese Positivit&#228;t der Arbeit wird im revolution&#228;ren Prozess sogar reaktiviert, denn die gesellschaftliche Reproduktion wird zu einem von der Handlung der Proletarier abh&#228;ngenden Prozess. Die einzige &#220;berwindung dieser Dimension ist der Sieg der Kommunisierung, die gleichbedeutend mit der erreichten Abschaffung der kapitalistischen Klasse und des Proletariats ist. Die &#220;berwindung dieser Konterrevolution wird nicht immer irenisch sein, sie wird nicht immer &#8222;in der Bewegung&#8220; vorgenommen, keine wahre und beschleunigte Version des im Sozialismus vorgesehenen &#8222;Absterbens des Staates&#8220; sein. Jede staatliche oder parastaatliche Form wird immer alles tun, um sich im Namen der Notwendigkeit ihres sp&#228;teren Absterbens selbst aufrechtzuerhalten! Die radikale Demokratie wird im Namen der Abschaffung der Klassen selbst alles zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von Wahlstrukturen tun, welche gem&#228;ss ihr notwendig sind, um die Konstitution einer neuen sich selbst einsetzenden und unkontrollierten F&#252;hrungsschicht zu vermeiden. Die Konstitution des Kommunismus ist mit der Konstitution einer allerletzten Form des Sozialismus verschr&#228;nkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf darum, die in der Enteignung des Kapitals aktivsten Fraktionen des Proletariats &#8222;wieder zur Vernunft zu bringen&#8220;, wird umso heftiger sein, weil er sich als Verteidigung der demokratischen Revolution pr&#228;sentieren und es ablehnen wird, dass &#8222;Minderheiten&#8220; die Errungenschaften der Mehrheit kompromittieren. Die Kommunisierung wird nie Errungenschaften haben, alle Enteignungen, welche die unmittelbare Gemeinschaft konstituieren, werden als reine Enteignungen, wilde Aneignungen infrage gestellt, sie werden zu Vergesellschaftungen erkl&#228;rt, sobald die Bewegung langsamer wird und sich eine parastaatliche Instanz bildet, um zu verteidigen, was &lt;i&gt;in diesem Moment&lt;/i&gt; als Errungenschaften und Elemente zur Konstitution einer m&#246;glichen neuen &#214;konomie erscheinen wird. Alles wird sich auf der geographischen, horizontalen Ebene abspielen, nicht auf sektorieller, die Arten von Aktivit&#228;ten differenzierender Ebene. Die Grenzen werden &#252;berall sein und die verallgemeinerte Verschr&#228;nkung Revolution/Konterrevolution wird sich in vielf&#228;ltigen und chaotischen Konflikten zeigen. Die Ausbreitung ist die Bewegung des Sieges, die Verlangsamung jene der Konterrevolution durch die Verteidigung der Errungenschaften. Der Kampf des Kapitals zur Wiedererlangung der gesellschaftlichen Kontrolle wird doppelt sein, ohne dass das eine Strategie w&#228;re. Einerseits werden die Staaten und Konsortien k&#228;mpfen, um ihre Herrschaft wiederherzustellen und die Ausbeutung wiederzubeleben, andererseits wird sich die kapitalistische Gesellschaft auf den total ambivalenten Grundlagen der Volksmacht und Selbstverwaltung aufrechterhalten, diese Fraktionen k&#246;nnen sich bek&#228;mpfen oder verb&#252;nden, je nach Situation und somit Entwicklung der Bewegung der Kommunisierung. Einige Fraktionen des aufst&#228;ndischen Proletariats werden zerschlagen werden, andere &#8222;umgedreht&#8220; und sich konservativen &#220;berlebensmassnahmen anschliessen, andere Aufst&#228;nde die Nachfolge antreten. Einige umgedrehte/festgefahrene Fraktionen werden wilde Enteignungen und die Organisation des Kampfes durch jene, welche k&#228;mpfen und nur f&#252;r den Kampf, ohne Repr&#228;sentation, ohne Kontrolle von irgendwem in irgendeinem Namen wieder in Schwung bringen, die Konstitution des Kommunismus wieder aufnehmen, nicht als Ziel, sondern als Inhalt des Kampfes. Die konterrevolution&#228;ren Ideologien werden zahlreich sein, an erster Stelle vielleicht jene des &#220;berlebens der Wirtschaft: Bewahren wir die wirtschaftlichen Mechanismen, zerst&#246;ren wir nicht jegliche wirtschaftliche Logik, um danach eine neue Wirtschaft oder eher, und unmittelbar damit verbunden, eine neue Demokratie aufbauen zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demokratie und solidarische &#214;konomie werden die beiden grossen zu zerschlagenden ideologischen Konstruktionen sein, sie werden je nach Ort mit anderen Systemen kombiniert werden. Sie werden vor allem mit den sehr diversen Ideologien der Gemeinschaften kombiniert werden: national, ethnisch, religi&#246;s oder rein lokal, und das sind wahrscheinlich die gef&#228;hrlichsten, denn sie werden sich als spontan und unvermeidlich pr&#228;sentieren. Diese Gemeinschaften werden etliche Abwandlungen erleben und diese Ideologien k&#246;nnen alle politischen Farben annehmen: konservativ, reaktion&#228;r, demokratisch und nat&#252;rlich vor allem revolution&#228;r, denn die Verschr&#228;nkung Revolution/Konterrevolution ist dort die Regel. Man darf sich den anti-ideologischen Kampf jedoch nicht als verschieden von der Kommunisierung selbst vorstellen, die Ideologien werden innerhalb der Kommunisierung bek&#228;mpft, denn sie sind Teil dessen, was von der Bewegung abgeschafft wird. Im Kampf f&#252;r die Kommunisierung kann der milit&#228;rische Aspekt nicht abgegrenzt werden, aber die Konstitution des Kommunismus kann unm&#246;glich nicht auch auf dieser Ebene mit der Konterrevolution konfrontiert sein m&#252;ssen. Die Aspekte der offenen Gewalt werden nicht zur Bildung einer Front f&#252;hren, w&#252;rde sich eine solche Front bilden, h&#228;tte die Revolution verloren, zumindest dort, wo diese Front liegt und bis zu ihrer R&#252;ckbildung. Die Revolution wird gleichzeitig geographisch und ohne Fronten sein, die Anf&#228;nge der Kommunisierung werden immer lokal und unmittelbar und sehr schnell expandierend sein, wie die Ausbr&#252;che von Br&#228;nden, sogar ausgel&#246;scht schwelen diese Br&#228;nde unter der Selbstverwaltung und den B&#252;rgergemeinschaften weiter. Der Kommunismus wird aus einem immensen Faustkampf heraustreten, der Prozess der Kommunisierung wird zwar eine &#220;bergangsphase sein, doch &#252;berhaupt keine ruhige Phase des Aufbaus des Sozialismus und/oder der Demokratie zwischen einer chaotischen revolution&#228;ren Periode und dem Kommunismus, sondern das Chaos selbst zwischen Kapital und Kommunismus. Es ist klar, dass eine solche Vorwegnahme, obwohl sie durchdacht ist, kein Grund f&#252;r Begeisterung darstellt! Es ist weder die Barbarei, die keinen Sinn hat, noch der k&#246;nigliche Weg der rosigen Zukunft! Aber es ist eine Perspektive, die ihre Wurzeln in der aktuellen Situation des Kapitals und der K&#228;mpfe hat, im aktuellen Kampf des Proletariats gegen das restrukturierte Kapital in seiner Krise. Es ist eine Perspektive, die bei der &#220;berwindung dieser K&#228;mpfe ansetzt, nicht geradewegs, sondern in der kommenden Krise der momentan bestehenden Restrukturierung. Es ist letztendlich die einzige realistische Perspektive gegen&#252;ber der Sackgasse des B&#252;rgeraktivismus, der radikaldemokratischen Alternative zum ultraliberalen Kapitalismus, es ist die einzige Antwort, deren Wirklichkeit nicht von der Richtigkeit einer Strategie abh&#228;ngt. Die Verschr&#228;nkung Revolution/Konterrevolution schliesst die ganze Organisation mit ein, welche sich die Bewegung des Klassenkampfes gibt. Eine Koordination, ein Kollektiv oder jede andere Form k&#246;nnen der organisierte Kampf sein oder gegen eine Repr&#228;sentation dieses Kampfes und eine Entwicklung, in einer Situation der Spaltung des Staates, hin zu einer parastaatlichen Form tendieren. Es geht nicht um eine Opposition zwischen Organisation und Spontaneit&#228;t (alles ist immer spontan), sondern um jene zwischen Enteignung und Aneignung, Kommunisierung und Vergesellschaftung, letztere bedingt, dass die Gesellschaft existiert, d.h., dass sie von &#8222;den Leuten&#8220; unterscheidbar ist, von jenen &#8222;Leuten&#8220;, von welchen wir nun sprechen werden. In den j&#252;ngsten K&#228;mpfen hat man beobachten k&#246;nnen, wie die k&#228;mpfenden Proletarier zwischen ihnen etwas, das man als Intersubjektivit&#228;t bezeichnen k&#246;nnte, konstruiert haben, diese war nicht durch eine gewerkschaftliche und politische ideologische Einheit subsumiert, womit die Gewerkschaften auf die Organisation einer rein szenischen Repr&#228;sentation dieser Einheit beschr&#228;nkt waren, die, obwohl sie eine notwendige Repr&#228;sentation war, diese Intersubjektivit&#228;t, die wirkliche und allt&#228;gliche Organisation nicht verhindert hat. Es war eine Intersubjektivit&#228;t in dem Sinne, dass es Subjekte gegen&#252;ber ihrem Gegenstand waren, dem Kapital. Die Bewegung der Abschaffung des Kapitals enth&#228;lt die Entgegenst&#228;ndlichung desselben, die Abschaffung des Verh&#228;ltnisses Subjekt-Gegenstand, Kapital-Proletariat. (Erinnern wir daran, dass diese Abschaffung der Inhalt des revolution&#228;ren Prozesses, der Kommunisierung, darstellt und dass man, solange er nicht vollendet ist, immer dieses Verh&#228;ltnis Subjekt-Gegenstand hat, sogar wenn das Subjekt dabei ist, seinen Gegenstand als solchen abzuschaffen, die Abschaffung findet innerhalb dieses Verh&#228;ltnisses statt, d.h. die Proletarier schaffen das Kapital ab, welches sie zu Proletariern, zu reinen Subjekten ihrem Gegenstand gegen&#252;ber macht, und somit die ganze kapitalistische Gesellschaft.) Der revolution&#228;re Prozess der Entgegenst&#228;ndlichung des Kapitals ist also auch ein Prozess der Zerst&#246;rung der getrennten Subjektivit&#228;t des Proletariats, es ist dieser Prozess, welchen wir als Selbsttransformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen bezeichnen. Diese Transformation ist nie errungen, solange sie nicht vollendet ist, in diesem Sinne sind es die Proletarier, welche die Revolution bis zum Ende machen, denn bis zum Ende schaffen sie das Kapital ab, welches sie zu Proletariern macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommunisierung und Vergesellschaftung bilden keinen Widerspruch. Der Widerspruch bleibt Kapital-Proletariat, er wird nicht zu einem inneren Widerspruch des Proletariats, obwohl es ein Werden der totalen Opposition zwischen den beiden Perspektiven gibt, sind sie verschr&#228;nkt und beide zusammen Teil des Widerspruchs Kapital/Proletariat. Der Kampf des Proletariats gegen das Kapital wird zur Abschaffung der Klassen durch die Enteignung des Kapitals, doch diese Handlung selbst, in ihrer Opposition zur Arbeit, gibt der Affirmation der Arbeit eine neue Kraft, wenn sie von der kapitalistischen Klasse unterbrochen wird (dort existieren die Errungenschaften, die wir erkannt haben). &lt;i&gt;Es ist die konjunkturelle Affirmation der Arbeit durch die Unm&#246;glichkeit des Kommunismus und nicht mehr die Unm&#246;glichkeit des Kommunismus durch die strukturelle Affirmation der Arbeit&lt;/i&gt;. Diese provisorische und standardm&#228;ssige Affirmation der Arbeit treibt einen sozialen Zustand voran, dessen Werden ein sozialer Staat w&#228;re, also eine konterrevolution&#228;re Form, die Bewegung des Proletariats muss ihm entgegentreten. Der Prozess der Selbsttransformation in unmittelbar gesellschaftliche Individuen kann im Kampf gegen das Kapital und somit gegen die kapitalistische Klasse auch ein Kampf gegen jene Proletarier sein, welche die proletarische Bedingung verteidigen. Kampf der Kommunisierung gegen die Vergesellschaftung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Text versucht, etwas &#8222;konkreter&#8220; zu zeigen, was die Formel &#8222;die Konterrevolution baut sich auf den Grenzen der Revolution auf&#8220; bedeutet. In der Periode, w&#228;hrend welcher die revolution&#228;ren Versuche von 1917 bis 1937 stattfanden, war der allgemeine Widerspruch Kapital/Proletariat Tr&#228;ger der Affirmation der Klasse der Arbeit und somit des Aufbaus des Sozialismus, heutzutage ist der Widerspruch Tr&#228;ger der Infragestellung der Klassenzugeh&#246;rigkeit und die allgemeine Struktur setzt somit die Kommunisierung als M&#246;glichkeit. Diese Struktur hindert die Grenzen nicht an ihrem Fortbestand, wenn auch die Richtung der Bewegung ihre &#220;berwindung ist. Die Grenze ist gleichwesentlich mit jeder revolution&#228;ren Massnahme und diese Grenze wird nur durch die n&#228;chste Massnahme &#252;berwunden, es ist der Klassencharakter der Bewegung der Kommunisierung, welcher ihre Grenze ist, sie ist die &#220;berwindung ihres eigenen begrenzten Charakters, denn sie ist die Abschaffung der Klassen und somit des Proletariats.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Proletarier ist das der Gegenst&#228;ndlichkeit beraubte Individuum, seine Gegenst&#228;ndlichkeit steht ihm im Kapital gegen&#252;ber, er ist auf reine Subjektivit&#228;t reduziert, er ist freies Subjekt, Tr&#228;ger einer Arbeitskraft, die erst zu Arbeit als T&#228;tigkeit werden kann, nachdem sie gekauft und somit von seinem kapitalistischen Eigent&#252;mer in die Tat umgesetzt worden ist. Das freie Subjekt ist verbunden mit der Gegenst&#228;ndlichkeit an sich, dem fixen Kapital, welche seine Arbeitskraft subsumiert, sie unterwirft und in den Arbeitsprozess eingliedert. Die Abschaffung des Kapitals ist gleichbedeutend mit der Abschaffung der Gegenst&#228;ndlichkeit an sich, in der Bem&#228;chtigung der materiellen Mittel, und mit der Abschaffung des proletarischen Subjekts in der Hervorbringung des unmittelbar gesellschaftlichen Individuums. Das ist es, was wir simultane Entgegenst&#228;ndlichung und Desubjektivierung nennen, hervorgebracht durch die Bem&#228;chtigung der gesellschaftlichen Totalit&#228;t, eine Handlung, welche sie als etwas von den Individuen Unterschiedenes zerst&#246;rt. Die unterschiedene Totalit&#228;t ist gleichbedeutend mit der unabh&#228;ngigen Gesellschaft, ihrer Teilung in Klassen und ihrer Repr&#228;sentation in der herrschenden Klasse. Die Abschaffung der Klassen ist gleichbedeutend mit der Abschaffung der Gesellschaft, die Erschaffung einer sozialistischen oder gar &#8222;kommunistischen&#8220; Gesellschaft bedeutet immer noch die Aufrechterhaltung der Unabh&#228;ngigkeit der Gemeinschaft gegen&#252;ber ihren Mitgliedern, welche nur durch die Vermittlung der Gesellschaft gesellschaftlich werden. Die Kommunisierung ist gleichbedeutend mit dem Ende jeglicher Vermittlung zwischen den Individuen, doch in der Revolution existiert noch eine Vermittlung durch das Kapital, denn die Aktivit&#228;t ist die Abschaffung des Kapitals! Die Kommunisierung, welche durch ihren Gegenstand selbst vermittelt wird, birgt immer die M&#246;glichkeit der Autonomisierung der Vermittlung durch die Bildung einer von der revolution&#228;ren T&#228;tigkeit getrennten Struktur der Revolution. Diese Tendenz wird unaufh&#246;rlich existieren, sie ist die Institutionalisierung der Revolution und des Kommunismus und somit die Vergesellschaftung der Gesellschaft, nicht die unmittelbare Vergesellschaftung des Individuums.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein permanentes Meeting&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zeitschrift &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; setzt sich zum Ziel, eine Str&#246;mung zu polarisieren, f&#252;r welche der Ausgang des Kampfes der Klasse die unmittelbare Kommunisierung der Gesellschaft ist und auf keine Weise das Einsetzen einer &#220;bergangsphase einer sozialen &#214;konomie zur Erschaffung der Grundlagen eines sp&#228;teren Kommunismus. Diese Publikation hat eine sehr kollektive und offene Funktionsweise, sie will ein permanentes &#8222;Meeting&#8220; sein. Das Funktionieren durch ein elektronisches Forum und Generalversammlungen wird pers&#246;nliche Verbindungen erschaffen, das ist die einzig brauchbare Organisationsform. Die Beteiligten sind in Aktionen und sehr verschiedenen Gruppen engagiert und dadurch werden diese Aktivit&#228;ten miteinander vernetzt und debattiert. Dieses Netzwerk ist sowohl das Zusammenfliessen von Bilanzen des Kampfes als auch die Analyse der Bedeutung des Verlaufs der K&#228;mpfe und des Kapitals (mit welchem sie durch und gegen die Ausbeutung die kapitalistische Produktionsweise konstituieren) und eine Form des theoretischen und praktischen Widerstands gegen die permanente Aggression, welche die nie vollendete Restrukturierung des Kapitals bedeutet, ein Widerstand gegen die permanente Konterrevolution, welche die isolierten Proletarier und die unter uns pr&#228;senten deklassierten Kleinb&#252;rger unterdr&#252;ckt, niederschl&#228;gt und verzweifeln l&#228;sst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als prek&#228;re Lohnarbeiter und (notgedrungene oder mehr oder weniger freiwillige) Arbeitslose oder ins Visier geratene Staatsangestellte werden wir angegriffen, zusammen mit der gesamten lohnarbeitenden Klasse, unser Widerstand besteht aus unseren K&#228;mpfen, unser Netzwerk ist Teil davon. Ja, es ist gar in unserem Netzwerk, wo wir am besten Widerstand leisten k&#246;nnen. Die Str&#246;mung der Kommunisierung hat nicht zum Ziel, irgendeinen Teil der Gesellschaft zu kommunisieren, sie k&#228;mpft &lt;i&gt;f&#252;r&lt;/i&gt; die Kommunisierung, d.h. sie k&#228;mpft, damit die Aussicht auf die Kommunisierung als &lt;i&gt;theoretische Praxis der Selbstanalyse der K&#228;mpfe&lt;/i&gt; pr&#228;sent ist. Der Widerstand gegen den kapitalistischen Druck, das sind die kollektive theoretische Praxis, die gegenseitige Hilfe, die Wiedererlangung und Umorientierung sowohl der Lebens- als auch Aktionsmittel. Auch wenn man &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; nicht zustimmt, ist die Beteiligung am Projekt die Beteiligung an einem Netzwerk, dessen Benennung als &lt;i&gt;Partei&lt;/i&gt; auf eine etwas pedantische Weise ironisch w&#228;re. Das &#8222;linksanarchistische&#8220; oder radikal antib&#252;rgeraktivistische Milieu wird sich vermutlich im Verh&#228;ltnis zum Projekt &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; auch polarisieren k&#246;nnen. Die Selbstanalyse der K&#228;mpfe ist nicht eine Intervention, sondern basiert im Gegenteil auf der Beteiligung an den K&#228;mpfen, die Selbstanalyse agiert in den K&#228;mpfen und durch sie, denn es sind sie, welche die theoretischen Problematiken aufwerfen, sie &lt;i&gt;erzeugen Theorie&lt;/i&gt;. Auch wenn die Zeitschrift sich keine weite Verbreitung zum Ziel setzt, kann sie Materie f&#252;r Flugbl&#228;tter, Plakate und Themen an Versammlungen liefern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Hasta la communisaci&#243;n siempre!&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Projekt ist langfristig und ambitioniert, die von ihm angepeilte Randgruppe ist relativ breit und &#252;berall pr&#228;sent, sie &#252;berschneidet sich mit der libert&#228;ren Str&#246;mung, mit welcher sie polemisiert und die sie zur Selbstkritik dr&#228;ngt. Die Str&#246;mung der Kommunisierung &#252;berwindet den Antib&#252;rgeraktivismus, &#252;bernimmt seine Kritiken gegen die Antiglobalisierungsbewegung und stattet sie mit einem grossen Realismus aus, indem sie davon ausgeht, dass die Antiglobalisierungsbewegung nicht nicht existieren kann, im Gegenteil, indem sie von der Unvermeidlichkeit des radikalen Demokratismus ausgeht, gibt sie ihrer Kritik eine positive Richtung. Die Kommunisierung liefert keine Norm zur Bewertung der K&#228;mpfe und Ideologien, sie liefert eine Vorwegnahme ihrer &#220;berwindung. Die Vorwegnahme der Kommunisierung verbindet die gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe mit der Revolution, da sie jetzt eine &lt;i&gt;theoretische Praxis&lt;/i&gt; ist, und nicht ein Selbstzweck ausserhalb des Verlaufs des Klassenwiderspruchs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die hervorgebrachte &#220;berwindung des Kapitalismus ist gleichbedeutend mit der Selbst&#252;berwindung der K&#228;mpfe gegen das Kapital, gegen seine Bewegung der Restrukturierung, deren Weiterf&#252;hrung in Richtung seiner revolution&#228;ren Krise weist (beginnend als Wirtschaftskrise). Die theoretische Praxis zugunsten der Kommunisierung ist das unvermeidliche reelle Element dieser hervorgebrachten &#220;berwindung, eben genau, &lt;i&gt;weil sie hervorgebracht wird&lt;/i&gt;. Die Diskussion dar&#252;ber, ob die Kommunisierung eine automatische Bewegung oder eine gewollte Handlung ist, ist ein Problem, das aus dem Programm der Affirmation der Arbeit hervorgegangen ist, darin setzte sich das Proletariat als Erbe des Kapitals, sowohl unweigerlich als auch profitierend von den vorl&#228;ufigen Schw&#228;chen des Kapitals in der kapitalistischen Produktionsweise, eine zu ergreifende oder zu verpassende Gelegenheit er&#246;ffnend. Das Dilemma der Unweigerlichkeit, die letztendlich nur eine M&#246;glichkeit war, wurde durch die Parteiform oder eventuell jene der Gewerkschaft gel&#246;st, sie hatten die Aufgabe, die Schalthebel zu &#252;bernehmen und die Gesetze der Geschichte durch die Entwicklung der vom Kapital vernachl&#228;ssigten Produktivkr&#228;fte anzuwenden! Das sozialistische Programm war immer ein &lt;i&gt;Programm der Vollendung der historischen Aufgabe des Kapitalismus&lt;/i&gt;, die Tatsache, dass es nicht mehr existiert, ist auch ein Zeichen dieser Vollendung. Der Widerspruch Kapital/Proletariat reproduziert sich nicht auf einer h&#246;heren Ebene, &#252;bernommen von einem &lt;i&gt;Proletariat, das sein eigenes Verschwinden verwaltet, als Begleiterscheinung zum Absterben des Staates&lt;/i&gt;. Die historische Aufgabe des Kapitals wird es gewesen sein, die Arbeit in der Produktion zu entwesentlichen. Heutzutage setzt der Kampf gegen die Alternative ihr keine andere Alternative entgegen, weder eine R&#252;ckkehr zum sozialistischen Programm noch eine Kommunisierung als unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus gegen das Kapital, unmittelbar (sofort) im Sinne einer Phantasievorstellung, &lt;i&gt;nicht hervorgebracht&lt;/i&gt;, d.h. &lt;i&gt;nicht Teil&lt;/i&gt; einer verallgemeinerten Krise des Kapitals. Der Kampf f&#252;r die Kommunisierung verortet sich in der Perspektive der hervorgebrachten &#220;berwindung, in welcher die Radikalisierung der K&#228;mpfe und der Kriseneintritt des Kapitalismus ein und dasselbe sind, ohne dass das Eine das Andere ausl&#246;sen w&#252;rde, der Prozess ist unvermeidlich, aber er ist ein holpriger und chaotischer Prozess des Klassenwiderspruchs: Ausbeutung/Klassenk&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Str&#246;mung der Kommunisierung wird als Analysator der antib&#252;rgeraktivistischen und der libert&#228;ren Str&#246;mung fungieren &#8211; die &#8222;negative&#8220; radikale Kritik, welche den radikalen Demokratismus zur Befreiung des Kampfes der Klasse abschaffen, und die &#8222;positive&#8220; libert&#228;re Kritik, die nur die offizielle Alternative zur Beg&#252;nstigung eines Linksrutschs beeinflussen will. Die beiden Str&#246;mungen werden durch die Perspektive der Kommunisierung zu einer Selbstanalyse provoziert. Die Sackgasse des B&#252;rgeraktivismus und die Unm&#246;glichkeit ihrer Abschaffung f&#252;hren zum Erfordernis des universellen Kommunismus ohne &#220;bergangsphase, der verbl&#252;ffende, masslose Charakter des Erfordernisses wird durch die Ernsthaftigkeit und unersch&#246;pfliche Geduld der Leute hinter dem Projekt vermittelt. Unser radikaler und ruhiger Optimismus ist unsere einzige Waffe, sie hat uns bis in jene Situation gef&#252;hrt, in welcher die Kommunisierung ihre reelle M&#246;glichkeit beweist, dadurch, dass sie die offensichtliche L&#246;sung des Problems der das Kapital und das Proletariat abschaffenden Revolution ist. Bis dorthin sind wir permanent im Meeting.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/sur-le-courant-communisateur-alain-de-bernard-lyon&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/blstroemung.pdf" length="87095" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Roland Simon &#8211; Zur Kommunisierung</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Roland-Simon-Zur-Kommunisierung</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Roland-Simon-Zur-Kommunisierung</guid>
		<dc:date>2025-12-27T15:46:51Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Roland Simon</dc:subject>
		<dc:subject>Theorie</dc:subject>
		<dc:subject>Meeting</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Programmatismus ist hinf&#228;llig &lt;br class='autobr' /&gt;
Mein Ausgangspunkt ist das Konzept des Programmatismus. Der Programmatismus beruht auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes, wonach eine der Klassen, das Proletariat, in ihrer Situation die Grundlage der &#220;berwindung des Widerspruchs und der (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Meeting" rel="tag"&gt;Meeting&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/meeting-revue.webp?1766810459' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Programmatismus ist hinf&#228;llig&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mein Ausgangspunkt ist das Konzept des Programmatismus. Der Programmatismus beruht auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes, wonach eine der Klassen, das Proletariat, in ihrer Situation die Grundlage der &#220;berwindung des Widerspruchs und der gesellschaftlichen Organisation der k&#252;nftigen Gesellschaft findet. Ihre Aktivit&#228;t im Klassenkampf und diese Organisation werden also zu einem zu verwirklichenden &lt;i&gt;Programm&lt;/i&gt;. Im Klassenkampf zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist das Proletariat das positive Element, das den Widerspruch aufbrechen l&#228;sst, die Revolution ist also &lt;i&gt;die Affirmation des Proletariats&lt;/i&gt;: Diktatur des Proletariats, Arbeiterr&#228;te, &#220;bergangsphase, absterbender Staat, verallgemeinerte Selbstverwaltung, &#8222;Gesellschaft der assoziierten Produzenten&#8220; usw. Die Aufl&#246;sung des Widerspruchs wird durch einen der Begriffe desselben dargestellt. Das Proletariat ist von einem &lt;i&gt;revolution&#228;ren Wesen&lt;/i&gt; beseelt, das es widerspr&#252;chlich zum Kapital macht, sich je nach mehr oder weniger reifen historischen Bedingungen anpassend und als Elemente eines Programms dekliniert. Der Widerspruch ist also nicht mehr das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis selbst, zu deren Abschaffung das Proletariat, aufgrund seiner Situation darin, veranlasst ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Programmatismus ist nicht nur eine Theorie, sondern vor allem die Praxis des Proletariats, die darin besteht, dass die Erstarkung der Klasse in der kapitalistischen Produktionsweise (von der Sozialdemokratie bis zur Ultralinken) auf positive Art und Weise das Trittbrett der Revolution und des Kommunismus ist, letztere sind bloss das Hinauswachsen &#252;ber sich selbst und die Vollendung derselben. Er ist die Praxis des Proletariats vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1960er Jahre. Da er jedoch auf essenzielle Art und Weise mit der formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital verbunden ist, &#8222;zerf&#228;llt&#8220; er in der ersten Phase der reellen Subsumtion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in den 1970er Jahren begonnene Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise beendet diese Situation und eine neue Struktur sowie ein neuer Inhalt des Widerspruchs, der Ausbeutung, definieren nun den neuen Kampfzyklus. Ich werde also nicht ausgehend von einem unver&#228;nderlichen Wesen der Revolution und des Kommunismus, dem man sich mehr oder weniger kurz und total im Verlauf der Geschichte angen&#228;hert habe, von der Kommunisierung sprechen, sondern ausgehend von dieser neuen Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Restrukturierung und neuer Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf die knappstm&#246;gliche Weise definiere ich das Resultat der Restrukturierung als den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital als sich auf der Ebene der Reproduktion der Produktionsweise und somit der Reproduktion der Klassen und ihres Verh&#228;ltnisses verknotend. Folglich bringt das Proletariat, im Rahmen der Ausbeutung im Widerspruch zum Kapital stehend, in diesem Verh&#228;ltnis keine Best&#228;tigung seiner selbst gegen&#252;ber dem Kapital mehr hervor. Das &lt;i&gt;Problem&lt;/i&gt; in seinem Kampf als Klasse ist, in seinem Widerspruch zum Kapital, seine eigene Infragestellung, seine eigene Abschaffung. Daraus resultiert eine wahrhaft unglaubliche Situation. Einerseits k&#228;mpft das Proletariat nur t&#228;glich und ist nur eine revolution&#228;re Klasse in seiner strikten Definition als Klasse dieser Produktionsweise; andererseits l&#228;uft die Grenze all seiner gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe immer darauf hinaus, eine Klasse zu sein und als solche zu handeln. Das ist die Dynamik und gleichzeitig die Grenze dieses Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Dezember 1995 im Kampf der Papierlosen, der Arbeitslosen, der Hafenarbeiter Liverpools, bei Cellatex, Alstom, Lu, Marks and Spencer usw. erscheint diese oder jene Eigenschaft des Kampfes im Verlauf des Kampfes selbst insofern als Grenze, als diese besondere Eigenschaft (&#246;ffentlicher Dienst, Nachfrage nach Arbeit, Verteidigung des Arbeitswerkzeuges, Verweigerung der Delokalisierung, der rein finanziellen Verwaltung usw.), mit welcher die Bewegung zusammenprallt, h&#228;ufig begleitet von Spannungen und inneren Konfrontationen im Rahmen ihres R&#252;ckgangs, immer auf die Tatsache hinausl&#228;uft, eine Klasse zu sein. Wenn in diesem Zyklus die Grenze jedes Kampfes grundlegend die Tatsache ist, als Klasse zu handeln, ist sie somit inh&#228;rent und wird immer notwendigerweise auf je nach Kampf spezifische Weise und gem&#228;ss den Modalit&#228;ten der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise, dessen Klasse das Proletariat ist, existieren (es verhielt sich nicht so, solange das Proletariat dem Kapital eine Reorganisation der Gesellschaft auf der Grundlage dessen, was es in der Gesellschaft war, entgegensetzen konnte).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir t&#228;glich feststellen k&#246;nnen, dass jeder Kampf gegen das st&#246;sst, was ihn als Handlung der Klasse konstituiert, verh&#228;lt es sich anders betreffend der Transformation dieses zur Grenze gewordenen &#8222;Handelns als Klasse&#8220; in die &lt;i&gt;Infragestellung&lt;/i&gt; durch das Proletariat seines eigenen Verh&#228;ltnisses zum Kapital: die Kommunisierung. Das heisst die Transformation von etwas, das sich bis anhin in der Reproduktion des Kapitals aufl&#246;st, in etwas, das aktiv im Kampf der Klasse eine Infragestellung durch das Proletariat seiner eigenen Situation als Klasse ist. Fl&#252;chtige Einblicke gaben uns die &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220;, der Kampf der Arbeitslosen und Prek&#228;ren, ein Indiz daf&#252;r zeigt sich in den Transformationen der Klassenzusammensetzung des Proletariats, aber die &#8222;Infragestellung&#8220; ist noch weitgehend eine &lt;i&gt;theoretische Ableitung&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ableitung erfolgt auf folgender Grundlage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Zusammenbruchs jeglicher Perspektive der Erstarkung, Affirmation und Befreiung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der gegenw&#228;rtigen Grenze aller K&#228;mpfe in der Tatsache selbst, ein Kampf der Klasse zu sein, eine Grenze, welche die Dynamik dieser K&#228;mpfe darstellt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der Neuzusammensetzung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Inhalts und der Struktur des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem restrukturierten Kapital (Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion: Im Widerspruch zum Kapital zu stehen, ist gleichbedeutend mit der Tatsache, im Widerspruch zu seiner eigenen Reproduktion als Klasse zu stehen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald der Klassenkampf auf der Ebene der Reproduktion situiert ist, kann und will das Proletariat in keinem Kampf mehr bleiben, was es ist. Es handelt sich nicht zwingend um aufsehenerregende Aussagen oder &#8222;radikale&#8220; Aktionen, sondern um alle Praktiken der &#8222;Flucht&#8220; oder Verneinung der Proletarier gegen&#252;ber ihrer eigenen Bedingung, in den selbstm&#246;rderischen K&#228;mpfen der Firma Cellatex, im Streik von Vilvoorde oder vielen anderen, wo sich herausstellt, dass das Proletariat getrennt vom Kapital nichts ist und dass es nicht dieses Nichts bleiben kann (dass es seine Vereinigung mit dem Kapital fordert, bringt den Graben, ge&#246;ffnet durch den Kampf, die Anerkennung und die Verweigerung des Proletariats seiner selbst als diesen Graben, nicht zum Verschwinden). Im gegenw&#228;rtigen Verlauf der K&#228;mpfe ist zwar die Infragestellung nur eine theoretische Ableitung, aber sie ist auch viel mehr als das.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige Kampfzyklus ist die Aufl&#246;sung des R&#228;tsels des Kampfes der Klasse: Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Abschaffung aller Klassen sein? Diese Aufl&#246;sung ist die Kommunisierung, abgeleitet von diesem Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Revolution ist Unmittelbarkeit des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kern des Konzepts der Kommunisierung ist ein einziger Punkt: Die Revolution als Abschaffung des Kapitals ist nicht eine Vorbedingung f&#252;r den Aufbau des Kommunismus, sie kann nur als unmittelbarer Aufbau des Kommunismus erfolgreich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass es Probleme gibt, die nicht &#8222;von heute auf morgen&#8220; gel&#246;st werden k&#246;nnen, sie sind sehr wohl real. Die Tatsache jedoch, dass der Kommunismus anfangs Probleme l&#246;sen muss, die er vom Kapitalismus geerbt hat (Ungleichheiten in der Entwicklung, qualitative Transformation der Produktionsinstrumente, Eliminierung gef&#228;hrlicher Anlagen, Dekonzentration der Bev&#246;lkerung, Beseitigung in seinen materiellen &#8211; im Raum eingeschriebenen &#8211; Formen des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, &#8222;Rehabilitierung&#8220; ehemals landwirtschaftlicher oder &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Fl&#228;chen), erschafft deswegen nicht eine Periode oder Aktivit&#228;ten, im Rahmen welcher er nicht gem&#228;ss dem, was er ist, gem&#228;ss seinem eigenen Wesen &#8222;funktionieren&#8220; k&#246;nnte, bis ein gewisses Entwicklungsstadium erreicht sein w&#252;rde, das ohnehin nicht festgelegt werden kann. Der Kommunismus ist nicht das Ende der Geschichte, er muss Probleme l&#246;sen, die er von der kapitalistischen Produktionsweise, und vielleicht sogar, w&#228;hrend dieses Moments des Bruches mit der ganzen vorhergehenden Geschichte der Entfremdung, solche, die er von vorhergehenden Produktionsweisen geerbt hat (die Frage w&#252;rde es verdienen, gestellt zu werden). Er wird selbst seine eigenen Probleme festlegen, Gegens&#228;tze und Dynamiken erzeugen, diese Probleme und diese Dynamik sind Teil der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft insoweit, als die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums eine Gesamtheit an Verh&#228;ltnissen und nicht eine jedem Individuum inh&#228;rente Essenz ist. Es ist in diesem Verh&#228;ltnis zwischen der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft und der Diversit&#228;t, in welchem der Kommunismus existiert und sich als Geschichte abzeichnet. Der Kommunismus ist die menschliche Gemeinschaft in permanentem Aufbau und permanenter Spannung zwischen der Universalit&#228;t und der Diversit&#228;t, denn es gibt f&#252;r sie kein abstraktes Richtmass zwischen den verschiedenen Aktivit&#228;ten (auch diesbez&#252;glich ist der Kommunismus nicht eine x-te Version der &#8222;transparenten Gesellschaft&#8220;). Aber was auch immer diese Probleme sein m&#246;gen, die geerbten oder die eigenen, wird er von Anfang an auf seinen eigenen Grundlagen funktionieren, sonst wird er nicht bestehen k&#246;nnen. Mit der Revolution werden jegliche vorhergehende gesellschaftliche Determinierung als zu reproduzierender Zwang (die Klassenzugeh&#246;rigkeit), jegliche fr&#252;here zu reproduzierende Voraussetzung, den Verh&#228;ltnissen vorausgehend, welche die Individuen als Individuen zwischen ihnen bei gleichzeitiger Definition ihrer Bed&#252;rfnisse definieren, deren Befriedigung und die Modalit&#228;ten derselben abgeschafft. Die Abschaffung der Klassen ist sowohl gleichbedeutend mit der Abschaffung der Aktivit&#228;t als Subjektivit&#228;t als auch ihres Ergebnisses als Objektivit&#228;t ihr gegen&#252;ber, in diesem Zusammenhang ist die Abschaffung der Lohnarbeit jene der Arbeit. Der von der kommunistischen Revolution erschaffene &#220;berfluss ist nicht auf der Ebene des Habens, sondern auf jener des Zusammenseins, der Gemeinschaft. All das wird in der Bewegung der Revolution selbst hervorgebracht, es ist geradezu ihr Inhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man Probleme mit den ersten Etappen des Kommunismus hat und anf&#228;ngt, den &#8222;&#228;ngstlichen Realisten&#8220; mit Ausdr&#252;cken wie &#8222;es geschieht nicht von heute auf morgen&#8220; zu spielen, dann bedeutet das, dass man Probleme hat mit der Konzeption der Revolution, die weiterhin auf der von der objektiven Entwicklung der Produktivkr&#228;fte gelieferten Grundlage, wovon das Proletariat Teil ist, und ihrer Befreiung von der kapitalistischen Kleinlichkeit basiert. Was man meistens als &lt;i&gt;in den ersten Etappen des Kommunismus&lt;/i&gt; zu l&#246;sende Fragen betrachtet, sind in Wirklichkeit in den h&#228;ufigsten F&#228;llen nur kommunistische Massnahmen, welche die Proletarier &lt;i&gt;im Verlauf der Revolution&lt;/i&gt; ergreifen werden m&#252;ssen, dies, weil letztere nicht auf einen Kampf des Kommunismus gegen das Kapital hinausl&#228;uft, sondern &lt;i&gt;die Hervorbringung des Kommunismus vermittelt durch seinen reellen Gegensatz zum Kapital&lt;/i&gt; ist. Pragmatische und taktische Massnahmen im Verlauf der Revolution. Die Abschaffung des Werts oder des Staates, die Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse, deren Inhalt die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums ist, d.h. die Beziehung zwischen Individuen in ihrer Singularit&#228;t, sind taktische Kampfmassnahmen der Proletarier in der Revolution gegen das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Unmittelbarkeit ist kein Immediatismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber Obacht, wenn wir mit dem Finger auf der Karte den zu gehenden Weg vorzeichnen, sind wir deswegen noch lange nicht am Ziel angekommen; es ist im Klassenkampf dieses Kampfzyklus, worin das R&#228;tsel auftaucht und gel&#246;st werden muss. Die &lt;i&gt;Unmittelbarkeit&lt;/i&gt; des Kommunismus ist nicht sein &lt;i&gt;Immediatismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Immediatismus des Alternativismus oder der &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220; weiss sehr wohl, dass der Klassenkampf entscheidend ist, aber er erwartet davon, dass die Arbeiter nicht mehr als solche, sondern als Revolution&#228;re handeln. Doch die Kommunisierung der Gesellschaft wird gleichbedeutend sein mit kommunistischen Massnahmen, die von Arbeitern ergriffen werden, weil sie Arbeiter sind, weil sie als solche definiert in allen Determinierungen des Kapitals und gegen sie existieren. Der Immediatismus setzt voraus, dass die Transformation der Gesellschaft nur m&#246;glich w&#228;re, wenn die Proletarier sich einmal ihrer alten proletarischen Kleider entledigt h&#228;tten. Er betrachtet die Kommunisierung als &#8222;langen Marsch&#8220; in der kapitalistischen Produktionsweise. Der Immediatismus kann nur auf die Alternative hinauslaufen. Man entfernt sich vom Konzept der Kommunisierung selbst, wenn man nicht davon ausgeht, dass die Hervorbringung des Kommunismus erfolgt, weil sich die Proletarier, im Kampf gegen das Kapital als solche, in diesem Kampf ihrer alten proletarischen Kleidung entledigen, weil sie eingetaucht sind in die Widerspr&#252;che des Kapitals, die sie als Proletarier konstituieren. Die Abschaffung der proletarischen Bedingung ist die Selbsttransformation des Proletariats in unmittelbar gesellschaftliche Individuen, es ist der Kampf gegen das Kapital, die uns zu solchen machen wird, denn dieser Kampf ist ein Verh&#228;ltnis, das uns mit ihm verstrickt. Die Kommunisierung konstituiert sich nicht als Lebensweise gegen&#252;ber dem Kapital, sondern wird die &#220;berwindung der fordernden K&#228;mpfe im unmittelbaren Rahmen der Arbeit oder der Reproduktion der Arbeitskraft, d.h. im Rahmen der Ausbeutung sein. Die Revolution ist weder die Enth&#252;llung eines immer schon dagewesenen revolution&#228;ren Wesens des Proletariats, noch das Resultat eines Zusammenstosses zweier Welten: jene des Kapitals und jene der sich ihm gegen&#252;ber konstituierenden kommunistischen Alternative. Da die Revolution die &#220;berwindung der kapitalistischen Produktionsweise ist, hervorgebracht durch die historische Entwicklung des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, bedeutet das, dass sie &lt;i&gt;der Entwicklung der Klassenwiderspr&#252;che dieser Gesellschaft, ihrer Geschichte unterworfen&lt;/i&gt; ist. Die Frage der Kommunisierung ist in ihrer absolut konkreten Form jene des Verh&#228;ltnisses zwischen diesem Kampfzyklus und der Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vom gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus zur Kommunisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jedem Kampfzyklus ist der hervorgebrachte allt&#228;gliche Verlauf des Kampfes der Klasse auf spezifische Weise mit der Revolution verbunden, entweder als Hinauswachsen &#252;ber sich selbst (im Rahmen des Programmatismus) oder als hervorgebrachte &#220;berwindung im gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kampfzyklus formt der allt&#228;gliche Verlauf des Klassenkampfes den Widerspruch, so wie er sich in der Krise und der Revolution entwickelt und strukturiert. Dieser neue Zyklus hat grundlegende Eigenschaften, die ihn radikal vom Programmatismus unterscheiden: das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t, die Tatsache, dass jeder Kampf in dem, was ihn definiert, mit seiner eigenen Grenze als Reproduktion des Kapitals konfrontiert ist (Grenzen, die diese Reproduktion ihm immer auf spezifische Weise aufzeigt, gem&#228;ss ihren eigenen Eigenschaften), jene, dass die Konfrontation mit dem Kapital gleichbedeutend mit jener mit seiner eigenen Konstitution als Klasse ist. Es ist aufgrund dieser Eigenschaften des allt&#228;glichen Verlaufs selbst, dass die Krise dieses widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen dem Proletariat und dem Kapital zur Kommunisierung werden kann. Die Kommunisierung ist die Vollendung/&#220;berwindung dieses neuen Kampfzyklus, determiniert durch den Inhalt desselben: dem Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion des Verh&#228;ltnisses, dem Zusammenwachsen der Konstitution des Proletariats als Klasse und seines Widerspruchs mit dem Kapital, dem damit einhergehenden Verschwinden jeglicher Arbeiteridentit&#228;t. &lt;i&gt;Der Widerspruch zwischen den Klassen ist zur &#8222;Bedingung&#8220; seiner eigenen Aufl&#246;sung als gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums geworden&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es jedoch nicht mit einem revolution&#228;ren Wesen zu tun, sondern mit dem Verlauf des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, so wie er sich als allt&#228;glicher Verlauf des Klassenkampfs und dynamischer Verlauf der Widerspr&#252;che des Kapitals zeigt. Er konstituiert und ben&#246;tigt die Krise der kapitalistischen Reproduktion als Vermittlung f&#252;r seine &#220;berwindung. Das, weil &lt;i&gt;der Widerspruch notwendigerweise in seinem Prozess &#214;konomie wird&lt;/i&gt;, in einer jedes Mal spezifisch ausgedr&#252;ckten historischen Form. Das Kapital reproduziert sich und somit existiert die &#214;konomie, seine Krise wird nichts anderes als die Wirtschaftskrise sein, aber die Wirtschaftskrise ist gleichbedeutend mit der Krise des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, einer &lt;i&gt;Krise des Verh&#228;ltnisses der gegenseitigen Verstrickung&lt;/i&gt;. Das hat nichts mit der Bekr&#228;ftigung zu tun, die Krise w&#252;rde nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich, politisch usw. sein. Die Krise dieses Kampfzyklus als Krise des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses beinhaltet eine Klassenaktivit&#228;t, die zur Kommunisierung werden kann. Es handelt sich nicht um etwas, das von Anfang an gegeben w&#228;re und der Krise ihr Wesen auferlegen w&#252;rde, sondern um die Praxis des Proletariats in dieser Krise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Verh&#228;ltnis zwischen den gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfen und der Revolution muss man sich allerdings &lt;i&gt;innerhalb der Klassenaktivit&#228;t&lt;/i&gt; ann&#228;hern. Wir wissen, dass es sich nicht um ein Hinauswachsen &#252;ber sich selbst handelt, aber wenn wir an diese Frage nicht als Klassenaktivit&#228;t herangehen, verleihen wir der Krise eine demiurgische Rolle, indem wir sie nur als die Klassenaktivit&#228;t modifizierende Krise des Kapitals konzipieren, eine Modifikation, die sie also einfach hinnehmen m&#252;sste. Was ist vom Standpunkt aus der Klassenaktivit&#228;t der Inhalt dieses &#220;bergangs, dieser &#220;berwindung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Kommunisierung ist die hervorgebrachte &#220;berwindung dieses Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution ist ein Konflikt zwischen Klassen, sie ist die &#228;usserste Determinierung des widerspr&#252;chlichen Prozesses des Kapitals als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital. Der &#220;berwindungsprozess des fordernden Kampfes zeichnet sich im fordernden Kampf selbst ab, wenn letzterer innerhalb seiner selbst seine Anforderungen stellt, ohne die Reproduktionslogik des Systems zu ber&#252;cksichtigen und dadurch dazu tendiert, die Existenzbedingungen der Ausbeutung selbst infrage zu stellen. Wenn er also schlichtweg im Verlauf des fordernden Kampfes zu allem entschlossen wird, wodurch er seine Koh&#228;renz als fordernder Kampf &#252;berwindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich in einer Situation befindet, in welcher die Abschaffung jener Gesellschaft, wovon wir selbst Teil sind, zum Ziel der Bewegung wird, zudem in einer gesellschaftlichen Situation, in welcher man sich selbst, sei es als Lohnabh&#228;ngige, Proletarier oder Arbeiter, keine zu befreiende Identit&#228;t gegen diese Gesellschaft, kein Projekt der Reorganisation derselben auf der Grundlage der Lohnarbeit oder der wertschaffenden Arbeit verleihen kann, wenn man sich in dieser Situation befindet und dementsprechend handelt, dann zeichnet sich die Kommunisierung ab. Das bedeutet, dass die Klassenzugeh&#246;rigkeit, die Notwendigkeit, vorherige zu reproduzierende gesellschaftliche Definition war, da sie ihre Reproduktion impliziert, kontingent wird. Jeglicher Streik oder Kampf ist nicht potenziell die Revolution, aber wir werden nie im Vornhinein den Moment definieren k&#246;nnen, wo ein fordernder Kampf seine eigene &#220;berwindung hervorbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Diese &#220;berwindung des Widerspruchs zwischen den Klassen ist der Moment, wo der Kampf gegen das Kapital im Verlauf desselben zur Infragestellung &lt;/i&gt;&lt;i&gt;der&lt;/i&gt;&lt;i&gt; eigenen Bedingung als Proletarier wird, diese Bedingung wird im Verlauf des Konflikts als &#228;usserer Zwang hervorgebracht, man k&#228;mpft gleichzeitig als Proletarier gegen das Kapital und bringt simultan dazu neue Verh&#228;ltnisse hervor&lt;/i&gt;. Man kommunisiert die Gesellschaft, d.h. man schafft sie als autonome Substanz des Verh&#228;ltnisses zwischen Individuen ab, letztere beziehen sich daraufhin in ihrer Singularit&#228;t aufeinander. Die vorherigen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse l&#246;sen sich, ohne dass es in einem (inexistenten und unm&#246;glichen) Gesamtplan begr&#252;ndet w&#228;re, in dieser gesellschaftlichen Aktivit&#228;t auf, in ihr kann man nicht unterscheiden zwischen der Aktivit&#228;t der Streikenden und Aufst&#228;ndischen und der Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse zwischen den Individuen, neue Verh&#228;ltnisse, in welchen die Individuen das, was ist, bloss als Moment eines ununterbrochenen Flusses der Hervorbringung menschlichen Lebens betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon ausgehend ist diese &#220;berwindung kein innerer Prozess der Klasse, sondern ihr Konflikt mit dem Kapital und die Entwicklung der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse, also der Ziele und des theoretischen Bewusstseins, die im Kampf bestimmt werden. Die Kommunisierung ist der Geschichte der Kapitalakkumulation und ihrer Krise unterworfen. Was kann aus dieser Krise eine Endkrise machen? Nichts anderes als ihr Verlauf, und nicht die Vollendung einer Bedeutung oder Tendenz. Es ist die Krise der kapitalistischen Produktionsweise in den Begriffen derselben, resultierend aus dem tendenziellen Fall der Profitrate, Widerspruch zwischen den Klassen (diesbez&#252;glich ist die h&#228;ufig gestellte Frage &#8222;Wie tief muss sie fallen?&#8220; sinnlos). Es ist nicht die Irreproduzierbarkeit dieses Widerspruchs, der die Ausbeutung ist, wodurch die Kommunisierung hervorgebracht wird. Es ist die &#220;berwindung dieses spezifischen Kampfzyklus und die daraus resultierende Praxis des Proletariats als Praxis in dieser Krise, die als Kommunisierung definiert werden, was den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital irreproduzierbar macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die &#220;berwindung der Situation des Proletariats ist die Definition des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums bedeutet grundlegend die Abschaffung der Teilung der Gesellschaft in Klassen, eine Spaltung, aufgrund welcher die Gemeinschaft dem Individuum fremd ist. Man kann sich also positiv dem ann&#228;hern, was die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen sind, oder eher, was die Beziehungen zwischen unmittelbar gesellschaftlichen Individuen in ihrer Singularit&#228;t sind. Ihre Selbsthervorbringung in ihren gegenseitigen Beziehungen impliziert nie eine Reproduktion in einem Zustand, der eine Partikularisierung der Gemeinschaft w&#228;re, impliziert durch die Arbeitsteilung, das Eigentum und die Klassen. Die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen behandeln bewusst jedes Objekt als menschliche Aktivit&#228;t und l&#246;sen die Objektivit&#228;t in einem Fluss von Aktivit&#228;ten auf (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Eigentums auf der Grundlage des Eigentums); sie behandeln ihre eigene Aktivit&#228;t als konkrete Partikularisierung der menschlichen Aktivit&#228;t (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Arbeitsteilung auf der Grundlage der Arbeitsteilung); sie betrachten praktisch ihre Produktion und ihr Produkt in ihrem Zusammenfallen als ihren eigenen Zweck an sich und ihre Determinierungen, ihre M&#246;glichkeiten der Durchf&#252;hrung und ihre Finalit&#228;ten beinhaltend (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Tausches und des Werts) und schliesslich setzen sie die Gesellschaft als etwas, das konstant im Verh&#228;ltnis zwischen Individuen hervorgebracht werden muss und jede Beziehung als Voraussetzung ihrer Transformation (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Klassen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In alldem finden wir das Proletariat wieder als Aufl&#246;sung der bestehenden Bedingungen auf der Grundlage, in der Bewegung, derselben. Davon ausgehend, &lt;i&gt;in einem besonderen historischen Moment&lt;/i&gt;, finden wir seine Kapazit&#228;t, seine eigene Definition als Klasse als ver&#228;usserlichten Zwang im Kapital gegen es selbst zu behandeln. Alles, was wir von der Kommunisierung (und dem Kommunismus) sagen k&#246;nnen, leitet sich von dem ab, was das Proletariat &lt;i&gt;in seinem Verh&#228;ltnis zum Kapital&lt;/i&gt; ist, dadurch ist sie ein Moment der Geschichte dieses Verh&#228;ltnisses. Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Klassen abschaffen? Es ist in der Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise, als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, wo wir bruchst&#252;ckhaft die L&#246;sung des R&#228;tsels suchen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/sur-la-communisation-rs&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/rszurkommunisierung.pdf" length="66975" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Federico Corriente - &#220;ber den Durchgang einiger Ultralinker durch eine relativ kurze Zeiteinheit: Die Urspr&#252;nge der Theorie der Kommunisierung</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Federico-Corriente-Uber-den-Durchgang-einiger-Ultralinker-durch-eine-relativ</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Federico-Corriente-Uber-den-Durchgang-einiger-Ultralinker-durch-eine-relativ</guid>
		<dc:date>2025-07-06T10:49:28Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Theorie</dc:subject>
		<dc:subject>Federico Corriente</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Der &#8222;Vorwand&#8220; f&#252;r die Niederschrift dieses Artikels war die Ver&#246;ffentlichung der &#220;bersetzung des Buches von Jean-Yves B&#233;riou (Mitglied von N&#233;gation) Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen (1973) auf Spanisch und das Projekt einer &#246;ffentlichen Pr&#228;sentation. Das Thema hat sich allerdings sehr schnell ausgeweitet, zuerst auf die Thesen der Gruppe N&#233;gation im Allgemeinen und dann auf jene der Gesamtheit der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1972-1974. &lt;br class='autobr' /&gt;
Auf diesem Grab m&#252;ssen (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Federico-Corriente" rel="tag"&gt;Federico Corriente&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/le-voyou-2.webp?1751798920' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der &#8222;Vorwand&#8220; f&#252;r die Niederschrift dieses Artikels war die Ver&#246;ffentlichung der &#220;bersetzung des Buches von Jean-Yves B&#233;riou (Mitglied von N&#233;gation) &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Revolutionare-Theorie-und&#034;&gt;&lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (1973) auf Spanisch und das Projekt einer &#246;ffentlichen Pr&#228;sentation. Das Thema hat sich allerdings sehr schnell ausgeweitet, zuerst auf die Thesen der Gruppe N&#233;gation im Allgemeinen und dann auf jene der Gesamtheit der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1972-1974.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Auf diesem Grab m&#252;ssen wir bis zum letzten Stein auft&#252;rmen, denn in Gedanken erstehen die Toten wieder auf.
&lt;p&gt;C.L.R. James, &lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor gut einem Jahrzehnt war in Frankreich die Existenz von Gruppen wie N&#233;gation, Le Mouvement communiste oder Intervention communiste kaum bekannt, geschweige denn ihre Relevanz. Noch weniger h&#228;tte man sich vorstellen k&#246;nnen, dass sie zu einem &#8218;Bruch in der Theorie der Revolution&#8216; beigetragen hatten, wie es der Titel einer Anthologie formuliert, in der sie 2003 erneut ver&#246;ffentlicht wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit diese Gruppen eine bessere Bekanntheit erlangen konnten, brauchte es die Hervorbringung auf internationaler Ebene 2008 einer &#8222;Str&#246;mung der Kommunisierung&#8220;, die sich schon stark von der alten franz&#246;sischen Ultralinken der 1970er Jahre unterschied und ihre Vorfahren und Wegbereiter der Vergessenheit entriss. Und das erkl&#228;rt, wieso ein Text wie &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt; &#8211; wovon eben genau eine der Hauptthesen das Schicksal revolution&#228;rer Theorien hinsichtlich ihrer historischen Periode ist &#8211; heute auf Spanisch ver&#246;ffentlicht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollte mittlerweile eine banale Feststellung sein, dass jeder grosse Schritt nach vorne der wirklichen Bewegung, abgesehen davon, dass er mehr wert ist als ein Dutzend Programme, uns erlaubt, die Gegenwart und die Vergangenheit neu zu betrachten. Die Erkl&#228;rung ist simpel: Jede Periode revolution&#228;rer Erneuerung ist, sei es auch nur auf fl&#252;chtige Art und Weise, durch die Herrschaft der Gegenwart &#252;ber die Vergangenheit, der lebenden &#252;ber die tote Arbeit charakterisiert. Was jedoch weit weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass sie auch immer Anlass f&#252;r eine kr&#228;ftige R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten gibt, n&#228;mlich f&#252;r die Auferweckung &#8211; die an sich genauso legitim wie unvermeidlich ist &#8211; der &#8222;besten Momente&#8220; des unmittelbar vorangehenden revolution&#228;ren Zyklus, deren Erben h&#228;ufig eher gewillt sind, die ihm entsprechenden Lehren und Erkenntnisse zu &#252;bermitteln als jene zu sein, welche zuh&#246;ren und etwas von der neu entstehenden Bewegung lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn ausserdem, wie es bis anhin die Regel war, der revolution&#228;re Aufschwung stecken bleibt oder mit einer Niederlage endet und deswegen &#8222;die vergangne Arbeit selbst&#228;ndig und &#252;berm&#228;chtig der lebendigen gegen&#252;bertritt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie. Dritter Band. (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, wird diese R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten unabwendbar dazu tendieren, zu einer Unterdr&#252;ckungskraft des Bewusstseins zu werden, in w&#252;rdigem Nachgang zu dieser von Marx zu Beginn des Textes &lt;i&gt;Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte&lt;/i&gt; erw&#228;hnten &#8222;Tradition aller toten Geschlechter&#8220;, die &#8222;wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden&#8220; lasten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eben genau in dieser bahnbrechenden Analyse der Konterrevolution nach der Niederlage des proletarischen Aufstands im Juni 1848 in Frankreich f&#252;hrt Marx eiligst, nachdem er daran erinnert hat, wie die Lebenden in einer Periode der revolution&#228;ren Krise &#8222;&#228;ngstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf[beschw&#246;ren]&#8220;, das ein, was in seinen Augen b&#252;rgerliche und proletarische Revolutionen fundamental voneinander unterscheidet: &#8222;Bei Betrachtung jener weltgeschichtlichen Totenbeschw&#246;rungen zeigt sich sofort ein springender Unterschied [&#8230;] Die Totenerweckung in jenen [b&#252;rgerlichen] Revolutionen diente also dazu, die neuen K&#228;mpfe zu verherrlichen, nicht die alten zu parodieren, die gegebene Aufgabe in der Phantasie zu &#252;bertreiben, nicht vor ihrer L&#246;sung in der Wirklichkeit zur&#252;ckzufl&#252;chten, den Geist der Revolution wiederzufinden, nicht ihr Gespenst wieder umgehen zu machen.&#8220; Nachdem er die proletarischen Revolutionen, die &#8222;best&#228;ndig sich selbst [kritisieren]&#8220; und &#8222;grausam-gr&#252;ndlich die Halbheiten, Schw&#228;chen und Erb&#228;rmlichkeiten ihrer ersten Versuche [verh&#246;hnen]&#8220;, den b&#252;rgerlichen, die hingegen &#8222;der weltgeschichtlichen R&#252;ckerinnerungen [bedurften], um &#252;ber ihren eigenen Inhalt zu bet&#228;uben&#8220;, entgegensetzt, erstellt Marx jedoch keinen Kausalzusammenhang zwischen der Niederlage ersterer und den darauffolgenden ideologischen Auswirkungen &#8211; die noch sch&#228;dlicher sind als jene der b&#252;rgerlichen Revolutionen &#8211; was zu seiner Zeit genauso verst&#228;ndlich war, wie dessen Nichtbeachtung heute unverzeihlich w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich haben es, wie wir sp&#228;ter sehen werden und trotz ihrer vergangenen Beitr&#228;ge und ihrer m&#252;hseligen Anstrengungen, um sich nach 1968 auf den neuesten Stand zu bringen, weder die Repr&#228;sentanten der neuen &#8222;autonomen&#8220; Ideologie der &#8222;Selbstverwaltung&#8220;, noch die mehr oder weniger bordigisierten Nutzniesser des Erbes der kommunistischen Linken der Periode 1917-1923 geschafft, sich den Auswirkungen dieses &#8222;Gesetzes&#8220; der historischen Tr&#228;gheit der Konterrevolutionen zu entziehen. Das f&#252;hrte sie nicht nur dazu, sich bez&#252;glich der wahrhaften historischen Bedeutung ihrer Aktivit&#228;t zu t&#228;uschen, sondern auch, jede der durch den erneuten revolution&#228;ren Aufschwung der Periode 1968 aufgeworfenen beunruhigenden Neuheiten energisch zu bek&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Bruch mit dem R&#228;tekommunismus und dem Bordigismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Heute hingegen sind jene Minderheiten, welche ihren konstanten Drang nach Kommunismus erkennen lassen, noch isoliert. Man findet sie haupts&#228;chlich in den Ghettos der &lt;i&gt;lebenslangen Arbeitslosen&lt;/i&gt; in den USA oder den nicht entwickelten Gebieten (Watts oder Madagaskar), unter den Delinquenten, die sich der Arbeit verweigern, aber &lt;i&gt;durch gewaltsames Eindringen&lt;/i&gt; in die materielle Gemeinschaft des Kapitals zur&#252;ckkehren.
&lt;p&gt;&#8222;Le Voyou se pr&#233;sente&#8220; in &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt;, Nr. 1, M&#228;rz 1973.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wenn man die &#8222;vorherrschende alternative Erz&#228;hlung&#8220; der &#8222;autonomen K&#228;mpfe&#8220; der 1960er und 1970er Jahre beim Wort nimmt, k&#246;nnte man leicht zum Schluss kommen, dass der angebliche &#8222;Bruch&#8220;, wovon die franz&#246;sische Ultralinke ein Teil ist, nicht existiert oder h&#246;chstes eine weitere Episode des Bruches mit der &#8222;alten Arbeiterbewegung&#8220; sozialdemokratischer oder leninistischer Pr&#228;gung darstellt. Dieser ab Mitte der 1920er Jahre von der deutsch-holl&#228;ndischen r&#228;tekommunistischen Str&#246;mung theoretisierte Bruch ist danach von aus der Krise des Trotzkismus der Nachkriegszeit entstammenden Splittergruppen wie Socialisme ou barbarie in Frankreich oder der Johnson-Forest Tendency in den USA, sowie, auf mehr oder weniger unabh&#228;ngige und eigene Art und Weise, vom italienischen Operaismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den letzten Jahren haben mehrere Autoren die Intensit&#228;t des Austausches (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wiederaufgenommen worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses friedliche Bild einer Art ununterbrochener Radikalisierungsprozess, wenn es auch nicht total unbegr&#252;ndet sein mag, hat jedoch den grossen Nachteil, dass es die Konfrontation der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1968-1974, nicht nur mit den Repr&#228;sentanten des R&#228;tekommunismus, sondern auch mit jenen der anderen grossen &#252;berdauernden Tradition der kommunistischen Linken, des &#8222;Bordigismus&#8220;, die nach 1968 dank Jacques Camatte und der Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt;, aber auch dank der Aktivit&#228;t &#8222;orthodoxerer&#8220; Gruppen, gewissermassen wiederauflebte, unsichtbar macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise ist zudem h&#228;ufig von einer Banalisierung der Bedeutung der von 1968 eingel&#228;uteten Zeitenwende begleitet, sie wird reduziert auf eine allgemeine &#8222;R&#252;ckkehr der Revolution&#8220; oder, im besten Fall, auf einen &#8222;zweiten proletarischen Angriff gegen die Klassengesellschaft&#8220;, dessen kritischer Inhalt in jedem Fall ausgeblendet wird, n&#228;mlich die Tatsache, dass die R&#252;ckkehr des Proletariats in den Vordergrund der Geschichte mit der Todeskrise seiner Affirmation und somit dem Verschwinden des Monopols &#8222;der Arbeiter&#8220; auf die Revolution zusammenf&#228;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass es sich weder nur um ein &#8222;subjektives&#8220; oder &#8222;Bewusstseinsproblem&#8220; noch um die simple Marcusesche &#8222;Integration&#8220; der Arbeiterklasse durch den Konsum, sondern um den materiellen Ausdruck der Tatsache handelte, dass die kapitalistische Produktionsweise in eine qualitativ neue Phase eingetreten war, erkannten einige in den USA schon seit einer gewissen Zeit. Ab Mitte der 1950er Jahre setzte die amerikanische Automobilindustrie zur Untergrabung der Kapazit&#228;t der Arbeiter, den beschleunigten Arbeitsrhythmen zu trotzen, massiv die Automatisierung ein. Dadurch schaffte sie es nicht nur, eine grosse Anzahl qualifizierter Arbeiter zu entlassen und die &#8222;Streikfreude&#8220; der noch angestellten drastisch zu reduzieren, sondern sie legte gleichzeitig, indem sie gegen 1957-1958 der Absorbierung der urbanen schwarzen Arbeitskraft &#8211; ein Teil der Bev&#246;lkerung, deren Pr&#228;senz in der Industrie seit 1940 kontinuierlich gewachsen war &#8211; ein Ende setzte, die Grundlagen der Konstitution einer Klasse permanenter Arbeitsloser, die kurzfristig die &#8222;schwarze Frage&#8220; in ein wahrhaftes Pulverfass verwandeln wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Brosch&#252;re mit dem Titel &lt;i&gt;Facing Reality&lt;/i&gt; analysiert die Gruppe Correspondence daher den &#8222;objektiven&#8220; Aspekt der Automatisierung 1958 folgendermassen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Stadium der Massenproduktion durch Arbeiter an Fliessb&#228;ndern n&#228;hert sich ihrem Ende. Das Fliessband selbst ist das letzte grosse Hindernis f&#252;r die Automatisierung der Industrie. Das Wesen des Fliessbandes ist, dass es eine Nachfrage nach manueller Geschicklichkeit erschafft, w&#228;hrend es diese gleichzeitig maximal durch das F&#246;rderband organisiert und kontrolliert. Das Wesen der Automatisierung besteht darin, die manuelle Geschicklichkeit komplett durch elektronische Befehle zu ersetzen [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die entscheidende Etappe ist in den 1950er Jahren abgeschlossen worden, als die Automatisierung sich in der Metallindustrie durchgesetzt hat. In den USA handelt es sich allen voran um die Automobilindustrie und dort entsteht der Begriff &#8218;Automatisierung&#8216; zur Beschreibung der Verbindung der Werkzeugmaschinen durch elektronische Befehle [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis anhin initiierte jede neue technologische Etappe eine gr&#246;ssere Nachfrage nach Arbeitskraft. Nach jeder Krise, w&#228;hrend welcher die alten Produktionsmittel ausrangiert worden sind, stieg der Bedarf an Arbeitskraft. Die Automatisierung ist jenes technologische Stadium, welches, unabh&#228;ngig von der Masse der produzierten G&#252;ter und zum ersten Mal im Kapitalismus, keine zus&#228;tzliche Nachfrage nach Arbeitskraft schaffen wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Jahre sp&#228;ter skizzierte James Boggs in &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; (1963) &#8211; ein Buch, das in sechs Sprachen &#252;bersetzt worden ist und zur Spaltung der Gruppe Correspondence gef&#252;hrt hat &#8211; seine eigene Einsch&#228;tzung des &#8222;subjektiven&#8220; Aspekts dieses Prozesses:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist ebenfalls klar, dass die am besten organisierten Arbeiter des Landes, die ehemals gewerkschaftlich organisierten Schichten, die vom Aussterben bedrohte Gattung der in der direkten Produktion angestellten Arbeiter, gelernt haben, dass sie ab jetzt f&#252;r k&#252;nftige oder hypothetisch k&#252;nftige Aktionen die Hilfe anderer Kr&#228;fte ben&#246;tigen werden. Heutzutage muss das Problem der Kontrolle &#252;ber die Produktion oder der Befriedigung konkreter lokaler Forderungen von breiten Schichten der Bev&#246;lkerung in die Hand genommen werden. Mehr als je zuvor sind diese Fragen heutzutage gleichbedeutend mit einer Konfrontation mit der Gewerkschaft, der Gemeinderegierung, der Regierung des Bundesstaates und der nationalen Regierung. Die Frage ist nicht, ob die Arbeiter revoltieren k&#246;nnen oder nicht. Ein isolierter Arbeiter kann auch revoltieren. Aber die Arbeiter sind keine Dummk&#246;pfe. Genau wie die Arbeiter im Rest der Welt, und manchmal vielleicht sogar noch eher, wollen die amerikanischen Arbeiter auch gewinnen. Wenn sie k&#228;mpfen, wollen sie sicher sein, dass sie einen unmittelbaren Erfolg feiern k&#246;nnen. Sie kennen die Struktur der Gesellschaft und wissen, dass sie sich, um gewinnen zu k&#246;nnen, mit anderen vereinen m&#252;ssen [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber seine Analyse bleibt hier nicht stehen und, abgesehen von der Frage, wer diese &#8222;anderen&#8220; sein k&#246;nnten und was sie zum revolution&#228;ren Prozess beitragen werden, zeigt er die einem Aufkommen einer solchen Konjunktur inh&#228;renten H&#252;rden auf:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt schon Millionen junger M&#228;nner und Frauen, die nie Arbeit hatten und von der Hand in den Mund leben, entweder von der Wohlt&#228;tigkeit oder der Kleinkriminalit&#228;t, d.h. auf Kosten jener, welche arbeiten [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben keine Illusionen bez&#252;glich der Leichtigkeit der Verwirklichung der Einheit zwischen diesen Aussenseitern und jenen, welche noch im System sind, weil sie arbeiten. Wie wir es schon betont haben, trennen die gewerkschaftlichen Organisationen selbst die Lohnarbeiter von den Arbeitslosen und k&#246;nnen f&#252;r letztere nichts tun [&#8230;] &lt;i&gt;Das bedeutet, dass wir uns betreffend der notwendigen Ver&#228;nderungen, des Zugangs zum radikalsten, d.h. tiefsten Denken, diesen Aussenseitern zuwenden m&#252;ssen&lt;/i&gt; [&#8230;].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Thesen von Boggs sind nicht unbemerkt geblieben und es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie Gruppen wie N&#233;gation und Invariance, deren Schriften Verweise auf Boggs und sein Buch enthalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Le Mouvement communiste (Champ Libre, 1972) von Jean Barrot (Gilles (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, beeinflusst haben, Gruppen, die 1968 nicht als Signal f&#252;r den Beginn einer neuen &#8222;revolution&#228;ren Epoche&#8220; begreifen, sondern eher als Ende eines langen konterrevolution&#228;ren Zyklus, &#8222;denn die Konterrevolution beginnt selbst, ihre eigenen Grundlagen zu untergraben&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Mouvement communiste, Nr. 3, Juli 1972, hier online verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r den mehr oder weniger orthodoxen R&#228;tekommunismus und Bordigismus &#8211; deren Einsch&#228;tzungen von 1968 sich &#252;brigens radikal voneinander unterscheiden &#8211; beschr&#228;nkten sich die Ereignisse in diesem Jahr im Wesentlichen darauf, die von ihnen seit mehreren Jahrzehnten verteidigten Thesen zu best&#228;tigen, zudem erlaubten sie ihnen, ihr Publikum und die Verbreitung ihrer Ideologie betr&#228;chtlich auszuweiten. Anders gesagt, sie haben f&#252;r sie keine neuen theoretischen Probleme aufgeworfen und ihren &#8222;konzeptionellen Rahmen&#8220; nicht wesentlich ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Ultralinke&#8220; ihrerseits hatte kaum Zeit, die M&#228;ngel und Anachronismen ihrer Vorg&#228;nger hervorzuheben, bevor sie mit jener revolution&#228;ren Erneuerung verschwunden ist, welche ihr Erstehen erst erm&#246;glicht hatte, und hinterliess nur eine Handvoll Texte voller scheinbar extravaganter Behauptungen, in welchen die &#8222;revolution&#228;ren Organisationen&#8220; mit mafi&#246;ser Schutzgelderpressung verglichen und die Politik und der Aktivismus als &#8222;konterrevolution&#228;re&#8220; Aktivit&#228;ten bezeichnet werden&#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die anscheinende Ausnahme, welche die konstant und ununterbrochen (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Ultralinke, welche die traditionellen Parteien, Gewerkschaften und Organisationen im Visier hatte, ist so schnell verschwunden und hatte so wenig Einfluss, dass diese Organisationen es nicht einmal f&#252;r n&#246;tig hielten, diese neue &#8222;Kinderkrankheit des Kommunismus&#8220; explizit zu verurteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als aussagekr&#228;ftiges Beispiel und anschauliche Illustration der angesprochenen &#8222;Exzesse&#8220; &#8211; wenn man die konkrete Erfahrung ausser Acht l&#228;sst, auf welche sie sich beziehen &#8211; verdienen es diese Aussagen B&#233;rious, zitiert zu werden:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Theorie, welche immer Theorie einer historischen Bewegung ist, kann, wenn diese historische Bewegung unmittelbar konterrevolution&#228;r ist, nur durch verschiedene Vermittlungen und Ideologisierungen revolution&#228;r sein. Sie lebt nicht durch die Gnade der Geschichte, von der konterrevolution&#228;ren Wirklichkeit verschont, sie geht sogar so weit, dass sie diese in gewissen Aspekten ausdr&#252;ckt; als &#220;berlebende eines konterrevolution&#228;ren Zyklus wird sie &#252;brigens zum Ausdruck der Konterrevolution w&#228;hrend dem erneuten revolution&#228;ren Aufschwung: So wurden der Bordigismus oder der R&#228;tekommunismus zu konterrevolution&#228;ren Ausdr&#252;cken der gegenw&#228;rtigen wirklichen Bewegung und sie werden sich schon bald &lt;i&gt;aktiv&lt;/i&gt; an der praktischen Konterrevolution beteiligen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese konkrete Erfahrung ist nichts anderes als die Krise des R&#228;tekommunismus, die N&#233;gation als Mitglied des Netzwerks der wichtigsten franz&#246;sischen r&#228;tekommunistischen Gruppe Informations et correspondance ouvri&#232;res (ICO) von innen erlebte. Nach 1968 wuchs die Mitgliederzahl von ICO von etwa 20 auf mehrere Hunderte verteilt &#252;ber das ganze Land. Viele von ihnen &#8211; deren Positionen vom eher &#8222;orthodoxen&#8220; Anarchismus bis zum Linkskommunismus oder klar von den Situationisten beeinflussten Ans&#228;tzen reichten &#8211; dr&#252;ckten schnell ihre zunehmende Unzufriedenheit gegen&#252;ber der in diesen Jahren beliebten Ideologie gepr&#228;gt von R&#228;tekommunismus und Selbstverwaltung aus, w&#228;hrend es zu immer mehr wilden Streiks kam und die Arbeiter nicht die geringsten Bestrebungen zeigten, die Verwaltung der Produktion zu &#252;bernehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dinge beschleunigen sich als zu Beginn der 1970er Jahre in den USA immer mehr Presseartikel und soziologische Studien &#252;ber eine unter der neuen Generation der Arbeiter stark zunehmende &#8222;Revolte gegen die Arbeit&#8220; ver&#246;ffentlicht werden. Gruppen wie N&#233;gation und Intervention communiste betonen, dass diese K&#228;mpfe, neben der Tatsache, dass sie die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften untergraben &#8211; was Boggs schon als eine der Auswirkungen der Automatisierung unterstrichen hatte &#8211;, das klassische revolution&#228;re Programm der Arbeit und des Aufbaus einer &#8222;Arbeitermacht&#8220; infrage stellen. So seien diese Praktiken weit davon entfernt, das Auftauchen einer &#8222;neuen Arbeiterbewegung&#8220; anzuk&#252;ndigen, sie k&#252;ndigen stattdessen das Ende sowohl der &#8222;alten&#8220; als auch der &#8222;neuen&#8220; Bewegung an. Von diesem Zeitpunkt an sehen N&#233;gation und ihre Weggenossen in der Verweigerung der Arbeit, den Krawallen und den wilden Streiks die Zeichen einer m&#246;glichen unmittelbaren und bevorstehenden Zerst&#246;rung der kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse, die sie als &#8222;Selbstnegation des Proletariats&#8220; theoretisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[H]eutzutage wieder von Verwaltung zu sprechen, ist eine rein &lt;i&gt;konterrevolution&#228;re&lt;/i&gt; Ideologie, und in den USA mehr als sonst irgendwo, denn in diesem Land sind die Produktivkr&#228;fte auf einem Niveau angekommen, wo die neuen, im Text &#8218;Contre-planning&#8216; beschriebenen Kampfformen erscheinen und sie f&#252;hlen sich &lt;i&gt;offensichtlich&lt;/i&gt; nicht zur Verwaltung berufen; sie dr&#252;cken die Kritik der total dem Kapitel unterworfenen Arbeit aus, genau wie die R&#228;te die Verherrlichung einer Arbeit ausdr&#252;ckten, welche damals noch eine &lt;i&gt;relative Autonomie&lt;/i&gt; in ihrer Entwicklung hatte [&#8230;] Auf das Bewusstsein des Produzenten (des gesellschaftlichen Reichtums) folgte das Bewusstsein des Proletariers (als Produzent des Mehrwerts) und der Inhalt der K&#228;mpfe, jenseits ihrer &#228;hnlichen Ursachen, hat sich ver&#228;ndert: fr&#252;her strebten sie nach Verwaltung und waren &lt;i&gt;positiv&lt;/i&gt;, sie sind nun immer zerst&#246;rerischer, rein &lt;i&gt;negativ&lt;/i&gt; geworden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220; in ICO, Nr. (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die simultane Existenz von wilden Streiks &#8211; manchmal ohne Forderungen &#8211; und Krawallen von vom unmittelbaren Produktionsprozess ausgeschlossenen Proletariern, ohne dass man ein Zusammenfliessen der beiden Kampfformen sehen k&#246;nnte, wirft das dringende Problem der konkreten &lt;i&gt;Grenzen&lt;/i&gt; der laufenden Revolte auf, diese weitet sich immer mehr auf die ausserberufliche Sph&#228;re aus &#8211; wie die Schule, das Gef&#228;ngnis, die Familie oder die psychiatrische Klinik &#8211;, ohne jedoch die Reproduktion des Systems zu gef&#228;hrden. Insbesondere betreffend der Krawalle sieht N&#233;gation eine unbestreitbare Manifestation des &#8222;Drangs nach Kommunismus&#8220; und zeigt sowohl die Neuheit dieser Bewegungen als auch ihre Grenzen auf:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sofern es nicht zu einer verallgemeinerten Krise kommt, [&#8230;] stellen diese Proletarier aufgrund des Lohndrucks die f&#252;r die allgemeine kapitalistische Expansion notwendige industrielle Reservearmee dar; der &lt;i&gt;grundlegende&lt;/i&gt; Unterschied betreffend diese gleiche Armee im 19. Jahrhundert ist allerdings die Tatsache, dass sie sich aufgrund des wegen der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte in den Produktionsverh&#228;ltnissen erreichten Grenzpunkts in den meisten entwickelten kapitalistischen Metropolen als Gemeinschaften relativ stabiler &lt;i&gt;lebenslanger Arbeitsloser&lt;/i&gt; akkumulieren kann. So bestehen und entwickeln sich seit etwa 20 Jahren in den USA die Ghettos schwarzer Proletarier, die wie in den Jahren ab 1965 ihren Drang nach menschlicher Gemeinschaft manifestieren k&#246;nnen, indem sie sich erheben, aber diese Revolten sind unmittelbar mit ihrer Grenze und ihrem Scheitern konfrontiert aufgrund der Unm&#246;glichkeit [&#8230;], im Herz des Kapitalismus zuzuschlagen: den Produktionsverh&#228;ltnissen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;N&#233;gation kn&#252;pft hier auf ihre Art und Weise an das gleiche, schon von Boggs in &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; angesprochene Anliegen an, letzterer hatte davon schon die grundlegenden Entwicklungslinien antizipiert:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Je mehr sich die Automatisierung ausbreitet, desto mehr wird sie die Krisen des Kapitalismus intensivieren und die Konflikte zwischen verschiedenen Sektoren der Bev&#246;lkerung versch&#228;rfen, besonders zwischen jenen, welche arbeiten, und jenen, welche nicht arbeiten, zwischen jenen, welche Steuern zahlen, und jenen, welche keine zahlen. Dieser Konflikt wird eine konterrevolution&#228;re Bewegung hervorbringen, die aus jenen gesellschaftlichen Schichten bestehen wird, welche von den permanenten Kosten f&#252;r den Unterhalt dieser &#252;berfl&#252;ssigen Elemente erdr&#252;ckt werden, aber entschlossen sind, jenes System aufrechtzuerhalten, welches sie erschafft und vermehrt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;James Boggs, The American Revolution, 1963.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu bildet sich eine diffuse Ideologie der &#8222;Selbstverwaltung der Arbeiterk&#228;mpfe&#8220; innerhalb der ICO heraus, sie ist begleitet von einer anderen, welche die Selbstverwaltung der verschiedenen K&#228;mpfe rund um Fragen wie die Sexualit&#228;t, die Familie, die &#214;kologie oder die Antipsychiatrie propagiert, doch die &#8222;nicht nur die gegenw&#228;rtigen Trennungen respektiert, sondern auch die Kategorien (Arbeit, Freizeit, Sexualit&#228;t, Familie), die von diesen Trennungen determiniert werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220;, op. cit., S. 28.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser Entwicklung, die N&#233;gation als &#8222;Konterrevolution der Selbstverwaltung&#8220; in ihrem Text zum Bruch mit ICO&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;ICO, Nr. 121, November 1972.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bezeichnet, hielt es die Gruppe f&#252;r angebracht, zu pr&#228;zisieren, was sie unter Konterrevolution versteht: &#8222;Die Konterrevolution platziert sich immer auf dem Terrain der Revolution. Sie ist der extremste Punkt, wohin die revolution&#228;re Bewegung gehen kann, ohne mit dem Kapitalismus zu brechen. Umgekehrt ist es der extremste Punkt, wohin der Kapitalismus gehen kann, ohne zerst&#246;rt zu werden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 29.&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Anders gesagt, es sind die Grenzen der Revolution selbst, die notwendigerweise eine m&#228;chtige Konterrevolution entstehen lassen &#8211; sie ist nichts anderes als der Reproduktionsprozess der Kategorien des Kapitals auf einer h&#246;heren Ebene &#8211; und ihr einen Inhalt geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist mit der R&#252;ckkehr der Krise Ende 1973 nicht nur die so sehr gepriesene Macht der informellen Basisorganisationen, auf welche die R&#228;tekommunisten und &#8222;Autonomen&#8220; spekuliert hatten, von einem Tag auf den anderen verpufft, sondern die mit der &#8222;Verweigerung der Arbeit&#8220; verbundenen Praktiken wurden auch br&#252;sk von einem verallgemeinerten R&#252;ckzug auf das Terrain der Arbeitsplatzsicherheit und der Aufrechterhaltung der bestehenden Lohnniveaus unterbrochen: Die Offensive der organisierten Arbeiterklasse hat sich als unf&#228;hig erwiesen, aus ihrer gegenseitigen Verstrickung mit dem Kapital herauszutreten, und ist gel&#228;hmt worden. Ab 1974-1975 ist es klar geworden, dass eine kapitalistische Restrukturierung im Gange war, sie zeigte sich im Angriff gegen die &#8222;Inflexibilit&#228;t&#8220; der Arbeiterklasse in den grossen Fabriken, der Dezentralisierung und der Reorganisation der Arbeitsprozesse, den massiven Entlassungen, den Fr&#252;hrenten und der Delokalisierung eines grossen Teils der Produktion in die &#8222;Schwellenl&#228;nder&#8220; einerseits und der Verbreitung der Marginalisierung, Prekarit&#228;t, Teilzeitarbeit und Flexibilit&#228;t andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht eines solchen Umschwungs ist die Theorie der Selbstnegation des Proletariats (der symptomatisch eine Herausbildung einer &#8222;universellen Klasse&#8220; als Resultat der Fusion der proletarisierten Schichten der Mittelklassen und der aus dem Produktionsprozess ausgeschlossenen Proletarier mit der eigentlichen Arbeiterklasse vorausging) nicht mehr haltbar und tritt schnell in eine Krise ein. Die unmittelbare Folge davon ist das Verschwinden der ultralinken Gruppen (oder, wie im Fall von Invariance, die Ver&#228;nderung ihrer Positionen). Paradoxerweise haben die Krise von 1973 und die darauffolgende Flaute, die sowohl f&#252;r die Ultralinke als auch den aus 1968 entstandenen Neoleninismus fatal waren, die Neugliederung der &#8222;wiederauferstandenen kommunistischen Linken&#8220; und der &#8222;neuen&#8220; autonom-r&#228;tekommunistischen &#8222;Bewegung&#8220; beg&#252;nstigt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist kein Zufall, dass das 1974 von Henri Simon verfasste &#8222;Gr&#252;ndungsmanifest&#8220;&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und es ihnen erlaubt, bez&#252;glich des tieferen Prozesses im Gange weiterhin die Augen zu verschliessen, n&#228;mlich der Todeskrise der Affirmation des Proletariats, welche die Ultralinke ihrerseits &#252;bereilt mit seiner unmittelbar bevorstehenden &#8222;Selbstnegation&#8220; verwechselt hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich ist die vom amerikanischen Linkskommunisten Loren Goldner in seinem Artikel von 1981 &#8222;The Remaking of the American Working Class&#8220; aufgestellte Bilanz sehr aufschlussreich. Der urspr&#252;nglich auf Franz&#246;sisch verfasste und somit f&#252;r das &#8222;postr&#228;tekommunistische&#8220; Milieu Frankreichs bestimmte Texte fasst die laufenden Debatten im Land damals zusammen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Aber trotz ihrer Reichhaltigkeit (wir denken an die Texte von &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; von 1968-1972, jene von Le Mouvement communiste, N&#233;gation, der Internationalen kommunistischen Str&#246;mung w&#228;hrend der gleichen Periode) ist die Debatte im Allgemeinen in lange Er&#246;rterungen &#252;ber den Wert und die Selbstaufl&#246;sung des Proletariats abgeschweift [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie dem auch sei, es ist schade, dass sich Goldner, nachdem er die &#8222;Reichhaltigkeit&#8220; dieser Debatte gew&#252;rdigt hat, nicht ein bisschen mehr mit ihren Themen befasst und seinen Lesern nichts &#252;ber die wirklichen und konkreten Alternativen zu diesen &#8222;langen[n] Er&#246;rterungen&#8220; gesagt hat, nicht minder schade ist es, dass die Ultralinke schon klar die Grenzen der Zeit nach 1968 aufgezeigt hatte. Somit k&#246;nnte die Schlussfolgerung, mit welcher er die ganze Sache abfertigt, unbefriedigender nicht sein und sie sagt uns, jenseits der allgemeinen Berufung auf den &#8222;Mangel an Bewusstsein&#8220;, nichts &#252;ber die konkreten Gr&#252;nde des Verschwindens der Ultralinken:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die franz&#246;sische Ultralinke wusste also kaum mehr &#252;ber das spezifische Wesen der Krise nach 1973 als der Linksradikalismus; nachdem sie manchmal auf brillante Art und Weise die Dummheiten letzteres angeprangert hatte, ist sie von der gleichen historischen Bewegung mitgerissen worden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was in der Bilanz Goldners am st&#228;rksten hervorsticht, ist die Tatsache, dass er nie darauf hinweist, dass in dieser von ihm begutachteten Periode der Flaute und Reorganisation des Kapitals, w&#228;hrend die Ultralinke &#8222;mitgerissen&#8220; worden war, viele andere Protagonisten der &#8222;Krise des R&#228;tekommunismus&#8220; auf der Grundlage des Erbes der kommunistischen Linken oder rund um das neue Evangelium der &#8222;Autonomie&#8220; neue Organisationen gr&#252;ndeten &#8211; was ihm wahrscheinlich bewusst war. Zum Gl&#252;ck f&#252;r uns, und obwohl er mehrere Jahrzehnte sp&#228;ter geschrieben worden ist &#8211; im Zusammenhang mit einer Abrechnung mit der Situationistischen Internationalen &#8211; verf&#252;gen wir &#252;ber den wertvollen Erlebnisbericht eines bedeutenden Protagonisten: Henri Simon, der Gr&#252;nder von ICO und sp&#228;ter Initiator von &#201;changes et Mouvement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;W&#228;hrend dieser Flaute, die in Wirklichkeit das Scheitern eines revolution&#228;ren Aufschwungs war, tauchten die traditionellen D&#228;monen wieder auf: Man musste sich politisch und gewerkschaftlich organisieren, um den Kampf fortzusetzen [&#8230;] In verschiedenen Formen florierten politische Gruppen rund um einen neu bekr&#228;ftigten und wieder eingef&#252;hrten Leninismus mit einem Zentralismus einer starken Partei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es sei bemerkt, mit welcher Leichtigkeit Henri Simon die &#8222;aktivistische (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Weigerung einer Fraktion von ICO, sich mit einer &#8218;revolution&#228;ren Perspektive&#8216; zu engagieren, was den Aufbau einer wahrhaften Organisation voraussetzte, f&#252;hrte zum Zerfall der Gruppe mit einer Polarisierung rund um alte politische Str&#246;mungen: einerseits jene Elemente, welche sich auf den Marxismus bezogen und die IKS [Internationale kommunistische Str&#246;mung] gr&#252;ndeten, eine sehr zentralistische Organisation leninistischer Art, andererseits die anarchistischen Elemente, welche sich nach mehreren Anl&#228;ufen in einer Organisation wiederfanden, der OCL [Organisation communiste libertaire; die erste, von 1971 bis 1976].&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;ICO et l'IS &#8211; Retour sur les relations entre Informations correspondance (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angesichts dieser Zeilen scheint es also angebracht, zum Schluss zu kommen, dass Goldner einerseits, und sei es implizit, der Tatsache, auf &#8222;organisierte&#8220; Art und Weise die Flaute zu &#252;berstehen, einen stillschweigenden Wert beimisst, und dass andererseits jene, welche sich darum gek&#252;mmert haben &#8211; dazu geh&#246;ren Dauv&#233; und Goldner selbst &#8211;, die aktualisierte &#8222;autonome&#8220; Ideologie oder das wiederverwertete Erbe der kommunistischen Linken den folgenden Generationen zu &#252;bermitteln, auch dazu beitragen haben, einige der wichtigsten Beitr&#228;ge der auff&#228;lligsten Protagonisten des letzten Bruches der kommunistischen Bewegung unter den Teppich zu kehren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bruch in der Kritik der politischen &#214;konomie: formelle und reelle Herrschaft des Kapitals&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Nach jedem besiegten revolution&#228;ren Angriff liquidiert die sich ausbreitende Konterrevolution ein bisschen mehr die Vermittlungen zwischen der kommunistischen Bewegung und dem kommunistischen Programm.
&lt;p&gt;J.-Y. B&#233;riou, &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ab Mitte der 1930er Jahre (nach der Krise von 1929) und w&#228;hrend der gesamten Periode der &#8222;boomenden&#8220; Wirtschaft der Nachkriegszeit bis 1968 waren die Krisentheorie und sogar die schlichte Betrachtung des Kapitalismus in Begriffen des &#8222;selbstverwertenden Werts&#8220; in der theoretischen Debatte der radikalen Minderheiten fast vollst&#228;ndig inexistent, sie konzentrierte sich fast ausschliesslich auf die unterschwelligen und informellen Organisationsformen der Arbeiter und den Kampf gegen die gewerkschaftliche und politische B&#252;rokratie der &#8222;Arbeiterorganisationen&#8220;. Es mangelte nicht an Theoretikern, die, wie Castoriadis, sogar zu beweisen suchten, dass der Kapitalismus seine Krisen definitiv &#252;berwunden habe. Andere, wie die Situationisten, waren der Ansicht, dass die Kritik der politischen &#214;konomie sich darauf beschr&#228;nken sollte, die Allgegenwart des Warenfetischs auf der Ebene der Gesamtheit der kapitalistischen Gesellschaft anzuprangern, aber ohne die Schl&#252;ssel zur Transformation der Klassenverh&#228;ltnisse in der Nachkriegszeit n&#228;her zu er&#246;rtern. Das hat sie dazu gebracht, eine &#8222;klassische&#8220; Definition des Proletariats, basierend auf der Stellung des &#8222;variablen Kapitals&#8220; in den Produktionsverh&#228;ltnissen, einer anderen, abstrakten und humanistischen, die das Proletariat mit jedem empirischen Subjekt gleichsetzte, das Tr&#228;ger eines Widerstands gegen die Entfremdung war, gegen&#252;berzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1968 und dem italienischen heissen Herbst haben die massive R&#252;ckkehr der Arbeiterk&#228;mpfe und ihre neuen Eigenschaften die Vertiefung der Krisentheorie notwendig gemacht &#8211; die Symptome der Krise, wie die Aufhebung des Goldstandards des Dollars (M&#228;rz 1968) oder die Rezession 1969-1971 in den USA, summierten sich schnell &#8211; sowie die Analyse der kapitalistischen Entwicklung in ihrer Gesamtheit, um diese neuen K&#228;mpfe, die pl&#246;tzlich nicht mehr nur in den Fabriken ausbrachen, sondern auch ausserhalb davon, richtig verstehen zu k&#246;nnen. Die Epoche, w&#228;hrend welcher es gen&#252;gte, die Arbeiterklasse vom &#8222;immediatistischen&#8220; Standpunkt des unmittelbaren Produktionsprozesses aus zu studieren, wie es Socialisme ou barbarie oder &#8211; in einem gewissen Masse &#8211; der italienische Operaismus jahrelang taten, war hinter uns.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jacques Camatte und die Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; haben diesbez&#252;glich durch die Festlegung einer neuen Periodisierung der kapitalistischen Entwicklung &#8211; in einer auf 1964-1966 datierten Arbeit, die aber erst 1968 in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; Nr. 2 ver&#246;ffentlicht worden ist &#8211; eine bedeutende Rolle gespielt, sie wurde daraufhin von fast allen ultralinken Gruppen damals &#252;bernommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Barrot/Dauv&#233; damals eingeschlossen, er benutzte den Begriff in der (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: die Unterscheidung zwischen formeller und reeller Herrschaft des Kapitals. Schauen wir uns an, worum es sich handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die prinzipielle Eigenschaft der formellen Herrschaft ist die Tatsache, dass, da der Verwertungsprozess des Kapitals den unmittelbaren Produktionsprozess noch nicht vollst&#228;ndig beherrscht, das &lt;i&gt;vorherrschende&lt;/i&gt; Element dieses Prozesses, dessen Herzst&#252;ck in den H&#228;nden der qualifizierten Arbeiter liegt, das &lt;i&gt;variable Kapital&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft ist. Diese Situation entspricht der Vorherrschaft der absoluten Mehrwertextraktion, d.h. der Verl&#228;ngerung des Arbeitstages und seiner Intensivierung durch Mittel &lt;i&gt;ausserhalb&lt;/i&gt; des Arbeitsprozesses selbst, sowie der Anstellung einer zus&#228;tzlichen Arbeitskraft, h&#228;ufig Frauen und Kindern, das alles begleitet von so tiefen L&#246;hnen wie m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die formelle Herrschaft ist auch durch das Fortbestehen vorkapitalistischer Produktionsweisen (wie die kleine Warenproduktion oder die halbfeudale Landwirtschaft) gekennzeichnet, was die Existenz von Klassen, mit welchen das Kapital zwingend seine Herrschaft teilen muss, und gewisse, nicht direkt unter seinem Einfluss stehende Elemente des Verwertungsprozesses &#8211; wie die f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Waren &#8211; impliziert. Zu Beginn dieses Entwicklungsstadiums des Kapitals hat die Arbeiterklasse keine politischen Rechte und nachdem sie sie erhalten hat, &lt;i&gt;zwingt&lt;/i&gt; sie ihre Schw&#228;che &lt;i&gt;dazu&lt;/i&gt;, Verb&#252;ndete zu suchen, &#8222;zu versuchen, seine entstehende Kraft und seine Momente der Revolte in der parlamentarischen Sph&#228;re zu &lt;i&gt;konkretisieren&lt;/i&gt;&#8220;, wo &#8211; wie es B&#233;riou unterstreicht &#8211; &#8222;keine Klasse f&#228;hig ist, ihre Forderungen diskussionslos zu diktieren&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine andere grundlegende Eigenschaft der formellen Herrschaft &#8211; eine direkte Folge der Tatsache, dass die Arbeit der massgebliche Faktor im unmittelbaren Produktionsprozess und die Reproduktion der Arbeiterklasse nicht in den Zyklus des Kapitals selbst integriert ist &#8211; ist die Autonomie des Proletariats und seiner Organisationen. Die nat&#252;rliche Konsequenz daraus ist, dass die Revolution &#8211; nachdem die Illusionen &#252;ber die M&#246;glichkeit der Emanzipation innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft einmal &#252;berwunden worden sind &#8211; als Kampf der Arbeit gegen das Kapital, als &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; der Arbeiterklasse und ihre Transformation in die &lt;i&gt;herrschende Klasse&lt;/i&gt; konzipiert ist. Der Begriff der &#8222;Diktatur des Proletariats&#8220; ist eine direkte Folge der Unm&#246;glichkeit f&#252;r das Proletariat, seiner Bedingung direkt ein Ende zu setzen; seine &#8222;Diktatur&#8220; stellt also einen Kompromiss dar, die Konsequenz der Notwendigkeit einer &#220;bergangsphase, w&#228;hrend welcher das Proletariat seine Bedingung auf den Rest der nicht ausbeutenden Schichten ausweitet, bevor es Zugang zur &#8222;h&#246;heren Stufe&#8220; des Kommunismus hat. Anders gesagt, unter der formellen Herrschaft ist die Existenz einer totalen Diskontinuit&#228;t zwischen Kapitalismus und Kommunismus nicht konzipierbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss der Ultralinken ist also das, was jederzeit die historische T&#228;tigkeit des Proletariats diktiert &#8211; und somit seine Aufgaben, seine Organisationsformen und die konkreten Modalit&#228;ten seiner &#8222;Diktatur&#8220; &#8211; der Entwicklungsgrad des Kapitals (und somit die entsprechende &#8222;Klassenzusammensetzung&#8220;). So war das Ziel des Pariser Proletariats 1848, sich als &lt;i&gt;virtuelle&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;geheime&lt;/i&gt; Partei zu organisieren, um die Republik gegen&#252;ber der provisorischen Regierung durchzusetzen und sich danach gegen den unvermeidlichen Gegenangriff der Bourgeoisie zu verteidigen, und w&#228;hrend der Kommune 1871 wurde daraus die Zerst&#246;rung des R&#228;derwerks des Staates und die gleichzeitige Organisation der direkten Demokratie als Verst&#228;ndigungswerkzeug der anderen Unterklassen. Aber in keinem dieser F&#228;lle kam es zu einem Versuch, die Wertproduktion zu l&#228;hmen oder die Macht ausgehend von den wertproduzierenden Zentren auszu&#252;ben (die Wahlbasis der Kommune war das Quartier, nicht die Fabrik): Alles drehte sich &#8211; manchmal auch auf negative Art und Weise, wie im Falle der Anarchisten und ihrem Beharren auf der Frage der &#8222;Autorit&#228;t&#8220; und des Staates &#8211; rund um die &lt;i&gt;politische Herrschaft&lt;/i&gt;, den Sturz der bestehenden politischen Macht, sei es um sie durch eine andere zu ersetzen oder sofort abzuschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1871 beginnt eine neue &#196;ra. Die &#8222;B&#252;ndnispolitik&#8220; nimmt ein Ende und es beginnt eine Periode, w&#228;hrend welcher, in den &#8222;fortgeschrittenen&#8220; L&#228;ndern, &#8222;das Proletariat [&#8230;] keine Kompromisse mehr mit anderen gesellschaftlichen Schichten zu schliessen [braucht], es muss entweder Teil von ihnen werden, sie zerst&#246;ren oder von ihnen zerst&#246;rt werden. Es muss seine &lt;i&gt;Diktatur&lt;/i&gt; bekr&#228;ftigen [&#8230;] die einzige &#252;brig bleibende &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; Frage ist der Inhalt seiner Diktatur und diese Frage bleibt &lt;i&gt;politisch&lt;/i&gt;, denn es ist noch nicht &lt;i&gt;gesellschaftlich vorherrschend&lt;/i&gt; [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen, op. cit.&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem es jedoch das Kapital dazu zwang, zwischen 1890 und 1945 seine Produktivit&#228;t zu erh&#246;hen &#8211; was es erlaubte, die Forderungen nach Lohnerh&#246;hungen und reduzierter Arbeitszeit zu befriedigen &#8211;, hat die Arbeiterbewegung nicht nur zur &lt;i&gt;Verallgemeinerung des Proletariats&lt;/i&gt; und seiner Transformation in eine &lt;i&gt;gesellschaftlich vorherrschende&lt;/i&gt; Klasse beigetragen, sondern ist auch zu einem &lt;i&gt;objektiven Verb&#252;ndeten&lt;/i&gt; des Kapitals im &#220;bergang zu reellen Herrschaft geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die reelle Herrschaft ist gekennzeichnet durch die komplette Absorption des Arbeitsprozesses durch den Verwertungsprozess des Kapitals, der die Ware Arbeitskraft auf eine g&#228;nzlich &lt;i&gt;austauschbare&lt;/i&gt; abstrakte Form reduziert, deren einzige relevante Kapazit&#228;t jene ist, auf &lt;i&gt;produktive Art und Weise&lt;/i&gt; w&#228;hrend der Arbeitszeit &lt;i&gt;konsumiert&lt;/i&gt; zu werden und eine maximale Mehrwertextraktion zu erlauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So ist das &lt;i&gt;vorherrschende&lt;/i&gt; Element des unmittelbaren Produktionsprozesses nunmehr das &lt;i&gt;fixe Kapital&lt;/i&gt;, das die Arbeitsdisziplin innerhalb des Produktionsprozesses selbst durchsetzt und zunehmend die technischen Kenntnisse und die Geschicklichkeit des Arbeiters in das Maschinensystem einbezieht, an dessen st&#228;ndige Verbesserung er sich anpassen muss. Das immer abstraktere Verh&#228;ltnis des Arbeiters zum Produktionsprozess, dessen konkreter Inhalt ihm gleichg&#252;ltig ist, f&#252;hrt dazu, dass er darin nur einen Verwertungsprozess sieht, der ihm erlaubt, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Infolgedessen kann sich sein Bewusstsein in Bezug auf die Transformation seiner Situation und die Organisation der Arbeit nur durch &lt;i&gt;direkten&lt;/i&gt; Widerstand gegen die Mehrwerterpressung ausdr&#252;cken und das geschieht in Form einer Revolte gegen die Arbeit:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dieses Bewusstsein zeigt sich schon auf &lt;i&gt;unmittelbare Art und Weise&lt;/i&gt; in den zahlreichen &lt;i&gt;organisierten Sabotageakten&lt;/i&gt;, welche die Mehrheit der modernsten Fabriken in Europa betreffen (Fiat, Turin, 1969), und vor allem in den USA, wo sie immer mehr Teil durch die Arbeiter organisierter Kampfbewegungen sind und von den Gewerkschaften nicht verteidigt werden k&#246;nnen [&#8230;] &lt;i&gt;Es ist eine Kritik der Mehrarbeit&lt;/i&gt; [&#8230;] Diese Bewegungen haben nicht zum Ziel, die Produktion &lt;i&gt;durch&lt;/i&gt; den bestehenden Produktionsprozess und &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; desselben zu reorganisieren; sie zeigen nicht die geringste Affirmation gegen&#252;ber der Verwaltung; die materiellen Grundlagen der Arbeiterselbstverwaltung sind mit dem unmittelbaren Produzenten verschwunden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220; in N&#233;gation, Nr. 1, S. 15.&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon 1947 bemerkte der Mitbegr&#252;nder der Johnson-Forest-Tendenz C. L. R. James &#8211; nachdem er mehr als ein Jahrzehnt in den USA gelebt hatte &#8211; dass, obwohl er seine &#220;berzeugungen bez&#252;glich der Notwendigkeit einer Reorganisation des Produktionsprozesses als integraler Aspekt der Arbeiterk&#228;mpfe nicht abgelegt und nachdem er die neue &#8222;strategische Achse&#8220; dieses Kampfes identifiziert hatte, dieser qualitative Sprung unweigerlich alle der vom revolution&#228;ren Prozess geerbten Konzeption bis anhin zugrundeliegenden Begriffe umst&#252;rzen w&#252;rde:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[G]egenw&#228;rtig ist das Proletariat, das eine neue Stufe erreicht hat, zur finalen Erkenntnis gelangt. Seine Revolte ist nicht mehr gegen die Politik und die Art der Aufteilung des Mehrwerts gerichtet, sondern &lt;i&gt;gegen die Wertproduktion selbst&lt;/i&gt;. Es hat nun seine eigene Lesart des Dreh- und Angelpunkts, um welchen sich das Verst&#228;ndnis der politischen &#214;konomie dreht [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat strebt nicht mehr, wie w&#228;hrend der Kommune, nach einer einfachen politischen Form zur Verwirklichung der Emanzipation der Arbeit und auch nicht mehr, wie in den Jahren 1917-1923, nach Sowjets als Mittel der revolution&#228;ren Politik, des Umsturzes des Privateigentums [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die Kommune &#252;ber die Ebene der europ&#228;ischen Gesellschaft hinausreichte und die Sowjets 1905 eine politische Form erschufen, von welcher Lenin nicht einmal zu tr&#228;umen gewagt h&#228;tte, &lt;i&gt;ist das Proletariat noch nicht in seine neue Schaffensperiode bez&#252;glich politisch-&#246;konomischer Organisation eingetreten&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Produktionsverh&#228;ltnisse und die politischen Probleme von 1947 haben ein Bed&#252;rfnis nach L&#246;sungen geschaffen, die weit &#252;ber jene der bescheidenen Anf&#228;nge zu Marx' Zeiten hinausgehen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C. L. R. James, F. Forest, Ria Stone, The Invading Socialist Society, (...)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Einerseits kam es eben genau wegen der vollst&#228;ndigen Absorption des unmittelbaren Arbeitsprozesses durch das Kapital und der Tatsache, dass die zunehmende Subsumtion des Reproduktionsprozesses der Arbeitskraft in den eigentlichen Kreislauf des Kapitals gleichbedeutend mit einer faktischen &#8218;Integration&#8216; der Arbeiterklasse ist, zu diesem qualitativen Sprung. Der andere Aspekt dieses Prozesses ist, dass seine F&#228;higkeit zur autonomen Affirmation &#8211; die paradoxerweise und von einem gewissen Standpunkt aus scheinbar ihren H&#246;hepunkt erreicht und sogar ideologisch formalisiert wird &#8211; zunehmend in eine Krise eintritt. Diese &#8218;Integration&#8216; hat allerdings nicht mit dem &#8218;Bewusstsein&#8216; der Arbeiter oder ihren Konsumniveaus zu tun, genauso wenig wie sie eine Schw&#228;chung des konfliktreichen und antagonistischen Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit zur Folge hat.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Problem war &#252;berhaupt nicht (wie es alle angesagten Ideologien damals (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Eigenschaft der reellen Herrschaft &#8211; eine direkte Folge der Tatsache, dass das gesellschaftliche Leben in seiner Gesamtheit rund um die Verwertung des Werts organisiert ist &#8211; verdammt auch jede Organisation, die f&#252;r den Verwertungsprozess nicht funktional ist, schnell zu verschwinden oder an den R&#228;ndern dahinzuvegetieren. Die Tatsache, dass die autonomen Organismen, welche die sozialen K&#228;mpfe initiiert haben, kurzlebig sind oder schnell vom Ausbeutungssystem integriert werden, kommt also nicht daher, dass sie sich &#8222;korrumpieren&#8220; oder &#8222;b&#252;rokratisieren&#8220;; diese Entwicklung ist in Wirklichkeit schlichtweg die logische Folge ihrer notwendigen Unterordnung unter den Verwertungsprozess&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C. L. R. James und Konsorten hatten es verstanden, indem sie zum Beispiel (...)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus resultiert, dass der Kampf sich unter der reellen Herrschaft in eine Revolte sowohl gegen die Arbeit als auch gegen das Kapital transformiert und dass die Revolution immer weniger ein &#8222;Organisationsproblem&#8220; als solches hat, denn &#8211; genau wie das Absterben des Staates in der klassischen marxistischen Theorie &#8211; kann die Abschaffung des Werts nicht &#8222;organisiert&#8220;, sondern nur vollbracht oder nicht vollbracht werden; die &#8222;revolution&#228;re Organisation&#8220; ist also eine Schim&#228;re. C.L.R. James war auch hinsichtlich dieser Frage &#8211; ab 1948 &#8211; sehr nahe daran, sie in ihren wirklichen Begriffen zu formulieren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Es gibt nicht&lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt;&lt;i&gt; mehr zu organisieren&lt;/i&gt;. Die Arbeiter k&#246;nnen organisiert werden. Eine spezielle Organisation f&#252;r revolution&#228;re Arbeiter kann gegr&#252;ndet werden. Aber wenn wir diese beiden Elemente einmal haben, sind wir am Ende. Die Organisation, so wie wir sie gekannt haben, ist an ihr Ende gekommen. Die Aufgabe besteht nun darin, die Organisation abzuschaffen [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Organisation, so wie wir sie gekannt haben, hat ihre Mission erf&#252;llt. Ein Ziel, welches das Proletariat innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft widerspiegelte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich behaupte nicht, dass diese Zitate die &#8222;Organisationskonzeptionen&#8220; C. (...)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zehn Jahre sp&#228;ter lieferte James auch eine perfekte Beschreibung f&#252;r die durch den &#220;bergang von der formellen zur reellen Herrschaft diesbez&#252;glich herbeigef&#252;hrten Wende:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Was stellen wir heute, ein halbes Jahrhundert sp&#228;ter, fest? Der professionelle Agitator, der revolution&#228;re Sozialist zu Zeiten Lenins ist heute die Grundlage der b&#252;rokratischen Maschine der Gewerkschaften, politischen Parteien und Regierungen geworden [&#8230;] Das ist die marxistische Dialektik in ihrem tiefsten Inhalt. Der gesellschaftliche Typus, die spezifische Pers&#246;nlichkeit, die Speerspitze der Arbeiterbewegung und des Sozialismus zu Beginn des Jahrhunderts stellt heute den harten Kern der b&#252;rokratischen Reaktion in allen Sektionen der Arbeiterbewegung dar.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Facing Reality, 1958, S. 89.&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jenem Masse, wie sich die reelle Herrschaft konsolidiert und fortschreitet (zum Beispiel durch die Verallgemeinerung der Automatisierung), wird die gesamte Problematik der &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; zwischen Kapitalismus und Kommunismus ebenso komplett ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bevor diese Fragen von Jacques Camatte und N&#233;gation er&#246;rtert wurden, gab James Boggs zum Thema die wahrscheinlich konkretesten und innovativsten Anregungen. In &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; behauptete er, dass die Automatisierung der Industrie eine gen&#252;gende Produktion und Verteilung von G&#252;tern und Dienstleistungen f&#252;r die Gesamtheit der Bev&#246;lkerung erlauben w&#252;rde und dass deswegen die Vorbedingungen f&#252;r den Aufbau einer &#8222;klassenlosen&#8220; Gesellschaft &#8222;ohne Arbeit&#8220; schon erf&#252;llt seien&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist angebracht, diesbez&#252;glich zu anerkennen, dass die Gruppe (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im 19. Jahrhundert erkl&#228;rte Marx, es solle eine &#220;bergangsgesellschaft zwischen der &lt;i&gt;kapitalistischen&lt;/i&gt; Klassengesellschaft und der klassenlosen &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Gesellschaft geben. Diese &#220;bergangsgesellschaft, die er Sozialismus nannte, w&#252;rde immer noch eine Klassengesellschaft sein, doch statt der Kapitalisten w&#252;rden die Arbeiter die herrschende Klasse sein [&#8230;] Als herrschende Klasse w&#252;rden die Arbeiter die Produktivkr&#228;fte bis zu jener Stufe entwickeln, auf welcher die uneingeschr&#228;nkte Entwicklung jedes Individuums m&#246;glich sein und das Prinzip &#8218;jeder nach seinen F&#228;higkeiten, jedem nach seinen Bed&#252;rfnissen&#8216; verwirklicht werden w&#252;rde. Auf dieser Stufe k&#246;nne eine klassenlose Gesellschaft, d.h. der Kommunismus, erreicht werden. In den USA sind die Produktivkr&#228;fte schon so weit entwickelt, dass sie die Verwirklichung jener klassenlosen Gesellschaft erlauben, welche gem&#228;ss Marx nur durch den Kommunismus erreicht werden kann.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Boggs hatte jedoch gezeigt, dass diese Fortschritte im Bereich der Automatisierung und der kybernetischen Kontrolle auch die Macht der Gewerkschaft und der Organisation der Arbeit auf der Ebene der Werkstatt geschw&#228;cht hatten und dass die Schattenseite dieses Prozesses die zunehmende Akkumulation &#8211; in den USA &#8211; einer Bev&#246;lkerung von haupts&#228;chlich in den schwarzen urbanen Gemeinschaften konzentrierten &#8222;lebenslangen Arbeitslosen&#8220; war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber f&#252;r Boggs platzieren die diesen ausgeschlossenen Proletariern auferlegten Bedingungen sie nicht nur jenseits der Ideologie der Arbeit, sondern erm&#228;chtigen sie potenziell auch dazu, heterogene Kr&#228;fte des sozialen Protests miteinander zu einer universellen Bewegung zu verb&#252;nden, nicht nur, weil &#8222;sie die M&#246;glichkeiten der Gesellschaft, in welcher sie leben, in ihrer Tiefe kennengelernt haben und auch wissen, dass sie zahlreich genug sind, um eine Bedrohung darzustellen&#8220;, sondern auch, weil &#8222;das Auftauchen dieser neuen Gruppe radikale Konzepte hervorbringen wird, welche die Vorstellung von uns allen &#252;bersteigen&#8220;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Derart radikale Konzepte k&#246;nnen nicht von der organisierten gewerkschaftlichen Bewegung hervorgebracht werden. Der Klassenkampf der amerikanischen Arbeiter &#8211; vereinigt, organisiert und diszipliniert durch den Produktionsprozess &#8211; hat seinen H&#246;hepunkt mit der Gr&#252;ndung des CIO [Congress of Industrial Organizations] in den 1930er Jahren erreicht. Heutzutage, in den 1960er Jahren, ist die amerikanische Arbeiterbewegung am Ende ihres Weges angelangt. In Anbetracht der gegen&#252;ber den stattgefundenen revolution&#228;ren technologischen Ver&#228;nderungen notwendigen gesellschaftlichen und ideologischen Anpassungen ist die organisierte Arbeit heutzutage genauso reaktion&#228;r geworden wie es das organisierte Kapital vor 30 Jahren war. Der fundamentale Grund hierf&#252;r ist die Tatsache, dass sie sich immer noch an der Idee festklammert, dass der Mensch arbeiten muss, um zu leben, in einer Epoche, in welcher es technisch m&#246;glich w&#228;re f&#252;r den Menschen, sich damit zu begn&#252;gen, die Hand auszustrecken, um zu bekommen, was er braucht.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu Boggs, der die Illusion aufrechterhielt, dass die ausgeschlossenen Proletarier sich &#8222;organisieren werden m&#252;ssen&#8220; und dass sie schon bald dazu gezwungen sein w&#252;rden, haben N&#233;gation &#8211; und schon zuvor Jacques Camatte &#8211; verstanden, dass, aufgrund ihres rein zerst&#246;rerischen Charakters und weil &#8222;der Feind, dessen Opfer sie sind, nicht dieser oder jener spezifische Kapitalist ist, sondern die kapitalistische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, diese K&#228;mpfe als potenzielle Negation der kapitalistischen Ordnung politisch &lt;i&gt;unorganisierbar&lt;/i&gt; seien und dass genau darin ihre zutiefst revolution&#228;re Bedeutung liege:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese Bewegungen sind nie verwertbar oder &#8218;flankierbar&#8216;; sie kommen und gehen, und wenn sie wieder auftauchen, dann nur, um sich auf eine f&#252;r das Kapital immer verheerendere Art und Weise zu verallgemeinern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Transition&#8220;, 1969.&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Formelle Partei, historische Partei und &#8222;Notwendigkeit&#8220; des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Wozu sollte man heutzutage den Arbeitern sagen, dass sie ein Korps an Berufsrevolution&#228;ren brauchen, die sich ganz dem politischen Kampf hingeben, auf internationaler Ebene vereint und Todesfeinde des traditionellen Reformismus und so weiter sind? Die Arbeiter wissen es. Die kommunistischen Parteien sind eben genau solche Korps. Ihre Politik ist verdorben. Doch die Organisation, ihr grundlegender Typus, ist das, was Lenin wollte. Wer sich auf dieser Stufe daf&#252;r entscheidet, das nicht zu verstehen, soll zur H&#246;lle fahren [&#8230;] Dieser ganze Diskurs &#252;ber die Transformation kleiner Abspaltungen in Parteien, die sich nach und nach in Parteien verwandeln werden, welchen die Arbeiter sich werden anschliessen k&#246;nnen, ist der Inbegriff der Torheit. Wir haben keine Illusionen mehr, Gott sei Dank.
&lt;p&gt;C.L.R. James, Notes on Dialectics.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der letzte theoretische Fortschritt von N&#233;gation und anderer betrifft die &#8222;Parteifrage&#8220;, und genauer die Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei. Diese Unterscheidung geht auf diese Passage in einem Brief von Marx im Februar 1860 an seinen Freund, den Dichter Ferdinand Freiligrath, zur&#252;ck:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich bemerke d'abord, da&#223;, nachdem der &#8218;Bund&#8216; auf &lt;i&gt;meinen Antrag&lt;/i&gt; im November 1852 aufgel&#246;st wurde, ich &lt;i&gt;nie&lt;/i&gt; mehr irgendeiner &lt;i&gt;geheimen&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;&#246;ffentlichen&lt;/i&gt; Gesellschaft angeh&#246;rt habe oder angeh&#246;re; da&#223; also die &lt;i&gt;Partei&lt;/i&gt; in diesem ganz ephemeren Sinne f&#252;r mich seit 8 Jahren zu existieren aufgeh&#246;rt hat [&#8230;] Ich habe ferner das Mi&#223;verst&#228;ndnis zu beseitigen gesucht, als ob ich unter &#8218;Partei&#8216; einen seit 8 Jahren verstorbnen &#8218;Bund&#8216; oder eine seit 12 Jahren aufgel&#246;ste Zeitungsredaktion verstehe. Unter Partei verstand ich die Partei im gro&#223;en historischen Sinn.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;zisieren wir zuerst, dass der theoretische Bruch der franz&#246;sischen Ultralinken mit der Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei die &#8222;bordigistische&#8220; Konzeption dieser Unterscheidung betrifft. Es w&#228;re &#252;brigens falsch, zu denken, die italienische kommunistische Linke sei die einzige Tendenz der kommunistischen Linken gewesen, welche die Metaphysik der Partei kultivierte, obwohl sie wahrscheinlich die einzige war, welche die These vertrat, dass die Partei &#8222;ein f&#252;r allemal ausgehend von einer historischen Erleuchtung &#8211; jener der grossen Propheten der offenbarten Religionen &#228;hnelnd &#8211; etabliert&#8220; worden war, &#8222;was zwischen 1844 (&lt;i&gt;&#214;konomisch-philosophische Manuskripte&lt;/i&gt;) und 1848 (Revolution) eine auf alle darauffolgenden Kampfperioden anwendbare Perspektive erschaffen hatte&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F. Santini, Apocalipsis y supervivencia, S. 43.&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;C.L.R. James befasste sich zum Beispiel in den &lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt; (1948) eingehend mit dieser Frage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Proletariat erschafft diese Organisationen [&#8230;] Der kapitalistische Widerspruch dr&#252;ckt sich jedoch innerhalb des Proletariats durch die Konzeption dieser Organisationen aus. Denn das Proletariat, ausser wenn es sich ausdr&#252;ckt, indem es sich erhebt, d.h. wenn es sich aktiv revolution&#228;r zeigt, enth&#228;lt in sich selbst das Konzept und sein Gegenteil, was so sein muss. Das ist wie wir gesehen haben die Form, in welche jede Partei entartet [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Anfang und das Ende des unabh&#228;ngigen Wissens des Proletariats ist seine &lt;i&gt;politische Partei&lt;/i&gt;, durch sie studiert es, was es ausschliesslich betrifft: die &lt;i&gt;Wirklichkeit und Transformation seiner Stellung innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft&lt;/i&gt; [&#8230;]&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch wenn die Partei das Wissen des Proletariats ist, ist das Auftauchen des Proletariats gleichbedeutend mit der Abschaffung der Partei. Die Partei, so wie wir sie gekannt haben, muss verschwinden. Sie wird verschwinden. Sie ist bereits im Verschwinden begriffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Notes on Dialectics, op. cit., S. 172-176.&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r James sind also das Proletariat und seine Organisationen die organischen Tr&#228;ger des &#8222;kapitalistischen Widerspruchs&#8220;, der sich kontinuierlich weiterentwickelt und zuspitzt, w&#228;hrend er gleichzeitig die Begriffe seines Auftauchens transformiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne sie explizit als Gegensatz zwischen formeller und historischer Partei zu formulieren, hat Jacques Camatte die von Marx gemachte Unterscheidung in &#8222;Origine et fonction de la forme-parti&#8220; (1961) wieder aufgegriffen, dieser Text l&#246;ste eine derartige Kontroverse innerhalb des PCInt aus, dass seine Ver&#246;ffentlichung von Amadeo Bordiga selbst durchgesetzt werden musste. Es war jedoch nicht Camatte, sondern Bordiga, der 1965 die Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei im Rahmen einer internen Polemik, w&#228;hrend welcher er sich eben genau von Camatte abheben wollte, indem er die &#8222;formelle Partei&#8220; verteidigte, klar formulierte. Vier Jahre sp&#228;ter, nun ausserhalb des PCInt, &#252;bernimmt Camatte seinerseits diese Unterscheidung in einem Text mit dem Titel &#8222;La r&#233;volution communiste : th&#232;se de travail&#8220; (1969). Allerdings bricht Camatte im selben Jahr in einem zusammen mit Gianni Collu verfassten Text (&#8222;Transition&#8220;), nachdem er die Unterscheidung formelle/historische Partei auf die Periodisierung formelle/reelle Herrschaft und die daraus folgende Transformation der &#8222;Aufgaben&#8220; des Proletariats gest&#252;tzt hatte, mit Bordigas Konzeption:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Theorie der Partei &#8211; Theorie des Proletariats &#8211; kann nicht nur in den sogenannt politischen Texten von Marx und Engels wahrgenommen werden [&#8230;], denn diese Werke betrachten das Proletariat vor allem in seiner unmittelbaren Wirklichkeit und halten &lt;i&gt;die formelle Partei, damals, f&#252;r m&#246;glich. Das Proletariat musste also seine Existenz verallgemeinern, das Kapital zur Entwicklung dr&#228;ngen und h&#228;tte, falls es die Macht ergriffen h&#228;tte und herrschende Klasse geworden w&#228;re, Aufgaben erf&#252;llen m&#252;ssen, die danach vom Kapital erf&#252;llt worden waren&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Heutzutage ist nur noch die historische Partei m&#246;glich. Jegliche formelle Partei ist nur eine Organisation, die sich schnell auf die Form der &lt;i&gt;Schutzgeld&lt;/i&gt;e&lt;i&gt;rpressung&lt;/i&gt; beschr&#228;nkt: Das Gleiche gilt &#252;brigens f&#252;r jegliche strukturierte oder unstrukturierte Gruppe, die glaubt, auf die Neugr&#252;ndung der Partei oder die Erschaffung von R&#228;ten hinzuwirken.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Theorie, gem&#228;ss welcher es unter der reellen Herrschaft des Kapitals keinen Platz f&#252;r eine &lt;i&gt;formelle Partei&lt;/i&gt; habe, da sie historisch keine andere Funktion hatte &#8211; und haben konnte &#8211; als eine &lt;i&gt;Vermittlung&lt;/i&gt; f&#252;r die &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; des Proletariats darzustellen, ist praktisch von der Gesamtheit der Ultralinken &#252;bernommen worden. Die Tatsache, dass diese historische Vermittlungsfunktion von einer reformistischen Massenpartei oder einer angeblichen &#8222;revolution&#228;ren Avantgarde&#8220;, oder sogar von einer ausserhalb der sozialistischen Tradition stehenden Organisation erf&#252;llt wurde, war letztendlich nur ein Indikator f&#252;r die von jeder gesellschaftlichen Formation erreichten kapitalistischen Entwicklungsstufe. Und in der einen oder anderen Form blieb die Aufgabe die gleiche: die Gew&#228;hrleistung der &#8222;Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; und des Fortbestands der Arbeiterklasse als Kategorie des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist diese These, welche die Ultralinke von allen Formen der kommunistischen Linken unterscheidet, seien sie klassische oder &#8222;wiederbelebte&#8220;: Da das Proletariat unter der reellen Herrschaft keine &lt;i&gt;vermittelnden Aufgaben&lt;/i&gt; mehr zu erf&#252;llen hat und den Inhalt seiner unmittelbaren Aufgabe &#8211; seine Aufhebung &#8211; in sich tr&#228;gt, ist nunmehr nur noch die historische Partei m&#246;glich, d.h. die wirkliche Bewegung der Selbstnegation des Proletariats und die unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den ersten Blick k&#246;nnte man meinen, es handle sich hier schlichtweg um eine rein &#8222;anti-organisatorische&#8220; Position, eine abstrakte Negation der Organisationsfrage, und nicht um einen Versuch, sie zu &#252;berwinden, wie es in der sp&#228;teren Entwicklung von Camatte der Fall sein wird. Was hingegen gewiss ist, ist die Tatsache, dass die einhellige Verurteilung jeglicher &#8222;formellen Partei&#8220; durch N&#233;gation/Le Voyou, Intervention communiste und Le Mouvement communiste (relativ im Falle letzterer Gruppe, wie wir sp&#228;ter sehen werden) sie nicht dazu f&#252;hrte, jegliche M&#246;glichkeit der &#8222;Gruppierung von Revolution&#228;ren&#8220; schlichtweg zu verurteilen, sondern zu einer neuen Definition des Inhalts und der Formen der kommunistischen Revolution, festgelegt als das Werk einer vom Kapital hervorgebrachten Klasse, die nur innerhalb desselben existieren kann &#8211; das Proletariat, verstanden als &#8222;kommunisierende Klasse&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Proletariat ist ein politisches Konzept. Alle Wirtschaftswissenschaftler&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; und die Materie seiner T&#228;tigkeit &#8211; die historische Vernichtung des Werts &#8211; im Prozess seiner Herausbildung selbst findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Existenz einer &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Bewegung selbst setzt also die unmittelbare &#220;berwindung der kapitalistischen Kategorien voraus. Deshalb, mangels einer konkret die Kategorien des Werts angreifenden Bewegung, ist jede &#8211; formelle oder informelle &#8211; Organisation, die von sich behauptet, einen &lt;i&gt;reellen Einfluss&lt;/i&gt; zu haben, dazu gezwungen, Linksradikalismus zu betreiben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, S. 7.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, d.h. innerhalb dieser Kategorien zu verbleiben (das Unternehmen, das Quartier, die Schule usw.). Intervention communiste hat das Problem folgendermassen gel&#246;st:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]ie Praktizierung anderer Interventionen l&#228;uft nicht nur darauf hinaus, den Prozess der b&#252;rgerlichen Revolution nachzu&#228;ffen, aus der kommunistischen Bewegung eine Schutzgelderpressung zu machen, dem Proletariat eine Positivit&#228;t zuzugestehen, ein Programm zu pr&#228;sentieren, zu versuchen, Ideen durchzusetzen, zu sagen, der Kommunismus sei nicht dieses oder jenes, sondern auch, trotz aller sch&#246;ner Reden, &lt;i&gt;die formelle Partei fortbestehen zu lassen&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220; in Bulletin communiste, Beilage zur Nr. 1 von (...)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus folgt, dass die M&#246;glichkeit der Gruppierung sowie die anderen Aufgaben der Kommunisten allen voran von der klaren Einordnung ihrer Periode als konterrevolution&#228;r, revolution&#228;r oder sich im revolution&#228;ren Aufbruch befindend abh&#228;ngen. Die Revolution&#228;re &#8222;entscheiden&#8220; also nicht, ob sie den revolution&#228;ren Prozess vereinheitlichen oder beschleunigen oder &#252;ber seinen Grad der Zentralisierung, deshalb, wie es &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt; betonte, &#8222;kann die kommunistische Bewegung weder durch eine formelle Zentralisierung noch durch einen f&#246;deralistischen oder unionistischen Autonomismus ausgedr&#252;ckt werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Bilan critique du Voyou&#8220;, Paris, September 1973.&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Zentralisierung ist nicht eine Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Les classes&#8220; in Intervention communiste, Nr. 2, Dezember 1973, (...)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gibt somit auch keine Aufgaben, welche die kommunistische Bewegung als priorit&#228;r betrachten oder auf welche sie ihre Ressourcen konzentrieren muss, aber sie wird dazu gebracht, gewisse Aufgaben zu erf&#252;llen und sie kann sie nur erf&#252;llen, indem sie sie b&#252;ndelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Haupteigenschaft der revolution&#228;ren Erneuerung von 1968 war, gem&#228;ss der Ultralinken, die &#8222;Wieder-Erkennung&#8220; der kommunistischen Theorie und ihre Reaktivierung, denn in der vorhergehenden Periode hatte sie nur als Gesamtheit versteinerter Prinzipien, als &lt;i&gt;Programm&lt;/i&gt; existiert:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[I]n einer Periode der &#8218;totalen&#8216; Konterrevolution ist im besten Falle nur die Konservierung eines &lt;i&gt;Programms&lt;/i&gt; m&#246;glich, das seinerseits von der Periode entsch&#228;rft worden ist. Seit etwa 1968 gibt es sehr wohl &#8211; wenn auch nat&#252;rlich noch bruchst&#252;ckhaft &#8211; &lt;i&gt;eine Hervorbringung der kommunistischen Theorie&lt;/i&gt;, welche die &lt;i&gt;Tendenzen&lt;/i&gt; der wirklichen Bewegung widerspiegelt. Diese Hervorbringung ist in sich selbst Praxis durch die durch sie &lt;i&gt;erzwungenen&lt;/i&gt; Verkn&#252;pfungen, insoweit als dieser Zwang durch die wirkliche soziale Bewegung ausge&#252;bt wird, und nicht durch die &#228;usseren Mahnrufe irgendeines Individuums, irgendeiner Gruppe oder Zeitschrift.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, op. cit., S. 16-17.&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der zweite charakteristische Zug der Erneuerung war &#8222;das Ende der theoretischen T&#228;tigkeit als getrennte Praxis aufgrund der zwingenden Notwendigkeit der praktischen Aneignung der Theorie durch das Proletariat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;, op. cit., S. 442.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Daher &#8222;empf&#228;ngt&#8220; das Proletariat &#8222;nicht Prinzipien oder Analysen, die ihnen die Kommunisten kommunizieren &#8211; das ist das Verh&#228;ltnis Arbeiterklasse/Aktivist &#8211;, sondern es eignet sich die Theorie seiner eigenen Bewegung an, weil es aufgrund seiner konkreten Situation dazu gezwungen ist, andernfalls wird es besiegt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 441.&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In anderen Worten, die nat&#252;rliche Konsequenz aus dem Ende der Trennung Theorie/Praxis ist das Verschwinden der Trennung Proletarier/Theoretiker, da die Theorie Teil der gesellschaftlichen Bedingung letzterer ist, denn sie sind nur Proletarier unter anderen. Anders gesagt: Vor der tats&#228;chlichen kommunistischen Bewegung gibt es keine Revolution&#228;re, sie sind eine Hervorbringung dieser Bewegung selbst und Teil der widerspr&#252;chlichen Bewegung des Kapitals. Schliesslich, wie es B&#233;riou betont:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese &lt;i&gt;Aneignung/Hervorbringung&lt;/i&gt; der Theorie des Kommunismus als revolution&#228;re Bewegung entsteht nicht nur gegen das in Form von versteinerten &#8218;Prinzipien&#8216; &#252;bermittelte kommunistische Programm, welches entstellt und erstarrt und aufgrund der Wirkung der Konterrevolution und &lt;i&gt;der Niederlage&lt;/i&gt; des letzten revolution&#228;ren Angriffs partiell und auf abstrakte Weise doktrin&#228;r geworden ist, sondern auch von diesem Programm ausgehend, durch die unter dem Druck der Ereignisse kritische Verdauung davon.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, op. cit.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald sie erkannt hat, dass die durch 1968 er&#246;ffnete Periode eine eines revolution&#228;ren Aufschwungs war, war die Ultralinke unmittelbar dazu gezwungen, sich den &lt;i&gt;Grenzen&lt;/i&gt; dieses Aufschwungs zu stellen und sie zu pr&#228;zisieren. Obwohl sie mit der &lt;i&gt;absoluten&lt;/i&gt; Herrschaft der Konterrevolution gebrochen hatte, war die &#8222;Notwendigkeit des Kommunismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die italienische Bewegung von 1977 hatte eine besondere Lesart des &#8222;Drangs (...)&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nicht insoweit verallgemeinert, als sie ihre ersten Manifestationen &lt;i&gt;praktisch&lt;/i&gt; h&#228;tte &lt;i&gt;&#252;berwinden&lt;/i&gt; k&#246;nnen und sich f&#228;hig zeigen, die Transformation der Produktionsverh&#228;ltnisse in Angriff zu nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Grenzen waren die Ursache einer bedeutenden Polemik im ultralinken Milieu zwischen N&#233;gation/Le Voyou und Intervention communiste auf der einen und Mouvement communiste auf der anderen Seite (ohne dass erstere absolut gleicher Meinung gewesen w&#228;ren). Die aus dem Aufschwung entstandenen Verbindungen konnten nicht unmittelbar konkret sein, nichts garantierte, dass die darauffolgenden Gruppierungen nicht rein formell waren. In Anbetracht der Wirklichkeit der Grenzen des Aufschwungs &#8211; d.h. des unmittelbar bevorstehenden erneuten Abschwungs &#8211; begann Le Mouvement communiste damit, die Notwendigkeit eines stabilen Systems permanenter Kontakte zwischen den verschiedenen Gruppen der Ultralinken zu verteidigen, sie behaupteten, dass, &#8222;obwohl es nicht infrage kommt, erneut eine formelle Organisation zu gr&#252;nden, die aus den Umst&#228;nden entstandenen Gruppierungen nicht mehr gen&#252;gen&#8220;, sie st&#252;tzten diese Anrufung der &#8222;objektiven Notwendigkeit&#8220; mit dem &#8222;subjektiven&#8220; Argument, gem&#228;ss welchem &#8222;die Nichtbeachtung, oder schlimmer, die Unterdr&#252;ckung, die Selbstzensur des individuellen Drangs nach Kommunismus als Teil der Konterrevolution zu betrachten sind&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;R&#233;volutionnaire ? (notes sur la subversion)&#8220; in Le Mouvement communiste, Nr. 4.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort des Voyou war kategorisch:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ihr gebt vor, die formelle Partei zu aktualisieren, indem ihr ihre Existenz nicht mehr auf die &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt;, sondern auf den (menschlichen) &lt;i&gt;Drang&lt;/i&gt; st&#252;tzt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, op. cit., S. 4.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich taten, insoweit als sie versuchten, die praktische Dringlichkeit der Krise des Klassenverh&#228;ltnisses und des historischen Prozesses der Herausbildung des Proletariats durch die gemeinsame Arbeit und die systematische Verst&#228;rkung der Verbindungen, w&#228;hrend sie gleichzeitig die &lt;i&gt;pers&#246;nliche&lt;/i&gt; Notwendigkeit des Kommunismus idealisierten, die Positionen von Mouvement communiste nichts anderes, als den programmatischen Kommunismus in neuer Gestalt erneut zu bekr&#228;ftigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Intervention communiste ihrerseits, obwohl sie sich davor h&#252;teten, der abstrakten Verweigerung der Argumentation ihrer Gespr&#228;chspartner zu verfallen, waren nicht minder energisch:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kommunismus ist nicht das Produkt der Handlung der &#8218;Leute&#8216;, welche all jene Situationen, in die sie das Kapital hineinversetzt, als unertr&#228;glich empfinden; auf dieser Stufe w&#228;re die Abh&#228;ngigkeit zwischen Revolution und Kapital beseitigt, erstere w&#252;rde sich einem Wesen entgegenstellen, das ein anderes als es selbst ist, in diesem Moment ist die Abschaffung des Tausches Strategie des &#8218;Revolution&#228;rs&#8216; und nicht vom Kapital selbst hervorgebracht. Die Herausbildung des Proletariats ist ein Moment des Zyklus des Kapitals [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berwindung des individuellen Drangs ist nicht die Eingliederung in irgendeine kollektive Praxis, sondern der Prozess der Herausbildung des Proletariats, der aus ihm wirklicher Drang nach Kommunismus macht und, indem es ihn nicht Teil einer (allzu vagen) kollektiven Praxis, sondern einer Klasse macht, die gesamte, unter Umst&#228;nden mit diesem individuellen Drang verbundene Problematik der Entscheidung beseitigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist notwendig, den pers&#246;nlichen, unmittelbaren Drang nach Kommunismus zu ber&#252;cksichtigen; doch dieser Drang als Drang nach Revolution wird als pers&#246;nlicher Drang negiert und konserviert, wenn man versteht, dass keine individuelle L&#246;sung m&#246;glich, dass keine Lockerung tragf&#228;hig ist. Was erfasst werden muss, ist die Tatsache, dass dieser pers&#246;nliche unmittelbare Drang nach Kommunismus ein Moment der Herausbildung des Proletariats ist, ein Moment seiner Existenz als kollektiver Drang nach Kommunismus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Les classes&#8220;, op. cit, S. 453 und 461.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Abschliessend&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So n&#228;hert sich diese kurze Einf&#252;hrung in die franz&#246;sische Ultralinke zwischen 1968 und 1974 ihrem Ende. Ich bem&#252;hte mich darin, zus&#228;tzlich zur Darstellung ihrer historischen Wurzeln &#8211; die schon in gewissen embryonalen &#8222;autonom-r&#228;tekommunistischen&#8220; Tendenzen der Nachkriegszeit pr&#228;sent waren &#8211; und der konkreten Inspirationsquellen dieser Str&#246;mung, gewisse Sophismen und Halbwahrheiten zu widerlegen, mithilfe welcher die Pseudokritik der &#8222;Theorie der Kommunisierung&#8220; diese in der Regel er&#246;rtert, besonders hinsichtlich ihrer angeblichen &#8222;anti-organisatorischen&#8220; Phobie, &#8222;modernistischen&#8220; Wurzeln und ihres daraus hergeleiteten angeblichen &#8222;kleinb&#252;rgerlichen&#8220; Charakters. Ich habe hingegen bewusst einen Aspekt aussen vor gelassen, jenen der mehr oder weniger tendenzi&#246;sen Widerlegungen und verk&#252;rzten und restriktiven Aneignungen der Periodisierung formelle/reelle Herrschaft, nicht weil die Frage nicht interessant oder bedeutend w&#228;re &#8211; ganz im Gegenteil &#8211;, sondern aus dem einfachen Grund, dass sie alleine einen monographischen Artikel verdienen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe hier auch auf eine Kritik der Thesen der Ultralinken verzichtet, denn es ging darum, eine vollst&#228;ndige Darstellung davon vorzulegen. Doch es ist offensichtlich &#8211; oder sollte es zumindest sein &#8211;, dass eine Theorie, die ihren Zenit &#252;berschritten hat, nicht auf unbestimmte Zeit &#8222;aktuell&#8220; bleiben kann, auch wenn sie sich als f&#228;hig erweist, den Vergleich mit noch &#228;lteren Theorien, die problemlos weiter zirkulieren und ihre eigene &#8222;G&#252;ltigkeit&#8220; einfordern k&#246;nnen, weil sie zu zeitlosen &#8222;Klassikern&#8220; geworden sind, nicht scheuen zu m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall hoffe ich, dass es verst&#228;ndlich geworden ist, dass der gemeinsame Nenner der durch die Ultralinke unternommenen Br&#252;che nichts anderes war als eine konstante &lt;i&gt;Historisierung&lt;/i&gt; &#8211; ausgehend von der Gegenwart, die ihr Los war &#8211; des Werdegangs der kommunistischen Bewegung, stets verbunden mit der entsprechenden kapitalistischen Entwicklungsstufe und einer konstanten kritischen Pr&#252;fung der G&#252;ltigkeit und des Inhalts ihres theoretischen Arsenals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich m&#246;chte ich pr&#228;zisieren, dass ich hier das Konzept der Ultralinken in einem engen Sinne benutzt habe &#8211; im Gegensatz zum Beispiel zur Art und Weise, wie es h&#228;ufig von der Gruppe Th&#233;orie communiste benutzt wird &#8211; und mich auschliesslich auf &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; (1. Serie), N&#233;gation, Le Voyou, Intervention communiste und Le Mouvement communiste bezogen habe. Wie die Mehrheit jener, welche &#252;ber die Ultralinke geschrieben haben, denke ich jedoch, dass es wichtig ist, zu betonen, dass die Situationistische Internationale (die einen starken Einfluss auf die Ultralinke w&#228;hrend der Periode 1972-1974 hatte) sozusagen einen Fuss in der T&#252;r und einen draussen hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;12. November 2023&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Federico Corriente&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21186&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie. Dritter Band. Buch III: Gesamtproze&#223; der kapitalistischen Produktion&lt;/i&gt; (1894) in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, 1964, S. 412.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den letzten Jahren haben mehrere Autoren die Intensit&#228;t des Austausches von Ideen, Texten und Kampferfahrungen zwischen den radikalen Milieus in Detroit und Italien w&#228;hrend den 1960er Jahre hervorgehoben. Die Gruppe Correspondence &#8211; den Namen, der sich ab 1951 die Johnson-Forest-Tendenz, wovon zahlreiche Mitglieder in Detroit lebten, gegeben hatte &#8211; hatte einen betr&#228;chtlichen Einfluss auf den Operaismus durch den Text von 1947 &#8222;The American Worker&#8220; von Paul Romano und Grace Lee, den Danilo Montaldi ausgehend von der in &lt;i&gt;Socialisme ou barbarie&lt;/i&gt; erschienenen franz&#246;sischen Version zwei Jahre sp&#228;ter &#252;bersetzte und der einer der Inspirationsquellen f&#252;r die operaistische &#8222;militante Untersuchung&#8220; Romano Alquatis war. Der Operaist Ferrucio Gambino (der 1967 eine Reise nach Detroit und in andere Teile der USA unternahm) seinerseits erm&#246;glichte den Besuch des Automobilarbeiters und ehemaligen Mitglieds von Correspondence James Boggs &#8211; der mit der Ver&#246;ffentlichung der italienischen &#220;bersetzung von The American Revolution. Pages from a Negro Worker's Notebook (1963) zusammenfiel &#8211; f&#252;r zahlreiche Konferenzen in ganz Italien zusammen mit seiner Frau Grace Lee-Boggs, Mitbegr&#252;nderin der Johnson-Forest-Tendenz.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt; (Champ Libre, 1972) von Jean Barrot (Gilles Dauv&#233;) kann man Folgendes lesen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Entwicklung der USA liess sehr bedeutende &#8218;Inseln&#8216; der Unterentwicklung entstehen und unterhielt sie. Diverse Gruppen und Minderheiten sind nicht in die amerikanische Gesellschaft integriert und leben am Rande der eigentlichen Arbeiterklasse, entweder im Elend als fast permanente Arbeitslose oder besch&#228;ftigt mit wenig produktiven und schlecht bezahlten T&#228;tigkeiten (Kleinbauern, Landwirtschaftsarbeiter). Aber seit dem Krieg ver&#228;ndert die wirtschaftliche Entwicklung das Problem und vor allem seit einigen Jahren mit der Automatisierung, die hunderte von Millionen Arbeiter in der Produktion &#252;berfl&#252;ssig macht [&#8230;] Ihre Auswirkungen sind allerdings bereits sp&#252;rbar, besonders unter den schwarzen Arbeitern, die zuvorderst vom Ausschluss der Produktion bedroht sind.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Fussnote zitiert Dauv&#233; explizit das Buch von Boggs als Quelle und betont im &#220;brigen, dass das Problem &#8222;von den &#8218;Revolution&#228;ren&#8216; nicht ernsthaft dargestellt worden ist, ausser von der italienischen Linken in ihrer Studie der Manuskripte von 1857-1858&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, Nr. 3, Juli 1972, &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article572&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; online verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die anscheinende Ausnahme, welche die konstant und ununterbrochen zirkulierenden Texte von Barrot/Dauv&#233; darstellen, ist es nicht wirklich. Mit Ausnahme seiner Schriften in der Periode 1972-1973, in welchen der &#8222;Bruch&#8220; sehr sichtbar ist, widmete er sich nach dem Debakel von 1973 Projekten wie La Gauche communiste en Allemagne 1918-1921 (1976) oder &lt;i&gt;&#8222;Bilan&#8220;&lt;/i&gt;. Contre-r&#233;volution en Espagne 1936-1939 (1979), welche die Neolinkskommunisten nicht pauschal zur&#252;ckweisen konnten, ohne sich ins eigene Knie zu schiessen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Revolutionare-Theorie-und&#034;&gt;&lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220; in &lt;i&gt;ICO&lt;/i&gt;, Nr. 118, Juni 1972, S. 3, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2003, S. 318.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/spip.php?article438&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;James Boggs, &lt;a href=&#034;https://www.historyisaweapon.com/defcon1/amreboggs.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1963.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 28.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;ICO&lt;/i&gt;, Nr. 121, November 1972.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 29.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist kein Zufall, dass das 1974 von Henri Simon verfasste &lt;a href=&#034;http://cras31.info/IMG/pdf/nouveau_mouvement_liaison-no26.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Gr&#252;ndungsmanifest&#8220; der Gruppe &#201;changes et mouvement&lt;/a&gt; &#8211; eine direkte Erbin ihrer Vorg&#228;ngerorganisation, der r&#228;tekommunistisch-arbeiterorientierten Gruppierung ICO &#8211; den Titel &#8222;neue Bewegung&#8220; und nicht &#8222;neue &lt;i&gt;Arbeiterbewegung&lt;/i&gt;&#8220; tr&#228;gt. Daneben bietet der Text eine hervorragende Zusammenfassung der &#8222;neuen&#8220; Ideen der Gruppe, die der Autor auf heimt&#252;ckische Art und Weise jenen der Ultralinken entgegenstellt, letztere unterscheidet er kaum vom Rest der &#8222;avantgardistischen&#8220; Tendenzen, die &#8222;versuchen&#8220;, sich der neuen Welt &#8222;der Autonomie anzupassen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es sei bemerkt, mit welcher Leichtigkeit Henri Simon die &#8222;aktivistische Str&#246;mung&#8220; der Ultralinken und von ihm &#8222;sowohl in den Analysen als auch in den Konzeptionen der Organisation&#8220; traditionalistisch genannte Gruppen unter dem Vorwand vermischt, es handle sich um &#8222;Gruppen, die Teil der avantgardistischen Ideologie sind&#8220;. Die &#8222;wiederauferstandenen Bolschewisten&#8220; wie R&#233;volution internationale/IKS z&#246;gern ihrerseits auch nicht, die (als &#8222;modernistische&#8220; Str&#246;mung bezeichnete) Ultralinke und die R&#228;tekommunisten auf der Grundlage einer angeblichen gemeinsamen Organisationsfeindlichkeit zu vermischen (siehe zu diesem Thema &lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/IMG/pdf/ico/supplement/ico-unpointdevue.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;ICO : un point de vue&#8220;&lt;/a&gt; von Henri Simon; Internationale kommunistische Tendenz, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/disappointed-1968-seeking-refuge-utopia&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Dissappointed of 1968: Seeking Refuge in Utopia&#8220;&lt;/a&gt;, &#8222;Critique des soi-disant &#8218;communisateurs&#8216;&#8220; Teil &lt;a href=&#034;https://fr.internationalism.org/content/10877/critiques-des-soi-disant-communisateurs-i-introduction-a-serie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;1&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://fr.internationalism.org/content/10878/critique-des-soi-disant-communisateurs-ii-du-gauchisme-au-modernisme-mesaventures&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;2&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.mondialisme.org/spip.php?article1025&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;ICO et l'IS &#8211; Retour sur les relations entre Informations correspondance ouvri&#232;res et l'Internationale situationniste&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Barrot/Dauv&#233; damals eingeschlossen, er benutzte den Begriff in der Mehrheit seiner Schriften dieser Zeit, bevor er ihn ohne Erkl&#228;rung aufgab. Zur &#8222;Abrechnung&#8220; &#8211; wenn man es so nennen kann &#8211; Dauv&#233;s mit der Unterscheidung formelle/reelle Herrschaft kam es erst 2004 in einer &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/correspondence-between-parts-riff-raff-collective-and-gilles-dauve-aka-jean-barrot&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Antwort auf einen Brief der schwedischen Zeitschrift Riff-Raff zur Frage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220; in &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/negation/negation-n01.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt;, Nr. 1&lt;/a&gt;, S. 15.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C. L. R. James, F. Forest, Ria Stone, The Invading Socialist Society, Bewick/Ed, Detroit 1972, S. 13-15.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Problem war &#252;berhaupt nicht (wie es alle angesagten Ideologien damals behaupteten), dass diese Arbeiterklasse integriert war: Diese Arbeiterklasse war schlichtweg unterworfen und beherrscht durch extrem heftige Formen der Repression, Formen, die [&#8230;] nicht ausserhalb der Arbeitsweise standen, sondern sie waren vollst&#228;ndig Teil des Produktionsprozesses.&#8220; Toni Negri, Del obrero-masa al obrero social, Anagrama, Barcelona, 1980.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C. L. R. James und Konsorten hatten es verstanden, indem sie zum Beispiel zeigten, dass nichts am stalinistischen Ph&#228;nomen besonders &#8222;russisch&#8220; war, sondern es Teil eines breiteren Prozesses war, der sich weltweit abspielte:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die beste Art und Weise, diese Parteien zu verstehen, ist die Erkenntnis, dass, auch wenn das stalinistische Russland nie existiert h&#228;tte und die proletarische Revolution verschoben worden w&#228;re, eine &#228;hnliche politische Formation wie die stalinistischen Parteien entstanden w&#228;re.&#8220; The Invading Socialist Society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit anderen Worten, diese Parteien waren weder &#8222;Werkzeuge des Kremls&#8220; noch eine Neuauflage der klassischen Sozialdemokratie, sondern allen voran &#8222;ein Produkt der Arbeit und des Kapitals auf dieser Stufe&#8220; (&lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;). Und obwohl, gem&#228;ss James, ihre Rolle hinsichtlich der Arbeiterklassen der entwickeltesten L&#228;nder schon obsolet geworden ist, beh&#228;lt sie ihre G&#252;ltigkeit f&#252;r L&#228;nder, wo die Dekolonialisierung und der Zugang zu einer &#8222;normalen&#8220; kapitalistischen Entwicklung noch ausstehend sind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich behaupte nicht, dass diese Zitate die &#8222;Organisationskonzeptionen&#8220; C. L. R. James' zusammenfassen, und noch weniger, dass seine Praxis ein genauer Widerschein seiner Konzeptionen war, aber ich zeige auf, dass er in seinen &#220;berlegungen zur Frage zu Grenzen gedr&#228;ngt worden ist, die sp&#228;ter von der franz&#246;sischen Ultralinken er&#246;rtert worden sind. Gest&#252;tzt auf eine zus&#228;tzliche Erfahrung von mehr als einem halben Jahrhundert hat Roland Simon ein viel klarere und abschliessendere Antwort auf die Frage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]as Auftauchen der Klasse, die Bewegung der Revolution als Affirmation der Klasse, kann gegen&#252;ber dem Kapital &#8218;kapitalisiert&#8216;, formalisiert; in einem Wort, organisiert werden [&#8230;] [D]ie Negation des Proletariats kann nie eine stabile Form erlangen [...]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann revolution&#228;re Arbeiter gruppieren, vereinen und radikalisieren, wenn es unmittelbar die Tatsache ist, ein produktiver Arbeiter zu sein, d.h. seine eigene Existenz in der kapitalistischen Produktionsweise, die unmittelbar als revolution&#228;res Wesen gesetzt wird; man kann hingegen weder nach einem Krawall eine Organisation der Krawallmacher gruppieren noch wilde Streikende, welche die Arbeit verweigern als &#8218;wilde Streikende, welche die Arbeit verweigern&#8216;. Eine Organisation der Saboteure von Lordstown kann nicht existieren. Wenn Pl&#252;nderer der amerikanischen Ghettos Organisationen bilden, dann tun sie das, um &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; zu machen oder eine grundlegende &#8218;Wohlfahrt&#8216; zu organisieren; wenn die Saboteure von Lordstown sich ausserhalb ihrer Praxis selbst organisieren, dann tun sie es, um &lt;i&gt;gewerkschaftlich&lt;/i&gt; aktiv zu sein.&#8220; Siehe Fondements critiques d'une th&#233;orie de la r&#233;volution, Marseille, Senonevero, 2001, S. 566.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Facing Reality, 1958, S. 89.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist angebracht, diesbez&#252;glich zu anerkennen, dass die Gruppe Correspondence &#8211; deren Mitglied Boggs bis 1962 war &#8211; schon vor ihm zu diesem Schluss gekommen war: &#8222;Das Konzept einer &#220;bergangsphase hin zum Sozialismus von Marx und Lenin hat ebenfalls heutzutage in den fortgeschrittenen L&#228;ndern keinen Sinn mehr.&#8220; &lt;i&gt;Facing Reality&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 98.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/invariance/1re-serie/invariance-serie1-n08.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Transition&#8220;&lt;/a&gt;, 1969.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F. Santini, &lt;a href=&#034;https://www.pdf-archive.com/2017/09/29/francesco-santini-apocalipsis-y-supervivencia-1994/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Apocalipsis y supervivencia&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, S. 43.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;, op. cit., S. 172-176.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Proletariat ist ein &lt;i&gt;politisches&lt;/i&gt; Konzept. Alle Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen k&#246;nnen dar&#252;ber debattieren, was die kapitalistische Produktionsweise, die produktive Arbeit oder sogar die Arbeiterklasse ist. Das Konzept des Proletariats ist etwas anderes. Man kann zurecht die Widerspr&#252;che der kapitalistischen Produktionsweise als Tr&#228;ger seiner &#220;berwindung betrachten, aber diese Aussage bedeutet sogleich eine besondere gesellschaftliche und politische Positionierung innerhalb dieser Widerspr&#252;che, und nicht ihre einfache Anerkennung. Deshalb ist das Konzept immer intuitiv benutzt worden und kein einfaches Synonym der Arbeiterklasse, was auch immer die Vorbehalte gegen&#252;ber letzterem Begriff sein m&#246;gen.&#8220; &#8222;Contribution &#224; la th&#233;orie des classes&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 27, S. 288.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/negation/verre-eau-de-vichy.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;&lt;/a&gt;, S. 7.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220; in &lt;i&gt;Bulletin communiste&lt;/i&gt;, Beilage zur Nr. 1 von &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt;, Februar 1973, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 439-450.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article1077&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Bilan critique du Voyou&#8220;&lt;/a&gt;, Paris, September 1973.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Les classes&#8220; in &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt;, Nr. 2, Dezember 1973, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 451-462.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 16-17.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 442.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 441.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die italienische Bewegung von 1977 hatte eine besondere Lesart des &#8222;Drangs nach Kommunismus&#8220; (schon latent in den Texten von Le Mouvement communiste), gem&#228;ss welcher der &#8222;Motor&#8220; dieses Drangs nicht das Elend (im weitesten Sinne des Begriffs) sei, sondern die Entwicklung des Drangs nach &#8222;gr&#246;sster Produktivkraft&#8220;, und zwar die revolution&#228;re Klasse, die zu &#8222;reich&#8220; sei, um ins Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit zur&#252;ckgef&#252;hrt zu werden, und deshalb dazu tendiere, dieses Verh&#228;ltnis explodieren zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article574&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;R&#233;volutionnaire ? (notes sur la subversion)&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, Nr. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Les classes&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;, S. 453 und 461.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/corrienteberiou.pdf" length="175715" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Pal&#228;stina: Volk oder Klasse? Interview mit Emilio Minassian</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Palastina-Volk-oder-Klasse-Interview-mit-Emilio-Minassian</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Palastina-Volk-oder-Klasse-Interview-mit-Emilio-Minassian</guid>
		<dc:date>2025-01-29T11:42:34Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Emilio Minassian</dc:subject>
		<dc:subject>Israel/Pal&#228;stina</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Erster Teil &lt;br class='autobr' /&gt;
Zweiter Teil &lt;br class='autobr' /&gt;
Erster Teil &lt;br class='autobr' /&gt;
Als Fortsetzung und Vertiefung der Debatte, zu der es mit Emilio Minassian am libert&#228;ren Treffen in Quercy diesen Sommer kam, und zur Verteidigung einer klassenspezifischen Lesart und Perspektive auf die Situation in Pal&#228;stina-Israel haben wir ihm einige Fragen gestellt. In einem ersten Teil werden wir &#252;ber die Integration der Region Israel/Pal&#228;stina in den globalen Kapitalismus und die Klassenzusammensetzung in Pal&#228;stina sprechen. In der n&#228;chsten (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Emilio-Minassian" rel="tag"&gt;Emilio Minassian&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Israel-Palastina" rel="tag"&gt;Israel/Pal&#228;stina&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/palestine.jpg?1738102817' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='97' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#ErsterTeil&#034;&gt;Erster Teil&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#ZweiterTeil&#034;&gt;Zweiter Teil&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;ErsterTeil&#034;&gt;Erster Teil&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Als Fortsetzung und Vertiefung der Debatte, zu der es mit Emilio Minassian am libert&#228;ren Treffen in Quercy diesen Sommer kam, und zur Verteidigung einer klassenspezifischen Lesart und Perspektive auf die Situation in Pal&#228;stina-Israel haben wir ihm einige Fragen gestellt. In einem ersten Teil werden wir &#252;ber die Integration der Region Israel/Pal&#228;stina in den globalen Kapitalismus und die Klassenzusammensetzung in Pal&#228;stina sprechen. In der n&#228;chsten Nummer werden wir die Auswirkungen auf die proletarischen K&#228;mpfe und den nationalen Befreiungskampf er&#246;rtern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Als Einleitung zu den &#196;usserungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst einige Worte dazu, &#8222;woher ich spreche&#8220;, wie man sagt. Ich bin nicht Pal&#228;stinenser, ich verbrachte regelm&#228;ssig einige Monate im Westjordanland und ging den &#252;blichen Besch&#228;ftigungen jener linken Westler nach, welche in die besetzten Gebiete reisen: solidarische Aktivit&#228;ten, kurze Dokumentarfilme, folgenlose akademische Forschungsarbeit. Es l&#228;sst sich wahrscheinlich weitgehend als eine Form aktivistischen Tourismus beschreiben, in einer autonom-marxistischen Variante.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich versuchte ziemlich schnell jenen gesellschaftlichen Rahmen zu umgehen, in welchen sich der propal&#228;stinensische Aktivismus hineinprojiziert, n&#228;mlich nicht mit &#8222;Profis&#8220; der Unterdr&#252;ckungserz&#228;hlung w&#228;hrend abgesteckten Treffen herumzuh&#228;ngen. Das habe ich mehr oder weniger geschafft, je nach Perioden, Zusammenh&#228;ngen und aufgewendeter Energie, und ich war eher an der Seite der Arbeitslosen und Schurken der Fl&#252;chtlingslager als an jener der Arbeiter (geschweige denn Arbeiterinnen): Die Arbeitslosen haben freie Zeit und die Schurken haben h&#228;ufig Lust, ihre Geschichten des Kampfes gegen die (israelischen, aber auch pal&#228;stinensischen) bewaffneten Kr&#228;fte, der Einsperrung und der (sowohl in den israelischen als auch pal&#228;stinensischen Kerkern praktizierten) Folter zu teilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seinen Mund aufzumachen, um zu sagen, dass &#8222;es in Pal&#228;stina gesellschaftliche Klassen gibt&#8220;, mag in einem Kontext, wo die Bev&#246;lkerungen im Gazastreifen im Bombenhagel ertr&#228;nkt werden, schr&#228;g erscheinen. Wahrscheinlich w&#252;rde ich es nicht oder auf andere Art und Weise tun, wenn ich mich im Gazastreifen und nicht im Westjordanland herumgetrieben h&#228;tte. Ich mache es nicht, um das Massaker auf Distanz zu halten, sondern um die Idee einer radikalen Andersartigkeit, einer &#196;usserlichkeit im Verh&#228;ltnis zu dem zu bek&#228;mpfen, was hinsichtlich der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse geschieht, dort genau wie hier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du verteidigst die Idee, dass Israel-Pal&#228;stina im globalen kapitalistischen Raum und in jenem der Region eine Einheit darstellt. Kannst du uns erkl&#228;ren, warum?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urspr&#252;nglich konzipiert das zionistische Projekt eine getrennte j&#252;dische Gesellschaft in Pal&#228;stina. Dieses Projekt f&#252;hrt zur ethnischen S&#228;uberung 1947-1948, die, obwohl sie nicht vollst&#228;ndig ist, einen &#8222;j&#252;dischen&#8220; Raum erschafft, der damals im Wesentlichen europ&#228;ischen Ursprungs ist. 1967, mit der Besetzung des Gazastreifens und des Westjordanlands, zuvor von &#196;gypten f&#252;r ersteren und Jordanien f&#252;r letzteres annektiert, ist die Bev&#246;lkerung des von Israel verwalteten Territoriums nicht mehr haupts&#228;chlich j&#252;disch. Zur gleichen Zeit entsteht ein eigentlich pal&#228;stinensischer &#8211; und nicht mehr &#8222;arabischer&#8220; &#8211; Nationalismus. Man konnte damals den Eindruck gewinnen, zwei &#8222;Nationen&#8220; w&#252;rden sich auf dem gleichen Territorium entgegenstehen. Doch aus diesem pal&#228;stinensischen Nationalismus ist bis heute keine andere getrennte staatliche Entit&#228;t entstanden, als jene auf der Grundlage der Verwaltung von &#8222;Kesseln&#8220;, im Gazastreifen und im Westjordanland. Das von Israel kontrollierte Territorium besteht nicht einerseits aus j&#252;dischen, andererseits aus pal&#228;stinensischen Territorien. Es gibt zahlreiche mehrheitlich pal&#228;stinensische Gebiete in den Territorien des 1948 gegr&#252;ndeten Staates und eine bedeutende Siedlerbev&#246;lkerung im Westjordanland. Dieses Territorium ist ein Puzzle, in welchem die nationalen Unterscheidungen, vorausgesetzt, dass man von subjektiven Zugeh&#246;rigkeiten absieht, selbst in zahlreiche Untergliederungen unterteilt sind, diese sind ihrer Ethnisierung halber (auch auf &#8222;j&#252;discher&#8220; Seite) heutzutage von gesellschaftlicher Natur und alle Teil der israelischen Wirtschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von &#8222;der Einheit des Raumes&#8220; zwischen Israel und Pal&#228;stina auszugehen, ist also eine Art und Weise, eine Analyse der pal&#228;stinensischen Frage als eine eines durch ein gemeinsames Zugeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl und eine einzige und gemeinsame Enteignung vereinten &#8222;Volkes ohne Staat&#8220; zu &#252;berwinden. Diese Lesart tendiert dazu, gesellschaftlich hervorgebrachte nationale Kategorien zu essentialisieren und zudem die Gewalt des israelischen Staates in einer Kontinuit&#228;t seit 1948 zu verankern, was die Tatsache nicht ber&#252;cksichtigt, dass sie Teil globaler Dynamiken ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich seit einem Jahr abspielt, ist weder ein Krieg, an dem sich zwei sich gegen&#252;berstehende nationale R&#228;ume beteiligen, noch eine Eroberungsunternehmung, welche die Beschlagnahme von Rohstoffen und M&#228;rkten zum Ziel hat. Es ist nicht das &#8222;pal&#228;stinensische Volk&#8220;, das man im Rahmen eines Kampfes um die Existenz, in dem sich zwei Nationen gegen&#252;berstehen, im Bombenhagel ertr&#228;nkt. Der Gazastreifen ist keine ausserhalb von Israel stehende gesellschaftliche Entit&#228;t. Er ist seit etwa 60 Jahren in den israelischen Kapitalismus, den israelischen Markt integriert. Die dort lebenden Pal&#228;stinenser sind in ihrer &#252;berwiegenden Mehrheit Proletarier ohne eigene Ressourcen, die mit israelischem Geld gekaufte israelische Waren konsumieren, aber keine Arbeiter, deren Arbeit ausgebeutet wird. Es sind &#220;bersch&#252;ssige, die das israelische Kapital in den 1990er Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen und, gem&#228;ss einer Logik der Animalisierung, die Teil der kolonialen Geschichte ist, in ein immenses, einige Dutzend Kilometer von Tel Aviv entferntes &#8222;Reservat&#8220; gepfercht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kannst du etwas n&#228;her auf die Geschichte der Integration dieses Raumes (und seiner Arbeitskraft) in den kapitalistischen Markt eingehen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Standpunkt des Marktes aus betrachtet, ist der &#8222;pal&#228;stinensische&#8220; Raum durch die Aufteilung des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg konstituiert worden. Am Anfang steht eine Situation, in welcher feudale Strukturen und eine sich andeutende Handelsbourgeoisie vorherrschen. Das Mandat und der Zionismus markieren den eigentlichen Beginn der Proletarisierung der arabisch-pal&#228;stinensischen Bauernschaft, doch der wirkliche Ausl&#246;ser ist 1948 mit der Nakba. Pal&#228;stinensische Bourgeois und Feudalherren verlassen das unter israelische Kontrolle gekommene Territorium mit ihren beweglichen G&#252;tern unter den Armen; die pal&#228;stinensischen Bauern, mehrheitlich in Halbpacht, werden von ihrem Land verjagt und in Lagern zusammengepfercht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann den israelischen Kolonialismus in drei Zyklen unterteilen. In einer ersten Phase (1948-1967) ist es eine Typologie, die gegen&#252;ber der pal&#228;stinensischen Bauernschaft der Siedlerkolonie &#228;hnelt: ethnische S&#228;uberung, Landraub, &#8222;j&#252;disches&#8220; Kapital und &#8222;j&#252;dische&#8220; Arbeit. Als logische Folge davon wurde, wie ich es vorher gesagt habe, ein j&#252;disches Proletariat aus der arabischen Welt importiert, dieses war seinerseits ethnisiert und in ein koloniales Verh&#228;ltnis der Animalisierung und Ausbeutung eingebettet. Die Kapitalakkumulation geschah w&#228;hrend dieser Periode unter der Knute eines allm&#228;chtigen Planerstaates, kontrolliert von den aschkenasischen und sozialistischen Eliten mit einer in den Staat integrierten Gewerkschaftsbewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer zweiten Phase, zwischen 1967 und ungef&#228;hr 1990, mit der Eroberung des Gazastreifens und des Westjordanlands, gehen wir in eine koloniale Situation des Typs &#8222;Ausbeutung der eingeborenen Arbeitskraft&#8220; &#252;ber. Der israelische Kapitalismus tritt in eine intensive Phase der Integration ins internationale Kapital ein, unter anderem via die R&#252;stungsindustrie. W&#228;hrend ungef&#228;hr 20 Jahren erlebt das Proletariat des Gazastreifens und des Westjordanlands seinerseits eine massive Integration in die Lohnarbeit in die am wenigsten qualifizierten Sektoren: Bauwesen, Landwirtschaft usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Osloer Abkommen l&#228;uten eine neue Phase ein, jene eines kolonialen Verh&#228;ltnisses, das rund um die Figur des pal&#228;stinensischen &#220;bersch&#252;ssigen und der Fremdvergabe seiner Verwaltung strukturiert ist. Israel beh&#228;lt die Kontrolle &#252;ber das Territorium, setzt seine Offensive der Zerst&#246;rung der Bauernschaft fort und beauftragt eine aus dem Befreiungskampf entstandene nationale Struktur mit der Verwaltung der pal&#228;stinensischen Proletarier, die in geschlossene urbane Zonen eingepfercht worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kontext kommt es zu einer Integration der Handelsbourgeoisien, die der Nakba entkommen waren &#8211; jene, welche in Hebron und Nablus verankert und Teil des von Jordanien zwischen 1948 und 1967 annektierten Territoriums waren &#8211;, in diese aus der PLO (Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation) entstandene F&#252;hrungsschicht. Integriert in den Sicherheitsapparat der PA (Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde), hat sie einen doppelten Ursprung: Es gibt die &#8222;&#228;usseren&#8220; Anf&#252;hrer, die 1994 und 1996 mit Arafat zur&#252;ckkehrten, und die &#8222;inneren&#8220;, hervorgegangen aus der Ersten Intifada und den israelischen Gef&#228;ngnissen. Es ist eine bunt gemischte, in konkurrierende Fraktionen gespaltene Klasse. Sie profitiert von einer internationalen Sicherheitsrente, doch sie kontrolliert auch ganze Sektoren der Wirtschaft der besetzten Gebiete, im Bauwesen, den Infrastrukturen, der Telekommunikation und nat&#252;rlich dem Import/Export mit Israel. All diese Sektoren sind mit dem israelischen Markt und israelischen Investitionen verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Markiert der Gazakrieg nicht den Eintritt in eine neue Phase?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon kann man ausgehen. Die Phase nach Oslo war gepr&#228;gt von der Inflation der Kontrolltechniken, die von Israel gegen dieses im Wesentlichen unproduktiv gewordene Proletariat aufgeboten wurde: Aufteilung des Territoriums in Mikroregionen, Einf&#252;hrung eines verr&#252;ckten Genehmigungssystems zur Bewilligung von Reisen, Arbeit und Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, generalisierte Fichierung, &#220;berwachung der sozialen Netzwerke, digitales System der Gesichtserkennung, aber auch massive Willk&#252;r (hinsichtlich der Verhaftungen, der &#214;ffnung oder Schliessung von Durchg&#228;ngen, dem Zugang zu Genehmigungen), um die Verhaltensweisen zu &#8222;testen&#8220;. Diese Technologien und dieses Know-how wurden massiv exportiert und sind somit wertproduzierend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint mir, dass wir seit letztem Jahr in die milit&#228;rische Dimension dieser experimentellen Logik eingetreten sind. Die gegenw&#228;rtige Praxis der Zerst&#246;rung und der Massaker ist nicht nur grenzenlos: Sie ist akribisch, &#252;berlegt, kontrolliert und gleichzeitig hat man M&#252;he, zu erkennen, welcher &#8222;Sieg&#8220; angestrebt wird. Meine Hypothese ist, dass die Massaker im Gazastreifen eine experimentelle Sequenz darstellen, die f&#252;r den globalen Kapitalismus n&#252;tzlich ist &#8211; genau wie es auf andere Art und Weise mit der ein starkes Ausmass an &#8222;Biomacht&#8220; implizierenden Logik des &#8222;Stop and Go&#8220; der Weltwirtschaft w&#228;hrend der Covid-Pandemie der Fall war. Aber Achtung, es geht nicht darum, hier auf postmodern zu machen und zu behaupten, irgendeine Herrschaftslogik sei von den kapitalistischen Verh&#228;ltnissen autonom geworden. Die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier aus dem Gazastreifen haben keine produktive Funktion mehr f&#252;r das israelische Kapital, doch der f&#252;hrende Sektor der Kontrolltechnologien mit hoher Wertsch&#246;pfung &#8222;braucht&#8220; sie als Versuchskaninchen, um daraufhin seine internationale Zirkulation zu garantieren. So testet man die Bombardierungen und das Profiling von Individuen mit k&#252;nstlicher Intelligenz und verwaltet das Verh&#228;ltnis zur Hungersnot mit einer Akribie, die zum Ziel hat, stets am Rande der Mangelern&#228;hrung zu bleiben (bis heute), man tut das Gleiche mit den Epidemien, usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Logik der endlosen milit&#228;rischen Aggression gegen die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen wird eifrig von den westlichen M&#228;chten unterst&#252;tzt: Alle politischen Gestikulationen bez&#252;glich einer M&#228;ssigung sind blosses Theater (es reicht, die Frage der Waffenlieferungen mit der Ukraine zu vergleichen, um festzustellen, dass ihre Verb&#252;ndeten der israelischen Kriegsmaschinerie keine Grenze setzen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sprichst von einer Bourgeoisie und einem Proletariat in Pal&#228;stina. K&#246;nntest du uns die Klassenzusammensetzung im Gazastreifen und im Westjordanland skizzieren und die Bedingungen erkl&#228;ren, unter welchen der Kampf zwischen den Klassen stattfindet? Determiniert der Status gegen&#252;ber Israel diese Klassenzugeh&#246;rigkeit?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die pal&#228;stinensische Bourgeoisie bildet nicht eine fest konstituierte nationale Klasse: Sie bleibt in der Tat abh&#228;ngig von ihrer Unterordnung unter das israelische Kapital und den israelischen Staat. Die pal&#228;stinensischen Kapitalisten (wenn man darunter &#8222;urspr&#252;nglich aus Pal&#228;stina kommend&#8220; versteht) bevorzugen spontan, falls sie frei investieren k&#246;nnen, ihre Kapitale ausserhalb des pal&#228;stinensischen Territoriums &#8211; und somit ausserhalb des nationalen Rahmens Israels &#8211; zu realisieren. Es ist unbestreitbar, dass die israelische Besatzung die Entwicklung einer territorialisierten pal&#228;stinensischen kapitalistischen Klasse erzwungen hat. Eine amerikanische Forscherin (Sara Roy) hat den Begriff &#8222;De-Entwicklung&#8220; zur Bezeichnung der Art und Weise, wie Israel die Schaffung einer &#8222;freien&#8220; Marktwirtschaft, d.h. als Teil des Weltmarktes und der besetzten Gebiete, verhindert hat, popul&#228;r gemacht. Die Besatzung hat die Entwicklung des Kapitalismus im Gazastreifen und im Westjordanland in Richtung einer exklusiven und untergeordneten Komplementarit&#228;t gelenkt, die Produktion in einer Logik des Subunternehmertums gepr&#228;gt und die israelischen Kapitalisten haben sich in den besetzten Gebieten einen Eigenbedarfsmarkt geschaffen. Die pal&#228;stinensische Handelsbourgeoisie hat alle Gr&#252;nde der Welt, sauer auf die Besatzung zu sein: Sie ist auf den Sektor der Zirkulation beschr&#228;nkt, es ist eine Kompradorenbourgeoisie, um einen von den Trotzkisten erfundenen Begriff zu &#252;bernehmen. Bedeutet das, dass ihre K&#228;mpfe jene der Proletarier der besetzten Gebiete sind? Man muss man daran zweifeln, ausser wenn man an die Trickle-Down-Theorie glaubt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hingegen in den gesellschaftlichen Dynamiken der besetzten Territorien zentral ist, ist diese im Kontext der Osloer Abkommen gebildete &#8222;politische&#8220; Bourgeoisie, deren Schicksal mit der Verwaltung des pal&#228;stinensischen Proletariats verbunden ist. In ihrer Soziologie entstammt sie selbst in weiten Teilen diesem Proletariat. Sie hat sich auf Kosten der traditionellen herrschenden Klassen (das, was man die &#8222;grossen Familien&#8220; nennt) durchgesetzt, sie haben ihr die Treue geschworen und erstere ist in die Welt letzterer eingedrungen. Ihre mittleren Kader (der Hamas im Gazastreifen, aber vor allem der Fatah im Westjordanland) konstituieren &#8222;auf dem Terrain&#8220; eine flankierende Kraft dieses &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats. Sie sind die Schnittmenge der Welt des Aktivismus und jener der Rente der internationalen Kapitalgeber. Sie werden gleichzeitig stark infrage gestellt (insoweit als sie alles tun, um &#8222;die T&#252;re hinter sich zuzumachen&#8220;) und beansprucht in Bezug auf den Zugang zu L&#246;hnen; und sie haben eine Form des gesellschaftlichen Aufstiegs und der Klassenrache durch den politischen Kampf verk&#246;rpert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von &#252;bersch&#252;ssigem Proletariat zu sprechen, bedeutet nicht, dass die Leute nicht arbeiten, sondern dass sie an die R&#228;nder der kapitalistischen Ausbeutung gedr&#228;ngt worden sind. Viele arbeiten auf zerst&#252;ckelte Art und Weise in kleinen Strukturen, h&#228;ufig im Verkauf, f&#252;r miserable L&#246;hne und ohne Vertrag (in der Gr&#246;ssenordnung von 10 Dollar pro Tag, w&#228;hrend die Warenpreise an jene des israelischen Marktes gekoppelt sind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere im Westjordanland arbeiten weiterhin in Israel, im Bauwesen, dem Gastgewerbe oder der Landwirtschaft, unter sehr prek&#228;ren Bedingungen, entweder indem sie illegal die Grenze &#252;berqueren oder von Zwischenh&#228;ndlern abh&#228;ngig sind, um Zugang zu jederzeit widerrufbaren Genehmigungen zu haben (sie sind seit dem 7. Oktober ausgesetzt worden). Die meisten Arbeiter hatten einen Lohn von ungef&#228;hr 1400 Euro pro Monat, wovon exorbitante Kosten f&#252;r die &#8222;Grenz&#252;berquerung&#8220; und h&#228;ufig den Kauf von Arbeitsbewilligungen abgezogen werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Westjordanland existiert auch weiterhin eine b&#228;uerliche Wirtschaft, die h&#228;ufig &#8222;nebenberuflich&#8220; ist und unter dem Druck der Kolonialisierung steht. Die Dynamik der Proletarisierung der Bauernschaft geht seit den Anf&#228;ngen des Zionismus konstant weiter, sie ist eine direkte Folge des Prozesses der Aneignung und Rentabilisierung des Bodens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann gibt es also diese Welt der politischen Rente, die aus dem von den internationalen Kapitalgebern zur Verteidigung gewisser, mit ihren Interessen verbundener Formen relativer Stabilit&#228;t ausgegossenen Geld stammt. Diese Rente sorgt f&#252;r den Lebensunterhalt von zwischen einem Viertel und einem Drittel der Bev&#246;lkerung, wobei 40% der Angestellten des &#246;ffentlichen Sektors f&#252;r die Sicherheitskr&#228;fte der PA arbeiten. Sie werden gem&#228;ss der offiziellen Tabelle f&#252;r &#8222;formelle&#8220; L&#246;hne bezahlt, ungef&#228;hr 450 &#8364; pro Monat, aber die durch die Kapitalgeber und Israel (durch das System der R&#252;ck&#252;bertragung der Abgaben) an die PA gezahlten Gelder laufen stets Gefahr, eingefroren zu werden, was zu Unterbrechungen der Lohnzahlungen f&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausserdem wird ein Teil dieser politischen Rente von den politischen Anf&#252;hrern zu ihren Gunsten abgezweigt, zur Versorgung ihrer Klientel oder zur Investition in den informellen Sektor. Ein bedeutender Teil des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats &#252;berlebt dank dieses abgezweigten Geldes. Es ist eine gesellschaftlich unruhige Bev&#246;lkerung, die in den 1970er-1980er Jahren massiv in die Lohnarbeit in Israel integriert worden und w&#228;hrend den beiden Intifadas stark mobilisiert war. Sie ist in den Fl&#252;chtlingslagern konzentriert, sie sind historisch der N&#228;hrboden der pal&#228;stinensischen &#8222;gef&#228;hrlichen Klassen&#8220; und bleiben das bis heute. Im Gazastreifen wie im Westjordanland, von Jabalia bis Jenin, stehen diese &#8222;Vorst&#228;dte in den Vorst&#228;dten&#8220; konstant unter dem Feuer der israelischen Armee.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Volatilit&#228;t der gesellschaftlichen Struktur in den besetzten Gebieten ist also betr&#228;chtlich. Die politische Bourgeoisie und besonders ihre Anf&#252;hrer laufen stets Gefahr, den R&#252;ckw&#228;rtsgang einlegen zu m&#252;ssen, d.h. von Israel vom Status des Kollaborateurs auf jenen des Widerstandsk&#228;mpfers zur&#252;ckgestuft und somit eingesperrt zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Und im Gazastreifen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Machtperiode der Hamas (seit 2007) sind die Zentralit&#228;t der politischen Rente und eine Bourgeoisie, die haupts&#228;chlich eine in den politischen Betrieb integrierte &#8222;Kompradorenbourgeoisie&#8220; ist, unver&#228;ndert geblieben, aber in einem Kontext der Blockade und somit noch geringeren Investitionen und einer immer st&#228;rkeren Volatilit&#228;t. Die Renten stammten aus der Kontrolle &#252;ber die Warenzirkulation und der aus Katar und Iran kommenden Pfr&#252;nden. Jene Unternehmer, welche w&#228;hrend den letzten Jahren Verm&#246;gen angeh&#228;uft haben (z.B. in der Tunnelwirtschaft), taten dies in Verbindung mit dem Sicherheitsapparat der Hamas.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kann man in der gegenw&#228;rtigen Situation im Gazastreifen von einer Klassenstruktur sprechen? Es gibt immer, sogar in dieser Art von Situation, in welcher jeder Tag der letzte sein k&#246;nnte, Gruppen von Individuen (verbunden mit der Hamas, den milit&#228;rischen Strukturen der Clans oder als Gangs organisiert), die es verm&#246;gen, Gesch&#228;fte zu machen. Doch das ergibt keine Klassenstruktur &#8211; oder aber es ist eine Klassenstruktur in der Art eines Konzentrationslagers, die nicht Teil einer mittel- oder langfristigen gesellschaftlichen Reproduktion ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fortsetzung in der Nummer 346 im Januar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview durchgef&#252;hrt von zyg im Oktober/November 2024.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://oclibertaire.lautre.net/spip.php?article4309&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;ZweiterTeil&#034;&gt;Zweiter Teil&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Als Fortsetzung und Vertiefung der Debatte, zu der es mit Emilio Minassian am libert&#228;ren Treffen in Quercy diesen Sommer kam, und zur Verteidigung einer klassenspezifischen Lesart und Perspektive auf die Situation in Pal&#228;stina-Israel haben wir ihm einige Fragen gestellt. Im ersten Teil haben wir &#252;ber die Integration der Region Israel/Pal&#228;stina in den globalen Kapitalismus und die Klassenzusammensetzung in Pal&#228;stina gesprochen. In dieser Nummer m&#246;chten wir &#252;ber die Auswirkungen dieser Klassenzusammensetzung auf die proletarischen K&#228;mpfe und den nationalen Befreiungskampf sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kann der nationale Befreiungskampf, so klassen&#252;bergreifend er auch sein mag, nicht die Schraube der Klassenherrschaft f&#252;r die pal&#228;stinensischen Proletarier etwas lockern? Denn es ist denkbar, dass die israelische Kolonialisierung die pal&#228;stinensische Bourgeoisie vor einer Ausweitung der Klassenwiderspr&#252;che sch&#252;tzt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie steht es um den nationalen Befreiungskampf in Pal&#228;stina heutzutage? Existiert er &#252;berhaupt noch? Der nationale Befreiungskampf ist freilich eine Perspektive (ein des Kolonialherren entledigter Nationalstaat) und man kann der Ansicht sein, dass sie in Pal&#228;stina g&#252;ltig bleibt, solange der Kolonialismus fortbesteht. Aber wie steht es um den Mobilisierungsprozess? Historisch geschah er immer rund um die politischen Formationen, wobei er gleichzeitig Auswirkungen auf die Klassenstruktur hatte. In Pal&#228;stina wurde der nationale Befreiungskampf von den Parteien der PLO (Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation) verk&#246;rpert, sie waren die Akteure der sogenannten &#8222;pal&#228;stinensischen Revolution&#8220; nach dem Krieg von 1967: Rund um diese Parteien (Fatah, PFLP &#8211; Volksfront zur Befreiung Pal&#228;stinas &#8211; und all ihre Abspaltungen) verdichtete sich eine soziale Bewegung, welche die traditionellen, von der feudalen Welt geerbten Hierarchien umgest&#252;rzt hat. Die &#8222;pal&#228;stinensische Revolution&#8220; hat eine dem intellektuellen Kleinb&#252;rgertum im Exil entstammende F&#252;hrungsschicht hervorgebracht, die mithilfe der Zirkulation der politischen Renten das Proletariat der Fl&#252;chtlingslager in Jordanien, im Libanon und in Syrien (und manchmal nicht-pal&#228;stinensische Proletarier aus diesen L&#228;ndern) in Kampforganisationen integriert hat. Die traditionelle Bourgeoisie ist zwar nicht gest&#252;rzt, aber zumindest ins Wanken gebracht worden: Sie ist dazu gedr&#228;ngt worden, mit diesen Organisationen zu verhandeln, um vor jenen bewaffneten Proletariern besch&#252;tzt zu werden, welche ihre Farben trugen. Es ist der klassische Motor der nationalen Befreiungsbewegungen: Die Absorbierung einer proletarischen oder b&#228;uerlichen sozialen Bewegung, oder, in den meisten F&#228;llen &#8211; und das gilt f&#252;r Pal&#228;stina &#8211;, einer Bewegung, die Ausdruck der sich aus den kolonialen Verh&#228;ltnissen ergebenden Proletarisierung der b&#228;uerlichen Massen ist, durch einen politischen Rahmen, der die Verwandlung in einen Staatsapparat zum Ziel hat. Der Prozess hat sich danach, in den 1980er Jahren, auf den Gazastreifen und das Westjordanland ausgeweitet, jedoch ohne die milit&#228;rische Dimension: Die Erste Intifada beginnt als Revolte der vom israelischen Kapital ausgebeuteten Proletarier der besetzten Gebiete (weitgehend jene, welche in den Fl&#252;chtlingslagern leben); erst sp&#228;ter wird sie von der PLO &#8222;vereinnahmt&#8220;, um aus ihr eine nationale politische Bewegung zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was geschah danach? Im &#8222;klassischen&#8220; Modell kommt es, wenn die politische F&#252;hrung die Staatsmacht erobert, zur Trennung der Interessen zwischen der sozialen Bewegung und der politischen Formation, die Prolos werden von einem vermeintlich im Dienste der Massen stehenden Staat zur&#252;ck zur Arbeit geschickt. Was in Pal&#228;stina speziell ist, ist die Tatsache, dass diese Trennung geschehen ist, ohne dass die Unabh&#228;ngigkeit erlangt worden w&#228;re: Am Ende der Periode zwischen den Osloer Abkommen und der Zweiten Intifada (1993-2004) hat die nationale F&#252;hrungsschicht den Kampf f&#252;r die Unabh&#228;ngigkeit aufgegeben, um sich mit den von Israel gew&#228;hrten Renten und M&#228;rkten zufriedenzugeben. Seither tr&#228;gt die Unterdr&#252;ckung der Proletarier immer noch die Z&#252;ge der israelischen Besatzung und Kolonialisierung, aber es fehlt dabei eine von den aus dem nationalen Befreiungskampf entstandenen politischen Organisationen vorgelebte Kampfperspektive, denn die Anf&#252;hrer derselben sind mittlerweile als Subunternehmer in diese Konfiguration integriert. Es ist die ber&#252;hmte &#8222;doppelte Besatzung&#8220;, die in den Diskursen im Westjordanland allgegenw&#228;rtig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hat die Hamas diese Aufgabe nicht &#252;bernommen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinsichtlich gewisser Aspekte folgt die Hamas dem Weg der PLO. Die gesellschaftliche Zusammensetzung ihrer F&#252;hrungsschicht ist &#228;hnlich: aus den Universit&#228;ten stammende Mittelklassen ohne eigenes Kapital, die einen Spagat zwischen der proletarischen Basis und den Interessen der Handelsbourgeoisie machen. Doch die Hamas hat sich im Gegensatz zur PLO nicht auf eine soziale Bewegung gest&#252;tzt. Sie hat eine Art Gegengesellschaft aufgebaut, die fromm und hierarchisch ist und die soziale Ordnung respektiert. Die Proletarier sind in Form der Einreihung integriert worden, sie hat nie versucht, ihre autonome Aktivit&#228;t im Rahmen ihrer Verhandlungen mit der Bourgeoisie zu nutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich muss man meiner Meinung nach zumindest methodisch den Begriff des Kampfes, der eine Form der Autonomie des Handelns und materielle Streitgegenst&#228;nde bedingt und gesellschaftliche Widerspr&#252;che ins Spiel bringt, von jenem des &#8222;Widerstands&#8220;, wie er von hierarchisierten milit&#228;rischen Organisationen wie den Al-Qassam-Brigaden im Gazastreifen benutzt wird, unterscheiden. Die Hamas kann legitimerweise von sich behaupten, Teil des Widerstands zu sein (wie die Hisbollah oder andere politisch-milit&#228;rische Gruppen der Region), aber ihr Modell des Widerstands ist zentralisiert, hierarchisch, milit&#228;risch, es trennt die Bev&#246;lkerung von &#8222;ihren&#8220; Truppen und letztere k&#246;nnen jederzeit eingesetzt werden, um K&#228;mpfe niederzuschlagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mitte der 2000er Jahre dr&#228;ngen interne Kr&#228;fte die Hamas dazu, sich durch die Teilnahme an Wahlen in die Rahmenbedingungen der Autonomieabkommen zu integrieren, d.h. sich im Gefolge der Fatah als Subunternehmerin Israels in der Verwaltung der Proletarier in den besetzten Gebieten zu positionieren. Genau dies tut sie letztendlich, indem sie 2007 im Gazastreifen die Macht ergreift. Da sie es milit&#228;risch und ohne mit dem Besatzer zu verhandeln getan hat, konnte sie den unbeugsamen Schein wahren, ungeachtet dessen ist sie objektiv zu einer lokalen Subunternehmerin in der Verwaltung der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend 16 Jahren hat die Hamas den Gazastreifen und die Beziehungen zu Israel (mithilfe von Verhandlungen und Raketen) verwaltet, die K&#228;mpfe niedergeschlagen und einer Unternehmerklasse erlaubt, sich unter ihren Fittichen zu bereichern. Bis zu jenem 7. Oktober 2023, als sie pl&#246;tzlich aus dieser Rolle der Subunternehmerin austritt, um, so denke ich, erneut den Schwerpunkt auf ihre Dimension der politisch-milit&#228;rischen Organisation des Typs Hisbollah zu legen. Indem sie das getan hat, hat sie die Klasse der Unternehmer im Gazastreifen geopfert, die sich unter ihren Fittichen entwickelt hatte. Man kann davon ausgehen, dass diese Umorientierung nicht ohne innere Reibereien geschehen konnte, dass sie gleichbedeutend ist mit dem Aufbruch eines alten internen Widerspruchs zwischen ihrem politisch-milit&#228;rischen Arm mit einer gewichtigen proletarischen Klientel und jener Fraktion, welche Teil der pal&#228;stinensischen Handelsbourgeoisie ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die britische Herrschaft, dann die zionistische Kolonialisierung, der enorme Fl&#252;chtlingsanteil, die t&#228;gliche Aus&#252;bung kolonialer Gewalt usw. haben dazu beigetragen, materiell eine gemeinsame Identifikation der Pal&#228;stinenser und ihres Widerstands zu konstruieren, die sich in der Form des Begriffs &#8222;Volk&#8220; ausdr&#252;ckt. Ist diese Konstruktion nur der Widerschein des Diskurses der pal&#228;stinensischen Eliten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Identifikation existiert offensichtlich, doch man muss sich fragen, was sich dahinter abspielt. Ich versuche nicht um jeden Preis, zu sagen, dass &#8222;die V&#246;lker nicht existieren&#8220;, dass &#8222;sie bloss eine Mystifikation der herrschenden Klasse sind, die zum Ziel hat, ihre Klassenherrschaft zu kaschieren&#8220;; und noch weniger, dass, &#8222;wenn die Maske fallen w&#252;rde, sich die Proletarier ihrer Klasseninteressen bewusst w&#252;rden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee eines pal&#228;stinensischen Volkes ist nicht auf die pal&#228;stinensischen Eliten beschr&#228;nkt, sie wird manchmal sogar gegen letztere benutzt. Die Frage ist: Welche K&#228;mpfe spielen sich innerhalb der Kategorie &#8222;Volk&#8220; offen oder diskret zwischen den verschiedenen sie benutzenden Klassensegmenten ab? Nur weil man sich mit einem Volk identifiziert, bedeutet das nicht, dass man nicht ausgehend von seiner gesellschaftlichen Stellung k&#228;mpft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit kommen wir auf das zur&#252;ck, was ich &#252;ber den nationalen Befreiungskampf und den Interklassismus gesagt habe. In den 1960er Jahren bis in die 1990er Jahre brauchte die PLO die proletarischen K&#228;mpfe, um &#252;ber ihren Anteil am Kuchen gegen&#252;ber Israel zu verhandeln, w&#228;hrend die Proletarier ihre &#8222;nationale&#8220; F&#252;hrung als eine Art der Legitimation ihrer K&#228;mpfe gegen die Eliten benutzten. In den besetzten Gebieten stellte die Erste Intifada den H&#246;hepunkt dieser doppelten Logik der Absorption der gesellschaftlichen K&#228;mpfe durch die politischen F&#252;hrungen und Benutzung des nationalen Kampfes durch die gesellschaftliche Bewegung dar. Aber die proletarischen K&#228;mpfe und jene der nationalen F&#252;hrungen, die bis anhin den Weg (auf konfliktreiche Art und Weise) gemeinsam gingen, taten dies ab den Jahren zwischen 2002 und 2005 nicht mehr. Im Kontext des Scheiterns der Zweiten Intifada (die in den ersten Monaten der gleichen klassen&#252;bergreifenden Logik folgte und aufst&#228;ndische oder bewaffnete Proletarier mit den politischen Anf&#252;hrern verband) sind die nationalen F&#252;hrungen (im Westjordanland und sogar im Gazastreifen) in eine Logik der Niederschlagung der K&#228;mpfe eingetreten, auch jener, welche die Sprache der nationalen Befreiung mobilisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn das der Intuition scheinbar widersprechen mag, die proletarischen K&#228;mpfe in den besetzten Gebieten sind seit dem Scheitern der Zweiten Intifada in erster Linie gegen die nationale pal&#228;stinensische F&#252;hrung gerichtet. Weil sie es mit ihr zu tun haben, sie eine Pufferrolle spielen, hat sich Israel aus der Verantwortung f&#252;r die Reproduktion der Bev&#246;lkerungen zur&#252;ckgezogen, sie hat sie der pal&#228;stinensischen F&#252;hrung &#252;bergeben. Israel interveniert in Agglomerationen des Westjordanlands gem&#228;ss einer Logik des &#8222;&#220;berfalls&#8220; &#8211; und im Gazastreifen des Massakers.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist mit den K&#228;mpfen seit 20 Jahren ausserhalb dieser Parteien oder gegen sie?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um von jenen Dingen zu sprechen, welche ich am besten kenne (ich betrat den Gazastreifen nur ein einziges Mal 2002), es gab 2015-2016 im Norden des Westjordanlands einen schwelenden Aufstand der Proletarier der Fl&#252;chtlingslager gegen die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde (PA). Man sprach damals von einer &#8222;internen&#8220; Intifada, deren Epizentrum das Balata-Lager in einer Vorstadt von Nablus war. Diese soziale Bewegung hat die pal&#228;stinensische Polizei zur&#252;ckgedr&#228;ngt, sie hat Raum f&#252;r die Jungen gelassen, um erneut bewaffnete Gruppen auf ihren Grundlagen, ausserhalb der Hierarchien der Parteien zu formieren und sich gesellschaftlich gegen die mit der PA verbundenen Standespersonen in Nablus und Jenin durchzusetzen. Die Konfrontationen im Fr&#252;hling 2021 (Krawalle in Jerusalem und in den pal&#228;stinensischen St&#228;dten innerhalb der israelischen Territorien &#8222;von 1948&#8220;, politisch-milit&#228;rische Offensive der Hamas, Wahl-Annullierung durch die PA) haben die Sache noch schlimmer gemacht: Die PA ist geschw&#228;cht daraus hervorgegangen, was sie in ihren Bestrebungen hin zu einem autorit&#228;ren Regime etwas beruhigt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ich am Krawallzyklus von 2015-2016 interessant fand, war die Tatsache, dass der Diskurs vieler Leute darauf hinauslief (was nur scheinbar ein Widerspruch ist), dass die pal&#228;stinensische Verwaltung zugleich eine physische Konfrontation mit der Besatzung und den Zugang zur israelischen Wirtschaft als Arbeiter verhindere. Es gab eine Nostalgie f&#252;r eine Epoche, w&#228;hrend welcher &#8222;man am Tag f&#252;r die Israelis arbeitete und in der Nacht Molotowcocktails auf sie warf&#8220;&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im selben Jahr kam es zu einem grossen Streik bei den von der PA angestellten Lehrkr&#228;ften, sie hatte es geschafft, ihn durch den Einsatz von Einsch&#252;chterung, Repression und Erpressung gem&#228;ss dem Modell der &#8222;arabischen Regime&#8220; der Region zu neutralisieren, doch er stellte eine Sequenz des sozialen Protests dar, welche die Grundlagen ihrer politischen Kontrolle ersch&#252;ttert hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wieso schweigt unser politisches Lager zu diesen K&#228;mpfen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die PA und die pal&#228;stinensische Bourgeoisie sind im Diskurs im Westjordanland als Quelle der Unterdr&#252;ckung allgegenw&#228;rtig. Aber man muss nat&#252;rlich die Situationen der Wechselwirkung ber&#252;cksichtigen: Wir, die angeheiterten weissen Aktivisten in den besetzten Gebieten, werden angeeignet, um eine Funktion zu erf&#252;llen: jene, zu bezeugen, um der israelischen Propagandamaschine entgegenzuwirken. Diese Aneignung ist im Wesentlichen das Werk der Mittelklassen, die auf die eine oder andere Art und Weise Zugang zu (materiellen oder symbolischen) aus dem Westen kommenden Kapitalen haben, und es ist eine Tatsache, dass niemand Solidarit&#228;t im Klassenkampf gegen die pal&#228;stinensischen Ausbeuter erwartet. Jene Leute, welche Teil dieser (vom nationalen Standpunkt aus) &#8222;internen&#8220; Ausbeutungsverh&#228;ltnisse sind, werden mit dir dar&#252;ber sprechen, die ganze Zeit sogar, doch ihr Reden dar&#252;ber wird nicht die Dimension einer politischen Botschaft annehmen &#8211; ausser w&#228;hrend extrem angespannten Momenten, wie es im Norden des Westjordanlands 2015-2016 der Fall war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die pal&#228;stinensischen Proletarier als Proletarier erleben, erreicht unsere Ohren kaum, was alles andere als &#252;berraschend ist: Diese Erfahrung ist nicht Teil der &#8222;nationalen Sache&#8220;, welche die politischen F&#252;hrungskr&#228;fte ihren Kontakten im Ausland vermitteln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Welche gemeinsamen Perspektiven k&#246;nnen die Proletarier dieses Gebiets haben?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel repr&#228;sentiert das Bild einer albtraumhaften Zukunft: jenes eines Staates, der dem zentralen Block der kapitalistischen L&#228;nder angeh&#246;rt und auf seinem Territorium die globale Zoneneinteilung, wie man sie in der weltweiten Arbeitsteilung beobachten kann, reproduziert hat. Diese gesellschaftliche Zoneneinteilung spielt sich quasi in einem Ballungsraum ab: Die Distanz zwischen dem Gazastreifen und Tel Aviv ist kaum gr&#246;sser als jene zwischen Paris und Mantes-la-Jolie. Und sie funktioniert auf der Grundlage der Ethnizit&#228;t (das ist eine Konstante in der Geschichte Israels wie in jener vieler anderer Staaten, auch ausserhalb des Kontexts des nationalen Kampfes: vor der Besatzung des Westjordanlands und des Gazastreifens waren es die &#8222;importierten&#8220; j&#252;dischen Proletarier aus den arabischen L&#228;ndern, die den Preis daf&#252;r zahlten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch im Verlauf der letzten 20 Jahre hat sich der Staat nicht nur als Garant der sozialen Reproduktion des von ihm beherrschten j&#252;dischen Proletariats durchgesetzt, sondern auch seiner &#8222;physischen&#8220; Existenz selbst, seines &#220;berlebens. Man kann heutzutage eine Einreihung dieses &#8222;nationalen&#8220; Proletariats hinter seinen Ausbeutern von einem nie dagewesenen Ausmass in der Geschichte gegen&#252;ber den in einem konstant bombardierten Konzentrationslager eingepferchten &#220;bersch&#252;ssigen des Gazastreifens beobachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte also nicht vergessen, dass die K&#228;mpfe Teil dieses albtraumhaften Universums sind. Es ist schwer vorstellbar, dass sie Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse hervorbringen k&#246;nnten, die f&#228;hig w&#228;ren, &#8222;die Segmentierungen zu zerst&#246;ren&#8220;. Bis vor einem Jahr war selbst die einfache Tatsache, dass diese K&#228;mpfe in den besetzten Gebieten weiterhin existierten und die Reproduktion der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse unter Zwang setzten (noch einmal, ich spreche hier von den K&#228;mpfen, nicht vom hierarchisierten Widerstand) etwas, das mich pers&#246;nlich aufr&#252;ttelte und n&#228;hrte. Heutzutage erdr&#252;ckt das Gewicht der Logik des Massakers alles: Die autonome Handlungsf&#228;higkeit des pal&#228;stinensischen Proletariats ist vom Bombenhagel bedroht und solange das j&#252;dische Proletariat ein Gefangener des israelischen Staates ist (was sich so schnell nicht &#228;ndern wird), gibt es durch das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis nichts zu verhandeln. Wir sind tats&#228;chlich in eine andere Phase eingetreten, sie gibt kaum Anlass f&#252;r Hoffnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist die Negierung der materiellen Grundlage des pal&#228;stinensischen &#8222;Volkes&#8220; nicht gleichbedeutend mit einer &#8222;passiven Unterst&#252;tzung&#8220; f&#252;r jenen Staat, welcher es kolonialisiert und niederschl&#228;gt?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke, dass es m&#246;glich ist, einen analytischen Rahmen zu entwickeln, innerhalb welchem man sich solidarisch mit den K&#228;mpfen in Pal&#228;stina f&#252;hlt, ohne sich Illusionen hinsichtlich der durch die soziopolitischen, &#8222;nationalen&#8220; Apparate getragenen Perspektiven hinzugeben. Das ist es, was Socialisme ou Barbarie zumindest teilweise w&#228;hrend des Algerienkrieges gelang: die Entwicklung einer internationalistischen Linie, die gegen&#252;ber der FLN eine kritische Position aufrechterhalten konnte, basierend auf einer Klassengrundlage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Pal&#228;stina genau wie sonst &#252;berall auf der Welt sind wir in einer Periode, w&#228;hrend welcher man nirgends eine &#8222;klassenspezifische&#8220; Verk&#246;rperung des Proletariats finden wird. Einige h&#228;ngen immer noch einer Identifikation mit linken Parteien wie der PFLP oder der DFLP (Demokratische Front zur Befreiung Pal&#228;stinas) oder mit einer hypothetischen, von den Parteien entfernten Zivilgesellschaft an. Ich kann die Vorgehensweise verstehen und ich ging w&#228;hrend meiner Reisen aufgrund &#8222;kultureller&#8220; Affinit&#228;t selbst so vor, doch diese Parteien und diese Zivilgesellschaft sind von Klassenwiderspr&#252;chen durchdrungen, welche die F&#252;hrungsschichten als gegen&#252;ber der nationalen Herrschaft sekund&#228;r darstellen wollen. Nur ist man (im Allgemeinen) solidarisch mit den Diskursen dieser F&#252;hrungsschichten, ohne dass man sich dessen bewusst w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich halte an der Idee fest, dass die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse Vorrang haben vor politischen Ideologien und dass man, sowohl emotional als auch intellektuell, immer versuchen muss, gesellschaftlich gesprochen &#8222;von unten auszugehen&#8220;, jenseits der politischen Identifikationen, um jene K&#228;mpfe zu verstehen, welche &#8222;der&#8220; nationale Kampf behauptet, zu umfassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Identifikation mit Pal&#228;stina, der Idee Pal&#228;stinas, kann man je nach Klassen, Verh&#228;ltnis zur Politik, aktivistischem, kulturellem Kapital usw. unterschiedliche Logiken erkennen. Das gilt dort, aber auch hier bei uns, in den Ausdr&#252;cken der Solidarit&#228;t. Diese verschiedenen Logiken existieren nicht miteinander, sie skizzieren keine Konvergenz oder Einheit: Sie sind widerspr&#252;chlich, sie bek&#228;mpfen sich gegenseitig, auf mehr oder weniger bewusste oder stille Art und Weise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Frage &#8222;Was tun?&#8220; habe ich nicht viel zu sagen. Es scheint mir auf jeden Fall, dass man, eher als die verschiedenen in der Bewegung der Solidarit&#228;t verteidigten politischen Positionen (was man &#252;ber die Hamas, die Zweistaatenl&#246;sung oder sonst etwas denkt), ihre gesellschaftliche Zusammensetzung und die daraus hervorgehenden Kampfpraktiken hinterfragen sollte, um sich daraufhin innerhalb der Bewegung zu positionieren &#8211; in der Hoffnung, &#8222;den Krieg nach Hause zu holen&#8220; und die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung dort anzugreifen, wo man ist, und so die Massaker im Gazastreifen zu beenden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich ist die Aneignung und die Umrahmung der Solidarit&#228;tsdemos durch die Politiker der France insoumise und Konsorten, welche die &#8222;pal&#228;stinensische Sache&#8220; im Rahmen ihrer Interessen instrumentalisieren, oder sogar durch Vereine, die sich als Gespr&#228;chspartner f&#252;r die Macht positionieren, meiner Meinung nach als Niederlage der proletarischen, apolitischen Komponente der Bewegung zu verstehen, diese kam zum Beispiel w&#228;hrend dem Krieg 2014 st&#228;rker zum Ausdruck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview durchgef&#252;hrt von zyg im Oktober/November 2024.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://oclibertaire.lautre.net/spip.php?article4337&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/minassianintersterteil.pdf" length="64154" type="application/pdf" />
		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/minassianintzweiterteil.pdf" length="62954" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Die Wirrungen der Wertkritik auf heiligem Land</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Die-Wirrungen-der-Wertkritik-auf-heiligem-Land</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Die-Wirrungen-der-Wertkritik-auf-heiligem-Land</guid>
		<dc:date>2024-12-29T16:59:01Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Wertkritik</dc:subject>
		<dc:subject>Israel/Pal&#228;stina</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Am letzten 12. November teilte der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao eine Nachricht des Kollektivs Golem, die dazu aufrief, sich an seiner Seite zu mobilisieren und am nationalen Marsch gegen Antisemitismus am gleichen Tag teilzunehmen. Gem&#228;ss diesem Kollektiv gehe es darum, sich einer Beteiligung der &#228;usseren Rechten an diesem Marsch entgegenzustellen, diese &#8222;instrumentalisiert den Kampf gegen den Antisemitismus, um ihre Vergangenheit, ihre Sichtweise und ihre (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Wertkritik" rel="tag"&gt;Wertkritik&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Israel-Palastina" rel="tag"&gt;Israel/Pal&#228;stina&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/dissociation_wertkritik-06e0a.webp?1735440777' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='99' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Am letzten 12. November teilte der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao eine Nachricht des Kollektivs Golem, die dazu aufrief, sich an seiner Seite zu mobilisieren und am nationalen Marsch gegen Antisemitismus am gleichen Tag teilzunehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es handelt sich um den nationalen Marsch am Sonntag 12. November 2023 (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gem&#228;ss diesem Kollektiv gehe es darum, sich einer Beteiligung der &#228;usseren Rechten an diesem Marsch entgegenzustellen, diese &#8222;instrumentalisiert den Kampf gegen den Antisemitismus, um ihre Vergangenheit, ihre Sichtweise und ihre antisemitischen, rassistischen und islamophoben Strukturen zu rehabilitieren&#8220;. Am Schluss des Aufrufs des Kollektivs stand folgender Vorschlag: &#8222;Kommt mit uns an den Marsch, um sie [die Faschisten] zu blockieren!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Artikel verurteilt die B&#252;rgschaft der Wertkritik f&#252;r den Marsch am 12. November, doch er hat vor allem zum Ziel, aufzuzeigen, was in der kritischen Werttheorie eine solche Initiative m&#246;glich oder gar unvermeidlich gemacht hat. Nur in einer Konfrontation mit der Wirklichkeit kann eine Theorie ihren Wahrheitsgehalt &#252;berpr&#252;fen und ihre Relevanz unter Beweis stellen. Die Beteiligung der Wertkritik am nationalen Marsch gegen den Antisemitismus hat die Gebrechlichkeit ihrer Radikalit&#228;t und die Leere der emanzipatorischen Anspr&#252;che ihrer Theorie aufgezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Artikel besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Ein erster Teil ist einer Kritik der theoretischen Positionen der Wertkritik sowie ihrer Mobilisierungen gegen den Antisemitismus gewidmet und ein zweiter Teil betrifft die Frage des Zionismus und Israels insoweit, als die antizionistischen Positionsbez&#252;ge von der Wertkritik, aber auch institutionell von den Staatsm&#228;chten im Westen, mit Antisemitismus gleichgesetzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A &#8211; Erster Teil&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon seit Jahren hat die Str&#246;mung der Wertkritik in Frankreich, via ihren Blog Palim-Psao und ihren Verlag Crise &amp; Critique, aus dem Kampf gegen den Antisemitismus eine zentrale Achse ihrer Aktivit&#228;ten gemacht. Neben der eben erw&#228;hnten geteilten Nachricht und den zahlreichen diesem Thema gewidmeten Texten kann man noch eine Veranstaltung zur &#8222;kritischen Theorie des Antisemitismus und des Rassismus&#8220;, die sich mit &#8222;dem Antisemitismus und der Linken&#8220; befasste, sowie einen von den Mitgliedern des RAAR (Aktionsnetzwerk gegen den Antisemitismus und den Rassismus) animierten Workshop zur Einf&#252;hrung in die &#8222;antikapitalistische Kritik des modernen Antisemitismus und der Verschw&#246;rungstheorien&#8220; erw&#228;hnen, beide fanden w&#228;hrend den Sommerlagern 2020 und 2021 der Vereinigung Crise &amp; Critique statt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser Tatsachen stellt sich folgende Frage &#8211; oder sie dr&#228;ngt sich gar auf: Wie kommt es, dass eine Organisation, welche die radikale Kritik der kapitalistischen Gesellschaft zum Ziel hat und die menschliche Emanzipation von der Herrschaft der Waren propagiert, sich mit der diese Mobilisierung organisierenden politischen Klasse an einem Aufruf zu einer Demonstration f&#252;r die Verteidigung der &#8222;Werte der Republik&#8220; und gegen den Antisemitismus beteiligt? Der Graben, der diese beiden Extreme voneinander trennt, ist tats&#228;chlich sehr tief und es scheint mir, aufgrund der Anspr&#252;che der Wertkritik, eine subversive und revolution&#228;re Kritik der kapitalistischen Gesellschaft zu verk&#246;rpern, wesentlich, hier den genauen Sachverhalt zu erl&#228;utern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Der Kontext&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollten zuerst die Zusammenh&#228;nge erkl&#228;rt werden. Die Initianten der Demonstration am 12. November machten bekannt, dass sie die &#8222;Werte der Republik&#8220; verteidigen und pr&#228;ziser durch diese Mobilisierung eine Antwort der Nation auf eine franz&#246;sische Situation geben wollen, die, gem&#228;ss dem Innenministerium, seit dem Beginn der israelischen Bombenangriffe auf den Gazastreifen innerhalb des nationalen Territoriums vermehrt von antisemitischen Akten gepr&#228;gt war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese israelischen Bombenangriffe begannen am Tag nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober gegen das israelische Territorium an der Grenze zum Gazastreifen, w&#228;hrend welchem bewaffnete Aktivisten dieser Organisation (denen sich f&#252;r diese Operation, gem&#228;ss den offiziellen Versionen, andere im Gazastreifen pr&#228;sente Kampffraktionen angeschlossen haben) ungef&#228;hr 1&#8216;200 Personen massakriert, ein Drittel davon Soldaten und Polizisten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;Authorities have identified a total of 274 soldiers ans 859 non-soldiers (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und 240 andere entf&#252;hrt haben, darunter Kinder, Frauen und alte Leute. Einen Monat sp&#228;ter, etwa am 10. November, gaben die UNO, die UNRWA und Human Rights Watch bekannt, dass w&#228;hrend den ununterbrochenen Milit&#228;roperationen Tsahals mehr als 10&#8216;000 Menschen gestorben sind, damit best&#228;tigten sie die vom pal&#228;stinensischen Gesundheitsministerium kommunizierten Zahlen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen f&#252;r Pal&#228;stina-Fl&#252;chtlinge, (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit dem Beginn dieser Massenmassaker im Gazastreifen erleben wir nicht nur jeden Tag eine Intensivierung und Ausweitung dieser wahllosen Vergeltungsmassnahmen gegen die Gesamtheit der darin lebenden Bev&#246;lkerung, sondern auch eine Propaganda, die versucht, die israelischen Beh&#246;rden von jeder direkten Verantwortung f&#252;r diese unbeschreiblichen Grausamkeiten reinzuwaschen. Es wurde eine wahrhafte Kampagne der Geschichtsf&#228;lschung aufgegleist, um die wahren Gr&#252;nde dieses Massakers zu vertuschen und uns die Sichtweise eines kleinen Landes, eines martyrisierten Volkes (die Israelis, die Juden), aufzudr&#228;ngen, das keine andere Wahl habe, als sich gegen die Barbarei und den Terrorismus zu wehren, von welchen es an seinen Grenzen bedroht sei. Das war der Sinn und Zweck der Gesamtheit der Positionierungen des politischen Personals in Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten K&#246;nigreich, den USA &#8211; die fleissig von den meisten Medien, einem Rudeljournalismus, verbreitet wurden. In einer gleichen Dynamik wurden jene Positionierungen, welche nicht zu diesem Narrativ &#8222;passten&#8220; und im Gegenteil diese heftige Kampagne pro-israelischer Propaganda verurteilten, als antisemitisch bezeichnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann konnten wir feststellen, dass, als die Informationssperre zu dieser laufenden Schlachterei im Gazastreifen das Ausmass des Grauens der Massaker und Zerst&#246;rungen jeden Tag 24 Stunden am Tag nicht mehr kaschieren konnte und deswegen die Auswirkungen des pro-israelischen Diskurses auf die &#246;ffentliche Meinung abgeschw&#228;cht wurde, &lt;i&gt;die Beschuldigung des Antisemitismus zum zentralen Pfeiler jenes Diskurses geworden ist, welcher versucht, die m&#246;rderischen Handlungen Tsahals zu legitimieren&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der republikanische Marsch gegen den Antisemitismus am 12. November, der von den staatlichen Beh&#246;rden organisiert worden ist, ist ein wesentlicher Teil dieser Dynamik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik kam zu einer anderen Schlussfolgerung und sie konnte im &#220;brigen den Sachverhalt nicht auf diese Art und Weise analysieren, wenn man sie anhand des Inhalts eines 2009 von einem ihrer Schutzpatrone, Robert Kurz, geschriebenen und auch heute noch auf Palim-Psao aufgef&#252;hrten Artikels beurteilt. Der betreffende Artikel, der manchmal als Essay pr&#228;sentiert wird, mit dem Titel &#8222;Die Kinderm&#246;rder von Gaza. Eine Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; f&#252;r die empfindsamen Herzen&#8220; ist urspr&#252;nglich in der deutschen Zeitschrift &lt;i&gt;Exit!&lt;/i&gt; erschienen und der Autor analysiert darin die damalige Situation im Nahen Osten in einem entschieden pro-israelischen Sinne, indem er behauptet, dass der Kampf f&#252;r die menschliche Emanzipation die Verteidigung des Staates Israel zur Voraussetzung habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Inhalt dieses Textes ist zutiefst schockierend und ich werde darauf zur&#252;ckkommen. Aber nicht minder schockierend ist der zynische Ton und sogar der Titel des Artikels: &#8222;Gegossenes Blei&#8220; war n&#228;mlich der Codename f&#252;r die israelische Milit&#228;roperation im Januar 2009 als Antwort auf M&#246;rser- und Raketenbeschuss durch die Hamas vom Gazastreifen aus in Richtung des israelischen Territoriums. Kurz beginnt seinen Artikel folgendermassen: &#8222;Bilder tr&#252;gen nicht, vor allem die Bilder von Kinderleichen. Tote Kinder, verst&#252;mmelte Kinder, ver&#228;ngstigte und weinende Kinder, mit gro&#223;en Augen aus Verbandsbinden in die Kamera starrende Kinder, inmitten einer klagenden Menge getragene kleine S&#228;rge, ihr Leid zum Himmel schreiende M&#252;tter &#8211; dieser &#252;ber die Bildschirme flimmernde Anblick verdichtet sich zu einer ungeheuren Anklage gegen die j&#252;dischen Kinderm&#246;rder von Gaza. Herodes war ein gutm&#252;tiger Kinderfreund dagegen. Die Wahrnehmung des mehrw&#246;chigen Krieges in Gaza zwischen Israel und der Hamas hat sich wie bei keinem fr&#252;heren Konflikt auf diese scharf gestochene Evidenz zusammengezogen: Die Juden sind Kinderm&#246;rder. Das ahnt man seit mehr als tausend Jahren; jetzt ist es vor den Augen der Welt&#246;ffentlichkeit bewiesen. Nicht zuletzt ein bestimmter Teil der Linken wurde von einem &#252;berw&#228;ltigenden Sentiment gegen den kinderm&#246;rderischen Staat Israel ergriffen und mitgerissen, das keinen weiteren Gedanken mehr duldet. Bist du f&#252;r den israelischen Kindermord von Gaza oder dagegen? Na also. Jetzt wei&#223; man, wo die Judenfreunde moralisch stehen [&#8230;] Und fast schon augenzwinkernd wird festgestellt, dass dieses in den Poren der Bev&#246;lkerung von Gaza verschanzte Regime den Krieg der Bilder bereits gewonnen habe.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Text ver&#246;ffentlicht in EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft, Heft (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in diesen S&#228;tzen und im Rest des Textes besonders schockierend ist, ist die Tatsache, dass der Autor, indem er zu keinem Zeitpunkt seine Empathie f&#252;r die Opfer des m&#246;rderischen israelischen Eindringens in den Gazastreifen ausdr&#252;ckt, letztendlich die Leichen dieser Kinder genau wie die Hamas instrumentalisiert, wenn letztere sie vor den Kameras vorf&#252;hrt. Dass diese pal&#228;stinensischen Kinder tats&#228;chlich tot sind, gestorben unter den Bomben und durch die wahllosen Sch&#252;sse Tsahals, dass diese Kinder weder Bilder noch abstrakte Konzepte sind und dass nichts und niemand je diese Verluste und dieses unermessliche Leiden wiedergutmachen k&#246;nnen wird, das scheint Kurz in seinem Text nicht zu verstehen. Man weiss es: Durch die gesellschaftliche Negierung oder Verzerrung und Instrumentalisierung der Realit&#228;t und Tiefe des Leidens, welche die Opfer von Gewalt erlitten haben, erleben sie regelm&#228;ssig eine Retraumatisierung. Was Kurz interessiert &#8211; ohne die geringste Anteilnahme oder den geringsten Respekt f&#252;r die Opfer auszudr&#252;cken &#8211;, ist die Verurteilung der Hamas, welche diese Leichen im Krieg der Bilder um die &#246;ffentliche Meinung benutzt. In seiner &#252;berschw&#228;nglichen Verurteilung der Hamas foutiert sich Kurz um den heiligen Charakter dieser toten Kinder und den unendlichen Schmerz der Angeh&#246;rigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist ein unzul&#228;ssiger Fehler und er macht das Lesen des restlichen Textes extrem m&#252;hsam. Ein unzul&#228;ssiger Fehler, der jedoch eben genau angesichts der Positionen dieses radikalen Theoretikers der Wertkritik erkl&#228;rt werden muss. Und das Schl&#252;sselkonzept hier ist offensichtlich der Begriff Antisemitismus und die Bedeutung, die er f&#252;r Kurz und nach ihm f&#252;r die Wertkritik annehmen wird. Machen wir es uns nicht zu einfach und den Fehler, die Wertkritik in ihren &#8222;exoterischen&#8220; und &#8222;esoterischen&#8220; Aspekt zu unterteilen, die man getrennt voneinander analysieren solle. Die Gesamtheit der Aktivit&#228;ten der Wertkritik ist koh&#228;rent und einheitlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Die Position der Wertkritik zum Antisemitismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist leicht zu verstehen, dass f&#252;r die Wertkritik die Frage des Antisemitismus direkt mit ihrer Konzeption der Klassen in der kapitalistischen Gesellschaft verbunden ist (die ber&#252;hmte &#8222;Personalisierung&#8220; der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse), sowie mit ihrer eigenen Konzeption des antikapitalistischen Kampfes &#8211; und die &#8211; man merkt es beim Lesen des immer noch auf dem Blog aufgef&#252;hrten Artikels von Kurz &#8211; auf die Verteidigung der Politik Israels oder aber ihre Teilnahme (freilich &#8222;kritisch&#8220;) an einer Regierungsdemonstration in Frankreich hinauslaufen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Text &#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220; schreibt Cl&#233;ment Homs Folgendes: &#8222;Der verk&#252;rzte Antikapitalismus der Linken ist immer, gestern wie heute, dahingehend potenziell problematisch betreffend Antisemitismus, dass seine Bedeutung oder seine Denkform in ebendiesem antinomischen ph&#228;nomenalen Verh&#228;ltnis der Essenz des Kapitalismus wurzelt (die durch die Arbeit konstituierten gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse &#8211; oder, pr&#228;ziser, wenn wir die Terminologie Postones aufgreifen, konstituiert durch gesellschaftlich vermittelnde Funktion der Arbeit, d.h. des &#8218;abstrakten Aspekts der Arbeit&#8216;, wie es Marx formuliert). Dieser fetischisierte Antikapitalismus setzt das ph&#228;nomenal Abstrakte der Essenz des Kapitalismus mit dem Geld, der Macht des Geldes, seinen Institutionen (Banken, Steuerparadiesen usw.) und Tr&#228;gern (den gemeinen Spekulanten, den Tradern, den &#8218;Banksters&#8216; usw.) gleich und diese Dimension wird als &#8218;kapitalistisch&#8216; betrachtet; w&#228;hrend das ph&#228;nomenal Konkrete (die Arbeit, der Arbeiter mit den schwieligen H&#228;nden, die Industrie, die Maschinen, der Taylorismus &#8211; bei Lenin oder Gramsci z.B. &#8211; usw.) der Essenz des Kapitalismus f&#252;r den verk&#252;rzten Antikapitalismus der Linken (und nicht nur f&#252;r den traditionellen Marxismus) als &#8218;ausserhalb des Kapitalismus&#8216; erscheint, d.h. als nat&#252;rlich, ontologisch, &#8218;menschlich&#8216;, transhistorisch; ein Konkretes, das positiv gutgeheissen werden muss gegen&#252;ber dem ph&#228;nomenal Abstrakten. Diese verk&#252;rzte Kritik des Kapitalismus, die ihren Fokus auf das Geld (das Abstrakte) richtet, wird schnell, ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, die Finanz (als das fiktive Kapital seine erste historische Rolle als &#8218;Anhang&#8216; und dann als &#8218;Z&#252;ndungsmotor&#8216; einer sich selbst unterhaltenden Akkumulation zu spielen beginnt) zu ihrem Gegenstand machen und kann von da an einen gemeinsamen Sockel mit dem verk&#252;rzten antikapitalistischen Denken von rechts oder &#8218;weder rechts noch links&#8216; teilen (denn die fetischistische Sichtweise ist &#252;bergreifend und betrifft alle Klassen und politischen Positionen, als ob sie ein einziges Individuum w&#228;ren) und die Br&#252;cken und Bindeglieder &#8218;gegen die Finanz&#8216; (die Formel &#8218;Mein Feind ist die Finanz!&#8216; war immer eine typische Aussage der fetischistischen Sichtweise, sie l&#246;st notwendigerweise ab und an den Enthusiasmus des verk&#252;rzten Antikapitalismus der Linken aus) in den Diskursen und Handlungen sind zu jedem gegebenen Zeitpunkt m&#246;glich, sobald die durch den inneren Selbstwiderspruch des Kapitalismus determinierte Krise an der Oberfl&#228;che sichtbar wird. Diese auf das Geld, die Finanz, die Spekulation und die Megabanken (den &#8218;Kasino-Kapitalismus&#8216;, der losgel&#246;st sei von der &#8218;Realwirtschaft&#8216;: noch ein Gegensatz zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten; eine Antinomie, die man auch nach der Krise 2008 bei jenen &#8211; Larrouturou, Jorion, den best&#252;rzten Wirtschaftswissenschaftlern usw., welche, indem sie sie voneinander trennen, die &#8218;Depotbanken&#8216; &#8211; das Konkrete &#8211; und die &#8218;Handelsbanken&#8216; &#8211; das Abstrakte, einander entgegensetzen wollen, wiederfindet) fokussierte Kritik, wird immer potenziell bereit dazu sein, ihren Gegenstand in der Form des Juden zu biologisieren, indem der Kapitalismus zum Finanzjudentum wird. Das droht auch jeder potenziellen linken wie rechten Opposition gegen die Pr&#228;sidentschaft Macrons, die sich nicht im Klaren &#252;ber die Verh&#228;ltnisse ist und der es an einer konsequenten und reell revolution&#228;ren Kritik des Kapitalismus mangelt, eine Kritik, die eine Denkform &#8211; und somit eine Praxis &#8211; &#252;berwinden kann, die in der ph&#228;nomenalen Antimonie zwischen dem Konkreten und dem Abstrakten gefangen ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Cl&#233;ment Homs, &#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220;, 2017.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Roswitha Scholz, eine andere theoretische Schutzpatronin der Wertkritik, ist nicht minder explizit: &#8222;Heute wird wieder nach Schuldigen gesucht. Ein (Vulg&#228;r-)Marxismus der Personalisierungen macht sich breit, wobei die Kapitalisten, Spekulanten und Investoren das Feindbild sind, was freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roswitha Scholz, &#8222;Editorial, offener Brief und Spendenaufruf&#8220; in EXIT! (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unterstreichen wir sogleich, dass, w&#228;hrend Cl&#233;ment Homs von einem verk&#252;rzten Antikapitalismus spricht, der &lt;i&gt;potenziell&lt;/i&gt; (das Adverb wird im Auszug dreimal wiederholt) problematisch sei betreffend Antisemitismus, Roswitha Scholz ihrerseits von einem Marxismus der Personalisierungen spricht, der &#8222;freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet&#8220;. In Anbetracht der Gesamtheit der Texte zum Thema handelt es sich sehr wohl f&#252;r die Wertkritik um eine &lt;i&gt;systemische Gefahr&lt;/i&gt;, die unsere Emanzipation vom Kapital bedrohe. Wir haben hier also ein erstes Element (der strukturell mit den antikapitalistischen K&#228;mpfen verbundene Antisemitismus), der ihren Aufruf zur Teilnahme am republikanischen Marsch gegen den Antisemitismus am vergangenen 12. November erkl&#228;rt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Um hier vollst&#228;ndig klar zu sein, der Administrator der franz&#246;sischsprachigen&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wie ich es sp&#228;ter im Text darlegen werde, stellt jeder Vorschlag f&#252;r einen antikapitalistischen Kampf, der die Personalisierungen des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses verweigert, eine Antinomie dar: Das Kapital ist eine gesellschaftliche Beziehung, ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist &#252;brigens ziemlich komisch, feststellen zu m&#252;ssen, dass die Wertkritik, die sich Artikel f&#252;r Artikel &#252;ber die Personalisierungen der &#8222;orthodoxen Marxisten&#8220; enerviert, sie beschuldigt, sich einer vulg&#228;ren &#8222;verk&#252;rzten&#8220; Kritik des Kapitalismus hinzugeben &#8211; scheinbar pl&#246;tzlich &#8222;die Antisemiten&#8220; als grosse, uns den Weg in Richtung Emanzipation versperrende Bedrohung identifiziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich h&#228;tte es keinen Sinn, zu argumentieren zu versuchen, dass es auf dieser Welt keine Antisemiten gebe, die sich auf einen (vulg&#228;ren oder auch nicht vulg&#228;ren) Antikapitalismus und/oder Marxismus berufen. Aber insoweit, als die obigen Zitate von einer politischen Str&#246;mung ausgehen, die sich auf die radikale marxistische Kritik beruft, ist es sehr wohl sinnvoll, jene Gedankeng&#228;nge zu untersuchen, welche die Wertkritik dazu bringen, jeglichen Kampf gegen die Klasse, welche die Interessen der kapitalistischen Klasse verk&#246;rpert (oder &#8211; als gesellschaftliche Klasse &#8211; &#8222;personifiziert&#8220;), die b&#252;rgerliche Klasse also, mit Antisemitismus gleichzusetzen. Denn genau darum geht es: Entweder teilt man die Positionen der Wertkritik hinsichtlich ihres &#8222;radikalen&#8220; und vermeintlich emanzipatorischen Antikapitalismus oder man ist zwingend, strukturell, potenziell (!?) ein Antisemit! Wir haben es hier mit einer Logik zu tun, die in allen Punkten jener &#228;hnelt, welche alle Kritiken und K&#228;mpfe gegen die kolonialistische Politik des hebr&#228;ischen Staates in Pal&#228;stina mit Antisemitismus gleichsetzt. Es gibt eine offensichtliche Kontinuit&#228;t zwischen diesen Gedankeng&#228;ngen und den von Robert Kurz in seinem Artikel verteidigten Positionierungen. Dieser Gedankengang kann mit folgender Anordnung zusammengefasst werden: Wer den Standpunkt und die Vorgehensweise der Wertkritik hinsichtlich ihrer vermeintlich radikalen kategorialen Kritik des Kapitalismus nicht teilt, ist strukturell ein ver&#228;chtlicher Antisemit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt mehrere konvergierende konstitutive Elemente des patrimonialen Fundus der Wertkritik, die dazu f&#252;hren, dass sie unf&#228;hig ist, den Antisemitismus und seine Instrumentalisierung kritisch zu betrachten, ein kritischer Blick, der sehr wohl notwendig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein erstes Element diesbez&#252;glich ist die Tatsache, dass f&#252;r die Wertkritik die Frage der politischen Macht global ungedacht bleibt. Das ist ein Resultat ihrer Ablehnung und Nichtanerkennung der Klassenverh&#228;ltnisse als konstitutives und determinierendes Element im kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis. Oder eher, die Wertkritik anerkennt bis zu einem gewissen Grad die Existenz der Klassen, doch sie ist unf&#228;hig, sie anders als mit einer sozialdemokratischen Brille zu betrachten und zu analysieren, d.h. von einem rein wirtschaftlichen und soziologischen und somit politischen Standpunkt aus. Ein politischer Standpunkt im Sinne einer Erhaltung der alten Welt (die historische Rolle der Sozialdemokratie) mithilfe der Politik in totalem Gegensatz zu jeglicher radikalen und subversiven Perspektive. Historisch bestand das sozialdemokratische Projekt immer darin, in Richtung einer harmonischen Integration der Ausgebeuteten in die Gesellschaft zu handeln, was unter den Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutung eine total antinomische Widersinnigkeit darstellt!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Die Position der Wertkritik zu den Klassen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Besonderheit der Wertkritik besteht in dem &#8211; und hier beziehe ich mich auf das, was sie systematisch in all ihren Positionsbez&#252;gen zeigt &#8211;, was sie als Bruch mit dem &#8222;dogmatischen Marxismus&#8220;, dem &#8222;Marxismus der Arbeiterbewegung&#8220; oder dem &#8222;traditionellen Marxismus&#8220; betrachtet, n&#228;mlich ihrem Bestehen auf die Notwendigkeit einer Kritik der &#8222;kategorialen gesellschaftlichen Formen&#8220;, der gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus wie die Kategorien Arbeit, Geld, Wert und Ware. Die Wertkritik behauptet, dass dieser f&#252;r sich in Anspruch genommene Ansatz jenem Teil des Marxschen Werks entspreche, welche sie &#8222;den esoterischen Marx&#8220; nennt, im Gegensatz zu einem &#8222;exoterischen Marx&#8220;, der zum dogmatischen Marxismus geh&#246;re und worauf sich dieser beziehe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem im Januar 2016 ver&#246;ffentlichten Interview erkl&#228;rt Cl&#233;ment Homs: &#8222;Man kann den Kapitalismus nach 1980 nicht mehr beschreiben, indem man die ph&#228;nomenalen Formen jener Konfiguration benutzt, welche der Kapitalismus zur Zeit des selbstunterhaltenen Akkumulationsregime der Wertproduktion durch die Ausbeutung der lebendigen Arbeit annahm. &lt;i&gt;Eine Welt, in welcher das Proletariat und seine Ausbeutung in den fordistischen Fabriken eine zentrale Stellung einnahmen&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen]. Hinsichtlich dieses Punktes erh&#228;lt die methodologische Unterscheidung zwischen dem &#8218;esoterischen&#8216; und dem &#8218;exoterischen&#8216; Marx all ihre Bedeutung. H&#228;ufig liegt hier eine Quelle des Unverst&#228;ndnisses f&#252;r die Wertkritik, wenn man glaubt, sie spreche nicht mehr von Ausbeutung. Nat&#252;rlich gibt es im &#8218;umgekehrten Kapitalismus&#8216; immer noch die Ausbeutung der Mehrarbeit und somit immer noch Klassenk&#228;mpfe, doch man kann aufzeigen, dass diese Massenarbeit in China, Indien, Brasilien usw. keineswegs &lt;i&gt;eine derart hohe Quantit&#228;t an Wert und Mehrwert&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen] repr&#228;sentiert, wie gewisse traditionelle Marxisten glauben m&#246;chten. Strukturell hat das neue Ausbeutungsregime ab den 1980er Jahren &#252;berhaupt keinen selbstunterhaltenden Charakter mehr, &lt;i&gt;die immer noch bestehende Ausbeutung i&lt;/i&gt;&lt;i&gt;st&lt;/i&gt;&lt;i&gt; nicht mehr der zentrale strukturelle Punkt des neuen Akkumulationsregimes&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im ersten Teil dieses gleichen Interviews&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font (...)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, das im Mai 2015 erschienen ist, behauptet Cl&#233;ment Homs zudem: &#8222;Der Fetischismus beruht auf einer reellen Umkehrung (und nicht einer einfachen Mystifizierung) des Konkreten und Abstrakten, in jenem Sinne, dass in der kapitalistischen Gesellschaft alles Konkrete (und die Klassen) zur von der Realit&#228;t gewordenen Abstraktion abgeleiteten ph&#228;nomenalen Form wird (Realabstraktionen). Genau in diesem Sinne sprach Marx vom Kapital als &#8218;automatisches Subjekt&#8216; und qualifizierte den Kapitalismus als historische Form des Fetischismus. Eine gesellschaftliche Welt, in welcher die Menschen nicht den Produktionsprozess beherrschen, sondern von ihm beherrscht sind. Noch bevor der Kapitalismus eine Klassengesellschaft ist, ist er in seinem Kern eine Gesellschaft, in welcher die modernen Subjekte reell von ihren eigenen gesellschaftlichen Beziehungen beherrscht werden, statt dass sie sie bewusst organisieren. Die profitierende&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein bisschen vorher in diesem gleichen Interview behauptet Cl&#233;ment Homs, (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und nicht die &#8218;herrschende&#8216; Klasse (nehmen wir uns in acht vor den &#228;usseren Erscheinungen) war immer nur die funktionale Elite eines solchen fetischistischen kapitalistischen Systems (die &#8218;Beamten&#8216; des Kapitals, wie es Marx formuliert) in jenem Sinne, dass die kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse f&#252;r diese b&#252;rgerliche Klasse nicht transparenter, selbstbestimmter oder bewusster sind als f&#252;r die von der Ausbeutung der Mehrarbeit zerriebene Klasse &#8211; daf&#252;r war das traditionelle marxistische Verst&#228;ndnis des Fetischismus immer blind. Die an der Oberfl&#228;che durch den Staat und das Lohnverh&#228;ltnis vermittelte &#8218;Klassenherrschaft&#8216; existiert sehr wohl in der kapitalistischen Gesellschaft und sie ist sehr greifbar, doch sie ist eine beherrschte Herrschaft, die nicht ihre eigene Grundlage ist, in jenem Sinne, dass sie nur innerhalb der viel umfassenderen, pr&#228;gnanteren und unbewussteren anonymen und unpers&#246;nlichen Herrschaftsstruktur existiert, des Fetischismus. Die staatlichen Strukturen sind kein &#228;usserer Punkt gegen&#252;ber der fetischistischen Konstitution, von welcher ausgehend die kapitalistische Gesellschaft &#8218;gesteuert&#8216; w&#252;rde. Der Staat ist die ph&#228;nomenale institutionelle Form, welche die Sph&#228;re des Politischen in einer modernen, durch das dialektische Verh&#228;ltnis der Wertabspaltung konstituierten Gesellschaft annimmt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik schreibt sich also selbst einen kritischen, radikalen und kategorialen Ansatz dieser Schl&#252;sselkonzepte wie Wert, abstrakte Arbeit, Geld, Ware usw. zu&#8230; Mein eigener Anspruch in diesem Text ist es, zu argumentieren, dass die Kritiken der Wertkritik des Werts, der abstrakten Arbeit, der Ware &#252;berhaupt keine radikalen kritischen Beitr&#228;ge im Hinblick auf die Emanzipation der Menschheit vom Joch der uns beherrschenden Abstraktionen darstellen. Sie sind es nicht und k&#246;nnen es nicht sein. Die Wertkritik bleibt in ihren vermeintlich kategorialen Kritiken in einem &#246;konomistischen Ansatz und einer auf den Westen zentrierten Sichtweise gefangen. Ein solche auf den Westen zentrierte Sichtweise l&#228;sst erkennen (und ist gewissermassen der Beleg daf&#252;r), dass die von der Wertkritik definierten Schl&#252;sselkonzepte in der b&#252;rgerlichen politischen &#214;konomie verfangen bleiben. Gewiss, sie besteht bereitwillig auf der Notwendigkeit, das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als &#8222;totale soziale Tatsache&#8220; zu betrachten. Doch das bedeutet &#8211; und muss bedeuten, falls die Worte noch einen Sinn haben &#8211;, dass dieses totale kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis eine Realit&#228;t abdeckt, die sich nicht nur in allen Aspekten unserer Leben ausdr&#252;ckt, sondern die auch die Lebens- und &#220;berlebensbedingungen der Gesamtheit der Bev&#246;lkerungen des Planeten determiniert. &#220;berall auf der Erde durchdringt die Herrschaft des Werts, die Warenherrschaft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Und hier denken wir nat&#252;rlich an die weltweite Herrschaft dieser K&#246;nigin (...)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; jedes Qu&#228;ntchen und alle Facetten unserer Existenzen, unter all ihren Gesichtspunkten, physisch-biologisch, &#246;konomisch, psychisch, zwischenmenschlich, kulturell, symbolisch, spirituell&#8230; Es muss die Frage aufgeworfen werden, was diese &#8222;totale soziale Tatsache&#8220; f&#252;r die Wertkritik bedeutet und wie sie den Gebrauch dieses Begriffs rechtfertigt, wenn sie systematisch immer von den gleichen kapitalistischen L&#228;ndern spricht, jenen &#8222;des Zentrums&#8220; und jenen &#8222;der Peripherie&#8220;, wo die &#8222;Barbarei der Kriege und Hungersn&#246;te&#8220; die Bev&#246;lkerungen heimsuche! Bei der Wertkritik wird ein totalisierendes Verst&#228;ndnis der Wirklichkeit des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, des Kapitals als &#8222;totale soziale Tatsache&#8220;, stets durch ihre auf den Westen zentrierte Pr&#228;sentation des Kapitals widerlegt: Ihre Erfassung des Besonderen verweist nicht auf die Totalit&#228;t, sondern ersetzt sie! Die Wertkritik konzipiert das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als eines, dessen schlagendes Herz im Westen sei, w&#228;hrend man sich sonst &#252;berall in &#8222;der Peripherie&#8220; des Kapitals bef&#228;nde. Ihre Bezugspunkte befinden sich systematisch in der &#8222;entwickelten&#8220; Welt (das sind ihre eigenen Begriffe, manchmal mit, manchmal ohne Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen) und ihre Analysen konzentrieren sich haupts&#228;chlich auf die Regionen, wo man gigantische Akkumulationen von Reicht&#252;mern und Waren erkennen kann. &#220;berall sonst, in &#8222;den Peripherien&#8220;, gebe es nur &#8222;Unterentwicklung&#8220;, oder &#8211; um einen bei der Wertkritik beliebten Begriff aufzugreifen &#8211; &#8222;nachholende Modernisierungen&#8220;, wie man es in diesem Auszug lesen kann: &#8222;Die L&#228;nder der kapitalistischen Peripherie (im Osten und S&#252;den des kapitalistischen Westens, d.h. in der sowjetischen Zweiten und der Dritten Welt) versuchen jene dem Kapitalismus interne Diskrepanz wieder aufzuholen, welche durch seine eigene Entwicklung entstanden ist. Die &#8218;nachholende Modernisierung&#8216;, welche der Osten und die Dritte Welt im Verlauf des 20. Jahrhunderts erstrebten, ist also f&#252;r die westlichen kapitalistischen Zentren bloss ihre eigene Vergangenheit. Es ist ein Ph&#228;nomen, das es den Peripherien des Kapitalismus erlaubt, in den globalen Horizont des Kapitalismus einzutreten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Modernisation de rattrapage. Capitalisme d'Etat, &#8218;socialisme r&#233;ellement (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn es den Anh&#228;ngern der Wertkritik nicht gefallen mag, der Begriff &#8222;Dritte Welt&#8220; geh&#246;rt vollst&#228;ndig den b&#252;rgerlichen Ideologen und &#214;konomen, und offensichtlich hielten sie es nicht f&#252;r n&#252;tzlich, den Begriff einer radikalen kategorialen Kritik zu unterziehen. Die kritischen Konzepte der Wertkritik haben hier viel mehr mit Samir Amin und seinen Wirrungen &#252;ber &#8222;die unterentwickelte Peripherie&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Verweis auf das Buch von Samir Amin, Die ungleiche Entwicklung. Essay &#252;ber (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; als mit Karl Marx zu tun!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich will hier nat&#252;rlich nicht behaupten, dass es keine Diskrepanzen oder Unterschiede in der Art und Weise gebe, wie sich der Kapitalismus in jeder besonderen geographischen Zone manifestiert. Aber was ich hier entschieden unterstreichen will, ist die Tatsache, dass diese verschiedenen Manifestierungen, diese unterschiedlichen Konkretisierungen, durch welche sich der Wert &#252;berall auf dem Planeten durchsetzt und der ganzen Menschheit auferlegt, eben gerade den Ausdruck des Inbegriffs des Werts und der Herrschaft seiner Gesetze selbst darstellt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich m&#246;chte ich das aufschlussreiche und st&#246;rende Buch von Joseph (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Zusammenhang von Entwicklungsunterschieden (bez&#252;glich der Entwicklung wovon, eine kapitalistische Entwicklung, eine zivilisatorische Entwicklung?) zu sprechen, bedeutet nichts anderes als ein untragbares Zugest&#228;ndnis an die politische &#214;konomie. Man r&#228;soniert also bereitwillig in Begriffen des Tauschwerts, in &lt;i&gt;Mengenbegriffen&lt;/i&gt; des Werts, statt ganz einfach in jenen des Werts, des Werts ohne Zusatz, in Begriffen der Wirtschaftswissenschaften, statt in Konzepten, welche diese b&#252;rgerliche Wissenschaft subvertieren. Das l&#228;uft somit auf eine Apologie des Kapitalismus und auf eine Hervorhebung als universell eines besonderen europ&#228;isch-westlichen Standpunkts hinaus, mit allen analytischen Verzerrungen, die sich zwingend daraus ergeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allzu oft beschr&#228;nken sich die Kritiken der kapitalistischen Gesellschaft darauf, eine Verwertungsbewegung des Kapitals (der Kapitale) zu analysieren, w&#228;hrend die Entwertungsbewegung aussen vor gelassen wird oder ein Schattendasein fristet, um nur erw&#228;hnt zu werden, wenn &#8222;das Kapital in eine Krise eintritt&#8220; oder es &#8222;auf seine innere Grenze st&#246;sst&#8220; (Formel der Wertkritik). Eine solche Sichtweise, in welcher das Kapital nur mit einem vermeintlich &#8222;positiven&#8220; Pol gleichgesetzt wird, st&#246;sst leicht auf Zustimmung bei den meisten &#214;konomen, die sich dann anstrengen, Gegenmittel gegen diese Krise zu finden, die sie als &#8222;Wirtschafts-&#8220; oder aber &#8222;Banken-&#8220; oder &#8222;Finanzkrise&#8220; bezeichnen werden. Gem&#228;ss dieser Konzeption wird der Kapitalismus als Synonym f&#252;r die Akkumulation von Reicht&#252;mern (das, was die kapitalistische Gesellschaft als Reicht&#252;mer versteht, d.h. eine immer gr&#246;sser werdende Akkumulation von Warenwerten) verstanden und pr&#228;sentiert. Und dort, wo eine solche Akkumulation von Waren nicht existiert, wo Armut und Trostlosigkeit vorherrschen, behauptet diese Sichtweise, das seien nur ausserkapitalistische Regionen, die ausserhalb der Entwicklung des Kapitals situiert seien. Eine solche Konzeption &#252;bernimmt die Version der Apologeten des Kapitals, d.h. schlussendlich &lt;i&gt;die Repr&#228;sentation des Kapitals von sich selbst&lt;/i&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Armut und Trostlosigkeit sind nicht &#8222;Auswirkungen&#8220; oder &#228;ussere Konsequenzen der kapitalistischen Entwicklung, sondern stellen das Wesen dieser Entwicklung selbst dar, genau wie die immer gr&#246;sser werdende Akkumulation von Waren/Werten. Armut und Trostlosigkeit sind der Inbegriff der totalit&#228;ren Herrschaft des Werts, genau wie Reichtum und &#220;berfluss. Diese Dyaden, diese gepaarten Elemente (Reichtum/Armut, &#220;berfluss/Trostlosigkeit) dr&#252;cken die planetare Herrschaft des Wertgesetzes &#252;ber unsere Leben aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also wesentlich, &#8222;die Zw&#228;nge des Werts&#8220; als eine permanente doppelte Bewegung zu verstehen, d.h. eine Bewegung der Verwertung &lt;i&gt;und gleichzeitig&lt;/i&gt; eine Bewegung der Entwertung. Anders formuliert, handelt es sich um ein und dieselbe Bewegung der Verwertung/Entwertung. Sie k&#246;nnen nicht anders als in ihrer Verschr&#228;nkung zusammen funktionieren und existieren. Das Wertgesetz impliziert eine Entwertung, die mit der Verwertung der kapitalistischen G&#252;ter einhergeht: Jede neue kapitalistische Investition mit dem Ziel einer Produktivit&#228;tssteigerung in einem Sektor der Produktion f&#252;hrt strukturell zu einer kapitalistischen Entwertung der G&#252;ter der Konkurrenten in diesem gleichen Sektor, wo eine solche Steigerung nicht stattfindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nur dann Gesetze, die der &#246;konomischen Sph&#228;re eigen sind, suchen und finden, wenn man diese Sph&#228;re als getrennt vom gesellschaftlichen Leben betrachtet. Doch der Kapitalismus ist dieses gesellschaftliche Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist offensichtlich, dass f&#252;r die Wertkritik in den von uns reproduzierten Zitaten (&#8222;Les vases vides&#8230;&#8220;), sowie in der Gesamtheit ihrer Texte&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. sich das Proletariat in den Fabriken, Werkst&#228;tten und B&#252;ros befindet (siehe &#8222;die Welt vor 1980, &lt;i&gt;in welcher das Proletariat und seine Ausbeutung in den fordistischen Fabriken eine zentrale Stellung einnahmen&lt;/i&gt;&#8220;);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. die Ausbeutung der Proletarier w&#228;hrend ihrer Arbeitszeit geschieht;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. &#8222;die Klassenk&#228;mpfe&#8220; sich aus der Ausbeutung der Mehrarbeit ergeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Sichtweise, wie wir sie auf gleiche Art und Weise sowohl bei den &#214;konomen als auch bei den Gewerkschaftern wiederfinden, &#252;brigens nicht zwingend bei den &#8222;marxistischen&#8220;! Diese Konzeptionen sind die Grundlage allen historischen sozialdemokratischen Reformismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine etwas gr&#252;ndlichere Lekt&#252;re der Texte der Wertkritik erlaubt es dar&#252;ber hinaus und einfach, festzustellen, dass f&#252;r die Wertkritik letztendlich&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4. das Kapital sich durch eine endlose Akkumulation von Reicht&#252;mern definiert (bis zum Moment, wo es auf seine &#8222;innere Grenze&#8220; trifft);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;5. der Klassenkampf und die K&#228;mpfe des Proletariats im Besonderen sich seit den Anf&#228;ngen des Kapitalismus um die Verteilung der produzierten Reicht&#252;mer drehten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Robert Kurz, Ernst Lohoff, &#8222;Der Klassenkampf-Fetisch. Thesen zur (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die ber&#252;hmte linke Losung (gem&#228;ss der Wertkritik) &#8222;von den Reichen nehmen, um es den Armen zu geben&#8220; und der ber&#252;hmte &#8222;Kampf um die Aufteilung der Kuchenteile&#8220;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6. es keinen Grund gibt, einen anderen Inhalt der K&#228;mpfe des globalen Proletariats wahrzunehmen oder einfach nur zu suchen, als den im Punkt 5 erw&#228;hnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;7. Was die Wertkritik vorschl&#228;gt &#8211; hier gebe ich auf. Ich k&#246;nnte nicht sagen, was die Wertkritik als Perspektive vorschl&#228;gt, um gegen das Reich einer &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220; zu k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wertgesetz (Verwertung/Entwertung) wirkt weltweit und unterwirft die gesamte Menschheit seinen Zw&#228;ngen. Die Schriften der Wertkritik und die konzeptuellen Objekte, mit denen sie von Artikel zu Artikel herumhantiert, zeigen zur Gen&#252;ge, dass sie die tiefe Grundbedeutung dieses Gesetzes nicht versteht. Und sie kann diese Bedeutung schlichtweg nicht verstehen, solange sie nicht die von ihr verteidigte dogmatische Position hinsichtlich der Realit&#228;t der Klasse in der kapitalistischen Gesellschaft verwirft. Wie kann man die Herrschaft des Werts konzipieren, ohne anzuerkennen, dass diese Herrschaft, welche die gesamte Menschheit unterwirft, die Ausbeutung eines globalen Proletariats durch eine &#8211; ebenfalls globale &#8211; b&#252;rgerliche Klasse erfordert und dass die eigenen Interessen und die eigene Sichtweise der Wirklichkeit letzterer objektiv Punkt f&#252;r Punkt der Verteidigung der Interessen des Kapitals entsprechen? Die Existenz einer reellen Gemeinschaft von Interessen, welche die verschiedenen b&#252;rgerlichen Fraktionen &#252;ber die Grenzen und ihren besonderen konkurrierenden Interessen hinweg vereint, erlaubt es, diese b&#252;rgerliche Klasse auf weltweiter Ebene zu konzipieren, als eine globale Klasse. Das beweist die Ung&#252;ltigkeit jeglicher auf die Dritte Welt bezogene Analyse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik hebt Artikel f&#252;r Artikel ausdr&#252;cklich hervor, dass die Ausbeutungs- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse unter dem Kapitalismus nur einfache &#8222;Funktionen des globalen gesellschaftlichen Fetischverh&#228;ltnisses&#8220; sind. Und sie f&#252;gt hinzu, dass die &#8222;orthodoxen&#8220; Marxisten, da sie diese Behauptung nicht anerkennen, unweigerlich den Fehler begehen, diese Verh&#228;ltnisse als subjektive Verh&#228;ltnisse des Willens zu betrachten! Und daher komme ihre Neigung, &#8222;strukturell&#8220; in den Antisemitismus abzugleiten! Mit ihrem Begriff der &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220;, den die Wertkritik klar als ein absolutes Verh&#228;ltnis der Unterordnung der &#8222;profitierende[n] und nicht d[er] &#8218;herrschende[n]&#8216; Klasse (nehmen wir uns in acht vor den &#228;usseren Erscheinungen)&#8220; unter das Diktat des Werts und des strukturellen Fetischismus pr&#228;sentiert, ist sie absolut unf&#228;hig, die systematischen Massaker und Einsperrungen all jener und jenen zu erkl&#228;ren, welche gegen die Ausbeutung und die Unterdr&#252;ckung k&#228;mpfen, ausser indem sie diese Fragen kleinredet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann hier an diese Episode, ein Beispiel unter hunderttausend anderen, (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So ist ihre Formulierung, dass &#8222;die Einf&#252;hrung einer radikal neuen gesellschaftlichen Lebensform &#8211; [was] nicht ohne Abrechnungen und einen Widerstand mit Waffengewalt gegen die profitierende Klasse (unser alter Feind, die Bourgeoisie) geschehen kann&#8220; ein Archivst&#252;ck (siehe FN 10). Ach ja, und dann gibt es da noch diese Bezugnahme auf eine &#8222;rassistische portugiesische Abwartin&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich finde den Verweis auf der Homepage Palim-Psao auf den Text, in welchem (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die nicht minder k&#246;stlich ist! Oder wie man ein Konzept unbemerkt durch das Fenster wieder hineinkommen lassen kann, das man zuvor durch die grosse T&#252;re herausgebeten hatte. Genau da dr&#252;ckt der Schuh. Genau hier entzieht sich &#8222;die Frage der transzendentalen Empirizit&#228;t des &#8218;esoterischen&#8216; Marx&#8220; komplett meinem Verst&#228;ndnis und werfen die theoretischen Verrenkungen der Wertkritik f&#252;r mein Begriffsverm&#246;gen viel zu komplizierte Probleme auf (Anspielung auf den Text von Beno&#238;t Bohy-Bunel, siehe FN 18). F&#252;r die Wertkritik sind wir alle unterschiedslos von diesem automatischen Subjekt namens abstrakter Wert beherrscht. Schluss also mit Klassenkampf, es gibt keine Klassen (mehr). Dennoch &#8211; und gleichzeitig &#8211; werden &#8222;Abrechnungen&#8220; und ein &#8222;Widerstand mit Waffengewalt gegen die profitierende und nicht &#8218;herrschende&#8216; Klasse (unser alter Feind, die Bourgeoisie)&#8220; n&#246;tig sein, so Cl&#233;ment Homs. Sehen wir &#252;ber die &#8222;Abrechnungen&#8220; hinweg, denn man kann sich schwer vorstellen, was ein solcher Ausdruck hinsichtlich gesellschaftlicher Emanzipation bedeuten k&#246;nnte. Bleibt dieser &#8222;Widerstand mit Waffengewalt&#8220; &#8211; welche konkreten Formen wird er annehmen, mit welchen Kr&#228;ften, wer wird wem gegen&#252;berstehen? Wie wird er organisiert werden und aufgrund welcher Kriterien? Wer wird Teil dieser &#8222;profitierende[n] Klasse&#8220; sein und vor allem, wer wird dar&#252;ber bestimmen? Oder wird es sich um einen B&#252;rgerkrieg handeln?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Realit&#228;t der Klassenverh&#228;ltnisse, welche sowohl die Gesellschaft als auch den Wert strukturieren &#8211; denn diese beiden Begriffe sind derart ineinander verschachtelt, wie es das Herz, die Lunge, der Blutkreislauf und das Hirn im menschlichen K&#246;rper sind und wovon nur die wissenschaftsgl&#228;ubige westliche Medizin eine reduktionistische Konzeption hat &#8211;, nicht zu begreifen, ist gleichbedeutend mit dem fatalen R&#252;ckfall in die dualistischen Ans&#228;tze, welche in und mit der b&#252;rgerlichen Gesellschaft vorherrschen: Genau das ist &#8211; auf offene Art und Weise &#8211; am 12. November 2023 mit der Wertkritik geschehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die b&#252;rgerliche Klasse hat freilich keine andere Wahl, als dem Diktat des Werts zu gehorchen, und von diesem Standpunkt aus betrachtet, muss man tats&#228;chlich best&#228;tigen, dass sie in ihren Handlungen und ihrem Wesen vom Wert beherrscht ist. In diesem Sinne muss man auch betonen, dass es sich um eine globale b&#252;rgerliche Klasse handelt, wie die globale Herrschaft des Werts, und dass deren gesellschaftliches und historisches Projekt sich im Gegensatz zu den vitalen Bed&#252;rfnissen der durch die kapitalistische Produktionsweise und den Wert unterdr&#252;ckten und ausgebeuteten Klasse definiert. Diese Klasse kann insoweit keinesfalls statisch als Addition einer gewissen Anzahl physischer Personen definiert werden, als die Zw&#228;nge des Werts &#252;ber solche Betrachtungen hinausgehen, und es ist alles andere als aussergew&#246;hnlich, dass einflussreiche Leute innerhalb dieser b&#252;rgerlichen Klasse ausgegrenzt, oder aber, dass Leute aus &#8222;dem Volk&#8220; hinzugew&#228;hlt werden (Lech Walesa in Polen, Lula da Silva in Brasilien &#8211; die Liste ist lang), wenn sie die Gesellschaft erfolgreicher befrieden k&#246;nnen. Es geht darum, zu beobachten und zu verstehen, wie diese unpers&#246;nliche b&#252;rgerliche Klasse organisch im Kern des Wertgesetzes, im Kern seiner Zw&#228;nge lebt und handelt. All diese Handlungen finden ihre Daseinsberechtigung und Erkl&#228;rung in der Notwendigkeit f&#252;r den Wert, die Ausbeutung der Proletarier und die Mehrwertextraktion unaufh&#246;rlich zu intensivieren. Dieses letztgenannte Element ohne eine b&#252;rgerliche Klasse zu denken, ist absolut unsinnig und absurd! Einzig und allein dieses Konzept der Klasse erlaubt es, nicht der Personalisierung der Herrschaftsverh&#228;ltnisse zu verfallen. Es ist sehr wohl eine Klasse, welche die Herrschaft des abstrakten Werts und der Arbeit &#252;ber die Totalit&#228;t der kapitalistischen Gesellschaft und unsere Leben als Proletarier verk&#246;rpert und verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Proletarier machen die Erfahrung, dass sie enteignet von jeglicher Kontrolle &#252;ber ihre Existenzen sind, d.h. enteignet von den Mitteln zu ihrem Lebensunterhalt und somit ihren Aktivit&#228;ten; diese unmenschliche Realit&#228;t konditioniert sie dazu, permanent im Widerspruch zu den Diktaten des Werts und seinen unerbittlichen Zw&#228;ngen zu sein. Das Proletariat verk&#246;rpert, und es ist gar seine Definition, durch seine Situation der totalen und absoluten Enteignung im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess im Kern des kapitalistischen Systems &#8211; d.h. weltweit &#8211; die radikale Negation der Unmenschlichkeit der modernen Gesellschaft. F&#252;r die &#8222;orthodoxen Marxismen&#8220; (um diesen Begriff der Wertkritik aufzugreifen) ist diese radikale Negation total unzug&#228;nglich, denn ihre Positionen haben nicht die Zerst&#246;rung des Wertgesetzes oder die Beseitigung dieser Warenwelt und der ihr zugrundeliegenden abstrakten Arbeit zum Ziel, wie es die Wertkritik durchaus korrekt formuliert. Aber f&#252;r die Wertkritik ist diese radikale Negation ebenfalls insoweit ausser Reichweite, als sie sich selbst in einer Parallelvision zu jener des &#8222;orthodoxen Marxismus&#8220; eingeschlossen hat, sie reduziert dieses globale Proletariat, um es jeglichen subversiven Inhalts zu berauben (und es in eine sterbliche H&#252;lle zu verwandeln), auf eine seiner ph&#228;nomenologischen Formen (&#8222;die Arbeiter&#8220;, in den &#8222;produktiven&#8220; Sektoren), damit es somit zu nichts anderem wird, als einer verk&#228;uflichen Hilfskraft auf dem Markt der Verk&#228;ufer und K&#228;ufer der Arbeitskraft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4. Der Anti-Antisemitismus der Wertkritik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Formulierung einer solchen Kritik gegen&#252;ber der Wertkritik (und ihres dumpfen Anti-Antisemitismus) ergibt sich insoweit nicht von selbst, als sie sich stets mit einer vermeintlichen theoretischen &#220;berlegenheit und einer offensichtlichen Herablassung gegen&#252;ber als &#8222;dogmatisch marxistisch&#8220; qualifizierten politischen Str&#246;mungen br&#252;stet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man urteile aufgrund dieser Zitate aus einem kurzen Text von Beno&#238;t (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So schafft sie es, nie weitergehende Erkl&#228;rungen liefern zu m&#252;ssen, wenn man sie danach fragt, zu pr&#228;zisieren, wie ein solcher revolution&#228;rer Prozess entstehen k&#246;nnte, ausgehend von welchen konkreten Situationen, mit welchen Motivationen, welchen Kr&#228;ften. Sie wird nicht darauf antworten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man findet auf Palim-Psao die Spur einer Teilnahme der Wertkritik an einer (...)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder mit Kurz festhalten, dass all das auf die Barbarei herauslaufen werde, ausser wenn die Menschheit das Bewusstsein entwickelt, dass sie sich von der Herrschaft des Werts, der Ware und der abstrakten Arbeit emanzipieren muss. Und des Antisemitismus m&#252;sste man noch hinzuf&#252;gen, wenn man wirklich im semantischen und geistigen Universum der Wertkritik bleiben will. Aber wie funktioniert also dieser Vorwurf des Antisemitismus, dieser Anti-Antisemitismus, der versucht, jene Aktivisten, welche diese Perspektive eines historischen Kampfes gegen die b&#252;rgerliche Klasse und ihre Welt verteidigen, zu ersticken und letztendlich zu l&#228;hmen, auf welchen Grundlagen beruht er? Auf welche Art und Weise droht die Wertkritik mit einer ehrenr&#252;hrigen Anschuldigung gegen ihre Kritiker?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie schon erw&#228;hnt, funktioniert die Anschuldigung des Antisemitismus bei der Wertkritik als Mahnung, die auf jene antikapitalistischen Kritiken zielt, welche sich nicht mit ihrer decken. Ein perverser Ansatz und das umso mehr, wenn er wie meistens mit einer Anschuldigung des &#8222;Populismus&#8220; einhergeht, einem Verdacht jenes &#8222;Populismus&#8220;, von dem die Wertkritik behauptet, er sei ein &#8222;integraler Bestandteil der Kritik der kapitalistischen Sozialisierung und ihrer Krisenideologien&#8220;. Eine Lekt&#252;re der meisten Artikel zum &#8222;verk&#252;rzten Antikapitalismus&#8220; (ein von ihr systematisch benutzter Begriff), jener, welcher die verschiedenen von ihr durch ihre &#8222;kategorialen Kritiken&#8220; formulierten Postulate nicht &#252;bernimmt, zeigt, dass ihre Argumente letztendlich den Leser auf logischer und semantischer Ebene in die Zange nehmen, ihre beiden Hebelarme sind die Anschuldigungen des Antisemitismus und Populismus. Es handelt sich hier nicht mehr so sehr um eine Frage theoretischer Meinungsverschiedenheiten mit anderen kritischen Theorien, sondern in diesem pr&#228;zisen Fall um eine Praxis, die ein unantastbares Wissen mobilisiert, um sich besser als besondere politische Str&#246;mung herauszuheben und jeden davon abweichenden Ansatz abzutun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Feststellung (bez&#252;glich der Anschuldigung des Populismus) wird auch von einigen Teilnehmern der ersten Stunde der Vereinigung Crise &amp; Critique geteilt, sie brachten im September 2023 einen Text in Umlauf, in welchem sie unter anderem schrieben, dass &#8222;Crise et Critique mit Exit eine wahrhafte Obsession f&#252;r den &#8218;Populismus&#8216; teilt. Die Kritik der populistischen Tendenzen, und besonders des &#8218;Querfront-Populismus&#8216;, war immer ein wichtiges Element der Wertkritik und einer der zentralen Kontrastpunkte mit der &#8218;Linken&#8216;. Doch sowohl bei Exit als auch bei Crise et Critique ist der Kampf gegen den Populismus konterproduktiv geworden, denn alle ausser man selbst sind &#8218;populistisch&#8216; (und stehen somit der &#228;usseren Rechten nahe) und man sieht zum Beispiel Populismus in der schlichten Behauptung, dass die Pharmaindustrie an der Pandemie viel verdient hat! Auch die Kritik des Betons ist verd&#228;chtig, genau wie das Misstrauen gegen&#252;ber dem Plastik, denn das bedeute, &#8218;das Konkrete gegen das Abstrakte auszuspielen&#8216;. Wer das tut, ist letztendlich nicht weit davon entfernt, ein Nazi zu sein, ohne dass er es weiss! Die Kritik der anonymen und unpers&#246;nlichen Strukturen der Gesellschaft des Werts widerspricht nicht notwendigerweise der Feststellung, dass es auch Verantwortlichkeiten von gewissen Individuen und Gruppen gibt &#8211; ausser f&#252;r Puristen und Priester, die darin nur &#8218;personalisierende Kritik&#8216; sehen. Das erkl&#228;rt, weshalb Crise et Critique w&#228;hrend diesem aussergew&#246;hnlichen Jahr in Frankreich so stumm geblieben ist &#8211; jegliche Form der Praxis ist suspekt und inmitten einer Million Demonstranten k&#246;nnte sich stets ein Populist verstecken. Weder die Demonstrationen gegen die Rentenreform noch die &#8218;Soul&#232;vements de la terre&#8216; sind erw&#228;hnt worden, nicht einmal in der internen Korrespondenz [&#8230;]&#8220; Dieser kurze Text, der von heutigen Ex-Mitgliedern der Wertkritik verfasst worden ist, endete mit folgendem Satz: &#8222;Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Schmach noch schmachvoller zu machen, indem wir sie publizieren (Marx), und diese Betrachtungen &#246;ffentlich zu machen &#8211; zuerst hier, dann dar&#252;ber hinaus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man stellt sich die Frage, wie die Autoren solcher Anschuldigungen sich (...)&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit solchen dogmatischen Verblendungen der Wertkritik ist es nicht &#252;berraschend, dass bei ihr die Gleichsetzung der Kritik des Zionismus mit einer Form des Antisemitismus einen zentralen Platz in der Anordnung der Ideen in einer immer gleichen, unver&#228;nderlichen Konfiguration einnimmt. Semantische und logische Gewissheiten st&#252;tzen ein Narrativ, das letztendlich erwiesene Tatsachen wie eine nationale Politik der Unterdr&#252;ckung gegen&#252;ber Millionen von Pal&#228;stinensern in Pal&#228;stina seit Jahrzehnten vernebelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Anschuldigung des Antisemitismus basiert schlicht und einfach auf einer intellektuellen Gaunerei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich beziehe mich hier nicht auf die besondere oder nicht besondere Situation einer sich als j&#252;disch identifizierenden Bev&#246;lkerung, sondern auf das Konzept des &#8222;Antisemitismus&#8220; selbst, auf die Art und Weise, wie dieser Begriff konstruiert und in ideologischen Konfrontationen, von denen wir hier nicht so weit gehen werden, sie als theoretische Debatten zu bezeichnen, benutzt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute jemanden als Terroristen, Verschw&#246;rungstheoretiker, Konspirationisten, Islamisten zu stigmatisieren, bedeutet, ihm ohne Umschweife eine Zielscheibe auf den R&#252;cken zu kleben. Das Gleiche gilt f&#252;r die ehrenr&#252;hrige Etikette &#8222;Antisemit&#8220;. Vor dem Tribunal des Anstands und der ehrenhaften Gesinnung ist diese Anschuldigung gleichbedeutend mit einer Verurteilung. In Frankreich ist seit dem Gayssot-Gesetz&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gesetz Nr. 90-615 (genannt Gayssot-Gesetz) vom 13. Juli 1990, das die (...)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine Gedankenpolizei zur Kontrolle der Affekte der B&#252;rger und Durchsetzung einer Art staatlicher und moralischer Z&#252;gelung unserer Emotionen institutionalisiert worden. Das Resultat solch repressiver Dispositive ist offensichtlich: eine Verinnerlichung der diese Affekte begleitenden und eine Mischung aus Scham und einem Gef&#252;hl von Ohnmacht und Frustration ausl&#246;senden Triebe. Da die Benennung dieses &#8222;S&#252;ndenbocks&#8220; und der Angriff auf ihn stattfindet, w&#228;hrend der wahre Verantwortliche oder die wahren Verantwortlichen der Frustrationen und des empfundenen Leids nicht identifiziert und/oder bek&#228;mpft werden kann/k&#246;nnen, f&#252;hrt die Einf&#252;hrung eines Gedankenverbrechens und die Kriminalisierung seines Ausdrucks zu einer Verst&#228;rkung genau jener Frustrationen, welche anf&#228;nglich zu diesen Gedanken gef&#252;hrt haben! Die juristische Bestrafung und die Polizeirepression gegen den &#8222;Judenhass&#8220; und allgemeiner gegen die Rassismen sind weit davon entfernt, eine Antwort dagegen zu liefern, und tun letztendlich nicht anderes, als sie zu verst&#228;rken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Knirpse mit maghrebinischem Hintergrund aus den Vorst&#228;dten, die ein Hakenkreuz auf eine Mauer neben einem Davidstern sprayen, des Antisemitismus zu bezichtigen, stellt im besten Falle eine Torheit als Antwort auf eine andere Torheit dar. Aber viel h&#228;ufiger handelt es sich um ein politisches Kalk&#252;l, das zum Ziel hat, das Gef&#252;hl der Revolte und der Solidarit&#228;t, das diese Knirpse f&#252;r das Geschehen in Pal&#228;stina, ihr imagin&#228;res Land, diese f&#252;r unser Verh&#228;ltnis zur Welt so wesentliche Vorstellungswelt, empfinden k&#246;nnen, zu beseitigen. Und dieses Geschehen in Pal&#228;stina findet ein derart deutliches Echo in der Situation der Ausgrenzung und des polizeilichen und institutionellen Rassismus, die sie hier in &#8222;ihren Vorst&#228;dten&#8220; erdulden m&#252;ssen. Wie dumm muss man sein, um das nicht zu verstehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir erinnern uns an diesen ehemaligen franz&#246;sischen Premierminister, (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was der Anschuldigung des Antisemitismus zugrunde liegt, ist dieser &#8222;Gedankengang&#8220;, wonach der als &#8222;Antisemit&#8220; Bezeichnete diese Abscheulichkeit der massiven Vernichtung der Juden Europas durch das Hitler-Regime bef&#252;rwortet. Und da diese Abscheulichkeit auf jeden Fall nur absolut zu verurteilen ist, muss die des Antisemitismus bezichtigte Person infolgedessen verurteilt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden! Die Tatsache, dass eine solche moralische und strafrechtliche Verurteilung von einem sozio-politischen System ausgeht, das seine Energie aus der Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung von Bev&#246;lkerungen (auch j&#252;dischen), der Repression jeglichen Protests, der direkten oder delegierten Folter, dem Waffenhandel, dem Kolonialismus, dem Staatsterrorismus und der Zerst&#246;rung alles Lebenden auf der Erde zu Handelszwecken bezieht &#8211; das scheint die Fanatiker des Anti-Antisemitismus nicht weiter zu st&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist unschwer zu erkennen, dass in Frankreich die Meister des Anti-Antisemitismus wie der CRIF, die UEJF, der B'nai B'rith Frankreich, die Vereinigung Frankreich-Israel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;CRIF: Repr&#228;sentativer Rat der j&#252;dischen Institutionen in Frankreich; UEJF: (...)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; und die, wie Kurz und nach ihm die Wertkritik, eine bedingungslose Unterst&#252;tzung des j&#252;dischen Staates im Namen dieses Anti-Antisemitismus bef&#252;rworten, in Bezug auf Israel in einer Art Weltfremdheit gefangen sind, sie verteidigen das Land, indem sie es als von diktatorischen und blutr&#252;nstigen arabischen Regimen belagerte einzige Demokratie pr&#228;sentieren. Die Tatsache, dass Israel regelm&#228;ssig aussergerichtliche Hinrichtungen durchf&#252;hrt, Hunderte pal&#228;stinensische Kinder neben Tausenden anderen politischen Gefangenen ohne Prozess und gar ohne Anklage in seinen Strafkolonien dahinvegetieren (sie seien &#252;berhaupt nicht im Gef&#228;ngnis, sondern nur in &#8222;Administrativhaft&#8220;!), die Folter dort g&#228;ngige Praxis gegen pal&#228;stinensische Gefangene ist und sie daran sterben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aber in Israel seien diese Foltermethoden nicht wirklich Folter, es seien (...)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, genau wie es von der Hamas und der PLO sowie von allen arabischen Regimes in der Region gegen ihre Gegner praktiziert wird, Tsahal Gaza in ein Ruinenfeld verwandelt, Phosphorbomben gegen Wohngebiete einsetzt und massiv massakriert &#8211; all das st&#246;rt diese Demokraten nicht weiter (jedenfalls nicht allzu stark). Und es ist &#8222;komisch&#8220;, dazu zu beobachten, wie die Begriffe der Kolonialisierung, Besatzung und Apartheid in Bezug auf die israelische Politik in Pal&#228;stina, welche die Anti-Antisemiten hier in Frankreich oder Europa und in den USA nicht ertragen und kontinuierlich verdr&#228;ngen, in Israel in den letzten Jahren &#252;berhaupt kein Tabu mehr sind: Dort ist die zionistische Unterdr&#252;ckungs- und Vertreibungspolitik mittlerweile enthemmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B &#8211; Zweiter Teil&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da man es um der Klarheit der Darlegung einer Analyse willen kaum anders tun kann, als all diese verschiedenen Elemente getrennt voneinander zu pr&#228;sentieren, obwohl sie es in der Realit&#228;t nicht sind, ist es demnach angebracht, den Leser vor einem Verst&#228;ndnis zu warnen, das die verschiedenen Aspekte, die alle zur Komplexit&#228;t einer Situation beitragen, voneinander trennen w&#252;rde. Man sollte die Verflechtung der verschiedenen Konzepte, wovon jedes einen Teil der Realit&#228;t abdeckt und ausdr&#252;ckt, in ihrer Gesamtheit betrachten: j&#252;dische Religion, Judentum, j&#252;disches Volk, Zionismus, Genozid an den Juden Europas durch die Nazis in den Vernichtungslagern, Pal&#228;stina, Israel, Antisemitismus, Imperialismus und Geopolitik, Islamismus&#8230; Man kann nicht behaupten, die Wechselwirkungen zwischen all diesen Aspekten zu verstehen, ohne jeden dieser Begriffe zu entmystifizieren und zu entmythologisieren. Ich schlage hier vor, hinsichtlich einiger dieser Aspekte so zu vorzugehen, ohne nat&#252;rlich Anspruch auf irgendeine Vollst&#228;ndigkeit zu erheben, was meine M&#246;glichkeiten &#252;bersteigen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Israel: Zionismus, Nationalismus, Kolonialismus und Rassismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keinen fundamentalen Grund, die Frage des Judentums von den beiden anderen monotheistischen abrahamitischen Religionen, Christentum und Islam, zu unterscheiden. Alle drei bekr&#228;ftigen sie die Existenz eines einzigen transzendenten, allm&#228;chtigen, allwissenden und allgegenw&#228;rtigen Gottes. Alle drei st&#252;tzen sich auf die Gl&#228;ubigkeit, den Glauben an die Existenz eines gerechten und (und somit nat&#252;rlich in seiner Nicht-K&#246;rperlichkeit) unfehlbaren Sch&#246;pfers und alle drei behaupten, eine Antwort mithilfe verschiedener Prinzipien wie die Verehrung Gottes und die Befolgung diverser (und sich mit der Zeit entwickelnder) Lebensregeln, die invariabel im Modus Bestrafung/Belohnung funktionieren, auf das (seinerseits sehr k&#246;rperliche) menschliche Leiden bereitzuhalten. Auf gleiche Art und Weise st&#252;tzen diese drei Religionen patriarchale gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse, in welchen die Stellung der Frau aufgrund des g&#246;ttlichen Willens niedriger ist als jene des Mannes. Ich sehe auch keinen fundamentalen Grund, den Begriff &#8222;j&#252;disches Volk&#8220; von anderen &#228;hnlichen Begriffen zu unterscheiden, &#8222;franz&#246;sisches Volk&#8220;, &#8222;russisches Volk&#8220;, chinesisches, amerikanisches, usbekisches oder australisches. Jedes Mal handelt es sich um eine frei erfundene Geschichte, die jedoch ihre sch&#228;dliche Kraft aus der Tatsache bezieht, dass sie &#8222;ihren B&#252;rgern&#8220; die gemeinschaftlichen Wohltaten (die unsere menschlichen Bed&#252;rfnisse befriedigen) verschaffen kann, welche wir seit Jahrhunderten und Jahrtausenden verloren haben, aufgrund jener Trennungen, welche die Menschen spalten, aufgrund unserer Atomisierung. In diesem Sinne ist die Idee oder Illusion, mit diesem oder jenem Volk, mit welchem man sich identifiziert (mit der &#8222;j&#252;dischen&#8220;, &#8222;franz&#246;sischen&#8220;, &#8222;russischen&#8220; usw. Gemeinschaft), fest verbunden zu sein, auch eine Antwort auf ein reelles Bed&#252;rfnis nach Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft. Die ganze Symbolik, alle Codes und Zeichen (die h&#228;ufig der wirklichen Geschichte der Bewohner der verschiedenen Territorien w&#228;hrend verschiedenen Epochen entnommen werden) stellen ein wesentliches Bauteil dar, das dazu beitr&#228;gt, die Erz&#228;hlungen jedes Volkes zu konsolidieren, und k&#246;nnen somit zu seinem Gr&#252;ndungsmythos werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist leicht nachvollziehbar, dass sowohl f&#252;r die drei monotheistischen Religionen wie auch die vielf&#228;ltigen V&#246;lker, in ihren Bindungen bis zu den Urspr&#252;ngen, Wurzeln und Territorien, die Frage der Identit&#228;t und Reinheit derselben im Zentrum ihrer Besorgnis steht. Die Ablehnung der Vermischung stellt in dieser Konstruktion einen wesentlichen Dreh- und Angelpunkt dar, d.h. eine Ideologie, die behauptet, dass diese oder jene besondere Kultur ihre Legitimit&#228;t und ihre Kraft aus ihrer Verwurzelung in einer jahrhundertealten oder gar jahrtausendealten Geschichte sch&#246;pft (und f&#252;r die Religionen seit aller Ewigkeit) und/oder in einem Boden, in einem als heilig verehrten Territorium, ausgehend von welchem &#8222;der Andere&#8220; zwangsl&#228;ufig zu einem bedrohlichen Fremden, einem Feind wird. In diesem Ansatz hat es auch keinen Platz f&#252;r die Andersartigkeit in uns selbst: Wir werden zu essentialisierten Wesen, unbeweglichen Teilen in einer reinen, linearen und identisch reproduzierbaren Abstammung. Wenn ich mich auf meine Zugeh&#246;rigkeit zum j&#252;dischen, franz&#246;sischen, russischen, chinesischen, amerikanischen, usbekischen oder jedem anderen Volk berufe, werde ich also zu einem Teil dieser mythischen Geschichte, ich best&#228;tige die Identit&#228;t, auf welche ich mich berufe, und sie best&#228;tigt mich als B&#252;rger dieser besonderen mythischen &#8222;Gemeinschaft&#8220;&#8230; Man muss sich der extremen Komplexit&#228;t all dieser g&#228;nzlich konstruierten identit&#228;ren Elemente, welche die Wirklichkeit jeder nationalen Erz&#228;hlung belegen sollen, bewusst sein, um zu verstehen, wie eine Mehrheit der Leute vollst&#228;ndig dieser Fiktion anh&#228;ngt und sich sogar auf sie beruft. Ab unserer Geburt n&#228;hrt man uns mit solchen patriotischen Werten und Zeichen, die systematisch durch eine h&#246;chst wissenschaftliche Geschichtsschreibung konsolidiert werden und &#252;berall zur Konstruktion nationaler Identit&#228;ten beitragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den meisten F&#228;llen liegt diesen Mechanismen der Zugeh&#246;rigkeit eine &#228;ngstliche Abweisung durch den B&#252;rger der Realit&#228;t und beunruhigenden Aspekte seines Lebens zugrunde. Ausgehend von einer solchen &#228;ngstlichen Abweisung der Realit&#228;t wird es also heilsbringend, seine nationale Identit&#228;t gegen jedes &#8222;fremde&#8220; Element zu verteidigen, gegen jede &#8222;&#228;ussere&#8220; Bedrohung, gegen das Nicht-Gleiche und sogar gegen jeglichen kritischen Blick, gegen jegliche Infragestellung der Richtigkeit dieser identit&#228;ren Konstruktion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist gewiss nicht zwecklos, hier anzumerken, dass die gleichen (...)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So kann jeglicher Ausdruck irgendeines Unterschiedes, der Hautfarbe, des linguistischen Dialekts oder der Praktizierung eines anderen Glaubens, konstitutiv werden f&#252;r eine klarere Abgrenzung durch die Tr&#228;ger eines nationalen Bewusstseins, f&#252;r welches es in der Konstruktion einer Repr&#228;sentation ihrer Nation unerl&#228;sslich ist, jene kategorisch und absolut zu qualifizieren, von welchen man entschieden hat, dass sie aus der nationalen Gemeinschaft ausgeschlossen sein m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben dem &#8222;spontanen&#8220;, (im weiteren Sinne) kulturellen Aspekt dieser gemeinschaftlichen identit&#228;ren Auferlegung muss ein weiteres wesentliches Element in diesem ganzen Prozess betont werden, n&#228;mlich der Staatsterrorismus und der Zwang, die direkte und offene Gewalt der gesamten Gesellschaft, die von der kinetischen Gewalt, die im potenziellen Zustand agiert, untrennbar ist, letztere kommt ohne S&#228;belrasseln und Blutvergiessen aus. Diese potenzielle Gewalt ist &#8222;nur&#8220; die offene Androhung von Gewalt, die wir Generation f&#252;r Generation in unserer Psyche absorbiert und integriert haben und die auf heimt&#252;ckische und unsichtbare Art und Weise unser Handeln beeinflusst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein wesentlicher Punkt muss hier sogleich betont werden: Wie sie weiter oben benutzt werden, k&#246;nnten die Begriffe &#8222;mythische Gemeinschaft&#8220;, &#8222;erfundene Identit&#228;t&#8220;, &#8222;Gr&#252;ndungsmythos&#8220;, &#8222;fiktive Geschichte&#8220; usw. nahelegen, dass es sich hier um total k&#252;nstliche und imagin&#228;re Gegebenheiten handelt. In Wirklichkeit &lt;i&gt;decken sie eine durchaus konkrete, materielle Realit&#228;t ab&lt;/i&gt;, die nichts anderes ist, als das Reelle, in dem wir leben und das uns jeden Tag gegen&#252;bersteht. Wir entwickeln uns und k&#228;mpfen in dieser Situation und sind ein fester Bestandteil dieser Realit&#228;t. Wir verlieben uns darin, machen darin Kinder, wir werden darin bei Gelegenheit hospitalisiert, wir verdienen darin unser mageres Brot&#8230; Und sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Formulierung &#8222;sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&#8220; f&#252;hrt in die Irre, (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, reproduzieren wir diese verschiedenen Identit&#228;ten und K&#228;fige, in welchen wir gefangen sind. Es ist von zentraler Bedeutung, zu verstehen, dass die Realit&#228;t eines Landes auch etwas anderes &#8211; viel mehr &#8211; ist, als schlichtweg die Realit&#228;t dieses Landes als Nation, denn sie ist reich an der gesamten Bev&#246;lkerung, die darin lebt und k&#228;mpft. Besonders all diese Einwanderungen machen eine Bev&#246;lkerung in einem Land sesshaft, wo sie somit die Realit&#228;t davon wird. In Israel genau wie anderswo. Man wird also h&#228;ufig Leute treffen, die sich als &#8222;Franzosen&#8220;, &#8222;Russen&#8220;, &#8222;Chinesen&#8220;, &#8222;Israelis&#8220; oder &#8222;Juden&#8220; bezeichnen und sich als solche identifizieren &#8211; doch nichtsdestotrotz, wer k&#246;nnte behaupten, er sei f&#228;hig, zu definieren, was das &#8222;franz&#246;sische Volk&#8220; sein soll, oder das &#8222;russische&#8220;, &#8222;chinesische&#8220; &#8211; oder das &#8222;j&#252;dische&#8220;!?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In gleichem Masse muss man hier vor der Falle warnen, die darin besteht, &lt;i&gt;identit&#228;re Valorisierungen als Kampf gegen die Ausbeutung zu verstehen&lt;/i&gt;. Die herrschenden M&#228;chte haben ein ziemliches einfaches Spiel, die Sicherheitsbed&#252;rfnisse ihrer Bev&#246;lkerungen dahingehend zu manipulieren. Und daf&#252;r Mobilisierungen anzubieten, die zum Zweck haben, die Unzufriedenheit gegen einen vermeintlichen &#228;usseren Angreifer oder einen angeblichen &#8222;inneren Feind&#8220; zu lenken. Die damit einhergehende wahnsinnige Rhetorik und extrem repressive Politik bez&#252;glich der &#8222;Fl&#252;chtlingskrise&#8220; oder &#8222;illegalen Einwanderung&#8220;, die seit Jahrzehnten von der gesamten politischen Klasse in den meisten europ&#228;ischen L&#228;ndern, und &#252;berall sonst auf der Welt, bis zum &#220;berdruss wiederholt werden, illustrieren diesen Punkt perfekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Kriegssituation stellt, freilich auf extreme Art und Weise &#8211; aber eine extreme Art und Weise, die ihren verallgemeinerten Charakter alles andere als ausschliesst &#8211; einen Hinweis auf diese t&#246;dliche Falle dar. Man denke an den Krieg Russland-Ukraine, und auch an alle anderen Kriege, auf jeder Seite der Frontlinie ist es immer und &#252;berall das gleiche Lied: Verteidigt euer Land, opfert euch, geht sterben f&#252;r das Vaterland &#8211; es geht immer darum, die Ausgebeuteten an die National&#246;konomie zu ketten und sie dazu zu bringen, sich gegenseitig zu t&#246;ten, indem sie hinter ihren jeweiligen Flaggen eingereiht werden. Der Patriotismus spielt eine wesentliche Rolle in der kapitalistischen Organisation, um die Umrisse des gesellschaftlichen Antagonismus zu verwischen. Es ist weder eine Absurdit&#228;t noch ein &#8222;einfacher&#8220; R&#252;ckfall der Menschheit in die Barbarei, sondern eine sozio-&#246;konomisch-politische Entwicklung, die koh&#228;rent ist mit den kapitalistischen Logiken, d.h. mit den Zw&#228;ngen des Werts und den Interessen der b&#252;rgerlichen Klasse, die sich materiell und subjektiv mit den Werten der kapitalistischen Gesellschaft identifiziert. Dieser Punkt illustriert gut, wie kurios es w&#228;re, die Frage der Klassen und der Herrschaft des Werts im Kapitalismus getrennt voneinander zu betrachten. Da die Kriege ein stets wiederkehrendes (und im weiteren Sinne gar permanentes) Element der kapitalistischen Herrschaft und diesbez&#252;glich eine passende Antwort darstellen auf die Zw&#228;nge des Wertgesetzes, das fast ununterbrochene Zerst&#246;rungen von Waren (auch der Ware Arbeitskraft) erfordert und verursacht, wie k&#246;nnte man sie also anders konzipieren als durch das Treiben der verschiedenen b&#252;rgerlichen Fraktionen &#8211; ausser man begn&#252;gt sich damit, immer auf grob vereinfachende Art und Weise &#8222;die Barbarei&#8220; und den &#8222;Krieg aller gegen alle&#8220; diesbez&#252;glich zu evozieren, doch das w&#252;rde uns auf eine Hobessche Konzeption einer vom &#8222;homo homini lupus est&#8220; beherrschten Gesellschaft zur&#252;ckwerfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Etliche geschichtliche Tatsachen zeigen, dass der Staat Israel nicht nur die Juden nicht besch&#252;tzt, sondern auch peinlich genau seine Funktion als nationaler Staat wahrnimmt, indem er diktatorisch die Notwendigkeiten des Kapitals im von ihm beherrschten geographischen Gebiet durchsetzt. Und das wirtschaftlich, gesellschaftlich, milit&#228;risch, politisch und geostrategisch. Ich gebe gerne zu, dass auch die etlichen &#8222;n&#252;tzlichen Idioten&#8220; Teil dieser israelischen Realit&#228;t sind, jene, welche glaubten, dass sie, indem sie mehr als 500 D&#246;rfer dem Erdboden gleichmachten und 700&#8216;000 seit langem auf diesem pal&#228;stinensischen Boden lebende Bewohner vertrieben, unter diesen Bedingungen Frieden und ein ruhiges Leben finden w&#252;rden. Aber ist der Glaube an eine solche Illusion nicht eben genau die Trag&#246;die aller kolonialen Siedler!?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erw&#228;hnen wir folgende Punkte als Beispiele dieser historischen Tatsachen:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Der Zionismus entsteht ausgehend von der Situation der Unterdr&#252;ckung (Pogrome, Diskriminierungen, Verfolgungen, Ghettoisierungen&#8230;), welche die j&#252;dischen Minderheiten im christlichen Europa seit dem Mittelalter erdulden m&#252;ssen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die Reaktionen und Widerst&#228;nde der j&#252;dischen Gemeinschaften in Europa, die zum Ziel dieser Pogrome und Massaker im Verlauf der Geschichte wurden, waren vielf&#228;ltig und variabel: &#220;bertreten zum Christentum und andere Assimilationsanstrengungen und -versuche, Auswanderung in vermeintlich weniger feindlich gesinnte Gebiete und auch gemeinschaftliche gegenseitige Hilfe und K&#228;mpfe, um sich gegen die Angriffe und Verfolgungen zu verteidigen. F&#252;r etliche Juden war eine solche Verteidigung gegen die gegen sie gerichtete Unterdr&#252;ckung untrennbar mit dem Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und f&#252;r eine soziale Revolution verbunden und sie engagierten und organisierten sich also dahingehend: der Bund, der sich im &#220;brigen gegen den Zionismus positionierte, die bolschewistische Partei, die eine grosse Anzahl j&#252;discher Aktivisten und Anf&#252;hrer in ihren R&#228;ngen z&#228;hlte, sowie in Deutschland und in den meisten L&#228;ndern mit j&#252;discher Einwanderung. Man sollte die Bedeutung dieses Faktors (die Figur des &#8222;subversiven, revolution&#228;ren Juden&#8220;) in der Absicht der Antisemiten in Deutschland und England zum Beispiel, sich &#8222;ihrer&#8220; Juden zu entledigen, nicht untersch&#228;tzen. Nach der Welle von Pogromen zwischen 1881 und 1884 wanderten in den darauffolgenden drei Jahrzehnten ungef&#228;hr zweieinhalb Millionen jiddischsprachige osteurop&#228;ische Juden (von sechs Millionen) nach Westeuropa aus, sie migrierten Richtung Deutschland, ein Teil davon endete dann auf dem amerikanischen Kontinent. Weniger als drei Prozent von ihnen entschieden sich, ins osmanische Pal&#228;stina auszuwandern, sie verliessen es &#252;brigens in den meisten F&#228;llen danach auch wieder (siehe Shlomo Sand, &lt;i&gt;Die Erfindung des j&#252;dischen Volkes. Israels Gr&#252;ndungsmythos auf dem Pr&#252;fstand&lt;/i&gt;, Propyl&#228;en, 2010). Bis zur Formulierung des zionistischen Projekts durch Theodor Herzl war das Projekt einer &#8222;R&#252;ckkehr nach Pal&#228;stina&#8220; nie eine der Antworten auf den Antisemitismus;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Herzl war davon &#252;berzeugt, dass nur der Aufbau einer j&#252;dischen Nation auf einem getrennten und unabh&#228;ngigen nationalen Territorium (und somit ohne Nicht-Juden!) imstande war, dem von ihm erdachten &#8222;j&#252;dischen Volk&#8220; Wohlstand zu bringen. Dieses &#8222;j&#252;dische Volk&#8220; betrachtete er auf Anhieb auf einer Klassenbasis, mit einer j&#252;dischen Bourgeoisie (Klasse, aus der er hervorgegangen war) und j&#252;dischen Proletariern. Er konstruierte fortan dieses &#8222;j&#252;dische Volk&#8220; auf Kosten der vielen Kulturen der grossen j&#252;dischen Diaspora, die alle letztendlich verschwinden w&#252;rden, die wichtigste davon war die jiddische Kultur mit ihrer Sprache, ihrer Musik, ihrer K&#252;che, ihrer Literatur;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;das 1897&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Jahr 1897 versammelt sich der erste Zionistenkongress in Basel, (...)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; entstandene zionistische Projekt Herzls (das Projekt der Erschaffung einer nationalen j&#252;dischen Heimst&#228;tte) muss im Zusammenhang mit den aufkommenden Nationalismen im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Europa betrachtet werden, sie begleiteten die zunehmenden interimperialistischen Spannungen (osmanisches Reich, Deutschland, Grossbritannien, USA, Frankreich, Belgien, Niederlande). Dieser Zionismus ist von Anfang an und &#252;ber all seine verschiedenen Bestandteile hinweg gepr&#228;gt vom typischen Eurozentrismus des 19. Jahrhunderts mit seinen kolonialistischen und rassistischen Postulaten. Obwohl ein &#8222;linker Arbeiterzionismus&#8220; sich von Anfang an der j&#252;dischen Kolonialisierung Pal&#228;stinas durchsetzen konnte, st&#252;tzte er sich von Beginn weg auf rassistische und segregationistische Grundlagen und sein emanzipatorischer Aspekt existierte nur in der Vorstellung seiner Anh&#228;nger. Was den &#8222;sozialisierenden&#8220;, die Kibbuze und Moschawim animierenden Idealismus betrifft, waren diese kollektivistischen Ansiedlungen eine Antwort auf die Notwendigkeit, Land zu kolonialisieren, das von den Pal&#228;stinensern geraubt worden war und von dem sie verjagt worden waren, womit sie ihnen zunehmend feindlich gesinnt waren. Diese kollektivistischen Ansiedlungen waren sicherer als es eine individuelle famili&#228;re Ansiedlung h&#228;tte sein k&#246;nnen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;ab 1903 erkl&#228;rt sich Grossbritannien dazu bereit, die Erschaffung einer j&#252;dischen Kolonie in Uganda (heutiges Kenia) zu akzeptieren, sp&#228;ter, mit der Balfour-Deklaration (1917), spricht sich die britische Regierung formell f&#252;r den Aufbau einer nationalen j&#252;dischen Heimst&#228;tte in Pal&#228;stina aus. Es handelt sich hier um grosse Man&#246;ver zwischen imperialistischen M&#228;chten, die sich in der Kontinuit&#228;t des zum Zerfall des Osmanischen Reiches f&#252;hrenden Ersten Weltkrieges austoben. Das zionistische Projekt erlangt seine St&#228;rke und seine internationale Legitimit&#228;t aus den interimperialistischen Konfrontationen, denn es wird zu einem strategischen Spielstein im Mittleren Osten.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das Projekt Herzls hat von Anfang an die systematische Ermutigung der Kolonialisierung Pal&#228;stinas durch die Ansiedlung von j&#252;dischen Landwirten, Handwerkern und H&#228;ndlern zum Ziel. Zu diesem Zweck wird 1901 ein Bankinstitut gegr&#252;ndet, der KKL, der es dem J&#252;dischen Nationalfonds erlauben soll, den dortigen Landeigent&#252;mern (h&#228;ufig syrische Standespersonen) Land und H&#246;fe abzukaufen, die Bauern in Halbpacht werden davon vertrieben, um durch j&#252;dische Siedler und ausschliesslich j&#252;dische Arbeitskraft ersetzt zu werden. Doch die intensivste Aktivit&#228;t Herzls konzentriert sich auf die diplomatischen Anstrengungen, um die Unterst&#252;tzung der europ&#228;ischen M&#228;chte f&#252;r die Kolonialisierung Pal&#228;stinas zu erhalten. Hierf&#252;r versucht Herzl, sich in der Kontinuit&#228;t der kolonialen Unternehmungen der Epoche zu verorten: Belgien in Kongo, Deutschland in seiner Kolonie im S&#252;dwesten Afrikas, Italien in Somalia und Eritrea&#8230; &#8222;F&#252;r Europa w&#252;rden wir dort ein St&#252;ck des Walles gegen Asien bilden, wir w&#252;rden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen&#8220;, schreibt er 1896 in &lt;i&gt;Der Judenstaat&lt;/i&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Im Rahmen seiner diplomatischen Anstrengungen ergreift Herzl im Namen des f&#252;nften Zionistenkongresses in Basel (1901) die Initiative, folgendes Telegramm an den Sultan Abdul Hamid II. zu senden: &#8222;Zum Zeitpunkt des Zionistenkongresses, der heute in Basel Repr&#228;sentanten des j&#252;dischen Volkes aller L&#228;nder versammelt, bitte ich Eure Hoheit um die Erlaubnis, die Ehrerbietungen einer tiefen Ergebenheit und der Anerkennung aller Juden f&#252;r die stets gegen&#252;ber ihnen gezeigten G&#252;te durch Seine Kaiserliche Majest&#228;t der Sultan vor den Kaiserlichen Thron zu legen. Gestattet, Majest&#228;t, den Ausdruck meiner ehrerbietigen Hochachtung.&#8220; Eine &#8222;Hochachtung&#8220; seitens Theodor Herzls, der die Augen verschloss vor den Massakern zwischen dem Sommer 1894 und dem Winter 1896-1897, die mehr als 200&#8216;000 Armeniern das Leben kosteten und f&#252;r die Abdul Hamid II. der Hauptverantwortliche war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Telegramm war &#8222;alles andere als eine Ungeschicklichkeit oder ein (...)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Herzl hat auch keine Skrupel, andere notorische Antisemiten f&#252;r seine zionistische Sache zu gewinnen, wie es seine Treffen (1903) mit dem einige Monate zuvor f&#252;r die antisemitischen Pogrome in der Stadt Kischinjow verantwortlichen russischen Innenminister Wjatscheslaw Plehwe zeigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ich habe Plehwe getroffen. Ich habe sein Wort, dass er in sp&#228;testens 15 (...)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Histadrut: der Allgemeine Verband der Arbeiter, Gewerkschaft der &#8222;Arbeiter im Lande Israel&#8220;, wurde von der zionistischen Bewegung in Haifa 1920 gegr&#252;ndet. Er h&#228;lt in den Statuten fest, dass &#8222;nur j&#252;dische Arbeiter&#8220; Mitglieder davon werden k&#246;nnen. Sein erkl&#228;rtes Ziel war ab seiner Gr&#252;ndung, die Ansiedlung j&#252;discher Arbeiter in Pal&#228;stina zu beg&#252;nstigen und ihre Interessen gegen&#252;ber den Arbeitgebern durch die Zur&#252;ckdr&#228;ngung der g&#252;nstigeren da prek&#228;reren arabischen Arbeitskraft zu verteidigen. &#8222;Ich musste bez&#252;glich der Frage des j&#252;dischen Sozialismus gegen meine Freunde ank&#228;mpfen: Die Tatsache verteidigen, dass ich keine Araber in meiner Gewerkschaft akzeptieren w&#252;rde; die Propaganda gegen&#252;ber den Hausfrauen verteidigen, damit sie nicht in den arabischen L&#228;den kaufen; die arabischen Arbeiter daran hindern, hier Arbeit zu finden [&#8230;] Ich musste Kerosin &#252;ber die arabischen Tomaten sch&#252;tten, die j&#252;dischen Hausfrauen auf dem Markt angreifen und die von ihnen gekauften arabischen Eier zerdr&#252;cken&#8220;, schreibt David Hacohen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zitiert in Nur Masalha, Expulsion of the Palestinians. The Concept of (...)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Anf&#252;hrer der Mapei, der wichtigsten zionistischen Partei, die den Ruf hat, eine &#8222;Arbeiterpartei&#8220; zu sein. Die Histadrut wird mit der Zeit zur dominanten und hegemonialen S&#228;ule der Wirtschaft und der Infrastrukturen der j&#252;dischen Kolonien.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Eine Monopolisierung der Opferrolle&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einer der Diskurse, den man h&#228;ufig bez&#252;glich Israel liest und h&#246;rt, behauptet, die pal&#228;stinensischen Organisationen und Bev&#246;lkerungen w&#252;rden die &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels nicht anerkennen. Und dass diese pal&#228;stinensischen Organisationen und ihre Anh&#228;nger f&#252;r die Zerst&#246;rung des hebr&#228;ischen Staates seien. Und dass deshalb keine Verhandlungen mit diesen Organisationen in Betracht gezogen w&#252;rden. Auch hier in Europa dr&#228;ngt man uns dazu, die &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels anzuerkennen, wenn wir nicht verd&#228;chtigt werden wollen, antisemitisch zu sein. Aber das Man&#246;ver ist plump: Denn mit dieser Argumentation beruft man sich auf eine &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels, &lt;i&gt;um die reellen Rechte&lt;/i&gt; der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen auf ein w&#252;rdiges Leben, dass dieser &#8222;moralische&#8220; Staat seit den ersten Tagen der zionistischen Kolonialisierung Pal&#228;stinas, seit mehr als einem Jahrhundert, mit F&#252;ssen tritt, &lt;i&gt;besser &lt;/i&gt;&lt;i&gt;wegzuwischen und unsichtbar zu machen&lt;/i&gt;. Israel verweigert den Pal&#228;stinensern &lt;i&gt;das reelle Recht&lt;/i&gt; auf Existenz &#8211; faktisch, indem sie verjagt, ausgehungert und massakriert werden. Dieser perverse Diskurs versucht schlichtweg, die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung umzukehren! Noch bedeutender, und in totalem Widerspruch zum Gr&#252;ndungsmythos, der eine Koalition aller arabischen L&#228;nder zur Zerst&#246;rung Israels postuliert, ist die Tatsache, dass es in Wirklichkeit &#252;bereinstimmende strategische Interessen zwischen den zionistischen Anf&#252;hrern und den verschiedenen arabischen Regimes im Nahen Osten gibt, das zeigen die diplomatischen Kontakte seit der Ausrufung des hebr&#228;ischen Staates zwischen der haschemitischen Monarchie, dem K&#246;nig Jordaniens Abdullah, und David Ben Gurion (Quelle: Simha Flapan, &lt;i&gt;The Birth of Israel. Myths and Realities&lt;/i&gt;, New York, Pantheon). Und der Verlauf des Sechstagekriegs 1967 widerspricht dieser Feststellung keineswegs, denn schon am ersten Tag war die H&#228;lfte der arabischen Luftkraft zerst&#246;rt und &#8211; nach nur sechs Tagen &#8211; die Armeen &#196;gyptens, Syriens und Jordaniens besiegt. Was es Israel damals erlaubte, sein Territorium zu vergr&#246;ssern, indem der Sinai, der Gazastreifen, das Westjordanland und Ostjerusalem annektiert wurden, also die Gesamtheit des Territoriums Pal&#228;stinas. Die Instrumentalisierung der wichtigsten pal&#228;stinensischen Organisationen durch Israel zur optimalen Verwaltung dieser Territorien, wo Millionen &#252;bersch&#252;ssiger Proletarier im Gazastreifen und im Westjordanland &#252;berleben, ist ebenfalls Teil dieser Logik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Argument rund um diese &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts, das nur dazu dient, die &#246;ffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu manipulieren, ist einer der verschiedenen Mythen, die der Zionismus ausgearbeitet hat, um seine kolonialisierende Politik im Lande Pal&#228;stinas besser durchzusetzen. Folgende Erz&#228;hlungen sind Teil dieser Mythologie:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Eine Vorstellungswelt, gem&#228;ss welcher die Juden w&#228;hrend zweitausend Jahren eine ethnische und stets nach ihrer R&#252;ckkehr in die Heimat strebende Nation im Exil gebildet haben. Diese Idee, die im Verlauf der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts ausgearbeitet und von der dem Zionismus &#8211; ein laizistischer Zionismus, der jedoch nicht z&#246;gert, sich auf j&#252;dische Bez&#252;ge zu berufen &#8211; eigenen j&#252;dischen Geschichtsschreibung untermauert worden ist, wird durch die universit&#228;ren Autorit&#228;ten in Israel derart weitgehend validiert, dass sie zu einer wissenschaftlichen Wahrheit geworden ist, obwohl dieses M&#228;rchen, das eine Linearit&#228;t der Geschichte Israels konstruiert, seinen Ursprung in der Bibel hat. Beide der in ihm enthaltenen Behauptungen sind falsch: Die Juden haben nicht w&#228;hrend zweitausend Jahren eine geeinte Nation gebildet und die Geschichte der j&#252;dischen Diaspora zeigt zu keinem Zeitpunkt, mit Ausnahme des Zionismus, ein Streben nach einer Ansiedlung in Pal&#228;stina.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Man kennt die zentrale politische und kulturelle Bedeutung des Wortes Holocaust im vom Staat Israel ausgearbeiteten kollektiven Gedenken (die englische Version der Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung benutzt den Begriff) f&#252;r die Konstruktion der nationalen Identit&#228;t. Das Wort Holocaust tr&#228;gt in seiner Definition selbst den Grund des Verbrechens, das es beschreibt, n&#228;mlich die Ermordung eines gesamten &#8222;M&#228;rtyrervolkes&#8220;, das sich geopfert habe, um wer weiss welche Schuld zu s&#252;hnen. Durch diese Manipulation versucht der hebr&#228;ische Staat, die v&#246;lkerm&#246;rderische Unternehmung der Nazis in einer &#252;berh&#228;ngenden transzendentalen Position, jenseits jeglicher weltlicher Betrachtung zu platzieren, wie damit seine eigenen Massaker an den Pal&#228;stinensern. Es muss betont werden, dass die Hamas ein &#228;hnliches Verfahren benutzt, indem sie systematisch ihre im Kampf get&#246;teten Mitglieder als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; bezeichnet und die Jugendlichen dazu animiert, als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; f&#252;r die Sache der &#8222;nationalen Befreiung Pal&#228;stinas zu sterben&#8220;. Indem der V&#246;lkermord der Nazis an den Juden lexikalisch und ideologisch in ein &#8222;Opfer&#8220; verwandelt wird, hat der hebr&#228;ische Staat die Proklamierung einer Aussergew&#246;hnlichkeit des j&#252;dischen Schicksals zum Ziel, womit es in den Zusammenhang keiner vollwertigen historischen Perspektive (ausser der biblischen) gestellt werden kann. Man muss zugeben, dass dieses Man&#246;ver ziemlich gut funktioniert hat, jedenfalls in den westlichen L&#228;ndern. Als Beleg daf&#252;r kann die Gr&#252;ndung der IHRA (Internationale Allianz zum Holocaustgedenken) 1988 angef&#252;hrt werden, sie hat sich die F&#246;rderung des Gedenkens an den Holocaust und die Forschung dar&#252;ber &#8222;in der ganzen Welt&#8220; zum Ziel gesetzt. Und im Mai 2016 haben sich die 31 Staaten der IHRA auf eine Definition des Antisemitismus geeinigt, gem&#228;ss welcher dieser Text, ja, genau, der hier, als antisemitische Streitschrift katalogisiert w&#252;rde, da gem&#228;ss ihren Kriterien die Behauptung antisemitisch sei, die Existenz Israels sei das Resultat einer rassistischen Unternehmung. Unter den elf von der IHRA aufgelisteten Beispielen f&#252;r Antisemitismus betreffen sieben den Staat Israel und seine Politik, darunter dieses surrealistische Kriterium &#8222;von Israel verlangen, sich so zu verhalten, wie es von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert w&#252;rde&#8220;. Vergessen wir nicht, dass Israel seit seiner Gr&#252;ndung praktisch keine es betreffende Resolution der UNO respektiert hat.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Der hebr&#228;ische Staat sei die gerechte Antwort der Juden auf die vielen von ihnen erduldeten Pogrome und allen voran den V&#246;lkermord durch das Naziregime w&#228;hrend dem Zweiten Weltkrieg&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Argument greift Kurz in seinem Artikel auf. Auch f&#252;r ihn hat die (...)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist das Totschlagargument, um jegliche Kritik an Israel und dem Zionismus zu delegitimieren. Die sechs Millionen in den Vernichtungslagern der Nazis ermordeten Juden seien also der unwiderlegbare Beweis f&#252;r die Notwendigkeit und Richtigkeit der Gr&#252;ndung des Staates Israel. Diese Behauptung kann nicht nur durch verschiedene historische Tatsachen widerlegt werden, sondern letztere sind auch mit einer ethischen und moralischen Betrachtung verbunden, an die an dieser Stelle erinnert werden soll, auch wenn es sich hier um eine sehr grundlegende Betrachtung handelt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es sind eben genau die Millionen Opfer der Vernichtungspolitik der Nazis, die einen totalen Respekt der menschlichen W&#252;rde und eine absolute Anerkennung der von allen Menschen geteilten menschlichen Gemeinschaft gebieten, ohne Unterscheidung von Herkunft, Religionen, Meinungen&#8230; Davon kann die Notwendigkeit abgeleitet werden, korrekt und pr&#228;zis die zugrundeliegenden tiefen Ursachen der von uns erlittenen Situationen der allt&#228;glichen und historischen Unterdr&#252;ckung zu identifizieren. Deswegen ist eine radikale Kritik des Kapitalismus und der Apostel der kapitalistischen Unterdr&#252;ckung zentral. Nur so ist es realistisch und machbar, &#8222;die Wurzeln&#8220; der Situationen der Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung anzugehen und besonders auch diese derart g&#228;ngige Neigung, zu versuchen, seinen &#196;rger an als verantwortlich f&#252;r unser Elend designierten S&#252;ndenb&#246;cken auszulassen (an Personengruppen, die in den meisten F&#228;llen in einer noch prek&#228;reren Situation sind als man selbst). Eine solche radikale Kritik ist f&#252;r unsere Emanzipation unumg&#228;nglich.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Eine solche Emanzipation hat der Zionismus eben genau nicht verwirklicht und konnte es auch nicht, auf keine Art und Weise, weder durch seine Ideologie noch durch seine Organisation. In Anbetracht seines von Anfang an kolonialistischen und rassistischen Inhalts konnte der Zionismus mitnichten irgendjemandem eine Perspektive menschlicher Emanzipation anbieten und, in erster Linie, nicht den Juden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den das belegenden Tatsachen z&#228;hlt jene von der zionistischen Bewegung kultivierte &#220;berzeugung der Zugeh&#246;rigkeit zu einer h&#246;heren Zivilisation, einer &#8222;liberalen&#8220; Zivilisation, deren Bezeichnung die Tatsache nicht kaschieren kann, dass diese ach so sehr gepriesene Freiheit im Wesentlichen eine unbegrenzte Warenproduktion betrifft, um einen nicht minder unbegrenzten zwanghaften Konsum davon zu bef&#246;rdern. Diese vermeintliche zivilisatorische &#220;berlegenheit hat sich w&#228;hrend der gesamten Geschichte der zionistischen Bewegung ausgebildet, sie war pr&#228;sent seit ihren Urspr&#252;ngen und hat sich bei der Staatsgr&#252;ndung Israels herauskristallisiert. So konnte sich dieser Staat dazu &#252;berwinden, bei Gelegenheit einzugestehen, dass den Pal&#228;stinensern &#8222;Unrecht&#8220; geschah, aber nur &#8222;relatives und unvermeidliches&#8220; Unrecht, denn schliesslich gr&#252;ndete dieses Unrecht auf der daf&#252;r erhaltenen Gegenleistung, der Rettung der Holocaust-&#220;berlebenden. Klar infrage gestellt wurde diese Version durch die Aktualisierung jener Informationen, die nicht nur die Unf&#228;higkeit der zionistischen Institutionen zur Unterst&#252;tzung der Juden Europas w&#228;hrend des Krieges zeigte, sondern vor allem &#8222;ihre Zur&#252;ckhaltung darin, ihnen die n&#246;tige Unterst&#252;tzung zukommen zu lassen, wenn der Zufluchtsort der &#220;berlebenden etwas anderes als &#8218;Eretz Israel&#8216; war. Die M&#246;glichkeiten zur Rettung waren freilich begrenzt, doch sie waren alles andere als priorit&#228;r, denn f&#252;r Ben Gurion und die anderen Zionisten war es viel wichtiger, alle Anstrengungen der Institutionen und ihre finanziellen Ressourcen auf die Fortsetzung der Kolonialisierung und den Staatsaufbau zu konzentrieren. Ihre Beziehungen zu den &#220;berlebenden des Zweiten Weltkrieges, die nach Pal&#228;stina unter britischem Mandat, das sp&#228;ter zu Israel wurde, eingewandert waren, waren weder frei von Instrumentalisierung, noch von Paternalismus. Das junge zionistische Zugeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl in der zionistischen Gemeinschaft Pal&#228;stinas vor den grossen Einwanderungswellen versteckte die Verachtung gegen&#252;ber der Schw&#228;che, dem Mangel an &#8218;Virilit&#228;t&#8216; und Nationalstolz dieser Juden, &#220;berlebenden der Shoa, sowie gegen&#252;ber ihrem kulturellen Erbe nicht. Und w&#228;hrend die &#220;berlebenden des Holocaust die Verachtung erdulden mussten, wurden die Einwanderer aus islamischen L&#228;ndern sp&#228;ter zu Opfern einer aggressiven systematischen Politik, die zum Ziel hatte, ihre urspr&#252;ngliche Identit&#228;t auszul&#246;schen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Shlomo Sand, &#8222;Post-sionisme : un bilan provisoire. &#192; propos des historiens (...)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die durch den Zionismus und den Staat Israel vorgenommene Privatisierung und Monopolisierung der Opferrolle ist Teil dieser gleichen Logik. Meiner Meinung nach ist es unw&#252;rdig und emp&#246;rend, die Opferrolle gegen&#252;ber den vom Hitler-Regime begangenen Grausamkeiten einzig der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung zuzugestehen und die etlichen anderen Opfer wie, in anderen Proportionen, Homosexuelle, Zigeuner, Slawen, &#8222;Behinderte&#8220;, Widerstandsk&#228;mpfer, Kommunisten, Kriegsgefangene, Freimaurer oder auch Zeugen Jehovas zu ignorieren. Und wie soll man die Millionen Menschen betrachten, die w&#228;hrend diesem Zweiten Weltkrieg starben, man spricht hier von 60 Millionen Opfer, ein Drittel davon aus Russland, was damals 10% seiner Bev&#246;lkerung entsprach? Es geht bestimmt nicht darum, all diese Unmenschlichkeit auf einer Art Skala der Grausamkeit zu erfassen oder hierarchisieren oder in einen Zusammenhang der Konkurrenz des Gedenkens zu stellen, sondern darum, anzuerkennen, inwieweit diese schrecklichen Massaker das Los so vieler Bev&#246;lkerungen weltweit waren. Im Falle Israels ist es klar die Staatsr&#228;son, welche diese Monopolisierung der Opferrolle f&#252;r die eigenen B&#252;rger mit dem Ziel antreibt, somit die Gef&#252;hle der Empathie und der Sympathie, die allgemein das Leid der anderen ausl&#246;sen, zu monopolisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Die Wertkritik, mit Kurz, in Israel&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir auf den Anti-Antisemitismus der Wertkritik zur&#252;ck, da f&#252;r sie in der zeitgen&#246;ssischen kapitalistischen Gesellschaft die Fragen der Macht, Ausbeutung und Klassenherrschaft sozusagen nicht existieren, ist sie also nicht f&#228;hig, eine dialektische Analyse der die Staatsgr&#252;ndung Israels lenkenden Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse und Streitgegenst&#228;nde durchzuf&#252;hren. Bez&#252;glich dieser Fragen, wie im Beispiel des schon erw&#228;hnten Texts von Robert Kurz, dessen wahnsinnige Positionen von ihr nicht im Geringsten kritisiert worden sind, kann die Wertkritik nichts anderes tun, als auf einer prinzipiellen moralischen Position beharren, die zu nichts anderem f&#252;hrt als einer erbitterten Verteidigung der zionistischen Politik des hebr&#228;ischen Staates. Kurz schiebt das Argument vor, es gehe darum, den Staat Israel zu unterst&#252;tzen, weil dieser es dem j&#252;dischen Volk erlaube, sich zu verteidigen und sich vor einem zweiten V&#246;lkermord wie jenem der Nazis, der mit dem Zweiten Weltkrieg zur fast vollst&#228;ndigen Vernichtung der Juden Europas f&#252;hrte, zu sch&#252;tzen. In seinem Artikel anerkennt Kurz den kapitalistischen Charakter des Staates Israel, aber er f&#252;gt sogleich an, dass diese Nation einen Doppelcharakter insofern habe, als seine Entstehung nicht im Rahmen eines &#252;blichen nationalen Staatsaufbaus geschah, sondern gleichzeitig eine j&#252;dische Reaktion auf den weltweiten und besonders europ&#228;ischen Antisemitismus gewesen sei. Er &#252;bernimmt somit ein Schl&#252;sselargument der Weihrauchtr&#228;ger des Staates Israel seit seiner Gr&#252;ndung 1948. Es muss zu diesem Punkt unterstrichen werden, dass, wenn wir den Logiken der Wertkritik bez&#252;glich einer &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220; und seiner Ablehnung dessen, was sie &#8222;subjektive Herrschaftsverh&#228;ltnisse&#8220; nennt, treu bleiben w&#252;rden, die Betrachtungen von Kurz somit total unzul&#228;ssig w&#228;ren, denn was analysiert er hier letztendlich anderes, als subjektive Herrschaftsverh&#228;ltnisse?!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinem gesamten Text entwickelt Kurz seine Argumentation auf der Grundlage dreier Schl&#252;sselelemente, die er nie hinterfragt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Antisemitismus, denn es existiere ein &#8222;kollektives antij&#252;disches Unbewusstes&#8220;, ein &#8222;unbewusster Judenhass&#8220; und sogar ein &#8222;antisemitisches Syndrom der Moderne&#8220;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Doppelcharakters des hebr&#228;ischen Staates, kapitalistisch, aber auch Besch&#252;tzer des j&#252;dischen Volkes;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Kurz setzt meistens, um nicht zu sagen systematisch, die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung mit der &#8222;in den Poren der Bev&#246;lkerung von Gaza verschanzte[n]&#8220; Hamas gleich; &#8222;die Mehrheitsentscheidung f&#252;r die Hamas in Gaza [bedeutet] einzig und allein, dass es hier keine an sich unschuldige Zivilbev&#246;lkerung gibt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Passagen musste ich wieder und wieder lesen, um sicher zu sein, dass (...)&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist verbl&#252;ffend, feststellen zu m&#252;ssen, dass, gegen&#252;ber einer Position, welche die Zerst&#246;rung des Staates Israel verteidige, die von Kurz verteidigte Position das genaue Gegenteil davon ist, n&#228;mlich eine unbedingte und ungez&#252;gelte Verteidigung ebendiesen Staates!!! Und um diese Entscheidung zu rechtfertigen, beruft er sich immer auf die gleiche Formel eines &#8222;kollektiven antij&#252;dischen Unbewussten&#8220; und es ist letztendlich dieser vermeintliche herdenm&#228;ssige Antisemitismus, der zum absoluten Argument wird, um seine vorgefasste Meinung durchzusetzen. Dieses einzige Argument geh&#246;rt in den Bereich der Psychologie und l&#228;uft in Wahrheit auf ein strukturell pathologisches &#8222;Massenunbewusstes&#8220; hinaus, das in der Existenz eines antisemitischen &#8222;Syndroms&#8220; gipfelt. Es ist kaum m&#246;glich, dieses Argument zu durchkreuzen, ausser man begibt sich selbst auf dieses gleiche psychologische Terrain. Aber um was handelt es sich in Wirklichkeit?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlicht und einfach um diese bequeme Behauptung, es gebe eine innere Verbindung zwischen Antisemitismus, Judenhass und dem Prozess der &#8222;Verwertungskrise&#8220; und einer &#8222;kapitalistischen Barbarisierung [sic!]&#8220;. Aber die Wertkritik &lt;i&gt;postuliert&lt;/i&gt; schlichtweg eine solche automatische innere Verbindung, denn man wird dahingehend kein fundiertes Argument finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt gewiss diesen Schematismus der Wertkritik, der behauptet, gegen&#252;ber einer abstrakten Herrschaft des Werts und der abstrakten Arbeit &#252;ber unsere Leben seien wir unf&#228;hig, diese direkt zu erfassen und korrekt zu identifizieren, womit wir also nichts anderes tun k&#246;nnen, als die Herrschaft des &#8222;Weltjudentums&#8220; daf&#252;r verantwortlich zu machen. Das ist alles. Das Argument der Wertkritik kann mit dieser hier in einem Satz formulierten Position zusammengefasst werden. Ich sehe &#252;berhaupt keine logische Automatik zwischen diesen Elementen, auch nicht in der vermeintlichen Unf&#228;higkeit der Menschen, die &#252;ber ihr gesellschaftliches Leben herrschenden Abstraktionen zu erfassen oder identifizieren, oder in der Tatsache, zwingend diese oder jene besondere Kategorie der Bev&#246;lkerung f&#252;r ihr Ungl&#252;ck verantwortlich zu machen. Im Gegenteil, die Behauptung, ein vermeintliches &#8222;Weltjudentum&#8220; sei oder werde notwendigerweise und systematisch DAS Ziel aller Unzufriedenen, um ihre Frustrationen und ihren Hass auszudr&#252;cken, ist meines Erachtens Teil der von der Frage des Antisemitismus aufgeworfenen Problematik selbst (was Kurz &#252;brigens mit seiner Pro-Israel-Hysterie illustriert). Durch ihre Auferlegung der von ihr als strukturell betrachteten Gleichung &#8222;Kampf gegen die Personalisierungen des Kapitals&#8220; = Antisemitismus schliesst uns die Wertkritik in einem antisemitischen Universum ein, in welchem die K&#228;mpfe f&#252;r oder gegen &#8222;die Juden&#8220; die Klassenk&#228;mpfe gegen die kapitalistische Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung ersetzt haben sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Doppelcharakter des Staates Israel seinerseits ist schlichtweg ein absurdes Argument. Dieses Argument erinnert mich an die Positionen der verschiedenen trotzkistischen Gruppen, die bis zum Ende der 1980er Jahre die UdSSR unter dem Vorwand unterst&#252;tzten, es handle sich um einen &#8222;degenerierten Arbeiterstaat&#8220;, der einen Doppelcharakter habe (n&#228;mlich eine &#8222;sozialistische Wirtschaftsstruktur&#8220; und gleichzeitig eine &#8222;politische Macht in den H&#228;nden einer b&#252;rokratischen Kaste&#8220; &#8211; das hier benutzte Vokabular ist nat&#252;rlich jenes der Trotzkisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist absurd, davon auszugehen, dass ein Staat zu einem Zweck handeln k&#246;nne, der ihm nicht als kapitalistischer Staat eigen w&#228;re, dass er auch eine oder mehrere Funktionen erf&#252;llen k&#246;nne, die nicht seinem gesellschaftlichen Wesen entsprechen. Die Wertkritik spricht h&#228;ufig von einem &#8222;durch den Staat &lt;i&gt;vermittelten&lt;/i&gt;&#8220; gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis, womit wiederum ein sozialdemokratischer Begriff zu dieser Frage &#252;bernommen wird. Eine sozialdemokratische Konzeption, gem&#228;ss welcher der Staat existiere, um die verschiedenen und einander entgegengesetzten Interessen der verschiedenen Segmente einer Gesellschaft miteinander zu vers&#246;hnen, um eine friedliche Koexistenz f&#252;r eine harmonische Entwicklung des Kapitals zu erreichen. Auf der Grundlage etlicher blutiger Erfahrungen hat ein gewisser revolution&#228;rer Marxismus diese Albernheiten seit mehr als einem Jahrhundert widerlegt und sehr klar und explizit formulieren k&#246;nnen, dass der globale kapitalistische Staat (und wovon die verschiedenen Nationalstaaten nur seine besonderen Konkretisierungen sind) nichts anderes ist als die Konstitution der Interessen der herrschenden Klasse, der globalen b&#252;rgerlichen Klasse als zentralisierte Kraft. Der globale kapitalistische Staat befindet sich somit organisch (d.h. auch im Fall, wenn diese zentralisierte Kraft sich zuungunsten einer besonderen b&#252;rgerlichen Fraktion entfaltet) an vorderster Front, um &#252;berall die f&#252;r diese kapitalistische Gesellschaft charakteristische Herrschaft des Werts und der Lohnarbeit zu garantieren. Diese &#220;berdetermination des Staates in dieser Funktion leitet sich aus diesem grundlegenden Antagonismus zwischen dem globalen kapitalistischen Staat und den vitalen Bed&#252;rfnissen des globalen Proletariats ab und st&#252;tzt ihn. Zu behaupten, ein besonderer Staat k&#246;nne ausserhalb dieser organischen Funktion eine andere, dieser &#220;berdetermination nicht entsprechende erf&#252;llen, ist gleichbedeutend mit der Einsetzung einer Widerspr&#252;chlichkeit im Kern dieser Problematik. Da &#252;berhaupt kein einzelner Staat &#8222;seine nationale Bev&#246;lkerung&#8220; besch&#252;tzt, besch&#252;tzt der hebr&#228;ische Staat die Juden nicht! Tausende geschriebener Seiten der Wertkritik werden es, genau wie die Millionen ver&#246;ffentlichter B&#252;cher von Trotzkisten aller Str&#246;mungen zum Wesen des sowjetischen Staates damals, nie schaffen, das terroristische und menschenfeindliche Wesen des kapitalistischen Staates zu kaschieren, in Israel, Russland, der Ukraine, Frankreich und &#252;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Realit&#228;t, die konkreten Tatsachen zeigen offensichtlich, dass der j&#252;dische Staat die Juden nicht besch&#252;tzt: In Israel werden die j&#252;dischen, arabischen und pal&#228;stinensischen Proletarier von einer b&#252;rgerlichen Klasse, die, wie sonst &#252;berall auch, zur Durchsetzung ihrer Gebote vor nichts zur&#252;ckschreckt, unterdr&#252;ckt und ausgebeutet, sei es auf politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder jeder anderen Ebene, sie produzieren, schwitzen, opfern sich auf dem Altar des Werts auf, kriechen zu Kreuze, dienen als Kanonenfutter&#8230; In der israelischen &#8222;Start-up-Nation&#8220; lebt gem&#228;ss den Zahlen der OECD&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Doch diese von den Experten der OECD erstellten Statistiken (Zahlen von (...)&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine Person von f&#252;nf unterhalb der Armutsgrenze, der &#8222;schlechteste Wert aller Mitgliedsl&#228;nder der Organisation nach Mexiko&#8220;. Wie es Staatsrassismen in allen L&#228;ndern der Welt gibt, konstitutive Rassismen jeder auf der Ablehnung des Anderen, des &#8222;Fremden&#8220; basierenden nationalen Entit&#228;t, gibt es gleichermassen einen Staatsrassismus in Israel, nicht nur gegen&#252;ber der pal&#228;stinensischen, sondern auch gegen&#252;ber einem bedeutenden Teil der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung des Landes und besonders gegen&#252;ber den sephardischen Juden, den Falascha, den Mizrachim&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Falascha- oder Etiopim-Juden: urspr&#252;nglich aus &#196;thiopien stammende Juden. (...)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, den ultraorthodoxen Juden oder den vor kurzem eingewanderten russischen Juden, deren Lebensbedingungen in Israel gleichen jenen der &#228;rmsten Proletarier &#252;berall sonst auf der Welt. Diese Armut und Segregation wird regelm&#228;ssig von verschiedenen Organisationen wie Standing Together, der Association for Civil Rights Israel (ACRI), der Coalition against Racism usw. angeprangert und einige davon k&#228;mpfen Seite an Seite mit diesen Israelis &#8222;zweiter Klasse&#8220;. Und manchmal wird die Wut auf die Strasse getragen und mobilisiert diese j&#252;dischen Bev&#246;lkerungen w&#228;hrend Demonstrationen, wie im Sommer 2011 &#8211; aber aufgrund des grossen Einflusses des nationalen Mythos auf das Bewusstsein und der Furcht, als &#8222;Verr&#228;ter der Nation&#8220; zu gelten, geschieht das nur allzu selten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bez&#252;glich des dritten Punkts scheint es mir weder n&#252;tzlich noch w&#252;rdig, gegen einen solch unw&#252;rdigen Ansatz zu argumentieren. Es scheint mir hingegen angebracht, hier zu betonen, dass die Hamas auch das Produkt der israelischen Politik und ein strategischer Verb&#252;ndeter f&#252;r die expansionistischen Ziele des hebr&#228;ischen Staates ist. Direkt und indirekt hat die israelische Regierung die Entwicklung dieser nationalistischen und islamistischen Bewegung namens Hamas beg&#252;nstigt. Indirekt durch ihre Raub- und Landbesetzungspolitik und durch die systemische und entsetzliche Unterdr&#252;ckung der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen. Und direkt als der israelische Staat die Hamas zur Schw&#228;chung der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde instrumentalisierte, indem er ihre (finanziellen, materiellen) Mittel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auszug aus dem Artikel in Haaretz vom 20. Oktober 2023 &#8222;A Brief History of (...)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur Beherrschung der von ihr kontrollierten Territorien verst&#228;rkte mit dem Ziel, jede M&#246;glichkeit der Durchsetzung einer &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220; zu durchkreuzen. Kurz verf&#252;gte wahrscheinlich nicht &#252;ber diese genauen Informationen, als er seinen Artikel schrieb. Aber nur sein Beharren auf einer Verteidigung einer resolut pro-israelischen Position hat ihn dazu bringen k&#246;nnen, die zahlreichen Quellen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Simha Flapan, Birth of Israel. Myths and Realities, Routledge, 1988. Auf (...)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die ab den 1990er Jahren erfolgreich die hegemoniale Erz&#228;hlung der offiziellen Geschichtsschreibung des Zionismus und des Staates Israel zunichtemachten, zu ignorieren oder zu vernachl&#228;ssigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sollten schliesslich hier betonen, dass die immer ungest&#252;mere und heftigere Hartn&#228;ckigkeit zur Durchsetzung der Gleichung Antizionismus = Antisemitismus, sowohl seitens der israelischen Institutionen als auch der europ&#228;ischen und US-amerikanischen Regierungsinstanzen, die auch kurz vollst&#228;ndig so vertritt, einhergeht mit der fast unabwendbaren Entwicklung der globalen geostrategischen Situation gepr&#228;gt vom Niedergang der milit&#228;risch-wirtschaftlich-politischen Hegemonie des westlichen Blocks. Und sie entspricht auch &#8211; dialektisch verbunden mit dem ersten Punkt &#8211; der Schw&#228;chung des Einflusses der zionistischen Gr&#252;ndungsmythen (&#8222;ein Land ohne Volk f&#252;r ein Volk ohne Land&#8220;, &#8222;der kleine j&#252;dische David gegen den arabischen Riesen Goliath&#8220;, &#8222;wir sind alle allein, niemand wird uns je verteidigen&#8220;) auf das Bewusstsein der Bev&#246;lkerungen im Westen nach dem Ausbruch seit Ende 1987 der pal&#228;stinensischen Erhebung genannt &#8222;Krieg der Steine&#8220; in den besetzten Gebieten. Die in der Fussnote 37 erw&#228;hnten akademischen Studien widerspiegeln ebenfalls diese Entwicklung und stellen ein Echo darauf dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;C &#8211; Anstelle einer Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik hat durch ihren Aufruf, sich mit dem Kollektiv Golem f&#252;r die Teilnahme an der nationalen Demonstration am letzten 12. November gegen den Antisemitismus zu solidarisieren, gezeigt, dass ihre Positionen zum Antisemitismus sie in die Arme jener Kr&#228;fte treibt, welche eine republikanische und demokratische Politik verteidigen, trotz der Tausenden Seiten Kritik, die sie produziert. Die Wertkritik hantiert mit klassenkampflosen Konzepten in ihren theoretischen Beitr&#228;gen, d.h. sie lehnt die G&#252;ltigkeit jener Analysen ab, welche sich auf den historischen und grundlegenden Antagonismus zwischen den beiden Klassen der kapitalistischen Gesellschaft, eine herrschende b&#252;rgerliche Klasse, die eine unterdr&#252;ckte Klasse, das Proletariat, ausbeutet, als determinierend berufen. F&#252;r die Wertkritik hat sich der abstrakte Wert total von den Handlungen der Menschen befreit und setzt seine Notwendigkeiten zur Akkumulation auf autonome Art und Weise durch, indem er gebieterisch die gesamte Menschheit seinen Launen unterordnet, trotz der Aktivit&#228;ten der Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In logischer Verbindung mit ihren Positionen hinsichtlich des Antisemitismus hat der bekannteste Theoretiker der Wertkritik Robert Kurz mehrere Texte ver&#246;ffentlicht, in welchen er zugunsten einer zwingenden und somit bedingungslosen Verteidigung des Staats Israel argumentiert. Im gegenw&#228;rtigen Kontext hat eine solche Positionierung zugunsten Israels eine besonders tragische Bedeutung, daher das ohrenbet&#228;ubende Schweigen der Wertkritik zur Situation im Nahen Osten. Ich denke, dass ich in diesem Text eine bedeutende Anzahl an Tatsachen und Argumenten geliefert habe, um zu zeigen, wie abwegig es ist, Robert Kurz und seine Genossen zu diesem Thema zu unterst&#252;tzen. In der Perspektive einer gesellschaftlichen Befreiung vom Joch des Kapitalismus, und somit des Werts, der Arbeit und der Ware, ist es offensichtlich absurd, zu behaupten, die Verteidigung irgendeines Staates k&#246;nne gleichbedeutend mit Emanzipation sein oder uns auch nur dorthin f&#252;hren. Weder des Staates Israel, noch eines pal&#228;stinensischen oder irgendeines Staates. Wie kann man nicht sehen, dass die Politik der beiden Entit&#228;ten, der israelischen und der pal&#228;stinensischen, komplement&#228;r miteinander sind und heute zu den Massakern an den pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen f&#252;hren? Ist es notwendig, hier zu pr&#228;zisieren, dass die dazu symmetrische Position, die Verteidigung der Zerst&#246;rung eines bestimmten Staates zugunsten der Gr&#252;ndung eines anderen, sich als genauso sch&#228;dlich f&#252;r jegliches emanzipatorisches Projekt erweisen wird? Unsere gemeinsame Menschlichkeit kann nicht in Strafkolonien namens Staaten eingesperrt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer kommunistischen Perspektive der Emanzipation geht es darum, die Desertion der Proletarier von ihrer nationalen Bourgeoisie auf der Grundlage von grunds&#228;tzlich einander entgegengesetzten Klassenperspektiven zu beg&#252;nstigen und f&#252;r die Verbr&#252;derung mit unseren Klassenbr&#252;dern &#252;berall sonst zu k&#228;mpfen. Eine solche Perspektive scheint ziemlich offensichtlich im Falle des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, wo die Proletarier auf beiden Seiten der Front das gleiche vitale Interesse haben, dieser nur den Interessen des Kapitals (des Werts) und der Kapitalisten n&#252;tzenden Schlachterei zu entkommen. Wo wir nur Kanonenfutter sind. Auch in Israel/Pal&#228;stina kann und muss diese Perspektive verteidigt werden, auch wenn die Situation dort aufgrund des kolonialen Charakters Israels und seiner geopolitischen Position in der Region, die historisch zentral f&#252;r die Interessen des westlichen Lagers ist, viel komplexer ist. Aufgrund der erdr&#252;ckenden milit&#228;rischen &#220;berlegenheit Tsahals und der von ihr begangenen Massaker an den pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen, der relativen soliden nationalen Koh&#228;sion in Israel, der Fortsetzung oder gar Intensivierung der kolonialen Ansiedlungen im Westjordanland ist es eindeutig in diesem Land, wo f&#252;r die Proletarier prim&#228;r die Aufgabe besteht, den Kampf gegen &#8222;ihre eigene Bourgeoisie&#8220;, &#8222;ihre eigenen Anf&#252;hrer&#8220;, als Bedingung f&#252;r eine Verbr&#252;derung mit den pal&#228;stinensischen Proletariern zu beginnen. Eine &#8222;prim&#228;re&#8220; Aufgabe insofern, als auch genau dort diese Perspektive am weitesten entfernt scheint wegen der Kraft der nationalen Erz&#228;hlung und ihres Einflusses &#252;ber ihre B&#252;rger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die pal&#228;stinensischen Proletarier scheint es nicht minder schwierig, sich gegen ihre Henker aufzulehnen. Denn ihnen steht nicht nur der israelische Staat mit aller Kraft seiner terroristischen Mittel gegen&#252;ber, sondern auch die &#8222;Widerstandsorganisationen&#8220;, allen voran die Hamas und die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde, aber auch zahlreiche Organisationen des &#8222;islamischen Widerstands&#8220;. Doch wenn man ber&#252;cksichtigt, wie sich die Hamas (im Gazastreifen) und die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde (im Westjordanland) auf dem gleichen Terrain der Ausbeutung und Unterwerfung der Bev&#246;lkerungen unter ihrer Zust&#228;ndigkeit austoben wie der Staat Israel, der ihnen die Kontrolle dieser Mission delegiert hat, wird es nicht nur realistisch, sondern wesentlich, die theoretischen und praktischen Ans&#228;tze zu verurteilen, welche Teil der innerb&#252;rgerlichen nationalistischen Polarisierungen sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Punkt kann ich die Lekt&#252;re des Interviews mit Emilio Minassian (...)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und uns nur Kriege um Territorien, Religionen oder V&#246;lker bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;re es unrealistisch, eine Befreiung vom gef&#252;hlten Horror gegen&#252;ber der Politik der Anf&#252;hrer auf beiden Seiten und den sowohl von Tsahal als auch der Hamas begangenen Massaker in Betracht zu ziehen, um unsere Wut gegen die Verantwortlichen dieser gesamten Situation zu richten und die Verbr&#252;derung zwischen j&#252;dischen und pal&#228;stinensischen Proletariern zu verteidigen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Wertkritik stellen solche Betrachtungen nur eine verwerfliche Subjektivierung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dar, sie bevorzugt es ihrerseits, sie als Teil einer &#8222;beherrschten Herrschaft, die nicht ihre eigene Grundlage ist&#8220;, sondern magisch vom kapitalistischen Fetischismus namens Wert beherrscht ist, zu analysieren. Daher kommt der erb&#228;rmliche Untergang der Theorie der Wertkritik auf heiligem Land.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paris, Februar 2024.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21297&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es handelt sich um den nationalen Marsch am Sonntag 12. November 2023 gegen den Antisemitismus, der von der Staatsgewalt orchestriert worden ist und zu dem die Pr&#228;sidentin der Nationalversammlung Ya&#235;l Braun-Pivet sowie der Senatspr&#228;sident G&#233;rard Larcher aufgerufen haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;Authorities have identified a total of 274 soldiers ans 859 non-soldiers killed during the brutal assault. The latter figure includes 57 Israel Police officers and 38 local security officers. It is unclear which of these individuals were on duty when killed. Removing those victims leaves a figure of 764 civilians.&#8221; The Times of Israel, 4. Dezember 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen f&#252;r Pal&#228;stina-Fl&#252;chtlinge, hat schon den Tod von 92 ihrer 13&#8216;000 im Gazastreifen pr&#228;senten Angestellten verk&#252;ndet. &#8222;Wir hatten noch nie so viele get&#246;tete Kollegen&#8220;, betont die Sprecherin der Organisation, Juliette Touma. &#8222;Es ist eine beispiellose Bilanz f&#252;r unser Hilfswerk, aber auch die gesamten Vereinten Nationen.&#8220; Das Verh&#228;ltnis der Toten unter den Angestellten, sagt sie weiter, stimmt mit den Zahlen des Ministeriums f&#252;r die gesamte Bev&#246;lkerung &#252;berein, sie wird auf ungef&#228;hr 2.2 Millionen Bewohner im ganzen Territorium gesch&#228;tzt. &#8222;Das l&#228;sst vermuten, dass die vom Gesundheitsministerium kommunizierten Zahlen relativ pr&#228;zis sind&#8220;, erkl&#228;rt sie. &#8222;Es handelt sich nicht um eine Best&#228;tigung, sondern einen Hinweis.&#8220; &#8222;Guerre Isra&#235;l-Hamas : comment le bilan palestinien sur le nombre de morts dans la bande de Gaza est-il &#233;tabli ?&#8220;, &lt;i&gt;Franceinfo&lt;/i&gt;, 10.11.2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Text ver&#246;ffentlicht in &lt;i&gt;EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft&lt;/i&gt;, Heft 6, 2009, Robert Kurz, &lt;a href=&#034;https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&amp;index=13&amp;posnr=209&amp;backtext1=text1.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Die Kinderm&#246;rder von Gaza. Eine Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; f&#252;r die empfindsamen Herzen&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Cl&#233;ment Homs, &lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/2017/05/capitalisme-classes-et-antisemitisme-moderne-par-clement-homs.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220;&lt;/a&gt;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roswitha Scholz, &lt;a href=&#034;https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&amp;index=0&amp;posnr=727&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Editorial, offener Brief und Spendenaufruf&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft&lt;/i&gt;, Nr. 17, April 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Um hier vollst&#228;ndig klar zu sein, der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao verbreitete eine Nachricht des Kollektivs Golem, deren Mitgr&#252;nder (und auch Mitglied des RAAR) Jonas Pardo erkl&#228;rte: &#8222;Ja, ich werde am Sonntag gegen den Antisemitismus auf die Strasse gehen. Ich bin gegenw&#228;rtig unzufrieden mit den Bedingungen, unter welchen dieser Marsch geplant ist. Einerseits wegen der Art des Aufrufs von Ya&#235;l Braun-Pivet und G&#233;rard Larcher. Und nat&#252;rlich wegen der Pr&#228;senz des Rassemblement national. Gem&#228;ss dem Aufruf marschieren wir n&#228;mlich, um die Werte der Republik zu verteidigen. F&#252;r mich ist das ein Narrativ, das die Bedeutung des Kampfes gegen den Antisemitismus aush&#246;hlt. Zuerst einmal sind die Werte der Republik gem&#228;ss Renaissance nicht meine Werte, das ist eine Gewissheit. Seit der Abschaffung der Krankenversicherung f&#252;r Migranten (AME) und der allgemeinen Versch&#228;rfung der Aufnahmebedingungen f&#252;r jene, welche es brauchen, das sind nicht meine Werte. Die Rentenreform, die Prekarisierung der Prek&#228;rsten, das sind nicht meine Werte. Ich denke also, dass diese &#8218;Werte der Republik&#8216; ein nicht genau definierter Inhalt sind, wo man in Wirklichkeit reintun kann, was man will. Was &#252;brigens der Grund ist, dass die &#228;ussere Rechte, Reconqu&#234;te und Rassemblement national, an diese Demonstration gehen kann. Und die Frage ist, was der Kampf gegen den Antisemitismus in diesem Moment f&#252;r mich bedeutet. Warum gehe ich hin? Und es sind zwei Dinge, sehr konkrete Dinge, der Kampf gegen Antisemitismus bedeutet die Verteidigung von lebenden Personen, Leute, die man J&#252;dinnen und Juden nennt. Das ist vor allem anderen der Kampf gegen Antisemitismus. Und dann ist es der Kampf gegen eine Weltanschauung. Eine Weltanschauung, die alles Ungl&#252;ck der Welt nicht auf ein System zur&#252;ckf&#252;hrt, das toxisch und gest&#246;rt ist oder f&#252;r das man eine Alternative vorschlagen sollte. Sondern auf Individuen. Es ist die Personalisierung der Herrschaft. Und diese verschw&#246;rungstheoretische Weltanschauung ist jene der &#228;usseren Rechten. Unterdessen benutzt Marine Le Pen mit ihrer Strategie der Entdiabolisierung nicht mehr die Worte ihres Vaters Jean-Marie Le Pen; sie spricht nicht mehr vom Weltjudentum. Sie sagt nicht mehr die Juden, sondern internationale Finanz, Kosmopolitismus, Globalismus, intellektuelle Eliten, alles Codew&#246;rter, welche die gleiche Weltanschauung vermitteln. Ich werde also Sonntag gegen den Antisemitismus und gegen die &#228;ussere Rechte auf die Strasse gehen, letztere war immer rassistisch und antisemitisch, ist es immer noch und wird es immer sein. Ich hoffe, dass die Linken zusammenstehen werden, um sie zu st&#246;ren und zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen, oder gar sie aus der Kundgebung zu vertreiben.&#8220; Auszug (1min39 bis 4min40), transkribiert von mir, aus einer Sendung #Lamidinale mit dem Interview des Gasts Jonas Pardo und dem Titel &lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=X8lRSCfIceA&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il y a un d&#233;ni de l'antis&#233;mitisme &#224; gauche&#8220;&lt;/a&gt;, Regards.fr, 11.11.2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font toujours beaucoup de bruit, 2&#232;me partie. &#192; propos de certaines incompr&#233;hensions au sujet du &#8218;Marx exot&#233;rique&#8216; et du &#8218;Marx &#233;sot&#233;rique&#8216;&#8220;. Ver&#246;ffentlicht von Palim-Psao am 05.01.2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font toujours beaucoup de bruit, 1&#232;re partie. &#192; propos de certaines incompr&#233;hensions au sujet du &#8218;Marx exot&#233;rique&#8216; et du &#8218;Marx &#233;sot&#233;rique&#8216;&#8220;. Ver&#246;ffentlicht von Palim-Psao am 03.05.2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein bisschen vorher in diesem gleichen Interview behauptet Cl&#233;ment Homs, dass die alterkapitalistische Linke &#8222;weiterhin den kollektiven Lynchmord der Beamten des Kapitals verteidigen oder behaupten&#8220; muss, &#8222;dass man von den Reichen nehmen muss, um es den Armen zu geben, um besser die Zerst&#246;rung der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse durch die Einf&#252;hrung einer radikal neuen gesellschaftlichen Lebensform zu verhindern &#8211; [was] nicht ohne Abrechnungen und einen Widerstand mit Waffengewalt gegen die &#8218;profitierende Klasse&#8216; (unser alter Feind, die Bourgeoisie) wie auch die Segmente anderer Klassen (auch proletarischer), die sich mit der Kraft der letzten Hoffnung an der durch die kapitalistische Gesellschaftsform auf ihre Gesichter geritzte &#8218;Charaktermaske&#8216; (Marx) der modernen Subjektform festhalten werden, geschehen kann.&#8220; Merken wir hier an, dass der Autor, indem er von der &#8222;profitierenden Klasse&#8220; statt der b&#252;rgerlichen Klasse spricht, seinem eigenen Kampf gegen den Antisemitismus nicht wirklich behilflich ist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Und hier denken wir nat&#252;rlich an die weltweite Herrschaft dieser K&#246;nigin aller Waren namens Geld.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/article-article-modernisation-de-rattrapage-capitalisme-d-etat-socialisme-reellement-existant-u-r-s-s-107919219.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Modernisation de rattrapage. Capitalisme d'Etat, &#8218;socialisme r&#233;ellement existant&#8216;, U.R.S.S., d&#233;veloppement&#8220;&lt;/a&gt;, ver&#246;ffentlicht auf Palim-Psao am 8. Juli 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Verweis auf das Buch von Samir Amin, &lt;i&gt;Die ungleiche Entwicklung. Essay &#252;ber die Gesellschaftsformationen des peripheren Kapitalismus&lt;/i&gt;, Hoffmann und Campe, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich m&#246;chte ich das aufschlussreiche und st&#246;rende Buch von Joseph Tonda erw&#228;hnen: &lt;i&gt;Afrodystopie. La Vie dans le r&#234;ve d'Autrui&lt;/i&gt;, Karthala, 2021. Auf der Homepage Palim-Psao findet man &#252;berhaupt keine Rezension dieses Buches, obwohl es etwa zehnmal auf die Werke von Anselm Jappe (&lt;i&gt;Die Abenteuer der Ware&lt;/i&gt;) und Robert Kurz (&lt;i&gt;Die Substanz des Kapitals&lt;/i&gt;) verweist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Robert Kurz, Ernst Lohoff, &#8222;Der Klassenkampf-Fetisch. Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus&#8220; in &lt;i&gt;Marxistische Kritik&lt;/i&gt;, Nr. 7, 1989.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann hier an diese Episode, ein Beispiel unter hunderttausend anderen, zur&#252;ckdenken, als eine franz&#246;sische Aussenministerin ungeschickt genug war, um in der Nationalversammlung &#246;ffentlich zu verk&#252;nden, dass Frankreich dem tunesischen Regime (und bei gleicher Gelegenheit Algerien) seine Zusammenarbeit (die jedoch bereits auf permanente und institutionelle Art und Weise existiert) und sein &#8222;weltweit anerkanntes Know-how&#8220; hinsichtlich der Repression gegen heftige Demonstrationen, die das Land ersch&#252;tterten und damals (Ende 2010) das Regime Ben Alis und seines Klans in Gefahr brachte, angeboten hatte. &#8222;Wir sind bereit, die Ausbildung der tunesischen Ordnungskr&#228;fte zu unterst&#252;tzen, wie wir das auch f&#252;r andere L&#228;nder tun&#8220;, hatte damals Mich&#232;le Alliot-Marie erkl&#228;rt. Ist es wirklich notwendig, hier an die transnationale Operation Condor Mitte der 1970er Jahre auf dem amerikanischen Kontinent, die zur terroristischen Repression gegen die Gesamtheit der K&#228;mpfe und Proteste des S&#252;dkegels unter der &#196;gide der USA f&#252;hrte, zu erinnern!? Es war die Epoche, w&#228;hrend welcher das franz&#246;sische Know-how im Bereich der Folter und des Verschwindenlassens als Kriegstechniken der Aufstandsbek&#228;mpfung in den wichtigsten Milit&#228;rakademien Amerikas studiert wurde.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich finde den Verweis auf der Homepage Palim-Psao auf den Text, in welchem der Autor von dieser &#8222;rassistischen portugiesischen Abwartin&#8220; (hallo Klischee) spricht und sie &#8211; kaum als Metapher &#8211; im gleichen Atemzug mit dem Gesch&#228;ftsf&#252;hrer einer multinationalen Firma erw&#228;hnt, um zu illustrieren, wie die beiden &#8222;sich mit der Kraft der letzten Hoffnung&#8220; an ihrer gesellschaftlichen Bedingung unter dem Kapitalismus &#8222;festhalten werden&#8220;, nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man urteile aufgrund dieser Zitate aus einem kurzen Text von Beno&#238;t Bohy-Bunel, ver&#246;ffentlicht auf Palim-Psao: &lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/2017/04/contre-la-betise-savante-de-temps-critiques-les-freres-jacques-etc.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Contre la b&#234;tise savante de &lt;i&gt;Temps critiques&lt;/i&gt; (&#192; propos des fr&#232;res Jacques, etc.)&#8220;&lt;/a&gt;: &#8222;Die Wertkritik wendet sich auch gegen jegliche pseudokritische Theoretiker, die heutzutage auf bin&#228;re und grob vereinfachende Art und Weise die Kritik der logischen Kategorien (Wert, abstrakte Arbeit, Geld, Ware) und die Kritik der empirischen, von diesen Kategorien angenommenen Formen (L&#246;hne, Ausbeutung, Preise, Ungleichheiten) einander entgegensetzen, da sie davon ausgehen, dass die Thematisierung ersterer das Nachdenken &#252;ber letztere verhindert, und somit, dass ein zerst&#252;ckelter und konfuser, dumm beschreibender oder entgeistert &#8218;pragmatischer&#8216; Standpunkt der einzig angemessene sei (man denke an den d&#252;rftigen Artikel, in welchem die Autoren schamlos ihre Borniertheit zur Schau stellen: &#8218;Les impasses de La Grande D&#233;valorisation&#8216;, November 2016, von Jacques Guigou und Jacques Wajnsztejn) [&#8230;] Empirische und logische Kritik sind einander jedoch nicht entgegengesetzt, sie komplettieren sich; die Formel G-W-G' zeigt sehr gut und auf synthetische Art und Weise, dass man nicht einen dieser beiden Aspekte isolieren kann. Jene hingegen (wie Guigou und Wajnsztejn), welche dem kontingenten Empirischen den Vorrang geben wollen, verzichten auf eine einheitliche und totalisierende Kritik und sind epistemologisch albern (um eine Hegelsche Idee aufzugreifen, sie unterbreiten eine Gesamtheit zerstreuter Ideen, eine reine Extension, der es an der Kraft zu ihrer Vereinigung mangelt). Ihre Art und Weise, &#8218;Lektionen zu erteilen&#8216;, erinnert an die Torheit des Toren, der seinem Gespr&#228;chspartner vorwirft, er sei selbst dumm, unter dem Vorwand, dass er seine begrenzten und partiellen Ansichten nicht teile [&#8230;] Es ist schwierig, mit einer solch &#8218;gelehrten&#8216; Dummheit zu kommunizieren (die &#252;brigens umso d&#252;mmer ist, weil sie sich f&#252;r gelehrt h&#228;lt). Man wird beil&#228;ufig bemerken, dass diese Theoretiker &#8218;kritischer Zeiten&#8216; scheinbar schon fast die wirre Ideologie eines &#8218;kognitiv&#8216; gewordenen Kapitalismus f&#252;r &#8218;g&#252;ltig erkl&#228;ren&#8216; (wenn sie sich nur klar ausdr&#252;cken k&#246;nnten) und somit mehr die &#8218;technische&#8216; Zusammensetzung des Kapitals und nicht seine organische Zusammensetzung betonen [&#8230;] Denn die Frage der transzendentalen Empirizit&#228;t des &#8218;esoterischen&#8216; Marx entgeht ihnen vollst&#228;ndig und sie glauben, mit Selbstgef&#228;lligkeit f&#252;r sie viel zu komplizierte Probleme regeln zu k&#246;nnen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man findet auf Palim-Psao die Spur einer Teilnahme der Wertkritik an einer &#8222;Mobilisierung der treibenden Kr&#228;fte zur Ko-Organisation der &#8218;Rencontres Raisons Sensibles&#8216;&#8220;, die in Toulouse vom 1. bis 12. Juni 2022 stattfanden. Diese Initiative hatte zum Ziel, &#8222;rund um vollendete oder unvollendete Werke, k&#252;nstlerische Laboratorien, theoretische und aktivistische Treffen, zwischen professionellen und studentischen Vorschl&#228;gen, rund um die plastische Kunst, das Theater, den Tanz, die Performance, die Klangkunst, die Poesie, den Film&#8220;, die Begegnung von &#8222;menschlichen Erdbewohnern, die Theater, Zeichnungen, Gravuren machen, Texte schreiben, Verlage haben, Klang erschaffen, Filme drehen, theoretisieren, k&#228;mpfen, studieren, depressiv sind, graue Haare, Geschw&#252;re haben [&#8230;]&#8220; zu erm&#246;glichen. Auszug aus dem Pr&#228;sentationstext der Rencontres Raisons Sensibles auf der Crowdfunding-Online-Plattform Helloasso.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man stellt sich die Frage, wie die Autoren solcher Anschuldigungen sich anzustellen gedenken, um eine derartige Obsession f&#252;r den Populismus zu widerlegen oder &#252;berwinden, da f&#252;r die Wertkritik die Feststellung, &#8222;dass es auch Verantwortlichkeiten von gewissen Individuen und Gruppen gibt&#8220;, automatisch zu Antisemitismus f&#252;hrt!? Wie werden sie es anstellen, da sie &#8222;nach Schuldigen&#8220; suchen, um nicht einem &#8222;[sich breit machenden] (Vulg&#228;r-)Marxismus der Personalisierungen&#8220; zu verfallen, f&#252;r welchen &#8222;die Kapitalisten, Spekulanten und Investoren das Feindbild sind, was freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet&#8220;, wie es Roswitha Scholz f&#252;r die Redaktion von &lt;i&gt;Exit!&lt;/i&gt; formuliert hat?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gesetz Nr. 90-615 (genannt Gayssot-Gesetz) vom 13. Juli 1990, das die Anfechtung &#8222;der Existenz eines oder mehrerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit&#8220; und die Negation oder Verharmlosung der von den Nazis begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Straftat qualifiziert. Sie wird mit einem Jahr Gef&#228;ngnis oder einer Busse von 45&#8216;000 &#8364; bestraft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir erinnern uns an diesen ehemaligen franz&#246;sischen Premierminister, selbstverst&#228;ndlich g&#228;nzlich unbescholten, der im Senat bez&#252;glich des terroristischen Angriffs im Hyper Cacher (Januar 2015) erkl&#228;rt hatte, dass er &#8222;jene&#8220; satthabe, &#8222;welche permanent Entschuldigungen oder kulturelle oder soziologische Erkl&#228;rungen suchen [&#8230;], denn erkl&#228;ren bedeutet schon ein bisschen, dass man es entschuldigen will&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;CRIF: Repr&#228;sentativer Rat der j&#252;dischen Institutionen in Frankreich; UEJF: Union der j&#252;dischen Studenten Frankreichs; B'nai B'rith Frankreich: die wichtigste weltweite j&#252;dische Organisation, gegr&#252;ndet 1843 in New York und mehrere Logen wurden ab 1932 in Frankreich gegr&#252;ndet; Vereinigung Frankreich-Israel: Freundschaftsgruppen Frankreich-Israel der Nationalversammlung und des Senats.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aber in Israel seien diese Foltermethoden nicht wirklich Folter, es seien nur &#8222;gem&#228;ssigte k&#246;rperliche Druckmittel&#8220; gem&#228;ss der Landau-Doktrin, die &#8222;Befragungsmethoden&#8220; wie die Beibehaltung des Gefangenen in schmerzhafter Position, die Aufsetzung einer Gesichtsmaske, laute Musik w&#228;hrend einem l&#228;ngeren Zeitraum, Schlafentzug w&#228;hrend einem l&#228;ngeren Zeitraum, Drohungen, besonders Todesdrohungen, heftiges Sch&#252;tteln und L&#228;hmung durch kalte Luft empfiehlt &#8211; Praktiken, von denen Israel nicht bestreitet, dass sie regelm&#228;ssig eingesetzt werden. Man will kaum mehr wissen zu jenen Foltermethoden, deren Einsatz Israel bestreitet&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist gewiss nicht zwecklos, hier anzumerken, dass die gleichen &#8222;psychologischen&#8220; Mechanismen (Verteidigung seiner eigenen Identit&#228;t und Ablehnung der &#8222;Bedrohungen&#8220;, die diese infrage stellen k&#246;nnten) eine zentrale Rolle in der sektiererischen Abschottung spielen, h&#228;ufig in Organisationen oder Gruppen von Aktivisten beobachtet, umso mehr in Zeiten des sozialen Friedens, wenn die Isolierung und Atomisierung weitgehend dominieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Formulierung &#8222;sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&#8220; f&#252;hrt in die Irre, denn sie kann so verstanden werden, dass es eine spezifische Aktivit&#228;t (&#8222;k&#228;mpfen&#8220;) neben anderen Aktivit&#228;ten betrifft, eine Aktivit&#228;t, die sich nur bemerkbar mache, wenn sie sichtbar und offen ist (&#8222;der Kampf&#8220;). Doch sie muss vor allem als allt&#228;gliche Aufgabe verstanden werden, denn alle Aktivit&#228;ten unserer Leben als Proletarier (von unserer Geburt bis zu unserem Tod) &#8211; sogar wenn wir die uns langsam t&#246;tende verschmutzte Luft atmen &#8211; stellen einen Kampf dar, um schlichtweg zu leben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Jahr 1897 versammelt sich der erste Zionistenkongress in Basel, pr&#228;sidiert von Theodor Herzl. Nathan Birnbaum kann als erster zionistischer Intellektueller betrachtet werden (er sei ab 1886 der Erfinder des Konzepts &#8222;Zionismus&#8220; gewesen). Gem&#228;ss seinen Theorien k&#246;nne nur die Biologie, und nicht die Sprache oder die Kultur, die Herausbildung von Nationen erkl&#228;ren; ohne sie k&#246;nnte man den Ursprung einer j&#252;dischen Nation, deren Mitglieder verschiedenen volkst&#252;mlichen Kulturen angeh&#246;ren und unterschiedliche Sprachen sprechen, nicht verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Telegramm war &#8222;alles andere als eine Ungeschicklichkeit oder ein isolierter Akt, es war das Resultat einer bewussten Entscheidung Herzls, die darin bestand, um die Unterst&#252;tzung des Sultans zu werben, ohne ihm das Massaker an den Armeniern &#252;belzunehmen. Es folgt auf die Audienz, die Herzl vom Sultan etwas vorher, am 18. Mai 1901 in Istanbul, erhalten hatte, w&#228;hrend dieser war er von ihm mit dem Mecidiye-Orden ausgezeichnet worden und hatte er ihm auf ostentative Art und Weise die Ehre erwiesen. Auf sie folgten bis zum Kongress sechs Briefe Herzls an den Sultan, in welchen er ihm seine Dienste anbot, besonders jenen, in Europa den Schriften eines Oppositionellen im Pariser Exil, der in der europ&#228;ischen Presse die Autokratie des osmanischen Regimes kritisierte und freie Wahlen und eine Verfassung verlangte, entgegenzuwirken. Herzl hatte sich zu seiner Unterst&#252;tzung des Sultans w&#228;hrend seiner Er&#246;ffnungsrede am f&#252;nften Zionistenkongress bekannt [&#8230;] &#8218;Man hat mir gesagt, dass es in Paris einen Schriftsteller gebe, den Herrn Ahmed Riza, der durch seine Angriffe auf die Reichsregierung bekannt worden ist. Man sagte mir, dass man diese Angriffe durchkreuzen k&#246;nne [&#8230;] falls Eure Imperiale Majest&#228;t es f&#252;r n&#252;tzlich erachtet, werde ich mich darum k&#252;mmern, und selbstverst&#228;ndlich w&#252;rde ich f&#252;r die Beendigung dieser Angriffe keine Belohnung akzeptieren, ausser ein Wort der Zufriedenheit Eurer Imperialen Majest&#228;t, das f&#252;r mich die h&#246;chste aller Belohnungen ist.&#8216; (Brief von Theodor Herzl an den Sultan vom 17. Juni 1901, &lt;i&gt;Zionistisches Tagebuch 1899-1904&lt;/i&gt;, Bd. 3, S. 303.) Ahmed Riza Bey (1859-1930) war ein Liberaler in Opposition zum Sultan, er hatte in Paris die zweisprachige, franz&#246;sische und t&#252;rkische Zeitung &lt;i&gt;Mesveret-Consultation&lt;/i&gt; gegr&#252;ndet. Er kehrt 1908 in die T&#252;rkei zur&#252;ck und wird 1918 zum Senatspr&#228;sident gew&#228;hlt.&#8220; Gilles Manceron, &#8222;Introduction. L'universalisme en question : l'Affaire comme r&#233;f&#233;rence et comme mod&#232;le&#8220; in &lt;i&gt;&#202;tre dreyfusard. Hier et aujourd'hui&lt;/i&gt;, Presses universitaires de Rennes, 2009, S. 419-488.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ich habe Plehwe getroffen. Ich habe sein Wort, dass er in sp&#228;testens 15 Jahren eine Charta f&#252;r uns f&#252;r Pal&#228;stina erstellen wird. Aber es gibt daf&#252;r eine Bedingung: Dass die j&#252;dischen Revolution&#228;re ihren Kampf gegen die russische Regierung beenden.&#8220; Zitiert in Samuel Portnoy, Vladimir Medem: The Life and Soul of a Legendary Jewish Socialist, KTAV Publishing House, 1979.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zitiert in Nur Masalha, &lt;i&gt;Expulsion of the Palestinians. The Concept of '&lt;/i&gt;&lt;i&gt;T&lt;/i&gt;&lt;i&gt;ransfer' in Zionist Political Thought. 1882-1948&lt;/i&gt;, Institute for Palestine Studies, 1992.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Argument greift Kurz in seinem Artikel auf. Auch f&#252;r ihn hat die Gr&#252;ndung des Staates Israels ihre Kraft und ihre Bedeutung aus der Shoa erlangt. Israel sei dieses f&#252;r vom weltweiten Antisemitismus verfolgte Juden immer offenstehende Refugium.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Shlomo Sand, &#8222;Post-sionisme : un bilan provisoire. &#192; propos des historiens &#8218;agr&#233;&#233;s&#8216; et &#8218;non agr&#233;&#233;s&#8216; en Isra&#235;l&#8220; in &lt;a href=&#034;https://www.cairn.info/revue-annales-2004-1-page-143.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Annales. Histoire, Sciences sociales&lt;/i&gt;, Nr. 1, 2004&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Passagen musste ich wieder und wieder lesen, um sicher zu sein, dass das dort geschrieben stand!&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Doch diese von den Experten der OECD erstellten Statistiken (Zahlen von 2020) ignorieren das Elend und die Armut, die das Los der im Gazastreifen und im Westjordanland lebenden Bev&#246;lkerungen sind, deren z&#252;gellose Ausbeutung substanziell zum Wohlstand des Landes beitr&#228;gt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Falascha- oder Etiopim-Juden: urspr&#252;nglich aus &#196;thiopien stammende Juden. Die Falascha Mura haben die gleiche Abstammung wie die Etiopim, doch sie hatten zu einem gewissen Zeitpunkt ihrer Geschichte (19. Jahrhundert) zum Christentum konvertiert, bevor sie sich wieder auf ihre Zugeh&#246;rigkeit zum Judentum beriefen. Mizrachim-Juden: Bezeichnet eine bunt zusammengew&#252;rfelte Menge j&#252;discher Gemeinschaften aus dem Nahen Osten, dem Kaukasus und dem Rest Asiens. Die &#8222;Schwarzen Panther Israels&#8220; entstanden innerhalb dieser Bev&#246;lkerung ab 1971.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auszug aus dem Artikel in &lt;i&gt;Haaretz&lt;/i&gt; vom 20. Oktober 2023 &lt;a href=&#034;https://www.haaretz.com/israel-news/2023-10-20/ty-article-opinion/.premium/a-brief-history-of-the-netanyahu-hamas-alliance/0000018b-47d9-d242-abef-57ff1be90000&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Brief History of the Netanyahu-Hamas Alliance&#8220;&lt;/a&gt;: &#8222;In Wirklichkeit war das Regime der Hamas seit der Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; Ende 2008-Anfang 2009 in der Olmert-&#196;ra mit keiner wahrhaften milit&#228;rischen Bedrohung konfrontiert. Im Gegenteil: Die Gruppe wurde vom israelischen Premierminister unterst&#252;tzt und mit seiner Hilfe finanziert. Als Netanyahu im April 2019, wie er es nach jeder Serie von K&#228;mpfen tat, erkl&#228;rte, dass &#8218;wir die Abschreckung mit der Hamals wiederhergestellt haben&#8216; und dass &#8218;wir die wichtigsten Versorgungsrouten blockiert haben&#8216;, log er wie gedruckt. Seit mehr als einem Jahrzehnt hat Netanyahu in mehrerer Hinsicht die zunehmende milit&#228;rische und politische Macht der Hamas tatkr&#228;ftig unterst&#252;tzt. Es war Netanyahu, der die Hamas von einer terroristischen Organisation mit geringen Mitteln in einen halbstaatlichen Organismus verwandelt hat.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Simha Flapan, &lt;i&gt;Birth of Israel. Myths and Realities&lt;/i&gt;, Routledge, 1988. Auf der Grundlage der freigegebenen Archive zum Krieg 1948 gelingt es Flapan, die offizielle Version des zionistischen Mythos zu widerlegen und somit die Erlebnisse der pal&#228;stinensischen Bewohner, die von ihrem Land durch die Massaker und Beraubungen der zionistischen Siedler verjagt wurden, zu best&#228;tigen. Mit seinen Werken ebnete er den Weg f&#252;r die gegen&#252;ber der offiziellen Geschichtsschreibung kritisch eingestellten Historiker, die als &#8222;neue Historiker&#8220; bezeichnet worden sind, im Folgenden einige Namen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Avi Shlaim, &lt;i&gt;Collusion across the Jordan. King Abdullah, the Zionist Movement and the Partition of Palestine&lt;/i&gt;, Oxford University Press, 1988;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ilan Pappe, &lt;i&gt;Britain and the Arab-Israeli Conflict. 1948-1951&lt;/i&gt;, London, McMillan/St. Anthony's, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Benny Morris, &lt;i&gt;The Birth of the Palestinian Refugee Problem. 1947-1949&lt;/i&gt;, Cambridge University Press, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Punkt kann ich die Lekt&#252;re des Interviews mit Emilio Minassian vom 30. Oktober w&#228;rmstens empfehlen, es wurde auf dem Blog &lt;i&gt;Le Serpent de Mer&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht und liefert eine pointierte Analyse der Situation im Gazastreifen: &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina&#034;&gt;Eine extreme Militarisierung des Klassenkrieges in Israel-Pal&#228;stina&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/wertkritikantisemitismus.pdf" length="233229" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Die Ladenschl&#252;ssel [zu den vorgezogenen Parlamentswahlen in Frankreich]</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Die-Ladenschlussel-zu-den-vorgezogenen-Parlamentswahlen-in-Frankreich</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Die-Ladenschlussel-zu-den-vorgezogenen-Parlamentswahlen-in-Frankreich</guid>
		<dc:date>2024-07-14T10:51:02Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Stimmen aus den K&#228;mpfen</dc:subject>
		<dc:subject>Gender</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>Gelbwesten</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text hier, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Hauptfeind? &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Stimmen-aus-den-Kampfen" rel="tag"&gt;Stimmen aus den K&#228;mpfen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Gender" rel="tag"&gt;Gender&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/souverain-scaled.webp?1720900802' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text &lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Hauptfeind?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der Arbeiterklassen &#252;berall in der westlichen Welt und ihren Nationalismus &#252;berall auf der Welt kann nicht im Namen einer Verblendung oder eines &#8222;Irrtums&#8220; gef&#252;hrt werden. Wenn der RN zum Hauptfeind geworden ist, dann nur getragen durch &#8222;gew&#246;hnliche&#8220; Politiken und Massnahmen der Rechten oder Linken, welche die Ausbeutung verst&#228;rkt, die Lage der Arbeitslosen und Rentner angegriffen, die &#8222;Ausl&#228;nder&#8220; egal welcher Nationalit&#228;t &#8222;gek&#228;rchert&#8220; haben. Diese Politiken haben aus dem RN jene Partei gemacht, welche in der Lage ist, eine sowohl ertr&#228;umte als auch nationale &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220; zu repr&#228;sentieren. Und so ist der RN zum politischen Ausdruck dieser &#8222;W&#252;rde&#8220; geworden, indem er eine effiziente nationale Identit&#228;t propagiert, gen&#228;hrt vom &#8222;Gef&#252;hl des Niedergangs&#8220;, dem Rassismus und der Staatsb&#252;rgerschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Linke?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die linken politischen Kr&#228;fte waren mehrheitlich nicht die Aufnahmebeh&#228;lter f&#252;r diese &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220;, die &#8222;Deklassierung&#8220;, die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; und den mit F&#252;ssen getretenen &#8222;Wert der Arbeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um Zugang zur Macht zur erhalten, haben sich diese Kr&#228;fte auf die Mittelklassen mit starkem intellektuellem (universit&#228;rem) Kapital gest&#252;tzt, so sind sie zu den zentralen Ideologen und Akteuren der Globalisierung der Wirtschaft in den 1990er-2000er Jahren geworden. Delors war Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen Kommission, Lamy der WTO, Strauss-Kahn des IWF. Diese Kr&#228;fte waren die Agenten aller mit der weltweiten Ausbeutung der Arbeitskraft verbundenen Ungerechtigkeiten, in bester Eintracht mit den gew&#246;hnlichen rechten Parteien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berall verst&#228;rkt sich der Protektionismus, auch milit&#228;risch, die neuen Formen der Globalisierung werden allem Anschein nach handfest und holprig sein. Wenn in der gegenw&#228;rtigen Krise der Globalisierung die Nation und die Staatsb&#252;rgerschaft als &#8222;Festung&#8220; und als &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Rahmen f&#252;r die K&#228;mpfe und die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; erscheinen, so sind die Rechte und die extreme Rechte insofern viel glaubw&#252;rdiger, als sie das nationale Thema erstarren lassen, indem sie es kulturell ethnisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Ladenschl&#252;ssel &#252;berlassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den &#8222;Patrioten&#8220; und den &#8222;Globalisten&#8220; (um die Begriffe des RN zu &#252;bernehmen) sind die &#8222;Globalisten&#8220; unter gewissen Bedingungen bereit, die Ladenschl&#252;ssel den &#8222;Patrioten&#8220; zu &#252;berlassen, insoweit als sie die Krise der Globalisierung verwalten werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie all ihre Themen aufgenommen haben, spielen die herrschenden Klassen mit ihren verschiedensten Fraktionen &#8211; die solide verankerte Grossbourgeoisie, die neuen milliardenschweren F&#252;hrer der Tech-Industrie, das Finanzkapital, die Multinationalen der Industrie &#8211; die Karte der extremen Rechten als Instrument einer nationalistischen Politik gegen&#252;ber der Krise der Globalisierung, indem ihr &#8222;Programm&#8220; abgemildert und angepasst wird (siehe Italien, Schweden, Niederlande u.a.). Aber vor allem ist die extreme Rechte der Ausdruck des verwirklichten Monopols auf &#8222;die Volksopposition&#8220;, indem sie &#8222;das Volk&#8220; im Namen der Nation in der Restrukturierung der Globalisierung bindet und mobilisiert. Wenn die Verheerungen dieser Restrukturierung sich zeigen werden, wird sie mutmasslich am besten dazu in der Lage sein, die K&#228;mpfe zu kontrollieren und sie in die schlimmsten Richtungen zu lenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nationalstaat betritt wieder die B&#252;hne, sowohl f&#252;r die herrschende Klasse als auch f&#252;r die ausgebeuteten Klassen, die in diesem nationalisierten Kontext in die Politik der herrschenden Klassen selbst verwickelt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hegemonie und Monopol auf K&#228;mpfe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen ist die repr&#228;sentative Demokratie zusammengebrochen. Die &#8222;Proteststimmen&#8220; des Beginns der 2000er Jahre sind nicht verschwunden, doch sie sind in den 2010er und 2020er Jahren zu einer Zustimmung geworden. Das zeigt sich in Form der &#8222;nationalen Werte&#8220; und der Republik, an welchen sich alle berauschen, indem sie sie alle mit leicht unterschiedlichen Inhalten f&#252;llen, die herrschende Klasse hat eine Art Monopol auf die Klassenwiderspr&#252;che im Zusammenhang mit allen Massnahmen, die sie gegen&#252;ber den beherrschten Klassen (in erster Linie die aktive oder arbeitslose Arbeiterklasse) ergreift, und den damit verbundenen Reformen, indem sie auf der Welle der rassialisierten Arbeitsteilung reitet. Mit der Nation besteht die Hegemonie der herrschenden Klasse darin, den beherrschten Klassen die Begriffe selbst ihrer Opposition aufzuzwingen. Dieser mittlerweile unausweichliche Rahmen, der die nationale Identit&#228;t darstellt, bearbeitet vom Klassenkampf, geht jedoch unterschiedslos von der &#8222;nationalen Souver&#228;nit&#228;t&#8220; zur &#8222;Volkssouver&#228;nit&#228;t&#8220; &#252;ber. Erinnern wir uns an die Gelbwesten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Monopol auf den von ihr ausgel&#246;sten Widerspruch f&#252;r die herrschende Klasse untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; nicht &#8222;eins&#8220; ist. Der materielle Rahmen dieser &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220; ist nicht die Politik, sondern das allt&#228;gliche Leben. In ihrer &#8222;Einzigkeit&#8220; wird die Souver&#228;nit&#228;t vom Preis der Joghurts, der Polizeigewalt, dem mit den Ausbeutungsbedingungen gleichbedeutenden Chaos der Spaltungen aufgerieben. Und in seinem allt&#228;glichen Leben, wenn seine Kaufkraft zusammenbricht, hat das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; Zweifel bez&#252;glich seiner &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220;. Was das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; ebenfalls untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass sich an seinen R&#228;ndern, aber sehr nahe, konstant die rassialisierten und &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen befinden, sie sind die konstante und lebendige Proklamation der &#8222;Unwirklichkeit&#8220; seiner Existenz als &#8222;souver&#228;nes Volk&#8220; und erinnern es daran.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; des Nationalismus der extremen Rechten hat noch ein anderes Problem: Die Heftigkeit seines Antifeminismus und seiner Homophobie schreckt auch vor einem Verbot des Rechts auf Abtreibung nicht zur&#252;ck. Nat&#252;rlich schl&#228;gt der RN leisere T&#246;ne an, aber das gilt nicht f&#252;r die Fratelli d'Italia oder die Liga in Italien, auch nicht f&#252;r die Vox in Spanien oder die AfD in Deutschland. Der Nationalismus mag die Frauen an ihrem Platz und somit den Feminismus nicht. Der Nationalismus muss eine homogene nationale Identit&#228;t hervorbringen, die schwierig in diesen Mechanismus integrierbaren Ausl&#228;nder oder Frauen m&#252;ssen entweder zur&#252;ckgewiesen oder unsichtbar gemacht werden. Es waren die Mobilisierungen der Frauen, die weitgehend dazu beigetragen haben, die Mehrheitsverh&#228;ltnisse in Polen umzudrehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur gegen den Islam beruft sich der Nationalismus auf die Freiheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der RN, eine Falle?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Besonderheiten der Politik der extremen Rechten, ihr Rassismus, die physische und materielle Gefahr f&#252;r all jene, welche nicht die richtige Hautfarbe haben, bek&#228;mpft werden m&#252;ssen, dann muss dabei die Tatsache betont werden, dass sie der Ausdruck der Gesamtheit der herrschenden (wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ideologischen, administrativen und politischen) Klasse sind. Einfach gegen den RN zu sein, bedeutet, in die &#8222;Falle&#8220; des Monopols und der Hegemonie zu geraten. Genau in diesem Monopol k&#246;nnen jedoch schnell die Widerspr&#252;che auftauchen: die im Volk verbreitete Entt&#228;uschung gegen&#252;ber dem von der herrschenden Klasse zur Schau getragenen und praktizierten Nationalismus, der letztendlich zwingend f&#252;r das &#8222;Volk&#8220; eine Dimension der sozialen Katastrophe annehmen wird; das unm&#246;gliche Ausblenden jener, welche als rassisch &#8222;anders&#8220; designiert werden, und die An-/Abwesenheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220;, das von diesen grundlegenden Widerspr&#252;chen durchdrungen ist, kann explodieren und viele &#220;berraschungen bereithalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr dazu: siehe die Homepage &lt;a href=&#034;https://dndf.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Des nouvelles du front&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431#comment-626485&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/flugblattmarseille.pdf" length="38914" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Tristan Leoni &#8211; Anarchisten in Uniform in der Ukraine?</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Anarchisten-in-Uniform-in-der-Ukraine</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Anarchisten-in-Uniform-in-der-Ukraine</guid>
		<dc:date>2024-05-29T09:15:01Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>
		<dc:subject>Anarchismus</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Ngo Van &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni" rel="tag"&gt;Tristan Leoni&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Anarchismus" rel="tag"&gt;Anarchismus&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/en-ukraine-des-anarchistes-1-768x432.jpg?1716755750' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ngo Van&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich wirr und reflektiert die schwierige Einordnung des Ph&#228;nomens. Trotzdem haben die meisten grossen westlichen Medien diesem anscheinend exotischen Aspekt des Krieges in der Ukraine einige Zeilen oder Minuten gewidmet: Die Pr&#228;senz von anarchistischen und linksradikalen Aktivisten in den Reihen jener, welche gegen die russische Armee k&#228;mpfen. Das ist eher ungew&#246;hnlich!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit dem Fr&#252;hling 2022 wurde der Diskurs dieser K&#228;mpfer im Westen innerhalb der anarchistischen, libert&#228;ren, Antifa-, Hausbesetzer- und sogar autonomen Milieus aufgegriffen; ganz und gar nicht orientierungslos richten sich diese Ukrainer an &#8222;uns&#8220;, sie pr&#228;sentieren ihre Handlungen als vorbildliches politisches Modell und bitten uns um finanzielle Unterst&#252;tzung; es ist also durchaus von Interesse und angebracht, sich mit dem, was sie uns sagen, aber auch mit ihren meist nur knapp und in vagen und verwirrenden Worten beschriebenen Praktiken zu befassen, auch auf kritische Art und Weise. Auf diese Weise kann ein Bild des zeitgen&#246;ssischen europ&#228;ischen revolution&#228;ren Aktivismus, seiner Einfl&#252;sse und seiner Grenzen skizziert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun in Anbetracht des Krieges?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zun&#228;chst einmal, sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von allzu bequemen Vereinfachungen, mitrei&#223;en zu lassen. Es gibt Zeiten, da hat man keinerlei Einflu&#223; auf den Lauf der Dinge. Es ist besser, sich dessen bewu&#223;t zu sein und nicht die eigene Ohnmacht hinter wildem Herumgefuchtel zu verbergen oder, schlimmer noch, auf einen Zug zu springen, der nicht der unsere ist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Louis Mercier-Vega&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb der anarchistischen Bewegung in der Ukraine gehen die Diskussionen &#252;ber den Krieg mindestens bis auf 2014 zur&#252;ck; damals, als die K&#228;mpfe beginnen, schliessen sich gewisse Aktivisten freiwillig milit&#228;rischen Formationen im Donbass an. In den Tagen vor der russischen Invasion am 24. Februar 2022, als diese unmittelbar bevorzustehen scheint, versammeln sich die Anarchisten, Libert&#228;ren und ihnen nahestehende Aktivisten in der Region von Kiew (mehrere Dutzend Leute), um &#252;ber die Situation zu sprechen und ihre Vorgehensweise zu entscheiden. Die seit Jahren wiederkehrende Debatte wird pl&#246;tzlich auf neue Art und Weise zentral: Soll man sich den russischen Truppen bewaffnet entgegenstellen, wenn sie die Grenze &#252;berqueren, oder aber allen Widrigkeiten zum Trotz antimilitaristische, antistaatliche, revolution&#228;re und internationalistische Positionen beibehalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl eine &#8211; wohl sehr grosse &#8211; Mehrheit die erste der beiden Positionen verteidigt, wird sie trotzdem nicht von der Gesamtheit der anarchistischen Bewegung in der Ukraine geteilt (einige entscheiden sich z.B. f&#252;r humanit&#228;re Aktionen zur Unterst&#252;tzung der Fl&#252;chtlinge oder Verletzten, wir werden darauf zur&#252;ckkommen); diese Tendenz ist hingegen zur sichtbarsten, am st&#228;rksten mediatisierten und, w&#228;hrend etlicher langer Monate, zu fast der einzigen geworden, deren Diskurs in Europa in den aktivistischen Medien aufgegriffen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche sich f&#252;r den bewaffneten Kampf entschieden haben, pr&#228;sentieren ihn h&#228;ufig in erster Linie als Notl&#246;sung, eine Notwendigkeit, um einen demokratischen Rahmen zu erhalten, der f&#252;r den k&#252;nftigen Aktivismus als g&#252;nstiger wahrgenommen wird &#8211; die sehr autorit&#228;re Demokratie Kiews, statt die sehr, sehr autorit&#228;re Demokratie Moskaus &#8211;; die Pr&#228;senz in der Ukraine etlicher russischer und weissrussischer Aktivisten, die der Repression in Russland entkommen mussten, beg&#252;nstigt wahrscheinlich diese Einsch&#228;tzung. Es handelt sich jedoch nicht um eine einfache Frage der individuellen Sicherheit, denn es ist viel riskanter, in den Kampf zu ziehen, als, zum Beispiel, ins Ausland zu fliehen; die vorherrschende ideologische Positionierung ist in Tat und Wahrheit eine antifaschistische&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch die Aktivisten betonen auch h&#228;ufig die Tatsache, dass die Teilnahme an der Landesverteidigung eine Gelegenheit sei, um antiautorit&#228;re Ideen in der Bev&#246;lkerung und besonders unter den Soldaten zu verbreiten, womit man einen Einfluss auf die laufenden Ereignisse und die k&#252;nftige politische B&#252;hne der Ukraine habe; das h&#228;ufig bereitwillig eingestandene Modell ist jenes der rechtsextremen Gruppen, die aufgrund ihrer Teilnahme am Krieg im Donbass an Prestige und Einfluss innerhalb der Gesellschaft gewonnen haben (ist dies allerdings die einzige Erkl&#228;rung f&#252;r ihren Erfolg?)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie muss man also konkret zu Werke gehen, um aufzubrechen und sich den russischen Truppen entgegenzustellen? Es gibt in Wirklichkeit nur eine M&#246;glichkeit: sich der Armee anschliessen. Ein Aktivist erinnert sich: &#8222;K&#246;nnten wir uns der Invasion bewaffnet unabh&#228;ngig von der staatlichen Armee unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen entgegenstellen? Die Antwort ist definitiv nein [&#8230;] Zuerst einmal gibt es auf unserer Seite im Moment nicht gen&#252;gend Struktur oder Ressourcen, um ernsthaft den Anspruch zu haben, eine unabh&#228;ngige bewaffnete Kraft zu bilden. Gleichzeitig hat der ukrainische Staat genug Macht und den Willen, jegliche vollst&#228;ndig autonome Kraft zu unterbinden. In dieser Situation ist Guerillakampf unabh&#228;ngig vom Staat nur in den von der russischen Armee besetzten Gebieten m&#246;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, &#8222; Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&#8220;, (...)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schon seit einigen Jahren von einigen Aktivisten empfohlene L&#246;sung ist also einfach: das Engagement innerhalb der Einheiten der Territorialverteidigung (TV), die von Berufsmilit&#228;rs umrahmte Einheiten b&#252;ndelt, die jedoch aus freiwilligen Reservisten (mit einer regionalen Rekrutierung) und gegebenenfalls aus mobilisierten B&#252;rgern besteht. Es handelt sich keinesfalls um &#8222;bewaffnete Zivilisten&#8220;, wie es einige behauptet haben, sondern um Reserveeinheiten wie man sie in allen Armeen der Welt findet, sogenannte Einheiten zweiten Ranges, die untergeordnete Aufgaben erledigen und somit die k&#228;mpfenden Einheiten an der Front unterst&#252;tzen, letztere bestehen allen voran aus Berufssoldaten (was sich im Verlauf des Konflikts &#228;ndern wird).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r jene Aktivisten, welche sich freiwillig melden, muss der Antimilitarismus und die Staatskritik also auf Eis gelegt werden, solange der Konflikt andauert; das ist das Prinzip des Burgfriedens, alle haben w&#228;hrend einer gewissen Zeit gemeinsame Ziele. Somit ist man zu semantischen Verdrehungen verdammt, man spielt also mit den Worten, um sich selbst davon zu &#252;berzeugen, dass man weder den Staat noch die Interessen der nationalen Bourgeoisie verteidigt, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;, diese etwas vage, aber klar klassen&#252;bergreifende Einheit: &#8222;[D]ie Interessen der ukrainischen Gesellschaft und des ukrainischen Staates sind gegenw&#228;rtig in einem Punkt deckungsgleich, der Zur&#252;ckschlagung der brutalen Invasion, obwohl sie sich in etlichen anderen Punkten voneinander unterscheiden. Deswegen scheint jeglicher Versuch, getrennt Widerstand zu organisieren, im Moment im Volk Unverst&#228;ndnis auszul&#246;sen. Doch wir k&#246;nnen feststellen, dass die gegenw&#228;rtige Situation in den bewaffneten Streitkr&#228;ften der Ukraine immer noch viel Raum l&#228;sst f&#252;r politische Gruppen, welche die Besatzer bek&#228;mpfen wollen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der letzte Satz bezieht sich offensichtlich auf die verschiedenen rechtsextremen Bewegungen, die &#252;ber identifizierbare spezifische Einheiten verf&#252;gen, sie sind anerkannt, respektiert und vollst&#228;ndig in das Organigramm der bewaffneten Streitkr&#228;fte der Ukraine integriert; die ber&#252;hmteste von ihnen ist die Brigade Asow. Gewisse Anarchisten hoffen also, dass sie auch legal eine Einheit dieser Art aufbauen, &#252;ber eine gewisse Autonomie verf&#252;gen und ein Minimum an Propagandaarbeit innerhalb der Armee betreiben k&#246;nnen; doch daf&#252;r muss man sich organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Widerstand?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Februar 2022 rufen diese Aktivisten eine Struktur ins Leben, die zum Ziel hat, die verschiedenen Initiativen, die versuchen, sich der russischen Invasion entgegenzustellen, zu koordinieren und logistisch zu unterst&#252;tzen: das Widerstandskomitee, das manchmal als Schwarzes Hauptquartier bezeichnet wird. Die daran beteiligten Gruppen pr&#228;sentieren sich als anarchistisch, wie z.B. RevDia oder Black Flag Ukraine, doch man findet darin auch kleine linksradikale oder antifaschistische Gruppen oder Individuen, z.B. die antifaschistischen Fussballfans des Ex-Klubs Arsenal Kiew &#8211; der Hoods Hoods Klan &#8211; die Strassenk&#228;mpfe gew&#246;hnt sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, &#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige schliessen sich dem Komitee an, aber behalten eine gewisse Autonomie (z.B. betreffend der Mittelbeschaffung), das gilt f&#252;r eine Gruppe von &#214;ko-Anarchisten aus Lwiw, Ecological Platform&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Widerstandskomitee versieht sich im Mai 2022 mit einem &#8222;Manifest&#8220;, das eine Vorstellung davon gibt, was die Aktivisten zusammenbringt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;, Mai 2022.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was zuerst &#252;berraschen mag, ist die Tatsache, dass der Krieg &#252;berhaupt nicht in einen gr&#246;sseren Zusammenhang gestellt wird, sei es nur jener der wirtschaftlichen und geostrategischen Rivalit&#228;ten oder jener der Krise des Kapitalismus. Die ganze Sache beschr&#228;nkt sich also vermeintlich auf Russland und die Ukraine, aber jenseits des banalen Streits um Territorium sei eine ganz andere Dimension zentral: jene der offensichtlichen Konfrontation zwischen Freiheit und Autorit&#228;t &#8211; zwischen dem Guten und dem B&#246;sen, ist man versucht, zu verstehen. Die Ukraine wird darin &#252;brigens als ein Land dargestellt, wo seit Jahrhunderten die dem Despotismus ausgesetzten &#8222;Freigeister&#8220; zusammenstr&#246;men, die Opryschky-Aufst&#228;ndischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder die Makhnowisten. Der Imperialismus Putins, der Putinismus oder auch die imperiale russische Herrschaft werden als einzige Verantwortliche f&#252;r den Krieg wahrgenommen, es geht also nun darum, die V&#246;lker von jeglichem Autoritarismus zu befreien &#8211; ein Kampf, der in der Ukraine von einer Massenbewegung des Volkes angef&#252;hrt werden wird:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Wir glauben, dass die Ukraine und ganz Osteuropa frei von Diktatur sein sollten. Freiheit, Solidarit&#228;t und Gleichheit sollten die Hauptprinzipien der sozialen Organisation in der Region werden [&#8230;] Wir streben danach, die Zukunft der Ukraine und der gesamten Region zu beeinflussen, die bereits bestehenden Freiheiten zu sch&#252;tzen und zu ihrer Erweiterung beizutragen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r geht es darum, &#8222;die Bem&#252;hungen der K&#228;mpfer gegen den Autoritarismus zu vereinen, um einen wirksamen Kampf f&#252;r unsere Ideale und Werte zu f&#252;hren&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleichen Autoren legen Wert darauf, zu pr&#228;zisieren, dass sie &#8222;das Ungleichgewicht von Macht und Reichtum in der Gesellschaft&#8220; verurteilen und &#8222;die Gleichstellung der Geschlechter, den Schutz der Umwelt und die &#220;berwindung jeglicher Art von Diskriminierung&#8220; bef&#252;rworten: &#8222;[W]ir sind gegen alle Formen der Unterdr&#252;ckung unter den Menschen, gegen das Verh&#228;ltnis von Herrschaft und Unterwerfung, gegen soziale Ungleichheit. Alle Unterdr&#252;cker m&#252;ssen besiegt werden. An die Stelle der Tyrannei soll die freie und gleichberechtigte Zusammenarbeit aller in der Gesellschaft treten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits seines diskursiven Aspekts gibt sich das &#8222;Manifest&#8220; pragmatisch und skizziert einige Vorschl&#228;ge f&#252;r Reformen, die f&#252;r die k&#252;nftige ukrainische Gesellschaft notwendig sind: Annullierung der Auslandsschulden der Ukraine, Annullierung der Kredite der Ukrainer mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen, Einf&#252;hrung eines Systems selbstverwalteter Versammlungen auf lokaler und Berufsebene, vereinfachter Zugang zu Wohnraum und Wohneigentum, Unentgeltlichkeit der Gesundheitsdienste und des &#246;ffentlichen Verkehrs, Gew&#228;hrung von Sozialhilfe f&#252;r Personen mit geringem Einkommen, Schaffung von autonomen Frauenstrukturen in allen Gemeindeorganen des Landes, Schaffung von Frauenverteidigungskr&#228;ften (gegen die Gewalt an Frauen), Sensibilisierung f&#252;r den Umweltschutz (zum Beispiel, indem die Entwicklung erneuerbarer Energien vorangetrieben wird) usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Reihe von Vorschl&#228;gen betrifft spezifisch Fragen der Verteidigung: Ausweitung der lokalen Selbstverteidigung, Recht auf Zugang zu Waffen und Waffenbesitz, Gew&#228;hrung der ukrainischen Staatsb&#252;rgerschaft f&#252;r die freiwilligen ausl&#228;ndischen K&#228;mpfer, Schaffung von Fraueneinheiten innerhalb der regul&#228;ren Armee, Ann&#228;herung des Bildungssystems und der Milit&#228;rindustrie betreffend Spitzentechnologien und der Ausbildung von Spezialisten, M&#246;glichkeit der milit&#228;rischen Ausbildung in den Reihen der TV, Reduzierung der B&#252;rokratie oder auch die Einf&#252;hrung spezifischer Mahlzeiten f&#252;r die veganen Soldaten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie immer in solchen Texten geben sich die Autoren, da sie die ins Auge springenden Widerspr&#252;che nicht kaschieren k&#246;nnen, gef&#228;hrlicher argumentativer Akrobatik hin; bez&#252;glich des Verh&#228;ltnisses zum Staat und der Regierung im Amt wird z.B. pr&#228;zisiert, dass, &#8222;[w]enn sich der ukrainische Staat heute an diesem Kampf beteiligt, [&#8230;] das nicht [bedeutet], dass wir seine Unterst&#252;tzer geworden sind&#8220;&#8230; Der Staat und die Anarchisten seien am Widerstand beteiligt, jeder auf seiner Ebene und abh&#228;ngig von seinen Mitteln und de facto verteidigten die antiautorit&#228;ren nicht den Staat, das Land oder die Nation, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;&#8230; Im Juli 2022 ver&#246;ffentlicht die gleiche Gruppe, die sich nun Solidarity Collectives nennt, einen neuen Text, der k&#252;rzer, pragmatischer und weniger politisch ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Auf der Grundlage unserer antiautorit&#228;ren Werte haben wir uns entschieden, aktiv gegen die russische Aggression Widerstand zu leisten. Wir unterst&#252;tzen das Recht des ukrainischen Volkes auf Selbstverteidigung und betrachten die russische Invasion als imperialistischen Akt. Trotz der Multidimensionalit&#228;t jedes globalen Ereignisses sind die Hauptgr&#252;nde dieses Krieges die imperiale Politik der Russischen F&#246;deration, der Glaube der russischen Eliten an ihre historische Mission und ein Versuch, Kontrolle &#252;ber das zu erlangen, was sie als ihre Einflusssph&#228;re betrachten. Die Gr&#252;nde sollten weder in den wirtschaftlichen Interessen der russischen Oligarchie noch in den &#8218;russischen Sicherheitsbedenken&#8216; und besonders nicht in den Machenschaften der NATO gesucht werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Unser Ziel ist eine freie und gerechte Gesellschaft, unsere zentralen Werte sind gesellschaftliche, wirtschaftliche und Geschlechtergleichheit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]er [&#8230;] Wiederaufbau [des Landes] sollte dem Volk zugutekommen. Er sollte nicht auf neoliberale Dogmen gegr&#252;ndet werden [...]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir unterst&#252;tzen antiautorit&#228;re und antikoloniale Bewegungen weltweit. Heute sammeln antiautorit&#228;re Aktivisten in der Ukraine Erfahrungen, die n&#252;tzlich sein k&#246;nnten, um Diktatoren und autorit&#228;re Regimes sowohl in postsowjetischen L&#228;ndern als auch in anderen Regionen (Iran zum Beispiel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) zu st&#252;rzen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sieht es, diese zentralen Texte, welche die &#8222;autorit&#228;ren Tendenzen unserer Gesellschaft&#8220; anprangern und die Verteidigung der Tiere und den Kampf gegen den Klimawandel betonen, scheren sich nicht um irgendwelche Mantras einer klassischen anarchistischen Prosa gegen den Kapitalismus, die Armee oder den Staat (noch weniger gegen die Demokratie); es herrscht darin eine sehr pragmatische Sichtweise des gesellschaftlichen Wandels vor, die man als sozialdemokratisch bezeichnen k&#246;nnte, geschm&#252;ckt mit politischen Themen, die gerade in Mode sind. Das Heraufbeschw&#246;ren &#8222;antiautorit&#228;rer Werte&#8220; ist vage genug, um heutzutage etlichen Aktivisten und Sympathisanten der &#228;usseren Linken, der Bewegung gegen die Globalisierung oder f&#252;r den Umweltschutz zu gefallen. In Wirklichkeit zeigen die Positionierungen der Gruppe, die Texte und die Zeugenberichte oder auch das Profil der K&#228;mpfer, jenseits der anscheinenden ideologischen Verschwommenheit, dass, wenn es darin eine politische Koh&#228;renz gibt, es nicht jene des Anarchismus ist, sondern eher, banaler, jene des Antifaschismus, dieses Willens, sich an einer klassen- und partei&#252;bergreifenden Front zur Verteidigung der ukrainischen Demokratie gegen die autorit&#228;re russische Gefahr&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu beteiligen &#8211; ein Burgfrieden, der jeglichen anderen Kampf auf eine unbestimmte Zeit (den Frieden) verschiebt &#8211; w&#228;hrend die Regierung ihrerseits vom Konflikt profitiert, um die Gewerkschaften anzugreifen und den Sozialabbau zu beschleunigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Krieg wird nur als ideologische und moralische Konfrontation wahrgenommen, die Tatsache, dass die Ukraine ein Kampffeld um wichtige wirtschaftliche Streitgegenst&#228;nde zwischen Russland, der Europ&#228;ischen Union und den USA ist, oder auch, dass die russischen und ukrainischen Proletarier nicht die gleichen Interessen haben wie ihre jeweiligen Bourgeoisien, scheint f&#252;r die Autoren schlichtweg undenkbar; es ist wahr, dass es sich manchmal als st&#246;rend erweisen kann, etwas Abstand zu gewinnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;libert&#228;re&#8220; Beteiligung am Widerstand entwickelt sich sehr schnell in Richtung zweier Strukturen &#8211; eine milit&#228;risch, die andere zivil &#8211; letztere k&#252;mmert sich um die logistische und mediale Unterst&#252;tzung ersterer. Von nun an steht, jenseits der urspr&#252;nglichen politischen Entscheidung, das Leben der Aktivisten an der Front auf dem Spiel, es muss also &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt; ihrer Unterst&#252;tzung untergeordnet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine zivile materielle Unterst&#252;tzung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig in Kriegen sind die Soldaten nicht gen&#252;gend ausger&#252;stet und m&#252;ssen gewisse ben&#246;tigte oder angenehme Dinge selber kaufen, in der Regel ist das sehr teuer. Trotz der ausgesch&#252;tteten Milliarden von Dollars und Euros vom Westen befindet sich der ukrainische Soldat in dieser Situation &#8211; tats&#228;chlich ist das Land eines der korruptesten der Welt. Die zivilen Aktivisten haben sich die Ausr&#252;stung der Soldaten zur Aufgabe gemacht, erstere bevorzugen es, hinter der Front zu arbeiten. Das erweist sich als sehr kostspielig und die Finanzierung beruht einzig auf den Spenden der westlichen Sympathisanten, daher schenkt man der Propaganda viel Aufmerksamkeit: Die Entwicklung einer passenden politischen Erz&#228;hlung ist unerl&#228;sslich, denn die alleinige Beschreibung der milit&#228;rischen Praktiken auf dem Terrain w&#228;re dem Risiko ausgesetzt, zur Zeichnung eines &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Bildes der K&#228;mpfer mangelhaft zu sein, sie w&#252;rden somit jegliche Besonderheit verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Aktivisten gr&#252;nden also in Kiew im Februar 2022 eine Ad-Hoc-Struktur, Operation Solidarity, deren Hauptziel es ist, die Bed&#252;rfnisse (bez&#252;glich Ausr&#252;stung) der &#8222;K&#228;mpfer (in erster Linie die antiautorit&#228;ren und linken Aktivisten)&#8220; zu erfassen, die Eink&#228;ufe in der Ukraine oder im Ausland zu t&#228;tigen und dann die Lieferung zu organisieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es kann sich um Kleidung, leichte Ausr&#252;stung, medizinisches Material, Nachtsichtger&#228;te, zivile Drohnen oder manchmal gar Fahrzeuge handeln: alle Art von Ausr&#252;stung ausser Waffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich ein Bild davon zu machen, zwischen Februar 2022 und September 2022 seien den K&#228;mpfern &#8222;5 Fahrzeuge, 20 Helme, 30 schusssichere Westen, 50 Erste-Hilfe-Sets, 5 Drohnen, 30 Walkie-Talkies, mehr als 100 Kleidungsst&#252;cke, optische Visiere, Ausr&#252;stungsgegenst&#228;nde, milit&#228;rische L&#228;rmschutzhelme&#8220; geliefert worden, ohne die angemessene Nahrung f&#252;r vegane Soldaten zu vergessen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem auf Telegram ver&#246;ffentlichten Aktivit&#228;tsbericht f&#252;r die Monate Mai und Juni 2023 verk&#252;ndet die Gruppe, dass sie 2 Mavic-Drohnen, 1 Paar Nachtsichtbrillen (vielbegehrt, aber sehr teuer), Visiere, 1 Schalld&#228;mpfer, 3 Tablets, 4 Generatoren, 1 GPS-Uhr, 8 zivile Motorola-Funkger&#228;te, 2 digitale Baofengs-Walkie-Talkies, 13 externe Batterien, Speicherkarten, 1 Laptop f&#252;r einen Drohnenoperator, 1 Helm und sein Zubeh&#246;r, 1 Splitterschutzanzug, Taschen, Sitzteppiche, 2 ballistische Schutzwesten und 6 Plattentr&#228;ger (eine Art schusssichere Westen), 2 Schutzplatten, 3 taktische Kopfh&#246;rer, 2 Feldstecher, 2 Monokulare f&#252;r Gewehre, 18 Gasflaschen, 51 CAT-Stauschl&#228;uche, 16 Brustkorb-Pflaster, 10 IFAK-Erste-Hilfe-Sets, 42 Israelische Verb&#228;nde, 11 blutstillende Verb&#228;nde, 100 Thermodecken usw. geliefert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist festzuhalten, dass das Kollektiv auch gefl&#252;chteten/deplatzierten Personen oder Opfern von Bombenangriffen hilft (mit Ausr&#252;stung, medizinischem Material, Nahrung usw.) und gelegentlich Ausr&#252;stung an gewisse Spit&#228;ler, Schulen oder Tierasyle spendet. Etwas weniger als ein Drittel der gesammelten Summen des Kollektivs werden daf&#252;r eingesetzt &#8211; schwierig, zu sagen, ob dieser Prozentsatz sich mit der Zeit ge&#228;ndert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Finanzbedarf ist also betr&#228;chtlich, daher die st&#228;ndigen Spendenaufrufe an Aktivisten und Sympathisanten der westlichen L&#228;nder; die prinzipielle Zwischenstation in Westeuropa scheint die Gruppe ABC Dresden zu sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches (...)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die sehr vage Botschaft findet in Frankreich in den anarchistischen und linksradikalen Milieus ein Echo, auch in der NPA und bis hin zu den Autonomen. Mitglieder der ukrainischen Gruppe touren manchmal durch Europa, um ihre Aktion zu pr&#228;sentieren; sie waren zum Beispiel pr&#228;sent im Juli 2023 am Internationalen Antiautorit&#228;ren Treffen (sic!) in Saint-Imier. Die Kommunikation, besonders auf den sozialen Medien, ist in diesem Dispositiv zentral und die Soldaten an der Front verf&#252;gen sogar &#252;ber ein Medienkomitee, um die Kontrolle &#252;ber die produzierten Videos und Texte zu garantieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation mag in Anbetracht der an die Ukraine gespendeten Milliarden von Dollars und Euros von den L&#228;ndern der NATO paradox erscheinen, aber in fast allen Kriegen entstehen solche Initiativen und es gibt in Kiew und auf der ganzen Welt etliche Nichtregierungsorganisationen und karitative Stiftungen, welche die ukrainischen K&#228;mpfer unterst&#252;tzen und ihnen diese Art von Material liefern; die m&#228;chtigste davon ist Come Back Alive. Etliche Einheiten der Armee, und besonders jene, welche sich aufgrund von &#8211; in der Regel rechtsextremer &#8211; politischer Affinit&#228;t zusammengeschlossen haben, nehmen solche Spendenaktionen in Anspruch, um die Ausr&#252;stung und den Komfort ihrer K&#228;mpfer zu verbessern (zum Beispiel Support Azov), daher kommt die Notwendigkeit einer angepassten Kommunikation. Die sozialen Netzwerke werden massiv benutzt und w&#228;hrend die Strukturen ihren Ideenreichtum unter Beweis stellen m&#252;ssen, um die Spender zu gewinnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer (...)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, m&#252;ssen die Soldaten ihrerseits als so cool und k&#252;hn wie m&#246;glich erscheinen &#8211; zumindest auf TikTok&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das zivile Unterst&#252;tzungskomitee f&#252;r die antiautorit&#228;ren K&#228;mpfer ist jedoch nach einigen Monaten mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die Aktivit&#228;t von Operation Solidarity muss sogar im Juli 2022 aufgrund der &#8222;M&#252;digkeit&#8220; der Mitglieder der Gruppe unterbrochen werden, aber auch wegen internen Unstimmigkeiten, wovon einige ganz banal mit Macht- und Geldfragen zusammenh&#228;ngen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Solidarity Collectives Statement&#8220;, 4. Juli 2022.&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Die Gruppe legt sehr schnell mit einigen Individuen weniger, einem neuen Namen, Solidarity Collectives, und wahrscheinlich auch mit einer neuen administrativen Struktur wieder los.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppe versieht sich mit einem neuen Pr&#228;sentationstext und k&#252;ndigt nun an, sie unterst&#252;tze &#8222;anarchistische&#8220; K&#228;mpfer, &#8222;Verteidiger der Menschenrechte, Gewerkschafter, &#214;ko-Anarchisten, Anarchafeministinnen, Punkrocker, politische Fl&#252;chtlinge aus Weissrussland und Russland&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Das Zielpublikum tendiert mit der Zeit dazu, ausgeweitet zu werden, um &#252;ber jenes der alleinigen anarchistischen Aktivisten hinauszugehen, was nicht erstaunlich ist. Die sehr klassische Organisationslogik dr&#228;ngt die Aktivisten sowieso schon dazu, ihre Aktivit&#228;t und die Summe der gesammelten Spenden stets aufrechtzuerhalten oder zu steigern &#8211; wie gross auch immer die Anzahl der uniformierten Anarchisten entlang der Front sein mag; und diesbez&#252;glich deutet eben genau nichts darauf hin, dass die Anzahl der k&#228;mpfenden Aktivisten sich im Verlauf der Monate vergr&#246;ssert, im Gegenteil: Mindestens etwa 15 von ihnen wurden im Gefecht get&#246;tet &#8211; sie werden h&#228;ufig von der Aktivistenpropaganda als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; dargestellt, ein typisches Vokabular aus dem Nahen Osten, das von Ehemaligen aus Rojava importiert worden ist &#8211; und man weiss nichts &#252;ber die Verletzten und jene, welche aufgegeben haben. Es ist &#252;brigens sehr wahrscheinlich, dass der geringe Zustrom von (ukrainischen oder westlichen) Freiwilligen nach der russischen Invasion mit der Zeit abgenommen hat: Zuerst einmal, weil die ukrainische Armee mittlerweile vollst&#228;ndig gem&#228;ss den Standards der NATO strukturiert ist und der Improvisation immer weniger Platz l&#228;sst, aber vor allem, weil die K&#228;mpfe immer grausamer und t&#246;dlicher werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt allerdings eine rote Linie, die das Kollektiv nicht bereit ist, zu &#252;berschreiten, jene der Unterst&#252;tzung f&#252;r antiautorit&#228;re Aktivisten, die in wenig politisch korrekten Einheiten k&#228;mpfen: Es zirkulieren viele Informationen auf den sozialen Netzwerken &#252;ber Aktivisten, die aus Gr&#252;nden der Effizienz in den rechtsextremen Einheiten k&#228;mpfen (es handelt sich in der Regel um Eliteeinheiten, die vom F&#252;hrungsstab regelm&#228;ssig herangezogen werden und sehr gut ausgestattet und trainiert sind); Solidarity Collectives gesteht ein, dass mindestens einem Anarchisten, der in der Brigade Asow k&#228;mpft, die Unterst&#252;tzung verweigert wurde, aber dass mindestens vier andere, die Teil des (aus weissrussischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee bestehenden) nationalistischen Kastus-Kalinouski-Regiments unterst&#252;tzt worden sind, obwohl diese Entscheidung unter den Mitgliedern des Kollektivs umstritten war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten (...)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl das Tragen der Uniform nicht zwingend bedeutet, dass man k&#228;mpft, denn man kann zum Beispiel in einer medizinischen Einheit aktiv sein &#8211; sei es in der N&#228;he der K&#228;mpfe oder weiter hinten &#8211;, in dem Medien am prominentesten vertreten sind nat&#252;rlich jene &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Freiwilligen, die mit den Waffen hantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anarchistische Soldaten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich hasse alle Offiziere [&#8230;] K&#246;nnen sie sich vorstellen, wie sehr ich diese Uniform und alles, was sie repr&#228;sentiert, hasse?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sam Peckinpah, Steiner &#8211; Das Eiserne Kreuz, 1977&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aktivisten, die f&#252;r ein Engagement bei der Armee unterschrieben haben, sind meistens im ganzen Land zerstreut; entweder, f&#252;r die erfahrensten unter ihnen, in den klassischen Brigaden; oder, f&#252;r die anderen, in der TV. Es soll daran erinnert werden, dass letztere leichte, lokal rekrutierte, aus freiwilligen Reservisten bestehende Infanterieeinheiten zusammenbringt und von Berufssoldaten umrahmt ist. Man sollte sie nicht untersch&#228;tzen, obwohl sie f&#252;r anscheinend untergeordnete, undankbare und kaum prestigetr&#228;chtige Aufgaben verantwortlich sind, sind diese strikt milit&#228;risch betrachtet sehr n&#252;tzlich. Als im Januar 2023 ein begeisterter franz&#246;sischer Journalist bez&#252;glich des Konflikts die &#8222;F&#252;lle an kleinen, mehrheitlich anarchistischen bewaffneten Gruppen&#8220; anspricht, ist ein Mitglied des Widerstandskomitees gezwungen, seinen Enthusiasmus zu d&#228;mpfen: &#8222;Man kann eher von kleinen, in die Verteidigungskr&#228;ften integrierten Gruppen anarchistischer Genossen sprechen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&#8220; Obwohl diese Eingliederung manchmal kleine Gruppen betrifft, ist sie in Wirklichkeit in den meisten F&#228;llen individuell&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den (...)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das einzige wirkliche Gegenbeispiel, rund um welches im Westen viel phantasiert werden wird, ist jene Gruppe, welche den Namen antiautorit&#228;rer Zug annehmen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht (...)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Phantasien, die bez&#252;glich der materiellen Realit&#228;t dieser Gruppe auf sehr vagen Vorstellungen beruhen und etliche Interviewer und Journalisten nicht zu zerstreuen versuchen: Man k&#246;nnte sich allerdings legitimerweise die Frage stellen, was seine Mitgliederzahl ist. Von welcher Einheit ist er Teil? Auf welche Art und Weise? Was ist seine administrative Realit&#228;t? An welchen Schlachten war er beteiligt? Was sind seine allt&#228;glichen Aktivit&#228;ten? &#220;ber welche Waffen verf&#252;gt er? Man muss die Gesamtheit der verf&#252;gbaren Texte miteinander vergleichen, um zu versuchen, darauf eine Antwort zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zug entsteht scheinbar aus der Initiative eines Antifa-Aktivisten, der sich 2014 freiwillig gemeldet hat und im Verlauf der Jahre Offizier und sp&#228;ter Hauptmann in einer der Brigaden der TV des Oblasts von Kiew geworden ist (er stirbt im Gefecht im September 2022&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (...)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und an den Treffen der Anarchisten vor und nach der russischen Invasion teilnahm. Es ist wahrscheinlich ihm zu verdanken, dass die anarchistischen und antifaschistischen Freiwilligen aus der Region Kiew in einem gleichen Zug zusammengeschlossen sind. Erpicht auf Aktion und Autonomie tauchen sie in einen milit&#228;rischen Rahmen ein, der naturgem&#228;ss aus administrativer Schwerf&#228;lligkeit und strenger Hierarchie besteht. Die Einheit ist zum Beispiel nicht frei, was die Rekrutierung anbelangt, und muss manchmal ank&#252;ndigen, dass keine Pl&#228;tze mehr frei sind (Nachricht auf Telegram im April 2022 im Kanal RevDia) &#8211; das ist umso komplizierter f&#252;r die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, als sie sich theoretisch Ah-Hoc-Einheiten anschliessen sollten (besonders der Internationalen Legion). Sie ist auch bez&#252;glich der Ausbildung nicht frei und nat&#252;rlich auch nicht bez&#252;glich der Auswahl ihrer Missionen. In einem Interview, das vom Medienkomitee des Zuges gr&#252;nes Licht bekommen hat, bringt ein Anarchist einige Ideen zur Umgehung dieser B&#252;rokratie vor: &#8222;Die Lehre dieser Geschichte ist, dass, je mehr Kontakte und Verbindungen man in den betreffenden Institutionen hat, desto gr&#246;sser werden die Chancen sein, die B&#252;rokratie zu &#252;berwinden oder zu umgehen. Im Verlauf dieser letzten Monate bin ich zum Schluss gekommen, dass wir als Revolution&#228;re nicht z&#246;gern sollten, Kontakte innerhalb der staatlichen Institutionen zu kn&#252;pfen. Solange wir in Bezug auf unsere politischen Ziele klar sind, ist es eher gerechtfertigt, Risiken einzugehen, um diese Ziele zu erreichen, als darauf zu verzichten, jene Werkzeuge zu benutzen, welche der Bewegung helfen k&#246;nnten, an Terrain zu gewinnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Beschreibung dieses Zuges als &#252;ber eine &#8222;gewisse Autonomie&#8220; verf&#252;gend, wie es gewisse franz&#246;sische Autoren getan haben, ist also im besten Falle Science Fiction.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie viele sind es?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Online-Portal &lt;i&gt;Mediapart&lt;/i&gt; spricht im Juni 2022 von 100 bis 150 Anarchisten und Antifaschisten, die in verschiedenen Einheiten der Armee zerstreut sind; Zahlen, die Leute miteinschliessen, die nicht k&#228;mpfen und als medizinisches Personal dienen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Laurent Geslin, &#8222;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour (...)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die meisten davon sind ukrainische Aktivisten, denen sich einige Russen und Weissrussen, aber auch eine geringe Anzahl Westeurop&#228;er angeschlossen haben, wovon einige in den kurdischen Kr&#228;ften der YPG w&#228;hrend des B&#252;rgerkrieges in Syrien gedient haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wie sieht es spezifischer mit dem in den Medien sehr pr&#228;senten antiautorit&#228;ren Zug aus? Obwohl er oft erw&#228;hnt wird, bleiben die Aktivisten und die Sprecher sehr vage bez&#252;glich seiner Zusammensetzung und seiner Mitgliederzahl&#8230; Halten wir zuerst einmal fest, dass, w&#228;hrend die meisten Kommentatoren ihn unterschiedslos als Brigade, Bataillon usw. bezeichnen, mit einer reflexartigen Reaktion auf die Worte &lt;i&gt;Brigaden&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Milizen&lt;/i&gt; (die nach Spanien 1936 t&#246;nen), h&#228;ufig im Plural und als ob es Synonyme w&#228;ren, die mit der Kommunikation beauftragten Personen innerhalb dieser Gruppe das Wort &lt;i&gt;Zug&lt;/i&gt; benutzen. Aber diese Bezeichnung ist nicht unbedeutend und sie haben allen Grund, das zu wissen; ein Zug (&lt;i&gt;platoon&lt;/i&gt; auf Englisch) beschreibt in den westlichen Armeen eine sehr kleine Kampfeinheit, 20 bis 50 M&#228;nner&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In unserem Artikel vom Mai 2022 schrieben wir folgendes in einer Fussnote: (...)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Mai 2022 spricht ein Mitglied der Gruppe w&#228;hrend einem Interview von 50 K&#228;mpfern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; Operation Solidarity behauptet, zwischen Februar und Juni 2022 mehr als 200 K&#228;mpfer in der ganzen Ukraine unterst&#252;tzt zu haben, und pr&#228;zisiert, dass der Zug nur einen Drittel davon repr&#228;sentiere&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ihre Homepage.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was die von den uniformiert und bewaffnet rund um eine schwarze Fahne posierenden Aktivisten sehr gesch&#228;tzten Fotos betrifft, sieht man darauf nie mehr als 25 Personen versammelt. Wenn man die Neigung der Aktivisten zur Besch&#246;nigung gewisser Zahlen kennt, kommt man zum Schluss, dass mehrere Dutzend M&#228;nner (Anarchisten, Hooligans, Antifas&#8230;) Teil des antiautorit&#228;ren Zuges waren, wahrscheinlich etwa 50 zu gewissen Zeiten, auf jeden Fall sieht man, dass die Mitgliederzahl sehr gering ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit (...)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich bewusst zu sein, was das repr&#228;sentiert, muss man wissen, dass die ukrainische Armee im Februar 2022 aus 250&#8216;000 M&#228;nnern bestand, davon 70&#8216;000 K&#228;mpfer der TV; Ende 2023 tragen etwa eine Million M&#228;nner die Uniform (davon sind etwa 15&#8216;000 keine ukrainischen Staatsb&#252;rger&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten (...)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist die Aktivit&#228;t dieser Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den meisten dieser freiwilligen Aktivisten mangelt es nicht an k&#246;rperlichem Mut und sie m&#246;chten so schnell wie m&#246;glich an K&#228;mpfen teilnehmen. Einige haben sich in Einheiten der ersten Linie engagiert, oder sie sind es geworden, was nicht f&#252;r den antiautorit&#228;ren Zug gilt, besonders aufgrund der Tatsache, dass sich die Front nach dem russischen R&#252;ckzug im April 2022 von Kiew entfernt hat. Bis zu ihrer Aufl&#246;sung im Sommer 2022 ist die Gruppe also nicht an der Front. Die Brigade, zu welcher der Zug geh&#246;rt, ist eine leichte Infanterieeinheit, die &#252;ber kein schweres Material verf&#252;gt (die Aktivisten h&#228;tten die Gelegenheit &#252;brigens bestimmt nicht verpasst, sich davor fotografieren zu lassen), und der F&#252;hrungsstab gibt ihr Aufgaben, welche viele als untergeordnet, repetitiv und langweilig betrachten, jedoch jene sind, f&#252;r welche die am weitesten von der Front entfernten Einheiten der TV verantwortlich sind. Der Zug beteiligt sich also an Unterst&#252;tzungsaktionen f&#252;r Zivilisten, die Opfer von K&#228;mpfen oder Bombenangriffen geworden sind; er beteiligt sich auch an martialischeren Aktionen wie die Jagd auf infiltrierte Russen, Spione und prorussische Aktivisten (eine Aktivit&#228;t, die in den ersten Monaten des Konflikts Paranoia in der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;st und zu etlichen Denunzierungen gef&#252;hrt hat); es handelt sich um eine Arbeit an Checkpoints, auf Patrouille und der Kontrolle, die eher undankbar ist und nicht die tugendhaften Aspekte der Individuen stimuliert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe unseren Artikel vom Mai 2022 bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia (...)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn sie ihre Aktivit&#228;ten beschreiben, sprechen die antiautorit&#228;ren davon, &#8222;feindliche Eindringlinge auf[zu]decken und [zu] beseitigen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Joshua Askew, &#8222;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists (...)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, &#8222;die Berichte der Ortsbewohner &#252;ber Saboteure und Spione&#8220; zu &#252;berpr&#252;fen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; &#8222;wir k&#228;mpften gegen die Saboteure, die Fallschirmj&#228;ger, bewachten die kritischen Punkte, bauten Strassensperren auf&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;The media committee of the platoon, &#8222;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine (...)&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl diese Operationen kaum prestigetr&#228;chtig sind, sind sie nicht immer frei von Gefahr. Gewisse Mitglieder des Zuges beteiligen sich aber auch an einigen Operationen in der N&#228;he der Kampfgebiete, zum Beispiel um &#8222;den Einheiten der ukrainischen Streitkr&#228;fte&#8220; zu helfen, &#8222;Erkundungsmissionen in Quadrocoptern auszuf&#252;hren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem im Mai 2022 ver&#246;ffentlichten Interview erz&#228;hlt ein Mitglied des Zuges: &#8222;Als Einheit sind wir noch nicht an direkten K&#228;mpfen beteiligt gewesen. Zu Beginn des Krieges patrouillierten wir allerdings in Gebieten, wo die Pr&#228;senz von feindlichen Ablenkungsgruppen vermutet wurde. Die Mitglieder der Einheit unterst&#252;tzten auch die Einheiten in der ersten Linie durch die Beteiligung an der Logistik oder mit Informationen (durch die Benutzung von Drohnen). Sie schafften es, eine der feindlichen Positionen aufzudecken, die danach von der Artillerie getroffen wurde. Und sie halfen bei der Evakuierung von Zivilisten aus dem Kampfgebiet. Im Verlauf dieser Aktivit&#228;ten wurden unsere Genossen unter M&#246;rserfeuer genommen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anfang Juli ist die Stimmung der M&#228;nner im Zug ziemlich schlecht, denn sie waren immer noch &#8222;an fast keiner Aktion beteiligt&#8220;. Die erfahrensten unter ihnen (da ehemalige K&#228;mpfer im Donbass oder in Syrien) beruhigen sie und erkl&#228;ren ihnen, absolut zu Recht, dass &#8222;der Krieg aus sehr verschiedenen Phasen und Situationen besteht. Die Kampfsituationen selbst machen nur 1% oder weniger der gesamten Zeit aus. Die F&#228;higkeit, zu warten, geduldig zu sein und mit der &#8218;toten Zeit&#8216; umzugehen ist eine n&#252;tzliche Kompetenz, die jeder Partisan entwickeln und verinnerlichen sollte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Pech gehabt &#8211; denn aufgrund des Eintreffens der von der NATO gelieferten Ausr&#252;stung sind es andere Einheiten der TV, die, nachdem sie &#8222;aufger&#252;stet&#8220; worden sind, im Verlauf des Jahres 2022 an die Front geschickt werden &#8211; was manchmal ihre Mitglieder verzweifeln l&#228;sst, denn sie meldeten sich freiwillig, besonders in den westlichen Oblasten, weil sie glaubten, dass sie in sicherer Entfernung von den K&#228;mpfen sein w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie steht es mit der Hierarchie in der Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig bez&#252;glich des antiautorit&#228;ren Zuges verf&#252;gen wir nicht &#252;ber pr&#228;zise und synthetische Informationen &#252;ber die Funktionsweise der Gruppe, nur &#252;ber zerstreute Bruchst&#252;cke aus Interviews (und die verschiedenen &#220;bersetzungen sind dem Verst&#228;ndnis nicht immer zutr&#228;glich). Gem&#228;ss den Standards der NATO ist ein Zug die kleinste Einheit, die von einem Offizier befehligt werden kann, in der Regel ein Oberleutnant sekundiert von Unteroffizieren (darunter spricht man von Gruppen oder Trupps). Der Offizier, der den antiautorit&#228;ren Zug befehligen muss, wird von der milit&#228;rischen Befehlsgewalt designiert (aufgezwungen, es ist alles andere als sicher, dass es sich um den Antifa-Offizier am Ursprung dieses Abenteuers handelt), genau wie die Unteroffiziere (vielleicht in seinen Reihen unter den erfahrensten Mitgliedern ausgew&#228;hlt). Um das hierarchische Verh&#228;ltnis ertr&#228;glicher zu machen, w&#228;hlen die Mitglieder des Zuges jedoch eine Art Stellvertreter (ohne Dienstgrad), die als Vermittler zwischen den M&#228;nnern der Truppen und ihren Vorgesetzten dienen, sie k&#246;nnen zum Beispiel Kritiken oder Beschwerden weiterleiten. Ein Aktivist berichtet: &#8222;Wir haben keine spezifischen Bedingungen, die uns von jeder anderen Unterdivision der TV unterscheiden w&#252;rde. Wir haben jedoch einen ziemlich freien Raum, um unser internes Leben zu organisieren, und dieser ist auf ziemlich demokratische Art und Weise organisiert, wenn er auch den Anforderungen einer gewissen milit&#228;rischen Hierarchie entspricht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderer: &#8222;Die milit&#228;rische F&#252;hrung hat sich kaum in unsere innere Ordnung eingemischt. Wir haben unsere Struktur nicht gem&#228;ss dem idyllischen Bild einer perfekt anarchistischen Miliz organisiert, wo alle Stellen gew&#228;hlt und der Generalversammlung unterstellt sind. Zumindest teilweise ist der Grund daf&#252;r, dass die Einheit aus vielen verschiedenen Personen besteht, die nicht alle Anarchisten sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzige erw&#228;hnenswerte Besonderheit ist die t&#228;gliche Praxis des &lt;i&gt;tekmil&lt;/i&gt; auf der Ebene der Gruppe, es handelt sich um eine wahrhafte &#8222;Sitzung zur Kritik und Selbstkritik, w&#228;hrend welcher die Entscheidungen der milit&#228;rischen F&#252;hrung und der Ausbildungsprozess diskutiert [werden]&#8220;. Es handelt sich auch hier um den Import von Praktiken der PKK und der YPG&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, op. cit., (...)&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz den zur Schau getragenen libert&#228;ren Idealen kann sich die Gruppe dem Aufkommen von &#8222;versteckten Machtk&#228;mpfen, konkurrierenden Machtambitionen und pers&#246;nlichen Konflikten im Allgemeinen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nat&#252;rlich nicht entziehen. Die angetroffenen Schwierigkeiten beleben auch die Rivalit&#228;ten zwischen politischen Gruppen (oder Mitgliedern von Gruppen) neu und lassen die Meinungsverschiedenheiten wieder hervortreten, die vom urspr&#252;nglichen Enthusiasmus in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht erstaunlich, dass die ukrainische Armee anfangs spezifische Organisationsweisen und etwas Flexibilit&#228;t erlaubt, solange es nicht st&#246;rt, sondern die Befehlskette oder die Erledigung von Aufgaben effizienter macht. Zu Beginn des Konflikts wurden viele Einheiten aufgrund von spezifischen Grundlagen gebildet, seien sie ethnisch, national (Tschetschenen, Weissrussen, Russen, Georgier), politisch (von rechts bis zu allen Spielarten des ukrainischen Rechtsextremismus) oder hinsichtlich der W&#252;nsche von Oligarchen oder Chefs von Unternehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews (...)&#034; id=&#034;nh48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und sie rivalisieren im Streben nach Prestige und finanzieller Unterst&#252;tzung; im Notfall werden vern&#252;nftige Zugest&#228;ndnisse also akzeptiert. Es ist klar, dass in dieser Umgebung das Bataillon, das sich dadurch auszeichnet, &#252;ber einen Zug von anarchistischen Aktivisten zu verf&#252;gen, wenig Chancen hat, eine prestigetr&#228;chtige Aufgabe zu erhalten&#8230; Es handelt sich dennoch nicht um eine Bestrafung, denn es w&#252;rde gen&#252;gen, diesen Zug in den t&#246;dlichsten Sektor der Front zu schicken um sich des Problems definitiv zu entledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ukrainische F&#252;hrungsstab, der seit Jahren versucht, ein bisschen Ordnung in all das zu bringen (besonders in all die 2014 gebildeten Einheiten nationalistischer Freiwilliger) und den Standards der NATO zu entsprechen, ist mit der russischen Invasion vor eine kompliziertere Aufgabe gestellt, aber im Verlauf der Monate nimmt die milit&#228;rische Hierarchie die Dinge wieder in die Hand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ende und Fortsetzungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Juli 2022 h&#246;rt der antiautorit&#228;re Zug aufgrund dieser Schwierigkeiten, der administrativen und b&#252;rokratischen Last und der schwachen Truppenmoral auf, als solcher zu existieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die ihn bildenden Elemente l&#246;sen sich auf im Rest der Truppen oder werden auf die verschiedenen Einheiten der Armee verteilt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (...)&#034; id=&#034;nh50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige, besonders die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, haben es in der Zwischenzeit bereits geschafft, den Zug zu verlassen und an die Front zu kommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (...)&#034; id=&#034;nh51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Telegram-Kan&#228;le zeigen, dass gewisse Aktivisten nun an verschiedenen Orten der Front pr&#228;sent sind; so beteiligen sich etwa 30 an der Offensive im September 2022 im Osten Charkiws&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, op. cit.&#034; id=&#034;nh52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch seither sind etwa 15 im Gefecht get&#246;tet worden. Im Oktober 2022 behauptet Solidarity Collectives, es w&#252;rden immer noch ungef&#228;hr 70 Antiautorit&#228;re unterst&#252;tzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (...)&#034; id=&#034;nh53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; sie sind jetzt alleine oder in kleinen Gruppen zwischen verschiedensten Einheiten und Aktivit&#228;ten zerstreut, inmitten Hunderttausender Soldaten auf einer mehr als 1&#8216;000 km langen Frontlinie und berichten von ihrem allt&#228;glichen Leben auf den sozialen Medien: Vier sind Mitglieder der Spezialkr&#228;fte (wahrscheinlich im 23. Bataillon der Pr&#228;sidentenbrigade Hetman Bohdan Chmelnyzkyj); ein anderer ist Scharfsch&#252;tze geworden; sechs (davon f&#252;nf des ehemaligen Zuges) dienen in der M&#246;rsereinheit der TV; f&#252;nf oder sechs andere sind scheinbar Teil einer Sektion der Luftaufkl&#228;rung (Drohnen, die Ziele f&#252;r die Artillerie bestimmen) der 92. mechanisierten Brigade, eine von einer Unteroffizierin angef&#252;hrte Gruppe, eine Frau namens Swallow, die sich als Anarchafeministin pr&#228;sentiert und behauptet, horizontale Praktiken (Wahl von Verantwortlichen, Kooperation auf Basisebene, Ablehnung der Hierarchie usw.) zu f&#246;rdern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle dienen in Einheiten, in denen eine patriotische Politikverdrossenheit oder diverse Formen des Nationalismus, oder gar noch Schlimmeres, die vorherrschenden Meinungen sind. Die Anarchisten und Antifas, die h&#228;ufig &#252;ber ihren Umgang befragt werden, beschreiben allerdings in der Regel ihre neuen Kollegen als sehr inklusiv, tolerant und br&#252;derlich und vor allem damit besch&#228;ftigt, einer gemeinsamen Sache zu dienen (die Russen zu besiegen). Ein weissrussischer Aktivist erkl&#228;rt: &#8222;In einem Sch&#252;tzengraben, wenn Drohnen &#252;ber dich hinwegfliegen, ein Scharfsch&#252;tze dich im Visier hat oder ununterbrochen Sch&#252;sse &#252;ber deinen Kopf pfeifen, in diesem Sch&#252;tzengraben kann irgendjemand dein bester Freund sein, es k&#246;nnte ein Fascho, es k&#246;nnte irgendjemand sein, das hat nicht die geringste Bedeutung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ein anderer &#8222;Antiautorit&#228;rer&#8220;, der in einer nationalistischen Einheit k&#228;mpft, betont sogar, dass sich die &#8222;Faschos&#8220; in den Sch&#252;tzengr&#228;ben und im Kasernenbereich ver&#228;ndern und weniger sektiererisch und offener werden, weil sie letztendlich verstehen, dass ihre politischen Feinde von gestern schlichtweg &#8222;Leute wie alle anderen auch&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (...)&#034; id=&#034;nh55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; sind&#8230; Ein psychologisches Ph&#228;nomen, gegen welches, man wird es verstanden haben, die linken Aktivisten glauben, auf wundersame Weise immun zu sein; wir k&#246;nnen also beruhigt sein. Diese Art von Reaktion ist in Tat und Wahrheit ziemlich klassisch: Es handelt sich um nichts Geringeres als um diese Waffenbr&#252;derschaft, die im Gefecht Menschen vereint, die im Vornhinein alles h&#228;tte trennen sollen, ohne sie ist das &#220;berleben unm&#246;glich &#8211; ein Mechanismus, der in Tausenden von B&#252;chern &#252;ber die Kriege des 20. Jahrhunderts beschrieben wird. Eine virile Kameradschaft und ein Respekt, der f&#252;r die Zivilisten und die Dr&#252;ckeberger unerreichbar ist, und sie &#252;berdauern h&#228;ufig den Konflikt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und (...)&#034; id=&#034;nh56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Roger Caillois beschreibt es treffend in &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt;: &#8222;Der Feuertaufe wird h&#246;chste Wirksamkeit zugeschrieben. Durch sie wird der Mensch angeblich zum furchtlosen Offizianten eines tragischen Kultes, zum Erw&#228;hlten eines eifers&#252;chtigen Gottes. Zwischen denen, die gemeinsam diese Weihe empfangen oder Seite an Seite die Gefahren der Schlacht teilen, herrscht Waffenbr&#252;derschaft. Die K&#228;mpfer sind durch dauerhafte Bindungen und ein Gef&#252;hl der &#220;berlegenheit und des Zusammenhalts im Hinblick auf diejenigen vereint, die nicht in Gefahr waren oder im Kampf keine aktive Rolle spielten. Es gen&#252;gt n&#228;mlich nicht, sich der Gefahr ausgesetzt zu haben, man mu&#223; den Gegner auch getroffen haben. Es handelt sich um eine zweifache Weihe. Sie beinhaltet nicht nur, da&#223; man zu sterben, sondern auch, da&#223; man zu t&#246;ten wagt. Ein Sanit&#228;ter hat kein Prestige [&#8230;] Man kann hier Spuren der charakteristischen Situation jener M&#228;nnerb&#252;nde primitiver Zivilisationen wiederentdecken, in die man nach schmerzhaften Pr&#252;fungen eintritt und deren Mitglieder in der Gemeinschaft besondere Rechte genie&#223;en.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roger Caillois, Der Mensch und das Heilige (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&#034; id=&#034;nh57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Anzahl der in der Armee pr&#228;senten Antiautorit&#228;ren schwindet, sei es nur, wir haben es gesehen, aufgrund der Toten und Verletzten; in Anbetracht der Entwicklung der K&#228;mpfe sind jene Freiwilligen, welche bereit sind, sie zu ersetzen, wohl immer seltener &#8211; die ersten Kriegswochen, die scheinbar aus Guerilla-Aktionen und romantischen Hinterhalten gegen idiotische Russen bestanden, haben nun schrecklichen Sch&#252;tzengr&#228;benk&#228;mpfen und Artillerieduellen Platz gemacht. In der gesamten ukrainischen Gesellschaft sind der Enthusiasmus und der Patriotismus der ersten Tage des Krieges von der Angst vor der Mobilisierung in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden; die Folge davon ist eine enorme Fluchtbewegung und eine Welle von Desertionen und Ungehorsam, die sich 2023 entwickeln und die Regierung nur mit M&#252;he in Schranken halten kann. Man erf&#228;hrt beil&#228;ufig in einer Nachricht auf Telegram, dass Solidarity Collectives inzwischen auch Gewerkschafter unterst&#252;tzt, die sich freiwillig der Armee angeschlossen haben, aber auch Mobilisierte &#8211; die definitionsgem&#228;ss keine Freiwillige sind! Man kann sich &#252;brigens durchaus die Frage stellen, wie gewisse Aktivisten, die nicht m&#252;de wurden, die Vorz&#252;ge des Kampfes an vorderster Front anzupreisen, sich jedoch dahinter als n&#252;tzlicher betrachteten, heute reagieren, konfrontiert mit einer immer zwingenderen Wehrpflicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vorstellung anarchistischer Brigaden, die totalit&#228;re russische Horden zur&#252;ckdr&#228;ngen, hat im Westen zu vielen Tr&#228;umereien gef&#252;hrt, doch die Realit&#228;t, mit welcher man konfrontiert ist, jene des antiautorit&#228;ren Zuges oder einiger zu Soldaten gewordener Individuen, ist weit weniger verz&#252;ckend. Man muss eingestehen, dass es seit Anfang des Krieges nie eine anarchistische milit&#228;rische Einheit gab, allenfalls eine Einheit der Armee, in welcher ein Teil der libert&#228;ren und antifaschistischen Freiwilligen zusammengekommen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso dieses &#8222;Scheitern&#8220;? Mehrere Aktivisten meinen, sie h&#228;tten einfach nur Pech gehabt, besonders als der Kommandant ihres Bataillons im Fr&#252;hling 2022 ersetzt wurde: Der neue Offizier, viel weniger sympathisch als der vorherige, habe den vollst&#228;ndigen Ausdruck der libert&#228;ren M&#246;glichkeiten seiner M&#228;nner nicht erlaubt, allen voran, weil er ihnen keine Kampfmissionen gab&#8230; Andere glauben, dass zuvor viel zu viel Zeit und Energie mit antimilitaristischen Ideen verschwendet worden waren, was zu einem flagranten Mangel an Vorbereitung und Organisation gef&#252;hrt habe &#8211; eine Erkl&#228;rung, die ihnen offensichtlich scheint, wenn sie sich mit den zahlreichen rechtsextremen Einheiten vergleichen, die gut ausger&#252;stet sind und viel rekrutieren, effizient, sehr pr&#228;sent in den Medien und popul&#228;r sind &#8211; und es dann bereuen, dass die Anarchisten ab 2014 ihrem Beispiel hinsichtlich Organisation nicht gefolgt sind!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et (...)&#034; id=&#034;nh58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das erinnert an die Lehren bez&#252;glich der Frage des Zwecks und der Mittel, diesem immerw&#228;hrenden Mangel an Organisation der Libert&#228;ren gegen&#252;ber ihren Widersachern, die Nestor Makhno aus dem russischen B&#252;rgerkrieg ziehen wollte&#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah (...)&#034; id=&#034;nh59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ja, klar, wenn die Anarchisten am besten strukturiert, milit&#228;risch am besten organisiert, besser ausger&#252;stet, besser trainiert und effizienter w&#228;ren, w&#252;rden sie vielleicht auf den Schlachtfeldern gewinnen. Aber w&#228;ren sie dann noch Anarchisten? Die Revolution wird kein Gala-Diner sein, ganz bestimmt nicht. Doch sie wird auch keine milit&#228;rische Konfrontation, keine Aneinanderreihung von Siegen der Armee der Proletarier/Aktivisten &#252;ber jene der Kapitalisten sein und dabei die radikalen Transformationen der Gesellschaft auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben. Sie wird &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; die Abschaffung des Staates, des Werts, der Lohnarbeit, der Klassen (und somit des Proletariats), der Geschlechterrollen usw. sein, die Abschaffung der bestehenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Schaffung neuer &#8211; ein Prozess, der manchmal mit dem Begriff der &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; beschrieben wird.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &#8222;Activit&#233; de crise et (...)&#034; id=&#034;nh60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Von einem anarchistischen Standpunkt aus und ohne falsche Prinzipientreue oder opportunistische Betrachtungen, sondern mit Bescheidenheit und Verst&#228;ndnis, sollten wir versuchen, aus der spanischen Revolution Lehren zu ziehen. Ich bin &#252;berzeugt, dass eine blinde Bewunderung ohne jegliche Kritik unsere Bewegung weit mehr als eine ehrliche Einr&#228;umung der vergangenen Fehler schw&#228;chen wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maria Luisa Berneri&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[I]ch sammle W&#246;rter. Es gibt viele lange Wintertage &#8211; und dann wissen wir nicht mehr, wor&#252;ber wir sprechen sollen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leo Linni&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben hier die Aktionen seit Februar 2022 von gewissen Individuen er&#246;rtert, die sich als Anarchisten, Antiautorit&#228;re und Antifas bezeichnen; es sollte daran erinnert werden, dass sie deswegen nicht repr&#228;sentativ f&#252;r die Gesamtheit der Aktivisten dieser Str&#246;mungen im Land sind. In etlichen L&#228;ndern kommen, nach einer mehr oder weniger langen Periode, wo eine herablassende Milde gepaart mit viel Unbehagen vorherrschte, die Debatte und Kritik in den aktivistischen Medien auf. Sogar in der Ukraine selbst sehen einige nicht wirklich, in welcher revolution&#228;ren Tradition diese Freiwilligen in Uniform stehen k&#246;nnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;L'anarchisme britannique succombe &#224; la (...)&#034; id=&#034;nh61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrheit der ukrainischen Anarchisten entschied sich wahrscheinlich daf&#252;r, die Kriegsanstrengungen gegen die russische Invasion zu unterst&#252;tzen, doch es gab eine Debatte und antimilitaristische und internationalistische Positionen kamen darin vor. In Anbetracht der autorit&#228;ren Ausw&#252;chse des ukrainischen Machtapparats riskieren jene, welche den Burgfrieden, den Krieg, alle Armeen (und somit die Wehrpflicht), alle Staaten und den Kapitalismus verurteilen wollen, scharfe Repression unter dem Kriegsrecht. Sie k&#246;nnen also keine Lokale oder Homepages haben, nicht zu Unterst&#252;tzung aufrufen oder Aktionen durchf&#252;hren und sind somit dazu verurteilt, in andere L&#228;nder zu fl&#252;chten oder sich in eine sehr gef&#228;hrliche Klandestinit&#228;t zu begeben. Einige Individuen versuchen noch, einen klassischen und wenig spektakul&#228;ren Aktivismus zu betreiben, d.h. mit grosser Vorsicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, (...)&#034; id=&#034;nh62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das gilt zum Beispiel f&#252;r die Gruppe Assembleia in Charkiw, die jene Bev&#246;lkerungen humanit&#228;r unterst&#252;tzt, welche Opfer vom Konflikt geworden sind, weiterhin, allen voran von einem lokalen Standpunkt aus, &#252;ber soziale Fragen (Urbanismus, &#214;kologie und Korruption) spricht und auf ihrer Ebene am Informationsaustausch zur Umgehung der Wehrpflicht auf Telegram teilnimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&#8220; in Le Monde (...)&#034; id=&#034;nh63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir werden detaillierter auf die ukrainischen Gegner des Krieges und der Armee in einem sp&#228;teren Artikel zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit k&#246;nnte man sich die Frage stellen, was die Aktivit&#228;t von etwa 50 Aktivisten ohne den geringsten Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse inmitten von fast einer Million Uniformierter n&#252;tzt. Wenn diese Aktivit&#228;t tats&#228;chlich eine Auswirkung hat, dann wahrscheinlich auf das Milieu mit revolution&#228;rem Anspruch im Westen. &#220;ber die sozialen Medien adressieren sich die ukrainischen Antiautorit&#228;ren regelm&#228;ssig an ebendiese linksradikalen Aktivisten, Antifas, Anarchisten und sogar Autonomen, um eine finanzielle Unterst&#252;tzung und ein mediales Echo zu bekommen; so werden Konzerte, Unterst&#252;tzungsabende oder T-Shirt-Verk&#228;ufe in den Lokalen der Aktivisten organisiert. Man verbreitet dort, ohne es zu wagen, ihn zu kritisieren, den Diskurs der die nationale Verteidigung gutheissenden ukrainischen Aktivisten, der, vergessen wir es nicht, als innovativ und pragmatisch dargestellt wird und von dem gesagt wird, dass er die westlichen Revolution&#228;re betreffend der Vorbereitung des kommenden Krieges inspirieren soll. Aber was w&#252;rde das bedeuten? Sollte man sich, um konsequent sein, dem &#196;quivalent der TV anschliessen, d.h., in Frankreich, dieser Nationalgarde, deren Formation 2016 von den Aktivisten als Zeichen einer abscheulichen Militarisierung der Gesellschaft und ihr faschistischer Auswuchs denunziert wurde?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die (...)&#034; id=&#034;nh64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Wenn man gewissen ukrainischen Antifas zuh&#246;rt, w&#228;re es jedoch von gr&#246;sstem Interesse f&#252;r einen jungen franz&#246;sischen Aktivisten, sich dieser Nationalgarde anzuschliessen und dort, auf die Gefahr hin, auf &#8222;Faschos&#8220; zu treffen (die, wir haben es weiter oben gesehen, sich im Alltag als sympathische Typen herausgestellt haben), den Umgang mit Waffen und den Kampf zu lernen&#8230; In diesem Fall sollte man sich jedoch vielleicht, und besonders, wenn man w&#252;nscht, dass das &#8222;franz&#246;sische Volk&#8220;, genau wie das &#8222;ukrainische Volk&#8220;, auch f&#228;hig ist, &#8222;sich zu verteidigen&#8220;, dass die Mittel und die Mitgliederzahl dieser Garde vergr&#246;ssert werden oder sogar, dass der obligatorische Wehrdienst wieder eingef&#252;hrt wird!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sollte man sonst noch von diesen ukrainischen Aktivisten lernen? Den notwendigen Pragmatismus? Die Notwendigkeit einer verst&#228;rkten Organisation f&#252;r mehr Effizienz? Das Primat der Aktion &#252;ber das Nachdenken und des Milit&#228;rischen &#252;ber das Politische? Die positiven Aspekte des Nationalismus (der &#8222;befreiend und kreativ&#8220; sein k&#246;nne, wie es uns schon Rojava gezeigt habe)?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der (...)&#034; id=&#034;nh65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Hinf&#228;lligkeit des Antimilitarismus und des Internationalismus in Kriegszeiten? Die Hinf&#228;lligkeit des Antifaschismus, sobald man Seite an Seite mit den Faschisten f&#252;r ein gemeinsames Ziel (die Verteidigung der Demokratie) k&#228;mpft? Die notwendige Pausierung jeglicher sozialer Kritik im Falle eines Krieges (w&#228;hrend man auf die R&#252;ckkehr des Friedens und den Sieg des Guten &#252;ber das B&#246;se wartet)? Die Idee, das R&#228;derwerk des Staates zu benutzen, wenn man nicht stark genug ist, um ihn zu vernichten? Eine Reihe von Ideen, denen wir schon w&#228;hrend den schlimmsten Momenten der Geschichte der Arbeiterbewegung begegnet sind. Um nur auf zwei Punkte einzugehen: Es ist ziemlich &#252;berraschend, eine politische Meinung auszuklammern, sobald es zu einer Krise kommt, da sie eben genau in solchen Situationen von Interesse ist!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend (...)&#034; id=&#034;nh66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Notwendigkeit ihrerseits, bei jeder Gelegenheit &#8222;etwas zu tun&#8220;, geh&#246;rt eher zu den pers&#246;nlichen existenziellen Fragen und den aktivistischen Reflexen als zu irgendeiner moralischen Verpflichtung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Europa haben sehr wenige Gruppen und Organisationen klassische revolution&#228;re Positionen eingenommen, die meisten haben f&#252;r eine Verurteilung des Krieges gepaart mit einer scheuen Unterst&#252;tzung f&#252;r den &#8222;ukrainischen Widerstand&#8220; optiert; gewisse Linksradikale, Anarchisten und Autonome haben sich sogar daf&#252;r entschieden, eine Initiative zu unterst&#252;tzen, die grunds&#228;tzlich von militaristischer Art und offensichtlich patriotisch gepr&#228;gt ist&#8230; Die ukrainischen Deserteure, Verweigerer und Antimilitaristen, die sich weigern, geschlachtet zu werden, sind meistens vergessen gegangen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta (...)&#034; id=&#034;nh67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; obwohl es wahr ist, dass letztere sich nicht medial in Szene setzen konnten, war es vom ersten Tag der Invasion an unm&#246;glich, ihre Existenz zu &#252;bersehen. Das zeigt einmal mehr, inwieweit, sogar &#8222;links&#8220;, eine Uniform, ein Sturmgewehr und/oder eine Kampferfahrung &#8211; Virilit&#228;t in hohen Dosen &#8211; faszinieren und eine scheinbare politische Glaubw&#252;rdigkeit verschaffen k&#246;nnen. Eine &#8211; meist virtuelle &#8211; Unterst&#252;tzung, die in der Regel nicht von einem Bruch oder einer Abweichung gegen&#252;ber einem allt&#228;glichen Aktivismus zeugt, sondern eher von einer banalen Kontinuit&#228;t&#8230;&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Wir greifen hier einige S&#228;tze unseres Artikels vom Mai 2022 wieder auf, es ging darin schon kurz um die Aktivisten, welche die nationale Verteidigung gutheissen: &#8222;Wir wiederholen es, es geht hier f&#252;r uns nicht darum, die Art und Weise zu kritisieren, wie Leute auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern gegebenenfalls um die an uns gerichteten Diskurse und v.a. jene &#252;ber sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/i&gt;Die Bereitschaft ist mittlerweile im Aktivistenmilieu solide verankert, &#252;berall revolution&#228;res &#8222;Potenzial&#8220; zu sehen, v.a. wenn die Region weit weg und exotisch ist &#8211; ein Standpunkt, der hier besonders an den Haaren herbeigezogen ist. Doch jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, welche die ukrainische Frage auf sehr verf&#252;hrerische Art und Weise und vielleicht offener als andere &#8222;Operationsfelder&#8220; heimsuchen, nichts anderes als der Militarismus, der Nationalismus und das Konzept des Burgfriedens, morbide Varianten des Interklassismus. Ideologien, von denen sogar die erfahrensten und theoretisch bewandertsten Aktivisten mitgerissen werden k&#246;nnen, wenn die Umst&#228;nde passen, die Geschichte hat es auf traurige Art und Weise gezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist aber so, dass wir keine Bombenangriffe erdulden m&#252;ssen, dass in unseren Strassen keine K&#228;mpfe stattfinden und dass wir nicht Gefahr laufen, jede Minute get&#246;tet zu werden. Wir haben also keine Entschuldigung, keine Entschuldigung, um den Kopf zu verlieren. Wir k&#246;nnen von relativ komfortablen Rahmenbedingungen profitieren, um ruhig &#252;ber die laufenden Ereignisse nachzudenken. Es w&#228;re falsch, sie nicht zu missbrauchen, denn diese Rahmenbedingungen verschwinden vielleicht schneller als wir glauben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und (...)&#034; id=&#034;nh68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn wie wird Europa in zehn, f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahren aussehen? Wie wird es um das deutsch-franz&#246;sische Verh&#228;ltnis oder den russischen Einfluss stehen? Wer weiss es? Alles, was man beobachten kann, sind eine allgemeine Remilitarisierung und einige L&#228;nder (Deutschland, Polen und die Ukraine), die versuchen, die m&#228;chtigste Armee des Kontinents aufzubauen. Viele verstehen endlich, dass die Beteiligung Frankreichs an einem Konflikt mit hoher Intensit&#228;t, der sich &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; bis auf seinen eigenen Boden ausdehnen kann, nicht nur ein dystopisches Szenario darstellt&#8230; Doch im Gegensatz zu dem, was nun viele zu glauben scheinen, wird der Krieg, der den Kern Europas heimsuchen wird, wom&#246;glich nicht ein Krieg zwischen der NATO und Russland sein. Auf alle F&#228;lle wird, sollte eine solche Katastrophe eintreten, das offizielle und mediale Narrativ zwingend jenes des Guten (&#8222;wir&#8220;) gegen das B&#246;se (&#8222;unsere&#8220; Feinde) sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das (...)&#034; id=&#034;nh69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; doch wie werden wir dann reagieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stellt euch vor, dass ihr in einer nicht so fernen Zukunft in einem Frankreich, das nun im Krieg ist, alte Genossen trefft, die euch erkl&#228;ren, dass man die franz&#246;sische Armee unterst&#252;tzen muss, dass junge und mutige Aktivisten sich freiwillig engagiert haben, dass man die Regierung in diesem schwierigen Moment nicht kritisieren soll, dass die Streikenden wirklich verantwortungslos sind usw., denn heutzutage &#8222;ist es nicht mehr wie fr&#252;her&#8220; &#8211; obwohl es eben genau immer noch genau gleich ist, immer noch zwei Bourgeoisien, die einander entgegenstehen und ihre jeweiligen Proletarier in den Tod schicken. Angesichts der Geschichte der Arbeiterbewegung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen (...)&#034; id=&#034;nh70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und gewissen gegenw&#228;rtigen Positionsbez&#252;gen w&#228;re eine solche Szene alles andere als erstaunlich; viele werden sich selbst verleugnen und sehr wenige werden dazu stehen (die Verurteilung dieser Tatsache heute sagt nichts &#252;ber unsere morgigen Entscheidungen aus). Ist es dennoch notwendig, schon heute damit zu beginnen? K&#246;nnen wir nicht im Gegenteil vom &#8222;Luxus&#8220; des Friedens profitieren, solange wir ihn noch geniessen k&#246;nnen, um zu &#252;berlegen, bevor wir Position beziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die dreckigen Zugest&#228;ndnisse von 1914 erlaubten zumindest (f&#252;r eine gewisse Zeit) die Definition von klaren politischen Trennlinien und das Auftauchen von (anf&#228;nglich minorit&#228;ren) Gruppen von Revolution&#228;ren, als ein in diesem Ausmass noch nie gesehener proletarischer Angriff das alte Europa erzittern liess. Die gegenw&#228;rtige Periode best&#228;tigt, dass sich die Dinge jenseits der Minderheiten mit revolution&#228;rem Anspruch abspielen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf hoffnungsvollere Tatsachen zur&#252;ckkommen und von der Art und Weise sprechen, wie die Proletarier im Alltag und ohne Ideologie dem laufenden Gemetzel im Osten und S&#252;den der Ukraine zu entfliehen suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tristan Leoni, &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;J&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;an&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;uar&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; 2024&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3572&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 er&#246;rterten wir den die Ukraine heimsuchenden Konflikt in einem langen Artikel, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034;&gt;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034;&gt;und Selbstorganisation&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;, der auf dem Blog &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;DDT21&lt;/a&gt; ver&#246;ffentlicht und &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3460&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;in verschiedene Sprachen &#252;bersetzt&lt;/a&gt; worden ist. Man findet dort einige erste &#220;berlegungen zu den anarchistischen K&#228;mpfern, &#252;ber die man damals nur sehr wenige Informationen hatte. Seither sind ihnen in der aktivistischen Presse etliche Artikel, Interviews und Dokumentationen gewidmet worden, sie sind jedoch stets partiell und knapp, sowie h&#228;ufig hagiographisch. Soweit wir wissen, hat niemand (und besonders nicht ihre eifrigsten Bewunderer) versucht, die Geschichte und die Aktivit&#228;ten dieser Aktivisten auf einfache und synthetische Art und Weise zu pr&#228;sentieren. Wir begn&#252;gen uns hier damit, die zerstreuten Informationen zusammenzubringen, die in den verschiedenen Dokumenten verf&#252;gbar sind, einige Teile dessen zusammenzulegen, was ein endg&#252;ltiges Bild davon sein soll.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im Kriegsfall die Weigerung beschreibt, ein Lager gegen ein anderes zu verteidigen (da beide definitionsgem&#228;ss kapitalistisch sind), den Antimilitarismus, den revolution&#228;ren Def&#228;tismus und den Aufruf zur Verbr&#252;derung zwischen den beteiligten Proletariern (gegen ihre Hierarchien und ihre jeweiligen Bourgeoisien).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus bloss eine politische Strategie ist und dass diese logischerweise keine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist; sie ist &#252;brigens heftig kritisiert worden, vor allem im Italien der 1920er Jahre von der kommunistischen Linken, welche die Einreihung des Proletariats in die Verteidigung einer naturgem&#228;ss b&#252;rgerlichen Demokratie denunzierte (was die Aktivisten nicht daran hinderte, die Faschisten k&#246;rperlich anzugreifen). Die Formel des zentralen Theoretikers dieser Str&#246;mung, Amadeo Bordiga (1889-1970), hat es zu einer gewissen Ber&#252;hmtheit gebracht: &#8222;Antifaschismus ist das schlimmste Produkt des Faschismus.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &lt;a href=&#034;https://www.galiciaconfidencial.com/noticia/239242-combatentes-anarquistas-guerra-ucraina-loitamos-imperialismo-ruso&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de Ucra&#237;na: &#8218;Loitamos contra o imperialismo ruso&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 28. August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &#8222; &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/four-months-anti-authoritarian-platoon-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;a href=&#034;https://www.militantwire.com/p/defensive-war-as-an-act-of-popular&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive Interview with an Anarchist Fighter of the Territorial Defense Forces of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 31. Mai 2022. Zum Hoods Hoods Klan, siehe Laurent Gueslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.lalibre.be/international/2012/06/07/ukraine-hooligans-dextreme-gauche-SVCTZXIQUJAIBL6KINCE4ATP6Y&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : hooligans d'extr&#234;me gauche&lt;/a&gt;&#8220;, 7. Juni 2012; ein Dokumentarfilm von Popular Front vom Juni 2022, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=nsodbPkjO3c&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Frontline Hooligan: Ukraine's Anti-Fascist Football Ultras Fighting Russian Invasion&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die Entwaldung, den Bau von Windr&#228;dern und andere Baustellen. Siehe Pramen, &#8222;&lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/12/a-conversation-with-anarchists-from-ecoplatform-fighting-in-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;A conversation with anarchists from Ecoplatform fighting in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 27. Dezember 2022. Es ist zumindest eigenartig, dass Aktivisten, die so viel Respekt vor lebenden Wesen zeigen, sich in der Armee engagieren mit dem Projekt, russische Soldaten zu t&#246;ten&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://la-presse.org/anarchist-manifest-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, Transkarpatiens und der Bukowina im 18. Jahrhundert, ihr Anf&#252;hrer war Oleksa Dowbusch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;der Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist es nicht unbedeutend, dass den Autoren nur dieses Beispiel in den Sinn kommt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an rechtsextremen Organisationen und Aktivisten teil sind, die bis im Februar 2022 von den Antiautorit&#228;ren als &#8222;Faschisten&#8220; bezeichnet und als solche bek&#228;mpft wurden&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem Privatsektor zu offerieren. Siehe H&#233;l&#232;ne Richard, &lt;a href=&#034;https://monde-diplomatique.de/artikel/!5970155&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Arbeiten, k&#228;mpfen, durchhalten&#8220;&lt;/a&gt;, November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://lundi.am/L-organisation-des-anarchistes-sur-le-front-ukrainien&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&lt;/a&gt;&#8220;, 9. Januar 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und Juni 2022 von Operation Solidarity aufgewendeten 59&#8216;680 &#8364; 41&#8216;404 &#8364; f&#252;r &#8222;milit&#228;rische Anliegen&#8220; ausgegeben worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches Netzwerk, das 1907 gegr&#252;ndet worden ist und theoretisch die Unterst&#252;tzung von politischen und sozialen Gefangenen zum Ziel hat. Die Gruppe aus Dresden hat scheinbar f&#252;r eine etwas originellere Positionierung optiert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://freedomnews.org.uk/2023/03/31/voices-from-the-front-russian-anarchist-fights-for-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer Arbeit ist die Kreativit&#228;t und die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit, nicht der Kauf (von Ausr&#252;stung) selbst und auch nicht die Interaktion mit den Einheiten.&#8220; Daria Shulzhenko, &#8222;&lt;a href=&#034;https://kyivindependent.com/donations-on-decline-volunteers-get-creative-to-keep-raising-funds-for-military/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Donations on decline: Volunteers get creative to keep raising funds for military&lt;/a&gt;&#8220;, 1. November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das Team Berlioz oder die Task Force Baguette, in welchen franz&#246;sischsprachige Freiwillige dienen. Diese Verpflichtung, f&#252;r die M&#228;zene ein verf&#252;hrerisches Bild zu zeichnen, existiert auch auf einem ganz anderen Niveau: Der Forscher C&#233;dric Mas h&#228;lt fest, dass &#8222;es eine gewisse Anzahl milit&#228;rischer Operationen gibt, in denen Menschen sterben, verletzt werden oder Glieder verlieren, die nur ausgef&#252;hrt werden, um Videos herauszugeben und danach eine Informationsaktion durchzuf&#252;hren&#8220;; geh&#246;rt im Podcast &#8222;&lt;a href=&#034;https://soundcloud.com/le-collimateur/dune-guerre-a-lautre-comprendre-et-interpreter-loffensive-ukrainienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;D'une guerre &#224; l'autre. Comprendre et interpr&#233;ter l'offensive ukrainienne&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Le Collimateur&lt;/i&gt;, Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://telegra.ph/Solidarity-Collectives-Statement-07-04&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Solidarity Collectives Statement&lt;/a&gt;&#8220;, 4. Juli 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/main-page-english/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten befinden, die &#252;ber eine mediale Aura und ein gewisses Prestige verf&#252;gen (im Gegensatz zum Anarchisten bei Asow?), hat sich wom&#246;glich zu ihren Gunsten ausgewirkt. Zur Beteiligung von libert&#228;ren Aktivisten an rechtsextremen Einheiten, siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=KCynPQwZU9I&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk: clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&lt;/a&gt;&#8220;, Juni 2023, oder auch Perrine Poupin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mouvements.info/leruption-de-la-russie-en-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un volontaire de la d&#233;fense territoriale de Kiev&lt;/a&gt;&#8220;, 29. M&#228;rz 2022. Zum Kastus-Kalinouski-Regiment, siehe Pierre-Yves Baillet, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.frogofwar.info/entretien-avec-denys-kit-prokhorov-commandant-du-regiment-kastus-kalinouski-2/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec Denys &#8218;KIT&#8216; Prokhorov, commandant du r&#233;giment Kastu&#347; Kalino&#365;ski&lt;/a&gt;&#8220;, 8. Dezember 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Es muss auch betont werden, dass es auf den sozialen Medien nur so von Informationen, Ger&#252;chten und wahrscheinlich auch schlichten Verleumdungen hinsichtlich vergangener oder gegenw&#228;rtiger geheimer Zusammenarbeit gewisser sehr prominenter ukrainischer Anarchisten mit rechtsextremen Milieus wimmelt. Aus der Distanz und aufgrund der Grenzen automatischer &#220;bersetzung ist es schwierig, herauszufinden, was stimmt und was nicht. Ruhe und Gelassenheit stehen in diesem Milieu auf jeden Fall nicht auf der Tagesordnung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den zugeschriebenen Ort nicht so einfach wie bei der Anmeldung im Schachclub oder im Boxstudio, doch der Mangel an Organisation w&#228;hrend den ersten Tagen der Invasion hat wahrscheinlich etwas Flexibilit&#228;t m&#246;glich gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht aus einer variablen Anzahl Bataillone (die ihrerseits aus Kompanien bestehen, diese werden aus Z&#252;gen gebildet, letztere bestehen aus Gruppen). Die TV des Oblasts von Kiew enth&#228;lt die 112. und die 241. Brigade.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://danslabrume.noblogs.org/post/2023/08/22/apres-le-bataillon-anti-autoritaire-suite-de-la-resistance/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&lt;/a&gt;&#8220;, August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Laurent Geslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.mediapart.fr/journal/international/260622/en-ukraine-des-anarchistes-montent-au-front-pour-combattre-l-invasion-russe&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour combattre l'invasion russe&lt;/a&gt;&#8220;, 6. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034;&gt;unserem Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; schrieben wir folgendes in einer Fussnote: &#8222;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die streitenden Kr&#228;fte scheinen f&#252;r die j&#252;ngsten westlichen Entwicklungen hinsichtlich der Geschlechterrollen kaum empf&#228;nglich zu sein. Hier, obwohl wir in Europa sind, ist das Schema viel klassischer: Jene, welche k&#228;mpfen, sind M&#228;nner (ausser vielleicht einige wenige Ausnahmen in der TV) und jene, welche fliehen, sind Frauen, Kinder und Alte.&#8220; Ende 2023 entwickelt sich die Situation aufgrund der Verknappung von Freiwilligen und die Frauen werden immer mehr herangezogen. Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf diese Frage zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://operation-solidarity.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;ihre Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit dem Spanienkrieg zu vergleichen; betonen wir also, dass die Milizen der CNT und der FAI zwischen 1936 und 1937 ungef&#228;hr 50&#8216;000 K&#228;mpfer z&#228;hlen (auf eine Bev&#246;lkerung von 25 Millionen Einwohnern in Spanien 1936 gegen 43 Millionen in der Ukraine 2021). Die Revolution&#228;re aufst&#228;ndische Armee Nestor Makhnos ihrerseits z&#228;hlte 1919 mehr als 100&#8216;000 M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten der ukrainischen Armee unter jenen, welche offen eine rechtsextreme Ideologie zur Schau tragen &#8211; zwischen 3&#8216;500 und 5&#8216;000 M&#228;nner. Trotz seiner schweren Verluste, besonders w&#228;hrend der Schlacht von Mariupol, scheint der Zustrom an Freiwilligen, die sich ihm anschliessen wollen, nicht abzunehmen und das Regiment wird sogar im Februar 2023 offiziell zur Brigade &#8222;aufgewertet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034;&gt;unseren Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia und der daraus folgenden unvermeidlichen Ausw&#252;chse und &#220;bergriffe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Joshua Askew, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.euronews.com/my-europe/2022/06/09/meet-the-motley-crew-of-anarchists-and-anti-fascists-fighting-russia-in-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists fighting Russia in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 10. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;The media committee of the platoon, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/anti-authoritarian-platoon-of-ukraine-are-we-anarchists-and-what-we-do/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine : Are We Anarchists and What We Do&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews kreiert worden ist, wird zum Beispiel von ehemaligen Pr&#228;sidenten Petro Poroschenko ausger&#252;stet und finanziert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und intellektuellen Wallungen der Zwischenkriegszeit in Europa oder, in Italien, die abenteuerliche Episode von Fiume (1919-1924), an welcher unklassifizierbare Aktivisten, Protofaschisten, Royalisten und Anarchisten gemeinsam beteiligt waren, zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roger Caillois, &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt; (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah als einzige L&#246;sung f&#252;r die k&#252;nftigen K&#228;mpfe, sich von ihrer Organisationsweise zu inspirieren. Diese Ideen werden besonders in einem Text von 1926 entwickelt, &#8222;Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Activit&#233; de crise et communisation&#8220;&lt;/a&gt;, 2010, und Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/IMG/pdf/21rupture-livre.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/a&gt;, Genf/Paris, Entremonde, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;&lt;a href=&#034;https://cras31.info/IMG/pdf/olga_taratuta_n4_2023-05.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'anarchisme britannique succombe &#224; la fi&#232;vre de la guerre&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Initiative de solidarit&#233; Olga Taratuta&lt;/i&gt;, Nr. 4, Mai 2023, S. 7-19.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann sich entwickeln, seine Meinung &#228;ndern. Aber &#246;ffentlich einer Sache absagen, f&#252;r die man w&#228;hrend Jahren gek&#228;mpft hat, ist nicht einfach, umso mehr, weil man Gefahr l&#228;uft, dabei seine Freunde, seine Beziehungen zu verlieren. Man zieht es vor, sich vor sich selbst zu verstecken, zu behaupten, die Welt habe sich ge&#228;ndert, dass unsere Ideale modernisiert werden m&#252;ssen und man pragmatisch sein m&#252;sse.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, die sich weigerten, ihre Ansichten zu verleugnen und sich dem Burgfrieden anzuschliessen, und weiterhin den Antimilitarismus, den Internationalismus und revolution&#228;ren Def&#228;tismus verteidigten, schnell an die vorderste Front geschickt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://monde-libertaire.net/index.php?articlen=6711&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde libertaire&lt;/i&gt;, 4. September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die verschiedenen vorhandenen Reserven zusammenbrachte. Siehe Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;http://www.lemondealenvers.lautre.net/livres/manu_militari.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Manu Militari ? Radiographie critique de l'arm&#233;e&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2018, S. 65-66.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der Nation k&#228;mpfen, doch es handelt sich nur um Symbole und Worte, die am wirklichen Wesen der die Ukraine durchdringenden Bewegung nichts &#228;ndern. Wenn ich auf jeden Fall im Moment zwischen &#8218;Es lebe der K&#246;nig&#8216; und &#8218;Es lebe die Nation&#8216; w&#228;hlen muss, entscheide ich mich ohne zu z&#246;gern f&#252;r die Nation!&#8220; Perrine Poupin, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend des Ersten Weltkrieges alles andere als verstaubt sind; sie sind im Gegenteil besonders aktuell. Siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://quatre.zone/2022/04/01/les-anarchistes-contre-la-guerre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les anarchistes contre la guerre, de 1914 &#224; 2022&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta erw&#228;hnen und begr&#252;ssen, eine Gruppe, die Fl&#252;chtlinge, Deserteure und Pazifisten unterst&#252;tzt, egal, ob sie aus Russland, Weissrussland oder der Ukraine kommen. Mehr Infos auf ihrer &lt;a href=&#034;https://nowar.solidarite.online/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das Lager des Guten w&#228;hlen, es meistens jenes ist, welches von den herrschenden b&#252;rgerlichen Medien als solches designiert wird (Pal&#228;stina ist hierf&#252;r die Ausnahme); siehe diesbez&#252;glich Claude Guillon, &lt;a href=&#034;http://www.insomniaqueediteur.com/publications/dommages-de-guerre&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Dommages de guerre : Paris-Pristina-Belgrade 1999&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, L'Insomniaque, 2000. Man entscheidet sich in der Regel nicht f&#252;r ein Lager, wenn der Konflikt nicht prominent in den Medien vertreten ist; die Kriege, die seit Jahren im Jemen, im Kongo oder im Sudan w&#252;ten, sind gute Beispiele daf&#252;r.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen Arbeiterbewegung im Sommer 1914 sollte man unbedingt das Werk von Jean-Claude Lamoureux lesen: &lt;a href=&#034;https://lesnuitsrouges.com/produit/les-nuits-rouges/disponibles/les-10-derniers-jours/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les Dix Derniers Jours&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Les Nuits rouges, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/leonianarchistenukr.pdf" length="170149" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Gegen die Partei des Aufstands. Ein Blick auf den Appellismus in den USA</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Gegen-die-Partei-des-Aufstands-Ein-Blick-auf-den-Appellismus-in-den-USA</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Gegen-die-Partei-des-Aufstands-Ein-Blick-auf-den-Appellismus-in-den-USA</guid>
		<dc:date>2024-05-05T13:39:10Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>Appellismus</dc:subject>
		<dc:subject>USA</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Der Appellismus ist eine informelle Str&#246;mung des autorit&#228;ren Kommunismus, der auf diesem Kontinent ungef&#228;hr im letzten Jahrzehnt an Boden gewonnen hat. Indem sie Elemente sowohl der revolution&#228;ren Parteistruktur als auch des aufst&#228;ndischen Anarchismus aufnimmt, erfindet diese Tendenz den autorit&#228;ren Kommunismus als etwas neu, das wie informelle Netzwerke aussieht, aber wie eine Partei handelt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Appellisten stellen sich in der Regel nicht als Appellisten vor. Der Begriff bezieht sich auf (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Appellismus" rel="tag"&gt;Appellismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/USA" rel="tag"&gt;USA&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/tarnac_-_eglise_saint-georges.jpg?1714160448' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Appellismus ist eine informelle Str&#246;mung des autorit&#228;ren Kommunismus, der auf diesem Kontinent ungef&#228;hr im letzten Jahrzehnt an Boden gewonnen hat. Indem sie Elemente sowohl der revolution&#228;ren Parteistruktur als auch des aufst&#228;ndischen Anarchismus aufnimmt, erfindet diese Tendenz den autorit&#228;ren Kommunismus als etwas neu, das wie informelle Netzwerke aussieht, aber wie eine Partei handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten stellen sich in der Regel nicht als Appellisten vor. Der Begriff bezieht sich auf den &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Appel&lt;/i&gt; in der franz&#246;sischen Originalversion) vom Unsichtbaren Komitee, der von einigen der gleichen Autoren wie die Zeitschrift &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; 1999 geschrieben worden ist. Deshalb werden &#8222;Appellisten&#8220; manchmal auch &#8222;Tiqqunisten&#8220; genannt. Beides sind Begriffe, die von Anarchisten bekannt gemacht worden sind, um der appellistischen Behauptung entgegenzuwirken, sie h&#228;tten keine Ideologie oder kein etabliertes politisches Netzwerk.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die appellistische Verlogenheit diesbez&#252;glich ist Teil einer breiteren Strategie, zu versuchen, nicht mehr als unterscheidbare Gruppe oder unterscheidbares Milieu sichtbar zu sein (sie nennen das &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220;). Sie versuchen sodann, unsichtbar verschiedene Aspekte des allt&#228;glichen Lebens in Richtung einer Form des Kommunismus zu organisieren, mit einem Schwerpunkt auf dem Aufbau von Infrastruktur und der Kontrolle dar&#252;ber. Dies geht einher mit der Bem&#252;hung, entscheidend in Momenten des sozialen Konfliktes zu intervenieren, um diese Situationen eskalieren zu lassen, damit die K&#228;mpfe an Territorium gewinnen und die Leute in ihre Infrastruktur hineingezogen werden. Appellisten werden sich typischerweise als Partisanen, Autonome oder Kommunisten bezeichnen, falls sie sich &#252;berhaupt als irgendetwas bezeichnen, obwohl es in Nordamerika g&#228;ngiger ist, dass sie sich auch selektiv als Anarchisten bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die bekanntesten Ausdr&#252;cke des Appellismus kommen aus Frankreich und sind Werke des Unsichtbaren Komitees, besonders &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; (2007) und &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt; (2014).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den USA sind die Hauptvertreter des Appellismus die Infoportale &lt;i&gt;Ill Will Edition&lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Inhabit&lt;/i&gt;, sowie Konten auf den sozialen Medien wie &lt;i&gt;Vitalist International&lt;/i&gt;. Neben der Promotion ihrer amerikanischen Version des Appellismus ver&#246;ffentlichen diese Projekte auch &#220;bersetzungen von &lt;i&gt;Lundi matin&lt;/i&gt;, der zentralen appellistischen Plattform in Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus der Ferne hat die &#8222;Partei des Aufstands&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Formulierung &#8222;Partei des Aufstands&#8220; wird im Vorschlag 14 des Comit&#233; (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine verwirrende &#196;hnlichkeit mit den Ideen und Aktivit&#228;ten vieler Anarchisten, denn sie &#252;bernimmt einige zentrale Konzepte des aufst&#228;ndischen Anarchismus wie die Autonomie und die informelle Organisation. Unterschiede zeigen sich typischerweise, wenn wir versuchen gewisse Prinzipien anzusprechen oder wenn ihre Perspektiven zur gesellschaftlichen Stellung und zu gesellschaftlichen Praktiken rund um Macht und Avantgardismus im Verlauf von K&#228;mpfen vor Ort Bedeutung erlangen. Appellisten bewirtschaften diese Art der Verwirrung, denn Ehrlichkeit hinsichtlich ihrer Ideen ist ihrer Strategie nicht zutr&#228;glich, diese setzt voraus, dass sie ihre Perspektiven und Prinzipien je nach Gespr&#228;chspartner &#228;ndern. Klare Positionen beeintr&#228;chtigen die Rekrutierung, da sie weniger Leute ansprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ziele und Methoden der Appellisten sind, eher als eine &#228;hnliche Sichtweise mit einer anderen Art des Kampfes, in Wirklichkeit inkompatibel mit anarchistischen Zielen und unterminieren hierarchiefreie Selbstorganisation. Darum dieser Text, in welchem wir versuchen, die f&#252;r den antiautorit&#228;ren Kampf sch&#228;dlichen Methoden zu identifizieren und zu einer Kultur der Ehrlichkeit und internen Kritik zu ermutigen, was uns helfen kann, besser zu verstehen, wof&#252;r wir jeweils k&#228;mpfen und auch, mit wem und wie wir uns entscheiden, zu k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Text werden wir gr&#246;sstenteils unsere Ideen &#252;ber den Appellismus im Verh&#228;ltnis zu appellistischer Theorie darlegen, um zu zeigen, wie unsere Beobachtungen &#252;ber das Milieu durch die Ideologie untermauert werden und ihr inh&#228;rent sind. In Tat und Wahrheit sind jedoch die meisten Leute im appellistischen Milieu keine Theoretiker und die Darlegung der Probleme des Appellismus gest&#252;tzt auf die Theorie wird der H&#228;sslichkeit des appellistischen Verhaltens, der wir im realen Leben begegnet sind, nicht gerecht. Unsere tiefsten Probleme mit der Tendenz kommen wohl oder &#252;bel von pers&#246;nlicher Erfahrung und sind nur insofern verifizierbar, als sie Teil von akkumulierten Erfahrungen diverser Anarchisten sind, denen Appellisten &#252;ber die Jahre auf diesem Kontinent begegnet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zus&#228;tzlich zu den spezifischen Projekten, die wir mit dieser Tendenz identifizieren k&#246;nnen, gibt es etliche Leute in den USA, die von appellistischen Strategien inspiriert worden sind und versuchen, sie in ihren Netzwerken zur Anwendung zu bringen. Da sich diese Individuen selbst nicht Appellisten nennen und h&#228;ufig die Existenz einer solchen Tendenz bestreiten, ist es verwirrend, von &#8222;Appellisten&#8220; zu sprechen, zumindest im gleichen Sinne, wie wir von &#8222;Anarchisten&#8220; sprechen w&#252;rden, denn letztere identifizieren sich selbst als solche. Zumindest teilweise aufgrund dieser Ambivalenz denken wir, dass es n&#252;tzlicher ist, den Fokus auf das Verst&#228;ndnis der Dynamiken und Methoden des Appellismus und die Kritik jener Projekte, welche appellistische Strategie vorantreiben, zu richten, als zu versuchen, endg&#252;ltig zu identifizieren, wer ein Appellist ist oder nicht. Es gibt viele Leute, die rund um die appellistische Welt kreisen, weil sie in den gleichen gr&#246;sseren K&#228;mpfen engagiert sind oder aufgrund gesellschaftlicher N&#228;he, mehr denn aus ideologischer Hingabe zum Appellismus. Unsere Diskussion des Appellismus in diesem Text soll nicht dazu dienen, diese Leute vor den Kopf zu stossen, sondern einen gewissen Kontext und Bezugsrahmen anzubieten, um sie dabei zu unterst&#252;tzen, ihre eigenen bewussten Entscheidungen zu treffen und nicht manipuliert zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele der in diesem Text diskutierten Probleme sind &#252;berhaupt nicht auf den Appellismus beschr&#228;nkt. Informelle Hierarchien, schreckliche Analysen, entsetzliche Rassismuspolitik, Frauenfeindlichkeit, Missbrauch, Alibipolitik und die Instrumentalisierung der K&#228;mpfe anderer Leute sind auch in den meisten anarchistischen Szenen in den USA weit verbreitet; wir sind ihnen alle begegnet. Was den Appellismus davon unterscheidet und wir in diesem Text aufzeigen m&#246;chten, ist die Tatsache, dass die angesprochenen Probleme durch die Ideen selbst ausgel&#246;st und gerechtfertigt werden, statt im Widerspruch zu ihnen zu stehen &#8211; sie sind seit langer Zeit und konsistent in den appellistischen Schriften und der appellistischen Organisationsweise vorhanden. Die Konfrontation mit diesen Ideen und ihren Anh&#228;ngern sollten nicht zulasten der Konfrontation mit hierarchischem Verhalten und derartigen Einfl&#252;ssen aus anderen Richtungen gehen, sondern stattdessen unsere F&#228;higkeit zur Kritik im weiten Sinne verbessern und uns helfen, die Verankerung in unsere geteilten Prinzipien zu vertiefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Programm: Territorium und Macht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;Kleine orange Buch&#8220; von Inhabit ist die klarste Darstellung der appellistischen Strategie in den USA, deshalb beginnen wir damit. Inhabit bietet ein Programm an, das aus einigen wenigen einfachen Schritten besteht und damit beginnt: 1) &#8222;Sich finden&#8220; und 2) autonome Infrastruktur oder &#8222;Hubs&#8220; (gew&#246;hnlich rurale Landprojekte oder andere R&#228;ume, wo sie &#8222;die Kommune aufbauen&#8220;) erschaffen. In diesem Prozess des massenhaften &#8222;Ausstiegs&#8220; und des schrittweisen &#8222;Abzugs von Territorium von der Wirtschaft&#8220; erreichen wir schliesslich die Schritte 8 und 9, wo die Infrastruktur &#8222;destituiert&#8220; wird und wir &#8222;unregierbar werden&#8220;, weil wir gen&#252;gend Autonomie aufgebaut haben, um die Regierung und die Wirtschaft &#252;berfl&#252;ssig zu machen. Wenn diese dann verschwinden, werden sie durch die von den Appellisten aufgebauten Kommunen und ihrer Infrastruktur ersetzt: &#8222;Die Macht ergreifen, ohne zu regieren.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erschaffung autonomer Infrastruktur war von kritischer Bedeutung f&#252;r viele radikalen Bewegungen rund um die Welt und durch die Geschichte hindurch, von konfliktreichen Besetzungen und selbstorganisierten sozialen Zentren in Europa bis zu befreitem Land in Lateinamerika. Die von Inhabit hinsichtlich der Autonomie vorgebrachten Vorschl&#228;ge enthalten jedoch bedeutende Probleme:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Es wird nicht pr&#228;zisiert, wen wir genau finden, wenn wir uns finden. Dies erlaubt verschiedenste B&#252;ndnisse, auch problematische, zum Beispiel mit Politikern oder Leuten, die zu rechtem Libertarismus tendieren. Es ist auch sehr schwierig, trotz der ausf&#252;hrlichen Aufmerksamkeit von Inhabit f&#252;r die Bildsprache der K&#228;mpfe und Vorschl&#228;ge f&#252;r die Zukunft, klar zu verstehen, gegen wen und was das &#8222;Wir&#8220; von Inhabit eigentlich gerichtet ist.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Siedler in den USA oder Kanada, die Land kaufen und ein Landprojekt starten oder Gesch&#228;fte er&#246;ffnen in Quartieren, die gerade gentrifiziert werden, stellen typischerweise keine emanzipatorischen Projekte dar, sondern reproduzieren Siedlungspolitik als Schl&#252;sselaspekt der Funktionsweise unserer Feinde &#8211; koloniale Siedlerstaaten wie die USA und Kanada. Inhabit &#252;bergeht dieses Problem komplett und diskutiert Siedlerkolonialismus nicht.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Indigen angef&#252;hrte K&#228;mpfe werden als inspirierende Beispiele genannt, doch Rasse oder Gender werden genau wie Kolonialisierung nie als ethische oder nicht einmal strategische Anliegen auf dem Weg zur Destitution erw&#228;hnt. Die vollst&#228;ndige &#220;bergehung von Rasse in einem in den USA stattfindenden Kampf &#8211; oder in der Tat &#252;berall &#8211; ist gleichbedeutend mit einer Art farbenblindem Rassismus. Das Vorbeirauschen an jeglicher Diskussion &#252;ber Geschlechterrollen in der &#8222;Kommune&#8220; ist ein weiterer Preis f&#252;r die unnachgiebige Betonung von Inhabit dessen, was wir gemeinsam haben. &#8222;Die Kommune&#8220; wird zu einer mythischen h&#246;heren Entit&#228;t, mit welcher Individuen mit all ihren chaotischen Unterschieden und verschiedenen Erfahrungen systematischer Unterdr&#252;ckung f&#252;r das Gemeinwohl verschmelzen sollen.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das Konzept der &#8222;Destitution&#8220;, das darauf hinausl&#228;uft, dass die Anh&#228;nger davon die Wirtschaft &#8222;verhungern lassen&#8220;, indem sie sich nicht an ihr beteiligen, basiert auf der Annahme, dass der Kapitalismus und die damit verbundene staatliche Macht allm&#228;hlich verschwinden, wenn genug Leute sich ihres Zugriffs entziehen. Diese Idee ist historisch betrachtet hoffnungslos falsch und sie scheint uns zu ermuntern, weniger konfliktreiche K&#228;mpfe zu f&#252;hren, obwohl in Wirklichkeit der Konflikt ein wesentlicher Bestandteil jedes Kampfes gegen den Staat ist.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Einfachheit dieses Programm ist eine Marketingstrategie, die daf&#252;r konzipiert ist, so viele Leute wie m&#246;glich anzusprechen und genau aus diesem Ansatz entstehen viele Probleme. Mit wem wir uns organisieren und leben, mit wem wir uns verb&#252;nden, unsere Komplizit&#228;t mit dem Kapitalismus und anderen Formen der Unterdr&#252;ckung, die Notwendigkeit, Risiken einzugehen und Gewalt anzuwenden, das Verh&#228;ltnis zwischen unseren pers&#246;nlichen W&#252;nschen und unseren Verantwortlichkeiten f&#252;r andere &#8211; all das sind komplexe Fragen, durch die wir konstant navigieren, w&#228;hrend wir uns aus dieser Welt in Richtung Anarchie bewegen. Kein kleines oranges Pamphlet, das ein nett t&#246;nendes &#8222;gemeinsames Leben&#8220; bewirbt und die harschen Realit&#228;ten von Rassismus, Gender und Siedlerkolonialismus vertuscht, kann die Antworten darauf liefern.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Wir haben Appellisten h&#228;ufig dabei beobachtet, wie sie falsche Parallelen zwischen ihren Landprojekten und indigenen Versuchen zur Verteidigung und/oder Wiedererlangung von angestammtem Territorium und traditioneller Lebensweise ziehen. Das ist f&#252;r den Erfolg letzterer konterproduktiv. Wie die Autoren von &#8222;Another Word for Settle&#8220; schreiben, diese Art der &#8222;&#8216;Zur&#252;ck-aufs-Land-Politik' [&#8230;] bereitet im schlimmsten Fall die B&#252;hne f&#252;r die Entwicklung von verdrehten Anspr&#252;chen von Siedlern auf indigenes Land vor&#8220;, behauptet, &#8222;dass die Beziehungen, die wir mit antikolonialen indigenen Verb&#252;ndeten anstreben sollten, sich aufl&#246;sen werden, und l&#228;uft damit Gefahr, dass reaktion&#228;re Siedlertendenzen, die wir bek&#228;mpfen sollten, gest&#228;rkt werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die territoriale Autonomie, wenn sie als Strategie f&#252;r die Zerst&#246;rung des (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anweisung, Eigentum zu akkumulieren, taucht im nicht minder programmatischen Text &#8222;How to Start a Fire&#8220; wieder auf, er ist keine Anleitung zur Brandstiftung, sondern gibt den l&#228;cherlich weltfernen Rat, sich zu &#8222;organisieren, um so bald wie m&#246;glich Wohneigentum zu kaufen&#8220; und &#8222;Raum zu mieten. Noch besser aber ist es, Geb&#228;ude zu kaufen, Eigentum zu erwerben.&#8220; Ein grosser Teil ihrer Beschreibung davon, wie man etwas gemeinsam aufbaut, w&#228;hrend man sich nicht &#8222;obsessiv mit der Moral oder &#8218;internen Dynamiken&#8216; solcher Projekte befassen [soll]&#8220; k&#246;nnte problemlos jede Art der Kollektivit&#228;t beschreiben &#8211; einen Hauseigent&#252;merverband zum Beispiel. Die Momente in ihren Schriften, wenn sie ausf&#252;hren, wie ihre Vision einer territorialen Autonomie eigentlich aussehen k&#246;nnte &#8211; zum Beispiel ihr Fokus auf die Lancierung von Gesch&#228;ftst&#228;tigkeiten als Teil ihres revolution&#228;ren Projekts &#8211; zeigen, dass ihre Utopie f&#252;rchterlich langweilig, sorgf&#228;ltig verwaltet und (basierend auf unserer Erfahrung) sehr wahrscheinlich auf Familienverm&#246;gen aufgebaut ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aus Der kommende Aufstand (2007): &#8222;Sogar in den endlosen Subventionen, die (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Perspektiven: Die Zusammensetzung der Partei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus ist nicht die einzige radikale Tendenz, die autorit&#228;re Ans&#228;tze f&#252;r den Kampf vorschl&#228;gt, nur eine, die Anarchisten unter Umst&#228;nden weniger bemerken. Er nimmt etliche Elemente von kommunistischen und anderen linken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Begriff &#8222;links&#8220; kommt von der parlamentarischen Unterteilung (in (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Traditionen auf, aber kleidet alte Ideen in angesagte neue Sprache und &#196;sthetik, womit sie sich &#252;ber Umwege wieder unbemerkt einschleichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anarchistische Theoretiker im Ausland haben darauf hingewiesen, dass der Appellismus spezifischer ein Nachkomme des Blanquismus ist. Diese Ideologie ist eine autorit&#228;re kommunistische Str&#246;mung des Insurrektionalismus, die auf Louis Auguste Blanquis Idee basiert, dass die Revolution von einer relativ kleinen Avantgarde h&#246;chst organisierter Verschw&#246;rer in einer geheimen Parteistruktur, die so positioniert ist, dass sie Aufst&#228;ndische mithilfe einer einheitlichen Strategie anf&#252;hren kann, durchgef&#252;hrt werden sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Autoren von &lt;a href=&#034;https://anarchistischebibliothek.org/library/finimondo-blanqui-oder-die-staatliche-insurrektion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Blanqui oder die staatliche Insurrektion&#8220;&lt;/a&gt; schreiben: &#8222;[Blanquis] Konzeption der Insurrektion als Resultat eines strategischen Zuges, und nicht als soziales Ereignis, brachte ihn zur Schlussfolgerung, dass der Zweck alle Mittel heiligt. F&#252;r ihn z&#228;hlte nicht die Art und Weise, sondern das Resultat, mit anderen Worten, die effektive Eroberung der politischen Macht.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter: &#8222;Wenn die Insurrektion trotz des Mutes und des Enthusiasmus derjenigen, die sich an ihr beteiligen, niedergeschlagen wird, dann liegt das daran, dass es &#8218;an Organisation mangelt. Ohne Organisation, keine Chance auf Erfolg.&#8216; Das wird auch stimmen, aber wie erlangt man diese Organisation, diese Koordination, diese Abmachung unter den Aufst&#228;ndischen? Durch die horizontale, im Voraus stattfindende und m&#246;glichst weite Verbreitung eines Bewusstseins, einer Aufmerksamkeit, einer Intelligenz gegen&#252;ber den Erfordernissen des Moments (libert&#228;re Hypothese), oder durch die vertikale Einrichtung eines einheitlichen Kommandos, welches die Gehorsamkeit von allen verlangt, jenen allen, die bis anhin in Unwissenheit gehalten wurden (autorit&#228;re Hypothese)?&#8220; Diese autorit&#228;re Theorie des Aufstands wird angereichert mit dem Einfluss der italienischen Kommunisten der Autonomia der 1970er Jahre mit ihrem betont lyrischen Stil und ihrem Fokus auf die Bildung von Netzwerken autonomer R&#228;ume und der Situationisten mit ihrer selbsternannten Stellung als intellektuelle Avantgarde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus nimmt auch die traditionellere kommunistische Idee wieder auf, dass die internationale Arbeiterklasse der Hauptcharakter des antikapitalistischen Kampfes ist, doch die Idee wird als &#8222;Imagin&#228;re Partei&#8220; der Aufst&#228;ndischen gegen das Kapital neu verpackt. Wenn sie als informell neu gedacht wird, brauchen Individuen &#252;berall auf der Welt keine Mitgliederkarte zu erwerben, um in der Partei zu sein, und in Wirklichkeit sind sie selten damit einverstanden (oder werden danach gefragt), Teil der appellistischen Strategie zu sein. Sie unterscheidet sich stark von einem anarchistischen Bezugsrahmen zum Internationalismus in jenem Sinne, dass sie tats&#228;chlich diverse K&#228;mpfe einschliesst und die Vorstellung erzeugt, dass alle zu einem grossen Plan beitragen, der von Anderen bereits in die Wege geleitet worden ist, statt diese K&#228;mpfe in ihren eigenen Begriffen anzuerkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zusammen mit anderen Spielarten des autorit&#228;ren Kommunismus und der breiteren Linken fordert uns der Appellismus dazu auf, uns unter irgendeiner (imagin&#228;ren oder anderen) Fahne zu vereinen, unter ihr werden individuelle Meinungsverschiedenheiten oder interner Konflikt als spalterisch oder konterproduktiv hinsichtlich des vage ausgesprochenen gemeinsamen Zieles betrachtet. Im appellistischen Diskurs zeigt sich das weitgehend rund um die Idee der &#8222;Zusammensetzung&#8220; und das vage geteilte Ziel einer internationalen &#8222;Imagin&#228;ren Partei&#8220;. Das bedeutet, dass ihre Politik auf einer neu verpackten Version der Einreihung von oben nach unten basiert, in welcher Unterscheidungen zwischen links und rechts innerhalb des Proletariats weniger wichtig als unser gemeinsamer Kampf gegen die &#8222;Elite&#8220; ist. Zusammensetzung ist ihre Theorie dar&#252;ber, wie diese verschiedenen Interessen, von den guten B&#252;rgern bis zu jenen, welche sie als &#8222;schwarze Proletarier&#8220; betrachten, sich als &#8222;historische Kraft&#8220; vereinen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch Zusammensetzung wird versucht, verschiedene Sektoren eines Kampfes oder einer Bewegung in die gleiche Richtung zu lenken (in Richtung der appellistischen Vision eines Sieges), indem Konsens &#252;ber die Zwecke und Mittel hergestellt (und erzwungen) wird und widerspr&#252;chliche oder abweichende Stimmen zum Schweigen gebracht werden. Zusammensetzung, die oft als Rahmen f&#252;r die Zusammenbringung verschiedener, f&#252;r ein gemeinsames Ziel k&#228;mpfender Ans&#228;tze pr&#228;sentiert wird, soll dazu dienen, ganz verschiedene Elemente in einer gemeinsamen Strategie zu vereinen, wobei grundlegende Meinungsverschiedenheiten, die &#8222;so zentral&#8220; sind, &#8222;wie zum Beispiel das Verh&#228;ltnis zu Legalit&#228;t und Institutionen (Parteien, Gewerkschaften, Medien usw.), dem Einsatz von Gewalt und der Offenheit gegen&#252;ber Verhandlungen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220;, 2023.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, verschleiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Text &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, der von &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; Anfang 2023 ver&#246;ffentlicht worden ist, kreiert ein falsches Dilemma, indem er Autonomie und Dezentralisierung als in einem &#8222;Non-Verh&#228;ltnis (tolerante Trennung)&#8220; resultierend pr&#228;sentiert, w&#228;hrend Zusammensetzung, &#8222;falls wir wieder einen Sieg am Horizont sehen wollen [&#8230;] unvermeidbar bedeutet, Kompromisse zu akzeptieren&#8220;. Zusammensetzung legt den Grundstein f&#252;r die altbekannte vollst&#228;ndige autorit&#228;re Macht. Wenn die Autonomie einer Gruppe den Kompromissen der dominanten Gruppe im Weg steht, m&#252;ssen die widerspenstigen Akteure auf Linie gebracht werden, sonst droht der &#8222;Zerfall&#8220; der Bewegung. Dieser Rahmen dient als Methode, um unkontrollierbare Situationen zu befrieden, indem die klassische &#8222;Einheitsfront&#8220; vorgeschoben wird, um Konflikte und Widerspr&#252;che zum Verschwinden zu bringen, ohne dass es daf&#252;r notwendig ist, die altmodischen &#8222;Massen&#8220; heraufzubeschw&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zweckdienlich, die Imagin&#228;re Partei, das also, was sie durch Zusammensetzung zu bilden suchen, von den eingeweihten Appellisten zu unterscheiden, letztere arbeiten jene Strategien aus, welche sie breiteren Bewegungen aufzwingen wollen. Zusammensetzung betont die entfernte Vogelperspektive des Experten (der Zusammensetzer, wenn man so will), der beaufsichtigt, wo jeder hineinpasst, und somit gut platziert ist, um jenen Gruppen und Individuen, welche eigentlich aus ihren eigenen Gr&#252;nden und auf ihre eigene Art und Weise k&#228;mpfen, ihre Strategie aufzuzwingen. Im Gegensatz dazu beinhaltet ein anarchistischer Ansatz nicht tolerante Trennung, sondern eher Koordination und frei Assoziation zwischen selbstorganisierten autonomen Netzwerken, die unter Umst&#228;nden verschiedene Strategien und Taktiken haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellistische Autoren konstruieren ihre Argumente h&#228;ufig rund um ein &#8222;Wir&#8220;, das sich nicht nur auf sie selbst bezieht, sondern auch voraussetzt, f&#252;r die Gef&#252;hle und Erfahrungen eines breiteren &#8222;Wir&#8220;, zu dem auch der Leser geh&#246;rt, zu sprechen. Sie sagen uns, wie &#8222;wir&#8220; uns f&#252;hlen und der Leser wird mitgerissen in die Schlussfolgerungen des Autors und er f&#252;hlt sich dabei, als w&#228;re er selbst darauf gekommen. Wenn der Leser einen gewissen Widerstand dagegen versp&#252;rt oder z&#246;gert, wird er dazu gezwungen, komplett auszusteigen und eine Position ausserhalb dieser romantischen Kollektivit&#228;t einzunehmen, ausserhalb dieser &#8222;historischen Kraft&#8220;, was nicht unbedingt einfach ist. So wirst du, der Leser, faktisch in ihre Partei (oder Kraft, Kommune usw.) hineingezogen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie der &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220;, die festh&#228;lt, dass ihre Partei und ihre Netzwerke f&#252;r die Aussenwelt unsichtbar sein sollen, wird benutzt, um den Widerwillen der Appellisten, die Existenz des Appellismus ausserhalb ihrer Kreise einzur&#228;umen, zu rechtfertigen. Es handelt sich um eine Entstellung der anarchistischen Konzeptionen der Informalit&#228;t und der Sicherheitskultur, um es schwierig zu machen, hierarchische Strukturen und autorit&#228;re Ambitionen zu identifizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Perspektiven zu Rasse und gesellschaftlicher Stellung: Auskopplung und L&#246;schung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Titel &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; ist eine Hommage an &lt;i&gt;Die kommende Gemeinschaft&lt;/i&gt; (1990), ein einflussreiches Werk des italienischen Philosophen Giorgio Agamben, der mit den Herausgebern von &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; verbunden war. In diesem Buch behauptet Agamben, dass die gr&#246;sste Bedrohung f&#252;r den Staat eine Gemeinschaft sei, die von Individuen, die mit den uns auferlegten partikularen Identit&#228;ten gebrochen haben, gebildet worden ist, eine Gemeinschaft, die schlichtweg das Zusammensein ohne &#8222;Pr&#228;dikate&#8220; oder Zugeh&#246;rigkeitsbedingungen geniesst&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;[W]as der Staat keinesfalls dulden kann [ist], dass Singularit&#228;ten eine (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Agamben und &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; behaupten (richtigerweise), dass uns Identit&#228;ten wie Rasse, Gender und Nationalit&#228;t zum Zwecke der sozialen Kontrolle auferlegt werden. Es ist wichtig, die Auferzwingung der Identifikation mit gesellschaftlich konstruierten Identit&#228;ten durch den Staat zu bek&#228;mpfen, obwohl sie wesentliche Teile unserer individuellen Pers&#246;nlichkeiten sind. Die Autoren gehen in eine falsche Richtung, als das sie dazu bringt, &#8222;auf jede Identit&#228;t [zu verzichten]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 80.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Zwar streben wir auch danach, alle gesellschaftlich konstruierten Identit&#228;ten zu beenden, doch dies ist nicht m&#246;glich, wenn jene institutionellen M&#228;chte, welche sie erschaffen haben und aufrechterhalten, immer noch intakt sind. Die Weigerung, zu ber&#252;cksichtigen, wie unsere jeweiligen gesellschaftlichen Stellungen uns unter Umst&#228;nden, unbeabsichtigt oder nicht, dazu bringen, Aspekte struktureller Herrschaft, die wir vermeintlich bek&#228;mpfen, zu reproduzieren, hilft uns nicht dabei, sie zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Haltungen von Appellisten gegen&#252;ber Identit&#228;ten wie Rasse und Gender sind sehr verschieden. Viele Appellisten und ihnen nahestehende Theoretiker &#252;bergehen Rasse &#252;berhaupt nicht und sind in der Tat sehr lautstark bez&#252;glich ihrer Wichtigkeit &#8211; aber auf eine Art und Weise, die rassialisierte Bev&#246;lkerungen, &#252;ber die sie diskutieren, f&#252;r ihre eigenen Zwecke benutzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Shemon Salams Werk, diskutiert in Fussnote 11.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gibt auch den Fall von Inhabit, sie vermeiden es Rasse und Gender zu ber&#252;cksichtigen, aber pochen auf Klasse als Bezugsrahmen, wie wir es weiter unten in dieser Sektion diskutieren werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Ill Will Editions&lt;/i&gt;, ein Blog aus den USA mit mehreren Konten auf den sozialen Medien, ver&#246;ffentlicht Essays von einer breiten Auswahl an Autoren, die diese verschiedenen und manchmal widerspr&#252;chlichen Standpunkte zu Rasse und gesellschaftlicher Stellung aufzeigen. Eine Gemeinsamkeit, die man jedoch in vielen dieser Essays und ihrer Posts in den sozialen Medien beobachten kann, ist die Tendenz, K&#228;mpfe anderer Leute zu romantisieren und ihren politischen Bezugsrahmen auf sie zu projizieren. H&#228;ufig nimmt man auch das Verlangen nach einer &#220;berwindung von Rasse entlang der Linien von Agambens (weiter oben beschriebenem) Ansatz wahr, trotz der Realit&#228;t ihrer kontinuierlichen Existenz als zentrale formgebende Kraft in den USA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Romantisierung und Projektion ist offensichtlich in den Kommentaren zu Aktivit&#228;ten von Subkulturen, wovon der Autor klar nicht Teil ist (zum Beispiel den Essay, den &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; zu Auto-Rowdies ver&#246;ffentlichte). Sie behandelt die Beteiligten oft wie heroische Erneuerer, welche die neuesten Taktiken f&#252;r den kommenden Aufstand entwickeln. Diese Kommentare sind anmassend und f&#252;hlen sich stark wie anthropologische Studien an. W&#228;hrend die Appellisten eine Identit&#228;t (jene des Partisanen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Partisan: Angeh&#246;riger oder Sympathisant einer Partei oder Fraktion.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) auf anonyme Gesetzesbrecher projizieren, k&#246;nnen Anarchisten von anderen Rebellen lernen, ohne es n&#246;tig zu haben, sie zu etikettieren oder ihre Aktionen innerhalb unserer eigenen Strategie lesbar zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Verlangen nach Herabsetzung der Wichtigkeit von Unterschieden bez&#252;glich Rasse in den verschiedenen K&#228;mpfen kann in der Tendenz vieler appellistischen Autoren zur Unterordnung von Rasse unter Klasse in einem Argument f&#252;r Einheit erkannt werden. Es ist offensichtlich im Essay von Inhabit &#8222;Kenosha, I Do Mind Dying&#8220;, ver&#246;ffentlicht auf &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; 2021. Der Autor versucht w&#228;hrend des gesamten Textes, die Krawalle 2020 f&#252;r schwarze Leben auf den Klassenkampf zur&#252;ckzuf&#252;hren, er ordnet die Bedeutung von Rasse jener von Klasse immer wieder unter, doch den Kern davon erreichen wir mit der Diskussion &#252;ber Kyle Rittenhouse und dem Begriff von &#8222;Brudermord&#8220; des Autors.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In uns allen schlummert eine erschreckende Wut, eine F&#228;higkeit zur Gewalt, die sowohl durch &#8218;legitime&#8216; Kan&#228;le wie Bullen und Milit&#228;r als auch durch illegale wie Gangs und Milizen zum Ausdruck kommt. Es ist kein Zufall, dass die andere Seite dieser F&#228;higkeit zur Gewalt das br&#252;derliche Prinzip ist, auf ihm basieren all diese Organisationen. Der Wunsch nach Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft ist im Kern der wahre Treiber dieser Gewalt: Leute sind bereit, zu t&#246;ten, um sich zugeh&#246;rig zu f&#252;hlen [&#8230;] Kyle Rittenhouse repr&#228;sentiert den Ausdruck dieser suburbanen Verzweiflung durch die widerw&#228;rtige Fiktion des Kulturkampfes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berh&#246;hung kultureller Unterschiede als politisch &#8211; oder gar ethnisch &#8211; ist vorteilhaft f&#252;r die Eliten, denn, sollte Amerika mit dem durch sie ausgel&#246;sten Verderben zurechtkommen, k&#246;nnten diese Hunderte von Millionen Schusswaffen wom&#246;glich neue Ziele finden. Sie w&#252;rden es bevorzugen, dass wir einen Brudermord begehen, denn ein B&#252;rgerkrieg zwischen links und rechts ist viel einfacher zu verwalten als die M&#246;glichkeit, dass wir unter Umst&#228;nden ihre Zivilisation im Endstadium verlassen k&#246;nnten und unsere Arbeit gleich mitnehmen w&#252;rden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier &#252;bersieht der Autor einige zentrale strukturelle Dynamiken, scheinbar um zugunsten einer Art Einheit mit Leuten auf der Rechten mit einer &#228;hnlichen Klassenposition zu argumentieren. Im ersten Absatz diskutiert der Autor die Exekutionen von Schwarzen durch die Polizei sowie den Mord an Black-Lives-Matter-Demonstranten durch Rittenhouse so, als ob sie das Gleiche w&#228;ren wie die Gewalt von Gangs unter den &#228;rmsten und rassistisch am meisten unterdr&#252;ckten Bev&#246;lkerungen im Land. All diese Beispiele von Gewalt, so deutet es der Autor an, seien schlichtweg durch einen Wunsch nach &#8222;Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft&#8220; motiviert. Das bedingt, dass er die komplett verschiedenen Umst&#228;nde diesbez&#252;glich &#252;bersieht, zum Beispiel, dass die Polizei (und die Polizeigewalt) zum Schutze der staatlichen Kontrolle &#252;ber seine Bev&#246;lkerung existieren und, genau wie Rittenhouses Morde, zur Aufrechterhaltung eines Regimes sowohl rassistischer als auch wirtschaftlicher Unterordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende des Tages, so wird angedeutet, seien wir alle Br&#252;der und unser B&#252;rgerkrieg zwischen links und rechts ist etwas, dass wir &#252;berwinden sollten, damit wir gemeinsam den Kapitalismus zu Fall bringen k&#246;nnen. Dieser Essay artikuliert eine Vision einer Einheit zwischen links und rechts, die in appellistischen Medien h&#228;ufig wiederkehrt; jemand aus dem Umfeld der Vitalist International stellte zum Beispiel beil&#228;ufig eine Gadsden-Flagge in einem sehr kuriosen Solidarit&#228;tsvideo zur Schau, das an jene gerichtet war, welche in Hongkong k&#228;mpften. Die VI tweetete auch Folgendes &#252;ber einen von Patriot Prayer am Kapitol von Oregon State in den Wochen vor dem 6. Januar 2021: &#8222;Da Demonstranten sich Scharm&#252;tzel mit der Polizei liefern, um am Kapitol eine autonome Zone zu errichten, k&#246;nnte die Polarisierung von links und rechts hin zu oben und unten umschwenken [&#8230;] K&#246;nnen &#8218;Patrioten&#8216; die Identit&#228;tspolitik hinter sich lassen und gemeinsame Sache mit anderen ausgebeuteten Leuten machen?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist interessant, hier den Gebrauch des Begriffes &#8222;Identit&#228;tspolitik&#8220; zu unterstreichen. Es k&#246;nnte auch ein Zitat vom Anf&#252;hrer von Patriot Prayer Joey Gibson sein, der 2018, als er danach gefragt wurde, sein Verh&#228;ltnis zu weissen Nationalisten zu erkl&#228;ren, sagte: &#8222;Ich w&#252;rde das Gleiche zu ihnen sagen wie zu jeglicher schwarzen oder mexikanischen nationalistischen Gruppe, wir m&#252;ssen die politische Identit&#228;t hinter uns lassen und uns auf den Kern konzentrieren.&#8220; Argumentiert die VI wie Gibson, dass weisser Nationalismus nur eine weitere Spielart von Identit&#228;tspolitik ist? Gewisses linkes Engagement mit Fragen der Identit&#228;t muss aus anarchistischer Sicht nat&#252;rlich heftig kritisiert werden, aber wenn man keinen Unterschied zwischen weissem Nationalismus und linker Identit&#228;tspolitik erkennen kann, hat man definitiv einige wichtige Details zur Funktionsweise von Rasse und Macht in Amerika &#252;bersehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht ist die VI tats&#228;chlich verwirrt aufgrund von Gibsons Behauptungen, Patriot Prayer sei bloss eine Gruppe, die sich f&#252;r &#8222;Liebe und Frieden&#8220;, &#8222;Freiheit&#8220; und Jesus einsetze, doch die Verbindungen zwischen Patriot Prayer und expliziter faschistischen Gruppen ist alles andere als ein Geheimnis. Lange vor der Kundgebung 2020 vor dem Kapitol von Oregon State haben Antifaschisten ausf&#252;hrlich dokumentiert, wie Patriot Prayer Anh&#228;nger der weissen Vorherrschaft und Neonazis in ihren R&#228;ngen willkommen heisst. Hinzu kommt, dass das appellistische Bed&#252;rfnis, jedem gesellschaftlichen Konflikt ihre eigenen Ideen aufzudr&#252;cken (z.B. die Beschreibung des Krawalls am Kapitol von Oregon State als &#8222;eine autonome Zone am Kapitol&#8220;) zu einigen st&#246;renden Auslassungen hinsichtlich der tats&#228;chlichen Dynamiken vor Ort f&#252;hrt. Weit davon entfernt, antistaatliche Rebellen zu sein, sind Gibson und seine Gruppe Patriot Prayer eher regelm&#228;ssige Kollaborateure lokaler Polizeibeh&#246;rden. Sie sind bekannt daf&#252;r, Informationen &#252;ber Antifaschisten der Polizei von Portland zukommen zu lassen und Antifaschisten physisch den Bullen der Aufstandsbek&#228;mpfung w&#228;hrend Kundgebungen von Patriot Prayer zu &#252;bergeben. Dass &#8222;Patrioten&#8220; und die Polizei auch wiederholt aneinandergeraten sind, &#228;ndert nichts an der Tatsache, dass das Projekt ersterer schlichtweg die Verteidigung einer anderen (faschistischeren) Vision des Staates ist, und nicht eine Infragestellung der Staatsgewalt. W&#228;hrend der blutigen Geschichte des 20. Jahrhunderts k&#228;mpften die Faschisten auf der Strasse h&#228;ufig gegen die Polizei. Das hat aus ihnen nie unsere Freunde gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anderswo bezogen sich Appellisten auf Gef&#252;hle, die, falls nichts rechtsaussen, so zumindest Markenzeichen des amerikanischen Patriotismus sind. In Ill Wills &#8222;The Next Eclipse&#8220; steht, dass &#8222;Amerika &#8211; obwohl voller M&#228;ngel und unvollst&#228;ndig verwirklicht &#8211; untrennbar von einer inspirierenden Vision menschlichen Fortschritts war&#8220;. Mitglieder des Kollektivs Woodbine hielten es 2012 f&#252;r angebracht, amerikanische Flaggen an einen Protest nach dem Mord an Trayvon Martin mitzubringen. Woodbine flirtete auch mit dem Dritten Weg in ihrem Text &#8222;Nomos of the Earth&#8220; (2014), wo sie die Theorien des Nazijuristen Carl Schmitt als zentralen Bezugspunkt ohne jegliche kritische Distanz benutzten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Kapitalismus freilich von rassistischen und kulturellen Spaltungen innerhalb wirtschaftlich unterdr&#252;ckter Klassen profitiert, ist die Idee, dass Rassismus &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; als Werkzeug des Kapitalismus existiert, heutzutage weitgehend &#252;berholt und anst&#246;ssig. Kommen wir zur&#252;ck auf &#8222;Kenosha, I Do Mind Dying&#8220;, der Autor dieses Texts vermeidet es von Klasse im traditionell kommunistischen Sinne zu sprechen, stattdessen benutzt er den Begriff &#8222;die Eliten&#8220;, womit letztendlich eine alte Idee wieder aufgew&#228;rmt wird. Die Weigerung jener von uns, welche gegen alle Unterdr&#252;ckung und f&#252;r totale Befreiung k&#228;mpfen, Leute wie Rittenhouse als &#8222;Br&#252;der&#8220; zu betrachten, ist nicht nur ein historischer Fehler, der die potenzielle Vereinigung der Arbeiterklasse vereitelt hat. Wir sollten aus Prinzip nicht mit Rassisten sympathisieren, doch sogar, wenn wir strategisch denken, waren rassistische B&#252;rgerwehren stets ein fester Bestandteil der Aufrechterhaltung dieses Landes, das wir zu zerst&#246;ren versuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus hat einige sehr starke populistische Untert&#246;ne; wie wir gesehen haben, ist seine Obsession, zu &#8222;normalen&#8220; Leuten zu sprechen, gleichbedeutend mit der &#220;bernahme der Sprache des Liberalismus, des Patriotismus oder der reaktion&#228;ren Rechten. Gleichzeitig k&#246;nnen fast alle und alles Teil der Imagin&#228;ren Partei sein. Dies f&#252;hrt zu einer unkritischen Unterst&#252;tzung f&#252;r eine Reihe von populistischen Bewegungen, w&#228;hrend ihre reaktion&#228;ren Elemente sch&#246;ngeredet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man betrachte zum Beispiel einen anderen Text von Woodbine &#252;ber die Maidan-Bewegung in der Ukraine 2014:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In seiner sonderlichen tarngrau und eisblau gef&#228;rbten Tonalit&#228;t ist der Maidan bloss die j&#252;ngste Ausf&#252;hrung dessen, was wir in den letzten Jahre gesehen und wovon wir Teil waren, es manifestiert sich in verschiedenen Sprachen, an verschiedenen Orten [&#8230;] In Anbetracht dieser unglaublich Sequenz von Aufst&#228;nden verfehlt die Frage &#8218;Wer sind die Aufst&#228;ndischen? Sind es die Arbeiter, nein, es ist die Mittelklasse, die Armen, halt, wo sind die Armen? Die Weissen, die Schwarzen, nein, halt, wo sind die schwarzen Leute?&#8216; das Thema g&#228;nzlich, sie behandelt eine Situation als ein Objekt, das beurteilt werden muss, lebendige Wesen als eine Masse von Subjekten [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich heute weltweit entfaltet &#8211; was man in den Augen des jungen Mannes sieht, der gerade vom Maidan zur&#252;ckgekommen ist, im Grinsen mitten im Tr&#228;nengas, das den Taksim-Platz Nacht f&#252;r Nacht gef&#252;llt hat, in den Fussballvereinen, die Kairo verteidigen, in dir oder mir im Zucotti Park um vier Uhr morgens, im Jugendlichen, den wir dort, da er es auf Reddit gesehen hat und einfach gehen musste, auf dem Weg zur Verteidigung des Parks getroffen haben, in diesen Frauen, die dem Begriff Cocktailparty eine g&#228;nzlich neue Bedeutung geben &#8211; das ist absolut einzigartig. Somit historisch. Somit allt&#228;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Woodbine, &#8222;The Anthropocene&#8220; in Short Circuit. A Counterlogistics Reader, 2015.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowohl der Maidan als auch Occupy waren komplizierte und h&#228;ufig widerspr&#252;chliche Momente gesellschaftlicher Aufruhr. Jede Bewegung erhielt mehr oder weniger sowohl emanzipatorische als auch reaktion&#228;re Interventionen und Einfl&#252;sse. Wir k&#246;nnen begeistert sein vom heftigen Widerstand der Demonstranten auf dem Maidan gegen massive staatliche Gewalt oder von den neuen M&#246;glichkeiten f&#252;r die Selbstorganisation und den Angriff, die in einigen Gefilden der amerikanischen Occupy-Bewegung ausgearbeitet worden sind, doch es w&#228;re verantwortungslos, nicht auch die in beiden Bewegungen pr&#228;senten reaktion&#228;ren Elemente zu untersuchen. Die Beteiligung der Neonazis an der Maidan-Bewegung oder die tendenziell nebul&#246;se Rhetorik Occupys gegen die Eliten, um &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/right-hand-occupy-wall-street-libertarians-nazis-fact-and-fiction-right-wing-involvement&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Elemente der Reaktion und der &#228;usseren Rechten&lt;/a&gt; anzuziehen, sollten nicht nur st&#246;rend sein, sondern uns auch dazu motivieren, anarchistische Visionen der Freiheit, die solchen Feinden keinen Platz lassen, zu artikulieren und gem&#228;ss ihnen zu handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leider scheinen die Appellisten selten an dieser Art der kritischen Beteiligung an gesellschaftlichen K&#228;mpfen interessiert zu sein. F&#252;r sie &#8222;verfehlt&#8220; so etwas &#8222;das Thema g&#228;nzlich&#8220;. Der gleiche populistische Impuls, alles und alle unter ihre Commons, ihrer wie auch immer gearteten Singularit&#228;t oder ihrer Partei zu subsumieren, f&#252;hrt nicht nur zu einer Ausl&#246;schung der gesellschaftlichen Stellung, sondern auch einer Gleichg&#252;ltigkeit gegen&#252;ber bedeutenden politischen Unterschieden. Jene von uns, welche den rassischen Kapitalismus und die Klassengesellschaft vollst&#228;ndig zerst&#246;ren wollen, und die Faschisten, welche uns lieber tot sehen m&#246;chten, haben nichts gemeinsam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein weiteres Beispiel der unbefriedigenden Art und Weise, wie sich Appellisten und viele ihrer kommunistischen Gef&#228;hrten auf die gesellschaftliche Stellung in den USA beziehen, ist der Begriff der &#8222;Partei von George Floyd &#8211; die Zusammensetzung, die sich im Aufstand 2020 manifestierte&#8220;, der die Organisation Spirit of May 28 j&#252;ngst popul&#228;r zu machen versuchte. Die Organisation, die sich in der Zwischenzeit aufgel&#246;st hat, benutzte den Namen eines schwarzen Mannes, der von der Polizei ermordet worden ist, als Markenzeichen ihrer Partei und etikettierte den darauf folgenden Aufstand als ein Beispiel ihres eigenen pr&#228;existierenden Bezugsrahmens, statt zu versuchen, die Bewegung f&#252;r schwarze Leben und gegen die Polizei in ihren eigenen Begriffen zu verstehen. Die Schriften der Organisation suggerieren, dass ihre Mitglieder von armen und schwarzen Bev&#246;lkerungen erwarten, in den USA eine neue &#8222;revolution&#228;re &#214;ffnung&#8220; anzubieten, eine Erwartung, die daf&#252;r bestimmt ist, noch mehr rassistisch aufgeladenes Ressentiment und Entt&#228;uschung zu verursachen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mitbegr&#252;nder Shemon Salam ver&#246;ffentlichte j&#252;ngst einen &#246;ffentlichen (...)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Praxis: Zwischen Vereinnahmung und Autoritarismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten sind h&#228;ufig in die gleichen K&#228;mpfe oder Szenen involviert wie Anarchisten, aber ihre Praktiken sind inkompatibel mit dem Anarchismus. Es ist nicht unser Ziel, alle, die unter Umst&#228;nden von ihren Ideen beeinflusst sein k&#246;nnten, als Appellisten zu etikettieren, sondern eher jene zu kritisieren, welche wie verdeckte Politiker agieren und gem&#228;ss der uralten Logik operieren, wonach der Zweck die Mittel heiligt. Wir beziehen uns hier auf jene, welche einem das erz&#228;hlen, was sie glauben, dass man es h&#246;ren will, dann weitergehen oder sehr vage werden, wenn die Diskussion beginnt, zu stark anarchistische Ideen zu ber&#252;hren, womit ihre Entfernung von anarchistischen Prinzipien f&#252;r viele Leute zuerst nicht leicht bemerkbar ist. Basierend auf unserer Erfahrung betrachten die Appellisten Anarchisten in den meisten F&#228;llen ver&#228;chtlich als naiv und schauen auf sie herab&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie es ein Interviewter von SM28 formulierte: &#8222;Ich denke, der Anarchismus (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sie bezeichnen die Zusammenarbeit mit ihnen als eine ihrer vielen &#8222;unheiligen Allianzen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Anarchismus ist f&#252;r den appellistischen Mythos zentral. Der Appellismus pr&#228;sentiert sich selbst als die logische Entwicklung des Anarchismus, den sie als jugendliches Sprungbrett f&#252;r ihre reiferen strategischen Schlussfolgerungen betrachten. Die Geschichte geht etwa so: Wir versuchten den Anarchismus, bis es klar wurde, dass er nicht &#8222;funktioniert&#8220;, d.h. uns nicht zu jener Art von Sieg f&#252;hrt, welche sich die Appellisten zu eigen gemacht haben. Dieses Narrativ zieht Leute an, h&#228;ufig mit akademischem und aktivistischem Hintergrund, die bereit sind, Kompromisse einzugehen, um Resultate zu erzielen. Im Text &#8222;How to Start a Fire&#8220; erkl&#228;ren die Autoren, dass sie, nach vier Jahren gemeinsamem &#8222;Machtaufbau&#8220;, erkannt haben, dass &#8222;die uns angebotenen politischen Identit&#228;ten &#8211; Anarchist, Umweltaktivist, Marxist, Sozialist &#8211; f&#252;r einen &#252;berholten historischen Moment konstruiert worden sind. W&#228;hrend Jahrzehnten haben sie sich nicht die Mittel gegeben, um tats&#228;chlich zu k&#228;mpfen. Wir lassen jenen Tross, welcher uns geschw&#228;cht hat und eine B&#252;rde war, hinter uns, aber halten an dem fest, was uns Kraft gegeben hat.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten reduzieren den Anarchismus, manchmal explizit und manchmal eher subtil, auf eine blosse zus&#228;tzliche beschwerliche &#8222;Identit&#228;t&#8220;, die nur zu &#8222;Ohnmacht&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Zitat von &#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und &#8222;Purismus&#8220; f&#252;hren kann, ein Hindernis f&#252;r eine wirksame Strategie. Diese theoretische Gymnastik ist notwendig, um die f&#252;r anarchistische Perspektiven grundlegende Ethik hinter sich zu lassen. Ohne den &#8222;Tross&#8220; einer &#8222;Identit&#228;t&#8220; sind sie frei, mit den Massenmedien zu sprechen, als Protestordner (Atlanta) zu agieren, die Spitze der Gentrifizierung von Ridgewood (NY) mit einem Yuppie-Kaffelokal zu bilden, konfrontative K&#228;mpfe in Verhandlungen mit dem Staat zu kanalisieren, sich hierarchisch zu organisieren oder f&#252;r den Stadtrat zu kandidieren wie der Autor von Ill Will Nicholas Smaligo&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bloss einige abscheuliche Dinge, welche die Autoren bei Appellisten in (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Man weiss auch von Anarchisten, die einige solche Dinge getan haben, deshalb geht es in diesem Text nicht nur um Appellismus, sondern auch um die Entwicklung ehrlicherer und koh&#228;renterer Praktiken als Anarchisten. Es gibt einen grossen Unterschied zwischen dem vehementen Festhalten an der M&#246;glichkeit der Autonomie und dem Schwenken des Anarchismus als eine &#8222;identit&#228;re Fahne im Markt der revolution&#228;ren Prozesse&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220;.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit sind die einzigen wertvollen Erkenntnisse, die in den appellistischen Schriften zerstreut sind, wie das Blut der Vampire von der anarchistischen Tradition ausgesaugt: informelle Organisation, Autonomie, Betonung auf der Logistik und den Infrastrukturen der Herrschaft usw. Im ersten Teil diskutierten wir dar&#252;ber, wie der appellistische Fokus auf dem Aufbau von Infrastruktur, etwas, das auf den ersten Blick scheinbar unseren Zielen &#228;hnelt, in Tat und Wahrheit dazu tendiert, bestehende, f&#252;r das kontinuierliche Funktionieren des Staates grundlegende rassistische und koloniale Beziehungen zu Land und Orten zu st&#228;rken. Dar&#252;ber hinaus tendiert der appellistische Ansatz dazu, sich vom Horizontalismus anarchistischer Praktiken wie gegenseitiger Hilfe zu entfernen. W&#228;hrend Projekte gegenseitiger Hilfe zum Ziel haben, Ressourcen als Teil des Aufbaus vertrauensvoller Beziehungen im Verlauf eines gemeinsamen Kampfes zu teilen, tendieren Appellisten dazu, materielle Ressourcen und den Zugang zu ihnen in den H&#228;nden eines Individuums oder einer Gruppe zu konzentrieren. Damit verschaffen sie sich eine Position als T&#252;rh&#252;ter materieller Ressourcen, um ihre eigene dominante Stellung in Schl&#252;sselmomenten gesellschaftlicher K&#228;mpfe zu garantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten streben auch nach Macht und Kontrolle durch die Identifikation von Anf&#252;hrern und jenen in Machtpositionen in liberalen Nichtregierungs- und legalistischen Organisationen und der unsichtbaren Organisation mit ihnen, d.h. unter Anf&#252;hrern (eine Methode, die durch die Theorie der Zusammensetzung gerechtfertigt wird). Indem sie diese Verbindungen auf R&#228;ume beschr&#228;nken, wo sie die gesellschaftliche, politische und Entscheidungsmacht innehaben, benutzen Appellisten diese R&#228;ume scheinbar horizontaler Begegnung, um ihr Programm zu best&#228;tigen und ihre Macht zu vergr&#246;ssern, w&#228;hrend sie jegliche R&#228;ume der Entscheidungsfindung delegitimieren, wo sie nicht die Macht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Streben nach Macht bedeutet auch, dass viele ihrer Praktiken von optischer Symbolik angetrieben werden, einem Bed&#252;rfnis, den Kampf den Medien und &#8222;der &#214;ffentlichkeit&#8220; als legitim und/oder spektakul&#228;r zu pr&#228;sentieren. Das ist teilweise der Tatsache geschuldet, dass die Strategie der Zusammensetzung die Rekrutierung einer grossen Anzahl Leute impliziert, doch es suggeriert uns auch, dass ihr Verlangen nach Macht dazu f&#252;hrt, dass sie bez&#252;glich gewisser Prinzipien &#252;berm&#228;ssig kompromissbereit sind. Dieses Interesse an optischer Symbolik und &#246;ffentlicher Legitimit&#228;t f&#252;hrt h&#228;ufig dazu, dass sie sich weit vom Projekt des Aufbaus von Autonomie gegen&#252;ber den gesellschaftlichen Herrschaftsinstrumenten (wozu die Medien und die Spektakularisierung von K&#228;mpfen geh&#246;ren) entfernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich spitzte sich diese Inkompatibilit&#228;t zwischen dem anarchistischen Streben nach Autonomie und dem appellistischen Verlangen nach Macht und Legitimit&#228;t w&#228;hrend einem kritischen Moment im Kampf um die Verteidigung des als ZAD (&#8222;zu verteidigende Zone&#8220;) von Notre-Dame-des-Landes bekannten Territoriums zu. In diesem Fall agierten die Appellisten hinter dem R&#252;cken anderer Verteidiger der ZAD, dr&#228;ngten auf einem Deal mit dem Staat, um legal Land zu erwerben, und machten die Arbeit der Bullen an seiner Stelle, indem sie die Verteidigungseinrichtungen der Zone selbst als eine Geste des Vertrauens abbauten, um den Weg f&#252;r Verhandlungen zu &#246;ffnen (und gleichzeitig f&#252;r die Polizei die Strasse freizumachen, damit sie das Territorium &#252;berfallen konnte, was sie auch in den folgenden Tagen tat). Wie wird es in den USA aussehen, jetzt, wo die Appellisten, welche den Ausgang der ZAD als &#8222;Sieg&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hugh Farrell, &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, 2023. Wir wollen nicht zu den (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verk&#252;nden, bekanntermassen pr&#228;sent sind in einigen bedeutenden, breiten K&#228;mpfen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir in diesem Teil diskutiert haben, werden appellistische Ideen implementiert durch ein breites Spektrum an autorit&#228;ren Verhaltensweisen und verdeckt hierarchischen gesellschaftlichen Abmachungen, die sie vor Kritik sch&#252;tzen und die ideologische Grundlage verschleiern, auf welcher sie operieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einige dieser Verhaltensweisen werden sehr gut in einem Interview mit dem (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Idee der &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220; wird typischerweise als eine Fetischisierung der Normativit&#228;t und Respektabilit&#228;t umgesetzt, das Resultat davon sind R&#228;ume, wo gesellschaftliche Normen wie Frauenfeindlichkeit und Missbrauch ungehindert fortbestehen k&#246;nnen. Diese Verhaltensweisen beschr&#228;nken sich nicht auf Appellisten, sondern sie werden von Manipulatoren und Managern aller Couleur reproduziert. Das spezifische Wesen des appellistischen Autoritarismus, der nach aussen subtil ist, aber explizit entwickelt wird, macht sie jedoch besonders erfolgreich im Einschmuggeln solcher Verhaltensweisen und Abmachungen in antiautorit&#228;re R&#228;ume.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der relative Mangel an (j&#252;ngerer) anarchistischer Analyse in den USA hat eine L&#252;cke ge&#246;ffnet, welche die Appellisten schnell gef&#252;llt haben. Wir denken, dass es wichtig f&#252;r uns ist, keine appellistischen Schriften neu zu ver&#246;ffentlichen oder zu verteilen (ausser mit der Absicht, sie kritisch zu analysieren) oder zu ihren Projekten beizutragen, damit ihnen keine zus&#228;tzliche Legitimit&#228;t gegeben wird oder sie nicht weiterhin in anarchistischen R&#228;umen rekrutieren k&#246;nnen. H&#228;ufig scheinen Leute, mit denen wir gesprochen haben und die appellistische Texte verteilen oder lesen, die Theorie zu sch&#228;tzen, ohne notwendigerweise die damit verbundenen Praktiken zu bef&#252;rworten. Wir m&#246;chten die Leute dazu ermutigen, die von Autoren aus Analysen gegenw&#228;rtiger Situationen gezogenen Schlussfolgerungen und die praktischen Implikationen derselben aufmerksam zu betrachten. Man braucht keine gl&#228;nzende Homepage, um Schriften zu ver&#246;ffentlichen, und Anarchisten sollten ihre eigene Infrastruktur f&#252;r Druck und Vertrieb aufbauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Stattdessen...&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anarchistische Ideen k&#246;nnen nicht durch ein einfaches Programm in die Praxis umgesetzt werden, doch das ist Teil dessen, was wichtig ist bez&#252;glich Anarchie. Anarchie ist eher eine Reihe von Fragen, die wir durch unsere allt&#228;gliche Leben und unsere K&#228;mpfe gegen Autorit&#228;t und Unterdr&#252;ckung tragen &#8211; das wird h&#228;ufig &#8222;Projektualit&#228;t&#8220; genannt, im Gegensatz zu &#8222;Strategie&#8220;, denn Strategie ist ein Begriff, auf den man sich h&#228;ufig beruft, um die Notwendigkeit zu bezeichnen, die Mittel f&#252;r den Zweck zu opfern oder die Aktionen anderer Leute zu manipulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der wesentliche Unterschied zwischen einer Einfluss nehmenden, aufst&#228;ndischen Minderheit und einer Avantgarde- oder populistischen Gruppe ist, dass die erstere ihre Prinzipien und horizontalen Beziehungen zur Gesellschaft wertsch&#228;tzt und versucht, ihre Prinzipien und Modelle zu verbreiten, ohne sie als Besitzstand zu wahren. Eine Avantgarde hingegen versucht, diese zu kontrollieren &#8211; sei es durch Zwang, Charisma oder das Verbergen ihrer wahren Ziele. Eine populistische Gruppe bietet einfache L&#246;sungen und n&#228;hrt aus Angst vor Isolation die Vorurteile der Massen [&#8230;] Die Einfluss nehmende Minderheit wirkt durch Resonanz, nicht durch Kontrollen. Sie nimmt Risiken auf sich, um inspirierende Modelle und neue M&#246;glichkeiten zu schaffen und um bequeme L&#252;gen zu kritisieren. Sie genie&#223;t keine wesenhafte &#220;berlegenheit, und auf die Annahme einer solchen zur&#252;ckzufallen, w&#252;rde zu ihrer Isolation und Irrelevanz f&#252;hren. Wenn ihre Sch&#246;pfungen oder Kritiken niemand inspirieren, wird sie keinen Einfluss haben. Ihr Zweck ist nicht, Anh&#228;nger zu gewinnen, sondern soziale Gaben zu schaffen, die andere Menschen frei nutzen k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Feuerrose ist zur&#252;ckgekehrt! Der Kampf um die Strassen von (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine derartige Betrachtung unserer Projekte ist viel schwieriger, aber sie gibt uns die Werkzeuge, um kritisch zu denken und f&#252;r uns selbst zu handeln. Individuen und Kollektive, die sich auf diese Art und Weise selbst erm&#228;chtigen, sind zentral f&#252;r den letztendlichen Erfolg des anarchistischen Projekts, das von der F&#228;higkeit der Leute abh&#228;ngt, nuanciert und kritisch zu denken. Es erlaubt eine pr&#228;zisere Einsch&#228;tzung der Welt um uns herum und unserer Rolle darin, was viel wirksamer ist, als die Besch&#246;nigung gewisser Realit&#228;ten, um die Welt weniger verwirrend zu machen und einfachere Handlungsm&#246;glichkeiten zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Fragen, die wir uns selbst stellen k&#246;nnten, w&#228;hrend wir unsere Opposition gegen Autorit&#228;t in all ihren Formen im Ged&#228;chtnis behalten, sind folgende:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Wie stellen wir uns die potenzielle Wirkung unserer Projekte vor? Inwiefern bewegt sich mein bestimmtes Projekt in Richtung Anarchie, Aufstand und kollektiver Befreiung?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wie k&#246;nnen wir Praktiken der F&#252;rsorge, Beziehungen und Kollektive entwickeln, die uns St&#228;rke in unseren Differenzen finden lassen, statt nach Gemeinsamkeit durch falsche Homogenit&#228;t zu streben?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Welche Projekte und Beziehungen k&#246;nnen wir aufbauen, die rassialisierte und subkulturelle Spaltungen zwischen verschiedenen aufst&#228;ndischen Gruppen unterminieren, w&#228;hrend wir trotzdem rassistische und andere fortbestehende unterdr&#252;ckende Dynamiken ber&#252;cksichtigen?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wie sieht es aus, wenn man auf Momente jenseits des Aufstands ausgerichtet ist, wenn es nicht mehr um die Verteidigung der Barrikade, sondern um ihren Nachschub geht? Wie beeinflusst die Vorbereitung auf diese Phase unseren Ansatz in der Gegenwart?&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Struktur als &#8222;Imagin&#228;re Partei&#8220; der Appellisten bedeutet, dass jenen unten, welche die Anf&#252;hrer in dem, was sie tun, unterst&#252;tzen, faktisch nicht die gesamte Strategie anvertraut wird. W&#228;hrend diese Anf&#252;hrer unter Umst&#228;nden Respekt einfl&#246;ssendes Charisma und einen Sinn f&#252;r Organisation ausstrahlen, werden viele in ihrem Milieu auch den gleichen Frustrationen begegnen, wie sie in traditionell linken Organisationsr&#228;umen pr&#228;sent sind: Hierarchie, Mangel an Handlungsf&#228;higkeit, befremdende Normalit&#228;t, sexuelle Gewalt und andere Formen der Unterdr&#252;ckung. Genau wie Anarchisten oft versuchen, in linke Rekrutierungsanstrengungen durch die Vermittlung von Kritik an die Basis und das Aufzeigen einer Alternative durch unsere eigenen Projekte zu intervenieren, k&#246;nnen wir das gleiche mit jenen tun, welche in die Imagin&#228;re Partei eingeweiht werden. W&#228;hrend wir dazu ermutigen, autorit&#228;re Praktiken und die Macker des appellistischen Milieus abzulehnen, lassen wir es die Leser entscheiden, wie sie mit dem Rest dieser Netzwerke umgehen wollen.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Indem wir jene Prinzipien identifizieren, die f&#252;r eine anarchistische Ethik grundlegend sind und auf dieser Grundlage mit anderen zusammenarbeiten, k&#246;nnen wir unsere K&#228;mpfe f&#252;r jene mit autorit&#228;ren Ambitionen unwirtlich machen, seien es Appellisten, Tankies oder Liberale der DSA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/another-word-for-settle-a-response-to-rattachements-and-inhabit/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/another-word-for-settle-a-response-to-rattachements-and-inhabit/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Another Word for Settle: A Response to &#8218;Rattachements&#8216; and &#8218;Inhabit&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 2021 (zur appellistischen Strategie als Ausl&#228;ufer des Siedlerkolonialismus).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220; in &lt;a href=&#034;https://ungratefulhyenas.noblogs.org/post/2023/02/21/decomposition-for-insurrection-without-vanguards/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Decomposition: For Insurrection Without Vanguards&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2023 (f&#252;r einen genaueren Blick auf die Logik und die Praxis der Zusammensetzung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://scenes.noblogs.org/post/2023/07/02/breaking-ranks-subverting-the-hierarchy-and-manipulation-behind-earth-uprisings/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Breaking Ranks: Subverting the Hierarchy and Manipulation Behind Earth Uprisings&lt;/a&gt;, 2023 (f&#252;r eine weiterf&#252;hrende Diskussion &#252;ber manipulative und avantgardistische Praktiken, die Spektakularisierung des Kampfes und die Benutzung Radikaler als Schocktruppen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://anarchistischebibliothek.org/library/finimondo-blanqui-oder-die-staatliche-insurrektion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Blanqui oder die staatliche Insurrektion&#8220;&lt;/a&gt;, 2011 (zur Zur&#252;ckf&#252;hrung der Perspektive des autorit&#228;ren Insurrektionalismus auf ihren Ursprung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://theanarchistlibrary.org/library/against-the-party-of-insurrection-a-look-at-appelism-in-the-us&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Formulierung &#8222;Partei des Aufstands&#8220; wird im Vorschlag 14 des Comit&#233; d'occupation de la Sorbonne en exil (2006), in &lt;i&gt;Les mouvements sont faits pour mourir&lt;/i&gt; (2007), &#8222;The Kazakh Insurrection&#8220; (Ill Will Editions, 2022), &#8222;Civil War, Dialectics, and the Possibility of Revolution&#8220; (Spirit of May 28, 2023) und &#8222;On Destituent Power&#8220; (Tronti, Ill Will Editions, 2022) benutzt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die territoriale Autonomie, wenn sie als Strategie f&#252;r die Zerst&#246;rung des Kapitalismus und des Staates betrachtet wird, beinhaltet die langfristige Arbeit der Entwicklung von Zonen, wo Bullen nicht hingehen k&#246;nnen, wo man die Mittel zur Erhaltung und Reproduktion der dort Lebenden finden kann, wo eine grosse Gruppe engagierter und miteinander verbundener Leute jeden Alters die Mittel und das Bed&#252;rfnis hat, dieses Territorium zu verteidigen, &#252;ber Generationen hinweg. Wir k&#246;nnen dorthin schauen, wo dies schon w&#228;hrend Hunderten von Jahren gemacht worden ist, um Beispiele zu sehen: das Territorium der Wet'suwet'en, Elsipogtog, Barriere Lake, Six Nations, Tyendinaga, Kahnaw&#225;:ke und Kanehsat&#224;:ke. Nicht-indigene Gemeinschaften haben das nicht w&#228;hrend Hunderten von Jahren gemacht und bei weitem nicht &#8211; wir beginnen bei null und auch wenn die Priorisierung unserer eigenen territorialen Autonomie als ethisch erscheinen mag, w&#228;re es wahrscheinlich nicht von strategischer Bedeutung, denn Siedlergemeinschaften in einer Siedlergesellschaft stehen viel weniger in strukturellem Konflikt mit dem kolonialen System. Es macht uns nicht schw&#228;cher, den Kampf f&#252;r die territoriale Autonomie von Gemeinschaften, von denen wir nicht Teil sind, zu priorisieren. Es macht uns st&#228;rker, wenn wir dadurch Beziehungen aufbauen, die zu revolution&#228;ren Zusammenh&#228;ngen beitragen, in welchen die Ziele revolution&#228;rer Netzwerke der Siedler mit jenen antikolonialer indigener Gruppen konvergieren.&#8220; &#8222;Another Word for Settle: A Response to &#8218;Rapprochements&#8216; and &#8218;Inhabit&#8216;&#8220;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aus &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; (2007): &#8222;Sogar in den endlosen Subventionen, die viele Eltern ihrem proletarisierten Nachwuchs zu zahlen gezwungen sind, gibt es nichts, was nicht zu einer Art M&#228;zenentum f&#252;r die soziale Subversion werden k&#246;nnte.&#8220; Aus &#8222;The Next Eclipse&#8220; (2018): &#8222;Eine Kleinbrauerei oder eine Eisbude mit eigener lokaler Produktion k&#246;nnen Partisanenprojekte sein.&#8220;Aus &#8222;How to Start a Fire&#8220; (2017): &#8222;Erwerbt Eigentum. Macht ein Piratenradio. Stellt Kochherde her. Lernt kochen. Lernt Sprachen. Erwerbt Waffen. Er&#246;ffnet Food Trucks und Gesch&#228;fte. Besetzt H&#228;user. Er&#246;ffnet Caf&#233;s. Imbisse. Restaurants. Pizzabuden. Buchhandlungen [&#8230;] Das Familienhaus am See kann daf&#252;r genutzt werden, dass Hunderte f&#252;r ein sommerliches Strategietreffen dort schlafen. Langsam w&#228;chst etwas.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Begriff &#8222;links&#8220; kommt von der parlamentarischen Unterteilung (in europ&#228;ischen und anderen L&#228;ndern) zwischen rechts und links unter den gew&#228;hlten politischen Repr&#228;sentanten. Die Linke in den USA ist in &#228;hnlicher Weise in die Mechanismen und Perspektiven eines radikalen Fl&#252;gels einer solche Repr&#228;sentanten mit einschliessenden politischen Tendenz eingebettet. Als solche beinhaltet die Linke h&#228;ufig Allerweltsorganisationsans&#228;tze, sowie eine Tendenz, K&#228;mpfe verwalten und kontrollieren zu wollen, was letztendlich gew&#246;hnlich zu Konflikten mit den emanzipatorischeren Prinzipien des Anarchismus f&#252;hrt. Wir lehnen die Einschliessung des Anarchismus in die Linke ab, um uns klar von dieser Art von kompromittierten und verwaltenden Tendenzen zu unterscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220;, 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;[W]as der Staat keinesfalls dulden kann [ist], dass Singularit&#228;ten eine Gemeinschaft bilden, ohne eine Identit&#228;t einzufordern, dass Menschen mit-angeh&#246;ren ohne eine darstellbare Bedingung der Zugeh&#246;rigkeit [&#8230;]&#8220; Giorgio Agamben, &lt;i&gt;Die kommende Gemeinschaft&lt;/i&gt; (1990), Berlin, Merve, 2003, S. 79.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 80.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Shemon Salams Werk, diskutiert in Fussnote 11.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Partisan: Angeh&#246;riger oder Sympathisant einer Partei oder Fraktion.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Woodbine, &#8222;The Anthropocene&#8220; in &lt;i&gt;Short Circuit. A Counterlogistics Reader&lt;/i&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mitbegr&#252;nder Shemon Salam ver&#246;ffentlichte j&#252;ngst einen &#246;ffentlichen Wutanfall in Form eines Essays, &#8222;Lost in the American Wasteland&#8220;, der von der antistaatlichen kommunistischen Zeitschrift &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht worden ist und in dem die schwarze radikale Tradition desavouiert wird, weil sie die Revolution f&#252;r ihn noch nicht gemacht hat. Siehe auch den Text von SM28 (geschrieben von Shemon und anderen) &#8222;Akron, Jayland Walker, and the Class War&#8220;, in welchem die Autoren Akron besichtigen, nachdem ein schwarzer Mann erschossen wurde, und sich dar&#252;ber beklagen, dass danach nicht mehr Leute Krawall gemacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie es ein Interviewter von SM28 formulierte: &#8222;Ich denke, der Anarchismus ist heutzutage total verwirrt und sollte aufgegeben werden [&#8230;] Anarchismus ist hoffnungslos liberal.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Zitat von &#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220; (2018), ver&#246;ffentlicht auf &lt;i&gt;Lundi &lt;/i&gt;&lt;i&gt;m&lt;/i&gt;&lt;i&gt;atin&lt;/i&gt;, die Hauptplattform des Appellismus in Frankreich, dessen Inhalt von &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; regelm&#228;ssig &#252;bersetzt und ver&#246;ffentlicht wird. Der Text theoretisiert: &#8222;Sich selbst Anarchist zu nennen oder jede andere revolution&#228;re Identit&#228;t hilft uns &#252;berhaupt nicht, es vergr&#246;ssert unser revolution&#228;res Potenzial nicht und hilft uns nicht, uns zu organisieren. Ausserdem isoliert es uns und macht uns zu einem einfachen Ziel f&#252;r Repression. Ideologische Identit&#228;ten sind S&#228;ulen, auf die sich der Feind st&#252;tzt, und es h&#228;ngt von uns ab, sie hinter uns zu lassen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bloss einige abscheuliche Dinge, welche die Autoren bei Appellisten in Nordamerika beobachten konnten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hugh Farrell, &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, 2023. Wir wollen nicht zu den aufgeblasenen appellistischen Ideen dar&#252;ber beitragen, welchen Einfluss ihre Theorien in K&#228;mpfen wie Stop Cop City gehabt haben sollen, deren Dynamiken vor Ort &#252;bersteigen die Intelligentsia der Zusammensetzung und k&#246;nnen nicht von ihr eingefangen werden. Wir wollen auch nicht nur das zitieren, was sie &#252;ber sich selbst sagen, da es ihrem Tun eine &#252;bertriebene Bedeutung gibt. Spirit of May 28 ist zum Beispiel gr&#246;ssenwahnsinnig bez&#252;glich des George-Floyd-Aufstands: &#8222;Keine andere politische Tendenz war f&#228;hig, im Kampf Fuss zu fassen, oder hatte viel Interessantes dar&#252;ber zu sagen. In der Vergangenheit hatten wir zum Ziel, Begegnungsr&#228;ume f&#252;r verschieden Tendenzen aufzubauen. Aber heutzutage ist es klar, dass unsere Partei alleine dasteht.&#8220; &#8222;Among Friends: Reflections After the George Floyd Uprising&#8220;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Einige dieser Verhaltensweisen werden sehr gut in einem Interview mit dem Titel &#8222;Conflict in Movement&#8220; auf dem Final Straw Radio zusammengefasst.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Feuerrose ist zur&#252;ckgekehrt! Der Kampf um die Strassen von Barcelona&#8220;, 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/appellismususa.pdf" length="119332" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Emilio Minassian - Gaza: &#8222;Eine extreme Militarisierung des Klassenkrieges in Israel-Pal&#228;stina&#8220;</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina</guid>
		<dc:date>2024-02-16T17:22:49Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Jihadismus</dc:subject>
		<dc:subject>Emilio Minassian</dc:subject>
		<dc:subject>Israel/Pal&#228;stina</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023. &lt;br class='autobr' /&gt;
1. &lt;br class='autobr' /&gt;
Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Jihadismus" rel="tag"&gt;Jihadismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Emilio-Minassian" rel="tag"&gt;Emilio Minassian&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Israel-Palastina" rel="tag"&gt;Israel/Pal&#228;stina&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/the_battle_of_gaza_312_bce.webp?1708104027' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='101' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein propal&#228;stinensischer Aktivist zu sein. Was hat eine an der Revolution orientierte Kritik zu dem, worum es dort geht, zu sagen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens w&#252;rde ich sagen, dass man sich bewusst sein sollte, dass es nicht zwei Lager gibt, ein pal&#228;stinensisches und ein israelisches. Diese Leute leben in ein und demselben Staat und sind Teil einer gleichen Volkswirtschaft. Innerhalb dieses gleichen, sagen wir israelisch-pal&#228;stinensischen Ganzen &#8211; das jedoch vollst&#228;ndig von Israel abh&#228;ngig ist &#8211; stehen die gesellschaftlichen Klassen nicht nur in Zusammenhang mit Unterschieden des rechtlichen Status auf der Grundlage ethnisch-religi&#246;ser Kriterien, sondern sie sind &#8222;in Zonen eingeteilt&#8220;. Der Gazastreifen hat sich zunehmend in ein &#8222;Reservat-Gef&#228;ngnis&#8220; verwandelt, wo zwei Millionen Proletarier eingepfercht und an den Rand des israelischen Kapitals gedr&#228;ngt worden sind. Doch letzteres bleibt in letzter Instanz ihr Meister. Die Bewohner des Gazastreifens benutzen die israelische W&#228;hrung, konsumieren israelische Waren und haben Identit&#228;tskarten, die von Israel ausgestellt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige &#8222;Krieg&#8220; entspricht in Tat und Wahrheit einer extremen Militarisierung des Klassenkrieges.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein &#8222;Land f&#252;r zwei V&#246;lker&#8220;, diese Sichtweise auf die Situation in Israel-Pal&#228;stina ist abwegig. Nirgends auf der Welt geh&#246;rt das Land den V&#246;lkern. Es geh&#246;rt den Eigent&#252;mern. All das mag sehr theoretisch erscheinen, aber die blosse Existenz der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse verweist diese Idee der &#8222;Lager&#8220; an jene, welchen sie zugeh&#246;rt: die Anf&#252;hrer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fl&#252;chtlingslager im Westjordanland, die man als das schlagende Herz &#8222;Pal&#228;stinas&#8220; betrachten k&#246;nnte, sind weiterhin die Vorst&#228;dte Tel Avivs. W&#228;hrend ganzen Abenden h&#246;rte ich Tagesarbeitern eines der Lager zu, wie sie davon erz&#228;hlten, wie sich die Ethnisierung der Arbeitskraft auf den Baustellen der israelischen Hauptstadt ausbreitete: die j&#252;disch-aschkenasischen Bautr&#228;ger, die pal&#228;stinensischen Anbieter von 1948 f&#252;r den Durchgang der Arbeitskraft der besetzten Gebiete, die ebenfalls arabischsprachigen j&#252;disch-sephardischen Vorarbeiter usw. Und dann all die anderen importierten Proletarier: die Thail&#228;nder, die Chinesen und die Afrikaner, deren Situation, ohne Papiere, in Wirklichkeit am schlimmsten ist. All das kann sich nicht durchmischen, denn jede Gruppe hat einen unterschiedlichen Status und eine unterschiedliche Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen. Doch diese Welten sind nicht por&#246;s, sie sind ineinander verschachtelt, sie schauen sich an, kennen sich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dutzende Thail&#228;nder, die rund um den Gazastreifen in der Landwirtschaft ausgebeutet werden, sind von der Hamas get&#246;tet und entf&#252;hrt worden. Anderen wird nun von den israelischen Chefs ihre L&#246;hne zur&#252;ckbehalten, um sie zu zwingen, in einem Kriegsgebiet zu arbeiten. Jede einigermassen konsequente Sozialkritik muss, wenn es um die Geschehnisse in Israel-Pal&#228;stina geht, auch den Standpunkt der thail&#228;ndischen Arbeiter ber&#252;cksichtigen. Dieses Land ist nicht minder daf&#252;r bestimmt, den thail&#228;ndischen Arbeiter zu geh&#246;ren als den pal&#228;stinensischen Proletariern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft es nicht ein bisschen darauf hinaus, eine Schwierigkeit zu umgehen, wenn man versucht, die &#8222;nationale Frage&#8220; in Israel-Pal&#228;stina aussen vor zu lassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat es geschafft, eine einmalige Situation in der Welt hervorzubringen: die Integration eines seinerseits ethnisierten (&#8222;j&#252;dischen&#8220;) Proletariats in den Staat gegen den Rest des Proletariats, ebenfalls ethnisiert (&#8222;arabisch&#8220;). Der israelische Staat hat die Akkumulation des &#8222;nationalen&#8220; Kapitals in einer Rekordzeit und den Import des &#8222;nationalen&#8220; Proletariats organisiert, er hat sich zum W&#228;chter &#252;ber die Existenz und die Reproduktion desselben erhoben, da es in seiner Existenz selbst durch eine andere proletarische (&#8222;pal&#228;stinensische&#8220;) Randgruppe bedroht sei. Doch wenn man die Brille des Trugbildes des &#8222;Staates als Garant der Existenz der Leute&#8220; absetzt, zeigt sich, dass das j&#252;dische Proletariat Israels eine Art Kriegsbeute in den H&#228;nden desselben darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gilt nicht aufseiten des pal&#228;stinensischen Proletariats, innerhalb welchem die Kampfdynamiken eine gewisse Autonomie bewahrt haben und auf komplexe Art und Weise mit den instrumentalen Logiken seiner nationalistischen politischen Umrahmung koexistieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es mag der Intuition widersprechen, aber ich denke, dass man die Hamas als Subunternehmer f&#252;r die Verwaltung des Proletariats im Gazastreifen betrachten muss. Wie ich es gesagt habe, letzteres ist, in letzter Instanz, vom israelischen Nationalkapital &#8222;abh&#228;ngig&#8220;. Solange dieses nicht die Entscheidung getroffen hat, die Entwicklung einer &#8222;pal&#228;stinensischen&#8220; kapitalistischen Entit&#228;t an seiner Seite zu erlauben, ist das Proletariat des Gazastreifens, sogar eingepfercht, Teil seiner Kreisl&#228;ufe. Doch diese Situation kann nicht ohne die Herausbildung einer externalisierten gesellschaftlichen Formation auskommen, die mit der Regulierung der Eingesperrten beauftragt ist &#8211; es gibt kein Gef&#228;ngnis ohne W&#228;rter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was geschieht, ist kein interimperialistischer Krieg. Es handelt sich im Wesentlichen um eine &#8222;innere Angelegenheit&#8220;, innerhalb welcher die &#8222;nationalen&#8220; Lager eine Ablenkung darstellen. In den gegenw&#228;rtigen Ereignissen gibt es keinen proletarischen Kampf. Die gemeinsam durch die Hamas und die israelische F&#252;hrungsschicht hervorgebrachte Militarisierung der Antagonismen bringt einen &#8222;Widerstand&#8220; hervor, der nicht die geringste Logik des autonomen proletarischen Kampfes enth&#228;lt, nicht einmal ansatzweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht ein Krieg, sondern eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats mit den milit&#228;rischen Mitteln des totalen Krieges seitens eines demokratischen und zivilisierten Staates, der zum zentralen Block der Akkumulation geh&#246;rt. Diese Tausenden von Toten dort scheinen meines Erachtens eine besondere Bedeutung zu haben. Sie skizzieren ein erschreckendes Bild der Zukunft &#8211; der kommenden Krisen des Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats durch Bombenteppiche macht das, was gegenw&#228;rtig geschieht, durch die Art und Weise, wie sie durch die Gesamtheit der zentralen Staaten der kapitalistischen Landkarte als legitim betrachtet wird, zum Teil einer globalen Offensive. In Frankreich ist dieser globale Charakter besonders auff&#228;llig: Wir sind in eine Phase eingetreten, wo sogar politische Formulierungen hinter humanistischen Losungen niedergehalten werden &#8211; sobald sie auf eine Strassenaktivit&#228;t der gef&#228;hrlichen Klassen treffen k&#246;nnten. Es gibt keinen &#8222;Import&#8220; des Konflikts. Es ist eine globale Offensive. In diesem Sinne findet der Kampf f&#252;r uns in Frankreich sehr wohl hier statt, gegen Frankreich. Wir m&#252;ssen stets unsere eigene Nation verraten, sobald es m&#246;glich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat die Hamas in einer solchen Situation zu gewinnen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor dem 7. Oktober war meine Auffassung der Situation die folgende. Einerseits eine Offensive der kolonialen &#228;usseren Rechten, zugleich um das Westjordanland zu annektieren und die Hebel der Macht des israelischen Staates an sich zu reissen. Andererseits zwei pal&#228;stinensische Staatsapparate, die nur von Renten leben und deren einziges Interesse ihre eigene Reproduktion als solche ist. Ich dachte, dass sich diese M&#228;chte in einem Verteidigungskampf bef&#228;nden und sich allen voran auf eine Konfrontation mit einem Kontrollverlust &#252;ber die von ihnen verwalteten Bev&#246;lkerungen vorbereiten w&#252;rden, sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All meine Gespr&#228;chspartner im Westjordanland, seien sie linke Akademiker oder bewaffnete Subproletarier, sagten mir vor einigen Monaten: &#8222;Die Hamas unterst&#252;tzt den Widerstand vor Ort nicht. Sie denkt nur an ihre eigenen Interessen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und tats&#228;chlich verhielt sich die Hamas nicht wie eine Kampforganisation, sondern wie eine milit&#228;rische Struktur, wie ein Staat. Doch was ihre Operation besonders macht, ist die Tatsache, dass sie notwendigerweise die Perspektive einer israelischen Antwort enthielt, gegen&#252;ber welcher sie in einer Situation gewaltiger Unterlegenheit sein w&#252;rde. Die Hamas verh&#228;lt sich wie ein Staat, aber ohne die Mittel eines Staates, und sie opfert einen Teil der Interessen eines Teils ihres Apparats und ihrer gesellschaftlichen Basis im Gazastreifen in der Hoffnung, in der Zukunft mehr daf&#252;r zu erhalten. Viele Anf&#252;hrer werden ausserdem in dieser Geschichte ihr Leben verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation am 7. Oktober stellt seitens einer herrschenden Klasse ein erstaunliches Verhalten dar, das sich jedoch meines Erachtens in erster Linie durch die Widerspr&#252;che innerhalb der Hamas selbst erkl&#228;ren l&#228;sst. Es ist eine Hypothese, aber es ist nicht undenkbar, dass die Operation am 7. Oktober durch den bewaffneten Fl&#252;gel der Hamas ohne grosse Absprache mit der politischen F&#252;hrung konzipiert worden ist. (Man kann sich auch vorstellen, dass die Gr&#246;sse der &#214;ffnung in der Mauer die Planer des Angriffs selbst &#252;berrascht hat, die vielleicht urspr&#252;nglich versuchten, eine Art Selbstmordangriff auszuf&#252;hren, ohne mit einem derartigen milit&#228;rischen Zusammenbruch Israels zu rechnen, der den Weg f&#252;r umfangreiche Massaker geebnet hat.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation der Hamas ist &#252;berhaupt nicht aus einem fanatischen millenaristischen Wahn entstanden. Es ist eine riskante Wette, die jedoch Fr&#252;chte tragen kann. Die f&#252;r Israel verf&#252;gbaren Optionen sind begrenzt. Es gibt den Verhandlungsweg, jenen des regionalen Krieges und nicht viel dazwischen. Doch es bleibt eine Herausforderung, denn es ist nicht sicher, dass sich der israelische Staat und das israelische Kapital f&#252;r eine Stabilisierung entscheiden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist die Etappe &#8222;Massaker&#8220; durch Bombenteppich unvermeidbar, aber das ist eine andere Frage, f&#252;r die Anf&#252;hrer ist es selbstverst&#228;ndlich die geringste ihrer Sorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass sich die Hamas wie ein Staat verh&#228;lt, aber ohne die Mittel dazu zu haben. Du sagst auch, dass sie gewisse ihrer Interessen opfert, um danach mehr zu haben. Kannst du das pr&#228;zisieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlicht und einfach die Anerkennung im Rahmen der Verhandlungen. Wohl kaum f&#252;r ein Friedensabkommen, soweit sind wir nicht und in Wirklichkeit denke ich, dass weder die Hamas noch Israel an einem umfassenden solchen Abkommen interessiert sind. Doch die Vernichtung der Hamas ist vom israelischen Standpunkt aus nicht ernsthaft vorstellbar. Indem sie ihre milit&#228;rische Kapazit&#228;t zeigt, versucht die Hamas, sich als unumg&#228;nglich im regionalen Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zu zeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Scheitern der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA die letzten Jahre zeigt, dass wir uns nicht in einer Zeit der &#8222;L&#246;sungen&#8220; befinden. F&#252;r die Hamas geht es darum, das sagen alle, die amerikanische L&#246;sung eines israelisch-saudischen Abkommens zu blockieren. Was sie dabei gewinnen kann, ist erst einmal, dass sie sich als Gespr&#228;chspartner f&#252;r die arabischen L&#228;nder in der Region aufdr&#228;ngt und die PLO [Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation, wovon die Fatah Teil ist, aber auch die Volksfront zur Befreiung Pal&#228;stinas (PFLP)] im Westjordanland und im Libanon weiter marginalisiert. Somit gewinnt sie kleine Marktanteile der pal&#228;stinensischen Repr&#228;sentation zulasten ihres Konkurrenten, der PLO.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sind die auf dem Spiel stehenden Interessen tats&#228;chlich so eng begrenzt?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich weiss nicht wirklich, wie ich auf diese Frage antworten soll. Selbstverst&#228;ndlich muss diese Milit&#228;roperation und der dadurch ausgel&#246;ste Krieg auch vor dem Hintergrund eines globalen Kontexts betrachtet werden, wo die kapitalistischen Regulationskan&#228;le dabei sind, vor die Hunde zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Krieg ist meiner Ansicht nach immer ein Versuch, die kapitalistische Verwertungskrise als Operation der Desakkumulation zu l&#246;sen. Doch er ist auch Ausdruck der Umw&#228;lzung des Gleichgewichts des Verh&#228;ltnisses zwischen Staat und Kapital. Er ist ein Krisenmoment, wo die Kontrolle des Kapitals, des globalen Kapitals, &#252;ber den Staat sich lockert zugunsten einer Aneignung gewisser besonderer kapitalistischer Sektoren durch den Staat, oder sogar durch Familienclans oder einzelne Politiker. Der Krieg zwischen Kapitalisten ist nicht nur ein Krieg zwischen Imperialismen. Er l&#228;sst diverse Akteure aneinandergeraten, die, da es keine Garantien mehr gibt, manchmal riskante Wetten eingehen, eine Karte spielen, um zu versuchen, von der Umw&#228;lzung der vorhandenen Kr&#228;fte zu profitieren. Wir k&#246;nnen eine solche Verkettung seit dem Krieg in der Ukraine beobachten. Die eingefrorenen Fronten erwachen: Wir hatten Bergkarabach, jetzt ist es Gaza.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Generalst&#228;be schreiten voran, versuchen Pl&#228;ne, testen die Widerst&#228;nde, springen ins kalte Wasser. Das ist es, was sie spontan tun m&#246;chten, die ganze Zeit. Was uns seit zwei Jahren &#252;berrascht, ist die Tatsache, dass die sie zuvor zur&#252;ckhaltenden Schutzmechanismen nicht mehr zu greifen scheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist das Wesen der Herrschaft der Hamas &#252;ber die Leute in Gaza? Wie sichert sie ihre Macht, was haben ihre Anf&#252;hrer davon, welche (offenen oder nicht offenen) Verbindungen unterh&#228;lt sie zu Israel?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist aus der Bewegung der Muslimbr&#252;der entstanden. Wie ein bisschen &#252;berall in der arabischen Welt entwickelt sie sich vor Ort und in der Diaspora innerhalb des pal&#228;stinensischen Kleinb&#252;rgertums. Seit ihrem Einstieg in den Kampf gegen Israel, beg&#252;nstigt von der Ersten Intifada, hat sich ihre soziale Basis auf proletarischere Segmente erweitert, bevor die Kontrolle &#252;ber das Territorium Gazas und ihre Militarisierung ihr Wesen zutiefst ver&#228;ndern. Sie war pl&#246;tzlich, wie wir es gesagt haben, in der Position eines Staatsapparats, mit der Notwendigkeit, viele verschiedene und antagonistische Interessen diverser Gruppen zu integrieren, mit ihnen zu jonglieren und Schiedsrichter &#252;ber sie zu sein. Und, parallel dazu, da Gaza nicht ein richtiger Staat ist, hat sich die Hamas auch in eine Milizpartei verwandelt, vergleichbar mit der Hisbollah im Libanon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese doppelte Entwicklung hat eine widerspr&#252;chliche Dimension. Ich stelle die Hypothese auf, dass der gegenw&#228;rtige Krieg gewissermassen den Sieg der zweiten Logik &#252;ber die erste darstellt. Der bewaffnete Arm hat den Staatsapparat und die milit&#228;rischen Rentenkreisl&#228;ufe (aus dem Iran) haben die zivilen Rentenkreisl&#228;ufe (aus Katar) verdr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist eine interklassistische Bewegung, was ihr erratisches Handeln erkl&#228;rt. Die Handelsbourgeoisie im Westjordanland hat sich Mitte der 2000er Jahre massiv zu ihr bekannt; die Bewegung hat die Parlamentswahlen 2006 als Partei der Ordnung gewonnen; sie versprach, die chaotische Sicherheitslage unter Kontrolle zu bringen, und sie garantierte die herrschende Ordnung mit einer auf der Wohlt&#228;tigkeit basierenden Umverteilung. Sie erschien paradoxerweise als Gegnerin der Intifada und die Mehrheit der Notabeln der beiden wirtschaftlichen Zentren des Westjordanlands, Nablus und Hebron, unterst&#252;tzten sie damals, w&#228;hrend sie mit jordanischen Wirtschaftsinteressen verbunden blieben. Die Hamas hat die gleichen Parlamentswahlen in Gaza gewonnen, aber indem sie Widerstandsparolen hervorhob und zur milit&#228;rischen Einreihung aufrief und somit das Lumpenproletariat der Fl&#252;chtlingslager ansprach. Nicht in einer Logik des Aufstands oder der sozialen Bewegung, sondern in einer des milit&#228;rischen Klientelismus. Im Gegensatz zum Westjordanland gibt es im Gazastreifen keine urbane Handelsbourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Interklassismus ist seither weitergegangen. Die Hamas hantiert weiterhin mit widerspr&#252;chlichen Logiken der Mobilisierung. Der Anf&#252;hrer ihres bewaffneten Arms, Mohammed Deif, ist eine Art mythische Ikone, ein &#220;berlebender etlicher gezielter Mordversuche. Er wird zum James Bond erhoben, um zu den Teenagern in den Fl&#252;chtlingslagern zu sprechen, w&#228;hrend die Anf&#252;hrer in Anzug und Krawatte ihre Zeit in den F&#252;nfsternehotels in Katar vertreiben und sich mit Ministern und Kapitalisten der arabischen und t&#252;rkischen Welt fein verk&#246;stigen. Und wenn die Fraktion um Mohammed Deif eine Operation wie jene am 7. Oktober lanciert, l&#228;sst sie die Anzug- und Krawattenfraktion machen, denn sie hofft im Geheimen, dass sie in den diplomatischen Verhandlungszimmern die Fr&#252;chte davon ernten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin vorsichtiger betreffend dessen, was die Kompradorenbourgeoisie von Gaza-Stadt davon h&#228;lt, w&#228;hrend ihre Villen von den Bomben zerst&#246;rt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was sind die Eigenschaften der Ausbeutung der Proletarier im Gazastreifen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe ziemlich viel Zeit im Westjordanland verbracht, aber ich kenne den Gazastreifen nicht direkt. Aufgrund seiner politischen und geographischen Situation gleich neben einem Raum intensiver kapitalistischer Akkumulation k&#246;nnte man sagen, dass der Gazastreifen ein grosser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; Israels ist. Doch sogar in den M&#252;lleimern der Kapitalisten gibt es gesellschaftliche Spaltungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist es unter dem Strich eine Art Ghetto? Konkret, haben die Proletarier im Gazastreifen Arbeit (formell oder auch nicht) oder m&#252;ssen sie mehrheitlich als &#252;bersch&#252;ssig betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&#220;bersch&#252;ssig&#8220; in dem Sinne, dass die Arbeit im Gazastreifen fast nirgends kapitalistische Akkumulation erlaubt. Die Kapitale, die dort zirkulieren, kommen im Wesentlichen aus Renten (und zwar aus sehr kleinen Renten): Rente der Aussenhilfe (Iran und Katar), Renten aus Monopolsituationen (die Tunnels). Die generierten Profite sind nicht das Resultat der Ausbeutung von Arbeit durch Kapitalisten. Reproduktion der Proletarier und Verwertung sind zwei unterschiedliche Prozesse, wie der b&#228;rtige Alte sagen w&#252;rde. Die Chefs sind grossmehrheitlich kleine Chefs und der Staat reguliert nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist ein Raum, der in Bezug auf die Kreisl&#228;ufe der kapitalistischen Verwertung komplett abseits steht, wie viele andere Peripherien der Welt. Es gibt keine &#8222;nationale Bourgeoisie&#8220;, denn es gibt keine Kapitale aus dem Gazastreifen. Es gibt auch keine &#8222;traditionelle Bourgeoisie&#8220;, wie im Westjordanland oder Jerusalem &#8211; diese alten Familien, die auf einem verstaubten alten Handels- und Bodenkapital sitzen, das jedoch in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen noch wirksam ist. Im Gazastreifen gibt es hingegen sehr wohl eine neue Form der &#8222;Kompradorenbourgeoisie&#8220;, die auf Zirkulationsrenten sitzt. Sie ist jedoch keine Klasse im engen Sinne, sie ist eine gesellschaftliche Gruppe, die ein enormes Einkommen aus ihrer Stellung als Zwischenh&#228;ndlerin im Handel mit den ausl&#228;ndischen Kapitalisten zieht (im Gegensatz zu einer Bourgeoisie, die ein Interesse an der Entwicklung einer National&#246;konomie hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teil dieser Bourgeoisie ist deckungsgleich mit dem politischen Apparat der Hamas, denn die zirkulierenden Kapitale kommen zu einem grossen Teil von einer geopolitischen Rente, sie kommen von Staaten wie Katar und dem Iran. Doch es gibt auch andere Renten, zum Beispiel jene, die mit der Grenzzirkulation mit &#196;gypten zusammenh&#228;ngen. Aus den Schmuggeltunneln sind Verm&#246;gen entstanden und hier handelt es sich eher um die Figur des globalisierten Feudalherren &#8211; typischerweise ein Verh&#228;ltnis zwischen Chef und Arbeiter. Es kam 2007 zu heftigen bewaffneten Konfrontationen zwischen gesellschaftlichen Clanstrukturen und dem politisch-milit&#228;rischen Apparat der Hamas in Rafah, im S&#252;den des Gazastreifens, es ging um die Besteuerung der Warenzirkulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist, im Gegensatz zur Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde (PA), nicht verantwortlich f&#252;r die &#246;ffentlichen Dienste, sie zahlt die L&#246;hne nicht: Diese werden immer noch von der PA gezahlt. Das ist &#252;brigens Gegenstand permanenter Erpressung: Die PA friert die L&#246;hne der Funktion&#228;re in Gaza regelm&#228;ssig ein oder reduziert sie, um die Hamas zu schw&#228;chen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt auch regelm&#228;ssig, und wahrscheinlich zumindest teilweise als Folge davon, zu &#8222;sozialen&#8220; Mobilisierungen, die W&#252;rde fordern &#8211; typischerweise Wasser, Elektrizit&#228;t und die L&#246;hne. Die Hamas schl&#228;gt sie nieder, auf mehr oder weniger heftige Art und Weise, aber immer mit einer gewissen Zur&#252;ckhaltung, die einem zum Schluss kommen l&#228;sst, dass sie kein &#214;l ins Feuer giessen will. Die gegenw&#228;rtige milit&#228;rische Offensive folgt auf eine Episode dieser Art, die sich diesen Sommer abgespielt hat. Es ist leicht vorstellbar, dass es eine Verbindung zwischen diesen beiden Arten von Ereignissen gibt oder dass sie zumindest einer gewissen Logik unterliegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Protest gegen die verwaltende Hamas und die Unterst&#252;tzung f&#252;r die k&#228;mpfende Hamas sind &#252;berhaupt keine Gegens&#228;tze. Erstere greift deine W&#252;rde an, w&#228;hrend letztere sie r&#228;cht. Ohne die k&#228;mpfende Hamas w&#228;re die verwaltende Hamas im Gazastreifen wahrscheinlich mit bedeutenderen Protesten konfrontiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass du das Westjordanland besser &#8222;kennst&#8220; als den Gazastreifen. Gibt es zwischen diesen beiden Territorien bedeutende Unterschiede oder handelt es sich im Gegenteil um zwei Varianten einer gleichen Logik?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist seit Langem dieser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; f&#252;r &#220;bersch&#252;ssige, den ich vorher angesprochen habe. Ein winziges Territorium, in das 1947-1948 ein Fl&#252;chtlingsstrom gedr&#228;ngt wurde, der die lokale, haupts&#228;chlich b&#228;uerliche Bev&#246;lkerung &#252;berschwemmt hat. Es gibt dort &#252;berhaupt keine Rohstoffe. Im Westjordanland ist die Klassenbildung anders, mit St&#228;dten und Notabeln. Und es gibt landwirtschaftliche und hydraulische Ressourcen, die Israel sich aneignet. Die L&#246;hne sind doppelt so hoch, es gibt einige Industrien, die auf der relativen Integration der Kompradorenklasse der PA in das israelische Kapital basieren. Die Fatah, welche die St&#228;dte regiert, ist eine Partei, die keine gesellschaftliche Koh&#228;renz mehr hat. Sie hat 2006 die Wahlen gegen die Hamas verloren. Durch einen von Israel und den USA unterst&#252;tzten Gewaltstreich 2007 konnte sie die Hebel der &#246;ffentlichen Macht in den St&#228;dten des Westjordanlands behalten, indem sie den Gazastreifen der Hamas &#8222;&#252;berliess&#8220;. Seither hat sie keine auch nur irgendwie auf eine demokratische Prozedur gr&#252;ndende Legitimit&#228;t mehr. Ihre Macht basiert auf der Zusammenarbeit mit Israel, die hinter einem hohl t&#246;nenden nationalistischen Diskurs verschleiert wird. Sie regiert Enklaven, die voneinander getrennt und immer mehr von der Kolonialisierung umzingelt sind, die israelische Armee dringt regelm&#228;ssig in sie ein. Was das Proletariat des Westjordanlands betrifft, ist es st&#228;rker ins Kapital Israels integriert als jenes des Gazastreifens. Viele pal&#228;stinensische Arbeiter malochen, legal oder illegal, im israelischen Territorium oder in den Kolonien. Sie unterhalten wirtschaftliche Beziehungen zu den Pal&#228;stinensern von 1948, welche die israelische Staatsb&#252;rgerschaft haben, und sprechen h&#228;ufig hebr&#228;isch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was geschieht aktuell im Westjordanland? Was macht die Fatah? Gibt es gesellschaftliche oder politische Kr&#228;fte, die einen mehr oder weniger proletarischen Charakter haben und im Moment der Krise gest&#228;rkt daraus hervorgehen k&#246;nnten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen scheint mir im Moment hinsichtlich der M&#246;glichkeiten einer proletarischen Aktivit&#228;t verloren. Das Gleiche gilt nicht f&#252;r die St&#228;dte des Westjordanlands, wo der innerpal&#228;stinensische Kampf um die politische Kontrolle seit Jahren mit autonomen Manifestationen des Klassenkampfes einhergeht. Die soziale Kontrolle wird gemeinsam durch einen von Israel abh&#228;ngigen Kompradorenkapitalisten gehaltenen Sicherheitsapparat und urbanen, mit Jordanien verbundenen Baronien garantiert. Die Koh&#228;renz dieser Klasse l&#246;st sich immer mehr auf, die Fatah reguliert &#252;berhaupt nichts mehr und alle versuchen, ihre Hochburgen zulasten anderer zu verteidigen. Das erwartete Ereignis, welches all das regeln sollte, war der Tod des paranoiden Dinosauriers Mahmud Abbas, aber jetzt wird notwendigerweise alles schneller gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist im Westjordanland seit 15 Jahren im Stand-by-Betrieb. Nicht die geringste direkte &#246;ffentliche oder milit&#228;rische Aktivit&#228;t. Sie unterh&#228;lt Loyalit&#228;ten, aber diskret. Die bewaffneten Gruppen, die im Norden (Nablus, Jenin, Tulkarem) aufgetaucht sind, sind nicht mit ihr verbunden. Diese Passivit&#228;t erweckte den Eindruck, dass die Hamas die Situation akzeptiert hat und den Status Quo nicht zerst&#246;ren wollte. Innerhalb der bewaffneten Gruppen in den Fl&#252;chtlingslagern verschaffte ihr das einen schlechten Ruf: Sie sei die Kehrseite der Fatah, eine grosse Klappe, nichts dahinter, andere politische Interessen als jene des Volkes. Und dann diese Operation: Sie &#228;ndert eindeutig die Voraussetzungen hinsichtlich der Wahrnehmung. Ihr Image, ob man das will oder nicht, wird davon betr&#228;chtlich aufpoliert sein. Jetzt schon sieht man die Fahne der Hamas ziemlich &#252;berall an den Demos wehen, was vor einem Monat unvorstellbar gewesen w&#228;re. Wird die Hamas direkt die Macht der PA im Westjordanland infrage stellen? Das ist wenig wahrscheinlich, weil ihre Aktivit&#228;ten nicht nur von der PA strikt &#252;berwacht werden, sondern auch von Israel, und die pal&#228;stinensischen Enklaven im Westjordanland kein koh&#228;rentes Territorium bilden, es kann nicht milit&#228;risch gehalten werden, ohne das mit der israelischen Armee zu verhandeln. Doch sie kann ihre Strategie &#228;ndern und die Aktivit&#228;ten der bewaffneten Gruppen auf die eine oder andere Art und Weise unterst&#252;tzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was auch immer geschehen mag, die Dinge werden sich notwendigerweise ver&#228;ndern. Die PA wird M&#252;he haben, bez&#252;glich der Sicherheit die Kontrolle zu behalten. Die Koh&#228;renz der politischen Klasse der Sicherheitspolitik wird einer schweren Belastung ausgesetzt sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee und die Siedler haben parallel zur Offensive im Gazastreifen eine Reihe von Angriffen im Westjordanland lanciert. Diese Offensive wird an Intensit&#228;t gewinnen und von diversen Massakern begleitet sein, sie werden &#246;rtlich begrenzter, aber wahrscheinlich auch st&#228;rker &#8222;selbstorganisiert&#8220; als im Gazastreifen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt also etliche Gr&#252;nde, beunruhigt zu sein. Aber ich hoffe irgendwie auch, dass sich ein Raum f&#252;r autonome K&#228;mpfe er&#246;ffnet und die durch die PA in den letzten 15-20 Jahren hervorgebrachte Ohnmacht der Repression und des Klientelismus beendet &#8211; dass ein Zusammenbruch der pal&#228;stinensischen Sicherheitskr&#228;fte die seit Jahren erwartete soziale Explosion erm&#246;glicht. Die Klassenverh&#228;ltnisse im Westjordanland sind von einer aussergew&#246;hnlichen Gewalt gepr&#228;gt. Die dortige Bourgeoisie hat lange von der Situation der Zusammenarbeit mit Israel profitiert, sie hat sich die Taschen gef&#252;llt, es w&#228;re angebracht, dass sie ein bisschen beginnt zu zittern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Seit einer Weile gibt es einen sozialen Protest in Israel gegen Netanjahu und besonders gegen seine Justizreform. Welche Folgen haben diese K&#228;mpfe (falls &#252;berhaupt) in der aktuellen Situation? Inwiefern dr&#252;ckt der &#8222;zivile&#8220; Widerstand der israelischen Bev&#246;lkerung (zum Beispiel die j&#252;ngsten K&#228;mpfe gegen die Justizreform) einen solchen Anspruch aus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg scheint mir auch Ausdruck eines Verlusts der Koh&#228;renz der kapitalistischen Klasse zu sein; und gleichzeitig kaschiert die milit&#228;rische Einheit denselben. Der milit&#228;rische Zusammenbruch Israels am 7. Oktober scheint weitgehend eine Folge des Kampfes innerhalb der kapitalistischen Klasse Israels zu sein, ein Kampf, der zum ersten Mal auch die milit&#228;rische Institution erreicht hat. In den letzten Monaten war der Kampf sehr intensiv und er hat sich auf der Strasse ausgedr&#252;ckt. Das alte Israel, aschkenasisch, b&#252;rgerlich, laizistisch und milit&#228;risch, das in Tel Aviv vertikal akkumuliert, ist mit der &#228;usseren Rechten an der Macht konfrontiert gewesen, letztere ist sephardisch, revanchistisch und akkumuliert horizontal in den H&#252;geln des Westjordanlands. Aber in diesen Demos ist nie etwas Proletarisches &#252;ber die Ufer getreten. Schlimmer: Nichts Demokratisches, im Sinne von &#8222;zivil&#8220;, wie du es formulierst. Das Proletariat in Israel, das zwar ein hohes Niveau der Ausbeutung erdulden muss, ist durch seine existenzielle Integration in den Milit&#228;rstaat mundtot gemacht worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kriegerische nationale Einheit kehrt diesen Kampf innerhalb der herrschenden Klasse provisorisch unter den Teppich: Alle sind einverstanden mit einem Bombenteppich im Gazastreifen; und auch mit der Durchsetzung einer rigiden Sicherheitspolitik. Seit der Generalmobilmachung ist die Jagd auf den inneren Feind er&#246;ffnet. Sie betrifft die wenigen Linken, die noch &#252;brig geblieben sind, aber auch und zuallererst das muslimische Proletariat (die Pal&#228;stinenser von 1948), deren kleinste Solidarit&#228;tsbekundung mit den Opfern der wahllosen Bombenangriffe verfolgt wird. Was wird in einigen Monaten geschehen? Wird der Krieg dazu f&#252;hren, dass die herrschende Klasse auf die Linie der Partei der Siedler einschwenkt? Letztere ist, obwohl sie von der Mehrheit der Bourgeoisie f&#252;r ihre religi&#246;se R&#252;ckst&#228;ndigkeit verachtet wird, nichtsdestotrotz am ehesten im Einklang mit einer auf eine auf die Jagd auf Araber ausgerichteten Mobilisierung, die wohl nicht so schnell aufh&#246;ren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denkst du, dass die rein koloniale Lesart stichhaltig ist, um die Beziehungen zwischen Israel und dem pal&#228;stinensischen Proletariat zu definieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja und nein, nat&#252;rlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in einer Situation, wo das, was auf dem Spiel steht, weniger die Ausbeutung einer eingeborenen Arbeitskraft als die Verwaltung einer &#252;bersch&#252;ssigen proletarischen Bev&#246;lkerung ist, in Verh&#228;ltnissen, die innerhalb der Zentren der kapitalistischen Akkumulation einmalig sind. F&#252;r jeden Arbeiter mit einem Arbeitsvertrag in Israel gibt es einen anderen, der in den grossen geschlossenen Vorst&#228;dten festsitzt, welche die Bev&#246;lkerungszentren unter pal&#228;stinensischer Gesetzgebung darstellen: der Gazastreifen und die St&#228;dte des Westjordanlands. Das macht fast f&#252;nf Millionen Proletarier, die einige Kilometer von Tel Aviv entfernt eingepfercht sind, sie sind unsichtbar, leben vom Verkauf ihrer Arbeitskraft von einem Tag auf den anderen und werden von Soldaten bewacht, damit sie ihre K&#228;fige nicht verlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese grosse Einsperrung, diese Operation der Trennung zwischen n&#252;tzlichen und &#252;bersch&#252;ssigen Proletariern auf einer ethnisch-religi&#246;sen Grundlage beginnt zeitgleich mit dem Friedensprozess, der in Wirklichkeit ein Prozess der Externalisierung der sozialen Kontrolle der &#220;bersch&#252;ssigen ist. Zuvor, in den 1970er-1980er Jahren, waren die Pal&#228;stinenser massiv vom israelischen Kapital angestellt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Sinne ist der Begriff &#8222;kolonial&#8220; irgendwie unpassend, um das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis zu beschreiben, das seit dem Beginn der 1990er Jahre in Israel-Pal&#228;stina vorherrscht. Er hat zudem den Nachteil, dass er einen Gegensatz zwischen zwei nationalen Gebilden annimmt, die in Wirklichkeit zusammen hervorgebracht und reproduziert werden. Pal&#228;stinensische und israelische Proletarier sind Segmentierungen eines gleichen Ganzen. Was sich seit dem 7. Oktober abspielt, muss als eine Verhandlung durch Gewalt zwischen dem Subunternehmer aus dem Gazastreifen und seinem israelischen Arbeitgeber betrachtet werden. Dieser Aspekt muss in diesem Sinne klar von der Aktivit&#228;t des Kampfes der pal&#228;stinensischen Proletarier unterschieden werden, ihnen stehen in erster Linie die Subunternehmer der Hamas und der PA gegen&#252;ber. Dieser Kampf hat nie aufgeh&#246;rt, aber die nationale Einreihung wird ihm einen harten Schlag versetzen, zumindest im Gazastreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits jeglicher moralischen Betrachtung scheint mir der Begriff &#8222;Widerstand&#8220;, der auf die koloniale Vorstellungswelt verweist, unangebracht, um die Milit&#228;roperation am 7. Oktober zu beschreiben: Die Interessen der Hamas sind nicht jene der Proletarier, sind nicht jene &#8211; um das geltende Vokabular zu &#252;bernehmen &#8211; des &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220;. Die Proletarier im Gazastreifen, was auch immer das Resultat dieser Verhandlung sein mag, werden im Wesentlichen jene sein, welche geopfert werden &#8211; sie werden es schon jetzt. Falls sich Israel gegenw&#228;rtig dermassen im Aufwind f&#252;hlen w&#252;rde, um sich seines Subunternehmers zu entledigen, w&#252;rde das bedeuten, dass es bereit w&#228;re, sich der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen zu entledigen. Das Eine geht nicht ohne das Andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits denke ich jedoch, dass man nicht ohne eine koloniale Lesart auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat diese europ&#228;ische Logik geerbt, die darin besteht, die Arbeitskraft auf der Grundlage rassischer Kriterien zu &#8222;vertieren&#8220;, eine Grenze zwischen zivilisierter und pr&#228;zivilisierter Welt zu ziehen. Dieses Paradigma l&#228;uft in Israel auf Hochtouren und auf eingestandene Art und Weise. Gegenw&#228;rtig massakriert man die Bewohner des Gazastreifens gem&#228;ss dieser Logik: Man ertr&#228;nkt sie im Bombenhagel ohne ein anderes politisches Ziel, als sie zu &#8222;beruhigen&#8220;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss daran erinnert werden, das die Grenzen zwischen dem Zivilisierten und dem Tierischen unbest&#228;ndig sind. Sie galten und gelten immer noch innerhalb der j&#252;disch-israelischen Staatsb&#252;rgerschaft. Die arabischen (Mizrachim) und die &#228;thiopischen (Falascha) Juden waren lange auf der schlechten Seite der Grenze und stellen eine Art eingeborene Hilfskr&#228;fte zur Beruhigung anderer Eingeborener dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Koloniale, als Erbe der kolonialen Periode im eigentlichen Sinne, erzeugt eine Art &#8222;Trieb&#246;konomie&#8220;, rund um welche sich die Konstruktion gesellschaftlicher Kategorien verknotet &#8211; und das ist &#252;brigens nur das vergr&#246;sserte Bild dessen, was in der Gesamtheit der aus den zentralen L&#228;ndern der kapitalistischen Akkumulation bestehenden &#8222;Festung&#8220; geschieht, man sieht es mit dem unmittelbaren Transfer des &#8222;Krieges der Zivilisationen&#8220; nach Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Dynamik und ihre Logik der Zur&#252;cklegung der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier f&#252;hren eine Menge an auf Erniedrigung basierender Affekte mit sich. In Anbetracht der Unm&#246;glichkeit, das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis kollektiv zu beeinflussen, bringt die Ohnmacht eine doppelte Logik des Ressentiments hervor: Streben nach Anerkennung einerseits, nach Rache andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie keine Bourgeoisie haben, auf die sie sich st&#252;tzen, und kein Proletariat, das sie selber ausbeuten, sind Politiker wie jene der Hamas dazu veranlasst, sich auf die Ausbeutung dieser Affekte zu st&#252;tzen, sie werden &#8211; wohl oder &#252;bel &#8211; zur Inkarnation davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Um auf Israel zur&#252;ckzukommen, wenn man davon ausgeht, dass die kapitalistische Akkumulation weitgehend auf der permanenten &#8222;Kriegswirtschaft&#8220;, der Aneignung von Boden und der Ausbeutung des mehr oder weniger formellen pal&#228;stinensischen Proletariats gr&#252;ndet, muss dann jegliche &#8222;L&#246;sung&#8220; (z.B. die &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220;) als absolut unm&#246;glich betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab den 1990er Jahren, als Israel sich der Verwaltung der pal&#228;stinensischen Arbeitskraft in den besetzten Gebieten entledigen will, wird sie einem Subunternehmer &#252;berlassen, der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde. Doch Israel respektiert jenen Vertrag nicht, welcher zu einer Form symbolischer Souver&#228;nit&#228;t h&#228;tte f&#252;hren sollen. Es behandelt seinen Subunternehmer schlecht. Dieser revoltiert also: Es ist die Zweite Intifada, wo sich der Kampf der PA gegen ihren Arbeitgeber und ein umfassender proletarischer Kampf gegen Israel und den Subunternehmer vermischen, letzterer wird jedoch durch die Einklemmung erstickt. Am Ende dieser historischen Sequenz spaltet sich das Subunternehmertum der PA. Ein schlecht behandelter, aber unterw&#252;rfiger Subunternehmer im Westjordanland; ein anderer schlecht behandelter und aufm&#252;pfiger im Gazastreifen. Die Hamas kann zwar als Feind behandelt werden, es ist aber offensichtlich, dass Israel in diesem Zusammenhang nicht ohne Subunternehmer auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir kurz auf diesen Prozess und sein Scheitern zur&#252;ck. Warum haben die Kapitalisten die M&#246;glichkeit zum &#8222;Frieden&#8220;, die darin bestand, einen &#8222;nationalen Prozess&#8220; f&#252;r Pal&#228;stina im Gazastreifen und im Westjordanland zu unterst&#252;tzen, nicht genutzt? Was sie damals h&#228;tten bekommen k&#246;nnen, w&#228;re die &#214;ffnung eines regionalen Marktes mit den umliegenden L&#228;ndern und die M&#246;glichkeit f&#252;r Investitionen in L&#228;ndern mit billiger Arbeitskraft gewesen. Es h&#228;tte gereicht, der Autonomiebeh&#246;rde die Attribute eines Rumpfstaates zu &#252;berlassen, der mit ausgestreckten Armen von &#228;usseren Spendern unterst&#252;tzt worden und ein interner Markt geblieben w&#228;re. Die Antwort auf diese Frage ist meines Erachtens alles andere als klar. Ich stelle zwei Hypothesen auf. Die erste ist jene des Gewichts des &#8222;milit&#228;rischen&#8220; Kapitals, das durch die von den USA an Israel ausgezahlte milit&#228;rische Rente unterst&#252;tzt wird. Dieser milit&#228;rische Kapitalismus, der mit dem Sektor der Spitzentechnologie verbunden ist, ist &#252;ber die K&#246;pfe des regionalen Marktes hinweg international. Die zweite Hypothese stellt das Scheitern des Friedensprozesses in Zusammenhang mit dieser grossen Katastrophe, die der durch die USA in den 2000er Jahren unternommene Versuch der Umgestaltung des Mittleren Ostens darstellte. Somit h&#228;tte sich Israel in Erwartung der Verfl&#252;ssigung der Zirkulation der Kapitale in der Region auf milit&#228;rischem Wege gehalten, womit die Vorstellung einherging, dass es m&#246;glich sei, das Subunternehmertum zu haben, ohne gegen&#252;ber den bestehenden Beh&#246;rden in den pal&#228;stinensischen Reservaten auch nur irgendwie einzulenken. Das hat fast 20 Jahre lang funktioniert. In diesem Zusammenhang er&#246;ffnete sich sogar die Perspektive der &#214;ffnung neuer M&#228;rkte in der arabischen Welt (die sogenannten Abraham-Abkommen und die neuen Perspektiven einer Pax Americana mit Saudi-Arabien) und diese Situation ist nun wahrscheinlich geplatzt. Was sich am 7. Oktober gezeigt hat, ist, dass die Gleichung, alles haben zu wollen, nicht haltbar ist: Es wird n&#246;tig sein, mit den pal&#228;stinensischen Gef&#228;ngnisw&#228;chtern der pal&#228;stinensischen Reservate zu verhandeln, um die als Ghettos fungierenden Reservate auf ihrem Territorium zu z&#252;geln, oder sich ihnen zu entledigen, was eindeutig ein neues Kapitel in der Geschichte der kapitalistischen Gewalt in den L&#228;ndern des Blockes der zentralen Akkumulation er&#246;ffnen w&#252;rde. Das ist nicht unm&#246;glich. Es l&#228;sst einem erschaudern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; zur Umgehung der gesellschaftlichen Trennungen nicht trotzdem operativ, auch innerhalb der beherrschten Klassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesellschaftskritik ist meines Erachtens vor allen Dingen die Hervorbringung von Kategorien, die es erlauben, die Gegens&#228;tze in Begriffen der gesellschaftlichen Widerspr&#252;che zu denken. In einem Kontext wie jenem von Israel-Pal&#228;stina kann das scheinbar eine Operation sein, welche die zirkulierenden subjektiven Kategorien verbiegt, auf welchen sich die Affekte des Kampfes aufbauen, auf dem, was als Identit&#228;t wahrgenommen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; als eine Israel entgegengesetzte Kategorie wirkt nat&#252;rlich in etlichen Bereichen: auf den Ausweispapieren und in dem meisten K&#246;pfen, auch als Art der Legitimierung der proletarischen K&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber die Ethnisierung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse hat eine Geschichte, die prim&#228;r jene der herrschenden Klassen ist: Es ist die Geschichte der Herausbildung einer kapitalistischen j&#252;dischen Bourgeoisie, die eine arabische feudale Handelsbourgeoisie vernichtet hat; die Fusion dieser Bourgeoisie mit einem Milit&#228;rstaat usw. Die Proletarier sind zwangsl&#228;ufig Teil dieser Ethnisierung der Gegens&#228;tze innerhalb der herrschenden Klasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man darf nie vergessen, dass der &#8222;pal&#228;stinensische Kampf&#8220;, auch jener unter der Flagge der Hamas, vorrangig als von den herrschenden arabischen Klassen &#8211; oder jenen, die Teil davon wollen &#8211; gef&#252;hrter Kampf um ihre Integration ins israelische Kapital gelesen werden muss. Die Interessen der Proletarier, die sich manchmal unter dem Banner des nationalen Kampfes wiederfinden, sind in letzter Instanz im Widerspruch zu jenen ihrer Bourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke, dass man nicht mit dem &#8222;pal&#228;stinensischen Widerstand&#8220; solidarisch sein sollte, sondern mit den von Proletariern gegen die ihnen auferlegten Existenzbedingungen gef&#252;hrten K&#228;mpfen. Doch die Proletarier k&#228;mpfen unter jenen Flaggen, die sich ihnen anbieten. Man sollte nicht die Flagge anschauen, sondern die K&#228;mpfe selbst. Eine pal&#228;stinensische Fahne, oder sogar eine der Fatah oder der Hamas, sie alle sind potenziell Fahnen des Kampfes, die, je nach Kontext, den politischen Verwaltern entwischen. Im &#220;brigen ist es nicht, weil die Hamas islamistisch ist, dass man auf sie scheissen sollte, sondern weil sie ein Kontrollapparat &#252;ber das Proletariat ist, ein im Entstehen begriffener Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem mag diese Sozialkritik manchmal als unglaublich kalt und weit entfernt vom Erleben der K&#228;mpfe erscheinen, da werden andere Kategorien mobilisiert. Meine Rolle, wenn ich kalt von dialektischem Materialismus spreche, ist nicht die gleiche, wie jene, wenn die Situation sich vor meinen Augen abspielt, mit ihrer Gewalt, ihren K&#228;mpfen, ihren Subjektivit&#228;ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft eine materialistische Kritik, in einem Kontext, der dermassen von Begriffen der Identifikation gen&#228;hrt ist, nicht Gefahr, als zu herausgel&#246;st zu erscheinen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint mir, dass es in einem solchen Kontext nicht um eine Position geht, sondern um einen Standpunkt, eine Methode. Ein revolution&#228;rer Blick besteht in erster Linie darin, sich nicht blenden zu lassen von der Autonomisierung der durch die Linke gehandhabten Kategorien. Ich nehme zwei davon wahr, die im Moment in den Diskussionen ein der Dialektik zugewandtes Denken konstant zu erschlagen drohen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste ist der Reflex der Wehklage &#252;ber das Thema &#8222;das Proletariat ist nicht, wie wir es gerne h&#228;tten&#8220;: antisemitische muslimische Proletarier, rassistische j&#252;dische Proletarier. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Denken &#8211; das darin besteht, das Innere des Proletariers von einer intellektuellen Position aus zu betrachten &#8211; in ihrem Wesen b&#252;rgerlich ist, ist es besonders unangebracht in einer Situation eines Gegensatzes, wo sich nicht die geringste Form proletarischer Autonomie manifestiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich im Moment abspielt, ist einerseits eine Logik der Einreihung des Proletariats und andererseits ein pures Massaker &#252;bersch&#252;ssiger Proletarier. Gewisse werden also die gute alte Zeit zur&#252;ckw&#252;nschen, wo die politischen Formationen in Pal&#228;stina (und deshalb, so mutmasst man, das Volk selbst) links waren. Das scheint mir idiotisch. Die Ideologie der politischen Gruppen, sobald man davon ausgeht, dass diese insbesondere k&#228;mpfen, damit ihre Anf&#252;hrer sich als herrschende Klasse aufspielen und als solche reproduzieren, ist sekund&#228;r. Betreffend der Methoden m&#246;chte ich einfach daran erinnern, dass es ein Kommando der DFLP [Demokratische Front zur Befreiung Pal&#228;stinas] war, eine ideologisch extrem linke pal&#228;stinensische Formation (die mit Elementen der &#228;usseren Linken Israels verbunden war), die das Massaker an 22 Kindern in einer Schule in Ma'alot 1974 beging.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein zweiter problematischer Denkreflex besteht darin, die Metaphysik sich in die Analyse einschleichen zu lassen. Dieses metaphysische Denken ist in der Idee der erstarrenden und verbl&#252;ffenden Wiederholung enthalten. Sie ist in den Ausf&#252;hrungen &#252;ber die &#8222;Massaker an den Juden&#8220; am Werk; aber auch in jenen rund um die &#8222;pal&#228;stinensische Trag&#246;die&#8220;. Diese Ausf&#252;hrungen, die wom&#246;glich auf autonome Art und Weise im Innersten der Psyche entstehen, sind nichtsdestotrotz reine Produkte der Art und Weise, wie das b&#252;rgerliche Denken die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in den Himmel der Ideen aussiedelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vergessen wir die Geschichten, sowohl die Farce als auch die Trag&#246;die. Die Geschichte wiederholt sich nicht: Die sich ausbreitenden Gegens&#228;tze sind &#252;berwiegend gegenw&#228;rtige Gegens&#228;tze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://leserpentdemer.wordpress.com/2023/10/30/gaza-une-militarisation-extreme-de-la-guerre-de-classe-en-israel-palestine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Roland Simon - Statistiken und Gef&#252;hle (zu den Krawallen im Juni 2023)</title>
		<link>https://kommunisierung.net/Roland-Simon-Statistiken-und-Gefuhle-zu-den-Krawallen-im-Juni-2023</link>
		<guid isPermaLink="true">https://kommunisierung.net/Roland-Simon-Statistiken-und-Gefuhle-zu-den-Krawallen-im-Juni-2023</guid>
		<dc:date>2023-07-12T09:29:10Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Roland Simon</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;&#8222;Wenn die Statistik die Massen ergreift, wird das Gef&#252;hl zur materiellen Gewalt&#8220; (Anonym) &lt;br class='autobr' /&gt;
Es wird keine Statistiken geben. &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/marseille.webp?1689154041' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Wenn die Statistik die Massen ergreift, wird das Gef&#252;hl zur materiellen Gewalt&#8220; (Anonym)&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Es wird keine Statistiken geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und &#8222;erkl&#228;renden&#8220; Gegebenheiten als Gef&#252;hle, werden zu Gef&#252;hlen: vom Hass und der Rache bis zum Spiel, bis hin zum Fest und der imagin&#228;ren Selbstprojektion, dass man einen Moment lang die Kontrolle &#252;ber sein Leben zur&#252;ckerlangt. Die Videospiele, wieso nicht? Alle agieren im Wald der Referenzen und Symbole, die Statistiken treiben nie jemanden auf die Strasse, ausser umgewandelt durch die Modalit&#228;ten des Erlebten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jegliche Praxis verf&#228;hrt unter einer Ideologie, das Gef&#252;hl (Rache und Hass in Anbetracht der Geringsch&#228;tzung, Lust an der verbotenen Ware) ist eine davon. Das Gef&#252;hl ist ein Verh&#228;ltnis zu den Produktionsverh&#228;ltnissen, es ist sogar die offensichtlichste Form davon, die unmittelbarste der Anrufung der konkreten Individuen als Subjekte. Aber &#8222;das konkrete Individuum&#8220; ist kein prim&#228;res Substrat, es wird selbst in der Reproduktion der Produktionsweise in all seinen Erscheinungsformen und all seinem Fetischismus hervorgebracht. Es ist das konkrete Individuum, das sich selbst als Subjekt anruft. Die rassialisierten Teenager haben sich selbst als Subjekte angerufen, offensichtlich nicht unter der gleichen Ideologie wie ein Arbeiter oder ein Rentner. Das Gef&#252;hl: Hass, Rache, Lust, nicht nur Produkte von Aldi oder Lidl zu konsumieren, sondern auch moderne Telefone und Flachbildschirme, Spiel und Selbstbest&#228;tigung. Gegen ihre konstante Versagung ist die spezifische Ideologie der jungen Aufr&#252;hrer eben genau, das &#8222;Menschsein&#8220; f&#252;r sich in Anspruch zu nehmen, die W&#252;rde ist die reinste Form des Subjekts. Das Gef&#252;hl repr&#228;sentiert nicht ihre wirklichen Existenzbedingungen, sondern ihr Verh&#228;ltnis zu denselben, in diesem Verh&#228;ltnis konstituieren sie sich als Subjekte und als solche agieren und k&#228;mpfen sie gem&#228;ss ihrer wirklichen Existenz, so wie sie in einer besonderen sozialen und politischen Situation definiert ist und besteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie sich in den 1970er Jahren global gegen Keynes und Ford restrukturiert hat, indem sie die Kapitalverwertung von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt hat, ist die Produktionsweise nun durch einen R&#252;ckschlag dessen unterminiert, was die Dynamik dieser letzten dreissig oder vierzig Jahre war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Gelbwesten, die das allt&#228;gliche Leben in all seinen Unw&#228;gbarkeiten, seinen guten und schlechten Seiten ins Zentrum des Klassenkampfes stellten und den Staat als Verantwortlichen der Distribution, des Einkommens, des Reichtums der Einen und der Armut der Anderen anriefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die lange Episode in Bezug auf die Rentenreform, wo der Zusammenschluss der Gewerkschaften es die ganze Zeit schaffte, der Bewegung den Rahmen zu geben, denn als tot geborene Bewegung war ihr Ziel nur die Niederlage und der Zusammenschluss der Gewerkschaften war die angemessene Form daf&#252;r. Eine Reform, die, artikuliert mit jenen der Arbeitslosenversicherung, der Lehre und der Ausbildung, der Berufsgymnasien und ihrer Finanzierung den gesamten Verlauf des Arbeitslebens modifiziert. Aber in ihrer angek&#252;ndigten Niederlage zeigte sich die Offensichtlichkeit der Krise der repr&#228;sentativen Demokratie in der Akkumulation aller Notn&#228;gel der Verfassung, um eine schon vor jeglicher &#8222;Diskussion&#8220; getroffene Entscheidung durchzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Covid-Periode mit ihren Lockdowns und der territorial gezielten Repression gegen jene, welche sich nicht daran hielten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die &#246;kologische Radikalit&#228;t gegen die grossen Baustellen des Kapitals. Eine sympathische Bewegung, wenn man darin nicht zwischen den Zeilen die Nostalgie des Bauern, des Kleinhandels und der kleinen Warenproduktion wiederfinden w&#252;rde: die Mittelm&#228;ssigkeit in allem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Inflation, dieses magische Ph&#228;nomen, das wie von einem anderen Planeten gekommen ist, um die g&#228;ngigsten Konsumg&#252;ter hart zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und jedes Mal gibt es den Staat und seine verschiedenen bewaffneten Banden. Der Staat, das ist der Kn&#252;ppel. Hinter jedem seiner Apparate, seiner &#8222;Dienste&#8220;, steht die Gewalt. Er ist eine Maschine, welche die gegenseitige Gewalt, die alle Facetten des Klassenkampfes s&#228;umt, in die einzig legitime Gewalt verwandelt, jene der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise. Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen, bricht die repr&#228;sentative Demokratie gleichzeitig mit der Politik, welche das wechselseitige Verh&#228;ltnis des Staates mit der Zivilgesellschaft (die Transkription der Produktionsverh&#228;ltnisse in staatliche Begriffe) darstellt, zusammen. Die Neofaschisten werden zu Liberalen, verfolgen eine Sparpolitik, schliessen sich der EU und der NATO an, w&#228;hrend sich die Linke und die Rechte mit &#8222;Reformen&#8220; des Arbeitsrechts und der Altersvorsorge &#252;berbieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die befriedete Repr&#228;sentation als &#8222;Gemeinwille&#8220; einer als notwendigerweise als konfliktreich anerkannten Gesellschaft (hier liegt die gesamte Kraft der Demokratie) ist eine Arbeit und nicht ein Widerschein. Das heisst, dass in der demokratischen Funktionsweise des Staates die Verdinglichung und der Fetischismus T&#228;tigkeiten sind, es ist die Politik als Parteien, Debatten, Beratungen, Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in der spezifischen Sph&#228;re der Zivilgesellschaft, Entscheidungen. All das ist verschwunden. Das Problem der Demokratie ist aktuell, dass sie nur noch eine Besonderheit der gesellschaftlichen Totalit&#228;t kennt, die f&#228;hig ist, am Wettbewerb teilzunehmen, das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und ihrer Repr&#228;sentation hat alle anderen in ihrem Untergang mitgerissen, auch die Vereine, die Fronten oder Bewegungen der &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; oder &#8222;Quartiere der einfachen Leute&#8220;. Doch alleine, als politische Besonderheit, ist die herrschende Klasse nichts, sie bewirtschaftet das Universelle nicht mehr. Im Verschwinden des demokratischen Spiels geht es f&#252;r die Bourgeoisie um ihre Universalit&#228;t. Es besteht ein grundlegendes Unbehagen in der politischen Repr&#228;sentation. &#220;berall br&#246;ckeln die Vermittlungen der Gewalt der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die Repr&#228;sentationsarbeit, welche in der Krise ist. &#220;berall ist es das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und dadurch ihrer sozialdemokratischen und/oder kommunistischen Repr&#228;sentation, die das politische Fundament des demokratischen Staates destabilisiert. Dieses ist gleichbedeutend mit der Befriedung einer gesellschaftlichen Kluft, welche die Demokratie vom Moment an, wo sie davon die Repr&#228;sentation als Auseinandersetzung zwischen B&#252;rgern ist, als wirklich anerkennt. Die Demokratie ist die Anerkennung des auf un&#252;berwindbare Art und Weise konfliktreichen Charakters der &#8222;nationalen Gemeinschaft&#8220;, von diesem Standpunkt aus war die Anerkennung der Arbeiterklasse historisch im Zentrum des Aufbaus der Demokratie, sie war der Motor und das Kriterium davon. In den gegenw&#228;rtigen politischen Formen des Verlaufs der Krise kann man eine Krise der Hegemonie der kapitalistischen Klasse feststellen. Herrschaft und Hegemonie sind nicht identisch, es kann Herrschaft ohne Hegemonie geben. Die Hegemonie besteht darin, den unumg&#228;nglichen Rahmen der Debatten und Oppositionen hervorzubringen, sie bedeutet, dem Anderen die Begriffe selbst seiner Opposition aufzuerlegen. Wenn das zusammenbricht, bleibt f&#252;r jene, welche im Spiel am schlechtesten platziert sind, nur der Kn&#252;ppel &#252;brig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss eine englische Zeitung (&lt;i&gt;The Guardian&lt;/i&gt;, 29. Juni) lesen, um den aussagekr&#228;ftigsten Zeugenbericht bez&#252;glich der Krawalle Ende Juni 2023 zu finden: &#8222;Es war Krieg, ich denke wirklich, dass die Jugendlichen hier der Ansicht sind, dass sie im Krieg sind. Sie sehen darin einen Krieg gegen das System. Er ist nicht nur gegen die Polizei gerichtet, es geht viel weiter, sonst w&#252;rden wir das nicht in ganz Frankreich sehen. Es ist nicht nur die Polizei, die angegriffen wird, sondern auch die Rath&#228;user und &#246;ffentlichen Geb&#228;ude, die im Visier sind. Der Tod dieses Teenagers hat etwas ausgel&#246;st. Es gibt viel Wut, aber es ist mehr als das, es gibt eine politische Dimension, ein Gef&#252;hl, dass das System nicht funktioniert. Die Jugendlichen haben das Gef&#252;hl, dass sie diskriminiert sind und ignoriert werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug auf die Verbannung in Quartiere, die von den &#246;ffentlichen Diensten verlassen worden sind und wo die einzige Pr&#228;senz des Staates die Polizei ist, die sich wie eine rivalisierende Bande verh&#228;lt, wo Arbeit eine Schim&#228;re ist, die Armut eine Banalit&#228;t und die allt&#228;gliche Gewalt aller m&#246;glichen Arten des Handels die Realit&#228;t, geht es darum, sich nicht nur f&#252;r die objektiven materiellen Bedingungen zu interessieren, sondern auch f&#252;r den Prozess der Subjektwerdung, d.h. die Art und Weise, wie die Individuen von Tag zu Tag ihre Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen empfinden. Die Akzeptierung eines &#8222;Systems&#8220; in seiner Selbstvoraussetzung wird auch von normativen Prinzipien, Werten und Verpflichtungen reguliert. Die Revolte ereignet sich pl&#246;tzlich, wenn die Werturteile, die Gef&#252;hle, gegen&#252;ber der Funktionsweise der Gesellschaft als &#252;bertreten geworden erscheinen, wenn das &#8222;System&#8220; die M&#246;glichkeit des materiellen &#220;berlebens darin nicht mehr erlaubt, wenn die Normen und &#8222;moralischen Prinzipien&#8220;, die den &#8222;gew&#246;hnlichen Rassismus&#8220; von Tag zu Tag kontrollieren und bestimmen, &#252;bertreten werden. F&#252;r die Jugend der &#8222;Quartiere&#8220; war die Tatsache, das &#8222;Frankreich unter dem Frankreich von unten&#8220; zu sein, die Norm, doch die Ermordung, der gesundheitlich-polizeiliche Lockdown und die Inflation haben diese Norm ersch&#252;ttert, der &#8222;Vertrag&#8220; ist gebrochen, der Angriff gegen die &#8222;rivalisierende Bande&#8220; (den Staat), das notwendige oder nicht notwendige Pl&#252;ndern (aber wer kann schon &#8222;Notwendigkeit&#8220; definieren?) werden notwendig f&#252;r das konkrete, als Subjekt angerufene Individuum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gelbwesten, Demonstranten gegen die Rentenreform, radikale Umweltsch&#252;tzer von Sainte-Soline, rassialisierte Teenager in den &#8222;Quartieren der einfachen Leute&#8220;, all das wird sich nicht begegnen, nicht &#8222;konvergieren&#8220;, solange jeder bleiben wird, was er ist. Nichts ist pathetischer und erb&#228;rmlicher als die Aufrufe an die &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, die Revolte der Jugendlichen der Vorst&#228;dte zu unterst&#252;tzen. Marine Le Pen, Giorgia Meloni, Vox, AFD und Konsorten in Europa, Trump und Bolsonaro anderswo, sind f&#252;r die Demokratie in Reserve als m&#246;gliches Gegenfeuer f&#252;r ein eventuelles konjunkturelles Ereignis, das zu einer Osmose nicht dessen wird, was die Gelbwesten, der Widerstand gegen die Rentenreform, die radikalen &#246;kologischen K&#228;mpfe, die Revolte der rassialisierten Armen (was auch immer in den Ecken der Welt ihre Existenzformen sein m&#246;gen) waren, sondern dessen, was sie ausmachte. Diese seltsame Klasse, die man &#8222;Proletariat&#8220; nennt, konstituiert sich nur in der Infragestellung durch alle Unterdr&#252;ckten/Ausgebeuteten dessen, was sie definiert, und nicht in ihren Forderungen als solche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R.S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;02.07.23&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Kommentar zum Artikel:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Ich m&#246;chte auf die paar Zeilen des Absatzes bez&#252;glich des Kampfes gegen die Rentenreform zur&#252;ckkommen. Ich denke, dass die Aussage &#034;ihr Ziel war nur die Niederlage&#034; nicht nur falsch ist, sondern auch geringsch&#228;tzend gegen&#252;ber den Millionen von Leuten, die auf den Strassen waren und manchmal streikten. Man kann vielleicht sagen, dass ihr Horizont die Niederlage war, und ich denke, dass es diesbez&#252;glich kaum Illusionen gab, doch der Horizont ist nicht das Ziel. Ein Kampf und sogar eine Demo, wie kontrolliert sie auch immer sein mag, ist immer ein Daseinsmoment einer Gruppe, wenn nicht einer Klasse, in all den Unw&#228;gbarkeiten ihrer Diversit&#228;t und ihrer Existenz. Wie scharfsinnig man auch immer sein mag, man kann immer hoffen, dass man den Dingen eine andere Richtung geben oder sie aufschieben kann. Und sowieso gibt es das Gl&#252;ck und die Notwendigkeit, da zu sein, mit oder ohne Illusionen.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;R.S., 06.07.23&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=20989&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2023/07/07/translation-statistics-and-sentiments-on-the-riots-of-june-2023-by-r-s/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://necplusultra.noblogs.org/post/2023/07/04/180/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://kommunisierung.net/IMG/pdf/statistikenundgefuehle.pdf" length="49404" type="application/pdf" />
		

	</item>



</channel>

</rss>
