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		<title>Gilles Dauv&#233; - Kartoffeln gegen Wolkenkratzer. Zur &#214;kologie</title>
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		<dc:date>2021-12-19T15:52:00Z</dc:date>
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		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Gilles Dauv&#233;</dc:subject>
		<dc:subject>&#214;kologie</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 02: Der Kapitalismus wird nicht &#246;kologisch sein &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 03: Die &#214;kologie &#8211; und die Bourgeoisie &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 04: Scheitern der politischen &#214;kologie &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 05: Vom Anthropoz&#228;n zum Kapitaloz&#228;n &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 06: Das Ende der Welt wird nicht stattfinden &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 07: &#214;kologie: Kapitalismus oder Kommunismus? &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 08: Auf verlorenem Posten? &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Man berichtet uns, dass der 8. (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Gilles-Dauve" rel="tag"&gt;Gilles Dauv&#233;&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Okologie" rel="tag"&gt;&#214;kologie&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/oeko1.jpg?1689248162' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode01&#034;&gt;Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode02&#034;&gt;Episode 02: Der Kapitalismus wird nicht &#246;kologisch sein&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode03&#034;&gt;Episode 03: Die &#214;kologie &#8211; und die Bourgeoisie&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode04&#034;&gt;Episode 04: Scheitern der politischen &#214;kologie&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode05&#034;&gt;Episode 05: Vom Anthropoz&#228;n zum Kapitaloz&#228;n&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode06&#034;&gt;Episode 06: Das Ende der Welt wird nicht stattfinden&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode07&#034;&gt;Episode 07: &#214;kologie: Kapitalismus oder Kommunismus?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode08&#034;&gt;Episode 08: Auf verlorenem Posten?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode01&#034;&gt;Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_14 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko1.jpg?1689248187' width='500' height='375' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Man berichtet uns, dass der 8. Internationale Wissenschaftskongress des Pazifiks in Manilla stattgefunden hat [&#8230;], wo Spezialisten der &#214;kologie, der Botanik, der Zoologie, der Hydrologie, der P&#228;dologie [&#8230;] sich mit der Tatsache besch&#228;ftigt haben sollen, dass sich die moderne Menschheit in Richtung &#8218;der Verschwendung der Ressourcen des Planeten&#8216; entwickelt [&#8230;]. Man will herausfinden, ob der Zyklus des Austausches zwischen der nat&#252;rlichen Umwelt mit ihren materiellen und energetischen Reserven und der lebenden Menschheit hin zu einer Harmonie mit einem (theoretisch undefinierten) dynamischen Gleichgewicht oder zunehmend hin zu einem Sturz ins Ungleichgewicht tendiert und somit auf historischer Ebene unverwirklichbar wird, indem er zum R&#252;ckgang und zum Ende der Menschheit f&#252;hrt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie aktuell scheinen, sind diese Zeilen 1954 von Amadeo Bordiga geschrieben worden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il programma comunista, Nr. 5, 5.-19. M&#228;rz 1954.&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Problem&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Lebensbedingungen auf der Erde h&#228;ngen besonders von einem Klima ab, dessen mehrtausendj&#228;hrige Entwicklung verschiedene Ursachen hat, wovon die menschliche T&#228;tigkeit ein kleiner oder grosser Teil darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 16. Jahrhundert verursacht die europ&#228;ische Eroberung S&#252;damerikas durch Massaker und den Export von Krankheiten 50 Millionen Tote in einigen Jahrzehnten und die Reduzierung von Anbaufl&#228;chen, Wiederaufforstung, Verringerung von Kohlenstoff in der Atmosph&#228;re und somit des Treibhauseffekts, womit die &#8222;kleine Eiszeit&#8220; (von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19.) akzentuiert wurde. Doch diese Entwicklung transformierte nicht die Gesamtheit der Lebensbedingungen auf der Erde. Seither hat die Industrialisierung Konsequenzen auf einem ganz anderen Niveau, was eine &#8222;grosse Beschleunigung&#8220; ausgel&#246;st hat, die uns einem Schwellenwert n&#228;her bringt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mehrere &#246;kologische Grenzen sind schon &#252;berschritten worden (Zerst&#246;rung der Artenvielfalt, Konzentration der Treibhausgase, Entwaldung und Zerst&#246;rung der B&#246;den, diverse Formen der Verschmutzung), bei anderen fehlt nicht viel (&#220;bers&#228;uerung der Meere, Verknappung von S&#252;sswasser). [&#8230;] Zu diesen &#252;berschrittenen Grenzen kommt die Verknappung der nicht erneuerbaren &#8218;nat&#252;rlichen Ressourcen&#8216; hinzu: fossile Energietr&#228;ger (Erd&#246;l, Gas, Kohle) und Mineralien, die mehr oder weniger f&#252;r alle zeitgen&#246;ssischen G&#252;ter und Dienstleistungen genutzt werden (wozu die Produktion von sogenannt erneuerbaren Energietr&#228;gern geh&#246;rt). Wir bewohnen die Erde seit mehreren Hunderttausend Jahren, doch diese &#220;berschreitungen haben erst seit zwei Jahrhunderten (seit der Expansion des Kapitalismus) und besonders seit der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts stattgefunden &#8211; also vor nicht allzu langer Zeit. [&#8230;] Wir stehen bei einer Erw&#228;rmung von 1&#176; C und k&#246;nnen jetzt schon &#252;berall auf der Welt feststellen, was sie ausl&#246;st. Wir stehen leider erst am Anfang dieser Auswirkungen. Die Ursachen dieser St&#246;rungen werden jedoch weiterhin mehr als je zuvor gef&#246;rdert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J&#233;r&#233;mie Cravatte, L'effondrement, parlons-en... - Les limites de la (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um nur ein Beispiel zu zitieren, auf welches wir zur&#252;ckkommen werden, die stetige Erh&#246;hung des Energieverbrauchs ist den Einsparungen und dem zunehmenden Beitr&#228;gen der &#8222;erneuerbaren Energien&#8220; (Wind, Wasser und Sonne) immer um eine L&#228;nge voraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl der starke Anstieg der Temperaturen gewiss ist, ist das Ausmass ungewiss, man weiss nur, dass die Auswirkungen sich miteinander koppeln: Methanausstoss, Anstieg des Wasserspiegels, weniger Kohlenstoff absorbiert durch die Meere, verringerte Artenvielfalt (Verschlechterung und Zerst&#246;rung der Lebensr&#228;ume, weniger Nahrungsquellen [Fischerei], invasive Arten), &#220;berschwemmungen, Waldbr&#228;nde, Hurrikans, D&#252;rren, starke Gef&#228;hrdung oder Verschwinden von Arten &#8211; all das f&#252;hrt im Verlauf des 21. Jahrhunderts zu einem wenig &#8222;bewohnbaren&#8220; Planeten, doch f&#252;r wen und welche gesellschaftliche Organisation? Wenn heute alles als &#8222;Krise&#8220; (von 1929, der Werte, der Repr&#228;sentation, der Finanz, des Systems&#8230;) bezeichnet wird, was ist dann gegenw&#228;rtig die Verbindung zwischen der &#8222;Klimakrise&#8220; und der &#8222;sozialen Krise&#8220;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Ziel&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Gesellschaft muss ihre Reproduktion vorbereiten, organisieren und dar&#252;ber nachdenken. Das taten auch die kapitalistischen Gesellschaften, sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert, auf verschiedene und widerspr&#252;chliche Weisen gem&#228;ss ihrer Situation, England, USA, Deutschland, UdSSR&#8230; Wie m&#252;ssen sie heutzutage dieses Problem anders aufgreifen als zuvor (auch Adam Smith hatte eine &#8222;holistische&#8220; Denkweise, aber ohne damals eine Natur zu integrieren, die als unersch&#246;pflich betrachtet wurde)? Und was ist das Verh&#228;ltnis zum Klassenkampf?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sch&#246;pferische Zerst&#246;rung&#8220;: Die von Schumpeter 1942 popul&#228;r gemachte Formel passt besonders gut zum Thema. Sie beschrieb die kontinuierliche Verlagerung der Investitionen (die zum Verschwinden von Fabriken, Arbeitsorten und Arbeitsstellen f&#252;hrte) von den weniger produktiven Sektoren hin zu den rentabelsten, die Arbeitslosigkeit, Umw&#228;lzung der Berufe, Verschiebung der T&#228;tigkeiten von einer Region oder einem Land in andere und Machttransfers von einer b&#252;rgerlichen Gruppe zu einer anderen ausl&#246;ste. Doch wenn wir es mit nat&#252;rlichen und materiellen Bedingungen zu tun haben, stellt sich die Frage, wie stark der Kapitalismus sie verschlechtern oder zerst&#246;ren kann, um sich auf anderen Grundlagen wieder aufzubauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Methode&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die russische Revolution, Mai 68 oder den Syndikalismus zu verstehen, reichen einige mit einem Minimum an theoretischer Intelligenz ausgew&#228;hlte Schriften. &#8222;Die &#214;kologie&#8220; ist hingegen das breitm&#246;glichste intellektuelle Thema und der breitm&#246;glichste politische Streitgegenstand, sie schliesst Geschichte, Geologie, Biologie, Chemie, Physik usw. mit ein. Wenn man dar&#252;ber nachdenkt, ist man schon bald obsoleten statistischen Wasserf&#228;llen ausgesetzt, die sogleich mit anderen noch erdr&#252;ckenderen und h&#228;ufig widerspr&#252;chlichen ersetzt werden. Allen voran muss man also dem Rausch des &#220;bermasses dieser Daten und Prozents&#228;tzen widerstehen. Und welche Zahlen? Bis 2014 war es g&#228;ngig (auch im Weltklimarat, Autorit&#228;t in diesem Bereich), &#8222;den Kohlenstoffeffekt&#8220; ausgehend vom Produktionsland zu messen: Der Ausstoss von CO2 von einem in China hergestellten Fernseher wurde China zugeschrieben, auch wenn ein Frachtschiff ihn nach Belgien oder Kanada transportierte, was letzteren L&#228;ndern erlaubte, sich hinsichtlich Verschmutzung als tugendhaft darzustellen. Doch man beruhigt uns: Die Statistiken sind seither korrigiert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir spielen nicht die Oberspezialisten und streben nur nach einem theoretischen Minimum. Pr&#228;zise Daten und Referenzen sind gen&#252;gend zug&#228;nglich, wir werden also im Verlauf der Kapitel wenig davon liefern. Wir werden nacheinander folgende Themen behandeln:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Den Platz, der die kommunistische Theorie damals dem einr&#228;umen konnte, was heute &#214;kologie genannt wird, und den Grund, weshalb die &#8222;&#214;konomie&#8220; und die &#8222;&#214;kologie&#8220; beide in diesem Kapitel von uns kritisiert werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2) Inwiefern Kapitalismus und &#214;kologie inkompatibel sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3) Inwiefern sich die Situation verschlechtert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4) Das Scheitern der politischen &#214;kologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;5) Die theoretische Erfindung des Anthropoz&#228;ns, dann jene des Kapitaloz&#228;ns.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6) Die Zusammenbruchstheorie und die Kollapsologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;7) Das Wesen des Kapitalismus und seine m&#246;gliche &#220;berwindung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;8) Schliesslich und allen voran: die Tatsache, dass nichts verloren ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind weder die Ersten, noch die Letzten, die sich mit der Frage besch&#228;ftigen. Zahlreiche existierende Studien zum Thema k&#246;nnen in diesen drei Punkten zusammengefasst werden: 1) Die kapitalistische Produktionsweise ist f&#252;r das Problem verantwortlich; 2) da sie die Ursache ist, wird sie nicht die L&#246;sung sein; aber 3) eine vern&#252;nftig von den Proletariern oder dem Volk verwaltete Wirtschaft k&#246;nnte das Problem l&#246;sen. Die Leserinnen und Leser werden sehen, welche gemeinsamen Punkte und &lt;i&gt;Unterschiede&lt;/i&gt; es zwischen dieser Sichtweise und unserer gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Vom 19. bis ins 20. Jahrhundert&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fourier: ein leidender Planet&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beginnen wir mit dem Theoretiker der leidenschaftlichen Anziehung, der vor zwei Jahrhunderten eine dramatische Diagnose erstellte:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Berge br&#246;ckeln durch die schlechte Verwaltung der Zivilisierten und Barbaren ab, die Quellen versiegen, die Temperaturexzesse, D&#252;rren und &#220;berschwemmungen, werden immer h&#228;ufiger, die Jahreszeiten geraten immer mehr durcheinander und &#252;berlappen sich andauernd, die am meisten zivilisierten L&#228;nder haben immer tiefere klimatische Mittelwerte, der Olivenbaum ist in Frankreich um ein halbes Grad in Richtung S&#252;den zur&#252;ckgegangen, der Weinbau ist in vielen Regionen fast nicht mehr m&#246;glich, besonders im Burgund, das aufgrund klimatischer Zwischenf&#228;lle sieben Ernten nacheinander verloren hat [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das schrieb Fourier (1772-1837), wobei er &#8222;die Ursachen der Ver&#228;nderung&#8220; den Gestirnen zuschrieb und eine Abk&#252;hlung diagnostizierte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und in &lt;i&gt;D&#233;t&#233;rioration mat&#233;rielle de la plan&#232;te&lt;/i&gt; behauptete er, dass die &#8222;klimatischen Unordnungen ein der zivilisierten Kultur inh&#228;rentes Laster ist; sie stellt durch ihren Mangel an Proportionen und allgemeinen Methoden, durch den Kampf der individuellen Interessen mit dem kollektiven Interesse alles auf den Kopf [&#8230;] Die zivilisierte und barbarische Landwirtschaft, von deren wundersamen individuellen Eigenschaften man schw&#228;rmt, hat die l&#228;cherliche Eigenschaft der kollektiven Verschlechterung; sie zerst&#246;rt ihren eigenen Boden, statt ihn zu verbessern.&#8220; Daher &#8222;die Dringlichkeit, schnellstm&#246;glich den zivilisierten, barbarischen, wilden Zustand zu verlassen und das materielle Leid des Planeten zu lindern, womit auch das menschliche Elend beendet werden wird&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deshalb &#8222;ist im industriellen System alles lasterhaft. Es ist in jeglicher Hinsicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marx: der Stoffwechsel Mensch-Natur&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer Zitate braucht, die bei Marx und Engels &#8222;ein unbestreitbares &#246;kologisches Bewusstsein&#8220; (Henri Pe&#241;a-Ruiz) beweisen &#8211; oder widerlegen &#8211; wird sie leicht finden. Doch es geht nicht darum, eine Zusammenstellung oder eine Auswahl zu erstellen, sondern die Richtschnur oder die Richtschn&#252;re zu finden. Einige etwas l&#228;ngere Zitate werden notwendig sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergr&#228;bt: die Erde und den Arbeiter.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Das Kapital, Bd. 1, 1867 in MEW, Bd. 23, S. 529-530.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen &#252;ber die Natur. F&#252;r jeden solchen Sieg r&#228;cht sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Folgen wieder aufheben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Engels, Dialektik der Natur, 1883 in MEW, Bd. 20, S. 452-453.&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn der einzelne Fabrikant oder Kaufmann die fabrizierte oder eingekaufte Ware nur mit dem &#252;blichen Profitchen verkauft, so ist er zufrieden, und es k&#252;mmert ihn nicht, was nachher aus der Ware und deren K&#228;ufer wird. Ebenso mit den nat&#252;rlichen Wirkungen derselben Handlungen. [&#8230;] Gegen&#252;ber der Natur wie der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste, handgreiflichste Erfolg in Betracht; und dann wundert man sich noch, da&#223; die entfernteren Nachwirkungen der hierauf gerichteten Handlungen ganz andre, meist ganz entgegengesetzte sind [&#8230;] [Wir beherrschen] keineswegs die Natur [&#8230;], wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der au&#223;er der Natur steht - sondern [&#8230;] wir [geh&#246;ren] mit Fleisch und Blut und Hirn ihr an [&#8230;] und [stehn] mitten in ihr [&#8230;] Je mehr dies aber geschieht, desto mehr werden sich die Menschen wieder als Eins mit der Natur nicht nur f&#252;hlen, sondern auch wissen, und je unm&#246;glicher wird jene widersinnige und widernat&#252;rliche Vorstellung von einem Gegensatz zwischen Geist und Materie, Mensch und Natur, Seele und Leib [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 453-455.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich das von Marx in einem Fragment, das h&#228;ufig als Schlussfolgerung des dritten Bandes reproduziert wird:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[E]s erzeugt dadurch [durch das Grundeigentum] Bedingungen, die einen unheilbaren Ri&#223; hervorrufen in dem Zusammenhang des gesellschaftlichen und durch die Naturgesetze des Lebens vorgeschriebnen Stoffwechsels, infolge wovon die Bodenkraft verschleudert und diese Verschleuderung durch den Handel weit &#252;ber die Grenzen des eignen Landes hinausgetragen wird. [&#8230;] [D]as industrielle System auf dem Land auch die Arbeiter entkr&#228;ftet und Industrie und Handel ihrerseits der Agrikultur die Mittel zur Ersch&#246;pfung des Bodens verschaffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Das Kapital, Bd. 3 in MEW, Bd. 25, S. 821.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was bezeichnet der Begriff des &#8222;Stoffwechsels&#8220;? Die Gesamtheit des Austausches an Materie und Energie, die ein lebendes Wesen oder ein Organismus ben&#246;tigt, um fortzubestehen und sich zu reproduzieren. Im weiteren Sinne ist der gesellschaftliche Stoffwechsel gleichbedeutend mit dem Gleichgewicht, das die Erneuerung jener nat&#252;rlichen Bedingungen erlaubt, welche f&#252;r die menschlichen Produktionen unabdingbar sind. Marx benutzt diesen Begriff allerdings fast immer in seinen Kapiteln &#252;ber die Grundrente, bez&#252;glich des Landeigentums, &#8222;industriell betriebene gro&#223;e Agrikultur&#8220;, die heute zum Agrobusiness geworden ist und dem Boden die N&#228;hrstoffe entzieht &#8211; was heute hinl&#228;nglich best&#228;tigt ist. Die von Engels zitierten Beispiele betreffen ebenfalls die B&#246;den.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind trotzdem weit vom globalen Ungleichgewicht entfernt, das die Erde und das Menschengeschlecht im 21. Jahrhundert bedroht. Als die USA in den 1930er Jahren mit einem verheerenden, zum Teil durch die &#220;berbeanspruchung der B&#246;den ausgel&#246;sten &lt;i&gt;Dust Bowl&lt;/i&gt; fertig wurden, blieb das Ph&#228;nomen in jenem Rahmen, den man in der Epoche von Marx vorhersehen konnte. Sowohl hinsichtlich ihrer Ursachen als auch ihrer Folgen erreicht der zeitgen&#246;ssische &#8222;Riss des Stoffwechsels&#8220; ein qualitativ anderes Niveau. Marx konnte gewisse zerst&#246;rerische Effekte der kapitalistischen Produktionsweise verstehen und verurteilen, jedoch nicht das Ausmass der von ihr verursachten Umweltverw&#252;stungen im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Es ist nutzlos, ihn in einen Vorl&#228;ufer der zeitgen&#246;ssischen &#214;kologie zu verwandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pannekoek: &#8222;Naturverw&#252;stung&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anton Pannekoek (1873-1960) bekr&#228;ftigt 1909 im Text &#8222;Naturverw&#252;stung&#8220;, dass die Liebe zur Natur nicht der einzige Grund ist, sich mit den W&#228;ldern zu besch&#228;ftigen: Es geht um &#8222;Lebensinteressen f&#252;r die Menschheit [&#8230;] Wir wissen, dass die Menschen nun einmal die Herren der Erde sind und die Natur zu ihren Zwecken v&#246;llig umwandeln. Wir sind zu unseren Leben ganz auf die Naturkr&#228;fte und die Natursch&#228;tze angewiesen; wir m&#252;ssen sie gebrauchen und verbrauchen. Nicht um diese Tatsache handelt es sich hier, sondern nur die Art und Weise, wie der Kapitalismus sie gebraucht. Eine vern&#252;nftige Gesellschaftsordnung wird die ihr zur Verf&#252;gung stehenden Sch&#228;tze der Natur in solcher Weise benutzen m&#252;ssen, dass nicht mehr verbraucht wird, als jeder zugleich neu aufw&#228;chst, so dass die Gesellschaft nie &#228;rmer wird und nur reicher werden kann. [&#8230;] Unter der heutigen Wirtschaftsordnung ist die Natur nicht der Menschheit sondern den Kapital dienstbar [&#8230;] Die Natursch&#228;tze werden ausgebeutet, als w&#228;ren die Vorr&#228;te unendlich und unersch&#246;pflich. In den &#252;blen Folgen der Waldverw&#252;stung f&#252;r die Landwirtschaft, in der Ausrottung n&#252;tzlicher Tiere und Pflanzen tritt die Endlichkeit der Vorr&#228;te als ein Bankrott dieser Wirtschaftsweise zu Tage. Als eine Anerkennung dieses Bankrotts ist es auch zu bezeichnen, wenn Roosevelt [es handelt sich um Theodore Roosevelt, Pr&#228;sident der USA von 1901 bis 1909] eine internationale Konferenz zusammenberufen will, der den Bestand der noch vorhandenen Natursch&#228;tze aufnehmen und Ma&#223;nahmen gegen ihre weitere Verschwendung treffen soll. Nat&#252;rlich ist dieser Plan selbst nur Humbug. Der Staat kann zwar Vieles tun, um die ruchlose Ausrottung seltener Naturwesen zu verhindern. Aber der kapitalistische Staat ist immerhin nur ein trauriger Vertreter der Allgemeinheit der Menschen. [&#8230;] Der Kapitalismus hat [&#8230;] an die Stelle des Lokalbedarfs den Weltbedarf gesetzt und gew&#228;ltige technische Hilfsmittel zur Ausbeutung der Natur geschaffen. Dabei handelt es sich dann sofort von ungeheuren Massen, die mit kolossalen Vernichtungsmitteln in Angriff genommen und mit m&#228;chtigen Transportmitteln weggeschafft werden. Die Gesellschaft unter dem Kapitalismus ist einem mit Riesenkraft ausgestatteten vernunftlosen K&#246;rper zu vergleichen; w&#228;hrend er seine Kraft immer gewaltiger entwickelt, verw&#252;stet er zugleich in sinnloser Weise die Natur, worin und wodurch er lebt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Verw&#252;stungen sp&#228;ter bekr&#228;ftigt Pannekoek in &lt;i&gt;Antropogenese&lt;/i&gt;&lt;i&gt;. Een studie over het ontstaan van de mens&lt;/i&gt; (1944): &#8222;Potenziell ist der Mensch Herr &#252;ber die Natur. Doch er ist noch nicht Herr &#252;ber seine eigene Natur. Wie kann er es werden?&#8220; Durch eine Revolution, die eine gemeinschaftliche Produktion wieder einf&#252;hrt, und Pannekoek glaubt an &#8222;einen ununterbrochenen technischen Fortschritt, der kurz davor steht, die Menschheit als organisierte Einheit zu konsolidieren, die Herrin &#252;ber ihr Leben ist&#8220;. Anton Pannekoek ist nicht &#246;kologischer als Marx, ausser man betrachtet jeden Verteidiger der Natur so. Sein Text wurde nach einer Reihe von Niederlagen der Arbeiterklasse verfasst, nach der Krise von 1929, dem Nazismus, dem Weltkrieg und im Kontext einer andauernden Besatzung Hollands durch Deutschland: Trotz dieser niederschmetternden Tatsachen bekr&#228;ftigt Pannekoek, indem er die Evolution des Menschengeschlechts Revue passiert, sein Vertrauen in eine k&#252;nftige Menschheit ohne Klassen und Staat, die endlich mit sich selbst vers&#246;hnt sein w&#252;rde. Die fr&#252;her oder sp&#228;ter selbstzerst&#246;rerische Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Natur ist nicht sein Thema.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wernadski: Die Biosph&#228;re&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Russische Revolution beschr&#228;nkt sich nicht auf die Erscheinung einer neuen Form des Kapitalismus, die von einer Klasse &#8211; der B&#252;rokratie &#8211; angef&#252;hrt wurde, welche die gleiche Rolle wie die Bourgeoisie spielte, obwohl ihr Ursprung und ihre Funktionsweise unterschiedlich war. Sie ist auch eine Gesamtheit an widerspr&#252;chlichen, ambivalenten und unvollendeten Bem&#252;hungen zur Erschaffung neuer Lebensformen, Bem&#252;hungen, die durch mangelnde Mittel hintertrieben und dann durch das Regime zerschlagen wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also nicht erstaunlich, dass die &#214;kologie, so wie wir sie heute verstehen, in den 1920er Jahren eine wissenschaftliche und politische Realit&#228;t war, bevor sie mit den Zw&#228;ngen der Staatsgewalt und der Kapitalakkumulation zusammenstiess. Wladimir Wernadski (1863-1945), ber&#252;hmter Mineraloge und Chemiker, &#8222;Vater der Wissenschaft&#8220; in der Sowjetunion, beschreibt die Erde als lebenden Organismus, nicht als leblose Materie, und theoretisiert die &lt;i&gt;Biosph&#228;re&lt;/i&gt; als handelnde geologische Kraft. Er warnt im April 1926: &#8222;Die nat&#252;rlichen Produktivkr&#228;fte [&#8230;] sind in ihrer Zusammensetzung und ihrem &#220;berfluss unabh&#228;ngig vom menschlichen Willen und der menschlichen Vernunft, egal wie zentralisiert und organisiert sie auch sein m&#246;gen. Da diese Kr&#228;fte nicht unersch&#246;pflich sind, wissen wir, dass sie Grenzen haben, [&#8230;] die f&#252;r unsere eigenen Produktionskapazit&#228;ten eine un&#252;berwindbare nat&#252;rliche Grenze darstellen [&#8230;] f&#252;r unser Land sind diese Grenzen ziemlich eng gesteckt und erlauben &#8211; mit dem Risiko einer grausamen Rechnung &#8211; keine Verschwendung im Gebrauch unserer Rohstoffe.&#8220;&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ebenfalls der Zoologe G. A. Koschewnikow 1928: &#8222;Die Entwicklung einer materialistischen Konzeption der Natur ist nicht gleichbedeutend mit der Berechnung, wie viele Kubikmeter Feuerholz man aus einem Wald extrahieren oder wie viel Dollar man mit Eichh&#246;rnchenleder jedes Jahr einnehmen kann [&#8230;]. Die Kontrolle &#252;ber die nat&#252;rlichen Regulationen zu &#252;bernehmen, ist eine extrem schwierige und verantwortungsvolle Sache. [J]egliche Intervention, sogar jene, welche wir als n&#252;tzlich betrachten, [&#8230;] zerst&#246;rt die nat&#252;rlichen Bedingungen der Bioz&#246;nosen. [&#8230;] Aus diesem Lebensgewebe, das sich w&#228;hrend etlichen tausend Jahre dauernden Interaktionen entwickelt hat, kann man nicht einfach schadlos ein Glied herausnehmen [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ab 1928 fallen die guten Absichten gegen&#252;ber den Zielen des ersten F&#252;nfjahresplans nicht wirklich ins Gewicht: Der Schutz der Natur wird nur einger&#228;umt, wenn er die Produktivit&#228;t steigert. Was von der &#214;kologie bleibt (Aktionen gegen die Entwaldung und die Bodenerosion, Errichtung von Naturparks, Massnahmen, die auch von den &#8222;b&#252;rgerlichen&#8220; Regimes ergriffen werden, besonders auf der anderen Seite des Atlantiks), zielt darauf ab, die Produktivkr&#228;fte durch ihre exzessive Entwicklung nicht &lt;i&gt;zu&lt;/i&gt; stark aus dem Gleichgewicht zu bringen: Das Ziel des Regimes ist es, die Umwelt im Interesse des industriellen Wachstums zu erhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schutz und Erhaltung fassen die &#214;kologie nicht zusammen und sind weit von den gegenw&#228;rtigen Problemen entfernt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bordiga: Die menschliche Gattung und die Erdkruste&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach 1950 n&#228;hert sich Amadeo Bordiga (1889-1970) in einer Artikelreihe, geschrieben nach &#220;berschwemmungen, Unf&#228;llen, chemischen Verschmutzungen, Bodenersch&#246;pfung und der Unf&#228;higkeit der kapitalistischen Produktionsweise, die Menschheit zu ern&#228;hren, der Idee an, dass die Technik kein neutrales Werkzeug ist, das ihr Wesen ver&#228;ndern w&#252;rde, wenn sie von den H&#228;nden und K&#246;pfen der Bourgeois in jene der Proletarier &#252;bergehen w&#252;rde. F&#252;r ihn werden sich die Proletarier w&#228;hrend der Revolution nicht damit begn&#252;gen, sich der Produktionsmittel zu bem&#228;chtigen, sie werden einen Teil davon transformieren und sich des anderen entledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Obwohl es wahr ist, dass das industrielle und wirtschaftliche Potenzial der kapitalistischen Welt ansteigt und nicht sinkt, ist es genauso wahr, dass sich, je st&#228;rker dieser Anstieg ist, sich umso mehr die Bedingungen der Menschenmasse gegen&#252;ber historischen Naturkatastrophen verschlimmern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Piena e rotta della civilt&#224; borghese&#8220;, 1952.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je &#8222;effizienter&#8220; der Kapitalismus in der Ausbeutung der Arbeit und des Lebens der Menschen ist, desto weniger ist er f&#228;hig, &#8222;die Arbeit der gegenw&#228;rtigen den k&#252;nftigen Generationen zu &#252;bermitteln&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Specie umana e crosta terrestre&#8220;, 1952.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kapitalismus hat seit langem eine &#8218;technische&#8216; Grundlage aufgebaut, d.h. ein Erbe an Produktivkr&#228;ften, das uns bei weitem gen&#252;gt; die Steigerung des produktiven Potenzials ist also &#8211; im weissen Siedlungsgebiet &#8211; nicht das grosse historische Problem, sondern durch das Verbot ihrer Ausbeutung und Verschwendung die Zerst&#246;rung jener gesellschaftlicher Formen, welche einer korrekten Verteilung und Organisation der n&#252;tzlichen Kr&#228;fte und Energien entgegenstehen. Besser: Der Kapitalismus hat selbst zu viel aufgebaut und erlebt diese historische Alternative: Zerst&#246;rung oder Verschwinden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Politica e &#8218;costruzione&#8216;&#8220;, 1952.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Weltrevolution wird sich, statt immer mehr aufzubauen, &#8222;die enorme Extravaganz&#8220; erlauben k&#246;nnen, &#8222;Kartoffeln auf dem vom Wolkenkratzer der Vereinten Nationen besetzten Terrain zu pflanzen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il Programma comunista, Nr. 6, 19. M&#228;rz &#8211; 2. April 1954.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesen Artikeln wie auch in seiner langen Studie der landwirtschaftlichen Frage bricht Bordiga allerdings nicht explizit mit der Idee, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen mit jener der Natur zu ersetzten, letztere bleibt sowohl eine Partnerin als auch eine Gegnerin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anarchismus, Marx, Marxismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und die Marxisten waren nicht die einzigen, die an eine g&#252;nstige &#8222;Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; glaubten. Mit einem anderen Tonfall waren andere Str&#246;mungen daran beteiligt, besonders anarchistische. In &#8222;L&#8216;Humanisph&#232;re, utopie anarchiste&#8220; stellte sich Joseph D&#233;jacque (1822-1864), der Erfinder des Begriffes &#8222;libert&#228;r&#8220;, 1858-1859 die Welt im Jahr 2858 vor:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Luft, das Feuer und das Wasser, alle Elemente mit zerst&#246;rerischen Instinkten sind bezwungen worden und gehorchen gefangen unter dem Blick des Menschen all seinen Absichten. Der Himmel ist erklommen worden. Die Elektrizit&#228;t tr&#228;gt den Menschen auf ihren Fl&#252;geln und f&#252;hrt ihn in den Wolken spazieren, ihn und seine Luftschiffe. [&#8230;] Ein immenses Bew&#228;sserungsnetz deckt die weiten Pr&#228;rien ab, deren Schranken man abgebrannt hat und worauf zahlreiche Herden grasen, die zur Ern&#228;hrung des Menschen bestimmt sind. Der Mensch thront &#252;ber seine Arbeitsmaschinen, er befruchtet das Feld nicht mehr mit dem Dampf seines K&#246;rpers, sondern mit dem Schweiss der Lokomotive.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Mensch [&#8230;] l&#228;sst es nach Belieben regnen oder sch&#246;nes Wetter sein; er bestimmt &#252;ber die Jahreszeiten und die Jahreszeiten verbeugen sich vor ihrem Meister. Die Tropenpflanzen bl&#252;hen unter freiem Himmel in den Polarregionen auf; siedende Lavastr&#246;me schl&#228;ngeln sich durch sie durch; die nat&#252;rliche Arbeit des Planeten und die k&#252;nstliche Arbeit des Menschen haben die Temperatur der Pole transformiert und dort den Fr&#252;hling ausgel&#246;st, wo zuvor der ewige Winter herrschte.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Planet [ist] zu einer einheitlichen Siedlung [geworden], die man in weniger als einem Tag erkunden kann. Die Kontinente sind die Quartiere oder Bezirke der universellen Stadt.&#8220; Unter einer kolossalen Kuppel garantieren Zentralheizungen und Ventilatoren den Parisern &#8222;ein stets gem&#228;ssigtes Klima&#8220; und die Beherrschung der Natur weitet sich auf die Tiere aus mit &#8222;L&#246;wen, die zu Haustieren&#8220;, und &#8222;Panthern, die wie Katzen gez&#228;hmt geworden sind&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die allgegenw&#228;rtigen Maschinen (das Wort Roboter wird 1920 vom Schriftsteller Karel &#268;apek kreiert) f&#252;hren fast alle m&#252;hsamen Arbeiten aus und k&#252;mmern sich um die Hausarbeit. Dampf und Elektrizit&#228;t automatisieren die meisten Bewegungen und allt&#228;glichen Handgriffe. Nebenbei &#8222;hat&#8220; als Folge der Harmonisierung der Menschheit &#8222;eine universelle Sprache all diese Jargons der Nationen ersetzt&#8220;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;D&#233;jacque hatte dermassen Vertrauen in diesen unaufhaltbaren Marsch der Menschheit hin zum technischen &lt;i&gt;und gesellschaftlichen&lt;/i&gt; Fortschritt (die bald dazu aufgerufen waren, ein und dasselbe zu sein), dass die &#8222;&#246;kologische Frage&#8220; f&#252;r ihn im w&#246;rtlichsten Sinne undenkbar war.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach ihm erkannten Marx, Engels, Pannekoek, die russischen Gelehrten der 1920er Jahre und dann Bordiga allen voran ein Problem im Verh&#228;ltnis zwischen der menschlichen Gattung und ihrer nat&#252;rlichen Umwelt aufgrund der Bodenersch&#246;pfung und der Verschwendung. Man ist selten intelligenter, als es die durch seine Epoche aufgeworfenen Probleme erlauben. Man kannte den Treibhauseffekt 1945, aber nicht die Schwere seiner Wirkung auf den Planeten, und man war eher bez&#252;glich eines Atomkrieges beunruhigt.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab Marx, seine Behauptungen, seine Intuitionen. F&#252;r ihn ist das Menschengeschlecht das Subjekt und die Natur der Gegenstand, ihr Gegenstand, und ihre Interaktion &#228;ndert nichts an einem Verh&#228;ltnis des Vorranges, wovon Marx (und sehr wenige damals) die zerst&#246;rerische Wirkung sowohl auf die Natur als auch auf die Menschheit erkennen konnten.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es gab den Marxismus, f&#252;r welchen die kapitalistische Produktionsweise durch den Widerspruch Produktivkr&#228;fte/Produktionsverh&#228;ltnisse angetrieben und untergraben wird, erstere haben die Berufung, letztere zerplatzen zu lassen, und die Proletarier erben von den Bourgeois einen immensen technischen und wissenschaftlichen Apparat, den sie an die Bed&#252;rfnisse der Massen anpassen w&#252;rden. In dieser Optik werden die Wissenschaft und die Technik meistens als gesellschaftlich neutral wahrgenommen: Der M&#228;hdrescher und die Schreibmaschine sind Werkzeuge, alles h&#228;ngt davon ab, &lt;i&gt;wie&lt;/i&gt; und, allen voran, von &lt;i&gt;wem&lt;/i&gt; sie benutzt werden. Wenn die Bourgeoisie einmal eliminiert ist, werden die Produktivkr&#228;fte allen zugutekommen. Im Sozialismus, schreibt Lenin, wird es das Taylor-System, heutzutage das Instrument der &#8222;Versklavung des Menschen durch die Maschine&#8220;, das es dem Arbeiter erlauben wird, viermal weniger zu arbeiten und gleichzeitig von einem viermal h&#246;heren Wohlbefinden zu profitieren. Vom Widerspruch zwischen Produktivkr&#228;ften und Produktionsverh&#228;ltnissen haben die Sozialdemokratie und der Stalinismus das ber&#252;cksichtigt, was sie ben&#246;tigten: ein (angeblich) rationales Projekt der Herrschaft &#252;ber die Natur. Sie waren weit von einer Kritik des Kapitalismus entfernt und haben ihn sowohl in der Ausbeutung der Proletarier als auch in der Zerst&#246;rung der nat&#252;rlichen Umwelt begleitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) 20. Jahrhundert. Kritik der &#214;konomie, Kritik der &#214;kologie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jedes Gesellschaftssystem muss sich der Kapitalismus nicht nur legitimieren, sondern er muss auch &#252;ber sich selbst und seine Widerspr&#252;che nachdenken: Die Wirtschaftswissenschaften sind eines seiner privilegierten Mittel des Selbstverst&#228;ndnisses.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der griechischen Antike beschrieb die &#8222;&#214;konomie&#8220; die Verwaltung &#8222;des Hauses&#8220;, d.h. des Landgutes, in einer Gesellschaft der Landeigent&#252;mer, die mit anderen manchmal weit entfernten Regionen handelten, in welcher jedoch das Land die wesentliche Quelle des Reichtums blieb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Industriellen Revolution nahm die &#8222;&#214;konomie&#8220; den allgemeinen Sinn der Produktion und des Vertriebs von G&#252;tern und Dienstleistungen an und die &#246;konomische Fachkenntnis hat sich als jene aufgedr&#228;ngt, welche es erlaubt, eine von Fabriken, Frachtschiffen und Waren, d.h. von Kapital und Lohnarbeit ges&#228;ttigte Welt zu verstehen und zu verwalten. W&#228;hrend man 1960 in einem franz&#246;sischen Gymnasium nicht &#8222;die &#214;konomie&#8220; unterrichtete, ist jede politische Diskussion heutzutage von einem Schwall an Statistiken &#252;ber das &#8222;Wachstum&#8220; oder die Besch&#228;ftigung begleitet. Die Allgegenwart der &#8222;&#214;konomie&#8220; ist zu einer Selbstverst&#228;ndlichkeit geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu konnte der planetarische Aufstieg des die f&#252;r ihn notwendigen Gleichgewichte auf den Kopf stellenden Kapitalismus zwangsl&#228;ufig &#8222;die Natur&#8220; (im weiteren Sinne, der sowohl den Wald als auch die Temperatur enth&#228;lt) nicht mehr als unendlich verf&#252;gbares und ausbeutbares Gut betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;&#214;konomie&#8220; als Wissen &#8211; und Weltanschauung &#8211; reichte nicht mehr: Es musste &#252;ber die Beziehungen zwischen der (im vorliegenden Fall kapitalistischen) Gesellschaft und dem, was ihre Existenz konditioniert, nachgedacht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Erfinder des Worts und des Begriffes der &#8222;&#214;kologie&#8220; 1866, der deutsche Biologe Ernst Haeckel, ein anerkannter Gelehrter, popul&#228;rwissenschaftlicher Autor und bekannt daf&#252;r, die Lehre Darwins verbreitet zu haben, interessierte sich mehr f&#252;r die Evolution der Arten als f&#252;r die historische Evolution. Trotzdem zeugte seine Forschung von der Notwendigkeit, eine unumg&#228;ngliche Realit&#228;t zu ber&#252;cksichtigen: die Gesamtheit der materiellen Grundlage, auf welcher die menschliche T&#228;tigkeit basiert. Es war freilich noch kein Bewusstsein f&#252;r eine bedrohte Umwelt. Aber Haeckel hatte schon einen ganz anderen Blick auf die Welt als vor ihm Descartes (&#8222;uns zum Herrscher und Besitzer der Natur zu machen&#8220;) oder Francis Bacon (experimentell Kenntnisse &#252;ber die Natur zu erlangen, um sie in den Dienst des Menschen zu stellen). F&#252;r Haeckel lebt und entwickelt sich die Menschheit innerhalb einer Totalit&#228;t lebender Wesen: Das Feld der &#8222;&#214;kologie&#8220; hat sich danach auf den ganzen Planeten ausgeweitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#214;konomie und &#214;kologie sind also zwei sehr verschiedene Dinge. Im Gegensatz zur &#214;konomie, die sich die Frage stellt, wie &#8222;das Haus&#8220; produktiv verwaltet werden kann, will die &#214;kologie viel mehr als eine Wissenschaft der Verwaltung sein: Sie bringt die Gesellschaften in ihre globale Umwelt zur&#252;ck, vereinigt &#8222;Humanwissenschaften&#8220; und &#8222;Naturwissenschaften&#8220; und strebt nach der Schnittmenge zwischen Geschichte, Biologie, Geographie, Klimatologie&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber das Wissen der Gelehrten und der &#8222;breiten &#214;ffentlichkeit&#8220; geht nicht &#252;ber das hinaus, was denkbar ist in jener Gesellschaft, welche es hervorruft und unterh&#228;lt. In Tat und Wahrheit denkt die &#214;kologie die Welt, ohne des Pudels Kern seit zwei Jahrhunderten zu ber&#252;cksichtigen: das Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit, die Beziehung Bourgeois/Proletarier. In den Augen jener, welche sich als Umweltsch&#252;tzer pr&#228;sentieren, scheint die Analyse der Gesellschaft in Klassenbegriffen sekund&#228;r, illusorisch oder &#252;berholt. So erkl&#228;rt ein j&#252;ngst erschienenes Buch, das sonst reich und stimulierend ist, die Geschichte der Energietr&#228;ger im Industriezeitalter durch die Herrschaft &#8222;der Technologie&#8220;, &#8222;der technischen [und] produktivistischen Vorstellungskraft&#8220;, eines &#8222;produktivistischen Systems&#8220;, &#8222;eines techno-&#246;konomischen Imperialismus&#8220; und &#8222;der technischen Macht&#8220; (Fran&#231;ois Jarrigue &amp; Alexis Vrignon). Man k&#246;nnte sagen, der Kapitalismus &#8211; der &lt;i&gt;unsichtbar gemacht worden ist.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz ihrer Ambition, &#8222;die Wissenschaft der Existenzbedingungen&#8220; (Haeckel) bereitzustellen, hat sich die &#214;kologie seit einigen Jahrzehnten als eine Wissenschaft und Technik entwickelt, welche die Exzesse der kapitalistischen Produktionsweise reparieren soll. Genau wie die weitsichtigsten &#214;konomen (Keynes) machen die Umweltsch&#252;tzer auf die Effekte eines Systems aufmerksam, dessen tiefe Ursachen ihnen entgehen. In der Praxis sind die &#8222;&#214;konomie&#8220; und die &#8222;&#214;kologie&#8220; eher komplement&#228;r denn Rivalinnen: Der &#8222;&#246;kologischen &#214;konomie&#8220; geht es gut, die meisten Umweltsch&#252;tzer denken in &#246;konomischen Kategorien und die Debatten drehen sich um die beste oder am wenigsten schlechte Art und Weise, die &#214;konomie durch die &#214;kologie zu kompensieren, indem die negativen Auswirkungen einer Produktion (und eines Konsums) reduziert werden, die sonst ihre eigenen Grundlagen zerst&#246;ren w&#252;rden. Wie? Indem (gem&#228;ss den Denkschulen variable) Dosen &#214;kologie in die &#214;konomie injiziert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r uns wird es also nicht darum gehen, die &#214;konomie mit der &#214;kologie zu komplettieren oder erstere durch letztere zu korrigieren, sondern sowohl die eine als auch die andere zu kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., Oktober 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;J&#233;r&#233;mie Cravatte, &lt;a href=&#034;http://www.barricade.be/publications/analyses-etudes/effondrement-parlons-limites-collapsologie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Effondrement, parlons-en&#8230; Les Limites de la collapsologie&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Elizabeth Kolbert, &lt;i&gt;Das sechste Sterben. Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt&lt;/i&gt;, Berlin, Suhrkamp, 2015 [2014].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Charles Fourier, &lt;i&gt;Die Freiheit in der Liebe&lt;/i&gt;, Hamburg, Nautilus, 2017 [1967].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ren&#233; Sch&#233;rer, &lt;i&gt;L'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&#201;&lt;/i&gt;&lt;i&gt;cosophie de Charles Fourier. Deux textes in&#233;dits&lt;/i&gt;, Economica, 2002 (einer davon ist &#8222;D&#233;t&#233;rioration mat&#233;rielle de la plan&#232;te&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx zum &#8222;Riss des Stoffwechsels&#8220;: &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 821.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Bedeutung des Grundeigentums: Fragment &#8222;Die Klassen&#8220; in &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 892-893.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Theoretiker, die Marx als (pr&#228;-)&#246;kologisch darstellen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;John Bellamy Foster, &lt;i&gt;The Ecological Revolution. Making Peace with the Planet&lt;/i&gt;, New York, The Monthly Review Press, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paul Burkett, &lt;i&gt;Marx and Nature: A Red and Green Perspectiv&lt;/i&gt;&lt;i&gt;e&lt;/i&gt;, 1999. Die neue Ausgabe von 2014 enth&#228;lt eine Einleitung von John Bellamy Foster.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden im Kapitel 7 auf diesen Autoren zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anton Pannekoek, &lt;a href=&#034;http://aaap.be/Pages/Pannekoek-de-ZK-1909-Naturverw&#252;stung.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Naturverw&#252;stung&#8220;&lt;/a&gt;, 1909; &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/nederlands/pannekoek/1944/1944antropogenese.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Antropogenese. Een studie over het ontstaan van de mens&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1944.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Amadeo Bordiga, &lt;i&gt;Esp&#232;ce humaine et cro&#251;te terrestre&lt;/i&gt;, Payot, 1978. Artikelsammlung, einige davon sind online verf&#252;gbar:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/progra/vaki/vakiqcedoi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Specie umana e crosta terrestre&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Il Programma Comunista&lt;/i&gt;, Nr. 6, Dezember 1952.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/progra/vako/vakoabefai.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Spazio contro cemento&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Il Programma Comunista&lt;/i&gt;, Nr. 1, 1953.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/battag/ceke/cekeqgozui.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Piena e rotta della civilt&#224; borghese&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Battaglia Comunista&lt;/i&gt;, 8. Dezember 1951.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/promet/veki/vekiibobei.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Politica e &#8218;costruzione&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, Prometeo, zweite Reihe, Nr. 3-4, Juli 1952.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seine &lt;a href=&#034;http://classiques.uqac.ca/classiques/bordiga_amedeo/textes_question_agraire/question_agraire_tdm.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Texte zur Landwirtschaft&lt;/a&gt;, 1954.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean Batou, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.persee.fr/doc/xxs_0294-1759_1992_num_35_1_2562#xd_co_f=NTQzMDkwMTAtMGU1ZC00YjBjLTllODYtZDJiMWQzOTJlNTdl~&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;R&#233;volution russe et &#233;cologie (1917-1934)&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Vingti&#232;me Si&#232;cle&lt;/i&gt;, Nr. 35, Juli-September 1992, S. 16-28.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die bolschewistische Absicht, die Natur zur Entwicklung der Produktivkr&#228;fte auszubeuten, vermeintlich zugunsten aller, ging mit einem biopolitischen Versuch einher, genau so &#8222;rational&#8220; die Gesetze der Geschichte auf die Sitten und Gebr&#228;uche anzuwenden, besonders im Bereich der Sexualit&#228;t. Siehe &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2111&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8216;Cher Camarade Staline&#8216;. Homo au pays des soviets&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Joseph D&#233;jacque, &lt;a href=&#034;http://kropot.free.fr/Dejacques-lumanis.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Humanisph&#232;re, utopie anarchiste&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1858-1859.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu seinem Projekt geh&#246;ren gemeinsam organisierte Arbeit, die Ersetzung des Geldes durch ein System der Gutscheine, &#8222;eine Bank f&#252;r gegenseitige Kredite&#8220; und &#8222;die Abschaffung jeglicher Form des Wuchers&#8220;. Er ist der erste oder einer der ersten, der von &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; spricht. &lt;a href=&#034;https://unsansculotte.wordpress.com/2013/05/20/la-parole-a-joseph-dejacque/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; findet man eine kurze Bibliographie und einige Ausz&#252;ge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lenin, &#8222;Das Taylor-System &#8211; die Versklavung des Menschen durch die Maschine&#8220;, 1914.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fran&#231;ois Jarrigue &amp; Alexis Vrignon, &lt;i&gt;Face &#224; la puissance. Une histoire des &#233;nergies alternatives &#224; l'&#226;ge industriel&lt;/i&gt;, La D&#233;couverte, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3025&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode02&#034;&gt;Episode 02: Der Kapitalismus wird nicht &#246;kologisch sein&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_16 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/02.le-capitalisme-ne-sera-pas-ecologique-2.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/02.le-capitalisme-ne-sera-pas-ecologique-2.jpg?1689249367' width='500' height='333' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Im zeitgen&#246;ssischen politischen Diskurs ist die &#214;kologie allgegenw&#228;rtig geworden: Energiewende, gr&#252;ner Kapitalismus, &#246;kofreundlicher Reformismus&#8230; Doch grundlegend &#228;ndert sich nichts, die geringen erreichten Fortschritte verschieben die kommenden Gefahren kaum, denn die Unvereinbarkeit zwischen &#214;kologie und Kapitalismus ergibt sich nicht aus der Blindheit oder der Habgier seiner Anf&#252;hrer: Es ist viel einfacher, sie ergibt sich aus dem Wesen eines solchen Systems.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Unvermeidbare Masslosigkeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die als industriell oder heute postindustriell bezeichnete moderne Gesellschaft besteht aus Unternehmen, jedes davon ist ein nach Wachstum strebender Wertpol, der sich die Industriesysteme zu Diensten macht. Der Forscher kann sich f&#252;r die Entdeckung eines neuen Produktionsverfahrens begeistern und der Ingenieur mit viel Liebe einen Staudamm bauen, aber ihre Projekte werden nur Wirklichkeit, wenn sie dem Interesse der sie anstellenden Unternehmen entsprechen: ein kompetitives Produkt auf dem Markt verkaufen, Gewinne akkumulieren, sie neu investieren&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Au&#223;erdem macht die Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine fortw&#228;hrende Steigerung des in einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Notwendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als &#228;u&#223;ere Zwangsgesetze auf. Sie zwingt ihn, sein Kapital fortw&#228;hrend auszudehnen, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur vermittelst progressiver Akkumulation. [&#8230;] Akkumulation um der Akkumulation, Produktion um der Produktion willen, in dieser Formel sprach die klassische &#214;konomie den historischen Beruf der Bourgeoisperiode aus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 in MEW, Bd. 23, S. 618-621.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Beweis daf&#252;r, dass wir &lt;i&gt;allen voran&lt;/i&gt; in einer &lt;i&gt;kapitalistischen&lt;/i&gt; und nicht in einer industriellen Welt leben, ist die Tatsache, dass die industrielle Hypertrophie, die alles andere als ein autonomes Ph&#228;nomen ist, den Zw&#228;ngen der Kapitalverwertung unterworfen ist. Es ist unbedeutend, ob eine Autofabrik, eine Mine oder ein Stahlwerk noch in einem funktionalen Zustand ist: Wenn etwas nicht rentabel genug ist, wird es geschlossen. Der Bourgeois darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen und ein gleich bleibender Kapitalismus ist ein Zeichen des Niedergangs. Seit zweihundert Jahren erneuert sich &#8222;die Megamaschine&#8220; regelm&#228;ssig durch Aufbau, Selbstzerst&#246;rung, Wiederaufbau&#8230; Man kennt das Schicksal des amerikanischen Rust Belt, das &#252;brigens nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Industrie in diesen Regionen ist, es kommen immer noch 40% der Fertigwaren des Landes von dort. Techniken, Produktionssysteme und Fabrikationsstandorte ersetzen andere, die gegen&#252;ber der Konkurrenz weniger leistungsf&#228;hig sind. Schwer aufgrund seines unvermeidlichen materiellen Gewichts ist der Kapitalismus in seinen Tr&#228;umen finanziell, virtuell, digital mit Nullen und Einsen, doch er w&#252;rde nicht ohne Proletarier existieren, die Hunderte von Millionen Tonnen an Erz, Holz, Blei, Zement, Plastik transformieren &#8211; die unverzichtbar f&#252;r die Produktion jener Bildschirme sind, auf welchen die Kreditlinien vorbeihuschen.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verringerung der Produktionskosten ist eine permanente b&#252;rgerliche Priorit&#228;t: durch die Intensivierung der Arbeit der Proletarier und, falls notwendig, durch die Aufzehrung der materiellen Produktionsgrundlagen. Als unerm&#252;dlicher Erschaffer und Zerst&#246;rer, Verzehrer von Ressourcen und seit jeher Verschmutzer kennt der Kapitalismus die N&#252;chternheit definitionsgem&#228;ss nicht. Schon gegen 1800 ertrugen die Arbeiter und Anwohner die f&#252;r ihre Gesundheit sch&#228;dliche Giftigkeit der Manufakturen. Seither hat sich das Niveau der Sch&#228;dlichkeit ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ob sparsam oder verschwenderisch ist der Bourgeois nicht zwingend um seiner selbst willen profitgierig, aber er dient dieser Logik. Der einzige &#8222;vern&#252;nftige&#8220; Profit ist jener, welcher sein Unternehmen beg&#252;nstigt. Die besten sozialen oder &lt;i&gt;&#246;kologischen&lt;/i&gt; Absichten des gutm&#252;tigsten Kapitalisten bleiben sekund&#228;r, wenn die Konkurrenz tobt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wachstum&#8220; ist der Name, welcher &#8222;der Fortschritt&#8220; annimmt, wenn er auf die &#214;konomie angewandt wird. Von James Watts Dampfmaschine bis zur Elektronik des Silicon Valley ist der Glaube an den Fortschritt f&#252;r die Bourgeoisie und f&#252;r jene, die in ihrem Kielwasser schwimmen, wesentlich und notwendig, doch er wird erst zu einer materiellen Kraft, wenn er eine Einheit mit dem Imperativ der Wertakkumulation bildet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Eine Welt der Unternehmen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise entwickelt nicht nur mit einem unglaublichen Tempo ein zerst&#246;rerisches industrielles System, sondern sie wird sich auch immer dagegen str&#228;uben, f&#252;r ihre Verheerungen die Verantwortung zu &#252;bernehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die von uns bewohnte Welt kann nicht wie ein einheitliches Unternehmen verwaltet werden, das sich um die Administration der gesamten Erde und einer planetarischen Umwelt k&#252;mmern m&#252;sste, ein einziges, von nun an &#252;ber das Erbe der Menschheit herrschendes Kapital.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese globale Multinationale ist eine Utopie. Nach 1914-1918 ist Bucharin nicht der einzige, der die (gem&#228;ss ihm unwahrscheinliche) Hypothese &#8222;ein[es] vom Standpunkt des Kapitals rationelle[n] Plan[s]&#8220; vorgebracht hat, der von einer vereinigten kapitalistischen Klasse verwirklicht werden w&#252;rde. Was auch die ohnehin un&#252;berwindbaren geopolitischen Hindernisse daf&#252;r sein m&#246;gen, macht die Logik der kapitalistischen Produktionsweise einen solchen einheitlichen &#8222;Trust&#8220; strukturell unm&#246;glich. Wer (Binnen- oder Welt-)Markt sagt, sagt Konkurrenz.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als nach seiner eigenen Verwertung strebender Wertpol ist jedes Unternehmen nur f&#252;r sich selbst und &lt;i&gt;seine&lt;/i&gt; Bilanz verantwortlich. Es funktioniert wie ein Organismus mit einer Innenseite, die sich von der Aussenseite unterscheidet, aber por&#246;s ist, und es lebt von dieser Porosit&#228;t. Es gehen Investition, Rohstoffe, Lohnarbeiter, technische Installationen herein. Und es kommen Waren heraus, die Geld generieren, welches das Unternehmen integriert und akkumuliert. Mit dem Rest der Gesellschaft ist es selbstverst&#228;ndlich in permanentem Kontakt, doch, da es nur f&#252;r seine Inputs und Outputs verantwortlich ist, schuldet es niemandem in seinem Umfeld Rechenschaft. Es muss bloss das Gesetz respektieren (besonders das Arbeitsrecht &#8211; das gab es nicht immer und in vielen L&#228;ndern existiert es nur auf dem Papier) und Steuern zahlen (die es normalerweise auf ein Minimum zu reduzieren versucht). Wenn diese beiden Bedingungen einmal erf&#252;llt sind, geht es den Rest nichts mehr an: &#8222;Ich schulde der &#214;ffentlichkeit nichts&#8220;, proklamierte im 19. Jahrhundert der amerikanische Grossbourgeois J.-P. Morgan. Der Chef sorgt sich nur insofern um die Gesundheit des Lohnarbeiters und seiner Familie und seine Altersvorsorge, als dass es einen Einfluss auf die Produktivit&#228;t und die k&#252;nftige Generation der Arbeiter hat. Das Unternehmen muss sich auch nicht, solange es nicht rechtlich relevant ist, dar&#252;ber sorgen, welche negative Auswirkungen es ausserhalb seiner Mauern hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit diese &#8222;externen Kosten&#8220; ber&#252;cksichtigt werden, war es notwendig, dass die kapitalistische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit unter den durch jedes Unternehmen an seiner Umwelt verursachten Sch&#228;den zu leiden beginnt. Es wurde zu einer Dringlichkeit, die Kosten der zur Begrenzung der Erw&#228;rmung notwendigen Investitionen mit den eventuellen Kosten der erlittenen Verluste im Falle der Passivit&#228;t zu vergleichen. Doch die Unternehmen streben bloss danach, eine Schwelle der Reduktion der CO2-Emissionen zu erreichen, die, wie es ein Experte einr&#228;umt, &#8222;wirtschaftlich optimal&#8220; ist.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie ist weder monolithisch noch blind und es fehlt ihr nicht an Thinktanks, um ihr in der Konfrontation mit ihren Konflikten und Widerspr&#252;chen beizustehen. Sie hat jedoch &#228;usserst grosse Schwierigkeiten, hinsichtlich eines &lt;i&gt;kollektiven&lt;/i&gt; &#8222;Klasseninteresses&#8220; zu handeln, wie es die M&#252;he zeigt, die Roosevelt hatte, um den New Deal durchzusetzen: Daf&#252;r spielt der Staat eine unverzichtbare Rolle, doch er befiehlt nicht, er reglementiert und reguliert nur. Obwohl drastische Massnahmen im Kampf gegen das Klimaproblem allen Bourgeois zugutek&#228;men, wird sich jedes Unternehmen dagegen str&#228;uben, seine (direkten oder fiskalischen) Produktionskosten f&#252;r einen Nutzen zu erh&#246;hen, der allen voran f&#252;r die Gesamtheit der kapitalistischen Klasse einer w&#228;re. Individueller Profit (das Individuum ist hier erst einmal das Unternehmen) und b&#252;rgerliche Kooperation passen selten gut zueinander: So &#246;kologisch er auch sein mag, ein Chef kann es nicht riskieren, seine Kompetivit&#228;t zu reduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Finstere Zukunft&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Volumen der internationalen Schiffsfracht multipliziert mit vier bis 2050, Verdoppelung des Luftverkehrs in den n&#228;chsten Jahrzehnten (&#8222;Covid-Effekt&#8220; ausgenommen, aber der ist heute schwierig einzusch&#228;tzen), Explosion des Tourismus, Steigerung von 100% der globalen Kleiderproduktion seit 2000 (um den Preis eines enormen Wasserverbrauches und des massiven Einsatzes von Pestiziden), konstante Zunahme des Plastiks, Verbreitung von 5G, das sehr viel &lt;i&gt;Energie konsumiert &#8211;&lt;/i&gt; die Liste des sch&#228;dlichen Wachstums ist unendlich. Die Digitaltechnik erfordert Metalle, die mittels einer Industrie transformiert werden, die sehr durstig nach Energie ist, ihre Nutzung absorbiert zwischen 7 und 10% der weltweiten Elektrizit&#228;t (die Zahlen variieren, doch die Steigerung beschleunigt sich) und es scheint erwiesen, dass die Informationstechnologien einen nicht geringeren Einfluss auf den Klimawandel haben als der Flugverkehr. &#8222;Hinsichtlich Zerst&#246;rung haben wir noch nichts gesehen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Philippe Bihouix.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Und die Covid-19-Krise wird an dieser Tendenz nichts &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Elektromobilit&#228;t wird zu neuen Komplikationen und keiner Erleichterung in der Ausbeutung der nat&#252;rlichen Ressourcen und ihren Folgen f&#252;hren, sei es nur durch ein zunehmendes Zur&#252;ckgreifen auf seltene Metalle, deren Extraktion und Raffination sehr verschmutzende Prozesse erfordert. Was soll&#8216;s! Das &#8222;Benzin- oder Dieselfahrzeug&#8220; ist obsolet, die Entwicklung hin zum elektrischen Betrieb scheint gesichert und Irland br&#252;stet sich mit der Erreichung der &#8222;Kohlenstoffneutralit&#228;t&#8220; im Jahr 2050 dank ein oder zwei Millionen Elektroautos. Alles h&#228;ngt davon ab, wie man z&#228;hlt: Wenn man die Totalit&#228;t des Ausstosses von Treibhausgasen &lt;i&gt;vor&lt;/i&gt; der Produktion und &lt;i&gt;nach&lt;/i&gt; der Nutzung nicht ber&#252;cksichtigt, ist der Fahrer eines Tesla berechtigt, sich &#246;kologisch zu nennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fortbewegung ist eine Notwendigkeit und ein Vergn&#252;gen f&#252;r den Menschen, doch der Kapitalismus macht aus der &lt;i&gt;Mobilit&#228;t&lt;/i&gt; ein spezifisches Bed&#252;rfnis und Konzept. Alles muss zirkulieren, in der Produktion und ausserhalb von ihr, bei der Arbeit und ausserhalb von ihr. Die individuelle Mobilit&#228;t, das bedeutet, &#8222;meine&#8220; Musik jederzeit h&#246;ren zu k&#246;nnen, beim Laufen auf der Strasse, im Bus, beim Warten auf einen Freund &#8211; dank einem tragbaren Apparat, der sich mit mir fortbewegt. Es ist auch die Freiheit, in einem individuellen Fahrzeug zu fahren: Eine Gesellschaft von in &lt;i&gt;Familien&lt;/i&gt; (die sich nat&#252;rlich von jenen damals unterscheiden) organisierten &lt;i&gt;Individuen&lt;/i&gt; privilegiert das individuelle oder Familienfahrzeug. Mit oder ohne &#8222;Nullemissionsbus&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Nachhaltigkeit widerspricht einer Obsoleszenz, die Teil der Funktionsweise und des Gebrauchs der Gegenst&#228;nde ist, besonders der elektronischen. Wiederverwertung, Teilen, Zugang ohne Eigentum, Recycling, Genossenschaftswerkst&#228;tten, Tausch usw. werden von Leuten verteidigt, die in der Regel kein Problem mit der Durchsetzung &#8222;der Glasfaser&#8220; haben. Auf 4G muss ein f&#252;nftes folgen, es ist unerl&#228;sslich f&#252;r die Welle der in Netzwerken miteinander verbundenen Kommunikationsobjekten, des &lt;i&gt;cloud computing&lt;/i&gt;, in der &lt;i&gt;domotisierten&lt;/i&gt; Umwelt einer &#8222;intelligenten&#8220; Stadt. In der Zwischenzeit warten wir auf 6G. Und jene, welche diese Entwicklung kritisieren, tun es allen voran aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit &lt;i&gt;oder ihrer &#246;kologischen Kosten&lt;/i&gt;, selten wegen der Gr&#252;nde ihres Gebrauchs, des von ihr erf&#252;llten und unterhaltenen Bed&#252;rfnisses: Mit allen jederzeit innerhalb einer Sekunde verbunden zu sein. Eine Technologie, die dem Bed&#252;rfnis der Sozialisierung eines &#8222;modernen Menschen&#8220; entspricht, der so individualisiert ist wie nie zuvor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Folglich glaubt niemand ernsthaft, dass in den n&#228;chsten Jahrzehnten eine um die H&#228;lfte oder ein Drittel reduzierte Flotte von Containerschiffen f&#252;nf- oder zehnmal weniger iPhones, Corrolas, Playmobil und Nikes als heute transportieren wird. Die vermeintliche oder erwiesene h&#246;here Produktivit&#228;t der Windkraftwerke im Vergleich zu den Atomkraftwerken verhindert die Entwicklung der Infrastrukturen f&#252;r fossile Energie, den Bau neuer Pipelines, Umgehungsstrassen und Autobahnen hier und dort nicht, auch nicht jener von Kohlekraftwerken, genauso wenig wie sie die zunehmende Plastikproduktion bremst, dessen Konsum sich in f&#252;nfzehn Jahren verdoppelt hat und der mehrheitlich ein Produkt der Petrochemie ist. Wenn auch, wie es wahrscheinlich ist, die Sonnen- und Windkraft in einigen Jahren g&#252;nstiger werden als die fossilen Brennstoffe, &#228;ndert der unleugbare Aufstieg des Marktes der erneuerbaren Energien kaum etwas an der Klimasituation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen &#8222;der Eingrenzung&#8220; (die Hoffnung, die Erw&#228;rmung sp&#252;rbar zu bremsen) und der Anpassung an eine Zukunft, auf deren Beeinflussung man verzichtet, ist die zweite Option priorit&#228;r.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die herrschende Klasse ist unf&#228;hig, die Zukunft vorzubereiten &#8211; sogar ihre eigene &#8211;, weder kurz- noch langfristig. Roosevelt fand &#8211; auf seine Art und Weise, aber es gab auch andere &#8211; Antworten auf die Probleme seiner Zeit, im besten Falle mit einem Horizont von zwei Jahrzehnten, doch weder 1932 noch 1944 befasste er sich mit dem Jahr 2000 oder 2050. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts, unvorhersehbar f&#252;r Marx 1883 wie auch f&#252;r Rosa Luxemburg 1919, zeigt, dass die Bourgeoisies der verschiedenen L&#228;nder nie die Zukunft antizipierten, weder ihre technischen und gesellschaftlichen Fortschritte, noch ihre Katastrophen. Krieg 1914, Krise 1929, Nazismus, Krieg 1939-1945, Stalinismus &#8211; all das wurde und wird immer noch von herrschenden Denkern vergangenen Irrungen, dem Versagen, Widersinnigkeiten, Krankheiten der Menschheit, gewissermassen, zugeschrieben, und nicht dem mutmasslich stets verbesserungsf&#228;higen Wesen des Kapitalismus. Das gleiche gilt in Anbetracht der Klimakrise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Welche Krise?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Obwohl der Kapitalismus nach 1980 tats&#228;chlich einen neuen Aufschwung erlebte, war sein Sieg nicht das, was man glaubt.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Die aktuelle Krise zeigt, dass der Boom am Ende des Jahrhunderts keine Antwort auf die Probleme der 1970er Jahre lieferte: &#220;berkapazit&#228;t, &#220;berproduktion, &#220;berakkumulation und Fall der Rentabilit&#228;t. Die Produktivit&#228;tsgewinne stiegen in den 1990er Jahren dank der Digitalisierung, der Eliminierung der wenig rentablen Industriesektoren und der Investition in Fabriken mit tiefen Arbeitskosten in Asien wieder an, besonders in den USA. Aber, obwohl es die Allianz zwischen Computer und Container schafft, die Arbeit zu komprimieren und zu transferieren, ber&#252;hrt sie den Fall der Profite nur oberfl&#228;chlich. Die Schw&#228;chen der 1970er Jahre sind vierzig Jahre sp&#228;ter immer noch pr&#228;sent, sie werden kaschiert durch die Profite einer Minderheit von Firmen (die man fr&#252;her als Monopole oder Oligopole qualifiziert h&#228;tte) und des Finanzsektors.&#8220; Das schrieben wir 2017&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;De la crise &#224; la communisation.&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser allgemeinen Situation eines Rentabilit&#228;tsdefizits w&#252;rden die f&#252;r &#8222;die Eingrenzung&#8220; unvermeidlichen Investitionen, wenn man davon ausgeht, dass sie get&#228;tigt werden, die gegenw&#228;rtige Krise verschlimmern, trotz den Gewinnen f&#252;r einen Teil der Bourgeoisie. Die auf dem Spiel stehenden Betr&#228;ge w&#228;ren unvergleichbar mit jenen, welche 2008 zur Unterst&#252;tzung der Banken mobilisiert wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Tausend Milliarden f&#252;r das Klima&#8220;, empfehlen Jean Jouzel und Pierre Larrouturou&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pour &#233;viter le chaos climatique et financier, Seuil, 2017.&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sie wollen aufzeigen, dass eine notwendige gr&#252;ne Politik nicht nur m&#246;glich, sondern sozial g&#252;nstig (eine Million neue Arbeitspl&#228;tze, Verbesserung der &#246;ffentlichen Dienste) und, noch ein Vorteil, gut f&#252;r die Wirtschaft und die Kompetivit&#228;t des Landes &#8211; und Europas &#8211; w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit traut man der kapitalistischen Produktionsweise mehr zu, als sie tun will und kann. In naher Zukunft wird es nicht mehr gr&#252;nen denn sozialen Keynesianismus geben. Erwarten wir nicht eine Mobilisierung aller Ressourcen wie jene der USA nach Pearl Harbor, als ein enormer Anteil des Budgets die Aufr&#252;stung finanzierte, der Bundesstaat verwaltete die Produktion von Flugzeugen und Munition, requirierte private G&#252;ter und erlegte dem Kapital und der Arbeit Vertr&#228;ge auf. In weniger als einem Jahr war die Industrie wie nie zuvor umorientiert, Chrysler stellte Flugzeugr&#252;mpfe her, Ford Bombenflugzeuge, General Motors Panzer usw. Die Reduktion von 5 oder 10% der Treibhausgase &lt;i&gt;pro Jahr&lt;/i&gt; w&#252;rde eine unvergleichbare Bem&#252;hung voraussetzen, eine Zentralisierung der Entscheidungsgewalt, ein &#8222;Ministerium f&#252;r einen &#220;bergang hin zu einer Zukunft mit geringer Kohleintensit&#228;t&#8220;, die &#8222;eine Planwirtschaft f&#252;r Energie&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andreas Malm.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verwalten w&#252;rde, die, dar&#252;ber hinaus, den nationalen Rahmen &#252;bersteigen w&#252;rde, sonst w&#228;re sie ineffizient. Es gen&#252;gt, diese Bedingungen aufzuz&#228;hlen, um festzustellen, dass sie nicht verwirklichbar sind. Die Alliierten mobilisierten 1941 gegen Deutschland und Japan. Nach Pearl Harbor war es f&#252;r das amerikanische Big Business inakzeptabel, den Japanern die Kontrolle &#252;ber den Pazifik und Territorien mit wertvollen wirtschaftlichen und mineralischen Ressourcen zu &#252;berlassen. Die Bedrohung war pr&#228;zis und ihre Folgen unmittelbar konkret.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Achtzig Jahre sp&#228;ter wird der amerikanische, europ&#228;ische, chinesische oder &#8222;globalisierte&#8220; Kapitalismus dem CO2 nicht den Krieg erkl&#228;ren. Die kapitalistische &#214;konomie funktioniert zur Befriedigung des Kapitalertrags: Der &#8222;Klimanotstand&#8220; ist f&#252;r sie nicht dringender als die Arbeitsbeschaffung f&#252;r Millionen von Arbeitslosen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der anderen Seite des Atlantiks k&#228;mpft eine Str&#246;mung der Demokratischen Partei, die f&#252;r diverse Nichtregierungsorganisationen spricht, f&#252;r einen Green New Deal und verlangt, dass die USA bis 2030 ein Stromnetz aufbauen, das zu 100% dank erneuerbarer Energien funktioniert, und in grossem Stil gr&#252;ne Infrastrukturen bauen. Dieser &#8222;neue&#8220; New Deal vergisst, dass es den Druck der Krise von 1929 und eine Streikwelle mit Fabrikbesetzungen brauchte, um Roosevelt die Mittel zu geben, der Bourgeoisie gewisse Zw&#228;nge aufzuerlegen: die Beschr&#228;nkung des Gewichts der Finanz und die Akzeptanz gewerkschaftlicher Pr&#228;senz in den Unternehmen. Doch man wird die Kapitalisten nicht dazu zwingen k&#246;nnen, in Anbetracht &lt;i&gt;der Konkurrenz&lt;/i&gt; auf die maximale Produktivit&#228;t zu verzichten, denn hier geht es nicht mehr um das (verhandelbare) Verh&#228;ltnis zwischen Lohn und Profit, sondern um die Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise. Eine &#8222;&#214;kologisierung&#8220; der Welt ist politisch unm&#246;glich, weil sie nicht rentabel w&#228;re. Freilich wird in den USA und anderswo ein Teil dieser grossen Programme umgesetzt werden. Aber werden es die Klimabewussten viel besser machen als die Klimaskeptiker &#224; la Trump? Man sucht vergeblich nach der ambiti&#246;sen gr&#252;nen Politik Obamas, der es 2014 &lt;i&gt;begr&#252;sste&lt;/i&gt;, dass sein Land zum weltweiten f&#252;hrenden Erd&#246;lproduzent geworden war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist legitim, die Frage zu stellen, welche b&#252;rgerlichen &#8222;Fraktionen&#8220; ein Interesse an einem gr&#252;nen Kapitalismus haben: Die Erd&#246;lfraktion wiegt immer noch schwer; andere Sektoren, die von einem &#8222;gr&#252;nen Kapitalismus&#8220; abh&#228;ngig sind, befinden sich auf einem aufsteigenden Ast. Die Frage ist jedoch nicht, wann die kapitalistische Produktionsweise damit aufh&#246;ren wird, den nat&#252;rlichen Gleichgewichten zu schaden &#8211; sie ist dazu unf&#228;hig &#8211;, sondern ob sie das &lt;i&gt;f&#252;r den Fortbestand der Bourgeoisie notwendige&lt;/i&gt; gesellschaftliche und politische Gleichgewicht aufrechterhalten oder wieder herstellen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., November 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, 22. Kap., &#167; 3.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Malm, &lt;a href=&#034;http://revueperiode.net/capital-fossile-vers-une-autre-histoire-du-changement-climatique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capital fossile: vers une autre histoire du changement climatique&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr dokumentierter Artikel. Unsere Episode 05 wird auf Malm und seine These eines &#8222;fossilen Kapitalismus&#8220; zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Philippe Bihouix, &lt;i&gt;Le &lt;/i&gt;&lt;i&gt;B&lt;/i&gt;&lt;i&gt;onheur &#233;tait pour demain&lt;/i&gt;, Seuil, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3053&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode03&#034;&gt;Episode 03: Die &#214;kologie &#8211; und die Bourgeoisie&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_17 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko3.jpg?1689249655' width='500' height='413' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Obwohl eine Minderheit der politischen Anf&#252;hrer dieser Welt ihre &#8222;Klimaskepsis&#8220; zur Schau tragen, verstehen sich die meisten als &#246;kologisch: in der UNO, im Vatikan, in Davos, an der Universit&#228;t genau wie in den rechten Medien &#8211; und sogar bei einigen Tendenzen der extremen Rechten &#8211; in der extremen Linken &#8211; alle sind sie &#246;kologisch. Die &#214;kologie geh&#246;rt zur herrschenden Ideologie im 21. Jahrhundert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;) Whistleblower und Konsens&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Westeuropa hatte 1961 einen Organismus ins Leben gerufen, der mit der F&#246;rderung des Marktes, der Produktivit&#228;t und des Liberalismus beauftragt war und dem sich danach die USA und Japan angeschlossen haben: die OECD.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der vom Club of Rome in Auftrag gegebene &#8222;Meadows-Bericht&#8220;, der ein breites Spektrum der wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Eliten des Westens repr&#228;sentierte, hob 1972 deutlich die Folgen einer zunehmenden (und unvermeidlichen) Diskrepanz zwischen demographischem Wachstum und Abnahme verf&#252;gbarer Ressourcen hervor. &lt;i&gt;Die Grenzen des Wachstums&lt;/i&gt; war ein weltweiter Bestseller.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gr&#252;ndung eines &#246;kologischen Reflexionsorgans 1988, des Zwischenstaatlichen Ausschusses f&#252;r Klima&#228;nderungen (IPCC), markiert einen Perspektivenwechsel. Die priorit&#228;re Bef&#252;rchtung ist nicht mehr &lt;i&gt;der Mangel&lt;/i&gt; an (besonders fossilen) Ressourcen, sondern die Tatsache, dass man &lt;i&gt;zu viel&lt;/i&gt; abbaut und die f&#252;r die Natur genau wie f&#252;r den Fortbestand der kapitalistischen Welt notwendigen Gleichgewichte gef&#228;hrdet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicholas Stern, ehemaliger Vizepr&#228;sident der Weltbank, warnte 2006: &#8222;Wenn die Individuen nicht f&#252;r die Folgen ihrer Handlungen bezahlen, haben wir es mit einem Marktversagen zu tun.&#8220; Es w&#228;re notwendig, dass die Unternehmen und jeder von uns jetzt ein bisschen mehr bezahlen, um nicht bald viel mehr bezahlen zu m&#252;ssen: Stern sch&#228;tzte die Kosten der Passivit&#228;t gegen&#252;ber dem Klimawandel auf zwischen 5 und 20% des j&#228;hrlichen weltweiten BIP, statt nur 1% wenn wir heute reagieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jene der vorhergehenden Berichte sind die Berechnungen von Stern umstritten, aber die Bourgeoisie hat den Denkzettel zur Kenntnis genommen. Das Big Business ist nicht mehr blind in Anbetracht einer Klimakrise, die es mit einem neuen Wachstum zu regeln hofft, das sich von jenem der &#8222;dreissig glorreichen Jahre&#8220; unterscheidet, da es &#8222;&#246;koverantwortlich&#8220; w&#228;re, die Technologie von morgen soll die Sch&#228;den von jener von gestern beheben. Die Bourgeois geben zu, dass die kapitalistische Produktionsweise ein Problem darstellt &#8211; unter der Bedingung, dass sie auch als die L&#246;sung betrachtet wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Kommodifizieren um zu sch&#252;tzen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sterns Argumentation entspricht der kapitalistischen Logik: Die Unternehmen stossen Kohlenstoff aus, weil es sie nichts oder zu wenig kostet, sorgen wir also daf&#252;r, dass sie verh&#228;ltnism&#228;ssig daf&#252;r bezahlen m&#252;ssen, und sie werden viel weniger davon ausstossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles wie gehabt: Wenn die Kommodifizierung der Welt dazu tendiert, alles zu umfassen, kann sich der (heilende oder pr&#228;ventive) Kampf gegen die Verschmutzung ihr nicht entziehen. Der Kapitalismus macht aus fast allem einen Profit: Die Entgiftung ist die Antwort auf ein zahlungskr&#228;ftiges Bed&#252;rfnis, wird zu einer rentablen Aktivit&#228;t und Reformer wie Stern beurteilen es als logisch und vern&#252;nftig, aus dem &#8222;Recht auf Verschmutzung&#8220; eine Ware im Rahmen der &#8222;Kohlenstoffb&#246;rse&#8220; zu machen. In der Praxis erh&#228;lt oder kauft jedes Unternehmen austauschbare Quoten: Wenn es seine Emissionen reduziert, kann es seinen Quoten&#252;berschuss anderen Unternehmen verkaufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem gleichen Modell spielt man mit dem Gedanken, jeden von uns mit einer &#8222;Kohlenstoffkarte&#8220; auszustatten (heute freiwillig, morgen obligatorisch), die jedem eine individuelle j&#228;hrliche Kreditquote einr&#228;umt, von der bei gewissen Eink&#228;ufen abgezogen wird, hier auch mit der M&#246;glichkeit, die ausgegebenen oder eingesparten Kredite zu kaufen oder verkaufen. Die Verschmutzung w&#252;rde monetarisiert werden und ihre negative Auswirkung in &#246;ffentlichen oder privaten Buchhaltungen eingetragen, wie es schon in den Bilanzen der Unternehmen der Fall ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von Anfang an strebte die kapitalistische Produktionsweise nach jener &#8222;nachhaltigen Entwicklung&#8220;, die ihr entspricht, und ihre nat&#252;rliche Neigung ist es, die Fehler des Marktes durch den Markt selbst zu korrigieren: Heutzutage wird das Unternehmen durch Besteuerung tugendhaft gemacht, wenn es zu viel Kohlenstoff produziert, oder belohnt, wenn es wenig genug davon produziert. Der Kapitalismus ist und wird &#8222;wirtschaftlich&#8220; sein, wie er es immer war. Wenn die Europ&#228;ische Union den Erfolg ihres &#8222;Emissionshandelssystems&#8220; anpreist und f&#252;r 2020 eine Reduktion von 21% der Kohlenstoffemissionen durch die 31 betroffenen L&#228;nder im Vergleich zu 2005 ank&#252;ndigt, ist die Zahl wahrscheinlich anfechtbar, nicht aber die Realit&#228;t eines gewissen &#8222;Fortschrittes&#8220;. Doch wenn sich weltweit betrachtet der Treibhauseffekt &lt;i&gt;verst&#228;rkt&lt;/i&gt;, dann sind diese Fortschritte dem Problem nicht gewachsen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Wie viel ist ein Ozean wert?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die systematische Quantifizierung ergibt sich aus dem Produktivit&#228;tsimperativ. F&#252;hrungskr&#228;fte von Google erkl&#228;ren, dass sie ihr Unternehmen &#8222;auf der Wissenschaft der Vermessung&#8220; gegr&#252;ndet haben und sich anstrengen, &#8222;alles zu quantifizieren&#8220;. Was neu daran ist, ist die Tatsache, dass bis anhin vernachl&#228;ssigte Parameter in finanzielle Rentabilit&#228;tsberechnungen einbezogen werden, menschliche, nat&#252;rliche und sogar soziale Faktoren, aber &lt;i&gt;auch sie&lt;/i&gt; reduziert auf Zahlen. Im Kapitalismus ist es logischerweise zu ihrem Schutz das beste Mittel, den Ozeanen einen Marktwert zu geben, indem ihre Ressourcen rational ausgebeutet werden, ohne sie aufzubrauchen. Wenn der World Wildlife Fund die &#8222;ozeanische Schatzkammer&#8220; auf 24&#8216;000 Milliarden Dollar sch&#228;tzt und bekr&#228;ftigt, dass ein Bruttomeeresprodukt, das nach dem Modell der nationalen BIP berechnet wird, aus den Ozeanen die siebte Weltwirtschaft mit einer j&#228;hrlichen Produktion von G&#252;tern und Dienstleistungen von 2&#8216;500 Milliarden machen w&#252;rde (das franz&#246;sische BIP war ungef&#228;hr 2&#8216;800 Milliarden 2018), ist das jene Art von Diskurs, den die Kapitalisten verstehen. Es w&#252;rde gen&#252;gen, die Lagunen, W&#228;lder, Korallenriffe oder Mangroven als Produktionsfaktoren zu z&#228;hlen, und sie in die buchhalterischen Kosten der Unternehmen und Staaten zu integrieren, um ihre Einsparung obligatorisch zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob und inwiefern dieser Diskurs Realit&#228;t wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Quantifizierung des Qualitativen, das ist die kapitalistische Produktionsweise und das ist &#8222;der Wert&#8220;: Alles wird auf ein gemeinsames Element, auf eine gemeinsame Angabe reduziert, sie ist messbar da gemeinsam. Was nicht gez&#228;hlt werden kann, z&#228;hlt nicht, und was im Gegenteil gemessen werden kann, verbessert sich, erkl&#228;rt uns ein Berater in einem Artikel, von dem man uns in Kenntnis setzt, dass er in drei Minuten gelesen werden kann. Alles muss also auf ein z&#228;hlbares Verh&#228;ltnis Kosten/Gewinn reduziert werden k&#246;nnen. Bhutan misst das Bruttonationalgl&#252;ck; die UNO die &lt;i&gt;world happiness&lt;/i&gt;; und der Tod misst sich in Dollar. Die Weltbank und die Wiederversicherer sind alarmiert aufgrund der durch den Klimawandel verschlimmerten Naturkatastrophen, die scheinbar zwischen 1980 und 2012 2.5 Millionen Personen &#8222;gekostet&#8220; haben, sprich 3&#8216;8000 Milliarden Dollar (berechnet den Preis eines menschlichen Wesens).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Das Wunder der Technik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Komplettierung der &#214;konomie mit der &#214;kologie, die Kompensierung der Mangel ersterer mit letzterer, daf&#252;r reicht es, den Planeten mit einer Produktionsmaschine zu vergleichen und ihn wie einen Motoren mit &#220;berdrehzahl zu reparieren. Es mangelt nicht an technologischen &#8222;Tricks&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch Spiegel im Weltraum erhoffen sich Geoingenieure eine Regulierung der Menge an Sonnenw&#228;rme, welche die Erde erreicht. Andere glauben, dass sie durch Wasserkatalyse Wasserstoff produzieren k&#246;nnten, durch Brutreaktoren mehr Energie fabrizieren, als sie konsumieren, oder durch Biotreibstoff, jedoch nicht mehr von Randen oder Palm&#246;l, sondern von Algen. Man experimentiert auch mit der Vergrabung und der Lagerung von CO2 in den Tiefen der Erde, eine einfache Art, das Problem zu begraben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#214;komodernismus (der auch Post&#246;kologismus genannt wird), das ist z.B. das Breakthrough Institute (das &#8222;Institut des Durchbruches&#8220;, gegr&#252;ndet 2007), F&#246;rderer einer sicheren und g&#252;nstigen Atomenergie und einer industriellen Landwirtschaft, die einzige L&#246;sung, um 10 Milliarden Menschen zu ern&#228;hren. Die &#214;kologie hat ihre pronukleare Randgruppe, sie argumentiert, es handle sich um eine &#8222;saubere&#8220; Energie: Bewaffnet mit Zahlen behaupten ihre Anh&#228;nger, dass die Atomkraftwerke, sogar wenn man Tschernobyl ber&#252;cksichtigt, letztendlich f&#252;r weniger Tote und Kranke verantwortlich sind als die Kohle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese von milliardenschweren Chefs bezahlten forschenden Zauberlehrlinge machen Lust darauf, den Aufruf der Surrealisten 1959 &#8222;die Labore zu leeren&#8220; wieder aufzugreifen. Nur ein Teil ihrer Vorschl&#228;ge wird das Licht der Welt erblicken, aber ein Teil davon wird verwirklicht werden, sie werden die Wissenschaftsreligion und den Glauben an die technische Allmacht n&#228;hren, sie sind umso beeindruckender, als dass ihre &#8222;Heldentaten&#8220; &#252;ber das Verst&#228;ndnis der Normalsterblichen hinausgehen. Vor einigen Jahrtausenden hatten Zehntausende Fellachen, die jedes Jahr eingezogen wurden, um die Pyramiden zu bauen, ein gewisses Verst&#228;ndnis der Bauvorg&#228;nge. F&#252;r den modernen Menschen ist die &#8222;elektronische Platine&#8220; seines K&#252;hlschrankes ein unzug&#228;ngliches Mysterium.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Energie, das magische Wort&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anstelle der &lt;i&gt;Energiekrise&lt;/i&gt; suggeriert &#8222;Energiewende&#8220; eine Situation, die man dabei ist, in den Griff zu bekommen. Jede Woche k&#252;ndigt man uns eine neue Technik an, die den Ausstoss von Treibhausgasen ein bisschen reduziert. Weil es an Erd&#246;l (das heute immer noch einen Drittel der weltweiten Energieproduktion garantiert, vor der Kohle) bald mangeln oder es teurer werden wird, bewegen wir uns nun in Richtung Sonnenenergie, Windkraft oder anderer &#8222;erneuerbarer&#8220; Energien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst einmal schliesst diese &#8222;Energiewende&#8220; nicht endg&#252;ltig mit der Atomkraft ab, sie bleibt unbedeutend in gewissen L&#228;ndern (USA), in anderen ist sie zur&#252;ckgegangen (Deutschland), doch sie bleibt vorherrschend in Frankreich und entwickelt sich in China. Zudem ist es falsch, zu behaupten, dass die Menschheit, nachdem sie vom Holz zur Kohle, dann von der Kohle zum Erd&#246;l und der Atomkraft &#252;bergegangen war, heutzutage graduell auf Brennstoffen zugunsten gr&#252;ner Energie verzichten w&#252;rde. Die Energiequellen summieren und komplettieren sich eher, als dass die einen die anderen ersetzen w&#252;rden. Betreffend der Elektrizit&#228;t kam 2018 64% der weltweiten Produktion von fossilen Brennstoffen, 10% von der Atomkraft und 26% von erneuerbaren Energien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nun mit allen Tugenden geschm&#252;ckten erneuerbaren Energien nehmen proportional st&#228;ndig zu, aber in viel zu ungen&#252;gendem Ausmass, um uns schon geschehene und vorhersehbare &#246;kologische Sch&#228;den zu ersparen. Der Durst nach Energie ist dermassen gross, dass man fossile Brennstoffe benutzen muss, um die nur zeitweise funktionierenden erneuerbaren Energien (25% bis 45% der Zeit f&#252;r die Sonnenenergie und die Windkraft) zu komplettieren. Schlimmer noch, die &#8222;Energieeinsparungen&#8220; (Amazon engagiert sich, bis 2040 die &#8222;Kohlenstoffneutralit&#228;t&#8220; zu erreichen) n&#228;hren einen &#8222;Wachstum&#8220;, der verschlimmert, was sie l&#246;sen sollten: industrielle Hypetrophie (die Agroindustrie eingeschlossen), beschleunigte Urbanisierung, gimmickhafter Lebensstil und unaufh&#246;rliche Mobilit&#228;t. Man legt immer die Vorteile und Nachteile von Massnahmen auf die Waage, die unf&#228;hig sind, das Klimadrama substanziell zu l&#246;sen, nur selten hinterfragt man das &lt;i&gt;Bed&#252;rfnis&lt;/i&gt; nach Energie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Elektrizit&#228;t ist durch ihre Fluidit&#228;t eines Gesellschaftssystems bemerkenswert ad&#228;quat, das von der optimalen Produktion und der maximalen Wertzirkulation beherrscht wird, und die Produktion von Elektrizit&#228;t hat sich zwischen 1973 und 2016 mehr als verdreifacht (der Energiekonsum in all seinen verschiedenen Formen hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt). Ausserdem ist es jene Energieform, welche am besten zu einem immer mehr verbreiteten Lebensstil passt, in reichen wie in armen L&#228;ndern und Bev&#246;lkerungen, denn man kann sie lagern und in kleinen Mengen transportieren: Heutzutage ist es in Nairobi genau so schwierig wie in Vilnius ohne Batterien und Akkus zu leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nutzlos, das Potenzial der erneuerbaren Energien der technischen Absurdit&#228;t der kapitalistischen Entscheidungen entgegenzustellen, denn die kapitalistische Produktionsweise strebt nicht nach der thermodynamisch (und noch weniger menschlich) effizientesten Technik, sondern der rentabelsten. Wenn ein Unternehmen ein Erdbeerjoghurt 9&#8216;000 km, d.h. dreizehnmal die Distanz zwischen dem Ort der Produktion und des Konsums, transportiert, dann weil es ein Interesse daran hat. Und wenn die produktivistische Landwirtschaft sieben Kalorien investiert, um eine einzige zu erhalten, dann ist das, weil diese Verschwendung f&#252;r das Agrobusiness keine ist, sondern die beste Profitquelle, die es finden konnte. Die Rentabilit&#228;tskriterien sind nicht die gleichen f&#252;r den Energiefachmann und den Chef &#8211; aber letzterer befiehlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Elektrizit&#228;t ist &#252;brigens keine Energiequelle sondern eine Energieform und man braucht schon viel davon, um sie zu produzieren. Obwohl der Anteil erneuerbarer Energie stetig ansteigt (noch bescheiden: er betr&#228;gt ungef&#228;hr einen Viertel) und die elektrischen Ger&#228;te immer weniger Energie verbrauchen, nimmt die Nutzung von Elektrizit&#228;t mit etlichen Ger&#228;ten stark zu. &#8222;Die Elektrizit&#228;t wird der Energietr&#228;ger des 21. Jahrhunderts sein&#8220;, verk&#252;ndet Total. Die Bildschirme, aber auch die Thermometer, Alarme, Kameras, Rolll&#228;den, Fernbedienungen, diverse Automatismen, &#8222;verbundene H&#228;user&#8220;, ohne zu vergessen, dass Batterien und Akkus geladen werden &#8211; mit Elektrizit&#228;t (auf eine Milliarde Afrikaner besitzt die H&#228;lfte ein Handy, obwohl 700 Millionen keinen Stromanschluss zu Hause haben). Die Energieeffizienz f&#252;hrt zu einem steigenden Konsum: &#8222;Die elektrische Zukunft&#8220;, die man uns verspricht, wird wenig Einfluss auf den Ausstoss von Kohlenstoffen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) Masslosigkeit und halbe Sachen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Projekten zur Ausweitung von Kohlekraftwerken der &#8222;neuen Generation&#8220;, die wenig verschmutzen, Solarmodulen, Windkraftwerken und Elektroautos wird ein Wort selten erw&#228;hnt: &lt;i&gt;Industrie&lt;/i&gt;, denn es w&#252;rde zu stark daran erinnern, dass all das eine schon steigende industrielle Produktion voraussetzt (und entwickelt). Man ben&#246;tigt Energie, um Metalle zu extrahieren und sie mit Lastwagen oder Z&#252;gen zu transportieren. Die &#8222;Kohlenstoffneutralit&#228;t&#8220; ist eine Utopie in einer Welt, die rastlos Stahl, Zement und Plastik zum Bau von Fabriken, Geb&#228;uden, Strassen, H&#228;fen und Flugh&#228;fen produziert und die dort zirkulierenden Ger&#228;te fabriziert. Da es zum Erhalt der Energie Energie braucht, muss produziert werden, um die Sch&#228;den der Produktion einzuholen. Zur industriellen Verschmutzung kommt die Industrie der Entgiftung hinzu und die Vervielfachung von Abf&#228;llen f&#252;hrt zur T&#228;tigkeit, die sie &#8222;verwertet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Recycling betrifft, das &#252;brigens viel weniger verbreitet ist, als gemeinhin behauptet, ist es mit der Tatsache konfrontiert, dass, je mehr die Fabrikationssysteme, die Transportmittel, die Gegenst&#228;nde oder Dienstleistungen mit technologischem Inhalt bereichert werden (ein zeitgen&#246;ssisches Auto enth&#228;lt mehrere Dutzende elektronische Geh&#228;use), desto schwieriger wird die &#8222;zirkul&#228;re Wirtschaft&#8220;, d.h. das Recycling. Viele f&#252;r die neuen Technologien genutzte Metalle sind nur zu einem kleine Prozentsatz wiederverwertbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Kompensation f&#252;r diese denaturierte Welt renaturiert man sie, indem man nat&#252;rliche CO2-Speicher erschafft: Wiederbewaldung, Wiedererschaffung von Grasland, biologischer Anbau, Wiederansiedlung von Hecken und, in der Stadt, Begr&#252;nung von D&#228;chern, Parkpl&#228;tzen und Trottoirs, der haupts&#228;chliche Effekt davon ist die Erheiterung der Stadtbewohner.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sektoren der aufsteigenden Kraft des &lt;i&gt;green business&lt;/i&gt; agieren manchmal als Rivalen der Interessen des Minen- und Erd&#246;lsektors, manchmal in Symbiose mit ihnen: Total investiert immer mehr in erneuerbare Energien. Schottland bezieht fast 80% seines Stromkonsums vom Wind und den Gezeiten, man hofft, dass sie bis 2030 50% seines gesamten Energiekonsums abdecken. Andere L&#228;nder wie D&#228;nemark entwickeln sich &#228;hnlich. Das sind viele besondere und unumstrittene F&#228;lle, die dazu berufen sind, sich zu entwickeln, doch damit sie die Gesamtheit oder sogar die Mehrheit der Welt erobern, w&#228;re es noch notwendig, dass die f&#252;r die &#8222;Begr&#252;nung&#8220; notwendigen immensen Transformationen der industriellen Infrastrukturen schlichtweg m&#246;glich sind, d.h. &lt;i&gt;rentabel&lt;/i&gt;. Zirkul&#228;re Wirtschaft, &#8222;Reparabilit&#228;t&#8220;, Recycling, regenerative Landwirtschaft, verk&#252;rzte Lieferkette, nachhaltiges und soziales Finanzwesen &#8211; das ganze Arsenal der &#8222;gesellschaftlichen (oder sozialen) Verantwortung der Unternehmung&#8220; (CSR) wird, wie es eine Beratungsfirma f&#252;r CSR gesteht, nur dann eingesetzt, wenn es zu einer Win-win-Situation f&#252;hrt, im Klartext: zu gen&#252;genden Gewinnen f&#252;r die Aktion&#228;re. Lassen wir dem neuen &#246;kologischen B&#252;rgermeister von Lyon das letzte Wort: &#8222;Die Unternehmenswelt interessiert sich heutzutage f&#252;r die &#214;kologie, weil sie erkannt hat, dass sie die Zukunft ist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie es Bordiga 1954 antizipierte, assimiliert die &#214;kologie alles mit Kapital, sie ist der Meinung, dass ein &#8222;Naturkapital&#8220; existiert und &#8222;behandelt den Planeten als Kapital&#8220; oder als &#8222;Grundeigentum der Aktiengesellschaft&#8220;, welche die menschliche Gattung sei. Es ist ein begrifflicher Widerspruch: Ein Kapital existiert, um verwertet zu werden, und es wird nur insofern gewahrt, als dass es seine Verwertung nicht behindert. Der Bourgeois praktiziert die &#214;kologie wie der Autofahrer, der zugleich auf die Bremse und das Gaspedal tritt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., Dezember 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Europ&#228;ische Kommission, &lt;a href=&#034;https://ec.europa.eu/clima/eu-action/eu-emissions-trading-system-eu-ets_de&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS)&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;WWF, &lt;a href=&#034;https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Meeresschutz - ohne Meer kein Leben&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.connaissancedesenergies.org/fiche-pedagogique/chiffres-cles-production-d-energie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Weltweite Energieproduktion 2012&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.mineralinfo.fr/ecomine/production-mondiale-delectricite-empreinte-matiere-en-transition&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La production mondiale d'&#233;lectricit&#233; : une empreinte-mati&#232;re en transition&#8220;&lt;/a&gt;, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.missionenergie.goodplanet.org/fiche/lenergie-dans-le-monde/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L'&#233;nergie dans le monde&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Malm, &lt;i&gt;Fossil Capital. The Rise of Steam Power and the Roots of Global Warming&lt;/i&gt;, Verso, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fossile Ressourcen und was nicht extrahiert werden sollte:&lt;br class='manualbr' /&gt;Michael Jakob &amp; J&#233;r&#244;me Hilaire, &lt;a href=&#034;https://www.nature.com/articles/517150a?platform=oscar&amp;draft=collection&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Unburnable Fossil-Fuel Reserves&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Nature&lt;/i&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ADEME, &lt;a href=&#034;https://www.ademe.fr/face-cachee-numerique&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La Face cach&#233;e du num&#233;rique&#8220;&lt;/a&gt;, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ADEME, &lt;a href=&#034;https://www.ademe.fr/sites/default/files/assets/documents/le-revers-de-mon-look.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le Revers de mon look&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beispiel eines reformistischen &#214;kologismus: &lt;a href=&#034;https://negawatt.org/IMG/pdf/synthese_scenario-negawatt_2017-2050.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sc&#233;nario n&#233;gaWatt 2017-2050. Dossier de synth&#232;se&#8220;&lt;/a&gt;&lt;i&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heather Rogers, &lt;i&gt;Green Gone Wrong. Dispatches from the Front Lines of Eco-Capitalism. How Our Economy is Undermining the Environmental Revolution&lt;/i&gt;, Verso, 2013. Was Heather Rogers sehr gut aufzeigt, sie betont die Abwesenheit einer solchen Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;ber die zeitgen&#246;ssische kapitalistische Krise: &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/IMG/pdf/21rupture-livre.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2017, Kapitel 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die letzten Kapital von Bruno Astarian und Robert Ferro, &lt;a href=&#034;https://editionsasymetrie.org/ouvrage/le-menage-a-trois-de-la-lutte-des-classes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;M&#233;nage &#224; trois&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Asym&#233;trie, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3098&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode04&#034;&gt;Episode 04: Scheitern der politischen &#214;kologie&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_24 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/04-echec-de-lecologie-politique-1.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/04-echec-de-lecologie-politique-1.jpg?1689259838' width='500' height='741' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie vieles trennt, haben regierungstreue Umweltsch&#252;tzer, Umweltsch&#252;tzer der kleinen Schritte, &#214;kosozialisten und radikale Umweltsch&#252;tzer eines gemeinsam. Unabh&#228;ngig davon, ob sie auf einen Ministerposten schielen, eine Genossenschaft f&#252;r solidarische Landwirtschaft gr&#252;nden, das Programm einer k&#252;nftigen &#8222;wahren Linken&#8220; schreiben oder versuchen, aus der &#214;kologie einen Hebel der gesellschaftlichen Umw&#228;lzung zu machen, stellen sie alle die &#8222;&#246;kologische Frage&#8220; ins Zentrum der gegenw&#228;rtigen Welt, als ob sie uns heute dazu verpflichten w&#252;rde, das Wesen des Kapitalismus und seiner notwendigen und m&#246;glichen Transformation neu zu definieren. Sie halten sich auch alle f&#252;r realistisch und br&#252;sten sich damit, zu agieren, ohne sich mit sch&#246;nen Worten abspeisen zu lassen.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was ist die Bilanz ihrer Aktionen seit nun zwei Jahrzehnten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Der Rad fahrende Liberalismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den USA der 1960er Jahre entwickelte sich ein bunt gemischter &#214;kologismus, beg&#252;nstigt durch den Bestseller von Rachel Carson &lt;i&gt;Der stumme Fr&#252;hling&lt;/i&gt; (1962), der die V&#246;gel t&#246;tenden Pestizide denunzierte. 1970 fand der erste &#8222;Tag der Erde&#8220; statt, eher eine offizielle Feier denn eine aktivistische Aktion. Im Namen des Konsumentenschutzes wird Ralph Nader danach viermal Kandidat f&#252;r die Pr&#228;sidentschaft sein.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich insistierte Ren&#233; Dumont, der erste Umweltsch&#252;tzer, der 1974 f&#252;r die Pr&#228;sidentschaft kandidierte, auf der Unf&#228;higkeit des kapitalistischen Systems, den Hunger, die &#220;berproduktion und den &#220;berverbrauch von Energie zu eliminieren. Gem&#228;ss ihm verl&#228;uft die gesellschaftliche Trennung nicht zwischen Bourgeois und Proletariern, sondern zwischen Konsumenten der reichen L&#228;nder und benachteiligten Massen in der Dritten Welt, welche die wahrhaften modernen Proletarier verk&#246;rpern.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 21. Jahrhundert gilt Dumont als Pionier einer guten Sache: Die &#214;kologie ist eine Selbstverst&#228;ndlichkeit und kann die einander fernsten Positionen vers&#246;hnen. In ihrem Namen kann man sowohl sehr radikale als auch sehr vers&#246;hnliche Reden halten, von links bis rechts (sogar bis zur &#8222;reaktion&#228;ren&#8220; extremen Rechten, die sich als antib&#252;rgerlich proklamiert und f&#252;r eine R&#252;ckkehr zu einer authentischen Natur wirbt, die keine Ware ist) und vom revolution&#228;rsten bis zum gem&#228;ssigsten Anarchismus (Bookchin).&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die &#246;ffentliche Meinung, die Medien und die politische Klasse wird die &#214;kologie zu einem unerl&#228;sslichen Bestandteil von jedem Diskurs &#252;ber die Welt (aber nicht einhellig: Trump war nicht der einzige Klimaskeptiker an der Spitze eines Staates). Und f&#252;r einen &#8211; sehr minorit&#228;ren &#8211; Teil, der sich als gesellschaftskritisch betrachtet, komplettiert sie einen oberfl&#228;chlichen Antikapitalismus: Man ist f&#252;r die &#214;kologie genau wie man &#8222;gegen die Finanz&#8220; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die prominentesten &#246;kologischen Organisationen hatten sich um &lt;i&gt;die Liberalen&lt;/i&gt; Bill Clinton und Al Gore geschart, Vertreter eines Welthandels, der f&#252;r den vermehrten Kohlenstoffausstoss verantwortlich ist. Die WTO, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) und das globalisierende Kapital bekamen die Unterst&#252;tzung von &#8222;Big Green&#8220;, d.h. jene der &#246;kologischen NGOs, finanziert von grossen Unternehmen und die wie sie funktionieren: Geldanlagen, Marketing, Rekrutierung von Managern mit hohen L&#246;hnen&#8230; Die deutschen Gr&#252;nen zeigen ihrerseits den franz&#246;sischen Umweltsch&#252;tzern den Weg: Jenseits des Rheins begleitet der &#8222;&#214;koreformismus&#8220; die sozialliberale Verwaltung des Kapitalismus mithilfe von B&#252;ndnissen die von Mitte-Rechts bis Mitte-Links reichen. Heizung durch Geothermie, R&#252;ckgriff auf wenig verschmutzende Verfahren und Materialien, Zunahme erneuerbarer Energien und Ausbau von Radwegen bringen die gr&#252;nen Abgeordneten dazu, die Einschr&#228;nkung der Arbeitslosengelder, der Renten und der sozialen Ausgaben zu akzeptieren&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Lob der M&#228;ssigung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da die Konfrontation mit dem Globalen unm&#246;glich scheint, sollen wir lokal handeln, verk&#252;nden uns die Anh&#228;nger des &lt;i&gt;small is possible&lt;/i&gt; wieder und wieder. F&#252;r sie hat die menschliche Gattung &#252;bertrieben, seien wir nun also weise, in kleinem Massstab, oder gar individuell: Da jeder von uns als verantwortlich f&#252;r die Klimaerw&#228;rmung betrachtet wird, erlaubt ein Online-Rechner, permanent die von unseren allt&#228;glichen Taten und Handgriffen ausgel&#246;sten Treibhausgase zu messen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ob die Produktion vom Konsum abhinge! Die Zahl von 130 Millionen monatlich verkaufter Smartphones ist beeindruckend. Aber in Frankreich waren die Fahrr&#228;der zwanzig Jahre vor 1900 von 50&#8216;000 auf eine Million angestiegen und w&#228;hrend den &#8222;Dreissig glorreichen Jahren&#8220; die Autos von zehn auf dreissig Millionen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts l&#246;sen sich Gegenst&#228;nde einander ab, deren Kauf weder durch Zwang noch durch Werbung durchgesetzt wird: Ihr Gebrauch antwortet auf ein durch den von der kapitalistischen Entwicklung der Epoche gebrachten Lebensstil kreiertes und durch die momentanen Produktionsbedingungen m&#246;glich gemachtes Bed&#252;rfnis. Auto und Bildschirm erlauben nicht nur Freiheit und Geschwindigkeit, sie sind auch Mittel der Individualisierung &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; der Sozialisation. Die Verknappung von (schon) knappen B&#246;den wird eine Auswirkung auf die gegenw&#228;rtige Omnipr&#228;senz der Touchscreens haben, doch es ist illusorisch, zu glauben, dass die Umweltkrise zu einer Bewusstwerdung f&#252;hren wird, die danach die Verhaltensweisen transformieren wird, als ob ein Schock reichen w&#252;rde, um einen Kranken zu heilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die sozialen Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre beg&#252;nstigten die Theoretisierung einer &#220;berwindung des Kapitalismus in konfusen und vielf&#228;ltigen Formen, aber allgemein mit einer Gemeinsamkeit: Die Machtergreifung der Arbeiter wurde als die L&#246;sung betrachtet. Die Ersch&#246;pfung der K&#228;mpfe dieser Epoche machte ein solches Ziel kaum konzipierbar f&#252;r die folgenden Generationen, da es an geistigen Werkzeugen mangelte, um eine Welt ohne Lohnarbeit und Geld zu denken. Allenfalls bleibt die Abschaffung des Staates in den K&#246;pfen der Radikalsten. F&#252;r viele Autoren und Aktivisten beschr&#228;nkt sich das Ende des Kapitalismus allerdings darauf, die Herrschaft der Oligarchie und der Banken zu beenden, damit wir mit mehr Demokratie und Gleichheit in allen Bereichen besser leben k&#246;nnen. (Man k&#246;nnte sagen, das sei nicht schlimm, da die Proletarier, welche die Revolution machen werden, wenig B&#252;cher lesen und keine Aktivisten sind, aber das gesellschaftliche Vorstellungsverm&#246;gen spielt in dieser Geschichte trotz allem eine Rolle.) Da man also den Kapitalismus nicht zerst&#246;ren kann, versucht man, daraus &lt;i&gt;herauszukommen&lt;/i&gt;, indem man &#8211; sehr partiell &#8211; wieder an das vorindustrielle Zeitalter anschliessen will, indem man das wegl&#228;sst, was am Hypermaschinismus offensichtlich schlecht ist (die verschmutzende Raffinerie), gleichzeitig jedoch das beh&#228;lt, was an ihm gut sei (die Informatik). Dank dem 3D-Drucker, auf Wiedersehen Metallarbeiter. Mit dem Internet braucht man kein Auto mehr. Gegen das Monopol, das Kleineigentum. Gegen die Agroindustrie, der lokale Produzent. Handgemachtes Bier statt Sk&#248;ll. Die gemeinschaftliche Werkstatt gegen die &lt;i&gt;gigafactory&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;local is beautiful&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie kann man ernsthaft daran glauben, dass die Zukunft der Welt von einer Vervielfachung individueller Handlungen abh&#228;ngt? Als ob es von jedem von uns als Konsumenten davon abhinge, f&#252;r die &#8222;gl&#252;ckliche N&#252;chternheit&#8220; zu optieren, w&#228;hrend unsere Entscheidungen nach und nicht vor den Produktionen intervenieren, die im Wesentlichen von den Kapitalbewegungen abh&#228;ngen. So sch&#228;tzt man &#8211; ein Beispiel unter anderen &#8211;, dass 70% der zwischen 1988 und 2015 ausgestossenen Treibhausgase von nur 100 Multinationalen verursacht wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Utopie ist nicht mehr, was sie einmal war. Die Produktions- und Lebensgenossenschaften der 1840er Jahre waren Ausdruck der Hoffnung, die entstehende Industriegesellschaft von innen zu besiegen, jene der Belle &#201;poque waren h&#228;ufig mit einer kr&#228;ftigen und antib&#252;rgerlichen Arbeiterbewegung verbunden. Fast zwei Jahrhunderte sp&#228;ter koexistieren die sehr rentablen Bio-Verteilketten und die bescheidenen Genossenschaften f&#252;r solidarische Landwirtschaft fast friedlich mit dem Riesen Carrefour: Es geht nur noch darum, so wenig schlecht wie m&#246;glich da zu leben, wo es der Kapitalismus erlaubt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) &#214;kosozialismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein breites Spektrum an Denkern und Gruppen m&#246;chte, dass die &#214;kologie zu einer Wiederzusammensetzung der politischen Linken beitr&#228;gt, d.h. die Parteien und Gewerkschaften verj&#252;ngt, manchmal sogar in einem marxistischen Duktus, im Sinne einer Analyse der modernen Gesellschaft als kapitalistisch und in Klassen aufgetrennt, obwohl es mehr um Gegensatz denn um Widerspruch geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Str&#246;mung wirft den Anh&#228;ngern der Regierungs&#246;kologie sowie den Vertretern der &#8222;kleinen Schritte&#8220; ihren Mangel an Koh&#228;renz vor: Da, so sagt sie, die Kapitalisten und die Reichen verantwortlich f&#252;r die Klimakrise sind, sind es sie, die man angreifen muss. &#8222;Das Problem ist das Kapital&#8220;: Doch f&#252;r die &#214;kosozialisten ist &#8222;Kapital&#8220; Synonym f&#252;r grosse industrielle und finanzielle Lobbys. Die Rettung des Planeten impliziert also, dass sie ausgeschaltet werden, damit Schluss ist mit den verschmutzenden Unternehmen, der fossilen Extraktion (oder sie zumindest betr&#228;chtlich reduziert wird), der Expansion des Agrobusiness und der Einkaufszentren, damit die &#246;ffentlichen Dienste (besonders die Transporte) wiederbelebt werden, damit eine zugleich &#8222;gerechte&#8220; als auch &#246;kologische Steuerpolitik eingef&#252;hrt wird, wom&#246;glich durch die Durchsetzung einer &#246;kologischen Rationierung, zum Beispiel durch die Begrenzung der Flugreisen, all das zur &#8222;R&#252;ckgabe des Wortes und der Entscheidungsmacht ans Volk&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zur &#8222;alten&#8220; Arbeiterbewegung setzt der &#214;kosozialismus auf eine Koordination der Kr&#228;fte, die &#252;ber die organisierte Arbeit hinausgeht: In den sogenannt reichen L&#228;ndern die Frauen, die sexuellen und &#8222;rassischen&#8220; Minderheiten, eine &#8222;f&#252;r das Klima&#8220; mobilisierbare Jugend und in jenen L&#228;ndern, welche man die Dritte Welt nannte, die indigenen V&#246;lker, die Bauernorganisationen&#8230; Die Vereinigung aller unterdr&#252;ckten Kategorien w&#252;rde ein Kr&#228;fteverh&#228;ltnis schaffen, das f&#228;hig w&#228;re, eine politische Macht aufzugleisen, die, da von nun an reell und nicht mehr formell demokratisch, einen &#246;ffentlichen Sektor im Dienste der Arbeiter und seiner Nutzer bef&#246;rdern w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das alte sozialistische Programm versprach, &#8222;die Anarchie der Produktion&#8220; mithilfe eines vergesellschafteten und geplanten Kapitalismus zu &#252;berwinden. Im 21. Jahrhundert w&#252;rde diese bez&#228;hmte und wieder in den Dienst aller gestellte Wirtschaft nicht nur von oben gesteuert (vom Staat und dem Parlament), sondern auch durch das Zusammentreffen der Volksvertreter und der B&#252;rgerkollektive (als Adjektiv ersetzt &lt;i&gt;citoyen&lt;/i&gt; h&#228;ufig das heute etwas antiquierte &lt;i&gt;populaire&lt;/i&gt;). Gegen&#252;ber der allzu jakobinischen Parole der &#8222;Nationalisierungen&#8220; bevorzugt man die &#8222;Vergesellschaftung&#8220; der Energie und des Kredits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sozialdemokratie ist tot oder sehr krank, weil sie der Verteidigung der Arbeit (der &#8222;kleinen Leute&#8220;, der Armen, jener von &#8222;unten&#8220;) entsagt und das gesamte offen b&#252;rgerliche Programm oder einen (grossen) Teil davon akzeptiert hat. Der Widerspruch des &#214;kosozialismus ist es, dieses Scheitern &#252;berwinden zu wollen (das, vom Standpunkt der herrschenden Klasse und ihrer Sprecher aus betrachtet, &lt;i&gt;ein Erfolg&lt;/i&gt; ist), indem er tiefe &#246;kologische Transformationen verspricht, die noch weniger zug&#228;nglich als die zwar gem&#228;ssigten Reformen sind, welche die verschiedenen &#8222;Linken der Linken&#8220; seit 20 oder 30 Jahren nicht durchsetzen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Aktivistische &#214;kologie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine &#246;kologische Randgruppe ist der Ansicht, dass es bereits zu sp&#228;t f&#252;r eine &#8222;nachhaltige Entwicklung&#8220; ist. In Anbetracht der Passivit&#228;t der Regierenden und der Obsoleszenz der Parteien m&#252;sste man sich von der Basis aus organisieren, indem man sich auf die Vision einer verpackten Maschine mit &#252;berhitztem Motor st&#252;tzt, die immer weniger leistungsf&#228;hig, somit immer verh&#228;ngnisvoller ist, aber (zum Gl&#252;ck) auch immer verwundbarer, also empf&#228;nglich f&#252;r einen Zusammenbruch unter dem Druck der extensiv definierten Massen. Daher kommt ein bewusst verteidigter Pragmatismus, Priorit&#228;t hat die Aktion, am besten auf der Strasse, begleitet von symbolischen, manchmal spektakul&#228;ren oder gar illegalen Taten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vertreter der &#8222;M&#228;rsche f&#252;r das Klima&#8220; halten diese Umz&#252;ge f&#252;r notwendig, sie wissen, dass sie nicht gen&#252;gen und sehen sie allen voran als Mittel zur Mobilisierung und zur Verst&#228;rkung des Drucks. Individuelle und kollektive Praktiken sollen miteinander kombiniert werden, um gesellschaftlich ins Gewicht zu fallen: Die &#8222;Waffe der Brieftasche&#8220; (Kauf von Bioprodukten) schliesst weder den R&#252;ckgriff auf die Urnen (gr&#252;n w&#228;hlen), noch die Erschaffung von &#8222;Basen&#8220; (ZAD) aus, wo ein gesellschaftlich und politisch alternatives Leben skizziert werde, das heute ein schlichtes Mittel zur Verteidigung ist, aber morgen zu einem Werkzeug f&#252;r eine antikapitalistische Offensive werden wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was diese Praktiken festigt, ist die Illusion einer Mobilisierungs- und Vereinigungskraft der &#8211; eingetretenen oder bevorstehenden &#8211; Katastrophe. Im Gegensatz zur kapitalistischen Ausbeutung, zu einem Krieg oder gar Weltkrieg oder einer schlimmen Wirtschaftskrise, ist heute die Gesamtheit der menschlichen Gattung betroffen und nicht eine oder mehrere ihrer Bestandteile (Arbeiter, Bauern, Kolonialisierte, indigene V&#246;lker, Frauen&#8230;). Die Menschheit w&#228;re also fast schon verpflichtet, zum &#8222;Subjekt&#8220; ihrer Geschichte zu werden. Die &#246;kologische Krise habe diesen Vorteil, endlich alle beherrschten Kategorien in einer &#8222;Bewegung der Bewegungen&#8220; zu vereinen (wie in &#8222;der Versammlung der Versammlungen&#8220; scheint die Wiederholung des Wortes sowohl Kraft als auch Diversit&#228;t zu garantieren). Es bliebe also nichts anderes &#252;brig, als daf&#252;r zu sorgen, dass sich die Gesamtheit der Bewohner des Planeten dessen bewusst werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit gibt es eine Vielzahl an direkten Aktionen gegen die extraktivistischen fossilen Projekte, ohne dass man von einer Konvergenz sprechen k&#246;nnte, und die von Naomi Klein gesch&#228;tzte Blockadia l&#246;st keine internationale Koordination aus. Die Widerst&#228;nde kn&#252;pfen solidarische Verbindungen, erschaffen manchmal provisorisch autonome Zonen, von welchen in der Regel eine auf die andere folgt: Wenn man einmal den Sieg errungen oder sich die Niederlage eingestanden hat, ziehen die Zadisten um in eine andere ZAD und, falls notwendig, erschaffen sie dort eine, wo ein grosses nutzloses Projekt mit viel Beton angek&#252;ndigt wird. Leider ist die Zusammenbringung &lt;i&gt;spezifischer&lt;/i&gt; K&#228;mpfe gleichbedeutend mit der Erschaffung eines Konkurrenzverh&#228;ltnisses zwischen Aktivisten jeder dieser K&#228;mpfe an einem gleichen Ort, der daraufhin zum idealen Spielfeld f&#252;r interne Rivalit&#228;ten wird, manchmal geht sogar das urspr&#252;ngliche Ziel der betreffenden ZAD vergessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vermehrung der ZAD wird genauso wenig das &#8222;Globale&#8220; blockieren wie die damals von der organisierten Arbeit (Gesellschaften zur gegenseitigen Unterst&#252;tzung, Vereine, Genossenschaften, Gewerkschaften und Parteien) erreichte Stellung den Kapitalismus zerst&#246;rte. So sehr die ZAD h&#228;ufig ein Ort positiver Konfrontationen sind, so sehr verbreitet der Zadismus die Illusion, dass die &#246;kologischen Fragen ein optimales Terrain f&#252;r eine &#8222;Kampffront&#8220; und ein Kr&#228;ftemessen mit dem Staat bieten, solange man die richtigen Kampfmethoden w&#228;hlt. Man vergisst, dass keine Dringlichkeit in sich selbst eine vereinigende und Ver&#228;nderung tragende Kraft hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politische &#214;kologie behauptet, sie w&#252;rde Ressourcen, besonders Energie, f&#252;r ein System sparen, das zur &#220;berproduktion und zum &#220;berkonsum verurteilt ist. Doch, obwohl es besser ist, fossile Energiequellen mit erneuerbaren zu ersetzen, haben letztere ihre Grenzen, besonders ihr zeitweiliges Funktionieren. Mit dem der kapitalistischen Welt inh&#228;renten Durst nach Energie muss gebrochen werden, doch dazu ist die &#214;kologie als Wissenschaft und Politik unf&#228;hig. Der Beweis daf&#252;r ist ihre Akzeptanz f&#252;r die Digitalisierung von allem, die eine Omnipr&#228;senz der Elektrizit&#228;t und die Gesamtheit ihrer Konsequenzen voraussetzt. Die politische &#214;kologie liefert ein und demselben System nur andere L&#246;sungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlussendlich ist die Bilanz, f&#252;r Leute, die sich mit ihrem Realismus br&#252;sten (und uns gerne unseren &#8222;Utopismus&#8220; vorwerfen), mager. Die reformistischen Umweltsch&#252;tzer reformieren kaum etwas und die Radikalen erhalten kaum mehr als die Gem&#228;ssigten. Die Klimasituation wird schlimmer: Der Verbleib unter einer Schwelle von 1.5&#176; oder 2&#176; C der Erw&#228;rmung w&#252;rde bis 2030 und 2050 eine Transformation der Produktionsweise und unserer Lebensweise verlangen, die heute nicht absehbar ist. Im Wettlauf zwischen Verbesserung und Verschlimmerung hat der Planet bis jetzt weitgehend verloren. Nie sprach man jedoch so viel von &#214;kologie. Politisch betrachtet ist das Scheitern offenkundig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., Januar 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rachel Carson, &lt;i&gt;Der stumme Fr&#252;hling&lt;/i&gt; (1962), C. H. Beck, 1976.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ren&#233; Dumont, &lt;i&gt;L'Utopie ou la Mort&lt;/i&gt;, Seuil, 1973.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Serge Latouche, &lt;i&gt;Vers une soci&#233;t&#233; d'abondance frugale&lt;/i&gt;, Mille et une nuits, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Serge Latouche zeigt gut die Grenzen der &#8222;nachhaltigen Entwicklung&#8220; auf, d.h. eines weniger verschmutzenden Kapitalismus, damit er l&#228;nger fortbestehen kann. Aber da Kapitalismus f&#252;r ihn Synonym f&#252;r Grenzenlosigkeit ist, geht es darum, uns Grenzen zu geben. Er bezieht sich besonders auf Beispiele von Tauschsystemen in Afrika und verteidigt einen Warenhandel, der sich nicht an der &#8222;Omnipr&#228;senz des Marktes&#8220; orientieren w&#252;rde. Auf dem Weg der M&#228;ssigung trifft er Castoriadis, den er lobend zitiert: &#8222;Als Werteinheit und Tauschmittel ist das Geld eine grosse Erfindung, eine grosse Kreation der Menschheit&#8220; und es solle nun gen&#252;gen, &#8222;die Wirtschaft wieder im Sozialen zu verankern&#8220;. Es ist eine Lobrede auf eine kleine Warenproduktion, einen Pr&#228;kapitalismus, der unf&#228;hig w&#228;re, den Kapitalismus zu geb&#228;ren, da er unter all unserer Kontrolle verbleiben w&#252;rde. Die Entwicklung des Handels in Athen und die mittelalterlichen Messen und Jahrm&#228;rkte haben allerdings zur B&#246;rse Amsterdams und zu Wall Street gef&#252;hrt. Serge Latouche glaubt, ein Problem durch &#228;hnliche Mittel l&#246;sen zu k&#246;nnen, wie jene, welche es verursacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#214;kosozialismus:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinen etlichen Varianten pr&#228;sentiert der &#214;kosozialismus zwar eine &#8222;Klassenanalyse&#8220; des &#246;kologischen Problems, seine L&#246;sung ist allerdings transversal und interklassistisch, ein breites B&#252;ndnis, das Arbeiter, gr&#252;ne Aktivisten, Frauen, V&#246;lker des S&#252;dens, Menschenrechtsaktivisten und Unterdr&#252;ckte aller Kategorien miteinander mischt (nur die &#8222;oligarchischen&#8220; 1% sind davon ausgeschlossen). Es ist das ewige Programm einer unm&#246;glichen graduellen Revolution, ausser dass sie heute &#8222;&#246;kodemokratisch&#8220; w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daniel Tanuro, &lt;i&gt;L'Impossible Capitalisme vert&lt;/i&gt;, La D&#233;couverte , 2012.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Michel Husson, &lt;i&gt;Six milliards sur la plan&#232;te : sommes-nous trop ?&lt;/i&gt;, Textuel, 2000.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Beispiel einer Konvergenz zwischen universit&#228;rem Marxismus und ehemaligen intellektuellen Kadern der KPF: Jean-Marie Harribey, &lt;a href=&#034;http://gesd.free.fr/jmhmeco.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Marxisme &#233;cologique ou &#233;cologie politique marxienne&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Dictionnaire Marx contemporain&lt;/i&gt;, PUF, &#8222;Actuel Marx confrontation&#8220;, 2001.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Homepage &lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Climate &amp; Capitalism&lt;/a&gt; (&#8222;Ecosocialism or barbarism: there is no third way&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schule des &#8222;Risses des Stoffwechsels&#8220; (von der wir in der Episode 07 erneut sprechen werden):&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paul Burkett, &lt;i&gt;Marx&#8216;s Vision of Sustainable Human Development&lt;/i&gt;, 2005.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;John Bellamy Foster, Brett Clark und Richard York, &lt;a href=&#034;http://pombo.free.fr/foster2010.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;The Ecological Rift. Capitalism's War on the Earth&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Monthly Review Press, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den &lt;a href=&#034;https://www.solidaire.org/articles/john-bellamy-foster-monthly-review-le-capitalisme-ne-pourra-jamais-etre-vert&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;politischen Vorschl&#228;gen Fosters&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Naomi Klein, &lt;i&gt;Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima&lt;/i&gt;, Frankfurt a.M., S. Fischer, 2015 [2014]. Der Titel &#8211; &lt;i&gt;Kapitalismus vs. Klima&lt;/i&gt; &#8211; greift direkt einen Kapitalismus an, dessen Ursachen in den Kapiteln 2 bis 5 beschrieben werden, aber nicht seine tiefe Logik. Obwohl scharfsinnig bez&#252;glich der Grenzen der politischen &#214;kologie und des Greenwashing vertraut Naomi Klein hingegen auf eine &#196;nderung der Haltung der Regierungen und des Big Business, falls die Massen ein bisschen &#252;berall Druck machen: Blockadia wird st&#228;rker sein als das &#8222;Globalia&#8220; der Multinationalen. F&#252;r sie genau wie f&#252;r die &#214;kosozialisten w&#228;re der Kapitalismus nicht mehr kapitalistisch, wenn er von uns allen, dem Volk, kontrolliert w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Linksaussen f&#252;hlt sich mittlerweile jede Partei oder Gruppe verpflichtet, ihrer Zeitung oder ihrem Blog eine &#246;kologische Seite beizuf&#252;gen. Ein Beispiel von Opportunismus unter hunderten: &lt;a href=&#034;http://www.pcint.org/03_LP/534/534_IV-internationale.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La IVe Internationale victime du r&#233;chauffement climatique&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Prol&#233;taire&lt;/i&gt;, September-Oktober 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was &lt;i&gt;Le Prol&#233;taire&lt;/i&gt; erkl&#228;rt, ist kein Standpunkt, der sich auf diese trotzkistische Gruppe beschr&#228;nkt. Ein grosser Teil der &#228;usseren Linken tendiert dazu, den Widerspruch Bourgeoisie/Proletariat als sekund&#228;r gegen&#252;ber jenem zwischen dem &#252;berm&#228;ssigen kapitalistischen Wachstum und den nat&#252;rlichen Grenzen zu betrachten, ein Gegensatz, der den Vorteil hat, dass er fast alle betrifft: Sowohl die Proletarier als auch die Frauen, die sexuellen Minderheiten, die Unterdr&#252;ckten aufgrund ihrer &#8222;Rasse&#8220;, die Jungen und auf allgemeine Art und Weise die V&#246;lker jener L&#228;nder, welche fr&#252;her als Dritte Welt bezeichnet wurden, sie alle sind auf die eine oder andere Weise Opfer des Klimawandels und somit geeignet daf&#252;r, f&#252;r Aktionen &#8222;f&#252;r das Klima&#8220; mobilisiert zu werden. Doch, wie es die Situationisten schrieben, &#8222;[m]an sollte aber noch die Mittel zum eigenen Opportunismus besitzen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;SI, Nr. 7, 1962.&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Tiefen&#246;kologie&#8220; ist ein Fall f&#252;r sich. Die Anh&#228;nger der &lt;i&gt;deep ecology&lt;/i&gt; werfen der klassischen und der antikapitalistischen &#214;kologie vor, die Gesamtheit des Lebens nur vom Standpunkt der menschlichen Gattung aus zu betrachten und sich nur insofern f&#252;r &#246;kologische Ungleichgewichte (der Verlust der Biodiversit&#228;t z.B.) zu interessieren, als dass sie den Menschen schaden. F&#252;r diese Str&#246;mung darf die Gesamtheit der lebenden Welt nicht als &#8222;Ressource&#8220; behandelt werden: Sie hat einen Wert, der unabh&#228;ngig von ihrer N&#252;tzlichkeit f&#252;r die menschlichen Wesen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das steht im Verh&#228;ltnis zur Idee, dass die Umweltkrise uns dazu verpflichtet, den &#8222;Gesellschaftsvertrag&#8220; der modernen Demokratie mit einem &#8222;Naturvertrag&#8220; (Michel Serres) zu ersetzen oder ihn damit zu komplettieren, ein &#8222;Parlament der Dinge&#8220; (Bruno Latour) einzusetzen und den nichtmenschlichen Wesen Rechte einzur&#228;umen, was auch ein Thema des Antispeziesmus ist, aber all das w&#252;rde zu weit gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit dieser Text nicht noch schwerf&#228;lliger wird, werden wir hier auch Gruppen wie Deep Green Resistance oder Extinction Rebellion nicht behandeln, sowohl ihre Funktionsweise als auch ihre Theorien w&#252;rden eine Kritik verdienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3121&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode05&#034;&gt;Episode 05: Vom Anthropoz&#228;n zum Kapitaloz&#228;n&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_25 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko5.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko5.jpg?1689261534' width='500' height='329' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Idee des &lt;i&gt;Anthropoz&#228;ns&lt;/i&gt; sollte die Ankunft einer Epoche ausdr&#252;cken, w&#228;hrend welcher die menschlichen T&#228;tigkeiten nunmehr alles Leben auf der Erde modifizieren. Doch die unbestreitbare Verantwortung des kapitalistischen Systems in der &#246;kologischen Krise zeigte, wie offensichtlich vereinfachend, wenn nicht schlichtweg falsch dieser Begriff war. Daher kommt der Aufstieg einer kritischen Neuheit, des Kapitaloz&#228;ns, das, obwohl es sich explizit auf einen &#8222;Kapitalismus&#8220; bezieht, letztendlich unterschl&#228;gt, was er eigentlich ist, und nur meist fade politische Perspektiven vorschl&#228;gt, die jedenfalls weit von einer sozialen und &#246;kologischen Revolution entfernt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1920er Jahren behauptet Wladimir Wernadski, dem wir schon in der ersten Episode begegnet sind, dass &#8222;mit dem Menschen gewiss eine neue geologische Kraft auf der Erdoberfl&#228;che erschienen ist&#8220;. So wie er sie konzipiert, ist die &lt;i&gt;Biosph&#228;re&lt;/i&gt;, die Einheit der Interaktionen zwischen lebenden Organismen und ihrer Umwelt, positiv, denn Wernadski glaubt, dass das Menschengeschlecht das Leben auf der Erde verbessert, vorausgesetzt, dass es sich selbst dazu in den Stand versetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entstehung einer solchen Sichtweise im bolschewistischen Russland ist kein Zufall. Schon davor gab es zahlreiche Projekte eines humanisierten Planeten, von Francis Bacon, der im 17. Jahrhundert die Wissenschaft und das Experimentieren als notwendige Werkzeuge f&#252;r den menschlichen Geist zur Aneignung der Natur betrachtete, bis zu den franz&#246;sischen Enzyklop&#228;disten und vielen anderen danach. Aber die Oktoberrevolution bietet einer Gruppe von Anf&#252;hrern den Eindruck, &#252;ber ein gesamtes Land und seine Bev&#246;lkerung zu herrschen und f&#228;hig zu sein, sowohl den Menschen als auch die Natur umzugestalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hypothese und das Wort werden damals im Westen kaum oder &#252;berhaupt nicht beachtet, man bevorzugt den Begriff &lt;i&gt;Holoz&#228;n&lt;/i&gt;, vom griechischen &lt;i&gt;holos&lt;/i&gt; (g&#228;nzlich) und &lt;i&gt;kainos&lt;/i&gt; (neu), das vor ungef&#228;hr zw&#246;lf Jahrtausenden nach der letzten grossen Eiszeit beginnt und die gesamte Epoche der menschlichen Zivilisation umfasst, seit der Erfindung der Landwirtschaft und der Entstehung der ersten Siedlungen, d.h. seit der &#8222;neolithischen Revolution&#8220;. Einer, der diesen Begriff eifrig gef&#246;rdert hat, war Gordon Childe (1882-1957), der stark vom Marxismus inspiriert war und insbesondere 1936 &lt;i&gt;Man Makes Himself&lt;/i&gt; geschrieben hat, ein Titel, der aussagekr&#228;ftiger ist als jener der franz&#246;sischen &#220;bersetzung, &lt;i&gt;L&#8216;Invention de la civilisation&lt;/i&gt; (1963).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Ein kritisches Konzept&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee des Anthropoz&#228;ns verweist ihrerseits auf einen Bruch und unterscheidet eine neue Periode: Jene, w&#228;hrend welcher die Menschen den Planeten zutiefst und in einer qualitativ neuen Art und Weise transformieren. Aber bis zu welchem Punkt? Und mit welchem Ausgangspunkt? Das Ende des Mittelalters und die grossen Entdeckungen oder aber die industrielle Revolution? Wir werden die Probleme der beiden Ans&#228;tze im n&#228;chsten Kapitel sehen. Es geht auf jeden Fall darum, die durch die Erde und die Menschheit konstituierte Gesamtheit als globales System mit Schlingen- und Schwellenwirkung und somit einer m&#246;glichen Gefahr zu denken. Die Gesellschaft stellt sich nunmehr die Frage, wie sie ihre eigenen Missetaten &#8222;reparieren&#8220; kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Anthropoz&#228;n zu sprechen, bedeutet, die Geschichte in zwei Teile zu unterteilen: Im ersten wirkte das Menschengeschlecht auf seine Umwelt ein, ohne ihre grundlegenden Gleichgewichte zu ersch&#252;ttern; im zweiten, in welchem wir leben, hat dieses Handeln die Natur derart transformiert, dass die Lebensbedingungen auf der Erde &#8211; vielleicht auf unumkehrbare Art und Weise &#8211; bedroht sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das russische Denken nach 1917 sah ein &#8222;gutes&#8220; Anthropoz&#228;n. Heute sei es das Gegenteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nobelpreistr&#228;ger Paul Josef Crutzen nannte 2002 Anthropoz&#228;n &#8222;die gegenw&#228;rtige geologische Epoche, die von den Menschen beherrscht und auf das Holoz&#228;n gefolgt ist, d.h. die gem&#228;ssigte Periode der letzten zehn oder zw&#246;lf Jahrtausende. Wir schlagen f&#252;r den Beginn des Anthropoz&#228;ns die zweite H&#228;lfte des 18. Jahrhunderts vor: W&#228;hrend dieser Periode zeigen die Daten, die aus glazialen Eisbohrkernen gewonnen wurden, den Beginn einer Zunahme der atmosph&#228;rischen Konzentrationen mehrerer &#8218;Treibhausgase&#8216;, insbesondere CO2 und CH4. Ein derartiges Anfangsdatum f&#228;llt auch zusammen mit der Einf&#252;hrung der Watt'schen Dampfmaschine im Jahre 1784.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir es in der letzten Episode gesehen haben, ist das Interesse der Theoretiker und Forscher gegen Mitte des 20. Jahrhunderts auf das Missverh&#228;ltnis zwischen der Rohstoffverknappung und dem demographischen Wachstum (oder gar der demographischen &#8222;Explosion&#8220;) und kaum auf das CO2 und die Erw&#228;rmung gerichtet. Der Gegenstand der Beunruhigung &#228;ndert sich in den 1980er Jahren (1988, Kreation des IPCC): Die Klimaver&#228;nderung wirft Fragen auf und stellt eine globale Bedrohung dar, die den gesamten Planeten betrifft, Grossm&#228;chte genau wie &#8222;Schwellen-&#8220; oder &#8222;periphere&#8220; L&#228;nder, die Regierenden m&#252;ssen sich also darum k&#252;mmern, oder zumindest dar&#252;ber sprechen. Ohne zu vergessen, f&#252;hren die Anh&#228;nger des Anthropoz&#228;ns ins Feld, dass gewisse L&#228;nder mehr Verantwortung tragen als andere. Die Idee kn&#252;pft an eine aufstrebende gr&#252;ne Bewegung an, welche die &#246;kologische Krise auf die Hyperindustrialisierung zur&#252;ckf&#252;hrt, und den &#214;kosozialismus, der darin eine Auswirkung des Kapitalismus sieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wort kommt wie gerufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Periodisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir &#8222;Wissenschaft&#8220; nennen, ist nichts anderes, als jenes Wissen, welches durch eine Epoche nach den Kriterien derselben als wissenschaftlich anerkannt wird. Die wissenschaftliche Welt funktioniert mit Kommissionen, Unterkommissionen, kollegialer Bewertung, sie ist gefangen zwischen korporatistischen (Karrieren, die gef&#246;rdert, Ver&#246;ffentlichungen, die garantiert werden m&#252;ssen, und Finanzierung, die erhalten und erneuert werden muss) und politischen Interessen: Die Klimaskeptiker werfen dem IPCC &#252;brigens vor, ein Produkt der &#220;bereinkunft zwischen Regierenden zu sein und deshalb nach Konsens zu streben. Wenn &#8222;wir&#8220; heute &#8222;offiziell in der Periode des Holoz&#228;ns, im Quart&#228;r leben, so ist das einer Reihe historischer Unf&#228;lle und Abstimmungsprozeduren einer kleinen Anzahl Geologen geschuldet&#8220; (Simon Lewis, Mark Maslin).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In weniger als 20 Jahren ist das Anthropoz&#228;n zu einem Konzept (und einer Formel) geworden, das f&#252;r eine Welt notwendig geworden ist, welche es nicht lassen kann, sich bez&#252;glich der Beschleunigung eines industriellen Wachstums, das die f&#252;r jede Gesellschaft &#8211; auch eine kapitalistische &#8211; notwendigen nat&#252;rlichen Gleichgewichte bedroht, zu hinterfragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Anthropoz&#228;n wird allerdings auch in einem anthropozentrischen Sinne von den &#214;komodernisten theoretisiert, f&#252;r sie m&#252;ssen wir jetzt in ein &#8222;gutes Anthropoz&#228;n&#8220; eintreten: Dank seiner Technologie wird der Mensch der beste Garant f&#252;r das planetarische Gleichgewicht sein. Die Wissenschaftsgl&#228;ubigkeit tankt in der &#214;kologie neue Energie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Periodisierung wirft weit mehr als nur lexikalische Fragen auf. Je nachdem, ob man einem Holoz&#228;n, der sich &#252;ber ungef&#228;hr 13&#8216;000 Jahre erstreckt, oder einem bloss einige Jahrhunderte altem Anthropoz&#228;n anh&#228;ngt, weichen die Erkl&#228;rungen f&#252;r zeitgen&#246;ssische Ph&#228;nomene voneinander ab. Aber im Rahmen des Anthropoz&#228;ns muss auch der Beginn der historischen Beschleunigung aufgrund des Kapitalismus datiert werden. Und man muss wissen, wann die kapitalistische Produktionsweise beginnt. Mit der Industriellen Revolution, wie es Paul Crutzen vertritt? Oder im 15. und 16. Jahrhundert mit den grossen Entdeckungen und dem Beginn der Kolonialisierung Amerikas durch mehrere europ&#228;ische L&#228;nder? Das Konzept &#8222;Kapital&#8220; kann viele Bedeutungen annehmen, wir werden in der n&#228;chsten Episode darauf zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) &#8222;Insz&#228;nierung&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Anthropoz&#228;n bedeutet die &#196;ra des Menschengeschlechts, doch was man als Triumph f&#252;r den Menschen h&#228;tte betrachten k&#246;nnen, erweist sich als seine schlimmste Niederlage. Nach Galileo, Darwin und Freud erleidet die Menschheit eine &#8222;neue narzisstische Kr&#228;nkung&#8220;. Ein sehr n&#252;tzliches Konzept, um die M&#228;ssigung der Regierenden als einzige L&#246;sung zu pr&#228;sentieren und jedem zu empfehlen, sich selbst einzuschr&#228;nken (ihn dabei jedoch zum Konsum zu ermuntern).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die N&#252;chternheit betrifft, ist sie nicht sprachlich. Es wimmelt von Neologismen. Gross- oder kleingeschrieben: Misanthropoz&#228;n, Sozioz&#228;n, Phagoz&#228;n (geplante Obsoleszenz), Plantationoz&#228;n, Angloz&#228;n, Thanatoz&#228;n, Plastoz&#228;n, &#214;konoz&#228;n, Technoz&#228;n, Thermoz&#228;n, Phronoz&#228;n, Homogenoz&#228;n, Polemoz&#228;n, Imperialismoz&#228;n, Nekroz&#228;n und auf Englisch &lt;i&gt;manthropocene&lt;/i&gt; (zur Betonung der patriarchalen und sexistischen Dimension) und &lt;i&gt;growthocene&lt;/i&gt; (Wachstumszwang), ohne das Chthuluz&#228;n von Donna Haraway zu vergessen (das nicht mit dem schrecklichen Cthulhu von Lovecraft verwechselt werden sollte)&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ungewissheit dar&#252;ber, was &#8222;das Anthropoz&#228;n&#8220; umfasst, f&#252;hrt dazu, dass die Definitionen sich vervielfachen, eine zieht die andere nach sich, als ob eine entschl&#252;pfende Wirklichkeit mit einem Wort festgehalten werden sollte. Statt dass man die Ursachen der Unangemessenheit des Konzepts versteht, vervielfacht man es, jede Variante theoretisiert einen besonderen Aspekt so, als ob er die Totalit&#228;t kennzeichnen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist der Widerspruch eines Begriffes, der, obwohl er den Menschen infrage stellt, ihn im Zentrum platziert und so ein vereinigtes Menschengeschlecht gegen&#252;ber der Natur zusammenbringt, eine Doppeldeutigkeit, die auf das Auftauchen der Idee in Russland vor einem Jahrhundert zur&#252;ckgeht: Die zuerst leninistische dann stalinistische UdSSR gab vor, auf dem Weg in eine klassenlose Gesellschaft zu sein, in Richtung einer mit sich selbst und der Natur vers&#246;hnten Menschheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Kritik des Konzepts&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Konzept des Anthropoz&#228;ns ausdr&#252;ckt, ist die Tatsache, dass die menschlichen Aktivit&#228;ten zu einer &#8222;geophysischen Kraft&#8220; mit der F&#228;higkeit geworden sind, den Planeten bis zu einem Punkt der Belastung der Biosph&#228;re zu transformieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber welche menschlichen Aktivit&#228;ten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche Rolle die Anh&#228;nger des Anthropoz&#228;ns dem Kapitalismus auch immer einr&#228;umen m&#246;gen, ihre Wortwahl &lt;i&gt;Anthropo&lt;/i&gt;-z&#228;n setzt die Geschichte mit einer Evolution gleich, welche die Menschheit von der &#8222;Eroberung des Feuers&#8220; vor 500&#8216;000 Jahren zum heutigen W&#228;rmekraftwerk gef&#252;hrt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn auch die menschlichen Gesellschaften nicht auf die kapitalistische Produktionsweise gewartet haben, um die Ausbeutung, die Klassen, den Staat, die Z&#252;gellosigkeit usw. zu erschaffen und zu erdulden, so gibt der Kapitalismus doch all dem eine neue Qualit&#228;t und es ist kein Zufall, dass er die Industrie, den Extraktivismus und den Produktivismus entwickelt. Er ist viel mehr und etwas anderes als eine (extreme oder letzte) Etappe in einem technologischen Fortschritt, der mit der Landwirtschaft begonnen hat (oder noch fr&#252;her mit der Domestizierung des Feuers, um nicht zu sagen mit dem Schneiden des Feuersteins) und danach mit der industriellen Eskalation verschlimmert worden ist. Das Anthropoz&#228;n macht somit aus der Menschheit einen historischen Agenten jenseits der Klassenteilungen und analysiert die Erde als kybernetische Apparatur, die lange f&#228;hig war sich selbst zu regulieren &#8211; bis sie durch die menschliche Aktivit&#228;t dereguliert worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Positionen werden namentlich 2013 im Buch &lt;i&gt;L&#8216;&#201;v&#233;nement Anthropoc&#232;ne&lt;/i&gt; von Christophe Bonneuil und Jean-Baptiste Fressoz ausgef&#252;hrt. Drei Jahre sp&#228;ter zur Neuauflage des Buches legen die Autoren Wert darauf, &#8222;das Manuskript in der Tiefe&#8220; zu &#8222;&#252;berarbeiten&#8220; und sie f&#252;gen ein Kapitel &#252;ber das &#8222;Kapitaloz&#228;n&#8220; hinzu, das &#8222;die sehr ungleiche Aneignung der &#246;kologischen Gebrauchswerte des Planeten und die gemeinsame Dynamik des Kapitalismus und der Transformationen des Erdsystems seit einem Vierteljahrtausend&#8220; untersucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Autoren haben ihre Analyse also modifiziert. Sie erkl&#228;ren, dass das Konzept des Anthropoz&#228;ns das Menschengeschlecht zu Unrecht als homogenes historisches Subjekt betrachtet. In Wirklichkeit ist der industrielle Aufbruch von einem Handelskapitalismus, der die Menschen und Ressourcen der Welt seit dem 16. Jahrhundert zugunsten der grossen europ&#228;ischen M&#228;chte ausgebeutet hat, vorbereitet worden. Deshalb verlangt das Verst&#228;ndnis dar&#252;ber, wie der menschliche Einfluss auf die Biosph&#228;re letztlich das &#220;berleben der Menschheit bedroht, die Ursache und den prinzipiellen Motor davon anzuerkennen: den Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Anthropoz&#228;n ist nun sein Rivale, der Kapitaloz&#228;n, dran, in Mode zu sein, er regt B&#252;cher und Kommentare von immer mehr, stark oder entfernt marxistisch inspirierten Radikalen an. Wir werden uns auf zwei Autoren konzentrieren, die sehr verschieden, aber repr&#228;sentativ sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst Andreas Malm, der 2009 das Wort &lt;i&gt;Kapitaloz&#228;n&lt;/i&gt; zum ersten Mal benutzt haben soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Andreas Malm oder das fossile Zeitalter&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da der Kapitalismus nun im Vordergrund steht, welche Rolle spielt er im Begriff des Kapitaloz&#228;ns?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fossiles Kapital&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund der Tatsache, dass sich der Kapitalismus mithilfe der Gewinnung fossiler Materialien aufgebaut hat und immer noch darauf basiert, setzt Andreas Malm die beiden gleich. Gewiss, sagt er, jede fossile &#214;konomie ist nicht kapitalistisch: Die UdSSR nutzte Kohle, &#214;l und Gas, war aber, gem&#228;ss ihm, nicht kapitalistisch. Jeglicher Kapitalismus ist hingegen fossil und mit dem Verschwinden der UdSSR &#8222;ist die fossile &#214;konomie inhaltsgleich mit der kapitalistischen Produktionsweise, aber jetzt weltweit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andreas Malm, &#8222;The Anthropocene Myth&#8220;.&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Malm ist nicht der erste, der das kapitalistische Wesen der UdSSR verkennt und einige werden darin eine zweitrangige Schw&#228;che in einem obsoleten Streit sehen, da das Land seit fast 30 Jahren nicht mehr existiert. Wir vertreten eher die Meinung, dass eine Unf&#228;higkeit, zu verstehen, dass das Kapital und die Lohnarbeit 1980 sowohl in Charkiw als auch in Pittsburgh &#8211; nat&#252;rlich auf verschiedene Art und Weise &#8211; herrschten, ein schlechtes Vorzeichen ist, um den Kapitalismus im Allgemeinen zu behandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In &lt;i&gt;L&#8216;Anthropoc&#232;ne contre l&#8216;histoire&lt;/i&gt; definiert Malm die fossile &#214;konomie &#8222;schlichtweg als eine autonome Wachstums&#246;konomie, die auf einem zunehmenden Konsum fossiler Brennstoffe gr&#252;ndet und somit ein anhaltendes Wachstum von Treibhausgasemissionen generiert&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erschaffung des Konzepts des fossilen Kapitals bei Malm ist widerspr&#252;chlich. Er zeigt auf &#252;berzeugende Art und Weise, inwiefern das Zur&#252;ckgreifen auf Kohle, dann auf Erd&#246;l Klassenverh&#228;ltnissen geschuldet ist, d.h. wie diese fossilen Brennstoffe in den Dienst eines Gesellschaftssystems gestellt worden sind, doch er definiert dieses System nicht ausgehend von seiner Ursache (dem Klassenverh&#228;ltnis), sondern seiner Auswirkung (der Wahl der Rohstoffe). Seine &#8222;Theorie des fossilen Kapitals&#8220; interpretiert alles ausgehend von diesem Aspekt um: &#8222;fossile &#214;konomie&#8220;, &#8222;fossile Zusammensetzung&#8220; (des Kapitals), &#8222;globalisiertes fossiles Kapital&#8220;, &#8222;fossiler Konsum&#8220;, &#8222;fossiles Subjekt&#8220;&#8230; Diese fossile &#214;konomie, ein neues Stadium des Kapitalismus, definiere ihn neu: So wie es fr&#252;her das Kupfer-, Bronze, Eisenzeitalter gegeben habe, w&#252;rden wir nun das fossile Zeitalter erleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wird das angek&#252;ndigte Ende des Erd&#246;ls in einigen Jahrzehnten eine Theorie des &#8222;nuklearen Kapitals&#8220; hervorbringen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint uns richtiger, die kapitalistische Produktionsweise durch das Verh&#228;ltnis zwischen der Arbeit und dem Kapital, die Unternehmung, die Tendenz, aus allem eine Ware zu machen, und die Akkumulation zu definieren, nicht durch ihre Abh&#228;ngigkeit von einer Energiequelle oder -form, wie wichtig sie auch sein m&#246;gen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Die drohende Katastrophe und wie man sie bek&#228;mpfen soll&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wahl dieses Titels &#8211; jener eines Artikels Lenins, der im September 1917 Geschichte schrieb &#8211; ergibt sich aus der Tatsache, dass Malm seine Inspiration in einem vom &#246;kologischen Lichte neu erhellten Leninismus findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im letzten Kapital seines beim Verlag La Fabrique herausgegebenen Buches dargelegte &#8222;revolution&#228;re Strategie&#8220; hat zum Ziel, &#8222;&lt;i&gt;Das Kommunistische Manifest&lt;/i&gt;&#8220; durch die Anf&#252;gung einer Liste von zehn dringend umzusetzenden Massnahmen &#8222;zu aktualisieren&#8220;, namentlich: die Schliessung fossiler Kraftwerke, eine komplett durch erneuerbare Energien gesicherte Energieproduktion, Begrenzung (durch gerechte Rationierung) der mit dem Flugzeug zur&#252;ckgelegten Strecken, Entwicklung kollektiver Transporte, Priorisierung lokaler Lebensmittel, Aussetzen der Entwaldung, Isolierungsplan f&#252;r Geb&#228;ude, Zerschlagung der Fleischindustrie, f&#252;r die Energiewende bestimmte &#246;ffentliche Investitionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das w&#228;re nur ein Anfang, gibt Andreas Malm zu, der aber, sagt er, wahrscheinlich mit einer Revolution gleichzusetzen w&#228;re, sowohl hinsichtlich der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse als auch der Produktivkr&#228;fte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch in der Logik Andreas Malms ist es der letzte Punkt (die &#246;ffentlichen Investitionen), der die anderen antreibt. Aber wer h&#228;tte diese &#246;ffentliche Macht inne? Von welchem Staat spricht er? Wenn Malm, wie Naomi Klein und viele andere, die Frage der politischen Macht unterschlagen kann, dann, weil er in der &#246;kologischen Frage jene gemeinsame Sache sieht, die es endlich erlauben w&#252;rde, das Gef&#228;lle der Bedingungen und der Konflikte zu &#252;berwinden: &#8222;Der gegenw&#228;rtige Kapitalismus ist dermassen ges&#228;ttigt von fossiler Energie&#8220;, dass heute jede in einer sozialen Bewegung engagierte Gruppe letztendlich objektiv die Klimaerw&#228;rmung bek&#228;mpft. Es w&#252;rde also reichen, &#8222;das breitestm&#246;gliche B&#252;ndnis&#8220; zu realisieren, von den Brasilianern, die kostenlosen &#246;ffentlichen Verkehr verlangen, &#252;ber die europ&#228;ischen Arbeiter des Automobilsektors, die schon bald, so vermutet er, dazu veranlasst sein werden, ihre Werke in Fabriken f&#252;r Windr&#228;der und Busse zu verwandeln, bis zum Ogoni-Volk, das Shell in Nigeria die Stirn bietet &#8211; denn f&#252;r ihn &#8222;sind alle K&#228;mpfe K&#228;mpfe gegen den fossilen Kapitalismus: Die Subjekte m&#252;ssen nur das Bewusstsein daf&#252;r erlangen.&#8220; Damit w&#252;rde sich die politische Frage von alleine l&#246;sen, die Schwere der &#246;kologischen Situation gen&#252;gt, um eine mit einer sozialen Revolution zusammenfallende &#246;kologische Revolution durchzusetzen, beide davon global.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um das zu belegen, zitiert Malm eine Reihe von Erfolgen auf allen Kontinenten, vom R&#252;ckzug der &#214;ltanker in der Arktis &#252;ber die Annullierung von Kohleprojekten bis zu Kampagnen f&#252;r den R&#252;ckzug von Investitionen. Das sind freilich Siege, aber sie sind nicht minder partiell als jene des alten Reformismus der Arbeiter und sie mildern die Auswirkungen, ohne die Ursachen zu erreichen. Den vom Autoren erw&#228;hnten Beispielen k&#246;nnte man hundert andere entgegensetzen, wo die Revolte gegen die Degradierung der Umwelt und der Lebensbedingungen es nicht schafft, die wahrhaften Verantwortlichen zu erreichen, und es kommt ausserdem h&#228;ufig vor, dass die &#246;kologischen Sch&#228;den dergestalt behandelt werden, dass gewisse gesellschaftliche Schichten zufriedengestellt werden, w&#228;hrend die Ausbeutung anderer verschlimmert wird. Wenn Malm schreibt, dass &#8222;die globale Klimabewegung die Bewegung der Bewegungen sein muss&#8220;, wovon spricht er dann? Die &#214;kologie ist nicht der Hebel, der die Gesamtheit der Beherrschten gegen ihren gemeinsamen Feind vereinen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinsichtlich der Strategie kommt der Bezug auf 1917 ungelegen. Wenn die bolschewistische Partei Erfolg hatte mit ihrer Revolution, indem sie gen&#252;gend Arbeiter- und Bauernmassen gegen das vereinigt hatte, was tats&#228;chlich eine soziale Katastrophe war, dann, weil das Scheitern der F&#252;hrungsschicht eine L&#252;cke schaffte, die sie erfolgreich f&#252;llen konnte. Ein Jahrhundert sp&#228;ter halten die b&#252;rgerlichen Klassen trotz ihres Leides &#252;berall die Z&#252;gel der Macht in der Hand und es sind sie, welche die gegenw&#228;rtige &#246;kologische Katastrophe (schlecht, aber gem&#228;ss ihrem Interesse) verwalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) Jason Moore und die &#8222;cheaps&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ambition der Welt&#246;kologie von Jason W. Moore ist alles andere als gering: das Marxsche Konzept des &#8222;Risses des Stoffwechsels&#8220; &#252;berwinden, die Theorie der Akkumulationskrise und die Analyse der Umweltkrise synthetisieren, kurz, die wahrhaftige &#246;kologische Kritik formulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Natur arbeitet&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Moore allem &#8222;gr&#252;nen&#8220; Denken, dem &#246;kologischen Marxismus und dem &#214;kosozialismus mit eingeschlossen, vorwirft, ist die Tatsache, dass es sich f&#252;r &#8222;das interessiert, was der Kapitalismus mit der Natur macht&#8220;, ohne zu verstehen, &#8222;wie die Natur f&#252;r den Kapitalismus arbeitet&#8220;. Was wir gew&#246;hnlich &#8222;Arbeit&#8220; nennen, sei nur eine ihrer Manifestierungen, denn f&#252;r Moore ist sie zugleich &#8222;menschlich und tierisch, botanisch und geologisch&#8220;. Die Gesamtheit der menschlichen und nichtmenschlichen Natur bildet das, was Moore &#8222;Lebensnetz&#8220; nennt, worin der Kapitalismus weniger ein gesellschaftliches System als eine Organisation der Natur in der Biosph&#228;re darstellt und der Proletarier nicht der einzige Wertproduzent: &#8222;Die Fl&#252;sse, die Wasserf&#228;lle und die W&#228;lder arbeiten auch&#8220; und schaffen Wert, wenn das Kapital ihre Energie ausbeutet. Moore macht aus der Energie einen Produktionsfaktor, was sie freilich ist, doch er setzt sie mit der Arbeit gleich. Der Kapitalismus beruhe auf der Existenz unbezahlter Arbeit, die &lt;i&gt;gleichermassen&lt;/i&gt; von einer gnadenlos ausgebeuteten &lt;i&gt;Natur&lt;/i&gt; und der Lohnarbeit geliefert werde. Aber wenn man sagt, dass ein Fluss &#8222;arbeitet&#8220;, bedeutet das nur, dass eine zum Damm gebrachte Wassermasse eine Turbine antreibt: Eine auf ein Objekt angewandte Kraft transformiert es. W&#228;hrend er glaubt, die Natur in die Analyse des Kapitals einzubringen, benutzt Moore bloss die Sprache der Physik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aneignung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Die Arbeit der Afrikaner und jene der B&#246;den und W&#228;lder ist angeeignet worden.&#8220; (Interview mit Kamil Ahsan)&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&#8222;Die angeeignete Natur ist eine Produktivkraft.&#8220; (Kapitalismus im Lebensnetz)&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Moore h&#228;ngt die kapitalistische Akkumulation von einer immer gr&#246;sseren Masse &#8222;unbezahlter Arbeit/Energie&#8220; ab (die Verbindung der beiden W&#246;rter dient als Konzept), die von der menschlichen und nichtmenschlichen Natur geliefert wird und die unbezahlte, grossmehrheitlich von Frauen geleistete Hausarbeit enth&#228;lt und die Energie der W&#228;lder, B&#246;den, Ozeane und Mineralien. Das l&#228;sst sich in Zahlen ausdr&#252;cken, versichert Moore: Erstere trage 70 bis 80% zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt bei, letztere 70 bis 250%. Ja: 250% &#8211; ein unglaublicher Prozentsatz, ausser f&#252;r Moore, der &#252;berzeugt davon ist, dass die &#8222;&#246;kosystemischen Dienste&#8220; so viele aufeinanderfolgende &#8222;Akkumulationswellen&#8220; gen&#228;hrt haben, dass ihr Beitrag &#252;ber die Fassungskraft hinausgeht. In Anbetracht eines solch unerh&#246;rten Ph&#228;nomens f&#252;hrt der Durst nach Erkl&#228;rungen dazu, dass man jeden Unsinn akzeptiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Moore ist die produktive Arbeit des Lohnarbeiters oder der Lohnarbeiterin nur eine sekund&#228;re Ursache der Produktion und Reproduktion des Kapitals. Die &lt;i&gt;Aneignung&lt;/i&gt; ist nicht mehr nur eine der offensichtlich notwendigen Bedingungen der Ausbeutung, sie wird selbst zu einer Form davon. Das Kapital bem&#228;chtigt sich eines indonesischen Territoriums, eliminiert dort den Wald, um dort &#214;lpalmen zu pflanzen, und gem&#228;ss Moore gen&#252;gt schon diese Aneignung selbst, um Wert zu schaffen, schon bevor die Arbeit des in der Palm&#246;lplantage angestellten Proletariers das tut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem Interview mit dem Online-Magazin &lt;i&gt;P&#233;riode&lt;/i&gt; definiert der Autor den Kapitalismus als System &#8222;der Aneignung der Frauen, der Natur und der Kolonien&#8220;. Doch diese drei historischen Ph&#228;nomene findet man auch in anderen Herrschaftssystemen. Obwohl sie tats&#228;chlich eine der &lt;i&gt;Existenzbedingungen&lt;/i&gt; der kapitalistischen Produktionsweise sind, ist es die Ausbeutung der Arbeit, die sie &lt;i&gt;definiert&lt;/i&gt; und ihre Besonderheit ausmacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Moore betrifft, wird hingegen die Aneignung als &lt;i&gt;zentral&lt;/i&gt; f&#252;r den Kapitalismus theoretisiert. Wie es Jean Parker angemerkt hat, macht Moore in der Dialektik der Produktion (der Ausbeutung) und der Pl&#252;nderung (der Aneignung) die Pl&#252;nderung zum wichtigsten Element: Herrschaft und Enteignung stehen bei ihm im Zentrum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politische Konsequenz davon ist (wir werden weiter unten erneut davon sprechen), dass, wenn die Welt auf einem &#8222;mutwilligen und permanenten Diebstahl&#8220; zuungunsten uns aller beruht, wenn der Gegensatz Bourgeois/Proletarier sekund&#228;r oder gar vernachl&#228;ssigbar wird, die L&#246;sung eine R&#252;ckgabe, eine kollektive Wiederaneignung impliziert, die das Werk der Gesamtheit der Enteigneten und Beherrschten unabh&#228;ngig von ihrer Klassenzugh&#246;rigkeit ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theorie der &#8222;cheaps&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Moore erkl&#228;rte 2014 den Kapitalismus durch die Tatsache, dass Arbeit (menschliche muss pr&#228;zisiert werden, denn f&#252;r Moore arbeitet nicht nur das menschliche Wesen), Nahrung, Energie und Rohstoffe durch die Aneignung der unbezahlten Arbeit der Frauen, der Natur und der Kolonien billig (&lt;i&gt;cheap&lt;/i&gt;) geworden sind. Drei Jahre sp&#228;ter erz&#228;hlt er in einem mit dem kritischen &#214;konomen Raj Patel geschriebenen und im folgenden Jahr ins Franz&#246;sische &#252;bersetzten Buch &#8222;die Geschichte der Welt als Geschichte sieben billiger Dinge&#8220; und fasst den Gang des Kapitalismus durch die Schaffung dieser &#8222;cheaps&#8220; und ihrer Preisvariationen zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise besonders auf den geringen Kosten f&#252;r Lebensmittel beruht, die Abschaffung der Getreidegesetze in England im 19. Jahrhundert durch die Niederlage der Grundeigent&#252;mer gegen die Bourgeois, die weniger teures Getreide zur Ern&#228;hrung ihrer Arbeit importieren wollten, ist nur eine Episode davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch f&#252;r Moore, der seinem Konzept der sowohl von der Natur als auch vom Proletarier gelieferten Arbeit/Energie treu bleibt, ist die Arbeit nur einer der &#8222;cheaps&#8220;: Gem&#228;ss ihm ist die Arbeit zwar wesentlich f&#252;r das Kapital, aber nicht, weil sie die Schaffung von Wert erlaubt, sondern nur weil sie nicht viel kostet, sie verwerte das Kapital &#252;brigens weniger als zum Beispiel ein unentgeltlich angeeigneter Boden oder Fluss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dar&#252;ber hinaus erkl&#228;re die &lt;i&gt;cheapisation&lt;/i&gt; nicht nur die f&#252;nf Jahrhunderte der globalen Expansion des Kapitalismus, sondern f&#252;hre auch, wie wir sehen, zu seiner neuzeitlichen Krise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dead Man Walking&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Jason Moore ist es ziemlich einfach, die &#8222;&#246;kologische Krise&#8220; in den Zusammenhang der &#8222;allgemeinen Krise&#8220; des neuzeitlichen &#8222;Kapitalismus&#8220; zu stellen: Die kapitalistische Produktionsweise hat bis anhin regelm&#228;ssig ihre Grenzen &#252;berwunden, jetzt k&#246;nne sie es nicht mehr, da sie nun mit der Umwelt mit dem Un&#252;berwindbaren zusammenst&#246;sst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fr&#252;her konnten die &#8211; unter Druck geratenen &#8211; Bourgeois Lohnerh&#246;hungen zugestehen und die Arbeiter zumindest provisorisch beschwichtigen. Heutzutage geht die Beschleunigung der globalen Kapitalisierung der Natur &#252;ber die M&#246;glichkeiten der Aneignung der &#8222;cheaps&#8220; hinaus, die Produktionskosten f&#252;r Energie und Landwirtschaft steigen kontinuierlich an, die &#246;kologischen Forderungen &#8211; da sie Punkte betreffen, wo die Unternehmen keinen Spielraum haben &#8211; k&#246;nnen nicht mehr befriedigt werden, der Kapitalismus ist unf&#228;hig geworden, jene zu &#8222;kaufen, welche ihn herausfordern&#8220;, das also, was Moore &#8222;&#246;kologischen Mehrwert nennt, geht zur Neige. Die menschliche Emanzipation hat nun eine gewichtige Verb&#252;ndete: die Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus stiess regelm&#228;ssig mit einer Grenze zusammen und &#252;berwand sie: Dieses Mal sei das unm&#246;glich. Man kann fast alles mit den Proletariern tun und sie alles tun lassen, den Roboter Ebo, &#8222;den idealen Spielgef&#228;hrten f&#252;r ihre Katze&#8220;, kaufen, sowie mit weniger als einem Dollar pro Tag leben, die menschliche Gesellschaft und die Ausbeutung sind grenzenlos, doch die Natur hingegen kann nicht nach Belieben gestaltet werden und indem er sie aussch&#246;pft, hat der Kapitalismus aus ihr sein entscheidendes Hindernis gemacht. Man kann der &#220;berakkumulation und den Schuldenbergen abhelfen, man bleibt machtlos gegen&#252;ber der &#8222;&#246;kologischen Knappheit&#8220;. Die Natur ist eine Kraft, die nicht bezwungen oder integriert werden kann: Es besteht nicht das geringste Risiko f&#252;r einen reformistischen Syndikalismus oder eine Wahl Trumps oder Macrons seitens des CO2 oder des kolumbianischen Waldes, die &#214;kosysteme machen keine Politik, sie werden nicht besiegt werden k&#246;nnen wie die vom Krieg hinweggeraffte Arbeiterbewegung 1914.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir erleben den Zusammenbruch des Kapitalismus.&#8220; (Mediapart 2015)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Nat&#252;rlich geht er weiter. Doch er ist eine wandelnde Leiche.&#8220; (&lt;i&gt;The Capitalocene and the Planetary Justice&lt;/i&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wenn das gesamte Leben revoltiert&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da f&#252;r Moore die kapitalistische Produktionsweise aus ihrem letzten Loch pfeift, setzt er es, nachdem er ein Panorama der allgemeinen Verschlechterung der Lebensbedingungen f&#252;r die Proletarier und &#8211; was f&#252;r ihn wichtiger ist &#8211; die Natur erstellt hat, als Gewissheit, dass diese Verschlimmerung Bewegungen ausl&#246;sen wird und schon ausl&#246;st, welche die Ursachen des &#220;bels und nicht nur die Auswirkungen angreifen. Der Kapitalismus (aber ist es noch Kapitalismus oder schon eine Kombination von &#8222;Kapitalismus in der Natur&#8220; und &#8222;Natur im Kapitalismus&#8220;?) sei in seiner letzten Krise, wovon f&#252;r Moore weniger eine verallgemeinerte Verarmung als ihr vereinigender Effekt wichtig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich reihten die Opfer des Kapitalismus, da heterogen, zuvor ihre K&#228;mpfe aneinander, eine &#8222;gemeinsame Wurzel&#8220; macht nun ihre Vereinigung m&#246;glich: der Klimanotstand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewegung f&#252;r die &#8222;planetarische Gerechtigkeit&#8220;, f&#252;r die Gleichheit der &#8222;Rassen&#8220;, Konsumentenverb&#228;nde, Occupy, Lohnk&#228;mpfe, Forderungen der Hausarbeiter, indigenen V&#246;lker, #MeToo, Migranten &#8211; was sie verbinden wird, ist &#8222;die Welt&#246;kologie&#8220;. Da er das Objekt der kapitalistischen Ausbeutung auf den gesamten Planeten ausgedehnt hat, verf&#252;gt Moore &#252;ber das breitest vorstellbare historische Subjekt: &#8222;Auf einem gewissen Niveau revoltiert das gesamte Leben gegen die Verbindung [nexus] des modernen Werts, der modernen Monokultur, des Bauernhofes mit der Fabrik.&#8220; Das Konzept des &#8222;Lebensnetzes&#8220; dient dazu, alles, &#8222;soziale Momente&#8220; und &#8222;&#246;kologische Momente&#8220;, &#8222;in einer Periode, wo die menschliche und die aussermenschliche Natur immer mehr durchmischt sind&#8220;, zusammenzutragen (Interview mit Mediapart).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vergangene und gegenw&#228;rtige Erfahrung zeigt eher, dass Arbeiter, Bauern, Frauen, &lt;i&gt;people of colour&lt;/i&gt; und &#246;kologische Opfer des Kapitalismus, Kategorien, die selten &#252;bereinstimmende Interessen haben, sich begegnen, ohne sich zusammenzuschliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch f&#252;r Moore sind die Revoltierenden so zahlreich, dass der &#220;bergang in eine andere Gesellschaft aus einfachen Massnahmen bestehen und f&#252;r alle zug&#228;nglich sein wird: &#8222;Neue Arten, sich hervorzubringen und sich umeinander zu k&#252;mmern praktizieren, eine Praxis, die darin besteht, unsere grundlegendsten Beziehungen neu zu erstellen, neu zu denken und neu zu erleben.&#8220; Es braucht &#252;berhaupt keine Konfrontationen, noch weniger Klassenkonfrontationen (wenn das gesamte Leben revoltiert, sind die Bourgeois auch lebendig), und keine Zerst&#246;rung des Staates.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein sehr kompliziertes konzeptuelles System, um zu derart bescheidenen und naiven Vorschl&#228;gen zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;7) Ein Konzept verschlingt ein anderes&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Malm und Moore sind sehr verschieden: Ersterer kommt aus der &#228;usseren Linken Schwedens und bereut es, nicht mehr gen&#252;gend Zeit f&#252;r Aktivismus zu haben, letzterer ist gut eingerichtet in der Universit&#228;t. Doch sie teilen diesen gemeinsamen Punkt: Vom Kapitaloz&#228;n zu sprechen, erlaubt es ihnen, zu sagen, dass die kapitalistische Produktionsweise in der Welt die F&#252;hrungsrolle einnimmt und sie in die Katastrophe f&#252;hrt, welche ihrerseits sehr wahrscheinlich zum Ende des Kapitalismus f&#252;hren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch f&#252;r sie, genau wie f&#252;r die meisten Theoretiker dieses Konzepts, ist die Tatsache, einen wahrlich wichtigen Aspekt des Kapitalismus ans Licht zu bringen, gleichbedeutend mit dem Gebot, ihn ausgehend von diesem Aspekt (neu) zu definieren. Jede Epoche der kritischen Theorie tendiert dazu, die kapitalistische Produktionsweise ausgehend von dem zu verstehen, was sie in dieser Epoche geworden ist, von ihren sichtbarsten Eigenschaften, aus welchen man also ihren wesentlichen Widerspruch macht, jener, welcher dieses System dynamisiert, &lt;i&gt;ist&lt;/i&gt; auch jener, welcher es zerst&#246;ren k&#246;nnte. Mitte des 19. Jahrhunderts war es das Elend, die Deklassierung, die Arbeiteraufst&#228;nde. Ende des 19. Jahrhunderts: Ein Kapitalismus der Kartelle, der Trusts &#8211; gegen den sich die in grosse Parteien und Gewerkschaften organisierte Arbeit auflehnt. Anfang des 20. Jahrhunderts: Der Kriege ausl&#246;sende Imperialismus f&#252;hre das Proletariat zur Revolution. Jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, betritt die Klimafrage die B&#252;hne. Jedes Mal wird der Kapitalismus, seine Mechanismen und sein m&#246;glicher, wenn nicht unvermeidbarer Sturz neu definiert: Denn jedes Mal wird das hervorgehobene Merkmal sowohl als wesentlich als auch als auf Dauer, kurz- oder mittelfristig, unhaltbar pr&#228;sentiert. Was die kapitalistische Dynamik ausmache, sei auch und zwingend seine letztendliche Unm&#246;glichkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die scharfsinnigste &#246;kologische Kritik hat die Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise bei Marx oder bei Autoren entdeckt, die in irgendeiner, teils sehr vagen Weise marxistisch sind (Foster, O&#8216;Connor, Wallerstein, Arrighi, Harvey&#8230;). Was vor allem als ein &#8222;Erdsystem&#8220; analysiert worden war, ist nun Teil von &#8222;technokapitalistischen Weltsystemen&#8220; geworden. Doch die &#8222;grosse Beschleunigung&#8220; ist nicht gleichbedeutend mit dem Auftauchen einer Megamaschine, die dem menschlichen Gr&#246;ssenwahn geschuldet ist, oder einer ungez&#252;gelten technischen Hyperentwicklung (oder den beiden kombiniert). Sie ergibt sich aus dem Aufstieg eines Systems der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital und der peripheren L&#228;nder durch jene des Zentrums: Ein &#8222;Weltsystem&#8220;, das auf einer &#8222;Welt&#246;kologie&#8220; gr&#252;ndet (fr&#252;her sagte man &#8222;Imperialismus&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig bleiben die politischen Perspektiven unver&#228;ndert. Theoretiker und Akademiker, obwohl sie sich als &#228;usserst innovativ pr&#228;sentieren, haben nur einen einzigen Horizont: Eine immer noch von der Lohnarbeit und der Ware gepr&#228;gte Gesellschaft mit demokratischen Korrektiven, dank welchen die Lohnarbeit und die Ware nichts mehr mit dem zu tun haben, was sie gegenw&#228;rtig sind. Ein Kapitalismus mit wahrhaft menschlichem Antlitz und (neuerdings) in Harmonie mit der Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses den meisten Autoren gemeinsame Programm erneuert jenes &#8211; veraltete oder tote &#8211; eines Volksstaates, der die &#8222;Produktivkr&#228;fte&#8220; in die Hand nimmt, um es als &#214;kosozialismus neu zu beleben: &#8222;&#214;kologie + Demokratie + gemeinschaftliche Produktion&#8220; durch ein gesellschaftliches Leben, das nicht mehr vertikal, sondern horizontal organisiert ist. Die kommunistische Kritik wird nicht einmal widerlegt, nur verschwiegen: Es geht nicht mehr um die Abschaffung der Klassen (in der Genossenschaft gibt es weder Chefs noch Angestellte), die Zerst&#246;rung des Staates (der &#252;berbordet und dann faktisch in einer seine Funktionen garantierenden F&#246;deration von Kollektiven aufgel&#246;st wird) oder das Verschwinden des Geldes (es wird angeblich reduziert auf ein buchhalterisches Werkzeug). Eine &#246;kologische Planwirtschaft, die durch eine demokratische Verwaltung verwirklicht wird, wie sie in Rojava entworfen werde. Wenn man einen emblematischen Ideologen unserer Zeit nennen m&#252;sste, w&#228;re es offensichtlich weder der Bolschewist Lenin noch Pannekoek oder Bordiga, sondern der (sehr) gem&#228;ssigte Anarchist Murray Bookchin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr sich das &#246;kologische Problem einer Welt auferlegt, die unf&#228;hig ist, damit umzugehen, desto st&#228;rker l&#246;st es eine vielseitige, sowohl vage als auch breite Kritik aus, unter anderem in der Universit&#228;t, die als denkender Kopf f&#252;r eine sich auf der Suche nach einer L&#246;sung befindliche b&#252;rgerliche Gesellschaft fungiert. Moore ist ein Symptom. Nie gab es mehr Nummern von Zeitschriften &#252;ber Marx, in welchen eine &#228;hnliche Anzahl paramarxistischer Akademiker &#252;ber den Kapitalismus schreiben, w&#228;hrend sie proklamieren, &lt;i&gt;dagegen&lt;/i&gt; zu sein (sie sind es, aber im doppelten Sinne des Wortes).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anh&#228;nger des Kapitaloz&#228;ns legen reelle Tatsachen und sogar wichtige Widerspr&#252;che dar: Das Problem daran ist, dass das, was nur halb wahr, vollst&#228;ndig &lt;i&gt;falsch&lt;/i&gt; ist. Denn ist dieses &#8222;Kapitaloz&#228;n&#8220; noch Kapitalismus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;Kapitaloz&#228;n&#8220; wird als eine neue Epoche pr&#228;sentiert, die zutiefst anders sei, da sie auf &lt;i&gt;mehr&lt;/i&gt; beruhe, als auf dem Verh&#228;ltnis Kapital/Lohnarbeit. Nat&#252;rlich pr&#228;zisiert man manchmal, dass dieses Verh&#228;ltnis wesentlich bleibt, doch es sei notwendig, dieser Wesentlichkeit eine andere hinzuzuf&#252;gen, womit es nicht mehr wirklich wesentlich ist. Die politische Konsequenz daraus ist, dass die zeitgen&#246;ssische kapitalistische Produktionsweise, da sie anders sei, andere L&#246;sungen erfordere: Wenn das Klassenverh&#228;ltnis nicht mehr zentral ist, ist es der Kampf Proletarier/Bourgeois auch nicht mehr, die L&#246;sung impliziert also eine Kombination von Bewegungen jenseits der Klassen. Im 21. Jahrhundert ist es, um (auch in den &#8222;Mainstreammedien&#8220;) kommentiert zu werden, nicht schlecht, vom Kapitalismus zu sprechen und sogar ihn zu kritisieren, unter der Bedingung, ein weiterhin als zu st&#246;rend empfundenes Proletariat zu vernachl&#228;ssigen und, in Tat und Wahrheit, nicht die Abschaffung des Kapitalismus in Betracht zu ziehen, sondern seine Humanisierung. W&#228;hrend er scheinbar eine grundlegende Kritik vorbringt, l&#228;uft der &#246;kologisierte Marxismus auf einen Neoreformismus hinaus, wo die Ver&#228;nderung simultan von oben (vom Parlament) und von unten (von Kollektiven, die das allt&#228;gliche Leben ver&#228;ndern) kommen soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die unbestreitbare Verantwortung des kapitalistischen Systems in der &#246;kologischen Krise machte die Grenzen des Begriffes des Anthropoz&#228;ns offensichtlich. Daher kommt der Aufstieg einer theoretischen Innovation, des Kapitaloz&#228;ns, das, als &#8222;Globalisierung&#8220; seit den 1990er Jahren, alles f&#252;r alle bedeuten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Kapitaloz&#228;n&lt;/i&gt;&#8230; Man sollte meinen, dass diverse kritische Geister das Konzept des &#8222;Kapitalismus&#8220; passend f&#252;r das 19. und einen Teil des 20. Jahrhunderts hielten, aber f&#252;r ungen&#252;gend befanden, um das 21. Jahrhundert zu begreifen. Das Wort ist jedoch nicht so alt. Es kommt &#252;brigens im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; (1867) nicht vor: Marx und Engels sprachen vom &#8222;kapitalistischen System&#8220; oder von der &#8222;kapitalistischen Produktionsweise&#8220;. Der Begriff &#8222;Kapitalismus&#8220; existierte bereits, doch erst Ende des 19. Jahrhunderts geht er in den g&#228;ngigen Sprachgebrauch &#252;ber, um eine Gesellschaft und eine Welt zu beschreiben, die zutiefst vom Kapital und der Konfrontation zwischen der b&#252;rgerlichen und der proletarischen Klasse durchdrungen sind. Das Wort ist also gen&#252;gend sinntr&#228;chtig, um dazu beizutragen, die moderne Geschichte zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Erfinder von Neologismen ist immer zufrieden mit seinem Fundst&#252;ck und von seiner Bedeutung &#252;berzeugt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was dieses Feuilleton anbetrifft, geht es nun darum, den &lt;i&gt;Kapitalismus&lt;/i&gt; zu analysieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch zuvor kann ein Kapitel &#252;ber eine andere modische Denkschule, jene des Zusammenbruches, nicht schaden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G.D., Februar 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anthropoz&#228;n:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Christophe Bonneuil, Jean-Baptiste Fressoz, &lt;i&gt;L'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&#201;&lt;/i&gt;&lt;i&gt;v&#233;nement Anthropoc&#232;ne. La Terre, l'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;H&lt;/i&gt;&lt;i&gt;istoire et &lt;/i&gt;&lt;i&gt;N&lt;/i&gt;&lt;i&gt;ous&lt;/i&gt;, Paris, Seuil, 2013. &lt;a href=&#034;http://excerpts.numilog.com/books/9782757859599.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Lange Ausz&#252;ge aus dem Buch.&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r eine Kritik dieses Buches: Sylvain Di Manno, &lt;a href=&#034;https://www.contretemps.eu/la-force-geologique-du-capitalisme/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La force g&#233;ologique du capitalisme&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Contretemps&lt;/i&gt;, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gordon Childe, &lt;i&gt;Man Makes Himself&lt;/i&gt; , 1936. Franz&#246;sische &#220;bersetzung: &lt;i&gt;L'Invention de la civilisation&lt;/i&gt;, Gonthier, 1963.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Simon L. Lewis, Mark A. Maslin, &lt;i&gt;The Human Planet: How We Created the Anthropocene&lt;/i&gt;, Yale U.P., 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paul Crutzen, &lt;i&gt;La G&#233;ologie de l&#8216;humanit&#233;&lt;/i&gt;, 2002.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Agn&#232;s Sina&#239;, &lt;a href=&#034;https://www.institutmomentum.org/lentropie-maladie-mortelle-de-lanthropocene/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Quatre avatars de l'Anthropoc&#232;ne&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2012.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kapitaloz&#228;n:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Ursprung des Wortes: Donna Haraway, &lt;a href=&#034;https://read.dukeupress.edu/environmental-humanities/article/6/1/159/8110/Anthropocene-Capitalocene-Plantationocene&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anthropocene, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene: Making Kin&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Environmental Humanities&lt;/i&gt;, Bd. 6, Nr. 1, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Donna Haraway hat zum von James Moore herausgegebenen Band beigetragen, Anthropocene or Capitalocene? Nature, History, and the Crisis of Capitalism, PM Press, 2016. Wir sehen davon ab, uns mit einem Denken auseinanderzusetzen, das metaphorisch zu tentakelartig f&#252;r uns ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean-Baptiste Fressoz hat zur letzten Ausgabe des mit Christophe Bonneuil ver&#246;ffentlichten Buches ein Kapitel hinzugef&#252;gt (L'&#201;v&#233;nement Anthropoc&#232;ne. La Terre, l'Histoire et Nous, Seuil, 2018): &lt;a href=&#034;http://piketty.pse.ens.fr/files/Bonneuil2015.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capitaloc&#232;ne. Une histoire conjointe du syst&#232;me Terre et des syst&#232;mes-monde&#8220;&lt;/a&gt;. Unter diesem Gesichtspunkt eine n&#252;tzliche Synthese.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Andreas Malm:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;L'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;A&lt;/i&gt;&lt;i&gt;nthropoc&#232;ne contre l'histoire. Le &lt;/i&gt;&lt;i&gt;R&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&#233;chauffement climatique &#224; l'&#232;re du capital&lt;/i&gt;, La Fabrique, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://www.jacobinmag.com/2015/03/anthropocene-capitalism-climate-change/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The Anthropocene Myth&lt;/a&gt;&#8220;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit Alf Hornborg: &lt;i&gt;The Geology of Mankind? A Critique of the Anthropocene Narrative&lt;/i&gt;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/2018/03/17/malm-revolutionary-strategy&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Revolutionary Strategy in a Warming World&#8220;&lt;/a&gt;, 2018 (eine sehr diskutable Strategie, aber ein dokumentierter Artikel &#252;ber Syrien, die &#246;ko-autorit&#228;ren Projekte&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://revueperiode.net/guide-de-lecture-le-marxisme-ecologique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le Marxisme &#233;cologique&lt;/a&gt;&#8220; (synthetische Darstellung seiner Position und kurze Synthese der verschiedenen &#246;kologischen Denkschulen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://revueperiode.net/capital-fossile-vers-une-autre-histoire-du-changement-climatique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capital fossile: vers une autre histoire du changement climatique&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jason W. Moore:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Kapitalismus im Lebensnetz. &#214;kologie und die Akkumulation des Kapitals&lt;/i&gt;, Matthes &amp; Seitz, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit Raj Patel: &lt;i&gt;Entwertung. Eine Geschichte der Welt in sieben billigen Dingen&lt;/i&gt;, Rowohlt, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Herausgeber: &lt;a href=&#034;http://napoletano.net/cursos/geomarx2018a/textos/Moore2016.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Anthropocene or Capitalocene? Nature, History, and the Crisis of Capitalism&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, PM Press, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://jasonwmoore.com/wp-content/uploads/2017/08/Moore-The-End-of-the-Road-JAC-2010.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The End of the Road ? Agricultural Revolutions in the Capitalist World-Ecology, 1450&#8211;2010&lt;/a&gt;&#8220;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://jasonwmoore.wordpress.com/2014/04/07/the-origins-of-cheap-nature-from-use-value-to-abstract-social-nature/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The Origins of Cheap Nature: From Use-Value to Abstract Social Nature&lt;/a&gt;&#8220;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://maisondelagreve.boum.org/IMG/pdf/moore.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;La Nature du capital&lt;/a&gt;&#8220;, Interview mit Kamil Ahsan, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://jasonwmoore.com/wp-content/uploads/2019/07/Moore-The-Capitalocene-and-Planetary-Justice-2019-Maize.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The Capitalocene and the Planetary Justice&lt;/a&gt;&#8220;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kritik an Moore:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kamram Nayeri &lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/2016/07/19/capitalism-in-the-web-of-life-a-critique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#252;ber &lt;i&gt;Kapitalismus im Lebensnetz&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ian Angus &lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/2018/01/10/do-cheap-things-explain-capitalism&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#252;ber &lt;i&gt;Entwertung&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean Parker, &#8222;&lt;a href=&#034;http://isj.org.uk/ecology-and-value-theory/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ecology and Value Theory. A Review of Jason W. Moore, Capitalism in the Web of Life: Ecology and the Accumulation of Capital&lt;/a&gt;&#8220;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zur Methode:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Moore stellt auf komplizierte Art und Weise einfache Ideen dar, die mit einem die Produktion von wissenschaftlichem Wissen garantierenden kritischen Apparat untermauert werden, auch in einem Buch f&#252;r die &#8222;breite &#214;ffentlichkeit&#8220;: Die englische Ausgabe von &lt;i&gt;Entwertung&lt;/i&gt; enth&#228;lt 210 Seiten Text und 90 Seiten Anmerkungen und Referenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean Parker zeigt auf, wie Moore mit Wortballungen und Sinngleiten verf&#228;hrt (eine konstante Praxis des &#8222;Modernismus&#8220; der 1960er Jahre, dann des &#8222;Postmodernismus&#8220;: Man widerlegt Marx nicht, man greift ihn auf und erweitert ihn): &#8222;tendenzieller Fall der &#246;kologischen Mehrwertrate&#8220;, &#8222;ungleichm&#228;ssige und kombinierte Entwicklung&#8220; [der menschlichen Naturen], &#8222;geschlechtsspezifischer Mehrwert&#8220;, &#8222;Praxis der &#228;usseren Natur&#8220;, &#8222;Akkumulation durch Aneignung&#8220;&#8230; Dieser Fluss an Neologismen tr&#228;gt dazu bei, nicht zu erkennen, wie stark Moore von Marx abweicht, w&#228;hrend er glaubt, ihn zu erweitern: Er &#8222;pr&#228;sentiert das, was ihn Wirklichkeit eine grundlegende Ablehnung der Marxschen Vorgehensweise ist, als eine Erweiterung&#8220;, sagt Jean Parker.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Moore wird sehr h&#228;ufig kommentiert: Er hat die Schwere der Ernsthaftigkeit und das Format eines Fabrikanten beliebter Konzepte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3135&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode06&#034;&gt;Episode 06: Das Ende der Welt wird nicht stattfinden&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_214 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/0-aa-1-768x432.jpg?1690843112' width='500' height='281' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Die Apokalypse, von der man euch erz&#228;hlt, ist nicht die wahre.&#8220;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Armand Robin, &lt;i&gt;Po&#232;mes ind&#233;sirables&lt;/i&gt;, 1943-1944&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der Katastrophismus hat R&#252;ckenwind, manchmal ist er marxistisch angehaucht, wie wir es im vorhergehenden Kapital gesehen haben: Eine zusammenbrechende Welt reisst uns mit, Handeln ist dringend &#8211; oder vielleicht nicht, wenn es schon zu sp&#228;t ist. Aber um welchen Zusammenbruch handelt es sich?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Zusammengebrochen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zusammenbruch ist ein frappierendes Bild: Etwas oder jemand bricht ein. Doch die Verk&#252;mmerung oder das Verschwinden von Gesellschaften ist weniger eine Ersch&#252;tterung oder ein Knall als ein im Allgemeinen von einer langen, h&#228;ufig mehrere Jahrhunderte andauernden Transformation begleiteter Niedergang und es ist selten, dass der Zerfall nicht gleichbedeutend mit einer Wiederzusammensetzung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Nur weil die &#8218;Ressourcen&#8216; knapp werden und (fast) alle T&#228;tigkeiten radikal relokalisiert sein werden, bedeutet das nicht, dass die aktuellen Organisationsstrukturen unserer Gesellschaften verschwinden, der Produktivismus aufh&#246;ren wird.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Es besteht diesbez&#252;glich ein bedeutender Mangel in der Pr&#228;sentation des &#8222;H&#246;hepunkts&#8220; (der eher eine Hochebene ist) der Produktion fossiler Energien. Es wird stillschweigend angenommen, und manchmal explizit vorgelegt, dass die Verknappung dieser Energien den Zusammenbruch des Kapitalismus ausl&#246;sen w&#252;rde. Die Verknappung l&#246;st nicht das Ende der Produktionsverh&#228;ltnisse aus (im Gegenteil). Der Produktivismus wird bis zum Ende, bis zum letzten Tropfen gehen, wenn wir ihn machen lassen. Es [wird] kein mechanisches Ende des Kapitalismus geben [&#8230;], &#8218;nur&#8216; eine Umverteilung der verf&#252;gbaren &#8218;Ressourcen&#8216; [&#8230;] und eine gesteigerte Intensit&#228;t in den Ausbeutungsverh&#228;ltnissen und der Extraktion der Rohstoffe [&#8230;] Die Elektrizit&#228;t wird nicht verschwinden, die Unterbr&#252;che werden sporadisch sein. Das Internet wird nicht von einem Tag auf den anderen zusammenbrechen, ein Teil der Gesellschaft wird mit mehr oder weniger unbezahlbaren Zug&#228;ngen davon getrennt werden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J&#233;r&#233;mie Cravatte.&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Atomindustrie wird irgendein armes Land finden, um als M&#252;llhalde f&#252;r ihre giftigen Abf&#228;lle zu dienen. Die 3&#8216;800 Toten in Bhopal 1984 bedeuteten weder das Ende der indischen Chemieindustrie, noch von Union Carbide. Arten k&#246;nnen verschwinden und der Aralsee austrocknen, ohne dass die Erde oder das Kapital stillstehen, letzteres hat seine Erneuerungskapazit&#228;ten noch nicht ausgesch&#246;pft. Es scheint, wie es vor 40 Jahren Pierre Souyri schrieb, dass &#8222;die Existenz des Kapitalismus keine anderen Grenzen als die Durchf&#252;hrung von Revolutionen hat&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis jetzt bleiben die Reformkr&#228;fte im Stile Green New Deal eine ausgesprochene Minderheit, aber den herrschenden Klassen mangelt es nicht an Mitteln, um die Auswirkungen der Erw&#228;rmung notd&#252;rftig zu beheben, mithilfe extrem &#8222;barbarischer&#8220; Methoden, falls notwendig. Das 20. Jahrhundert hatte &#220;berraschungen f&#252;r uns bereit, der Nazismus und der Stalinismus waren nur die auff&#228;lligsten davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Katastrophe f&#252;r wen &#252;brigens? Das 1% der Privilegierten wird damit zurechtkommen: &#8222;gesicherte&#8220; Wohnenklaven mit ihren eigenen &#246;ffentlichen Dienstleistungen (private Polizei inbegriffen), ihren Notgeneratoren, ihren hochwassersicheren T&#252;ren&#8230; Das Klima ist nicht &#8222;der grosse Gleichmacher&#8220;. Zudem muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass die Vorhersagen der Kollapsologen nur f&#252;r die Bewohner der &#8222;modernsten&#8220; Regionen einen katastrophalen und apokalyptischen Aspekt haben: Mehr als vier von f&#252;nf Menschen m&#252;ssen schon jetzt h&#228;ufig eine erzwungene und wenig gl&#252;ckliche &#8222;M&#228;ssigung&#8220; erdulden&#8230; Im Falle eines &#8222;Zusammenbruches&#8220; oder eines grossen Klimawandels ist es am wahrscheinlichsten, dass es zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen eines Grossteils der Bev&#246;lkerungen ohne Vernichtung des Menschengeschlechts kommt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Das System denken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kollapsologie versteht sich als neue interdisziplin&#228;re Wissenschaft, als Synthese aller anderen, der Human-, Natur- und Lebenswissenschaften &#8211; ein authentisches systemisches Denken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahrscheinlich Joseph Tainter, der durch sein systematisch systemisches Vorgehen in seinem bahnbrechenden Buch &lt;i&gt;The Collapse of Complex Societies&lt;/i&gt; am besten die Grenzen davon illustriert. Es wurde 1988 ver&#246;ffentlicht und 2013 dank der Tatsache, dass der Zusammenbruch in Mode war, auf Franz&#246;sisch &#252;bersetzt. Aus der Studie der R&#246;mer, der Mayas und der Chacoans (der Anasazi-Kultur, im Nordwesten des heutigen New Mexico) zieht er den Schluss, dass eine Gesellschaft das Ungleichgewicht riskiert, wenn einer ihrer grundlegenden Bestandteile sich exzessiv zulasten anderer entwickelt. Doch in Tat und Wahrheit ist f&#252;r ihn die erste Ursache des Ungleichgewichts eine Produktivit&#228;tssenkung, die zu einer ungen&#252;genden Lebensmittelproduktion und somit einem Bruch der gesellschaftlichen Einheit f&#252;hrt, daher Verlust an Dynamik, Zerfall, Invasion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grunde genommen vergleicht Tainter die Gesellschaft mit einer Maschine, die eine Funktion erf&#252;llt, jedoch zum Zerfall verurteilt sei. Mit einem neuen Vokabular kn&#252;pft dieses &#8222;komplexe Denken&#8220; an den alten Gegensatz zwischen Rohstoffen und Bed&#252;rfnissen, zwischen Produktion und Konsum an, eine vor zwei Jahrhunderten von Ricardo (abnehmende Ertr&#228;ge von Land und Kapital) oder Malthus (die &#220;berbev&#246;lkerung &#252;bersteigt die Produktion) dargelegte These. In gelehrten Begriffen und mit einer F&#252;lle an Zahlen verk&#252;ndet uns Tainter, dass die soziopolitische Komplexit&#228;t es anfangs erlaubt, die Probleme der Gesellschaft zu l&#246;sen, aber dass sie mit der Zeit dazu tendiert, zuzunehmen, immer kostenintensiver und weniger effizient zu werden: Die grossen Systeme wie das R&#246;mische Reich verlieren allm&#228;hlich die zu ihrem Fortbestand notwendige Energie, der Einsturz wird unvermeidlich, auf ihn folgt eine Neugr&#252;ndung oder auch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem er dieses Modell auf die neuzeitliche Welt anwandte, erstellte Tainter 1988 eine pessimistische Diagnose, ohne eine Behandlung in Erw&#228;gung zu ziehen, denn dieses Mal, dachte er, kann der negative Ertrag (in jeglicher Hinsicht) nicht wettgemacht werden, umso weniger, weil wir im Unterschied zum antiken Rom in einer globalen Gesellschaft leben, der Zusammenbruch wird also allgemein sein und der Autor setzte kaum Hoffnung in ein &#8222;wirtschaftliches Nullwachstum&#8220;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zum Zeitpunkt, wo ich dieses Buch schreibe [1988], kann man kaum wissen, ob die industrielle Welt schon den Punkt erreicht hat, wo der Grenzertrag ihres Investitionsmodells beginnt, abzunehmen. Die j&#252;ngste Geschichte zeigt, dass wir abnehmende Ertr&#228;ge betreffend unserer Abh&#228;ngigkeit von fossilen Brennstoffen und einigen Rohstoffen erreicht haben [&#8230;] Wir verf&#252;gen nicht &#252;ber die Option, zu einem schw&#228;cheren wirtschaftlichen Niveau zur&#252;ckzukehren, zumindest nicht als rationale Option. Die Konkurrenz zwischen komplexen Regimen f&#252;hrt zu mehr Komplexit&#228;t und Konsum von Rohstoffen, was immer auch die menschlichen oder &#246;kologischen Kosten daf&#252;r sein m&#246;gen. Der Zusammenbruch, falls und wenn er wieder eintritt, wird dieses Mal global sein.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte wird uns hier als Missverh&#228;ltnis zwischen Bed&#252;rfnis und Verf&#252;gbarkeit erkl&#228;rt, die Schaffung von Reichtum wird durch seine eigenen Produktionsbedingungen unm&#246;glich gemacht: Je mehr man investiert, desto weniger Wachstum hat man. Wie damals Rom, aber mit der zerst&#246;rerischen Kraft der Industrie und der fossilen Energie. Das systemische Denken Tainters schreibt die b&#252;rgerliche Offensichtlichkeit aller Zeiten und aller Regierungen neu: &#8222;Man kann nicht mehr Geld ausgeben, als man hat&#8220;, ausser dass &#8222;Geld&#8220; mit &#8222;nat&#252;rlichen Rohstoffen&#8220; ersetzt wird (als &#8222;guter Familienvater&#8220; verwalten, ironisierte Bordiga 1954).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#246;nnen wir uns dem entziehen, was Tainter als etwas pr&#228;sentiert, das alle Z&#252;ge eines unvermeidlichen &#8222;Gesetzes der Geschichte&#8220; aufweist? Nein, denn der Systemtheoretiker ist h&#228;ufig ein Pessimist: Einmal mehr war das &#8222;System&#8220; st&#228;rker, es bleibt uns nichts anderes &#252;brig, als darin so wenig schlecht wie m&#246;glich zu leben, indem wir versuchen, uns dem anzupassen, was wir geschaffen haben, aber unf&#228;hig sind, wieder aufzuknoten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Gesellschaftsphysik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Schlimmste mit den Kollapsologen sind nicht die fehlerhaften Vorhersagen, die ihnen h&#228;ufig vorgeworfen werden: In mehreren Bereichen stehen die Chancen leider gut, dass sie best&#228;tigt werden. Das Problem liegt im Vorgehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das 19. Jahrhundert hatte eine Gesellschaftsphysik erfunden, welche die menschlichen Organisationen und die gesellschaftlichen Beziehungen studieren und &lt;i&gt;Gesetze&lt;/i&gt; der Geschichte aufstellen soll und das mit der gleichen Objektivit&#228;t wie der Astronom die Gestirne oder der Biologe die Insekten studiert. Besonders Saint-Simon (1760-1825) war ein Verfechter seiner &lt;i&gt;Gesellschaftsphysiologie&lt;/i&gt;, die Teil einer allgemeinen Physiologie zum Studium der Funktionsweise von Kollektivit&#228;ten war. Aber es ist Auguste Comte, der seine folgendermassen definierte Gesellschaftsphysik &lt;i&gt;Soziologie&lt;/i&gt; nennt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]ie Wissenschaft, deren Studienobjekt die im gleichen Geiste wie die astronomischen, physikalischen, chemischen und physiologischen Ph&#228;nomene betrachteten gesellschaftlichen Ph&#228;nomene sind, d.h. unver&#228;nderlichen nat&#252;rlichen Gesetzen unterworfen, deren Entdeckung das besondere Ziel dieser Forschungen ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Opuscules de philosophie sociale, 1819-1826.&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auguste Comte prophezeite eine neue &#196;ra historischen Fortschritts dank der Wissenschaft. Die Kollapsologen des 21. Jahrhunderts, f&#252;r welche die Katastrophe unmittelbar bevorsteht, suchen ebenfalls die &#8222;nat&#252;rlichen Gesetze&#8220; der &#8222;gesellschaftlichen Ph&#228;nomene&#8220; und ihre Methode &#228;hnelt einer Gesellschaftsphysik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kollapsologie betrachtet die Welt wie ein Fahrzeug, deren Motor sie demontiert (die &#196;ra der Automatisierung und der Informationstechnologie erfordert den Einsatz von raffinierten mathematischen Modellen, die Auguste Comte nicht kannte). Ihre Analysen haben einen gewissen Verdienst, besonders jenen, dass sie ein grosses Spektrum an Daten zusammenf&#252;hren, aber ihr grundlegender Mangel ist es, konstant von den Naturwissenschaften in die Sozialwissenschaften abzugleiten und B&#246;rsenindizes, Temperaturangaben, Benzinpreise und Extinktionsraten miteinander zu vermischen, als ob die einen die anderen bestimmten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch der Kapitalismus hat sich weder wie eine Maschine gebildet, noch funktioniert er wie eine solche. Man kam nicht zur Kohle, dann zum Erd&#246;l, danach zur Atomenergie gem&#228;ss den Kriterien einer besseren Energieleistung. Die Ingenieure stehen im Dienste der Bourgeois. Die auf die Energie angewandten Produktivit&#228;tsberechnungen (die &#8222;thermodynamische Wand&#8220;) erkl&#228;ren kaum die Zu- und Abfl&#252;sse von Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da er glaubt, sowohl das Menschliche als auch das Nat&#252;rliche zu ber&#252;cksichtigen, vermischt der Katastrophismus die beiden und naturalisiert die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Man kann nicht ernsthaft vom &#8222;Leben&#8220; einer Gesellschaft sprechen, wenn man vergisst, dass es sich um ein &lt;i&gt;Bild&lt;/i&gt; handelt und dass eine Gesellschaft nicht wie eine Rose oder eine Katze lebt, w&#228;chst und stirbt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man so alles vermischt, verwechselt man das Unumkehrbare und das Umkehrbare. Wie es Cravatte bemerkt, gibt es &#8222;unumkehrbare Ver&#228;nderungen &#8211; sie kann man nur versuchen, zu begrenzen oder vorzubereiten (wie die Zerst&#246;rung der Biodiversit&#228;t und die Klimaderegulierung)&#8220; und &#8222;absolut umkehrbare Ver&#228;nderungen (wie der Aufstieg der Faschismen, der Transhumanismus oder die Finanzialisierung der Welt)&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Resilienz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kollapsologen sagen einen unvermeidbaren Umbruch voraus und alles, was wir &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; tun k&#246;nnen, ist, uns auf das vorzubereiten, was uns &lt;i&gt;morgen&lt;/i&gt; erwartet: der Tod, die Barbarei oder, unter der Bedingung, es zu wollen und dazu f&#228;hig zu sein, ein zwangsl&#228;ufig vern&#252;nftiges und menschengerechtes Leben. Und es fehlt nicht an Ideen und Programmen, um das in der Zwischenzeit umzusetzen: Kleinbetriebe, Kleinhandel, Kleinkonsum, Genossenschaft, lokales Leben, d.h. eine R&#252;ckkehr &#8211; die erzwungen ist, aber sowohl uns als auch der Natur zugutekommt &#8211; zu einem vorindustriellen Zeitalter, jedoch gewiss noch ein bisschen &#8222;online&#8220;. Keine Autos, aber Computer. Julien Wosnitza, Kollapsologe, 24 Jahre, empfiehlt &#8222;Leben ohne M&#252;ll und lokales Recycling [&#8230;], zu versuchen, dem Leben und den Tieren rundherum so wenig wie m&#246;glich zu schaden, die Ebene des Lokalen zu erhalten [&#8230;], eigenes Gem&#252;se anzubauen [&#8230;], eine Gemeinschaft mit verschiedenen, unabh&#228;ngigen, zusammenh&#228;ngenden und resilienten Kompetenzen vorzubereiten. Und, ganz wichtig, allen voran die Liebe nicht zu vergessen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pourquoi tout va s&#8216;effondrer, Les Liens qui lib&#232;rent, 2018.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und vorerst eine Parallelgesellschaft zu organisieren (die aber &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; antagonistisch zur herrschenden Gesellschaft ist), bestehend aus &#214;kod&#246;rfern und &#8222;verbindenden Arbeitsgruppen&#8220;, Teil &#8222;eines immensen lebenden K&#246;rpers, wovon wir Teil sind&#8220;, der &#8222;schon in der Welt danach&#8220; verortet ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Julien ist nicht der einzige, der uns zur &#8222;Resilienz&#8220; anregt. Ein Wort, das seit einigen Jahren in Mode ist, es hat den Anschein von Neuheit und man vergisst den Ursprung davon: Es wird in der Physik benutzt und sein Gebrauch ist nun g&#228;ngig in der Psychologie und der Psychiatrie f&#252;r Personen, die ein schlimmes Trauma &lt;i&gt;erlitten&lt;/i&gt; haben, Deportierte, die &#252;berlebt haben, Strassenkinder, Waisenkinder, Schwerkranke &#8211; verletzliche Opferkategorien, die unf&#228;hig sind, in Bezug auf den Ursprung des Traumas zu handeln, da es schon stattgefunden hat, sie k&#246;nnen nur seine Auswirkungen beeinflussen und brauchen Spezialisten, um es zu &#252;berwinden. Dieser Begriff ist also alles andere als neutral, wenn er auf Individuen, Gruppen oder Bev&#246;lkerungen angewandt wird, die somit zu einer passiven Rolle bestimmt sind. Ab sofort w&#252;rden uns kleine &#8222;resiliente&#8220; Gemeinschaften daran gew&#246;hnen, das auszuhalten, was wir nicht verhindern k&#246;nnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuvor forderte man uns dazu auf, einer durch eine jahrtausendealte Vergangenheit verb&#252;rgten Tradition zu gehorchen. Nun sollten wir uns einer schon pr&#228;senten Zukunft unterordnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuvor machte man sich &#252;ber die Realit&#228;tsferne lustig, die Revolution f&#252;r m&#246;glich zu halten und somit die Reform abzulehnen. Nun beschreibt man die Welt als unreformierbar. Verglichen mit den politischen Parteien (die Gr&#252;nen eingeschlossen), die von sich behaupten, sie seien f&#228;hig, die Katastrophe zu verhindern, ist die kollapsologische Ambition gering: Uns mit dem Unvermeidbaren abfinden, zumindest f&#252;r jene, welche &#252;berleben werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Gl&#252;ckliche Apokalypse&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie als neue wissenschaftliche Transdisziplin, versteht sich die Kollapsologie als &#8222;spirituelle&#8220; Vorgehensweise. New Age eines Todes der Welt, einer Religion ohne Gott, k&#252;ndigt sie nichts weniger als eine Apokalypse an. In ihrer griechischen Bedeutung handelt es sich um eine Enth&#252;llung. Die Apokalypse nach Johannes erz&#228;hlt ein Ende der Zeit: &#8222;Da fielen Hagel und Feuer, die mit Blut vermischt waren, auf das Land. Es verbrannte ein Drittel des Landes, ein Drittel der B&#228;ume und alles gr&#252;ne Gras.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kapitel 8, &#167; 7.&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Doch diese Vollendung er&#246;ffnet eine andere Welt: &#8222;Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kapitel 21, &#167; 1 und 2.&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im dem &#8222;Apostel Johannes&#8220; zugeschriebenen Text war der Tod der Welt gleichbedeutend mit der Wiederauferstehung. Die Kollapsologen st&#252;nden eher in der Tradition der Propheten Israels, die dem j&#252;dischen Volke im Falle des Ungehorsams Unheil versprachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unabh&#228;ngig davon, ob sie ein Kind des Alten oder Neuen Testaments ist, &#228;hnelt die Kollapsologie einer religi&#246;sen Vision: Weil sie sich dem technologischen Gr&#246;ssenwahn auf Kosten der Natur hingegeben hat, muss das Menschengeschlecht f&#252;r ihre S&#252;nde b&#252;ssen. Wenn die Hybris ein menschliches Verhalten darstellt, das von den G&#246;ttern als Masslosigkeit betrachtet wird, dann verdient es die Menschheit, bestraft zu werden, weil sie der M&#228;ssigung unf&#228;hig war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urs&#252;nde eines Menschen, der ein williges Opfer seiner Extravaganz ist (alles kennen wollen und glauben, alles tun zu k&#246;nnen), Fall, Abgang aus dem Garten Eden (den man wiederfinden muss, der Zerfall der industriellen Zivilisation zwingt zu einem einfachen, naturnahen Leben), Ende der Welt, Erl&#246;sung, Regeneration durch die (somit heilbringende) Katastrophe, Gr&#252;ndung von Gemeinschaften &#8222;des Wartens&#8220; vor dem J&#252;ngsten Gericht &#252;ber &#246;kologische S&#252;nden, die in Wirklichkeit S&#252;nden des Stolzes sind &#8211; wir sind mitten im religi&#246;sen DIY, das so typisch f&#252;r unsere Zeit ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) (Sich) Angst machen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein neues Buch beschreibt &lt;i&gt;Die unbewohnbare Erde&lt;/i&gt;, wo wir sehr bald &#8222;nach der Erderw&#228;rmung&#8220; leben m&#252;ssen. Es ist zu d&#252;ster und &#252;bertrieben pessimistisch f&#252;r die einen, realistisch und heilsam f&#252;r die anderen, auf jeden Fall ist es ein Bestseller. David Wallace-Wells bekennt sich zu seiner Panikmache: Es ist besser, dem Publikum zu stark Angst zu machen als nicht genug. Die Angst ist ein guter Ratgeber, sie erlaube es, eine Dringlichkeit zu setzen, in Anbetracht welcher alles sekund&#228;r wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das Spektakel der Krise und die Katastrophenszenarien verst&#228;rken den Eindruck der Ohnmacht. Was wir anschauen, spielt sich ausserhalb von uns ab, schl&#228;gt zu und entflieht; wir sind Opfer davon, und die Opfer erdulden, resignieren oder verlangen nach einem Besch&#252;tzer. Je mehr man &#8222;vom Klima&#8220; spricht, desto weniger handelt man, ausser um zu fordern, dass jene handeln, welche die Macht haben. In Anbetracht des Unvermeidbaren verlassen wir uns weiterhin auf andere und wir best&#228;tigen uns in der Unf&#228;higkeit, unsere Leben zu beeinflussen. Die Angst hemmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;brigens, wenn die F&#228;higkeit der Menschheit, sich selbst zu vernichten, das Kriterium ist, h&#228;tte das Menschengeschlecht seit dem 16. Juli 1945, Datum der ersten atomaren Zerst&#246;rung, nie aufh&#246;ren sollen, zu zittern. G&#252;nther Anders zog eine Linie von Auschwitz zu Hiroshima und einer todbringenden industriellen Modernit&#228;t, die f&#252;r ihn Manifestationen einer eintretenden oder sogar schon eingetretenen &#8222;Antiquiertheit des Menschen&#8220; waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#196;sthetisch ist der Glaube an ein Ende der Welt eine Quelle von Emotionen, wie jene, die man im Schloss Angers empfinden kann, wenn man den Ende des 14. Jahrhunderts erschaffenen &lt;i&gt;Teppichzyklus der Apokalypse&lt;/i&gt; betrachtet. Politisch versuchte der Millenarismus von Thomas M&#252;ntzer und des Bauernkrieges, die gesellschaftliche Ordnung umzust&#252;rzen, um hier unten ein irdisches Paradies zu erschaffen. Die Apokalyptiker des 21. Jahrhunderts haben nur zum Ziel, uns eine H&#246;lle zu vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G.D., M&#228;rz 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Joseph Tainter, &lt;i&gt;The Collapse of Complex Societies&lt;/i&gt;, Cambridge University Press, 1990.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Human Resource Use,&lt;i&gt; &lt;/i&gt;&lt;a href=&#034;http://theoildrum.com/node/5745&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Timing and Implications for Sustainability&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pablo Servigne, Rapha&#235;l Stevens, &lt;i&gt;Wie alles zusammenbrechen kann&lt;/i&gt;, Mandelbaum, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr gute Kritik der Kollapsologie: J&#233;r&#233;mie Cravatte, &lt;a href=&#034;http://www.barricade.be/sites/default/files/publications/pdf/2019_etude_l-effondrement-parlons-en.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Effondrement, parlons-en&#8230; Les limites de la collapsologie&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Literaturverzeichnis, detailliertes Glossar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;David Wallace-Wells, &lt;i&gt;Die unbewohnbare Erde. Leben nach der Erderw&#228;rmung&lt;/i&gt;, Verlag Ludwig, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Religion in unserer Zeit: &lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/39&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le Pr&#233;sent d'une illusion&#8220;&lt;/a&gt;, 2006.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kollektiv, &lt;i&gt;Apocalypse. La Tenture de Louis d'Anjou&lt;/i&gt;, Editions du Patrimoine, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Millenarismus: Guy Debord, &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt;, 1967, These 138.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Yves Delhoysie, Georges Lapierre, &lt;a href=&#034;https://rebellyon.info/IMG/pdf/incendiemillenariste.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Incendie mill&#233;nariste&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Os Cangaceiros, 1987.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3200&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode07&#034;&gt;Episode 07: &#214;kologie: Kapitalismus oder Kommunismus?&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_217 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/00-ecologie-capitalisme-ou-communisme-02.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/00-ecologie-capitalisme-ou-communisme-02.jpg?1697559246' width='500' height='209' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Behauptung mag abrupt erscheinen, sie ist jedoch notwendig: Die einzige L&#246;sung f&#252;r die zeitgen&#246;ssische &#8222;&#246;kologische Krise&#8220; ist eine kommunistische Revolution. Wir m&#252;ssen uns aber im Klaren dar&#252;ber sein, was eine solche Revolution vollbringen w&#252;rde, was voraussetzt, dass wir darauf zur&#252;ckkommen, was der Kapitalismus ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Zu viele Definitionen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B&#252;rokratischer, Staats-, Manager-, liberaler, neoliberaler, Monopol-, Rentier-, postindustrieller, thermo-industrieller, Konsum-, kognitiver, Trieb-, libidin&#246;ser, Spektakel-, patriarchaler, technokapitalistischer, Sp&#228;t- (der Begriff wurde seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts benutzt), pharmapornographischer &#8211; und jetzt fossiler Kapitalismus. In allen F&#228;llen ist die Bezeichnung wichtiger als das Bezeichnete. Was mutmasslich erlauben sollte, die Definition des Kapitalismus zu aktualisieren und zu pr&#228;zisieren, wischt ihn im Gegenteil weg. Als ob die Anf&#252;gung die aufgrund seiner Unreife bisher verborgen gebliebene wahre Natur des Kapitalismus aufdecken w&#252;rde. Jeder f&#252;gt eine Bezeichnung entsprechend seiner Fachgebiete und seiner theoretischen Affinit&#228;ten hinzu und die Liste wird ausgehend von unbestreitbaren, aber von einem Zeitgeist oder einer Mode als wesentlich proklamierten Realit&#228;ten l&#228;nger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So hat die &#214;kologie aus den urspr&#252;nglich neutralen oder positiven und in der Industrie g&#228;ngigen Begriffen Produktivismus und Extraktivismus das gemacht, was den Kapitalismus charakterisiere und endlich den Weg f&#252;r seine wahre Kritik &#246;ffne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damals hatte die Dekolonialisierung einen Dritte-Welt-Marxismus propagiert, heute interpretiert man den Kapitalismus angesichts der Frage der Geschlechter/Geschlechterrollen und dann der Rasse neu. Der &#246;kologische Notstand ruft neue, auf als Totalit&#228;t gedachten Teilbereichen basierende Theorien der kapitalistischen Produktionsweise ins Leben, denn die gesellschaftliche Realit&#228;t ist heutzutage unf&#228;hig, die Gesamtheit, und somit die Grundlagen davon zu erfassen, was jedoch notwendig ist, um ihn zu transformieren und zu vernichten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Klassen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Charakterisierung des Kapitalismus durch die Akkumulation und das Streben nach Profit erzeugt nicht notwendigerweise allzu viel Widerspruch, sogar mit einem Liberalen: Die Debatte f&#228;ngt dort an, wo es um den Mechanismus dieser Akkumulation und dem geht, was mit dem Profit geschieht. Ihn ausgehend vom Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit zu definieren, ist schon weniger akzeptiert. Aber es zu wagen, die Worte &#8222;Bourgeois&#8220; und &#8222;Proletarier&#8220; zu benutzen, gilt als Ideologie, als alter Marxismus, fast schon als &lt;i&gt;Arbeiter&lt;/i&gt;-Marxismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann eine Veranschaulichung davon in einem im &#220;brigen achtbaren Buch lesen: &lt;i&gt;The Human Planet. How We Created the Anthropocene&lt;/i&gt;. Simon Lewis und Mark Maslin beschreiben darin die &#8222;entscheidende Ver&#228;nderung&#8220; von einer l&#228;ndlichen und landwirtschaftlichen Lebensweise hin zu einer &#8222;vom Profit geleiteten&#8220; Gesellschaft. Doch die Einnahme und die Akkumulation von Geld existierte als Praxis schon lange vor der kapitalistischen Produktionsweise. Die von ihr eingef&#252;hrte Neuigkeit ist die Vorherrschaft der Akkumulation von Geld zum Zweck der Investition und nicht einfach, um sein Verm&#246;gen zu geniessen. Das Unternehmen (und nicht nur der individuelle Unternehmer, siehe unsere Episode 2, &#167; 2) investiert, um mehr Profit zu erzielen und beginnt auf einer h&#246;heren Ebene unter dem Anreiz der Konkurrenz erneut damit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch gem&#228;ss Simon Lewis und Mark Maslin seien wir von &#8222;einer von einer f&#252;r den ganzen Planeten eine Bedrohung darstellenden Technologie geleiteten Elite&#8220; beherrscht: Sie erkennen die Existenz von Klassen und &#8222;Klassengrundlagen der aktuellen Lebensweise&#8220; an, aber ziehen daraus nicht den Schluss eines dynamischen Verh&#228;ltnisses, welches das gesellschaftliche System hervorbringt, es sich entwickeln l&#228;sst und zerst&#246;ren k&#246;nnte, denn f&#252;r sie ist der Motor der Geschichte die Kombination von Energie, Technik und Information. Arbeiter und sogar eine &#8222;industrielle Arbeiterklasse&#8220; existieren freilich, aber verschmolzen &#8222;im Volk/in den Leuten&#8220; (&lt;i&gt;people&lt;/i&gt;), was f&#252;r sie der Schl&#252;sselfaktor ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Nachdenken &#252;ber die kapitalistische Produktionsweise ohne die Behandlung der Klassen oder &#252;ber die Klassen ohne die Ber&#252;cksichtigung des Klassenkampfes ist ein R&#252;ckschritt, sei es nur im Verh&#228;ltnis zu den b&#252;rgerlichen Historikern der Franz&#246;sischen Revolution im 19. Jahrhundert (die an das Thema selbstverst&#228;ndlich nicht als Sozialisten oder Kommunisten herangingen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber es reicht auch nicht, den Kapitalismus durch die Ausbeutung der Proletarier durch die Bourgeois zu definieren. Diese Ausbeutung muss auch von jener der Sklaven, der Leibeigenen usw. unterschieden werden (die Sklaven haben ihre Herren nicht gest&#252;rzt, genauso wenig die Leibeigenen). In der kapitalistischen Produktionsweise ist es eben genau die Ausbeutung, in diesem Fall der Widerspruch Kapital/Arbeit, die es m&#246;glich macht, ihr Ende in Betracht zu ziehen. Das ist der Sinn und Zweck des Manifests von 1848, sonst w&#228;ren Marx und Engels zur Verbesserung der Dinge engagierte Soziologen oder Philosophen, wie so viele andere ihrer und unserer Zeitgenossen, ohne Anspruch, zu einer &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Theorie beizutragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, auf den Klassen zu beharren, um einem Dogma treu zu bleiben. Wenn man die Existenz einer Bourgeoisie, deren Interessen &#8222;naturgem&#228;ss&#8220; jenen der Proletarier widersprechen, nicht wahrnimmt, versteht man das zu &#252;berwindende Hindernis nicht und auch nicht, wie man es &#252;berwinden kann. Im besten Falle ruft man zu einer Demokratisierung auf, die &#8222;der Oligarchie&#8220; ihre Macht nehmen oder sie verringern w&#252;rde. Im schlimmsten Falle, weil &#8222;wir alle im gleichen Boot sind&#8220;, verl&#228;sst man sich auf den guten Willen aller.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Produktivit&#228;t&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was macht die aussergew&#246;hnliche Kraft der kapitalistischen Produktionsweise aus? Das Streben nach Produktivit&#228;t und sie erkl&#228;rt die Produktion f&#252;r die Produktion. Die Produktion f&#252;r den Profit ist gleichbedeutend mit der Einsparung &#8211; durch ihre systematische Verringerung &#8211; von Arbeit. Was voraussetzt, die Zeit und, ausgehend davon, alles zu z&#228;hlen. Aber wo wird diese Produktion organisiert? In jener nicht minder wesentlichen Realit&#228;t des Kapitalismus, dem Unternehmen: Das Kapital ist eine unpers&#246;nliche Macht, obwohl sie von menschlichen Wesen verwaltet wird, steht sie &#252;ber ihnen. Hier liegt die Grundlage jenes Systems, das es zu vernichten gilt: Es in den Dienst einer anderen Politik, einer anderen Entwicklung oder eines anderen Wachstums zu stellen, wird nur die Oberfl&#228;che davon ver&#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wort Produktivismus f&#252;hrt in die Irre. Dieses System produziert nicht, um zu produzieren, sondern um Wert zu akkumulieren, nicht durch eine Bewegung, die autonom geworden w&#228;re, sondern durch die produktive Arbeit. Nat&#252;rlich zugunsten jener Klasse, welche davon profitiert; doch die Bourgeoisie ist nur der Agent davon, nicht die Ursache. Andererseits, obwohl eine &#8222;Konsumgesellschaft&#8220; sehr wohl existiert (auf einem Niveau, das sich Marx schwer h&#228;tte vorstellen k&#246;nnen), basiert der Kapitalismus auch nicht auf dem Konsum f&#252;r den Konsum. Er ist eine Auswirkung davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in dieser Produktionsweise am sichtbarsten und auch sehr wohl real ist, definiert ihn jedoch nicht &#8211; die Hyperproduktion genauso wenig wie der Hyperkonsum. Sonst w&#252;rde &#8222;Antikapitalismus&#8220; nur bedeuten, gegen seine Exzesse zu k&#228;mpfen und zur M&#228;ssigung anzuregen (die Uneinigkeit betrifft nur die Mittel: Begrenzung des Kapitalismus durch die Wahl, die Strassenaktion oder die Schaffung einer alternativen Wirtschaft, die als gutes Beispiel fungiert).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Zwei Widerspr&#252;che? Oder: Ist die Natur eine historische Kraft?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf des 20. Jahrhundert kamen einige Ungeduldige, die in Anbetracht eines Kapitalismus, der weiterhin w&#228;chst und die Welt beherrscht, den Widerspruch Kapital/Arbeit als historisch ungen&#252;gend und theoretisch inad&#228;quat beurteilten, zum Schluss, dass man einen anderen finden muss, dessen Anf&#252;gung es endlich erlauben w&#252;rde, die Geheimnisse des Kapitalismus zu verstehen und ihn leichter abzuschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf eine ganz andere Weise haben seit den 1980er Jahren diverse Marxisten, besonders James O'Connor, die These eines &#8222;zweiten Widerspruchs des Kapitalismus&#8220; dargelegt: Zu jenem zwischen den Produktivkr&#228;ften und den Produktionsverh&#228;ltnissen f&#252;gen sie einen weiteren hinzu, jenen zwischen der Produktionsweise und ihren materiellen Bedingungen, insbesondere der Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Marx, um uns auf ihn zu beschr&#228;nken, von &lt;i&gt;Widerspruch&lt;/i&gt; sprach, tat er das, um jene Dynamik zu bezeichnen, welche ein gesellschaftliches System antreibt, sich entwickeln l&#228;sst und es zerst&#246;ren kann, in diesem Fall in der kapitalistischen Produktionsweise der Widerspruch zwischen Produktivkr&#228;ften und Produktionsverh&#228;ltnissen und/oder zwischen Lohnarbeit und Kapital. Dieses &#8222;und/oder&#8220; ist notwendig, denn das Marxsche und sp&#228;ter marxistische Denken hat die beiden Gegens&#228;tze weitgehend miteinander assimiliert, als ob das Proletariat der Tr&#228;ger jener Produktivkr&#228;fte w&#228;re, welche es sich aneignen w&#252;rde, um sie zugunsten aller gegen die Bourgeois als Verteidiger der Produktionsverh&#228;ltnisse im Dienste ihrer Interessen zu entwickeln. Zu Marx und dem Marxismus, siehe unsere Episode 1, &#167; 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;O'Connor &#252;bernimmt diesen Widerspruch, aber schliesst die Natur in die Produktivkr&#228;fte mit ein. Marx, erkl&#228;rt er, wusste, dass die kapitalistische Land- und Forstwirtschaft die Natur zerst&#246;ren, doch er hatte nicht verstanden, dass die Zerst&#246;rung der Natur (unendlich viel schlimmer im 20. als im 19. Jahrhundert) ein starker Faktor f&#252;r die Verringerung der Profite und Akkumulationsm&#246;glichkeiten sei, dermassen, gem&#228;ss O'Connor, dass sie einen strukturellen Widerspruch in dieser Produktionsweise darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Marx handelte es sich tats&#228;chlich nur um zus&#228;tzliche Zw&#228;nge f&#252;r das Kapital. Ricardo hingegen unterstrich die Verringerung des Profits aufgrund der sinkenden landwirtschaftlichen Ertr&#228;ge, da notwendigerweise weniger fruchtbare B&#246;den genutzt werden mussten. Im 19. Jahrhundert (Ricardo starb 1823) blieb die Landwirtschaft, sogar im Land, das die Industrierevolution angetrieben hatte, sehr wichtig. Im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; schliesst die kurze Passage &#252;ber die Klassen im Buch III &#8222;die Grundeigent&#252;mer&#8220; in &#8222;die drei gro&#223;en Klassen der modernen [&#8230;] Gesellschaft&#8220; neben den &#8222;Lohnarbeiter[n]&#8220; und den &#8222;Kapitalisten&#8220; mit ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles h&#228;ngt vom Sinn ab, den man &#8222;Widerspruch&#8220; gibt. Jener, welche Bourgeois und Proletarier einander entgegensetzt, strukturiert den Kapitalismus und kann eines Tages zu seiner Zerst&#246;rung f&#252;hren. Wenn der Kapitalismus hingegen seine &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Grundlagen &#8211; die er tats&#228;chlich tendenziell so behandelt, als ob sie fast gratis und unersch&#246;pflich w&#228;ren &#8211; ruiniert, ersch&#252;ttert und bedroht das seine Profite, erschwert die Aktivit&#228;t gewisser Sektoren und wird andere ruinieren, doch stellt nicht seinen Fortbestand als System infrage. Er wird die sozio-&#246;kologische Krise auf seine Weise (zerst&#246;rerisch f&#252;r die Natur und katastrophal f&#252;r die Proletarier) l&#246;sen, ohne sich jedoch selbst zu zerst&#246;ren. Man k&#246;nnte sagen, dass diese Entwicklung &#8222;alles ver&#228;ndert&#8220;, ausser dass es sich nicht um einen Widerspruch handelt, der die Grundlage der Produktionsweise ber&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem erweitert James O'Connor den Agenten der gesellschaftlichen Ver&#228;nderung jenseits der Lohnarbeit und sieht eine sich abzeichnende Einheit zwischen &#8222;der Arbeiterbewegung&#8220;, &#8222;dem Feminismus, den Umweltbewegungen&#8220;, &#8222;den neuen sozialen Bewegungen&#8220;, &#8222;der fast universellen Volksbewegung zum Schutz der Produktionsbedingungen&#8220; und zur &#8222;Demokratisierung des Staates&#8220;. Er deutete 1988 an, was seither theoretisiert worden ist: Der &#8222;Klassenwiderspruch&#8220; sei nur einer unter anderen, jener der Geschlechterrollen, der Rasse &#8211; wieso also nicht eine als zur Mobilisierung der Massen vorausgesetzte Bewegung &#8222;f&#252;r das Klima&#8220; hinzuf&#252;gen? Jeder auch nur ein bisschen wichtige Protest, jede Revolte wird nun als strukturierender Widerspruch des Kapitalismus wahrgenommen und aufgrund seiner F&#228;higkeit beurteilt, die Massen auf die Strasse zu bringen. Allem, dem man sich widersetzt, wird zwingend die Definition eines so weit wie m&#246;glich dehnbaren Kapitalismus gegeben, jeder Kampf sei antikapitalistisch. Viele Autoren bem&#252;hen sich &#252;brigens so stark wie m&#246;glich, nicht den Eindruck zu geben, die K&#228;mpfe und somit die daran teilnehmenden &#8222;Leute&#8220; zu hierarchisieren. Es gebe keinen gesellschaftlichen Schwerpunkt mehr: Das Zentrum sei jetzt &#252;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grunde genommen betrachtet O'Connor die materiellen Produktionsbedingungen als historische Kraft, deren Handlung, genau wie jene der Gesamtheit der Produktivkr&#228;fte, eine Auswirkung auf die kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse habe. Doch was &lt;i&gt;tut&lt;/i&gt; die Natur? Die Erde beschr&#228;nkt sich darauf, sich dem anzupassen, was sie &lt;i&gt;erduldet&lt;/i&gt; (mit ein bisschen Fantasie k&#246;nnte man sie &#8222;resilient&#8220; nennen). Eine wie auch immer geartete historische Kraft trifft Entscheidungen, w&#228;hlt zwischen verschiedenen und entgegengesetzten Optionen, sie ist auch f&#228;hig, sich zu t&#228;uschen, sie tut mehr als nur auf sie in eine einzige Richtung dr&#228;ngende Anreize und Zw&#228;nge zu reagieren. Das gilt nicht f&#252;r einen Wald, einen Gletscher oder ein &#214;lfeld. Unter den Produktivkr&#228;ften hat nur das Proletariat eine gesellschaftliche Existenz und kann somit als historisches Subjekt handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Industriegesellschaft oder kapitalistische Gesellschaft?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Regiert die Technik die Welt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verf&#252;gt die Bourgeoisie &#252;ber das Monopol &#252;ber die Technologie oder &#252;ber die Produktionsmittel? Gewiss beides, doch ersteres ergibt sich aus zweiterem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anders gesagt, ist die kapitalistische Produktionsweise &lt;i&gt;zuerst&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;allen voran&lt;/i&gt; ein Technokapitalismus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Tatsache, dass &#8222;die Marxisten&#8220; stark dazu tendierten, die Technik als gesellschaftlich neutral zu betrachten, als ein Instrument, dass sich die Proletarier aneignen w&#252;rden, indem sie es weitertreiben und in den Dienst der Menschheit statt einer Minderheit stellen w&#252;rden. Aber es reicht nicht, den marxistischen Mangel ausfindig zu machen. Man muss den Kern dieser Produktionsweise und das betrachten, was seine F&#252;hrungsschicht ausmacht und unterh&#228;lt. Die Bourgeois beherrschen die Technik, weil sie die gesellschaftliche Teilung beherrschen, die sie &#252;ber die Produktionsmittel verf&#252;gen l&#228;sst, und nicht umgekehrt: Die Experten, Ingenieure, Gelehrten, Technokraten usw. regieren die Welt nicht. Der Bourgeois ist nicht ein Modernisator aus Prinzip: Es sind die Konkurrenz mit seinen Rivalen und der Kampf gegen den Widerstand der Lohnarbeiter, die ihn gestern zum Maschinenbetrieb und heute zur Digitalisierung gedr&#228;ngt haben. Die Funktionsweise des MIT ist mit jener von Wall Street verbunden, was nicht bedeutet, dass ersteres im Dienste letzterer steht, und auch nicht, dass, wenn wir uns letzterer entledigen, ersteres endlich dem Gemeinwohl dienen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) Von der kapitalistischen Innovation&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise definiert sich nicht durch die Arbeit (die schon lange vor ihr existierte), sondern durch die &lt;i&gt;Lohnarbeit&lt;/i&gt;, deren Existenz die Trennung des Arbeiters von den Arbeitsmitteln voraussetzt. Seit einigen Jahrzehnten ist es eine globale Tatsache: Der beschleunigte Niedergang der Selbstversorgung und der Nahrungsproduktion hat mehr als die H&#228;lfte der Menschheit in den St&#228;dten zusammenstr&#246;men lassen, dort hat der &#8222;Reservelose&#8220; keine anderen Ressourcen, um zu leben, als von einem Chef angestellt zu werden, insofern er es kann. In den entwickelt genannten L&#228;ndern oder Regionen betrifft die Lohnarbeit die &#252;berwiegende Mehrheit der Bev&#246;lkerung: Sogar die &#8222;liberalen&#8220; Berufe (die juristischen z.B.) stellen eine bedeutende Menge an entlohntem Personal an und die meisten &#8222;Kleinunternehmer&#8220; werden von einem Chef beherrscht, der ihnen die Rolle des Lohnarbeiters ohne den durch diesen Status garantierten relativen Schutz aufzwingt. Die Arbeitsteilung (die Teilung in Klassen) hat nicht auf den Kapitalismus gewartet, aber nur er entwickelt eine Gesellschaft, wo alle zum Verkauf (f&#252;r die Proletarier) oder zum Kauf (f&#252;r die Bourgeois) von Arbeitskraft tendieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld charakterisiert den Kapitalismus auch nicht. Alles ist eine Frage des Ausmasses: Ab welcher Schwelle ist ein Ph&#228;nomen m&#228;chtig genug, um eine Gesellschaft zu strukturieren? Es gab schon fr&#252;her Handelsklassen: Im ersten Band von &lt;i&gt;Die grossen Str&#246;mungen der Weltgeschichte&lt;/i&gt; (1944) machte Jacques Pirenne sogar eine Bourgeoisie im antiken &#196;gypten aus, da das Einkommen einer gesellschaftlichen Gruppe nur vom Handel kam. Ein aus dem Ruder gelaufener Finanzmarkt und die Spekulation sind keine neuen Ph&#228;nomene: Holland erlebte seine &#8222;Tulpenkrise&#8220; im 17. Jahrhundert. Die kapitalistische Neuheit ist die Tatsache, dass die Arbeit eine Ware ist, deshalb tendiert alles dazu, zu einer Ware zu werden, und die Beziehungen tendieren immer mehr dazu, durch Geld vermittelt zu werden. Es ist m&#246;glich, ausserhalb des Stromnetzes (&lt;i&gt;off the grid&lt;/i&gt;), aber fast unm&#246;glich, ausserhalb des Geldnetzes zu leben. Die alternativen Gemeinschaften, die ohne Geld leben wollen, schlagen sich in Tat und Wahrheit mit sehr wenig davon durch (soziale Mindestsicherung, kleine Ersparnisse, von Freunden zur Verf&#252;gung gestelltes oder durch den Verkauf einiger Produkte erworbenes Geld).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lohnarbeit und Kapital treffen im Unternehmen aufeinander (siehe unsere Episode 2, &#167; 2). Jedes davon ist durch die Konkurrenz gezwungen, seine Produktivit&#228;t zu steigern, um mehr Wert zu akkumulieren als seine Rivalen. Wachstum ist ein Zwang und damit jene Ph&#228;nomene, welche im industriellen Kapitalismus systematisch geworden sind: permanente Innovation, geplante Obsoleszenz, &#220;berproduktion, &#220;berakkumulation &#8211; mit ihren Auswirkungen auf die Proletarier und die Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;7) Ein bisschen Geschichte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die durch die Kontroverse &#8222;Anthropoz&#228;n oder Kapitaloz&#228;n&#8220; neu lancierte Debatte &#252;ber die Periodisierung der kapitalistischen Produktionsweise dreht sich in Wirklichkeit um ihr Wesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss gewissen Anh&#228;ngern des Kapitaloz&#228;ns w&#228;re die Industrielle Revolution (Ende des 18. Jahrhunderts in Europa) ohne den &#8222;Handelskapitalismus&#8220; (seit dem 16. Jahrhundert) unm&#246;glich gewesen, d.h. ohne die koloniale Expansion und die Ausbeutung anderer Kontinente.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass der Kolonialhandel (besonders die Einkommen aus dem Sklavenhandel und der Zuckerproduktion) die Anh&#228;ufung von danach in die Textilindustrie investierten Verm&#246;gen erlaubt und die Nachfrage nach Fertigwaren beg&#252;nstigt hat. Doch man muss in der Geschichte noch weiter zur&#252;ckgehen. Die These der Zentralit&#228;t des transatlantischen Handels in der Industriellen Revolution verkennt die vorherige Notwendigkeit einer &#8222;industriellen&#8220; Kapazit&#228;t (und &#220;berlegenheit) zur Sicherstellung der Beherrschung der Meere. Zuvor war man gezwungen, Verm&#246;gen durch innereurop&#228;ischen Handel zu akkumulieren, von T&#252;chern allen voran, der seinerseits eine h&#246;here Produktivit&#228;t der Landwirtschaft und des Handwerks im Norden Italiens, Flandern, England, Frankreich und Spanien voraussetzte. Zirkulation setzt eine Produktion voraus. Die (enormen) kolonialen Profite reichen nicht aus als Erkl&#228;rung f&#252;r die Tatsache, dass im England Ende des 16. Jahrhunderts die Produktivit&#228;t eines Landarbeiters um 90% im Vergleich zu den zwei vorhergehenden Jahrhunderten oder der Ertrag pro Acker (0.4 Hektare) Getreide zwischen 1600 und 1750 um 50% ansteigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Industriellen Revolution war eine Revolution der &#8222;Arbeitsamkeit&#8220; vorausgegangen, w&#228;hrend welcher mehr oder weniger alles zur Ware wird. Vor der Expansion des Lohnarbeitsmarktes war ein Pachtmarkt errichtet worden: Um das Land zu bearbeiten, l&#228;sst der Grundeigent&#252;mer Landwirte gegeneinander konkurrieren und stellt den produktivsten davon an, letzterer wird seinerseits seine Landarbeiter dazu dr&#228;ngen, einen maximalen Profit zu liefern. Indien und China sind damals auch zu einer ertragreichen Landwirtschaft f&#228;hig, aber nur in gewissen entwickelten Gebieten: Diesen L&#228;ndern mangelt es an einem wettbewerbsf&#228;higen Markt auf einem Territorium, das von einem relativ stabilen und vereinigten Nationalstaat beherrscht wird, der stark genug ist, um eine weiter entwickelte Steuerharmonisierung als seine Rivalen einzuf&#252;hren (Frankreich wird erst nach 1789 ein einheitliches Steuersystem haben). Das Kapital wird auch zur Ware (der erste Aktienmarkt entsteht in Amsterdam am Anfang des 17. Jahrhunderts).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der industrielle Kapitalismus h&#228;tte nicht existiert und sich nicht so entwickelt, wie er es getan hat, ohne den durch den Handelskapitalismus, besonders dank der Profite der Sklaverei, akkumulierten Reichtum. Es war dar&#252;ber hinaus notwendig, diese Sklaven gegen die konkurrierenden L&#228;nder zu holen und zu transportieren, in einer langen milit&#228;rischen und wirtschaftlichen Konfrontation zwischen der britischen, englischen, holl&#228;ndischen, spanischen und franz&#246;sischen Marine, bis England definitiv als Sieger davon hervorgeht. Ein Kriegsschiff der Royal Navy im 17. Jahrhundert ist ein Navigations- und Kampfsystem (z.B. etwa Tausend Rollenverschraubungen, die alle f&#252;nf Jahre gewechselt werden m&#252;ssen), das nur f&#252;r jene L&#228;nder erschwinglich ist, welche zu dem f&#228;hig sind, was man heute eine &#8222;Waffenindustrie&#8220; nennen w&#252;rde (Venedig war die erste Seemacht gewesen, welche die Schiffsteile standardisiert hatte), und mit einer gesellschaftlichen und technischen Kapazit&#228;t zu einer &#8222;Spitzentechnologie&#8220;, wie es heute ein Rafale-Flugzeug oder eine Predator-Drohne sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einigen Jahrzehnten hat sich die Interpretation der Herausbildung des modernen Kapitalismus ge&#228;ndert. Man mindert die Rolle der Industriellen Revolution (eine Tendenz, die wahrscheinlich mit dem Niedergang der Arbeiterbewegung &lt;i&gt;in den fr&#252;heren kapitalistischen Metropolen&lt;/i&gt; zusammenh&#228;ngt) und man &#252;bersch&#228;tzt jene dessen, was ihr vorausgegangen ist: Entstehung der Bank, koloniale Ausbeutung, Sklaverei, Unterwerfung der Frauen. Die Entstehung des industriellen Kapitalismus wurde von der Sklavenarbeit beg&#252;nstigt, aber seine Expansion ging mit dem Ende des Sklavenhandels und dann der Abschaffung der Sklaverei einher und errichtete sich auf der Grundlage der &#8222;freien&#8220; Arbeit, der Lohnarbeit, welche die ganze Einzigartigkeit dieser Produktionsweise ausmacht. Dar&#252;ber hinaus erkl&#228;rt der Sklavenhandel nicht die industrielle Entwicklung Deutschlands oder die Tatsache, dass die grossen franz&#246;sischen Sklavenh&#228;fen nicht zu industriellen Zentren geworden sind. Ohne den transatlantischen Handel h&#228;tte es freilich keine Ausl&#246;sung der Industriellen Revolution gegeben, aber die strukturelle Grundlage des Kapitalismus ist das Verh&#228;ltnis Kapital/Lohnarbeit, das seit der Renaissance existierte, aber erst mit der Industrialisierung das gegenw&#228;rtige Ausmass erreicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;8) Krise&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie am Ende unserer zweiten Episode erw&#228;hnt, ist die &#246;kologische Krise Teil der Rentabilit&#228;tskrise. Der zeitgen&#246;ssische Kapitalismus tendiert dazu, eine seiner Profitquellen auszutrocknen, n&#228;mlich die Natur. Diese &#8222;abnehmenden Ertr&#228;ge&#8220; evozieren, was Ricardo 1817 darlegte und durch den Zwang zur Bebauung weniger rentabler B&#246;den erkl&#228;rte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das Ph&#228;nomen unterscheidet sich von jenem, das vor zwei Jahrhunderten theoretisiert worden war. Am Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts ist der Preis f&#252;r die aussergew&#246;hnliche Ertragssteigerung pro Hektare (&#8222;die gr&#252;ne Revolution&#8220;) die nicht minder enorme Steigerung der &#8222;Eintr&#228;ge&#8220; (D&#252;nger, Pestizide&#8230;) und die geringere Rentabilit&#228;t des Bodens ist auch einer Verschlechterung der nat&#252;rlichen Gleichgewichte geschuldet, diese war kaum konzipierbar vor zweihundert Jahren, ausser man war Vision&#228;r wie Fourier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise &#8211; und somit die Bourgeoisie, die sie verwaltet &#8211; stolpert &#252;ber die Tatsache, dass sie die Arbeit (den &lt;i&gt;menschlichen&lt;/i&gt; Faktor) nicht auf Wert, auf Zeit, auf Fl&#252;sse reduzieren kann, doch das gilt auch f&#252;r die &lt;i&gt;nat&#252;rlichen&lt;/i&gt; Faktoren. Es gibt weder eine Anthropomorphose des Kapitals, noch seine &#8222;Naturalisierung&#8220;, es unterwirft weder die Arbeit, noch die Erde, weder den Menschen, noch die Natur je komplett, genauso wenig, wie die Bourgeois die prometheische und zerst&#246;rerische Extravaganz, deren Agenten und Beg&#252;nstigte sie sind, beherrschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in eine &#8222;globale&#8220; Krise eingetreten, sie ist bedingt durch gesellschaftliche und politische Widerspr&#252;che, die eine Aussch&#246;pfung der Rohstoffe, steigende Kosten f&#252;r Energie, Umweltsch&#228;den, Vertiefung der interimperialistischen Rivalit&#228;ten und verst&#228;rkte geopolitische Destabilisierung verschlimmern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte lehrt uns, dass gesellschaftliche Explosionen und sogar Klassenk&#228;mpfe in etliche und einander entgegengesetzte Sackgassen und Abstellgleise m&#252;nden k&#246;nnen. Bis jetzt weist nichts darauf hin, dass die gegenw&#228;rtigen defensiven und offensiven proletarischen Handlungen auf allen Kontinenten mechanisch zu einer Infragestellung und einem Sturz des Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit f&#252;hren. Falls es in dieser Situation zu einer bedeutenden sozio-&#246;kologischen Katastrophe kommen sollte (wie einem neuen Tschernobyl in Europa, einer aussergew&#246;hnlichen Hitzewelle oder einer sehr m&#246;rderischen Pandemie), w&#252;rde der Staat darauf, wie w&#228;hrend dem Hurrikan Katrina, mit sowohl gesundheitlichen als auch repressiven Notl&#246;sungen antworten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;9) Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden uns hier damit begn&#252;gen, schnell die Schl&#252;sse aus der weiter oben und in mehreren vorangehenden Episoden skizzierten Definition der kapitalistischen Produktionsweise zu ziehen. Einige etwas lange Zitate werden notwendig sein, um uns im Verh&#228;ltnis zu einer Perspektive zu situieren, die Marx in dem zusammengefasst hat, was h&#228;ufig als Schlussfolgerung des dritten Bandes betrachtet wird: &#8222;Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, da&#223; der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden [&#8230;] Die Verk&#252;rzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#214;kosozialist Paul Burkett fasst eine Marxsche und marxistische Vision gut zusammen, sie wird h&#228;ufig auch auf verschiedene Arten von Anarchisten geteilt: Im Gegensatz zum Kapitalismus, der Produzenten und Produktionsmittel voneinander trennt, wird der Sozialismus/Kommunismus sie vereinen, indem &#8222;er die Arbeitskraft dekommodifiziert [&#8230;] Die kommunistische oder &#8218;assoziierte&#8216; Produktion ist geplant und wird von den Produzenten und Gemeinschaften selbst realisiert, ohne die durch die Klassengesellschaft auferlegten Vermittlungen: Lohnarbeit, Markt und Staat.&#8220; Gemeineigentum und assoziierte Arbeit werden den durch den Kapitalismus unterbrochenen Stoffwechsel der Beziehungen zwischen dem Menschengeschlecht und der Natur wiederherstellen. Zitieren wir auch Michel Husson: &#8222;[D]ie Gefahr grosser planetarer Unordnung ist eigentlich unermesslich [&#8230;] und ihre Kosten unendlich. Das gew&#246;hnliche wirtschaftliche Kalk&#252;l ist nutzlos geworden, sodass ein radikaler Bruch notwendig ist. Wir m&#252;ssen die Sph&#228;re des Kr&#228;merkalk&#252;ls &#252;berwinden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber das alles, um weiterhin zu &lt;i&gt;berechnen&lt;/i&gt;, wenn auch nicht mehr wie ein Kr&#228;mer?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die kapitalistische Produktionsweise das leistungsf&#228;higste je erfundene gesellschaftliche System zur Reduzierung der Produktionskosten ist, dann verdankt sie es besonders der methodischen Buchf&#252;hrung &#252;ber die Arbeitszeit, die sich in der modernen Obsession f&#252;r &#8222;gewonnene&#8220; oder &#8222;verlorene&#8220; Zeit widerspiegelt. K&#246;nnte eine vom Kapitalismus befreite Gesellschaft weiterhin eine systematische Berechnung der Produktionszeit als einfaches Instrument der rationalen (und gerechten) Verwaltung praktizieren, ohne &lt;i&gt;genau dadurch&lt;/i&gt; die Produzenten und Produzentinnen, sogar br&#252;derlich und schwesterlich, dazu zu dr&#228;ngen, rentabler zu werden, wie heute, ausser dass sie glauben w&#252;rden, sie t&#228;ten das in ihrem Interesse? Mit der unvermeidbaren Konsequenz, dass sich dieser Druck auch auf die materiellen Bedingungen ihrer Produktion auswirken und zu einer &#220;berausbeutung der Natur f&#252;hren w&#252;rde?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 19. Jahrhundert ging Engels vielleicht diesbez&#252;glich am weitesten. Er betrachtet die Zeit als &#8222;nat&#252;rliche[s], ad&#228;quate[s], absolute[s] Ma&#223;&#8220; der Arbeit und macht daraus den Regulator einer gemeinschaftlichen Produktion: Wenn jedoch, erkl&#228;rt er, 100 m&#178; Stoff 1&#8216;000 Stunden Arbeit ben&#246;tigten, bedeutet das nicht, &#8222;sie seien tausend Arbeitsstunden wert&#8220;, denn ihre Produktion werde nur durch &#8222;[d]ie Nutzeffekte der verschiednen Gebrauchsgegenst&#228;nde, abgewogen untereinander und gegen&#252;ber den zu ihrer Herstellung n&#246;tigen Arbeitsmengen&#8220; bestimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Anti-D&#252;hring, 1878.&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Engels und die Marxisten, die seine Analyse &#252;bernehmen, h&#228;tte diese Berechnung der Arbeitszeit nichts mehr mit den kapitalistischen Berechnungen zur stetigen Kostenreduzierung, also zur maximalen Senkung der L&#246;hne und der Vernachl&#228;ssigung der Auswirkungen der Produktion auf die Natur, zu tun. Weshalb? Weil es, ihrer Meinung nach, die nun assoziierte und bewusst organisierte Arbeit erlaubt, die n&#246;tigen Arbeitsmengen &lt;i&gt;vor&lt;/i&gt; der Produktion zu kennen, zu messen und vorherzusehen, um die menschlichen und materiellen Mittel zur Befriedigung der gemeinsam durch Kollektive von Produzenten entschiedenen Bed&#252;rfnisse aufzuteilen. So w&#252;rde der Kommunismus die verf&#252;gbaren Ressourcen tangieren, berechnet in Anzahl Ziegelsteine, Kilos Karotten und Metern an Stoff, &lt;i&gt;und auch&lt;/i&gt; in Arbeitsstunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber kann man &lt;i&gt;zugleich&lt;/i&gt; physische Mengen (den physischen &#8222;Nutzeffekt&#8220;) &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; Qualit&#228;t (den in Zeit bewerteten &#8222;Arbeitsaufwand&#8220;) z&#228;hlen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lange vor dem &lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt; und 20 Jahre vor dem &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; bekr&#228;ftigte Marx: &#8222;In einer k&#252;nftigen Gesellschaft, wo der Klassengegensatz verschwunden ist, wo es keine Klassen mehr gibt, w&#252;rde der Gebrauch nicht mehr von dem &lt;i&gt;Minimum &lt;/i&gt;der Produktionszeit abh&#228;ngen, sondern die Produktionszeit, die man den verschiedenen Gegenst&#228;nden widmet, w&#252;rde bestimmt werden durch ihre gesellschaftliche N&#252;tzlichkeit.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Elend der Philosophie.&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr als zwei Jahrhunderte, unter einem allgegenw&#228;rtigen Kapitalismus, der aber auch durch neue K&#228;mpfe wie die &#8222;Anti-Arbeit&#8220; der 1970er Jahre infrage gestellt wird, ist es m&#246;glich, die Frage neu zu denken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es wahr ist, dass jede Gesellschaft messen, vergleichen (und vorhersehen) muss, folgt daraus nicht, dass diese Einsch&#228;tzungen zwingend mit &#196;quivalenzrelationen, wie man sie zwischen Waren im Verlauf des Tausches erstellt, einhergehen m&#252;ssen. Es ist der Kapitalismus, der, um &#252;ber reelle und diversifizierte, geleistete oder vorhergesehene Anstrengungen Rechenschaft abzulegen, alles mit allem vergleichen k&#246;nnen und somit &#252;ber ein allgemeines Mass, die Arbeitszeit, verf&#252;gen, alles in Zeit z&#228;hlen und unter der Herrschaft der Zeit und der Kontrolle der Stunden und Sekunden leben muss. Das Streben nach einem Kriterium, das es erlaubt, jedes Ding mit jedem anderen Ding zu vergleichen, widerspiegelt die Welt des Werts, wo jede Aktivit&#228;t und jedes Objekt entlang einer einheitlichen Berechnungsgrundlage eingereiht werden m&#252;ssen, unabh&#228;ngig von ihrem eigentlichen Wesen und der zu ihrer Hervorbringung spezifischen Anstrengungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls man ein Beispiel will, ist die Digitalisierung der Welt eklatantes Anschauungsmaterial daf&#252;r. Unsere Zeitgenossen sind verwirrt aufgrund der stets wachsenden aussergew&#246;hnlichen &#220;berf&#252;lle an zirkulierenden Daten im Cyberspace: Jeden Tag werden fast drei Milliarden Mails verschickt und 700&#8216;000 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen. Doch die erste Tatsache, die uns erstaunen sollte, ist, dass alles auf vergleichbare, messbare und transportierbare Einheiten reduziert wird: Das Babyfoto, der Artikel des &lt;i&gt;Guardian&lt;/i&gt;, die Bilder der Demo und der Gesang des Didon werden in Nullen und Einsen verwandelt, nat&#252;rlich virtuell, aber es ist eine Virtualit&#228;t, die immer mehr als so real wie die Realit&#228;t erlebt wird, wenn nicht noch mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in einer Revolution aus dem Internet werden w&#252;rde, weiss niemand. Vielleicht werden Liebhaber weiterhin Lust und die M&#246;glichkeit haben, sich augenblicklich Nachrichten von einem Kontinent zum anderen zu schicken (unter der Bedingung, dass es genug Elektrizit&#228;t gibt f&#252;r diese Art von Aktivit&#228;t und gen&#252;gend freiwillige Techniker, um ein solches planetares Netzwerk zu unterhalten). Nehmen wir trotzdem an, dass eine andere Menschheit es leid wird, alles &#252;ber alles mit einem Klick zu wissen und ihre Meinung wozu auch immer abzugeben. Wie es auch immer sein mag und insofern es heute m&#246;glich ist, sich davon ein Bild zu machen, wird der Kommunismus nicht danach streben, jede Praxis und jedes Objekt auf das zu reduzieren, was sie mit anderen gemeinsam haben, und darauf, wie sie mit anderen austauschbar sind. Er w&#252;rde sich mit der Befriedigung qualitativ anderer Bed&#252;rfnisse befassen. Er w&#252;rde die verf&#252;gbaren Mittel einsch&#228;tzen und z&#228;hlen, ohne sie daf&#252;r alle (Rohstoffe, Werkzeuge, menschliche F&#228;higkeiten&#8230;) gem&#228;ss einer gemeinsamen Essenz, die aus der zu ihrer Produktion notwendigen, mittleren Arbeitszeit best&#252;nde, zu bemessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lewis Mumford zeigte 1934 auf, wie die Zeitmessung dazu gekommen war, unsere Welt zu beherrschen und sah in der mechanischen Uhr, noch mehr als in der Dampfmaschine, die Schl&#252;sselerfindung der Industriellen Revolution: &#8222;Die Uhr ist ein Antriebsmechanismus, dessen &#8218;Produkt&#8216; Sekunden und Minuten sind.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Umweg hat uns nicht von der &#214;kologie entfernt, denn es gibt Arten, die Welt zu betrachten, die einem daran hindern, sie zu verstehen. Es gibt ein logisches und notwendiges Verh&#228;ltnis zwischen der Ausbeutung des Proletariers und der zerst&#246;rerischen &#8222;Verwertung&#8220; Amazoniens. Wenn der Kapitalismus systematisches Streben nach Reduzierung der Kosten und der zur Produktion notwendigen Arbeitszeit ist &#8211; was nicht zu einem geringeren Arbeitsaufwand f&#252;hrt, dieser wird im Gegenteil immer mehr verdichtet &#8211;, geht das mit einer Buchf&#252;hrung der Arbeitszeit einher, die somit nicht eine der Grundlagen des Kommunismus sein kann. Um dem b&#252;rgerlichen Durst nach Profit und seinen zerst&#246;rerischen Konsequenzen f&#252;r den Planeten ein Ende zu bereiten, bricht die Revolution mit der Obsession f&#252;r den Ertrag, dessen Agent der Bourgeois ist. &#214;kologie und Produktivit&#228;t sind inkompatibel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G. D., April 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Simon L. Lewis, Mark A. Maslin, &lt;i&gt;The Human Planet. How We Created the Anthropocene&lt;/i&gt;, Pelican, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marx und die Klassen&lt;/strong&gt;: Fragment &#8222;Die Klassen&#8220;, &#252;ber die drei &#8222;gro&#223;en Klassen der modernen [&#8230;] Gesellschaft&#8220;, dabei ist festzuhalten, dass das Grundeigentum immer kapitalistischer wird: &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 892-893.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;James O'Connor (1988 mit Barbara Laurence Gr&#252;nder der Zeitschrift &lt;i&gt;Capitalism, Nature and Socialism&lt;/i&gt;): &lt;a href=&#034;http://www.vedegylet.hu/okopolitika/O%27Connor%20-%20Capitalism,%20Nature,%20Socialim.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Capitalism, Nature, Socialism: A Theoretical Introduction&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zur Arbeit&lt;/strong&gt;: &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/de-la-crise-a-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la Crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;, Entremonde,&lt;/a&gt; 2017, Kap. 3, &#167; 2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und: &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1576&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Travail : L'enjeu des 7 erreurs&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zur gegenw&#228;rtigen kapitalistischen Krise&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://entremonde.net/de-la-crise-a-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la Crise &#224; la Communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2017, Kap. 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die abschliessenden Kapital von Bruno Astarian &amp; Robert Ferro, &lt;a href=&#034;https://editionsasymetrie.org/ouvrage/le-menage-a-trois-de-la-lutte-des-classes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;M&#233;nage &#224; trois&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Asym&#233;trie, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx zu den &#8222;assoziierten Produzenten&#8220;: &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 828.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt; (1847), Kap. 1, &#167; 2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Engels, &lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt;, 1878, dritter Teil, &#8222;Sozialismus&#8220;, Kap. 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lewis Mumford, &lt;i&gt;Technics and Civilization&lt;/i&gt;, 1934.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/22&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Activit&#233; de crise &amp; communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3214&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode08&#034;&gt;Episode 08: Auf verlorenem Posten?&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_219 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/08.cause-perdue-1.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/jpg/08.cause-perdue-1.jpg?1702381273' width='500' height='335' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;The ice age is coming, the sun is zooming in&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ Engines stop running, the wheat is growin' thin&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ A nuclear error, but I have no fear.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;The Clash, &lt;i&gt;London Calling&lt;/i&gt;, 1979&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ein spanischer Gewerkschaftsaktivist sagte 1922: &#8222;Wenn wir uns doch nur die Produktionsmittel h&#228;tten aneignen k&#246;nnen, als das System jung und schwach war, dann h&#228;tten wir es langsam zu unserem Vorteil entwickeln k&#246;nnen, indem wir aus der Maschine den Sklaven des Menschen gemacht h&#228;tten. Jeder Tag, den wir warten, macht die Sache schwieriger.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hundert Jahre sind vergangen. Ohne schnelle Umkehrung der gegenw&#228;rtigen Tendenzen wird der mittlere Anstieg der Temperaturen 2&#176; C im Verlauf unseres Jahrhunderts betragen, die Folgen davon werden katastrophal sein und die Regierenden darauf mit einer Mischung von Verweigerung, l&#228;ppischer Reform und verschlimmerter Repression antworten. Ist es vielleicht schon zu sp&#228;t?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Kein Klimadeterminismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein grosser, nicht allzu weit zur&#252;ckliegender Klimawandel ist allseits bekannt, die &#8222;Kleine Eiszeit&#8220; vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, die ihren H&#246;hepunkt zwischen 1570 und 1730 erreicht: Sie war eine Katastrophe f&#252;r die Ernten und habe einen Drittel der Menschheit im 17. Jahrhundert get&#246;tet (600&#8216;000 Tote in Frankreich w&#228;hrend des &#8222;grossen Winters&#8220; 1708-1709).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Lehre aus dieser schrecklichen Erfahrung ist, dass der entscheidende Faktor nicht das Klima mit seinen Folgen ist, sondern die F&#228;higkeit oder Unf&#228;higkeit der Gesellschaften, damit umzugehen. Japan, ein ab dieser Epoche vereinigter Staat mit einem Steuersystem und Verkehrswegen, die damals ihresgleichen suchten, der auf einem &#8222;Gesellschaftskompromiss&#8220; zwischen dem Adel, der Handelsklasse und den b&#228;uerlichen Eigent&#252;mern beruhte, wollte und konnte Lebensmittelvorr&#228;te anlegen und sie verteilen, den Reisanbau obligatorisch machen, die M&#228;ssigung erzwingen, den Aussenhandel reduzieren und von seiner geographischen Isolation profitieren, um Milit&#228;rausgaben zu vermeiden. Somit konnte er die Auswirkungen der Krise und die dadurch ausgel&#246;sten Unruhen begrenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das 21. Jahrhundert unterscheidet sich vom 17.: Das kapitalistische System ist zu einer Kraft geworden, die f&#228;hig ist, die f&#252;r die materiellen Bedingungen f&#252;r dieses uns bekannte Leben auf der Erde notwendigen Gleichgewichte zu ersch&#252;ttern und das nicht nur durch einen Atomkrieg, von dem es naiv w&#228;re, zu glauben, dass er nie stattfinden werde. Unsere &#8222;globale Krise&#8220; wird von einem anderen Ausmass sein als jene der &#8222;Kleinen Eiszeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch ist der Klimawandel genauso wenig wie im 17. Jahrhundert ein neuer historischer Akteur, der das menschliche Handeln als entscheidenden Faktor ersetzen w&#252;rde. Was wir &#8222;Natur&#8220; nennen, spielt nur in Dynamiken eine Rolle, die aus gesellschaftlichen Situationen und Widerspr&#252;chen bestehen. Weder die Ursachen, noch die L&#246;sungen sind &lt;i&gt;zuerst&lt;/i&gt; physisch oder technisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Welche Grenze f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Der Luftkrieg&lt;/i&gt;, ein 1907 ver&#246;ffentlichter Roman von H. G. Wells, erz&#228;hlt von einem Weltkrieg, gef&#252;hrt von den Luftflotten aller L&#228;nder, der die Welt verw&#252;stet und die Menschheit in zwei Jahrzehnten in ein vorindustrielles Zeitalter zur&#252;ckbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist das unwahrscheinlichste Szenario. Was auch immer geschehen mag, scheint es sicher, dass die Industriegesellschaft fortbestehen wird, auf andere Art und Weise. Zur Eisenbahn des 19. und der Autobahn des 20. Jahrhunderts werden der Riesendamm, die Bepflanzung zur Bindung von CO2 und Solarparks von 100 km&#178; hinzukommen, dar&#252;ber hinaus die Digitalisierung &#252;berall: Weder heute noch morgen wird die Ausbeutung der Kongolesen zur Extraktion von Coltan aufh&#246;ren. Der Graben zwischen Reichen und Armen wird tiefer werden, die &#8222;&#220;berentwicklung&#8220; hier zur &#8222;R&#252;ckst&#228;ndigkeit&#8220; dort f&#252;hren (Anfang des 21. Jahrhunderts benutzt &#252;brigens einer von drei Menschen fast keine fossile Energie und drei Viertel der Bauern benutzen nur Handwerkzeug). Das Afrika 2050 wird nicht dem aktuellen oder gar dem Europa von 1950 &#228;hneln: Sowohl in Lagos als auch in Dakar werden die Privilegierten von der vierzigsten Etage ihres Hochhauses die ein paar Kilometer weiter entfernt aufgebauten Elendsviertel kaum sehen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise geht mit der Reproduktion des Menschengeschlechts und des Lebens auf der Erde einher und solange sie existiert, wird die kapitalistische Produktionsweise sie reproduzieren, zum Preis von Millionen von Toten heutzutage, vielleicht bald von Hunderten Millionen. Wenn es nur darum geht, die gesamte oder einen Teil der Natur zu zerst&#246;ren, hat das System schon vieles gesehen, es zerst&#246;rt die Lebensbedingungen, massakriert massenweise durch den Krieg, den Kolonialismus und den V&#246;lkermord. Die Verschmutzungen und ihre Verw&#252;stungen wurden schon Anfang des 19. Jahrhunderts angeprangert und im Allgemeinen waren die Bourgeois nicht davon betroffen, sie wohnten weit vom giftigen Rauch entfernt. Die Existenz ist schon unertr&#228;glich f&#252;r Hunderte Millionen, kaum ertr&#228;glich f&#252;r einige Milliarden: Die Tatsache, dass sich diese Situation auf Milliarden weitere ausweitet ist weder mit dem kapitalistischen System, noch mit dem Fortbestand seiner F&#252;hrungsschicht inkompatibel: &#8222;Der Kapitalismus wird keines nat&#252;rlichen Todes sterben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Walter Benjamin, Das Passagen-Werk.&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzig &lt;i&gt;nachhaltige&lt;/i&gt; kapitalistische Entwicklung ist jene seiner F&#252;hrungsschicht, die, in ihren verschiedenen Formen, immer alles in ihren M&#246;glichkeiten Stehende getan hat, um fortzubestehen, und bis zum heutigen Tage hat sie es geschafft, ohne kollektives Gehirn oder internationales F&#252;hrungszentrum. In den 1920er und 1930er Jahren hat sich der aus dem Erdbeben des Krieges 1914-1918 (und gegen die revolution&#228;re Ersch&#252;tterung) entstandene V&#246;lkerbund als unf&#228;hig erwiesen, eine internationale Ordnung aufrechtzuerhalten, f&#252;r dessen Wiederaufbau es einen Zweiten Weltkrieg brauchte. Der Kapitalismus ist daran nicht gestorben &#8211; ganz im Gegenteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie antwortet auf Krisen gem&#228;ss dem Kr&#228;fteverh&#228;ltnis &#8211; d.h. ein Klassenverh&#228;ltnis. Ende des 19. Jahrhunderts hat sie das Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit umgebaut, indem sie damit begann, die Gewerkschaften zu integrieren und die sozialdemokratischen Parteien einzugew&#246;hnen. Nach 1929 und 1939-1945 setzte die organisierte Arbeit einen weiteren Fuss in die Institutionen und die Bourgeoisie hat sich ein bisschen selbst diszipliniert. Gegenw&#228;rtig ist die Aufrechterhaltung der nat&#252;rlichen Bedingungen f&#252;r den Kapitalismus genauso notwendig wie jene der politischen Gleichgewichte im 20. Jahrhundert, aber die F&#252;hrungsschichten k&#246;nnen sowohl im Klimachaos als auch unter Kriegsbedingungen fortbestehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und sogar mitten in der Katastrophe (&#252;ber)leben. Wie wir vor etwa zw&#246;lf Jahren in &lt;i&gt;Demain, orage&lt;/i&gt; bemerkten, werden vielleicht in hundert Jahren nur ein oder zwei Milliarden Menschen &#252;brig bleiben, einige davon gefl&#252;chtet in den Untergrund, wie es &lt;i&gt;THX 1138&lt;/i&gt; zeigte (ein Film von George Lucas von 1971), die sich von synthetischer Nahrung ern&#228;hren, einige &#220;berbleibsel der Menschheit bestehen an der Oberfl&#228;che fort, auf verschiedenen Niveaus der Barbarei oder des gemeinschaftlichen &#220;berlebens. Schon heutzutage erleben wir die Produktion synthetischen Fleisches und die essbaren Insekten erscheinen in den Regalen der grossen Superm&#228;rkte. Die Erde wird schon bald unbewohnbar sein, wie es David Wallace-Wells im Buch mit ebendiesem Titel bekr&#228;ftigt. Aber was heisst schon bewohnbar? &#8222;Man lehrt die Menschen alles&#8220;, schrieb Voltaire, &#8222;Tugend und Glaube&#8220;; wir w&#252;rden die Not, die Enteignung, das Exil, den Verlust der Illusionen oder auch neue t&#246;dliche Ideologien hinzuf&#252;gen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und vor der Erreichung der Grenzpunkte (die mehr oder weniger den bewusst alarmistischen Vorhersehungen von Wallace-Wells &#228;hneln) wird sich der Prozess &#252;ber Jahrzehnte erstrecken oder beschleunigen. Es bleiben Gas- und &#214;lreserven f&#252;r einige Dutzend Jahre und Kohlereserven f&#252;r mehr als ein Jahrhundert &#252;brig: Ihre Gewinnung ist immer noch rentabel, sie liefern drei Viertel der konsumierten Energie und dieser Anteil wird umso langsamer schwinden, als dass die Multinationalen der &#8222;fossilen Energie&#8220; immer noch zu den m&#228;chtigsten der Welt geh&#246;ren. Wir laufen Gefahr, eine Mischung aus echten und falschen Reformen, eine zunehmende Verk&#252;nstlichung der Lebensweisen und parallel dazu die Entstehung alternativer Daseinsformen (zwangsl&#228;ufige Notl&#246;sungen f&#252;r die Verschlimmerung der sowohl klimatischen als auch gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) und die Selbstverwaltung des Elends unter der Regie einer Kombination von einem &#8222;&#252;berf&#252;rsorglichen Staat&#8220; (&lt;i&gt;nanny state&lt;/i&gt;), Sozialkrediten und omnipr&#228;senter &#220;berwachung wie in China und nationalen/ethnischen R&#252;ckschritten, zunehmender Identit&#228;tspolitik usw. zu erleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Auf der Corona&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;spur&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab &#8222;die Welt nach&#8220; dem Mauerfall oder &#8222;die Welt nach&#8220; dem 11. September 2001; heute sei es jene nach der Covid-19-Pandemie, die eine neue &#196;ra ank&#252;ndige, eine gl&#252;ckliche oder eine desastr&#246;se, oder die sogar &#8211; f&#252;r die Radikalsten oder die Optimistischsten &#8211; endlich die t&#246;dliche Realit&#228;t des Kapitalismus ans Licht bringe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was &#228;ndert sich wirklich, wenn der Tod in einem solch massiven Ausmass zuschl&#228;gt (am 15. Mai 2021 mehr als 3.3 Millionen Menschen gem&#228;ss Worldometers)? Und was zeigt die staatliche, politische, mediale usw. Behandlung davon?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit bringt diese Pandemie viel ans Licht, das wir schon wussten, und modifiziert wenig dessen, was die Bourgeois (durch ihre Funktion) und die Proletarier (durch ihre gegenw&#228;rtige Zerschlagung) unf&#228;hig sind, zu &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ungleichheiten werden in Anbetracht einer sie verschlimmernden Katastrophe noch deutlicher. W&#228;hrend dem &#8222;grossen Winter&#8220; 1709 sterben Hunderttausende Arme den K&#228;lte- und Hungertod, w&#228;hrend in Versailles der Hof in seinen Spitzen &#252;berlebt. Drei Jahrhunderte und eine Industrielle Revolution sp&#228;ter zeigt eine Welt, die sich f&#252;r reich h&#228;lt, ihre soziale und menschliche Armut und vor allem ihre tiefe Logik: Das Wesentliche der Wirtschaft und der Produktion, wenn auch verlangsamt, aufrechterhalten und daf&#252;r die Lohnarbeiter weiterhin zur Arbeit schicken, w&#228;hrend elementare gesundheitliche Massnahmen ergriffen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige haben die Verantwortung der kapitalistischen Produktionsweise in der Pandemie dargelegt: Wir werden nicht weiter darauf eingehen. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ereigneten sich von elf weltweiten Pandemien f&#252;nf im Verlauf der letzten 20 Jahre. Die Lohnarbeits- und Warenzivilisation hat Covid-19 nicht erschaffen, aber seine Ausbreitung durch die vermehrte Zirkulation der Menschen und G&#252;ter, eine ungesunde urbane Konzentration, die Verarmung der entwurzelten ruralen Massen, eine Agroindustrie, welche die &#220;bertragung von Viren beg&#252;nstigt, eine pathogene Lebensweise und Ern&#228;hrung, welche die Wahrscheinlichkeit f&#252;r &#220;bergewicht, Diabetes und Bluthochdruck erh&#246;hen (was in erster Linie die &#196;rmsten betrifft), und den Abbau der Systeme der sozialen Sicherung in den entwickelt genannten L&#228;ndern beg&#252;nstigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus ist ebenfalls todkrank.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort der f&#252;hrenden Eliten auf die &#220;bel, zu deren Erschaffung er beitr&#228;gt, entspricht dem, was sie sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Foch verlangte 1916 100&#8216;000 Handgranaten pro Tag f&#252;r Verdun. Ein Jahrhundert sp&#228;ter hat keine Regierung trotz der ihnen zur Verf&#252;gung stehenden Mittel einen grossen Plan zum Bau von Spit&#228;lern (ausser in China, sagt man) oder zur Ausbildung von medizinischem Personal aufgegleist. Gleichzeitig hat nichts den Abschuss in Richtung Mars des Roboters Perserverance gebremst, &#8222;konzipiert, um Biosignaturen von alten Mikroben zu entdecken, die sich wom&#246;glich vor drei Milliarden Jahren auf diesem Planeten tummelten&#8220;, und man er&#246;ffnete riesige Einkaufszentren. Der Unterschied zwischen 1916 und 2020-2021, zwischen einem europ&#228;ischen Konflikt und einer allgemeinen Pseudomobilisierung f&#252;r die Gesundheit ist, dass ein deutscher Sieg im Ersten Weltkrieg die Interessen der franz&#246;sischen Bourgeoisie und die Macht des franz&#246;sischen Staates getroffen h&#228;tte, w&#228;hrend der Ausbruch einer weltweiten Pandemie seit Anfang 2020 keine Bedrohung f&#252;r die F&#252;hrungsschichten darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nie das Ziel einer Gesellschaft, ein Maximum an menschlichen Leben zu erhalten, sondern ihr Fortbestand. (Wenn &#252;brigens die Rettung von Leben eine Priorit&#228;t w&#228;re, w&#252;rde man gegebenenfalls entgegen der W&#252;nsche der Bev&#246;lkerungen den Tabak, den Alkohol oder sogar den Zucker verbieten.) Die erste Sorge der Bourgeois ist, dass die Wirtschaft weiterhin l&#228;uft. Jene der Staaten ist, dass die Spit&#228;ler nicht &lt;i&gt;allzu offensichtlich&lt;/i&gt; &#252;berfordert sind: &#8222;[D]ie &#220;berzeugung, dass das Niveau des Drucks auf die Gesundheitssysteme &#8211; eher als die absolute Zahl der Todesf&#228;lle oder Ansteckungen &#8211; der entscheidende Faktor f&#252;r die Ergreifung der auf eine Begrenzung der Mobilit&#228;t der Individuen und, mit ihnen, der Ausbreitung des Virus abzielenden Massnahmen durch die Nationalstaaten sein w&#252;rde [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il lato cattivo.&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die Verwaltung des Virus tats&#228;chlich einer &#8222;Biopolitik&#8220; auf weltweiter Ebene gleichkommt, ist sie untrennbar mit einer sehr kapitalistischen &#8222;Gesundheitswirtschaft&#8220; verbunden, sie vermischt Buchhaltung und Medizin und in ihr folgt die Verwaltung der Fl&#252;sse den Logiken von Angebot und Nachfrage im Pflegebereich. Was die Unternehmen der Big Pharma betrifft, bef&#252;rchten sie nicht im Geringsten, dass sie verstaatlicht oder dass ihre Impfstoffe zu &#8222;Gemeing&#252;tern&#8220; werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ist das Leben wert? Unsere Episode 3 erinnerte daran, dass der World Wild Fund die &#8222;ozeanische Schatzkammer&#8220; auf 24&#8216;000 Milliarden Dollar sch&#228;tzt, w&#228;hrend die gelehrten Berechnungen die menschlichen Kosten der durch die Klimaerw&#228;rmung verschlimmerten Naturkatastrophen zwischen 1980 und 2012 auf 2.5 Millionen Menschen sch&#228;tzen, was, gem&#228;ss den Statistikern, 3&#8216;800 Milliarden Dollar entspricht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Leben hat keinen Preis&#8220;, sagt man. Im Gegenteil: In einer von Geld beherrschten Gesellschaft ist das Leben ein in Geld messbares Gut und in einer von einer systematischen Verringerung der Produktionskosten bestimmten kapitalistischen Gesellschaft wird das Leben gem&#228;ss einem Kosten-Nutzen-Verh&#228;ltnis beurteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Jahr in guter Gesundheit sei scheinbar in den Niederlanden 80&#8216;000 Euro wert. Um den finanziellen Wert einer Intervention oder einer Behandlung zu bestimmen, denken Spitalmanager und Versicherer in QALYs (&lt;i&gt;quality-adjusted life year&lt;/i&gt;), d.h. in gem&#228;ss ihrer Qualit&#228;t beurteilten Lebensjahren: Ein Jahr in &#8222;perfekter Gesundheit&#8220; ist 1 QALY wert, Sterben 0 QALY, und die anderen Gesundheitszust&#228;nde befinden sich dazwischen. In Kanada hat zum Beispiel eine Kosten-Nutzen-Analyse von Natalizumab das dank dieses Medikaments gegen die Multiple Sklerose erhaltene QALY auf 68&#8216;600 Dollar gesch&#228;tzt, verglichen mit &#8222;dem Verzicht auf Behandlung&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso sollte sich die Medizin mehr als die Schule oder die Autoindustrie der Kommodifizierung und den Geboten der Rentabilit&#228;t entziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Pandemie zeigt die Zerbrechlichkeit eines Systems auf, das f&#228;hig ist, sich zu vertiefen und auszuweiten, aber auch seine F&#228;higkeit, anzudauern. F&#252;r die Bourgeois ist die Gesundheitskrise nicht minder ein Problem als eine L&#246;sung: Sie beschleunigt schon bestehende Tendenzen, obwohl sie zu gewissen bescheidenen Konzessionen verpflichtet. So verteilt man also ein bisschen Einkommen: Das Geld, von dem man uns 2019 wiederholte, dass es nicht vom Himmel falle, tut das pl&#246;tzlich in Form von Krediten. Aber es wird genauso wenig einen neuen Keynesianismus geben, wie die Wahl des 46. Pr&#228;sidenten der USA eine Kurskorrektur ank&#252;ndigt. Die herrschenden b&#252;rgerlichen Schichten &#8211; die Banken, die Finanz, die Multinationalen &#8211; behalten die Macht und &#8222;der freie und unverf&#228;lschte Wettbewerb&#8220; bleibt die Regel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#214;kologisch wird der Planet 2020 allerh&#246;chstens drei Wochen gewonnen haben: Die provisorische Verlangsamung der Produktion hat den &#8222;Tag der &#220;berschreitung&#8220; um etwas weniger als einen Monat verz&#246;gert, das Datum, an welchem die Menschheit alle Ressourcen konsumiert, welche die &#214;kosysteme in einem Jahr produzieren k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine &#8222;aussergew&#246;hnliche Verz&#246;gerung&#8220;, betonen die Scharfsinnigsten. Keine der Ursachen der Klimaerw&#228;rmung wird durch die Behandlung einer Gesundheitskrise, die selbst Teil der Umweltkrise ist, verringert werden. Der Widerspruch zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und ihren nat&#252;rlichen Grundlagen verschlimmert sich. Verschmutzung, Verschlechterung der Biodiversit&#228;t, Entwaldung und Monokultur werden weitergehen und die Entstehung neuer Pathologien beg&#252;nstigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird weder zu einer Wende noch zu einem &#246;kologischen &#8222;Aufschwung&#8220; kommen. Betr&#252;bte Geister bereuen die verpasste Gelegenheit. Aber warum und wie h&#228;tten wir sie ergreifen k&#246;nnen? Und wer ist dieses &#8222;wir&#8220;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat Fukushima in zehn Jahren ver&#228;ndert? Die Atomenergie existiert weiterhin und macht sogar Fortschritte in gewissen L&#228;ndern, sie ist faktisch von den Gr&#252;nen anerkannt, ihre prinzipielle Verweigerung hat sich in eine einfache Forderung nach strengeren Normen verwandelt. Zunehmend ist man gar der Meinung, die Atomenergie habe den Verdienst, &#8222;emissionsfrei&#8220; zu sein und zur Senkung des CO2-Ausstosses beizutragen. Parallel dazu verst&#228;rken sich das Wachstum einer energieintensiven Digitalisierung und die Entwicklung hin zu einem reinen Elektrobetrieb. Der &#214;kozid ist noch lange nicht vorbei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der soziale oder politische Protest geht kaum gest&#228;rkt daraus hervor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An der Spitze behaupten die reformistischen Parteien, ihre k&#252;nftige &#8222;&#246;kologische Planung&#8220; f&#252;hre zu 100% erneuerbaren Energien 2050 &#8211; aber sie ziehen keine wirkliche Reduzierung der industriellen Produktion oder des Energiekonsums in Betracht. Es geht immer weniger darum, bez&#252;glich der Ursachen des Klimawandels zu handeln, nur darum, seine Auswirkungen zu d&#228;mpfen. Man versucht nicht, Energie zu sparen, nur gleich viel (oder gar mehr), aber anders zu produzieren. Was die vorhersehbaren Umwelt- und Gesundheitskatastrophen betrifft, ist die vorherrschende Forderung jene nach einer Erh&#246;hung der Gesundheitsbudgets. Das ist gleichbedeutend mit der Reduzierung des Problems auf einen Mangel an &#8211; materiellen und menschlichen &#8211; Mitteln, als ob unsere gesundheitliche Bedingung von wiederherstellenden Strukturen abhinge: Die Gesellschaft begn&#252;gt sich damit, das zu heilen, was sie nicht verhindern kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Grunds&#228;tzlich machen die Kritischsten sehr wohl grossmehrheitlich den Kapitalismus f&#252;r die Pandemie verantwortlich, aber f&#252;r sie w&#228;re die Emanzipation davon gleichbedeutend mit einer Vervielfachung gesellschaftlicher Experimente und lokaler Praktiken der Selbst-Selbstregierung, deren Ausweitung die Logik des Kapitals und die Macht des Staates zunehmend unwirksam machen w&#252;rden. Eine Ver&#228;nderung revolution&#228;ren Ausmasses also &#8211; ohne diesen &#8222;alten Zopf&#8220; namens Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man hat jenen Strassenausbau f&#252;r die Fahrr&#228;der 2020 zur Entlastung der &#246;ffentlichen Transporte und der Beg&#252;nstigung von Sicherheitsabst&#228;nden und gleichzeitig der F&#246;rderung einer nicht verschmutzenden &#8222;Mobilit&#228;t&#8220; &#8222;Coronaspuren&#8220; genannt. Die Umweltsch&#252;tzer k&#228;mpfen nun daf&#252;r, dass die Coronaspuren, die als provisorisch konzipiert waren, aufrechterhalten und ausgeweitet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Was von uns abh&#228;ngt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Schlimmste ist nur f&#252;r die Prediger der Resignation gewiss. Yves Cochet (fr&#252;herer Umweltminister, heute prominenter Zusammenbruchstheoretiker) k&#252;ndigt uns &#8222;einen unumkehrbaren Prozess&#8220; an, &#8222;an dessen Ende die Grundbed&#252;rfnisse (Wasser, Ern&#228;hrung, Wohnen, Kleidung, Energie usw.) der Mehrheit der Bev&#246;lkerung nicht mehr durch gesetzlich garantierte Dienstleistungen befriedigt werden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit jeher wiederholten die Verteidiger der herrschenden Ordnung, dass die Ausbeutung, die Unterdr&#252;ckung, die Ungleichheit und der Krieg unausweichlich seien und nur abgemildert werden k&#246;nnen. Sie wenden diesen Diskurs heute auf das Klima an. Entweder bestreiten sie die &#246;kologische Katastrophe oder sie erkl&#228;ren unsere Lage f&#252;r ausweglos. Die Idee eines Fortschrittes, einer verbesserungsf&#228;higen Menschheit wird umgekehrt: Die Geschichte h&#228;tte sich in Richtung des bestm&#246;glichen Ausgangs entwickeln sollen, sie entwickle sich nun in Richtung des schlimmstm&#246;glichen. Der b&#252;rgerliche &#8211; &lt;i&gt;und sozialistische&lt;/i&gt; &#8211; Messianismus erliegt den Prophezeiungen des Ungl&#252;cks. Die materielle (und somit intellektuelle, affektive, spirituelle&#8230;) Verbesserung war durch die Gesetze der Geschichte garantiert, nunmehr wird einzig die Katastrophe versprochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politische Moral bleibt ihrerseits unver&#228;ndert. Im 19. und dann im 20. Jahrhundert musste man die b&#252;rgerliche Herrschaft im Namen des Optimismus bez&#252;glich Wachstum akzeptieren, denn was auch immer die Probleme sein m&#246;gen, f&#252;r den Kapitalismus ist nichts unm&#246;glich. Im 21. Jahrhundert m&#252;sste man ihn im Namen des Pessimismus hinsichtlich eines m&#246;glichen Zusammenbruches akzeptieren, denn was auch immer die &#220;bel sind, die uns erwarten m&#246;gen, nur der Kapitalismus und seine F&#252;hrer werden sie beseitigen k&#246;nnen, mehr oder weniger gut oder schlecht, aber alles ist besser als Chaos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r fast die gesamte (b&#252;rgerliche oder proletarische) Bev&#246;lkerung ist heute eine tiefe Zerst&#246;rung der Erde einfacher vorstellbar als ein Bruch mit dem Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl das menschliche Handeln wahrscheinlich einer der Hauptfaktoren f&#252;r die klimatische, geologische usw. Entwicklung geworden ist, bedeutet das nicht, dass seine Folgen nunmehr unumkehrbar w&#228;ren. Alles wird von der F&#228;higkeit der Proletarier abh&#228;ngen, zu unterscheiden zwischen dem, was nicht von ihnen, da Produkte vergangener und gegenw&#228;rtiger Niederlagen, und dem, was von ihnen abh&#228;ngt, da es durch ihre Reaktion ver&#228;nderbar ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Tarente in Apulien lief das gr&#246;sste Stahlwerk Europas (der Ilva-Gruppe), es war der erste Arbeitgeber der Stadt und verantwortlich f&#252;r eine aussergew&#246;hnliche Todesrate aufgrund der durch die Hoch&#246;fen verursachte Verschmutzung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor etwa zehn Jahren f&#252;hrt die weltweite Krise der Stahlindustrie dazu, dass Ilva das immer weniger rentable Werk progressiv schliesst und die Proletarier stehen vor der Alternative, &#8222;an Hunger&#8220; da arbeitslos oder &#8222;an Krebs&#8220; bei der Arbeit &#8222;zu krepieren&#8220;. Am 2. August 2010 wird ein von den Gewerkschaften und den lokalen Beh&#246;rden organisiertes Treffen mit dem Motto &#8222;Retten wir unsere Arbeitspl&#228;tze&#8220; (angeblich die Politik des geringeren &#220;bels) von mehreren Hundert Personen gest&#246;rt, die ein &#8222;Freies und bewusstes B&#252;rger- und Arbeiterkomitee&#8220; ins Leben rufen und zugleich die Schliessung des Stahlwerks und die Kosten&#252;bernahme durch die Ilva f&#252;r die Behebung der durch sie verursachten menschlichen und Umweltsch&#228;den fordern. Das Komitee organisiert sich autonom gegen&#252;ber den gewerkschaftlichen und politischen Apparaten. Gem&#228;ss den Worten einer Einwohnerin von Tarente: &#8222;Es ist, als ob wir unser Schicksal wieder in die eigenen H&#228;nde genommen h&#228;tten.&#8220; Einige Jahre sp&#228;ter spielt Arcelor-Mittal mit dem Gedanken, die Fabrik aufzukaufen (unter der Bedingung, dass der italienische Staat f&#252;r die Sanierung aufkommt), sieht davon ab und das Personal wird nach und nach entlassen. Das Komitee &#252;berlebt und denkt &#252;ber Aktivit&#228;ten nach, die jene der Fabrik ersetzen k&#246;nnten (die Renovation der Altstadt, die Restaurierung der antiken griechischen Ruinen, die Wiederbelebung der Fischerei), Projekte, deren Verwirklichung voraussetzen w&#252;rde, dass anderswo Mobilisierungen einer anderen Art entst&#252;nden, welche die gemeinsame Wurzel der verschiedenen Situationen angehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In vielen F&#228;llen hat die Desertion von abstumpfenden Arbeitspl&#228;tzen die Unterbrechung der sowohl f&#252;r die Ausgebeuteten als auch f&#252;r die Umwelt sch&#228;dlichen Produktionen zur Folge. Im Iran von 1979 hatten die Proletarier selbst, indem sie massiv die menschlich nutzlosen Industrien verliessen, ein so sehr von den radikalen Umweltsch&#252;tzern herbeigew&#252;nschtes &lt;i&gt;Postwachstum&lt;/i&gt; begonnen. Die Streikwelle hatte sogar &#8222;dem Himmel wieder seine Farbe zur&#252;ckgegeben&#8220;, berichtete ein Zeuge, &#8222;durch den Unterbruch der wirtschaftlichen Aktivit&#228;t. Die Revolution war vor&#252;bergehend st&#228;rker als die Verschmutzung.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt und wird immer mehr als &#8222;&#246;kologische&#8220; bezeichnete K&#228;mpfe geben, sie verlieren h&#228;ufig und gewinnen manchmal &#8211; es sind auch &lt;i&gt;sozial&lt;/i&gt;&lt;i&gt;e&lt;/i&gt; K&#228;mpfe gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen: Widerstand eines &#8222;Waldvolkes&#8220; in Brasilien gegen die Entwaldung des Amazonas, Ecuadorianer, welche die bergbauliche Ausbeutung ihres Territoriums ablehnen, Revolte der birmanischen Landwirte, die wegen des Baus einer Pipeline enteignet worden sind, Mobilisierung eines Dorfes in China gegen eine Fabrik, die ihre Abf&#228;lle ins Meer leitet, Aufstand enteigneter Bauern, &#8222;Durst-Proteste&#8220; in Marokko, Blockierung des Transports nuklearer Abf&#228;lle, Krawalle im Irak f&#252;r den Zugang zu Trinkwasser&#8230; Alles K&#228;mpfe, die dazu tendieren, die Unterscheidung zwischen &#8222;&#246;kologisch&#8220; und &#8222;sozial&#8220; zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Akte des Widerstands sind defensiv und versuchen h&#228;ufig, eine Gemeinschaft kleiner Produzenten wiederherzustellen, die durch die neuen zeitgen&#246;ssischen &#8222;enclosures&#8220; enteignet worden sind. Wenn sie mit einer gesellschaftlichen Umstrukturierung begannen, bem&#228;chtigten sich die vergangenen Erfahrungen (die Pariser Kommune und die russische und spanische Revolution sind die bekanntesten davon) der Werkst&#228;tten, Fabriken, Z&#252;ge und des Landes &#8211; um sie in mehr oder weniger kollektiver Verwaltung zu reaktivieren. Aber man zahlte weiterhin (manchmal gleiche) L&#246;hne aus und mass weiterhin den produktiven Beitrag &#8211; die Produktivit&#228;t also &#8211; von jedem, indem seine Arbeitszeit gez&#228;hlt wurde, um die Produktion zu steigern. Das ging einher mit dem Fortbestand der Trennung in &lt;i&gt;Unternehmen&lt;/i&gt;, jedes davon wurde aufgrund seiner buchhalterischen Bilanz evaluiert. Die Aufrechterhaltung der Lohnarbeit und des Unternehmens &#8211; zwei charakteristische kapitalistische Z&#252;ge &#8211; wurde mit der Notwendigkeit einer gegen&#252;ber einer zu allem bereiten Konterrevolution unentbehrlichen produktiven Effizienz gerechtfertigt. Genau das war hingegen die Ursache des Scheiterns: Eine Revolution, die dem Proletarier allen voran eine Rolle als Arbeiter, wenn auch &#8222;assoziiert&#8220;, anbietet, definiert durch seinen Auftrag f&#252;r die Produktion und seinen Beitrag dazu, ist unf&#228;hig, jene breiten Massen anzuziehen, welche f&#252;r ihre Ausweitung und dann ihren Erfolg notwendig (aber nicht hinreichend) sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute sind es weder eine autonom gewordene Megamaschine noch eine den Menschen inh&#228;rente Masslosigkeit, die zur &#8222;(maximalen) Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; dr&#228;ngen, es ist die Konkurrenz zwischen Unternehmen. Indem er mit der Messung des individuellen Beitrages und der Existenz rivalisierender Wertpole brechen w&#252;rde, w&#252;rde ein kommunistischer Aufstand faktisch mit einem &#8222;&#246;kologischen &#220;bergang&#8220; beginnen, besonders durch die Einf&#252;hrung neuer Arten der Produktion und der Nutzung der Energie. Der Gedanke, dass, wenn die M&#228;nner und Frauen sich mehr oder weniger &#252;berall ihrer Existenzmittel bem&#228;chtigt haben werden, sie naheliegende Energiequellen und -formen priorisieren w&#252;rden, und nicht weit weg von ihnen produzierte Infrastrukturen, die sie nicht kontrollieren k&#246;nnen, ist alles andere als utopisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Soweit sind wir noch nicht, doch wir kennen Versuche, nicht nur um ohne Geld zu produzieren und zu leben, sondern f&#252;r eine produktive Aktivit&#228;t, die nicht &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; produktiv ist (das sie in Form von &lt;i&gt;Arbeit&lt;/i&gt; ist und sie definiert). Nach der argentinischen Krise 2001 haben gewisse Piqueteros Produktionen aufgebaut, deren einziges Ziel nicht das Produkt war. In einer B&#228;ckerei waren die Brote, die aus dem Ofen kamen, das Resultat neuer zwischenmenschlicher Beziehungen, deren Aktivit&#228;t, unter anderen, jene einer B&#228;ckerei waren, doch die Produktionsst&#228;tte war gleichzeitig eine Lebenswelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jener des vorhergehenden Kapitels war dieser theoretische Umweg notwendig. Das Ende des Produktivismus und des Hyperkonsums (von &#8222;Waren, die nur Sklaven brauchen&#8220;, sagte William Morris) ist inkompatibel mit der Existenz einer Welt, in welcher das Unternehmen, die Lohnarbeit, die Ware und die Produktivit&#228;t (auch abgemildert und demokratisiert) fortbestehen w&#252;rden. Die (politische) &#8222;Konvergenz&#8220; der &#8222;K&#228;mpfe&#8220; ihrerseits, die nur eine Gegen&#252;berstellung von Rot und Gr&#252;n w&#228;hrend einer Demo oder eines Wahlprogramms ist, hat nichts mit der die kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse beseitigenden Revolution zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) ...kein Motiv f&#252;r Hoffnungslosigkeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand weiss, ob vor dem Ende des Jahrhunderts die Durchschnittstemperatur um 2, 3 oder 5 Grad gestiegen oder wie weit der Meeresspiegel 2049 angestiegen sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verantwortung eines Menschengeschlechts, das seit zwei Jahrhunderten unter dem industriellen Kapitalismus lebt, ist hingegen gewiss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie es gewiss ist, dass die Kapitale weiterhin Kohle-, &#214;l- und Gasreserven ausbeuten werden, solange sie wirtschaftlich rentabel bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wissen vor allem, dass kein gr&#252;ner Kapitalismus, kein heute konzipierbarer &#214;kokapitalismus die Hyperproduktion und somit den Hyperkonsum beenden wird, die f&#252;r dieses Produktionssystem notwendig sind. Was sich abzeichnet &#8211; unter anderem die Tendenz hin zu einem komplett digital verwalteten, reinen Elektrobetrieb &#8211; wird die &#246;kologischen Zerst&#246;rungen etwas abmildern, ohne ihre Ursachen zu beseitigen. Die Frage ist nicht das Mass an Pr&#228;zision der Vorhersagen, sondern die K&#228;mpfe und Praktiken, welche die Proletarier gegen&#252;ber dieser Welt ins Feld f&#252;hren und f&#252;hren werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute scheinen die Widerst&#228;nde, die Konfrontationen, die Klassenantagonismen weit davon entfernt, eine g&#252;nstige Situation f&#252;r die revolution&#228;re &#220;berwindung des Kapitalismus zu erschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute gewiss. Doch es geht uns nicht darum, zu erraten, ob die Chancen auf eine siegreiche Revolution bei 10% oder 1% stehen. Denn es ist wahr, dass &#8222;es etwas L&#228;cherliches dabei gibt, von der Revolution zu sprechen [&#8230;] Noch viel l&#228;cherlicher aber ist ALLES ANDERE, da es sich um das Bestehende handelt und um die verschiedenen Formen seiner Duldung&#8220;, sagten die Situationisten. Die moderne kommunistische Theorie begann in den 1840er Jahren, sich auszudr&#252;cken, das ist schon bald zwei Jahrhunderte her, aber, bekr&#228;ftigte Fourier 1816, &#8222;Versp&#228;tungen sind kein Motiv f&#252;r Hoffnungslosigkeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G. D., Mai 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Artikel ist die letzte Episode in der Reihe &#8222;Kartoffeln gegen Wolkenkratzer. Zur &#214;kologie&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zitat des spanischen Gewerkschafters: Dos Passos, &lt;i&gt;Rosinante to the Road again&lt;/i&gt; (1922), Skomlin, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur &#8222;Kleinen Eiszeit&#8220;: &lt;i&gt;Global Crisis. War, Climate Change and Catastrophe in the 17th Century&lt;/i&gt;, Yale University Press, 2013. Eine detaillierte Vergleichsstudie aller betroffenen Regionen auf dem ganzen Planeten. Eine kurze Rezension gibt es &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1110&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;H. G. Wells, &lt;i&gt;Der Luftkrieg&lt;/i&gt; (1907), Henricus, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Troploin, &lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/26&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Demain, orage. Essai sur une crise qui vient&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2007.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;David Wallace-Wells, &lt;i&gt;Die unbewohnbare Erde: Leben nach der Erderw&#228;rmung&lt;/i&gt;, Ludwig, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni und C&#233;line Alkamar, &#8222;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2774&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quoi qu'il en co&#251;te. Le virus, l'&#201;tat et nous&lt;/a&gt;&#8220;, April 2020.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G. D., &#8222;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2980&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Virus, le monde aujourd'hui&lt;/a&gt;&#8220;, September 2020.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Noch-mal-zu-Covid-19-und-daruber-hinaus&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Noch-mal-zu-Covid-19-und-daruber-hinaus&#034;&gt;Noch mal zu Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Noch-mal-zu-Covid-19-und-daruber-hinaus&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2021. Situation und Entwicklung des Kapitalismus in Anbetracht der Pandemie, geopolitische Faktoren &#8211; eine sehr gute Er&#246;rterung. &#8222;Entgegen weit von jeglichem Realit&#228;tsprinzip entfernten hypersubjektivistischen Sichtweisen ist keine Konkretisierung der kommunistischen Perspektive in Europa ohne Bruch der gesellschaftlichen Gleichgewichte in seinem produktiven Kern m&#246;glich.&#8220; Im Zentrum dieses produktiven Kerns, so zeigt es der Text auf, ist Deutschland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ernest Silva, &#8222;Quelques r&#233;flexions sur la catastrophe en cours&#8220;, April 2021.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r eine Zusammenfassung der verschiedenen zeitgen&#246;ssischen Illusionen, die eine nicht minder totale als friedliche Umw&#228;lzung versprechen: &lt;a href=&#034;http://mouais.org/wp-content/uploads/2020/05/Mouais7-2025-apr&#232;s-la-r&#233;volution-VF3_compressed.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;2025. Apr&#232;s la r&#233;volution&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Riesendemos, Hungeraufst&#228;nde, Ausweitung autonomer Zonen, B&#246;rsencrash, Zusammenbruch der Banken, Machtlosigkeit der Regierungen in Anbetracht des gesellschaftlichen Drucks &#8211; all das f&#252;hre ohne exzessive Gewalt zu einer direkten Demokratie, einer verallgemeinerten Selbstverwaltung, einem libert&#228;ren Munizipalismus und einem auf den gesamten Mittleren Osten ausgeweiteten Rojava. Die Krise 1929 hatte nicht zum Zusammenbruch des weltweiten Systems gef&#252;hrt: Eine Pandemie wird daf&#252;r ausreichen. Den Autoren fehlt es nicht an Humor, in der Regel unfreiwillig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Stahlwerk von Tarente: &lt;i&gt;An A to Z of Communisation&lt;/i&gt;, &#167; &#8222;&lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/87&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ecology&lt;/a&gt;&#8220;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Iran 1979: Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/la-revolution-iranienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;La R&#233;volution iranienne. Notes sur l'islam, les femmes et le prol&#233;tariat&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;William Morris, &lt;a href=&#034;https://williammorristexte.com/2013/03/22/die-gesellschaft-der-zukunft/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Die Gesellschaft der Zukunft&#8220;&lt;/a&gt;, 1887.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu dem, was eine kommunistische Revolution tun w&#252;rde, verweisen wir einmal mehr auf Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Activit&#233; de crise et communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auf unser &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/telechargement197&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2017, Kapitel &#8222;L'insurrection cr&#233;atrice&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zitat der Situationistischen Internationale aus dem Artikel &#8222;Instruktionen f&#252;r eine Parade&#8220;, Nr. 6, 1961.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fourier, &lt;i&gt;Aus der neuen Liebeswelt&lt;/i&gt; (1816), Wagenbach, 1967.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzung von &lt;i&gt;London Calling&lt;/i&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Eiszeit bricht herein, die Sonne kommt n&#228;her,&lt;br class='manualbr' /&gt;Die Maschinen kommen zum Stillstand und die Getreideernte wird schlecht,&lt;br class='manualbr' /&gt;Ein Nuklearunfall, aber ich habe keine Angst.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und falls das sch&#246;ne Venedig unter den Wassern verschwinden w&#252;rde? Vor den Ruinen der bombardierten Kathedrale von Reims sagte Felix Vallotton: &#8222;Wir werden etwas anderes tun, das ist alles, und es wird es wert sein.&#8220; Tagebuch, 10. M&#228;rz 1915.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3254&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Il programma comunista&lt;/i&gt;, Nr. 5, 5.-19. M&#228;rz 1954.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J&#233;r&#233;mie Cravatte, &lt;i&gt;L'effondrement, parlons-en... - Les limites de la &#8222;collapsologie&#8220;&lt;/i&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, 1867 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 529-530.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Engels, &lt;i&gt;Dialektik der Natur&lt;/i&gt;, 1883 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 20, S. 452-453.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 453-455.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 821.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &#8222;Piena e rotta della civilt&#224; borghese&#8220;, 1952.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &#8222;Specie umana e crosta terrestre&#8220;, 1952.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &#8222;Politica e &#8218;costruzione&#8216;&#8220;, 1952.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Il Programma comunista&lt;/i&gt;, Nr. 6, 19. M&#228;rz &#8211; 2. April 1954.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 618-621.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Philippe Bihouix.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://entremonde.net/de-la-crise-a-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Pour &#233;viter le chaos climatique et financier&lt;/i&gt;, Seuil, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andreas Malm.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;SI, Nr. 7, 1962.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andreas Malm, &#8222;The Anthropocene Myth&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J&#233;r&#233;mie Cravatte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Opuscules de philosophie sociale&lt;/i&gt;, 1819-1826.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Pourquoi tout va s&#8216;effondrer&lt;/i&gt;, Les Liens qui lib&#232;rent, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kapitel 8, &#167; 7.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kapitel 21, &#167; 1 und 2.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt;, 1878.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Walter Benjamin, &lt;i&gt;Das Passagen-Werk&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il lato cattivo.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Doc Sportello - Das Coronavirus, die Konservendosen und das Klopapier</title>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
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		<description>
&lt;p&gt;Die deutsche Linke ist emp&#246;rt. Der Grund der Emp&#246;rung? Die Regale sind leer! Weshalb? Die Intellektuellen wissen es, wegen dem dummen deutschen P&#246;bel nat&#252;rlich: &#8222;Wenn alle die Nudelregale st&#252;rmen, sichert man sich lieber auch seinen Anteil. Wenn alle mit Atemmasken rumlaufen, wird schon irgendwas dran sein. Entsprechend warnen &#214;konomen bereits vor gef&#228;hrlichem &#8218;Herdenverhalten&#8216;, das sich angesichts des schockierenden Anblicks leerer Regale immer weiter selbst befeuere.&#8220; Es steht der (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://kommunisierung.net/Doc-Sportello" rel="tag"&gt;Doc Sportello&lt;/a&gt;, 
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		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/arton67.jpg?1689274653' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die deutsche Linke ist emp&#246;rt. Der Grund der Emp&#246;rung? Die Regale sind leer! Weshalb? Die Intellektuellen wissen es, wegen dem dummen deutschen P&#246;bel nat&#252;rlich: &#8222;Wenn alle die Nudelregale st&#252;rmen, sichert man sich lieber auch seinen Anteil. Wenn alle mit Atemmasken rumlaufen, wird schon irgendwas dran sein. Entsprechend warnen &#214;konomen bereits vor gef&#228;hrlichem &#8218;Herdenverhalten&#8216;, das sich angesichts des schockierenden Anblicks leerer Regale immer weiter selbst befeuere.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Heiko Werning, &#8222;Das d&#252;nne Eis der Zivilisation&#8220; in taz, 02.03.20.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es steht der schreckliche Verdacht im Raum, dass das doch alle Prepper sind: &#8222;Die K&#246;nige des Hamsterns aber sind die Prepper. Als extremistische Spinner verlacht, r&#252;sten sie sich seit Jahren generalstabsm&#228;&#223;ig f&#252;r Tag X, der je nach psychisch-politischer Disposition ausgel&#246;st wird vom n&#228;chsten Virus, dem Einschlag eines Kometen, der Landung der Au&#223;erirdischen oder einem durch die Umvolkungspl&#228;ne der Geheimregierung heraufbeschworenen B&#252;rgerkrieg. Um gewappnet zu sein, legen sie sich unterirdische Vorratsr&#228;ume an und stopfen sie voll mit Survival-Food, Waffen und Brennstoffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zumindest ganz kurz hat der Autor einen Anflug von Vernunft: &#8222;Dabei war das Hamstern &#8211; also das Anlegen von Vorr&#228;ten &#252;ber den aktuellen Bedarf hinaus &#8211; einst h&#246;chst rational und letztlich die Grundlage unserer Zivilisation. Der Schritt vom J&#228;ger und Sammler zum sesshaften, Landwirtschaft betreibenden und energieeffiziente Townhouses in die Gegend stellenden Menschen w&#228;re ohne Vorratshaltung undenkbar gewesen. Erst der Kornspeicher erm&#246;glichte das Ausharren an einem Ort auch jenseits von Vegetationsperiode und Erntesaison sowie das &#220;berstehen ung&#252;nstiger Jahreszeiten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Aber nein, ganz am Schluss kommt ein L&#246;sungsvorschlag, der ganz im postmodernen Zeitgeist liegt, so sollen wir uns doch einfach alle in Reptilien verwandeln: &#8222;Vielleicht ist das ganze Gehamstere aber auch einfach nur Ausdruck eines evolution&#228;ren Irrwegs. Ganz entspannt d&#246;sen Python und Krokodil schlechten Zeiten entgegen. Dank ihres Stoffwechsels k&#246;nnen sie auch ein, zwei Jahre lang ganz auf Nahrung verzichten und einfach mal Ruhe geben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bedauerlicherweise kommen diese moralischen Verurteilungen nicht nur von den &#252;blichen Verd&#228;chtigen im linken Akademie-Betrieb, ein Genosse auf Twitter findet es ebenfalls &#8222;Peinlich&#8220;, ein anderer teilt eine Karikatur von Professor Guido K&#252;hn, die insinuiert, dass das bestimmt die gleichen Leute sind, die Greta der &#8222;Hysterie&#8220; bezichtigen. Es sollte diesbez&#252;glich erst einmal bemerkt werden, dass sie an der Demonstration in Lausanne ziemlich unmissverst&#228;ndlich gezeigt hat, dass sie nicht als Genossin betrachtet werden kann: &#8222;&#8218;Ich danke allen, die heute gekommen sind und ihre sch&#246;nen Gesichter gezeigt haben&#8216;, sagt sie, wohl in Anspielung auf die Vermummten vom Schwarzen Block, die von der Polizei aus der Menge herausgefischt worden sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rico Bandle, &#8222;Greta, meine Tochter und ich&#8220; in Tagesanzeiger, 21.01.20.&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Klimak&#228;mpfer von Extinction Rebellion haben vor Kurzem die gleichen Massnahmen zur Rettung des Klimas gefordert wie im Kampf gegen das Coronavirus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Antoine Schaub, &#8222;L'&#233;pid&#233;mie de coronavirus, fen&#234;tre sur un monde au climat (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Quarant&#228;ne f&#252;r alle zur Rettung des Klimas? Welch sch&#246;nes Programm! Nein, ein solcher Schluss w&#228;re hysterisch, die Hippies meinen es bestimmt gut mit uns!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schluss mit Ochsenschwanzsuppe und Leberk&#228;se aus der Dose, wenn sie die Macht &#252;bernehmen, werden sie uns alle mit ausreichend Bio-Quinoa, Bio-Tofu und Bio-Gem&#252;se versorgen (indem sie uns dazu zwingen werden, es zu produzieren). Eine permanent tagende Ethik-Kommission wird jede unserer Handlungen kontinuierlich auf ihre Sozial- und Umweltvertr&#228;glichkeit hin pr&#252;fen. Unsere Gesellschaft wird unter der Aufsicht einer linken Expertenschaft endlich verantwortungsbewusst handeln. Und wer nicht spurt, kommt in den selbstverwalteten Gulag und muss von morgens bis abends B&#228;ume pflanzen, um seinen CO2-Fussabdruck zu kompensieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man diesen ganzen &#214;ko-Reformisten so zuh&#246;rt, stellt man sich unweigerlich die Frage, ob der Untergang der Welt nicht eine attraktivere Alternative w&#228;re als ihre Machtergreifung. &#214;ko-Malthusianismus ist bei Linken en vogue, so hat sich z.B. David Graeber auf Twitter dar&#252;ber gefreut, dass das Coronavirus zu weniger Luftverschmutzung f&#252;hrt, schliesslich ist es offensichtlich, dass es der Welt nur deshalb so schlecht gehen kann, weil sich das Proletariat ab und zu Urlaub g&#246;nnt, obwohl die ja eh alle rassistisch sind und eigentlich nicht ins Ausland fahren d&#252;rften. Retten wir also gemeinsam mit der kapitalistischen Klasse die Welt! Wir d&#252;rfen dabei auch manchmal ein bisschen frech sein und ihr vorwerfen, sie sei fies, weil sie ihre Pl&#228;ne immer noch nicht den bahnbrechenden Forschungsresultaten angepasst hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ihr Plan kann kein anderer sein als die kontinuierliche Ausbeutung von Mensch und Natur. Kein Virus der Welt kann diesen Plan stoppen, ausser er w&#252;rde die gesamte Menschheit vernichten. Das Beispiel von Norditalien zeigt, dass Schlangen vor Superm&#228;rkten und Lieferengp&#228;sse sehr wohl realistische Perspektiven sind, wieso sollte man also den Leuten vorwerfen, ihr Verhalten sei &#8222;irrational&#8220;? Die &#8222;Hamsterk&#228;ufe&#8220; sind wohl gr&#246;sstenteils das Werk des Proletariats und der niederen Mittelklassen. Die Bourgeoisie braucht sich keine Sorgen zu machen, sie hat genug Reserven. Der Lieferdienst ihres Vertrauens wird ihnen unter Quarant&#228;ne schon was bringen, m&#246;ge es auch f&#252;nfmal teurer sein als sonst, f&#252;r etwas sind Ersparnisse schliesslich da. Je &#228;rmer, desto weniger Zeit und Geld hat man zur Verf&#252;gung, das sollte eigentlich nicht betont werden m&#252;ssen, es scheint jedoch gelegentlich vergessen zu gehen. Wer alt und/oder krank ist, hat durchaus ein rationales Interesse, das Infektionsrisiko zu reduzieren, es ist offensichtlich h&#246;her als f&#252;r Junge und/oder Gesunde. Vielleicht sollten wir sie einfach selber bestimmen lassen, wie viele Dinge sie kaufen m&#246;chten, umso mehr, weil sie wohl meistens sowieso gar nicht so viele kaufen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Kapital geht es selbstverst&#228;ndlich nicht darum, &#8222;uns&#8220; zu besch&#252;tzen, sondern seine Interessen. Es zeigt uns, dass es die Klaviatur der Biomacht durchaus beherrscht. Alles bleibt demokratisch, aber wir k&#246;nnen pl&#246;tzlich wegen unserem Raucherhusten zwei Wochen unter Quarant&#228;ne stehen oder unsere Region kann pl&#246;tzlich von der Aussenwelt abgeschnitten sein. Wenn wir zuerst aus der Quarant&#228;ne ausbrechen m&#252;ssen, bevor wir mit der Kommunisierung beginnen k&#246;nnen, wird es noch viel komplizierter, als es ohnehin schon war. Statt sich &#252;ber das Verhalten des Proletariats ausserhalb der Szeneblase zu beklagen, sollten wir vielleicht gescheiter dar&#252;ber nachdenken, wie wir solidarische Netzwerke organisieren k&#246;nnen, um unsere Freundinnen und Freunde, unsere Genossinnen und Genossen zu unterst&#252;tzen, wenn sie pl&#246;tzlich unter Quarant&#228;ne stehen oder kein Einkommen mehr haben. Aber lassen wir doch bitte das Proletariat soviel Klopapier kaufen, wie es will, das Leben ist so schon beschissen genug.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6. M&#228;rz 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doc Sportello&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Heiko Werning, &#8222;Das d&#252;nne Eis der Zivilisation&#8220; in &lt;i&gt;taz&lt;/i&gt;, 02.03.20.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rico Bandle, &#8222;Greta, meine Tochter und ich&#8220; in &lt;i&gt;Tagesanzeiger&lt;/i&gt;, 21.01.20.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Antoine Schaub, &#8222;L'&#233;pid&#233;mie de coronavirus, fen&#234;tre sur un monde au climat d&#233;r&#233;gl&#233; ?&#8220; in Blogs von &lt;i&gt;Le Temps&lt;/i&gt;, 02.03.20.&lt;/p&gt;
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