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		<title>L&#233;on de Mattis - Was ist die Kommunisierung?</title>
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		<dc:date>2012-07-19T00:08:00Z</dc:date>
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&lt;p&gt;L&#233;on de Mattis ist einer der Autoren der relativ jungen Zeitschrift Sic, eine Zeitschrift zum Thema der Kommunisierung, erh&#228;ltlich auf franz&#246;sisch oder englisch. Er ist ebenfalls der Autor zweier B&#252;cher, Mort &#224; la d&#233;mocratie (Tod der Demokratie, l'Altiplano, 2007) und Crises (Krisen, Entremonde, 2012). &lt;br class='autobr' /&gt;
Der folgende Text ist der erste Text der ersten Nummer von Sic. Im Gegensatz zu vielen anderen Texten zur Thematik liest er sich relativ leicht und ist eine gute Einf&#252;hrung f&#252;r all jene, (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://kommunisierung.net/Leon-de-Mattis" rel="tag"&gt;L&#233;on de Mattis&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/sic1cover.jpg?1689552405' class='spip_logo spip_logo_right' width='104' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;L&#233;on de Mattis ist einer der Autoren der relativ jungen Zeitschrift &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;, eine Zeitschrift zum Thema der Kommunisierung, erh&#228;ltlich auf franz&#246;sisch oder englisch. Er ist ebenfalls der Autor zweier B&#252;cher, &lt;i&gt;Mort &#224; la d&#233;mocratie&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Tod der Demokratie&lt;/i&gt;, l'Altiplano, 2007) und &lt;i&gt;Crises&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Krisen&lt;/i&gt;, Entremonde, 2012).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der folgende Text ist der erste Text der ersten Nummer von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;. Im Gegensatz zu vielen anderen Texten zur Thematik liest er sich relativ leicht und ist eine gute Einf&#252;hrung f&#252;r all jene, die noch nie was von der Kommunisierung geh&#246;rt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Sache ist heutzutage gewiss: In der kapitalistischen Welt kann unsere Situation nur schlimmer werden. Alles, was als &#8222;soziale Errungenschaft&#8220; betrachtet wurde, wird heutzutage in Frage gestellt. Der Grund daf&#252;r ist nicht eine schlechte Verwaltung der Wirtschaft, &#252;berm&#228;ssige Geldgier der Bosse oder die mangelnde Regulierung der internationalen Finanz, sondern schlichtweg der unvermeidbare Effekt der globalen Entwicklung des Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Lohnniveau, der Zugang zu Jobs, die Renten, die &#246;ffentlichen Dienste und die Sozialhilfen sind in unterschiedlichem Masse betroffen von dieser Entwicklung: Was bis jetzt zugestanden wurde, wird nun nicht mehr zugestanden und wird morgen noch weniger zugestanden werden. In allen Bereichen ist der Prozess gleich: Die neue Reform geht an jenem Punkt wieder zum Angriff &#252;ber, wo die alte aufgeh&#246;rt hatte. Diese Dynamik kehrt sich nie um, auch nicht wenn man von der &#8222;Wirtschaftskrise&#8220; zum Aufschwung &#252;bergeht. Sie begann w&#228;hrend der grossen Krise der 1970er Jahre, sie ging weiter nach der R&#252;ckkehr des Wachstums in den 1990er und 2000er Jahren. Seitdem scheint es ziemlich schwierig, sich vorzustellen, dass die Dinge wieder besser laufen k&#246;nnten, sogar im Falle einer sehr unwahrscheinlichen &#8222;&#220;berwindung der Krise&#8220; nach dem Finanzcrash 2008.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser schnellen Transformation des globalen Kapitalismus ist die Antwort der radikalen Linken allerdings von einer erschreckenden Schw&#228;che. Mehrheitlich begn&#252;gt man sich damit, &#8222;den Ultraliberalismus&#8220; der Bosse und der politischen F&#252;hrer zu verurteilen und man scheint zu glauben, dass man die &#8222;sozialen Errungenschaften&#8220; der vorhergehenden Periode verteidigen, oder sie gar noch etwas ausbauen k&#246;nne, wenn man nur zur&#252;ck zum Kapitalismus von gestern k&#246;nnte, demjenigen der Nachkriegszeit. Man schl&#228;gt f&#252;r die Zukunft im wesentlichen das Programm der &lt;i&gt;R&#233;sistance&lt;/i&gt; von 1944 vor, als ob immer noch ein zu bek&#228;mpfender Nazismus und Regierungen existierten, die bereit w&#228;ren, Mittel f&#252;r den Sieg zur Verf&#252;gung zu stellen &#8211; und vor allem, als ob es in der Geschichte schon je ein &lt;i&gt;Zur&#252;ck in die Vergangenheit&lt;/i&gt; gegeben h&#228;tte. Damit wird die Gesamtheit dessen vergessen, was heute das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis in seiner aktuellen Dynamik ausmacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weshalb verunm&#246;glichen die Krise und die &#8222;Restrukturierung&#8220; des Kapitalismus (d.h. die Modifizierungen der letzten vierzig Jahre) jegliches Zur&#252;ck zu vergangenen Bedingungen des Kampfes? Und was kann man daraus f&#252;r den heutigen Kampf ableiten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um diese Fragen zu beantworten, ist es n&#246;tig, einen kleinen theoretischen Umweg zu machen. Der Profit ist nicht nur ein Element unter anderen der kapitalistischen Gesellschaft: Er ist ihr prinzipieller Motor, die &lt;i&gt;raison d'&#234;tre&lt;/i&gt; von allem, was in der gesellschaftlichen Welt existiert. Der Profit ist nicht etwas, das sich an den menschlichen T&#228;tigkeiten festkrallt und das Produkt der Arbeit dem parasit&#228;ren Kapitalismus zuf&#252;hrt. Er ist die Wurzel all dieser T&#228;tigkeiten, die ohne ihn nicht existieren w&#252;rden &#8211; oder, um es anders auszudr&#252;cken, &lt;i&gt;diese menschlichen T&#228;tigkeiten w&#252;rden in einer so anderen Art und Weise existieren, dass sie mit den T&#228;tigkeiten, die man aktuell beobachten kann, nichts zu tun haben w&#252;rden&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht um ein moralisches Urteil zu diesen Tatsachen, sondern eher darum, all ihre Konsequenzen zu verstehen. Es ist nicht so, dass der Profit systematisch bevorzugt wird im Verh&#228;ltnis zu jenem, das n&#252;tzlich, gut ist und der Gesellschaft etwas bringt (wie die Gesundheit, die Kultur usw.); es ist &#8222;die N&#252;tzlichkeit&#8220; selbst, die ausserhalb des Profits nichts existieren kann. Nichts, das nicht profitabel ist, kann im Kapitalismus n&#252;tzlich sein. Oder, um es anders zu formulieren, alles N&#252;tzliche ist es nur insofern als die N&#252;tzlichkeit M&#246;glichkeiten bietet, Profit zu generieren. Zum Beispiel zu behaupten, dass &#8222;die Gesundheit keine Ware ist&#8220;, ist schlichtweg absurd, bar jeglichen Sinns f&#252;r die Realit&#228;t in der kapitalistischen Welt. Nur weil die Gesundheit profitabel ist, einerseits, in einer sehr allgemeinen Art und Weise, weil sie die arbeitende Bev&#246;lkerung in einem guten Funktionszustand h&#228;lt, andererseits, in einer spezifischen Art und Weise, weil sie die Quelle von Profit f&#252;r gewisse Leute ist, ist sie ein wirtschaftlicher Sektor: und nur weil sie real ein Sektor der Wirtschaft ist, und somit eine &#8222;Ware&#8220;, steht etwas zur Verf&#252;gung, um die &#196;rzte zu unterhalten, Maschinen zur Analyse des menschlichen K&#246;rpers zu produzieren und Spit&#228;ler zu bauen. Ohne das g&#228;be es offensichtlich nichts von all dem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um Profit zu generieren, muss der in der Ware enthaltene Wert steigen, der Wert dessen, was produziert wird muss h&#246;her sein als der Wert der Ausgaben (Rohstoffe, Maschinen, R&#228;umlichkeiten, Transporte...) zu ihrer Produktion. Doch was benutzt wird zur Produktion hat den gleichen Wert wie das produzierte, falls man nicht etwas dazu f&#252;gt. Dieses Etwas, das dazu gef&#252;gt wird, ist die menschliche T&#228;tigkeit, die Intelligenz, die Kraft, die Muskelkraft, die aufgewendet wird, um vereinzelte Dinge in ein qualitativ anderes Ding zu verwandeln als das, was man am Anfang hatte. Diese T&#228;tigkeit muss in einer besonderen Form gegeben sein, damit sie gekauft werden kann, um sich in den Endwert des produzierten einzuf&#252;gen: Es ist die menschliche T&#228;tigkeit in Form von Arbeit und in dieser Form der Arbeit kann sie vom Kapital gekauft werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch, und darum ist der Kapitalismus kein Teilen sondern Ausbeutung, der Wert des Kaufs der Arbeitskraft ist geringer als der Wert, der die Arbeitskraft liefert. Man kann nicht allen produzierten Wert umverteilen und ihn der Arbeit &#8222;zur&#252;ckgeben&#8220;, weil eben der Wert nur in dieser Trennung zwischen der Arbeit und ihrem Produkt existiert und somit seine ungleiche Verteilung garantiert. Es ist eben die Existenz jener Trennung zwischen der T&#228;tigkeit und dem gesellschaftlich produzierten Reichtum, die die Aneignung desselben m&#246;glich macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;Wert&#8220; der Dinge ist keine nat&#252;rliche Kreation, sondern eine gesellschaftliche. Doch, und im Gegensatz zu dem, was man uns glauben machen m&#246;chte, ist es keine neutrale gesellschaftliche Kreation, die nur der Bequemlichkeit wegen existiert. Es gibt andere vorstellbare Mittel, wahrscheinlich genauso bequeme, um zu fabrizieren, was in einer gegebenen Gesellschaft f&#252;r die Menschen als lebensnotwendig betrachtet werden k&#246;nnte. Der Wert ist nur weiterhin notwendig, weil er ein Herrschaftsinstrument ist. Er erlaubt, im aktuellen Produktionsmodus, die Erfassung der T&#228;tigkeit der niederen Klassen zum Vorteil der oberen Klassen. Die Existenz selbst des Werts &#8211; und dessen, was historisch als dessen permanenter Repr&#228;sentant erscheint, n&#228;mlich das Geld &#8211; ist nur soweit notwendig, als gemessen werden muss, was den einen weggenommen wird, um es den anderen zu geben. Vor dem Kapitalismus waren der Wert und das Geld nicht im Herz der Produktion selbst, aber sie waren schon das Merkmal der Macht der einen und der Schw&#228;che der anderen. Die Schatzkammer, die Verzierung der Pal&#228;ste oder die reiche Dekoration der Kirchen waren ein Zeichen der gesellschaftlichen Macht der Gutsherren, der Kalifen oder der kirchlichen Beh&#246;rden. Das Geld und der Wert sind seit dem Beginn der Klassengesellschaft Symbole der Herrschaft, bis sie im Kapitalismus zu ihrem h&#246;chsten Instrument geworden sind. Infolgedessen kann keine Gleichheit vom Gebrauch eines Mittels kommen, dessen &lt;i&gt;raison d'&#234;tre&lt;/i&gt; die Ungleichheit ist. Solange es Geld geben wird, wird es Reiche und Arme, M&#228;chtige und Unterdr&#252;ckte, Meister und Sklaven geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da das Streben nach Profit dazu zwingt, die Produktionskosten so tief wie m&#246;glich zu halten, was schon produziert ist und was zur Produktion dient (die Maschinen, die Geb&#228;ude, die Infrastruktur) allerdings nicht mehr als den eigenen Wert weitergeben kann, ist die einzige Variable, die angepasst werden kann, die Arbeitskraft. Der Wert der Arbeitskraft muss also so stark wie m&#246;glich gesenkt werden, gleichzeitig kann jedoch nur die Arbeitskraft Wert erzeugen. Der Kapitalismus entkam dieser unl&#246;sbaren Gleichung mehrmals, indem er den Wert der Arbeitskraft nur &lt;i&gt;relativ&lt;/i&gt; zum total produzierten Wert senkte, jedoch absolut die Quantit&#228;t der von ihm auferlegten Arbeit erh&#246;hte: Dies erlauben Produktivit&#228;tssteigerungen, die Rationalisierung der Arbeit, die technischen und wissenschaftlichen Innovationen. Doch damit wird es notwendig, die Produktion in gigantischen Proportionen zu vergr&#246;ssern, zu Lasten von vielen Dingen (des nat&#252;rlichen Raums beispielsweise). Ein solches Wachstum existiert indessen nie in kontinuierlicher Art und Weise und die Umkehrung dieser Tendenz ist die Ursache der aktuellen Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von der Nachkriegszeit bis zu Beginn der 1970er Jahre erlebte der Kapitalismus tats&#228;chlich eine besondere Periode, wovon man die Charakteristika richtig erfassen muss, um zu verstehen, wieso sie heute verschwunden ist und warum sie, trotz den Hoffnungen der Gewerkschafter und der Linken, nie mehr zur&#252;ckkommen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Zweiten Weltkrieg kreierten die Zerst&#246;rungen des Krieges und die Wertverluste der langen Krise, die ihm voran gegangen war, eine g&#252;nstige Situation f&#252;r das, was die &#214;konomen &#8222;das Wachstum&#8220; nennen, und das nichts anderes ist als dieses widerspr&#252;chliche Rennen zwischen der relativen Senkung des Arbeitswerts und dessen absoluter Steigerung. Die politischen Ann&#228;herungen, die durch das Anti-Nazi-B&#252;ndnis w&#228;hrend des Krieges n&#246;tig wurden, erlaubten auch eine Form der Machtteilung sowohl auf globaler Ebene (der Ost- und der Westblock) als auch auf gesellschaftlicher Ebene innerhalb der westlichen L&#228;nder (man gestand den Gewerkschaften und den linken Parteien eine gewisse Legitimit&#228;t zu, die Arbeitswelt zu repr&#228;sentieren). Der &#8222;fordistische Kompromiss&#8220; (1), der damals vorherrschte, bestand darin, durch Lohnerh&#246;hungen eine Steigerung des &#8222;Lebensniveaus&#8220; zuzugestehen im Tausch gegen eine starke Steigerung der Produktivit&#228;t und der Beschwerlichkeit der Arbeit. Der Wert der angestellten Arbeitskraft erh&#246;hte sich, verteilt auf eine gr&#246;ssere Anzahl Arbeiter, als absoluter Wert, doch der totale Wert von allem, was produziert wurde, erh&#246;hte sich noch viel mehr durch den Effekt der Produktionssteigerung. Die Ver&#228;usserung all dieser Waren, die Grundlage dessen, das man damals die &#8222;Konsumgesellschaft&#8220; nannte, erlaubte, dass der in der Produktion entstandene Mehrwert, die Basis des kapitalistischen Profits, in Zusatzkapital verwandelt wurde, das wieder investiert wurde, um immer mehr zu produzieren. Die Grenze liegt in diesem &#8222;immer mehr produzieren&#8220;, das irgendwann dazu f&#252;hrt, dass man im Verh&#228;ltnis zu dem, was produziert und verkauft werden sollte, um den Profit zu wahren, zu viel Kapital zu verwerten hat. In der Tat wahrte das dynamische Gleichgewicht w&#228;hrend mehr als zwanzig Jahren, bevor es anfing, ab Mitte der 1960er Jahre, progressiv zu zerfallen, was zu den sogenannten &#8222;&#214;lkrisen&#8220; der 1970er Jahre f&#252;hrte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige kurze Anmerkungen zu dieser Periode. Erst einmal muss gesagt werden, dass sich der &#8222;Wohlstand&#8220; auf Westeuropa, Nordamerika und Japan beschr&#228;nkte und dass davon sogar innerhalb dieser privilegierten R&#228;ume gewisse Fraktionen des Proletariats ausgeschlossen waren, wie zum Beispiel die gerade eingewanderte Arbeitskraft, intensiv ausgebeutet, aber schlecht bezahlt. Zudem konnte der westliche Wohlstand die Tatsache nicht kaschieren, dass das, was dem Proletariat zugestanden wurde, ihm als &lt;i&gt;beherrschter&lt;/i&gt; Pol des kapitalistischen Gesellschaftsverh&#228;ltnisses zugestanden wurde. Die Erh&#246;hung der Kaufkraft ging einher mit dem massiven Verkauf standardisierter und qualitativ armseliger Waren. Der Ausdruck, der damals aufkam, die &#8222;Konsumgesellschaft&#8220;, ist ungl&#252;cklich gew&#228;hlt, denn es handelte sich um eine &#8222;Produktionsgesellschaft&#8220;: Die Verteilung von immer mehr Waren war unabdingbar f&#252;r die allgemeine Erh&#246;hung des totalen Werts, von dem wir zuvor gesprochen haben, w&#228;hrend die Verringerung des Werts jeder Ware, die durch die Massenproduktion m&#246;glich wurde, eine &lt;i&gt;relative&lt;/i&gt; Verringerung des Werts der Arbeitskraft erm&#246;glichte (weniger zu leistende Arbeit war n&#246;tig, um die f&#252;r den Arbeiter lebensnotwendigen Produkte zu liefern). &#8222;Die Entfremdung&#8220; des allt&#228;glichen Lebens, die damals so h&#228;ufig analysiert und kritisiert wurde, war nichts anderes als die Konsequenz dieser Imperative der Wertzirkulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn auch das Konzept der &#8222;Entfremdung&#8220;, das vor dreissig oder vierzig Jahren stark in Mode war, etwas aus dem zeitgen&#246;ssischen Vokabular verschwunden ist, so ist doch die Realit&#228;t, die es beschreibt, nach wie vor sehr wohl pr&#228;sent. Die Entfremdung ist im w&#246;rtlichen Sinn die Art und Weise wie uns diese Welt fremd erscheint (...). &#8222;Produzieren, um zu produzieren&#8220;, das ist die Losung anhand welcher sich die kapitalistische Entfremdung uns zeigt. Die materielle Produktion scheint kein anderes Ziel zu haben als sich selbst. Der Kapitalismus produziert allerdings zuerst gesellschaftliche Ausbeutungs- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Wenn er als ziellose materielle Produktion erscheint, so ist das, weil er die Verh&#228;ltnisse zwischen den Menschen in Verh&#228;ltnisse zwischen Dingen &#252;bertr&#228;gt: Die Absurdit&#228;t der Produktion f&#252;r die Produktion und dieser scheinbaren Macht, die die Dinge auf die Menschen aus&#252;ben, ist nur das Umkehrbild der Rationalit&#228;t der Herrschaft einer Klasse &#252;ber eine andere, anders gesagt die Ausbeutung des Proletariats durch die kapitalistische Klasse. Das ultimative Ziel des Kapitalismus ist nicht der Profit oder die Produktion f&#252;r die Produktion, sondern die Aufrechterhaltung der Herrschaft einer Gruppe Menschen &#252;ber eine andere Gruppe Menschen und deswegen sind der Profit und die Tatsache zu &#8222;produzieren, um zu produzieren&#8220; Imperative, die sich allen aufdr&#228;ngen (2).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem epochalen Wandel der 1980er Jahre ist die Entfremdung geblieben, doch der &#8222;Wohlstand&#8220; ist weg. Die Krise von 1973 zeigte die Atemnot der vorhergehenden Dynamik. Der Kapitalismus konnte nicht mehr die gleichen Lohnerh&#246;hungen bieten, ohne die Profitrate zu beschneiden. Gleichzeitig gab sich das Proletariat nicht mehr zufrieden mit dem, was die Kapitalisten ihm gegeben hatten. Die Periode der 1960er und 1970er Jahre ist die Zeit, wo sich allgemeiner Protest entwickelt, der sich gegen die Arbeit und ihre Bedingungen richtet, aber auch gegen etliche andere Aspekte der kapitalistischen Gesellschaft. Der Kompromiss wurde in seinem wesentlichsten Punkt abgelehnt: Der Tausch eines h&#246;heren &#8222;Lebensstandards&#8220; gegen eine totale Unterordnung des Proletariats unter die Produktion und den Konsum. Der Protest gegen die alten Vermittlungsinstanzen der Arbeiter, d.h. gegen die Gewerkschaften, die offiziellen kommunistischen Parteien, hatte die selbe Bedeutung: Es war die Rolle, welche die Arbeiterklasse durch den fordistischen Kompromiss zu spielen erlaubt war, die in Frage gestellt wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus musste also das Wesentliche dessen liquidieren, was ihn in der vorhergehenden Periode ausgemacht hatte, und zwar aus zwei Gr&#252;nden die letztendlich identisch sind: das Fallen der Profitrate und das Aufkommen gesellschaftlichen Protests. Seine Krise und seine Restrukturierung hatten dieses Ziel, auf der politischen und gesellschaftlichen Grundlage einer konservativen und repressiven &#8222;neoliberalen&#8220; Welle, die von Pers&#246;nlichkeiten wie Thatcher oder Reagan verk&#246;rpert wurde. Der &#8222;Neoliberalismus&#8220; war jedoch nicht die Ursache dieser Restrukturierung, sondern es war im Gegenteil die Restrukturierung, welche notwendig war, um die kapitalistische Ausbeutung aufrecht zu erhalten, die begleitet wurde von dieser ideologischen Etikette. In L&#228;ndern, wo es in eine andere Richtung ging, wie in Frankreich, waren es die Sozialisten, die sich den Anordnungen des Kapitals f&#252;gen mussten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute, da sie ziemlich fortgeschritten ist, erscheinen alle Komponenten der Restrukturierung ziemlich klar. Zuerst ging es darum, die globalen Kosten der Arbeit zu senken und deshalb anderswo als in den westlichen L&#228;ndern billige Arbeitskraft zu finden, die nicht die ganze Geschichte der Arbeiterbewegung hinter sich hat. Einige Vorreiter, wie etwa Hongkong oder Taiwan, haben den Weg aufgezeigt. Die Entwicklung der Finanz und die Transformationen der W&#228;hrung &#8211; die, seit 1971, nicht mehr auf dem Gold gr&#252;ndet &#8211; haben das n&#246;tige Instrument (3) zur Entwicklung eines global &lt;i&gt;integrierten&lt;/i&gt; Kapitalismus geliefert: Zonen der Produktion in Werkst&#228;tten, andere des Konsums und der Produktion auf hohem Niveau, wieder andere, die aufgegeben wurden, da sie schliesslich &#252;berfl&#252;ssig sind in Bezug auf die Wertzirkulation. Diese globale Zonenunterteilung hat sich schnell bis zu einem Punkt entwickelt wo sie, in der aktuellen Periode, in jedem Teil der Welt im Kleinen reproduziert wird. Die Banlieues hier widerspiegeln die peripheren L&#228;nder im globalen Handel: Es ist der &#220;berfluss an Menschen, womit der Profit nichts anzustellen weiss und die deshalb eingepfercht und &#252;berwacht werden m&#252;ssen. Die globale Konkurrenz impliziert den relativen R&#252;ckgang der Vorteile des westlichen Proletariats, die das Resultat des vorhergehenden historischen Kompromisses waren; und da keine Perspektive der Verbesserung existiert, sind es die Polizei und der hysterische Sicherheitsdiskurs, die als Antwort des Staates auf die entt&#228;uschten Hoffnungen der einen wie der anderen fungieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Existenz selbst dieser globalen Zonenunterteilung zeigt uns, dass es unm&#246;glich ist, auf die neu industrialisierten L&#228;nder, wie Indien oder China, das Schema der Anf&#228;nge der industriellen Revolution Europas anzuwenden. Diese &#8211; ziemlich mechanistische &#8211; &#220;berlegung besagt, dass die Entwicklung, welche die Arbeiterklasse in den westlichen L&#228;ndern vor ein, zwei Jahrhunderten erlebte, in einer beschleunigten Form in diesen L&#228;ndern wiedergefunden werden kann. Zuerst &#252;berm&#228;ssig ausgebeutet und in der Misere w&#252;rde diese Klasse, die f&#252;r h&#246;here L&#246;hne k&#228;mpft, zu einem Niveau des Wohlstands kommen, welches den positiven Kreislauf des durch die Entwicklung des Binnenmarktes unterst&#252;tzten Wachstums ausl&#246;st. Doch abgesehen davon, dass diese Entwicklung alles andere als w&#252;nschbar ist (denn, in Anbetracht der Grenzen, die wir erreichen, kann sie nichts anderes bedeuten als ein irreparables &#246;kologisches Desaster), scheint sie sowieso unter den aktuellen Bedingungen unm&#246;glich. Die westliche Entwicklung, die &#8211; vergessen wir das nicht &#8211; auch durch die koloniale Pl&#252;nderung beg&#252;nstigt wurde, kann sich nicht identisch in einer Wirtschaft wiederholen, die auf Anhieb global integriert ist. Der chinesische oder indische Binnenmarkt, wenn er sich auch spektakul&#228;r ausbreitet, kann nicht alles Wachstum dieser L&#228;nder absorbieren, sie sind hoffnungslos abh&#228;ngig von westlichen Absatzm&#228;rkten und gar westlichem Reichtum, denn ihre Guthaben sind auf amerikanische oder europ&#228;ische Schulden ausgestellt. Etwas theoretischer formuliert, k&#246;nnte man sagen, dass die Masse allen global akkumulierten Werts (und nicht ausschliesslich in diesen L&#228;ndern) ihren Profit in der globalen Produktion finden muss. Die Grenze, welche in den 1970er Jahren erreicht wurde, ist immer noch da. Es gibt zu viel zu verwertendes Kapital, als dass das dynamische Gleichgewicht der Nachkriegszeit wiedergefunden werden k&#246;nnte, und dies gilt &lt;i&gt;sowohl f&#252;r die neu industrialisierten als auch f&#252;r die westlichen L&#228;nder&lt;/i&gt;. Die Restrukturierung, die auf die Krise der 1970er Jahre folgte, bestand darin, dass das Kapital eine andere Art und Weise sich zu verwerten finden musste, indem es die Arbeitskosten senkte, und wir sind immer noch an diesem Punkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine solche Entwicklung hat gezwungenermassen sehr wichtige Auswirkungen auf die Klassenk&#228;mpfe in den westlichen L&#228;ndern. In der Periode vor der Krise der 1970er Jahre und der Restrukturierung hatte der Kampf des Proletariats einen doppelten Sinn, wahrscheinlich widerspr&#252;chlich, doch auf einem einzigen Postulat gr&#252;ndend. Einerseits erstrebte der Kampf unmittelbare Ziele, wie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Erh&#246;hung der L&#246;hne, oder gar mehr soziale Gerechtigkeit. Andererseits hatte der Kampf auch die Wirkung, und manchmal das Ziel, die Macht der Klasse der Arbeit gegen&#252;ber der Klasse des Kapitals zu st&#228;rken, tendenziell vielleicht bis zum Sturz der Bourgeoisie. Diese beiden Aspekte waren konfliktreich und die Antagonismen zwischen den Verteidigern der &#8222;Reform&#8220; und denjenigen der &#8222;Revolution&#8220; waren konstant, doch der Kampf selbst konnte letztendlich genauso gut das eine wie das andere bedeuten. Der Kampf um unmittelbare Vorteile und der Kampf um den zuk&#252;nftigen Kommunismus artikulierten sich rund um die Idee, dass der Triumph &#252;ber die St&#228;rkung der Arbeiterklasse und ihrer Kampfbereitschaft gehen w&#252;rde. Nat&#252;rlich waren die Debatten innerhalb der Arbeiterbewegung genauso stark Spaltungen zwischen den Verteidigern der Revolution und der Reform, den Verteidigern der Partei, der Gewerkschaften und der Arbeiterr&#228;te, den Verteidigern der unmittelbaren und der verz&#246;gerten Revolution...kurz, zwischen Leninisten, Linken, Anarchisten usw. Was sie jedoch teilten, war eine Erfahrung des Kampfes, in welchem das Proletariat, ohne einig oder gar vereint zu sein (was es nie war), eine sichtbare gesellschaftliche Realit&#228;t war, in welcher sich jeder Arbeiter wiedererkennen und mit welcher sich jeder Arbeiter identifizieren konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch wie sieht es heute aus? Die Debatte zwischen &#8222;Reform&#8220; und &#8222;Revolution&#8220; ist seit dreissig Jahren schlichtweg verschwunden, da sich die gesellschaftliche Grundlage, die ihr Sinn gab, in Luft aufgel&#246;st hat. Die Form, welche das Proletariat seit eineinhalb Jahrhunderten subjektiv existieren liess, die Arbeiterbewegung, ist zusammengebrochen. Die Parteien, Gewerkschaften und linken Organisationen sind &#8222;B&#252;rger-&#8220; und &#8222;republikanische&#8220; Parteien, deren Ideologie der franz&#246;sischen Revolution entlehnt ist, d.h. der Periode, &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; der Arbeiterbewegung &lt;i&gt;voran gegangen war&lt;/i&gt;. Nur sind offensichtlich weder das Proletariat, noch der Kapitalismus verschwunden. Was fehlt also?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich kann man auf den ersten Blick sagen, dass sich einfach der Sinn, welcher der Sieg annehmen kann, ver&#228;ndert hat. Ohne die voran gegangenen Perioden idealisieren oder deren R&#252;ckschl&#228;ge untersch&#228;tzen zu wollen, kann man sagen, dass die Arbeiterklasse seit dem Beginn des Kapitalismus K&#228;mpfe f&#252;hrte, die zu realen Ver&#228;nderungen seines Verh&#228;ltnisses zum Kapital f&#252;hrten: Einerseits durch das, was konkret entrissen wurde &#8211; Arbeitszeitverk&#252;rzungen, Lohn usw. &#8211; und andererseits durch die Organisation der Arbeiterbewegung selbst in Parteien und Gewerkschaften. Die Machtvergr&#246;sserung des Proletariats konnte als Grundlage jedes Kampfes und jedes Teilsieges dienen, w&#228;hrend jede Niederlage als ein momentanes Zur&#252;ckkrebsen bis zur n&#228;chsten Offensive erscheinen konnte. Sicher war diese Machtvergr&#246;sserung zugleich eine &lt;i&gt;Ohnmachtsvergr&#246;sserung&lt;/i&gt;, denn jeder Teilsieg und jede Institutionalisierung der gewerkschaftlichen Rolle waren Faktoren, die die kommunistische Perspektive immer etwas weiter entfernten, bis sie zu einem immer entlegeneren und schwammigeren Horizont wurde (4). Doch der allgemeine Rahmen der K&#228;mpfe, sogar mit ihren Grenzen, war trotz allem die Macht der Arbeiterwelt gegen&#252;ber den Bossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit bald dreissig Jahren sind die K&#228;mpfe rein defensiv. Jeder Sieg verz&#246;gert einzig die angek&#252;ndigte Niederlage. Die Dynamik besteht zum ersten Mal seit zwei Jahrhunderten einzig und allein im R&#252;ckgang der Macht der Arbeiterklasse. Das aktuelle Wahrzeichen des erfolgreichen Arbeiterkampfes ist Cellatex: Der radikale Kampf um Entsch&#228;digungen, wenn die Anstellung liquidiert wird. Der Sieg bedeutet hier &lt;i&gt;das Ende dessen, was den Kampf m&#246;glich machte&lt;/i&gt; &#8211; die Tatsache, Lohnarbeiter einer, mittlerweile geschlossenen, Unternehmung zu sein &#8211; und nicht mehr den Beginn von etwas.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das ist nicht alles. Die Ver&#228;nderungen der Arbeit seit dreissig Jahren, mit dem Effekt der Massenarbeitslosigkeit, haben das Verh&#228;ltnis des Lohnarbeiters zu seiner Arbeit und somit das Verh&#228;ltnis des Proletariats zu sich selbst modifiziert. Die Anstellung hat immer weniger diesen Referenzstatus, den sie in der Nachkriegszeit hatte (was &#252;brigens der radikalen Kritik der Arbeit den Inhalt einer Kritik der kapitalistischen Gesellschaft als solches gab). Man hat die gleiche Anstellung nicht mehr ein Leben lang. Keine Karriere ist mehr vorprogrammiert. Der Lohnarbeiter sollte sich &#8222;entwickeln&#8220;, sich bilden, Arbeitsort und Anstellung wechseln. Die Prekarit&#228;t wird zur Norm. Die Arbeitslosigkeit ist nicht mehr die Negation der Arbeit, sondern ein Moment derselben, eine Etappe, die jeder Arbeiter mehrere Male in seinem Leben erleben wird oder die Arbeit verwandelt sich gar, f&#252;r viele, in eine teilweise und vorl&#228;ufige Erg&#228;nzung zur Arbeitslosigkeit. In den Unternehmen vervielfachen sich die unterschiedlichen R&#228;nge und Bedingungen. Die Auslagerung der Arbeiten, das Zur&#252;ckgreifen auf Subunternehmer und auf Interimsagenturen zersplittern und teilen die Arbeiter in etliche Kategorien. Dadurch wird das K&#228;mpfen schwierig, denn die Einheit selbst der zusammen K&#228;mpfenden ist auf Anhieb problematisch, statt dass diese, wie in den Perioden vor den 1970er Jahren, fast schon von selbst vorausgesetzt war (und das trotz allen Trennungen, die zwangsl&#228;ufig entstanden). &lt;i&gt;Die Einheit der K&#228;mpfenden wird heutzutage vom Kampf als Mittel zum Zweck konstruiert.&lt;/i&gt; Diese Einheit ist nie zum Vorhinein gegeben und sie bleibt zudem, sogar wenn sie mal tempor&#228;r errungen wird, den Spaltungsm&#246;glichkeiten ausgesetzt, die schon zur Zeit existierten als diese vorausgesetzt war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf ist also schwieriger, doch es gibt einen noch wichtigeren Unterschied: Er f&#252;hrt nicht mehr zu den gleichen Resultaten. Da die Einheit vor dem Kampf nicht mehr vorausgesetzt ist, ist sie auch nicht mehr Teil der offiziellen Ziele des Kampfes. Eine gewisse Idee der Verbesserung der Arbeiter- oder proletarischen Bedingung im allgemeinen ist nicht mehr Teil der Kampfperspektiven, oder wenn, dann nur der defensiven K&#228;mpfe, deren Scheitern vorprogrammiert ist (die K&#228;mpfe um die Renten zum Beispiel). Die siegreichen K&#228;mpfe sind es nur bez&#252;glich der Tatsache, dass sie ein unmittelbares und teilweises, wir w&#252;rden sagen individuelles Ziel erreichen wollen. Im Kapitalismus erhalten wir keine kollektive Verbesserung unserer Situation mehr, sondern eine individuelle Verbesserung, ohne die Perspektive einer Verteidigung der Arbeiterbedingung, womit sie nur vorl&#228;ufig sein kann. Zudem bedeutet das Ende des Kampfes, sei es durch Sieg oder Niederlage, das Ende der im Kampf konstruierten Einheit und somit die Unm&#246;glichkeit, diese als solche weiterzuf&#252;hren oder wieder aufzunehmen, dort wo die vorhergegangene Periode das Gef&#252;hl einer Entwicklungsrichtung gab, die die &#8222;Kapitalisierung&#8220; der K&#228;mpfe scheinbar m&#246;glich machte, d.h. das Aufh&#228;ufen siegreicher Resultate vergangener K&#228;mpfe. Es mag eine Illusion gewesen sein, beeinflusste aber die Art und Weise, wie die Leute ihre K&#228;mpfe und die m&#246;glichen Folgen davon dachten (5).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewissermassen kann man sagen, dass heutzutage jeglicher Klassenkampf an seine Grenze st&#246;sst in der Tatsache, dass er die T&#228;tigkeit einer Klasse ist, die, in seinem Verh&#228;ltnis zum Kapital, nicht mehr findet, was zuvor ihre &lt;i&gt;raison d'&#234;tre&lt;/i&gt; und ihre Macht ausmachte: Die Tatsache, kollektiv die Arbeit zu verk&#246;rpern. Dieses distanzierte und, pr&#228;ziser ausgedr&#252;ckt, aussen stehende Verh&#228;ltnis zu ihrer Arbeit, anders gesagt zu ihrem Sein als Proletarier, beeinflusst die Art und Weise wie man k&#228;mpfen und im Kampf gewinnen kann. Alles, was man gewinnt, ist ein Verlust &lt;i&gt;in Bezug auf die Bedingungen selbst des Kampfes&lt;/i&gt;. Und alles, was man verliert, ist ebenfalls ein Verlust. Dieser Tatbestand scheint definitiv gesichert und es w&#228;re falsch, zu glauben, man m&#252;sse zuerst, vor dem Kampf, die Einheit des Proletariats wieder herstellen, um eine effiziente T&#228;tigkeit desselben zu erhalten. Die Einheit existiert nur vorl&#228;ufig im Kampf und zwischen den K&#228;mpfenden, ohne dass gezwungenermassen ein Bezug zu einer gemeinsamen gesellschaftlichen Klassenzugeh&#246;rigkeit hergestellt wird. Das &#8222;Klassenbewusstsein&#8220; ist nicht etwas, das durch politische Propaganda wieder hergestellt werden k&#246;nnte, denn es existierte immer nur relativ zu einem spezifischen Zustand des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses. Dieses Verh&#228;ltnis hat sich ge&#228;ndert, das Bewusstsein ebenfalls. Wir m&#252;ssen uns damit abfinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir m&#252;ssen uns umso mehr damit abfinden, als dass diese neue Gegebenheit uns zwingt, unsere Konzeptionen des Kommunismus und der Revolution zu &#252;berdenken und auf kritische Art und Weise zu begreifen, was diese in der vorherigen Periode waren. Wenn n&#228;mlich die proletarische Identit&#228;t durch das Verh&#228;ltnis des Proletariats zum Kapital best&#228;tigt wurde, so war die Konzeption einer radikalen Ver&#228;nderung, welche sich massiv durchsetzte &#8211; und welche auf breiter Basis geteilt wurde, von den Reformisten wie auch von den Revolution&#228;ren, von den Anarchisten wie auch von den Marxisten &#8211; diejenige eines Sieges des Proletariats &#252;ber die Bourgeoisie als Folge einer Mobilisierung der Macht der Klasse der Arbeit durch diverse Methoden (gewerkschaftliche Aktion und Organisation, Eroberung der Macht durch Wahlen, Aktion der Partei der Avantgarde, Selbstorganisation des Proletariats...). Wir wiederholen deshalb, dass diese Sichtweise sowohl dem Reformismus als auch der Revolution eine Perspektive anbot und ihnen, jenseits ihrer Opposition, erlaubte, ihren Streit auf einer gemeinsamen Basis zu gr&#252;nden. Aus diesem Grund sind, wie schon gesagt, die alten Perspektiven, sowohl die revolution&#228;re als auch die reformistische, &lt;i&gt;zusammen&lt;/i&gt; vom Feld der offiziellen Politik verschwunden. Wenn man heute von Reform spricht, sei es die Rechte oder die &#228;ussere Linke des politischen Spektrums, so bezieht man sich auf eine Reform der Verwaltung des Kapitalismus, und nicht mehr auf etwas, was wirklich eine Reform w&#228;re, d.h. was zu einem Bruch mit dem Kapitalismus f&#252;hren w&#252;rde. In einer zweifellos ideologischen Form, deren Existenz jedoch aufschlussreich war, fand sich diese Idee noch in den Programmen der sozialdemokratischen Parteien bis in die 1970er Jahre. Seither ist diese Perspektive schlichtweg vergessen worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute k&#246;nnen wir verstehen, dass sowohl die reformistische wie auch die revolution&#228;re Perspektive eine Sackgasse war, weil sie die kommunistische Revolution als Sieg einer Klasse &#252;ber die andere auffasste und nicht als gleichzeitiges Verschwinden der Klassen. Es ist der Ausgangspunkt der traditionellen Idee der &#220;bergangsphase, w&#228;hrend welcher das Proletariat sich nach seinem Triumph zwischenzeitlich um die Verwaltung der Gesellschaft k&#252;mmert. Historisch betrachtet weiss man, dass dies zum Ausdruck kam durch die Bildung eines Staatskapitalismus sowjetischen Typs, in welchem die Bourgeoisie durch eine der kommunistischen Partei verbundene B&#252;rokratenklasse ersetzt wurde und in welchem die Arbeiterklasse in Wirklichkeit weiterhin ausgebeutet und gezwungen war, die verlangte Mehrarbeit zu leisten. Es muss jedoch betont werden, dass diese Idee der &#220;bergangsphase sich nicht auf die strikt marxistische Variante der &#8222;Diktatur des Proletariats&#8220; beschr&#228;nkt, denn in verschiedener Hinsicht positionierten sich weder die Reformisten (die an eine Machtergreifung durch die Urnen dachten) noch die Anarchosyndikalisten (die an eine Machtergreifung durch die gewerkschaftlichen Strukturen dachten) ausserhalb dieses Denkrahmens. F&#252;r sie war es ebenfalls der Sieg des Proletariats, entweder demokratisch, mit den Organen des Staates, f&#252;r die Reformisten, oder durch den Kampf, mit seinen eigenen Organen (den Gewerkschaften), f&#252;r die Anarchosyndikalisten, welche diesem die Zeit gab, um durch seine neue Herrschaft die Gesellschaft zu ver&#228;ndern. Es waren die Dissidenten beider Lager, die Dissidenten bei den Anarchisten und die Dissidenten bei den Marxisten, welche schrittweise eine Theorie der unmittelbaren Revolution und des unmittelbaren Kommunismus ausarbeiteten. Ausgehend von diesen damaligen theoretischen Erkundungen kann man heute, in der aktuellen Periode und mit dem Abstand, der uns die j&#252;ngste Transformation des Kapitalismus gibt, verstehen, dass der Kommunismus nur das gleichzeitige Verschwinden aller gesellschaftlichen Klassen sein kann, und nicht der Sieg einer Klasse &#252;ber die andere, mag dieser auch zwischenzeitlich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Periode bringt eine neue Konzeption der Revolution und des Kommunismus hervor, entsprungen aus diesen kritischen dissidenten Str&#246;mungen, welche innerhalb dieser fr&#252;heren Arbeiterbewegung existierten und f&#252;r welche die kapitalistische Entwicklung zeigt, dass sie dem heutigen proletarische Kampf gerecht werden. Denn die allt&#228;gliche proletarische Erfahrung bewirkt, dass die Erfahrung der Klassenzugeh&#246;rigkeit dazu tendiert, als &#228;usserer Zwang wahrgenommen zu werden, ein Kampf &lt;i&gt;zur Verteidigung&lt;/i&gt; seiner Lage deckt sich mit dem Kampf &lt;i&gt;gegen&lt;/i&gt; dieselbe. Immer &#246;fter erscheinen in den K&#228;mpfen Praktiken und Inhalte, die dahingehend analysiert werden k&#246;nnen. Es handelt sich nicht zwingend um radikale oder spektakul&#228;re Aussagen. Es sind ebenso sehr Praktiken der Flucht, K&#228;mpfe, in welchen die Gewerkschaften nicht willkommen sind und ausgebuht werden, ohne dass man versuchen w&#252;rde, sie durch etwas zu ersetzen, denn man weiss, dass es nichts gibt, das man an deren Platz setzen k&#246;nnte, Lohnforderungen, welche in der Zerst&#246;rung des Arbeitsinstruments enden (in Algerien, Bangladesch), K&#228;mpfe, in welchen man nicht den Erhalt des Arbeitsplatzes, sondern Entsch&#228;digungen fordert (Cellatex und alles, was darauf folgte), K&#228;mpfe, in welchen man nichts fordert, allerdings gegen alles revoltiert, was unsere Lebensbedingungen ausmacht (die &#8222;Ausschreitungen&#8220; in den franz&#246;sischen Banlieues 2005), etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesen K&#228;mpfen tritt Schritt f&#252;r Schritt eine Infragestellung, &lt;i&gt;durch den Kampf&lt;/i&gt;, der Rolle hervor, welche uns vom Kapital zugewiesen wird. Die Arbeitslosen irgendeines Kollektivs, die Arbeiter irgendeiner Fabrik, die Bewohner irgendeines Quartiers k&#246;nnen sich als Arbeitslose, Arbeiter, Bewohner organisieren, doch sehr schnell wird diese Identit&#228;t zu dem, was &#252;berwunden werden muss, damit der Kampf weitergehen kann. Das Gemeinsame, die Einheit kommt vom Kampf selbst und nicht von unserer Identit&#228;t im Kapital. In Argentinien, in Griechenland, auf Guadeloupe, &#252;berall pr&#228;sentierte sich die Verteidigung einer besonderen Lage als reichlich ungen&#252;gend, denn eine jedwede besondere Lage kann sich nicht mehr mit der allgemeinen Lage identifizieren. Nicht einmal die Tatsache, &#8222;prek&#228;r&#8220; zu sein, kann eine gemeinsames zentrales Element des Kampfes bilden, in welchem sich alle wiedererkennen k&#246;nnten. Es gibt &#252;berhaupt kein &#8222;Status&#8220; des Prek&#228;ren, das anerkannt oder verteidigt werden m&#252;sste, denn prek&#228;r sein, sei es eine erlittene oder eine gew&#228;hlte Situation, oder ein bisschen von beidem, ist keine neue gesellschaftliche Kategorie, sondern eine der Realit&#228;ten, die zur Produktion der Klassenzugeh&#246;rigkeit als &#228;usserer Zwang beitr&#228;gt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn also heute eine kommunistische Revolution m&#246;glich ist, so kann sie nur in diesem besonderen Zusammenhang entstehen: Ein Proletarier zu sein, wird als &#228;ussere Form dessen, was man ist, erlebt, w&#228;hrend man gleichzeitig im Kapitalismus, wenn man seine Arbeitskraft verkaufen muss und wie auch immer die Form dieses Verkaufs sein mag, nichts anderes als ein Proletarier sein kann. Eine solche Situation erzeugt leicht die falsche Idee, dass man anderswo, in einem mehr oder weniger alternativen Lebensstil, den Kommunismus errichten kann. Es ist kein Zufall, dass eine Minderheit, die gesellschaftlich in den westlichen L&#228;ndern immer bedeutender wird, sich leichtfertig diesem Traum hingibt und glaubt, gegen den Kapitalismus Partei zu nehmen und ihn durch diese Methode zu bek&#228;mpfen. Doch das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis ist die totalisierende Dynamik unserer Welt und es gibt nichts, das ihr so leicht entkommen kann wie sie sich vorstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berwindung aller existierenden Bedingungen kann nur aus einer Phase intensiver und aufst&#228;ndischer K&#228;mpfe entstehen, w&#228;hrend welcher die Formen des Kampfes und die Formen des zuk&#252;nftigen Lebens gleichzeitig und innerhalb der ein und selben Bewegung Gestalt annehmen werden, wobei letztere nichts anderes sind als erstere. Wir schlagen vor, diese Phase und ihre spezifische Aktivit&#228;t Kommunisierung zu nennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisierung existiert noch nicht, doch die ganze Phase aktueller K&#228;mpfe, die wir gerade erw&#228;hnt haben, erlaubt uns, jetzt davon zu sprechen. In Argentinien, w&#228;hrend dem Kampf, der auf die Ausschreitungen 2001 folgte, waren es die Bestimmungen des Proletariats als Klasse dieser Gesellschaft, die ersch&#252;ttert wurden: Eigentum, Tausch, Arbeitsteilung, Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen...Da die Krise damals nur auf dieses Land beschr&#228;nkt war, &#252;berschritt dieser Kampf nie die Grenzen: Die Kommunisierung kann allerdings nur in einer Dynamik ihrer unendlichen Ausweitung existieren. Ihr Stillstand bedeutet ihren Tod, zumindest vorl&#228;ufig. Doch die Perspektiven des Kapitalismus seit der Finanzkrise 2008 &#8211; Perspektiven, die f&#252;r ihn &lt;i&gt;weltweit&lt;/i&gt; sehr d&#252;ster sind &#8211; f&#252;hren uns zur Hypothese, dass sich der Zusammenbruch des Geldes das n&#228;chste Mal nicht auf Argentinien beschr&#228;nken wird. Es geht nicht darum, zu sagen, dass der Ausgangspunkt notwendigerweise eine monet&#228;re Krise sein wird, sondern eher in Erw&#228;gung zu ziehen, dass in der aktuellen Situation etliche Ausgangspunkte denkbar sind und dass die gravierende monet&#228;re Krise, die sich ank&#252;ndigt, zweifellos dazugeh&#246;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unserer Meinung nach wird die Kommunisierung der Moment sein, wo der Kampf als eines der Mittel seiner Fortf&#252;hrung die unmittelbare Produktion des Kommunismus m&#246;glich machen wird. Unter Kommunismus verstehen wir eine kollektive Organisation frei von allen Vermittlungen, die gegenw&#228;rtig der Gesellschaft erm&#246;glichen, die Individuen miteinander zu verbinden: das Geld, der Staat, der Wert, die Klassen etc. Denn diese Vermittlungen haben kein anderes Ziel als die Ausbeutung zu erm&#246;glichen. Obwohl sie sich allen aufzwingen, n&#252;tzen sie hingegen nur einigen. Der Kommunismus wird also der Moment sein, wo die Individuen ein direktes Verh&#228;ltnis zueinander haben werden, ohne dass ihre interindividuellen Beziehungen von Kategorien &#252;berragt werden, welchen sich alle unterordnen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Selbstverst&#228;ndlich wird dieses Individuum nicht das Individuum sein, welches wir kennen, dasjenige der Gesellschaft des Kapitals, sondern ein anderes Individuum, hervorgebracht durch ein Leben in anderen Formen. Um diesen Punkt richtig zu verstehen, muss daran erinnert werden, dass das menschliche Individuum nicht eine unantastbare Realit&#228;t ist, die aus der &#8222;menschlichen Natur&#8220; resultiert, sondern eine gesellschaftliche Hervorbringung, und dass jede Periode der Geschichte seinen Typus des Individuums hervorbrachte. Das Individuum des Kapitals ist dasjenige, welches durch seinen Anteil am gesellschaftlichen Reichtum bestimmt wird: Diese Bestimmung ist dem Verh&#228;ltnis untergeordnet, welches die beiden grossen Klassen der kapitalistischen Produktionsweise unterhalten, das Proletariat und die kapitalistische Klasse. Dieses Verh&#228;ltnis steht am Anfang und das Individuum wird danach hervorgebracht, die Klassen sind nicht, wie man es allzu h&#228;ufig glaubt, ein Zusammenschluss von Individuen, die ihnen vorangehen. Die Aufhebung der Klassen wird also die Aufhebung der Bestimmungen sein, die aus dem Individuum des Kapitals das macht, was es ist: Ein Individuum, das individuell und egoistisch einen Anteil des Reichtums besitzt, der gemeinsam erzeugt wurde. Nat&#252;rlich ist das nicht der einzige Unterschied zwischen dem Kapitalismus und dem Kommunismus: Der im Kommunismus erzeugte Reichtum wird qualitativ anders sein als das, was der Kapitalismus f&#228;hig ist, zu erzeugen. Der Kommunismus ist keine Produktionsweise in dem Sinn, dass in ihm die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse nicht durch die Form des Produktionsprozesses der zum Leben notwendigen Dinge bestimmt wird, sondern dass es im Gegenteil die gesellschaftlichen kommunistischen Verh&#228;ltnisse sind, die bestimmen wie die notwendigen Dinge fabriziert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wissen nicht, wir k&#246;nnen nicht wissen und somit versuchen wir nicht, zu erfahren, wie der Kommunismus konkret aussehen wird. Wir wissen nur, was er als Negatives sein wird, durch die Aufhebung der gesellschaftlichen kapitalistischen Formen. Der Kommunismus ist ein Modus ohne Geld, ohne Wert, ohne Staat, ohne gesellschaftliche Klassen, ohne Herrschaft und ohne Hierarchie &#8211; was bedeutet, dass auch die alten Herrschaftsformen &#252;berwunden werden, die in das Funktionieren selbst des Kapitalismus integriert sind, wie das Patriarchat, und dass der Kommunismus auch die gemeinsame &#220;berwindung der m&#228;nnlichen und weiblichen Bedingung sein wird. Selbstverst&#228;ndlich ist auch jede Form herkunftsbezogener oder ethnischer Unterteilung ebenfalls unm&#246;glich im Kommunismus, der auf Anhieb global ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen die konkreten Formen des Kommunismus weder vorhersagen noch bestimmen, weil gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse nie fertig aus einem einzigen Gehirn entstehen, so genial es auch sein mag, sondern nur aus einer massiven und verallgemeinerten gesellschaftlichen Praxis resultieren k&#246;nnen. Es ist diese Praxis, die wir Kommunisierung nennen. Die Kommunisierung ist kein Ziel, sie ist kein Projekt; sie ist nichts anderes als ein Weg, doch im Kommunismus ist das Ziel der Weg, das Mittel der Zweck. Die Revolution ist exakt der Moment, wo wir aus den Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise aussteigen. Dieser Ausstieg k&#252;ndigt sich schon in den aktuellen K&#228;mpfen an, existiert dort allerdings nicht wirklich, in dem Sinn, dass nur ein massiver Ausstieg, der alles auf seinem Durchmarsch zerst&#246;rt, wirklich ein Ausstieg ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisierung wird ohne jeden Zweifel ein chaotischer Prozess sein. Schliesslich wird die Klassengesellschaft nicht sterben, ohne sich auf etliche Weisen zu verteidigen, und die Geschichte lehrt uns, dass die Barbarei eines Staates, der versucht, seine Macht zu verteidigen, grenzenlos ist &#8211; die gr&#246;ssten Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten seit den Anf&#228;ngen der Menschheit wurden von Staaten begangen. Nur in diesem Kampf auf Leben und Tod und in den Notwendigkeiten desselben wird die grenzenlose Kreativit&#228;t, welche die Teilnahme jedes einzelnen, gleichzeitig am Werk seiner eigenen Befreiung, freisetzen kann, die Ressourcen zum Kampf gegen den Kapitalismus und zur Erzeugung des Kommunismus in ein und derselben Bewegung finden. Die revolution&#228;ren Praktiken der Unentgeltlichkeit, welche den Wert, den Tausch und alle Handelsbeziehungen im Krieg gegen das Kapital aufheben, stellen die bestimmende Waffe dar zur Integration des gr&#246;ssten Teils der Ausgeschlossenen, der Mittelklassen und der &#228;rmsten Bauernmassen durch Massnahmen der Kommunisierung, kurz, zur Erzeugung, im Kampf, der Einheit, welche im Proletariat nicht mehr existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist ebenfalls offensichtlich, dass das Rennen nach vorn, das die Erzeugung des Kommunismus bedeutet, stirbt, wenn es unterbrochen wird. Jede Form der Kapitalisierung der &#8222;Errungenschaften der Revolution&#8220;, jede Form von Sozialismus, jede Form des &#8222;&#220;bergangs&#8220;, konzipiert als Zwischenphase vor dem Kommunismus, als &#8222;Pause&#8220;, wird die Konterrevolution sein, welche nicht von den Feinden der Revolution, sondern von der Revolution selbst hervorgebracht wird, und auf welche der sterbende Kapitalismus versuchen wird, sich zu st&#252;tzen. Die &#220;berwindung des Patriarchats wird ein derartige Umw&#228;lzung sein, dass sie sogar das Lager der Revolution&#228;re selbst spalten wird, denn selbstverst&#228;ndlich wird das Streben nicht &#8222;der Gleichheit&#8220; der M&#228;nner und Frauen gelten, sondern schlicht und einfach der Aufhebung gesellschaftlicher Unterscheidungen, welche auf dem Geschlecht basieren. Aus all diesen Gr&#252;nden wird die Kommunisierung als eine &#8222;Revolution in der Revolution&#8220; erscheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur die Vielzahl von Massnahmen der Kommunisierung, welche &#252;berall und von allen Arten von Leuten ergriffen werden, welche sich, wenn sie eine angemessene Antwort auf eine gegebene Situation sein werden, von allein verallgemeinern, ohne dass jemand w&#252;sste, wer sie erzeugt oder vermittelt hat, wird eine dieser Revolution angemessene Organisationsweise bereit stellen k&#246;nnen. Die Kommunisierung wird nicht demokratisch sein, denn die Demokratie, auch die &#8222;direkte&#8220;, ist eine Form, die nur einer Art von Verh&#228;ltnis zwischen Individuum und Kollektiv entspricht &#8211; genau diese Art wurde vom Kapital bis zum &#196;ussersten getrieben und der Kommunismus wird mit ihr brechen. Die kommunisierenden Massnahmen werden von keiner Instanz ergriffen werden, es wird keine Form der Repr&#228;sentation von irgendjemandem und keine Vermittlung geben. Die kommunisierenden Massnahmen werden von jedem und niemandem ergriffen werden. Sie werden von all jenen ergriffen werden, welche, zu einem gegebenen Zeitpunkt, die Initiative ergreifen und eine L&#246;sung suchen, die sie angemessen halten f&#252;r ein Problem des Kampfes &#8211; und die Probleme des Kampfes werden auch die Probleme des Lebens sein, wie essen, wohnen, mit allen teilen, gegen das Kapital k&#228;mpfen etc. Debatten, Meinungsverschiedenheiten und interne K&#228;mpfe werden existieren: Die Kommunisierung wird auch die Revolution in der Revolution sein. Es gibt keine Instanz, welche diese Konflikte entscheiden wird: Es wird die Situation sein, welche entscheiden wird, und, &lt;i&gt;post festum&lt;/i&gt;, die Geschichte, welche wissen wird, wer Recht hatte. Diese Schlussfolgerung mag abrupt erscheinen: &lt;i&gt;Doch gibt es keine andere Art, eine Welt zu erschaffen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(1) Henry Ford, amerikanischer Grossbetriebsinhaber, hatte in der Zwischenkriegszeit die Idee verteidigt, man m&#252;sse die L&#246;hne und die Produktivit&#228;t erh&#246;hen, um gleichzeitig die Produktion und die M&#228;rkte, welche sie absorbieren k&#246;nnten, zu entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(2) Und sogar den Kapitalisten, welche die Regeln nicht beherrschen, die aus ihnen die Herrscher machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(3) Der Finanzkapitalismus ist keineswegs ein parasit&#228;rer Auswuchs des produktiven Kapitalismus, wie es uns die linke Vulgata weismachen m&#246;chte. Er ist ganz im Gegenteil lebensnotwendig f&#252;r den produktiven Kapitalismus selbst. Die unglaubliche Entwicklung der Finanz seit den 1970er Jahren hat, unter anderem, die weltweite und augenblickliche Zirkulation des Kapitals m&#246;glich gemacht, und diese ist ein notwendiges Instrument zur globalen Integration der Produktions- und Konsumzyklen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(4) Einige Libert&#228;re oder R&#228;tekommunisten verurteilten &#252;brigens den Verrat der Gewerkschaftsf&#252;hrer. Doch ein solcher &#8222;Verrat&#8220; war angelegt in der Institutionalisierung der Arbeiterbewegung, welche von Seiten des Proletariats eine Affirmation seiner Macht implizierte. Die Gewerkschaftsf&#252;hrer waren in dem Sinn Verr&#228;ter, dass sie, mit dem Ziel ihre eigene Macht zu st&#228;rken, es akzeptierten, eine gewisse Rolle anzunehmen; doch diese Rolle erschufen sie nicht selbst. Sich darauf zu beschr&#228;nken, ihren &#8222;Verrat&#8220; zu verurteilen gen&#252;gt nicht, denn demnach k&#246;nnte man denken, dass andere, ehrlichere Anf&#252;hrer anders gehandelt h&#228;tten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(5) Die Klassenk&#228;mpfe in den neulich industrialisierten L&#228;ndern, wie China, Indien, Bangladesch oder Kambodscha k&#246;nnen anders sein, denn die dort laufenden K&#228;mpfe, z.B. diejenigen um Lohnfragen, erlauben noch Siege, die eine sehr grosse Bedeutung haben &#8211; aber nie gross genug, im global integrierten Kapitalismus, um wirklich den Charakter des kapitalistischen Gesellschaftsverh&#228;ltnisses zu modifizieren. Diese K&#228;mpfe sind keine Neuauflage der in Europa laufenden K&#228;mpfe in den Anf&#228;ngen des Kapitalismus, sei es nur schon deswegen, weil die K&#228;mpfe nicht mehr Teil der revolution&#228;ren Perspektive sind, welche diejenige der Periode von den 1840er bis in die 1970er Jahre war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;L&#233;on de Mattis&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://riff-raff.se/texts/fr/sic1-qu-est-ce-que-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://riff-raff.se/texts/en/sic1-what-is-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische Version&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.sicjournal.org/about/index.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage der Zeitschrift &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.leondemattis.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Blog von L&#233;on de Mattis&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.entremonde.net/Crises&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Crises&lt;/i&gt; bei &#201;ditions Entremonde&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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