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		<title>Th&#233;orie communiste - Einige kritische Anmerkungen zu &#034;Gender und Klassen. Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird&#034;</title>
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&lt;p&gt;Die Urspr&#252;nge &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Methode ist historisch, man startet also bei den &#8222;Urspr&#252;ngen&#8220;; man weiss zur Gen&#252;ge, dass eine solche Methode alles verf&#228;lscht, dass die Urspr&#252;nge nichts und vor allem nicht sich selber erkl&#228;ren. Einen historischen Anfangspunkt und seine Entwicklung als konzeptuelle Ordnung zu pr&#228;sentieren kommt einem Zauberdenken gleich, das glaubt, der Anfang sei die Wahrheit dessen, was hervorgebracht wird und das unter dem Deckmantel der Geschichte immer bewusst oder unbewusst (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/arton74-5.jpg?1689550465' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die Urspr&#252;nge&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Methode ist historisch, man startet also bei den &#8222;Urspr&#252;ngen&#8220;; man weiss zur Gen&#252;ge, dass eine solche Methode alles verf&#228;lscht, dass die Urspr&#252;nge nichts und vor allem nicht sich selber erkl&#228;ren. Einen historischen Anfangspunkt und seine Entwicklung als konzeptuelle Ordnung zu pr&#228;sentieren kommt einem Zauberdenken gleich, das glaubt, der Anfang sei die Wahrheit dessen, was hervorgebracht wird und das unter dem Deckmantel der Geschichte immer bewusst oder unbewusst Mythen erschafft (&#8222;Der erste, der sagt, dies ist mein&#8220;, Rousseau). Die historische Suche nach einem &#8222;Ursprung&#8220; setzt ein Stadium vor der Trennung, vor dem &#220;bergehen des Einen in sein Anderes voraus. Die historische Ordnung der Kategorien hat nichts mit deren konzeptuellen Ordnung zu tun (Marx, &lt;i&gt;Einf&#252;hrung&lt;/i&gt; von 1857).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von den &#8222;Urspr&#252;ngen&#8220; kommen wir zum &#8222;Verlauf der Jahrtausende&#8220; (S. 12), dann, die Antike &#252;berspringend, zum westlichen Mittelalter, einige Worte zur fr&#252;hen Neuzeit und schon sind wir im 19. Jahrhundert. Der Hauptfehler liegt nicht in der Analyse der fl&#252;chtig gestreiften Gesellschaften (obwohl, wie wir sehen werden, das Mittelalter und die fr&#252;he Neuzeit einige &#220;berraschungen bereithalten), sondern in der Methode, welche zum Zweck hat, eine historische Entwicklung zu konstruieren, die das Konzept des &#8222;Patriarchats&#8220; (S. 13) legitimiert. Schon in den ersten Zeilen des Textes &lt;i&gt;Kapitalismus, Gender und Kommunismus&lt;/i&gt;, der als theoretische Synthese pr&#228;sentiert wird und der erste Text der Brosch&#252;re ist, begegnen wir einer der strukturierenden Linien der Gesamtproblematik: Mit dem Verschwinden des Patriarchats (ein zweifelhaftes Konzept, das sowieso nie in der hier pr&#228;sentierten Form existiert hat &#8211; wir werden darauf zur&#252;ckkommen) ist ein m&#246;glicher Niedergang, oder gar ein Verschwinden, der M&#228;nnerherrschaft in den Klassengesellschaften vorhanden und genauer, was uns vor allem interessiert, in der kapitalistischen Produktionsweise. In der Brosch&#252;re dient das Patriarchat zur Markierung und Best&#228;tigung der Etappen dieses Niedergangs der M&#228;nnerherrschaft. Die geschlechtliche Differenzierung hat immer existiert, doch &#8222;mit variablen 'Graden' der M&#228;nnerherrschaft&#8220; (S. 11). Auf welcher Skala misst man diese &#8222;Grade&#8220;? Es gibt keine Geschichte der M&#228;nnerherrschaft (als etwas, das eine eigene Dynamik hat), es gibt keine Grade der M&#228;nnerherrschaft, sondern eine Abfolge operationeller und notwendiger Formen, die eine Produktionsweise definieren und durch sie definiert sind, alle gleich &#8222;vorherrschend&#8220; und effizient. Wie die M&#228;nner, die Frauen, die M&#228;nnerherrschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese historische Konstruktion rechtfertigt und bereitet den &#220;bergang in der kapitalistischen Produktionsweise vom Patriarchat zur einfachen &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; vor, die (wir werden darauf zur&#252;ckkommen) merkw&#252;rdigerweise in der kapitalistischen Produktionsweise gleichzeitig notwendig und den Grundlagen dieser Produktionsweise (dem Wert, der Ware) gegens&#228;tzlich sei. Wenn &#8222;der kapitalistische Wurm in der patriarchalen Frucht steckt&#8220; (S. 13), um das Bild von Incendo wieder aufzugreifen, w&#228;re es also die M&#228;nnerherrschaft selbst, welche der Kapitalismus in Frage stellte. Dass &#8222;die M&#228;nnerherrschaft&#8220;, die &#8222;geschlechtliche Differenzierung&#8220;, der &#8222;Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen&#8220; (nennen wir es wie wir wollen &#8211; das hat hier keine Bedeutung) in der kapitalistischen Produktionsweise ein Widerspruch und gar ein Widerspruch f&#252;r sich selbst ist, ist eine Sache, dass man als &#8222;Hypothese&#8220; deren &#220;berwindung in Betracht ziehen kann eine andere. Die Genderunterscheidung ist ein konstitutiver, innerer, der Sache inh&#228;renter Widerspruch, genau wie die Arbeit als einzige Quelle des Werts und der Verwertung, und nicht ein Widerspruch zwischen zwei Begriffen, deren Koexistenz konfliktreich, doch nicht absolut &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; sein k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einerseits dr&#228;ngt das Kapital zur undeutlichen und abstrakten Universalit&#228;t der Individuen gegen&#252;ber der sozialen Macht, die es als autonomisierten Wert repr&#228;sentiert und andererseits setzt es die Arbeit und das Bev&#246;lkerungswachstum als einzige Quelle seiner Verwertung. Es will Frauen und will sie nicht. Es will die Genderunterscheidung und die Universalit&#228;t des einfachen abstrakten und freien Individuums. Daraus folgt, dass, dort, wo die grunds&#228;tzliche Universalit&#228;t erscheint, die Kategorien, die sie tragen (Wert, Ware usw.) selbst in ihrer Substanz durch das, was sie innerlich ausschliessen, geschlechtlich differenziert sind. &#214;ffentlichkeit/Privatheit, Lohnverh&#228;ltnis und weibliche Hausarbeit sind eng miteinander verbunden. In der kapitalistischen Produktionsweise sind die &#246;ffentliche und die private Sph&#228;re radikal getrennt, der Ausschluss der Frauen vom &#246;ffentlichen Raum ist grunds&#228;tzlich radikaler als in den vorhergehenden Produktionsweisen, gleichzeitig ist die Universalit&#228;t der abstrakten Gleichheit der Individuen ein innerer Zwang dieser Produktionsweise. Die &#8222;freie Frau&#8220;, die jedoch immer noch Frau ist, ist ihr Ideal und der Widerspruch, in welchem sie die Genderunterscheidung einsperrt &lt;i&gt;zugleich objektive Notwendigkeit und individuell kontingente Erscheinung&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Von den Frauen und dem Widerspruch&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die ersten Abs&#228;tze, obwohl sie grundlegend sind f&#252;r das, was folgt, sind voller Doppeldeutigkeiten und Unausgesprochenem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist kaum m&#246;glich, die Erscheinung dieser geschlechtlichen Differenzierung genau historisch zu situieren oder zu erkl&#228;ren, vermutlich geht sie auf die Urgeschichte zur&#252;ck. Die Mutterschaft und ihre Zw&#228;nge werden allgemein als Erkl&#228;rung f&#252;r den Ursprung der geschlechtlichen Differenzierung vorgebracht. Gem&#228;ss diesen Hypothesen hinderte die Schwangerschaft und das Stillen die &#8222;Frauen&#8220; daran, voll an den anderen Aktivit&#228;ten der Gruppe teilzunehmen, beispielsweise an der Jagd. Der Schutz der schwangeren Frauen (der f&#252;r das &#220;berleben der Gruppe lebensnotwendig ist) soll sich zu einem &#8222;Schutz&#8220; der Frauen aufgrund ihrer &lt;i&gt;potentiellen&lt;/i&gt; reproduktiven F&#228;higkeit entwickelt haben. Doch das erkl&#228;rt uns nicht das Aufkommen der Gruppe der Frauen, was bedeutet, diese Gruppe als eine nat&#252;rliche Einheit zu betrachten. Ebenso wird die Schwangerschaft als nat&#252;rliches Ph&#228;nomen betrachtet, und nicht als gesellschaftlich organisierter Prozess.&#8220; (S. 11-12) Wir sind von den Urspr&#252;ngen ausgegangen, doch das lehrt uns nichts, ausser dass die Schwangerschaft ein &#8222;gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; ist; wir erfahren auch nichts &#252;ber &#8222;das Aufkommen der Gruppe der Frauen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die Schwangerschaft &#8222;gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; genannt wird ohne weitere Kommentare oder Erkl&#228;rungen, werden wir auch in der ganzen Brosch&#252;re nie mehr &#252;ber dieses &#8222;Aufkommen der Gruppe der Frauen&#8220; (das man besser Konstitution nennen w&#252;rde, um den Mythos der &#8222;Urspr&#252;nge&#8220; zu vermeiden) erfahren. Man kann sich fragen, wieso diese &#8222;Urspr&#252;nge&#8220;, die nichts lehren, vom ersten Absatz des Textes an ausgef&#252;hrt werden. Obwohl die Erkl&#228;rung verworfen wird, spielt sie eine Rolle. Alles, was die Urspr&#252;nge sagen, wird anerkannt sofern man es &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; nennt. Wiederholen wir, dass im ganzen Text keine andere Erkl&#228;rung angeboten wird (ausser vielleicht auf gewundene Art und Weise die These von Engels &#8211; siehe weiter unten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um was geht es also? Ein &#8222;nat&#252;rliches Ph&#228;nomen&#8220; kann ein &#8222;gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; sein, es handelt sich also um ein &#8222;gesellschaftlich organisiertes nat&#252;rliches Ph&#228;nomen&#8220;. In Abwesenheit einer Erkl&#228;rung braucht Incendo die &#8222;Natur&#8220;, zugleich als Inhalt seiner Erkl&#228;rung und als von ihr geleugneter Kontrapunkt. Anders gesagt, was die Frauen ausmacht, ist die Zeugung von Kindern (die Schwangerschaft) unter der Bedingung, dass man diese als &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; konzipiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die geschlechtliche Differenzierung, welche in allen bekannten Gesellschaften existiert, hat in den Urgesellschaften diverse Formen angenommen.&#8220; (S. 12) Und hops! Feststellung und Beschreibung gelten als Konzept und verst&#228;ndliche Hervorbringung. Dieser Beginn macht alle Fragen und Probleme verschwommen. Man erz&#228;hlt uns von der Schwangerschaft, um uns zu sagen, dass es nicht darum geht &#8211; doch man spricht trotzdem davon. Es geht nicht darum, aber eben, doch beinahe, denn es handelt sich um einen &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220;, somit nicht um ein &#8222;nat&#252;rliches Ph&#228;nomen&#8220;, doch weshalb nicht davon ausgehen, um die Frauen zu &#8222;definieren&#8220;, wieso dieser &#8222;Prozess&#8220;, dazu wird geschwiegen. Ein Schweigen, das auf das verweist, was gesagt wurde zur Schwangerschaft, unter der Bedingung, dass man immer &#8222;gesellschaftlich&#8220; wiederholt, wenn man &#8222;Schwangerschaft&#8220; sagt. Was hier urspr&#252;nglich die Frauen definiert, ist die Schwangerschaft. Ob gewollt oder nicht, es ist der Ausgangspunkt: die grobe Feststellung des gesunden Menschenverstandes. Das &#8222;gesellschaftliche&#8220;, dessen Inhalt nie genau beschrieben wird, f&#252;gt der Biologie letztendlich nur eine anthropologische Note hinzu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man err&#228;t, dass &#8222;gesellschaftlich&#8220; nur auf &#8222;lebensnotwendig f&#252;r das &#220;berleben der Gruppe&#8220; und somit auf die Reproduktion der Bev&#246;lkerung verweist. Die Idee wird sp&#228;ter entwickelt, im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise, mit der Reproduktion der Bev&#246;lkerung. Letztere ist jedoch nicht als wirtschaftliche Kategorie definiert, sondern als einfache Reproduktion der Individuen als Basisrohstoff der Reproduktion der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Aber das &#8222;gesellschaftliche&#8220; ist somit nur ein anderer Name f&#252;r das &#8222;nat&#252;rliche&#8220;: die von den Frauen geleistete Reproduktion der Gruppe durch Kinder. Etwas &#8222;gesellschaftlich organisiertes&#8220; nat&#252;rliches. Der Frage der wirtschaftlichen Bestimmung dieses &#8222;gesellschaftlichen Prozesses&#8220; wird ausgewichen. Was ist die Natur und die Existenzberechtigung dieses &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozesses&#8220;? Wenn es M&#228;nner und Frauen gibt, &lt;i&gt;weil die Gesellschaft sich reproduziert&lt;/i&gt;, wird es sie, ausser im Falle einer Entscheidung zum kollektiven Selbstmord, &lt;i&gt;immer&lt;/i&gt; geben und es ist somit absolut logisch, dass der gleiche Text am Ende die Frage der Schwangerschaft im Kommunismus als Problem der Unterscheidung zwischen Tr&#228;gerinnen und Nicht-Tr&#228;gern von Kindern (wie kann man hier den Gebrauch von m&#228;nnlicher und weiblicher Form vermeiden?) stellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem der theoretischen Konstruktion von Incendo ist es, von der spezifischen Stellung der Frauen in der Reproduktion auszugehen (das ist die Rolle des Absatzes &#252;ber die Urspr&#252;nge) und ihr, wie jeder Anthropologe, etwas &#8222;gesellschaftliches&#8220; hinzuzuf&#252;gen: &#8222;Es geschieht in der Gellschaft.&#8220; &#8222;Gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; sagt uns nichts &#252;ber die Natur dieses Prozesses, genauso wenig wie &#252;ber seine Notwendigkeit und sein Werk, die Konstruktion der Kategorien Frauen und M&#228;nner. Der theoretische Ausgangspunkt kann nicht diese spezifische Stellung (die Incendo nicht mehr loswird) sein, egal was man hinzuf&#252;gt (sogar gesellschaftliches), &lt;i&gt;sondern das, was diese Stellung spezifisch macht, d.h. unmittelbar gesellschaftliches&lt;/i&gt;. Es ist die Arbeit als wirtschaftliche Kategorie, als prinzipielle Produktivkraft, d.h. die Bev&#246;lkerung, die simultan von der Mehrarbeit hervorgebracht wird, welche diese Stellung konstruiert und, in ein und derselben Bewegung, daraus eine spezifische Stellung macht. Es muss gesagt werden, weshalb &#8222;die Schwangerschaft ein gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; ist, der als solcher zwei gesellschaftliche Gruppen definiert. Incendo legt bereits in seinen Pr&#228;missen an, was gezeigt werden muss: Die Frauen machen Kinder und, um es einfach zu sagen, das wird ihnen zum Verh&#228;ngnis werden. Die Unterscheidung ist schon da, es ist jedoch genau diese &lt;i&gt;Unterscheidung&lt;/i&gt;, &#8222;Kinder zeugen&#8220;, die hervorgebracht werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht die Tatsache, immer gesellschaftlich konfiguriert zu sein, welche aus einer anatomischen Eigenschaft (Geb&#228;rmutter), als ob sie auf ihre &#8222;gesellschaftliche Organisation&#8220; wartete, eine gesellschaftliche Unterscheidung macht, es ist die Arbeit und die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkr&#228;fte. Wenn man beim &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; stehen bleibt, hat man weder Widerspruch, noch Dynamik in dieser Unterscheidung, sondern einfach etwas, das die &#8222;wahren Unterscheidungen&#8220;, die &#8222;wahren Widerspr&#252;che&#8220;, die &#8222;wahren Dynamiken&#8220; begleitet. Daher versteht man, dass die anf&#228;ngliche Doppeldeutigkeit &#252;ber die Konstruktion und die Definition der Gruppe der Frauen kein Zufall und auch kein theoretisches Versehen oder keine theoretische Schw&#228;che ist, denn die Genderunterscheidung als Zierde, ein Plus, eine zus&#228;tzliche Bestimmung der Klassenwiderspr&#252;che, durchzieht die Brosch&#252;re. Das als Motto vorangestellte h&#252;bsche, von den Toiletten eines Squats in Avignon kommende Zitat ist wohl verlockend, doch es streut Sand in die Augen (S. 8)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat zuerst!&#8220; Zweite Hand: &#8222;Es ist (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was ist der Gang, was sind die Artikulationen, die Widerspr&#252;che dieses Kampfes f&#252;r den Kommunismus, der nicht ein breiter Strom ist, wo alles verschmilzt und sich aufl&#246;st wie die Flut der Sp&#252;lung alles wegschwemmt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo will &#252;ber die Beziehungen zwischen Gender und Klassen nachdenken, doch nicht nur die Definition der Genderunterscheidung &lt;i&gt;als Widerspruch&lt;/i&gt; ist explizit in Klammern gesetzt (man weiss nicht, man sagt nichts dazu, Fussnote 69), sondern auch die Genderunterscheidung selbst ist nicht hervorgebracht worden. Tats&#228;chlich kann man sie nur als Widerspruch hervorbringen, jener der Arbeit und der Bev&#246;lkerung in der kapitalistischen Produktionsweise, d.h. das Kapital als prozessierender Widerspruch. Die Frage der Genderunterscheidung ist somit auf die Ungleichheiten reduziert, die man, dank dem &#8222;Tag der Frauen&#8220;, jeden M&#228;rz in der aktivistischen und b&#252;rgerlichen Presse erf&#228;hrt und wor&#252;ber sich Incendo mokiert. Incendo erstellt keine Bilanz dieser Ungleichheiten, um nicht explizit sagen zu m&#252;ssen, dass das, was unter &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; in dieser Brosch&#252;re verstanden wird, nichts anderes ist als diese Ungleichheiten. Incendo sagt nichts anderes, ausser, dass nur die Revolution diese aufheben kann (und, wie wir sehen werden, k&#246;nnte es die kapitalistische Produktionsweise gem&#228;ss Incendo auch selbst &#252;bernehmen und uns zuvorkommen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch warum wird den Ungleichheiten nicht Rechnung getragen? Incendo versetzt sich in die &#8222;radikale&#8220; Haltung, f&#252;r welche von Ungleichheiten sprechen etwas zu &#8222;sozialdemokratisch&#8220; ist. Die Ungleichheiten sind die unmittelbare empirische Existenz der geschlechtlichen Versklavung und Differenzierung, der Kampf gegen diese Ungleichheiten ist nicht bedeutungslos: Die auferlegte Teilzeitarbeit ist eine Ungleichheit; die Differenz in der Hausarbeitszeit ist eine Ungleichheit, die Glasdecke ist eine Ungleichheit; die B&#252;rde der &#8222;biologischen Reproduktion&#8220; ist eine Ungleichheit, die Besetzung des &#246;ffentlichen Raumes ist eine Ungleichheit, die konstante Sorge, ein K&#246;rper zu sein, ist eine Ungleichheit usw. Diese Geringsch&#228;tzung der Ungleichheit, die als harmlos und als zum Konsens in guter Gesellschaft von &#8222;Radikalen&#8220; geh&#246;rig erscheinen kann, spielt in der allgemeinen Problematik von Incendo eine Rolle. Indem diese Ungleichheiten in ihrem allgemeinen Ausdruck als Ungleichheiten zwischen M&#228;nnern und Frauen &#252;bergangen werden, wird die Genderunterscheidung in ihren unmittelbarsten Formen und Existenzbedingungen &#252;bergangen und beschr&#228;nkt sich auf den Widerspruch zwischen den Klassen, in welcher die Situation der Frauen nur eine Bestimmung, eine zus&#228;tzliche Eigenschaft darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, die Verurteilung dieser Ungleichheiten oder den Kampf dagegen als &#8222;b&#252;rgerlich-feministisch&#8220; abzulehnen oder nicht, die wirklich komplizierte Frage ist jene der &#220;berwindung der Forderung nach Gleichheit durch die Abschaffung dessen, was dazu f&#252;hrt, dass es nur Ungleichheiten geben kann: die Genderunterscheidung. Kein vern&#252;nftiger Mensch lehnt den Kampf um Lohnerh&#246;hungen ab, weil er nicht die Lohnarbeit in Frage stellt. Es ist eben genau weil f&#252;r Incendo, sogar als Hypothese (tats&#228;chlich h&#228;ufig viel mehr als das: &#8222;eine M&#246;glichkeit&#8220;), die geschlechtliche Differenzierung im Widerspruch zu den Grundlagen der kapitalistischen Produktionsweise &#8222;fortbesteht&#8220;, dass sie sich auf diese Ungleichheiten beschr&#228;nkt, die sie als &#8222;sozialdemokratisch&#8220; verachten. Wenn sie nicht davon sprechen wollen, so ist es, weil sie Angst haben, zu zeigen, dass sie nichts anderes davon sagen k&#246;nnen als dass es Ungleichheiten sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Incendo geht also darum, das Verh&#228;ltnis zwischen Klassen und Gender zu analysieren. Was ist die Beschaffenheit dieses Verh&#228;ltnisses? Eine gegenseitige Hervorbringung, eine Komplementarit&#228;t, eine Koexistenz, eine &#220;berschneidung? Scheinbar geht es um eine notwendige Koexistenz, doch ihre Notwendigkeit wird nie hervorgebracht, ausser, dass gesagt wird, dass es darum geht, Proletarier zu reproduzieren und &#8222;Socken zu waschen&#8220;. Doch die Beschr&#228;nkung auf die Reproduktion der Bev&#246;lkerung, ohne sie als Arbeit und Produktivkraft detailliert zu bezeichnen, ist gleichbedeutend mit der Beschr&#228;nkung der Schwangerschaft auf einen gesellschaftlich begleiteten Prozess. Zwischen der gesellschaftlich begleiteten Schwangerschaft und der Weigerung, das Verh&#228;ltnis zwischen Frauen und M&#228;nnern als Widerspruch zu konzipieren, entsteht eine Endlosschleife: Der Genderwiderspruch besteht durch und f&#252;r etwas anderes, er ist mehr oder weniger unerl&#228;sslich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was unsichtbar wird, ist die Tatsache, dass das Problem des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen einerseits, den Klassen andererseits, keines ist. Das Problem ist nicht jenes des Verh&#228;ltnisses, sondern jenes der gemeinsamen und gegenseitigen Hervorbringung beider Widerspr&#252;che und ihrer Einheit (siehe &lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Antwort an die Amerikanerinnen&lt;/i&gt;] und &lt;i&gt;Tel quel&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;So wie zuvor&lt;/i&gt;] in Th&#233;orie communiste 24, Dezember 2012) &#8211; wie jeder Widerspruch zu einem wird durch den anderen &#8211; und umgekehrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die M&#228;nner und die Frauen kommen von der Mehrarbeit, ihre Unterscheidung und somit ihr Widerspruch; von dieser gleichen Mehrarbeit kommen auch die Klassen und ihr Widerspruch. Die Existenz der Mehrarbeit ist gleichbedeutend mit der Existenz dieser beiden Widerspr&#252;che. Jeder hat im anderen nicht nur seine Bedingung, sondern das, was ihn zu einem Widerspruch macht, d.h. ein Prozess, der in seinem Verh&#228;ltnis seine eigenen Begriffe in Frage stellt. Vier Elemente, zwei Widerspr&#252;che, eine Dynamik: jene des Kapitals als prozessierender Widerspruch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese gemeinsame Existenz, die aus jedem ein Widerspruch macht, ist nicht eine Begegnung oder eine Summe, sondern existiert f&#252;r jeden Widerspruch in seinen eigenen Begriffen, seiner eigenen &#8222;Sprache&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist es die Existenz selbst der Arbeit als Produktivkraft (der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen), welche, in den Begriffen des Verh&#228;ltnisses, dieses Werden des konfliktreichen, widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses ist: Die Arbeit als einziger Massstab und einzige Quelle des Reichtums f&#252;hrt dazu, dass der Klassenkampf die Aufhebung der Klassen als Dynamik und zum Ziel hat, was gleichbedeutend ist mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist es die Existenz der Mehrarbeit und ihr Verh&#228;ltnis zur notwendigen Arbeit (der Widerspruch zwischen den Klassen), welche, in den Begriffen des Verh&#228;ltnisses, dieses Werden des konfliktreichen, widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses ist: Die Mehrarbeit und ihr Verh&#228;ltnis zur notwendigen Arbeit f&#252;hrt dazu, dass der Konflikt zwischen M&#228;nnern und Frauen die Aufhebung der der Individualit&#228;t inh&#228;renten Bedingungen des Mann- und Frauseins als Dynamik und zum Ziel hat. Anders gesagt: Dieser Widerspruch zwischen Mehrarbeit und notwendiger Arbeit ist jener, durch welchen die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft (die Genderunterscheidung) als Notwendigkeit aufgehoben wird, was gleichbedeutend ist mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch. Die Revolution wird nicht &#8222;&#252;ber die Aufhebung der Geschlechterrollen stolpern&#8220;, denn es ist kein Zufall, dass die beiden Widerspr&#252;che sich in revolution&#228;ren Momenten immer miteinander verbinden, best&#228;tigen und meistens in Konfrontation zueinander stehen.&#8220; (&lt;i&gt;Tel Quel&lt;/i&gt;, Th&#233;orie communiste 24, Dezember 2012)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Genderfrage, welche die Brosch&#252;re von Incendo behandeln will, wird nie f&#252;r sich selbst er&#246;rtert und behandelt. Die im Vorwort angegebenen zwei Gr&#252;nde, dar&#252;ber zu sprechen, zw&#228;ngen sie in einen Rahmen, der alles, was man dar&#252;ber sagen kann, vorherbestimmt. In der Problematik des Texts kommt man nicht zur Revolution indem man vom Klassen- und vom Genderwiderspruch ausgeht, sondern die Revolution ist, zumindest was die Genderfrage betrifft, der vorausgesetzte Rahmen, welcher die Frage formatiert. Man er&#246;rtert die Genderfrage &#8222;in einer revolution&#228;ren Perspektive&#8220;, sagt der Text. Sehr gut, doch da angenommen wird, dass diese Revolution eine Sache der Klassen sei, welche die Frauenfragen der proletarischen Frauen aufwirft (die diese Fragen nur stellen als Proletarierinnen und weil sie Proletarierinnen sind), wird dieses Problem nur als Bestimmung eines anderen Problems eingef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von diesem &#8222;revolution&#228;ren Standpunkt&#8220; aus (was ist ein &#8222;revolution&#228;rer Standpunkt&#8220; in der Theorie?) erscheinen nun also die zwei Gr&#252;nde, weshalb das Problem er&#246;rtert wird. Erstens ist die der kapitalistischen Produktionsweise vorangehende geschlechtliche Differenzierung mit dieser &#8222;unzertrennbar verbunden&#8220; (man wird sp&#228;ter erfahren, dass f&#252;r Incendo dieses &#8222;unzertrennbar&#8220; nicht so offensichtlich ist). Zweitens weil der Kommunismus, damit er als solcher qualifiziert werden kann, frei von Herrschaft sein muss. Es ist wahr, dass diese ihm einen schlechten Stempel aufdr&#252;cken w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Aufhebung der Genderunterscheidung vom Standpunkt aus des &#8222;Erfolgs&#8220; der Kommunisierung ist zwar eine Notwendigkeit, doch nicht im Namen der Aufhebungen aller Vermittlungen, nicht weil die Revolution &#8222;ausgesetzt&#8220; w&#228;re wegen der Notwendigkeit dieser Aufhebung. Diese Sichtweise kommt einer teleologischen und normativen Vorgehensweise gleich. W&#228;hrend des &#8222;Erfolgs&#8220; der Kommunisierung dr&#228;ngt sich dieser Widerspruch in seinem konkreten, unmittelbaren Charakter auf, gegen alles, was dieses Verh&#228;ltnis an Gewalt, Unsichtbarmachung, Zuweisung zu einer untergeordneten Stellung impliziert. Die Aufhebung des Genderwiderspruchs dr&#228;ngt sich als Notwendigkeit der Kommunisierung auf, weil der Widerspruch und die Ausbeutung, welche die Frauen definieren, im allt&#228;glichen Leben existieren und wir gehen von dieser Situation, diesem Widerspruch aus, um &#252;ber die Notwendigkeit der Aufhebung der Geschlechterrollen zu sprechen. Hausarbeit, Stellung in der Arbeitsteilung, Modalit&#228;ten der Eingliederung in den unmittelbaren Produktionsprozess, &#8222;untypische&#8220; Formen der Lohnarbeit, die Vergewaltigung und/oder die Drohung damit sind die diversen Fronten, wo der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen sich abspielt, er hat ihre Definition und zwingende Zuweisung zum Inhalt (keines dieser Elemente ist zuf&#228;llig). All diese Fronten sind die Orte eines permanenten Kampfes, in welchem sich zwei Kategorien der Gesellschaft gegen&#252;ber stehen, die sich als nat&#252;rlich herausgebildet haben und von den Frauen als solche in ihrem Kampf dekonstruiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist die Genderunterscheidung, so wie er existiert und sich abspielt, er erlaubt uns, von der Notwendigkeit seiner Aufhebung und der Notwendigkeit der Aufhebung aller Vermittlungen f&#252;r den &#8222;Erfolg&#8220; der Kommunisierung zu sprechen. Wir analysieren die Genderunterscheidung vom Standpunkt ihrer Aufhebung aus, weil wir von ihrer konkreten, aktuellen Existenz ausgehen. Die diesem Widerspruch eigene Dynamik l&#228;sst ihn als Besonderheit der Totalit&#228;t existieren, welche das Kapital als prozessierender Widerspruch ist. Die Frauen wollen nicht bleiben, was sie sind, wie es Marx bez&#252;glich der Proletarier in der &lt;i&gt;Deutschen Ideologie&lt;/i&gt; formulierte. Sie wollen nicht bleiben, was sie sind, weil ihre eigene Situation ein Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise und durch sie ist: die Arbeit als Problem (der &#8222;auftauchende Widerspruch&#8220;, die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft im Kapitalismus ist nicht mehr selbstverst&#228;ndlich, die nat&#252;rliche Unterscheidung wird durch die Kontingenz untergraben). Doch die Arbeit als Problem nimmt nicht die Form vom Frauenkampf an, die Arbeit als Problem ist gleichbedeutend mit dem Kampf der Frauen gegen ihre eigene Definition als solche.&#8220; (&lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;/&lt;i&gt;Tel Quel&lt;/i&gt; &#8211; das vorangehende Zitat ist eine Synthese zweier Zitate, die sich in den erw&#228;hnten Texten befinden)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Incendo werden die &#8222;Notwendigkeit&#8220; und der &#8222;inh&#228;rente&#8220; Charakter der Genderunterscheidung in der kapitalistischen Produktionsweise nicht vom Genderverh&#228;ltnis selbst ausgehend, innerhalb desselben hervorgebracht (die Arbeit und die Bev&#246;lkerung als Produktivkr&#228;fte und simultan die Mehrarbeit), sondern als Nutzen f&#252;r etwas anderes. Es wird notwendige Reproduktion des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses hervorgebracht und dadurch, als Konsequenz davon, die Notwendigkeit, dessen Elemente (die Akteure, die Personen) zu reproduzieren, doch somit ist diese Reproduktion nur die nat&#252;rliche Reproduktion in gesellschaftlichem Kleid. Es ging allerdings darum, die Unterscheidung hervorzubringen, nicht darum, sich darauf zu beschr&#228;nken, sie einzukleiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;gesellschaftlich organisierte Prozess&#8220; wird durch die These von Engels zur Familie, zum Patriarchat und zum Privateigentum komplettiert. Die These wird f&#252;r ihre Einseitigkeit und gest&#252;tzt auf historische Gegenbeispiele &#8222;kritisiert&#8220;, doch nicht verworfen, sie ist gewissermassen da, um den &#8222;gesellschaftlich&#8220; getauften &#8222;Prozess&#8220; zu verst&#228;rken, obwohl man davon weder den Inhalt, noch die Daseinsberechtigung erf&#228;hrt, und um das &#8222;nat&#252;rliche Ph&#228;nomen&#8220; zu umrahmen, deren Darstellung Eigenschaft und Unterscheidung, Diversit&#228;t und Unterscheidung verwechselt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Gl&#252;ck eilt Engels, trotz den anf&#228;nglich ausgedr&#252;ckten Vorbehalten, dieser Konstruktion zu Hilfe und verleiht ihr ein wenig Inhalt: &#8222;Organisation der Reproduktion durch die Kontrolle der B&#228;uche der Frauen&#8220;. Man k&#246;nnte sich in einer historischen Kritik dieses Engelschen Vorschlags versuchen (und Incendo legt es nahe), doch die wesentliche Schw&#228;che liegt anderswo.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Erstens&lt;/i&gt; steht die &#8222;Kontrolle der B&#228;uche&#8220; im Dienst einer anderen Finalit&#228;t: das Eigentum. Der wahre gesellschaftliche Aufgabenbereich ist nicht diese Kontrolle, sondern das, was sie bezweckt: Abstammung, Weitergabe des Verm&#246;gens, Eigentum. Und hier begegnet man dem &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; wieder, dessen wahre Formulierung &#8222;nat&#252;rlicher, gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; ist. Was die Problematik von Incendo nicht zu erkennen erlaubt, ist die Tatsache, dass die spezifische Stellung der Frauen in der Reproduktion nur als gesellschaftliche Konstruktion und Differenzierung, als wirtschaftliche Kategorie eine solche ist. Es ist Mehrarbeit, und somit Arbeit der Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft, wovon die Frauen Teil sind. Die &#8222;Kontrolle der B&#228;uche&#8220; als Reproduktion der Bev&#246;lkerung ist also ihre eigene Daseinsberechtigung, dient keiner anderen Finalit&#228;t, nichts anderem, sie ist die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich wird in der Brosch&#252;re der Vorschlag von Engels als &lt;i&gt;Rechtfertigung&lt;/i&gt; der Aneignung der Frauen benutzt. &#8222;Im Verlauf der Jahrtausende und in der Mehrheit der Gesellschaften institutionalisiert sich (...) diese M&#228;nnerherrschaft in verschiedenen Formen, um den Fortbestand und die Stabilit&#228;t zu garantieren. Die Familie ist ein wesentliches Element, denn sie erlaubt die Abstammung/Nachkommenschaft und die Weitergabe des Erbes (...) und somit, eine gewisse gesellschaftliche Stabilit&#228;t zu garantieren.&#8220; (S. 12-13) Diese Erkl&#228;rung ist nicht nur falsch, weil man ihr eine andere entgegensetzen kann, deren Erkl&#228;rungskraft ihr &#252;berlegen ist, und die keine andere gesellschaftliche Finalit&#228;t impliziert als die gesellschaftlich gewollte Unterscheidung, die man zu konstruieren sucht. Sie ist vor allem falsch, weil sie tautologisch ist. Sie setzt die Gruppe, die man konstruieren will, als bestehend voraus, man findet sie in der Schlussfolgerung, weil man sie &lt;i&gt;wieder&lt;/i&gt;findet, weil sie schon in den Pr&#228;missen vorausgesetzt war. Wenn es eine Sorge um die Weitergabe des Verm&#246;gens gibt, bedeutet das, dass die Familie schon existiert. Im Grunde genommen ist der Ausgangspunkt von Engels &#8222;die Frauen machen Kinder&#8220;, die &#8222;gesellschaftliche&#8220; Konstruktion der Gruppe der Frauen ist schon da, sie unterscheidet sich von der Gruppe der M&#228;nner, die sich ihrer bem&#228;chtigt. Was man in dieser Vorgehensweise nicht erf&#228;hrt, ist einerseits die Natur des ber&#252;hmten &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozesses&#8220; und andererseits was eine biologische Stellung in der Reproduktion der Spezies als gesellschaftliche Diskriminierung, als Definition einer besonderen gesellschaftlichen Gruppe bestimmt. Das, was Engels sagt, ist als notwendiges Dispositiv nicht falsch, doch wir sind nicht an der Wurzel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine solche Tautologie st&#246;rte Engels nicht (wir machen nebenbei darauf aufmerksam, dass der Text &lt;i&gt;Der Ursprung...&lt;/i&gt; zwar Engels zugeordnet wird, er jedoch h&#228;ufig nur in die Notizen von Marx &#252;ber Morgan etwas Ordnung gebracht hat), er k&#252;mmerte sich nicht darum, die Frauen als historisch und gesellschaftlich konstruierte Gruppe hervorzubringen. Die Frauen existieren nat&#252;rlicherweise, einzig ihre Unterdr&#252;ckung ist gesellschaftlich. Eine solche Vorgehensweise unterscheidet sich von jener, welche darin besteht, die Unterdr&#252;ckung als konstitutiv f&#252;r die Gruppe hervorzubringen, womit sie &#252;berhaupt nichts nat&#252;rliches mehr an sich hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Zweitens&lt;/i&gt;, und dies ist der wichtigste Punkt: Die Erkl&#228;rung von Engels hat einen theoretischen Sinn im Rahmen des Programmatismus, sie ist Teil des theoretischen Geb&#228;udes. Das Problem des Programmatismus ist das Eigentum, sodass schliesslich bei Engels die Arbeiterfamilie schon potentiell jenseits von der M&#228;nnerherrschaft ist. Wenn man die Engelsche Erkl&#228;rung der M&#228;nnerherrschaft &#252;bernimmt (Kontrolle der B&#228;uche &lt;i&gt;f&#252;r&lt;/i&gt; die Abstammung, das Erbe, das Eigentum), &lt;i&gt;muss man auch seine auf die Arbeiter bezogene Schlussfolgerung &#252;bernehmen&lt;/i&gt;: Man muss erkennen, dass die Gruppe der Frauen nicht als solche konstituiert, sondern &#252;bernommen wird; dass die M&#228;nnerherrschaft im Proletariat keine objektive Grundlage mehr hat. Was der Programmatismus nicht erkennen kann (seine Tabus), ist der &lt;i&gt;wesentliche&lt;/i&gt; Charakter des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen in der kapitalistischen Produktionsweise: Die erste auf der Ausbeutung der Arbeit basierende Produktionsweise, die ein Problem mit der Arbeit hat; die im Lohn enthaltene Unterscheidung zwischen M&#228;nnern und Frauen mit dem Verkauf der Arbeitskraft, welche Produktion und Reproduktion voneinander trennt; die Unterscheidung zwischen dem Privaten und dem &#214;ffentlichen, welcher die abstraktesten und universellsten Kategorien des Kapitals &#8211; Wert, Ware &#8211; G&#252;ltigkeit verleihen. Durch die Wiederaufnahme der Problematik von Christophe Darmangeat (&lt;i&gt;Le communisme primitif n'est plus ce qu'il &#233;tait&lt;/i&gt;, Ed. Smolny) entgeht Incendo der wesentlich geschlechtlich differenzierte Charakter aller Kategorien des Kapitals (auch der Arbeit). Diese Wiederaufnahme der Thesen von Darmangeat, welcher die M&#228;nnerherrschaft in der kapitalistischen Produktionsweise nur als Notwendigkeit f&#252;r das Kapital zur Umgehung von archaischen Ideologien und Mentalit&#228;ten betrachtet, festigt ihre Sichtweise des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen als &#8222;Frauenfrage&#8220;, als Anhang des Widerspruchs zwischen den Klassen. Incendo best&#228;tigt den wesentlichen Charakter der geschlechtlichen Differenzierung, einige Abs&#228;tze weiter unten ist sie aber nicht mehr dermassen wesentlich. Im Programmatismus, in seinen besten Momenten, bleibt der Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen immer ein dem Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital &lt;i&gt;untergeordneter&lt;/i&gt; Widerspruch (f&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Kritik der Position von Engels, siehe Anhang 1).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solange man die M&#228;nnerherrschaft als ein Werkzeug f&#252;r ein anderes &#8211; wie auch immer geartetes &#8211; Ziel, als ein Instrument betrachtet, wird es reichen, dieses Ziel zum Verschwinden zu bringen, um sich der M&#228;nnerherrschaft zu entledigen, was dazu f&#252;hrt, dass das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen &#252;berhaupt keine eigene Existenz hat, keinen Widerspruch, keine Dynamik, es ist eine als mehr oder weniger notwendig betrachtete Begleiterscheinung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was z&#228;hlt bei Engels (und h&#228;ufig in der Argumentation von Incendo wieder aufgenommen wird), ist das Privateigentum und dessen Weitergabe. Daf&#252;r m&#252;ssen die Frauen beherrscht werden. Die M&#228;nnerherrschaft &#252;ber die Frauen ist nur eine Konsequenz oder ein Instrument. Wenn wir hingegen sagen, dass die M&#228;nner und die Frauen von der Mehrarbeit kommen, von der Bev&#246;lkerung und der Arbeit als prinzipielle Produktivkr&#228;fte, so ist die Erschaffung der Kategorien und ihre Unterscheidung innerlich ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis und ihre eigene Daseinsberechtigung. Die These von Engels sagt uns nicht, woher die Frauen kommen, h&#246;chstens dass sie Kinder zeugen und dadurch Frauen sind und dass es n&#246;tig sein wird, all das zu kontrollieren. Sie sind schon da, man liefert eine Erkl&#228;rung f&#252;r die notwendige Herrschaft, doch nicht f&#252;r die Erzeugung der Gruppe (im Falle einer gesellschaftlichen Erzeugung m&#252;ssen Erzeugung und Herrschaft absolut identisch sein, sonst wird das gesellschaftliche als Instrumentalisierung konzipiert).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konstitution der Gruppe der Frauen durch die Bev&#246;lkerung und die Arbeit als prinzipielle Produktivkr&#228;fte ist eine soziale Konstruktion, die nicht dazu dient, die Gruppe der Frauen f&#252;r etwas anderes zu konstruieren, da sie sie schlicht und einfach konstruiert. Im Unterschied zu einer Konstruktion f&#252;r das Eigentum oder schlichtweg f&#252;r die Reproduktion der Gesellschaft und ihrer Mitglieder. In diesen beiden F&#228;llen ist die reproduktive Funktion schon als bestehend &lt;i&gt;und unterscheidend&lt;/i&gt; vorausgesetzt. Zu sagen, dass sie nur &#8222;gesellschaftlich organisiert&#8220; existiert, ist nicht das gleiche als zu sagen, dass sie nur existiert, &lt;i&gt;da gesellschaftlich organisiert&lt;/i&gt; (in der zweiten Formulierung wird nichts vorausgesetzt). Ihre Kriterien und Eigenschaften sind mit ihrer Konstruktion und ihrer Finalit&#228;t, ihrer Daseinsberechtigung identisch. Kurz, ihre Daseinsberechtigung ist nichts anderes. Darin ist das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wirklich ein Widerspruch und dient nicht etwas anderem, nicht einmal auf sogenannt &#8222;notwendige&#8220; Art und Weise. Die St&#228;rke dieser Konstruktion ist, etwas als nat&#252;rlich betrachtetes zu &#252;bernehmen, nicht zu versuchen, es zu umfassen, es mit gesellschaftlichen Formen zu bekleiden oder demselben eine Finalit&#228;t zu geben, welche einzig und allein daraus etwas gesellschaftliches machen w&#252;rde. Sie weicht nicht zur&#252;ck vor dieser anscheinenden nat&#252;rlichen Massivit&#228;t, sie sagt, dass eben gerade das, was ihr als nat&#252;rlichen Ausgangspunkt nehmt und womit ihr nichts anzustellen wisst, die gesellschaftliche Konstruktion der Gruppe der Frauen ist: die Bev&#246;lkerung. Es ist &lt;i&gt;die Natur&lt;/i&gt;, die Naturalisierung, welche selbst der gesellschaftliche Charakter des Verh&#228;ltnisses und der Konstruktion dessen Begriffe ist. Nur eine nicht-programmatische Theorie, welche die Arbeit nicht als ewige Kategorie und die Revolution als ihre Befreiung betrachtet, kann das sagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der kurze Exkurs ins Mittelalter und in die fr&#252;he Neuzeit dient zur St&#228;rkung des Engelschen Vorschlags. Doch somit wird die Geschichte auf eigenartige Art und Weise analysiert. Der Haushalt wird als autonome Produktions- und Reproduktionseinheit gesetzt (obwohl er ganz nebenbei ein Teil des Mehrprodukts dem Adel und dem Klerus abliefert). Hier ist Incendo sehr nahe bei der These von Delphy zur Haushaltsproduktionsweise, indem uns eine auf Haushalten als Produktionseinheiten basierende Gesellschaft pr&#228;sentiert wird, sodass ihre Pr&#228;gung durch Klassenverh&#228;ltnisse, durch die Aneignung des Mehrprodukts und der Begriff selbst der Produktionsweise verschwindet (siehe &lt;i&gt;Anhang 2&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch w&#228;hrend Delphy eine patriarchale Produktionsweise definiert, pr&#228;sentiert uns Incendo ein anderes Bild mit weiblichen Aufgaben, die nicht &#8222;notwendigerweise abgewertet&#8220; sind (nicht &#8222;notwendigerweise&#8220;, doch ein bisschen manchmal schon..., S. 49), da genauso wichtig (als ob das etwas mit der Sache zu tun h&#228;tte); Frauen als &#8222;Meisterinnen im Haus&#8220; und M&#228;nner als &#8222;Familienoberh&#228;upter&#8220; (S. 13). Zudem &#252;bernimmt Incendo die Unterscheidung zwischen k&#246;rperlichen und nicht-k&#246;rperlichen Arbeiten als Inhalt der Aufgabenteilung, das w&#228;re also die ber&#252;hmte &#8222;nat&#252;rliche Arbeitsteilung&#8220;, die Kraft hat aber offensichtlich mit der Sache nichts zu tun, sondern eher der gesellschaftliche oder private Charakter der Aufgaben (was Delphy &#8211; obwohl sie sich nicht f&#252;r Formen der Kooperation interessiert &#8211; in einem Artikel in &lt;i&gt;L'ennemi principal&lt;/i&gt; sachkundig aufzeigt). Was den geringen Anteil der Hausarbeit in dieser Zeit betrifft, muss man die t&#228;gliche Schinderei f&#252;r Holz und Wasser ignorieren, um so zu sprechen. Im mittelalterlichen und fr&#252;hneuzeitlichen Haushalt von Incendo kann &#8222;Meisterin im Haus&#8220; bei Incendo nur bedeuten, dass sie die wirtschaftliche T&#228;tigkeit lenkt und kontrolliert, w&#228;hrend der Mann als &#8222;Familienoberhaupt&#8220; bloss eine juristische und institutionelle Macht hat. Aber genau wie die Haushaltsproduktionsweise von Delphy an der Tatsache scheitert, dass die strikte Ausbeutung der weiblichen Arbeit nie die Grundlage, den Fundus und die Bedingungen ihrer eigenen Erneuerung (Reproduktion) liefert, waren die Produktionseinheiten (die betreffend der Genderverh&#228;ltnisse in wirtschaftlicher Hinsicht ziemlich cool, in institutioneller und juristischer Hinsicht jedoch furchtbar sind) von Incendo nie die Grundlage einer Produktionsweise, sie sind immer Teil eines Klassenverh&#228;ltnisses, in welchem der Nicht-Arbeiter existiert. In diesen &#8222;Produktions- und Reproduktionseinheiten&#8220; ist der Ehemann als Vater und als Boss nicht ein Nicht-Arbeiter. Die Sache hat sowieso nie derart massiv existiert. Die Frauen sind immer und &#252;berall auch woanders hingegangen, um sich gegen Bezahlung ausbeuten zu lassen. Wenn das 80% aller jungen Frauen betrifft, ist es schwierig, sie als &#8222;Schlampen&#8220; zu betrachten, die niemanden finden werden, um zu heiraten (S. 74). Es gibt immer irgendwo, was auch immer seine Form sein mag, einen Nicht-Arbeiter und nicht einfach eine Aneinanderreihung von Haushaltseinheiten, die selbst nie autark sind (Reproduktionseinheiten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser ganzen dem Mittelalter und der fr&#252;hen Neuzeit gewidmeten Passage wird der Artikulation mit dem Markt und den verschiedenen Formen der Kooperation, in welchen die weiblichen oder m&#228;nnlichen T&#228;tigkeiten verankert sind, nicht Rechnung getragen. Ihre &#8222;Wichtigkeit f&#252;r das &#220;berleben und die Produktion&#8220; hat mit der Sache nichts zu tun und kann auf keinen Fall die Auf- oder Abwertung der Aufgaben erkl&#228;ren. Als ob heute der Haushalt oder die K&#252;che nicht genauso wichtig f&#252;r das &#220;berleben und die Reproduktion der Lohnarbeit w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grunde genommen veranschaulichen und st&#228;rken diese paar Linien das Konzept &#8222;Patriarchat&#8220; und schliesslich, ohne dass der Ausdruck verwendet wird, jenes der &#8222;Haushaltsproduktionsweise&#8220;. Es ist innerhalb der Problematik von Incendo notwendig, dass es ein Patriarchat gab, um von seinem Verschwinden in der kapitalistischen Produktionsweise zu sprechen, ein Verschwinden deren Wichtigkeit f&#252;r Incendo wir sehen werden, denn es ist nat&#252;rlich die Konzeption der geschlechtlichen Differenzierung in der kapitalistischen Produktionsweise, die im Zentrum der Brosch&#252;re steht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die kapitalistische Produktionsweise&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Zun&#228;chst wird der Kapitalismus ganz zu Recht als Produktionsweise pr&#228;sentiert, die radikal den Ort der Produktion und jenen der Reproduktion trennt (S. 14). Die kapitalistische Produktionsweise tue das nicht von sich selbst aus, sondern &#8222;st&#252;tzt sich auf existierende Strukturen, besonders auf das Patriarchat&#8220;. Und dann kommen wir im Kern der theoretischen Demonstration an: &#8222;Die egalitaristische Ideologie hatte der Idee der Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen die T&#252;r ge&#246;ffnet. Es wird in dieser Periode zu einer &#8222;M&#246;glichkeit&#8220;, denn f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise &#228;ndert theoretisch die Geschlechterrolle der Person, welche die Ware produziert, nichts an deren Wert (anonymer Arbeiter, abstrakte, geschlechtlich undifferenzierte menschliche Arbeit). Die Aufrechterhaltung einer (neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung erlaubt es jedoch ebenfalls, die unmittelbaren Interessen der Kapitalisten zu befriedigen (gr&#246;ssere Spaltung der Proletarier, Konkurrenz, Lohnunterschiede usw.).&#8220; (S. 17)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben bereits die Art und Weise kritisiert, wie Incendo die Universalit&#228;t der wirtschaftlichen Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise konzipiert. Hier sind wir im Kern der ausweichenden Formeln und dem subtilen Geschaukel von Incendo. Die &#8222;notwendige&#8220; geschlechtliche Differenzierung er&#246;ffnet die &#8222;M&#246;glichkeit&#8220; f&#252;r ihr Verschwinden innerhalb der Klassengesellschaft, f&#252;r welche sie notwendig war (S. 32); eben diese notwendige geschlechtliche Differenzierung ist &#8222;theoretisch&#8220; gleichg&#252;ltig gegen&#252;ber den grunds&#228;tzlichen Kategorien des Kapitalismus; die geschlechtliche Differenzierung wird zu einer &#8222;(neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung&#8220;, die &#8222;jedoch&#8220; weiter besteht, trotz ihrer &#8222;theoretischen Bestimmung&#8220;, &#252;berwunden zu werden. Man k&#246;nnte noch etliche Beispiele zitieren: Incendo spricht nur von geschlechtlicher Differenzierung, Genderverh&#228;ltnissen, M&#228;nnern und Frauen, um nach einem kleinen rhetorischen Geschaukel dem Problem auszuweichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seien wir klar, die &#8222;Aufrechterhaltung einer (neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung&#8220;, unter dem Vorbehalt, zu wissen, was genau damit gemeint ist, die zudem &#8222;neu angeordnet&#8220; ist und die Befriedigung der &#8222;unmittelbaren Interessen&#8220; erlaubt, &lt;i&gt;ist keine geschlechtliche Differenzierung mehr&lt;/i&gt;. &#8222;Spaltungen&#8220;, &#8222;Unterschiede&#8220;, &#8222;Konkurrenz&#8220;, all das kann auch von eingewanderten Arbeitern, Sans Papiers, Delokalisierungen, informeller Arbeit usw. gesagt werden. Auf Wiedersehen Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen sind nie eine g&#252;nstige Arbeitskraft wie andere, sie sind Frauen, die stets durch die Zuweisung zur biologischen Reproduktion und zur Reproduktion der Arbeitskraft in all ihren Formen und stets durch die Trennung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem definiert sind, &lt;i&gt;sie sind daf&#252;r und deswegen g&#252;nstige Arbeitskraft&lt;/i&gt;. Der Einstieg der Frauen in die Lohnarbeit &#8222;befreit&#8220; sie zu keinem Zeitpunkt von ihrer Definition als Frauen. Arbeit und Hausarbeit, die Definition als Frauen im allgemeinen, artikulieren sich immer in einer Weise, dass jede davon die notwendigen Bedingungen zur Verbindlichkeit der anderen erschaffen kann. Alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise sind definitorisch geschlechtlich differenziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppe der Frauen wird von der Mehrarbeit und der Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkr&#228;fte ausgehend konstruiert, was nicht selbstverst&#228;ndlich ist und tats&#228;chlich mehr oder weniger gewaltt&#228;tige Dispositive zur Zuweisung der Frauen zu dieser Definition/Reduzierung auf ihre reproduktive F&#228;higkeit erfordert. Letztere ist nicht &#8222;gegeben&#8220; und wird &#8222;benutzt&#8220;, sie ist konstruiert und wird angeeignet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Darin sind alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise geschlechtlich differenziert. Die Arbeit, die Bev&#246;lkerung nat&#252;rlich. Dann grunds&#228;tzlich das Lohnverh&#228;ltnis: Trennung der Produktion und der Reproduktion; die zu der Sph&#228;re der Zirkulation geh&#246;rende Reproduktion; keine Bezahlung der Arbeit, sondern der Reproduktion der Arbeitskraft und der &#8222;Rasse der Arbeiter&#8220;. Doch auch die Arbeitsteilung, das Eigentum, der Tausch. Auf diesen letzten Punkt bezogen scheint auf den ersten Blick eine Neutralit&#228;t des Markts gegen&#252;ber der Genderunterscheidung zu existieren, doch von sich aus, an sich, in seiner Existenz selbst ist der Markt nicht neutral gegen&#252;ber der Genderunterscheidung. Der Markt in einer Produktionsweise, in welcher alle Produktion zum Verkauf bestimmt ist, definiert den gesellschaftlichen Charakter dieser Produktion als &#246;ffentlich, dadurch kann die Genderunterscheidung inwendig als nicht stichhaltig proklamiert werden, denn sie ist in der Existenz selbst der Sache schon vorausgesetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser geschlechtlich differenzierte Charakter aller Kategorien des Kapitals bedeutet eine allgemeine Teilung der Gesellschaft in M&#228;nner und Frauen. Diese allgemeine Teilung erlangt als gesellschaftlichen Inhalt das, was die Synthese all der geschlechtlichen Differenzierungen der Kategorien ist: die Erschaffung der Unterscheidung von &#214;ffentlichem und Privatem. Diese Unterscheidung ist die Synthese, weil die kapitalistische Produktionsweise eine politische &#214;konomie ist. D.h., da die kapitalistische Produktionsweise auf dem Verkauf der Arbeitskraft basiert und eine gesellschaftliche Produktion als solche nur f&#252;r den Markt (Wert) existiert, weist sie die Momente ihrer eigenen Reproduktion, die einer direkten Unterordnung unter den Markt oder dem unmittelbaren Produktionsprozess entgehen, als nicht-gesellschaftlich zur&#252;ck: das Private. Dieses Private ist das dem &#214;ffentlichen entzogene, immer in einem hierarchischen Verh&#228;ltnis der Definition und der Unterordnung gegen&#252;ber dem &#214;ffentlichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als allgemeine Teilung und in Anbetracht ihres (gesellschaftlich hervorgebrachten) Inhalts wird sie naturalisiert und existiert wirklich im Rahmen dieser Gesellschaft als nat&#252;rliche Teilung: alle Frauen, alle M&#228;nner. Es reicht nicht, zu sagen, dass alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise inh&#228;rent geschlechtlich differenziert sind, man muss auch sagen, dass diese allgemeine geschlechtliche Differenzierung eine besondere Form annimmt, synthetisch unter einer besonderen Form funktioniert: die Unterscheidung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem, in welcher die Kategorien M&#228;nner und Frauen als allgemein und nat&#252;rlich erscheinen, jenseits der als gesellschaftlich anerkannten Klassenunterschiede. Die Unterscheidung zwischen M&#228;nnern und Frauen erlangt einen ihrem Niveau, ihrem hervorgebrachten Niveau eigenen Inhalt, d.h. die Unterscheidung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem: die Natur (das, was das gesellschaftliche inwendig als nicht-gesellschaftlich hervorbringt und was wirklich einen offensichtlich nat&#252;rlichen Charakter erlangt, da eine anatomische Unterscheidung existiert). Erschiene sie nicht als nat&#252;rlich, w&#228;re die Unterscheidung zwischen M&#228;nnern und Frauen als Verh&#228;ltnis nicht gesellschaftlich, genau wie die Ware nicht ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis w&#228;re, erschiene sie nicht als Sache, oder der Lohn, Wert der Arbeitskraft, wenn er nicht als &#8222;Preis der Arbeit&#8220; erschiene. Denaturalisierung ist nur m&#246;glich, wenn man die Naturalisierung ernst nimmt. F&#252;r die Definition der Frauen ist es die Biologie als gesellschaftliche Nat&#252;rlichkeit, welche massgebend ist. Diese Biologisierung hat wirkliche Effekte auf das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen, die Modalit&#228;ten der Kritik und der Infragestellung und die Natur der &#220;berwindung.&#8220; (&lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;, Th&#233;orie communiste 24)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man diese geschlechtlich differenzierten Eigenschaften aller Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise nicht konzipiert, wird die Existenz der M&#228;nnerherrschaft zu einem R&#228;tsel in dieser Produktionsweise (eine Existenz, die von Incendo h&#228;ufig mit dem ambivalenten Begriff &#8222;Fortbestand&#8220; bezeichnet wird). Die Frauen w&#228;ren somit in der kapitalistischen Produktionsweise bloss eine weitere Kategorie von &#220;berausgebeuteten (manchmal sind sie nur noch das, in anderen Passagen noch &#8222;notwendig&#8220; genannte Kategorien der geschlechtlichen Differenzierung, es variiert und ist nicht sehr klar).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kapitalismus befreit die Frauen nur vom Patriarchat, um sie besser ausbeuten zu k&#246;nnen.&#8220; (S. 17) Was aber nie klar ist, ist die Tatsache, ob sie &#8222;befreit vom Patriarchat&#8220; noch Frauen sind oder schlichtweg Ausgebeutete. Es ist wahr, dass der Kapitalismus die erste Produktionsweise ist, welcher in seiner Dynamik ein strukturelles Problem mit der Arbeit und der Bev&#246;lkerung hat (er ist ein prozessierender Widerspruch), und somit mit den Frauen. Doch die Arbeit m&#252;sste nicht mehr Arbeit, der Wert nicht mehr Wert und die Lohnarbeit nicht mehr Lohnarbeit sein, damit die kapitalistische Produktionsweise sein Problem mit den Frauen l&#246;st und &#252;berwindet. Nachdem die Frauen einmal &#8222;vom Patriarchat befreit&#8220; sind, weiss Incendo nicht mehr genau, wo die M&#228;nnerherrschaft in der kapitalistischen Produktionsweise ist und &lt;i&gt;vor allem auf was sie essentiell basiert&lt;/i&gt;. &#8222;Der kapitalistische Wurm steckt in der patriarchalen Frucht.&#8220; In der Tat &#8222;erlaubt die neue egalitaristische b&#252;rgerliche Ideologie (...) die Vorstellung einer formellen Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen, eine zuvor unm&#246;gliche Hypothese&#8220; (S. 13). Das ist absolut richtig, doch es w&#228;re interessant gewesen, die weibliche Unf&#228;higkeit des Code Napol&#233;on mit dieser &#8222;egalitaristischen Ideologie&#8220; zu verbinden, zu verstehen, wie diese Unf&#228;higkeit sich in dieser Ideologie selbst rechtfertigt. Wir wissen nun, dass dieser &#8222;Wurm&#8220; nicht nur ideologisch ist, er ist strukturell in der kapitalistischen Produktionsweise. Wir haben da eine bedeutende Achse der Argumentation von Incendo. Man brauchte ein &#8222;Patriarchat&#8220;, um als Kontrapunkt das ratlose Verst&#228;ndnis der Existenz der Frauen und der M&#228;nnerherrschaft in der kapitalistischen Produktionsweise zu konstruieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo l&#246;st die Sache dank dieses theoretischen Wunders: die M&#228;nnerherrschaft ohne M&#228;nner. &#8222;Die Ketten &#228;ndern ihre Form und kommen in andere H&#228;nde, von jenen der M&#228;nner zu jenen des Staates, und somit des Kapitalismus, eine strukturierende individuelle Aneignung wird zu einer kollektiven Aneignung.&#8220; (S. 17) Mehrere Male in der Brosch&#252;re findet man diese Referenz an die von Paola Tabet verteidigte These. Diese These erkl&#228;rt etliche Aspekte der aktuellen Entwicklungen der Familie und allgemein der Situation der Frauen und des Widerspruchs in ihrem Verh&#228;ltnis mit den M&#228;nnern. Doch was sagt Tabet, wenn sie eine Parallele herstellt zwischen der Aneignung des Arbeiters in der Sklaverei und der Leibeigenschaft einerseits, im Kapitalismus andererseits? Sie sagt, dass die zuvor individuelle Aneignung kollektiv wird, wie der Proletarier, der der Gesamtheit der kapitalistischen Klasse geh&#246;rt bevor er sich diesem oder jenem Kapitalisten verkauft. Um was handelt es sich also? Um nichts anderes als die Aneignung der Frauen als Aneignung einer Frau durch einen Mann, die zur Aneignung aller Frauen durch alle M&#228;nner wird. Eine kollektive Aneignung, die vom Staat, vom Arbeitsmarkt, von der &#246;ffentlichen und der privaten Sph&#228;re gutgeheissen wird. Die Ketten bleiben in den H&#228;nden der M&#228;nner, ausser man glaubt, der Staat (sogar der von Angela Merkel gef&#252;hrte) heisse diese inh&#228;renten, konstitutiven Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise wie die geschlechtliche Differenzierung und Versklavung nicht gut und reproduziere sie nicht. Im Grunde genommen war die Aneignung stets kollektiv, ob sie nun individuell vermittelt sein mag oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo spricht weiter von &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;, aber es seien nicht mehr die M&#228;nner, welche diese Herrschaft aus&#252;ben, sondern der Staat &#8222;und somit der Kapitalismus&#8220;. Eine merkw&#252;rdige &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; ohne M&#228;nner, welche &#8222;die Ketten in den H&#228;nden&#8220; haben (um diesen Ausdruck zu benutzen, der im Text nur die Funktion hat, uns den Anachronismus der Sache merken zu lassen). Eine &#8222;kollektive Aneignung&#8220;, die die M&#228;nner zum Verschwinden gebracht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die M&#228;nner sind nie die Vorarbeiter des Kapitals, das ab einem gewissen Stadium seiner Entwicklung entscheiden k&#246;nnte, ohne sie auszukommen. Die folgende Frage, ob die M&#228;nner von der weiblichen Arbeit profitieren und sie durch diverse gesellschaftliche Dispositive zu ihrer Definition als Frauen zuweisen oder der Kapitalismus &#8211; die kapitalistische Klasse, hat keinen Sinn. &lt;i&gt;Wir haben es mit einer Struktur zu tun, und nicht mit einer Summe von individuellen Entscheidungen und Profiten&lt;/i&gt;. Wir haben eine gesellschaftliche Struktur, die kapitalistische Produktionsweise, welche ein Regime der Ausbeutung der Arbeit und dadurch auf inh&#228;rente, definitorische Art und Weise geschlechtlich differenziert ist (und diese Ausbeutung der Arbeit nicht sein k&#246;nnte, ohne geschlechtlich differenziert zu sein, denn die Arbeit ist die Bev&#246;lkerung als Produktivkraft und somit die Existenz der Frauen). In dieser Situation sind die M&#228;nner (vom Sozialhilfeempf&#228;nger bis zum Boss einer b&#246;rsenkotierten Unternehmung) an einem Pol und die Frauen am anderen, dazwischen, wodurch sie verbunden und widerspr&#252;chlich definiert sind, steht die biologische Reproduktion und alle Dispositive der Zuweisung, u.a. die Modalit&#228;ten des Eintritts in den Arbeitsmarkt und die Lohnarbeit. Nehmen wir ein leicht provokatives Beispiel: Von der Kohorte an Frauen, die seit 1972 die technische Hochschule absolvierten, waren 1995 80% davon verheiratet und die H&#228;lfte davon mit einem Abg&#228;nger einer technischen Hochschule. Sie waren mit der Verwaltung einer doppelten Karriere im Paar konfrontiert, verbunden mit Fragen der geographischen Mobilit&#228;t, welche h&#228;ufig die Fragen der professionellen Mobilit&#228;t begleiten, die Debatte wird meistens zu Gunsten des Ehemanns entschieden (Siehe Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;Les femmes ont toujours travaill&#233;&lt;/i&gt;, Ed. Odile Jacob, p. 261).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn also grunds&#228;tzlich, strukturell die Reproduktion &#8211; die Bev&#246;lkerung &#8211; der Inhalt des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen ist, so sind alle Frauen und alle M&#228;nner Teil dieses Widerspruchs (erinnern wir daran, dass dieser Widerspruch nur durch den Widerspruch zwischen Mehrarbeit und notwendiger Arbeit von einem Antagonismus zu einem Widerspruch wird) und, auf jeweils spezifische Art und Weise, Teil aller Dispositive zu seiner Konstitution und Reproduktion (von der Kneipe bis zur Arbeit und auch in der K&#252;che, im Bett und in ihren Gef&#252;hlen). Man braucht kein Schweinehund und auch nicht einfach ein bisschen l&#228;stig zu sein, um ein Mann zu sein, es gibt sogar gute Leute, die es sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mann zu sein bedeutet, eine Stellung einzunehmen und eine Funktion zu erf&#252;llen. Obwohl die Profite, die einem diese Stellung und diese Funktion verschafft, vielf&#228;ltig und verschieden zu bewerten sind, kann man sie nicht immer (wenn auch h&#228;ufig) als bares Geld verbuchen: Prestige, Macht, Handlungsfreiheit, Konstitution und Funktion der Gef&#252;hle, Bestimmung gesellschaftlicher Verhaltensnormen und v.a. Entwicklung in einer M&#228;nnerwelt. Der Mann muss nicht etwas anderes werden, um direkt Teil dieser Welt zu sein. Die Frau, welche in allen Situationen Frau ist (sogar die Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule), muss sich aufspalten. Wir werden bez&#252;glich der &#8222;professionellen Durchmischung&#8220; und dem Aufstieg der Frauen, auf welchen Incendo viel Wert legt, darauf zur&#252;ckkommen: Es gibt sogar Frauen, die Unternehmensleiterinnen sind, &#8222;richtige Kapitalistinnen&#8220;. Kurz gesagt, die M&#228;nner sind nicht, wie es Incendo schreibt, &#8222;Mittelsm&#228;nner in der Kontrolle der Frauen (ihrer B&#228;uche)&#8220;. (S. 54) Sie sind schlichtweg M&#228;nner und M&#228;nner sind, das soll nicht vergessen werden, genauso eine gesellschaftliche Konstruktion wie die Tatsache, eine Frau zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee erscheint wieder auf der Seite 113: &#8222;Der Kapitalismus hat die pr&#228;existierenden patriarchalen Strukturen genutzt, um seine Herrschaft zu festigen. Die Rolle der Bourgeoisie in der Unterdr&#252;ckung der Frauen ist entscheidend, nicht jene der m&#228;nnlichen Individuen, die aber trotzdem davon profitieren.&#8220; Die Rolle der Bourgeoisie oder des Kapitalismus als gesellschaftliche Struktur ist offensichtlich, doch es ist genauso offensichtlich, dass die M&#228;nner in dieser Struktur eine Funktion sind. Es geht nicht um mehr oder weniger wichtige pers&#246;nliche &#8222;Vorteile&#8220;. Da es sich um eine Struktur handelt, verh&#228;lt es sich wie mit dem Kapitalisten: Der pers&#246;nliche Vorteil, der dem Kapitalisten die Ausbeutung verschafft, sein Schloss, seine Yacht spielen keine Rolle, kein ernstzunehmender Mensch kritisiert auf diese Art und Weise die kapitalistische Produktionsweise. Das Hauptresultat des kapitalistischen Produktionsprozesses ist die Reproduktion des Kapitalisten und des Arbeiters; das Hauptresultat der Aneignung der Frauen ist die Reproduktion der M&#228;nner und der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist absolut richtig, dass dieser Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen nicht der einzige Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise ist (muss das gesagt werden?); es gibt den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, die Ausbeutung. Vom Standpunkt dieses Widerspruchs aus nehmen nicht alle M&#228;nner und alle Frauen die gleiche Stellung ein. Der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen kann dem Klassenkampf nicht entwischen, doch der Klassenkampf kann dem Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen ebenfalls nicht entwischen. Incendo schreibt: &#8222;Obwohl alle, B&#252;rgerliche sowohl als Proletarierinnen, gegenw&#228;rtig [dieses &#8222;gegenw&#228;rtig&#8220; erlaubt ihnen, nicht &#8222;in der kapitalistischen Produktionsweise&#8220; schreiben zu m&#252;ssen und somit die &#8222;M&#246;glichkeit&#8220; der &#220;berwindung der geschlechtlichen Differenzierung in der kapitalistischen Produktionsweise offen zu lassen] die M&#228;nnerherrschaft erdulden, sind sie nicht alle den gleichen materiellen Bedingungen unterworfen und haben widerspr&#252;chliche Interessen.&#8220; (S. 37) Es w&#228;re jedoch genauso richtig, folgenden Satz zu schreiben: &#8222;Obwohl alle Proletarier, M&#228;nner oder Frauen, gegenw&#228;rtig die Herrschaft des Kapitals erdulden, sind sie nicht alle den gleichen materiellen Bedingungen unterworfen und haben widerspr&#252;chliche Interessen.&#8220; Nicht all ihre Interessen, doch genug, dass die Klasse derartig anf&#228;llig ist f&#252;r Spaltungen in Verbindung mit Genderfragen. Die beiden Widerspr&#252;che konstruieren sich gegenseitig und kein Subjekt ist rein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Keiner dieser Widerspr&#252;che ist ein Anh&#228;ngsel des anderen, sie sind konstant miteinander verbunden, keiner dringt in den anderen ein, weil jeder im anderen pr&#228;sent ist. Der Kampf der proletarischen Frauen interessiert uns nicht, weil es Proletarierinnen sind und unter anderem und dadurch Frauenprobleme hervorheben, sondern wegen der Besonderheit, welche in diesem Fall der &lt;i&gt;allgemeine&lt;/i&gt; Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen annimmt. Diese Frauenprobleme lassen sich nicht von ihrer Situation als Proletarierinnen herleiten, sondern von ihrem Frausein (Geschlecht, Zeugung, Familie, Kind, Ehemann, Hausarbeit, Teilzeitarbeit usw.). Die vorher zitierte Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule hat schliesslich die gleichen, jedoch andere F&#228;higkeiten, andere materielle Mittel, andere Arten mit ihnen umzugehen und sie zu &#8222;regeln&#8220;. F&#252;r die Arbeiterin oder die Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule sind sie grunds&#228;tzlich gleichm&#228;ssig unl&#246;sbar solange sie Frauen sind. Die Situation der Frauen ist f&#252;r alle Frauen ein wahrer Widerspruch, denn was auch immer ihre Klasse sein mag, die Vereinigung der Widerspr&#252;che strukturiert die Gesamtheit der Gesellschaft (wahrer Widerspruch durch die Vereinigung). Doch was f&#252;r die eine (die B&#252;rgerliche) ein &lt;i&gt;Zustand&lt;/i&gt; ist, ist f&#252;r die andere (die Arbeiterin) eine &lt;i&gt;T&#228;tigkeit&lt;/i&gt;. Die Vereinigung der Widerspr&#252;che (weswegen sie sind, was sie sind) ist f&#252;r die Arbeiterin eine T&#228;tigkeit (ihre T&#228;tigkeit), f&#252;r die B&#252;rgerliche ein Zustand. In der Situation der Arbeiterin existiert eine Modalit&#228;t der Vereinigung der Widerspr&#252;che (die Vereinigung der Ausbeutung und des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen), welche f&#252;r die Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule nicht existiert. F&#252;r die proletarischen Frauen besteht in ihrer Existenz als Frauen (ihr Verh&#228;ltnis zu den M&#228;nnern) der Widerspruch, der f&#252;r sich selbst die Ausbeutung ist, der Widerspruch zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit. Nat&#252;rlich kann man sagen, dass das nur Auswirkungen auf die Klasse als ganzes und lang- oder kurzfristig hat. Das ist nicht ganz richtig. Diese Vereinigung &lt;i&gt;als T&#228;tigkeit&lt;/i&gt; ist pr&#228;sent in den Arten des Eintritts in den Arbeitsmarkt, in der Ausf&#252;hrung der Hausarbeit zur allt&#228;glichen Reproduktion und in ihrer Funktion der Reproduktion &lt;i&gt;der Rasse der Arbeiter&lt;/i&gt;, im Jonglieren innerhalb dieses doppelten Tagesablaufs. Die Vereinigung dr&#228;ngt sich auf und wird als ihre T&#228;tigkeit selbst erlebt. Die &#8222;B&#252;rgerliche&#8220; kann als Frau an Frauenk&#228;mpfen teilnehmen, solange diese sich auf Thematiken der Gleichheit und des Differentialismus beschr&#228;nken, doch in den K&#228;mpfen der Frauen selbst muss eine Kluft auftauchen, wenn es um die Aufhebung der geschlechtlichen Teilung der Menschheit geht, welche der Mehrarbeit inh&#228;rent ist. Das Ende der Mehrarbeit ist gleichbedeutend mit dem Ende der geschlechtlichen Teilung der Menschheit und sie wird nur dieses Ende sein als Ende dieser Teilung, und nicht dessen Konsequenz oder ein &#8222;faktisches&#8220; Verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Incendo ist der Ware &#8222;die Geschlechterrolle des Proletariers scheissegal&#8220; (S. 20) und es ist &#8222;m&#246;glich&#8220;, nicht nur &#8222;die zu einer &#8222;M&#246;glichkeit&#8220; gewordene Freiheit&#8220; (obwohl es nur eine M&#246;glichkeit mit Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen ist, S. 17) in Betracht zu ziehen, sondern auch dass es, &#8222;&lt;i&gt;wenn auch nicht zu einer Aufl&#246;sung&lt;/i&gt; [wunderbare Vorsicht, wir unterstreichen], so doch zu einer Restrukturierung der genderbezogenen Identit&#228;ten und der geschlechtlichen Differenzierung f&#252;hren k&#246;nnte [wenn wir richtig verstehen: eine Restrukturierung, die fast die Aufl&#246;sung sei, sonst hat der Satz keinen Sinn]&#8220; (S. 20). Wir haben vorher gesehen, dass &#8222;die Geschlechterrolle scheissegal sein&#8220; im real existierenden Kapitalismus nicht so offensichtlich ist und dass es &lt;i&gt;konzeptuell&lt;/i&gt; ein konstituierender Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise ist. Trotzdem anerkennt Incendo, dass &#8222;das Modell fortbesteht&#8220;, jenes des Paars usw. und somit sind die Ketten, die den M&#228;nnern aus den H&#228;nden gefallen sind, um vom Staat (&#8222;und somit vom Kapitalismus&#8220;) aufgelesen zu werden, oder vom &#8222;Kollektiv&#8220;, in welchem alle K&#252;he grau sind, irgendwie doch noch ein bisschen (man weiss es nicht so genau) in ihren H&#228;nden sind. Das Modell &#8222;besteht fort&#8220; und das Verb &#8222;fortbestehen&#8220; erscheint mehrere Male, um &#8222;andere Manifestierungen der M&#228;nnerherrschaft&#8220; zu begleiten: &#8222;Gewalt an Frauen, Vergewaltigung, Sexismus usw.&#8220; &lt;i&gt;bestehen fort&lt;/i&gt;. Incendo geht sogar so weit, zu fragen, ob wir nicht eine St&#228;rkung der M&#228;nnerherrschaft &lt;i&gt;im Privaten&lt;/i&gt; beobachten k&#246;nnen, aufgrund der Transformationen der &#246;ffentlichen Sph&#228;re (S. 18). Als ob die M&#228;nner ausw&#228;rts verlorenes Terrain zu Hause wieder gutmachen m&#252;ssten. &#8222;Fortbestand&#8220; oder &#8222;St&#228;rkung&#8220;, im einen wie im anderen Fall handelt es sich nur um letztendlich anachronistische Widerst&#228;nde in Anbetracht der durch den Kapitalismus ausgel&#246;sten Entwicklungen, dieser geht seinen Weg, der ihn (wenn auch nicht &#8222;gegenw&#228;rtig&#8220; &#8211; siehe weiter unten), trotz einigen &#8222;unmittelbaren Interessen&#8220;, die ihn bremsen, jenseits der geschlechtlichen Differenzierung f&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das hindert Incendo nicht daran, einen Absatz weiter unten zu behaupten (S. 18), dass &#8222;die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft klar einen gewissen Nutzen haben f&#252;r jede Klassengesellschaft&#8220;. Einen Nutzen bedeutet nicht, definitorisch zu sein, das hindert einem nicht daran, sich zu fragen, um welchen Nutzen es sich handeln kann, nachdem was man gelesen hat. Was den Nutzen anbelangt, handelt es sich nur um einen Nutzen f&#252;r die Demonstration von Incendo: Die M&#228;nnerherrschaft &#8222;besteht fort&#8220;, doch nur in der privaten Sph&#228;re, denn die &#246;ffentliche Sph&#228;re erlebt &#8222;scheinbar&#8220; (wunderbares &#8222;scheinbar&#8220;) eine &#8222;unabwendbare Feminisierung&#8220; (S. 18). &#8222;N&#252;tzlich&#8220; also &#8222;f&#252;r die Klassengesellschaft&#8220;, doch nur im Privaten, das ist merkw&#252;rdig. Die Realit&#228;t dieser M&#228;nnerherrschaft, welche in der privaten Sph&#228;re fortbesteht, impliziert eine Gefahr, die Incendo sogleich erkannt hat: Achtung, &#8222;diese Realit&#228;t kann eine klassenunabh&#228;ngige Lesart erlauben&#8220;. Doch Incendo f&#228;llt nicht in diese Falle der klassenunabh&#228;ngigen Lesart hinein, denn es folgt die Behauptung: &#8222;Die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft haben klar [affirmatives Adverb, das dazu dient, das Gegenteil zu sagen: man sieht ihn nicht mehr] einen Nutzen f&#252;r jede Klassengesellschaft&#8220;. Das Problem ist, dass, als Notwendigkeit f&#252;r &#8222;jede Klassengesellschaft&#8220;, nachdem was Incendo ausgef&#252;hrt hat, man &#8222;klar&#8220; nichts mehr erkennt. Was bleibt &#252;brig vom Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen? Das, was im Privaten geschieht, doch wenn man dabei bleibt, ist das klassenunabh&#228;ngig, sagt uns Incendo. Wir brauchen also, &#8222;von einem revolution&#228;ren Standpunkt aus&#8220;, die &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; in den Klassenverh&#228;ltnissen, doch dort gibt es nicht mehr wirklich eine &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;, nur Klassenverh&#228;ltnisse. Folglich ist die Tatsache, eine Frau zu sein, nur eine zus&#228;tzliche Bestimmung, ein Unfall der proletarischen Substanz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit haben wir nun also &#8222;die &#246;ffentliche Sph&#228;re im Wandel&#8220;, welche &#8222;den m&#228;nnlichen Charakter verloren hat, welcher f&#252;r sie bezeichnend war&#8220; (S. 19). Es wird gesagt, dass &#8222;diese Ver&#228;nderung nur f&#252;r die b&#252;rgerlichen Frauen eine wirkliche Bedeutung hat&#8220;. Allerdings ist einer der Faktoren dieser angenommenen Entmannung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re der massive Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit und die &#8222;Durchmischung&#8220; aller Arbeitsgebiete samt den &#8222;M&#228;nnerbastionen&#8220; (S. 18). Es ist somit etwas, das, auch so simpel und einseitig wie es Incendo formuliert, nicht nur die b&#252;rgerlichen Frauen interessiert, die M&#228;nnerbastionen beschr&#228;nken sich nicht auf die Chirurgie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo beschreibt eine merkw&#252;rdige Situation: Eine &#246;ffentliche Sph&#228;re, die nicht mehr m&#228;nnlich ist, und eine private Sph&#228;re, die weiblich bleibt. Folglich existieren die M&#228;nner auch nur noch in der privaten Sph&#228;re. Doch wenn die M&#228;nnerherrschaft nur noch die private Sph&#228;re betrifft, so geht es also nur noch, wie es uns die Zitate auf Seite 18 nahelegen, um Sexismus, Verhaltensweisen, m&#228;nnliche Faulenzerei und R&#252;pelhaftigkeit. Und schliesslich, zum schicksalhaften Zeitpunkt der Revolution, erweist sich das Paar als &#8222;letzte Widerstandsbastion der M&#228;nnerherrschaft&#8220; (S. 43).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Noch merkw&#252;rdiger ist der Grund, weshalb &#8222;die private Sph&#228;re eine weibliche Dom&#228;ne bleibt&#8220;: &#8222;Denn es geht auch darum, die Reproduktion aller Klassen, der ganzen Bev&#246;lkerung, und somit der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse zu garantieren.&#8220; (S. 19) Somit haben wir also eine private Reproduktion der gesellschaftlichen kapitalistischen Verh&#228;ltnisse. Man trifft hier wieder die in der Brosch&#252;re stets wiederkehrende Abwesenheit der gesellschaftlichen Definition der Gruppe der Frauen: Die Bev&#246;lkerung ist f&#252;r Incendo nicht selbst eine wirtschaftliche Bestimmung, sondern nur ein Rohmaterial, das aus Elementen (den Individuen) zusammengesetzt ist, die von gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen formatiert werden. Es ist offensichtlich, dass es f&#252;r gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse Menschen braucht, doch es ist nicht das (die Hervorbringung der Menschen), was die Frauen schafft, sonst ist Frausein etwas nat&#252;rliches, das gesellschaftlich geformt wird und es wird immer Frauen geben. Was die eigentliche Schlussfolgerung dieses Texts ist: Es wird freie, nicht ausgebeutete, nicht geschlagene usw. Frauen geben und im Kommunismus wird man immer noch unterscheiden zwischen jenen, welche &#8222;Kinder tragen&#8220; und jenen, welche das nicht tun &#8211; siehe das Ende des Texts. Die Arbeit und die Bev&#246;lkerung sind in allen bisher bekannten Produktionsweisen wirtschaftliche Kategorien, die prinzipielle Produktivkraft, und das ist nicht nat&#252;rlicher oder ewiger als alle anderen wirtschaftlichen Kategorien. Diese Tatsache konstruiert die Gruppe der Frauen, unterscheidet sie und erfordert ihre Aneignung durch die M&#228;nner. Sie wird sogar in der kapitalistischen Produktionsweise zu einem Widerspruch f&#252;r sie selbst, d.h. ein Widerspruch f&#252;r diese gesellschaftliche Kategorisierung selbst (entschuldigt diesen sehr speziellen literarischen Stil...)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nicht eine weiblich bleibende private Sph&#228;re und eine geschlechtlich undifferenzierte &#246;ffentliche Sph&#228;re haben, unterstreichen wir auch, dass, wenn nur die private Sph&#228;re geschlechtlich differenziert &#8211; weiblich &#8211; ist, wir auch nur noch dort M&#228;nner finden k&#246;nnen. Wenn, wie es der Fall ist, alle Kategorien des Kapitals geschlechtlich differenziert sind (was Incendo entgeht) und wenn diese geschlechtliche Differenzierung sich quer in der Unterscheidung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem synthetisiert, so ist und bleibt die &#246;ffentliche Sph&#228;re m&#228;nnlich, trotz allen realen Transformationen, welche Incendo feststellt. Die Frauen werden nicht in eine private Sph&#228;re verbannt, die vor ihrer Verbannung schon existierte (die private Sph&#228;re ist nicht ein Geb&#228;ude, das darauf wartet, gef&#252;llt zu werden). Die private Sph&#228;re wird durch alle gesellschaftlichen Dispositive (jedes gem&#228;ss seinen eigenen Ausf&#252;hrungsmodalit&#228;ten) konstituiert, durch welche die Zuweisung der Frauen zu ihrer Definition existiert. Das ist nicht ganz unbedeutend und es ist nicht einfach, sich Menschen anzueignen und aus einer k&#246;rperlichen Eigenschaft eine gesellschaftliche Konstruktion und Unterscheidung zu machen, durch welche die k&#246;rperliche Eigenschaft selbst zu einer &lt;i&gt;nat&#252;rlichen&lt;/i&gt; Unterscheidung wird. Wenn die private Sph&#228;re weiblich ist, so ist die &#246;ffentliche Sph&#228;re m&#228;nnlich. Doch wie kann man also die sehr realen Transformationen begreifen, welche dem Diskurs von Incendo zu Grunde liegen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In erster Linie sind die Dinge dort, wo Incendo nur einen einfachen, linearen und gleichf&#246;rmigen Feminisierungsprozess der &#246;ffentlichen Sph&#228;re (Lohnarbeit und Politik) sieht, etwas komplizierter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Gegensatz zu anderen Br&#252;chen, die sich still vertiefen oder auf sehr hohen Niveaus der Ungleichheit fortbestehen, entwickeln sich die Ungleichheiten zwischen M&#228;nnern und Frauen immer weiter: Sie verkleinern sich, um sich danach wieder zu vertiefen, sie bewegen sich, ver&#228;ndern sich, wandeln sich, kurz, weit davon entfernt, unver&#228;nderlich zu sein, bewegen sie sich. (&#8230;) Ein absoluter Fortschritt ist h&#228;ufig von einer Zunahme der relativen Diskrepanzen begleitet. (&#8230;) Margaret Maruani hat mit Emmanuelle Reynaud den aussergew&#246;hnlichen Einfallsreichtum ans Licht gebracht, welche die Unternehmen stets gezeigt haben, um im Universum der Arbeit technologische Innovationen, die &lt;i&gt;a priori&lt;/i&gt; Tr&#228;gerinnen einer Gleichheit zwischen den Geschlechtern sind, in neue Quellen der Herrschaft der M&#228;nner &#252;ber die Frauen zu verwandeln.&#8220; (Christian Baudelot, &lt;i&gt;Le genre, le clivage le plus vivant de notre soci&#233;t&#233;&lt;/i&gt;, in Christine Bart &#8211; herausgegeben von &#8211; &lt;i&gt;Quand les femmes s'en m&#234;lent. Genre et pouvoir&lt;/i&gt;, Ed. La Martini&#232;re, S. 377-378.) Man kann zum Beispiel vom IT-Sektor sprechen. Der Frauenanteil unter den Informatikern geht von 35 auf 20% zwischen 1982 und 2002 zur&#252;ck. Das mag &#252;berraschend scheinen nach der Ausdehnung und der &#8222;Banalisierung&#8220; des Sektors. Der Grund liegt in der Ver&#228;nderung der Struktur dieser Stellen: Der Beruf bestand 1982 aus etwa einem Drittel an Kadern und zwei Dritteln an Technikern und Angestellten, 2002 ist diese Proportion umgekehrt (siehe Monique Meron, &lt;i&gt;Des femmes et des m&#233;tiers : encore bien loin de la parit&#233;&lt;/i&gt; in: (Hg.) Margaret Maruani, &lt;i&gt;Femmes, genre et soci&#233;t&#233;&lt;/i&gt;, Ed. La D&#233;couverte, S. 248). In allen Sektoren stellt man fest, dass die Zunahme des Frauenanteils in Kaderpositionen vor allem in Berufen der Expertise oder in PR gepr&#228;gten stattfindet. Die wachsende Feminisierung ist h&#228;ufig von einer neuen, berufsinternen Segmentierung begleitet. Wenn zum Beispiel der Frauenanteil in der Kategorie der Techniker zunimmt, sind diese Techniker global h&#228;ufiger Spezialisten und weniger h&#228;ufig Teamleiter oder Industriemeister als in den 1980er Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar bei den Chirurgen, die Incendo als apodiktisches Beispiel nimmt, ist es mehrheitlich in der Dermatologie, der Ophthalmologie, der Rheumatologie, wo wir Frauen finden, dort, wo die Interventionen im Operationsbereich den Ruf haben, kurz zu sein und wo die Notf&#228;lle und die Aufsicht weniger wichtig sind, &#8222;was den Frauen erlaube, ihre anf&#228;llige Gesundheit zu schonen und sich um ihre Mutterpflichten zu k&#252;mmern. In der Darstellung dieser Muster werden scheinheilig zwei Spezialit&#228;ten verschwiegen: Die P&#228;diatrie, welche traditionell Frauensache ist und wo die Aufsicht hingegen sehr h&#228;ufig ist, und die An&#228;sthesie, wo die Arbeitsbelastung betr&#228;chtlich ist und die Frauen die H&#228;lfte des Personalbestands ausmachen.&#8220; (Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 256.) Die Frauen werden sich in Zukunft in der Herzchirurgie oder sonst wo ausbreiten, man kann dann sicher sein, dass neue Unterscheidungen, neue Spaltungen auftauchen werden. Es handelt sich nicht um R&#228;nkespiele und Komplotte, sondern um die normale Bewegung einer Produktionsweise und einer Gesellschaft, in welcher die Genderunterscheidung &lt;i&gt;wesentlich&lt;/i&gt; ist (wie das auch Incendo sagt, um sogleich das Gegenteil zu sagen). Die Redakteure der Brosch&#252;re von Incendo argumentieren als ob das Verzeichnis der Berufe eine Art Gesamtheit von unverr&#252;ckbaren, sich f&#252;llenden F&#228;chern w&#228;re. Sogar unsere Abg&#228;nger der technischen Hochschulen erlebten seit sie existieren, wie sich die Kategorien Ingenieure hohen Niveaus und die Sektoren administrativer &#8222;Dreht&#252;r-Effekte&#8220; diversifiziert haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte auch das Richteramt, welches Incendo ebenfalls als Beispiel nimmt, von diesem Standpunkt aus betrachten. In einem neuen Bericht (Juni 2012), geschrieben f&#252;r die Ecole nationale de la magistrature [Hochschule f&#252;r Richter], kann man lesen: &#8222;Man kann seit vielen Jahren eine Verschlechterung des Bildes des Richters beobachten. Der Richter wird als sesshaft und wenig dynamisch wahrgenommen. Jene, welche im Team arbeiten wollen, empfindlich f&#252;r Leadership, Mobilit&#228;t und Bezahlung sind, haben diesen Wettbewerb schon lange aufgegeben &#8211; heutzutage bekommt ein Richter zu Beginn der Karriere 1.2 Mal den Durchschnittslohn, die h&#246;heren Richter 3.4 Mal den Durchschnittslohn.&#8220; (&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 6. Dezember 2012)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die angebliche &#8222;Feminisierung&#8220; oder &#8222;Durchmischung&#8220;, welche aus dem &#246;ffentlichen Raum einen Raum mache, wo das Geschlecht gleichg&#252;ltig sei, beschr&#228;nkt sich auf einen hastigen &#220;berblick der konkreten Situationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Bourgeoisie ist weit davon entfernt, die geschlechtliche Differenzierung aus der Welt geschafft zu haben: Ein Frau in einer Machtstellung muss sich noch kompetenter und autorit&#228;rer zeigen als ein Mann.&#8220; (S. 167) In seiner K&#252;rze und Banalit&#228;t verbirgt dieser Satz nicht weniger als drei anfechtbare Ideen. Hat die Bourgeoisie langfristig die Tendenz, die geschlechtliche Differenzierung aus der Welt zu schaffen? Wie wir bereits gesehen haben, ist das ein Thema, welches die ganze Problematik von Incendo durchzieht. Zudem, wenn die geschlechtliche Differenzierung bedeutet, sich kompetent und autorit&#228;r zu zeigen, so handelt es sich, gem&#228;ss den Begriffserkl&#228;rungen am Ende des Bands, nicht um geschlechtliche Differenzierung, sondern um Sexismus. Und schliesslich, wenn es um die Feminisierung und die Durchmischung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re (Politik und Arbeit) geht, scheint der Text von Incendo sich nur f&#252;r die h&#246;heren Kategorien der Lohnarbeit zu interessieren, f&#252;r die liberalen Berufe oder gar die Chefetage, l&#228;sst jedoch, merkw&#252;rdigerweise in Anbetracht der Absichten des Texts, die Arbeiterklasse beiseite. Als ob im unteren Bereich der Leiter die Feminisierung gesichert w&#228;re und als ob die Genderunterscheidung umgangen werden k&#246;nnte, indem alle Arbeiter(-innen) sind. Als ob die Feminisierung und die Durchmischung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re mit der Eroberung der h&#246;heren Schichten durch die Frauen zusammengefasst werden k&#246;nnte, was die Schlussfolgerung erlaubt: &#8222;Das betrifft nur b&#252;rgerliche Frauen&#8220; und &#8222;die &#246;ffentliche Sph&#228;re ist nicht mehr m&#228;nnlich&#8220;. Als ob sich die geschlechtliche Differenzierung heutzutage auf die br&#252;chige Unzug&#228;nglichkeit der h&#246;heren Berufe beschr&#228;nkte und die 80% der den Frauen auferlegten Teilzeitstellen nicht betr&#228;fe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Hauptproblem ist allerdings nicht oben, sondern unten: &#8222;Die Frauen gewinnen bez&#252;glich Zugang zu Kaderstellen, doch verlieren am unteren Ende der gesellschaftlichen Hierarchie mehr als die M&#228;nner. Die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit f&#252;r die weniger diplomierten und Schwierigkeiten, Stellen als Arbeiterinnen oder Angestellte mit dem Abitur oder einem niedereren Diplom zu entgehen, haben zu einer grossen Zunahme der Situationen der Verwaltungsvollstreckung oder der Arbeitslosigkeit gef&#252;hrt.&#8220; (Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, p. 382). Man kann sogar feststellen, dass die st&#228;rkste Zunahme an Stellen f&#252;r Frauen in jenen Sektoren stattfindet, wo die &#8222;traditionellste&#8220; Genderunterscheidung am Werk ist: &#8222;Der berufliche Bereich der Dienstleistungen an Private (Friseure, Hausangestellte, Kinderm&#228;dchen, Hauswarte, doch auch Putz- und Sicherheitspersonal) tr&#228;gt am meisten zur Zunahme an Stellen bei. Danach kommt der Gesundheits-, dann der Verwaltungs- und Managementbereich.&#8220; (Monique Meron, &lt;i&gt;Des femmes et des m&#233;tiers : encore bien loin de la parit&#233;&lt;/i&gt; in: (herausgegeben von) Margaret Maruani, &lt;i&gt;Femmes, genre et soci&#233;t&#233;&lt;/i&gt;, Ed. La D&#233;couverte, S. 250.) In der gleichen Bewegung: &#8222;Doch obwohl die Anzahl nicht qualifizierter Stellen unter Arbeitern abnimmt (von 39 auf 30% zwischen 1982 und 2002), verzeichnet diese Proportion einen betr&#228;chtlichen Zuwachs f&#252;r die Angestellten (wo sich mehrheitlich die Frauenstellen befinden) (39% 1982, 44% 2002). Man verzeichnet eine starke Zunahme der Stellen im Dienstleistungssektor in fast ausschliesslich weiblichen Berufen: Kinderm&#228;dchen, Hausangestellte, Angestellte in Selbstbedienungsbetrieben, Friseure, Kosmetiker. In den wenig qualifizierten Berufen des terti&#228;ren Sektors werden die meisten zus&#228;tzlichen Stellen von Frauen besetzt.&#8220; (Ebd., S. 251) Eine Verlagerung der nicht qualifizierten Berufe von der Industrie zum terti&#228;ren Sektor hat die Entwicklung der weiblichen Aktivit&#228;t begleitet (und zudem stellt die Autorin nicht die Frage nach der Definition dieser &#8222;Qualifikation&#8220;). Die gleiche Autorin schreibt weiter dass &#8222;keine Kennzahl eine empfindliche Abnahme weiblicher Anstellung zeigt&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einen Schritt vorw&#228;rts, zwei Schritte zur&#252;ck, konstante Erschaffung neuer Unterscheidungen und Hierarchien. Was hier ausgedr&#252;ckt wird, ist nicht die tendenzielle Gleichg&#252;ltigkeit der kapitalistischen Produktionsweise gegen&#252;ber der Genderunterscheidung, sondern die Tatsache, dass die kapitalistische Produktionsweise die erste Produktionsweise ist, welche strukturell ein Problem hat mit der Arbeit, mit der Bev&#246;lkerung und somit mit den Frauen und ihrer Aufnahme in den Produktionsprozess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch gehen wir als einfache Hypothese von einer totalen Durchmischung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re aus (dank Gaddafis Amazonen und den GI-Girls &#8211; siehe Fussnote 22), sofern die private Sph&#228;re weiblich bleibt, wird diese &#246;ffentliche Sph&#228;re noch lange nicht geschlechtlich undifferenziert sein, ausser man glaubt, die kapitalistische Produktionsweise habe sich definitiv der Frauen, d.h. der Arbeit, der Bev&#246;lkerung und des Werts (der sich erlauben kann, inwendig den Geschlechterrollen gegen&#252;ber gleichg&#252;ltig zu sein, denn seine Existenz selbst ist deren Existenz) entledigt. Ausser man behauptet, die Frauen seien verschwunden, und sogar im Falle ihrer hypothetischen totalen und absoluten Durchmischung, bleibt die &#246;ffentliche Sph&#228;re m&#228;nnlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&#214;ffentlich/privat, Lohnarbeitsverh&#228;ltnis und weibliche Hausarbeit sind eng miteinander verbunden. In der kapitalistischen Produktionsweise sind die &#246;ffentliche und die private Sph&#228;re radikal getrennt, der Ausschluss der Frauen aus dem &#246;ffentlichen Raum ist grunds&#228;tzlich radikaler als in ehemaligen Produktionsweisen, genau wie die Universalit&#228;t und die abstrakte Gleichheit zwischen den Individuen ein innerer Zwang dieser Produktionsweise sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem das Gesetz (der Staat) die Geschlechterunterscheidung abschafft, hebt es nicht die Geschlechterrolle auf, sondern dekretiert schlichtweg, dass deren Effekte politisch nicht sachdienlich sind und vergessen werden k&#246;nnen. Einerseits gibt das Gesetz vor, wirklich die Gleichheit zwischen den Geschlechtern als &#246;ffentliche Sache festzulegen, doch damit macht es aus den Genderunterscheidungen nicht politische (nicht &#246;ffentliche) Unterschiede, die damit nicht mehr Gegenstand einer Kritik oder Ver&#228;nderung sein k&#246;nnen. Indem sie parit&#228;tisch werden, heben der Staat und die &#246;ffentliche Sph&#228;re im allgemeinen die Genderunterscheidung nicht auf, sondern setzen sie voraus, indem sie sie in die private Sph&#228;re neben die konkreten M&#228;nner und Frauen wegr&#228;umen. Der Staat und die &#246;ffentliche Sph&#228;re sind grunds&#228;tzlich auf der Genderunterscheidung aufgebaut, indem sie diese Unterscheidung verst&#228;rken, indem sie sie innerlich als nicht sachdienlich und &lt;i&gt;wirklich sachdienlich durch ihre Existenz selbst deklarieren&lt;/i&gt;. Der Staat und die &#246;ffentliche Sph&#228;re brauchen in ihnen selbst den Geschlechterunterschied nicht, sie k&#246;nnen ihn im Gegenteil ausser acht lassen, denn in ihnen (als solche: &#246;ffentlich/privat) wird der wirkliche Inhalt des Genderunterschieds verwirklicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesetzliche Proklamation der Gleichstellung und deren wirkliche Anwendung gehen Hand in Hand mit der inneren Halbierung jeder Frau. Als Mitglied der &#246;ffentlichen Sph&#228;re ist sie Teil der Irrelevanz des Geschlechterunterschieds, sie wird ihres wirklichen Lebens beraubt und mit einer unwirklichen Allgemeinheit ausgef&#252;llt. Als Frau der privaten Sph&#228;re und der Produktionsverh&#228;ltnisse bleibt sie Frau genau weil die Gleichstellung nur eine Abstraktion ist, d.h. nicht etwas, das nicht existiert, sondern etwas, das eben genau als (tendenzielle/vollendete) Aufhebung eines Unterschieds existiert, eine Aufhebung, die auf der Reproduktion dieses Unterschieds und der Halbierung und der Spaltung des weiblichen Individuums basiert. In der heutigen kapitalistischen Gesellschaft sind die Frauen wirklich in jeder Bestimmung (Leben zu Hause, Arbeit, Elternsein) gespalten zwischen einer abstrakten und einer konkreten Individualit&#228;t, dermassen, dass jede Bestimmung des konkreten Lebens (privat und Arbeit) selbst geteilt ist zwischen ihrer Wirklichkeit und ihrer Idealit&#228;t, dermassen, dass die Idealit&#228;t (die Gleichstellung in allen Bereichen) insofern als wirklich erscheint, dass sie aus der Unterscheidung, welche sie (in sich) aufgehoben hat, einen unbegr&#252;ndeten und dadurch unwirklichen &#8222;Archaismus&#8220; macht, obwohl sie nur die innere Halbierung jeder Frau ist. Der Mann ist auch gespalten zwischen abstraktem und konkretem, doch er muss nicht das konkrete im abstrakten (als Mann) zur&#252;cklassen. &#8222;Der Mann verf&#252;gt &#252;ber das Privileg (&#8230;), dass seine Berufung, menschlich zu sein, nicht seiner Bestimmung als m&#228;nnlich widerspricht. Die Gleichsetzung des Phallus und der Transzendenz f&#252;hrt dazu, dass seine gesellschaftlichen und spirituellen Erfolge ihm ein viriles Prestige verleihen. Er ist nicht geteilt. W&#228;hrend von der Frau, um ihre Weiblichkeit zu entfalten, verlangt wird, zum Gegenstand und zur Beute zu werden, d.h. auf ihre Forderungen als souver&#228;nes Subjekt zu verzichten.&#8220; (Beauvoir, &lt;i&gt;Le deuxi&#232;me sexe&lt;/i&gt;, Bd. 1, S. 524.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Die Frau lebt ihr universelles Leben in der Gleichstellung, doch wenn sie es lebt, betrachtet sie es auch. Ihr privates, pers&#246;nliches Leben f&#252;hrt sie in ihren praktischen T&#228;tigkeiten, zu Hause und im Beruf, welche selbst halbiert sind. Ihr ganzes Leben ist gespalten, denn sie muss das gleiche dessen sein, was anders als sie ist (und dessen Andersartigkeit den Anspruch erhebt, das gleiche zu sein). Als Frau wird dieses Individuum aufgefordert, ein &#8222;sich selbst&#8220; und ein &#8222;anderes&#8220; zu sein und als anders best&#228;tigt durch die Anordnung, das gleiche zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Gleichstellung ist die Unterscheidung verwirklicht. Die Illusion, die gezeigt werden muss, ist nicht jene der Idealisierung des Geschlechtsunterschieds in der Gleichstellung, sondern ihre Quelle: Die Bestimmung einer &#246;ffentlichen Sph&#228;re, welche, mit den Farben der Gleichstellung geschm&#252;ckt, ihrerseits die Wirklichkeit mit der Ungleichheit und der Herrschaft schm&#252;ckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gleichstellung ist ein Kampf, jener des Zugangs der Frauen zur Abstraktion, es ist nicht ein bedeutungsloser Kampf, doch sein siegreicher Ausgang setzt die Spaltung jeder Frau in der Totalit&#228;t ihres Lebens voraus und best&#228;tigt sie, er macht aus ihrem allt&#228;glichen Leben eine simple Tatsache ohne Recht und ohne Grund, w&#228;hrend die Gleichstellung (ein abstraktes Individuum konstituierend) als Idealit&#228;t auf der Wirklichkeit dieses &#8222;allt&#228;glichen Lebens&#8220; beruht, welches die Notwendigkeit selbst seiner Abstraktion als Ausdruck der Unterscheidung zwischen privatem und &#246;ffentlichem ist. Eine Abstraktion, die zur Lesart und Praxis des konkreten (allt&#228;glichen) Lebens wird. Die Abstraktion zeigt nicht eine Trennung gegen&#252;ber einer &#8222;wirklichen Basis&#8220;, sondern die Rolle, welche sie darin spielt: die Rolle der Abstraktion (siehe das Geld).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die liberale Ideologie (im politischen Sinn) ist ad&#228;quat zur unmittelbaren und gegebenen Wirklichkeit des gesellschaftlichen Lebens, sie verschleiert jedoch zugleich die tiefe Wirklichkeit, sie macht aus dem Individuum eine Essenz, ein konstituierendes Subjekt. Die Frau der Gleichstellung zwischen M&#228;nnern und Frauen ist ein solches Individuum, in welchem das abstrakte, objektiv abstrakte Individuum mit dem konkreten Individuum verwechselt wird, sodass schliesslich ersteres nicht nur zur idealen Form von zweiterem wird, sondern auch das konkrete Individuum auf eine kontingente, zuf&#228;llige Form dieses objektiv abstrakten Individuums reduziert.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(&lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;, TC 24)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dieser entmannten &#246;ffentlichen Sph&#228;re kommen wir da an, wo die Reise hingehen sollte. &#8222;Der Kapitalismus ist also nicht an sich patriarchal, doch er ist notwendigerweise geschlechtlich differenziert. Geschlechtliche Differenzierung und M&#228;nnerherrschaft sind f&#252;r ihn unerl&#228;sslich und er kann die Geschlechterrollen &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen, sonst h&#228;tten wir es getan) nicht aufheben.&#8220; (S. 32)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir erfahren nie, weshalb und wie der Kapitalismus &#8222;notwendigerweise geschlechtlich differenziert&#8220; ist, wir haben eher gesehen, dass seine grundlegende Tendenz eher in die umgekehrte Richtung dieser Notwendigkeit geht. Falls n&#228;mlich die &#8222;notwendige geschlechtliche Differenzierung&#8220; gleichbedeutend ist mit der Reproduktion der Bev&#246;lkerung als Rohstoff der verschiedenen Klassen, ist es schwer zu erkennen, worin die kapitalistische Produktionsweise &lt;i&gt;besonders&lt;/i&gt; geschlechtlich differenziert ist; wenn es nur ist, um einige untypische Lohnformen m&#246;glich zu machen, um einige &#8222;unmittelbare Interessen&#8220; zu befriedigen, erkennt man es auch nicht; wenn es zur Verm&#246;gens&#252;bermittlung ist, entwischt das Proletariat der geschlechtlichen Differenzierung. Doch die &#8222;notwendige geschlechtliche Differenzierung&#8220; (d.h. die seinem Wesen gem&#228;ss, seinem Konzept gem&#228;ss nicht nicht sein kann) wird nur noch &#8222;unerl&#228;sslich&#8220; und ausserdem &#8222;&lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; unerl&#228;sslich&#8220; und &#8222;weniger als gestern&#8220; ist man versucht, anzuh&#228;ngen. Sie kann also &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; die Geschlechterrollen nicht aufheben. Somit haben wir also etwas &#8222;notwendiges&#8220;, das zu etwas &#8222;heute unerl&#228;sslichem&#8220; geworden ist und &#8222;im Moment&#8220; nicht aufgehoben werden kann. Somit etwas sehr kontingentes &#8222;notwendiges&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um all die Spitzfindigkeiten dieser Dialektik zu verstehen, muss man im Text einige Abs&#228;tze zur&#252;ckgehen. &#8222;Die M&#228;nnerherrschaft, prinzipiell in der patriarchalen Form war immer &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen) und charakterisierte alle Klassengesellschaften.&#8220; ...und somit den Kapitalismus. Gehen wir weiter. &#8222;Sie war speziell angepasst an die pr&#228;kapitalistischen Gesellschaften, charakterisiert durch ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilit&#228;t (mit der Familienzelle als Basis, Einheit der Produktion und der Reproduktion).&#8220; Was ist &#8222;sie&#8220;? Die &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; oder die &#8222;patriarchale Form&#8220;? Ein bisschen von beidem, grammatikalisch gesehen w&#252;rde man meinen die M&#228;nnerherrschaft, doch in Bezug auf den Sinn muss man annehmen, es sei die &#8222;patriarchale Form&#8220;. Lassen wir die gesegnete Epoche beiseite, wo jeder mit seiner Auserw&#228;hlten mit Kindern und Ahnen lebte, ohne P&#228;chter, ohne Halbpacht, ohne Gutsherren, ohne k&#246;nigliche Abgaben usw. Es kommt also der Kapitalismus, der &#8222;alles umw&#228;lzt&#8220;, nachdem er die vorhergehenden gesellschaftlichen Strukturen genutzt hat. Und er &#8222;st&#246;sst mit dem Patriarchat zusammen&#8220; und dort, in einem Augenzwinkern, ein grossartiger konzeptueller Taschenspielertrick: &#8222;Das Patriarchat ist entstellt worden. Der Kapitalismus ist somit die erste Produktionsweise, welche ein Problem mit den Frauen hat.&#8220; Das Problem des Kapitalismus mit den Frauen komme also von der Tatsache, dass er das Patriarchat nicht fortbestehen lassen kann, obwohl, wie es der Text sagt, &#8222;die M&#228;nnerherrschaft f&#252;r ihn notwendig ist&#8220; (so notwendig nun auch wieder nicht, wie wir gesehen haben). Was bedeutet, dass die &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;, die wahre, die gut best&#252;ckte, die haarige das Patriarchat ist, was historisch folgt, ist ein Ponyhof.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Gegensatz zum Patriarchat (das Autorit&#228;t, Hierarchie und Herrschaft impliziert) ist eines der kapitalistischen Prinzipien, wir wiederholen es, die 'Freiheit'. Die Interessen des Kapitalismus laufen also jenen des Patriarchats manchmal zuwider. (&#8230;) Damit ist einer der strukturierenden Tragpfeiler der M&#228;nnerherrschaft umgestossen.&#8220; (S. 130) Hier sind die Dinge klar: Das &#8222;Patriarchat&#8220; ist nicht mehr nur eine &#8222;Form der M&#228;nnerherrschaft&#8220;, sondern das wesentliche ihres Inhalts. Ihm zu schaden, bedeutet, die M&#228;nnerherrschaft selbst anzugreifen und nicht nur die Form zu &#228;ndern und es liege im Wesen des Kapitalismus, das zu tun, da eine seiner Prinzipien (&#8222;wir wiederholen es&#8220;) die &#8222;Freiheit&#8220; ist (mit Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen, man soll ja nicht &#252;bertreiben). Doch im Kapitalismus bedeutet Freiheit, frei zu sein, was man ist: ein Proletarier, eine Frau usw., eine Person zu sein. Obwohl er sich sehr gut damit abfinden kann, ist der Kapitalismus nicht eigentlich eine St&#228;nde- oder Kastengesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zwar wahr, dass sich der Kapitalismus der alten Formen der M&#228;nnerherrschaft (was bei Incendo zum &#8222;wesentlichen der M&#228;nnerherrschaft&#8220; wird) entledigt hat, doch es ist nicht deswegen, wie es Incendo behauptet, dass er ein Problem mit den Frauen hat. Der Kapitalismus hat grunds&#228;tzlich ein Problem mit den Frauen, weil er ein Problem mit der Arbeit hat und das ist ihm eigen. Daf&#252;r braucht es Frauen und alle Dispositive, durch welche sie zu solchen werden, unter anderem die Hausarbeit, und, simultan, muss alle verf&#252;gbare Arbeitskraft im Rahmen der Lohnarbeit absorbiert werden, was in sich selbst die Hausarbeit der Reproduktion der Arbeitskraft als Privatsache impliziert (uff, der Stil). Er entwickelt sich und ringt mit seinen Widerspr&#252;chen, die ihm eigen und sogar seine Dynamik sind, und die er als solche nicht &#252;berwinden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ganze Text, der als theoretische Synthese angek&#252;ndigt wird, ist nur eine lange Verweigerung des Problems, das er behauptet, zu behandeln: &#8222;Betreffend Genderfragen und M&#228;nnerherrschaft ist die Verweigerung am weitesten verbreitet.&#8220; Das ist wahr, bis zum revolution&#228;ren Moment selbst.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Gender und Revolution&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dieser Prozess (der Kommunisierung, AdA) wird &lt;i&gt;unvermeidlich&lt;/i&gt; (von uns unterstrichen) Genderfragen ebenfalls betreffen (ausser der Kapitalismus befreit uns vorher davon: siehe &#8222;M&#246;glichkeit&#8220;, &#8222;heute&#8220;, &#8222;im Moment&#8220;, &#8222;besteht fort&#8220;, &#8222;Hypothese&#8220; usw., AdA) und f&#252;hrt, unserer Meinung nach, schliesslich zu deren Aufhebung (andernfalls versinkt er in der Konterrevolution).&#8220; (S. 38) Alles ist gesagt in diesen paar Zeilen am Anfang des Kapitels &#252;ber Gender und Revolution. &#8222;Unvermeidlich&#8220; steht f&#252;r &#8222;als Konsequenz&#8220;, das vom Verb &#8222;f&#252;hrt zu&#8220; wieder aufgegriffen und unterstrichen wird. Diese Aufhebung ist nur notwendig, weil wir sonst &#8222;in der Konterrevolution versinken&#8220;. Wir haben vorher diesen Standpunkt kritisiert, der den Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen nicht als solchen und f&#252;r sich betrachtet, sondern als unerl&#228;sslich f&#252;r das Kommen der Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz dem &lt;i&gt;zeitlichen Zusammenwirken&lt;/i&gt; der Dinge ist in der Perspektive von Incendo die Aufhebung der Geschlechterrollen eine Konsequenz der Aufhebung der Lohnarbeit: Die Bewegung, welche die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dieser &#8222;beschissenen Welt&#8220; aufhebt, &#8222;beseitigt gleichzeitig die &lt;i&gt;Notwendigkeit&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen), die Arbeitskraft, die Familie und die Geschlechterrollen zu reproduzieren. Die Aufhebung der Lohnarbeit und die revolution&#228;re T&#228;tigkeit beenden die Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher und individueller T&#228;tigkeit, zwischen diversen Trennungen (...), welche die Grundlagen der Hausarbeit sind.&#8220; (S. 39) Die Familie, die Geschlechterrollen, die Hausarbeit und sogar die Sexualit&#228;t sind hier nie Kampfschaupl&#228;tze von K&#228;mpfen in ihrer Besonderheit. In einem Wort, nie ist der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen an sich selbst wirksam in all diesen Aufhebungen. All das wird &#8222;unvermeidlich&#8220; aufgehoben werden. Wenn die Aufhebung der Lohnarbeit &#8222;gleichzeitig die &lt;i&gt;Notwendigkeit&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft, die Familie und die Geschlechterrollen zu reproduzieren, beseitigt&#8220; und wenn &#8222;die Aufhebung der Lohnarbeit und die revolution&#228;re T&#228;tigkeit die Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher und individueller T&#228;tigkeit, zwischen diversen Trennungen (...), welche die Grundlagen der Hausarbeit sind, beenden&#8220;, so handelt es sich nicht um logische Konsequenzen vom Typ A f&#252;hrt zu B, die Beseitigung von A f&#252;hrt zu jener von B. Zu sagen, dass der Lohn die Reproduktion der Arbeitskraft und der &#8222;Rasse der Arbeiter&#8220; zahlt, l&#228;sst uns die Schwelle zur &#8222;Intimit&#228;t&#8220; &#252;berschreiten und zeigt &lt;i&gt;den inneren Antagonismus zwischen M&#228;nnern und Frauen, im Lohn inbegriffen als Reproduktion der Arbeitskraft&lt;/i&gt;. Dieser innere Antagonismus ist und wird selbst ein bestimmendes Element in der Aufhebung der Lohnarbeit sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Zerst&#246;rungen&#8220; und &#8222;Aufhebungen&#8220;, von welchen Incendo spricht, haben &lt;i&gt;Auswirkungen&lt;/i&gt; auf die Genderunterscheidung. Die Genderkonflikte bringen nicht einfach &lt;i&gt;als solche&lt;/i&gt; diese Aufhebungen hervor und nehmen daran teil, als ob die Konflikte, durch welche der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen existiert, nicht selbst aktiv beteiligt an diesen Aufhebungen und dynamisches Element davon w&#228;ren, sondern nur unumg&#228;ngliche &#8222;Konsequenzen&#8220; oder Begleiterscheinungen. Wenn die Selbstorganisation der Frauen erw&#228;hnt wird, ist es, um zu sagen, dass man schnell dar&#252;ber hinwegkommen soll und dass alles, was folgt (die Aufhebung der Geschlechterrollen) gegen sie (die Selbstorganisation) gerichtet sein wird. Die Aufhebung der Geschlechterrollen wird nie als Konflikt im revolution&#228;ren Prozess gesehen, sondern als seine &#8222;Wirkung&#8220;, seine Konsequenz. Von diesem Standpunkt aus ist es wahr, dass es vorsichtiger ist, die Frauen zu ermuntern, an die &#8222;Aufhebung der Lohnarbeit&#8220; zu glauben, als ob diese ihren eigenen Kampf und vielleicht ihren Konflikt mit ihren &#8222;Genossen&#8220; nicht mit einschliesse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleiche Perspektive wird einen Absatz weiter in einer anderen Form wieder aufgenommen: &#8222;Zu diesen Ersch&#252;tterungen des allt&#228;glichen Lebens &lt;i&gt;sollte&lt;/i&gt; man die Wirkung der neuen Funktionsweisen &lt;i&gt;hinzuf&#252;gen&lt;/i&gt; (wir unterstreichen), welche im Kampf aufgebaut werden&#8220;. Noch schlimmer: Die &#8222;neuen Funktionsweisen&#8220;, d.h. die Verh&#228;ltnisse zwischen den miteinander im Prozess der Kommunisierung verknoteten Individuen werden eine &#8222;&lt;i&gt;Wirkung&lt;/i&gt;&#8220; haben, die den Verh&#228;ltnissen zwischen M&#228;nnern und Frauen &#8222;&lt;i&gt;hinzugef&#252;gt&lt;/i&gt;&#8220; wird. Als ob die &#8222;neuen Funktionsweisen&#8220; nicht das w&#228;ren, was uns der Untertitel verspricht: &#8222;Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich st&#246;sst diese &#8222;Zerst&#246;rung&#8220; im letzten Moment mit einem letzten Problem und nicht dem geringsten zusammen, es ist n&#228;mlich jenes der Definition selbst der M&#228;nner und Frauen, welches Incendo als &#8222;gesellschaftliche Organisation&#8220; der Schwangerschaft ausgelagert hatte. Tats&#228;chlich bel&#228;sst man die nat&#252;rliche Unterscheidung bei seiner Existenz als nat&#252;rliche Unterscheidung, wenn man sie nicht als selbst die gesellschaftliche Organisation seiend betrachtet und als solches zeigt. Man kann wiederholen, dass &#8222;die Natur nicht existiert&#8220; (Begriffserkl&#228;rungen, S. 197), es bleibt eine Prinzipienpetition und die Natur wird unfehlbar im Galopp zur&#252;ckkommen, wenn man nicht erkl&#228;rt wie dieses nicht existierende Ding existiert, d.h. das, was man so nennt und wenn man nicht erkl&#228;rt, nennt man es zurecht so.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mit der Revolution werden die geschlechtliche Differenzierung und die Geschlechterrollen faktisch von unmittelbar gesellschaftlichen Individuen aufgehoben. Doch der Kommunismus wird selbstverst&#228;ndlich nicht die Unterscheidung aufheben zwischen jenen, welche schwanger werden k&#246;nnen und jenen, welche es nicht k&#246;nnen. Die Schwangerschaft ist jedoch kein nat&#252;rliches Ph&#228;nomen, sie wird gesellschaftlich organisiert (auf unterschiedliche Art und Weise je nach Epochen, Gesellschaft und Regionen). Heute bedingt sie die Bildung der Gruppe der Frauen und die M&#228;nnerherrschaft. Wie die Frage der Organisation der Schwangerschaft behandelt und gel&#246;st wird w&#228;hrend der Kommunisierung ist wesentlich und sehr problematisch. Es ist besonders diese Frage, die Mutterschaft, &#252;ber welche die Aufhebung der Geschlechterrollen, und somit die Kommunisierung, zu stolpern droht.&#8220; (S. 43)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lassen wir die Tatsache beiseite, dass nichts &#8222;faktisch&#8220; (d.h. als Konsequenz) aufgehoben wird, falls es nicht f&#252;r sich durch T&#228;tigkeiten welche dem, was aufgehoben wird, eigen sind, aufgehoben wird. Die Kommunisierung werde also &#252;ber die Mutterschaft stolpern. Die Kommunisierung stolpert nicht &#252;ber den Wert, genauso wenig wie &#252;ber die Mutterschaft: Man stolpert stets &#252;ber praktische Fragen, Konflikte und Probleme (der Tausch oder die Zuweisung der Frauen zur privaten Sph&#228;re). Es sind die im revolution&#228;ren Kampf engagierten Individuen, welche &#8211; auf diverse Arten &#8211; mit Genderfragen unmittelbar konfrontiert sein werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu sagen, die Schwangerschaft ist &#8222;gesellschaftlich organisiert&#8220;, ist ungen&#252;gend, um &#252;ber eine naturalistische Definition der Frauen hinwegzukommen, deshalb kann Incendo sagen, dass die Kommunisierung die Unterscheidung zwischen jenen, welche Kinder zeugen, und jenen, welche es nicht k&#246;nnen, nicht aufheben wird. &lt;i&gt;Wenn es zwischen den beiden Begriffen eine reproduktive Fragen betreffende Unterscheidung gibt, sieht man nicht wirklich, inwiefern M&#228;nner und Frauen aufgehoben w&#228;ren&lt;/i&gt;. Denn bez&#252;glich der Reproduktion ist diese Unterscheidung effizient...Die Aufhebung der Geschlechterrollen ist gleichbedeutend mit der Aufhebung der reproduktiven F&#228;higkeit als naturalisierte Unterscheidung. Es wird tats&#228;chlich sicher Leute geben, die schwanger werden, und andere, die es nicht werden (obwohl man vermuten kann, dass die Sexualit&#228;t mit Schwangerschaftsrisiko beil&#228;ufig ziemlich hart getroffen wird), Leute, welche Kinder tragen werden und andere nicht (was unter Umst&#228;nden nicht das gleiche sein k&#246;nnte wie schwanger zu werden), doch diese Diversit&#228;t kann auf keinen Fall eine &lt;i&gt;Unterscheidung&lt;/i&gt; erzeugen, wenn der Widerspruch M&#228;nner/Frauen nicht mehr besteht und als Konsequenz keine M&#228;nner und keine Frauen mehr existieren. Diese Heterogenit&#228;t der Situation deckt auf Seiten der Bev&#246;lkerung und der Reproduktion der gesellschaftlichen Organisation kein Streitobjekt mehr ab und wird somit keine Unterscheidung zwischen einigen und anderen &lt;i&gt;auf dieser Grundlage&lt;/i&gt; tragen. Die nat&#252;rliche Selbstverst&#228;ndlichkeit ist ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis: Das, was es erlaubt, die einen von den anderen zu unterscheiden, ist grunds&#228;tzlich die Notwendigkeit der Arbeit und der Bev&#246;lkerung als Produktivkraft und diese Notwendigkeit l&#228;sst die Sexualit&#228;t als getrennte T&#228;tigkeit existieren, d.h. bestimmt, wie auch immer heute ihre Formen sein m&#246;gen, durch die Frage der Reproduktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Art der Konfrontation mit diesen Fragen in den revolution&#228;ren K&#228;mpfen wird ebenfalls heterogen sein und kann verschiedene Komponenten des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen betreffen: Aufteilung der T&#228;tigkeiten und Aufgaben im Kampf, Gewalt gegen Frauen, Kinderbetreuung, Betreuung der affektiven und sexuellen Verh&#228;ltnisse im Kampf...Wir wissen auch, dass in der Revolution diese Modalit&#228;ten der Emergenz und der Inhalt selbst dieser Fragen und Konflikte das Produkt lokaler und ereignisabh&#228;ngiger Besonderheiten der konfliktreichen Knotenbildung des Gender- und des Klassenwiderspruchs sein werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufhebung der M&#228;nner und der Frauen, welche &#252;ber die Frage der Schwangerschaft stolpert, zeigt, wie sehr die Sicht der Revolution von Incendo und anderen &#8222;Anh&#228;ngern oder Freund(inn)en der Kommunisierung&#8220; immer noch jene der &#8222;sozialen&#8220; Revolution ist. Das zeigt sich offensichtlich und h&#228;ufig in Bezug auf die Frage der Aufhebung der Kategorien M&#228;nner und Frauen (und nicht nur in Bezug auf die Genderfrage im allgemeinen, denn jeder m&#246;chte von &#8222;Herrschaft&#8220; sprechen oder der Kommunisierer-Sauce ein bisschen feministische W&#252;rze zuf&#252;gen). Wie jene der Produktion wird die Frage unter dem Blickwinkel der &#8222;Organisationsfragen&#8220; gestellt, welche man &lt;i&gt;gesellschaftlich&lt;/i&gt; &#8222;behandeln und l&#246;sen&#8220; m&#252;sse. Denn es ist offensichtlich, dass man wohl weiterhin Kinder &#8222;machen muss&#8220;, wie man auch produzieren &#8222;muss&#8220; und es ist genauso offensichtlich, dass all das &#8222;gesellschaftlich organisiert&#8220; sein muss. Wenn es auch &#8222;heute&#8220; Herrschaft impliziert usw., wird es morgen schon besser gehen, wenn wir uns selber darum k&#252;mmern werden...Die Kommunisierung, von diesem Standpunkt aus, bedeutet die menschliche T&#228;tigkeit endlich vom parasit&#228;ren Kapital befreit zu haben, sie findet sich als solche in sich selbst wieder, zwar mit einigen zu l&#246;senden Problemen, die jedoch von nun an ihre eigenen Probleme sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keine gesellschaftliche Unmittelbarkeit und Aufhebung der Geschlechterrollen, wenn man anf&#228;ngt, &#8222;die Frage&#8220; der &#8222;Mutterschaft&#8220; zu &#8222;behandeln&#8220;. Was &#8222;faktisch&#8220; ist und als selbstverst&#228;ndlich akzeptiert wird, ist, dass die Frauen die Kinder machen. Es existieren andere oder gar gegenteilige Konzeptionen der Kommunisierung: Man kann nicht die Genderfrage auf diese Art und Weise betrachten, nur weil man global die Frage der Kommunisierung auf die gleiche Art und Weise betrachtet. Man kann dann schon stolz behaupten, die Natur existiere nicht und die geschlechtliche Differenzierung und die Geschlechterrollen seien &#8222;faktisch&#8220; aufgehoben, man stolpert schliesslich trotzdem &#252;ber das, was letztendlich das nat&#252;rlichste ist: die Mutterschaft. Ach ja, die Frauen machen n&#228;mlich letztendlich &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; Kinder...Als ob das Problem woanders l&#228;ge, ob sie Fussball spielen k&#246;nnen oder nicht oder ihre Haare verstecken m&#252;ssen oder nicht. Denn indem man die Kommunisierung nicht als etwas versteht, das wirklich den Wert und den Tausch und somit gleichzeitig die Produktion und alle gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse aufhebt, welche von diesen Kategorien reproduziert und vorausgesetzt werden, findet man sich mit dem Bauch der Frauen als Werkzeug eben dieser reproduktiven Produktion wieder (und macht beil&#228;ufig die Frauen zu Produktionsmitteln) und diese Produktion muss ja auch &#8222;verwaltet&#8220; werden &#8211; gesellschaftlich. Man m&#246;chte schon gesellschaftliche Unmittelbarkeit und Aufhebung der M&#228;nner und der Frauen, aber es sollte doch nicht allzu chaotisch sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich wird diese &#8222;Organisationsfrage&#8220; nicht von Bauchkommissaren behandelt werden, doch dahinter steht immer noch die Annahme einer &#8222;menschlichen Gemeinschaft&#8220;, die sich als eine Art Vermittlung zwischen sich und sich stellt und die verschiedenen gesellschaftlichen Fragen, wie z.B. jene des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen, selbst&#8220;verwaltet&#8220;. Damit bleiben die einen wie die anderen &#8222;nat&#252;rlicherweise&#8220; als Kategorien erhalten, egal was man woanders dar&#252;ber sagt. Es ist erstaunlich, festzustellen, dass nicht einmal erw&#228;hnt wird, dass die Frage der Mutterschaft von den Frauen selbst zum Konflikt gemacht werden kann, und das gegen die M&#228;nner &#8211; die Kommunisierung ist hier nur das Moment des verallgemeinerten gesellschaftlichen &#8222;alle zusammen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir sagen, dass &#8222;die Aufhebung der Geschlechterrollen gleichbedeutend ist mit der Aufhebung der reproduktiven F&#228;higkeit als naturalisierte Unterscheidung&#8220;, konzipieren wir sie als schon gemacht, doch das ist nur konzeptuell oder logisch wahr. Die Aufhebung der Kategorien M&#228;nner und Frauen ist in ihrer Vollendung genauso undenkbar wir die gesellschaftliche Unmittelbarkeit der Individuen (der Kommunismus). Wir k&#246;nnen all das nur ausgehend von den heute existierenden K&#228;mpfen denken und somit als Konflikt zwischen Klassen und zwischen M&#228;nnern und Frauen, Konflikte jedoch, die in sich die Widerspr&#252;che tragen, welche die Aufhebung der Geschlechterrollen und der Klassen hervorbringen. Das Problem von Incendo liegt nicht hier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nat&#252;rliche Selbstverst&#228;ndlichkeit ist ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis, welches in sich seinen eigenen Widerspruch tr&#228;gt, alle gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse tragen nicht ihren eigenen Widerspruch in sich. Dieser Widerspruch ist im Text von Incendo abwesend, denn sie k&#246;nnen oder wollen ihn nicht konzipieren, da sie im Grunde genommen die Gleichheit wollen. Und deshalb weichen in ihrem Text auch die Frauenk&#228;mpfe auf den Klassenwiderspruch aus und werden schliesslich unter den auf diese Art und Weise einseitig verstandenen historischen Gang des Kapitals subsumiert. Eine derartige Konstruktion macht in Wirklichkeit nur ihre &lt;i&gt;Befreiung&lt;/i&gt; als Frauen m&#246;glich, unter der Bedingung, dass sie bereit sind, als Proletarierinnen zu k&#228;mpfen, um im Endeffekt Teil der menschlichen Gemeinschaft zu sein, welche die &#8222;Frage&#8220; der Mutterschaft &#8222;l&#246;sen wird&#8220; ohne den M&#228;nnern und den Frauen eine Existenz zu geben...Es ist so gut wie sicher, dass von diesem Standpunkt aus die Frauen, die M&#228;nner und die Proletarier noch lange das, was sie sind, bleiben werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht &#252;berraschend kommt der Text zu folgender Schlussfolgerung: &#8222;Aber seit ihrem massiven und direkten Eintritt in die Lohnarbeit und somit in die Streiks f&#252;hrt allein ihre Involvierung dazu, dass die Fragen der Reproduktion auftauchen. Die Revolution wird mit den proletarischen Frauen stattfinden und es ist diese Involvierung, welche einen bis anhin unm&#246;glichen qualitativen Sprung erlaubt. (&#8230;) In diesem konfliktreichen und problematischen Prozess wird die Rolle der Frauen also bestimmend sein &#8211; sowie als Reaktion jene der M&#228;nner.&#8220; (S. 45)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Fragen der Reproduktion und vor allem jene der Bedingungen der Frauen kommen nicht nur in Arbeiterstreiks auf. Sie kommen auch auf, wenn die Frauen nicht direkt t&#228;tig sind, wie w&#228;hrend einigen Streiks ihrer M&#228;nner oder auch im Rahmen von K&#228;mpfen, die nicht ihre Involvierung in die Sph&#228;re der Produktion, sondern ihre Involvierung in die reproduktive Sph&#228;re betreffen (zum Beispiel in den kollektiven &#220;berlebensorganisationen der argentinischen Arbeitslosenbewegung und in den daraus entstandenen Frauenbewegungen aufgrund der kollektiven materiellen Kinderbetreuung oder auch aufgrund von h&#228;uslicher Gewalt wegen der Involvierung der Frauen in die K&#228;mpfe).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist die Tatsache, dass die Involvierung der Frauen in den Raum der Produktion und in den Streiks als Motor der F&#228;higkeit, die die Reproduktion betreffenden Fragen zu stellen, symptomatisch und erlaubt es, zu verstehen, weshalb Incendo, genauso symptomatisch, pr&#228;zisiert, dass die Revolution &lt;i&gt;mit den proletarischen Frauen&lt;/i&gt; stattfinden wird. Es ist nur der Klassenwiderspruch, welcher ihnen ihr Eintrittsticket f&#252;r den Frauenkampf g&#228;be: ihre Involvierung in die Lohnarbeit. Wenn die Revolution nur von der einzigen Dynamik des Klassenwiderspruchs getrieben ist, so ist man damit tats&#228;chlich dazu verleitet, die Revolution auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite zu sehen, die eine wie die anderen gen&#252;gen voneinander ausgeschlossen, dass man pr&#228;zisieren muss, dass die Revolution &#8222;mit den proletarischen Frauen&#8220; stattfinden wird. Was komplett absurd w&#228;re, ersetzte man die Frauen durch die M&#228;nner, denn f&#252;r die proletarischen M&#228;nner muss im Klassenkampf und in der Revolution kein Platz geschaffen werden, denn die revolution&#228;re Theorie spricht meistens von ihrer Revolution. In dieser Schlussfolgerung zeigt sich noch einmal, dass f&#252;r Incendo die widerspr&#252;chliche Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise nur im Klassenwiderspruch begraben liegt und dass das Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen sich im Gang des Kapitals, innerhalb dieses Widerspruchs, anpasst, ohne eigene Existenz f&#252;r sich selbst, ohne eigene Dynamik. Der Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist gleichbedeutend mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch, der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital ist gleichbedeutend mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch (siehe weiter oben), doch die einzige Dynamik des Kapitals als prozessierender Widerspruch existiert nicht in zwei verschiedenen Formen, sie halbiert sich nicht (es handelt sich nicht um eine Selbstbestimmung, siehe &lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;). Als einzige Dynamik ist sie die Konstruktion dieser beiden Widerspr&#252;che und in ihnen ist sie spezifisch, denn sie existiert nicht davor wie etwas, das sich in zwei verschiedenen Formen verwirklichte. Jeder Widerspruch konstruiert sie als einzig in ihren eigenen Begriffen. Jeder Widerspruch hat eine Dynamik in seinen eigenen Begriffen (und durch den anderen). Weder in Bezug auf den Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen, noch in Bezug auf den Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital kann von einer eigenen oder spezifischen Dynamik gesprochen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn in diesem Kapitel, in der Fussnote 69, betont wird, dass es &#8222;eine grosse Debatte innerhalb unseres kleinen Teams&#8220; gebe, um zu erfahren, ob &#8222;es einen Genderwiderspruch gibt&#8220;, so scheint es als ob diese Frage negativ beantwortet w&#252;rde: ein einziger Widerspruch mit seiner &#8222;unvermeidlichen&#8220; &lt;i&gt;Konsequenz&lt;/i&gt;, seiner Begleiterscheinung. Was im Programmatismus zeitlich voneinander getrennt wurde (die &#8222;Frauenfrage&#8220; wird nach der Revolution gel&#246;st werden), ist hier zeitlich wieder vereint, doch die Perspektive ist die gleiche. Es ist &#252;brigens kein Zufall, dass in den Texten dieser Brosch&#252;re die programmatische Periode (deren Konzept allerdings Teil der Problematik Incendos ist) nie unter dem Aspekt ihrer Konzeption des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen betrachtet wird. Wenn die vorhergehenden revolution&#228;ren Perioden erw&#228;hnt werden, so ist es, um zu sagen, dass, wenn w&#228;hrend jenen die Frauen schnell auf ihre &#8222;gew&#246;hnlichen Aufgaben&#8220; zur&#252;ck verwiesen werden, dies nicht der Fall ist, weil der (programmatische) revolution&#228;re Prozess die geschlechtliche Differenzierung &#8222;in einer freien Form&#8220; fortbestehen l&#228;sst, sondern weil er &#8222;gehemmt&#8220; ist (S. 41). Damit stand in der programmatischen Revolution der Aufhebung der Geschlechterrollen nichts im Weg ausser ihr Scheitern. Das ist selbstverst&#228;ndlich falsch, nicht nur in Bezug auf die programmatische Theorie, sondern auch in Bezug auf die Praxis. Man stand vor der Wahl, die Arbeit zu befreien oder die Frauen aufzuheben und die Frauen selbst nannten sich &#8222;Mujeres libres&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die K&#228;mpfe und Zerst&#246;rungen, die Aufhebung des Eigentums, des Geldes, des Werts, des Staats usw. werden &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen) im allt&#228;glichen Leben etliche &lt;i&gt;Tr&#228;ger&lt;/i&gt; (idem) der sozialen Konstruktion der Geschlechterrollen ersch&#252;ttern, sie unwirksam, unbrauchbar, hinf&#228;llig machen oder ihr Verschwinden &lt;i&gt;verursachen&lt;/i&gt; (von uns unterstrichen).&#8220; (S. 42) Die Aufhebung der Genderunterscheidung ist immer nur eine Sache der &lt;i&gt;Konsequenzen&lt;/i&gt;. Wie in Oaxaca k&#246;nnte man, um sich seiner Sache sicher zu sein, die Frauen bitten, zu Hause zu bleiben: &#8222;Wir k&#252;mmern uns um alles!&#8220; Das wichtigste in dieser Konzeption der Revolution als Kommunisierung, wie sie uns Incendo pr&#228;sentiert, ist nicht, was sie in der Zukunft f&#252;r uns bereit h&#228;lt, sondern was sie uns von der gegenw&#228;rtigen Konzeption der K&#228;mpfe sagt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur weil die proletarischen Frauen Proletarierinnen sind, w&#228;ren sie dazu veranlasst, ihre Probleme als Frauen aufzuwerfen; die &#8222;Frauenfrage&#8220;, um wie in der guten alten Zeit zu sprechen, w&#228;re also nur ein Anhang der Klassenfrage (was sich von der Konstruktion zweier gemeinsamer Widerspr&#252;che unterscheidet). Doch wie sollte man das Gegenteil behaupten k&#246;nnen, wenn man uns auf Nathalie Menigon und Fran&#231;oise Besse verweist (Fussnote 69, S. 110)? Vor diesem Kaliber, vor allem wenn es von einer Frau gehalten wird, kann man nichts sagen und ist gebeten, seinen Hut zu ziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Widerspruch zwischen Frauen und M&#228;nnern transzendiert die Klassen nicht, er durchdringt sie, dies bleibt Incendo im Hals stecken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.theoriecommuniste.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Th&#233;orie Communiste&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Anh&#228;nge&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Anhang 1: &#220;ber Engels&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem er erkl&#228;rt hat, dass in der b&#252;rgerlichen Klasse die Sorge des Erbes und der Zusammenlegung des Verm&#246;gens die Heirat regelt, f&#228;hrt Engels fort:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wirkliche Regel im Verh&#228;ltnis zur Frau wird die Geschlechtsliebe und kann es nur werden unter den unterdr&#252;ckten Klassen, also heutzutage im Proletariat - ob dies Verh&#228;ltnis nun ein offiziell konzessioniertes oder nicht. Hier sind aber auch alle Grundlagen der klassischen Monogamie beseitigt. Hier fehlt alles Eigentum, zu dessen Bewahrung und Vererbung ja gerade die Monogamie und die M&#228;nnerherrschaft geschaffen wurden, und hier fehlt damit auch jeder Antrieb, die M&#228;nnerherrschaft geltend zu machen. (&#8230;) Und vollends seitdem die gro&#223;e Industrie die Frau aus dem Hause auf den Arbeitsmarkt und in die Fabrik versetzt hat und sie oft genug zur Ern&#228;hrerin der Familie macht, ist dem letzten Rest der M&#228;nnerherrschaft in der Proletarierwohnung aller Boden entzogen - es sei denn etwa noch ein St&#252;ck der seit Einf&#252;hrung der Monogamie eingerissenen Brutalit&#228;t gegen Frauen. (Auf der folgenden Seite erkl&#228;rt Engels, dass der formelle Charakter der Scheidungsfreiheit und der Gleichheit zwischen den Vertragspartnern nur noch in der b&#252;rgerlichen Klasse existiert, im Proletariat ist die Gleichheit, wegen der Abwesenheit von Erbe und Verm&#246;gen, wirklich, &#8222;mit leidenschaftlichster Liebe und absolutester Treue&#8220; (&lt;i&gt;sic&lt;/i&gt;!, AdA).)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die rechtliche Ungleichheit beider, die &lt;i&gt;uns aus fr&#252;heren Gesellschaftszust&#228;nden vererbt&lt;/i&gt; (von uns unterstrichen), ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung der &#246;konomischen Unterdr&#252;ckung der Frau. In der alten kommunistischen Haushaltung, die viele Ehepaare und ihre Kinder umfa&#223;te, war die &lt;i&gt;den Frauen &#252;bergebne&lt;/i&gt; (idem) F&#252;hrung des Haushalts ebensogut eine &#246;ffentliche, eine gesellschaftlich notwendige Industrie wie die Beschaffung der Nahrungsmittel durch die M&#228;nner. Mit der patriarchalischen Familie und noch mehr mit der monogamen Einzelfamilie wurde dies anders. Die F&#252;hrung des Haushalts verlor ihren &#246;ffentlichen Charakter. Sie ging die Gesellschaft nichts mehr an. Sie wurde ein Privatdienst; die Frau wurde erste Dienstbotin, aus der Teilnahme an der gesellschaftlichen Produktion verdr&#228;ngt. Erst die gro&#223;e Industrie unsrer Zeit hat ihr - und auch nur der Proletarierin - den Weg zur gesellschaftlichen Produktion wieder er&#246;ffnet. Aber so, da&#223;, wenn sie &lt;i&gt;ihre Pflichten im Privatdienst der Familie&lt;/i&gt; (idem) erf&#252;llt, sie von der &#246;ffentlichen Produktion ausgeschlossen bleibt und nichts erwerben kann; und da&#223;, wenn sie sich an der &#246;ffentlichen Industrie beteiligen und selbst&#228;ndig erwerben will, sie au&#223;erstand ist, Familienpflichten zu erf&#252;llen. (&#8230;) Die moderne Einzelfamilie ist gegr&#252;ndet auf die offne oder verh&#252;llte Haussklaverei der Frau, und die moderne Gesellschaft ist eine Masse, die aus lauter Einzelfamilien als ihren Molek&#252;len sich zusammensetzt. Der Mann mu&#223; heutzutage in der gro&#223;en Mehrzahl der F&#228;lle der Erwerber, der Ern&#228;hrer der Familie sein, wenigstens in den besitzenden Klassen, und das gibt ihm eine Herrscherstellung, die keiner juristischen Extrabevorrechtung bedarf. Er ist in der Familie der Bourgeois, die Frau repr&#228;sentiert das Proletariat. (&#8230;) Es wird sich dann zeigen (nachdem gleiche Rechte f&#252;r M&#228;nner und Frauen erreicht worden sind, AdA), da&#223; die Befreiung der Frau zur ersten Vorbedingung hat die Wiedereinf&#252;hrung des ganzen weiblichen Geschlechts in die &#246;ffentliche Industrie, und da&#223; dies wieder erfordert die Beseitigung der Eigenschaft der Einzelfamilie als wirtschaftlicher Einheit der Gesellschaft. (&#8230;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun gehn wir einer gesellschaftlichen Umw&#228;lzung entgegen, wo die bisherigen &#246;konomischen Grundlagen der Monogamie ebenso sicher verschwinden werden wie die ihrer Erg&#228;nzung, der Prostitution. Die Monogamie entstand aus der Konzentrierung gr&#246;&#223;erer Reicht&#252;mer in einer Hand- und zwar der eines Mannes - und aus dem Bed&#252;rfnis, diese Reicht&#252;mer den Kindern dieses Mannes und keines andern zu vererben. (&#8230;) Die bevorstehende gesellschaftliche Umw&#228;lzung wird aber durch Verwandlung wenigstens des unendlich gr&#246;&#223;ten Teils der dauernden, vererbbaren Reicht&#252;mer - der Produktionsmittel - in gesellschaftliches Eigentum diese ganze Vererbungssorge auf ein Minimum reduzieren. Da nun die Monogamie aus &#246;konomischen Ursachen entstanden, wird sie verschwinden, wenn diese Ursachen verschwinden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte nicht mit Unrecht antworten: Sie wird so wenig verschwinden, da&#223; sie vielmehr erst vollauf verwirklicht werden wird. (&#8230;) Die Prostitution verschwindet, die Monogamie, statt unterzugehn, wird endlich eine Wirklichkeit - auch f&#252;r die M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Lage der M&#228;nner wird also jedenfalls sehr ver&#228;ndert. Aber auch die der Frauen, aller Frauen, erf&#228;hrt bedeutenden Wechsel. Mit dem &#220;bergang der Produktionsmittel in Gemeineigentum h&#246;rt die Einzelfamilie auf, wirtschaftliche Einheit der Gesellschaft zu sein. Die Privathaushaltung verwandelt sich in eine gesellschaftliche Industrie. Die Pflege und Erziehung der Kinder wird &#246;ffentliche Angelegenheit; die Gesellschaft sorgt f&#252;r alle Kinder gleichm&#228;&#223;ig, seien sie eheliche oder uneheliche. (Wir steuern also auf die wahre Monogamie und die wahre Freiheit, zu heiraten, zu...AdA)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die herrschende Klasse bleibt beherrscht von den bekannten &#246;konomischen Einfl&#252;ssen und weist daher nur in Ausnahmef&#228;llen wirklich frei geschlossene Ehen auf, w&#228;hrend diese bei der beherrschten Klasse, wie wir sahen, die Regel sind. (&#8230;) Dann (nachdem alle wirtschaftlichen Zw&#228;nge beseitigt worden sind, AdA) bleibt eben kein andres Motiv mehr als die gegenseitige Zuneigung. Da nun die Geschlechtsliebe (welche Engels wegen ihrer Dauer, ihrer Gegenseitigkeit vom &lt;i&gt;Eros&lt;/i&gt; unterscheidet, der mit den antiken und fr&#252;hmittelalterlichen Gesellschaften assoziiert wird, AdA) ihrer Natur nach ausschlie&#223;lich ist - obwohl sich diese Ausschlie&#223;lichkeit heutzutage nur in der Frau durchweg verwirklicht -, so ist die auf Geschlechtsliebe begr&#252;ndete Ehe ihrer Natur nach Einzelehe.&#8220; (Engels, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 73-82)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frau im privaten, der Mann im gesellschaftlichen, der nat&#252;rlicherweise weibliche Charakter der Aufgaben der Hausarbeit (&#8222;Pflichten&#8220;): Alles ist in der Problematik von Engels vorausgesetzt. Die Revolution ist gleichbedeutend mit den Frauen in der produktiven Arbeit und der Sozialisierung der Aufgaben der Hausarbeit um ihnen diesen massiven Eintritt in die produktive Arbeit zu erlauben. Was Engels jedoch vor den Augen hatte, hatte nicht den geringsten Einfluss auf seine Analyse: Die proletarischen Frauen gingen in die Fabrik und mussten zudem &#8222;ihre Familienpflichten erf&#252;llen&#8220;, doch das ist nicht alles, es entging Marx und Engels &#252;brigens nicht, dass dieser Eintritt in die produktive Arbeit nicht nur h&#228;ufig die Feindseligkeit der M&#228;nner provozierte, sondern auch, weit davon entfernt, die &#8222;Gleichheit&#8220; zu verwirklichen, neue Unterschiede hervorbrachte (unterqualifizierte Stellen, Lohnunterschiede, monotonste Arbeiten...), sodass die Fabrik die h&#228;usliche Unterwerfung nicht nur nicht mildert, sondern noch, dass sich &lt;i&gt;die Fabrik und die h&#228;usliche Unterwerfung gegenseitig reproduzieren und legitimieren&lt;/i&gt;. Engels kann wohl sch&#246;ne und starke S&#228;tze zur &#8222;Haussklaverei&#8220; und zu den Frauen als &#8222;die proletarische Klasse&#8220; schreiben, doch indem er die Knechtung der Frauen nur mit der Monogamie und diese mit dem Erbe in Verbindung bringt, entwischt als Konsequenz der proletarische Haushalt eigentlich dieser Situation. Es ist also normal, dass Engels diese Knechtung nur als &#8222;Rest&#8220; von dem Kapitalismus vorhergehenden Gesellschaften betrachtet. Die wirtschaftlichen Grundlagen der Monogamie und somit der Knechtung der Frauen seien f&#252;r die proletarische Klasse bereits jetzt verschwunden. Zusammengefasst gibt es so wenig Probleme, dass, nachdem die gesellschaftliche Umw&#228;lzung stattgefunden hat, die Monogamie endlich zu einer wahren Wirklichkeit werden wird. Der nat&#252;rliche Charakter von dem, was der Mann und die Frau und ihr Verh&#228;ltnis sind, wird endlich freien Lauf haben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist bemerkenswert, dass jene Tatsachen, welchen Engels und Marx f&#228;hig sind, Rechnung zu tragen, wenn es darum geht, wirtschaftliche Beziehungen zu analysieren oder eine gesellschaftliche Wirklichkeit zu beschreiben, ausserhalb ihres theoretischen Feldes sind, wenn es spezifisch um die Frage der Definition und der Beziehung zwischen den Geschlechtern geht. Es ist die &#8222;gesellschaftliche Umw&#228;lzung&#8220;, so wie sie f&#252;r sie und ihre Epoche ist, welche diese Erblindung hervorbringt. Jegliche Entwicklung nach der Revolution ist nur noch eine Sache der Br&#228;uche und Mentalit&#228;ten, ein Terrain, auf welchem sich Engels explizit nicht verirren will (S. 83).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Kollontai liegt dort ein Problem, das sie nur aus der Perspektive der Br&#228;uche und der Mentalit&#228;ten angeht. Sie erkennt, &lt;i&gt;aus Erfahrung&lt;/i&gt; (die russische Revolution), dass diese Problematik von Engels (von Bebel wieder aufgenommen) in der gesellschaftlichen Umw&#228;lzung nicht von allein zum Ergebnis der Emanzipation der Frauen f&#252;hrt, doch sie versucht auf der Basis der Grenze dieser Perspektive sie zu &#252;berwinden. Die wirtschaftliche Basis, betrachtet als Monogamie im Rahmen des Privateigentums, einmal beseitigt, muss, was danach kommt, Sache der Br&#228;uche und Mentalit&#228;ten sein, es ist der einzige Weg, welcher die Problematik offen liess, um ihre eigene Mangelhaftigkeit zu verstehen als diese, nach der Revolution sowohl praktisch wie theoretisch, erschien (f&#252;r eine Kritik dieser Abs&#228;tze von Engels kann man auch den Artikel von Christine Delphy lesen: &lt;i&gt;La r&#233;ponse de la berg&#232;re &#224; Engels&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;L'ennemi principal&lt;/i&gt;, Bd. 2, S. 165).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Anhang 2: Mittelalter und fr&#252;he Neuzeit oder der Haushalt als Produktions- und Reproduktionseinheit&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Illusion der Existenz oder des Fortbestands einer Haushaltsproduktionsweise hat die b&#228;uerliche Kleinproduktion zur Grundlage, welche aus dem Zerfall der feudalen Produktionsweise im &#220;bergang zum Kapitalismus und aus ihrer Wahrung/Zerst&#246;rung w&#228;hrend dieses &#220;bergangs resultiert. Doch ihre Existenz als Produktionsweise ist nur eine Illusion, die auf der relativ langen Fortdauer dieser Art der Produktionseinheit (variabel je nach Land und besonders lange in Frankreich) basiert, welche jedoch nie die Eigenschaften einer Produktionsweise erlangt. Wir kannten nie Gesellschaften, welche durch Tauschbeziehungen zwischen autonomen patriarchalen Produktionseinheiten (b&#228;uerlich oder handwerklich) in Bezug auf die Aneignung der Mehrarbeit in ihnen durch das Familienoberhaupt organisiert waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Geschlechterteilung (die Hausfrau, AdA) oder es wurde der Teilung der Menschheit in Geschlechter eher ein neuer Inhalt gegeben. Diese Teilung ist immer noch hierarchisch, sie st&#252;tzt sich allerdings nicht mehr nur auf die Hierarchie: Sie st&#252;tzt sich auf eine tats&#228;chliche Arbeitsteilung, eine Teilung die w&#228;hrend der vor der Industrialisierung dominierenden vollst&#228;ndigen Haushaltsproduktionsweise (Bauer, Handwerker, H&#228;ndler) unbekannt war, eine Produktionsweise, die nur Untere und Obere kennt, welche in Wirklichkeit die gleichen Aufgaben &#252;bernehmen.&#8220; (Delphy) Man findet die gleiche Pr&#228;sentation der Dinge in der Brosch&#252;re von Incendo wieder (S. 13).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann &lt;i&gt;die Gleichheit der Aufgaben&lt;/i&gt; hinterfragen, sie sind faktisch immer spezifiziert nach Geschlechterrolle. Doch das wichtigste ist der gesellschaftliche Mythos, auf welchem die historische Erz&#228;hlung von Christine Delphy aufgebaut ist: &#8222;die vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise&#8220;. Die T&#228;tigkeit der M&#228;dchen und dann der Frauen in der armen Bauernklasse und sogar im urbanen Handwerkermilieu des 16. Jahrhunderts und dem Ende des 18. Jahrhunderts beschr&#228;nkt sich nie auf den famili&#228;ren &#8222;Bereich&#8220;. In England und in Frankreich, zwischen dem Alter von zehn Jahren und der Heirat (ungef&#228;hr im 25. Altersjahr), gehen 80% aller M&#228;dchen vom Lande woanders arbeiten, vermieten sich an andere H&#246;fe f&#252;r die Saison oder vollzeitlich. Sie machen auch einen wesentlichen Anteil der Arbeitskraft in den Manufakturen und der verstreuten Industrie aus. Sogar wenn sie einmal verheiratet sind, arbeiten sie h&#228;ufig weiterhin ausserhalb des &#8222;famili&#228;ren Bereichs&#8220;. In England im 16. Jahrhundert verlangen die Anf&#228;nge der Industrialisierung auf dem Land weibliche Arbeitskraft, noch vor der Einf&#252;hrung der Maschinen. Faktisch ist die weibliche T&#228;tigkeit nie dem Mythos der &#8222;vollst&#228;ndigen Haushaltsproduktionsweise&#8220; untergeordnet. Freilich wird das weibliche Einkommen mehr oder weniger vollst&#228;ndig von den M&#228;nnern in Beschlag genommen (h&#228;ufig dient die Arbeit vor der Heirat dazu, eine Mitgift zusammenzustellen), doch die weibliche T&#228;tigkeit ist immer gemischt (das sagt auch Delphy). Die &#8222;vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise&#8220; hat nie existiert (zu all diesen historischen Fragen zur weiblichen Arbeit, siehe &lt;i&gt;Histoire des femmes en Occident&lt;/i&gt;, Bd.3 &lt;i&gt;XVI&#232;me &#8211; XVIII&#232;me si&#232;cles&lt;/i&gt;, S. 27-57).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Bereich des Haushalts und sein Unterhalt als weiblicher Bereich und die Rolle der Frau als Mutter ist ebenfalls f&#252;r diese ganze pr&#228;industrielle Periode bewiesen, sowohl im Westen als auch im 16. Jahrhundert im osmanischen Reich. F&#252;r weiter zur&#252;ck reichende Perioden kann man auf die R&#252;ckkehr von Odysseus nach Ithaka oder die Frauenfeindlichkeit von Hesiod in &lt;i&gt;Werke und Tage&lt;/i&gt; verweisen. Statt uns zeitlich zu entfernen, entfernen wir uns r&#228;umlich f&#252;r diese Welten, wo die vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise, f&#252;r die H&#228;lfte der Menschheit sagt Delphy, noch existiere, um festzustellen, dass sie genauso wenig in den aktuellen Gesellschaften existiert wie zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert in Europa (siehe die Aufteilung der Gegend in einem Dorf der Savanne; die H&#228;ndlerrolle der Frauen in Westafrika; die geschlechterrollenbezogene Geschichte der Kulturen vor der Kolonialisierung und nach dieser, jene des Kaffees und schliesslich jene des &#220;bergangs zum Lebensmittelanbau &#8211; zu ihren Lasten, genau wie die agroforstlichen Praktiken vor der Kolonialisierung und der Einf&#252;hrung des Kaffees &#8211; im Land der Bamileke in Kamerun, welche stets vom Besitz der Frauen und somit der Anzahl Kinder als Zeichen gesellschaftlichen Erfolgs begleitet ist, in &lt;i&gt;Afrique des r&#233;seaux et mondialisation&lt;/i&gt;, Ed. Karthala S. 99f).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Also keine vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise (wenn es keine &#8222;vollst&#228;ndige&#8220; gibt, gibt es auch keine &#8222;gemischte&#8220;), doch das Aufkommen Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts des &#8222;Haushalts&#8220; und der getrennten Sph&#228;ren steht in Verbindung mit dem Aufkommen der Zivilgesellschaft, welche &#246;ffentlich und privat unterscheiden und versuchen muss, eine Gleichwertigkeit zwischen Sph&#228;ren und Geschlechtern zu herzustellen. Das &#8222;Privatleben&#8220; ist eine relativ neue Idee. In Frankreich vollendet der Code civil (er erkl&#228;rt nat&#252;rlich eine bestehende Situation f&#252;r rechtsg&#252;ltig, doch gleichzeitig erschafft er sie, verfestigt sie und gibt ihr die Form eines juristischen Zwangs) die klare Trennung der Bereiche: die Familie, das Haus auf der einen Seite mit dem Geld, der Gesundheit, der Bildung, dem Sex, welche dazugeh&#246;ren; der Staat, die Institutionen, die Beh&#246;rden auf der anderen, samt der Arbeit, welche mit der Verallgemeinerung der Lohnarbeit Teil des &#246;ffentlichen Bereichs wird. Man kann gar, zur Belustigung, noch weitergehen: jedem sein Bett, jedem sein Zimmer und danke f&#252;r das Schliessen der T&#252;re des Badzimmers und des Klos (eine Mise en abyme des privaten im privaten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch man darf dieses ideologische Werk der gesellschaftlichen Repr&#228;sentation und Organisation, welches ihre eigene Effizienz hat, nicht mit den wirtschaftlichen T&#228;tigkeiten verwechseln, wo die &#8222;Sph&#228;ren&#8220; sich verschlingen und &#252;berdecken. Es ist schwierig, mit Delphy und Incendo einzur&#228;umen, dass die &#8222;Spezialaufgabe&#8220; der Frau (Mutter, Unterhalt des Haushalts) erst im 19. Jahrhundert aufkommt. Im 19. Jahrhundert kommt die Autonomisierung dieser &#8222;Spezialaufgabe&#8220; auf, nicht die Idee oder die Tatsache, sie ist gleichbedeutend mit ihrer Formalisierung in einer neuen, dichteren Formulierung des &#214;ffentlichen und des Privaten, es ist auch gleichbedeutend mit der Erschaffung eines weiblichen Ideals. Es wird ein nur in der Bourgeoisie verwirklichtes Ideal bleiben, wie das auch Delphy selbst sagt. Man kann nicht sagen, dass &#8222;der Teilung der Menschheit in Geschlechter ein neuer Inhalt gegeben&#8220; worden ist. &#8222;Die Spezialaufgabe&#8220; und sogar die &#8222;Privatsph&#228;re&#8220; sind seit der Antike und sogar in diversen Formen der Gemeinschaften auffindbar. Diese &#8222;Spezialaufgabe&#8220; wurde in den kontinuierlichen Fluss der Arbeit eingebettet und musste sich in ihn integrieren. Die grosse Neuheit der Lohnarbeit (die nur mit grossen Schwierigkeiten der Arbeitskraft aufgezwungen werden kann) ist die Arbeitszeit als besondere fixe Abgrenzung und der Arbeitsplatz als spezifischer und getrennter Ort (siehe alle anf&#228;nglichen Schwierigkeiten des Kapitals, die Disziplin der Manufaktur durchzusetzen, die ber&#252;hmten Mauern der Manufakturen und der Fabriken wurden anf&#228;nglich errichtet, um die Leute daran zu hindern, sie zu verlassen, nicht sie daran zu hindern, hineinzukommen, siehe Le Goff, &lt;i&gt;Du silence &#224; la parole&lt;/i&gt;). Die &#8222;Spezialaufgabe&#8220; wird somit materiell &#8222;speziell&#8220; mit einer besonderen Zeit und einem besonderen Ort. Zeit und Ort, die derartig besonders sind, dass man im 17. Jahrhundert das Aufkommen der Praxis, die Kinder einer Amme zu geben, beobachten kann, sogar im gemeinen Volk (die Arbeiter) der St&#228;dte, wenn der Arbeitsplatz es nicht erlaubt, den S&#228;ugling in einer Ecke der Werkstatt zu lassen (was noch h&#228;ufig der Fall war in den etlichen Werkst&#228;tten Anfang des 20. Jahrhunderts). Man darf diese &#8222;Spezialaufgabe&#8220; (Delphy) nicht mit dem Aufkommen der Mutterliebe Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts verwechseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise&#8220;, wie sie Delphy definiert, sowie der &#8222;Haushalt&#8220; von Incendo haben nie als Produktionsweise existiert, erstens, sogar wenn man die Existenz des so bezeichneten Ph&#228;nomens annimmt, war diese Produktionsweise nie die Grundlage einer Produktionsweise, es ist immer Teil eines Klassenverh&#228;ltnisses, in welchem der Nicht-Arbeiter (der Ehemann als Vater und als Boss ist nicht Nicht-Arbeiter) existiert, und, zweitens, hat das, was dieses Konzept formalisieren soll, nie derartig massiv existiert. Die Frauen gingen immer und &#252;berall woanders hin, um sich gegen Bezahlung ausbeuten zu lassen (oder arbeiteten selbstst&#228;ndig).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt immer irgendwo, was auch immer seine Form sein mag, einen Nicht-Arbeiter und es handelt sich nicht einfach um eine Aneinanderreihung von h&#228;uslichen Einheiten, die selbst nie autark sind (das System des Erst-/Letztgeborenen k&#246;nnte jenes System sein, welches dem &lt;i&gt;am n&#228;chsten&lt;/i&gt; kommt: Aneignung der Arbeit der Frauen durch alle M&#228;nner mit der Zirkulation der Ehefrauen und den entsprechenden G&#252;tern, doch in einem extrem hierarchiesierten System betreffend Landbesitz und gewisser Produkte, die als Gegenwert dienen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann zudem anf&#252;gen, dass im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, selbst neben den vielen Frauen, die zu Beginn des Maschinenbetriebs komplett vom Kapitalismus erfasst wurden, in den l&#228;ndlichen Gebieten die Zirkulation der Frauen und vor allem der jungen M&#228;dchen zwischen der famili&#228;ren Ausbeutung und der industriellen Anstellung oder zwischen dieser Ausbeutung und der saisonalen Vermietung an eine andere Ausbeutung (h&#228;ufig sogar in einer anderen Region) besonders intensiv ist. Die bewegte und anz&#252;gliche Erinnerung der jungen Frauen der Ard&#232;che dieser Zeit f&#252;hrte dazu, dass in Les Vign&#232;res, ein Weiler im Vaucluse, die Hauptstrasse &#8222;rue des Vendangeuses&#8220; (&#8222;Weinleserinnenstrasse&#8220;) heisst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=11934&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Kapitalismus-Gender-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Text von Incendo&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat zuerst!&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Incendo - Kapitalismus, Gender und Kommunismus</title>
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&lt;p&gt;Das Vorwort und der Text sind der Zeitschrift Incendo entnommen, eine Zeitschrift aus Avignon. Letztes Jahr erschien eine Sondernummer zum Thema Gender und Klassen. &lt;br class='autobr' /&gt;
Vorwort &lt;br class='autobr' /&gt;
Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat* zuerst!&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus* k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Gesehen auf der Mauer im Klo eines (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/incendo-genresclasses-238x300.jpg?1689552088' class='spip_logo spip_logo_right' width='119' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Das Vorwort und der Text sind der Zeitschrift &lt;i&gt;Incendo&lt;/i&gt; entnommen, eine Zeitschrift aus Avignon. Letztes Jahr erschien eine Sondernummer zum Thema Gender und Klassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vorwort&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat* zuerst!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus* k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gesehen auf der Mauer im Klo eines Squats in Avignon 2007.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige werden sich fragen, was uns dazu brachte, eine Spezialnummer den Verbindungen zwischen dem Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen* (oder Genderfragen*&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Sterne verweisen auf die Begriffserkl&#228;rungen.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, oder geschlechtliche Differenzierung*) und den Klassenverh&#228;ltnissen, zwischen M&#228;nnerherrschaft* und Kapitalismus zu widmen, ein eher kniffliges Thema. Die Erkl&#228;rung liegt in den lebendigen und konfliktreichen Diskussionen &#252;ber die Unterdr&#252;ckung der Frauen, welche eine Zeit lang die Gruppe der Zeitschrift (wo die Frauen zur Zeit in der Minderheit sind) besch&#228;ftigten. Vereinfacht k&#246;nnte man sagen, dass jene, f&#252;r welche der Klassenkampf* priorit&#228;r ist gegen jene stehen, welche denken, dass die Genderfragen sichtbar gemacht und somit voran gestellt werden m&#252;ssen. Diese Spaltung, welche manchmal in gegenseitiger Ignoranz gipfelt, haben wir in etlichen anderen Umst&#228;nden angetroffen und sie scheint ziemlich verbreitet zu sein. Einerseits klammern viele &#8222;klassenk&#228;mpferische&#8220; Theoretiker, Aktivisten und andere Engagierte Genderfragen und Probleme der M&#228;nnerherrschaft aus, betrachten sie &lt;i&gt;im besten Fall&lt;/i&gt; als sekund&#228;r und als automatisch gel&#246;st in einer unvermeidlich rosigen Zukunft. Andererseits interessieren sich viele Feministinnen* kaum, nur formell oder &#252;berhaupt nicht f&#252;r den Klassenkampf. Wir waren grunds&#228;tzlich nicht zufrieden mit den uns bekannten Positionen (die relevanten Texte und Analysen, mehrheitlich aus den 1970er Jahren, schienen uns etwas veraltet) und unsere Unkenntnis der gegenw&#228;rtigen M&#228;nnerherrschaft, jenseits von Aktivistenklischees, war offenkundig. Aus unseren ersten Fragen folgte eine beeindruckende Serie weiterer Fragen zum Verh&#228;ltnis zur kapitalistischen Produktionsweise: Welche Verbindungen zwischen Gender und Klassen*? Zwischen Patriarchat und Kapitalismus? Handelt es sich um zwei unterschiedliche Systeme? Hat das eine das andere hervorgebracht? Hat das eine das andere &lt;i&gt;absorbiert&lt;/i&gt; (integriert)? Sind die Geschlechterrollen Klassen? Kann der Kapitalismus die Geschlechterrollen aufheben? Usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wichtig f&#252;r uns war es, eine Analyse des Verh&#228;ltnisses zwischen Gender und Klassen in der heutigen Zeit zu wagen, insbesondere zu analysieren, wie sich dieses Verh&#228;ltnis seit den 1970er Jahren entwickelt hat und was diese Entwicklung bedeutet. Es ist offensichtlich, dass die M&#228;nnerherrschaft immer noch pr&#228;sent ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir erstellen keine Bilanz der &#8222;Ungleichheiten&#8220; zwischen M&#228;nnern und (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was weniger offensichtlich ist, ist ihr eventuelles Verschwinden. Kann man sie zerst&#246;ren? Wie? Was k&#246;nnen die Rolle und der Einfluss der &#8222;Revolution&#228;re&#8220; in diesem Verschwinden sein? Ist eine spezifische &#8222;antipatriarchale&#8220; Aktion notwendig? Frauen unter sich? Usw. Es handelt sich f&#252;r uns nicht um ein kleines intellektuelles Spiel, denn, wenn diese Fragen in einer revolution&#228;ren Perspektive von Bedeutung sind, dann haben sie auch einen Einfluss auf unsere allt&#228;gliche Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind schnell zum Schluss gekommen, dass es unm&#246;glich ist (jenseits einer ethischen Position, die sich gegen jegliche Unterdr&#252;ckung richtet), die Genderfrage in einer revolution&#228;ren Perspektive auszuklammern. Einerseits weil die geschlechtliche Differenzierung (d.h. die Aufteilung der Aufgaben nach Geschlecht oder Geschlechterrolle, die erste Arbeitsteilung), die einiges &#228;lter ist als der Kapitalismus, mit diesem unzertrennbar verbunden ist. Andererseits weil eine Gesellschaft, in welcher Formen der Hierarchie oder der gesellschaftlichen Herrschaft fortbestehen, wohl kaum als Kommunismus qualifiziert werden k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dieser Spezialnummer &#8222;Gender und Klassen&#8220; geht es f&#252;r uns darum, am Ende einer ersten Etappe der (stets lebendigen und konfliktreichen) Diskussionen unsere &#220;berlegungen im jetzigen Zustand zu pr&#228;sentieren. Da wir uns ihrer Bescheidenheit und ihres unvollendeten Charakters bewusst sind, liefern wir sie als Sammlung von Notizen und Denkanst&#246;ssen, um zur Debatte beizutragen. Wir h&#228;tten gerne auch andere Aspekte dieser Frage ber&#252;cksichtigt, wie die Familie, die Arbeiterinnenstreiks und der Platz der Frauen w&#228;hrend K&#228;mpfen, die geschlechtliche Differenzierung in anderen Regionen der Welt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir sind uns bewusst, dass unsere &#220;berlegungen nur die westliche (...)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Sexualit&#228;t und die sexuellen Identit&#228;ten (ein zentrales Problem), das Verh&#228;ltnis zum K&#246;rper, seine Aneignung* durch die Medizin, Feminismus und Islam, das Verh&#228;ltnis zum Recht, usw. Was uns nat&#252;rlich antreibt, weiter zu machen, unsere &#220;berlegungen weiter zu entwickeln und eure Reaktionen, Kritiken und Beitr&#228;ge, die ihr uns sicher zukommen lassen werdet, zu ber&#252;cksichtigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In maximal 140 Zeichen.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bande von Incendo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kapitalismus, Gender und Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Text pr&#228;sentiert den aktuellen Stand unserer Reflexionen &#252;ber die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen Gender und Klassen. Er ist auch ein Versuch der Synthese der anderen Artikel und Texte dieser Nummer von &lt;i&gt;Incendo&lt;/i&gt;. Er ist also weder starr, noch definitiv und als Beitrag zu einer notwendigen Debatte zu betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einige geschichtliche Anhaltspunkte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Urspr&#252;nge&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r dieses Kapitel, siehe Christophe Darmangeat, Le communisme primitif (...)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die geschlechtliche Differenzierung charakterisiert, so scheint es, alle Gesellschaften, welche existieren oder existierten. Sie impliziert notwendigerweise eine Zuweisung der Individuen an eine bestimmte gesellschaftliche Rolle, doch mit variablen &#8222;Graden&#8220; der M&#228;nnerherrschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist kaum m&#246;glich, die Erscheinung dieser geschlechtlichen Differenzierung genau historisch zu situieren oder zu erkl&#228;ren, vermutlich geht sie auf die Urgeschichte zur&#252;ck. Die Mutterschaft und ihre Zw&#228;nge werden allgemein als Erkl&#228;rung f&#252;r den Ursprung der geschlechtlichen Differenzierung vorgebracht. Gem&#228;ss diesen Hypothesen hinderte die Schwangerschaft und das Stillen die &#8222;Frauen&#8220; daran, voll an den anderen Aktivit&#228;ten der Gruppe teilzunehmen, beispielsweise an der Jagd. Der Schutz der schwangeren Frauen (der f&#252;r das &#220;berleben der Gruppe lebensnotwendig ist) soll sich zu einem &#8222;Schutz&#8220; der Frauen aufgrund ihrer &lt;i&gt;potentiellen&lt;/i&gt; reproduktiven* F&#228;higkeit entwickelt haben. Doch das erkl&#228;rt uns nicht das Aufkommen der Gruppe der Frauen, was bedeutet, diese Gruppe als eine nat&#252;rliche Einheit zu betrachten. Ebenso wird die Schwangerschaft als nat&#252;rliches Ph&#228;nomen betrachtet, und nicht als gesellschaftlich organisierter Prozess. Die geschlechtliche Differenzierung, welche in allen bekannten Gesellschaften existiert, hat in den Urgesellschaften diverse Formen angenommen. Obwohl die M&#228;nner in allen F&#228;llen das Monopol auf die Waffen und die politische Macht inne haben, bedeutet das nicht automatisch eine totale M&#228;nnerherrschaft (diese wird manchmal durch die wirtschaftliche Macht der Frauen ausgeglichen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Friedrich Engels, dessen Thesen einen grossen Einfluss auf die sozialistische Bewegung hatten, hat die M&#228;nnerherrschaft ihren Ursprung im Aufkommen des Privateigentums (die Sesshaftigkeit und die Landwirtschaft erlauben die Bildung von aneigenbaren Mehrertr&#228;gen). Die Entdeckungen der Ethnologie stellen diese Sichtweise jedoch in Frage, denn man findet Formen der M&#228;nnerherrschaft in gewissen Urgesellschaften (einschliesslich bei den J&#228;gern und Sammlern), die allerdings wirtschaftlich egalit&#228;r sind (d.h. sie kennen keinen Reichtum und keine Armut).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem bewirkt das Aufkommen (wirtschaftlich) nicht-egalit&#228;rer Gesellschaften eine Verst&#228;rkung der M&#228;nnerherrschaft. In gewissen Gesellschaften, wo die Macht (mehr oder weniger) geteilt wurde, sind die M&#228;nner danach bevorteilt. Durch das Aufkommen des Privateigentums entsteht das Bed&#252;rfnis, das Erbe und die Abstammung abzusichern; daher die Notwendigkeit, die Reproduktion durch die Kontrolle des Bauches der Frau zu organisieren. Das &#228;ussert sich durch ihre Aneignung (wie Vieh) durch den Vater oder den Ehemann, durch die Familie und die Heirat. Wenn auch die Hierarchie zwischen M&#228;nnern und Frauen je nach Organisation der Gesellschaft variabel ist, so wird jedoch die M&#228;nnerherrschaft sehr klar mit dem Aufkommen der Klassengesellschaften.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf der Jahrtausende und in der Mehrheit der Gesellschaften institutionalisiert sich (Staat, Recht, Religion, Politik etc.) diese M&#228;nnerherrschaft in verschiedenen Formen, um den Fortbestand und die Stabilit&#228;t zu garantieren. Die Familie ist ein wesentliches Element, denn sie erlaubt die Abstammung/Nachkommenschaft und die Weitergabe des Erbes (welches lange prinzipiell aus Grundbesitz bestand) und somit, eine gewisse gesellschaftliche Stabilit&#228;t zu garantieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Sabine Melchior-Bonnet et Catherine Salles (Hg.), (...)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Sinne kann man von Patriarchat oder patriarchaler Gesellschaft sprechen (&lt;i&gt;institutionalisierte&lt;/i&gt; Macht des Mannes als Familienoberhaupt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mittelalter und fr&#252;he Neuzeit&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe in dieser Nummer den Artikel zur Hausarbeit, S. 47.&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend dieser Periode ist die Bev&#246;lkerung mehrheitlich l&#228;ndlich und b&#228;uerlich. Der Haushalt (welcher der Familie entspricht) ist zu dieser Zeit eine Einheit der Produktion &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; der Reproduktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen nehmen an den landwirtschaftlichen T&#228;tigkeiten teil, entweder alleine (zum Beispiel im Gem&#252;segarten) oder mit den M&#228;nnern. Ihre Aufgaben werden nicht notwendigerweise abgewertet, denn sie sind genauso wichtig f&#252;r das &#220;berleben und die Produktion (prinzipiell f&#252;r den Familienkonsum und den Unterhalt des Adels und der Geistlichkeit bestimmt). Die von den Frauen realisierten Aufgaben, welche man heute als &#8222;Haushaltsaufgaben&#8220; (K&#252;che, Waschen, Putzen) qualifizieren w&#252;rde, sind noch sehr beschr&#228;nkt und nicht getrennt von den anderen T&#228;tigkeiten. Die Kindererziehung (ein Begriff, der erst am Ende des 18. Jahrhunderts aufkommt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Philippe Ari&#232;s, L'Enfant et la vie familiale sous l'Ancien R&#233;gime, (...)&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) war ebenfalls sehr d&#252;rftig. Obwohl die Frauen die Meisterinnen im Haus sind, sind die M&#228;nner die Familienoberh&#228;upter (einer meistens sehr grossen Familie) mit sehr viel Macht. Die Sicht einer sehr d&#252;steren Zeit, die besonders durch eine tief frauenfeindliche Religion gekennzeichnet ist (die Frauen als teuflische, seelenlose Wesen; Hexenjagd etc.), muss scheinbar nuanciert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Jacques Le Goff, &#171; Le christianisme a lib&#233;r&#233; les femmes (...)&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss auch gesagt werden, dass die Frauen sehr aktiv sind (h&#228;ufig in den ersten Reihen) in den K&#228;mpfen, den Hungeraufst&#228;nden, den Brotk&#228;mpfen, welche die fr&#252;hneuzeitliche Periode kennzeichnen und in den Jahren 1789-1795 ihren H&#246;hepunkt erreichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;19. Jahrhundert&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Thema siehe den Artikel zur Reproduktion der Arbeitskraft im 19. (...)&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Machtergreifung der Bourgeoisie bedeutet zuerst einmal eine Verschlechterung der Situation der Frauen. Etwas sp&#228;ter f&#252;hrt der Code Napol&#233;on (1804) ihre Minderwertigkeit sowie eine veritable Segregation ein: die Frauen haben fast kein Recht, ausser jenes, den M&#228;nnern (ihrem Vater oder ihrem Mann) zu gehorchen, und sie werden als minderj&#228;hrig betrachtet (und das bis 1965!)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Literatur und die Wissenschaft jener Zeit pr&#228;sentieren sie mehrheitlich als minderwertige Wesen, die intellektuell und k&#246;rperlich unf&#228;hig sind, etwas anderes zu tun als sich um Kinder und den Haushalt zu k&#252;mmern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichwohl erlaubt die neue egalitaristische b&#252;rgerliche Ideologie (besonders mit der Menschen- und B&#252;rgerrechtserkl&#228;rung) die &lt;i&gt;Vorstellung&lt;/i&gt; einer formellen Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen, eine zuvor unm&#246;gliche Hypothese. Die Ideologie der kapitalistischen Klasse (die sich entwickeln wird) wird logischerweise die vorherrschende Ideologie, was ihr die Absicherung ihrer Position und die Verewigung des Systems erlaubt: Freiheit, Demokratismus, Arbeitswert, Erfolg, Wettbewerb, Individualismus etc. Der kapitalistische Wurm steckt in der patriarchalen Frucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts erschafft, indem sie den Arbeitern die Produktions- und Selbsterhaltungsmittel entwendet, eine wirkliche Trennung zwischen dem Ort der Produktion (Lohnarbeit/Fabrik/M&#228;nner) und dem Ort der Reproduktion (Haushalt/Frau). Die &#246;ffentliche (m&#228;nnliche) und die private (weibliche) Sph&#228;re* entstehen. Das ist eine grosse Neuheit, welche das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen komplett neu organisieren wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gilt zu beachten, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re nicht nur was mit der (...)&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der expandierende Kapitalismus* st&#252;tzt sich auf existierende Strukturen, besonders auf das Patriarchat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist nur der Einfachheit oder der Faulheit halber, dass wir manchmal (...)&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einer ersten Phase wird die billige (maximal 50% eines M&#228;nnerlohns) weibliche und kindliche Arbeitskraft von den Ausbeutern massiv eingesetzt. Doch in der Mitte des Jahrhunderts sahen die hellsichtigsten Elemente der kapitalistischen Klasse darin das Risiko einer k&#246;rperlichen und moralischen &#8222;Degeneration&#8220; der zuk&#252;nftigen Proletarier* (die Arbeits- und Lebensbedingungen sind so hart, dass die Mehrheit der jungen Arbeiter vom Milit&#228;rdienst dispensiert werden wegen zu geringer Gr&#246;sse, Missbildungen, Krankheiten usw.). Ein Teil der Arbeiterinnen wird also in die Haushalte zur&#252;ckgeschickt, um eine wirkliche Reproduktion der Arbeitskraft*&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet die allt&#228;gliche Reproduktion (...)&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu garantieren (Gesetz zur Regelung der Frauen- und Kinderarbeit): Das bedeutet die Geburt der Hausarbeit. Es ist nicht &#252;berraschend, dass diese Rolle den Frauen zuf&#228;llt, denn der Kapitalismus hat sich auf pr&#228;existierende Organisations- und Herrschaftsweisen gest&#252;tzt, in diesem Fall das Patriarchat, nicht ohne diese jedoch zu ver&#228;ndern. Nachdem die traditionelle Familie auf den Kopf gestellt und die Vaterfigur entstellt wurde (bei den Proletariern durch die Arbeit in der Fabrik), wird das b&#252;rgerliche Familienmodell gepriesen: Entstehung der privaten Sph&#228;re (welche mit den Frauen assoziiert wird), also der Intimit&#228;t, St&#228;rkung des Begriffs des Kindes (und der Mutterliebe), sogenannte Liebesheirat, Autorit&#228;t des Familienoberhaupts, wachsendes Eindringen des Staates in den Prozess der Reproduktion der Arbeitskraft (Bildung, Medizin) usw. Diverse Elemente neuer sozialer Normen, die damals aufkamen und sich w&#228;hrend des gesamten 20. Jahrhunderts entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zweite H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel &#252;ber den MLF, S. 93.&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend des gesamten 20. Jahrhunderts ver&#228;ndert der Kapitalismus immer schneller die Gesellschaft und alle Aspekte des Lebens. Die zweite H&#228;lfte des Jahrhunderts, welche dem massiven Eintritt der Frauen in den Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Konsumgesellschaft entspricht, ist die Zeit der wichtigsten Ver&#228;nderungen in den Verh&#228;ltnissen zwischen M&#228;nnern und Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der massive und direkte Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit erlaubt ihnen, eine gewisse wirtschaftliche Unabh&#228;ngigkeit zu erlangen (gegen&#252;ber dem Ehemann oder dem Vater) w&#228;hrend sich progressiv die formelle Gleichheit aufdr&#228;ngt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;1944, Frauenstimmrecht; 1945, Abschaffung des Begriffs Frauenlohn; 1965, (...)&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Autorit&#228;t des Familienoberhaupts wird (einmal mehr) geschw&#228;cht, doch bleibt (immer noch) sehr pr&#228;gnant und die Frauen haben (immer noch) die Last der Hausarbeit, d.h. der Reproduktion der Arbeitskraft. Ihr Lohn, einiges tiefer als jener der M&#228;nner, ist nur ein Unterst&#252;tzungslohn. Diese Situation erscheint vielen als inakzeptabel und das &#246;ffnet den Weg f&#252;r die Frauenk&#228;mpfe der 1970er Jahre: Bewegung zur Frauenbefreiung (MLF&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der MLF entstand zwischen 1967 und 1970 und bestand grosso modo aus (...)&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), Bewegung f&#252;r die Freiheit zur Abtreibung und Verh&#252;tung (MLAC&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der MLAC (Mouvement pour la libert&#233; de l'avortement et de la (...)&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) usw. Wie Engels sagte: &#8222;&lt;i&gt;[D]ie Art der Herstellung einer wirklichen gesellschaftlichen Gleichstellung beider [wird] erst dann in grelles Tageslicht treten, sobald beide juristisch vollkommen gleichberechtigt sind.&lt;/i&gt;&#8220; Die materiellen Existenzbedingungen der Frauen ver&#228;ndern sich drastisch; die Gesetze zur Verh&#252;tung und zur Abtreibung sind Zeichen daf&#252;r und Konsequenz davon. Diese Massnahmen versetzten dem Patriarchat fatale Schl&#228;ge, sie sind Teil (wie auch die feministischen K&#228;mpfe) eines Modernisierungsprozesses der kapitalistischen Produktionsweise in Frankreich, aber auch in anderen westlichen L&#228;ndern, wo &#228;hnliche Reformen umgesetzt werden. &lt;i&gt;Der Kapitalismus &#8222;befreit&#8220; die Frauen nicht umsonst.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser massive Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit bedeutet auch ihre direkte und massive Beteiligung am Klassenkampf, in den Fabriken, aber auch im terti&#228;ren Sektor (Superm&#228;rkte, Banken), nicht mehr als Frauen von Proletariern, sondern als proletarische Frauen. Es ist ungen&#252;gend, sie in der kapitalistischen Produktionsweise als proletarisch zu situieren, es muss auch pr&#228;zisiert werden, dass sie Frauen sind. Die Modalit&#228;ten der Ausbeutung definieren die Modalit&#228;ten des Kampfes: Die &#8222;Brotaufst&#228;nde&#8220;, in welchen die &lt;i&gt;Hausfrauen&lt;/i&gt; eine zentrale Rolle spielen, machen den Streiks um Lohnerh&#246;hungen Platz (oder heute, euphemistisch, zur &#8222;Erh&#246;hung der Kaufkraft&#8220;), oder gar f&#252;r die Lohngleichheit, was nat&#252;rlich in beiden F&#228;llen die Bosse nicht freut&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel den Film von Nigel Cole, We Want Sex Equality, (...)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Aufkommen der Frauenstreiks (manchmal mit Besetzungen), w&#228;hrend welchen Genderfragen (Kinderbetreuung, Essenszubereitung usw.) auf den Tisch kommen, die in der Regel in gemischten K&#228;mpfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den Artikel zu den Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; unter den Teppich gekehrt werden, sind bezeichnend f&#252;r die 1970er Jahre; die private Sph&#228;re ist davon ersch&#252;ttert worden. Unter dem Einfluss des allgemeinen Abflachens der Aktivit&#228;t der Proletarier w&#228;hrend dieser Periode (Krise, Arbeitslosigkeit, Restrukturierung) leiden danach auch die Frauenk&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Beginn der 1980er Jahre beg&#252;nstigen die Regierungen die Entwicklung der prek&#228;ren Teilzeitarbeit, welche besonders die Frauen betrifft, da sie eher an die Kinderbetreuung gew&#246;hnt sind (und einmal mehr handelt es sich nicht um Altruismus, sondern um Zwangsarbeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sie erlaubt dem Staat unter anderem, die Kosten f&#252;r die kollektive (...)&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Diese Teilzeitvertr&#228;ge verbreiten sich im darauf folgenden Jahrzehnt immer mehr und betreffen immer h&#228;ufiger M&#228;nner (was erlaubt, die L&#246;hne zu senken, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern und Flexibilit&#228;t und Prekarit&#228;t einzurichten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Jobs, welche mehrheitlich den Frauen vorbehalten sind, sind &#252;brigens sehr spezifisch und stehen in der Kontinuit&#228;t der Genderkonstruktionen (zum Beispiel in den Putzunternehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sehr bezeichnendes Beispiel. In diesem Sektor wird den Frauen der (...)&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, in der Pflege, in der Kinderbetreuung &#8211; wenig anerkannte, und somit schlecht bezahlte Berufe).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neue Probleme nehmen gr&#246;ssere Ausmasse an: doppelter Arbeitstag, Lohnunterschiede, Sexismus* und Unterdr&#252;ckung der Frauen am Arbeitsplatz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die egalitaristische Ideologie hatte der Idee der Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen die T&#252;r ge&#246;ffnet. Es wird in dieser Periode zu einer &#8222;M&#246;glichkeit&#8220;, denn f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise &#228;ndert theoretisch die Geschlechterrolle der Person, welche die Ware produziert, nichts an deren Wert (anonymer Arbeiter, abstrakte, geschlechtlich undifferenzierte menschliche Arbeit). Die Aufrechterhaltung einer (neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung erlaubt es jedoch ebenfalls, die unmittelbaren Interessen der Kapitalisten zu befriedigen (gr&#246;ssere Spaltung der Proletarier, Konkurrenz, Lohnunterschiede usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese &#8222;Befreiung&#8220; der Frauen durch die Lohnarbeit ist n&#228;mlich vor allem eine Antwort auf die Nachfrage an billiger Arbeitskraft und eine Methode, um den Konsum wieder anzukurbeln. Der Kapitalismus befreit die Frauen nur vom Patriarchat, um sie besser ausbeuten zu k&#246;nnen. Die feministischen K&#228;mpfe haben sicher auch dazu beigetragen, doch sie sind Teil dieses Prozesses; es ist nicht nur ein Kr&#228;fteverh&#228;ltnis, welches zu diesen Umw&#228;lzungen f&#252;hrte: Es ist das Kapital, welches die Formen der geschlechtlichen Differenzierung modifiziert hat, um sie dem Bedarf anzupassen. Die Ketten &#228;ndern ihre Form und kommen in andere H&#228;nde, von jenen der M&#228;nner zu jenen des Staates, und somit des Kapitalismus, eine strukturierende individuelle Aneignung wird zu einer kollektiven Aneignung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zur Aneignung siehe Paola Tabet, La Construction sociale de l'in&#233;galit&#233; (...)&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Heute&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel zur Familie heute, S. 59.&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir erleben seit einigen Jahren schon einen Niedergang der klassischen Kernfamilie, welche nicht mehr das einzige Dispositiv zur Reproduktion der Arbeitskraft ist (mehr Scheidungen, alleinerziehende Eltern, Partnerwechsel, gesellschaftliche Akzeptanz homosexueller Paare, Adoption, In-vitro-Fertilisation usw.). Die traditionelle Heirat ist obsolet geworden. Doch das &lt;i&gt;Modell&lt;/i&gt; besteht fort und das Paar, welches das unerl&#228;ssliche Dispositiv zur Geburtenkontrolle bleibt, ist keine erstarrte Struktur mehr, es hat sich liberalisiert. Der Partnerwechsel in den Beziehungen ist viel h&#228;ufiger (die Monogamie wird in der Regel durch eine serielle Monogamie ersetzt). Die Fortdauer der Paarbeziehung kann haupts&#228;chlich mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten erkl&#228;rt werden, welche dazu dr&#228;ngen, sich zusammen zu tun, um ein Kind gross zu ziehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein einziger Lohn reicht kaum mit einem Kind. Im Vergleich zu den 1960er (...)&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Soziologen k&#246;nnen versuchen diese Situation zu erkl&#228;ren, es ist jedoch klar, dass die traditionelle Familie heute den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht mehr gerecht wird; sie bremst zum Beispiel die Mobilit&#228;t der Arbeiter. Gleichwohl braucht der Staat immer noch eine Referenzstruktur zur Reproduktion der Arbeitskraft und, w&#228;hrend der Phase der Kindererziehung, zur Reproduktion der herrschenden Ideologie (es geht nicht darum Kinder zu machen, sondern zuk&#252;nftige Proletarier).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz den Entwicklungen seit den 1970er Jahren sind es prinzipiell immer noch die Frauen, welche f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft verantwortlich sind: D.h. f&#252;r die Ausf&#252;hrung der Hausarbeit und somit vor allem f&#252;r die Kindererziehung. Die Anzahl alleinerziehender Eltern (mehrheitlich M&#252;tter, welche ihre Kinder allein erziehen) zeigt, dass der Mann nicht mehr unerl&#228;sslich ist f&#252;r diese Aufgabe&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;1970 f&#252;hrte der Staat die ersten finanziellen Unterst&#252;tzungen f&#252;r (...)&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der massiven Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit verschwindet auch die Figur der Hausfrau, sie wird ersetzt durch die Figur der Arbeiterin oder der Arbeitslosen (die jedoch nach wie vor, doch auf unterschiedliche Art und Weise, die Hausarbeit ausf&#252;hren muss).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Fortbestand der Lohnungleichheit (weniger flagrant als im 19. Jahrhundert oder in den 1970er Jahren) kann unter anderem mit der Tatsache erkl&#228;rt werden, dass die Arbeitsstellen der Frauen immer noch mehrheitlich prek&#228;re, unqualifizierte Teilzeitjobs sind, die sich h&#228;ufig auf quasi-weibliche Sektoren (Unterhalt, Soziales, Gesundheit, Kinderbetreuung usw.) beschr&#228;nken und mit jener, dass die Mutterschaft die Entwicklung der Karriere bremst. Einige Sektoren sind heute mehr durchmischt als noch vor vierzig Jahren, w&#228;hrend in anderen dieser Prozess erst beginnt, manchmal nicht ohne Schwierigkeiten, auch in den ehemaligen M&#228;nnerbastionen der Polizei und der Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Frankreich ist diesbez&#252;glich noch nicht sehr weit. Die amerikanischen (...)&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir erleben auch eine langsame, aber scheinbar unabwendbare Feminisierung der Macht- oder Prestigestellungen (es sei angemerkt, dass die Universit&#228;ten und Hochschulen sich seit den 1970er Jahren nur sehr langsam durchmischt haben)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die (vollst&#228;ndig) m&#228;nnlichen Sektoren tendieren dazu, sich auf einige (...)&#034; id=&#034;nh2-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere Erscheinungsformen der M&#228;nnerherrschaft dauern fort: Gewalt an Frauen, Vergewaltigung, Sexismus usw. Man kann sogar die Frage stellen, ob wir nicht, aufgrund all dieser Ver&#228;nderungen und der Transformation der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, einen R&#252;ckzug (eine St&#228;rkung) der M&#228;nnerherrschaft in die (der) privaten Sph&#228;re und in die (den) interindividuellen Beziehungen (auf der Strasse zum Beispiel) erleben. Diese Realit&#228;t scheint die Frauen aller Klassen (auf gleiche Art und Weise?) zu betreffen. Es ist diese Realit&#228;t, welche eine klassenunabh&#228;ngige Lesart erlauben kann, &lt;i&gt;w&#228;hrend jedoch die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft klar einen gewissen Nutzen haben f&#252;r jede Klassengesellschaft&lt;/i&gt; und die Gewalt und die Vergewaltigungen wohl eher eine Konsequenz dieser Herrschaft, denn eine Ursache davon sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine bezeichnende Tendenz dieses Beginns des 21. Jahrhunderts ist die wachsende Durchmischung der kapitalistischen Klasse im strikten Sinn des Begriffs. Die b&#252;rgerliche Frau ist nicht mehr, wie in den 1970er Jahren, die Ehefrau des b&#252;rgerlichen Mannes, sondern sie hat direkte kapitalistische Interessen: Unternehmensleiterin, Verantwortliche f&#252;r Humanressourcen, h&#246;here Kader usw. Diese Tendenz scheint sich seit einigen Jahren zu verst&#228;rken, als Folge der Ver&#246;ffentlichung etlicher Studien, Analysen und Empfehlungen, welche zeigen, dass diese Durchmischung den Unternehmen viele Vorteile bringt (besonders seit der Krise von 2008, w&#228;hrend welcher von Frauen gef&#252;hrte Unternehmen scheinbar weniger litten als die anderen)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel &#171; Plus de femmes, plus de profits &#187;, Lib&#233;ration, (...)&#034; id=&#034;nh2-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es geht nat&#252;rlich darum, nicht auf sichere Kompetenzen und wirtschaftliche Vorteile zu verzichten. Die &#8222;aufgekl&#228;rteste&#8220; Fraktion der kapitalistischen Klasse ist mittlerweile vom positiven Charakter dieser Durchmischung &#252;berzeugt und viele grosse Unternehmen verfolgen seit einigen Jahren eine Politik der Feminisierung der Gesch&#228;ftsleitung und der Kaderstellen. Dies hat nichts mit ethischen Betrachtungen zu tun, wenn auch das Image eines Unternehmens davon profitieren kann und die Mentalit&#228;ten der Bosse sich entwickeln k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Was die Chefs von Unternehmen f&#252;r ihre Frauen akzeptierten, tolerieren (...)&#034; id=&#034;nh2-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Tatsache, von einer Frau ausgebeutet zu werden, macht die Ausbeutung logischerweise nicht angenehmer...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demokratische und egalit&#228;re Ideologie verpflichtet und somit gelangen Frauen auch zu politischen Machtpositionen in etlichen L&#228;ndern, wobei es sich nicht mehr um &#252;berraschende Ausnahmen handelt. Das ist eine grosse Neuheit, denn, seit die geschlechtliche Differenzierung existiert, war die politische Macht immer das Monopol der M&#228;nner. Wenn man das Bild mit der massiven Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit komplettiert, wird klar, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re im Wandel ist und dass sie den m&#228;nnlichen Charakter verloren hat, welcher f&#252;r sie bezeichnend war (diese Ver&#228;nderung hat nur f&#252;r die b&#252;rgerlichen Frauen eine wirkliche Bedeutung). Man kann das gleiche nicht von der privaten Sph&#228;re sagen, welche eine weibliche Dom&#228;ne bleibt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn es auch Beispiele von Ehem&#228;nnern gibt, die zu Hause bleiben, um sich (...)&#034; id=&#034;nh2-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn es geht auch darum, die Reproduktion aller Klassen, der ganzen Bev&#246;lkerung, und somit der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse zu garantieren. Die b&#252;rgerlichen wie auch die proletarischen Frauen bleiben von ihrer reproduktiven Funktion bestimmt (auch wenn sie, je h&#246;her sie aufsteigen in der sozialen Hierarchie, desto weniger Kinder zeugen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie eine Studie gezeigt hat, gibt es auch extreme F&#228;lle wie die Deutschen (...)&#034; id=&#034;nh2-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die kapitalistische Klasse muss auch ihre Reproduktion garantieren (und sei es nur, um die Abstammung und das Erbe zu gew&#228;hrleisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Entwicklung versetzt der patriarchalen &#8222;Ideologie&#8220; einen harten Schlag, ohne allerdings die geschlechtliche Differenzierung in Frage zu stellen, von welcher Politikerinnen und weibliche Bosse profitieren: tiefere L&#246;hne f&#252;r Frauen, Teilzeitarbeit und auch Reproduktion der Arbeitskraft. Ihre Interessen sind definitionsgem&#228;ss im Widerspruch zu jenen der Proletarier, M&#228;nner wie auch Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese wachsende Durchmischung der herrschenden Klasse (M&#228;nner, Frauen, Heteros, Homos&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den 1970er Jahren proklamierte der FHAR (Front homosexuel d'action (...)&#034; id=&#034;nh2-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Schwarze, Weisse, Gelbe usw.) hat freilich zur Konsequenz, die genderbezogenen Unterdr&#252;ckungsformen teilweise zu kaschieren, doch sie ist vor allem die Widerspiegelung einer Realit&#228;t: Der Ware ist die Geschlechterrolle des Proletariers und noch mehr jene des Kapitalisten scheissegal. Wie wir gesehen haben, k&#246;nnen diese Entwicklungen auf keinen Fall einen Fortschritt f&#252;r die Gruppe der Frauen bedeuten, sie n&#252;tzen nur den b&#252;rgerlichen Frauen und zeigen uns, dass man sich vor einer klassenunabh&#228;ngigen Lesart der geschlechtlichen Differenzierung h&#252;ten sollte. Vorerst erh&#228;lt diese Tendenz der Durchmischung die genderbezogenen Identit&#228;ten aufrecht (oder st&#228;rkt sie gar?); doch man kann sich fragen, ob sie l&#228;ngerfristig, wenn auch nicht zu einer Aufl&#246;sung, so doch zu einer Restrukturierung der genderbezogenen Identit&#228;ten und der geschlechtlichen Differenzierung f&#252;hren k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entwicklungen der Genderverh&#228;ltnisse seit dem 19. Jahrhundert und der kapitalistischen Produktionsweise stellen zwangsl&#228;ufig die Verwendung des Begriffes &#8222;Patriarchat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gibt keine Definition dieses Begriffs. Jede feministische Gruppe (...)&#034; id=&#034;nh2-33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur Benennung der M&#228;nnerherrschaft in Frage. Wenn man dieser Tatsache nicht Rechnung tr&#228;gt, geht man das Risiko ein, in eine ahistorische Vision des Patriarchats abzugleiten, in welcher dieses immer existierte (und somit immer existieren wird). Da das Patriarchat eine Form der gesellschaftlichen, politischen und juristischen Organisation ist, welche auf der Aufrechterhaltung der Macht der M&#228;nner (zu Lasten der Frauen) basiert, scheint uns dieser Begriff nicht angemessen, um eine Gesellschaft zu benennen, in welcher es &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; M&#228;nner sind, welche die Macht innehaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Paola Tabet 1998 &#252;ber diese Ver&#228;nderungen sprach, stellte sie die Hypothese einer (kapitalistischen) Befreiung der Frauen auf, vergleichbar mit jener der Leibeigenen (welche Umw&#228;lzungen zur Folge hatte, insbesondere die Umstellung auf eine neue Produktionsweise). Mit dem Ende des Patriarchats (jedoch nicht der M&#228;nnerherrschaft) in einigen L&#228;ndern, der Umstellung einer strukturell individuellen Aneignung zu einer kollektiven, der Entwicklung der Familie, der Integration der Frauen in die &#246;ffentliche Sph&#228;re und der Ver&#228;nderung derselben kann man sich fragen, ob wir nicht einer Restrukturierung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen beiwohnen. Diese Herrschaft/Integration dieses Verh&#228;ltnisses durch das Kapital, welches seit den Anf&#228;ngen des Kapitalismus zu beobachten ist, hat sich betr&#228;chtlich verst&#228;rkt und beschleunigt in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts und diese Entwicklung geht bis heute immer noch weiter. Man kann diesen Prozess mit der Umstellung von einer formellen zu einer reellen Herrschaft des Kapitals* &#252;ber die Arbeit vergleichen: Die Umstellung zu einer reellen Herrschaft des Kapitals &#252;ber das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen (andauernde, jedoch restrukturierte geschlechtliche Differenzierung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 1&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was k&#246;nnen die Konsequenzen der aktuellen wirtschaftlichen Krise sein? Der gesamteurop&#228;ische Sparkurs und die Budgetk&#252;rzungen im Bereich der &#246;ffentlichen Dienste und im Sozialbereich betreffen h&#228;ufig die Frauen (Gesundheit, Schliessung von Spit&#228;lern, ihre Entfernung aus dem Arbeitsmarkt durch familiaristische Massnahmen usw.), und vor allem die proletarischen Frauen (die anderen haben die Mittel, um auf den privaten Sektor zur&#252;ckzugreifen). Dennoch hat die Krise von 1973 gezeigt, dass die Massnahmen, welche zum Ziel haben, die Frauen in den Haushalt zur&#252;ckzuschicken, kaum Wirkung zeigen. Im Gegenteil, die Experten der OECD meinen, dass die Weiterverfolgung und die Verst&#228;rkung der Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit der Schl&#252;ssel zum Wachstum von morgen ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;OECD, Assurer le bien-&#234;tre des familles, 2011.&#034; id=&#034;nh2-34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 2&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie steht es wirklich um die K&#228;mpfe der proletarischen Frauen in Frankreich heute? In den 1970er Jahren waren Streiks proletarischer Frauen noch ungew&#246;hnlich. Ihre Forderungen waren h&#228;ufig feministischen Typs (Lohngleichheit), hatten Konsequenzen im Haushalt (Kinderbetreuung, &#8222;&lt;i&gt;Und wer wird meine Socken waschen?&lt;/i&gt;&#8220; usw.) und standen in ihrem Ablauf in flagranter Opposition zu den M&#228;nnern. Heutzutage sind Frauenstreiks nichts aussergew&#246;hnliches mehr. Sie scheinen nicht mehr den Charakter einer flagranten Opposition zwischen M&#228;nnern und Frauen zu haben (verst&#228;rkte Durchmischung in der Chefetage, den Gewerkschaften sowie auch der Arbeitskraft; Unterschiede zwischen M&#228;nner- und Frauenl&#246;hnen existieren immer noch, sind jedoch nicht mehr gleich immens&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die proletarischen Frauen k&#246;nnen allerdings streiken f&#252;r Arbeitsbedingungen, die&#034; id=&#034;nh2-35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die Auswirkungen auf den Haushalt sind immer noch aktuell. Das Problem des doppelten Arbeitstages ist eine Realit&#228;t f&#252;r jede proletarische Frau und die Frage der Hausarbeit stellt sich, sobald sie streikt. Zudem ist das Niveau der proletarischen Kampfbereitschaft relativ tief, man hat h&#228;ufig wenig Informationen zu den Streiks und noch weniger zu deren Auswirkung auf die Genderverh&#228;ltnisse (besonders im Haushalt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;WAS TUN?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was die Feministinnen dazu denken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Einige Feministinnen sind vulg&#228;r, unehrlich und voller Hass.&#8220;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Und ich suche vergeblich nach Gr&#252;nden, um ihnen unrecht zu geben.&#8220;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tag und Antwort darauf auf einer Mauer in Valence 2006&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche K&#228;mpfe f&#252;hren feministische Gruppen heute? Wenn es auch keine breite Bewegung mehr gibt wie in den 1970er Jahren, so gibt es doch noch einige feministische Organisationen, Gruppen und Str&#246;mungen...Man kann von Feminismus nicht im Singular sprechen. Wie schon vor vierzig Jahren handelt es sich eher um ein Gewimmel von Ideen, Praktiken und widerspr&#252;chlichen Debatten, die sich gegenseitig bereichern und im Wege stehen. Etliche Tendenzen existieren, sie scheinen ziemlich unklar, sehr durchl&#228;ssig. Es w&#228;re unm&#246;glich, sie vollst&#228;ndig zusammenzufassen (die folgende Darstellung kann also durchaus etwas karikaturartig erscheinen). Folgend also einige ihrer Positionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein weit verbreiteter Ansatz ist der Aktivismus zur Verteidigung der Frauenrechte: Ligen aller Art zur Verteidigung der Frauenrechte, Chiennes de garde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Chiennes de garde (Wachh&#252;ndinnen) wurden 1999 von Florence (...)&#034; id=&#034;nh2-36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Ni putes ni soumises&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Ni putes ni soumises (Weder Huren noch gef&#252;gig) ist eine (...)&#034; id=&#034;nh2-37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Marche mondiale des femmes&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Marche mondiale des femmes (Weltmarsch der Frauen) entstand 1995 (...)&#034; id=&#034;nh2-38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und Konsorten. Die M&#228;nnerherrschaft wird als eine Reihe von Makel wahrgenommen, die man einfach nur korrigieren m&#252;sste. Man muss sich also auf den Staat beziehen und Druck auf die Gesetzgebung aus&#252;ben (insbesondere durch Lobbyingkampagnen gegen&#252;ber den Institutionen), um die &#8222;Bedingung der Frauen&#8220; zu verbessern. Die zentralen Achsen des Kampfes sind folgende: die Gleichstellung, die Formen der Diskriminierung bez&#252;glich der Anstellung, die Lohngleichheit, der Schleier, die Verteidigung des Rechts auf Abtreibung, Adoption und homosexuelle Heirat usw. Diese Kampagnen haben &lt;i&gt;im besten Falle&lt;/i&gt; einen oberfl&#228;chlichen Effekt auf die M&#228;nnerherrschaft und die geschlechtliche Differenzierung, und auch in diesem Fall sind sie Teil der Entwicklungen des Kapitalismus. Sie st&#228;rken ihn, indem sie in ihm die &#8222;Bedingung der Frau&#8220; einrichten und indem sie die Demokratie und die Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen predigen, was offensichtlich keine Perspektive der Aufhebung der Geschlechterrollen &#246;ffnet. Man kann es f&#252;r eine Feministin auch f&#252;r eine Widersinnigkeit halten, sich auf jenen Staat zu berufen, welcher die M&#228;nnerherrschaft organisiert und best&#228;tigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewisse Gruppe f&#252;hren auch Sensibilisierungskampagnen &#8222;f&#252;r eine breite &#214;ffentlichkeit&#8220;, die darauf abzielen, die Mentalit&#228;ten zu ver&#228;ndern: gegen sexistisches Spielzeug, gegen Sexismus in der Werbung, gegen Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen, f&#252;r die Verh&#252;tung...(h&#228;ufig gef&#252;hrt von Organisationen wie die Bewegung f&#252;r Familienplanung und anderen, weniger institutionalisierten). Wenn auch der informative Charakter beachtlich ist und zum Nachdenken (oder gar mehr) einl&#228;dt, so kann man doch nur deren Grenzen bedauern: Diese Kampagnen ber&#252;hren nur eine kleine Minderheit von Leuten und haben sehr wenig Wirkung. Man findet in ihnen die These, der Sexismus habe seine Wurzel in der Bildung, den Medien, der Werbung, diese werden somit zu den Streitobjekten: Der Sexismus kann aufgehoben werden durch die Ver&#228;nderung der Bildung, die S&#228;uberung der Medien und der Werbung. Doch die Unterdr&#252;ckung der Frauen hat wesentlich tiefere Grundlagen, wovon die Bildung nur ein Tr&#228;ger ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Strukturen, welche diese Kampagnen organisieren, wird manchmal vorgeworfen &#8222;den Kampf&#8220; zu vernachl&#228;ssigen, um im Notfall zu handeln, oder gar &#8222;mit den M&#228;nnern und dem Staat gemeinsam die Misere der Frauen zu verwalten&#8220;. Diese Kampagnen &#8211; und die Strukturen, welche sie organisieren &#8211; sind indessen mehr als ein Pflaster auf einem Holzbein. Sicher sind die Familienplanung (Zugang zu Verh&#252;tungsmittel, Abtreibung, gyn&#228;kologische Pflege), die Frauenh&#228;user, die Beratungsstrukturen nicht immer Allheilmittel. Doch es existieren im Moment ziemlich wenig andere L&#246;sungen und sie erlauben vielen Frauen, im Alltag zu &#252;berleben oder aus Scheisssituationen herauszukommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausser diesem Feld- oder B&#252;roaktivismus erstellen etliche nicht-institutionelle Gruppen oder Personen (vom Anarchafeminismus bis zu radikalen, materialistischen Lesben und Feministinnen usw.) sowie auch ein wichtiger Sektor universit&#228;rer Forschung h&#228;ufig stichhaltige Analysen, welche die Notwendigkeit der Abschaffung der &#8222;patriarchalen Gesellschaft&#8220; und der Geschlechterrollen hervorheben; und h&#228;ufig auch die Abschaffung aller Formen der Unterdr&#252;ckung (zu welchen manchmal die kapitalistische Ausbeutung gez&#228;hlt wird).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese radikaleren Thesen (welche nicht immer die gleichen Mittel zur Verbreitung zur Verf&#252;gung haben) sind weniger sichtbar f&#252;r die breite &#214;ffentlichkeit und weniger oder gar nicht in den Medien pr&#228;sent. Diese Ideen und Praktiken werden durch Zeitungen, Brosch&#252;ren, Radiosendungen, B&#252;chern, Filme, Poster und Flyer u.&#228;. in Umlauf gebracht. Die Thesen von Christine Delphy in den 1970er Jahren sowie jene von Paola Tabet, Colette Guillaumin, Monique Wittig und vielen anderen haben einen grossen Einfluss. Man trifft h&#228;ufig die Idee an, dass das Patriarchat die Wurzel des Kapitalismus' (ein System weisser heterosexueller M&#228;nner) ist und dass die Zerst&#246;rung ersteres (der Hauptfeind) notwendigerweise das Ende letzteres bedeutet. Die Sichtweise, das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wie &#8222;die Ausbeutung einer Klasse durch die andere&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist Euch &#252;berlassen, zu erraten, wer wen ausbeutet.&#034; id=&#034;nh2-39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu betrachten, ist ziemlich verbreitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Reflexionen besch&#228;ftigen sich genauso mit sozialen Bewegungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zum Beispiel die Sendung Le Complot des cagoles &#252;ber den Streik der (...)&#034; id=&#034;nh2-40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wie mit dem Alltag der Frauen. Doch h&#228;ufig bemerkt man ein Durcheinander aller Unterdr&#252;ckungsformen (Sexismus, Rassismus, Kapitalismus, Speziesmus, Ableismus, Altersdiskriminierung usw.), sie werden gleichgesetzt und nicht unter dem Gesichtspunkt ihrer Urspr&#252;nge und ihrer Funktionen in der aktuellen Epoche betrachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den Reflexionsans&#228;tzen findet man auch die Kritik der Heterosexualit&#228;t, welche als Norm zur Organisation der Reproduktion definiert wird. Der Druck zur Heterosexualit&#228;t wurde in den 1970er Jahren vom MLR oder von homosexuellen Gruppen wie der homosexuellen revolution&#228;ren Aktionsfront (FHAR&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der FHAR war eine revolution&#228;re Organisation feministischer Lesben (...)&#034; id=&#034;nh2-41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) heftig kritisiert. Obwohl die Homosexualit&#228;t immer mehr dazu tendiert, vom Kapital integriert zu werden, ist die Kritik der Heteronormativit&#228;t und ihr Pendant, der Druck zur Mutterschaft, heute immer noch begr&#252;ndet. Diese Kritik kann zur Theorie des Lesbianismus als politische Strategie f&#252;hren. Man kann nur bedauern, dass diese manchmal in separatistischen m&#228;nnerfeindlichen Tendenzen gipfelt, welche die Heterosexualit&#228;t als eine Form der Kollaboration mit dem Feind und der freiwilligen Unterordnung denunzieren. Durch diese Haltung verweigert man zwar die M&#228;nnerherrschaft, aber sicher nicht den Sexismus und noch weniger die Geschlechterrollen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem kann man auch in den radikaleren Milieus eine R&#252;ckkehr essentialistischer Thesen* beobachten. Eine ganze Palette feministischer Reflexionen laufen auf eine Valorisierung des &#8222;Frauseins&#8220; hinaus, auf eine angebliche &#8222;weibliche&#8220; Natur*, die vom Patriarchat und dem Kapitalismus entw&#252;rdigt wird und die man wiederfinden m&#252;sste (um wieder an die &#8222;weibliche&#8220; Art zu leben und zu handeln anzukn&#252;pfen). Die amerikanische Neopaganistin Starhawk, die von sich behauptet, eine Hexe zu sein, ist die extreme Karikatur davon. Diese Theorien predigen ein &#8222;Zur&#252;ck zum Nat&#252;rlichen&#8220; und verteidigen die (&#252;brigens sehr sexistische) Idee, die Frauen seien der Natur (&#8222;&lt;i&gt;den B&#228;umen&lt;/i&gt;&#8220;, oder gar &#8222;&lt;i&gt;den Sternen&lt;/i&gt;&#8220;, und wieso nicht den Tieren?) viel n&#228;her als die M&#228;nner. Die als &#8222;&#252;beraus nat&#252;rlich&#8220; betrachtete Mutterschaft wird manchmal als &#8222;St&#228;rke&#8220; verstanden, die also eingesetzt werden muss. Diese Thesen gehen h&#228;ufig Hand in Hand mit einer Idealisierung pr&#228;kapitalistischer Gesellschaften und mit dem Bed&#252;rfnis, sich alte Techniken und Kenntnisse wieder anzueignen (z.B. das Stillen, die pflanzliche Abtreibung, die Wickeln, &lt;i&gt;welche dermassen umweltschonender seien als die Windeln&lt;/i&gt;!)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir kritisieren den ideologischen Charakter und nicht die Tatsache, diese (...)&#034; id=&#034;nh2-42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee, sich von der sozialen Norm zu entfernen, um wieder an die &#8222;Frauennatur&#8220; anzukn&#252;pfen, ist ein Zur&#252;ck zum Essentialismus. Unter diesen Feministinnen werden die Geschlechterrollen als etwas wahrgenommen und kritisiert, das uns als soziale Rollen aufgezwungen wird, jedoch zugunsten einer angeblich &#8222;wahrhaftigen&#8220;, &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Identit&#228;t. Man findet darin den Einfluss der Theorien der 1970er Jahre, im speziellen jene von Antoinette Fouque und der Zeitschrift &lt;i&gt;Sorci&#232;res&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Hexen&lt;/i&gt;]. Diese Sichtweise beinhaltet offensichtlich weder die geringste Perspektive der &#220;berwindung der Geschlechterrollen, ganz im Gegenteil, noch die geringste Perspektive der &#220;berwindung &#252;berhaupt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige dieser Diskurse sind gekennzeichnet durch eine Ablehnung (eine Verschleierung?) des Konflikts, welcher spezifisch m&#228;nnlich sei. Dies ist verbunden mit der Idee der Schwesterlichkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Konzept haben die Feministinnen als Gegenpart zur m&#228;nnlichen (...)&#034; id=&#034;nh2-43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, denn es geht darum, trotz den Uneinigkeiten eine Front gegen den Unterdr&#252;cker zu bilden. Auffallend ist der Wille, die Erinnerung feministischer Bewegungen lebendig zu halten und aufzuwerten, eine Vorgehensweise die manchmal in der Negation jeglicher Konflikte, Fehler und Widerspr&#252;chen gipfelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schlachtruf der Wiederaneignung des K&#246;rpers ist sehr pr&#228;sent in den feministischen Reflexionen. Seit den 1970er Jahren ist der Slogan &#8222;&lt;i&gt;mein K&#246;rper geh&#246;rt mir&lt;/i&gt;&#8220; ein Credo geblieben. Das kann ebenso gut die &#8222;Wahl&#8220; betreffen, Mutter zu sein oder nicht, die Vergewaltigung, &#228;sthetische Normen oder die Medizin. Dieser Schlachtruf ist eine Antwort auf die Aneignung der Frauen durch die M&#228;nner. Einen Aspekt, den gewisse ultralinke* Theoretiker unf&#228;hig waren, zu erfassen, sie warfen den Feministinnen vor, damit den Begriff des Privateigentums zu verteidigen und auszuweiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den verschiedenen Praktiken der Feministinnen sind Anl&#228;sse nur f&#252;r Frauen immer noch aktuell und provozieren immer noch Polemiken, ob sie nun als Mittel oder als Ziel betrachtet werden. Da die Frauen voneinander isoliert sind (jede in ihrem Haushalt zum Beispiel), sind Momente, wo man Erfahrungen und Reflexionen austauschen und sich organisieren kann, fundamental. Was ist logischer als sich unter Unterdr&#252;ckten zu organisieren? Was ist logischer als sich ohne das Lager der Unterdr&#252;cker zu versammeln? Anl&#228;sse nur f&#252;r Frauen k&#246;nnen aber logischerweise auch dazu f&#252;hren, dass Proletarierinnen und B&#252;rgerliche sich gemeinsam organisieren, was wieder andere Probleme aufwirft...Der Genderkonflikt kann jedoch nur durch die Aufl&#246;sung der Kategorien M&#228;nner und Frauen gel&#246;st werden. Es ist somit notwendig, dass Thema auch an allgemeinen Anl&#228;ssen anzusprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Feminismus mangelt es oft an einer globalen Analyse, die versucht, die Verbindungen zwischen dem Klassen- und dem Genderverh&#228;ltnis zu verstehen. Eine historische Sichtweise zeigt uns ein fluktuierendes patriarchales System, das ewigen Entwicklungen ausgesetzt gewesen ist und immer noch ist, die durch die aufeinanderfolgenden Produktionsweisen modelliert werden (heute das Kapital, auch stets in Bewegung). Eine aktuelle Tendenz gr&#252;ndet ihre Reflexionen jedoch auf einer ahistorischen Sichtweise. Das f&#252;hrt zu einem Durcheinander in der Analyse des Problems, in den Perspektiven und in den Praktiken (als ob es gen&#252;gen w&#252;rde, die Parolen und Methoden der MLF vor vierzig Jahren wieder aufzugreifen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Notiz 1: Die Dekonstruktion&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion ist eine Idee (und eine Praxis), die man aktuell in einem Teil der feministischen Bewegung antrifft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Idee wird h&#228;ufig auch von Pro-Feministen* vertreten.&#034; id=&#034;nh2-44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ihr Ausgangspunkt ist die Idee, dass die Geschlechterrollen soziale Konstruktionen sind und dass &#8222;das Private politisch ist&#8220;. Es geht darum, von einer individuellen Bewusstseinsbildung (oder in kleinen Gruppen) ausgehend, sein Verhalten zu &#228;ndern, um seine sexistischen Konstruktionen zu korrigieren und langfristig den Sexismus zu beseitigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit nimmt das Pers&#246;nliche einen &#252;bergrossen Platz ein im Verh&#228;ltnis zum Strukturellen, manchmal wird es gar zum einzigen Handlungsfeld. &#8222;&lt;i&gt;Wegen der &#252;berm&#228;ssigen Wichtigkeit, welche der subjektiven Erfahrung gegeben wird, wird die Politik der Subjektivit&#228;t eine &#8222;Innerlichkeit&#8220;, d.h. eine pers&#246;nliche Ver&#228;nderung ohne Ver&#228;nderung der Gesellschaft&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rote Zora, &#8222;Jedes Herz ist eine Zeitbombe&#8220; in: Anonym, En Catimini&#8230; (...)&#034; id=&#034;nh2-45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;i&gt;.&lt;/i&gt;&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Argument, dass &#8222;das Private politisch ist&#8220; erkennt man, dass die private Sph&#228;re sozial organisiert ist, dass sie nicht ausserhalb der Gesellschaft steht und dass unsere pers&#246;nlichen Verh&#228;ltnisse Teil davon sind. Das Private ist also auch ein Ort der Widerspr&#252;che, der Konflikte oder gar der K&#228;mpfe. Die Streiks und sozialen Bewegungen in der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, wo die Frauen beteiligt sind, haben notwendigerweise eine Wirkung auf die private Sph&#228;re (der Haushalt, die Familie: &#8222;&lt;i&gt;Wer wird mein Steak kochen?&lt;/i&gt;&#8220;, &#8222;&lt;i&gt;Schatz, wo ist die Bettw&#228;sche?&lt;/i&gt;&#8220;) Falls keine solche Bewegung vorhanden ist, zieht sich die T&#228;tigkeit der Aktivistinnen in die private Sph&#228;re zur&#252;ck und beschr&#228;nkt sich darauf. Der Schlachtruf wird neu interpretiert : &#8222;Das Politische ist das Private&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion l&#228;uft auf eine individuelle und pers&#246;nliche Infragestellung der Geschlechterrollen hinaus und betrachtet diese als starre Identit&#228;ten, als ein Kleid, das man bloss auszuziehen braucht, wenn man es denn &lt;i&gt;will&lt;/i&gt;. Zwar sind die Geschlechterrollen eine soziale Konstruktion, doch es ist nicht m&#246;glich, sich den sozialen Verh&#228;ltnissen zu entziehen, deren Manifestierung sie sind. Man kann nicht &lt;i&gt;w&#228;hlen&lt;/i&gt;, kein Mann oder keine Frau mehr zu sein, denn in dieser Gesellschaft existieren nur zwei Felder. Auf dem Sozialamt wird man immer entweder 1 oder 2 sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt, um es anders auszudr&#252;cken, keinen Zusammenhang zwischen dem Erkennen &lt;i&gt;sozialer Strukturen und Verh&#228;ltnissen&lt;/i&gt; und dem Willen, sich durch eine &lt;i&gt;individuelle&lt;/i&gt; Handlung davon zu befreien. W&#228;hrend man sich anstrengt, sich zu dekonstruieren, wirkt diese soziale Konstruktion weiterhin auf Milliarden von Menschen, sich selbst eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sogar wenn der dekonstruierte Mann in seinen Kreisen nicht mehr (...)&#034; id=&#034;nh2-46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion wirft das Problem der Wahlm&#246;glichkeiten in unserer Gesellschaft auf: Kann man sich &lt;i&gt;daf&#252;r entscheiden&lt;/i&gt;, sich zu dekonstruieren? Wer kann dies tun? Eine ledige Frau ohne Kinder wird &lt;i&gt;vielleicht&lt;/i&gt; mehr Energie ihrer Dekonstruktion widmen k&#246;nnen als eine Mutter von drei Kindern, genau wie eine b&#252;rgerliche Frau mehr Freizeit daf&#252;r haben wird als eine Angestellte im Mindestlohn usw. Trotz einem explizit subversiven Ziel (das Verschwinden der Geschlechterrollen) beschr&#228;nkt sich die Dekonstruktion, wie jede Alternative, auf die Suche des individuellen Gl&#252;cks in der kapitalistischen Gesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Praxis f&#252;hrt diese durchaus sympathische Einsicht zu elitistischen Ausw&#252;chsen, zu einer Abwertung und zu einer Beschuldigung jener, welche sich nicht dekonstruieren, und somit zu einer neuen Norm, per Definition erstarrt und verpflichtend. Wir haben es mit einer neuen Ideologie zu tun&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man ist versucht, diese Ideologie mit dem politischen Lesbianismus &#224; la (...)&#034; id=&#034;nh2-47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht hier nicht darum, jemanden davon abzubringen, sein eigenes Verhalten in Frage zu stellen. Alles in allem leben wir im Hier und Jetzt und es ist nichts als normal, dass man versucht, so wenig Scheisse wie m&#246;glich zu bauen und sich nicht wie ein Schweinehund zu verhalten...Genauso wie es auch logisch ist, dass die Unterdr&#252;ckten ihre Bedingung verweigern, individuell oder kollektiv. Das sind &#220;berlebenspraktiken. Es ist wichtig, unsere sozialen Konstruktionen zu hinterfragen, doch man sollte die Tatsache nicht aus dem Auge verlieren, dass jeglicher Versuch, sich total davon zu befreien, vergebens ist solange diese Gesellschaft fortbesteht. Die Dekonstruktion wird die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft nie aufheben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Notiz 2: Queer*&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; geht es darum, die Geschlechterrollen, und somit die Gesellschaft, zu subvertieren, wodurch letztere ersch&#252;ttert werde. Diese Bewegung entstand nicht zuletzt als Reaktion auf die Integration und die Institutionalisierung der Schwulen- und Lesbenbewegungen. Die K&#228;mpfe der Homosexuellen hatten einen revolution&#228;ren Charakter solange sie nicht vom Kapital als Identit&#228;t integriert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Grenzen sind im pers&#246;nlichen Charakter der Ver&#228;nderung zu suchen, das Kapital kann sich damit sehr gut abfinden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann sehr gut Queer sein und an einer grossen Universit&#228;t unterrichten (...)&#034; id=&#034;nh2-48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie &#252;bergeht &#252;brigens die Klassenverh&#228;ltnisse). Die Dissidenz bleibt innerhalb der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und ist somit keine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Anhang.&#034; id=&#034;nh2-49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; ist als Experiment interessant (jedoch notwendigerweise begrenzt, da es innerhalb und durch diese Gesellschaft erfolgt). Die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorien zeigen, dass man &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; die Aufhebung der Geschlechterrollen &lt;i&gt;denken&lt;/i&gt; kann. Doch in Bezug auf Praktiken, Perspektiven oder eine Strategie gelten f&#252;r sie alle Kritiken, welche wir an die Dekonstruktion gerichtet haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marxisten, Anarchisten usw.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend Genderfragen und M&#228;nnerherrschaft ist die &lt;i&gt;Verweigerung&lt;/i&gt; am weitesten verbreitet. D.h. man weigert sich, das Thema anzugehen. In dieser sowohl praktischen wie auch theoretischen W&#252;ste gibt es trotzdem einige Oasen...und viele Fata Morganas. Eine kleine historische Rekapitulierung ist notwendig, denn die Konzeptionen der Marxisten und der Anarchisten haben sich alles in allem kaum weiter entwickelt, obwohl das Aufkommen und die Verbreitung der Gendertheorie eine Neubelebung der Reflexion h&#228;tte bewirken sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Marxisten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht interessierten sich Marx, Engels und einige marxistische Theoretiker (Lafargue, Bebel) f&#252;r die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nner und Frauen und bestreiten die Unterdr&#252;ckung letzterer nicht, besonders wenn sie sich mit dem Problem der Familie besch&#228;ftigen. F&#252;r sie ist diese Unterdr&#252;ckung eine Konsequenz der Entstehung der Klassengesellschaften; wenn der Kapitalismus, welcher das letzte Stadium der Klassengesellschaften ist, verschwindet, verschwindet diese notwendigerweise auch. Die Ver&#228;nderung der Existenzbedingungen wird in diesem Prozess als entscheidend betrachtet und die Rolle des sozialistischen Staates ist fundamental. Er sollte Massnahmen ergreifen, um der Hausarbeit ein Ende zu setzen: Die Sozialisierung der Gesamtheit der von den Frauen erbrachten Hausarbeit durch die Bereitstellung von kollektiven Kantinen, Tagesst&#228;tten usw. Diese Sichtweise wird auch von den marxistischen Feministinnen des 20. Jahrhunderts (wie z.B. Alexandra Kollonta&#239; oder Angela Davis) geteilt. Die russische Revolution best&#228;tigt diese These teilweise: Die Verh&#228;ltnisse zwischen M&#228;nnern und Frauen sind durch den Zusammenbruch des alten Systems, das Chaos und die Revolution ersch&#252;ttert worden. Die Kollektivisierung gewisser Aspekte des Lebens (Kantinen) scheinen eine Rolle zu spielen; doch die Ursache daf&#252;r sind die katastrophalen &#220;berlebensbedingungen, und nicht der Staat. Es geht &#252;brigens schnell wieder normal zu und her als der revolution&#228;re Prozess unterbrochen wird und der Staat sich neu organisiert und die Verwaltung der Gesellschaft wieder in die Hand nimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Ver&#228;nderung der Verhaltensweisen und der Beziehungen zwischen (...)&#034; id=&#034;nh2-50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In der Regel wird diese Frage w&#228;hrend des ganzen 20. Jahrhunderts als sekund&#228;r (als &lt;i&gt;nach&lt;/i&gt; der Revolution zu l&#246;sendes Problem) betrachtet. Umso mehr, da sie das Risiko birgt, &#8222;das Proletariat zu spalten&#8220;&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Anarchisten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Anarchisten gibt es in der Regel keine Frauenfrage an sich, denn diese ist Teil des allgemeinen Problems der menschlichen Befreiung. Definitionsgem&#228;ss sind sie gegen alle Formen von Herrschaft, mehr oder weniger als ein Ganzes wahrgenommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anarchisten unternehmen eine strenge theoretische Kritik von Institutionen wie der Familie oder der Heirat und setzen sich f&#252;r die Gleichheit von M&#228;nnern und Frauen ein. In diesem Sinne wird die Wichtigkeit der Bildung und der Propaganda unterstrichen (z.B. die neo-malthusianische Propaganda und besonders die Empf&#228;ngnisverh&#252;tung zu Beginn des 20. Jahrhunderts). Es handelt sich um eine Vorgehensweise der individuellen Ver&#228;nderung, welche der Unterdr&#252;ckung der Frauen ein Ende setzen soll, als ob es reichen w&#252;rde, dass alle Leute anarchistische Brosch&#252;ren lesen oder anarchistischen Rednern zuh&#246;ren...(man kann diese Vorgehensweise mit der Dekonstruktion vergleichen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gegensatz zwischen der Theorie und den Praktiken der anarchistischen Aktivisten ist jedoch besonders frappant (von den Milieux libres&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Milieux libres (Freie Milieus) sind ein &#220;berbegriff f&#252;r diverse (...)&#034; id=&#034;nh2-51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bis zur spanischen Revolution); die explizite Frauenfeindlichkeit gewisser Theoretiker (allen voran Proudhon) hat damit wahrscheinlich auch etwas zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Heute&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist immer noch eine sehr verbreitete Position, zu sagen, die Genderfrage sei sekund&#228;r und verdiene keinen spezifischen Kampf: Nach der Revolution wird die Unterdr&#252;ckung der Frauen wie durch Zauberei von alleine verschwinden (ein guter Trick, um sich die Frage nicht von heute an stellen zu m&#252;ssen - und um den Kindern nicht den Hintern abwischen zu m&#252;ssen, ihr faules Pack!)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Antisexismus ist auch eine der Facetten linker Gruppen, zusammen mit dem Antirassismus, der &#214;kologie, der Tierbefreiung - man scheint zwar gewillt, alle Unterdr&#252;ckungsformen zu ber&#252;cksichtigen, doch indem man sich darauf beschr&#228;nkt, sie aneinanderzureihen, unf&#228;hig, das Ganze und Verbindungen zu denken und Perspektiven zu erkennen. Die Reflexionen begn&#252;gen sich h&#228;ufig mit einer Bilanz und Verurteilung der Situation der Frauen heute. Dennoch ist die steigende Anzahl von Zeitungen, Gruppen, Zeitschriften&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sogar Barricata ! (Kulturmagazin der Pariser Redskins). Spezielle Widmung (...)&#034; id=&#034;nh2-52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche sich mit diesem Thema befassen, nicht zwingend uninteressant&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie zum Beispiel die &#8222;antipatriarchale Motion&#8220;, welche von der (...)&#034; id=&#034;nh2-53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint, dass die Frage in den letzten Jahren wieder mehr Leute interessiert und es gibt auch den Versuch einer theoretischen &#220;berwindung in ultralinken Gruppen (oder dar&#252;ber hinaus), die lange allergisch auf diese Frage waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie zum Beispiel die Gruppen/Zeitschriften Th&#233;orie communiste und SIC (...)&#034; id=&#034;nh2-54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Hoffen wir, dass sich das verallgemeinert...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Woher dieses Interesse? Oder eher, wieso kann die Frage heute in diesen Milieus gestellt werden, w&#228;hrend die Feministinnen sich schon lange damit besch&#228;ftigen? Es gibt wohl einige L&#246;sungsans&#228;tze, &#252;ber die es nachzudenken gilt, wie die Entwicklung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen in den letzten vierzig Jahren (Ende des Patriarchats, immer noch relative, doch wachsende Durchmischung der kapitalistischen Klasse, aber Andauern der geschlechtlichen Differenzierung und der M&#228;nnerherrschaft, etc.) oder die Entwicklung der Klassenverh&#228;ltnisse (Ende der Arbeiteridentit&#228;t, Restrukturierung, Atomisierung des Proletariats, etc.) Die materiellen Bedingungen ver&#228;ndern sich und es ist in einer kommunistischen Perspektive notwendig, dieser Tatsache Rechnung zu tragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die K&#228;mpfe der proletarischen Frauen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits des Aktivismus bringen sich proletarische Frauen ohne explizite feministische Forderungen in K&#228;mpfe ein, z.B. w&#228;hrend Streiks. Vergessen wir nicht, dass der massive Einstieg in die Lohnarbeit und direkt in den Klassenkampf dazu f&#252;hrten, dass Problematiken auftauchten, welchen ihnen eigen sind, was auch zu neuen Konflikten in der privaten Sph&#228;re (Haushalt, Reproduktion) f&#252;hrt. Diese sind jedoch allgemein unsichtbar wegen dem &#8222;Vorrang&#8220; des Kampfes gegen die Ausbeutung und werden somit selten als &#8222;Frauenk&#228;mpfe&#8220; analysiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die auf wahren Tatsachen beruhende Dokufiktion von Martin Karmitz &lt;i&gt;Coup pour coup&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marin Karmitz, Coup pour coup, Frankreich, 1972.&#034; id=&#034;nh2-55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zeigt es gut. In den 1970er Jahren beginnen Arbeiterinnen einer Textilfabrik zu streiken und besetzen die Fabrik. Somit k&#252;mmern sie sich nicht mehr um die Arbeit im Haushalt und die Auswirkungen sind unmittelbar. Die Reaktionen der M&#228;nner sind vielsagend: Verloren, gezwungen, ganz alleine den Haushalt, die Kinder und ihre eigene Reproduktion zu verwalten, hemmen sie &lt;i&gt;de facto&lt;/i&gt; den Kampf. Einige von ihnen werden sogar so weit gehen, ihren Widerspruch gegen den Streik ihrer Partnerinnen zu zeigen. Die Papas, welche unf&#228;hig sind, sich um ihre Kinder zu k&#252;mmern, deponieren sie in der Fabrik, die immer mehr einer Krippe gleicht. Die Arbeiterinnen sind am Schluss trotzdem die Siegerinnen gegen&#252;ber den Bossen und (provisorisch) gest&#228;rkt gegen&#252;ber ihren M&#228;nnern. Es mangelt in der Realit&#228;t nicht an Beispielen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den Artikel &#252;ber die Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&#034; id=&#034;nh2-56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann annehmen, dass ein Arbeiterinnenstreik genauso viel oder gar mehr Einfluss auf den Haushalt hat als die feministische Propaganda. Die Frauenstreiks machen die privaten Fragen zu &#246;ffentlichen Fragen (z.b. stellen die Fabrikkrippen die Trennung zwischen &#246;ffentlicher und privater Sph&#228;re praktisch doch provisorisch in Frage). Am Ende des Streiks ist h&#228;ufig alles wieder so wie fr&#252;her, mit allen Entt&#228;uschungen und Frustrationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauenk&#228;mpfe stellen eine faktische Verbindung her zwischen dem Kapitalismus und der M&#228;nnerherrschaft, in ihnen wird die Genderfrage offensichtlich. Doch sie werden (in der Praxis) nicht als solche gestellt. Das erkl&#228;rt die Absenz von Informationen (und somit Analysen) &#252;ber die unvermeidbaren Auswirkungen dieser K&#228;mpfe auf das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen, speziell in der privaten Sph&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerungen und Hypothesen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kapitalismus vs. Patriarchat&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom 19. Jahrhundert an koexistieren zwei unterschiedliche, doch miteinander verbundene Systeme, das Patriarchat (soziale Organisation) und der Kapitalismus (Produktionsweise). Verbundenheit bedeutet nicht zwingend Harmonie (jedes System benutzt und st&#228;rkt das andere) und kann auch Gegensatz oder Widerspruch, ja sogar Bruch bedeuten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die M&#228;nnerherrschaft, prinzipiell in der patriarchalen Form, war immer &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; und charakterisierte alle Klassengesellschaften. Sie war speziell angepasst an die pr&#228;kapitalistischen Gesellschaften, charakterisiert durch ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilit&#228;t (mit der Familienzelle als Basis, Einheit der Produktion und der Reproduktion).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die geschlechtliche Differenzierung ist der Hintergrund vor welchem die verschiedenen Produktionsweisen aufeinander folgten; ihre Entwicklung ist nicht eine historische Dynamik. Im Gegenteil, das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wird zwar durch jede Produktionsweise modifiziert, beh&#228;lt jedoch seine prinzipiellen Eigenschaften (der Frau wird die Erziehung zugewiesen, Macht der M&#228;nner).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus hat seine Wurzeln in der feudalen Produktionsweise, doch vergessen wir nicht, dass in ihr die geschlechtliche Differenzierung strukturell war, massgebend sowohl in wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Hinsicht. Das Patriarchat war f&#252;r die Entwicklung des Kapitalismus notwendig, besonders um die Reproduktion der Arbeitskraft zu garantieren (wobei es immer noch die Gesellschaft strukturierte). Doch aufgrund seines revolution&#228;ren Charakters (wie Marx es formulierte) ver&#228;ndert der Kapitalismus permanent dessen Ausgangssituation und dabei auch die ganze Gesellschaft. Er hat alle Produktions- und Organisationsweisen, die vor ihm existierten, entweder zerst&#246;rt oder ver&#228;ndert, auch das Patriarchat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seiner Entwicklung ist der Kapitalismus mit dem Patriarchat zusammengestossen, einige Aspekte davon waren ihm nicht mehr angemessen (der Bedarf an weiblicher Arbeitskraft steht beispielsweise im Widerspruch zur Tatsache, dass die Frauen zu Hause eingeschlossen sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Je nach Land und seinem Entwicklungsstadium organisiert sich das Kapital (...)&#034; id=&#034;nh2-57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Das Patriarchat ist entstellt worden. Der Kapitalismus ist somit die erste Produktionsweise, welche ein Problem mit den Frauen hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend langer Zeit waren die Z&#252;gel des Kapitalismus in den H&#228;nden weisser heterosexueller M&#228;nner (was zu Verwirrung f&#252;hren konnte, besonders zum Glauben, dass die zwei Systeme eins seien oder dass der Kapitalismus &lt;i&gt;in seiner Essenz&lt;/i&gt; m&#228;nnlich sei), was heute nicht mehr der Fall ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was nat&#252;rlich nicht bedeutet, dass die schwarzen, arabischen oder (...)&#034; id=&#034;nh2-58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kapitalismus ist also nicht an sich patriarchal, doch er ist notwendigerweise geschlechtlich differenziert. Geschlechtliche Differenzierung und M&#228;nnerherrschaft sind f&#252;r ihn unerl&#228;sslich und er kann die Geschlechterrollen &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; nicht aufheben. Sogar langfristig w&#252;rde die Realisierung dieser Hypothese enorme Umw&#228;lzungen bedingen; die aktuellen Tendenzen gehen nicht in diese Richtung, eher in Richtung einer Restrukturierung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Geburtenkontrolle&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geburten sind ein Streitobjekt in allen Gesellschaften. Die Kontrolle dar&#252;ber war eine Notwendigkeit f&#252;r alle Klassengesellschaften, speziell f&#252;r den Kapitalismus, f&#252;r welchen die Zunahme (oder zumindest die Erneuerung) der Anzahl Arbeiter die Bedingung f&#252;r die wirtschaftliche Expansion darstellt. Dies impliziert die Kontrolle der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr noch als f&#252;r die vorherigen Produktionsweisen ist die Expansion der Anzahl Arbeiter f&#252;r den Kapitalismus fundamental, speziell in seiner Phase der formellen Herrschaft. Das erkl&#228;rt (unter anderem) wichtige Ver&#228;nderungen in der Organisation der geschlechtlichen Differenzierung. Heutzutage ist es unerl&#228;sslich f&#252;r das Kapital, eine rationelle Kontrolle &#252;ber die Vermehrung der Arbeitskraft (oder zumindest ihre Erneuerung) zu haben. In jenen Zonen allerdings, wo es in der Phase der reellen Herrschaft angekommen ist, ist eine &#252;berm&#228;ssige Vermehrung der Arbeitskraft weniger notwendig als eine durchdachte Verwaltung der Anzahl Arbeiter, besonders der qualifizierten Arbeiter (wobei ein Teil der unqualifizierten Arbeiter durch die Einwanderung garantiert wird). Das manifestiert sich in gewissen L&#228;ndern durch eine geburtenf&#246;rdernde Politik und in anderen durch gegenteilige Massnahmen (welche bis zur Sterilisierung und zur mehr oder weniger erzwungenen Abtreibung der Frauen gehen k&#246;nnen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Individuelle und kollektive Aneignung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kontrolle &#252;ber die Frauen bedingt die Aneignung des gesamten K&#246;rpers und des gesamten Geistes (unter anderem durch die Bildung). Bis zum 20. Jahrhundert war diese Aneignung individuell, prinzipiell durch die Heirat und die Familie. Die Heirat erlaubte die Kontrolle und platzierte die Frauen in eine Situation der sexuellen Verf&#252;gbarkeit und des maximalen Schwangerschaftsrisikos (der Ehemann spielt die Rolle des Mittelsmannes in dieser Kontrolle, was ihm gewisse Vorteile verschafft). Es ist eine direkte, pers&#246;nliche Herrschaft (die man mit der Sklaverei oder der Leibeigenschaft vergleichen kann).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute ist diese Aneignung mehrheitlich kollektiv, die Herrschaft wird indirekt, unpers&#246;nlich. Das f&#252;hrt, wie bei der Lohnarbeit, zu einem &lt;i&gt;Eindruck von Freiheit&lt;/i&gt; (der dem Kapitalismus eigen ist).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rolle des Staates in diesem Dispositiv ist seit dem 19. Jahrhundert wichtig und wird immer wichtiger&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Staat kann sich jedoch nicht vollst&#228;ndig um die Reproduktion der (...)&#034; id=&#034;nh2-59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er garantiert, durch die Medizin, die Kontrolle des K&#246;rpers der Frauen (Verh&#252;tung, Abtreibung usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er &#252;bernimmt einen Teil der Arbeiten zur Reproduktion der Arbeitskraft (Kinderkrippen, Bildung, Ausbildung, Gesundheit usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er setzt die juristische Gleichheit zwischen Mann und Frau durch;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er garantiert eine Kontrolle &#252;ber die Familie, indem er sozial und juristisch durch verschiedene Dispositive der sozialen Kontrolle (Familienhilfe, Kindergeld) in die private Sph&#228;re eindringt (was einen Machtverlust f&#252;r den Ehemann bedeutet). Er erstellt verschiedene Regelungen, die z.B. die Scheidung, die Adoption, die Kinderbetreuung, die h&#228;usliche Gewalt oder die eheliche Vergewaltigung (&lt;i&gt;die zumindest auf dem Papier anerkannt ist&lt;/i&gt;) betreffen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er beteiligt sich an der gesamten Reproduktion der Arbeitskraft (soziale Sicherheit, Familiengeld, Sozialhilfe usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wegen der Entwicklung der Gesellschaft ist das traditionelle Paar heutzutage nicht mehr notwendig zur Erneuerung der Arbeitskraft; eine Frau kann sich mit Hilfe und mit der Kontrolle des Staates ganz alleine darum k&#252;mmern. Die Funktion des Vaters ist zwar nicht mehr unerl&#228;sslich (sein Bild ist seit dem 19. Jahrhundert &lt;i&gt;herabgew&#252;rdigt&lt;/i&gt; worden, aber nicht verschwunden), jene der Mutter ist hingegen konstant und wesentlich geblieben (mit Variationen bez&#252;glich der Form, besonders bez&#252;glich der Zentralit&#228;t der Mutterschaft im Leben der Frauen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir fragen uns, ob die individuelle Aneignung deswegen vollst&#228;ndig verschwunden ist. Ist sie immer noch strukturell in der geschlechtlichen Differenzierung und der M&#228;nnerherrschaft? Ist sie zu einem Element unter vielen im Dienst dieser Struktur geworden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Paar ist immer noch das dominante Modell der Reproduktion, wenn es heute auch durch einen &lt;i&gt;Turnover&lt;/i&gt; charakterisiert und nicht mehr hegemonisch ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Hausarbeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Hausarbeit ist die von den Frauen ausgef&#252;hrte &#8222;unentgeltliche&#8220; Arbeit in der privaten Sph&#228;re zu Gunsten des Haushalts zu verstehen. Sie ist im 19. Jahrhundert aufgekommen mit der Trennung zwischen dem Ort der Produktion und jenem der Reproduktion (welchem die Frauen zugewiesen sind). Doch seit dieser Epoche hat sich die Hausarbeit betr&#228;chtlich entwickelt. Sie ist jene Aktivit&#228;t, welche die Frauen definiert und sie charakterisiert ihren Platz im gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie hat zwei wesentliche Funktionen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die &#8222;generationsbezogene&#8220; Reproduktion der Arbeitskraft (neue Proletarier kreieren) und in geringerem Masse der kapitalistischen Klasse. Die Reproduktion der &#8222;Rasse der Arbeiter&#8220; ist das zentrale Element der Hausarbeit;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die &#8222;allt&#228;gliche&#8220; Reproduktion der Arbeitskraft (Unterhalt der existierenden Proletarier).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann anf&#252;gen, dass:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Hausarbeit unerl&#228;ssliche Aufgaben zur Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet (Aufgaben, die ausgef&#252;hrt werden m&#252;ssen wie die Zubereitung des Essens und die Kindererziehung);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; eine grosse Anzahl von Aufgaben sind w&#228;hrend des 20. Jahrhunderts vom Staat &#252;bernommen oder sozialisiert worden (Einnahme von Mahlzeiten ausserhalb des Haushalts, Kinderkrippen usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Hausarbeit ist unendlich. Wenn eine technologische Innovation (oder die Sozialisierung) es erlaubt, Zeit zu gewinnen, erscheint eine neue Aufgabe (was die betr&#228;chtliche Entwicklung nur schon seit den 1950er Jahren erkl&#228;rt). Die proletarischen Frauen haben immer etwas zu tun. F&#252;r eine arbeitende oder arbeitslose Frau ist die Anzahl Stunden Hausarbeit jedoch viel geringer als f&#252;r eine Hausfrau. Das zeigt den &#252;berfl&#252;ssigen Charakter etlicher Hausarbeiten. Die Hausarbeit ist also etwas anderes als eine Liste von Aufgaben. Sie ist die T&#228;tigkeit der Frauen im Haushalt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie wird als &#8222;gratis&#8220; wahrgenommen. Im Grunde genommen ist ihre Bezahlung Teil des Lohns des Proletariers, welcher nicht die Bezahlung f&#252;r die ausgef&#252;hrte Arbeit, sondern der Preis f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft (des Arbeiters und seiner Familie) ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie ist nicht gesellschaftlich anerkannt, sie ist unsichtbar;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie wird nicht von b&#252;rgerlichen Frauen ausgef&#252;hrt (welche proletarische Frauen im Tausch gegen einen Lohn damit beauftragen);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie ist ein Trumpf f&#252;r das Kapital, denn der t&#228;gliche Unterhalt der Arbeiter erlaubt auch eine Reduktion der notwendigen Arbeitszeit und somit eine Reduktion des Werts der Arbeitskraft. Das erlaubt auch innerhalb eines Tages den Anteil der Mehrarbeit (des Rests der Arbeitszeit) zu vergr&#246;ssern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe, f&#252;r jene, die mutig genug sind, &#8222;Distinction de genres, (...)&#034; id=&#034;nh2-60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn z.B. die Hausarbeit nicht von den Frauen gemacht wird, muss der Lohnarbeiter in die Reinigung gehen und Sandwichs essen. Der Wert seiner Arbeitskraft erh&#246;ht sich also;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die (aufgezwungene) Teilzeitarbeit der Frauen erlaubt es (mehr oder weniger gut), Produktion und Reproduktion unter einen Hut zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 1: Kann man einen Vergleich mit der Lohnarbeit anstellen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vorhergehenden Punkte zeigen, dass es gewagt ist, einen Vergleich zwischen Haus- und Lohnarbeit anzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem ist eine der Eigenschaften der Lohnarbeit die angebliche Freiheit des Individuums, welches seine Arbeitskraft verkauft. Die Situation ist anders f&#252;r die Frauen, welche trotz der kapitalistischen Freiheit ihrer selbst enteignet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits ist die Hausarbeit eben nicht entlohnt, sondern &lt;i&gt;indirekt bezahlt&lt;/i&gt;. Sie produziert auch keinen Mehrwert* und keine ihrer Produktionen wird auf den Markt gebracht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die jungen Proletarier, welche in den Arbeitsmarkt eintreten, haben nicht (...)&#034; id=&#034;nh2-61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn einige Aufgaben des Haushalts nicht mehr von der Mutter/der Ehefrau, sondern von einer entlohnten Frau ausgef&#252;hrt werden, handelt es sich nicht mehr um Hausarbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lohn- und Hausarbeit gehorchen also nicht den selben Regeln und werden unterschiedlich organisiert. Letztere hat zwar einen direkten Nutzen f&#252;r den Ehemann, doch sie n&#252;tzt vor allem indirekt dem Kapital&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von der Hausarbeit der alleinstehenden M&#252;tter profitiert einzig und allein (...)&#034; id=&#034;nh2-62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 2: Eine ausgeglichene Aufteilung der Hausarbeit?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein neuer Bericht der OECD&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;OECD, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ermutigt die Staaten zu Massnahmen, denn die Arbeit der Frauen sei der Schl&#252;ssel zum Wachstum von morgen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; (finanzielle) Unterst&#252;tzung f&#252;r die Kinderbetreuung;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Bereitstellung oder Entwicklung von Betreuungseinrichtungen (Kinderkrippen usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Anpassung der Arbeitszeit f&#252;r Eltern von Kleinkindern;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Ansporn der M&#228;nner, den Elternurlaub zu nehmen oder zu teilen, sich mehr an der Kindererziehung und an den &#8222;&lt;i&gt;h&#228;uslichen Verantwortlichkeiten&lt;/i&gt;&#8220; zu beteiligen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, die Quote der Wiederaufnahme der Arbeit der Frauen nach einem Mutterschaftsurlaub zu verbessern (Hindernis f&#252;r die Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt und ihre beruflichen Karrieren)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Frankreich sind die Frauen zum Beispiel besser ausgebildet als die (...)&#034; id=&#034;nh2-64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#252;rde eine ausgeglichene Aufteilung der Aufgaben die Definition der Hausarbeit in Frage stellen? Eine egalit&#228;re Aufteilung in Bezug auf die Anzahl Stunden ist vorstellbar, das Ende der geschlechtlichen Differenzierung der Aufgaben jedoch kaum. Die Statistiken zeigen, dass nat&#252;rlich die Aufgaben verbunden mit der Kindererziehung im Zentrum des Problems stehen. Die von den Frauen ausgef&#252;hrte Hausarbeitszeit w&#228;chst rapide an sobald ein Kind Teil des Haushalts wird (w&#228;hrend sie vorher der Hausarbeitszeit von Singles entspricht).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 3: Kann man von einer Klasse der Frauen sprechen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Feministinnen versuchten, die Kritik am Kapitalismus mit jener am Patriarchat zu vermischen. F&#252;r einige ist der Kapitalismus eine Frucht des Patriarchats. Der Sexismus ist eine der Grundlagen des Kapitalismus; man kann das eine nicht ohne das andere zerst&#246;ren (doch das Patriarchat bleibt der Hauptfeind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die radikalen Feministinnen (Delphy) denken, dass das Patriarchat eine autonome Produktionsweise ist (mit zwei Klassen, die M&#228;nner und die Frauen, wobei erstere letztere ausbeuten), welche sie &#8222;patriarchale&#8220; oder &#8222;Haushaltsproduktionsweise&#8220; nennen. Sie benutzen den Begriff &#8222;Klasse&#8220;, denn f&#252;r sie haben die Frauen einen spezifischen gemeinsamen Platz in einer spezifischen Produktionsweise, in welcher sie durch die Hausarbeit ausgebeutet werden. Es scheint uns indessen falsch, die Hausarbeit als &#8222;Produktionsweise&#8220; zu qualifizieren. Die Frauen sind eine beherrschte Gruppe, wegen ihren mutmasslichen reproduktiven F&#228;higkeiten. Obwohl alle, B&#252;rgerliche sowohl als Proletarierinnen, gegenw&#228;rtig die M&#228;nnerherrschaft erdulden, sind sie nicht alle den gleichen materiellen Bedingungen unterworfen und haben widerspr&#252;chliche Interessen (es gibt keine &#220;bereinstimmung zwischen der Gender- und der Klassenzugeh&#246;rigkeit). Die Geschlechterrollen geh&#246;ren spezifisch zum Reproduktionsprozess, die Klassen spezifisch zum Produktionsprozess. Man kann also nicht von einer Klasse der Frauen sprechen, sondern von einer Gruppe, deren Mitglieder ein spezifischer gemeinsamer Platz zugewiesen wird. Die Geschlechterrollen sind keine Klassen - sondern Geschlechterrollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GENDER UND REVOLUTION&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von dem, was die Proletarier &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; sind und denken, ist es nicht m&#246;glich, zu wissen, was die Revolution und der Kommunismus sein werden (unsere gegenw&#228;rtigen Mentalit&#228;ten sind von der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft gepr&#228;gt). Wenn man jedoch die vergangenen revolution&#228;ren Perioden, den aktuellen Gang des Klassenkampfes und den gegenw&#228;rtigen Zustand des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen untersucht, kann man versuchen, einige Hypothesen aufzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die kommunistische Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere Sichtweise hat selbstverst&#228;ndlich nichts zu tun mit den (leninistischen oder anderen) programmatischen Konzeptionen der Revolution, in welchen das Proletariat aufsteigen, die Macht ergreifen, den Staat, die Fabriken und anderen Mist kontrollieren muss, um &lt;i&gt;danach&lt;/i&gt;, w&#228;hrend einer &#220;bergangsphase, die Bedingungen f&#252;r den Kommunismus aufzubauen. Es geht uns nicht darum, die Art und Weise, wie die Wirtschaft verwaltet wird, radikal zu ver&#228;ndern (und auch nicht darum, sich die Unternehmen anzueignen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass die Phase der Zerst&#246;rung der alten Welt &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; Phase des Aufbaus des Kommunismus ist (Beseitigung des Staates, des Eigentums, des Werts, des Geldes, des Tausches, der Lohnarbeit und der Klassen durch die T&#228;tigkeit des Proletariats&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da ihre Interessen im Widerspruch zu jenen der Kapitalisten sind, k&#246;nnen (...)&#034; id=&#034;nh2-65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und somit dessen Selbstnegation usw.). Dieser Prozess wurde in den 1970er Jahren von mehreren ultralinken Gruppen theoretisiert und als &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt;* bezeichnet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Konzept der Kommunisierung st&#246;sst seit einigen Jahre international auf (...)&#034; id=&#034;nh2-66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Aufstand und Kommunisierung bedingen einander. Es wird nicht zuerst einen Aufstand und danach eine durch den Aufstand erm&#246;glichte Transformation der sozialen Realit&#228;t geben. Der aufst&#228;ndische Prozess bezieht seine Kraft aus der Kommunisierung selbst.&lt;/i&gt;&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Quatre millions de jeunes travailleurs, Pour un monde sans argent : le (...)&#034; id=&#034;nh2-67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Prozess wird unvermeidlich Genderfragen ebenfalls betreffen und f&#252;hrt, unserer Meinung nach, schliesslich zu deren Aufhebung (andernfalls versinkt er in der Konterrevolution).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r braucht es keine Dekrete zu verfassen und dann anzuwenden, nur viele Freudenfeuer und vor allem kommunistische &#8222;Massnahmen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Laufe des revolution&#228;ren Kampfes sind die Aufhebung des Staates, des (...)&#034; id=&#034;nh2-68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche das System niederreissen, jegliches Zur&#252;ck verunm&#246;glichen, mit der Vergangenheit Tabula rasa machen und gleichzeitig den Tisch f&#252;r die neue Welt anrichten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus basiert unter anderem auf einem gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis, der Lohnarbeit, dessen es sich zu entledigen gilt und welches im Moment der Revolution blockiert sein wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Revolution kann nicht &#8222;antikapitalistisch&#8220; sein. Der Staat ist zum (...)&#034; id=&#034;nh2-69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese Krise hat als Ursache und Konsequenz den Ausbruch des Proletariats, welcher die Form von Generalstreiks, Ausschreitungen, Generalaufstand, Aneignung gewisser der Revolution n&#252;tzlichen Produktionsmittel (und Abschaltung/Zerst&#246;rung der anderen) annimmt. Als brutaler Bruch wird die Kommunsierung aus Fortschritten und R&#252;ckschl&#228;gen bestehen und Gewalt und Konfrontationen werden leider unvermeidlich sein (gegen&#252;ber Bullen aller Art, der Armee, privaten Milit&#228;runternehmen usw.). Die physischen Elemente des Kapitals (nicht nur die Fabriken), welche seinen Fortbestand erlauben, werden nutzlos und unbrauchbar gemacht oder zerst&#246;rt: Geld, Banken, Goldreserven, Eigentumstitel, notarielle Gutachten, Verwaltungen, Unternehmenssitze, &#8222;&lt;i&gt;Kasernen und Kathedralen, welche f&#252;r uns gleich absurd sind&lt;/i&gt;&#8220; usw., alles mehr oder weniger traditionelle Ziele der proletarischen Wut&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Gruppe Rage Against the Kebab singt es melodi&#246;s: &#8222;Kommunisieren (...)&#034; id=&#034;nh2-70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Revolution wird sich selbstverst&#228;ndlich nicht auf den Angriff einiger Geb&#228;ude beschr&#228;nken; die Hauptwaffen der Aufst&#228;ndischen werden die eingeleiteten kommunistischen &#8222;Massnahmen&#8220; und die Erschaffung neuer gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Bewegung hebt die existierende Ordnung der Dinge endg&#252;ltig auf, d.h. die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dieser beschissenen Welt (Staat, Eigentum, Kapitalismus, Ausbeutung, Wert, Geld, Lohnarbeit, Tausch, Klassen usw.) und beseitigt gleichzeitig die &lt;i&gt;Notwendigkeit&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft, die Familie und die Geschlechterrollen zu reproduzieren. Die Aufhebung der Lohnarbeit und die revolution&#228;re T&#228;tigkeit beenden die Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher und individueller T&#228;tigkeit, zwischen diversen Trennungen (Arbeits-, Ruhe-, Freizeit usw.), welche die Grundlagen der Hausarbeit sind (die Trennung zwischen privater/reproduktiver und &#246;ffentlicher/produktiver Sph&#228;re). Neue Verh&#228;ltnisse zwischen unmittelbar gesellschaftlichen Individuen* entstehen, gegen jegliche Vermittlung, Klassenzugeh&#246;rigkeit und &#228;hnliches gerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die transformierende Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;klassischen&#8220; K&#228;mpfe (Streiks, Besetzungen, Ausschreitungen, Aufst&#228;nde usw.) transformieren jene, welche daran teilnehmen; die Proletarier f&#252;hren Aktionen durch und kommen zu &#220;berlegungen, die sie sich oft vorher nie h&#228;tten vorstellen k&#246;nnen. Das alles wird m&#246;glich, weil der beschissene Alltag, die entfremdende und abstumpfende allt&#228;gliche T&#228;tigkeit, die gew&#246;hnlichen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ersch&#252;ttert und/oder unterbrochen werden. Neue Verh&#228;ltnisse entstehen; man hat Zeit, sich zu treffen, zu diskutieren, zu &#252;berlegen usw. Einige werden sagen, dass &#8222;&lt;i&gt;das Klassenbewusstsein sich im Kampf formt&lt;/i&gt;&#8220; (Otto R&#252;hle). Und je intensiver der Kampf ist, desto tiefer ist diese Transformation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In einen Kampf k&#246;nnen sich der spiessigste Prolet und der idiotischste (...)&#034; id=&#034;nh2-71&#034;&gt;71&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis jetzt waren diese Art von Situationen immer zeitlich und r&#228;umlich begrenzt und haben somit jedes Mal nur eine begrenzte Anzahl Leute ber&#252;hrt. Wenn ein Kampf vorbei ist, beginnt der Alltag, und insbesondere die Arbeit wieder von vorne, die Normalit&#228;t kehrt zur&#252;ck (manchmal nicht ganz bis in die &#8222;Geister&#8220;). Dank der Revolution wird diese Situation gl&#252;cklicherweise keine r&#228;umlichen und zeitlichen Grenzen mehr haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Selbstnegation der proletarischen Frauen - und der M&#228;nner&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Streiks der proletarischen Frauen (besonders in den 1970er Jahren) machen die M&#228;nnerherrschaft offensichtlich und stellen sie manchmal gar in Frage&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es w&#228;re notwendig, die Teilnahme von Frauen an den zeitgen&#246;ssischen (...)&#034; id=&#034;nh2-72&#034;&gt;72&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kampf bringt sie weg vom Haushalt und zusammen, geteilte Momente, die Ideen geben und die Praktiken ver&#228;ndern. Die Ausf&#252;hrung oder Unterlassung der Hausarbeit wird zum Problem (entweder wird sie nicht mehr ausgef&#252;hrt oder die sie wird den Frauen zugewiesen zu Lasten des Kampfes). Dies hat einen direkten Einfluss auf das Leben im Haushalt, im Paar, in der Familie: Sie sind nicht mehr verf&#252;gbar, um die Mahlzeiten zuzubereiten, die W&#228;sche zu machen, sich um die Kinder zu k&#252;mmern...Das damit konfrontierte Paar erlebt eine Krise und die geschlechtliche Differenzierung wird davon ersch&#252;ttert. Die Probleme der Reproduktion (nicht der Arbeitskraft, sondern des allt&#228;glichen &#220;berlebens) werden notwendigerweise und direkt in den Kampf integriert (welcher somit nicht mehr nur Lohnfragen betreffen). Aber auch hier kommt das allt&#228;gliche Leben zur&#252;ck und alles wird wieder mehr oder weniger normal sobald der Kampf vorbei ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von den Beispielen dieser Streiks k&#246;nnen wir uns die Intensit&#228;t &lt;i&gt;vorstellen&lt;/i&gt;, welche diese Umw&#228;lzungen haben werden, wenn eine revolution&#228;re Periode eintritt. Die Beteiligung der Frauen am Aufstand wird unumg&#228;nglich und massiv sein. Dies wird einen bedeutenden Einfluss auf die private Sph&#228;re (die, wie die &#246;ffentliche auch, verschwinden wird) und das allt&#228;gliche Leben haben. Sie werden nicht mehr als Frauen von Proletariern oder Hausfrauen intervenieren, was in den vergangenen &#8222;revolution&#228;ren&#8220; Episoden mehrheitlich der Fall war. Sie werden als Proletarierinnen handeln (Infragestellung der Klassen) &lt;i&gt;und auch als Frauen&lt;/i&gt; (Aufkommen von Fragen, die mit der Reproduktion und den Geschlechterrollen zusammenh&#228;ngen)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das wirft eine wohl grundlegende Frage auf, auf die wir nicht wirklich (...)&#034; id=&#034;nh2-73&#034;&gt;73&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Historische Beispiele zeigen, dass in einer ersten Phase einer revolution&#228;ren Periode die Frauen sehr h&#228;ufig aktiv sind, zu den Waffen greifen und die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Geschlechterteilung werden davon ersch&#252;ttert (Paris 1871, Russland 1917&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kollontai zeigt zum Beispiel, dass die neuen wirtschaftlichen und (...)&#034; id=&#034;nh2-74&#034;&gt;74&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Spanien 1936). Man k&#246;nnte jedoch einwenden, dass sie schnell wieder auf die weiblichen Aufgaben (Pflege, K&#252;che, Waschen usw.) beschr&#228;nkt wurden, was stimmt. Es ist weniger so, dass der revolution&#228;re Prozess die geschlechtliche Differenzierung wieder einrichtet, sondern eher, dass er gebremst worden ist. Die Grundlagen der alten Welt bleiben erhalten (speziell die Lohnarbeit), die Verwaltung einer mehr oder weniger normalen gesellschaftlichen Ordnung wird zu einer Notwendigkeit und die B&#252;rokraten (bolschewistische Partei oder CNT&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Brosch&#252;re von Michael Seidman L'Individualisme subversif des femmes &#224; (...)&#034; id=&#034;nh2-75&#034;&gt;75&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) erscheinen oder ergreifen die Macht. Die Frauen in den Haushalt oder die K&#252;che zur&#252;ckzuschicken ist nicht schwer, denn es ist damals mehrheitlich ihr Platz in der Gesellschaft (Frauen von Proletariern). Dies ist heute nicht mehr der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im revolution&#228;ren Prozess werden die von den Frauen getragenen Fragen offen gelegt werden, herausbrechen und unvermeidlich Konflikte provozieren (Wer k&#252;mmert sich um die Kinder? Die Pflege? Die Kantine? usw.) Ihre L&#246;sung wird wahrscheinlich Formen der Selbstorganisation der Frauen herbeif&#252;hren (gegen&#252;ber den M&#228;nnern?)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die M&#228;nner werden also ihre &#196;rmel hochkrempeln m&#252;ssen (und somit faktisch (...)&#034; id=&#034;nh2-76&#034;&gt;76&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, nicht um das Herrschaftsverh&#228;ltnis umzukehren, sondern um die geschlechtliche Differenzierung aufzul&#246;sen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein von einigen vorgebrachtes Beispiel ist die Gr&#252;ndung des Movimiento de (...)&#034; id=&#034;nh2-77&#034;&gt;77&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ist dies nur eine M&#246;glichkeit oder eine Notwendigkeit? Die Frage bleibt offen, wie auch jene des Risikos, damit die Geschlechterteilung zu best&#228;tigen. Wenn in dieser Hypothese die Selbstorganisation der Frauen eine Etappe im Prozess der Kommunisierung darstellt, so wird sich doch der Rest (die Aufhebung der Geschlechterrollen) gegen sie (die Selbstorganisation) richten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Untergrabung der Tr&#228;ger der sozialen Konstruktion&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe und Zerst&#246;rungen, die Aufhebung des Eigentums, des Geldes, des Werts, des Staats usw. werden &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; im allt&#228;glichen Leben etliche &lt;i&gt;Tr&#228;ger&lt;/i&gt; der sozialen Konstruktion der Geschlechterrollen ersch&#252;ttern, sie unwirksam, unbrauchbar, hinf&#228;llig machen oder ihr Verschwinden verursachen. Es ist unm&#246;glich, davon eine vollst&#228;ndige Liste zu erstellen (denn das ganze Leben wird transformiert, ersch&#252;ttert werden), doch man kann einige Beispiele geben: die Pornoindustrie, die Werbung, die Medien (Fernsehen, Zeitungen), die religi&#246;sen Institutionen, die staatliche Bildung, das Standesamt (Schluss mit Heiraten, Scheidungen, Heiratsvertr&#228;gen, Abstammung, Erbe usw.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es wird wohl immer noch einige Hinterw&#228;ldler geben, die heiraten m&#246;chten, (...)&#034; id=&#034;nh2-78&#034;&gt;78&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), die Prostitution, die Modeindustrie, die Sch&#246;nheitswettbewerbe, die Nachtlokale, Walt Disney usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu diesen Ersch&#252;tterungen des allt&#228;glichen Lebens sollte man die Wirkung der neuen Funktionsweisen hinzuf&#252;gen, welche im Kampf aufgebaut werden, um etliche Schwierigkeiten zu bew&#228;ltigen (wie z.B. die Versorgung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Vergleich zu kapitalistischen Kriterien wird der kommunistische (...)&#034; id=&#034;nh2-79&#034;&gt;79&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;): diverse Versammlungen und Orte der Diskussion, kollektive Kantinen, kollektives Wohnen, kollektive Kindererziehung und Bildung (Schluss der Kernfamilie), wahrhafte sexuelle Befreiung (Verschwinden der verkn&#246;cherten gesellschaftlichen und moralischen Rahmenbedingungen) usw. (wir gestehen hier die Schw&#228;che unserer Vorstellungskraft ein).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage der Zeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird m&#246;glich sein, sich von der alten Welt zu befreien nach einigen Jahren entsetzlichen, blutigen und vielleicht ein wenig freudigen Kampfes, doch, obwohl der Kampf jene, welche daran teilnehmen, ver&#228;ndert, wird das vielleicht nicht f&#252;r die etlichen sch&#228;dlichen Einwirkungen ideologischen Charakters gelten. Insbesondere alles, was, als Frucht einer Bildung und einer Umwelt, die wir unser ganzes Leben erduldet haben, in jedem und jeder von uns tiefst verankert ist: der Sexismus, der Rassismus, der Individualismus, der Drang/die Lust nach Ordnung, Disziplin, Hierarchie, das Paar (welches wohl eine der letzten Widerstandsbastionen der M&#228;nnerherrschaft sein wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den russischen und spanischen Episoden findet man h&#228;ufig die Figur des (...)&#034; id=&#034;nh2-80&#034;&gt;80&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), die Aneignung der Kinder usw. All das hinter uns zu lassen mag &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; schwierig erscheinen, doch erinnern wir noch einmal daran, dass der Prozess der Kommunisierung die Probleme der geschlechtlichen Differenzierung auf den Tisch legen wird und die Entwicklung der Mentalit&#228;ten wird wahrscheinlich viel schneller sein als man sich vorstellen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufhebung der Geschlechterrollen bedeutet nicht Vereinheitlichung, Gleichmacherei und Traurigkeit. Es ist &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; unm&#246;glich, sich vorzustellen, was in einer kommunistischen Welt die Schwangerschaft, die (wahrscheinlich kollektive) Kindererziehung, emotionale, k&#246;rperliche und/oder sexuelle Beziehungen, der K&#246;rper usw. sein werden (der uns zu Verf&#252;gung stehende Wortschatz eignet sich &#252;brigens nicht dazu).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Revolution werden die geschlechtliche Differenzierung und die Geschlechterrollen faktisch von unmittelbar gesellschaftlichen Individuen aufgehoben. Doch der Kommunismus wird selbstverst&#228;ndlich nicht die Unterscheidung aufheben zwischen jenen, welche schwanger werden k&#246;nnen und jenen, welche es nicht k&#246;nnen. Die Schwangerschaft ist jedoch kein nat&#252;rliches Ph&#228;nomen, sie wird gesellschaftlich organisiert (auf unterschiedliche Art und Weise je nach Epochen, Gesellschaft und Regionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Paola Tabet, op. cit.: Um die niedrige Fruchtbarkeit der (...)&#034; id=&#034;nh2-81&#034;&gt;81&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Heute bedingt sie die Bildung der Gruppe der Frauen und die M&#228;nnerherrschaft. Wie die Frage der Organisation der Schwangerschaft behandelt und gel&#246;st wird w&#228;hrend der Kommunisierung ist wesentlich und sehr problematisch. Es ist besonders diese Frage, die Mutterschaft, &#252;ber welche die Aufhebung der Geschlechterrollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Genosse denkt, dass wir im Kommunismus &#8222;keine Kinder mehr haben, doch (...)&#034; id=&#034;nh2-82&#034;&gt;82&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und somit die Kommunisierung, zu stolpern droht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus kann nicht zusammen mit irgendeiner gesellschaftlichen Hierarchie (und somit der Aufrechterhaltung der M&#228;nnerherrschaft) oder Bestimmungen gedacht werden. Doch man kann auch nicht sagen, obwohl wir die Idee der &#220;bergangsphase ablehnen (welche die Grundlagen des Kommunismus aufbauen soll), dass die Menschheit wirklich gl&#252;cklich sein wird, wenn der letzte Kapitalist geh&#228;ngt werden wird. Anders gesagt: Obwohl es bei der Kommunisierung darum geht, &lt;i&gt;kommunistische Verh&#228;ltnisse&lt;/i&gt; (welche die Hauptwaffe der Revolution&#228;re sein werden) aufzubauen, wird man noch nicht von Kommunismus sprechen k&#246;nnen, wenn die letzte bewaffnete Konfrontation beendet sein wird...Trotz den Umw&#228;lzungen werden die &#8222;Mentalit&#228;ten&#8220; (eine Frucht der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) noch nicht kommunistisch sein. W&#228;re der Begriff historisch nicht dermassen beladen, k&#246;nnte man von einer Art &lt;i&gt;&#220;bergangsphase&lt;/i&gt; (nicht des Absterbens des Staates, sondern der kapitalistischen Mentalit&#228;ten) zum Kommunismus sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus wird nicht das Paradies sein, er wird nicht alle Konfliktm&#246;glichkeiten aufheben, aber diese werden nicht mehr durch das Kapital oder andere Herrschaftsformen vermittelt; die Konflikte werden wahrscheinlich auf noch nie dagewesene Art und Weise gel&#246;st werden. Die Bedingungen, welche die M&#228;nnerherrschaft und alle Formen der Herrschaft und der Unterdr&#252;ckung erkl&#228;ren und erlauben, werden verschwunden sein, was ein guter Anfang ist. Die unmittelbar gesellschaftlichen (schon w&#228;hrend der Kommunisierung transformierten) Individuen werden Existenzbedingungen kennen, welche f&#252;r eine &#8222;positive&#8220; Entwicklung besonders g&#252;nstig sein werden. Die folgende Generation (welche nur den Kommunismus gekannt haben wird, in ihrer Bildung jedoch noch den Einfluss der &#8222;&#220;berbleibsel&#8220; der Erwachsenen erdulden werden) wird den Makel der alten Welt wesentlich weniger ergeben sein - und vielleicht &#252;berhaupt nicht mehr. Man wagt sich nicht vorzustellen, wie es zehn Generationen sp&#228;ter aussehen wird...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SCHLUSSFOLGERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Etliche Proletarier revoltieren heutzutage, brechen aus, weigern sich, sich der Ausbeutung und der Herrschaft zu f&#252;gen und sind somit faktisch Teil der wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufheben wird. Diese K&#228;mpfe stossen an die Grenzen ihrer Epoche und k&#246;nnen, in dieser Periode relativer sozialer Ruhe (solange alles funktioniert), nur partiell, reformistisch usw. sein. Doch eine Periode der Krise/des Aufstands, welche nicht mit den aktuellen K&#228;mpfen vergleichbar ist, wird M&#246;glichkeiten zu einem radikalen und qualitativen Bruch erschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, auf diese Momente kollektiver Ausbr&#252;che zu warten, doch es sind nicht wir (die mehr oder weniger selbst ernannten &#8222;Revolution&#228;re&#8220;), welche diese K&#228;mpfe ausl&#246;sen, wir entscheiden auch nicht die Ziele oder die Art der Angriffe. Wir nehmen daran teil wie alle Proletarier. Obwohl pers&#246;nliche Vorgehensweisen (oder in kleinen Gruppen) selbstverst&#228;ndlich nicht abzulehnen sind, sollte man sich jedoch bewusst sein, dass nur ein kollektiver Kampf in einem gewissen Ausmass (die Revolution) in einem notwendigerweise einmaligen Akt die Klassen und die Geschlechterrollen wird aufheben k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn uns etwas bewusst werden sollte, so sind es vor allem unsere Grenzen (...)&#034; id=&#034;nh2-83&#034;&gt;83&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beteiligung der Frauen an Bewegungen der Revolte in der Vergangenheit wurde oft als Gradmesser der Radikalit&#228;t wahrgenommen. Aber seit ihrem massiven und direkten Eintritt in die Lohnarbeit und somit in die Streiks f&#252;hrt allein ihre Involvierung dazu, dass die Fragen der Reproduktion auftauchen. Die Revolution wird mit den proletarischen Frauen stattfinden und es ist diese Involvierung, welche einen bis anhin unm&#246;glichen qualitativen Sprung erlaubt. Von diesem Moment an wird sich die Frage der Aufhebung der &#246;ffentlichen und privaten Sph&#228;re in der Praxis stellen; genauso wie das Ende der Geschlechterrollen und der geschlechtlichen Differenzierung. In diesem konfliktreichen und problematischen Prozess wird die Rolle der Frauen also bestimmend sein - sowie als Reaktion jene der M&#228;nner. Wenn man sich die Genderfrage in einer revolution&#228;ren Perspektive nicht ersparen kann, so gilt das gleiche f&#252;r die allt&#228;glichen K&#228;mpfe und das allt&#228;gliche &#220;berleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seien wir optimistisch, denn chronologisch betrachtet waren wir der kommunistischen Revolution noch nie so nah!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nieder mit dem Proletariat! Nieder mit den M&#228;nnern! Nieder mit den Frauen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es lebe die Anarchie, es lebe der Kommunismus!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bande von Incendo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anhang:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Va te faire queer un &#339;uf*&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegen die Gleichheit und die Altbackenheit des Feminismus, welcher im Problem des kollektiven Kampfes verankert ist, entstand in den 1990er Jahren eine neue Art und Weise, Gender zu denken, die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie. Sie positioniert sich gegen jeglichen Essentialismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch mit der vorherrschenden Forderung nach Gleichheit geht die Kritik des Essentialismus in der Regel vergessen. Da die Naturalisierung effizient ist und dem &#8222;spontanen&#8220; Denken entspricht, kommt sie stets zur&#252;ck, wenn sie nicht kritisiert und bek&#228;mpft wird. Die Schwulen- und Lesbenbewegung ist auch Teil dieser allgemeinen Bewegung, welche in einer Welt der Beherrscher und Beherrschten Gleichheit fordert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit erscheint &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; als eine Erneuerung essentialistischer Kritik. Sie unterscheidet sich jedoch grunds&#228;tzlich von jener des Feminismus der 1970er Jahre, indem sie die Minderheiten in eine Strategie der Kritik des herrschenden Denkens einbettet, die das Streben nach Gleichheit beinhaltet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht also nicht mehr darum, zu zeigen, dass es gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse und eine gesellschaftliche Struktur gibt, die die Individuen aus materiellen Gr&#252;nden unter Zwang setzt, sondern zu zeigen, dass es Dissidenz gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Minderheiten, insbesondere die sexuellen, sind also das bevorzugte Experimentierfeld eines von allen gesellschaftlichen Zw&#228;ngen losgel&#246;sten Individuums, das die Freiheit hat, zu subvertieren, gegen die herrschende Norm zu verstossen und ihr abzuschw&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jeder wird in gewisser Weise zum kleinen Unternehmer seiner Identit&#228;t, einer Identit&#228;t in Bewegung, nicht beeintr&#228;chtigt von der Norm und konstituierend durch die einfache Tatsache ihrer Art der Existenz, als etwas betrachtet, das man &#8222;w&#228;hlen&#8220; k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist somit nicht mehr eine Sichtweise eines Systems gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse, in welchem die Leute k&#228;mpfen und debattieren, sondern von individuellen Identit&#228;ten, von welchen man sich befreien, zu welchen man in ein Verh&#228;ltnis der Dissidenz eintreten und von welchen man sich abspalten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sackgasse von &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; liegt also in der Tatsache, dass die Theorie nicht erkl&#228;ren kann, warum die Individuen diese &#8222;Rollen&#8220; dermassen &#252;berzeugend und manchmal unter Lebens- oder Verletzungsgefahr &#8222;spielen&#8220;. Es ist ebenfalls unverst&#228;ndlich, warum nur ganz wenige diese F&#228;higkeit zur Subversion haben sollten, w&#228;hrend alle anderen nur als Schafe, Entfremdete, Unfreie qualifiziert werden k&#246;nnen. Butler mit ihrer Theatermetapher zeigt, dass die Schw&#228;che von &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; ist, in Identit&#228;tsfragen nur eine Haltung, eine Rolle, gek&#252;nstelt und ideologisch, zu sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ginge somit darum, sich individuell eine andere gesellschaftliche Performance zu konstruieren, indem man auf der B&#252;hne der Gesellschaft eine andere Rolle spielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der mit Ach und Krach vertriebene Naturalismus ist also im Handumdrehen wieder da: Es ginge also darum, sich von jeglicher definierten und stabilen Identit&#228;t zu l&#246;sen, doch wozu? Es kann nur darum gehen, eine Essenz, eine Natur wieder zu finden: jene des freien, von allen Normen befreiten Individuums &#8211; historisch eine sehr zeitgen&#246;ssische Idee. Man kann davon ableiten, dass die Dissidenz entweder in den herrschenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen enthalten und von ihnen konstruiert ist, und somit keine ist, oder dass wir es mit einem Individuum zu tun haben, dessen Identit&#228;t sich anders als durch die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, wovon es Teil ist, definieren kann, womit wir beim Naturalismus angekommen w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tarona&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Auszug eines unver&#246;ffentlichten Textes)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* &#8222;Geh dir ein Ei kochen&#8220;. Wortspiel zwischen &#8222;cuire&#8220; (&#8222;kochen&#8220;) und &#8222;queer&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Begriffserkl&#228;rungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Begriffe, die Geschlechterrollen und Klassen betreffen, haben keine strikte und noch weniger eine konsensuelle Definition. Das erste Vorkommen jedes Begriffs ist in den Artikeln mit einem * markiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ANEIGNUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verh&#228;ltnis, innerhalb welchem eine (beherrschte) Kategorie von einer anderen (herrschenden) angeeignet wird. Colette Guillaumin, auf welche diese Reflexionen zur&#252;ckgehen, bezieht sie auf die Aneignung, welche die Sklaverei (Meister/Sklave) oder die Leibeigenschaft (Feudalherr/Leibeigener) darstellen. Sie bezeichnet das Verh&#228;ltnis der Aneignung der Frauen als &lt;i&gt;sexage&lt;/i&gt; [&#252;bersetzt Sexerei oder Geschlechterei]. Die Individuen der beherrschten Gruppe sind das Eigentum anderer Individuen (sie geh&#246;ren ihnen mit K&#246;rper und Seele, schulden ihnen Gehorsam usw.). Die Frauen werden kollektiv (als Gruppe, im Rahmen der allgemeinen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) und individuell (im Rahmen der Familienverh&#228;ltnisse, durch die Heirat) angeeignet. Einige denken, dass letztere Aneignung heutzutage in den westlichen L&#228;ndern fakultativ geworden ist, zumal das schrittweise juristische und soziale Eindringen des Staates in den Haushalt sie geschw&#228;cht hat (die Frauen werden nicht mehr als Minderj&#228;hrige unter der Autorit&#228;t ihres Ehemannes betrachtet, die eheliche Vergewaltigung ist juristisch anerkannt usw.). F&#252;r andere wiederum ist die individuelle Aneignung immer noch notwendig zur Kontrolle der Frauen, jedoch komplexer als noch vor f&#252;nfzig Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ESSENTIALISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um es kurz zu machen, kann man sagen, dass die Eigenheit der essentialistischen feministischen Str&#246;mungen ist, dass sie denken, es gebe einen &lt;i&gt;Wesens&lt;/i&gt;unterschied zwischen M&#228;nnern und Frauen, der die geschlechtliche Differenzierung erkl&#228;rt und best&#228;tigt. Was dazu f&#252;hrt, dass sich die Kritik h&#228;ufig auf die Ungleichheit von M&#228;nnern und Frauen beschr&#228;nkt, ohne die Organisation der Gesellschaft in zwei Geschlechterrollen in Frage zu stellen, d.h. diese Kategorien nicht als Frucht gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse zu betrachten und ihre Funktion nicht zu erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kurz, der Essentialismus ist zusammen mit dem Pro-Feminismus das schlimmste Produkt des Sexismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FEMINISMEN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Feminismus, als kollektive Bewegung der Frauenk&#228;mpfe, kommt als solcher erst in der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts auf. Er basiert auf der Erkenntnis der Frauen ihrer spezifischen und systematischen Unterdr&#252;ckung (die nicht durch die Natur bedingt ist). Diese Forderung entsteht aus der Diskrepanz zwischen der Behauptung universeller Gleichheit und der Realit&#228;t (Erkl&#228;rung der Menschenrechte, b&#252;rgerliche Demokratie). Er ist zu unterscheiden von Massenbewegungen der Frauen, die nicht direkt die Forderung nach solchen Rechten hervorheben. Der Begriff wird von sozialistischen Frauen der zweiten und dritten Internationalen (wegen seiner b&#252;rgerlichen Konnotation) abgelehnt, obwohl diese als Vorreiter desselben betrachtet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zur g&#228;ngigen Meinung ist es schwierig, den Begriff im Singular zu gebrauchen, denn die Positionen und Ziele der Feministinnen sind zu verschieden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FORMELLE/REELLE HERRSCHAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zwei historischen Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung der kapitalistischen Produktion. In der ersten Phase, &#8222;formelle Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit&#8220; genannt, dominiert das Kapital, doch der konkrete Modus der Arbeit wird nicht modifiziert und bleibt global jener der vorhergehenden Produktionsweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Phase der reellen Herrschaft werden diese konkrete Arbeit, sowie das ganze Leben, komplett transformiert und der kapitalistischen Produktionsweise angepasst. Die Herrschaft ist effektiv und reell.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die genaue Datierung dieser beiden Perioden ist unm&#246;glich (das &#220;bergehen der einen zur anderen ist progressiv und in jedem Land verschieden) und wird kontrovers diskutiert. Man kann dennoch f&#252;r die westlichen L&#228;nder sagen, dass die Herrschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts formell und in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts reell ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu diesem Thema siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;, 1863-1865.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FRAU&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Individuum, das in erster Linie durch seinen Platz in der Reproduktion der Bev&#246;lkerung definiert ist (und somit in der privaten Sph&#228;re) und stets in diesen Zustand zur&#252;ck verwiesen wird (wenn n&#246;tig mit Gewalt). In allen Gesellschaften f&#252;hrt ihre &lt;i&gt;mutmassliche&lt;/i&gt; reproduktive F&#228;higkeit dazu, dass ihr K&#246;rper kontrolliert und sie von den M&#228;nnern angeeignet/beherrscht wird. In der kapitalistischen Produktionsweise ger&#228;t diese reproduktive Funktion in Widerspruch zu ihrer Rolle als Proletarierin (oder sogar als B&#252;rgerliche). Die Frauen sind nichts nat&#252;rliches.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GENDER&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff kommt in Grossbritannien in den 1970er Jahren in den feministischen Milieus auf, um das gesellschaftliche (gesellschaftlich konstruierte) Geschlecht zu bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er basiert auf anatomischen Eigenschaften, ohne diese jedoch exakt abzudecken. Abh&#228;ngig von anatomischen Variablen (welche insbesondere eventuelle Zeugungsf&#228;higkeiten gewisser Individuen bestimmen) erlaubt er die Kreation/Unterscheidung der Gruppe der M&#228;nner und jener der Frauen, die als &#8222;nat&#252;rlich&#8220; wahrgenommen werden (und wenn n&#246;tig chirurgisch durchgesetzt werden bei mindestens 2% der Geburten). &#8222;&lt;i&gt;Die Geschlechterrolle konstruiert das Geschlecht.&lt;/i&gt;&#8220; (Christine Delphy)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von dieser vermeintlichen Dichotomie konstruieren die menschlichen Gesellschaften zwei gesellschaftliche Gruppen und weisen ihnen verschiedene Funktionen und Rollen zu (die meistens hierarchiesiert sind), die die Gesamtheit der Gesellschaft abdecken (geschlechtliche Differenzierung): Hierarchie, Arbeitsteilung, gesellschaftliche Organisation der Zeugung/Mutterschaft (notwendige Kontrolle der Reproduktion und somit der Frauen), Heterosexualit&#228;t und Familie als Norm usw. Die t&#228;gliche Konstruktion und der Fortbestand dieser Gruppen (dieses Unterschieds/dieser Ungleichheit) erfordert die Einrichtung und das Funktionieren etlicher Dispositive (insbesondere kulturelle, Bildung, Kleidung, Verhalten usw.), welche die Gesellschaft, in welcher wir leben, ausmachen/sind. Diese Bestimmungen variieren je nach Epoche und Gesellschaft, was aufzeigt, dass es sich um eine gesellschaftliche Konstruktion handelt (die nichts nat&#252;rliches an sich hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Siehe insbesondere Paola Tabet, Colette Guillaumin, Christine Delphy und Fran&#231;oise H&#233;ritier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GESCHLECHTLICHE DIFFERENZIERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist die Teilung der Aufgaben/Zuweisungen/Machtbefugnisse abh&#228;ngig vom Geschlecht (die erste Arbeitsteilung). Die geschlechtliche Differenzierung existiert in allen bekannten Gesellschaften (in gewissen Urgesellschaften implizierte sie nicht unbedingt eine klare Hierarchiesierung zwischen den Gruppen). Mit dem Aufkommen der Klassengesellschaften hat sich die Herrschaft &#252;ber die Frauen best&#228;tigt, versch&#228;rft und vor allem institutionalisiert, um dem Patriarchat Gestalt zu geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KAPITALISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise entsteht aus der Aufl&#246;sung der europ&#228;ischen feudalen Ordnung. Ihre prinzipielle Eigenschaft ist das Monopol der Bourgeoisie auf die Produktionsmittel und die Mittel zum Lebensunterhalt (Trennung zwischen Produzenten und Produktionsmittel). Der mittellose Proletarier ist zur Lohnarbeit und zur Produktion von Mehrwert gezwungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus passt sich an, entwickelt sich, ver&#228;ndert sich andauernd (was ihn charakterisiert): &#8222;&lt;i&gt;Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverh&#228;ltnisse, also s&#228;mtliche gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse fortw&#228;hrend zu revolutionieren.&lt;/i&gt;&#8220; (Marx und Engels, &lt;i&gt;Manifest der Kommunistischen Partei&lt;/i&gt;, 1848). Er kann funktionieren, indem er sich auf ein diktatorisches oder demokratisches Regime st&#252;tzt, auf liberale Art und Weise oder staatlich geplant, ohne Bosse (UdSSR), ohne Hierarchie (Selbstverwaltung) usw. Um seine Expansion und seine Herrschaft &#252;ber die Jahrhunderte hinweg zu garantieren, hat er sich diverser gesellschaftlichen, politischen, moralischen, wirtschaftlichen und Wertsystemen entledigt, welche f&#252;r ihn zum Hindernis geworden sind. Da kein wirtschaftliches oder gesellschaftliches System unsterblich ist, wird der Kapitalismus auf irgendeine Weise ein Ende haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KLASSE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Klassenzugeh&#246;rigkeit (einer Gruppe oder eines Individuums) ist definiert in Bezug auf den Platz, welche man in einer gegebenen Produktionsweise einnimmt &#8211; f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise: kapitalistische Klasse/Proletariat (das ist die klassische marxistische Definition, die wir so benutzen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab den 1970er Jahren wird dieser Begriff benutzt, um die Gruppe der Frauen zu bezeichnen. Sie haben diesen Begriff nicht zuf&#228;llig gew&#228;hlt, sondern weil sie im allgemeinen einen marxistischen Hintergrund haben. Von einer &#8222;Frauenklasse&#8220; zu sprechen bedeutet, dass alle Frauen einen identischen Platz in einer Produktionsweise einnehmen: Die Haushalts- oder patriarchale Produktionsweise wie sie von Christine Delphy theoretisiert wurde. Ihr Platz ist selbstverst&#228;ndlich jener der Ausgebeuteten, im Gegensatz zur &#8222;M&#228;nnerklasse&#8220;, welche jene der Ausbeuter ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute benutzen Feministinnen und andere diesen Begriff ohne Bezug zu dieser Theorie, um die Gruppe der Frauen oder jede andere unterdr&#252;ckte, beherrschte oder Minderheitsgruppe zu bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KLASSENKAMPF&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Klassenkampf stehen sich Klassen mit widerspr&#252;chlichen Interessen gegen&#252;ber: In der kapitalistischen Produktionsweise die kapitalistische Klasse, welche die Produktionsmittel besitzt, und das Proletariat, welches von ihr ausgebeutet und beherrscht wird. Dieser Kampf ist allt&#228;glich, h&#228;ufig kaum sichtbar (Ausbeutung, Widerstand gegen die Arbeit, Sabotage, Fernbleiben von der Arbeit usw.) oder manchmal sehr greifbar (Restrukturierungen, Streiks, Aufruhr usw.). Von hoher oder tiefer Intensit&#228;t je nach Periode wird er erst mit der Aufhebung der Klassen aufh&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KOMMUNISIERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1970er Jahren haben aus der ultralinken Tradition kommende Gruppen den Begriff &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; zur Beschreibung des revolution&#228;ren Prozesses gepr&#228;gt. Zuvor wurde die Revolution gem&#228;ss dem klassischen Schema definiert (das, obwohl in verschiedenen Varianten, f&#252;r die alten Sozialdemokraten, die Leninisten und etliche Anarchisten G&#252;ltigkeit hatte): Aufstieg der Klasse, Machtergreifung, &#220;bergangsphase/Diktatur des Proletariats, Aufbau der Bedingungen des Kommunismus und dann schliesslich der Kommunismus. Aufgrund der Entwicklung des Klassenkampfes haben diese Gruppen dieses Schema f&#252;r inad&#228;quat, um nicht zu sagen f&#252;r komplett hinf&#228;llig befunden. Es geht nicht darum die Revolution &lt;i&gt;f&#252;r&lt;/i&gt; den Kommunismus, sondern &lt;i&gt;durch&lt;/i&gt; den Kommunismus zu machen, daher der Begriff der Kommunisierung. Sollte es eine Revolution geben, m&#252;sste sie &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; eine Phase der Zerst&#246;rung der alten Welt und eine Phase des Aufbaus des Kommunismus sein: Beseitigung des Staates, des Eigentums, des Werts, des Geldes, des Tausches, der Lohnarbeit und der Klassen durch die T&#228;tigkeit des Proletariats, und somit Selbstnegation desselben usw. (das hat selbstverst&#228;ndlich nicht viel mit dem Aufbau von Alternativen, &#8222;kleine Inseln&#8220; des Kommunismus mit eingeschlossen, in der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft zu tun).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass der Prozess der Kommunisierung unvermeidlich die Genderfrage einbeziehen wird und sie wird l&#246;sen m&#252;ssen oder andernfalls in der Konterrevolution versinkt: Die einzige vern&#252;nftige Antwort, die er darauf geben wird, ist zweifellos die Aufhebung dieser widerlichen Kategorien (Selbstnegation der Frauen und der M&#228;nner).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KOMMUNISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus hat selbstverst&#228;ndlich nichts zu tun mit den ungerechtfertigterweise &#8222;kommunistisch&#8220; genannten Diktaturen des 20. Jahrhunderts, welche in Tat und Wahrheit autorit&#228;re Formen von Staatskapitalismus waren. Negativ kann man sagen, dass der Kommunismus das Ende (die Aufhebung, &#220;berwindung) von allen Formen menschlicher Entfremdung, Vermittlung, Herrschaft, die Aufhebung des Staates, der Klassen (und somit des Proletariats), der Geschlechterrollen, der Lohnarbeit, des Geldes, des Werts, des Eigentums, des Rechts, der Moral usw. sein wird, was nicht ohne eine totale und internationale Revolution erreicht werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;MANN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gesellschaftlich konstruierte Kategorie. Im Gegensatz zur Frau ist der Mann in erster Linie durch seinen Platz in der &#246;ffentlichen Sph&#228;re definiert. Die Gruppe der M&#228;nner eignet sich die Gruppe der Frauen an und beherrscht sie. So wird die Kontrolle der K&#246;rper der Frauen und der Reproduktion organisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;M&#196;NNERHERRSCHAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff wird allgemein als weniger konzeptuell oder theoretisch betrachtet als &#8222;Patriarchat&#8220; (obwohl h&#228;ufig als Synonym gebraucht); denn er beschr&#228;nkt sich auf eine simple Feststellung (die allerdings nicht neutral ist). Wir bevorzugen den Gebrauch dieses Begriffs anstelle jenes des Patriarchats, um eine Gesellschaft zu beschreiben, in welcher die M&#228;nner &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; und global die Macht inne haben, die jedoch nicht mehr zu diesem Zweck &lt;i&gt;strukturiert&lt;/i&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Herrschaftsverh&#228;ltnis kann total, totalisierend sein, sich aber auch entwickeln, erodieren, umgest&#252;rzt oder aufgehoben werden. Es ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das es erlaubt, Ziele zu erreichen (die Herrschaft &#252;ber die Frauen erlaubt die Kontrolle der Reproduktion; die Herrschaft &#252;ber die Proletarier erlaubt ihre Ausbeutung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;NATUR&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das existiert nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;NOTWENDIGE ARBEIT/MEHRARBEIT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die notwendige Arbeit ist jene Arbeit, welche die Proletarier ausf&#252;hren, um die Reproduktion ihrer Arbeitskraft zu garantieren (Nahrung, Wohnung, Kleidung usw., sie entspricht dem Lohn). Die Mehrarbeit ist die zus&#228;tzlich zur notwendigen Arbeit ausgef&#252;hrte Arbeit (sie wird umsonst f&#252;r die Bosse ausgef&#252;hrt und verwandelt sich in Mehrwert).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#214;FFENTLICHE/PRIVATE, PRODUKTIVE/REPRODUKTIVE SPH&#196;RE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Begriffe, die die begrenzten Bereiche bezeichnen, in welchen sich die jeweiligen T&#228;tigkeiten, Zuweisungen und Einfl&#252;sse manifestieren und in welchen sie ausge&#252;bt werden. Die private Sph&#228;re besteht global aus dem Haushalt/dem Paar/der Familie, die reproduktiven T&#228;tigkeiten stehen in ihr im Zentrum. Die Frauen sind in erster Linie durch ihre Funktion in dieser Sph&#228;re definiert (der Reproduktion zugewiesen). Die &#246;ffentliche Sph&#228;re umfasst alles, was ausserhalb des Haushalts ist, sie ist der Ort der Produktion, des Politischen, Kulturellen, Milit&#228;rischen usw. Diese Sph&#228;re, die lange als Ort der T&#228;tigkeit der M&#228;nner definiert war, tendiert seit der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts dazu, sich progressiv zu durchmischen (im Gegensatz zur privaten Sph&#228;re).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die kapitalistische Produktionsweise, welche diese nie dagewesene Teilung zwischen Ort der Produktion und Ort der Reproduktion produziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PATRIARCHAT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im engeren Sinne handelt es sich um die Macht des Familienoberhaupts. Das Patriarchat wird allgemein als eine Art der gesellschaftlichen Organisation definiert, in welcher die famili&#228;re und politische Autorit&#228;t von den M&#228;nnern ausge&#252;bt wird. Es organisiert durch Gesetze, Institutionen und Br&#228;uche die geschlechtliche Trennung der Arbeit und den Ausschluss der Frauen von T&#228;tigkeiten, durch welche man Macht bekommt (Monopol der Politik, des Gebrauchs von Waffen und den effizientesten Werkzeugen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff wird von den Feministinnen (seit den 1970er Jahren) meistens als Synonym f&#252;r &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; gebraucht, als ob diese seit Tausenden von Jahren gleich geblieben w&#228;re (mit Christine Delphy als erw&#228;hnenswerte Ausnahme, die den Begriff nur gebraucht, um die M&#228;nnerherrschaft in den zeitgen&#246;ssischen industriellen Gesellschaften zu bezeichnen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass dieser Begriff nicht mehr ad&#228;quat ist, um heutzutage unsere (westliche) Gesellschaft zu bezeichnen, die, obwohl die M&#228;nner &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; die Macht innehaben, nicht mehr in diesem Sinne (juristisch, politisch) organisiert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PRO-FEMINIST&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pro-feministische Definition: Ein Mann, welcher sich seiner Rolle als Unterdr&#252;cker in der Gesellschaft und gegen&#252;ber den Frauen bewusst geworden ist und sich die feministische Sache zu eigen macht. Er muss faktisch stets auf seine Dekonstruktion achten und weigert sich, eine Frau in irgendeiner Weise zu kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Feministische Definition: Krebsartiger Auswuchs des Feminismus, ein Mann, der den Sexismus besser verstanden hat als die Frauen und der vor allem verstanden hat, dass er sich besser (in der Gesellschaft) etwas klein macht, um Feministinnen zu erobern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entomologische Notiz: Der Pro-Feminist kann bis zu einer Verehrung/Verherrlichung des Weiblichen gehen, die im Essentialismus endet (oder zumindest in der Dummheit).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PROLETARIAT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat ist die Klasse jener, welche, da sie keine andere Mittel zum &#220;berleben haben, zur Lohnarbeit (zum Verkauf ihrer Arbeitskraft an die Klasse jener, welche die Produktionsmittel besitzen) &lt;i&gt;gezwungen&lt;/i&gt; sind; daher die Ausbeutung und die widerspr&#252;chlichen Interessen dieser beiden Klassen. Es beinhaltet sowohl die Arbeiter, wie auch die Angestellten und die Arbeitslosen und war, da in permanenter Expansion, noch nie so massiv wie heute. Es war nie einheitlich und ist heute gespaltener denn je. Der einzige Moment, wo es sich selbst erkennen und sich als Klasse vereinen k&#246;nnen wird, wird die Revolution sein, w&#228;hrend welcher es sich als solches aufheben wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QUEER&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urspr&#252;nglich eine Beleidigung (&#8222;komisch, dubios&#8220;), die die Homosexuellen in den USA bezeichnet und sp&#228;ter beansprucht wird, um &lt;i&gt;anormale&lt;/i&gt; (nicht-heterosexuelle) Verhaltensweisen zu bezeichnen. Die Anfang der 1990er Jahre aufgekommene &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie kritisiert die feministischen und homosexuellen Bewegungen, die zu stark auf Fragen kollektiv konstituierter Identit&#228;ten fixiert sei, welche sie f&#252;r &#252;berholt, normiert, gar essentialistisch h&#228;lt. Es geht also darum, die Geschlechterrolle und die geschlechtlichen Identit&#228;ten zu &#252;berwinden (zu st&#246;ren). &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; geht einher mit einem Versuch, beide Geschlechterrollen zu &#252;berwinden, doch dieses Konzept scheint eine Vervielfachung der Geschlechterrollen durch die Verweigerung der herrschenden Normen zu beanspruchen, was nicht die Zerst&#246;rung des Rahmens der Unterdr&#252;ckung bedeutet, sondern nur dessen Vergr&#246;sserung: Auferlegte Normen zu verweigern, um andere zu &lt;i&gt;w&#228;hlen&lt;/i&gt;, wie viele es auch immer sein m&#246;gen, bedeutet an die M&#246;glichkeit der Selbstverwaltung seiner eigenen Unterdr&#252;ckung zu glauben oder die Kreation von sehr &#228;sthetischen alternativen Nischen im System zu wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RELATIVER MEHRWERT/ABSOLUTER MEHRWERT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Mehrwert ist die Differenz zwischen dem vom Arbeiter der urspr&#252;nglichen Ware (durch seine Arbeit) zugef&#252;gten Wert und dem Wert seiner notwendigen Arbeitskraft (&#196;quivalent seines Lohnes). Er repr&#228;sentiert den Wert der Mehrarbeit (des unbezahlten Anteils der Arbeit). Der Mehrwert wird im wesentlichen reinvestiert in den Prozess der Produktion/Verwertung (es ist die Akkumulation von Kapital). Er ist auch das Einkommen der Bosse, individuell sowie kollektiv (Staat, Polizei usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bosse, welche stets den Mehrwert vergr&#246;ssern m&#252;ssen, haben zwei Arten, dies zu tun. Die absolute Art: Indem sie die Arbeitszeit verl&#228;ngern, wie zum Beispiel im 19. Jahrhundert (die zur Reproduktion notwendige Arbeitszeit bleibt gleich, es ist also die Mehrarbeitszeit*, und somit der Mehrwert, die gr&#246;sser werden). Die relative Art: Indem sie den Wert des zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensunterhalts durch die Produktivit&#228;tssteigerung verringern (zum Beispiel neue Maschinen, Erh&#246;hung der Tagesleistung usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;REPRODUKTION&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie hat nichts nat&#252;rliches an sich, obwohl sie so wahrgenommen wird. Die Reproduktion ist ein gesellschaftlich organisiertes Ph&#228;nomen (um sich davon zu &#252;berzeugen, reicht es, die sehr variablen Fruchtbarkeitsraten und die verschiedenen dazugeh&#246;rigen Organisationsweisen historisch und geographisch miteinander zu vergleichen). Die Ph&#228;nomene, welche mit ihr assoziiert werden (und sie erlauben) und gesellschaftlich in jedem Moment organisiert und aktualisiert werden, werden ebenfalls als nat&#252;rlich betrachtet: M&#228;nner und Frauen, sexuelle Verh&#228;ltnisse (&lt;i&gt;normalerweise&lt;/i&gt; die Heterosexualit&#228;t, eindringende Sexualit&#228;t (vaginaler Koitus), welche mit der m&#228;nnlichen Ejakulation abgeschlossen wird), die Schwangerschaft, die Mutterschaft...Andere, welche nicht als nat&#252;rlich betrachtet werden k&#246;nnen, werden unter dem Aspekt der staatlichen/medizinischen Begleitung eines nat&#252;rlichen Ph&#228;nomens betrachtet (Verh&#252;tung, Abtreibung, Familienpolitik usw.). Zu diesem Thema siehe insbesondere die Arbeiten von Paola Tabet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;REPRODUKTION DER ARBEITSKRAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;T&#228;gliche&lt;/i&gt; Reproduktion der Arbeitskraft: Die Tatsache, dass der Proletarier f&#228;hig ist, zu &#252;berleben und am n&#228;chsten Tag wieder zur Arbeit zu kommen. Sie bedingt die Befriedigung gewisser Bed&#252;rfnisse (die je nach Epoche und Land variieren), insbesondere Ern&#228;hrung, Kleidung usw. Die Aufgaben, die mit ihr verbunden sind, werden im allgemeinen von den Frauen ausgef&#252;hrt (Hausarbeit) oder manchmal sozialisiert (Kantinen, Schnellimbisse usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Generationsbezogene&lt;/i&gt; Reproduktion: Die Tatsache, dass die Proletarier Kinder &#8222;machen&#8220; und sie grossziehen, d.h. neue Proletarier, die f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahre sp&#228;ter ausgebeutet werden k&#246;nnen. Die Aufgaben, die mit ihr verbunden sind werde im allgemeinen ebenfalls von den Frauen ausgef&#252;hrt (Hausarbeit) oder manchmal sozialisiert (Kinderkrippen, Schulen usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SEXISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#196;hnlich dem Rassismus eine diskriminierende Haltung gegen&#252;ber einem Geschlecht (in der &#252;blichen Bedeutung und in Wirklichkeit gegen&#252;ber den Frauen). Dieser Begriff verweist auf eine individuelle Haltung, eine geistige Verfassung (die es zu korrigieren g&#228;lte) oder allenfalls auf eine Ideologie. Dennoch umgeht der Begriff jegliche Strukturierung der Gesellschaft, die jedoch seine Existenz erkl&#228;rt, deswegen brauchen wir ihn nur selten (der Sexismus ist f&#252;r uns ein R&#228;dchen und die Konsequenz der M&#228;nnerherrschaft).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewisse M&#228;nner werden sich der Existenz des Sexismus bewusst, wenn Feministinnen ihnen m&#228;nnerfeindliche Witze erz&#228;hlen, die sie im allgemeinen &#252;berhaupt nicht lustig finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ULTRALINKE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff bezeichnet historisch die &#8222;Linkskommunisten&#8220;, welche Lenin in seiner Brosch&#252;re &lt;i&gt;Der &#8222;Linke Radikalismus&#8220;, die Kinderkrankheit im Kommunismus&lt;/i&gt; (1920) kritisiert: Die deutsch-holl&#228;ndische (Pannekoek, Gorter, R&#252;hle usw.) und die italienische Linke (Bordiga). Man kann global sagen, dass die Gruppen und Theoretiker dieser marxistischen Str&#246;mung den Staat, den Parlamentarismus, die Organisationen (Parteien und Gewerkschaften), die Demokratie, die Diktatur des Proletariats, den Antifaschismus, den Frontismus, die Arbeiterverwaltung usw. in diversen Varianten abgelehnt und kritisiert haben. Im Frankreich der Nachkriegszeit k&#246;nnen Gruppen wie Socialisme ou Barbarie, Informations et Correspondances Ouvri&#232;res (ICO), sowie die situationistische Internationale zu dieser Str&#246;mung gez&#228;hlt werden. In den 1970er Jahren brechen verschiedene kleine Gruppen und Zeitschriften (&lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;La Guerre sociale&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt; usw.) mit der ultralinken &#8222;Ideologie&#8220; (insbesondere mit dem R&#228;tekommunismus); dies geht einher mit der Entwicklung der Thesen zur Kommunisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit einigen Jahren wird dieser Begriff in Blaue hinein von den Journalisten und den Bullen gebraucht, um Gruppen zu bezeichnen, die ausserhalb ihres Verst&#228;ndnisbereiches agieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;UNMITTELBAR GESELLSCHAFTLICHE INDIVIDUEN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Individuen, welche durch die Revolution und neue (kommunistische) materielle Existenzbedingungen transformiert werden. Sie werden faktisch neue Verh&#228;ltnisse pflegen, befreit von allen Vermittlungen, durch welche wir konstruiert und definiert sind in der kapitalistischen Produktionsweise und durch sie: Klassen, Geschlechterrollen, Ethnien, Herkunft, gesellschaftliche Rollen, Arbeitsstellen, kulturelle Niveaus usw. Sie werden also das Gegenteil der getrennten/atomisierten Individuen sein, die wir heute sind, jenseits von sympathischen Erfahrungen in einem Squat, in einer l&#228;ndlichen Gemeinschaft oder einer Besetzung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage von Incendo&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/editorial/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Vorwort&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/capitalisme-genres-et-communisme/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Text&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/petit-lexique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Begriffserkl&#228;rungen&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Sterne verweisen auf die Begriffserkl&#228;rungen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir erstellen keine Bilanz der &#8222;Ungleichheiten&#8220; zwischen M&#228;nnern und Frauen in dieser Gesellschaft, eine solche findet man leicht, besonders in der aktivistischen oder b&#252;rgerlichen Presse jedes Jahr im M&#228;rz.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir sind uns bewusst, dass unsere &#220;berlegungen nur die westliche Gesellschaft, und spezifischer Frankreich, zum Gegenstand haben und dass das ein Problem ist. Unsere Analyse ist also partiell, doch die Revolution wird sowieso nicht auf der ganzen Welt gleich ablaufen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In maximal 140 Zeichen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r dieses Kapitel, siehe Christophe Darmangeat, &lt;i&gt;Le communisme primitif n'est plus ce qu'il &#233;tait&#8230; Aux origines de l'oppression des femmes&lt;/i&gt;, Toulouse, Smolny, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Sabine Melchior-Bonnet et Catherine Salles (Hg.), &lt;i&gt;Histoire du mariage, Paris&lt;/i&gt;, Robert Laffont, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe in dieser Nummer den Artikel zur Hausarbeit, S. 47.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Philippe Ari&#232;s, &lt;i&gt;L'Enfant et la vie familiale sous l'Ancien R&#233;gime&lt;/i&gt;, Paris, Seuil, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Jacques Le Goff, &#171; Le christianisme a lib&#233;r&#233; les femmes &#187; [sic], &lt;i&gt;L'Histoire&lt;/i&gt;, Nr. 245, Juli-August 2000, S. 34-38.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Thema siehe den Artikel zur Reproduktion der Arbeitskraft im 19. Jahrhundert, S. 73.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gilt zu beachten, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re nicht nur was mit der Produktion zu tun hat abdeckt (zum Beispiel die Politik). Die noch nie zuvor da gewesene Trennung in zwei Sph&#228;ren ist eine notwendige Bedingung f&#252;r den Kapitalismus, der einen &#8222;freien&#8220; Arbeiter braucht (im Gegensatz zum Sklaven).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist nur der Einfachheit oder der Faulheit halber, dass wir manchmal schreiben, dass &#8222;der Kapitalismus dies oder das macht&#8220;. Er ist weder ein Monster, das perverse Entscheidungen trifft, noch eine kalte Maschine, die von einem geheimen Komitee gelenkt wird, sondern ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis. Es muss also verstanden werden als &#8222;die Entwicklung des Kapitalismus' f&#252;hrt zu...&#8220; oder &#8222;hat zur Konsequenz&#8220; usw. Dennoch ist der Staat da, um die grunds&#228;tzliche Ausrichtung vorzugeben, die notwendig ist f&#252;r die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise (manchmal den spezifischen Interessen der Kapitalisten zuwiderlaufend, aber oft den Hinweisen der scharfsinnigsten unter ihnen folgend).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet die allt&#228;gliche Reproduktion des Arbeiters (Nahrung, Kleidung, Heizung usw.) und die &#8222;generationsbezogene&#8220; Reproduktion der Arbeiterklasse (Kinder erzeugen und sie grossziehen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel &#252;ber den MLF, S. 93.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;1944, Frauenstimmrecht; 1945, Abschaffung des Begriffs Frauenlohn; 1965, verheiratete Frauen k&#246;nnen beruflich aktiv sein oder ein Bankkonto er&#246;ffnen ohne die Erlaubnis ihres Mannes, usw.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der MLF entstand zwischen 1967 und 1970 und bestand grosso modo aus drei Tendenzen: einer klassenk&#228;mpferischen, einer klassisch-feministischen (die ihrerseits eher radikale und eher reformistische Ans&#228;tze beinhaltete) und einer psychoanalytischen Tendenz. Die Hauptfigur letzterer, Antoinette Fouque, liess 1979 ohne das Einverst&#228;ndnis des Rests der Bewegung das Siegel des MLF auf ihren Namen patentieren, was das Ende desselben bedeutete.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der MLAC (Mouvement pour la libert&#233; de l'avortement et de la contraception &#8211; Bewegung f&#252;r die freie Abtreibung und Verh&#252;tung) war eine autonome Gruppe, die 1973 gegr&#252;ndet wurde und sich 1975, als die Abreibung in Frankreich legalisiert wurde, aufl&#246;ste. Der MLAC war zusammengesetzt aus Mitgliedern des MLF und anderer feministischer Gruppen, unterst&#252;tzte Frauen, die illegal oder im Ausland abtreiben wollten und setzte sich f&#252;r einen freien Zugang zu Verh&#252;tungsmitteln ein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel den Film von Nigel Cole, &lt;i&gt;We Want Sex Equality&lt;/i&gt;, Grossbritannien, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den Artikel zu den Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sie erlaubt dem Staat unter anderem, die Kosten f&#252;r die kollektive Ausstattung zu beschr&#228;nken, indem sie f&#252;r einen Teil der Reproduktion der Arbeitskraft sorgt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sehr bezeichnendes Beispiel. In diesem Sektor wird den Frauen der Unterhalt des Inneren der Geb&#228;ude zugewiesen, w&#228;hrend die M&#228;nner draussen arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zur Aneignung siehe Paola Tabet, &lt;i&gt;La Construction sociale de l'in&#233;galit&#233; des sexes. Des outils et des corps&lt;/i&gt;, Paris-Montr&#233;al, L'Harmattan, 1998.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel zur Familie heute, S. 59.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein einziger Lohn reicht kaum mit einem Kind. Im Vergleich zu den 1960er und 1970er Jahren ist der Lohn der Frauen nicht mehr ein Unterst&#252;tzungslohn, sondern der n&#246;tige zweite Lohn, im allgemeinen niedriger als jener der M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;1970 f&#252;hrte der Staat die ersten finanziellen Unterst&#252;tzungen f&#252;r alleinerziehende Frauen ein. Diese Massnahmen haben sich nachher mit dem Anwachsen alleinerziehender Eltern entwickelt. Der Staat nimmt gewissermassen teilweise den Platz des fehlenden Elternteils ein (im allgemeinen des Vaters).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Frankreich ist diesbez&#252;glich noch nicht sehr weit. Die amerikanischen Truppen in Irak und Afghanistan z&#228;hlten 12 % Frauen. In diesen beiden L&#228;ndern testen die Marines seit einigen Jahren eine Kampfeinheit, welche nur aus Frauen besteht, deren Resultate werden von ihrem Oberkommando sehr gesch&#228;tzt. Die geschlechtliche Differenzierung ist noch nicht verschwunden...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die (vollst&#228;ndig) m&#228;nnlichen Sektoren tendieren dazu, sich auf einige Bastionen von Posten mit sehr hoher Verantwortung zu beschr&#228;nken, was durch die Kooptation und die Furcht vor der Konkurrenz erkl&#228;rt werden kann (die Anzahl Pl&#228;tze sind nicht erweiterbar, die alten Haie der Hochfinanz sehen es nicht gerne, wenn junge weibliche Haie neben ihnen schwimmen...) Die Langsamkeit der Feminisierung der Macht- oder Prestigeposten kann auch mit einem Prozess des Generationenwechsels erkl&#228;rt werden: Die Frauen sind heute in etlichen Schulen in der Mehrheit und das ber&#252;hmte Beispiel vom Antagonismus zwischen m&#228;nnlichen Chirurgen und weiblichen Krankenschwestern wird bald nicht mehr aktuell sein. Die Frauen repr&#228;sentierten n&#228;mlich 1995 16 % der unter 35-j&#228;hrigen Chirurgen, 36.6 % 2006, doch auch 60 % der Abschl&#252;sse in Chirurgie 2006. Bei den Richtern wurde die Parit&#228;t 2001 erreicht, doch 2005 waren 82 % aller zuk&#252;nftigen Richter Frauen. Zu diesen Fragen siehe besonders Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;Femmes de pouvoir. Une histoire de l'&#233;galit&#233; professionnelle en Europe (XIXe-XXIe si&#232;cle)&lt;/i&gt;, Paris, Payot, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel &#171; Plus de femmes, plus de profits &#187;, &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, 04/03/2004. Das Quotengesetz von 2010 f&#252;r die Verwaltungsr&#228;te grosser Unternehmen hat nicht ethische sondern wirtschaftliche Gr&#252;nde. Um F&#252;hrungsstellen zu erreichen m&#252;ssen die Frauen viel mehr Kompetenzen zeigen als die M&#228;nner. Das eine erkl&#228;rt vielleicht das andere.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Was die Chefs von Unternehmen f&#252;r ihre Frauen akzeptierten, tolerieren sie nicht mehr f&#252;r ihre T&#246;chter&#8220;, siehe Christine Ducros, Marie-Am&#233;lie Lombard, &#171; Ces femmes &#224; la conqu&#234;te des conseils d'administration &#187;, 14/10/2010, lefigaro.fr.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn es auch Beispiele von Ehem&#228;nnern gibt, die zu Hause bleiben, um sich um die Kinder zu k&#252;mmern, da sie weniger als ihre Frau verdienen, so bleibt es doch eine seltene Ausnahme. Wie die soziale Durchmischung eben so ist, sieht man h&#228;ufiger ein Paar hoher Kader aus Paris eine afrikanische Tagesmutter die Arbeit machen zu lassen (das Gleiche gilt f&#252;r das b&#252;rgerliche Paar aus Shanghai und ihr philippinisches Dienstm&#228;dchen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie eine Studie gezeigt hat, gibt es auch extreme F&#228;lle wie die Deutschen mit Universit&#228;tsabschluss, die sich entscheiden, keine Kinder mehr zu zeugen; zwischen 60 bis 80 %, je nach Bundesland. Siehe Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 170. Wollen die kapitalistischen Frauen ihre reproduktive Funktion nicht mehr wahrnehmen?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den 1970er Jahren proklamierte der FHAR (Front homosexuel d'action r&#233;volutionnaire &#8211; Homosexuelle Front der revolution&#228;ren Aktion), die Homosexuellen erhalten das Verm&#246;gen der Bourgeoisie nicht (&#8222;das Erbe kannst mit uns vergessen, das gibt es nicht mehr!&#8220;) und sind somit revolution&#228;r. Heute sind die Schwulen und Lesben der b&#252;rgerlichen Klasse mit diesem Problem konfrontiert, was die aktuellen Entwicklungen der Gesetze zur Adoption und Heirat f&#252;r Homosexuelle erkl&#228;rt. In den b&#252;rgerlichen Klassen sind die M&#246;glichkeiten gegen die gesellschaftlichen Normen zu verstossen gr&#246;sser.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gibt keine Definition dieses Begriffs. Jede feministische Gruppe braucht ihn ein bisschen nach ihrem Belieben, h&#228;ufig als Pendant f&#252;r &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;. Daher die Notwendigkeit, ihn zu definieren, wenn man ihn verwendet (siehe Begriffserkl&#228;rungen, S. 197).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;OECD, Assurer le bien-&#234;tre des familles, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die proletarischen Frauen k&#246;nnen allerdings streiken f&#252;r Arbeitsbedingungen, die mit ihrer Funktion als Mutter vereinbar sind (zum Beispiel k&#252;rzere Arbeitszeiten).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Chiennes de garde (Wachh&#252;ndinnen) wurden 1999 von Florence Montreynaud und Isabelle Alonso gegr&#252;ndent. Es handelt sich um eine reformistische feministische Organisation, die gegen &#8222;symbolische sexistische Gewalt im &#246;ffentlichen Raum&#8220; k&#228;mpft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Ni putes ni soumises (Weder Huren noch gef&#252;gig) ist eine reformistische feministische Organisation, die 2003 von Fadela Amara gegr&#252;ndet wurde. Sie hat den Anspruch, die Frauen aus den armen Quartieren zu vertreten. Amara ist Mitglied des Parti socialiste und war zwischen 2007 und 2010 Staatssekret&#228;rin unter Sarkozy.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Marche mondiale des femmes (Weltmarsch der Frauen) entstand 1995 in Qu&#233;bec. Sie k&#228;mpft gegen &#8222;die Armut und Gewalt an Frauen&#8220; und steht der Anti-Globalisierungs-Bewegung nahe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist Euch &#252;berlassen, zu erraten, wer wen ausbeutet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zum Beispiel die Sendung Le Complot des cagoles &#252;ber den Streik der Kassiererinnen von Carrefour in Marseille 2008, die man auf der Homepage von Basse intensit&#233; anh&#246;ren kann.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der FHAR war eine revolution&#228;re Organisation feministischer Lesben und schwuler Aktivisten, die von 1970 bis 1974 existierte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir kritisieren den ideologischen Charakter und nicht die Tatsache, diese alten Techniken zu erkunden, die in unserem allt&#228;glichen Leben durchaus n&#252;tzlich sein k&#246;nnen (und die uns nach der Revolution sehr n&#252;tzlich sein werden).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Konzept haben die Feministinnen als Gegenpart zur m&#228;nnlichen Br&#252;derlichkeit entwickelt. Alle Frauen sind Schwestern und m&#252;ssen Verh&#228;ltnisse tiefer Solidarit&#228;t entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Idee wird h&#228;ufig auch von Pro-Feministen* vertreten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rote Zora, &#8222;Jedes Herz ist eine Zeitbombe&#8220; in: Anonym, &lt;i&gt;En Catimini&#8230; histoire et communiqu&#233;s des Rote Zora&lt;/i&gt;, 2009, S. 72. Der Text ist urspr&#252;nglich in &lt;i&gt;Revolution&#228;rer Zorn&lt;/i&gt;, Nr. 6, Januar 1981 erschienen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sogar wenn der dekonstruierte Mann in seinen Kreisen nicht mehr Unterdr&#252;cker w&#228;re, so w&#252;rde er vom System doch immer noch als solcher betrachtet und diese Position als 'Standardeinstellung' ihn weiterhin im Verh&#228;ltnis zu anderen bestimmen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man ist versucht, diese Ideologie mit dem politischen Lesbianismus &#224; la Wittig zu vergleichen. Sie sagt, dass 'die Lesben keine Frauen sind', denn sie entwischen der M&#228;nnerherrschaft in der privaten Sph&#228;re ('La pens&#233;e straight', Monique Wittig, &lt;i&gt;Questions f&#233;ministes&lt;/i&gt;, Nr. 7, Februar 1980). In Wirklichkeit k&#246;nnen die Lesben der individuellen Aneignung entwischen, doch nicht der kollektiven.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann sehr gut Queer sein und an einer grossen Universit&#228;t unterrichten oder das Odeon leiten usw., ohne dass die Institutionen davon ersch&#252;ttert werden. Es ist jedoch schwieriger, Queer und Maurer zu sein...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Anhang.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Ver&#228;nderung der Verhaltensweisen und der Beziehungen zwischen M&#228;nnern und Frauen w&#228;hrend der ersten Zeit der russischen Revolution wird zum Beispiel von Alexandra Kollontai (&lt;i&gt;Marxisme et r&#233;volution sexuelle&lt;/i&gt;, Paris, Masp&#233;ro, 1973) und Clara Zetkin (&lt;i&gt;Batailles pour les femmes&lt;/i&gt;, Paris, Editions sociales, 1980) betont.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Milieux libres (Freie Milieus) sind ein &#220;berbegriff f&#252;r diverse Formen kollektiven libert&#228;ren Zusammenlebens w&#228;hrend der Belle &#201;poque (Ende des 19. Jahrhunderts bis 1914).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sogar &lt;i&gt;Barricata !&lt;/i&gt; (Kulturmagazin der Pariser Redskins). Spezielle Widmung f&#252;r ihre Nr. 21 im Sommer 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie zum Beispiel die &#8222;antipatriarchale Motion&#8220;, welche von der Koordination der anarchistischen Gruppen [Ad&#220;: CGA &#8211; Abspaltung der F&#233;d&#233;ration anarchiste 2002] im November 2011 (zum Preis von Spaltungen) angenommen worden ist, die Geschlechterrollen als System gesellschaftlicher Kategorien pr&#228;sentiert und den Essentialismus deutlich kritisiert. Die Feststellung ist zwar treffend, die vorgeschlagenen L&#246;sungen jedoch etwas gar brav.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie zum Beispiel die Gruppen/Zeitschriften &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;SIC&lt;/i&gt; (siehe Bibliographie, S. 202). In der ultralinken Szene sind sie beinahe die einzigen, welche eine Analyse der Geschlechterrollen wagen und vor allem bekr&#228;ftigen, dass diese notwendig ist (man muss sich selbstverst&#228;ndlich zuerst an ihren sehr speziellen literarischen Stil gew&#246;hnen). Wir sprechen hier von Frankreich, denn die Reflexionen &#252;ber Genderfragen scheinen in anderen L&#228;ndern weniger tabu zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marin Karmitz, &lt;i&gt;Coup pour coup&lt;/i&gt;, Frankreich, 1972.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den Artikel &#252;ber die Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Je nach Land und seinem Entwicklungsstadium organisiert sich das Kapital anders. Gesellschaften, welche man zurecht als &#8222;patriarchal&#8220; qualifizieren kann, gibt es immer noch viele (Maghreb, Asien usw.). Dennoch f&#252;hrt die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise (speziell durch den Eintritt der Frauen in den Arbeitsmarkt) zu einer unvermeidlichen Entwicklung der geschlechtlichen Differenzierung und zum Auftauchen des &#8222;Frauenproblems&#8220; (siehe in China, Nahost, Argentinien usw.). Der Westen kann nicht geographisch abgegrenzt werden; seine Kategorien werden dem Planeten durch die Ausbreitung und Vertiefung der kapitalistischen Produktionsweise aufgedr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was nat&#252;rlich nicht bedeutet, dass die schwarzen, arabischen oder weiblichen Proletarier nicht mehr Diskriminierung und Ausbeutung erdulden m&#252;ssen. Jedes Land braucht &#252;berausgebeutete und unterbezahlte Arbeiter, sie variieren je nach Region.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Staat kann sich jedoch nicht vollst&#228;ndig um die Reproduktion der Arbeitskraft k&#252;mmern, denn das w&#252;rde bedeuten, dass der Arbeiter nicht mehr arbeiten gehen m&#252;sste.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe, f&#252;r jene, die mutig genug sind, &#8222;Distinction de genres, programmatisme et communisation&#8220;, &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 23, Mai 2010, S. 99-128.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die jungen Proletarier, welche in den Arbeitsmarkt eintreten, haben nicht alle den gleichen &#8222;Wert&#8220;, er ist abh&#228;ngig vom Studium und der Ausbildung, welche vom Staat zur Verf&#252;gung gestellt werden (und auch vom kulturellen Kapital der Eltern, das nicht viel mit der Hausarbeit zu tun hat). Der Haushalt ist keine Arbeitskraftfabrik.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von der Hausarbeit der alleinstehenden M&#252;tter profitiert einzig und allein das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;OECD, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Frankreich sind die Frauen zum Beispiel besser ausgebildet als die M&#228;nner. Bildung und Weiterbildung sind eine Investition. Die Mutterschaft schm&#228;lert also die Rendite - f&#252;r die Oberschicht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da ihre Interessen im Widerspruch zu jenen der Kapitalisten sind, k&#246;nnen nur die Proletarier die Revolution &#8222;ausl&#246;sen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Konzept der Kommunisierung st&#246;sst seit einigen Jahre international auf ein gewisses Echo. Siehe Bibliographie, S. 193.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Quatre millions de jeunes travailleurs, &lt;i&gt;Pour un monde sans argent : le communisme&lt;/i&gt;, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Laufe des revolution&#228;ren Kampfes sind die Aufhebung des Staates, des Tausches, der Arbeitsteilung, jeglicher Form des Eigentums, die Ausdehnung der Unentgeltlichkeit zur Vereinigung der menschlichen T&#228;tigkeit, d.h. die Aufhebung der Klassen, der privaten und &#246;ffentlichen Sph&#228;re, &#8222;Massnahmen&#8220;, welche das Kapital aufheben und uns von den Notwendigkeiten selbst des Kampfes gegen die kapitalistische Klasse aufgezwungen werden. Die Revolution ist Kommunisierung, der Kommunismus ist nicht ihr Projekt und Resultat. Man hebt den Kapitalismus nicht f&#252;r, sondern durch den Kommunismus auf, pr&#228;ziser ausgedr&#252;ckt durch seine Hervorbringung.&#8220; &#8222;Editorial&#8220;, &lt;i&gt;SIC&lt;/i&gt;, Nr. 1, November 2011, S. 6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Revolution kann nicht &#8222;antikapitalistisch&#8220; sein. Der Staat ist zum Beispiel nicht an sich kapitalistisch, er ist nur ein Werkzeug im Dienste der herrschenden Klasse. Siehe Bernard Lyon, &#8222;Nous ne sommes pas Anti&#8220;, &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt;, Nr. 2, September 2005, S. 4-6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Gruppe Rage Against the Kebab singt es melodi&#246;s: &#8222;Kommunisieren bedeutet zerst&#246;ren&#8220;, doch nicht nur.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-71&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-71&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;71&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In einen Kampf k&#246;nnen sich der spiessigste Prolet und der idiotischste sozialdemokratische Student ver&#228;ndern. Jene, welche aktiv an K&#228;mpfen mit einem gewissen Ausmass (Mai 68 bis zum CPE) teilgenommen haben, haben das wahrscheinlich gemerkt. Sonst gibt es Hunderte von B&#252;chern zur Geschichte der Klassenk&#228;mpfe, die das zeigen. Selbstverst&#228;ndlich haben die Kapitalisten, die nicht im gleichen Lager sind, nicht den Vorteil dieser Ver&#228;nderung...Was die Spezialbehandlung erkl&#228;rt, welche sie haben werden. Jene, welche in den Proletariern nur unverbesserliche (von Natur aus?) niedertr&#228;chtige, individualistische und egoistische Wesen sehen, verweisen wir auf die vielen Studien zu den Reaktionen der Opfer grosser &#8222;Natur&#8220;katastrophen, wenn der Staat sich nicht einmischt. Sie zum Beispiel in Echanges Nr. 134 (Herbst 2010, S. 70-73) eine Lesenotiz zum Buch von Rebecca Solnit, &lt;i&gt;A Paradise Built in Hell : The Extraordinary Communities That Arise in Disaster&lt;/i&gt; (Penguin Group, 2009).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-72&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-72&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;72&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es w&#228;re notwendig, die Teilnahme von Frauen an den zeitgen&#246;ssischen K&#228;mpfen spezifisch zu analysieren (2001 in Argentinien oder heute an den Streiks in Bangladesch, China, Frankreich usw.).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-73&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-73&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;73&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das wirft eine wohl grundlegende Frage auf, auf die wir nicht wirklich eingegangen sind: Was wird die Reaktion der b&#252;rgerlichen Frauen w&#228;hrend der Revolution sein? Werden sie nur als B&#252;rgerliche intervenieren (Verteidigung ihrer Klasseninteressen) oder ist es vorstellbar, dass sie auch als Frauen intervenieren w&#252;rden? Welche Formen k&#246;nnte dies annehmen? Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, ist Solidarit&#228;t zwischen Frauen jenseits der Klassen vorstellbar? In beide Richtungen? Das wirft eine nicht minder knifflige und genauso grundlegende Frage auf: Gibt es einen Genderwiderspruch? Anders gesagt, gibt es einen doppelten Widerspruch (Klassen- und Genderwiderspruch)? Eine grosse Debatte innerhalb unseres kleinen Teams...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-74&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-74&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;74&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kollontai zeigt zum Beispiel, dass die neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen zu Beginn der Revolution zu einer Aufl&#246;sung der Kernfamilie f&#252;hren (kollektive Kantinen usw.) und dass &#8222;der kommunistische Staat darauf keinen Einfluss hat&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 211.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-75&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-75&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;75&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Brosch&#252;re von Michael Seidman &lt;i&gt;L'Individualisme subversif des femmes &#224; Barcelone dans les ann&#233;es 1930&lt;/i&gt; zeigt den Widerstand der Frauen (Streiks, Ablehnung der Arbeit) gegen das Andauern der alten Welt (in diesem Fall die Beh&#246;rden der CNT-UGT, welche versuchen, die Ausbeutung zu rationalisieren und welche &#252;brigens die Fragen der Reproduktion &#252;berhaupt nicht ber&#252;cksichtigen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-76&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-76&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;76&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die M&#228;nner werden also ihre &#196;rmel hochkrempeln m&#252;ssen (und somit faktisch einen Beitrag zum Ende der geschlechtlichen Differenzierung leisten) oder sie werden es nicht tun (und somit faktisch den revolution&#228;ren Prozess hemmen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-77&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-77&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;77&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein von einigen vorgebrachtes Beispiel ist die Gr&#252;ndung des Movimiento de Mujeres Desocupadas 2005, eine Abspaltung der dominanten Bewegung der &lt;i&gt;piqueteros&lt;/i&gt;. Siehe Bruno Astarian, &lt;i&gt;Le Mouvement des piqueteros. Argentine 1994-2006&lt;/i&gt;, Paris, Echanges et Mouvement, 2007, S. 42-43.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-78&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-78&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;78&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es wird wohl immer noch einige Hinterw&#228;ldler geben, die heiraten m&#246;chten, um zum Beispiel &#8222;ihre Liebe zu beweisen&#8220;, doch es wird keinen B&#252;rgermeister mehr geben, um es zu tun, kein Zivilstandsregister, um ihn einzutragen, kein Gesetz, um die Rahmenbedingungen zu definieren usw. (schade f&#252;r die Homosexuellen, die ihr neues Recht verlieren werden!) Es wird wohl auch einige andere geben, die Autorit&#228;t, Disziplin &#8222;brauchen&#8220; oder Machtgel&#252;ste haben - doch es wird, im Gegensatz zur aktuellen Welt, nichts mehr geben, um derartige &#8222;Macken&#8220; auszuleben...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-79&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-79&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;79&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Vergleich zu kapitalistischen Kriterien wird der kommunistische &#220;berfluss wom&#246;glich ziemlich einfach und d&#252;rftig sein.&#8220; Collectif, &lt;i&gt;Histoire critique de l'ultragauche&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2009, S. 205.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-80&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-80&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;80&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den russischen und spanischen Episoden findet man h&#228;ufig die Figur des Revolution&#228;rs, der nach seinem Tag der Militanz nach Hause geht, wo die M&#228;nnerherrschaft weitergeht und wo er sich also als Ehemann und seine Frau als M&#228;dchen f&#252;r alles verh&#228;lt...Doch in diesem Fall nehmen die Frauen nicht am Kampf teil und der revolution&#228;re Prozess ist schon gehemmt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-81&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-81&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;81&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Paola Tabet, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.: Um die niedrige Fruchtbarkeit der menschlichen Spezies zu kompensieren, ist es n&#246;tig, dass die Frauen auf optimale Art und Weise dem Koitus, und somit dem Schwangerschaftsrisiko ausgesetzt sind. Die beste Technik ist die Heirat (oder das Paar). Dadurch sind die Frauen zwar nicht &#8222;immer empf&#228;nglich&#8220;, doch sie sind &#8222;immer begattbar&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-82&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-82&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;82&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Genosse denkt, dass wir im Kommunismus &#8222;keine Kinder mehr haben, doch &#252;berall Kinder sein werden&#8220;. Ein anderer denkt, dass &#8222;wir &#252;berhaupt keine mehr machen werden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-83&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-83&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;83&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn uns etwas bewusst werden sollte, so sind es vor allem unsere Grenzen und die Bescheidenheit unserer Aktionen und F&#228;higkeiten. Wie es der Volksmund so sch&#246;n sagt: &#8222;Es sind nicht die Revolution&#228;re, welche die Revolution machen werden, sondern die Revolution, welche die Revolution&#228;re machen wird&#8220;. Wir sind eben ziemlich unbedeutend...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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