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		<title>Il lato cattivo - Noch mal zu Covid-19 und dar&#252;ber hinaus</title>
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&lt;p&gt;Eine Aktualisierung &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929, die man richtiger den Weltwirtschaftszusammenbruch oder die Weltniederlage des liberalen Kapitalismus nennen m&#252;&#223;te, trat der Ernstfall f&#252;r die gesamte kapitalistische Welt ein. [&#8230;] Die pers&#246;nliche Erfahrung verband sich mit der kollektiven der politisch-ideologischen Lagerbildung. Was der einzelne auch dachte oder tat, es blieb nicht seine pers&#246;nliche Sache, sondern geriet, mit oder ohne sein Zutun, ins Gravitationsfeld (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/arton72.png?1689271625' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='106' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine Aktualisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929, die man richtiger den Weltwirtschaftszusammenbruch oder die Weltniederlage des liberalen Kapitalismus nennen m&#252;&#223;te, trat der Ernstfall f&#252;r die gesamte kapitalistische Welt ein. [&#8230;] Die pers&#246;nliche Erfahrung verband sich mit der kollektiven der politisch-ideologischen Lagerbildung. Was der einzelne auch dachte oder tat, es blieb nicht seine pers&#246;nliche Sache, sondern geriet, mit oder ohne sein Zutun, ins Gravitationsfeld der nunmehr herrschenden materiellen Not und der &#252;ber ihr sich erhebenden politischen Ideologien.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wolfgang Schivelbusch, &lt;i&gt;Entfernte Verwandtschaft. Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal 1933-1939&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einleitung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zehn Monate nach der Ver&#246;ffentlichung von &#8222;Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hier verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist der Moment gekommen, die Gesamtheit dieser Analysen und Hypothesen, die mehr oder weniger &#8222;als Momentaufnahme&#8220; formuliert worden waren, noch einmal kurz zu &#252;berpr&#252;fen, um zu erkennen, wo wir Recht hatten und wo es, in Anbetracht des zwischenzeitlichen Verlaufs, notwendig ist, das Visier anzupassen. In einer zweiten Phase werden wir &lt;i&gt;einige&lt;/i&gt; bedeutende Momente dieser &lt;i&gt;ersten Phase&lt;/i&gt; der globalen Krise isolieren und eine Analyse daf&#252;r bieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rekapitulieren wir zuerst jene Elemente unserer Diagnose, von welchen uns scheint, dass sie vom Verlauf der Ereignisse best&#228;tigt worden sind. Die Pandemie der Covid-19 stand dort f&#252;r eine Vielzahl an objektiven Bedeutungen und Funktionen, deren Zusammenfassung wir hier versuchen werden. Sie symbolisierte dort gleichzeitig (und ohne besondere Reihenfolge):&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;eine &lt;i&gt;Tatsache&lt;/i&gt; einer erwiesenen Schwere von einem medizinisch-gesundheitlichen Standpunkt aus (das scheint offensichtlich, aber zur Vermeidung von Missverst&#228;ndnissen&#8230;), somit daf&#252;r bestimmt, w&#228;hrend einer gewissen Zeit anzudauern;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;St&#246;rfaktor&lt;/i&gt; der interkapitalistischen Konkurrenz, der dazu imstande ist, gewisse Gleichgewichte und Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse davon zu modifizieren;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;Ausl&#246;ser&lt;/i&gt; einer gigantischen Wirtschaftskrise, die schon seit einiger Zeit unter der Asche schwelte;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;Indikator&lt;/i&gt; f&#252;r die von der Globalisierung des Kapitals und der ihr zur Erf&#252;llung der Funktion der Gesamtverwaltung der interkapitalistischen Konkurrenz (&#8222;ideeller Gesamtkapitalist&#8220;) inh&#228;renten Multi-Level-Governance erreichten Grenzen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;ein &lt;i&gt;Moment&lt;/i&gt; eines breiteren, noch in den Kinderschuhen steckenden &#220;bergangs hin zu einer &#220;berwindung-Demontage der Globalisierung (und der Multi-Level-Governance selbst).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Zu den vorhergehenden Punkten k&#246;nnen wir folgende zugrundeliegenden Orientierungen der Analyse hinzuf&#252;gen:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;die Kritik jeglicher Theorie des automatischen Zusammenbruchs &#8211; sei sie &lt;i&gt;sub specie pestilentiae&lt;/i&gt; &#8211; der kapitalistischen Produktionsweise und jeglicher Sichtweise, die eine lineare Entwicklung vom gesundheitlichen Notstand zur Wirtschaftskrise und von dort zu einer unmittelbar antikapitalistischen und internationalen Massenpraxis postuliert;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die erneute Bekr&#228;ftigung der Kategorie der &lt;i&gt;ungleichm&#228;ssigen Entwicklung&lt;/i&gt; im breiten Sinne, unumg&#228;nglich zur Erfassung der Wirkung der Pandemie auf die verschiedenen nationalen und regionalen Zonen, die verschiedenen Branchen der Produktion und der Zirkulation des Mehrwerts, die verschiedenen Einzelkapitale usw. &#8211; eine Wirkungsverschiedenheit, die sich auch, wenn auch gewiss nicht auf mechanische Art und Weise, in der Heterogenit&#228;t der politischen und gesellschaftlichen Reaktionen in Anbetracht des gesundheitlichen Notstands ausdr&#252;ckt (und auch in Anbetracht der Wirtschaftskrise, f&#252;gen wir hier an, wir werden sp&#228;ter darauf zur&#252;ckkommen);&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die &#220;berzeugung, dass das Niveau des Drucks auf die Gesundheitssysteme &#8211; eher als die absolute Zahl der Todesf&#228;lle oder Ansteckungen &#8211; der entscheidende Faktor f&#252;r die Ergreifung der auf eine Begrenzung der Mobilit&#228;t der Individuen und, mit ihnen, der Ausbreitung des Virus abzielenden Massnahmen durch die Nationalstaaten sein w&#252;rde (wir beziehen uns hier auf den uns naheliegendsten Kontext, jenen des kontinentalen Westeuropas).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Umgekehrt kann man, unter den zweifelhaften oder nur teilweise durch die Tatsachen best&#228;tigten Elementen, deren Auswertung langfristig neu aufgegriffen werden muss, folgende kurz aufz&#228;hlen und kommentieren:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese, gem&#228;ss welcher die momentane Abtrennung der globalisierten Wertsch&#246;pfungsketten zu einer allgemeinen Infragestellung der Externalisierung &#252;ber grosse Distanzen hinweg f&#252;hren w&#252;rde. Zu diesem Punkt ist es bis jetzt nicht m&#246;glich, eindeutige Aussagen zu formulieren. Es jedoch sicher, dass diese Ketten durch die Coronakrise auf eine harte Probe gestellt worden sind und gegenw&#228;rtig noch neu definiert werden. Gem&#228;ss den besten globalistisch orientierten Kommentatoren scheinen die Befehlsgeber bis jetzt eine Diversifizierung der Versorgungsl&#246;sungen gegen&#252;ber einem brutalen Bruch mit den g&#228;ngigen Wirtschaftsmodellen zu bevorzugen. Dies h&#228;ngt mit dem Fortbestand, dank &#246;ffentlichen Zusch&#252;ssen und erleichterten Kreditbedingungen, eines immer noch sehr breiten N&#228;hrbodens an Zulieferern zusammen. Eine Vertiefung der Krise w&#252;rde notwendigerweise mit einer Schwindung dieses N&#228;hrbodens einhergehen, aber es ist unm&#246;glich, den Zeitrahmen davon zu formulieren.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die &#220;berzeugung, dass der gesundheitliche Notstand, auf Gedeih und Verderb, die Gesellschaft wieder zusammengeschweisst h&#228;tte (das Proletariat eingeschlossen), zumindest kurzfristig. Das schien sich in der allerersten Phase der Ausbreitung der Pandemie zu best&#228;tigen, doch es ist heutzutage immer weniger der Fall, da der gesundheitliche Notstand endemisch und Teil einer neuen Definition der allt&#228;glichen Normalit&#228;t zu werden scheint &#8211; eine neue Normalit&#228;t, die Reaktionen hervorruft, die ebenfalls hinsichtlich der Einkommensquellen und der Stellung in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung verschieden sind. Die Tatsache, dass die verschiedenen Einkommensquellen und Stellungen sehr ungleichm&#228;ssig von der Wirtschaftskrise betroffen sind, &lt;i&gt;tendiert&lt;/i&gt; dazu, einen vertikalen, &lt;i&gt;alle&lt;/i&gt; Klassen durchdringenden Bruch zwischen &#8222;Gesicherten&#8220; und &#8222;Ungesicherten&#8220; zu &#246;ffnen (&#246;ffentlicher Sektor vs. privater Sektor, stabile Jobs vs. prek&#228;re Jobs, wesentliche Sektoren vs. verzichtbare Sektoren, Grossunternehmen vs. Familienunternehmen, formelle Wirtschaft vs. informelle Wirtschaft, Junge vs. Alte usw.); die Staaten versuchen, ihn mit Ad-hoc-Massnahmen notd&#252;rftig zu flicken, um die Unzufriedenheiten auf einem tolerierbaren Niveau zu halten, doch das werden sie nicht ewig tun k&#246;nnen, umso weniger, als dass die Eliminierung der Nachz&#252;gler und der nicht rentablen Subjekte und Sektoren (Zombieunternehmen, zur&#252;ckgebliebene Elemente im terti&#228;ren Sektor usw.) eine Notwendigkeit ist, die zumindest einem Teil der Funktion&#228;re des grossen Kapitals bewusst ist.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese, dass die in den verschiedenen nationalen Kontexten getroffenen Massnahmen gegen die Krise den Weg f&#252;r Formen der gemischten Wirtschaft oder gar des Staatskapitalismus geebnet haben. Man sollte hier darauf achten, sich nicht von den Erscheinungen und den banalsten Gemeinpl&#228;tzen t&#228;uschen zu lassen: Massnahmen (stets partiell) kapitalistischer Planung k&#246;nnen auf verschiedene Art und Weise umgesetzt werden. Die verschiedenen Deklinationen kapitalistischer Politik nach der Krise von 1929 und besonders das Beispiel des Nationalsozialismus &#8211; der Privatisierungen und eine strenge politische Kontrolle des Kredits kombinierte &#8211; zeigen es ausf&#252;hrlich. Wird eine Zentralbank (sagen wir die Fed oder die EZB), die damit beginnt, Schuldscheine gewisser industrieller Unternehmen gem&#228;ss sehr pr&#228;zisen wirtschaftlichen oder politischen Kriterien zu kaufen, nicht somit zu einem Planungsorgan? An diesem Punkt sind wir noch nicht angelangt, aber wom&#246;glich nicht weit davon entfernt. Es sei nebenbei erw&#228;hnt, dass es oberfl&#228;chlich w&#228;re, im Vornhinein auszuschliessen, dass die Modern Monetary Theory (MMT) und ihre Vorschl&#228;ge bez&#252;glich Wirtschaftspolitik in dieser Handlung eine Rolle spielen k&#246;nnten, wenn sie auch begrenzt sein mag. Vergessen wir nicht, dass die theoretischen und praktischen Grenzen des Keynesianismus ihn nicht daran gehindert haben, in der zweiten Nachkriegszeit &lt;i&gt;auf beiden Seiten&lt;/i&gt; zum vorherrschenden wirtschaftlichen Glaubensbekenntnis zu werden. Die grossen Wendepunkte in der Geschichte der Wirtschaftspolitik des Kapitals gehorchen keiner abstrakten Rationalit&#228;t, sondern dem pragmatischen Imperativ, punktuelle L&#246;sungen f&#252;r punktuelle Probleme zu finden &#8211; L&#246;sungen, die sich mit der Zeit in neue Probleme verwandeln und neue L&#246;sungen erfordern. Als der junge Bucharin 1915 bekr&#228;ftigte, dass &#8222;der Staatskapitalismus das Grenzkonzept unserer Epoche ist&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nikolai Bucharin, &#8222;Zur Theorie des imperialistischen Staates&#8220;, 1915. Hier (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, war die Verstaatlichung der miteinander im Krieg stehenden Kapitalismen, auf welche er den Fokus richtete, viel beschr&#228;nkter als einige Jahrzehnte sp&#228;ter und Bucharin selbst konnte sich nicht ausmalen, inwiefern die Geschichte ihm Recht geben w&#252;rde. Trotzdem ist die von einigen Staatschefs (nicht allen) benutzte Metapher des Krieges &#8211; jenseits der Anforderungen der medialen Kommunikation &#8211; weit davon entfernt, die Wahrheit des gegenw&#228;rtigen Moments angemessen auszudr&#252;cken. Es scheint uns offensichtlich, dass die meisten westlichen Staaten sich durch eine besonders improvisierte und kurzsichtige Verwaltung der Pandemie (Impfungen eingeschlossen) auszeichnen. Wie es in &#8222;Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&#8220; angesprochen wurde, steht die Schwierigkeit der am meisten von der Globalisierung des Kapitals formatierten staatlichen Verb&#252;nde, auf ad&#228;quate Art und Weise die Funktion des &#8222;ideellen Gesamtkapitalisten&#8220; zu erf&#252;llen, im Zentrum dieser Krise. Es w&#228;re passender, von einer Etappe im Marsch in Richtung Krieg zu sprechen (pr&#228;ziser: in Richtung einer Wiederaufnahme der milit&#228;rischen Konflikte zwischen zentralen Akkumulationszonen). Doch inmitten von Bev&#246;lkerungen, die den unumkehrbaren Charakter der zahlreichen laufenden Transformationen weitgehend nicht verstehen und nur das Leben &#8222;zuvor&#8220; zur&#252;ckverlangen &#8211; was man verstehen kann &#8211;, ist es schwierig, erkl&#228;ren zu m&#252;ssen, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht. Es ist auch nicht sicher, dass ihre politischen Repr&#228;sentanten, kollektiv genommen, sich dessen besser bewusst sind. Auch hier wird die Selektion der F&#228;higsten f&#252;r das neue Szenario die Regel sein und man sieht schon die ersten Scharm&#252;tzel (siehe das Resultat der Man&#246;ver von Matteo Renzi in Italien).&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese einer Verschlimmerung der handelspolitischen und milit&#228;rischen Spannungen zwischen den USA und China bis hin zu einer M&#246;glichkeit direkter milit&#228;rischer Konfrontationen. Wir verweisen hier auf die in der Fortsetzung des Texts verstreuten Betrachtungen, in welchen solche Spannungen &#8211; nicht nur zwischen den beiden globalen Favoriten, USA und China &#8211; eine gewisse Bedeutung als indirekter Indikator der produktiven &#220;berkapazit&#228;t, Tr&#228;gerin von wachsenden Spannungen rund um die Kontrolle und die Eroberung von M&#228;rkten, auf einem globalen Niveau erlangen; unter der Gefahr, in den Vulg&#228;rmarxismus zur&#252;ckzufallen, kann man sagen, dass diese Spannungen nichts anderes sind als ein Effekt des Zwanges, der die kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse aktuell &#252;ber die schon entwickelten Produktivkr&#228;fte aus&#252;ben. Beschr&#228;nken wir uns vorerst darauf, den j&#252;ngsten Bericht NATO 2030 zu zitieren, er wurde letzten Dezember ver&#246;ffentlicht und dr&#252;ckt die klare Absicht aus, die westliche Einheit rund um das Containment Chinas wieder zu erreichen, das priorit&#228;re Anliegen des Atlantischen B&#252;ndnisses. Die Frage, ob die NATO f&#228;hig ist, sich den andauernden internen Zentrifugalkr&#228;ften zu widersetzen, ist eine andere Geschichte.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Dieser kurze &#220;berblick wird n&#252;tzlich sein, um sich in den folgenden Analysen zu orientieren. Wie wir es schon vorweggenommen haben, haben sie nicht den Anspruch, die laufenden Entwicklungen seit dem Beginn der Coronakrise vollst&#228;ndig zusammenzufassen. Viele dieser Entwicklungen &#8211; Geldpolitik, Gesundheitspolitik (Impfungen), technologischer Sprung usw. &#8211; w&#252;rden eine eigenst&#228;ndige Behandlung verdienen. Es sind eher &#8222;Momentaufnahmen&#8220;, Bruchst&#252;cke, die &#8211; wenn auch kein Verst&#228;ndnis des Gesamtbildes &#8211; zumindest eine Intuition daf&#252;r erlauben sollten. Wir sind nach wie vor &#252;berzeugt, dass es mithilfe einer brauchbaren Einf&#252;hrung in die Kritik der politischen &#214;konomie und die materialistische Konzeption der Geschichte sowie einigen Begriffen der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Geschichte immer noch m&#246;glich ist, erfolgreich zwei oder drei &#220;berlegungen oder sogar Vorhersagen zu machen, die solider sind, als jene, welche von den Denkorganen der kapitalistischen Klasse produziert werden (trotzdem muss man wissen, wie man sie nutzen kann). Die &#8222;epistemische&#8220; Position ist untrennbar mit der &#8222;politischen&#8220; (oder, wenn man es bevorzugt, antipolitischen) Position verbunden: &#8222;Soweit solche Kritik [der politischen &#214;konomie] &#252;berhaupt eine Klasse vertritt, kann sie nur die Klasse vertreten, deren geschichtlicher Beruf die Umw&#228;lzung der kapitalistischen Produktionsweise und die schlie&#223;liche Abschaffung der Klassen ist - das Proletariat.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, &#8222;Nachwort zur zweiten Auflage&#8220; in MEW, Bd. 23, S. 22.&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Auch hier wird uns nur die Zeit zeigen, ob diese Vorannahmen ihre Richtigkeit behalten. Aber, wie wir es soeben gesagt haben, der kognitive Aspekt impliziert das Axiom der Klassendeterminierung, ihres entscheidenden Charakters bez&#252;glich dem Verlauf der gegenw&#228;rtigen und vor allem der k&#252;nftigen Ereignisse. Wenn das eine Element f&#228;llt, f&#228;llt auch das andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;***&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;USA&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berlassen wir den Historikern die Aufgabe, die (unserer Meinung nach total unrealistische) Hypothese zu widerlegen oder zu best&#228;tigen, gem&#228;ss welcher die USA am 6. Januar 2021 knapp einem Staatsstreich entgangen seien. Wie dem auch sei, die Ereignisse dieses Tages repr&#228;sentieren f&#252;r die &#8222;Figur&#8220; Trump das De Profundis am Ende eines Niedergangs, der zwischen Ende 2019 und Anfang 2020 mit den ersten klaren Symptomen der durch die Pandemie bloss beschleunigten Ersch&#246;pfung des industriellen und finanziellen Zyklus begonnen hatte. Bis dahin schien seine Wiederwahl wahrscheinlich, umso mehr weil die Kandidatur von Joe Biden im gegnerischen Lager nicht im Geringsten Enthusiasmus ausl&#246;ste und die Umfragen (in welchen Trumps Vorsprung wenig markant war) schon ihre mangelnde Verl&#228;sslichkeit unter Beweis gestellt hatten. Es sollte hier betont werden, dass, trotz der Neutralisierung eines betr&#228;chtlichen Teils des Wahlprogramms von Trump durch seine eigene Administration, besonders betreffend der Wiederbelebung der amerikanischen Industrie, die Pr&#228;sidentschaft von Trump f&#252;r die amerikanische Wirtschaft eine relativ florierende Periode war, gepr&#228;gt vom Wachstum der Reall&#246;hne (siehe die Graphik weiter unten), einer Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der besten Erwerbst&#228;tigenquote der schwarzen und lateinamerikanischen Minderheiten in der Geschichte der USA (was uns nat&#252;rlich nichts &#252;ber die Qualit&#228;t ihrer Jobs sagt, aber trotzdem&#8230;). Die Tatsache, dass Trump nicht oder kaum f&#252;r diese Zahlen verantwortlich ist, &#228;ndert an der Sache nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graphik 1: Entwicklung der Reall&#246;hne in den USA (1960-2020)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_32 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L439xH287/10000000000002c8000001d255fbc079edaf2455-f3f9d.jpg?1689271950' width='439' height='287' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;F&#252;gen wir hinzu, dass die Ablehnung des Multilateralismus in der Aussenpolitik &#8211; die schon vor Trump vorbereitet worden war, aber wovon er, sogar ungewollt, das international anerkannte Symbol geworden ist &#8211; unleugbar an mehreren Fronten ihre Effizienz (Handels- und Zollpolitik vor allem) gezeigt hat, dazu kommt die &lt;i&gt;innenpolitische&lt;/i&gt; Popularit&#228;t des milit&#228;rischen R&#252;ckzugs aus dem Mittleren Osten und Nordafrika nach den Missgeschicken in Afghanistan, im Irak, in Syrien und in Libyen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Coronakrise hat dieses Szenario grundlegend modifiziert, indem sie zutiefst in der Geschichte der amerikanischen Gesellschaft verankerte Probleme sichtbar gemacht hat: Allen voran die Funktionsst&#246;rungen eines halbprivaten Gesundheitssystems, in welchem die Krankenversicherung grosser Teile der Bev&#246;lkerung durch die Erwerbst&#228;tigkeit konditioniert ist &#8211; die eigene oder jene des Ehepartners &#8211; und somit durch die M&#246;glichkeit, erwerbst&#228;tig zu sein; daher kommt die explosive Kombination der Wirtschaftskrise und des gesundheitlichen Notstands f&#252;r die Afroamerikaner, unter welchen die Arbeitslosenzahlen h&#246;her sind als in der allgemeinen Bev&#246;lkerung und unter den anderen Minderheiten. Aber auch die Heftigkeit der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, wovon das Niveau der Polizeibrutalit&#228;t nur ein Widerschein ist, und die Zerbrechlichkeit einer institutionellen Architektur, in welcher die subnationalen &#8211; ethnischen, &lt;i&gt;aber auch religi&#246;sen&lt;/i&gt; &#8211; Gemeinschaften als &lt;i&gt;Ersatz&lt;/i&gt; f&#252;r die Interessenvertreter, als Vermittlungsinstanz zwischen der Zivilgesellschaft und der politischen Macht funktionieren. In diesem Rahmen erlangt die &lt;i&gt;schwarze Frage&lt;/i&gt; eine besondere Bedeutung, die weder durch die universit&#228;re Intersektionalit&#228;t, noch die grunds&#228;tzliche Ablehnung nationaler Fragen angemessen erfasst werden kann. Obwohl es wahr ist, dass die Ungleichheiten in den USA und der gesamten angels&#228;chsischen Welt im Verlauf der letzten 40 Jahre wortw&#246;rtlich explodiert sind, sind die Ungleichheiten &lt;i&gt;auf ethnischer Grundlage&lt;/i&gt; hingegen reduziert worden, sowohl aufgrund der relativen Verarmung der &#8222;kaukasisch&#8220; genannten Bev&#246;lkerungen, die in der geringeren Lebenserwartung klar sichtbar wird, als auch der Verbesserung der Bedingung der Einwanderer, gem&#228;ssigt f&#252;r die Lateinamerikaner, aber betr&#228;chtlich f&#252;r die Asiaten, die aktuell das bedeutendste Kontingent der Migrationsfl&#252;sse in Richtung USA sind und einen beeindruckenden sozio&#246;konomischen Aufstieg verzeichnen. Die Afroamerikaner, die ungef&#228;hr 15% der amerikanischen Bev&#246;lkerung ausmachen und die &#8211; im Gegensatz zu den Asiaten und den Lateinamerikanern &#8211; nicht als &#8222;Einwanderer&#8220; betrachtet werden k&#246;nnen (das ist eine Binsenwahrheit, aber es muss pr&#228;zisiert werden), sind weniger als die anderen an dieser relativen Angleichung beteiligt. Das wird offensichtlich, wenn man die ethnischen Statistiken betreffend des Niveaus der Schulabschl&#252;sse und des Abschlusses h&#246;herer Studien untersucht (siehe die untenstehende Tabelle).&lt;/p&gt;
&lt;table class=&#034;table spip&#034;&gt;
&lt;thead&gt;&lt;tr class='row_first'&gt;&lt;th id='id6e35_c0'&gt;Ethnizit&#228;t&lt;/th&gt;&lt;th id='id6e35_c1' colspan='2'&gt;% Bachelor auf dem Niveau der High School (oder dar&#252;ber)&lt;/th&gt;&lt;th id='id6e35_c3' colspan='2'&gt;% Diplomierte auf dem Niveau College (oder dar&#252;ber)&lt;/th&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/thead&gt;
&lt;tbody&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;2000&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;2018&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;2000&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;2018&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Weisse&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;83.3&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;90.2&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;24.6&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;35.2&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Afroamerikaner&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;72.1&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;87.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;13.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;25.2&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Lateinamerikaner&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;52.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;71.6&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;8.4&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;18.3&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Asiaten (+ pazifische Inseln)&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;79.7&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;90.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;37&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;56.5&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Total&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;78.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;89.8&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;21.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;35&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;a href=&#034;https://www.statista.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;U.S. Census Bureau&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man wird &#228;hnliche Daten finden, wenn man die Arbeitslosenquote, die Lebenserwartung und die Lebenserwartung in guter Gesundheit, sowie den Inzidenzwert von Krankheiten wie Diabetes und Krebs untersucht. Noch klarere Diskrepanzen zwischen Afroamerikanern und dem nationalen Durchschnitt findet man bei der Kindersterblichkeit, der Fertilit&#228;tsrate und dem Anteil der gemischten Ehen, diese sind klar r&#252;ckl&#228;ufig (die Ehen zwischen Schwarzen und Weissen sind wieder zu einem Tabu geworden). In ihrer Gesamtheit legen diese Indikatoren nahe, dass ein betr&#228;chtlicher Anteil der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung sich zunehmend als eine Enklave innerhalb der amerikanischen Gesellschaft reproduziert, sogar hinsichtlich der Kultur und des demographischen Verhaltens. In anderen Worten stellt sich die schwarze Frage &#8211; wovon die Black Power der 1960er und 1970er Jahre in ihren vielf&#228;ltigen und konfliktreichen (auch unternehmerischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;In Opelousas im Bundesstaat Louisiana wurde eine Genossenschaft f&#252;r den (...)&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) Auspr&#228;gungen der letzte massenhaft organisierte Ausdruck war &#8211; in einem wahrscheinlich ver&#228;nderten Kontext, in welchem jedoch jene Bedingungen fortbestehen, welche ihre L&#246;sung in der Vergangenheit verunm&#246;glichten: Einerseits die Unm&#246;glichkeit jeglicher territorialen Sezession der Afroamerikaner, andererseits der gesellschaftlich zugleich gemischte und &lt;i&gt;nicht genug&lt;/i&gt; gemischte Charakter der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung &#8211; im Klartext, die Abwesenheit einer dem Nationalismus verpflichteten Grossbourgeoisie, die nicht mit der Pr&#228;senz einer schwarzen Kleinbourgeoisie und (besonders heutzutage) einer schwarzen lohnabh&#228;ngigen Mittelklasse kompensiert werden kann und die gleichzeitig nicht ausreicht, um die schwarze Frage als einfache Klassenfrage (die Afroamerikaner als eine Fraktion unter anderen des amerikanischen Proletariats) zu behandeln. In diesem Sinne kann man vielleicht das von Abraham L&#233;on in seiner Abhandlung &#252;ber die j&#252;dische Frage ausgearbeitete Konzept der &lt;i&gt;Volksklasse&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Abraham L&#233;on, Die j&#252;dische Frage. Eine marxistische Analyse, Essen, (...)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; einsetzen, nicht ohne zu betonen, dass eine Minderheit zwar, aber ein konsequenter Teil der Afroamerikaner davon ausgenommen ist, da er perfekt ins wirtschaftliche, politische und kulturelle Establishment integriert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall kamen diese Determinierungen in der nach dem Mord an George Floyd entstandenen sozialen Bewegung voll zum Tragen und es ist falsch, sie als multiethnische und rein proletarische Bewegung zu analysieren. Es handelte sich eher um eine Explosion der Krawalle und Pl&#252;nderungen von gewissen Randgruppen des amerikanischen (tats&#228;chlich nicht nur schwarzen) Proletariats, die sich schnell in eine antirassistische &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; Bewegung verwandelte &#8211; sie war wesentlich von den am meisten politisierten Fraktionen der afroamerikanischen Mittelklassen (Black Lives Matter) und einer radikalen Fraktion der &lt;i&gt;white liberals&lt;/i&gt; angetrieben &#8211; begleitet von episodischen Wiedererscheinungen der urspr&#252;nglichen sozialen Zusammensetzung. Nach Ferguson (2014) und Baltimore (2015) war die Ausbreitung einer solchen Bewegung auf nationaler Ebene als Reaktion auf irgendeine Untat absolut vorhersehbar&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Jahr 2017 bekr&#228;ftigten wir, dass &#8222;die M&#246;glichkeit neuer &#8218;Verwachsungen&#8216; (...)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was ihre Bedeutung ausmacht, ist die Tatsache, dass sie &#8211; im durch den Arabischen Fr&#252;hling begonnenen Zyklus der interklassistischen Bewegungen &#8211; die erste dieser Bewegungen im nordamerikanischen Raum ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie die durch die &#8222;friedliche&#8220; Komponente der Bewegung in breiten Schichten der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;ste Sympathie (ein Indiz f&#252;r die Wahrnehmung der schwarzen Frage) und die eventuellen Auswirkungen auf den Wahlausgang untersch&#228;tzte oder nicht ber&#252;cksichtigte, war die Antwort der Administration Trumps eine reine Law-and-Order-Politik. Eine Antwort, die den &lt;i&gt;deep &lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt;&lt;i&gt;tate&lt;/i&gt; nicht &#252;berzeugte (siehe die Weigerung des Chefs des Pentagons, die Armee zu mobilisieren) und die, kombiniert mit einer unheilvollen Kommunikation an der Front der Pandemie&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Betreffend der tats&#228;chlichen Verwaltung der Pandemie, die in den USA, wie (...)&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, einerseits zum Fortbestand der sozialen Bewegung und der Radikalisierung gewisser ihrer Komponenten, andererseits zur Ersch&#252;tterung der kontroversesten Sektoren von Trumps Wahlbasis (Qanon usw.) beitrug. Die Wichtigkeit dieser Sektoren sollte nicht &#252;bertrieben werden: Verglichen mit der Gesamtheit von Trumps W&#228;hlern 2020 sind sie unbedeutend. Wie es schon zahlreiche Kommentatoren betonten, deutet die Analyse des Wahlresultats trotz der Niederlage nicht nur die absolute Zunahme der Stimmen f&#252;r Trump gegen&#252;ber 2016 (ungef&#228;hr 10 Millionen Stimmen mehr) und seinen Vorteil gegen&#252;ber Biden nach der Abrechnung der Stimmen aus der Briefwahl&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Trotz dem in absoluten Zahlen offensichtlichen Vorteil (ungef&#228;hr 7 (...)&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (wovon uns die Frage ihrer Legitimit&#228;t nicht interessiert) an, sondern auch auf der Ebene fast aller ethnischen und sozioprofessionellen Kategorien mit Ausnahme jener der &#8222;kaukasischen&#8220; F&#252;hrungskr&#228;fte. Die Entzifferung der Wahldaten ist im &#220;brigen alles andere als eine einfache Aufgabe. Die Kriterien der ethnischen Zugeh&#246;rigkeit, der Altersgruppe und des Geschlechts erweisen sich als am lesbarsten: W&#228;hrend 89% der schwarzen W&#228;hler und 63% der Latinos f&#252;r Biden optierten (gegen&#252;ber 7 bzw. 34% f&#252;r Trump &#8211; Prozentzahlen, die trotz allem h&#246;her sind als 2016), bevorzugten 53% der weissen W&#228;hler Trump (gegen&#252;ber 45% f&#252;r Biden); w&#228;hrend 61% der W&#228;hler zwischen 18 und 29 Biden bevorzugten (gegen&#252;ber 36% f&#252;r Trump), stimmten 51% der W&#228;hler zwischen 45 und 64 f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 47% f&#252;r Biden); w&#228;hrend sich 54% der W&#228;hlerinnen f&#252;r Biden entschieden (gegen&#252;ber 45% f&#252;r Trump), stimmten 52% der W&#228;hler f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 46% f&#252;r Biden). Die Analyse der Wahl hinsichtlich der Einkommen und der Bildungsniveaus zeigt ein entschieden weniger eindeutiges Bild. Obwohl Leute mit niederem und mittlerem Einkommen, niedriger als 50&#8216;000 Dollar pro Jahr, scheinbar Biden bevorzugen (53% gegen&#252;ber 45% f&#252;r Trump), ist die Situation umgekehrt, wenn man die Polarisierung innerhalb dieser Einkommensschicht ber&#252;cksichtigt, das Bildungsniveau erweist sich als determinierend: W&#228;hrend 56% der W&#228;hler mit einem Doktortitel f&#252;r Biden optierten (gegen&#252;ber 41% f&#252;r Trump), stimmten 53% ohne Hochschulabschluss f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 46% f&#252;r Biden). Es ist &#252;brigens ziemlich nutzlos, sich auf die Stimmenthaltung zu berufen, um die Fremdheit des amerikanischen Proletariats gegen&#252;ber der Wahlschlacht zu bekr&#228;ftigen, da wir die gr&#246;sste Stimmbeteiligung an den Pr&#228;sidentschaftswahlen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verzeichneten und sich die h&#246;chsten Stimmenthaltungen auf variable Art und Weise zwischen den zuvor zitierten gesellschaftlichen Klassen und Gruppen verteilen, diese Zahl ist h&#246;her unter den Jungen, den Schwarzen und den Spanischsprachigen, aber auch unter jenen mit dem &lt;i&gt;h&#246;chsten&lt;/i&gt; Bildungsniveau (Doktorat oder Postdoc) und dem &lt;i&gt;h&#246;chsten&lt;/i&gt; Einkommen (h&#246;her als 100&#8216;000 Dollar pro Jahr). Sich um die Wahlen zu foutieren, ist eine obligate Entscheidung f&#252;r einige, ein Luxus f&#252;r andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist auf jeden Fall schwierig, einen &#8222;Bierkeller-Putsch&#8220; in der &lt;i&gt;unentbehrlichen Nation&lt;/i&gt; zu konzipieren, die einzige, deren Wahlen 24 Stunden am Tag in der ganzen Welt ausgestrahlt werden: &lt;i&gt;The show must go on&lt;/i&gt;! Es ist wahrscheinlicher, dass Trump in eine Falle geraten ist, die man ihm von verschiedenen Seiten stellte: F&#252;r eine Pseudobedrohung des milit&#228;rischen Umsturzes der Wahl sorgen, indem die Inbrunst einer Handvoll Bewegter gesch&#252;rt wird &#8211; zur Verst&#228;rkung des demokratischen Sieges. Nach dem 20. Januar, als die Amtseinf&#252;hrung Bidens ohne Krawalle oder &#220;berraschungen ablief, verstanden die Anh&#228;nger von QAnon und Co. letztendlich, f&#252;r welches Spiel sie die n&#252;tzlichen Idioten waren. Eher als ein 18. Brumaire Trumps war es ein &lt;i&gt;kleiner&lt;/i&gt; Reichstagsbrand zugunsten des gew&#228;hlten Pr&#228;sidenten. Trump macht sich davon wie ein verwirrter Boxer, der seine Unterst&#252;tzer im &lt;i&gt;big business&lt;/i&gt; verloren hat und von einem medialen Standpunkt aus marginalisiert worden ist &#8211; aber nicht als Toter: Eine j&#252;ngste Umfrage sieht ihn erneut auf dem aufsteigenden Ast unter der republikanischen Basis nach dem 6. Januar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#228;ndert aber nichts an der Tatsache, dass der wesentliche Faktor der Niederlage Trumps die teilweise Wiedereroberung der Arbeiterstimmen durch die Demokraten in den &lt;i&gt;swing states&lt;/i&gt; im Midwest war, sie wurde ausgel&#246;st durch die Entt&#228;uschung &#252;ber die Trumpschen Versprechen betreffend der Relokalisierung und Biden und Co. sicherten sie sich durch &#228;hnliche Parolen (&#8222;amerikanisch produzieren und kaufen&#8220;). Ob die Trumpsche Bewegung ihren Chef wiederfindet oder einen anderen suchen muss, ob sie im republikanischen Lager bleiben kann oder eine &lt;i&gt;third party&lt;/i&gt; gr&#252;nden muss, all das wird unter anderem vom Ausgang der zweiten Prozedur des &lt;i&gt;impeachment&lt;/i&gt; und absehbaren Abrechnungen innerhalb des republikanischen Lagers abh&#228;ngen. Aber um zu &#252;berleben, wird diese Bewegung allen voran einen interklassistischen Block neu aufbauen m&#252;ssen, Arbeiterbasis eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Raffaele Sciortino, &#8222;Dopo Trump?&#8220;, 7. Dezember 2020, hier verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Weg ist trotz allem voller Hindernisse f&#252;r die neue Administration: Bis jetzt konnte sie von den Fehlern und Grenzen ihres Gegners profitieren, aber sie wird nun zeigen m&#252;ssen, dass sie es besser kann, sowohl betreffend der Antwort auf den gesundheitlichen Notstand (w&#228;hrend die offizielle Covid-Bilanz in den USA 400&#8216;000 Tote &#252;bersteigt), als auch betreffend der Verwaltung einer Wirtschaftskrise, die noch lange nicht all ihr zerst&#246;rerisches Potenzial entfaltet hat. All das mit einer sehr schwachen Mehrheit im Senat und einer betr&#228;chtlich schw&#228;cheren Mehrheit (im Verh&#228;ltnis zu den Resultaten der Zwischenwahlen 2018) im Repr&#228;sentantenhaus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit haben die inneren Unruhen rund um die Bildung der neuen &lt;i&gt;Regierung&lt;/i&gt; den amerikanischen &lt;i&gt;Staat&lt;/i&gt; nicht daran gehindert, sein eigenes Programm weiterzuverfolgen. Die j&#252;ngsten von den USA gemeinsam mit Kanada und Grossbritannien eingef&#252;hrten Sanktionen gegen Importe chinesischer Produkte, f&#252;r welche der Verdacht besteht, dass sie auf Zwangsarbeit der uigurischen Minderheit beruhen, best&#228;tigen &#8211; falls notwendig &#8211;, dass die chinesisch-amerikanischen Spannungen nicht nachlassen werden. Eine Tatsache, der es, einmal mehr, nicht an Dialektik mangelt: USA gegen China, das heisst die j&#252;ngste der grossen Nationen gegen die &#228;lteste &#8211; aufgefrischt durch den j&#252;ngsten der grossen Kapitalismen. Indem sie die Illusion einer R&#252;ckkehr des Multilateralismus evoziert, wird die Administration Bidens wahrscheinlich versuchen, die EU f&#252;r den antichinesischen Kreuzzug anzuheuern. Wie wir weiter unten sehen werden, h&#228;ngt der Erfolg der Operation gr&#246;sstenteils von der F&#228;higkeit Deutschlands ab, seine L&#228;hmung zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;China&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;China und der Ferne Osten im Allgemeinen verlieren provisorisch weniger und gehen relativ gest&#228;rkt aus der ersten Phase der Krise hervor. Die Unterzeichnung am 15. November 2020 der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), ein Vertrag zwischen China, Japan, S&#252;dkorea, den zehn L&#228;ndern des ASEAN, Australien und Neuseeland f&#252;r eine weitr&#228;umige Freihandelszone, die 30% des weltweiten BIP, 28% des Welthandels und ungef&#228;hr 2.2 Milliarden Einwohner von einem demographischen Standpunkt aus repr&#228;sentiert, symbolisiert gewissermassen diesen Zwischenstand. Obwohl es keine Garantien betreffend seiner Einhaltung und seinen langfristigen Effekten gibt, ist er trotzdem ein sch&#246;ner Erfolg f&#252;r die chinesische Diplomatie, der im Gegensatz zur Blockierung der letzten Versuche hin zum Freihandel steht, vom TAFTA &#252;ber das CETA (letzteres ist durch eine Sonderprozedur angenommen worden, aber immer noch nicht ratifiziert) bis zum von Frankreich blockierten Abkommen zwischen der EU und Mercosur (ohne von der Trumpschen Neuverhandlung &#252;ber das NAFTA zu sprechen). China hat eine gute Partie gespielt, indem das Land die durch den R&#252;ckzug der USA aus der Trans-Pacific Partnership (TPP) best&#228;tigte Einfrierung auf strikt wirtschaftlicher Ebene des &lt;i&gt;pivot to Asia&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Milit&#228;risch betrachtet ist die amerikanische Aussenpolitik weit davon (...)&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; seitens der Administration Trumps zu seinen Gunsten gewendet hat. Doch der RCEP ist auch das Resultat unterirdischer Schubwirkungen hin zur regionalen Integration des Fernen Ostens und S&#252;dostasiens, die mindestens seit einem Jahrzehnt am Werk sind. Es gen&#252;gt, an die erfolglose Initiative Chinas w&#228;hrend dem 19. Gipfel des ASEAN 2011 und die &#8211; scheuen aber regelm&#228;ssigen &#8211; Initiativen Japans f&#252;r eine Umorientierung hin zu Kontinentalasien, stets gescheitert wegen amerikanischem Druck, zu erinnern. Mit dem RCEP schafft China konkrete Grundlagen, um den wirtschaftlichen und politischen Einfluss des amerikanischen Kapitals in allen anderen Unterzeichnerstaaten zu erodieren. Falls es in einer nahen Zukunft zu keinen Eskalationen kommt, k&#246;nnte das Abkommen auch die Bedingungen f&#252;r eine Beruhigung der heftigen Territorialstreitigkeiten mit Vietnam, den Philippinen und Malaysia im S&#252;dchinesischen Meer rund um die Spratly- und Paracel-Inseln (mit den lauernden und zu einer milit&#228;rischen Intervention bereiten USA) schaffen. Die wahrscheinliche Wiederaufnahme in grossem Stil des von Obama geerbten &lt;i&gt;pivot to Asia&lt;/i&gt; durch die Administration Bidens wird ein Versuch sein, verlorenes Terrain zur&#252;ckzuerobern, aber vielleicht wird es schon zu sp&#228;t sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 1: Unterzeichnerstaaten des RCEP&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_33 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L428xH282/10000000000005dc000003dc90817e3aec8c3215-dc058.jpg?1689271950' width='428' height='282' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu hat der chinesische Staat in den vergangenen Monaten vermehrt Initiativen gegen die BHATX (Baidu, Huawei, Alibaba, Tencent, Xiaomi), die technologischen Meister des chinesischen Handelswachstums und nationalen &#196;quivalente der GAFAM, ergriffen und sich mit ihnen gerieben. Neben den von der Wettbewerbsbeh&#246;rde ausgesprochenen Bussen gegen Alibaba und Tencent und der Er&#246;ffnung eines &#220;berpr&#252;fungsverfahren hinsichtlich der Fusion von DouYu und Huya waren das Verbot f&#252;r die Ant Group (finanztechnologische Tochtergesellschaft von Alibaba), an den B&#246;rsen in Hongkong und Shanghai zu starten, und das tempor&#228;re Verschwinden ihres Magnaten Jack Ma aus dem &#246;ffentlichen Leben eine Sensation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund ihrer F&#252;hrungsrolle im Bereich der Innovation spielen die BHATX eine zentrale Rolle in der Strategie der technologischen Unabh&#228;ngigkeit des chinesischen Staates. Gleichzeitig versucht der chinesische Staat, jegliche Entwicklung zu verhindern, die den BHATX nach dem Vorbild der GAFAM im Westen mehr Autonomie und Einfluss verschaffen k&#246;nnte als der KPC und dem chinesischen Staat. Die dem Sektor der Staatsunternehmen inh&#228;renten Rentabilit&#228;ts- und Korruptionsprobleme sprechen hingegen f&#252;r eine gr&#246;ssere Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft. Aber eine solche Liberalisierung w&#252;rde eben genau den BHATX freie Hand lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend der Reglementierung der Finanzm&#228;rkte ist der chinesische Staat ebenfalls mit teilweise widerspr&#252;chlichen Anforderungen konfrontiert. W&#228;hrend der politische Schutz und die stets offenen Kreditlinien f&#252;r die Staatsunternehmen zweifelhafte Investitionen und Korruption alimentierten, wandten sich die chinesischen KMUs &#8211; die von diesen Privilegien ausgeschlossen sind &#8211; zu ihrer Finanzierung massiv an die Schattenbanken. Unter diesen KMUs haben wahrscheinlich viele eine geringe Rentabilit&#228;t und sind nicht von strategischem Interesse, aber einige sind auch sehr fortgeschrittene Hightechunternehmen (k&#252;nstliche Intelligenz z.B.), die sich legitimerweise Hoffnungen auf eine bedeutendere Unterst&#252;tzung seitens des Staates machen k&#246;nnten. Ausserdem repr&#228;sentiert die Tatsache, dass die chinesischen KMUs den Schattenbanken ausgesetzt sind, ein grosses wirtschaftliches Risiko. Dieser Sektor der Schattenbanken ist 2018 50&#8216;900 Milliarden Dollar schwer, das ist gleichbedeutend mit 13.6% der weltweiten Finanzanlagen, und zu 70% durch die Aktivit&#228;t spekulativer Fonds konstituiert. Schon vor der Coronakrise erlebte dieser Sektor einen starken Einbruch: Trotz einem durchschnittlichen j&#228;hrlichen Wachstum von 8.5% von 2012 bis 2017 sank die Zahl von 14% 2017 auf magere 1.7% 2018. Obwohl es wahr ist, dass die amerikanischen Anlagen gesamthaft immer noch ungef&#228;hr 30% repr&#228;sentieren (15.2 Milliarden Dollar), sind sie seit 2014 immer weiter zur&#252;ckgegangen, w&#228;hrend die chinesischen Anlagen ein starkes Wachstum verzeichneten und gleich dahinter mit 15.4% (7.8 Milliarden Dollar) folgen. Gem&#228;ss vielen Analysten stellen die Hebelprodukte und CLO, Derivate, die in einem Produkt eine grosse Anzahl an Obligationen von schlechter Qualit&#228;t kombinieren, ein bedeutendes Risiko dar. Daraus folgt, dass es f&#252;r den chinesischen Staat imperativ ist, zumindest einen Teil der im Schattenbankwesen involvierten KMUs ins Trockene zu bringen (besonders die strategisch interessanten), um sich vor den Auswirkungen einer weltweiten Krise in diesem Sektor und allgemeiner des globalen Zyklus der Unternehmensverschuldung zu sch&#252;tzen (das w&#228;re alles in allem nur ein zus&#228;tzlicher Effekt des vollst&#228;ndig durchgezogenen chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist schwer absehbar, wie der interne Klassenkampf diese Abrechnung zwischen chinesischen und/oder in China aktiven kapitalistischen Fraktionen tangieren kann. F&#252;r lange Zeit betrachtete man es als selbstverst&#228;ndlich, dass die zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen zu einem zweiten Tiananmen f&#252;hren w&#252;rden, mit allem, was idealerweise dazu geh&#246;rt: Demokratisierung der Institutionen, Gewerkschaften usw. Doch der nationale und internationale Kontext hat sich ge&#228;ndert, genau wie der chinesische Kapitalismus selbst. Es ist zu fr&#252;h, um sagen zu k&#246;nnen, ob letzterer sich wirklich hin zum Binnenmarkt umorientieren k&#246;nnen wird &#8211; die Agrarfrage bleibt daf&#252;r ein grundlegendes Hindernis &#8211;, aber es ist klar, dass die unmittelbaren Interessen der grossen Masse der Arbeiter sowie der Mittelklasse in Richtung einer solchen Umorientierung gehen. Und es scheint zumindest bis jetzt so, dass nur eine rund um Xi Jinping kompakte KPC f&#228;hig ist, deren Pilot zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Indien&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zahlreiche Umst&#228;nde m&#252;ssen erw&#228;hnt werden, um ein minimales Verst&#228;ndnis f&#252;r den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kontext im Hintergrund der andauernden sozialen Krise in Indien zu haben. Auf &#228;usserst allgemeine Art und Weise kann man die offensichtliche produktive &#220;berkapazit&#228;t in den grossen Sektoren der Weltwirtschaft (Automobile, Erd&#246;l usw.) erw&#228;hnen, innerhalb derselben ist die Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe wahrscheinlich keine Ausnahme (obwohl die Daten nicht eindeutig sind). Das bezeugt die f&#252;r die lokalen M&#228;rkte sehr sch&#228;dliche Einf&#252;hrung der europ&#228;ischen &#220;bersch&#252;sse (besonders Milch) in die afrikanischen M&#228;rkte die letzten Jahre und die j&#252;ngsten &#8211; ziemlich pessimistischen &#8211; Prognosen des amerikanischen Ministeriums f&#252;r Landwirtschaft bez&#252;glich der Nachfrage nach amerikanischem Getreide, Mais und Soja. Daher kommt der steigende Druck auf die landwirtschaftliche Rohstoffe produzierenden Schwellen- und Entwicklungsl&#228;nder, damit sie ihre die lokalen Kleinbauern sch&#252;tzenden &#246;ffentlichen M&#228;rkte aufgeben. Diesbez&#252;glich ist der indische Markt ein gutes Beispiel, denn ein betr&#228;chtlicher Teil davon wird durch den Staat mit festgelegten Preisen verwaltet. Die Produzenten verkaufen an den Staat, der einen &#252;ber dem Marktpreis liegenden Minimalpreis garantiert und diesen Teil des landwirtschaftlichen Produkt direkt an die Bev&#246;lkerung durch ein von Einkommenskriterien abh&#228;ngiges Rationierungssystem umverteilt (zwischen 25 und 35 kg Getreide pro Monat und Haushalt). Dieses System ist ein charakteristisches Erbe des &#8222;indischen Weges zum Sozialismus&#8220;, d.h. der auf die Bauern fokussierten nationalen Befreiungsbewegung, die formgebend f&#252;r Indiens Unabh&#228;ngigkeit war, und es wurde durch staatliche Initiative aufrechterhalten, um sie als Klasse zu erhalten und ihnen ein Mindesteinkommen zu garantieren. Diese mit der Entstehung der modernen indischen Nation verbundene Spezifit&#228;t erkl&#228;rt die relative Langsamkeit der Landflucht, ungeachtet der Entwicklung der Industrie- und Finanzenklaven. Diesbez&#252;glich sollte daran erinnert werden, dass die USA 2018 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Indien innerhalb der WTO lanciert hatten, ihrer Meinung nach waren dort die Landwirtschaftssubventionen h&#246;her als 10% (Schwellenwert f&#252;r die Mitglieder). Zu diesen allgemeinen Elementen kann man die Entwertung der Rupie ab 2016 hinzuf&#252;gen, sie f&#252;hrte zu zunehmenden Schwierigkeiten f&#252;r die Landwirte bez&#252;glich dem Kauf von Saatgut, D&#252;nger und Pestiziden und zu einer Binnenmarktkontraktion nach der Coronakrise mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit usw. Die Kombination dieser Umst&#228;nde erlaubt es, den Sinn dieser Reform zur Liberalisierung des landwirtschaftlichen Marktes in Indien zu verstehen, die von der Regierung Modi vorgeschlagen und von beiden Kammern Mitte September 2020 angenommen worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die darauf folgende soziale Bewegung erreichte ihren H&#246;hepunkt zwischen Ende November 2020 und Anfang Januar 2021. Sie kann als interklassistische Bewegung definiert werden, dominiert nat&#252;rlich von der Bauernschaft, was jedoch die Beteiligung und Unterst&#252;tzung weiter Teile der restlichen Gesellschaft nicht ausschliesst. Besonders die F&#252;hrungen der Gewerkschaften &#8211; Ausdr&#252;cke (die freilich indirekt und pervers sind) der Sektoren des &#246;ffentlichen Dienstes und der Arbeiterklasse &#8211; unterst&#252;tzten die Bewegung phasenweise und beteiligten sich an einigen nationalen Tagen des &#8222;Generalstreiks&#8220; (die Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen sind nicht unwesentlich), wobei sie die spezifisch b&#228;uerlichen mit ihren eigenen Forderungen erg&#228;nzten, mal getrieben von der Basis, mal aus rein politischen Gr&#252;nden. Auch die heterogene und segmentierte Zusammensetzung der b&#228;uerlichen Komponente selbst muss betont werden. Gem&#228;ss offiziellen Zahlen gibt es in Indien ungef&#228;hr 140 Millionen Landwirte, davon besitzen 86% 2 Hektaren oder weniger Land; von letzteren besitzen 30% praktisch kein Land und ungef&#228;hr 20 Millionen sind ausschliesslich Wanderbauern. Tats&#228;chlich arbeiten die meisten dieser Landwirte, ob Eigent&#252;mer oder nicht, auch auf dem Land von anderen, f&#252;r reiche Bauern oder nationale Landwirtschaftsunternehmen, aber immer im Rahmen eines ziemlich archaischen Systems der Halbpacht. Dazu kommen 150 Millionen blosse landwirtschaftliche Arbeiter, ein Teil davon wird von den Kleinbauern angestellt und die sind wahrscheinlich die letzten Monate an ihrer Seite mobilisiert gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit letztem Herbst organisierte die Bewegung vermehrt Demonstrationen, Bauernm&#228;rsche, Sit-ins und Blockaden von Strassen und Autobahnen (dazu geh&#246;rt die permanente Besetzung der Autobahn Delhis), hinzu kamen Streiks der Arbeiter im &#246;ffentlichen und in einem geringeren Ausmass im privaten Sektor. Ihr Inhalt, sowohl hinsichtlich der elementaren Verteidigung der aktuellen Bedingungen der indischen Landwirtschaft, als auch des Strebens nach einer R&#252;ckkehr des interventionistischen Staats der Vergangenheit, ist ein Kampf &lt;i&gt;gegen die Proletarisierung&lt;/i&gt;. Die F&#228;higkeit der Bewegung zur Eingliederung der Sektoren der Lohnarbeit ist nur verst&#228;ndlich, wenn man an die katastrophalen Konsequenzen denkt, welche der Ruin der Kleinbauernschaft und die Beschleunigung der Landflucht mit der Explosion einer jetzt schon stetig expandierenden Reservearmee f&#252;r den indischen Arbeitsmarkt h&#228;tte. Daneben ist die Aufrechterhaltung der Reste des Verwaltungssystems nicht frei von perversen Auswirkungen (man sch&#228;tzt, dass 50% des vom Staat gekauften landwirtschaftlichen Produkts im Schwarzmarkt und klandestinen Verkaufsnetzwerken verschwindet). Zudem sind viele Landwirte faktisch davon ausgeschlossen, denn die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten sind betr&#228;chtlich und in gewissen ist die Landwirtschaft schon fast vollst&#228;ndig liberalisiert (in Bihar ist sie es seit 2006) &#8211; was die davon ausgeschlossenen Landwirte nat&#252;rlich nicht daran hindert, ihren Einschluss ins System in seinem aktuellen Zustand zu fordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am heutigen Tag (15. Januar) befindet sich der Konflikt in einer Sackgasse. Das Oberste Gericht hat sich dem Dossier angenommen, vielleicht in der Hoffnung, die Proteste zu entsch&#228;rfen, oder vielleicht mit der Absicht, es im Kontext einer Abrechnung innerhalb der Institutionen (gegen Modi?) zu benutzen. Das von der Bewegung gegen&#252;ber der Regierung festgelegte Ultimatum f&#252;r den R&#252;ckzug der Reform endet am 26. Januar. Wir werden sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in Indien im letzten Herbst ausgebrochene gesellschaftliche Krise rund um die Liberalisierung des landwirtschaftlichen Marktes ist, wie weiter oben bez&#252;glich China suggeriert, ein Zeichen f&#252;r den Fortbestand der landwirtschaftlichen und b&#228;uerlichen Frage weltweit. Dieser Fortbestand wird sich gewiss w&#228;hrend anderer Gelegenheiten und anderen geographischen Kontexten manifestieren. Im Falle Indiens, genau wie in jenem Chinas, w&#228;re eine Ad-hoc-Studie notwendig, um das Wesen der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse auf dem Land besser zu verstehen. Betreffend Indien sind die vorkapitalistischen &#220;berbleibsel wahrscheinlich eher feudalistischer denn &#8222;asiatischer&#8220; Natur&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Brendan O&#8216;Leary, The Asiatic Mode of Production. Oriental Despotism, (...)&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Europ&#228;ische Union und Eurozone&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit und dem offiziellen Diskurs &#252;ber den Gesundheitszustand der Europ&#228;ischen Union war nie ausgepr&#228;gter als heutzutage. Die Verantwortlichkeiten der proeurop&#228;ischen Eliten und der grossen Medien wiegen diesbez&#252;glich sehr schwer, insofern als dass die Halbl&#228;hmung der europ&#228;ischen Institutionen &#8211; und die vom Aufbauplan Next Generation EU, besser bekannt in Italien unter dem Namen Recovery Plan, nicht gel&#246;st wird (wir werden darauf zur&#252;ckkommen) &#8211; stets als ein garantierter Marsch hin zu einer heilenden Integration erz&#228;hlt wird. Die Verunsicherung der europ&#228;ischen Bev&#246;lkerungen in Anbetracht der eventuellen Liquidierung dieser Institutionen wird umso brutaler sein. Im aktuellen Zustand bleibt die EU f&#252;r die supranationalen Institutionen, was Salerno-Reggio Calabria f&#252;r die Autobahnen ist: eine mit dem Schein der Utopie umgebene ewige Baustelle. Dieser Schein begleitet die Perspektive der europ&#228;ischen Einheit seit jeher. Vor mehr als einem Jahrhundert kritisierte Rosa Luxemburg Kautskys Schlagwort der Vereinigten Staaten von Europa&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Daf&#252;r gibt es heute nur einen Weg: die Vereinigung der Staaten der (...)&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und verurteilte den Europ&#228;ismus als &#8222;imperialistische Mi&#223;geburt&#8220;, sie notierte folgendes:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Utopische des Standpunkts, der eine Friedens&#228;ra und die R&#252;ckbildung des Militarismus in der heutigen Gesellschaft erwartet, kommt deutlich darin zum Ausdruck, das er zur Projektemacherei Zuflucht nimmt. Es ist ja typisch f&#252;r utopische Bestrebungen, das sie, um ihre Realisierbarkeit zu beweisen, m&#246;glichst detaillierte &#8218;praktische&#8216; Rezepte aushecken.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was ist heutzutage genau das Projekt? Europa der Nationen oder Europa der Regionen? F&#246;derales Europa oder Staatenbund Europa? Budgetdisziplin oder Transferunion? Niemand weiss es mehr. Das ber&#252;hmte &#8222;Projekt&#8220; Europa ist mittlerweile kurzfristig, indem es versucht, sich selbst zu &#252;berleben. Die EZB ist ihm dabei sehr behilflich, aber das monet&#228;re &lt;i&gt;whatever it takes&lt;/i&gt; vermag nicht alles und es kann vor allem einen Zustand der Unentschlossenheit nicht ausl&#246;schen, er erweist sich als schlimmer als die Alternativen, die er vermeiden wollte, denn er l&#246;st kein einziges jener Probleme, von welchen man stets wiederholt, dass sie nur auf europ&#228;ischer Ebene geregelt werden k&#246;nnen: Einwanderung, Klima, Steuerflucht und -dumping, ruinierte Banken usw. An der Einwanderungsfront machte die so sehr erwartete Reform der Dublin-Verordnung &#8211; die als Priorit&#228;t der Pr&#228;sidentschaft Von der Leyens in der Europ&#228;ischen Kommission angek&#252;ndigt worden war &#8211; bis anhin keine bedeutenden Fortschritte. An der Front des Kampfes gegen die Steueroptimierung der grossen Unternehmen war die Leistung des Gerichts der EU (sozusagen) bemerkenswert, es erkl&#228;rte am 15. Juli 2020 die Entscheidung der Kommission f&#252;r ung&#252;ltig, Apple dazu zu verpflichten, 13 Milliarden Euro Steuererleichterungen zur&#252;ckzuzahlen, welche die Firma unrechtm&#228;ssigerweise von der irischen Regierung erhalten hatte, w&#228;hrend das Projekt einer europ&#228;ischen Steuer f&#252;r die GAFAM inmitten der Unstimmigkeiten untergegangen ist (und einzig Frankreich hat sie sich zu eigen gemacht, wenn auch in einer abgeschw&#228;chten Version). An der umweltpolitischen Front m&#252;ssten die Mitgliedsstaaten gem&#228;ss der Europ&#228;ischen Umweltagentur ihre Anstrengungen im Bereich der Reduzierung der Emissionen und der erneuerbaren Energien verst&#228;rken, wenn sie jene Ziele erreichen wollen, die sie sich selbst f&#252;r 2030 festgelegt haben. Was die Bankenunion betrifft, welche die Homogenisierung der Reglementierung und der Rechnungspr&#252;fung des Bankensektors zum Ziel hat, ohne die zerbrechlichsten Banken (dazu geh&#246;rt die Deutsche Bank) auszusondern, kann sie nur dazu f&#252;hren, dass sie den nationalen M&#228;rkten und ihren Aufsichtsorganen das Privileg &#252;berl&#228;sst, die Scherben aufzuwischen &#8211; ausser man glaubt, die Finnen oder die Esten k&#246;nnten es akzeptieren, in ihre Taschen zu greifen, um die &#8222;betrogenen&#8220; Sparer der Banken Venetiens oder der Toskana zu entsch&#228;digen. F&#252;gen wir an, dass das Streben nach einer &#8222;freien und unverf&#228;lschten Konkurrenz&#8220;, besonders im Bereich der Antitrust-Gesetzgebung, die Entstehung von europ&#228;ischen Marktf&#252;hrern in strategischen Sektoren wie der Technologie, der Energie oder dem Transport gehemmt hat, was als Resultat eine zunehmende technologische Abh&#228;ngigkeit von den USA und China zur Folge hatte. Es gen&#252;gt, die Entscheidung der Europ&#228;ischen Kommission im Februar 2019 betreffend der Fusion von Alstom und Siemens zu erw&#228;hnen, sie entspricht gewiss wortw&#246;rtlich dem europ&#228;ischen Konkurrenzrecht, doch sie erscheint in Anbetracht der harten weltweiten wirtschaftlichen und geostrategischen Schlacht als unglaublich naiv. Nur zwei Monate zuvor liess das amerikanische Aussenministerium Meng Wanzhou, die Supermanagerin von Huawei, in Kanada verhaften. Aber keiner ist so taub, wie der, der nicht h&#246;ren will. Die gleiche strenge Interpretation der Doktrin beeinflusste das unumg&#228;ngliche Gericht der EU in der Ausarbeitung des Urteils &#252;ber die Rolle von Gazprom im Rahmen des Projekts Nord Stream 2, eine zu 95% fertiggestellte Gaspipeline, deren &#252;brige 5% imstande sind, zu einem wahrhaften Leidensweg &#8211; oder einem Casus Belli &#8211; zu werden. Gem&#228;ss den Regeln des europ&#228;ischen Gasmarktes kann ein Unternehmen nicht gleichzeitig Produzent und Lieferant sein. Die Entscheidung des Gerichts hat dieses Kriterium auf das aussereurop&#228;ische Unternehmen Gazprom ausgeweitet. Somit wird die russische Firma &#8211; die f&#252;r den Baubeginn der Gaspipeline verschiedene mittlerweile in der Schusslinie der amerikanischen Sanktionen stehende europ&#228;ische Firmen (Wintershall, Uniper, Shell, Engie, OMV) integrieren musste &#8211; die Pipeline alleine fertigstellen und gleichzeitig ein Mittel finden m&#252;ssen, den Formalismus der europ&#228;ischen Gesetzgeber zu umgehen. Es gibt nur zwei denkbare M&#246;glichkeiten: Entweder leben diese Herren hinter dem Mond &#8211; womit man leicht erkl&#228;ren k&#246;nnte, wieso sie die ohnehin schon enormen Schwierigkeiten eines f&#252;r seine Initiatoren sehr wichtiges Projekt zu ignorieren scheinen, dermassen, dass sie alles tun, um weitere hinzuzuf&#252;gen &#8211; oder sie stehen im Sold seiner Gegner (jenseits des Atlantiks?). Es steht freilich nicht heute auf der Tagesordnung, dass &#8222;die grosse Moral des gemeinsamen Marktes gleichbedeutend mit der Wiederentdeckung einer &#8218;wahren&#8216; und &#8218;loyalen&#8216; Konkurrenz ist, in welcher alle die gleichen Erfolgschancen h&#228;tten, von der grossen bis zur kleinen Bourgeoisie, von den Grosskonzernen bis zu den kleinen Handwerkern oder H&#228;ndlern&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220; in Il Programma comunista, Nr. 11-12, 1962, (...)&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Eine Moral, die gut sein kann, solange es am Tisch des Mehrwerts f&#252;r alle Platz hat; aber wenn das nicht mehr der Fall ist, muss man zwingend &lt;i&gt;schnell&lt;/i&gt; etwas anderes erfinden, sonst wird man zum globalen Dorfidioten. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist &#8211; man weiss es &#8211; nicht wirklich die erste Qualit&#228;t der europ&#228;ischen Institutionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf das Konjunkturpaket Next Generation EU jenseits der medialen Aufmerksamkeit zur&#252;ckzukommen, muss &#8211; falls es bei der Ratifizierung des Abkommens in den 27 nationalen Parlamenten, wo &#220;berraschungen nicht ausgeschlossen sind, zu keinem Unfall kommt (Niederlande?) &#8211; festgehalten werden, dass die aus dem deutschen Druck entstandene Vorzugsbehandlung Italiens nur m&#246;glich wurde dank einem Kompromiss mit den sogenannt &#8222;frugalen&#8220; L&#228;ndern (die im Gegenzug eine budget&#228;re Entlastung erhalten) und einem bedeutenderen Engagement Frankreichs, das dort von der &#246;ffentlichen Meinung wenig gesch&#228;tzt wird. Wie es auch immer sein mag, wird der Saldo Italiens f&#252;r die Periode 2021-2027, unter Abzug der Beitr&#228;ge f&#252;r das gew&#246;hnliche Budget der Union, deren wirklichen Beg&#252;nstigte die j&#252;ngst beigetretenen L&#228;nder Osteuropas und des Balkans sind, nur um 10 Milliarden positiv f&#252;r den Teil &#8222;Subventionen&#8220; sein, w&#228;hrend die Vorteile bez&#252;glich der Zinss&#228;tze f&#252;r den Teil &#8222;Schulden&#8220; (die so oder so zur&#252;ckbezahlt werden m&#252;ssen) noch g&#228;nzlich unbest&#228;tigt sind. All das, um Zugang zu alles anderen als enormen und auf jeden Fall nicht unmittelbar verf&#252;gbaren Ressourcen eines Konjunkturpakets zu haben, das &#8211; abgesehen von den magischen Worten der &#8222;Informationstechnologie&#8220; und der gr&#252;nen Wirtschaft &#8211; &#252;berhaupt keine klare Vision der Industriepolitik ausdr&#252;ckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass die Ausgabe angeblich gemeinsamer Anleihen (in Wirklichkeit ist die Sache viel un&#252;bersichtlicher) von den Finanzm&#228;rkten sehr gesch&#228;tzt wurde, unter anderem, weil sie als Zeichen f&#252;r die Unumkehrbarkeit der Eurozone interpretiert wurde. Doch ohne eine starke und geteilte politische Agenda wird keine technokratische Konstruktion reichen, seien es die europ&#228;ischen Abkommen oder die europ&#228;ische Verfassung oder sogar die Pseudo-Eurobonds, um das zusammenzuhalten, was aufgrund seines Wesens immer mehr gespalten ist. Die EU und die Eurozone k&#246;nnen der Stunde der Wahrheit nicht entkommen, die deutsch-franz&#246;sische Freundschaft wird sich wandeln oder enden m&#252;ssen. Deutschland gegen Frankreich, Frankreich gegen Deutschland: Es ist die Geschichte der Herausbildung des modernen Europas so wie wir es kennen, die wieder in den Vordergrund tritt, der Fortbestand der &lt;i&gt;deutschen Frage&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Grunde genommen wurde die gesamte Geschichte Europas durch die (...)&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; im Rahmen eines allgemeinen &lt;i&gt;Fortbestands der Nationen&lt;/i&gt; &#8211; der verschlimmert wird durch einen Aufbau Europas, der die Konzentration der Produktionskapazit&#228;ten im deutschen Raum beg&#252;nstigt und die Verteilungskonflikte um die Eink&#252;nfte &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; der Mitgliedsstaaten in Verteilungskonflikte um die Eink&#252;nfte &lt;i&gt;zwischen&lt;/i&gt; den Mitgliedsstaaten verwandelt. Die Geschichte der &lt;i&gt;sozialen Frage&lt;/i&gt; in Europa ist untrennbar damit verbunden: Die Kommune w&#228;re ohne die Schlappe von Napoleon III. gegen Bismarck undenkbar; Spartakus und der Ruhraufstand w&#228;ren undenkbar ohne die antideutsche Neigung Clemenceaus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Revitalisierung des Projekts Europa ist auf dem Papier nicht unm&#246;glich, doch sie w&#252;rde eine Entscheidung Deutschlands zugunsten einer &lt;i&gt;expliziten und direkten&lt;/i&gt; Machtpolitik implizieren, sie w&#228;re sowohl f&#252;r die USA als auch f&#252;r den franz&#246;sischen Partner schwer verdaulich und die deutsche politische Elite selbst ist im Moment nicht bereit, sie umzusetzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Trotzdem zeigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe (...)&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Gr&#252;nde f&#252;r diese Zur&#252;ckhaltung sind wirtschaftlich (die Vorteile f&#252;r Deutschland ergeben sich aus der Eurozone im gegenw&#228;rtigen Zustand), aber auch historisch. Wenn die Gewalt &#8211; gem&#228;ss der ber&#252;hmten Formel &#8211; die Hebamme der Geschichte ist, so ist die deutsche Erfahrung des 20. Jahrhunderts&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Um diese Erfahrung wirklich zu verstehen, muss man sich jeglichen (...)&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; mit den ver&#252;bten &lt;i&gt;und erduldeten&lt;/i&gt; Grausamkeiten eine schwere Belastung bez&#252;glich der F&#228;higkeit, sich darum zu k&#252;mmern. Mit minimalen Eigenmitteln und ohne direktes Zwangsorgan zur Durchsetzung ihrer Beschl&#252;sse &#8222;[&#8230;] kann sich die Europ&#228;ische Union aber einer Herrschaftsform r&#252;hmen, f&#252;r die es kein historisches Vorbild gibt. Ihre Originalit&#228;t besteht darin, da&#223; sie gewaltlos vorgeht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hans Magnus Enzensberger, Sanftes Monster Br&#252;ssel oder Die Entm&#252;ndigung (...)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Der einzigartige Charakter der EU &#8211; die Aus&#252;bung der Oberhoheit in einer indirekten Form durch das wirtschaftlich vorherrschende europ&#228;ische Land, anders gesagt die Entfremdung dieser Oberhoheit in etwas &#8222;anderem als sie selbst&#8220; &#8211; ist auch ihre gr&#246;sste Schw&#228;che. Um sie zu verstehen, braucht es einen Schritt zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im weiter oben zitierten Artikel betonte Luxemburg, dass &#8222;[wir als] Anh&#228;nger der materialistischen Geschichtsauffassung [&#8230;] bis jetzt immer den Standpunkt [vertraten], dass die modernen Staaten als politische Gebilde nicht k&#252;nstliche Produkte einer sch&#246;pferischen Phantasie, wie z.B. das Herzogtum Warschau napoleonischen Angedenkens, sondern historische Produkte der wirtschaftlichen Entwicklung sind&#8220;. Grundlegender muss in der Entstehung der staatlichen Gebilde das, was Luxemburg die &#8222;wirtschaftliche Entwicklung&#8220; nennt, von schmerzhaften aber unvermeidlichen politischen Passagen vollendet werden. Man baut keine Staaten oder Nationen nach Belieben auf, aus dem einfachen Grund, dass sie durch Feuer und Schwert aufgebaut werden &#8211; obwohl die manchmal nicht reichen, wenn sie nicht von einem gen&#252;gendem wirtschaftlichem Aufschwung begleitet werden. Napoleon I. wusste es, doch Hitler, dessen Ziel es war, Europa zu vereinigen, so wie Bismarck Deutschland vereinigt hatte (1871), wusste es noch besser.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 2: Der Deutsche Bund (1815-1866)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_34 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L308xH308/1000000100000280000002803c859ff9dec6e350-8c434.png?1689271950' width='308' height='308' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Hitlerdeutschland hatte &#252;brigens eine strategische Vision, welche die Vereinigung der damals am meisten industrialisierten Gebiete Europas (Tschechoslowakei, Norditalien, Luxemburg, Belgien, Lothringen, Saarland, Ruhrgebiet) mit den landwirtschaftlichen Regionen Osteuropas zum Ziel hatte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn der preussische Despotismus als &#8222;Eingriff in das ererbte Anrecht Frankreichs auf die deutsche Uneinigkeit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich, 1871.&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; interpretiert wurde, so f&#252;hrte der Hitlersche Despotismus zum ererbten Anrecht der USA auf die kontinentaleurop&#228;ische Uneinigkeit. Die deutsche Wiedervereinigung 1989-1990 f&#252;hrte nur zwei der f&#252;nf Teile zusammen, in welche Deutschland zersplittert worden war. Bis zur Krise zu Beginn der 1970er Jahre waren Initiativen wie die EGKS und die EWG, woraus die ganze Mythologie der Gr&#252;nderv&#228;ter (Monnet, Schuman usw.) entstanden ist, gewiss keine ernsthafte Infragestellung dieses russisch-amerikanischen Kondominiums. Die BRD wagte es auch nie, es anzuprangern, erst sehr sp&#228;t und nur zulasten der F&#252;hrungsschicht der DDR (die der Wiedervereinigung am feindlichsten gesinnte Komponente, im Gegensatz zu Gorbatschow). Es war eher die allm&#228;hliche Schw&#228;chung dieses Kondominiums, welche die BRD, und allgemeiner die L&#228;nder Westeuropas, zu einer Reaktion dr&#228;ngten. Die wesentlichen Etappen dieses Prozesses waren die Krise zu Beginn der 1970er Jahre und das Ende des Ostblocks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1971 erschuf die durch die amerikanische Aufl&#246;sung des Bretton-Woods-Abkommens ausgel&#246;ste monet&#228;re Instabilit&#228;t die Notwendigkeit, den Wechselkurs mit dem Dollar zu st&#252;tzen, um die Wertsteigerung der &#246;ffentlichen Schulden und die Erh&#246;hung der damit assoziierten Zinss&#228;tze zu vermeiden: Daher kamen die halbherzigen &#8211; durch auferlegte fixe Beschr&#228;nkungen der W&#228;hrungsfluktuation charakterisierten &#8211; Experimente der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsschlange (1972-1978) zuerst, des EWS (1979-1998) danach, die beide zu kompetitiven Entwertungsphasen und einem st&#228;ndigen Kommen und Gehen zwischen Ausstieg und Neubeitritten verschiedener L&#228;nder rund um den Kern BRD-Benelux f&#252;hrten. Die dem Wechselkurs der verschiedenen nationalen W&#228;hrungen auferlegte Bandbreite erwies sich jedes Mal als zu restriktiv: 2.25% in der W&#228;hrungsschlange, 2.5% im EWS (ausser f&#252;r Italien, Grossbritannien, Portugal und Spanien, die bis Ende der 1980er Jahre ein Recht auf eine Bandbreite von 6% hatten). Im Falle des EWS waren die von dieser Bandbreite auferlegten Beschr&#228;nkungen durch den Mechanismus des &#8222;Realignments&#8220; abgeschw&#228;cht; doch der wurde gegen Ende der 1980er Jahre in Frage gestellt, in Verbindung mit der vorhersehbaren deutschen Wiedervereinigung und dem Willen der F&#252;hrungsfiguren der EWG, die monet&#228;re Integration zu beschleunigen. Die Verengung der Bandbreite ohne die Realignments, kombiniert mit der Abschaffung der Restriktionen f&#252;r die Kapitalmobilit&#228;t, f&#252;hrte 1992, kurz nach der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht, zur Krise des EWS: Die schw&#228;chsten W&#228;hrungen &#8211; allen voran die italienische Lira und das britische Pfund, aber auch die spanische Peseta und der portugiesische Escudo &#8211; waren den Angriffen von spekulativen Fonds ausgesetzt, die sie als Leerverkauf verkauften und auf ihren Ausstieg aus dem System setzten (der auch tats&#228;chlich eintrat). Schlussendlich gab es keine andere M&#246;glichkeit, als die Bandbreite auf 15% auszuweiten. Diese scheinbar weit entfernten Ereignisse erlauben uns eine bessere Einordnung der Eurokrise 2012, die ohne die ber&#252;hmte Bazooka von Draghi und Co. gleich ausgegangen w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Ausgang war wahrscheinlich entscheidend f&#252;r die Definition der aktuellen Eigenschaften des Euros, besonders f&#252;r die Unver&#228;nderlichkeit der Wechselkurse. Die Krise des EWS war trotzdem das Resultat rein nationaler Dynamiken mit Deutschland und, in geringerem Ausmass, Frankreich als Protagonisten. Frankreich unternahm bez&#252;glich monet&#228;rer Integration eine Flucht nach vorne und ging so weit, Deutschland seinen Willen aufzuzwingen, das dreifache Ziel davon war, die Gesellschaft zu disziplinieren, die letzten Nachhalle des Kampfzyklus von 1968 zum Verstummen zu bringen und ein Kontrollrecht &#252;ber die stets als latente Bedrohungen wahrgenommenen deutschen Angelegenheiten zu erlangen. Eine alles in allem lineare Logik f&#252;hrt vom Wendepunkt der restriktiven Haushaltspolitik im M&#228;rz 1983 zum Verbot der kompetitiven Entwertungen (Politik des starken Franc ab 1989) und der Verweigerung &#8211; insbesondere gegen Italien &#8211; einer Revision des EWS mithilfe einer Neubeurteilung der deutschen Mark (1992)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe das Interview des Corriere della Sera mit Giuliano Amato, dem (...)&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf der deutschen Seite war es die &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt;, welche die Exekutivgewalt Kohls der Wiedervereinigung gab, die entscheidend war f&#252;r die Verkettung der Ereignisse. Der Imperativ der deutschen Wiedervereinigung selbst ergab sich eher aus politischen Motivationen, verbunden mit der nationalen deutschen Frage, denn aus der gegenseitigen wirtschaftlichen Abh&#228;ngigkeit der beiden deutschen Staaten, die in der zweiten H&#228;lfte der 1980er Jahre mit Ausnahme der westdeutschen Exporte von Werkzeugmaschinen in die DDR (siehe untenstehende Tabelle) n&#228;mlich zur&#252;ckging.&lt;/p&gt;
&lt;table class=&#034;table spip&#034;&gt;
&lt;tbody&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;{{}}&lt;/td&gt;
&lt;td colspan='2'&gt;&lt;strong&gt;Exporte der BRD in die DDR (in Millionen Mark)&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td colspan='2'&gt;&lt;strong&gt;Exporte der DDR in die BRD (in Millionen Mark)&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1986&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1987&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1986&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1987&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Rohstoffe und Halbfabrikate&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3615&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3333&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3292&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3179&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;Maschinen und Investitionsg&#252;ter&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;2089&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;2669&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;978&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;981&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Konsumg&#252;ter&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;862&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;647&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1867&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1768&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;Landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;782&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;641&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;655&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;651&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Total&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;7454&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;7406&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;6844&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;6650&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;i&gt;Les Deux Allemagne 1984-1989&lt;/i&gt;, Paris, La Documentation fran&#231;aise, 1990, S. 198.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Fall wurde der spekulative Angriff auf die schwachen W&#228;hrungen durch die Einf&#252;hrung einer Parit&#228;t 1:1 zwischen der Mark der BRD und der Ostmark der DDR beg&#252;nstigt (w&#228;hrend gleichzeitig die Bundesbank vorgeschlagen hatte, den Wechselkurs von 1:8 auf maximal 1:4 zu erh&#246;hen). Darauf folgte eine Explosion der Inflation (ungef&#228;hr 2.5% im August 1990 und 6.5% im M&#228;rz 1992), danach logischerweise eine pl&#246;tzliche Erh&#246;hung der Zinss&#228;tze der Bundesbank, die zur Folge hatte, dass die Investoren von den deutschen Obligationen angezogen waren. Zudem konnte das durch die Erh&#246;hung der &#246;ffentlichen Ausgaben ausgel&#246;ste Wachstum des deutschen BIP in Anbetracht der Rezession im fast ganzen Rest des Kontinents das Misstrauen der Investoren gegen&#252;ber den &#8222;Grundprinzipien&#8220; der anderen L&#228;nder nur verst&#228;rken. Das erlaubt uns, eine andere grosse Besonderheit des Euros zu erw&#228;hnen: die Abwesenheit eines Mechanismus zur Kompensierung von &#8222;asymmetrischen Schocks&#8220; (z.B. einem wirtschaftlichen Einbruch in einem Gebiet und nicht im anderen). In den nationalen Zusammenh&#228;ngen wird dieser Mechanismus normalerweise durch die steuerliche Umverteilung garantiert. Aber jenseits der sprichw&#246;rtlichen deutschen Obsession f&#252;r budget&#228;re Zw&#228;nge einerseits und der brutalen Liquidierung des (zumindest veralteten) Produktionsapparats der DDR andererseits sollte die Bedeutung der budget&#228;ren Anstrengung der ehemaligen BRD zur Kompensation ihres eigenen grundlegenden &#8222;asymmetrischen Schocks&#8220; (der Wiedervereinigung) betont werden. Diese Anstrengung geht auch heute noch weiter, sie entspricht einer j&#228;hrlichen Gesamtsumme, die etwa 4% des deutschen BIP repr&#228;sentiert und von der ehemaligen BRD in die neuen L&#228;nder umverteilt wird, sie repr&#228;sentiert 7% des BIP, wenn man das demographische Gef&#228;lle ber&#252;cksichtigt (nur 20% der deutschen Bev&#246;lkerung lebt heute in der ehemaligen DDR). Und das, obwohl die Resultate hinsichtlich der Wiederbelebung des wirtschaftlichen Wachstums in den unterentwickelten Gebieten der ehemaligen DDR schwach oder inexistent sind (der italienische Mezzogiorno ist keine Ausnahme!), &lt;i&gt;wie es fast physiologisch ist in jedem W&#228;hrungsraum mit grossen Entwicklungsgef&#228;llen&lt;/i&gt;. Aber es ist eben genau die steuerliche Umverteilung, die solche Gef&#228;lle innerhalb nationaler W&#228;hrungsr&#228;ume haltbar macht &#8211; und das ist es, was dem Euro, sogar mit einem, wie es einige vorschlagen, auf 1.5-2% des nationalen Bruttoeinkommen der Mitgliedsstaaten erh&#246;hten europ&#228;ischen Budget (gegenw&#228;rtig ist es kaum mehr als 1%) fehlt und immer fehlen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr zusammengefasst kann gesagt werden, dass die inh&#228;renten inneren Dynamiken des Prozesses der deutschen Wiedervereinigung &lt;i&gt;die Gesamtheit des wirtschaftlichen und monet&#228;ren europ&#228;ischen Integrationsprozesses &#252;berdeterminiert haben&lt;/i&gt;. Dieser wahrscheinlich l&#252;ckenhafte Exkurs war notwendig, um einmal mehr zu bekr&#228;ftigen, dass einerseits der europ&#228;ische Aufbau in seiner aktuellen Form nicht andauern und andererseits jegliche Rekonfiguration davon nur ausgehend von Deutschland selbst geschehen kann &#8211; nicht ohne die Intervention eines &#228;usseren Anreizes und einer Ver&#228;nderung der politischen Klasse, auf der einen und/oder auf der anderen Seite des Rheins. Die Wahlen in Deutschland im September 2021 und in Frankreich im April 2022 werden Etappen sein, die es aufmerksam zu verfolgen gilt. Man wird dann sehen, ob und in welchem Ausmass die eventuell vertiefte Krise die jeweiligen W&#228;hlerschaften polarisiert haben wird. Auch wenn sich in Deutschland eine gem&#228;ssigte Koalition durchsetzen w&#252;rde, w&#228;re sie vermutlich mit einem ungez&#252;gelten Neogaullismus oder Neobonapartismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Uns fehlt hier der Platz, um mehr zum Bonapartismus zu sagen. Es gen&#252;gt, (...)&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; auf der anderen Seite der Grenze konfrontiert. Unter anderen Dossiers ist das von der EU und China Ende Dezember 2020 unterzeichnete und den europ&#228;ischen Multinationalen den Zugang zum chinesischen Markt erleichternde Investitionsabkommen imstande, Deutschland die Geduld verlieren zu lassen. Dieses Abkommen ist zur Stimulierung der deutschen Exporte wesentlich, aber es wird dem Joch der Ratifizierung in den Parlamenten der 27 Mitgliedsstaaten der EU auch nicht entkommen. Andere unmittelbarere Reibungsfl&#228;chen werden w&#228;hrend der Impfkampagne auftauchen, wenn die Lieferungen von Pfizer und AstraZeneca dem von den Exekutivgewalten vorgesehenen intensiven Rhythmus nicht nachkommen (Merkel hat sich schon gegen&#252;ber der Importm&#246;glichkeit von Sputnik V offen gezeigt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T&#252;rkei, Bergkarabach usw.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach den Kriegen in Libyen, im Jemen, in Syrien und in der Ukraine stellt der Krieg um Bergkarabach, der am 27. September 2020 ausbrach, eine neue kriegerische Episode dar, die k&#252;nftige Konfrontationen zwischen sich noch konfus bildenden Bl&#246;cken vorbereitet. Das Element der Vorwegnahme ergibt sich hier allen voran aus der &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt; selbst, welche die T&#252;rkei, mithilfe ihres aserbaidschanischen Verb&#252;ndeten, ihrer indirekten Intervention auf dem Bergkarabach gegeben hat, eine mehrheitlich armenische Enklave, die auf dem Territorium Aserbaidschans liegt und 1991 eine von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannte unabh&#228;ngige Republik proklamierte. Der massive Einsatz von Drohnen mit klar offensivem Zweck gegen die mehrheitlich zivile Bev&#246;lkerung der Hochebene gibt einen Vorgeschmack auf einen Aspekt unter anderen der Kriege von morgen. Gleichzeitig bringt die Episode die harte Konkurrenz im Energiesektor (und haupts&#228;chlich im Gassektor) an den Tag, sie betrifft ein weites Gebiet, das sich vom Schwarzen Meer bis zum Kaukasus, vom &#246;stlichen Mittelmeer bis Nordafrika (Libyen), S&#252;deuropa und zum Balkan erstreckt &#8211; eine Konkurrenz, die dazu tendieren wird, die Karte der Kan&#228;le der Energieversorgung in diesem Gebiet neu zu zeichnen und die Gelegenheiten diplomatischer Reibungsfl&#228;chen zu multiplizieren. Die T&#252;rkei ist &#8211; zwangsl&#228;ufig und aufgrund geopolitischer Gegebenheiten &#8211; im Zentrum dieser Dynamik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In j&#252;ngster Zeit basierten die russisch-t&#252;rkischen Beziehungen auf einer Realpolitik, in welcher weder die N&#228;he zwischen Washington und Ankara, noch die Konkurrenz bez&#252;glich den &#214;lpipelines (siehe das Projekt Burgas-Alexandroupolis, um Baku-Tiflis-Ceyhan zu kontern) oder das Auftauchen scharfer Kontraste in der Ukraine und in Syrien den Fortbestand einer gewissen gesch&#228;ftlichen Synergie an anderen Fronten verhinderten. Die T&#252;rkei &#8211; die fast die Gesamtheit ihres Gasbedarfs importiert &#8211; verf&#252;gt mit der russischen Gaspipeline Blue Stream immer noch &#252;ber eine wesentliche Versorgungsquelle. Vergessen wir auch nicht, dass die T&#252;rkei 2017 das russische Raketenabwehrsystem S-400 &#252;bernommen hat und 2020 weltweit zum zweiten Importeur russischer agrarindustrieller Produkte geworden ist. Zu guter Letzt wird aktuell das von der russischen Firma Rosatom gef&#246;rderte Bauprojekt eines Atomkraftwerks im S&#252;den der T&#252;rkei, in Akkuyu, realisiert. Russland braucht seinerseits gute Beziehungen zur T&#252;rkei, um den Balkan und &#214;sterreich via TurkStream mit Gas versorgen zu k&#246;nnen, eine seit Januar 2020 aktive Gaspipeline, die das Schwarze Meer durchquert und an der griechisch-t&#252;rkischen Grenze auf eine andere Gaspipeline trifft, welche durch die Balkanhalbinsel in Richtung Norden f&#252;hrt. Trotzdem steht die t&#252;rkische Strategie der &lt;i&gt;Blauen Heimat&lt;/i&gt; der Entwicklung dieser russisch-t&#252;rkischen Synergie im Weg. Hinsichtlich der Energieversorgung hat sie zum Ziel, zugleich die Abh&#228;ngigkeit gegen&#252;ber Russland und die Zukunftsf&#228;higkeit der russischen Versorgungskan&#228;le in S&#252;deuropa zu reduzieren. In diesem allgemeinen Rahmen sind zwei Initiativen objektiv in Konkurrenz zu Blue Stream und TurkStream:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Die im November 2019 eingeweihte Gaspipeline TANAP, welche die Felder Bakus via Tiflis und Ankara mit Griechenland verbindet; mit der TANAP ist die im Oktober 2020 vollendete TAP verbunden, sie verl&#228;ngert die Gaspipeline von Kipoi in Richtung Albanien und Italien; f&#252;r die T&#252;rkei entspricht die TANAP sechs Milliarden Kubikmeter an zus&#228;tzlichem Gas pro Jahr;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die im Januar 2020 lancierte milit&#228;rische Intervention in Libyen zur Unterst&#252;tzung des Pr&#228;sidenten Al-Sarraj gegen die Offensive des Generals Haftar gegen Tripolis; jenseits der Unterst&#252;tzung f&#252;r die eine oder die andere Fraktion ist der wahrhafte Zankapfel hier die Unterzeichnung (am 26. November 2019) des t&#252;rkisch-libyschen Memorandums &#252;ber die ausschliesslichen maritimen Wirtschaftszonen, das den t&#252;rkischen Unternehmen die Erkundungs- und Ausbeutungserlaubnis f&#252;r Gas in den libyschen Hoheitsgew&#228;ssern garantiert; beil&#228;ufig kann erw&#228;hnt werden, dass die T&#252;rkei hier verschiedenen Akteuren auf die F&#252;sse tritt, dazu geh&#246;rt Italien (ENI muss sich langsam in Acht nehmen), aber auch Israel (siehe die Gaspipeline East-Med, die bis 2025 fertiggestellt werden soll).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Illustration 3: Die Gaspipelines TANAP und TAP&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_35 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L350xH206/100000000000015e000000ce25820ba7859762ab-608f7.jpg?1689271950' width='350' height='206' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die T&#252;rkei &#252;bt eine mittlerweile &#8211; wie wir es mehrmals gesehen haben &#8211; hemmungslose regionale Machtpolitik aus, beg&#252;nstigt durch die neue Europa- und Nahostpolitik der USA (erstere war schon unter Obama an der Tagesordnung, letztere war betonter unter Trump). Erdogan st&#252;rzt sich in alle erreichbaren Schlachtfelder, ohne sich allzu sehr weder um seine Feinde, &lt;i&gt;noch um seine wirklichen oder vermeintlichen Verb&#252;ndeten&lt;/i&gt; zu sorgen; er spielt die Rolle des Unruhestifters innerhalb der NATO (wovon die T&#252;rkei Mitglied ist) und gegen&#252;ber der Europ&#228;ischen Union (welche den vom deutschen Kanzler Kohl 1997 ge&#228;usserten Beitrittsvorschlag betreffend der T&#252;rkei nie komplett ad acta gelegt hat); er setzt auf die unentwirrbare Interessenverflechtung, welche das Mittelmeer darstellt, um ohne Repressalien Positionsgewinne zu erzielen. Und er handelt als zus&#228;tzlicher Trennungsfaktor der deutsch-franz&#246;sischen Beziehungen. Die offen einger&#228;umten Haltungsunterschiede von Merkel und Macron bez&#252;glich der Spannungen zwischen der T&#252;rkei und Griechenland letzten Sommer zeigen es einmal mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg um Bergkarabach &#8211; in welchem Russland unauff&#228;lliges Verhalten bevorzugte und von seiner Einbringung absah, ausser als vermittelnde und friedenswahrende Kraft &#8211; macht die Zerbrechlichkeit der russisch-t&#252;rkischen Beziehungen und die m&#246;gliche Eskalation auf bekannten oder noch unbekannten Schlachtfeldern offensichtlich. Der Konflikt ist durch ein prek&#228;res Abkommen zur Einstellung der Feindseligkeiten beendet worden, es sieht f&#252;r Armenien den Verlust der Territorialgewinne nach dem j&#252;ngsten Konflikt mit Aserbaidschan (1988) vor. Man kann wetten, dass die Geschichte hiermit nicht zu Ende ist. Russland ist sich dessen bewusst und sieht nicht tatenlos zu. Als der Krieg um den Bergkarabach ausbrach, fand im Kaspischen Meer die See&#252;bung Kaukasus 2020 statt, an ihr beteiligten sich auch iranische Kriegsschiffe. Zudem fanden gemeinsame russisch-&#228;gyptische Seeman&#246;ver letzten November im Schwarzen Meer statt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Igor Delano&#235;, &#8222;Erdogans Drohnen, Putins Raketen&#8220; in Le Monde (...)&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung: Das Abrutschen der Kontinente, und &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;von einem&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; davon im Besonderen&#8230;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nichts wirklich Entscheidendes, weder im Bereich der Konfrontation zwischen entgegengesetzten Fraktionen des Kapitals, noch zwischen Klassen, geschah bis anhin in dieser &lt;i&gt;ersten Phase&lt;/i&gt; der Krise. Die schon existierenden Linien der Abgrenzungen zwischen Klassen und Klassenfraktionen vertiefen sich jedoch, w&#228;hrend andere sich sichtbarer abzeichnen. Ausserdem gelangen nicht aufgel&#246;ste Knoten eines ganzen sich aufzehrenden Akkumulationszyklus (siehe weiter oben, die schwarze Frage in den USA, die deutsche Frage in Europa, die Bauernfrage in Indien und China) an die Oberfl&#228;che, sie machen das Gesamtbild komplexer und zerkl&#252;fteter. Es &lt;i&gt;wird&lt;/i&gt; zu einer Verschlimmerung der Krise &lt;i&gt;kommen&lt;/i&gt;, obwohl deren Form und Antriebe schwer vorhersehbar sind. Nachdem die Globalisierung nach den Krisen von 2008 und 2020 in den Stand-By-Modus gesetzt worden ist, sollten wir uns &#8211; sei es nur &#8222;intellektuell&#8220; &#8211; auf eine Phase des Zerfalls des globalen Zyklus des Kapitals mit dem Auftauchen verschiedener eiserner Vorh&#228;nge vorbereiten. Das bedeutet nicht, dass die gegenw&#228;rtig im Entstehen begriffenen Bl&#246;cke und internen Fragmentierungen von heute auf morgen zu dichten R&#228;umen werden. Die Entglobalisierung ist ein &lt;i&gt;Prozess&lt;/i&gt; und jeder Prozess dieser Gr&#246;sse setzt Beschleunigungen, Zwischenhalte und R&#252;ckschritte gefolgt von neuen Beschleunigungen voraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein zentraler Punkt, der betont werden muss, ist die aktuelle Polarisierung zwischen gesellschaftlich und politisch stabilen Gebieten, die &#8211; und das ist kein Zufall &#8211; mit bedeutenden produktiven Kapazit&#228;ten assoziiert werden, und instabilen Gebieten, Schaupl&#228;tzen von manchmal starken gesellschaftlichen Spannungen, die keine oder fast keine bedeutenden Produktionskapazit&#228;ten haben &#8211; und somit gleichzeitig &#252;ber kein industrielles Proletariat verf&#252;gen. Einige Beispiele reichen nicht, um dieser Feststellung zu widersprechen. Wir haben tats&#228;chlich &#8211; von Beirut bis Neapel, aber auch in gewissen Regionen der USA, die besonderes Interesse f&#252;r die antirassistische Bewegung zeigen &#8211;, unabh&#228;ngig vom auf der Strasse kontextuell erreichten Niveau der Gewalt, klar gesehen: Wenn die Polizei, die Gesch&#228;fte und das urbane Mobiliar einmal geb&#252;hrend angegriffen worden sind, was tun? Wohin gehen? Wenn es nichts anderes anzugreifen gibt, drehen wir uns im Kreis. Der &#8211; f&#252;r eine ganze philosophische und literarische zeitgen&#246;ssische Str&#246;mung &#8211; sakrosankte Riot mit einem grossen R zeigt darin seine grundlegende Schw&#228;che.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf dem alten Kontinent zu bleiben, ist es interessant, eine Passage Bordigas, geschrieben Ende der 1950er Jahre, zu zitieren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kann man es wagen, die Umrisse der zuk&#252;nftigen internationalen Revolution zu skizzieren? Das Zentrum dieses Gebietes wird in den L&#228;ndern liegen, die auf die Verw&#252;stungen des zweiten Weltkriegs mit einem m&#228;chtigen Wiederaufschwung der Produktivkr&#228;fte reagierten: in erster Linie Deutschland, Ostdeutschland eingeschlossen, Polen und die Tschechoslowakei. Die erbarmungslose Enteignung aller Besitzer &#8218;volkskapitalistischen&#8216; Verm&#246;gens [d.h. innerhalb der damaligen &#8218;Volksdemokratien&#8216;, AdA] wird einem proletarischen Aufstand folgen, dessen Kerngebiet zwischen Berlin und dem Rhein liegen wird. Norditalien und der Nordosten Frankreichs werden rasch in die Bewegung einbegriffen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine derartige Perspektive wird den geistig Umnebelten nicht zug&#228;nglich sein, die keinem der kapitalistischen L&#228;nder auch nur eine Stunde des &#220;berlebens zugestehen wollen. F&#252;r sie sind alle kapitalistischen L&#228;nder gleich und reihenweise zu exekutieren, selbst wenn sie daf&#252;r nur &#252;ber Hinterladerspritzen anstelle von Atomraketen verf&#252;gen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Der Marxismus und Russland&#8220;, 1976 [1957].&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr als 60 Jahre sp&#228;ter kann man kurioserweise feststellen, dass sich die Welt kaum ver&#228;ndert hat, zumindest hinsichtlich der Verteilung der Produktionskapazit&#228;ten. F&#252;gen wir Bordigas Panorama vor 60 Jahren Ungarn hinzu, geben wir Berlin (verwahrlost im Zustand des Kindergartens des mond&#228;nen Partylebens&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Obsession f&#252;r Partys hat &#252;brigens den Vorteil, dass sie die (...)&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und das weitgehend desindustrialisierte Ostdeutschland auf, ersetzen wir sie mit dem Industrieg&#252;rtel, der von Bremen bis nach M&#252;nchen reicht und Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-W&#252;rttemberg durchquert und wir haben die Karte des Industriekerns Europas und der haupts&#228;chlichen Arbeiterkonzentrationen (siehe weiter unten) erstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 4: Arbeitsstellen in der Industrie in Europa (in %, Daten von 2015)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_36 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L327xH331/10000000000001d6000001dba673f5a6aee33dac-cf593.png?1689271950' width='327' height='331' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Wir haben somit ebenfalls die Umrisse eines Grossdeutschlands skizziert, das, obwohl es keine politische Konsistenz hat, objektiv in der tentakelartigen Ausdehnung der deutschen Auslagerung in Richtung Osten (L&#228;nder der Visegr&#225;d-Gruppe) und S&#252;den (Lombardei-Venetien) existiert. Wagen wir es also, die leidige Frage zu stellen: Und falls es dieses in der &#220;berst&#252;rztheit der Ereignisse schaffen w&#252;rde, politisch zu existieren? Wenn man mal die sowohl positiven als auch negativen vorhersehbaren Folgen abgewogen hat &#8211; wozu die Balkanisierung Italiens geh&#246;rt, davon haben wir in einem anderen Text gesprochen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Il Lato Cattivo, &#8222;Il demos, il Duce e la crisi&#8220;, Dezember 2018.&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; kann man dann legitimerweise behaupten, dass ein solcher Ausgang grunds&#228;tzlich schlimmer w&#228;re als &lt;i&gt;dieses&lt;/i&gt; Europa?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entgegen weit von jeglichem Realit&#228;tsprinzip entfernten hypersubjektivistischen Sichtweisen ist keine Konkretisierung der kommunistischen Perspektive in Europa ohne Bruch der gesellschaftlichen Gleichgewichte in seinem produktiven Kern m&#246;glich. Genossinnen und Genossen, die noch ein Hirn und ein Minimum an Scharfsinn besitzen, wird es nicht im Geringsten schwerfallen, uns bis hierher zu folgen. Was schwieriger zugestanden werden kann &#8211; vor allem f&#252;r jene, welche, wie wir, von einem reinen proletarischen Internationalismus kommen &#8211; und man jedoch den Mut haben muss, es zu tun, ist die Tatsache, dass die Bedingungen eines solchen Bruchs gleichwesentlich jene eines definitiven Bruchs der nationalen Gleichgewichte in Europa oder gar der R&#252;ckkehr des Krieges auf seinem Territorium sind. Das ist der Preis einer &lt;i&gt;Wiederkehr des Verdr&#228;ngten&lt;/i&gt;, das gleichbedeutend ist mit der Weltgeschichte, die &#8211; wie es schon Hegel wusste &#8211; kein &#8222;Boden des Gl&#252;cks&#8220; ist. Nach dem Mauerfall wurde ihr angebliches &#8222;Ende&#8220; &#252;berall gefeiert, in West- und Zentraleuropa ausgerechnet begleitet von der &lt;i&gt;Ode an die Freude&lt;/i&gt; von Beethoven und Schiller (geschrieben &#8211; und das ist kein Zufall &#8211; als die deutsche Einheit noch nicht vollendet war). Nach der &lt;i&gt;Marseillaise&lt;/i&gt;, die von den Gelbwesten lauthals unter dem Triumphbogen gesungen wurde, w&#252;rden wir wetten, dass ihre definitive R&#252;ckkehr vom Lied der Deutschen begleitet sein &#8211; oder nicht sein wird. Wie ging es schon wieder? Ach ja&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;center&gt;&#8222;Deutschland, Deutschland, &#252;ber alles,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;&#252;ber alles in der Welt,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;Wenn es stets zu Schutz und Trutze,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;br&#252;derlich zusammenh&#228;lt, von der Maas bis an die Memel,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;von der Etsch bis an den Belt...&#8220;&lt;/center&gt;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2021/02/ancora-su-covid-19-e-oltre.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italiano&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=19391&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Fran&#231;ais&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Covid-19-und&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nikolai Bucharin, &#8222;Zur Theorie des imperialistischen Staates&#8220;, 1915. &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/archive/bukharin/works/1915/state.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar auf Englisch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &#8222;Nachwort zur zweiten Auflage&#8220; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;In Opelousas im Bundesstaat Louisiana wurde eine Genossenschaft f&#252;r den Handel mit S&#252;sskartoffeln gegr&#252;ndet. Eine Gruppe von Landwirten hat das Land gekauft, bebaut es gemeinsam und verkauft das Produkt zu ihrem eigenen Vorteil. Die Genossenschaft [&#8230;] z&#228;hlt momentan 375 schwarze Landwirte. Der Erfolg des Unternehmens hat 15 weisse Kleinbauern ermutigt, sich ihm anzuschliessen. Die Spezialmethoden und die Markttechniken, die dort gelernt worden sind, werden in anderen Regionen des Landes angewandt werden. Es ist ein Beispiel von Black Power im wirtschaftlichen Bereich.&#8220; (Floyd B. McKissick, &#8222;Programs for Black Power&#8220; in Floyd B. Barbour [Hg.], &lt;i&gt;The Black Power Revolt&lt;/i&gt;, New York, Collier Books, 1968.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Abraham L&#233;on, &lt;i&gt;Die j&#252;dische Frage. Eine marxistische Analyse&lt;/i&gt;, Essen, Arbeiterpresse-Verlag, 1995 [1946].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Jahr 2017 bekr&#228;ftigten wir, dass &#8222;die M&#246;glichkeit neuer &#8218;Verwachsungen&#8216; zwischen Proletariat und Mittelklassen &#252;berhaupt nicht ausgeschlossen ist, sowohl in den zentralen Zonen (beispielsweise in Form einer schwarzen Bewegung gegen den Rassismus in den USA), als auch in den halbperipheren (beispielsweise in Form von Bewegungen gegen die Regierung, die f&#228;hig sind, alle Beg&#252;nstigten der Umverteilung der &#214;lrente in den heute leidenden schw&#228;chsten Produktionsl&#228;ndern zusammenzubringen)&#8220;. (Il lato cattivo, &#8222;Della difficolt&#224; ad intendersi&#8220;, Januar 2017, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2017/01/della-difficolta-ad-intendersi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Betreffend der tats&#228;chlichen Verwaltung der Pandemie, die in den USA, wie in vielen anderen L&#228;ndern, alles andere als brillant war, muss man die Aufteilung der Kompetenzen zwischen der Bundesregierung und den Bundesstaaten ber&#252;cksichtigen. Letztere wandten verschiedene Modalit&#228;ten der Verwaltung der Pandemie an, die nicht notwendigerweise durch ihre politische Couleur determiniert waren. Nur Arkansas, Iowa, Nebraska, Nord- und S&#252;ddakota, Utah und Wyoming &#8211; Staaten, wo die Bev&#246;lkerung zahlenm&#228;ssig schwach und wenig konzentriert ist &#8211; waren gegen &lt;i&gt;jegliche&lt;/i&gt; Begrenzung der Mobilit&#228;t f&#252;r die Einwohner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Trotz dem in absoluten Zahlen offensichtlichen Vorteil (ungef&#228;hr 7 Millionen Stimmen) war die Marge von Bidens Wahl &#8211; aufgrund der Besonderheiten des indirekten amerikanischen Wahlsystems &#8211; viel geringer: 50&#8216;000 &#252;bergelaufene demokratische Stimmen f&#252;r Trump h&#228;tten gereicht, um das Resultat zu &#228;ndern. Wenn man das nicht ber&#252;cksichtigt, erscheint die juristische Schlacht Trumps gegen den angeblichen Betrug schlichtweg als unverst&#228;ndlich.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Raffaele Sciortino, &#8222;Dopo Trump?&#8220;, 7. Dezember 2020, &lt;a href=&#034;https://www.infoaut.org/global-crisis/dopo-trump&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Milit&#228;risch betrachtet ist die amerikanische Aussenpolitik weit davon entfernt, sich aus S&#252;dostasien zur&#252;ckgezogen zu haben. 60% der amerikanischen Kriegsschiffe und 70% der Infanterie der amerikanischen Marine sind gegenw&#228;rtig im Indopazifik konzentriert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Brendan O&#8216;Leary, &lt;i&gt;The Asiatic Mode of Production. Oriental Despotism, Historical Materialism, and Indian History&lt;/i&gt;, Oxford, Basil Blackwell, 1989.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Daf&#252;r gibt es heute nur einen Weg: die Vereinigung der Staaten der europ&#228;ischen Zivilisation in einem Bunde mit gemeinsamer Handelspolitik, einem Bundesparlament, einer Bundesregierung und einem Bundesheer &#8211; die Herstellung der Vereinigten Staaten von Europa.&#8220; (Karl Kautsky, &lt;i&gt;Die Neue Zeit&lt;/i&gt;, 28. April 1911; zitiert von Rosa Luxemburg, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1911/05/utopien.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Friedensutopien&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 1911.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220; in &lt;i&gt;Il Programma comunista&lt;/i&gt;, Nr. 11-12, 1962, &lt;a href=&#034;https://www.quinterna.org/archivio/1952_1970/mito_europa.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Grunde genommen wurde die gesamte Geschichte Europas durch die deutsche Frage determiniert. Die Balkanisierung Europas und Deutschlands ergibt sich aus der Niederlage der den gesamten Kontinent am Anfang des 16. Jahrhunderts heimsuchenden revolution&#228;ren Welle (Niederlage von 1525). Mit dem Dreissigj&#228;hrigen Krieg wird Deutschland geteilt und macht hinsichtlich der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse R&#252;ckschritte. Indem sie Holland verlor, verlor die deutsche Nation die erste grosse Gelegenheit einer schnellen Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise; es geschieht letztendlich erst nach 1870. Somit stellt sich zwischen dem Beginn des 16. Jahrhunderts und der gegenw&#228;rtigen Epoche die Frage der deutschen Einheit. Die Tatsache, dass die &#8218;Alliierten&#8216; es nach dem Zweiten Weltkrieg f&#252;r notwendig hielten, nicht den deutschen Militarismus zu zerst&#246;ren, denn ab 1950 war die BRD wieder bewaffnet, sondern die Macht des Proletariats, indem es in die verschiedenen Konzentrationslager fragmentiert wurde, welche die kapitalistischen Nationen ihrem Wesen nach sind, beweist, dass die kapitalistische Klasse die Lehren aus der Vergangenheit verstanden hatte. Die Repression 1953 gegen die aufst&#228;ndischen Bewegungen in Ostberlin und in Posen, dann 1956 in Posen und in Ungarn, schliesslich jene in Polen 1970-1971 (in einem geringeren Ausmass jene in der Tschechoslowakei 1968) beweist, dass das globale Kapital auf keinen Fall eine gewaltt&#228;tige Wiederaufnahme des Klassenkampfes in diesen L&#228;ndern tolerieren kann. Die Diktatur wird dort immer entschlossen sein. Einzig die Lockerung der durch die EG und die UdSSR aufrechterhaltene Schlinge wird eine Wiederaufnahme erlauben k&#246;nnen, doch sie wird auf keinen Fall jener nach dem Ersten Weltkrieg &#228;hneln.&#8220; (Jacques Camatte, &lt;a href=&#034;https://revueinvariance.pagesperso-orange.fr/kapd.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le KAPD et le mouvement prol&#233;tarien&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt;, Reihe II, Nr. 1, November 1971, S. 51, Fussnote 43.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Trotzdem zeigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe im Mai 2020 &#252;ber die Verfassungswidrigkeit der expansionistischen Geldpolitik der EZB zumindest die Zur&#252;ckhaltung einflussreicher Teile des deutschen Staatsapparats gegen&#252;ber der Rettung des Euros um jeden Preis.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Um diese Erfahrung wirklich zu verstehen, muss man sich jeglichen Deutschenhass verbieten. Die Lekt&#252;re eines Autors wie W.G. Sebald kann diesbez&#252;glich hilfreich sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hans Magnus Enzensberger, &lt;i&gt;Sanftes Monster Br&#252;ssel oder Die Entm&#252;ndigung Europas&lt;/i&gt;, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2011. Es w&#228;re korrekter, von direkter Gewalt zu sprechen im Gegensatz zu indirekter oder potenzieller Gewalt. Es ist klar, dass der Griechenland auferlegte Rettungsplan z.B. ein enormer Akt der Gewalt war. Trotzdem ist auf formeller Ebene gewissermassen auch grunds&#228;tzlich die Troika (EZB, IWF und Europ&#228;ische Kommission) direkt daf&#252;r verantwortlich, nicht Deutschland.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt;, 1871.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe das Interview des &lt;i&gt;Corriere della Sera&lt;/i&gt; mit Giuliano Amato, dem damaligen Premierminister Italiens: &#8222;Ich schlug es den Franzosen vor. Der Druck auf die Lira war dramatisch, wir k&#228;mpften f&#252;r den Verbleib innerhalb der Bandbreite des EWS und wir setzten auf ein Realignment aller W&#228;hrungen gegen&#252;ber der Mark. Das w&#228;re gleichbedeutend gewesen mit der Entwertung der deutschen W&#228;hrung statt der alleinigen Entwertung unserer W&#228;hrung. An einem Sonntagnachmittag Ende August ging ich nach Paris und schlug es Pierre B&#233;r&#233;govoy vor. [&#8230;] Er sagte mir: &#8218;Giuliano, ich werde es nicht tun.&#8216; Er zeigte mir die Zahlen. Am 20. September sollte das Referendum &#252;ber die Ratifizierung des Vertrags von Maastricht in Frankreich stattfinden: Der Ja-Anteil ging zur&#252;ck. Wenn sie die Parit&#228;t mit der Mark verloren h&#228;tten, h&#228;tte der franz&#246;sische Stolz das &#8218;Nein&#8216; unbesiegbar gemacht und das Projekt der W&#228;hrungsunion w&#228;re den Bach runtergegangen.&#8220; (Federico Fubini, &#8222;Giuliano Amato: 25 anni dopo la notte della lira&#8220;, Homepage des &lt;i&gt;Corriere della Sera&lt;/i&gt;, 15. September 2017.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Uns fehlt hier der Platz, um mehr zum Bonapartismus zu sagen. Es gen&#252;gt, zu pr&#228;zisieren, dass es sich um ein typisches Ph&#228;nomen der Geschichte der franz&#246;sischen Politik handelt, das periodisch wiederkehrt. Einige Aspekte sind von Sergio Bologna in &#8222;Karl Marx als Korrespondent der &lt;i&gt;New York Daily Tribune&lt;/i&gt;&#8220; in Beilage zu &lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt; Nr. 85 und Maximilien Rubel in &lt;i&gt;Karl Marx devant le bonapartisme&lt;/i&gt;, Paris, Mouton &amp; Co., 1950 behandelt worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Igor Delano&#235;, &lt;a href=&#034;https://monde-diplomatique.de/artikel/!5731775&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Erdogans Drohnen, Putins Raketen&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, Dezember 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/upt/kompro/art/cidmarurud.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Der Marxismus und Russland&#8220;&lt;/a&gt;, 1976 [1957].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Obsession f&#252;r Partys hat &#252;brigens den Vorteil, dass sie die Verdauungsst&#246;rung einer Welt aufdeckt, die sich bet&#228;uben muss, um zu vergessen: Die Hauptstadt des b&#252;rgerlichen Europas hat an einer zu belastenden Vergangenheit schwer zu schlucken.&#8220; (Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1325&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Dyspepsie berlinoise&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2017.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Il Lato Cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2018/12/il-demos-il-duce-e-la-crisi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il demos, il Duce e la crisi&#8220;&lt;/a&gt;, Dezember 2018.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Verschw&#246;rungstheorien im Allgemeinen und Pandemie im Besonderen</title>
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		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
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		<dc:subject>Roland Simon</dc:subject>
		<dc:subject>Covid-19</dc:subject>
		<dc:subject>Tarona</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts, Je mehr man erf&#228;hrt, desto weniger weiss man, Man informiert uns wirklich &#252;ber nichts, Hatte Adam einen Bauchnabel? Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts, [&#8230;] Die Aff&#228;re Dingsda und die Aff&#228;re Dingsbums, Wo man den M&#246;rder nicht findet, Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts, Versteckspiel und Suchspiel, Blinde Kuh und Max Muster, Sie sind die K&#246;nige der Information &lt;br class='autobr' /&gt;
(Jacques Dutronc, 1967) &lt;br class='autobr' /&gt;
Stell dir vor, dass man uns bel&#252;gt, (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Covid-19" rel="tag"&gt;Covid-19&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://kommunisierung.net/Tarona" rel="tag"&gt;Tarona&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/arton71.jpg?1689272488' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Je mehr man erf&#228;hrt, desto weniger weiss man,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Man informiert uns wirklich &#252;ber nichts,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Hatte Adam einen Bauchnabel?&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts, [&#8230;]&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Die Aff&#228;re Dingsda und die Aff&#228;re Dingsbums,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Wo man den M&#246;rder nicht findet,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Versteckspiel und Suchspiel,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Blinde Kuh und Max Muster,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Sie sind die K&#246;nige der Information&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;(Jacques Dutronc, 1967)&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Stell dir vor, dass man uns bel&#252;gt, seit etlichen Jahrhunderten / Dass einige gut gestellte Gemeinschaften die Rezepte kennen / Die Geheimnisse des Lebens, nicht jene, welche man uns sehen l&#228;sst&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;(Keny Arkana)&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einige vorangehende Betrachtungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der kapitalistischen Produktionsweise ist die Bev&#246;lkerung nicht eine Tatsache der &#8222;Natur&#8220;, ihre Hervorbringung, Reproduktion, Verwaltung und die sie konstituierenden Kategorien sind Produkte von Klassen- und Genderverh&#228;ltnissen, die deren Formbildung und Entwicklung strukturieren. Diese Bev&#246;lkerung existiert gesellschaftlich und reproduziert sich nur als Funktion des Kapitals. Es gibt kein intaktes oder reines Substrat, das als Vorwegnahme von was auch immer dienen k&#246;nnte, es gibt kein Gl&#252;ck oder Leiden, keine gute Gesundheit oder Krankheit, keine Art, zu leben &lt;i&gt;oder zu sterben&lt;/i&gt;, die anders verstanden werden k&#246;nnten, denn als Ausdruck dieser Klassen- und Genderverh&#228;ltnisse. In Anbetracht des Themas muss man hinzuf&#252;gen, dass dieser stets erneuerte Ausdruck &#8211; da er historische Hervorbringung ist &#8211; des Klassen- und Genderverh&#228;ltnisses im Alltag des Denkens und Handelns f&#252;r alle Klassen existiert, und umso mehr unwissentlich (aber &#8222;aus freien St&#252;cken&#8220;) f&#252;r die Akteure, was die herrschenden oder oberen Klassen betrifft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Reproduktion ist nicht eine ideale und kalte Mechanik der Produktionsverh&#228;ltnisse, die ihre eigenen idealen Materialien in Gang bringt. Die Klassen- und Genderverh&#228;ltnisse zeigen sich nicht klar, sie existieren innerhalb einer Komplexit&#228;t, die konzeptuell als dynamische Entfaltung der Ausbeutungskategorien (das Verh&#228;ltnis Mehrarbeit / notwendige Arbeit) &#252;ber alle Teile der Existenz, welche die kapitalistische Produktionsweise durch ihren totalen Charakter in Gang bringt, verstanden werden kann. So wird die Bev&#246;lkerung nat&#252;rlich in Produktionsverh&#228;ltnissen im eigentlichen Sinne hervorgebracht und existiert darin, doch, genau deshalb, in der allt&#228;glichen Existenz, durch welche sich die Hervorbringung und Reproduktion der Ausbeutungsverh&#228;ltnisse in ihrer Gesamtheit als Existenzbedingungen dieser strikten Produktionsverh&#228;ltnisse konstituieren (durch Ideologien, Gedanken, Affektivit&#228;t, Geselligkeit, Freizeit, Gesundheit, Verh&#228;ltnis zum Wohnraum, Nahrung, Symptome, institutionelle Eintragung, 1 oder 2 auf der Karte der sozialen Sicherheit&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufrechterhaltung dieser scheinbar disparaten und heterogenen Elemente ist nicht die Sache eines Macrons oder einer Lobby, mag sie auch m&#228;chtig sein, und sie ist auch kein Produkt des Zufalls oder frei von Absichten, Willens&#228;usserungen und Entscheidungen. Doch diese Strukturen beherrschen stets die Individuen oder Gruppen von Individuen und ihre Handlungen, Gedanken, Ideologien usw. sind selbst Ausdr&#252;cke dieser Klassen- und Genderverh&#228;ltnisse, die sie hervorbringen und von denen sie reproduziert werden, genau wie sie sie nat&#252;rlich reproduzieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Als Anekdote &#252;ber diese Betrachtungen zur Bev&#246;lkerung, w&#228;hrend diesen (...)&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gehen wir von einer einfachen, oder gar grob vereinfachenden Idee aus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kein Staat, keine Bourgeoisie w&#252;rde die (ohnehin schon nicht brillante) Wirtschaft mit dem Ziel der Verst&#228;rkung der &#8222;Kontrolle&#8220; und der &#8222;Knechtung&#8220; der Gesellschaft oder zur Beg&#252;nstigung von Laboratorien oder irgendwelchen GAFA ruinieren. Wenn es wirklich sein muss, kann es eine Gelegenheit darstellen, sie muss jedoch von dieser herrschenden Klasse mit extremer Vorsicht gehandhabt werden, um die negativen Auswirkungen auf die Arbeit, die allgemeine Produktion, die Reproduktion der Arbeitskraft, die Zirkulation, den Konsum und auf globale Art und Weise das die Produktionsweise n&#228;hrende gesellschaftliche Leben zu vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gehen wir zu einem etwas besser ausgearbeiteten Niveau &#252;ber in Bezug auf den verschw&#246;rungstheoretischen Diskurs&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Nie die Institution, die Macht, das Ziel im Allgemeinen der &#8222;Verschw&#246;rung&#8220; beschuldigen. Den Begriff nicht benutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Sich als aufgekl&#228;rte Avantgarde positionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Sich auf die Wissenschaft und die Vernunft st&#252;tzen (etliche Fussnoten, schwer verst&#228;ndliche universit&#228;re Referenzen, Hypertext-Links, Grafiken, Karten usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Immer die Frage stellen: &#8222;Wer profitiert vom Verbrechen?&#8220; Jedes Ereignis einem Verantwortlichen, einer Organisation (einer okkulten Gruppe falls m&#246;glich) und einer einzigen Ursache zuschreiben. So k&#246;nnte man sagen, dass, da die bolschewistische Revolution teilweise durch die Bedingungen des Ersten Weltkrieges m&#246;glich wurde, der serbische Nationalist, der den Erzherzog &#214;sterreichs in Sarajevo ermordete, ein Agent Lenins war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; &#8222;Verwirrende Details&#8220; akkumulieren, indem man sie miteinander verbindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Den Zufall ablehnen, nur notwendige Korrelationen sehen (&#8222;Wusstet ihr, dass&#8230;?&#8220;; &#8222;Es ist kein Zufall, dass&#8230;&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Sich auf die Geschichte st&#252;tzen und m&#246;glichst bunt zusammengew&#252;rfelte &#228;hnliche Ereignisse finden, die sich &#8222;irgendwie einander gleichen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Davon ausgehen, dass der Feind (okkulte Organisationen, Geheimdienste, Goldman Sachs usw.) nie Fehler macht. Alles, was geschieht, ist gewollt und kann ihm nicht entgangen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Hingegen und gleichzeitig davon ausgehen, dass der Feind Anf&#228;ngerfehler macht (hier geht man zur&#252;ck zu den &#8222;verwirrenden Details&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Den Widerspruch ablehnen und ihn automatisch insofern disqualifizieren, als dass er nur von Quellen kommen kann, deren Interessen mit dem/den Dirigenten zusammenh&#228;ngen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Die Welt als &#8222;expressive Totalit&#228;t&#8220; konstruieren (die Totalit&#228;t ist g&#228;nzlich in all ihren Elementen oder in all ihren Teilen pr&#228;sent). Aber leider sind nicht alle Leibniz und wir werden uns mit einigen verdrehten Korrelationen begn&#252;gen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Die expressive Totalit&#228;t dr&#252;ckt sich in einer &#8222;Katastrophentheorie&#8220; aus (der Fl&#252;gelschlag des australischen Schmetterlings und der Tornado in Jamaika), aber ohne Entropie, denn alles l&#246;st sich in der Verwirklichung eines reiflich &#252;berlegten einzigen Ziels aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliessen wir hier daraus: Das System ist geschlossen, f&#228;lschungssicher und teleologisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kommen wir zu den Tatsachen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;ziser enth&#228;lt die verschw&#246;rungstheoretisch inspirierte Wut im Rahmen der gegenw&#228;rtigen Pandemie mehrere Momente:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. Die Wut gegen gewisse von den Regierungen getroffene Gesundheitsmassnahmen, die als freiheitsberaubend betrachtet werden. Es sind die folgenden Massnahmen: das Tragen der Maske &#8211; allen voran betreffend der Kinder, die Schliessung der &#8222;nicht wesentlichen&#8220; Gesch&#228;fte, einhergehend mit der schwachen Kritik der Trennung wesentlich / nicht wesentlich, die Mobilit&#228;tsregeln, die &#220;berwachung durch Atteste, der Einf&#252;hrung durch die Regierung der App Stop Covid und anderer Versionen, das Ausbooten von Forschern, die gegen&#252;ber den Strategien der Regierung gegen die Epidemie kritisch eingestellt sind, die Einf&#252;hrung eines Verteidigungsrates und eines Notstandes unter Umgehung der Nationalversammlung, die Ausgangssperren, die Perspektive eines Impfzwanges im Namen der Behandlungsfreiheit, aber gleichzeitig die Kritik der Weigerung der medizinischen Beh&#246;rden, systematisch Hydroxychloroquin und andere manchmal, besonders in den USA benutzte antibiotische Behandlungen zu verschreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. Diese Wut schafft Ann&#228;herungen mit einer ganzen Reihe an ganz verschiedenen Informationsquellen, Intellektuellen und Forschern, deren gemeinsame Absicht es ist, gegen&#252;ber den Intellektuellen des Mainstreams einen dissonanten aber revanchistischen Standpunkt darzubieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. Die Erkl&#228;rung einer entschiedenen Absicht der Regierung, die Leute durch sogenannt freiheitsberaubende Massnahmen und durch die Angst zu knechten, verbindet all die bunt zusammengew&#252;rfelten Elemente miteinander. Die Angst wird auf allgemeine Art und Weise das am meisten verh&#246;hnte und erniedrigende Gef&#252;hl f&#252;r jene, welche vor Covid keine Angst haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass die Regierung und die Lobby eine &#252;berm&#228;chtige Clique bilden, die es schafft, das Boot einer verdummten Bev&#246;lkerung vor einem kaum existierenden Virus zu lenken, die Zahlen zu manipulieren und die Wirtschaft mit dem einfachen Ziel zu blockieren, eine Bev&#246;lkerung zu knechten, die schlichtweg daf&#252;r gut ist, die Pharmaindustrie fett werden zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Aber&lt;/i&gt;,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; diese Verbundenheit und Promotion dieser individuellen Freiheiten,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; dieser Reflex, die Legitimit&#228;t vom Standpunkt aus und in Bezug auf eine Welt von mehr oder weniger renommierten Intellektuellen zu gr&#252;nden, deren Titel die einen als die anderen prestigetr&#228;chtiger sind,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; diese Hervorhebung der Knechtung aller durch die Angst, die sie beherrscht und von welcher diese aufgekl&#228;rte Avantgarde frei zu sein scheint, um gegen alle mutig die Gefahren des freien und unmaskierten Wortes zu behaupten,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; und letztendlich diese Sichtweise der Bev&#246;lkerung als konsumierende Knetmasse irgendeiner medialen industriellen oder pharmazeutischen Lobby.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All diese Elemente zeigen klar, inwiefern dieses Denken nur von einer Bev&#246;lkerungskategorie kommen kann, deren Existenz g&#228;nzlich nur in ihrer Eigenschaft besteht, &lt;i&gt;einen Teil&lt;/i&gt; der kapitalistischen Ideologie hervorzubringen und zu reproduzieren, indem sie sie beim Wort nimmt. Das heisst, in einer ihrer Existenz konformen und nicht widerspr&#252;chlichen Version, die auf die eingenommene Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen verweist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erlebte Wirklichkeit dieser Kategorie in Bezug auf ihre gesellschaftliche Pr&#228;gung ist folgende:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* Ein nicht widerspr&#252;chliches Verh&#228;ltnis mit der individuellen Freiheit, die sie geniessen. Ihre Teilhabe an der Gemeinschaft des Kapitals ist derartig, dass ihre Existenz als isoliertes Individuum nicht widerspr&#252;chlich mit der Abh&#228;ngigkeit von dieser Gemeinschaft ist, denn diese Widerspr&#252;chlichkeit existiert nicht allen voran als heftiger Zwang, sondern spontan als beteiligt, als totale Solidarisierung mit ihren Institutionen (siehe weiter unten &#252;ber die Organe des Staatsapparates). Wir haben es hier mit dem isolierten Individuum der Freiheit und der Wahl zu tun, nicht mit dem isolierten Individuum, dessen Wahlfreiheit unmittelbar im schlimmsten Fall als Irrfahrt, Ausschluss und Prekarit&#228;t auf es zur&#252;ckf&#228;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* Eine normative Sichtweise der Gesellschaft betrachtet als Garantin des individuellen Aufbl&#252;hens durch die Bildungsfreiheit, das Recht auf Gesundheit, die Nahrungsfreiheit, die Kunstfreiheit, mit einer, im schlimmsten Fall, auf das Minimum begrenzten Intervention des Staates in jenen Feldern, welche ihnen erlauben, sich als isolierte Individuen der kapitalistischen Ideologie entsprechend zu reproduzieren. Denn es ist eben genau das kapitalistische Ideal, welches die Reproduktion der Arbeiter auf ihre private Betreuung verweist. Ausser dass diese private Betreuung f&#252;r das Proletariat nicht funktioniert, f&#252;r die oberen Klassen auch nicht, doch dort verweist sie auf die M&#246;glichkeit eines wirklich gef&#252;hlten freien Willens. Eben genau wegen dieser bedingungslosen Sicherheit und Homogenit&#228;t der Reproduktion kann dieses Denken die Staatsintervention als totalit&#228;res und l&#252;gnerisches System denunzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses freie Aufbl&#252;hen des Individuums in der Gesellschaft steht der Klassenzugeh&#246;rigkeit als verinnerlichter Zwang gegen&#252;ber, der in seiner vertraglichen Grundlage des Kaufs und Verkaufs der freien Arbeitskraft tats&#228;chlich freiheitsberaubend ist. So existiert die Erpressung, die Kinder aus der Schule zu nehmen oder gegen die Gesundheitspolitik zu sein, nur f&#252;r Leute, deren gesellschaftliche Zugeh&#246;rigkeit nicht nur objektiv garantiert ist, sondern auch durch die vollst&#228;ndige Loyalit&#228;t gegen&#252;ber der Ideologie des kapitalistischen Gesellschaftsvertrages und die Funktion, die sie als Bindeglied in der Reproduktion der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse einnehmen. Einige k&#246;nnen sich die Drohung erlauben, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen, w&#228;hrend andere wissen, dass die Festungen gegen&#252;ber einem Ausschluss aus der republikanischen Schule aufgrund mangelnder Mittel, der Kenntnis der &#8222;Schulkarte&#8220; und/oder durch den &#220;bergang der Integrationspolitik hin zu einer gegen &#8222;Radikalisierung&#8220; oder &#8222;Separatismus&#8220; k&#228;mpfenden Politik br&#246;ckeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise der Bev&#246;lkerungen als stumpfsinnige Masse von Konsumenten in Gefangenschaft der Lobbys zeigt, wie sehr jene, welche sie vertreten, gleichzeitig ideologisch dominant, produktiv nutzlos und daher dermassen dumm sind, dass sie bisweilen die Tatsache nicht sehen, dass die produktive Arbeit die Grundlage dieser Welt ist, die sie durch ihre Verurteilung indirekt feiern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss ein gewisses Verh&#228;ltnis zur Existenz haben, um zu behaupten, die Angst bremse, als ob sie eine Entscheidung w&#228;re. Man d&#252;rfte die mehr oder weniger heftigen und &#8222;t&#252;ckischen&#8220; Windungen der Klassenzugeh&#246;rigkeit nie erlebt haben, um darin nur eine Frage der ideologischen Manipulation zu sehen. Zu guter Letzt muss man ein sorgenfreies Leben f&#252;hren k&#246;nnen, in welchem die Emp&#246;rung als sozialer Kampf durchgehen will, um zu glauben, dass die Angst einem am Denken hindert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kommen wir zur &#228;usseren Daseinsberechtigung der Verschw&#246;rungsideologie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesellschaft wird in eine Summe von diskreten, getrennten und unabh&#228;ngigen Elementen zerlegt: Arbeit, Bildung, Gesundheit, Lohnarbeit, Konsum, Freizeit, Privatleben, Familie, Liebesbeziehungen, usw., &lt;i&gt;so wie sie gegenw&#228;rtig sind&lt;/i&gt;. Man muss danach davon ausgehen, dass diese Elemente und Funktionen, &lt;i&gt;so wie sie derzeit sind&lt;/i&gt;, nicht so organisiert seien, wie sie sollten, aufgrund der T&#228;tigkeit, den Praktiken, den Absichten, der Manipulation, der Werbung und den b&#246;swilligen Interessen einer gewissen Anzahl Individuen, die eine Kaste bilden, wozu die Banken, die grossen Chefs, die Medien, die pharmazeutischen Labore, die Regierungen, nicht als Staat, sondern als organisierte Bande, geh&#246;ren. In einem Wort: die Eliten. Die spontan von diesen Elementen ausgehende Ordnung ist eine verdorbene Version der notwendigen Ordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien basieren auf einer ziemlich banalen Staatskonzeption, Grundlage der juristischen und demokratischen Ideologie, die jedoch unser t&#228;gliches Schicksal ist. Es gebe einerseits die &lt;i&gt;Staatsmacht&lt;/i&gt;, andererseits den &lt;i&gt;Staatsapparat&lt;/i&gt; oder die &#8222;Staatsmaschinerie&#8220;, wie es Marx formuliert. Das Problem liegt in der Tatsache, dass der Staatsapparat, der in seinen Organen, ihrer Aufspaltung, ihrer Organisation und ihrer Hierarchie, die Staatsmacht einer Klasse (und einer einzigen) materialisiert, zugleich die Organisation der herrschenden Klasse (als &lt;i&gt;Staatsmacht&lt;/i&gt; in der Hand der momentan hegemonialen Fraktion der herrschenden Klasse f&#252;r die Gesamtheit dieser Klasse) und &lt;i&gt;die Organisation der ganzen Gesellschaft unter der Herrschaft dieser Klasse&lt;/i&gt; ist. Doch, obwohl der Staat der kapitalistischen Produktionsweise einerseits komplett die Fusion dieser beiden Funktionen verwirklicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich unterscheidet er sich vom feudalen Staat oder dem &#8222;Ancien R&#233;gime&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, wird er andererseits zur &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Notwendigkeit jeglicher gesellschaftlichen Reproduktion. W&#228;hrend ihre Aufteilung selbst und ihre grundlegende (wirkliche und ideologische) Trennung von den Produktionsverh&#228;ltnissen aus ihnen die Organe eines Staatsapparates machen, der notwendigerweise ein Apparat einer Klasse ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Marx, B&#252;rgerkrieg in Frankreich.&#034; id=&#034;nh3-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, erscheinen alle Organe des Staatsapparates (Armee, Polizei, Verwaltung, Gerichte, Parlament, B&#252;rokratie, Bildung, Sozialhilfe, Information, Parteien, Gewerkschaften usw.) nur noch als Instrumente, die dem Willen jener ausgesetzt sind, welche sie kontrollieren. Aus dieser doppelten Funktion des Staatsapparates (nicht zwei Funktionen, sondern eine doppelte Funktion) als Diktatur einer Klasse und Reproduktion der gesamten Gesellschaft entstehen gleichzeitig ihre Fusion und die Neutralit&#228;t der Organe. F&#252;r den Verschw&#246;rungstheoretiker als Echo des spontanen Denkens sind diese Organe neutral und nicht, in ihrer Existenz und ihrer Form selbst, die Organe einer Klassendiktatur. Folglich sind sie, wenn sie nicht so funktionieren &#8222;wie sie sollten&#8220;, als &#8222;&#246;ffentlicher Dienst&#8220;, als &#8222;Gemeingut&#8220;, von einer Clique, einer Kaste unterschlagen, verf&#228;lscht und pervertiert. &lt;i&gt;Der Verschw&#246;rungstheoretiker ist der ideale B&#252;rger&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beruhend auf dieser &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Konzeption des Staates sind die Verschw&#246;rungstheorien nicht die &#8222;Psychopathologie einiger Verirrter&#8220;, sie sind das &#8222;notwendige Symptom der politischen Enteignung&#8220; und der &#8222;Konfiszierung der &#246;ffentlichen Debatte&#8220;. Sie sind die Antwort auf die &#8222;Monopolisierung der legitimen Meinungs&#228;usserung&#8220; durch die von den &#8222;Experten&#8220; unterst&#252;tzten &#8222;Repr&#228;sentanten&#8220;, jegliche Kritik wird zu einer geistigen St&#246;rung, die unmittelbar als &#8222;verschw&#246;rungstheoretisch&#8220; disqualifiziert wird. Tats&#228;chlich sind die Verschw&#246;rungstheorien zum neuen Indiz f&#252;r Idiotie geworden, weil sie der neue Gemeinplatz der journalistischen Dummheit und etlicher Philosophen und Soziologen sind, die sich trotzdem davor h&#252;ten, einen Pr&#228;sidenten der Republik unter Beschuss zu nehmen, der behauptete, die Gelbwesten seien das Resultat eines Man&#246;vers Moskaus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Point, Februar 2019.&#034; id=&#034;nh3-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der regelm&#228;ssig das Thema in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt; erw&#228;hnende Lordon fasst die Sache zusammen: &#8222;Aber noch mehr als die Enteignung k&#246;nnten die Verschw&#246;rungstheorien, welche die Eliten einer unbelehrbaren Minderheit zuschreiben, das widerspr&#252;chliche Zeichen sein, dass das Volk in Wirklichkeit m&#252;ndig wird, denn es hat es satt, unterw&#252;rfig den Beh&#246;rden zuzuh&#246;ren, und macht sich daran, sich die Welt ohne sie vorzustellen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde diplomatique, Juni 2015.&#034; id=&#034;nh3-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien seien kein System von Antworten mit seinen eigenen gesellschaftlichen Determinierungen, sondern eine einfache, negativ gerechtfertigte Reaktion. Das kann nicht reichen, das Wesen der &#8222;Reaktion&#8220; muss positiv erfasst werden als &lt;i&gt;ein System von Antworten, das dessen ad&#228;quat ist, was es verursacht&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien erscheinen also als Protest gegen die herrschende Klasse, schon fast als Kampf der Klasse. &lt;i&gt;Doch dem ist nicht so&lt;/i&gt;. Genau wie der Antisemitismus der Sozialismus des dummen Kerls war, sind die Verschw&#246;rungstheorien der Klassenkampf der Experten f&#252;r Gutachten, die nicht einfach irgendwo stehen, weder in der Gesellschaft, noch im politisch-ideologischen Spektrum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;verschw&#246;rungstheoretische Antwort&#8220; will genau die gleiche Welt, den gleichen Staat, aber der &#8222;Kaste&#8220; entledigt: sie &#8222;stellt sich die Welt ohne sie vor&#8220;. Es geht schlichtweg darum, an allen Elementen dieser Gesellschaft festzuhalten, indem man sie den Praktiken dieser sie pervertierenden und korrumpierenden &#8222;boshaften&#8220; und &#8222;manipulierenden&#8220; Individuen entzieht. Eine wahre Lohnarbeit, eine wahre Bildung, eine wahre Gesundheitspolitik, eine wahre Demokratie, eine wahre Information, eine wahre Landwirtschaft, ein wahrer Konsum, eine wahre Wirtschaft, ein wahrer Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien kritisieren alles, dabei streben sie danach, dass das Bestehende &#8222;wahr&#8220; wird. Doch indem sie ihr Objekt als &#8222;dunkle Seite&#8220; und d&#228;monische Unterschlagung konzipiert, macht diese Kritik aus diesem Objekt einen einfachen &lt;i&gt;Unfall&lt;/i&gt; ebendieser Welt. Sie best&#228;tigt dadurch, dass sie nur nach der Fortsetzung der Welt, so wie sie ist, strebt. All das, was existiert, k&#246;nnte so sch&#246;n sein, wenn es nicht manipuliert und unterschlagen w&#228;re. Die herrschende Klasse, ihre Reproduktion, ihre Praktiken, die Verfolgung ihrer Interessen, die ideologische Produktion sind nicht mehr das nat&#252;rliche Produkt aller gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, an welchen der Verschw&#246;rungstheoretiker festhalten will, sondern einer Bande von Ganoven, die versuchen, uns f&#252;r dumm zu verkaufen. Der Verschw&#246;rungstheoretiker ist ein Neunmalkluger und man kann ihm nichts vormachen, er ist Experte f&#252;r alles. Es ist bemerkenswert (es gab einige Studien dazu), dass die Verschw&#246;rungstheorien allen voran eine diplomierte Mittelklasse tangieren, jene, welche ihren &#8222;kritischen Geist&#8220; liebt, damit prahlt und dieses F&#228;hnchen stets hochh&#228;lt. F&#252;r jene, welche t&#228;glich alle Erniedrigungen und das Elend der kapitalistischen Gesellschaftsverh&#228;ltnisse erleben, sind &#8222;Verschw&#246;rungen&#8220;, die zum Ziel haben, uns zu knechten und zu kontrollieren, ziemlich sinnlos. &lt;i&gt;Man muss diese Welt lieben, um nicht zu wollen, dass sie uns bel&#252;gt&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Auf welche Allgemeinheit sich die Verschw&#246;rungstheorien beziehen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Vorangehende ist eine kleine Analyse des verschw&#246;rungstheoretischen Diskurses als kritisches System, der von einem sich als vernachl&#228;ssigt betrachtenden Teil der dominanten Kategorien der Bev&#246;lkerung bez&#252;glich der Staatsverwaltung und allgemeiner der uns umgebenden Welt kommt. Nachdem das einmal gemacht ist, muss man &#252;brigens anerkennen, dass etliche Themen und Eigenschaften des verschw&#246;rungstheoretischen Diskurses auf mehr oder weniger zerstreute Art und Weise weit &#252;ber diese dominanten Kategorien hinaus eingesetzt werden. Die Frage ist also auch, welchen Status diese nicht systematisierte Kritik erlangt, wenn sie von einer bedeutenden Randgruppe der proletarischen Klassen getragen wird. Woher kommt dieser Wille, den kapitalistischen Staat &#8222;retten&#8220; zu wollen und ist er gleichartig wie jener, welcher zuvor beschrieben worden ist? Doch um diese Frage richtig zu stellen, muss sie auch diese isoliert herausgenommenen Themen enthalten, insofern als dass sie einen anderen Sinn haben als jener, welcher das System der Verschw&#246;rungstheorien ihnen eben genau aufgrund der diesem System eigenen Abriegelung gibt und die letztendlich aus dem Verschw&#246;rungstheoretiker den idealen B&#252;rger als Verteidiger des demokratischen Staates und des freien Arbeiters macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden keine Antwort liefern, nur einige Indizien, gewisse davon sind schon in diesen Anmerkungen enthalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt in den Verschw&#246;rungstheorien Bausteine, die an den radikalen Demokratismus erinnern: die Gemeinschaft der B&#252;rger im Staat als konkrete und partizipative Form ihrer Gemeinschaft isolierter Individuen. Aber die Situation hat sich seit dem Beginn der 1990er und dem Beginn der 2000er Jahre ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im aus der Restrukturierung der 1970er/1980er Jahre hervorgegangenen Kapitalismus war die Reproduktion der Arbeitskraft der Gegenstand einer &lt;i&gt;doppelten Entkoppelung&lt;/i&gt;. Einerseits Entkoppelung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, einerseits Entkoppelung zwischen dem Konsum und dem Lohn als Einkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Bruch einer notwendigen Beziehung zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft zersplittert die in ihrer nationalen oder gar regionalen Abgrenzung koh&#228;renten Bereiche der Reproduktion. Es geht darum, &lt;i&gt;einerseits die Reproduktion und die Zirkulation des Kapitals und andererseits die Reproduktion und die Zirkulation der Arbeitskraft voneinander zu trennen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Zusammenfallen einer &#220;berakkumulations- und einer Unterkonsumptionskrise war die Krise von 2008 eine &lt;i&gt;Krise des Lohnverh&#228;ltnisses&lt;/i&gt;, die zu einer Krise der Lohngesellschaft geworden ist, indem sie alle lohnabh&#228;ngigen Schichten und Klassen in Anschlag gebracht hat. Mit der Lohngesellschaft geht es &#252;berall um &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Distribution&lt;/i&gt;. Der Lohn, als &lt;i&gt;Preis der Arbeit&lt;/i&gt; (Fetischform), beruft sich auf die Ungerechtigkeit der &lt;i&gt;Distribution&lt;/i&gt;, das ist normal. Die Ungerechtigkeit der Distribution hat einen Verantwortlichen, der &#8222;seine Mission nicht erf&#252;llt hat&#8220;: &lt;i&gt;den Staat&lt;/i&gt;. Der Streitgegenstand ist somit gesetzt, es ist jener der &lt;i&gt;Legitimit&#228;t des Staates&lt;/i&gt; gegen&#252;ber &lt;i&gt;seiner Gesellschaft&lt;/i&gt;. Das Proletariat ist an all dem beteiligt, seine eigene Strukturierung als Klasse bringt es an Bord.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Krise der Lohngesellschaft benennen die K&#228;mpfe rund um die Distribution den Staat als Verantwortlichen der Ungerechtigkeit. Dieser Staat ist &lt;i&gt;der entnationalisierte Staat&lt;/i&gt;, von der Globalisierung durchdrungen und ihr Agens. Im Gegensatz zur &#8222;Entnationalisierung&#8220; war die keynesianische Politik eine Illustration &#8222;des integrierten Nationalen&#8220;: die Kombination nationaler &#214;konomie, nationalen Konsums, nationaler Bildung und Erziehung nationaler Arbeitskraft und Kontrolle &#252;ber das Geld und den Kredit. W&#228;hrend der &#8222;fordistischen Periode&#8220; war der Staat zudem zum &#8222;Schl&#252;ssel des Wohlstands&#8220; geworden, es ist diese Staatsb&#252;rgerschaft, welche sich w&#228;hrend der Restrukturierung der 1970er und 1980er Jahre auf und davon gemacht hat. Obwohl die Staatsb&#252;rgerschaft eine Abstraktion ist, bezieht sie sich auf durchaus konkrete Inhalte: Vollbesch&#228;ftigung, Kernfamilie, Ordnung-N&#228;he-Sicherheit, Heterosexualit&#228;t, Arbeit, Nation. Rund um diese Themen rekonstruieren sich ideologisch die Klassenkonflikte und die Delegitimierung aller offizieller Diskurse in der Krise der Lohngesellschaft. Die Staatsb&#252;rgerschaft wird also zur Ideologie, unter welcher der Klassenkampf gef&#252;hrt wird. Es gibt eine offensichtliche Verbindung zwischen dem Erfolg der Verschw&#246;rungstheorien und beispielsweise eines grossen Teils der Ausdr&#252;cke der Gelbwesten. Man findet, neben den &#196;hnlichkeiten der Formen in den Diskursen, einen Verweis auf die Inkompetenz des Staates, die Kritik der Globalisierung und des entnationalisierten Staates wieder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den ersten Blick sind diese Delegitimierung und diese staatsb&#252;rgerliche Ideologie (denn der Verschw&#246;rungstheoretiker ist der Archetyp des guten B&#252;rgers) kritisch, aber nur insofern, als dass sie die Sprache der Forderung im von der Logik der Distribution und der staatlichen Notwendigkeit vorgehaltenen Spiegel sind. Die unter dieser Ideologie operierenden Praktiken sind wirkm&#228;chtig, weil sie den Individuen ein plausibles Bild und eine glaubw&#252;rdige Erkl&#228;rung dessen widerspiegeln, was sie sind und was sie erleben, sie sind konstitutiv f&#252;r die Wirklichkeit ihres Alltagslebens. Diese ideologische Rekonstruktion der Klassenkonflikte wird zum Volk angesichts der Eliten, welche das legitime Wort monopolisieren (was immer der Fall war), aber &lt;i&gt;ein Wort, das sinnlos geworden ist&lt;/i&gt;. Der Konflikt verwandelt sich in einen kulturellen Konflikt, der im Namen von Werten gef&#252;hrt wird: die K&#252;nstlichkeit und die L&#252;ge gegen die Authentizit&#228;t und die Wahrheit (jene, welche man uns versteckt, wie es ironisch schon von Dutronc und d&#252;mmlich heutzutage von Keny Arkana gesungen wurde).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in den Verschw&#246;rungstheorien auf total perverse Weise als &#8222;Konflikt&#8220; zum Tragen kommt, ist das Verh&#228;ltnis des Staates, all seiner ideologischen Apparate, der herrschenden Klasse in ihrer Gesamtheit zu ihrer Gesellschaft. In der Krise der Staaten und all ihrer Apparate gegen&#252;ber ihrer Gesellschaft verleiht die Diskreditierung, welche dieses Verh&#228;ltnis erfahren hat, den verschw&#246;rungstheoretischen Anprangerungen einen allgemeinen Charakter. Auf total perverse Weise, weil die Funktionsweise der Verschw&#246;rungstheorien selbst voraussetzt, an dieser Gesellschaft, so wie sie ist, festhalten zu wollen. Dies insofern, als dass die herrschende Klasse nur eine parasit&#228;re Elite sei, die sich durch die L&#252;ge behauptet, und nicht, als herrschende Klasse, die Notwendigkeit dieser Gesellschaft selbst und all ihrer Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass sich die wesentlichen Firmen von Wall Street an die Regulierungsbeh&#246;rde der Kapitalm&#228;rkte in den USA wenden, um die &#196;nderung eines Gesetzes zu erreichen oder irgendeinen Vorteil zu erhalten, ist nicht eine &#8222;Verschw&#246;rung&#8220;, auch wenn die Handlung abgestimmt und verborgen ist. Die Tatsache, dass sich die allgemeinen wirtschaftlichen Vertreter der amerikanischen (und globalen) kapitalistischen Klasse an die allgemeinen Vertreter des Gesetzes der gleichen Klasse wenden, ist nicht eine &#8222;Verschw&#246;rung&#8220;, es ist der Staat. Oder aber man stellt sich vor, dass der Staat &#8222;etwas anderes&#8220; ist oder sein sollte. Anstelle der kapitalistischen Gesellschaftsverh&#228;ltnisse (an denen man festhalten will) gebe es nur eine kleine Anzahl zynischer Menschen, die ihre Herrschaft &#252;ber das &#8222;Volk&#8220; und die Ausbeutung desselben durch eine von ihnen zur Knechtung der Geister ausgedachte verf&#228;lschte Repr&#228;sentation der Welt festigen. Die Verschw&#246;rungstheorien brauchen diese grob vereinfachende Konzeption der Ideologie, der Produktionsweise und des Staates, damit sie sein k&#246;nnen, was sie sind: die Verherrlichung und die Aufrechterhaltung der aktuellen Existenzbedingungen. Leider, oder zum Gl&#252;ck, ist die Ideologie als allt&#228;gliche Praxis etwas anderes: Es ist die Praxis von Subjekten, die als solche glauben k&#246;nnen, get&#228;uscht zu werden, und get&#228;uscht werden k&#246;nnen (was f&#252;r ein Subjekt eine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist). Die Produktionsweise ist etwas anderes als das Streben nach &#8222;so viel Kohle wie m&#246;glich&#8220;. Der Staat ist durch seine Apparate etwas anderes als eine &#8222;Clique&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien sind ein ganzheitlicher Ansatz der Gesellschaft. Als Antwort auf die Frage der Allgemeinheit einiger seiner Eigenschaften pr&#228;sentieren die vorangehenden Entwicklungen einige Indizien, F&#228;hrten und Elemente zum Verst&#228;ndnis, die nur zum Ziel haben, die Frage &#8222;richtig&#8220; zu stellen, ohne bis jetzt eine systematische Antwort formulieren zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung (provisorisch)&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Man&#246;ver, Intrigen und krummen Gesch&#228;fte existieren, doch sie erkl&#228;ren nichts, sie ben&#246;tigen selbst Erkl&#228;rungen als interstitielle historische Ereignisse. In der Geschichte verstehen sich die Verschw&#246;rungstheorien schlecht mit der &#8222;langen Dauer&#8220;. Davos ist eine entscheidende Arena der Globalisierung, doch es ist die Globalisierung, die Davos gemacht hat und nicht umgekehrt. Wenn &#8222;die Welt&#8220;, entgegen dem, was Marx und Engels uns in den ersten Seiten von &lt;i&gt;Die deutsche Ideologie&lt;/i&gt; sagen, kein &#8222;offenes Buch&#8220; ist, dann ist es so, weil es f&#252;r ihr Verst&#228;ndnis notwendig ist, Konzepte auszuarbeiten, nicht weil sie eine Korporation, eine Kaste von Dirigenten und Illuminati verbirgt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tarona &#8211; R.S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Januar 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=19292&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Als Anekdote &#252;ber diese Betrachtungen zur Bev&#246;lkerung, w&#228;hrend diesen Ferien von Allerheiligen 2020 haben zwei bedeutende Ereignisse &#8211; der zweite Lockdown und die Ermordung von Samuel Paty &#8211; zwei grundlegende Akteure in dieser Reproduktion der Kategorien der Bev&#246;lkerung unter den Eltern in Szene gesetzt: Jene, welche sich dar&#252;ber emp&#246;ren, dass man ihre Nachkommenschaft durch das Tragen einer Maske in der Schule ab 6 Jahren knechten und entmenschlichen will, sie drohen damit, ihre Kinder nicht mehr in die Schule zu schicken; andere, f&#252;r welche die Priorit&#228;t war, aus Verzweiflung die Konformit&#228;t ihrer Nachkommenschaft mit der republikanischen Schule zu verteidigen, indem sie ihren Kindern &#8211; sagen wir, aus einer Einwandererfamilie &#8211; mit Dringlichkeit das Verbot vermitteln, am Schulbeginn &#252;ber die Ermordung des Lehrers unter dem Risiko eines Ausschlusses und der institutionellen und finanziellen Bestrafung der betroffenen Familien zu sprechen, auf sie zu reagieren oder sie zu erw&#228;hnen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich unterscheidet er sich vom feudalen Staat oder dem &#8222;Ancien R&#233;gime&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Marx, &lt;i&gt;B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Point&lt;/i&gt;, Februar 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, Juni 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Il lato cattivo &#8211; Covid-19 und dar&#252;ber hinaus</title>
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&lt;p&gt;Nichts f&#252;rchtet der Mensch mehr als die Ber&#252;hrung durch Unbekanntes. &lt;br class='autobr' /&gt;
In einer wirtschaftlich besch&#228;digten, doch politisch stagnierenden Welt muss der Schock manchmal &#8222;von aussen&#8220; kommen, von Faktoren oder Ereignissen, die urspr&#252;nglich weder strikt wirtschaftlich noch politisch sind, und, im gegenw&#228;rtigen Fall, nicht einmal strikt menschlich. Nicht dass Epidemien als rein biologisches Ph&#228;nomen qualifiziert werden k&#246;nnten, doch es scheint uns offensichtlich, dass diese Episode des ewigen (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/arton68.png?1689273855' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='90' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Nichts f&#252;rchtet der Mensch mehr als die Ber&#252;hrung durch Unbekanntes.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Elias Canetti.&#034; id=&#034;nh4-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;In einer wirtschaftlich besch&#228;digten, doch politisch stagnierenden Welt muss der Schock manchmal &#8222;von aussen&#8220; kommen, von Faktoren oder Ereignissen, die urspr&#252;nglich weder strikt wirtschaftlich noch politisch sind, und, im gegenw&#228;rtigen Fall, nicht einmal strikt &lt;i&gt;menschlich&lt;/i&gt;. Nicht dass Epidemien als rein biologisches Ph&#228;nomen qualifiziert werden k&#246;nnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Ausl&#246;sung der gegenw&#228;rtigen Pandemie selbst &#8211; genau wie jene der (...)&#034; id=&#034;nh4-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch es scheint uns offensichtlich, dass diese Episode des ewigen Kampfes zwischen dem Menschen und den Krankheitserregern, der heute den Namen Covid-19 tr&#228;gt, deswegen eine so dramatische Wende nimmt, weil er mit jener besonderen Umwelt verbunden ist &#8211; die ihrerseits rein gesellschaftlich ist &#8211; in welcher er sich abspielt. Dass auf wirtschaftlicher Ebene ein &#8222;perfekter Sturm&#8220; aufziehen w&#252;rde, das wussten wir schon lange&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vor mehr als einem Jahr machten wir eine Bestandesaufnahme der (...)&#034; id=&#034;nh4-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dass er mit einer grossfl&#228;chigen Pandemie einhergehen w&#252;rde, war schwer vorauszusehen. Diese Tatsache ist definitiv ein neues Element im Szenario, das vorsichtig und n&#252;chtern analysiert werden muss: Zu h&#228;ufig ist gesagt worden, dass &lt;i&gt;nichts mehr wie zuvor sein w&#252;rde&lt;/i&gt; aufgrund irgendwelcher absolut unbedeutender Verschiebungen. Trotzdem ist die konkrete Lebensweise eines steigenden Teils der Weltbev&#246;lkerung schon stark davon betroffen (&lt;i&gt;auf dem Papier&lt;/i&gt; etwa drei Milliarden in Quarant&#228;ne am 25. M&#228;rz) und die Tendenz wird wahrscheinlich weiter in diese Richtung gehen. Die wenigen Leute, die glauben, dass sie nach drei Wochen &lt;i&gt;leichter&lt;/i&gt; Quarant&#228;ne in Begleitung von Netflix ihren grauen Alltag wiederfinden werden, d&#252;rften letztendlich entt&#228;uscht sein. Nicht nur und nicht wirklich, weil der ber&#252;hmte H&#246;hepunkt der Epidemie auf sich warten l&#228;sst, sowohl in Italien, als auch anderswo (Frankreich, Spanien usw.), sondern vor allem, weil die R&#252;ckkehr zu einer &lt;i&gt;scheinbaren&lt;/i&gt; Normalit&#228;t in der wirtschaftlichen Aktivit&#228;t und der t&#228;glichen Mobilit&#228;t zu einem Zeitpunkt erfolgen wird, wo die Epidemie immer noch andauern und betr&#228;chtliche Kontrollmassnahmen und Sicherheitsdispositive zur Folge haben wird, um eine zweite Welle der Ansteckung und des Todes zu verhindern. Das gilt allen voran f&#252;r jene L&#228;nder, wo die neomalthusianische Versuchung der &#8222;Herdenimmunit&#228;t&#8220; mehr oder weniger abgelehnt worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit bleibt der Gegenstand der kommunistischen Theorie immer der gleiche: Das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als Tr&#228;ger seiner eigenen &#220;berwindung &lt;i&gt;oder&lt;/i&gt; seiner Reproduktion auf einer h&#246;heren Ebene &#8211; ein Ausbeutungsverh&#228;ltnis zwischen antagonistischen Klassen, das, unter all jenen, die historisch existierten, zum widerspr&#252;chlichsten und &lt;i&gt;somit zum dynamischsten&lt;/i&gt; geh&#246;rt. Inmitten eines Gew&#252;hls der Tatsachen und der Diskurse &#252;ber die Tatsachen geht es darum, die in dieses Verh&#228;ltnis eingebrachten Auswirkungen der gegenw&#228;rtigen Entwicklungen zu erfassen, sowohl kurz- als auch langfristig. Was, es sei nur nebenbei gesagt, das Gegenteil der Leichtigkeit darstellt, mit welcher einige den &#8222;Zusammenbruch des Kapitalismus&#8220; heraufbeschw&#246;ren &#8211; ein Ausweg, dank welchem alles einfach wird, weil man &lt;i&gt;die Wirklichkeit&lt;/i&gt; einfach verschwinden l&#228;sst, obwohl sie ungleiche sozio&#246;konomische und institutionelle Deklinationen, Temporalit&#228;ten der Ausbreitung des Virus und der Ansteckung und verschiedene Strategien der Reaktion auf den Gesundheitsnotstand hervorbringt. Dar&#252;ber hinaus sollte man die ungleiche Verteilung der Verluste zwischen den verschiedenen individuellen Kapitalfraktionen im Kontext der Wirtschaftskrise nicht vergessen. Die Ungleichm&#228;ssigkeit der Entwicklung ist immer noch die Regel im historischen Prozess. Die folgenden Anmerkungen &#8211; kaum mehr als ein Patchwork &#8211; sind nur eine leichte Anpassung im Fokus, zu unserem Gebrauch und f&#252;r jene, die mitlesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es soll zuerst gesagt werden, dass die von der internationalen Ausbreitung der Pandemie determinierte Situation definitiv eine gewisse Anzahl dem generell als &#8222;Globalisierung&#8220; definierten Akkumulationszyklus inh&#228;renter Grenzen entbl&#246;sst und gleichzeitig von den betroffenen Akteuren (Unternehmen und Machtzentren auf jeder Ebene) verlangt, sich diesen Grenzen zu stellen, indem sie &lt;i&gt;dringend&lt;/i&gt; unmittelbare Antworten vorbereiten m&#252;ssen, wovon sich einige (die wenigsten) &#8211; wie immer im Rahmen der Konkurrenz &#8211; als angemessen und zur Verallgemeinerung geeignet herausstellen, w&#228;hrend andere (die meisten) im M&#252;lleimer der Geschichte landen werden. Um eine Formel wieder aufzugreifen, auf welcher wir oft beharrt haben, &#8222;das geheime Labor der Produktion&#8220; ist genau das: Ein Labor, wo sich die Agenten der Akkumulation unabl&#228;ssig bewegen &#8211; sogar in den hoffnungslosesten Situationen &#8211; um sich den jedes Mal neu gegebenen Bedingungen anzupassen und sie zu ihrem Vorteil zu modifizieren, sobald sich dazu die Gelegenheit bietet. Nehmen wir als eine kurze Untersuchung der erw&#228;hnten Grenzen vor, nicht ohne einige Hypothesen bez&#252;glich der Antworten aufzustellen, welche sie ausl&#246;sen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allen voran bringt die aktuelle Notsituation die Zerbrechlichkeit der globalisierten &lt;i&gt;supply chains&lt;/i&gt; und der Option &lt;i&gt;zero stock&lt;/i&gt; ans Licht. In den USA hat man feststellen k&#246;nnen, inwieweit die Versorgung mit Medikamenten und medizinischem Material von den Pazifik &#252;berquerenden Lieferungen abh&#228;ngt. Es ist allgemein bekannt, dass sich die Ausbreitung von Covid-19 in China deutlich verlangsamt hat und die Produktion wieder aufgenommen wird. Der H&#246;hepunkt der Epidemie in den USA d&#252;rfte hingegen im April oder im Mai mit einer voraussichtlichen Inzidenzrate von 30 bis 40% der Bev&#246;lkerung erreicht sein. Die Erh&#246;hung der Nachfrage wird massiv sein. Es ist also wahrscheinlich, dass die USA gezwungen sein werden, Massnahmen zur Relokalisierung der Produktion in diesem Sektor zu ergreifen, sei es nur teilweise, f&#252;r gewisse pharmazeutische Produkte oder medizinische Ger&#228;te. Die durch den Defense Production Act erlaubte Requisition von General Motors zur Fabrikation von Beatmungsger&#228;ten ist ein erster Schritt in diese Richtung. Falls sich diese Tendenz verst&#228;rkt, w&#228;re es eine betr&#228;chtliche Beschleunigung des chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt;, das in anderen Sektoren schon begonnen hat (allen voran in der Milit&#228;rindustrie). Im Vereinigten K&#246;nigreich haben die durch den Ansturm auf die Superm&#228;rkte ausgel&#246;sten Verknappungen die Abh&#228;ngigkeit bez&#252;glich Nahrungsmittel eines Landes deutlich hervorgehoben, welches 50% seiner Nachfrage nach Grundnahrungsmittel mit Importen abdeckt (haupts&#228;chlich aus der EU) und in welchem der sprunghafte Anstieg der st&#228;dtischen Bodenrente die Lagerkapazit&#228;ten betr&#228;chtlich reduziert hat, gleichzeitig hat er zum Niedergang der lokalen Landwirtschaft beigetragen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Heute ist [in Grossbritannien] ein Hektar Land hundertmal rentabler, wenn (...)&#034; id=&#034;nh4-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Frankreich hat der Wirtschaftsminister Bruno Le Maire w&#228;hrend einer Pressekonferenz am 9. M&#228;rz die zutage tretenden Szenarien zur Kenntnis genommen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich bin &#252;berzeugt, dass es ein Zuvor und Danach bez&#252;glich dieser Epidemie des Coronavirus und der Organisation der globalen Wirtschaft geben wird. Es ist klar, inwieweit es in gewissen Bereichen wichtig ist, &#252;ber eine bessere Organisation der Verwertungsketten, die Relokalisierung gewisser strategischer Aktivit&#228;ten, besonders im Gesundheitssektor, und den Aufbau einer Globalisierung nachdenken zu m&#252;ssen, wo die Verwertungsketten besser gesch&#252;tzt und unabh&#228;ngiger sind, damit auf diese Art und Weise manchmal nutzlose Bewegungen vermieden werden, wenn gewisse Produkte in der N&#228;he hergestellt werden k&#246;nnen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass man eine solche Rede halten und sich dabei immer noch auf die Globalisierung beziehen kann, obwohl man in Wirklichkeit von ihrer Demontage spricht, ist nur ein f&#252;r einen Politiker typisches Oxymoron: Die W&#252;rfel sind gefallen. Man k&#246;nnte unendlich viele &#228;hnliche Beispiele, Hinweise und Vorschl&#228;ge aufz&#228;hlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens bringt die aktuelle Notsituation jene Risiken ans Licht, welchen die kapitalistische Akkumulation in einem Kontext der Unterfinanzierung der &#246;ffentlichen Gesundheitssysteme und der Infrastrukturen im Allgemeinen ausgesetzt ist. Vergessen wir nicht, dass die Notwendigkeit und die Strenge der Massnahmen der Ausgangsbeschr&#228;nkung haupts&#228;chlich von der F&#228;higkeit des Gesundheitssystems abh&#228;ngen, die wirklichen Ansteckungen innerhalb der Bev&#246;lkerung ausfindig zu machen und sich um sie zu k&#252;mmern. In einem hypothetischen Szenario einer &#220;berf&#252;lle an Spitalbetten und einer massiven und unmittelbaren Verf&#252;gbarkeit der Tests w&#228;re die Ausgangssperre alles andere als unumg&#228;nglich und k&#246;nnte vermieden werden. Ohne sich Illusionen zu machen &#252;ber den Weitblick oder die edle Gesinnung der Entscheidungstr&#228;ger und Regierenden dort, war das klar ersichtlich in S&#252;dkorea, ein Land, das nicht so gross ist wie China, aber auch nicht so klein wie San Marino (50 Millionen Einwohner), und obwohl das Durchschnittsalter zweifellos niedriger ist als jenes Italiens (42.1 gegen 46.3), hatte es Anfang M&#228;rz zweimal mehr offizielle Ansteckungsf&#228;lle. Man wird nicht erstaunt sein, dass in S&#252;dkorea die Anzahl Spitalbetten pro 1&#8216;000 Einwohner 12.27 betr&#228;gt, gegen&#252;ber 3.18 in Italien (Zahlen von 2017). Was Italien betrifft, hat unl&#228;ngst ein Bericht des Observatoriums GIMBE&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Observatorium GIMBE, &#8222;Il definanziamento 2010-2019 del Sistema sanitario (...)&#034; id=&#034;nh4-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; die Budgetk&#252;rzungen im Bereich der &#246;ffentlichen Gesundheit zwischen 2010 und 2019 auf 37 Milliarden gesch&#228;tzt, etwa die H&#228;lfte davon betraf die Infrastrukturen, die Ger&#228;te und das Material und die andere H&#228;lfte die Neuanstellungen und die Lohnerh&#246;hungen (besonders &#196;rzte, Verwaltungs- und F&#252;hrungspersonal). Wir werden freilich nicht jene beklagen, welche Marx als Mitzehrer der &lt;i&gt;Surplusvalue&lt;/i&gt; anprangerte, doch es soll gesagt sein, dass die hohen L&#246;hne gewisser Berufskategorien nicht nur die Ausl&#246;sung von Prestige oder Ehrfurcht seitens der Benutzer oder des untergeordneten Personals zum Ziel haben, sondern auch &lt;i&gt;den Korpsgeist und die Bereitschaft zur individuellen Aufopferung&lt;/i&gt; unter den Betroffenen &#8211; ausser man glaubt, es w&#228;re w&#252;nschenswert, dass ein Chirurg den Operationssaal mit der gleichen Haltung betritt wie ein spezialisierter Arbeiter sich ans Fliessband begibt. Insoweit als dass diese Einkommensniveaus in sich zusammenfallen, geschieht das selbe mit ihrer subjektiven Konsequenz. Was soll man sagen &#252;ber die pensionierten &#196;rzte in der Lombardei, wovon sich nur 10% bereit erkl&#228;rt haben, wieder zum Dienst anzutreten? Was soll man sagen &#252;ber die Region Lombardei, die gezwungen war, &#196;rzte und Virologen aus China, Kuba, Venezuela und Russland zu importieren? Die Tatsache, dass der &lt;i&gt;Ostwind&lt;/i&gt; angefangen hat, &#252;ber der Hauptstadt des eurokompatiblen Autonomismus der Liga des Nordens und der linken Movida zu wehen, deren Forderung der Aperitif um jeden Preis ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gleichzeitig scheint es in Venetien, als ob der Pr&#228;sident der Region Luca Zaia von der koreanischen Schule bekehrt worden ist: massive Fr&#252;herkennung mit mehr als 20&#8216;000 Tests pro Tag &#252;ber drei Wochen hinweg. Es ist auf jeden Fall klar, dass die drastischsten Massnahmen der Ausgangsbeschr&#228;nkung, die eingef&#252;hrt worden sind, um die Implosion eines h&#228;ufig sowieso schon atemlosen Gesundheitssystems zu verhindern, bez&#252;glich der Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivit&#228;t extrem schmerzhaft sind. Der daraus hervorgehende Widerspruch ist also, dass die st&#228;ndige Bem&#252;hung um die Verschonung des Gesundheitssystems zeigt, dass ein etwas aggressiveres und t&#246;dlicheres Virus reicht, damit das BIP zehn Punkte verliert. Ausser man entscheidet sich, die Leute einfach krepieren zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drittens bringt die aktuelle Notsituation &#8211; besonders innerhalb der Europ&#228;ischen Union &#8211; die Defekte einer &lt;i&gt;multilevel governance&lt;/i&gt; zutage, welche nunmehr zwangsl&#228;ufig, aufgrund der &#8222;Subsidiarit&#228;t&#8220; und der Umverteilung der Kompetenzen des Nationalstaates gegen unten und oben (Regionen und internationale Organismen), unf&#228;hig ist, irgendwelche Ordnung hervorzubringen. Das ist nicht neu: Man konnte es schon w&#228;hrend der Migrationskrise 2015 beobachten. Aber heutzutage ist die Sache viel schlimmer, zumindest in Italien, besonders weil die Regionen direkt betroffen sind, sie sind verantwortlich f&#252;r die Planung und die Organisation der Gesundheitsdienste. Und wir haben gesehen, wie in diesem Bereich jeder tut, was er f&#252;r richtig h&#228;lt. Die verschiedenen L&#228;nder der EU halten das &#252;brigens ebenfalls so. In einem in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; am 23. M&#228;rz erschienenen Interview hat der Vorstehende der Nationalbank Italiens, Ignazio Visco, einmal mehr den den Umst&#228;nden entsprechenden Wunsch nach einer &lt;i&gt;ever closer Union&lt;/i&gt; wiederholt: &#8222;Die Krise des Coronavirus muss es uns erlauben, in Richtung eines vereinigten Europas zu gehen.&#8220; Aber wer glaubt noch daran? Ob uns das gefallen mag oder nicht, Marine Le Pen ist unvergleichbar mehr im Einklang mit der Wirklichkeit, als sie vor den Mikrophonen von RT France (25. M&#228;rz) verk&#252;ndet, dass &#8222;die Europ&#228;ische Union das erste Opfer des Coronavirus ist&#8220;. Es ist eine neue Tatsache, dass das Diktat einer strengen Haushaltspolitik nun auch in Deutschland gefallen ist, was die Gefahr einer allgemeinen Lockerung der Sparzw&#228;nge mit sich bringt. Macron hat von der Gelegenheit profitiert, indem er schon am 25. M&#228;rz einen &#8222;massiven&#8220; Investitionsplan f&#252;r das Gesundheitssystem angek&#252;ndigt hat. Jenseits der sch&#246;nen Worte wird sich zeigen, wie viel Geld wirklich auf den Tisch gelegt werden wird. Doch wenn die EU nicht mehr f&#228;hig ist, ihre Mitglieder (PIIGS oder auch nicht) zu disziplinieren, wird sie f&#252;r diese (oder ihre k&#252;nftigen Mitglieder) zu einer Melkkuh verkommen und wird somit komplett nutzlos, sogar f&#252;r jene, welche bis anhin in ihrem Schatten fett geworden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Thema der &lt;i&gt;governance&lt;/i&gt; schrieben wir vor fast drei Jahren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Integration zwischen Staat und privater Unternehmung [&#8230;] ist zu gross geworden, sogar vom rein kapitalistischen Standpunkt ihrer optimalen Funktionsweise aus betrachtet. [D]iese Koexistenz/Kombination des Managements und der parasit&#228;ren Verwaltung der staatlichen Sph&#228;re mit all ihren Verflechtungen beschr&#228;nkt die Effizienz und die Reaktivit&#228;t des staatlichen Handelns in seinem Verh&#228;ltnis gegen&#252;ber der Gesellschaft betr&#228;chtlich, vor allem in einer Situation der Verknappung des Mehrwerts. [&#8230;] Vom Standpunkt der heute zerstreuten &#8218;Partei der Subversion&#8216; aus betrachtet, ist der aktuelle Zerfall des getrennten Staates eine gute Neuigkeit, denn sie verk&#252;ndet die M&#246;glichkeit einer kompletten institutionellen L&#228;hmung in Anbetracht eines eventuellen aufst&#228;ndischen Bruches. Doch h&#252;ten wir uns vor einem einfachen Optimismus: Ein revolution&#228;rer Aufschwung, oder wom&#246;glich einfach eine starke fordernde Dynamik, k&#246;nnte dieser Tendenz entgegenwirken, statt sie zu verst&#228;rken.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il lato cattivo, &#8222;Foto dal finestrino&#8220;, September 2017.&#034; id=&#034;nh4-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der prinzipielle Mangel dieser Analyse ist, dass sie die Funktionsst&#246;rung des Nationalstaates nur vom Standpunkt des &#8222;Endziels&#8220; bewertet und ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die &#8222;Bewegung&#8220; vernachl&#228;ssigt. Ist eine institutionelle L&#228;hmung in Abwesenheit einer unmittelbaren revolution&#228;ren Perspektive w&#252;nschenswert, wenn dazu &#8211; hypothetisch &#8211; noch eine schlimme Gesundheitskrise kommen w&#252;rde? Es steht jedem frei, in seinem tiefsten Inneren das Chaos oder die Apokalypse herbeizusehnen, aber es soll sich dann niemand beklagen dar&#252;ber, dass seine Eltern und Grosseltern letztendlich wie Hunde krepieren, zu Hause oder in G&#228;ngen von ausser Kontrolle geratenen Spit&#228;lern. Zudem ist der Inhalt der gesellschaftlichen Instanzen und Forderungen, insoweit als die Funktionsst&#246;rungen des &lt;i&gt;Operettenstaates&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Behelfsm&#228;ssige &#220;bersetzung des Begriffs lo stato coglione, den (...)&#034; id=&#034;nh4-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, mit welchen wir heute konfrontiert sind, heftige Auswirkungen auf das allt&#228;gliche Leben jener haben, welche keine Alternative zum &#246;ffentlichen Dienst haben &#8211; nicht nur auf die Arbeiter und Angestellten, d.h. den wesentlichen Teil der aktiven proletarischen Armee, sondern auch immer mehr auf die niederen Mittelkassen, entlohnt oder nicht &#8211; von dieser Sachlage &#252;berdeterminiert. Zusammengefasst kann man sagen, dass, je weniger der Staat funktioniert, die Frage der Reform in einem souver&#228;nistischen Sinn desto mehr den allt&#228;glichen Klassenkampf und die politischen Launen der sogenannt &#8222;subalternen&#8220; Klassen kontaminiert und in verschiedener Auspr&#228;gung mit der direkten Konfrontation mit diesem oder jenem anderen Kapital oder Chef kombiniert wird. Wenn man nicht den Bauchredner der K&#228;mpfe der anderen spielen und ihnen in den Mund legen will, was uns passt, ist es unm&#246;glich, die Tatsache zu verschweigen, dass w&#228;hrend der immer noch andauernden Streikwelle in Italien die Forderungen &#252;ber die Arbeitsbedingungen (Sicherheitsmassnahmen) und die Unterbrechung der unwesentlichen Sektoren gleichzeitig an die Arbeitgeber und den Staat gerichtet sind und letzteren verpflichten, sich gegen&#252;ber Confindustria und Co. weniger gef&#228;llig zu verhalten, d.h. eine relative Autonomie gegen&#252;ber der dominanten Fraktion der Arbeitgeberschaft an den Tag zu legen. Ging die latente Bedrohung der Pl&#252;nderungen, welche Giuseppe Conte dazu bewegt hat, die Einf&#252;hrung von Lebensmittelgutscheinen anzuk&#252;ndigen, nicht in die gleiche Richtung &#8211; objektiv, oder gar subjektiv betrachtet? Werden diese Massnahmen, zusammen mit anderen, die schon ergriffen worden sind oder noch ergriffen werden, nicht endlich die europ&#228;ische Zwangsjacke zerreissen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug zum vorhergehenden Punkt heben die Ausbreitung und die Folgen von Covid-19 die Grenzen der liberalen Subjektivit&#228;t, des souver&#228;nen Individuums mit seinem freien Willen und Inhaber seines eigenen K&#246;rpers hervor. In Anbetracht der Ansteckung oder der Gefahr der Ansteckung f&#252;r sich selbst &lt;i&gt;und die anderen&lt;/i&gt; zeigen die Prinzipien &#8222;ich mache, was ich will&#8220; oder &#8222;mein K&#246;rper geh&#246;rt mir&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pr&#228;zisieren wir, falls es notwendig ist, dass das Recht auf Abtreibung (...)&#034; id=&#034;nh4-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; all ihre Relativit&#228;t auf, dies aus dem einfachen Grund, dass die Verbindung des Individuums mit der Gesellschaft, sowie seine &lt;i&gt;Abh&#228;ngigkeit&lt;/i&gt; von ihr, ihre Anspr&#252;che geltend machen. Man muss eine erfolgreiche Schriftstellerin sein und sich dar&#252;ber emp&#246;ren, nicht ins Schuhgesch&#228;ft gehen zu k&#246;nnen, oder ein Philosoph der Biopolitik mit einem Heiligenstatus innerhalb der radikal-schicken Intelligenzia, um das nicht zu erkennen. Muss man noch erstaunt dar&#252;ber sein, dass Liberale und Libert&#228;re sich in der Verurteilung vermeintlich &#8222;freiheitsbedrohender&#8220; Massnahmen Seite an Seite wiederfinden?&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_43 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L486xH163/100002010000031e0000010c0ad73d9ebce6de17-a211f.png?1689274125' width='486' height='163' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;(Fuani Marino: &#8222;Wir sind dabei, wesentliche Dinge wie das Recht auf Bildung, die Sozialit&#228;t und schliesslich die Wirtschaft im Namen jener Leute zu opfern, welche &#228;lter als 75 Jahre sind.&#8220;; Giorgio Agamben: &#8222;Der Ausnahmezustand ausgel&#246;st von einer ungerechtfertigten Dringlichkeit.&#8220;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowohl von einem theoretischen als auch von einem praktischen Standpunkt stellt die Notsituation von Covid-19 ein viel tiefergehendes Problem dar als die individuelle Moral oder die Solidarit&#228;t zwischen Generationen, das &#8211; wenn man genau hinschaut &#8211; die Grundlage sowohl der einen als auch der anderen ist: Was ist die &lt;i&gt;Gesellschaft&lt;/i&gt;? Diese Frage ist alles andere als unerheblich und zwingt uns, die Wurzel der Dinge zu betrachten. In dieser Hinsicht hat der gute alte Karl einige aufschlussreiche Passagen hinterlassen. Hier einige davon:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Da&#223; der gesellschaftliche Zusammenhang, der durch den Zusammensto&#223; der unabh&#228;ngigen Individuen entsteht, zugleich als sachliche Notwendigkeit, und zugleich als ein &#228;u&#223;erliches Band gegen&#252;ber ihnen erscheint, stellt &lt;i&gt;eben ihre Unabh&#228;ngigkeit&lt;/i&gt; dar, f&#252;r &lt;i&gt;die das gesellschaftliche Dasein zwar Notwendigkeit&lt;/i&gt;, aber nur &lt;i&gt;Mittel ist, also den Individuen selbst als ein &#196;u&#223;erliches erscheint, im Geld sogar als ein handgreifliches Ding&lt;/i&gt;. Sie produzieren in und f&#252;r die Gesellschaft, als gesellschaftliche, aber zugleich erscheint dies als blo&#223;es Mittel ihre Individualit&#228;t zu vergegenst&#228;ndlichen. Da sie weder subsumiert sind unter ein naturw&#252;chsiges Gemeinwesen, noch andrerseits als bewu&#223;t Gemeinschaftliche das Gemeinwesen unter sich subsumieren, mu&#223; es ihnen als den Unabh&#228;ngigen Subjekten gegen&#252;ber als ein ebenfalls unabh&#228;ngiges, &#228;u&#223;erliches, zuf&#228;lliges, Sachliches ihnen gegen&#252;ber existieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Urtext von &#8222;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&#8220; in Grundrisse der Kritik (...)&#034; id=&#034;nh4-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Je tiefer wir in der Geschichte zur&#252;ckgehen, je mehr erscheint das Individuum, daher auch das produzierende Individuum, als unselbst&#228;ndig, einem gr&#246;&#223;ren Ganzen angeh&#246;rig: erst noch in ganz nat&#252;rlicher Weise in der Familie und in der zum Stamm erweiterten Familie; sp&#228;ter in dem aus dem Gegensatz und Verschmelzung der Stamme hervorgehenden Gemeinwesen in seinen verschiednen Formen. Erst in dem 18. Jahrhundert, in der &#8218;b&#252;rgerlichen Gesellschaft&#8216;, treten die verschiednen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhangs dem Einzelnen als blo&#223;es Mittel f&#252;r seine Privatzwecke entgegen, als &#228;u&#223;erliche Notwendigkeit. Aber die Epoche, die diesen Standpunkt erzeugt, den des vereinzelten Einzelnen, ist gerade die der bisher entwickeltsten gesellschaftlichen (allgemeinen von diesem Standpunkt aus) Verh&#228;ltnisse. Der Mensch ist im w&#246;rtlichsten Sinn ein &lt;i&gt;&#950;&#8183;&#959;&#957; &#960;&#959;&#955;&#953;&#964;&#953;&#954;&#972;&#957;&lt;/i&gt;, nicht nur ein geselliges Tier, sondern ein Tier, das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einleitung von 1857 in MEW, Bd. 13, S. 615.&#034; id=&#034;nh4-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir &#8222;Gesellschaft&#8220; nennen, ist nichts anderes als &lt;i&gt;der gegenseitige Zusammenhang zwischen Individuen als von den Individuen selbst autonomer Zusammenhang&lt;/i&gt;, es ist ihre eigene Gemeinschaft, die &lt;i&gt;ausserhalb von ihnen selbst&lt;/i&gt; hervorgebracht und reproduziert wird und die f&#228;hig ist, sich jedem als &#228;ussere Zwangsmacht aufzudr&#228;ngen. Diese von den Individuen unabh&#228;ngige Gesellschaft findet ihre Verl&#228;ngerung im Staat, ohne sich auf denselben zu beschr&#228;nken. Letzterer artikuliert sich nicht gegen&#252;ber der Gesellschaft als &#228;usserer K&#246;rper, als Parasit: Er macht nichts anderes, als &lt;i&gt;die Entfremdung&lt;/i&gt; zu vergegenst&#228;ndlichen &#8211; hier verstanden ohne jegliche humanistische, essentialistische oder psychologische Konnotation &#8211; d.h. die Diskrepanz zwischen individueller und global gesellschaftlicher T&#228;tigkeit. Eine Diskrepanz, welche die grossen modernen b&#252;rgerlichen Denker unaufh&#246;rlich thematisierten, von Mandeville bis Max Weber, und dazwischen Hobbes, Vico, Smith und Hegel, einerseits in ihrer optimistischen Form der privaten Laster, die zu &#246;ffentlichen Tugenden werden, andererseits in der pessimistischen Form der guten Vors&#228;tze, welche den Weg zur H&#246;lle pflastern.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_44 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L302xH181/100002010000012e000000b51a03916105f5d1e0-0c5ad.png?1689274125' width='302' height='181' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zum Verh&#228;ltnis zwischen Proletariat und Kapital ist der Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft kein Widerspruch, er ist der Motor von nichts und untergr&#228;bt nicht die Grundlagen seiner eigenen Reproduktion; doch das bedeutet nicht, dass er nicht konkrete &lt;i&gt;Auswirkungen&lt;/i&gt; hervorbringt. Bez&#252;glich diesem die Individuen transzendierenden Zusammenhang zwischen Individuen muss allen voran der unabwendbare Druck unterstrichen werden, welche er unmittelbar auf die Individuen selbst aus&#252;bt. Der verbindliche Zwang der Gesellschaft k&#246;nnte nicht besser dargestellt werden als im ber&#252;hmten Bild des Leviathans, dessen K&#246;rper eben genau aus einer Vielzahl von Individuen besteht. Gem&#228;ss Hobbes ist der Leviathan der gr&#246;sste Zwang, denn er &#8222;kommt von allen&#8220;, und niemand kann sich ihm entziehen, denn jeder ist ungewollt daran beteiligt. Im Gegensatz zu den verworrenen Konzeptionen der Vertragstheorie, die auf ihn folgen, ist der (komplett fiktive) Gesellschaftsvertrag von Hobbes nicht ein Vertrag zwischen dem Staat und den Individuen, sondern ein Vertrag &lt;i&gt;zwischen den Individuen&lt;/i&gt;, der &lt;i&gt;logischerweise&lt;/i&gt; dem Staat &lt;i&gt;vorausgeht&lt;/i&gt; und seine Existenz gr&#252;ndet. Was ist dieser imagin&#228;re Vertrag, wenn nicht die ideologische &#220;bertragung &#8211; der Vertrag als Resultat einer &#8222;freien Entscheidung&#8220; &#8211; eines objektiven Zusammenhanges, den das Individuum als immer schon vorhanden vorfindet? Obwohl letzteres ihn &#8211; wie es Marx formuliert &#8211; als reines Mittel benutzen kann, um seine eigene Individualit&#228;t zu vergegenst&#228;ndlichen, erweist sich dieser instrumentale Gebrauch jenseits einer gewissen Schwelle als konterproduktiv. Das ist der wahre Kern, der im an uns als Teenager von unseren Eltern gerichteten Vorwurf enthalten ist: &#8222;...und wenn es alle so machen w&#252;rden wie du?&#8220; Wir zuckten nat&#252;rlich mit den Schultern und sahen &#8211; unter Androhung von lauten Ohrfeigen &#8211; von der einzigen Antwort ab, die uns in den Sinn kam (&#8222;Das ist uns scheissegal!&#8220;). Aber wenn man die Frage ernst nehmen m&#246;chte, m&#252;sste man antworten, dass &lt;i&gt;die Gesellschaft f&#228;hig ist, sich zu verteidigen&lt;/i&gt;. Dort, wo sich der gesellschaftliche Druck auf das Individuum (durch Verbote, Br&#228;uche, Normen usw.) lockert, verkehrt sich der anf&#228;ngliche Gewinn an individueller Autonomie, wenn er dazu tendiert, sich zu verallgemeinern, in sein Gegenteil, denn das Zusammenleben verschlechtert sich dermassen, dass die privaten Ziele aller kompromittiert sind. Und zu diesem Zeitpunkt wird ein Verteidigungsmechanismus aktiviert, der zum Ziel hat, ein Umfeld wieder herzustellen, in welchem die Erm&#228;chtigung des Individuums wieder m&#246;glich wird. Diesbez&#252;glich geht es selbstverst&#228;ndlich nur um die Grenzen, innerhalb welcher sich die &#8211; stets partielle &#8211; Hervorbringung des gesellschaftlichen Individuums innerhalb gesellschaftlicher und besonders kapitalistischer Klassenformationen in einem Kontext des relativen zivilen Friedens bewegt. Dieser Diskurs stellt weder die Unterteilung der Gesellschaft in Klassen, noch den Klassencharakter des Staates in Frage. Doch er erkl&#228;rt, weshalb sich die Individuen und besonders die proletarischen Individuen unter gewissen Bedingungen veranlasst sehen, &lt;i&gt;den gesellschaftlichen Druck zu verst&#228;rken&lt;/i&gt;, d.h. den Spielraum der individuellen (gesellschaftlich akzeptierten und/oder juristisch erlaubten) Autonomie als Anerkennung der Effizienz ihres gegenseitigen Zusammenhanges zu reduzieren. Gibt es f&#252;r die Schw&#228;chsten eine andere Art und Weise, gegen den Neomalthusianismus zu k&#228;mpfen, wenn die pers&#246;nliche Freiheit die Freiheit des Virus im freien H&#252;hnerstall ist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend dieser Verbindung muss die aussergew&#246;hnliche Widerstandsf&#228;higkeit unterstrichen werden. Die Anh&#228;nger &#8222;des Zusammenbruches des Kapitalismus&#8220; und andere &lt;i&gt;Kollapsologen&lt;/i&gt; haben nicht nur ein kurzes Ged&#228;chtnis, sondern auch eine total verdinglichte Sichtweise der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. In China hat der Zusammenbruch der industriellen Produktion 1961 fast 40% erreicht; in Russland 1992 25%. In den USA betrug er zwischen Juli 1929 und M&#228;rz 1933 insgesamt 52%. Wieso haben solche Katastrophen, die allenfalls Hungersn&#246;te oder demographischen Zusammenbruch zur Folge haben, nie gereicht, um zum Verfall der bestehenden Produktionsverh&#228;ltnisse zu f&#252;hren? Schlicht und einfach, weil die Gesellschaft nicht eine Addition von Individuen und/oder Gegenst&#228;nden (seien es Fabriken) ist. Das d&#252;rfte reichen, um sich von zwei alles in allem ziemlich banalen Dingen zu &#252;berzeugen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Erstens sind die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse etwas vom unergr&#252;ndlichsten und unentzifferbarsten und die Reproduktion der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse erfordert manchmal immense Opfer unter ihren materiellen Tr&#228;gern (Dinge und Personen);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; zweitens und aus dem gleichen Grund k&#246;nnen diese Verh&#228;ltnisse weder absichtlich modifiziert, noch von einem Automatismus der Geschichte (einem &#8222;Zusammenbruch&#8220; zum Beispiel) aufgel&#246;st werden. Das bedeutet nicht, dass die kapitalistische Produktionsweise ewig ist, aber dass die Frage, wie sie &#252;berwunden werden kann, eine &lt;i&gt;theoretische&lt;/i&gt; Frage im wahrsten Sinne des Wortes ist, die ernst genommen und systematisch behandelt werden muss. Jene, welche sich damit begn&#252;gen, Parolen zu br&#252;llen, machen sich nicht nur l&#228;cherlich, sondern umgehen auch die Frage, statt sie zu beantworten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollte schliesslich angemerkt werden, dass die Demontage der Globalisierung sehr wahrscheinlich einen Widerruf jener Postulate implizieren wird, bez&#252;glich welchen sich die heftigsten Kritiker des Kapitalismus und seine Apologeten eine Zeit lang einig sein konnten, besonders der antidialektischen &#220;berzeugung, die &#196;ra des Staatskapitalismus und der damit verbundenen Problematiken sei &lt;i&gt;definitiv&lt;/i&gt; &#252;berwunden. Die &#220;berwindung der Globalisierung, sollte sie gelingen, wird gewiss keine R&#252;ckkehr zum alten Keynesianismus sein. Sind wir allerdings nicht schon dabei, ein &lt;i&gt;neues Ende des laisser-faire&lt;/i&gt; zu erleben? In diesem Sinne sollte angemerkt werden, dass, entgegen unserer eigenen Prognosen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Il lato cattivo, &#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh4-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die &lt;i&gt;big bazooka&lt;/i&gt; weiterhin schiesst. Und nicht nur ein bisschen! Man kann jedoch jetzt schon bekr&#228;ftigen, dass ihre zuk&#252;nftigen Auswirkungen und Modalit&#228;ten im Verlauf der Monate immer weniger jenen der vorhergehenden Sch&#252;sse &#228;hneln werden. Trotz den wiederholten Versuchen, eine Kettenreaktion der Konkurse zu verhindern und verfaulte Banken durch eine massive Injektion von Geldfl&#252;ssigkeit und einfachen Krediten zu retten, besteht der Graben zwischen rentablen Unternehmen mit wirklichen Kapazit&#228;ten der Selbstfinanzierung und Investition &#8211; die nicht zahlreich sind, aber sie existieren sehr wohl &#8211; und den untergehenden Unternehmen fort und vertieft sich. Nur erstere werden sich auf autonome Art und Weise dem aus dem aktuellen Schlamassel hervorgehenden wirtschaftlichen und produktiven &#214;kosystem anpassen k&#246;nnen. Wahrscheinlich werden viele andere gerettet und eventuell verstaatlicht werden m&#252;ssen, doch das wird nur unter gewissen Bedingungen geschehen und nur wenn sie als strategisch betrachtet werden. Donald Trump hat schon seine Unterst&#252;tzung f&#252;r die Idee eines Verbots der &lt;i&gt;buybacks&lt;/i&gt; &#8211; d.h. des Kaufs der eigenen Titel, um ihren Wert an der B&#246;rse zu steigern &#8211; f&#252;r die geretteten Unternehmen ausgedr&#252;ckt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Trump Says He Wants Stock Buybacks Prohibited in Virus Stimulus&#8220; in (...)&#034; id=&#034;nh4-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Dies w&#252;rde schon ein erstes Kriterium der Konditionalit&#228;t (die Wiederbelebung der Investitionen) f&#252;r den &lt;i&gt;bailout&lt;/i&gt; setzen. Zudem drohen die Entwicklungen der n&#228;chsten Monate, in Anbetracht des von den amerikanischen Unternehmen Ende 2019 erreichten Verschuldungsgrades (15.5 Billionen Dollar sowohl grosser als auch kleiner und mittlerer Unternehmen), die alte Frage des Beginns des letzten Jahrhunderts zum Verschwinden zu bringen: &lt;i&gt;Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus?&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Werner Sombart.&#034; id=&#034;nh4-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es versteht sich von selbst, dass das nicht ohne eine Umstellung einer betr&#228;chtlichen Fraktion der amerikanischen und &#8211; indirekt &#8211; internationalen kapitalistischen Klasse weg von der Verteidigung des ultraliberalen Status Quo hin zu einer offenen Haltung gegen&#252;ber hohen Dosen an gelenkter Volkswirtschaft und Dirigismus geschehen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auf der anderen Seite des Pazifiks? China ist selbstverst&#228;ndlich weder in keiner Weise gesch&#252;tzt vor der ausbrechenden allgemeinen Krise, noch unbeteiligt an den wirtschaftlichen Pathologien, die den Rest der Welt heimsuchen (besonders die &#220;berverschuldung). Die von der Wirtschaftspresse ver&#246;ffentlichten Zahlen sprechen von einer Senkung von 13.5% der industriellen Produktion Chinas zwischen Januar und Februar. Das ist kein Pappenstiel und es ist auch m&#246;glich, dass die Zahl zu tief gesch&#228;tzt ist, doch f&#252;hren wir uns vor Augen, dass es sich in diesem Fall nur um zwei Monate handelt, w&#228;hrend die Daten sich in den weiter oben zitierten Beispielen auf viel l&#228;ngere Zeitr&#228;ume beziehen. Fortsetzung folgt. Die grundlegende Unbekannte ergibt sich aus der auf chinesischem Boden g&#252;ltigen Dreiteilung der Kapitale (Staatsunternehmen, chinesische Privatunternehmen, ausl&#228;ndische oder hybride Unternehmen), die in den Auslegungen in Begriffen der nationalen Buchhaltung (BIP usw.) regelm&#228;ssig verschleiert werden: Wie werden die Verluste unter diesen drei Fraktionen aufgeteilt werden? Die chinesische Wirtschaft ist nicht im Block gegossen, sie ist eine Cremeschnitte. Kann man dennoch die Tatsache vernachl&#228;ssigen, dass der chinesische &lt;i&gt;Staat&lt;/i&gt; im Moment bez&#252;glich internationaler Beziehungen die einzige Macht ist, die eine Anziehung, eine Zentripetalkraft aus&#252;bt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Verlauf der letzten Wochen hat China die Erz&#228;hlung der Epidemie neu geschrieben und sie von einer Geschichte der Skandale, der Verschleierung und der schlechten Verwaltung der chinesischen Regierung in eine Geschichte des Triumphs, der Kraft und der Grossz&#252;gigkeit der Chinesen, oder gar der &#220;berlegenheit ihres Regierungssystems verwandelt. Die Funktionsst&#246;rungen des Weissen Hauses, und vielleicht bis zu einem gewissen Grad auch jene von Downing Street, haben der chinesischen Regierung gewiss geholfen, diese Erz&#228;hlung zu konsolidieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Yangyang Cheng, Cornell University.&#034; id=&#034;nh4-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt keine Solidarit&#228;t Europas. Es ist ein M&#228;rchen auf Papier. Ich glaube an meinen Bruder und Freund Xi Jinping und an die Hilfe Chinas. Was alle anderen betrifft, danke, dass ihr nichts getan habt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aleksandar Vu&#269;i&#263;, Pr&#228;sident der Republik Serbiens, 17. M&#228;rz 2020.&#034; id=&#034;nh4-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Afrikanische Union hat schon 2&#8216;000 Test-Kits von der chinesischen Regierung bekommen und rechnet mit 10&#8216;000 weiteren sowie anderen dringend notwendigen medizinischen Lieferungen, die gebraucht werden, um die Ausbreitung von Covid-19 auf dem Kontinent zu bek&#228;mpfen. Die Verteilung der gespendeten medizinischen Ausr&#252;stung ist von den Afrikanischen Zentren f&#252;r Krankheitsbek&#228;mpfung und Schutzmassnahmen der Afrikanischen Union in &#196;thiopien zentralisiert worden. Jack Ma, ein chinesischer Tech-Milliard&#228;r und Mitgr&#252;nder der Online Shopping Plattform Alibaba, versprach, mithilfe seiner Stiftungen 20&#8216;000 Test-Kits, 100&#8216;000 Masken und 1&#8216;000 Schutzanz&#252;ge an jeden der 54 afrikanischen Staaten zu spenden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zeenat Hansrod, &#8222;China Makes Massive Donations of Medical Supplies to (...)&#034; id=&#034;nh4-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im letzten Zitat erw&#228;hnten Spenden m&#246;gen &lt;i&gt;peanuts&lt;/i&gt; sein, doch was taten die anderen Riesen der Welt in der Zwischenzeit? Nichts. Grossbritannien, Frankreich und Japan schickten im Januar einige Masken nach China, um den Schein zu wahren, sie hofften tief im Herzen, dass die Epidemie der Welt alle Probleme und R&#252;ckst&#228;nde dessen ans Licht bringen w&#252;rde, was in ihren Augen grunds&#228;tzlich nie aufgeh&#246;rt hat, &lt;i&gt;the sick man of Asia&lt;/i&gt; zu sein. Jetzt zeigt sich: Wer anderen eine Grube gr&#228;bt, f&#228;llt selbst hinein. Dies bringt uns zum chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt; und zur Thukydides-Falle zur&#252;ck. Vor genau 160 Jahren prophezeite Marx:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dann wird der Stille Ozean dieselbe Rolle spielen wie jetzt das Atlantische und im Altertum und Mittelalter das Mittell&#228;ndische Meer &#8211; die Rolle der gro&#223;en Wasserstra&#223;e des Weltverkehrs; und der Atlantische Ozean wird herabsinken zu der Rolle eines Binnensees, wie sie jetzt das Mittelmeer spielt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Friedrich Engels, &#8222;Revue&#8220; in Neue Rheinische Zeitung, (...)&#034; id=&#034;nh4-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist unsere j&#252;ngste Vergangenheit und unsere Gegenwart. Vielleicht nicht mehr lange. Es ist unm&#246;glich, zu wissen, was darauf folgen wird. Um einen anderen ber&#252;hmten und kontroversen Deutschen zu paraphrasieren: Das Schicksal der Weltgeschichte wird einmal mehr eine Geschichte des Kampfes von Seem&#228;chten gegen Landm&#228;chte und von Landm&#228;chten gegen Seem&#228;chte sein &#8211; ein Kampf, wovon der kriegerische Ausgang immer noch der wahrscheinlichste ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eben genau betreffend der milit&#228;rischen Frage zeigt die j&#252;ngste Exhumierung des Themas der &#8222;Aufstandsbek&#228;mpfung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Chuang, &#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in (...)&#034; id=&#034;nh4-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; einmal mehr die Kluft zwischen einem gewissen aktivistischen oder &#8222;radikalen&#8220; &lt;i&gt;storytelling&lt;/i&gt; und der Wirklichkeit. Dass die Doktrinen und die Praktiken der Aufstandsbek&#228;mpfung zum Ziel haben, Massenbewegungen niederzuschlagen oder in Schach zu halten, ist schlicht und einfach absurd. In Wirklichkeit betreffen sie Kontexte der milit&#228;rischen Intervention im Ausland, in welchen die Feinde minorit&#228;re kriegf&#252;hrende Subjekte sind, die jedoch un&#252;bersichtlich und innerhalb einer bunt gemischten, mehrheitlich feindlichen Zivilgesellschaft zerstreut sind, welche von der Besatzungsmacht so gut wie m&#246;glich kooptiert werden muss. Die &lt;i&gt;insurgency&lt;/i&gt; gegen die &lt;i&gt;counterinsurgency&lt;/i&gt; ist der Bandenkrieg, die Guerilla, die Handlung der Partisanen. Es handelt sich nicht um &lt;i&gt;riot&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;insurrection&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;uprising&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;upheaval&lt;/i&gt;. Es ist nat&#252;rlich m&#246;glich, dass diese Doktrinen und Praktiken gegen Bev&#246;lkerungen des gleichen Staates benutzt werden k&#246;nnen wie jener, welchem die sie anwendende Armee angeh&#246;rt &#8211; obwohl es nicht ihr urspr&#252;nglicher oder vorherrschender Zweck ist. Doch das setzt einen &#228;hnlichen Kontext voraus wie jener einer Intervention im Ausland, so wie wir sie eben beschrieben haben, zum Beispiel ein Sezessionsversuch nationaler Minderheiten. Was den Rest betrifft, kann der &#8211; wie auch immer geartete &#8211; Einsatz der Armee nie etwas anderes als erg&#228;nzend zu jenem der Polizei sein, aus dem einfachen Grund, dass der Kontext nicht undurchsichtig ist und die Funktionen der &lt;i&gt;intelligence&lt;/i&gt; und der Kontrolle des Territoriums &#8211; auf eine &lt;i&gt;mit den verf&#252;gbaren Mitteln&lt;/i&gt; kompatible Art und Weise &#8211; schon abgedeckt sind. Somit kommt Zweifel auf: War die ber&#252;hmte &#8222;Militarisierung der Territorien&#8220; &#8211; in Italien und anderswo &#8211; nur ein Projektionsschirm, hinter welchem sich die Unterfinanzierung der Bullen versteckte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das ist nicht alles. Wenn es, wie es der Fall ist, wahr ist, dass die Doktrinen der Aufstandsbek&#228;mpfung Gegenstand zahlreicher, vom Ort ihrer Herkunft selbst (der amerikanischen Armee) kommender Kritiken waren und eine &#8211; freilich nicht einheitliche &#8211; Gegenbewegung der &#8222;R&#252;ckkehr zu den Grundlagen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r jene, welche das Thema vertiefen m&#246;chten, gibt es eine ausschweifende (...)&#034; id=&#034;nh4-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ausl&#246;sten, so h&#228;ngt das nicht nur mit den ungl&#252;cklichen Resultaten der Missionen im Irak, in Afghanistan usw. zusammen &#8211; vor allem, wenn man sie mit den Kosten und der banalen Feststellung vergleicht, dass &#8222;vollst&#228;ndig regul&#228;re bewaffnete Kr&#228;fte, ohne Doktrin der Aufstandsbek&#228;mpfung oder besonderem Training, in der Vergangenheit regelm&#228;ssig Aufst&#228;ndische besiegten, indem sie einige bew&#228;hrte Methoden benutzten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Edward N. Luttwak, &#8222;Modern War: Counterinsurgency as Malpractise&#8220; in (...)&#034; id=&#034;nh4-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn der Ansatz der Aufstandsbek&#228;mpfung ist gleichwesentlich mit dem &lt;i&gt;unipolaren amerikanischen Moment&lt;/i&gt;: Eine Welt, in welcher die milit&#228;rische Intervention und Besatzung als etwas konzipiert werden konnten, das losgel&#246;st von einem konsequenten Einsatz von Bodentruppen und der Einsetzung einer Regierung oder Verwaltung im besetzten Territorium war; eine Welt, in welcher man glauben konnte, dass es keine grossen Kriege mehr geben w&#252;rde, ausser gegen das Proletariat oder die &#8222;Verdammten dieser Erde&#8220; in den peripheren L&#228;ndern. Das Problem ist, dass sich diese Welt in Benghasi und Aleppo in Schall und Rauch verwandelt hat. Jene, welche beim Bericht der NATO von 2003 (&#8222;Urban Operations in the Year 2020&#8220;) stehen geblieben sind, haben wom&#246;glich einige Episoden im Verlauf der letzten 17 Jahre verpasst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Vorhergehende &#228;ndert nichts oder fast nichts an der Gesamtlage: Das Eintreten in eine besonders krampfhafte und entscheidende historische Phase, deren Ausgang offen ist und in letzter Instanz vom Klassenkampf abh&#228;ngen wird (und dies vor allem auf beiden Seiten des Pazifiks). Je weiter wir im Unwetter fortschreiten, desto geringer wird die &#8222;Sichtweite&#8220;. Und insoweit als akkumulierte/&#252;bermittelte &#8222;revolution&#228;re&#8220; Gewissheiten der allt&#228;glichen Erkundung Platz machen werden m&#252;ssen, werden &#220;berlegungen wie diese und die Existenz theoretischer &#8222;Pole&#8220; selbst wie unserem ihre Daseinsberechtigung verlieren. Es ist weniger eine Frage der Wahl, denn eine Frage einer allgemeinen &#196;nderung der &#8222;Atmosph&#228;re&#8220;: &lt;i&gt;Die ruhigen Zeiten sind vorbei&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/http://illatocattivo.blogspot.com/2020/04/covid-19-e-oltre.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/http://dndf.org/?p=18437&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Franz&#246;sische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/https://rentry.co/covid19ymasalla&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb4-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Elias Canetti.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Ausl&#246;sung der gegenw&#228;rtigen Pandemie selbst &#8211; genau wie jene der notorischsten Epidemien der j&#252;ngsten Vergangenheit (Ebola, SARS, MERS, Zika usw.) &#8211; kann nicht als ein strikt &#8222;nat&#252;rliches&#8220; Ereignis betrachtet werden, da der sogenannte &lt;i&gt;spillover&lt;/i&gt;, d.h. die &#220;bertragung &#8222;neuer&#8220; Virenarten von den Tieren auf die Menschen, durch den Druck der kapitalistischen Produktionsweise auf die Umwelt beg&#252;nstigt wird. Siehe Laura Scillitani, &lt;a href=&#034;https://www.scienzainrete.it/articolo/aids-hendra-nipah-ebola-lyme-sars-mers-covid%E2%80%A6/laura-scillitani/2020-03-18&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Aids, Hendra, Nipah, Ebola, Lyme, Sars, Mers, Covid&#8230;&#8220;&lt;/a&gt;, 18. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vor mehr als einem Jahr machten wir eine Bestandesaufnahme der &#220;berverschuldung, sowohl &lt;i&gt;corporate&lt;/i&gt; als auch &lt;i&gt;non-financial&lt;/i&gt;. Siehe Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2018/12/il-demos-il-duce-e-la-crisi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;&lt;/a&gt;, Januar 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Heute ist [in Grossbritannien] ein Hektar Land hundertmal rentabler, wenn auf ihm gebaut, als wenn er f&#252;r die Landwirtschaft genutzt wird.&#8220; Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2019/12/15/land-and-the-rentier-economy/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Land and the Rentier Economy&#8220;&lt;/a&gt;, 15. Dezember 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Observatorium GIMBE, &lt;a href=&#034;https://www.gimbe.org/osservatorio/Report_Osservatorio_GIMBE_2019.07_Definanziamento_SSN.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il definanziamento 2010-2019 del Sistema sanitario nazionale&#8220;&lt;/a&gt;, September 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2017/09/foto-dal-finestrino.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Foto dal finestrino&#8220;&lt;/a&gt;, September 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Behelfsm&#228;ssige &#220;bersetzung des Begriffs &lt;i&gt;lo stato coglione&lt;/i&gt;, den Bordiga im Text &#8222;Struttura economica e sociale della Russia d&#8216;oggi&#8220; verwendete. Eine deutsche &#220;bersetzung davon scheint nicht zu existieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pr&#228;zisieren wir, falls es notwendig ist, dass das Recht auf Abtreibung oder die Verh&#252;tungspille &#8211; die wir ohne zu z&#246;gern als aussergew&#246;hnliche Errungenschaften hinsichtlich der bewussten Regulierung seiner eigenen Reproduktion durch das menschliche Geschlecht definieren &#8211; hier nicht in Frage gestellt werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Urtext von &#8222;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&#8220;&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;Grundrisse der Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, Berlin, Dietz Verlag, 1953, S. 909.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Einleitung von 1857&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 13, S. 615.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Il lato cattivo, &#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-20/trump-says-he-wants-stock-buybacks-prohibited-in-virus-stimulus&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Trump Says He Wants Stock Buybacks Prohibited in Virus Stimulus&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Bloomberg&lt;/i&gt;, 20. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Werner Sombart.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Yangyang Cheng, Cornell University.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aleksandar Vu&#269;i&#263;, Pr&#228;sident der Republik Serbiens, 17. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zeenat Hansrod, &lt;a href=&#034;http://www.rfi.fr/en/international/20200323-china-africa-coronavirus-alibaba-health-medical-equipment&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;China Makes Massive Donations of Medical Supplies to Fight Coronavirus in Africa&#8220;&lt;/a&gt;, RFI, 23. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, Friedrich Engels, &#8222;Revue&#8220; in &lt;i&gt;Neue Rheinische Zeitung&lt;/i&gt;, Januar/Februar 1850 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 7, S. 221.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/aktuell/a112_socialcontagion.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2020, mehrere &#220;bersetzungen davon zirkulieren online. Ein freilich sehr interessanter Text, der jedoch mit Vorbehalt gelesen werden muss. Abgesehen von einigen mehr als zweifelhaften Irrungen bez&#252;glich der Aufstandsbek&#228;mpfung und einer gewissen Ambivalenz &#252;ber das gesellschaftliche Wesen des maoistischen Chinas, ist die Einsch&#228;tzung der Massnahmen gegen Covid-19 in der Region Hubei klar durch eine Untersch&#228;tzung der Reaktionsf&#228;higkeit des Zentralstaats verzerrt. Der gewiss stimulierendste Vorschlag des Textes, der am ehesten geteilt werden kann, ist folgender: &#8222;Auf theoretischer Ebene bedeutet dies, zu verstehen, dass die Kapitalismuskritik verarmt, wenn sie von den harten Wissenschaften abgetrennt wird.&#8220; (Ad&#220;: Der letzte Teil des Textes wurde in der &#220;bersetzung von &lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt; kommentarlos weggelassen, w&#228;hrend die Passage in einer &lt;a href=&#034;https://barrikade.info/article/3274&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;anderen &#220;bersetzung&lt;/a&gt; f&#228;lschlicherweise als eine &#8222;Kritik an den &#8218;harten Wissenschaften&#8216;&#8220; dargestellt wird. Wer des Englischen m&#228;chtig ist, liest am besten die &lt;a href=&#034;http://chuangcn.org/2020/02/social-contagion/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion&lt;/a&gt;.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r jene, welche das Thema vertiefen m&#246;chten, gibt es eine ausschweifende Bibliographie. Der heftigste Kritiker der Aufstandsbek&#228;mpfung innerhalb der amerikanischen Armee ist der Oberst Gentile. Siehe Gian P. Gentile, &#8222;A Strategy of Tactics: Population-Centric COIN and the Army&#8220; in &lt;i&gt;Parameters&lt;/i&gt;, Nr. 39, Herbst 2009; Gian P. Gentile, &#8222;Les mythes de la contre-insurrection et leurs dangers: une vision critique de l&#8216;US Army&#8220; in &lt;i&gt;S&#233;curit&#233; globale&lt;/i&gt;, Nr. 10, 2009, S. 21-34; Gian P. Gentile, &lt;i&gt;Wrong Turn: America&#8216;s Deadly Embrace of Counterinsurgency&lt;/i&gt;, The New Press, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Edward N. Luttwak, &#8222;Modern War: Counterinsurgency as Malpractise&#8220; in &lt;i&gt;Politique &#233;trang&#232;re&lt;/i&gt;, 2006/4, S. 859-861.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Doc Sportello - Das Coronavirus, die Konservendosen und das Klopapier</title>
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&lt;p&gt;Die deutsche Linke ist emp&#246;rt. Der Grund der Emp&#246;rung? Die Regale sind leer! Weshalb? Die Intellektuellen wissen es, wegen dem dummen deutschen P&#246;bel nat&#252;rlich: &#8222;Wenn alle die Nudelregale st&#252;rmen, sichert man sich lieber auch seinen Anteil. Wenn alle mit Atemmasken rumlaufen, wird schon irgendwas dran sein. Entsprechend warnen &#214;konomen bereits vor gef&#228;hrlichem &#8218;Herdenverhalten&#8216;, das sich angesichts des schockierenden Anblicks leerer Regale immer weiter selbst befeuere.&#8220; Es steht der (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://kommunisierung.net/IMG/logo/arton67.jpg?1689274653' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die deutsche Linke ist emp&#246;rt. Der Grund der Emp&#246;rung? Die Regale sind leer! Weshalb? Die Intellektuellen wissen es, wegen dem dummen deutschen P&#246;bel nat&#252;rlich: &#8222;Wenn alle die Nudelregale st&#252;rmen, sichert man sich lieber auch seinen Anteil. Wenn alle mit Atemmasken rumlaufen, wird schon irgendwas dran sein. Entsprechend warnen &#214;konomen bereits vor gef&#228;hrlichem &#8218;Herdenverhalten&#8216;, das sich angesichts des schockierenden Anblicks leerer Regale immer weiter selbst befeuere.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Heiko Werning, &#8222;Das d&#252;nne Eis der Zivilisation&#8220; in taz, 02.03.20.&#034; id=&#034;nh5-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es steht der schreckliche Verdacht im Raum, dass das doch alle Prepper sind: &#8222;Die K&#246;nige des Hamsterns aber sind die Prepper. Als extremistische Spinner verlacht, r&#252;sten sie sich seit Jahren generalstabsm&#228;&#223;ig f&#252;r Tag X, der je nach psychisch-politischer Disposition ausgel&#246;st wird vom n&#228;chsten Virus, dem Einschlag eines Kometen, der Landung der Au&#223;erirdischen oder einem durch die Umvolkungspl&#228;ne der Geheimregierung heraufbeschworenen B&#252;rgerkrieg. Um gewappnet zu sein, legen sie sich unterirdische Vorratsr&#228;ume an und stopfen sie voll mit Survival-Food, Waffen und Brennstoffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zumindest ganz kurz hat der Autor einen Anflug von Vernunft: &#8222;Dabei war das Hamstern &#8211; also das Anlegen von Vorr&#228;ten &#252;ber den aktuellen Bedarf hinaus &#8211; einst h&#246;chst rational und letztlich die Grundlage unserer Zivilisation. Der Schritt vom J&#228;ger und Sammler zum sesshaften, Landwirtschaft betreibenden und energieeffiziente Townhouses in die Gegend stellenden Menschen w&#228;re ohne Vorratshaltung undenkbar gewesen. Erst der Kornspeicher erm&#246;glichte das Ausharren an einem Ort auch jenseits von Vegetationsperiode und Erntesaison sowie das &#220;berstehen ung&#252;nstiger Jahreszeiten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Aber nein, ganz am Schluss kommt ein L&#246;sungsvorschlag, der ganz im postmodernen Zeitgeist liegt, so sollen wir uns doch einfach alle in Reptilien verwandeln: &#8222;Vielleicht ist das ganze Gehamstere aber auch einfach nur Ausdruck eines evolution&#228;ren Irrwegs. Ganz entspannt d&#246;sen Python und Krokodil schlechten Zeiten entgegen. Dank ihres Stoffwechsels k&#246;nnen sie auch ein, zwei Jahre lang ganz auf Nahrung verzichten und einfach mal Ruhe geben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bedauerlicherweise kommen diese moralischen Verurteilungen nicht nur von den &#252;blichen Verd&#228;chtigen im linken Akademie-Betrieb, ein Genosse auf Twitter findet es ebenfalls &#8222;Peinlich&#8220;, ein anderer teilt eine Karikatur von Professor Guido K&#252;hn, die insinuiert, dass das bestimmt die gleichen Leute sind, die Greta der &#8222;Hysterie&#8220; bezichtigen. Es sollte diesbez&#252;glich erst einmal bemerkt werden, dass sie an der Demonstration in Lausanne ziemlich unmissverst&#228;ndlich gezeigt hat, dass sie nicht als Genossin betrachtet werden kann: &#8222;&#8218;Ich danke allen, die heute gekommen sind und ihre sch&#246;nen Gesichter gezeigt haben&#8216;, sagt sie, wohl in Anspielung auf die Vermummten vom Schwarzen Block, die von der Polizei aus der Menge herausgefischt worden sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rico Bandle, &#8222;Greta, meine Tochter und ich&#8220; in Tagesanzeiger, 21.01.20.&#034; id=&#034;nh5-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Klimak&#228;mpfer von Extinction Rebellion haben vor Kurzem die gleichen Massnahmen zur Rettung des Klimas gefordert wie im Kampf gegen das Coronavirus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Antoine Schaub, &#8222;L'&#233;pid&#233;mie de coronavirus, fen&#234;tre sur un monde au climat (...)&#034; id=&#034;nh5-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Quarant&#228;ne f&#252;r alle zur Rettung des Klimas? Welch sch&#246;nes Programm! Nein, ein solcher Schluss w&#228;re hysterisch, die Hippies meinen es bestimmt gut mit uns!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schluss mit Ochsenschwanzsuppe und Leberk&#228;se aus der Dose, wenn sie die Macht &#252;bernehmen, werden sie uns alle mit ausreichend Bio-Quinoa, Bio-Tofu und Bio-Gem&#252;se versorgen (indem sie uns dazu zwingen werden, es zu produzieren). Eine permanent tagende Ethik-Kommission wird jede unserer Handlungen kontinuierlich auf ihre Sozial- und Umweltvertr&#228;glichkeit hin pr&#252;fen. Unsere Gesellschaft wird unter der Aufsicht einer linken Expertenschaft endlich verantwortungsbewusst handeln. Und wer nicht spurt, kommt in den selbstverwalteten Gulag und muss von morgens bis abends B&#228;ume pflanzen, um seinen CO2-Fussabdruck zu kompensieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man diesen ganzen &#214;ko-Reformisten so zuh&#246;rt, stellt man sich unweigerlich die Frage, ob der Untergang der Welt nicht eine attraktivere Alternative w&#228;re als ihre Machtergreifung. &#214;ko-Malthusianismus ist bei Linken en vogue, so hat sich z.B. David Graeber auf Twitter dar&#252;ber gefreut, dass das Coronavirus zu weniger Luftverschmutzung f&#252;hrt, schliesslich ist es offensichtlich, dass es der Welt nur deshalb so schlecht gehen kann, weil sich das Proletariat ab und zu Urlaub g&#246;nnt, obwohl die ja eh alle rassistisch sind und eigentlich nicht ins Ausland fahren d&#252;rften. Retten wir also gemeinsam mit der kapitalistischen Klasse die Welt! Wir d&#252;rfen dabei auch manchmal ein bisschen frech sein und ihr vorwerfen, sie sei fies, weil sie ihre Pl&#228;ne immer noch nicht den bahnbrechenden Forschungsresultaten angepasst hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ihr Plan kann kein anderer sein als die kontinuierliche Ausbeutung von Mensch und Natur. Kein Virus der Welt kann diesen Plan stoppen, ausser er w&#252;rde die gesamte Menschheit vernichten. Das Beispiel von Norditalien zeigt, dass Schlangen vor Superm&#228;rkten und Lieferengp&#228;sse sehr wohl realistische Perspektiven sind, wieso sollte man also den Leuten vorwerfen, ihr Verhalten sei &#8222;irrational&#8220;? Die &#8222;Hamsterk&#228;ufe&#8220; sind wohl gr&#246;sstenteils das Werk des Proletariats und der niederen Mittelklassen. Die Bourgeoisie braucht sich keine Sorgen zu machen, sie hat genug Reserven. Der Lieferdienst ihres Vertrauens wird ihnen unter Quarant&#228;ne schon was bringen, m&#246;ge es auch f&#252;nfmal teurer sein als sonst, f&#252;r etwas sind Ersparnisse schliesslich da. Je &#228;rmer, desto weniger Zeit und Geld hat man zur Verf&#252;gung, das sollte eigentlich nicht betont werden m&#252;ssen, es scheint jedoch gelegentlich vergessen zu gehen. Wer alt und/oder krank ist, hat durchaus ein rationales Interesse, das Infektionsrisiko zu reduzieren, es ist offensichtlich h&#246;her als f&#252;r Junge und/oder Gesunde. Vielleicht sollten wir sie einfach selber bestimmen lassen, wie viele Dinge sie kaufen m&#246;chten, umso mehr, weil sie wohl meistens sowieso gar nicht so viele kaufen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Kapital geht es selbstverst&#228;ndlich nicht darum, &#8222;uns&#8220; zu besch&#252;tzen, sondern seine Interessen. Es zeigt uns, dass es die Klaviatur der Biomacht durchaus beherrscht. Alles bleibt demokratisch, aber wir k&#246;nnen pl&#246;tzlich wegen unserem Raucherhusten zwei Wochen unter Quarant&#228;ne stehen oder unsere Region kann pl&#246;tzlich von der Aussenwelt abgeschnitten sein. Wenn wir zuerst aus der Quarant&#228;ne ausbrechen m&#252;ssen, bevor wir mit der Kommunisierung beginnen k&#246;nnen, wird es noch viel komplizierter, als es ohnehin schon war. Statt sich &#252;ber das Verhalten des Proletariats ausserhalb der Szeneblase zu beklagen, sollten wir vielleicht gescheiter dar&#252;ber nachdenken, wie wir solidarische Netzwerke organisieren k&#246;nnen, um unsere Freundinnen und Freunde, unsere Genossinnen und Genossen zu unterst&#252;tzen, wenn sie pl&#246;tzlich unter Quarant&#228;ne stehen oder kein Einkommen mehr haben. Aber lassen wir doch bitte das Proletariat soviel Klopapier kaufen, wie es will, das Leben ist so schon beschissen genug.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6. M&#228;rz 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doc Sportello&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb5-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Heiko Werning, &#8222;Das d&#252;nne Eis der Zivilisation&#8220; in &lt;i&gt;taz&lt;/i&gt;, 02.03.20.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rico Bandle, &#8222;Greta, meine Tochter und ich&#8220; in &lt;i&gt;Tagesanzeiger&lt;/i&gt;, 21.01.20.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Antoine Schaub, &#8222;L'&#233;pid&#233;mie de coronavirus, fen&#234;tre sur un monde au climat d&#233;r&#233;gl&#233; ?&#8220; in Blogs von &lt;i&gt;Le Temps&lt;/i&gt;, 02.03.20.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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