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		<title>Tristan Leoni &#8211; Anarchisten in Uniform in der Ukraine?</title>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>
		<dc:subject>Anarchismus</dc:subject>

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&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Ngo Van &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich wirr (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/en-ukraine-des-anarchistes-1-768x432.jpg?1716755750' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ngo Van&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich wirr und reflektiert die schwierige Einordnung des Ph&#228;nomens. Trotzdem haben die meisten grossen westlichen Medien diesem anscheinend exotischen Aspekt des Krieges in der Ukraine einige Zeilen oder Minuten gewidmet: Die Pr&#228;senz von anarchistischen und linksradikalen Aktivisten in den Reihen jener, welche gegen die russische Armee k&#228;mpfen. Das ist eher ungew&#246;hnlich!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit dem Fr&#252;hling 2022 wurde der Diskurs dieser K&#228;mpfer im Westen innerhalb der anarchistischen, libert&#228;ren, Antifa-, Hausbesetzer- und sogar autonomen Milieus aufgegriffen; ganz und gar nicht orientierungslos richten sich diese Ukrainer an &#8222;uns&#8220;, sie pr&#228;sentieren ihre Handlungen als vorbildliches politisches Modell und bitten uns um finanzielle Unterst&#252;tzung; es ist also durchaus von Interesse und angebracht, sich mit dem, was sie uns sagen, aber auch mit ihren meist nur knapp und in vagen und verwirrenden Worten beschriebenen Praktiken zu befassen, auch auf kritische Art und Weise. Auf diese Weise kann ein Bild des zeitgen&#246;ssischen europ&#228;ischen revolution&#228;ren Aktivismus, seiner Einfl&#252;sse und seiner Grenzen skizziert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun in Anbetracht des Krieges?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zun&#228;chst einmal, sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von allzu bequemen Vereinfachungen, mitrei&#223;en zu lassen. Es gibt Zeiten, da hat man keinerlei Einflu&#223; auf den Lauf der Dinge. Es ist besser, sich dessen bewu&#223;t zu sein und nicht die eigene Ohnmacht hinter wildem Herumgefuchtel zu verbergen oder, schlimmer noch, auf einen Zug zu springen, der nicht der unsere ist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Louis Mercier-Vega&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb der anarchistischen Bewegung in der Ukraine gehen die Diskussionen &#252;ber den Krieg mindestens bis auf 2014 zur&#252;ck; damals, als die K&#228;mpfe beginnen, schliessen sich gewisse Aktivisten freiwillig milit&#228;rischen Formationen im Donbass an. In den Tagen vor der russischen Invasion am 24. Februar 2022, als diese unmittelbar bevorzustehen scheint, versammeln sich die Anarchisten, Libert&#228;ren und ihnen nahestehende Aktivisten in der Region von Kiew (mehrere Dutzend Leute), um &#252;ber die Situation zu sprechen und ihre Vorgehensweise zu entscheiden. Die seit Jahren wiederkehrende Debatte wird pl&#246;tzlich auf neue Art und Weise zentral: Soll man sich den russischen Truppen bewaffnet entgegenstellen, wenn sie die Grenze &#252;berqueren, oder aber allen Widrigkeiten zum Trotz antimilitaristische, antistaatliche, revolution&#228;re und internationalistische Positionen beibehalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl eine &#8211; wohl sehr grosse &#8211; Mehrheit die erste der beiden Positionen verteidigt, wird sie trotzdem nicht von der Gesamtheit der anarchistischen Bewegung in der Ukraine geteilt (einige entscheiden sich z.B. f&#252;r humanit&#228;re Aktionen zur Unterst&#252;tzung der Fl&#252;chtlinge oder Verletzten, wir werden darauf zur&#252;ckkommen); diese Tendenz ist hingegen zur sichtbarsten, am st&#228;rksten mediatisierten und, w&#228;hrend etlicher langer Monate, zu fast der einzigen geworden, deren Diskurs in Europa in den aktivistischen Medien aufgegriffen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche sich f&#252;r den bewaffneten Kampf entschieden haben, pr&#228;sentieren ihn h&#228;ufig in erster Linie als Notl&#246;sung, eine Notwendigkeit, um einen demokratischen Rahmen zu erhalten, der f&#252;r den k&#252;nftigen Aktivismus als g&#252;nstiger wahrgenommen wird &#8211; die sehr autorit&#228;re Demokratie Kiews, statt die sehr, sehr autorit&#228;re Demokratie Moskaus &#8211;; die Pr&#228;senz in der Ukraine etlicher russischer und weissrussischer Aktivisten, die der Repression in Russland entkommen mussten, beg&#252;nstigt wahrscheinlich diese Einsch&#228;tzung. Es handelt sich jedoch nicht um eine einfache Frage der individuellen Sicherheit, denn es ist viel riskanter, in den Kampf zu ziehen, als, zum Beispiel, ins Ausland zu fliehen; die vorherrschende ideologische Positionierung ist in Tat und Wahrheit eine antifaschistische&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch die Aktivisten betonen auch h&#228;ufig die Tatsache, dass die Teilnahme an der Landesverteidigung eine Gelegenheit sei, um antiautorit&#228;re Ideen in der Bev&#246;lkerung und besonders unter den Soldaten zu verbreiten, womit man einen Einfluss auf die laufenden Ereignisse und die k&#252;nftige politische B&#252;hne der Ukraine habe; das h&#228;ufig bereitwillig eingestandene Modell ist jenes der rechtsextremen Gruppen, die aufgrund ihrer Teilnahme am Krieg im Donbass an Prestige und Einfluss innerhalb der Gesellschaft gewonnen haben (ist dies allerdings die einzige Erkl&#228;rung f&#252;r ihren Erfolg?)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie muss man also konkret zu Werke gehen, um aufzubrechen und sich den russischen Truppen entgegenzustellen? Es gibt in Wirklichkeit nur eine M&#246;glichkeit: sich der Armee anschliessen. Ein Aktivist erinnert sich: &#8222;K&#246;nnten wir uns der Invasion bewaffnet unabh&#228;ngig von der staatlichen Armee unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen entgegenstellen? Die Antwort ist definitiv nein [&#8230;] Zuerst einmal gibt es auf unserer Seite im Moment nicht gen&#252;gend Struktur oder Ressourcen, um ernsthaft den Anspruch zu haben, eine unabh&#228;ngige bewaffnete Kraft zu bilden. Gleichzeitig hat der ukrainische Staat genug Macht und den Willen, jegliche vollst&#228;ndig autonome Kraft zu unterbinden. In dieser Situation ist Guerillakampf unabh&#228;ngig vom Staat nur in den von der russischen Armee besetzten Gebieten m&#246;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, &#8222; Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&#8220;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schon seit einigen Jahren von einigen Aktivisten empfohlene L&#246;sung ist also einfach: das Engagement innerhalb der Einheiten der Territorialverteidigung (TV), die von Berufsmilit&#228;rs umrahmte Einheiten b&#252;ndelt, die jedoch aus freiwilligen Reservisten (mit einer regionalen Rekrutierung) und gegebenenfalls aus mobilisierten B&#252;rgern besteht. Es handelt sich keinesfalls um &#8222;bewaffnete Zivilisten&#8220;, wie es einige behauptet haben, sondern um Reserveeinheiten wie man sie in allen Armeen der Welt findet, sogenannte Einheiten zweiten Ranges, die untergeordnete Aufgaben erledigen und somit die k&#228;mpfenden Einheiten an der Front unterst&#252;tzen, letztere bestehen allen voran aus Berufssoldaten (was sich im Verlauf des Konflikts &#228;ndern wird).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r jene Aktivisten, welche sich freiwillig melden, muss der Antimilitarismus und die Staatskritik also auf Eis gelegt werden, solange der Konflikt andauert; das ist das Prinzip des Burgfriedens, alle haben w&#228;hrend einer gewissen Zeit gemeinsame Ziele. Somit ist man zu semantischen Verdrehungen verdammt, man spielt also mit den Worten, um sich selbst davon zu &#252;berzeugen, dass man weder den Staat noch die Interessen der nationalen Bourgeoisie verteidigt, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;, diese etwas vage, aber klar klassen&#252;bergreifende Einheit: &#8222;[D]ie Interessen der ukrainischen Gesellschaft und des ukrainischen Staates sind gegenw&#228;rtig in einem Punkt deckungsgleich, der Zur&#252;ckschlagung der brutalen Invasion, obwohl sie sich in etlichen anderen Punkten voneinander unterscheiden. Deswegen scheint jeglicher Versuch, getrennt Widerstand zu organisieren, im Moment im Volk Unverst&#228;ndnis auszul&#246;sen. Doch wir k&#246;nnen feststellen, dass die gegenw&#228;rtige Situation in den bewaffneten Streitkr&#228;ften der Ukraine immer noch viel Raum l&#228;sst f&#252;r politische Gruppen, welche die Besatzer bek&#228;mpfen wollen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der letzte Satz bezieht sich offensichtlich auf die verschiedenen rechtsextremen Bewegungen, die &#252;ber identifizierbare spezifische Einheiten verf&#252;gen, sie sind anerkannt, respektiert und vollst&#228;ndig in das Organigramm der bewaffneten Streitkr&#228;fte der Ukraine integriert; die ber&#252;hmteste von ihnen ist die Brigade Asow. Gewisse Anarchisten hoffen also, dass sie auch legal eine Einheit dieser Art aufbauen, &#252;ber eine gewisse Autonomie verf&#252;gen und ein Minimum an Propagandaarbeit innerhalb der Armee betreiben k&#246;nnen; doch daf&#252;r muss man sich organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Widerstand?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Februar 2022 rufen diese Aktivisten eine Struktur ins Leben, die zum Ziel hat, die verschiedenen Initiativen, die versuchen, sich der russischen Invasion entgegenzustellen, zu koordinieren und logistisch zu unterst&#252;tzen: das Widerstandskomitee, das manchmal als Schwarzes Hauptquartier bezeichnet wird. Die daran beteiligten Gruppen pr&#228;sentieren sich als anarchistisch, wie z.B. RevDia oder Black Flag Ukraine, doch man findet darin auch kleine linksradikale oder antifaschistische Gruppen oder Individuen, z.B. die antifaschistischen Fussballfans des Ex-Klubs Arsenal Kiew &#8211; der Hoods Hoods Klan &#8211; die Strassenk&#228;mpfe gew&#246;hnt sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, &#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige schliessen sich dem Komitee an, aber behalten eine gewisse Autonomie (z.B. betreffend der Mittelbeschaffung), das gilt f&#252;r eine Gruppe von &#214;ko-Anarchisten aus Lwiw, Ecological Platform&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Widerstandskomitee versieht sich im Mai 2022 mit einem &#8222;Manifest&#8220;, das eine Vorstellung davon gibt, was die Aktivisten zusammenbringt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;, Mai 2022.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was zuerst &#252;berraschen mag, ist die Tatsache, dass der Krieg &#252;berhaupt nicht in einen gr&#246;sseren Zusammenhang gestellt wird, sei es nur jener der wirtschaftlichen und geostrategischen Rivalit&#228;ten oder jener der Krise des Kapitalismus. Die ganze Sache beschr&#228;nkt sich also vermeintlich auf Russland und die Ukraine, aber jenseits des banalen Streits um Territorium sei eine ganz andere Dimension zentral: jene der offensichtlichen Konfrontation zwischen Freiheit und Autorit&#228;t &#8211; zwischen dem Guten und dem B&#246;sen, ist man versucht, zu verstehen. Die Ukraine wird darin &#252;brigens als ein Land dargestellt, wo seit Jahrhunderten die dem Despotismus ausgesetzten &#8222;Freigeister&#8220; zusammenstr&#246;men, die Opryschky-Aufst&#228;ndischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder die Makhnowisten. Der Imperialismus Putins, der Putinismus oder auch die imperiale russische Herrschaft werden als einzige Verantwortliche f&#252;r den Krieg wahrgenommen, es geht also nun darum, die V&#246;lker von jeglichem Autoritarismus zu befreien &#8211; ein Kampf, der in der Ukraine von einer Massenbewegung des Volkes angef&#252;hrt werden wird:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Wir glauben, dass die Ukraine und ganz Osteuropa frei von Diktatur sein sollten. Freiheit, Solidarit&#228;t und Gleichheit sollten die Hauptprinzipien der sozialen Organisation in der Region werden [&#8230;] Wir streben danach, die Zukunft der Ukraine und der gesamten Region zu beeinflussen, die bereits bestehenden Freiheiten zu sch&#252;tzen und zu ihrer Erweiterung beizutragen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r geht es darum, &#8222;die Bem&#252;hungen der K&#228;mpfer gegen den Autoritarismus zu vereinen, um einen wirksamen Kampf f&#252;r unsere Ideale und Werte zu f&#252;hren&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleichen Autoren legen Wert darauf, zu pr&#228;zisieren, dass sie &#8222;das Ungleichgewicht von Macht und Reichtum in der Gesellschaft&#8220; verurteilen und &#8222;die Gleichstellung der Geschlechter, den Schutz der Umwelt und die &#220;berwindung jeglicher Art von Diskriminierung&#8220; bef&#252;rworten: &#8222;[W]ir sind gegen alle Formen der Unterdr&#252;ckung unter den Menschen, gegen das Verh&#228;ltnis von Herrschaft und Unterwerfung, gegen soziale Ungleichheit. Alle Unterdr&#252;cker m&#252;ssen besiegt werden. An die Stelle der Tyrannei soll die freie und gleichberechtigte Zusammenarbeit aller in der Gesellschaft treten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits seines diskursiven Aspekts gibt sich das &#8222;Manifest&#8220; pragmatisch und skizziert einige Vorschl&#228;ge f&#252;r Reformen, die f&#252;r die k&#252;nftige ukrainische Gesellschaft notwendig sind: Annullierung der Auslandsschulden der Ukraine, Annullierung der Kredite der Ukrainer mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen, Einf&#252;hrung eines Systems selbstverwalteter Versammlungen auf lokaler und Berufsebene, vereinfachter Zugang zu Wohnraum und Wohneigentum, Unentgeltlichkeit der Gesundheitsdienste und des &#246;ffentlichen Verkehrs, Gew&#228;hrung von Sozialhilfe f&#252;r Personen mit geringem Einkommen, Schaffung von autonomen Frauenstrukturen in allen Gemeindeorganen des Landes, Schaffung von Frauenverteidigungskr&#228;ften (gegen die Gewalt an Frauen), Sensibilisierung f&#252;r den Umweltschutz (zum Beispiel, indem die Entwicklung erneuerbarer Energien vorangetrieben wird) usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Reihe von Vorschl&#228;gen betrifft spezifisch Fragen der Verteidigung: Ausweitung der lokalen Selbstverteidigung, Recht auf Zugang zu Waffen und Waffenbesitz, Gew&#228;hrung der ukrainischen Staatsb&#252;rgerschaft f&#252;r die freiwilligen ausl&#228;ndischen K&#228;mpfer, Schaffung von Fraueneinheiten innerhalb der regul&#228;ren Armee, Ann&#228;herung des Bildungssystems und der Milit&#228;rindustrie betreffend Spitzentechnologien und der Ausbildung von Spezialisten, M&#246;glichkeit der milit&#228;rischen Ausbildung in den Reihen der TV, Reduzierung der B&#252;rokratie oder auch die Einf&#252;hrung spezifischer Mahlzeiten f&#252;r die veganen Soldaten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie immer in solchen Texten geben sich die Autoren, da sie die ins Auge springenden Widerspr&#252;che nicht kaschieren k&#246;nnen, gef&#228;hrlicher argumentativer Akrobatik hin; bez&#252;glich des Verh&#228;ltnisses zum Staat und der Regierung im Amt wird z.B. pr&#228;zisiert, dass, &#8222;[w]enn sich der ukrainische Staat heute an diesem Kampf beteiligt, [&#8230;] das nicht [bedeutet], dass wir seine Unterst&#252;tzer geworden sind&#8220;&#8230; Der Staat und die Anarchisten seien am Widerstand beteiligt, jeder auf seiner Ebene und abh&#228;ngig von seinen Mitteln und de facto verteidigten die antiautorit&#228;ren nicht den Staat, das Land oder die Nation, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;&#8230; Im Juli 2022 ver&#246;ffentlicht die gleiche Gruppe, die sich nun Solidarity Collectives nennt, einen neuen Text, der k&#252;rzer, pragmatischer und weniger politisch ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Auf der Grundlage unserer antiautorit&#228;ren Werte haben wir uns entschieden, aktiv gegen die russische Aggression Widerstand zu leisten. Wir unterst&#252;tzen das Recht des ukrainischen Volkes auf Selbstverteidigung und betrachten die russische Invasion als imperialistischen Akt. Trotz der Multidimensionalit&#228;t jedes globalen Ereignisses sind die Hauptgr&#252;nde dieses Krieges die imperiale Politik der Russischen F&#246;deration, der Glaube der russischen Eliten an ihre historische Mission und ein Versuch, Kontrolle &#252;ber das zu erlangen, was sie als ihre Einflusssph&#228;re betrachten. Die Gr&#252;nde sollten weder in den wirtschaftlichen Interessen der russischen Oligarchie noch in den &#8218;russischen Sicherheitsbedenken&#8216; und besonders nicht in den Machenschaften der NATO gesucht werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Unser Ziel ist eine freie und gerechte Gesellschaft, unsere zentralen Werte sind gesellschaftliche, wirtschaftliche und Geschlechtergleichheit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]er [&#8230;] Wiederaufbau [des Landes] sollte dem Volk zugutekommen. Er sollte nicht auf neoliberale Dogmen gegr&#252;ndet werden [...]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir unterst&#252;tzen antiautorit&#228;re und antikoloniale Bewegungen weltweit. Heute sammeln antiautorit&#228;re Aktivisten in der Ukraine Erfahrungen, die n&#252;tzlich sein k&#246;nnten, um Diktatoren und autorit&#228;re Regimes sowohl in postsowjetischen L&#228;ndern als auch in anderen Regionen (Iran zum Beispiel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist (&#8230;)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) zu st&#252;rzen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sieht es, diese zentralen Texte, welche die &#8222;autorit&#228;ren Tendenzen unserer Gesellschaft&#8220; anprangern und die Verteidigung der Tiere und den Kampf gegen den Klimawandel betonen, scheren sich nicht um irgendwelche Mantras einer klassischen anarchistischen Prosa gegen den Kapitalismus, die Armee oder den Staat (noch weniger gegen die Demokratie); es herrscht darin eine sehr pragmatische Sichtweise des gesellschaftlichen Wandels vor, die man als sozialdemokratisch bezeichnen k&#246;nnte, geschm&#252;ckt mit politischen Themen, die gerade in Mode sind. Das Heraufbeschw&#246;ren &#8222;antiautorit&#228;rer Werte&#8220; ist vage genug, um heutzutage etlichen Aktivisten und Sympathisanten der &#228;usseren Linken, der Bewegung gegen die Globalisierung oder f&#252;r den Umweltschutz zu gefallen. In Wirklichkeit zeigen die Positionierungen der Gruppe, die Texte und die Zeugenberichte oder auch das Profil der K&#228;mpfer, jenseits der anscheinenden ideologischen Verschwommenheit, dass, wenn es darin eine politische Koh&#228;renz gibt, es nicht jene des Anarchismus ist, sondern eher, banaler, jene des Antifaschismus, dieses Willens, sich an einer klassen- und partei&#252;bergreifenden Front zur Verteidigung der ukrainischen Demokratie gegen die autorit&#228;re russische Gefahr&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an (&#8230;)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu beteiligen &#8211; ein Burgfrieden, der jeglichen anderen Kampf auf eine unbestimmte Zeit (den Frieden) verschiebt &#8211; w&#228;hrend die Regierung ihrerseits vom Konflikt profitiert, um die Gewerkschaften anzugreifen und den Sozialabbau zu beschleunigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Krieg wird nur als ideologische und moralische Konfrontation wahrgenommen, die Tatsache, dass die Ukraine ein Kampffeld um wichtige wirtschaftliche Streitgegenst&#228;nde zwischen Russland, der Europ&#228;ischen Union und den USA ist, oder auch, dass die russischen und ukrainischen Proletarier nicht die gleichen Interessen haben wie ihre jeweiligen Bourgeoisien, scheint f&#252;r die Autoren schlichtweg undenkbar; es ist wahr, dass es sich manchmal als st&#246;rend erweisen kann, etwas Abstand zu gewinnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;libert&#228;re&#8220; Beteiligung am Widerstand entwickelt sich sehr schnell in Richtung zweier Strukturen &#8211; eine milit&#228;risch, die andere zivil &#8211; letztere k&#252;mmert sich um die logistische und mediale Unterst&#252;tzung ersterer. Von nun an steht, jenseits der urspr&#252;nglichen politischen Entscheidung, das Leben der Aktivisten an der Front auf dem Spiel, es muss also &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt; ihrer Unterst&#252;tzung untergeordnet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine zivile materielle Unterst&#252;tzung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig in Kriegen sind die Soldaten nicht gen&#252;gend ausger&#252;stet und m&#252;ssen gewisse ben&#246;tigte oder angenehme Dinge selber kaufen, in der Regel ist das sehr teuer. Trotz der ausgesch&#252;tteten Milliarden von Dollars und Euros vom Westen befindet sich der ukrainische Soldat in dieser Situation &#8211; tats&#228;chlich ist das Land eines der korruptesten der Welt. Die zivilen Aktivisten haben sich die Ausr&#252;stung der Soldaten zur Aufgabe gemacht, erstere bevorzugen es, hinter der Front zu arbeiten. Das erweist sich als sehr kostspielig und die Finanzierung beruht einzig auf den Spenden der westlichen Sympathisanten, daher schenkt man der Propaganda viel Aufmerksamkeit: Die Entwicklung einer passenden politischen Erz&#228;hlung ist unerl&#228;sslich, denn die alleinige Beschreibung der milit&#228;rischen Praktiken auf dem Terrain w&#228;re dem Risiko ausgesetzt, zur Zeichnung eines &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Bildes der K&#228;mpfer mangelhaft zu sein, sie w&#252;rden somit jegliche Besonderheit verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Aktivisten gr&#252;nden also in Kiew im Februar 2022 eine Ad-Hoc-Struktur, Operation Solidarity, deren Hauptziel es ist, die Bed&#252;rfnisse (bez&#252;glich Ausr&#252;stung) der &#8222;K&#228;mpfer (in erster Linie die antiautorit&#228;ren und linken Aktivisten)&#8220; zu erfassen, die Eink&#228;ufe in der Ukraine oder im Ausland zu t&#228;tigen und dann die Lieferung zu organisieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es kann sich um Kleidung, leichte Ausr&#252;stung, medizinisches Material, Nachtsichtger&#228;te, zivile Drohnen oder manchmal gar Fahrzeuge handeln: alle Art von Ausr&#252;stung ausser Waffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich ein Bild davon zu machen, zwischen Februar 2022 und September 2022 seien den K&#228;mpfern &#8222;5 Fahrzeuge, 20 Helme, 30 schusssichere Westen, 50 Erste-Hilfe-Sets, 5 Drohnen, 30 Walkie-Talkies, mehr als 100 Kleidungsst&#252;cke, optische Visiere, Ausr&#252;stungsgegenst&#228;nde, milit&#228;rische L&#228;rmschutzhelme&#8220; geliefert worden, ohne die angemessene Nahrung f&#252;r vegane Soldaten zu vergessen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem auf Telegram ver&#246;ffentlichten Aktivit&#228;tsbericht f&#252;r die Monate Mai und Juni 2023 verk&#252;ndet die Gruppe, dass sie 2 Mavic-Drohnen, 1 Paar Nachtsichtbrillen (vielbegehrt, aber sehr teuer), Visiere, 1 Schalld&#228;mpfer, 3 Tablets, 4 Generatoren, 1 GPS-Uhr, 8 zivile Motorola-Funkger&#228;te, 2 digitale Baofengs-Walkie-Talkies, 13 externe Batterien, Speicherkarten, 1 Laptop f&#252;r einen Drohnenoperator, 1 Helm und sein Zubeh&#246;r, 1 Splitterschutzanzug, Taschen, Sitzteppiche, 2 ballistische Schutzwesten und 6 Plattentr&#228;ger (eine Art schusssichere Westen), 2 Schutzplatten, 3 taktische Kopfh&#246;rer, 2 Feldstecher, 2 Monokulare f&#252;r Gewehre, 18 Gasflaschen, 51 CAT-Stauschl&#228;uche, 16 Brustkorb-Pflaster, 10 IFAK-Erste-Hilfe-Sets, 42 Israelische Verb&#228;nde, 11 blutstillende Verb&#228;nde, 100 Thermodecken usw. geliefert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist festzuhalten, dass das Kollektiv auch gefl&#252;chteten/deplatzierten Personen oder Opfern von Bombenangriffen hilft (mit Ausr&#252;stung, medizinischem Material, Nahrung usw.) und gelegentlich Ausr&#252;stung an gewisse Spit&#228;ler, Schulen oder Tierasyle spendet. Etwas weniger als ein Drittel der gesammelten Summen des Kollektivs werden daf&#252;r eingesetzt &#8211; schwierig, zu sagen, ob dieser Prozentsatz sich mit der Zeit ge&#228;ndert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und Juni (&#8230;)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Finanzbedarf ist also betr&#228;chtlich, daher die st&#228;ndigen Spendenaufrufe an Aktivisten und Sympathisanten der westlichen L&#228;nder; die prinzipielle Zwischenstation in Westeuropa scheint die Gruppe ABC Dresden zu sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches Netzwerk, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die sehr vage Botschaft findet in Frankreich in den anarchistischen und linksradikalen Milieus ein Echo, auch in der NPA und bis hin zu den Autonomen. Mitglieder der ukrainischen Gruppe touren manchmal durch Europa, um ihre Aktion zu pr&#228;sentieren; sie waren zum Beispiel pr&#228;sent im Juli 2023 am Internationalen Antiautorit&#228;ren Treffen (sic!) in Saint-Imier. Die Kommunikation, besonders auf den sozialen Medien, ist in diesem Dispositiv zentral und die Soldaten an der Front verf&#252;gen sogar &#252;ber ein Medienkomitee, um die Kontrolle &#252;ber die produzierten Videos und Texte zu garantieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation mag in Anbetracht der an die Ukraine gespendeten Milliarden von Dollars und Euros von den L&#228;ndern der NATO paradox erscheinen, aber in fast allen Kriegen entstehen solche Initiativen und es gibt in Kiew und auf der ganzen Welt etliche Nichtregierungsorganisationen und karitative Stiftungen, welche die ukrainischen K&#228;mpfer unterst&#252;tzen und ihnen diese Art von Material liefern; die m&#228;chtigste davon ist Come Back Alive. Etliche Einheiten der Armee, und besonders jene, welche sich aufgrund von &#8211; in der Regel rechtsextremer &#8211; politischer Affinit&#228;t zusammengeschlossen haben, nehmen solche Spendenaktionen in Anspruch, um die Ausr&#252;stung und den Komfort ihrer K&#228;mpfer zu verbessern (zum Beispiel Support Azov), daher kommt die Notwendigkeit einer angepassten Kommunikation. Die sozialen Netzwerke werden massiv benutzt und w&#228;hrend die Strukturen ihren Ideenreichtum unter Beweis stellen m&#252;ssen, um die Spender zu gewinnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, m&#252;ssen die Soldaten ihrerseits als so cool und k&#252;hn wie m&#246;glich erscheinen &#8211; zumindest auf TikTok&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das Team (&#8230;)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das zivile Unterst&#252;tzungskomitee f&#252;r die antiautorit&#228;ren K&#228;mpfer ist jedoch nach einigen Monaten mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die Aktivit&#228;t von Operation Solidarity muss sogar im Juli 2022 aufgrund der &#8222;M&#252;digkeit&#8220; der Mitglieder der Gruppe unterbrochen werden, aber auch wegen internen Unstimmigkeiten, wovon einige ganz banal mit Macht- und Geldfragen zusammenh&#228;ngen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Solidarity Collectives Statement&#8220;, 4. Juli 2022.&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Die Gruppe legt sehr schnell mit einigen Individuen weniger, einem neuen Namen, Solidarity Collectives, und wahrscheinlich auch mit einer neuen administrativen Struktur wieder los.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppe versieht sich mit einem neuen Pr&#228;sentationstext und k&#252;ndigt nun an, sie unterst&#252;tze &#8222;anarchistische&#8220; K&#228;mpfer, &#8222;Verteidiger der Menschenrechte, Gewerkschafter, &#214;ko-Anarchisten, Anarchafeministinnen, Punkrocker, politische Fl&#252;chtlinge aus Weissrussland und Russland&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Das Zielpublikum tendiert mit der Zeit dazu, ausgeweitet zu werden, um &#252;ber jenes der alleinigen anarchistischen Aktivisten hinauszugehen, was nicht erstaunlich ist. Die sehr klassische Organisationslogik dr&#228;ngt die Aktivisten sowieso schon dazu, ihre Aktivit&#228;t und die Summe der gesammelten Spenden stets aufrechtzuerhalten oder zu steigern &#8211; wie gross auch immer die Anzahl der uniformierten Anarchisten entlang der Front sein mag; und diesbez&#252;glich deutet eben genau nichts darauf hin, dass die Anzahl der k&#228;mpfenden Aktivisten sich im Verlauf der Monate vergr&#246;ssert, im Gegenteil: Mindestens etwa 15 von ihnen wurden im Gefecht get&#246;tet &#8211; sie werden h&#228;ufig von der Aktivistenpropaganda als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; dargestellt, ein typisches Vokabular aus dem Nahen Osten, das von Ehemaligen aus Rojava importiert worden ist &#8211; und man weiss nichts &#252;ber die Verletzten und jene, welche aufgegeben haben. Es ist &#252;brigens sehr wahrscheinlich, dass der geringe Zustrom von (ukrainischen oder westlichen) Freiwilligen nach der russischen Invasion mit der Zeit abgenommen hat: Zuerst einmal, weil die ukrainische Armee mittlerweile vollst&#228;ndig gem&#228;ss den Standards der NATO strukturiert ist und der Improvisation immer weniger Platz l&#228;sst, aber vor allem, weil die K&#228;mpfe immer grausamer und t&#246;dlicher werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt allerdings eine rote Linie, die das Kollektiv nicht bereit ist, zu &#252;berschreiten, jene der Unterst&#252;tzung f&#252;r antiautorit&#228;re Aktivisten, die in wenig politisch korrekten Einheiten k&#228;mpfen: Es zirkulieren viele Informationen auf den sozialen Netzwerken &#252;ber Aktivisten, die aus Gr&#252;nden der Effizienz in den rechtsextremen Einheiten k&#228;mpfen (es handelt sich in der Regel um Eliteeinheiten, die vom F&#252;hrungsstab regelm&#228;ssig herangezogen werden und sehr gut ausgestattet und trainiert sind); Solidarity Collectives gesteht ein, dass mindestens einem Anarchisten, der in der Brigade Asow k&#228;mpft, die Unterst&#252;tzung verweigert wurde, aber dass mindestens vier andere, die Teil des (aus weissrussischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee bestehenden) nationalistischen Kastus-Kalinouski-Regiments unterst&#252;tzt worden sind, obwohl diese Entscheidung unter den Mitgliedern des Kollektivs umstritten war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten (&#8230;)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl das Tragen der Uniform nicht zwingend bedeutet, dass man k&#228;mpft, denn man kann zum Beispiel in einer medizinischen Einheit aktiv sein &#8211; sei es in der N&#228;he der K&#228;mpfe oder weiter hinten &#8211;, in dem Medien am prominentesten vertreten sind nat&#252;rlich jene &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Freiwilligen, die mit den Waffen hantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anarchistische Soldaten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich hasse alle Offiziere [&#8230;] K&#246;nnen sie sich vorstellen, wie sehr ich diese Uniform und alles, was sie repr&#228;sentiert, hasse?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sam Peckinpah, Steiner &#8211; Das Eiserne Kreuz, 1977&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aktivisten, die f&#252;r ein Engagement bei der Armee unterschrieben haben, sind meistens im ganzen Land zerstreut; entweder, f&#252;r die erfahrensten unter ihnen, in den klassischen Brigaden; oder, f&#252;r die anderen, in der TV. Es soll daran erinnert werden, dass letztere leichte, lokal rekrutierte, aus freiwilligen Reservisten bestehende Infanterieeinheiten zusammenbringt und von Berufssoldaten umrahmt ist. Man sollte sie nicht untersch&#228;tzen, obwohl sie f&#252;r anscheinend untergeordnete, undankbare und kaum prestigetr&#228;chtige Aufgaben verantwortlich sind, sind diese strikt milit&#228;risch betrachtet sehr n&#252;tzlich. Als im Januar 2023 ein begeisterter franz&#246;sischer Journalist bez&#252;glich des Konflikts die &#8222;F&#252;lle an kleinen, mehrheitlich anarchistischen bewaffneten Gruppen&#8220; anspricht, ist ein Mitglied des Widerstandskomitees gezwungen, seinen Enthusiasmus zu d&#228;mpfen: &#8222;Man kann eher von kleinen, in die Verteidigungskr&#228;ften integrierten Gruppen anarchistischer Genossen sprechen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&#8220; Obwohl diese Eingliederung manchmal kleine Gruppen betrifft, ist sie in Wirklichkeit in den meisten F&#228;llen individuell&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das einzige wirkliche Gegenbeispiel, rund um welches im Westen viel phantasiert werden wird, ist jene Gruppe, welche den Namen antiautorit&#228;rer Zug annehmen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht (&#8230;)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Phantasien, die bez&#252;glich der materiellen Realit&#228;t dieser Gruppe auf sehr vagen Vorstellungen beruhen und etliche Interviewer und Journalisten nicht zu zerstreuen versuchen: Man k&#246;nnte sich allerdings legitimerweise die Frage stellen, was seine Mitgliederzahl ist. Von welcher Einheit ist er Teil? Auf welche Art und Weise? Was ist seine administrative Realit&#228;t? An welchen Schlachten war er beteiligt? Was sind seine allt&#228;glichen Aktivit&#228;ten? &#220;ber welche Waffen verf&#252;gt er? Man muss die Gesamtheit der verf&#252;gbaren Texte miteinander vergleichen, um zu versuchen, darauf eine Antwort zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zug entsteht scheinbar aus der Initiative eines Antifa-Aktivisten, der sich 2014 freiwillig gemeldet hat und im Verlauf der Jahre Offizier und sp&#228;ter Hauptmann in einer der Brigaden der TV des Oblasts von Kiew geworden ist (er stirbt im Gefecht im September 2022&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (&#8230;)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und an den Treffen der Anarchisten vor und nach der russischen Invasion teilnahm. Es ist wahrscheinlich ihm zu verdanken, dass die anarchistischen und antifaschistischen Freiwilligen aus der Region Kiew in einem gleichen Zug zusammengeschlossen sind. Erpicht auf Aktion und Autonomie tauchen sie in einen milit&#228;rischen Rahmen ein, der naturgem&#228;ss aus administrativer Schwerf&#228;lligkeit und strenger Hierarchie besteht. Die Einheit ist zum Beispiel nicht frei, was die Rekrutierung anbelangt, und muss manchmal ank&#252;ndigen, dass keine Pl&#228;tze mehr frei sind (Nachricht auf Telegram im April 2022 im Kanal RevDia) &#8211; das ist umso komplizierter f&#252;r die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, als sie sich theoretisch Ah-Hoc-Einheiten anschliessen sollten (besonders der Internationalen Legion). Sie ist auch bez&#252;glich der Ausbildung nicht frei und nat&#252;rlich auch nicht bez&#252;glich der Auswahl ihrer Missionen. In einem Interview, das vom Medienkomitee des Zuges gr&#252;nes Licht bekommen hat, bringt ein Anarchist einige Ideen zur Umgehung dieser B&#252;rokratie vor: &#8222;Die Lehre dieser Geschichte ist, dass, je mehr Kontakte und Verbindungen man in den betreffenden Institutionen hat, desto gr&#246;sser werden die Chancen sein, die B&#252;rokratie zu &#252;berwinden oder zu umgehen. Im Verlauf dieser letzten Monate bin ich zum Schluss gekommen, dass wir als Revolution&#228;re nicht z&#246;gern sollten, Kontakte innerhalb der staatlichen Institutionen zu kn&#252;pfen. Solange wir in Bezug auf unsere politischen Ziele klar sind, ist es eher gerechtfertigt, Risiken einzugehen, um diese Ziele zu erreichen, als darauf zu verzichten, jene Werkzeuge zu benutzen, welche der Bewegung helfen k&#246;nnten, an Terrain zu gewinnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Beschreibung dieses Zuges als &#252;ber eine &#8222;gewisse Autonomie&#8220; verf&#252;gend, wie es gewisse franz&#246;sische Autoren getan haben, ist also im besten Falle Science Fiction.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie viele sind es?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Online-Portal &lt;i&gt;Mediapart&lt;/i&gt; spricht im Juni 2022 von 100 bis 150 Anarchisten und Antifaschisten, die in verschiedenen Einheiten der Armee zerstreut sind; Zahlen, die Leute miteinschliessen, die nicht k&#228;mpfen und als medizinisches Personal dienen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Laurent Geslin, &#8222;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour combattre (&#8230;)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die meisten davon sind ukrainische Aktivisten, denen sich einige Russen und Weissrussen, aber auch eine geringe Anzahl Westeurop&#228;er angeschlossen haben, wovon einige in den kurdischen Kr&#228;ften der YPG w&#228;hrend des B&#252;rgerkrieges in Syrien gedient haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wie sieht es spezifischer mit dem in den Medien sehr pr&#228;senten antiautorit&#228;ren Zug aus? Obwohl er oft erw&#228;hnt wird, bleiben die Aktivisten und die Sprecher sehr vage bez&#252;glich seiner Zusammensetzung und seiner Mitgliederzahl&#8230; Halten wir zuerst einmal fest, dass, w&#228;hrend die meisten Kommentatoren ihn unterschiedslos als Brigade, Bataillon usw. bezeichnen, mit einer reflexartigen Reaktion auf die Worte &lt;i&gt;Brigaden&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Milizen&lt;/i&gt; (die nach Spanien 1936 t&#246;nen), h&#228;ufig im Plural und als ob es Synonyme w&#228;ren, die mit der Kommunikation beauftragten Personen innerhalb dieser Gruppe das Wort &lt;i&gt;Zug&lt;/i&gt; benutzen. Aber diese Bezeichnung ist nicht unbedeutend und sie haben allen Grund, das zu wissen; ein Zug (&lt;i&gt;platoon&lt;/i&gt; auf Englisch) beschreibt in den westlichen Armeen eine sehr kleine Kampfeinheit, 20 bis 50 M&#228;nner&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In unserem Artikel vom Mai 2022 schrieben wir folgendes in einer Fussnote: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Mai 2022 spricht ein Mitglied der Gruppe w&#228;hrend einem Interview von 50 K&#228;mpfern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; Operation Solidarity behauptet, zwischen Februar und Juni 2022 mehr als 200 K&#228;mpfer in der ganzen Ukraine unterst&#252;tzt zu haben, und pr&#228;zisiert, dass der Zug nur einen Drittel davon repr&#228;sentiere&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ihre Homepage.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was die von den uniformiert und bewaffnet rund um eine schwarze Fahne posierenden Aktivisten sehr gesch&#228;tzten Fotos betrifft, sieht man darauf nie mehr als 25 Personen versammelt. Wenn man die Neigung der Aktivisten zur Besch&#246;nigung gewisser Zahlen kennt, kommt man zum Schluss, dass mehrere Dutzend M&#228;nner (Anarchisten, Hooligans, Antifas&#8230;) Teil des antiautorit&#228;ren Zuges waren, wahrscheinlich etwa 50 zu gewissen Zeiten, auf jeden Fall sieht man, dass die Mitgliederzahl sehr gering ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich bewusst zu sein, was das repr&#228;sentiert, muss man wissen, dass die ukrainische Armee im Februar 2022 aus 250&#8216;000 M&#228;nnern bestand, davon 70&#8216;000 K&#228;mpfer der TV; Ende 2023 tragen etwa eine Million M&#228;nner die Uniform (davon sind etwa 15&#8216;000 keine ukrainischen Staatsb&#252;rger&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist die Aktivit&#228;t dieser Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den meisten dieser freiwilligen Aktivisten mangelt es nicht an k&#246;rperlichem Mut und sie m&#246;chten so schnell wie m&#246;glich an K&#228;mpfen teilnehmen. Einige haben sich in Einheiten der ersten Linie engagiert, oder sie sind es geworden, was nicht f&#252;r den antiautorit&#228;ren Zug gilt, besonders aufgrund der Tatsache, dass sich die Front nach dem russischen R&#252;ckzug im April 2022 von Kiew entfernt hat. Bis zu ihrer Aufl&#246;sung im Sommer 2022 ist die Gruppe also nicht an der Front. Die Brigade, zu welcher der Zug geh&#246;rt, ist eine leichte Infanterieeinheit, die &#252;ber kein schweres Material verf&#252;gt (die Aktivisten h&#228;tten die Gelegenheit &#252;brigens bestimmt nicht verpasst, sich davor fotografieren zu lassen), und der F&#252;hrungsstab gibt ihr Aufgaben, welche viele als untergeordnet, repetitiv und langweilig betrachten, jedoch jene sind, f&#252;r welche die am weitesten von der Front entfernten Einheiten der TV verantwortlich sind. Der Zug beteiligt sich also an Unterst&#252;tzungsaktionen f&#252;r Zivilisten, die Opfer von K&#228;mpfen oder Bombenangriffen geworden sind; er beteiligt sich auch an martialischeren Aktionen wie die Jagd auf infiltrierte Russen, Spione und prorussische Aktivisten (eine Aktivit&#228;t, die in den ersten Monaten des Konflikts Paranoia in der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;st und zu etlichen Denunzierungen gef&#252;hrt hat); es handelt sich um eine Arbeit an Checkpoints, auf Patrouille und der Kontrolle, die eher undankbar ist und nicht die tugendhaften Aspekte der Individuen stimuliert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe unseren Artikel vom Mai 2022 bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn sie ihre Aktivit&#228;ten beschreiben, sprechen die antiautorit&#228;ren davon, &#8222;feindliche Eindringlinge auf[zu]decken und [zu] beseitigen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Joshua Askew, &#8222;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists fighting (&#8230;)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, &#8222;die Berichte der Ortsbewohner &#252;ber Saboteure und Spione&#8220; zu &#252;berpr&#252;fen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; &#8222;wir k&#228;mpften gegen die Saboteure, die Fallschirmj&#228;ger, bewachten die kritischen Punkte, bauten Strassensperren auf&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;The media committee of the platoon, &#8222;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine : (&#8230;)&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl diese Operationen kaum prestigetr&#228;chtig sind, sind sie nicht immer frei von Gefahr. Gewisse Mitglieder des Zuges beteiligen sich aber auch an einigen Operationen in der N&#228;he der Kampfgebiete, zum Beispiel um &#8222;den Einheiten der ukrainischen Streitkr&#228;fte&#8220; zu helfen, &#8222;Erkundungsmissionen in Quadrocoptern auszuf&#252;hren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem im Mai 2022 ver&#246;ffentlichten Interview erz&#228;hlt ein Mitglied des Zuges: &#8222;Als Einheit sind wir noch nicht an direkten K&#228;mpfen beteiligt gewesen. Zu Beginn des Krieges patrouillierten wir allerdings in Gebieten, wo die Pr&#228;senz von feindlichen Ablenkungsgruppen vermutet wurde. Die Mitglieder der Einheit unterst&#252;tzten auch die Einheiten in der ersten Linie durch die Beteiligung an der Logistik oder mit Informationen (durch die Benutzung von Drohnen). Sie schafften es, eine der feindlichen Positionen aufzudecken, die danach von der Artillerie getroffen wurde. Und sie halfen bei der Evakuierung von Zivilisten aus dem Kampfgebiet. Im Verlauf dieser Aktivit&#228;ten wurden unsere Genossen unter M&#246;rserfeuer genommen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anfang Juli ist die Stimmung der M&#228;nner im Zug ziemlich schlecht, denn sie waren immer noch &#8222;an fast keiner Aktion beteiligt&#8220;. Die erfahrensten unter ihnen (da ehemalige K&#228;mpfer im Donbass oder in Syrien) beruhigen sie und erkl&#228;ren ihnen, absolut zu Recht, dass &#8222;der Krieg aus sehr verschiedenen Phasen und Situationen besteht. Die Kampfsituationen selbst machen nur 1% oder weniger der gesamten Zeit aus. Die F&#228;higkeit, zu warten, geduldig zu sein und mit der &#8218;toten Zeit&#8216; umzugehen ist eine n&#252;tzliche Kompetenz, die jeder Partisan entwickeln und verinnerlichen sollte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Pech gehabt &#8211; denn aufgrund des Eintreffens der von der NATO gelieferten Ausr&#252;stung sind es andere Einheiten der TV, die, nachdem sie &#8222;aufger&#252;stet&#8220; worden sind, im Verlauf des Jahres 2022 an die Front geschickt werden &#8211; was manchmal ihre Mitglieder verzweifeln l&#228;sst, denn sie meldeten sich freiwillig, besonders in den westlichen Oblasten, weil sie glaubten, dass sie in sicherer Entfernung von den K&#228;mpfen sein w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie steht es mit der Hierarchie in der Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig bez&#252;glich des antiautorit&#228;ren Zuges verf&#252;gen wir nicht &#252;ber pr&#228;zise und synthetische Informationen &#252;ber die Funktionsweise der Gruppe, nur &#252;ber zerstreute Bruchst&#252;cke aus Interviews (und die verschiedenen &#220;bersetzungen sind dem Verst&#228;ndnis nicht immer zutr&#228;glich). Gem&#228;ss den Standards der NATO ist ein Zug die kleinste Einheit, die von einem Offizier befehligt werden kann, in der Regel ein Oberleutnant sekundiert von Unteroffizieren (darunter spricht man von Gruppen oder Trupps). Der Offizier, der den antiautorit&#228;ren Zug befehligen muss, wird von der milit&#228;rischen Befehlsgewalt designiert (aufgezwungen, es ist alles andere als sicher, dass es sich um den Antifa-Offizier am Ursprung dieses Abenteuers handelt), genau wie die Unteroffiziere (vielleicht in seinen Reihen unter den erfahrensten Mitgliedern ausgew&#228;hlt). Um das hierarchische Verh&#228;ltnis ertr&#228;glicher zu machen, w&#228;hlen die Mitglieder des Zuges jedoch eine Art Stellvertreter (ohne Dienstgrad), die als Vermittler zwischen den M&#228;nnern der Truppen und ihren Vorgesetzten dienen, sie k&#246;nnen zum Beispiel Kritiken oder Beschwerden weiterleiten. Ein Aktivist berichtet: &#8222;Wir haben keine spezifischen Bedingungen, die uns von jeder anderen Unterdivision der TV unterscheiden w&#252;rde. Wir haben jedoch einen ziemlich freien Raum, um unser internes Leben zu organisieren, und dieser ist auf ziemlich demokratische Art und Weise organisiert, wenn er auch den Anforderungen einer gewissen milit&#228;rischen Hierarchie entspricht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderer: &#8222;Die milit&#228;rische F&#252;hrung hat sich kaum in unsere innere Ordnung eingemischt. Wir haben unsere Struktur nicht gem&#228;ss dem idyllischen Bild einer perfekt anarchistischen Miliz organisiert, wo alle Stellen gew&#228;hlt und der Generalversammlung unterstellt sind. Zumindest teilweise ist der Grund daf&#252;r, dass die Einheit aus vielen verschiedenen Personen besteht, die nicht alle Anarchisten sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzige erw&#228;hnenswerte Besonderheit ist die t&#228;gliche Praxis des &lt;i&gt;tekmil&lt;/i&gt; auf der Ebene der Gruppe, es handelt sich um eine wahrhafte &#8222;Sitzung zur Kritik und Selbstkritik, w&#228;hrend welcher die Entscheidungen der milit&#228;rischen F&#252;hrung und der Ausbildungsprozess diskutiert [werden]&#8220;. Es handelt sich auch hier um den Import von Praktiken der PKK und der YPG&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, op. cit., Tom (&#8230;)&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz den zur Schau getragenen libert&#228;ren Idealen kann sich die Gruppe dem Aufkommen von &#8222;versteckten Machtk&#228;mpfen, konkurrierenden Machtambitionen und pers&#246;nlichen Konflikten im Allgemeinen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nat&#252;rlich nicht entziehen. Die angetroffenen Schwierigkeiten beleben auch die Rivalit&#228;ten zwischen politischen Gruppen (oder Mitgliedern von Gruppen) neu und lassen die Meinungsverschiedenheiten wieder hervortreten, die vom urspr&#252;nglichen Enthusiasmus in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht erstaunlich, dass die ukrainische Armee anfangs spezifische Organisationsweisen und etwas Flexibilit&#228;t erlaubt, solange es nicht st&#246;rt, sondern die Befehlskette oder die Erledigung von Aufgaben effizienter macht. Zu Beginn des Konflikts wurden viele Einheiten aufgrund von spezifischen Grundlagen gebildet, seien sie ethnisch, national (Tschetschenen, Weissrussen, Russen, Georgier), politisch (von rechts bis zu allen Spielarten des ukrainischen Rechtsextremismus) oder hinsichtlich der W&#252;nsche von Oligarchen oder Chefs von Unternehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews (&#8230;)&#034; id=&#034;nh48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und sie rivalisieren im Streben nach Prestige und finanzieller Unterst&#252;tzung; im Notfall werden vern&#252;nftige Zugest&#228;ndnisse also akzeptiert. Es ist klar, dass in dieser Umgebung das Bataillon, das sich dadurch auszeichnet, &#252;ber einen Zug von anarchistischen Aktivisten zu verf&#252;gen, wenig Chancen hat, eine prestigetr&#228;chtige Aufgabe zu erhalten&#8230; Es handelt sich dennoch nicht um eine Bestrafung, denn es w&#252;rde gen&#252;gen, diesen Zug in den t&#246;dlichsten Sektor der Front zu schicken um sich des Problems definitiv zu entledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ukrainische F&#252;hrungsstab, der seit Jahren versucht, ein bisschen Ordnung in all das zu bringen (besonders in all die 2014 gebildeten Einheiten nationalistischer Freiwilliger) und den Standards der NATO zu entsprechen, ist mit der russischen Invasion vor eine kompliziertere Aufgabe gestellt, aber im Verlauf der Monate nimmt die milit&#228;rische Hierarchie die Dinge wieder in die Hand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ende und Fortsetzungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Juli 2022 h&#246;rt der antiautorit&#228;re Zug aufgrund dieser Schwierigkeiten, der administrativen und b&#252;rokratischen Last und der schwachen Truppenmoral auf, als solcher zu existieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die ihn bildenden Elemente l&#246;sen sich auf im Rest der Truppen oder werden auf die verschiedenen Einheiten der Armee verteilt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige, besonders die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, haben es in der Zwischenzeit bereits geschafft, den Zug zu verlassen und an die Front zu kommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (&#8230;)&#034; id=&#034;nh51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Telegram-Kan&#228;le zeigen, dass gewisse Aktivisten nun an verschiedenen Orten der Front pr&#228;sent sind; so beteiligen sich etwa 30 an der Offensive im September 2022 im Osten Charkiws&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, op. cit.&#034; id=&#034;nh52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch seither sind etwa 15 im Gefecht get&#246;tet worden. Im Oktober 2022 behauptet Solidarity Collectives, es w&#252;rden immer noch ungef&#228;hr 70 Antiautorit&#228;re unterst&#252;tzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; sie sind jetzt alleine oder in kleinen Gruppen zwischen verschiedensten Einheiten und Aktivit&#228;ten zerstreut, inmitten Hunderttausender Soldaten auf einer mehr als 1&#8216;000 km langen Frontlinie und berichten von ihrem allt&#228;glichen Leben auf den sozialen Medien: Vier sind Mitglieder der Spezialkr&#228;fte (wahrscheinlich im 23. Bataillon der Pr&#228;sidentenbrigade Hetman Bohdan Chmelnyzkyj); ein anderer ist Scharfsch&#252;tze geworden; sechs (davon f&#252;nf des ehemaligen Zuges) dienen in der M&#246;rsereinheit der TV; f&#252;nf oder sechs andere sind scheinbar Teil einer Sektion der Luftaufkl&#228;rung (Drohnen, die Ziele f&#252;r die Artillerie bestimmen) der 92. mechanisierten Brigade, eine von einer Unteroffizierin angef&#252;hrte Gruppe, eine Frau namens Swallow, die sich als Anarchafeministin pr&#228;sentiert und behauptet, horizontale Praktiken (Wahl von Verantwortlichen, Kooperation auf Basisebene, Ablehnung der Hierarchie usw.) zu f&#246;rdern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle dienen in Einheiten, in denen eine patriotische Politikverdrossenheit oder diverse Formen des Nationalismus, oder gar noch Schlimmeres, die vorherrschenden Meinungen sind. Die Anarchisten und Antifas, die h&#228;ufig &#252;ber ihren Umgang befragt werden, beschreiben allerdings in der Regel ihre neuen Kollegen als sehr inklusiv, tolerant und br&#252;derlich und vor allem damit besch&#228;ftigt, einer gemeinsamen Sache zu dienen (die Russen zu besiegen). Ein weissrussischer Aktivist erkl&#228;rt: &#8222;In einem Sch&#252;tzengraben, wenn Drohnen &#252;ber dich hinwegfliegen, ein Scharfsch&#252;tze dich im Visier hat oder ununterbrochen Sch&#252;sse &#252;ber deinen Kopf pfeifen, in diesem Sch&#252;tzengraben kann irgendjemand dein bester Freund sein, es k&#246;nnte ein Fascho, es k&#246;nnte irgendjemand sein, das hat nicht die geringste Bedeutung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ein anderer &#8222;Antiautorit&#228;rer&#8220;, der in einer nationalistischen Einheit k&#228;mpft, betont sogar, dass sich die &#8222;Faschos&#8220; in den Sch&#252;tzengr&#228;ben und im Kasernenbereich ver&#228;ndern und weniger sektiererisch und offener werden, weil sie letztendlich verstehen, dass ihre politischen Feinde von gestern schlichtweg &#8222;Leute wie alle anderen auch&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (&#8230;)&#034; id=&#034;nh55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; sind&#8230; Ein psychologisches Ph&#228;nomen, gegen welches, man wird es verstanden haben, die linken Aktivisten glauben, auf wundersame Weise immun zu sein; wir k&#246;nnen also beruhigt sein. Diese Art von Reaktion ist in Tat und Wahrheit ziemlich klassisch: Es handelt sich um nichts Geringeres als um diese Waffenbr&#252;derschaft, die im Gefecht Menschen vereint, die im Vornhinein alles h&#228;tte trennen sollen, ohne sie ist das &#220;berleben unm&#246;glich &#8211; ein Mechanismus, der in Tausenden von B&#252;chern &#252;ber die Kriege des 20. Jahrhunderts beschrieben wird. Eine virile Kameradschaft und ein Respekt, der f&#252;r die Zivilisten und die Dr&#252;ckeberger unerreichbar ist, und sie &#252;berdauern h&#228;ufig den Konflikt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Roger Caillois beschreibt es treffend in &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt;: &#8222;Der Feuertaufe wird h&#246;chste Wirksamkeit zugeschrieben. Durch sie wird der Mensch angeblich zum furchtlosen Offizianten eines tragischen Kultes, zum Erw&#228;hlten eines eifers&#252;chtigen Gottes. Zwischen denen, die gemeinsam diese Weihe empfangen oder Seite an Seite die Gefahren der Schlacht teilen, herrscht Waffenbr&#252;derschaft. Die K&#228;mpfer sind durch dauerhafte Bindungen und ein Gef&#252;hl der &#220;berlegenheit und des Zusammenhalts im Hinblick auf diejenigen vereint, die nicht in Gefahr waren oder im Kampf keine aktive Rolle spielten. Es gen&#252;gt n&#228;mlich nicht, sich der Gefahr ausgesetzt zu haben, man mu&#223; den Gegner auch getroffen haben. Es handelt sich um eine zweifache Weihe. Sie beinhaltet nicht nur, da&#223; man zu sterben, sondern auch, da&#223; man zu t&#246;ten wagt. Ein Sanit&#228;ter hat kein Prestige [&#8230;] Man kann hier Spuren der charakteristischen Situation jener M&#228;nnerb&#252;nde primitiver Zivilisationen wiederentdecken, in die man nach schmerzhaften Pr&#252;fungen eintritt und deren Mitglieder in der Gemeinschaft besondere Rechte genie&#223;en.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roger Caillois, Der Mensch und das Heilige (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&#034; id=&#034;nh57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Anzahl der in der Armee pr&#228;senten Antiautorit&#228;ren schwindet, sei es nur, wir haben es gesehen, aufgrund der Toten und Verletzten; in Anbetracht der Entwicklung der K&#228;mpfe sind jene Freiwilligen, welche bereit sind, sie zu ersetzen, wohl immer seltener &#8211; die ersten Kriegswochen, die scheinbar aus Guerilla-Aktionen und romantischen Hinterhalten gegen idiotische Russen bestanden, haben nun schrecklichen Sch&#252;tzengr&#228;benk&#228;mpfen und Artillerieduellen Platz gemacht. In der gesamten ukrainischen Gesellschaft sind der Enthusiasmus und der Patriotismus der ersten Tage des Krieges von der Angst vor der Mobilisierung in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden; die Folge davon ist eine enorme Fluchtbewegung und eine Welle von Desertionen und Ungehorsam, die sich 2023 entwickeln und die Regierung nur mit M&#252;he in Schranken halten kann. Man erf&#228;hrt beil&#228;ufig in einer Nachricht auf Telegram, dass Solidarity Collectives inzwischen auch Gewerkschafter unterst&#252;tzt, die sich freiwillig der Armee angeschlossen haben, aber auch Mobilisierte &#8211; die definitionsgem&#228;ss keine Freiwillige sind! Man kann sich &#252;brigens durchaus die Frage stellen, wie gewisse Aktivisten, die nicht m&#252;de wurden, die Vorz&#252;ge des Kampfes an vorderster Front anzupreisen, sich jedoch dahinter als n&#252;tzlicher betrachteten, heute reagieren, konfrontiert mit einer immer zwingenderen Wehrpflicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vorstellung anarchistischer Brigaden, die totalit&#228;re russische Horden zur&#252;ckdr&#228;ngen, hat im Westen zu vielen Tr&#228;umereien gef&#252;hrt, doch die Realit&#228;t, mit welcher man konfrontiert ist, jene des antiautorit&#228;ren Zuges oder einiger zu Soldaten gewordener Individuen, ist weit weniger verz&#252;ckend. Man muss eingestehen, dass es seit Anfang des Krieges nie eine anarchistische milit&#228;rische Einheit gab, allenfalls eine Einheit der Armee, in welcher ein Teil der libert&#228;ren und antifaschistischen Freiwilligen zusammengekommen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso dieses &#8222;Scheitern&#8220;? Mehrere Aktivisten meinen, sie h&#228;tten einfach nur Pech gehabt, besonders als der Kommandant ihres Bataillons im Fr&#252;hling 2022 ersetzt wurde: Der neue Offizier, viel weniger sympathisch als der vorherige, habe den vollst&#228;ndigen Ausdruck der libert&#228;ren M&#246;glichkeiten seiner M&#228;nner nicht erlaubt, allen voran, weil er ihnen keine Kampfmissionen gab&#8230; Andere glauben, dass zuvor viel zu viel Zeit und Energie mit antimilitaristischen Ideen verschwendet worden waren, was zu einem flagranten Mangel an Vorbereitung und Organisation gef&#252;hrt habe &#8211; eine Erkl&#228;rung, die ihnen offensichtlich scheint, wenn sie sich mit den zahlreichen rechtsextremen Einheiten vergleichen, die gut ausger&#252;stet sind und viel rekrutieren, effizient, sehr pr&#228;sent in den Medien und popul&#228;r sind &#8211; und es dann bereuen, dass die Anarchisten ab 2014 ihrem Beispiel hinsichtlich Organisation nicht gefolgt sind!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et (&#8230;)&#034; id=&#034;nh58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das erinnert an die Lehren bez&#252;glich der Frage des Zwecks und der Mittel, diesem immerw&#228;hrenden Mangel an Organisation der Libert&#228;ren gegen&#252;ber ihren Widersachern, die Nestor Makhno aus dem russischen B&#252;rgerkrieg ziehen wollte&#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah (&#8230;)&#034; id=&#034;nh59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ja, klar, wenn die Anarchisten am besten strukturiert, milit&#228;risch am besten organisiert, besser ausger&#252;stet, besser trainiert und effizienter w&#228;ren, w&#252;rden sie vielleicht auf den Schlachtfeldern gewinnen. Aber w&#228;ren sie dann noch Anarchisten? Die Revolution wird kein Gala-Diner sein, ganz bestimmt nicht. Doch sie wird auch keine milit&#228;rische Konfrontation, keine Aneinanderreihung von Siegen der Armee der Proletarier/Aktivisten &#252;ber jene der Kapitalisten sein und dabei die radikalen Transformationen der Gesellschaft auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben. Sie wird &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; die Abschaffung des Staates, des Werts, der Lohnarbeit, der Klassen (und somit des Proletariats), der Geschlechterrollen usw. sein, die Abschaffung der bestehenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Schaffung neuer &#8211; ein Prozess, der manchmal mit dem Begriff der &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; beschrieben wird.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &#8222;Activit&#233; de crise et (&#8230;)&#034; id=&#034;nh60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Von einem anarchistischen Standpunkt aus und ohne falsche Prinzipientreue oder opportunistische Betrachtungen, sondern mit Bescheidenheit und Verst&#228;ndnis, sollten wir versuchen, aus der spanischen Revolution Lehren zu ziehen. Ich bin &#252;berzeugt, dass eine blinde Bewunderung ohne jegliche Kritik unsere Bewegung weit mehr als eine ehrliche Einr&#228;umung der vergangenen Fehler schw&#228;chen wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maria Luisa Berneri&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[I]ch sammle W&#246;rter. Es gibt viele lange Wintertage &#8211; und dann wissen wir nicht mehr, wor&#252;ber wir sprechen sollen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leo Linni&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben hier die Aktionen seit Februar 2022 von gewissen Individuen er&#246;rtert, die sich als Anarchisten, Antiautorit&#228;re und Antifas bezeichnen; es sollte daran erinnert werden, dass sie deswegen nicht repr&#228;sentativ f&#252;r die Gesamtheit der Aktivisten dieser Str&#246;mungen im Land sind. In etlichen L&#228;ndern kommen, nach einer mehr oder weniger langen Periode, wo eine herablassende Milde gepaart mit viel Unbehagen vorherrschte, die Debatte und Kritik in den aktivistischen Medien auf. Sogar in der Ukraine selbst sehen einige nicht wirklich, in welcher revolution&#228;ren Tradition diese Freiwilligen in Uniform stehen k&#246;nnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;L'anarchisme britannique succombe &#224; la (&#8230;)&#034; id=&#034;nh61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrheit der ukrainischen Anarchisten entschied sich wahrscheinlich daf&#252;r, die Kriegsanstrengungen gegen die russische Invasion zu unterst&#252;tzen, doch es gab eine Debatte und antimilitaristische und internationalistische Positionen kamen darin vor. In Anbetracht der autorit&#228;ren Ausw&#252;chse des ukrainischen Machtapparats riskieren jene, welche den Burgfrieden, den Krieg, alle Armeen (und somit die Wehrpflicht), alle Staaten und den Kapitalismus verurteilen wollen, scharfe Repression unter dem Kriegsrecht. Sie k&#246;nnen also keine Lokale oder Homepages haben, nicht zu Unterst&#252;tzung aufrufen oder Aktionen durchf&#252;hren und sind somit dazu verurteilt, in andere L&#228;nder zu fl&#252;chten oder sich in eine sehr gef&#228;hrliche Klandestinit&#228;t zu begeben. Einige Individuen versuchen noch, einen klassischen und wenig spektakul&#228;ren Aktivismus zu betreiben, d.h. mit grosser Vorsicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das gilt zum Beispiel f&#252;r die Gruppe Assembleia in Charkiw, die jene Bev&#246;lkerungen humanit&#228;r unterst&#252;tzt, welche Opfer vom Konflikt geworden sind, weiterhin, allen voran von einem lokalen Standpunkt aus, &#252;ber soziale Fragen (Urbanismus, &#214;kologie und Korruption) spricht und auf ihrer Ebene am Informationsaustausch zur Umgehung der Wehrpflicht auf Telegram teilnimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&#8220; in Le Monde (&#8230;)&#034; id=&#034;nh63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir werden detaillierter auf die ukrainischen Gegner des Krieges und der Armee in einem sp&#228;teren Artikel zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit k&#246;nnte man sich die Frage stellen, was die Aktivit&#228;t von etwa 50 Aktivisten ohne den geringsten Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse inmitten von fast einer Million Uniformierter n&#252;tzt. Wenn diese Aktivit&#228;t tats&#228;chlich eine Auswirkung hat, dann wahrscheinlich auf das Milieu mit revolution&#228;rem Anspruch im Westen. &#220;ber die sozialen Medien adressieren sich die ukrainischen Antiautorit&#228;ren regelm&#228;ssig an ebendiese linksradikalen Aktivisten, Antifas, Anarchisten und sogar Autonomen, um eine finanzielle Unterst&#252;tzung und ein mediales Echo zu bekommen; so werden Konzerte, Unterst&#252;tzungsabende oder T-Shirt-Verk&#228;ufe in den Lokalen der Aktivisten organisiert. Man verbreitet dort, ohne es zu wagen, ihn zu kritisieren, den Diskurs der die nationale Verteidigung gutheissenden ukrainischen Aktivisten, der, vergessen wir es nicht, als innovativ und pragmatisch dargestellt wird und von dem gesagt wird, dass er die westlichen Revolution&#228;re betreffend der Vorbereitung des kommenden Krieges inspirieren soll. Aber was w&#252;rde das bedeuten? Sollte man sich, um konsequent sein, dem &#196;quivalent der TV anschliessen, d.h., in Frankreich, dieser Nationalgarde, deren Formation 2016 von den Aktivisten als Zeichen einer abscheulichen Militarisierung der Gesellschaft und ihr faschistischer Auswuchs denunziert wurde?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Wenn man gewissen ukrainischen Antifas zuh&#246;rt, w&#228;re es jedoch von gr&#246;sstem Interesse f&#252;r einen jungen franz&#246;sischen Aktivisten, sich dieser Nationalgarde anzuschliessen und dort, auf die Gefahr hin, auf &#8222;Faschos&#8220; zu treffen (die, wir haben es weiter oben gesehen, sich im Alltag als sympathische Typen herausgestellt haben), den Umgang mit Waffen und den Kampf zu lernen&#8230; In diesem Fall sollte man sich jedoch vielleicht, und besonders, wenn man w&#252;nscht, dass das &#8222;franz&#246;sische Volk&#8220;, genau wie das &#8222;ukrainische Volk&#8220;, auch f&#228;hig ist, &#8222;sich zu verteidigen&#8220;, dass die Mittel und die Mitgliederzahl dieser Garde vergr&#246;ssert werden oder sogar, dass der obligatorische Wehrdienst wieder eingef&#252;hrt wird!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sollte man sonst noch von diesen ukrainischen Aktivisten lernen? Den notwendigen Pragmatismus? Die Notwendigkeit einer verst&#228;rkten Organisation f&#252;r mehr Effizienz? Das Primat der Aktion &#252;ber das Nachdenken und des Milit&#228;rischen &#252;ber das Politische? Die positiven Aspekte des Nationalismus (der &#8222;befreiend und kreativ&#8220; sein k&#246;nne, wie es uns schon Rojava gezeigt habe)?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Hinf&#228;lligkeit des Antimilitarismus und des Internationalismus in Kriegszeiten? Die Hinf&#228;lligkeit des Antifaschismus, sobald man Seite an Seite mit den Faschisten f&#252;r ein gemeinsames Ziel (die Verteidigung der Demokratie) k&#228;mpft? Die notwendige Pausierung jeglicher sozialer Kritik im Falle eines Krieges (w&#228;hrend man auf die R&#252;ckkehr des Friedens und den Sieg des Guten &#252;ber das B&#246;se wartet)? Die Idee, das R&#228;derwerk des Staates zu benutzen, wenn man nicht stark genug ist, um ihn zu vernichten? Eine Reihe von Ideen, denen wir schon w&#228;hrend den schlimmsten Momenten der Geschichte der Arbeiterbewegung begegnet sind. Um nur auf zwei Punkte einzugehen: Es ist ziemlich &#252;berraschend, eine politische Meinung auszuklammern, sobald es zu einer Krise kommt, da sie eben genau in solchen Situationen von Interesse ist!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Notwendigkeit ihrerseits, bei jeder Gelegenheit &#8222;etwas zu tun&#8220;, geh&#246;rt eher zu den pers&#246;nlichen existenziellen Fragen und den aktivistischen Reflexen als zu irgendeiner moralischen Verpflichtung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Europa haben sehr wenige Gruppen und Organisationen klassische revolution&#228;re Positionen eingenommen, die meisten haben f&#252;r eine Verurteilung des Krieges gepaart mit einer scheuen Unterst&#252;tzung f&#252;r den &#8222;ukrainischen Widerstand&#8220; optiert; gewisse Linksradikale, Anarchisten und Autonome haben sich sogar daf&#252;r entschieden, eine Initiative zu unterst&#252;tzen, die grunds&#228;tzlich von militaristischer Art und offensichtlich patriotisch gepr&#228;gt ist&#8230; Die ukrainischen Deserteure, Verweigerer und Antimilitaristen, die sich weigern, geschlachtet zu werden, sind meistens vergessen gegangen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta (&#8230;)&#034; id=&#034;nh67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; obwohl es wahr ist, dass letztere sich nicht medial in Szene setzen konnten, war es vom ersten Tag der Invasion an unm&#246;glich, ihre Existenz zu &#252;bersehen. Das zeigt einmal mehr, inwieweit, sogar &#8222;links&#8220;, eine Uniform, ein Sturmgewehr und/oder eine Kampferfahrung &#8211; Virilit&#228;t in hohen Dosen &#8211; faszinieren und eine scheinbare politische Glaubw&#252;rdigkeit verschaffen k&#246;nnen. Eine &#8211; meist virtuelle &#8211; Unterst&#252;tzung, die in der Regel nicht von einem Bruch oder einer Abweichung gegen&#252;ber einem allt&#228;glichen Aktivismus zeugt, sondern eher von einer banalen Kontinuit&#228;t&#8230;&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Wir greifen hier einige S&#228;tze unseres Artikels vom Mai 2022 wieder auf, es ging darin schon kurz um die Aktivisten, welche die nationale Verteidigung gutheissen: &#8222;Wir wiederholen es, es geht hier f&#252;r uns nicht darum, die Art und Weise zu kritisieren, wie Leute auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern gegebenenfalls um die an uns gerichteten Diskurse und v.a. jene &#252;ber sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/i&gt;Die Bereitschaft ist mittlerweile im Aktivistenmilieu solide verankert, &#252;berall revolution&#228;res &#8222;Potenzial&#8220; zu sehen, v.a. wenn die Region weit weg und exotisch ist &#8211; ein Standpunkt, der hier besonders an den Haaren herbeigezogen ist. Doch jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, welche die ukrainische Frage auf sehr verf&#252;hrerische Art und Weise und vielleicht offener als andere &#8222;Operationsfelder&#8220; heimsuchen, nichts anderes als der Militarismus, der Nationalismus und das Konzept des Burgfriedens, morbide Varianten des Interklassismus. Ideologien, von denen sogar die erfahrensten und theoretisch bewandertsten Aktivisten mitgerissen werden k&#246;nnen, wenn die Umst&#228;nde passen, die Geschichte hat es auf traurige Art und Weise gezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist aber so, dass wir keine Bombenangriffe erdulden m&#252;ssen, dass in unseren Strassen keine K&#228;mpfe stattfinden und dass wir nicht Gefahr laufen, jede Minute get&#246;tet zu werden. Wir haben also keine Entschuldigung, keine Entschuldigung, um den Kopf zu verlieren. Wir k&#246;nnen von relativ komfortablen Rahmenbedingungen profitieren, um ruhig &#252;ber die laufenden Ereignisse nachzudenken. Es w&#228;re falsch, sie nicht zu missbrauchen, denn diese Rahmenbedingungen verschwinden vielleicht schneller als wir glauben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn wie wird Europa in zehn, f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahren aussehen? Wie wird es um das deutsch-franz&#246;sische Verh&#228;ltnis oder den russischen Einfluss stehen? Wer weiss es? Alles, was man beobachten kann, sind eine allgemeine Remilitarisierung und einige L&#228;nder (Deutschland, Polen und die Ukraine), die versuchen, die m&#228;chtigste Armee des Kontinents aufzubauen. Viele verstehen endlich, dass die Beteiligung Frankreichs an einem Konflikt mit hoher Intensit&#228;t, der sich &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; bis auf seinen eigenen Boden ausdehnen kann, nicht nur ein dystopisches Szenario darstellt&#8230; Doch im Gegensatz zu dem, was nun viele zu glauben scheinen, wird der Krieg, der den Kern Europas heimsuchen wird, wom&#246;glich nicht ein Krieg zwischen der NATO und Russland sein. Auf alle F&#228;lle wird, sollte eine solche Katastrophe eintreten, das offizielle und mediale Narrativ zwingend jenes des Guten (&#8222;wir&#8220;) gegen das B&#246;se (&#8222;unsere&#8220; Feinde) sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das (&#8230;)&#034; id=&#034;nh69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; doch wie werden wir dann reagieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stellt euch vor, dass ihr in einer nicht so fernen Zukunft in einem Frankreich, das nun im Krieg ist, alte Genossen trefft, die euch erkl&#228;ren, dass man die franz&#246;sische Armee unterst&#252;tzen muss, dass junge und mutige Aktivisten sich freiwillig engagiert haben, dass man die Regierung in diesem schwierigen Moment nicht kritisieren soll, dass die Streikenden wirklich verantwortungslos sind usw., denn heutzutage &#8222;ist es nicht mehr wie fr&#252;her&#8220; &#8211; obwohl es eben genau immer noch genau gleich ist, immer noch zwei Bourgeoisien, die einander entgegenstehen und ihre jeweiligen Proletarier in den Tod schicken. Angesichts der Geschichte der Arbeiterbewegung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und gewissen gegenw&#228;rtigen Positionsbez&#252;gen w&#228;re eine solche Szene alles andere als erstaunlich; viele werden sich selbst verleugnen und sehr wenige werden dazu stehen (die Verurteilung dieser Tatsache heute sagt nichts &#252;ber unsere morgigen Entscheidungen aus). Ist es dennoch notwendig, schon heute damit zu beginnen? K&#246;nnen wir nicht im Gegenteil vom &#8222;Luxus&#8220; des Friedens profitieren, solange wir ihn noch geniessen k&#246;nnen, um zu &#252;berlegen, bevor wir Position beziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die dreckigen Zugest&#228;ndnisse von 1914 erlaubten zumindest (f&#252;r eine gewisse Zeit) die Definition von klaren politischen Trennlinien und das Auftauchen von (anf&#228;nglich minorit&#228;ren) Gruppen von Revolution&#228;ren, als ein in diesem Ausmass noch nie gesehener proletarischer Angriff das alte Europa erzittern liess. Die gegenw&#228;rtige Periode best&#228;tigt, dass sich die Dinge jenseits der Minderheiten mit revolution&#228;rem Anspruch abspielen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf hoffnungsvollere Tatsachen zur&#252;ckkommen und von der Art und Weise sprechen, wie die Proletarier im Alltag und ohne Ideologie dem laufenden Gemetzel im Osten und S&#252;den der Ukraine zu entfliehen suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tristan Leoni, &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;J&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;an&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;uar&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; 2024&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3572&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 er&#246;rterten wir den die Ukraine heimsuchenden Konflikt in einem langen Artikel, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;und Selbstorganisation&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;, der auf dem Blog &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;DDT21&lt;/a&gt; ver&#246;ffentlicht und &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3460&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;in verschiedene Sprachen &#252;bersetzt&lt;/a&gt; worden ist. Man findet dort einige erste &#220;berlegungen zu den anarchistischen K&#228;mpfern, &#252;ber die man damals nur sehr wenige Informationen hatte. Seither sind ihnen in der aktivistischen Presse etliche Artikel, Interviews und Dokumentationen gewidmet worden, sie sind jedoch stets partiell und knapp, sowie h&#228;ufig hagiographisch. Soweit wir wissen, hat niemand (und besonders nicht ihre eifrigsten Bewunderer) versucht, die Geschichte und die Aktivit&#228;ten dieser Aktivisten auf einfache und synthetische Art und Weise zu pr&#228;sentieren. Wir begn&#252;gen uns hier damit, die zerstreuten Informationen zusammenzubringen, die in den verschiedenen Dokumenten verf&#252;gbar sind, einige Teile dessen zusammenzulegen, was ein endg&#252;ltiges Bild davon sein soll.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im Kriegsfall die Weigerung beschreibt, ein Lager gegen ein anderes zu verteidigen (da beide definitionsgem&#228;ss kapitalistisch sind), den Antimilitarismus, den revolution&#228;ren Def&#228;tismus und den Aufruf zur Verbr&#252;derung zwischen den beteiligten Proletariern (gegen ihre Hierarchien und ihre jeweiligen Bourgeoisien).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus bloss eine politische Strategie ist und dass diese logischerweise keine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist; sie ist &#252;brigens heftig kritisiert worden, vor allem im Italien der 1920er Jahre von der kommunistischen Linken, welche die Einreihung des Proletariats in die Verteidigung einer naturgem&#228;ss b&#252;rgerlichen Demokratie denunzierte (was die Aktivisten nicht daran hinderte, die Faschisten k&#246;rperlich anzugreifen). Die Formel des zentralen Theoretikers dieser Str&#246;mung, Amadeo Bordiga (1889-1970), hat es zu einer gewissen Ber&#252;hmtheit gebracht: &#8222;Antifaschismus ist das schlimmste Produkt des Faschismus.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &lt;a href=&#034;https://www.galiciaconfidencial.com/noticia/239242-combatentes-anarquistas-guerra-ucraina-loitamos-imperialismo-ruso&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de Ucra&#237;na: &#8218;Loitamos contra o imperialismo ruso&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 28. August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &#8222; &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/four-months-anti-authoritarian-platoon-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;a href=&#034;https://www.militantwire.com/p/defensive-war-as-an-act-of-popular&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive Interview with an Anarchist Fighter of the Territorial Defense Forces of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 31. Mai 2022. Zum Hoods Hoods Klan, siehe Laurent Gueslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.lalibre.be/international/2012/06/07/ukraine-hooligans-dextreme-gauche-SVCTZXIQUJAIBL6KINCE4ATP6Y&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : hooligans d'extr&#234;me gauche&lt;/a&gt;&#8220;, 7. Juni 2012; ein Dokumentarfilm von Popular Front vom Juni 2022, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=nsodbPkjO3c&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Frontline Hooligan: Ukraine's Anti-Fascist Football Ultras Fighting Russian Invasion&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die Entwaldung, den Bau von Windr&#228;dern und andere Baustellen. Siehe Pramen, &#8222;&lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/12/a-conversation-with-anarchists-from-ecoplatform-fighting-in-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;A conversation with anarchists from Ecoplatform fighting in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 27. Dezember 2022. Es ist zumindest eigenartig, dass Aktivisten, die so viel Respekt vor lebenden Wesen zeigen, sich in der Armee engagieren mit dem Projekt, russische Soldaten zu t&#246;ten&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://la-presse.org/anarchist-manifest-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, Transkarpatiens und der Bukowina im 18. Jahrhundert, ihr Anf&#252;hrer war Oleksa Dowbusch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;der Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist es nicht unbedeutend, dass den Autoren nur dieses Beispiel in den Sinn kommt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an rechtsextremen Organisationen und Aktivisten teil sind, die bis im Februar 2022 von den Antiautorit&#228;ren als &#8222;Faschisten&#8220; bezeichnet und als solche bek&#228;mpft wurden&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem Privatsektor zu offerieren. Siehe H&#233;l&#232;ne Richard, &lt;a href=&#034;https://monde-diplomatique.de/artikel/!5970155&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Arbeiten, k&#228;mpfen, durchhalten&#8220;&lt;/a&gt;, November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://lundi.am/L-organisation-des-anarchistes-sur-le-front-ukrainien&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&lt;/a&gt;&#8220;, 9. Januar 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und Juni 2022 von Operation Solidarity aufgewendeten 59&#8216;680 &#8364; 41&#8216;404 &#8364; f&#252;r &#8222;milit&#228;rische Anliegen&#8220; ausgegeben worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches Netzwerk, das 1907 gegr&#252;ndet worden ist und theoretisch die Unterst&#252;tzung von politischen und sozialen Gefangenen zum Ziel hat. Die Gruppe aus Dresden hat scheinbar f&#252;r eine etwas originellere Positionierung optiert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://freedomnews.org.uk/2023/03/31/voices-from-the-front-russian-anarchist-fights-for-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer Arbeit ist die Kreativit&#228;t und die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit, nicht der Kauf (von Ausr&#252;stung) selbst und auch nicht die Interaktion mit den Einheiten.&#8220; Daria Shulzhenko, &#8222;&lt;a href=&#034;https://kyivindependent.com/donations-on-decline-volunteers-get-creative-to-keep-raising-funds-for-military/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Donations on decline: Volunteers get creative to keep raising funds for military&lt;/a&gt;&#8220;, 1. November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das Team Berlioz oder die Task Force Baguette, in welchen franz&#246;sischsprachige Freiwillige dienen. Diese Verpflichtung, f&#252;r die M&#228;zene ein verf&#252;hrerisches Bild zu zeichnen, existiert auch auf einem ganz anderen Niveau: Der Forscher C&#233;dric Mas h&#228;lt fest, dass &#8222;es eine gewisse Anzahl milit&#228;rischer Operationen gibt, in denen Menschen sterben, verletzt werden oder Glieder verlieren, die nur ausgef&#252;hrt werden, um Videos herauszugeben und danach eine Informationsaktion durchzuf&#252;hren&#8220;; geh&#246;rt im Podcast &#8222;&lt;a href=&#034;https://soundcloud.com/le-collimateur/dune-guerre-a-lautre-comprendre-et-interpreter-loffensive-ukrainienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;D'une guerre &#224; l'autre. Comprendre et interpr&#233;ter l'offensive ukrainienne&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Le Collimateur&lt;/i&gt;, Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://telegra.ph/Solidarity-Collectives-Statement-07-04&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Solidarity Collectives Statement&lt;/a&gt;&#8220;, 4. Juli 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/main-page-english/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten befinden, die &#252;ber eine mediale Aura und ein gewisses Prestige verf&#252;gen (im Gegensatz zum Anarchisten bei Asow?), hat sich wom&#246;glich zu ihren Gunsten ausgewirkt. Zur Beteiligung von libert&#228;ren Aktivisten an rechtsextremen Einheiten, siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=KCynPQwZU9I&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk: clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&lt;/a&gt;&#8220;, Juni 2023, oder auch Perrine Poupin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mouvements.info/leruption-de-la-russie-en-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un volontaire de la d&#233;fense territoriale de Kiev&lt;/a&gt;&#8220;, 29. M&#228;rz 2022. Zum Kastus-Kalinouski-Regiment, siehe Pierre-Yves Baillet, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.frogofwar.info/entretien-avec-denys-kit-prokhorov-commandant-du-regiment-kastus-kalinouski-2/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec Denys &#8218;KIT&#8216; Prokhorov, commandant du r&#233;giment Kastu&#347; Kalino&#365;ski&lt;/a&gt;&#8220;, 8. Dezember 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Es muss auch betont werden, dass es auf den sozialen Medien nur so von Informationen, Ger&#252;chten und wahrscheinlich auch schlichten Verleumdungen hinsichtlich vergangener oder gegenw&#228;rtiger geheimer Zusammenarbeit gewisser sehr prominenter ukrainischer Anarchisten mit rechtsextremen Milieus wimmelt. Aus der Distanz und aufgrund der Grenzen automatischer &#220;bersetzung ist es schwierig, herauszufinden, was stimmt und was nicht. Ruhe und Gelassenheit stehen in diesem Milieu auf jeden Fall nicht auf der Tagesordnung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den zugeschriebenen Ort nicht so einfach wie bei der Anmeldung im Schachclub oder im Boxstudio, doch der Mangel an Organisation w&#228;hrend den ersten Tagen der Invasion hat wahrscheinlich etwas Flexibilit&#228;t m&#246;glich gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht aus einer variablen Anzahl Bataillone (die ihrerseits aus Kompanien bestehen, diese werden aus Z&#252;gen gebildet, letztere bestehen aus Gruppen). Die TV des Oblasts von Kiew enth&#228;lt die 112. und die 241. Brigade.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://danslabrume.noblogs.org/post/2023/08/22/apres-le-bataillon-anti-autoritaire-suite-de-la-resistance/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&lt;/a&gt;&#8220;, August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Laurent Geslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.mediapart.fr/journal/international/260622/en-ukraine-des-anarchistes-montent-au-front-pour-combattre-l-invasion-russe&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour combattre l'invasion russe&lt;/a&gt;&#8220;, 6. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;unserem Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; schrieben wir folgendes in einer Fussnote: &#8222;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die streitenden Kr&#228;fte scheinen f&#252;r die j&#252;ngsten westlichen Entwicklungen hinsichtlich der Geschlechterrollen kaum empf&#228;nglich zu sein. Hier, obwohl wir in Europa sind, ist das Schema viel klassischer: Jene, welche k&#228;mpfen, sind M&#228;nner (ausser vielleicht einige wenige Ausnahmen in der TV) und jene, welche fliehen, sind Frauen, Kinder und Alte.&#8220; Ende 2023 entwickelt sich die Situation aufgrund der Verknappung von Freiwilligen und die Frauen werden immer mehr herangezogen. Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf diese Frage zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://operation-solidarity.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;ihre Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit dem Spanienkrieg zu vergleichen; betonen wir also, dass die Milizen der CNT und der FAI zwischen 1936 und 1937 ungef&#228;hr 50&#8216;000 K&#228;mpfer z&#228;hlen (auf eine Bev&#246;lkerung von 25 Millionen Einwohnern in Spanien 1936 gegen 43 Millionen in der Ukraine 2021). Die Revolution&#228;re aufst&#228;ndische Armee Nestor Makhnos ihrerseits z&#228;hlte 1919 mehr als 100&#8216;000 M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten der ukrainischen Armee unter jenen, welche offen eine rechtsextreme Ideologie zur Schau tragen &#8211; zwischen 3&#8216;500 und 5&#8216;000 M&#228;nner. Trotz seiner schweren Verluste, besonders w&#228;hrend der Schlacht von Mariupol, scheint der Zustrom an Freiwilligen, die sich ihm anschliessen wollen, nicht abzunehmen und das Regiment wird sogar im Februar 2023 offiziell zur Brigade &#8222;aufgewertet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;unseren Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia und der daraus folgenden unvermeidlichen Ausw&#252;chse und &#220;bergriffe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Joshua Askew, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.euronews.com/my-europe/2022/06/09/meet-the-motley-crew-of-anarchists-and-anti-fascists-fighting-russia-in-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists fighting Russia in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 10. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;The media committee of the platoon, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/anti-authoritarian-platoon-of-ukraine-are-we-anarchists-and-what-we-do/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine : Are We Anarchists and What We Do&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews kreiert worden ist, wird zum Beispiel von ehemaligen Pr&#228;sidenten Petro Poroschenko ausger&#252;stet und finanziert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und intellektuellen Wallungen der Zwischenkriegszeit in Europa oder, in Italien, die abenteuerliche Episode von Fiume (1919-1924), an welcher unklassifizierbare Aktivisten, Protofaschisten, Royalisten und Anarchisten gemeinsam beteiligt waren, zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roger Caillois, &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt; (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah als einzige L&#246;sung f&#252;r die k&#252;nftigen K&#228;mpfe, sich von ihrer Organisationsweise zu inspirieren. Diese Ideen werden besonders in einem Text von 1926 entwickelt, &#8222;Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Activit&#233; de crise et communisation&#8220;&lt;/a&gt;, 2010, und Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/IMG/pdf/21rupture-livre.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/a&gt;, Genf/Paris, Entremonde, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;&lt;a href=&#034;https://cras31.info/IMG/pdf/olga_taratuta_n4_2023-05.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'anarchisme britannique succombe &#224; la fi&#232;vre de la guerre&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Initiative de solidarit&#233; Olga Taratuta&lt;/i&gt;, Nr. 4, Mai 2023, S. 7-19.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann sich entwickeln, seine Meinung &#228;ndern. Aber &#246;ffentlich einer Sache absagen, f&#252;r die man w&#228;hrend Jahren gek&#228;mpft hat, ist nicht einfach, umso mehr, weil man Gefahr l&#228;uft, dabei seine Freunde, seine Beziehungen zu verlieren. Man zieht es vor, sich vor sich selbst zu verstecken, zu behaupten, die Welt habe sich ge&#228;ndert, dass unsere Ideale modernisiert werden m&#252;ssen und man pragmatisch sein m&#252;sse.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, die sich weigerten, ihre Ansichten zu verleugnen und sich dem Burgfrieden anzuschliessen, und weiterhin den Antimilitarismus, den Internationalismus und revolution&#228;ren Def&#228;tismus verteidigten, schnell an die vorderste Front geschickt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://monde-libertaire.net/index.php?articlen=6711&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde libertaire&lt;/i&gt;, 4. September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die verschiedenen vorhandenen Reserven zusammenbrachte. Siehe Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;http://www.lemondealenvers.lautre.net/livres/manu_militari.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Manu Militari ? Radiographie critique de l'arm&#233;e&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2018, S. 65-66.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der Nation k&#228;mpfen, doch es handelt sich nur um Symbole und Worte, die am wirklichen Wesen der die Ukraine durchdringenden Bewegung nichts &#228;ndern. Wenn ich auf jeden Fall im Moment zwischen &#8218;Es lebe der K&#246;nig&#8216; und &#8218;Es lebe die Nation&#8216; w&#228;hlen muss, entscheide ich mich ohne zu z&#246;gern f&#252;r die Nation!&#8220; Perrine Poupin, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend des Ersten Weltkrieges alles andere als verstaubt sind; sie sind im Gegenteil besonders aktuell. Siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://quatre.zone/2022/04/01/les-anarchistes-contre-la-guerre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les anarchistes contre la guerre, de 1914 &#224; 2022&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta erw&#228;hnen und begr&#252;ssen, eine Gruppe, die Fl&#252;chtlinge, Deserteure und Pazifisten unterst&#252;tzt, egal, ob sie aus Russland, Weissrussland oder der Ukraine kommen. Mehr Infos auf ihrer &lt;a href=&#034;https://nowar.solidarite.online/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das Lager des Guten w&#228;hlen, es meistens jenes ist, welches von den herrschenden b&#252;rgerlichen Medien als solches designiert wird (Pal&#228;stina ist hierf&#252;r die Ausnahme); siehe diesbez&#252;glich Claude Guillon, &lt;a href=&#034;http://www.insomniaqueediteur.com/publications/dommages-de-guerre&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Dommages de guerre : Paris-Pristina-Belgrade 1999&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, L'Insomniaque, 2000. Man entscheidet sich in der Regel nicht f&#252;r ein Lager, wenn der Konflikt nicht prominent in den Medien vertreten ist; die Kriege, die seit Jahren im Jemen, im Kongo oder im Sudan w&#252;ten, sind gute Beispiele daf&#252;r.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen Arbeiterbewegung im Sommer 1914 sollte man unbedingt das Werk von Jean-Claude Lamoureux lesen: &lt;a href=&#034;https://lesnuitsrouges.com/produit/les-nuits-rouges/disponibles/les-10-derniers-jours/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les Dix Derniers Jours&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Les Nuits rouges, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
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	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Tristan Leoni - Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation</title>
		<link>http://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation</link>
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		<dc:date>2022-09-24T01:14:00Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;So viel gutes Blut hat diese Erde getrunken, Blut von Arbeitern und Blut von Bauern, Weil die Banditen, die Kriege verursachen, Niemals dabei sterben, man t&#246;tet nur die Unschuldigen! &lt;br class='autobr' /&gt;
Um die Ungewissheit des Schlachtfeldes zu evozieren, sprach Clausewitz vom &#8222;Nebel des Krieges&#8220;, der Begriff k&#246;nnte genauso gut auf die mediale Lawine angewandt werden, die wir seit dem 24. Februar 2022 bez&#252;glich der Ukraine erleben. Die beiden Lager liefern sich einen ziemlich klassischen Propaganda- und (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Tristan-Leoni" rel="tag"&gt;Tristan Leoni&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton82.jpg?1689210820' class='spip_logo spip_logo_right' width='111' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;So viel gutes Blut hat diese Erde getrunken,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Blut von Arbeitern und Blut von Bauern,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Weil die Banditen, die Kriege verursachen,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Niemals dabei sterben, man t&#246;tet nur die Unschuldigen!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mont&#233;hus, La Butte rouge, 1923.&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Um die Ungewissheit des Schlachtfeldes zu evozieren, sprach Clausewitz vom &#8222;Nebel des Krieges&#8220;, der Begriff k&#246;nnte genauso gut auf die mediale Lawine angewandt werden, die wir seit dem 24. Februar 2022 bez&#252;glich der Ukraine erleben. Die beiden Lager liefern sich einen ziemlich klassischen Propaganda- und Bilderkrieg, der auf noch nie dagewesene Art und Weise durch die sozialen Netzwerke verst&#228;rkt wird. Von diesem Standpunkt aus sind die Ukrainer im Vorteil; viele Bilder sind auf ihrer Seite verf&#252;gbar (aufgenommen von Zivilisten oder Journalisten), viel weniger auf russischer Seite (keine Smartphones f&#252;r die Soldaten, keine Zivilisten, kaum Journalisten). Daher kam am Anfang die &#220;berf&#252;lle an zerst&#246;rten russischen Fahrzeugen. Das ist es, was die Abendl&#228;nder (wir) sehen, doch es handelt sich nur &lt;i&gt;um einen Teil&lt;/i&gt; der Realit&#228;t. Umso mehr, weil die Algorithmen unsere jeweiligen kognitiven Verzerrungen verst&#228;rken, sie dr&#228;ngen uns dazu, jene Informationen zu beg&#252;nstigen, welche unsere Meinungen und Vorannahmen best&#228;tigen: Das ist das &#8222;Diagoras-Problem&#8220;, aber in Kriegszeiten wird dieses allt&#228;gliche Los exzessiv, erstickend. Es ist nicht einfach, die notwendige Distanz und einen gen&#252;gend k&#252;hlen Kopf zu bewahren, um zu verstehen, was geschieht, und eventuell dementsprechend zu handeln: Das ist es noch weniger, wenn man in einem kriegf&#252;hrenden oder am Krieg beteiligten Land lebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zwei glorreiche Halunken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Keine Angst, die gehen raus.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein ukrainischer Soldat, der einen franz&#246;sischen Journalisten bez&#252;glich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Russland ist in der Ukraine eingefallen und nicht umgekehrt. Der Unterschied zwischen &#8222;Angreifer&#8220; und &#8222;Angegriffenen&#8220; ist jedoch, so wichtig er auch sein mag, kein hinreichendes Kriterium, um die Situation zu verstehen. Der Demokrat und der Autorit&#228;re, der Nette und der B&#246;se usw.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 28. Juli 1914 erkl&#228;rt das m&#228;chtige &#214;sterreich-Ungarn (50 Millionen Einwohner) nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand dem kleinen Serbien (zehnmal weniger Einwohner) den Krieg. In den darauffolgenden Tagen treten alle europ&#228;ischen M&#228;chte durch das B&#252;ndnisspiel in den Krieg ein und eines der Argumente Frankreichs und Englands ist die Verteidigung des Schwachen gegen den Starken. &#8222;Niemand kann in gutem Glauben davon ausgehen, dass wir die Angreifer sind&#8220;, erkl&#228;rt Ren&#233; Viviani, Regierungschef einer sehr demokratischen franz&#246;sischen Republik, der das zwangsl&#228;ufig despotische und grausame Deutschland gerade den Krieg erkl&#228;rt hat. Obwohl die Sozialdemokraten (und sogar einige Anarchisten wie z.B. Kropotkin) aller L&#228;nder grossmehrheitlich diese Erz&#228;hlung und jeweils die Burgfriedenspolitik mittragen, verweigert sich die Sozialistische Partei Serbiens der Landesverteidigung und stimmt gegen die Kriegskredite. Im Jahr 1914 ist es selten, dass Revolution&#228;re nicht der Kriegspropaganda erliegen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Erw&#228;hnen kann man z. B. die Bolschewiken und die Menschewiken in Russland, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber man kann die Ursachen des Ersten Weltkrieges nicht mehr auf diese Art und Weise erkl&#228;ren. Der Ausl&#246;ser oder ausl&#246;sende Zwischenfall eines Konflikts ist nur ein Element in einer viel komplexeren Gesamtsituation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im September 1939 erkl&#228;ren Grossbritannien und Frankreich Deutschland den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Jedes Land kann legitimerweise behaupten, dass es sich verteidigt, das &#252;berfallene gegen den Invasoren nat&#252;rlich, aber auch der Invasor, der interveniert, um einen Dritten daran zu hindern, das &#252;berfallene Land zu besetzen, zu beherrschen oder zu manipulieren. Die UdSSR handelte 1956 in Ungarn so, Grossbritannien und Frankreich in &#196;gypten im gleichen Jahr, die USA in Vietnam, die UdSSR in Afghanistan usw. Die Schwachen existieren nur durch die Starken, die sie gegen andere Starke besch&#252;tzen, und jeder verteidigt sich, um seinen Nachbarn daran zu hindern, ihn anzugreifen oder als Basis daf&#252;r zu dienen.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie so viele vor ihm ist der sich heute auf dem ukrainischen Territorium abspielende Krieg Teil einer breiteren Konfrontation zwischen grossen Bl&#246;cken; und die Charakterisierung der beteiligten Regime (demokratisch oder nicht) ist (wie gewohnt) anekdotisch.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Westen beklagen gute Geister die Tatsache, dass w&#228;hrend dem Zerfall des Warschauer Pakts nach der Aufl&#246;sung der UdSSR 1991 die USA, statt die NATO aufzul&#246;sen, dieses milit&#228;rische B&#252;ndnis progressiv erweitert und sogar die meisten ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR daran beteiligt haben. Wie w&#252;rden die USA reagieren, falls Mexiko oder Kanada sich einem gegen sie gerichteten milit&#228;rischen B&#252;ndnis anschl&#246;ssen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gen&#252;gt, zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, die von den USA an (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;? Im Jahr 2022 hat die russische Invasion den Vorteil, die Ausweitung der NATO zu rechtfertigen und fortzusetzen (Schweden, Finnland).&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem liegt nicht hier. Es war selbstverst&#228;ndlich f&#252;r die USA (und ihre Verb&#252;ndeten), von der Gelegenheit des Verschwindens der UdSSR zu profitieren, um ihre Interessen durchzusetzen und die russische Macht zu beschr&#228;nken. Genau wie die UdSSR es in der Vergangenheit auch jedes Mal tat, wenn sie es konnte. Die Ukraine ist strategisch ein viel zu wichtiges Territorium (insbesondere der Osten und der S&#252;den des Landes), als dass das eine oder das andere Lager akzeptierte, es leichtfertig aufzugeben (Bev&#246;lkerungs- und somit proletarische Massen, Industrien, Bew&#228;sserung, etliche bestehende oder potenzielle Rohstoffe auch unter dem Schwarzen Meer, Zugang dazu und Kontrolle dar&#252;ber usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kein Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen.&#8220; Es brauchte Mut f&#252;r Marina Owsjannikowa am 14. M&#228;rz 2022, um es zu wagen, &#246;ffentlich den von ihrem Land gef&#252;hrten Krieg zu verurteilen. Es ist fraglich, ob die Fernsehnachrichten eines grossen franz&#246;sischen Senders eines Tages um 20 Uhr durch eine unangebrachte Hinterfragung der westlichen Kriegspropaganda unterbrochen werden k&#246;nnen. Gibt es vielleicht mehr Pazifisten in Moskau als in Paris?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rudyard Kipling hat vielleicht nie geschrieben, dass &#8222;die Wahrheit [&#8230;] das erste Opfer des Krieges [ist]&#8220;, &lt;i&gt;aber trotzdem&lt;/i&gt;&#8230; Man konnte freilich damit rechnen, aber es ist erstaunlich, die Geschwindigkeit festzustellen, mit welcher die Medien in jedem Land einen Konsens ausdr&#252;cken, welcher der Politik der Regierenden entspricht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu dieser Frage, mit den Beispielen der Kriege im Kosovo, im Irak, in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die mehr oder weniger allgemeine Akzeptanz der staatlichen Verwaltung der Covid-19-Krise seitens der Bev&#246;lkerungen hat minorit&#228;re und trotzdem mit einem gewissen Echo wiederholte Akte des Protestes nicht verhindert. Der Krieg hingegen erschafft nicht nur eine Unterwerfung, sondern eine Zustimmung &#8211; auf jeden Fall so lange sich der Konflikt nicht bis zu einem Punkt in die L&#228;nge zieht, wo die Ziele als immer weniger glaubw&#252;rdig erscheinen. Es ist n&#228;mlich bekannt, dass man 2022 nicht mehr Dutzende Millionen M&#228;nner einberuft: Man mobilisiert hunderte Millionen Zuschauer vor ihren Bildschirmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Paris oder in Marseille sind alle gegen den Krieg &#8211; aber w&#252;nschen sich den Sieg der Ukraine, fordern, dass man ihr mehr Waffen liefert oder sogar, dass man franz&#246;sische Soldaten dorthin schickt. Die &#8222;pazifistischen&#8220; Kundgebungen in den Farben Gelb und Blau sind ziemlich ruhig und &#252;berschaubar im Vergleich zu den heftigen Demonstrationen gegen den Krieg 2003, wo sich, man sollte es nicht vergessen, niemand den Sieg des Iraks w&#252;nschte, niemand schlug vor, Bagdad Waffen zu liefern, damit die amerikanischen Flugzeuge abgeschossen werden k&#246;nnen. Es ist wahr, dass diese sehr spezielle Spezialoperation offiziell zum Ziel hatte, das Land zu entbaathifizieren und zu demilitarisieren, gegen den Terrorismus zu k&#228;mpfen, ein Volk zu befreien und ihm die Demokratie zu bringen. Man verliert sich darin ein bisschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aber warum also?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;- Es ist ein Krieg gegen den Faschismus &#8230;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;- Es ist ein Krieg. Mit seinen tieferen Ursachen, seinen historischen Gr&#252;nden, seine Erkl&#228;rungen. Der Nationalismus, der Versailler Vertrag, die Rivalit&#228;ten zwischen expansionistischen Industriem&#228;chten.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Louis Mercier Vega, Reisende ohne Namen, Nautilus, 1997 (1936), S. 78.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Warum also hat Russland diese Operation lanciert, deren Folgen katastrophal sein werden, auch f&#252;r Russland selbst? Was war sein Interesse?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliessen wir zuerst die psychologisierenden oder pathologisierenden Erkl&#228;rungen aus, die im Moment sehr in Mode sind, sobald es darum geht, von einem Gegner zu sprechen; die Senilit&#228;t oder die geistige Verwirrung irgendeines politischen F&#252;hrers erkl&#228;ren nichts; schliessen wir auch die Personalisierung aus, denn man steht nie allein an der Spitze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte zeigt uns, dass die Ausl&#246;sung des Krieges, dieses &#8222;Wahnsinns&#8220;, in Wirklichkeit zu einem gegebenen Zeitpunkt jene Option f&#252;r einen Staat ist, welche als die vern&#252;nftigste erscheint; doch die Interessen der F&#252;hrungsschichten unterscheiden sich stark von jenen der ehrlichen Leute und der Proletarier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Halten wir zuerst fest, dass, obwohl die Drohung in der Luft lag, die Lancierung dieser Operation und allen voran ihr Ausmass fast die Gesamtheit der Beobachter und Spezialisten &#252;berraschten. Die Invasion der Ukraine war in Betracht gezogen und geplant worden (die F&#252;hrungsst&#228;be machen immer Pl&#228;ne f&#252;r die verschiedensten Situationen) und folgte auf riesige Man&#246;ver in Weissrussland. Aber es ist alles andere als sicher, dass die Operation wirklich &lt;i&gt;gew&#228;hlt&lt;/i&gt; wurde und noch weniger das Datum ihrer Lancierung; sie hat sich vielleicht den russischen Anf&#252;hrern &lt;i&gt;aufgedr&#228;ngt&lt;/i&gt; aufgrund einer komplexen Verkettung von Umst&#228;nden, welche die Konfrontation zwischen der NATO und Russland (vor allem seit 2014) als Rahmen haben und in welcher man folgende Elemente findet:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Rivalit&#228;t zwischen den USA und Russland bez&#252;glich der Energieversorgung Europas;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die verst&#228;rkte Truppenstationierung durch die NATO in der Region in den letzten Jahren (baltische L&#228;nder, Polen und Rum&#228;nien);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; vermehrte westliche Waffenlieferungen an die Ukraine 2021 und somit das Erstarken der ukrainischen Armee, die k&#252;nftig (aber wann?) stark genug sein k&#246;nnte, um die sezessionistischen Territorien im Donbass zur&#252;ckzuerobern oder zumindest um sich effizient einer erneuten russischen Invasion entgegenzustellen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Entwicklung und das Scheitern der Verhandlungen &#252;ber den Status der Ukraine (Neutralit&#228;t? Demilitarisierung? Beitritt zur NATO?) und des Donbass (Autonomie? Unabh&#228;ngigkeit?), auch in den Wochen vor der Offensive;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Erkl&#228;rungen Joe Bidens, der, w&#228;hrend die USA die unmittelbar bevorstehende russische Invasion verurteilen, ank&#252;ndigt, er habe &#8222;nicht die Absicht, amerikanische oder NATO-Truppen in die Ukraine zu entsenden&#8220; (25. Januar 2022) &#8211; was in der Diplomatie als &#8222;genehmigt&#8220; interpretiert werden kann&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man weiss heute, dass die amerikanische Diplomatie 1990, einige Wochen vor (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; europ&#228;ische L&#228;nder, die als schwach, gespalten und zu abh&#228;ngig von Russland erscheinen, um gegen das Land neue Wirtschaftssanktionen zu verh&#228;ngen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Elemente, die wir nicht zur Verf&#252;gung haben &#8211; gewisse Experten sprechen von einem m&#246;glichen Sinneswandel Russlands zwischen dem 21. und dem 23. Februar;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; ein Gelegenheitsfenster, das sich zu schliessen scheint: &#8222;Jetzt oder nie!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Betracht gezogen als M&#246;glichkeit und angedroht im diplomatischen Poker wurde die Invasion der Ukraine wahrscheinlich entschieden und dann verschoben, vielleicht mehrere Male; die finale Entscheidung wurde wahrscheinlich erst im letzten Moment getroffen, mehrere Wochen wurden verloren, was die sehr schlechten Wetterbedingungen w&#228;hrend der Periode der &lt;i&gt;rasputiza&lt;/i&gt; erkl&#228;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Verlauf der Operationen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Kein Plan &#252;berlebt die erste Feindber&#252;hrung.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Helmuth Karl Bernhard von Moltke, preussischer Generalfeldmarschall (1800-1891).&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Was die &#8222;informierten&#8220; Beobachter besonders &#252;berrascht, ist die Tatsache, dass es vor der russischen Bodenoffensive nur w&#228;hrend einigen Stunden zu Luft- und Raketenangriffen kam, welche Kasernen, Luftst&#252;tzpunkte, Luftabwehrsysteme und ukrainische Radarsysteme zum Ziel hatten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die amerikanische Armee und ihre westlichen Aushilfskr&#228;fte riskieren (&#8230;)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Rest ist die K&#252;hnheit des urspr&#252;nglichen Planes (der einem gewagten W&#252;rfelwurf in einem Kriegsspiel &#228;hnelt). Zu diesem Zeitpunkt ist das Ziel wahrscheinlich eine Kapitulation der Ukraine in einigen Tagen nach einer grossen Hubschrauberoperation gegen einen Flughafen in der Vorstadt Kiews zur &#214;ffnung eines Korridors f&#252;r ein schnelles Eindringen von Panzern, die Eroberung der Hauptstadt und der Sturz der Regierung. Obwohl die Fallschirmj&#228;ger sehr wohl den Flughafen erobern, scheitert die Operation, weil sie durch einen Gegenangriff niedergewalzt werden. Gleichzeitig &#252;berqueren an mehreren Punkten Panzerkolonnen die Grenzen und dringen &#252;berall ins Land ein, aber ohne Vorsicht oder Schutz, ohne taktische Luftunterst&#252;tzung und vor allem, eine andere &#220;berraschung, ohne Vorbereitung oder Artillerieunterst&#252;tzung; trotz der Tatsache, dass &#8222;die russische Armee&#8220; als Erbin der sowjetischen Doktrin &#8222;vorwiegend eine grosse rollende Artillerie und eine glatte Bomben abwerfende Luftschlagkraft ist&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michel Goya.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es kommt auch weder zur Zerst&#246;rung strategischer Standorte, noch der Infrastruktur zur Stromversorgung oder Kommunikation (in Serbien hatte die NATO 1999 die Kraftwerke und die Br&#252;cken angegriffen). Was auch immer die westlichen Medien sagen m&#246;gen, Russland f&#252;hrt in den ersten zwei Wochen seiner Offensive einen relativ &#8222;zur&#252;ckhaltenden&#8220; Krieg. Das kann durch den medialen Druck, aber auch durch den Willen Russlands erkl&#228;rt werden, die Infrastrukturen und die Schwerindustrie in jenen Gebieten zu erhalten, welche es annektieren m&#246;chte, und vor allem durch die Absicht, eine russischsprachige Bev&#246;lkerung zu schonen, von welcher es sich einen herzlichen Empfang erhofft und die es, so wird es offiziell behauptet, vom Nazijoch befreien will. Doch diese Strategie scheitert letztendlich. Die Analysen des russischen Nachrichtendienstes sind komplett falsch: Die Bev&#246;lkerung erweist sich als feindlich gegen&#252;ber den Soldaten und improvisiert manchmal Akte des bewaffneten Widerstandes (Wurf von Molotowcocktails). Zudem sieht sich die russische Invasion mit einer ukrainischen Armee konfrontiert, deren Widerstand viel hartn&#228;ckiger ist als geplant. Das liegt vorweg an der Tatsache, dass die russische Armee von keinem &#220;berraschungseffekt profitiert; obwohl die wochenlangen Man&#246;ver in Weissrussland offensichtlich Unruhe ausgel&#246;st haben, haben die Ukrainer von den amerikanischen Nachrichtendiensten die pr&#228;zisen Details der bevorstehenden Operation erhalten und sich darauf vorbereitet, besonders indem die Truppen und das Material zur Begrenzung der Effekte der ersten russischen Bombenangriffe zerstreut worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die russischen Panzer- und Versorgungslastwagenkolonnen, die vorr&#252;cken, als ob das Gebiet bereits erobert gewesen w&#228;re, sind mit einer heftigen Guerilla konfrontiert; sie sind ein erlesenes Ziel, weniger f&#252;r bewaffnete Zivilisten als f&#252;r kleine Gruppen von (besonders mit den gef&#252;rchteten amerikanischen oder schwedischen Panzerabwehrraketen Javelin oder NLAW&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bis zum 23. Februar 2022 waren Einheiten der amerikanischen, britischen und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) schwer ausger&#252;steten Milit&#228;rangeh&#246;rigen oder Kampfdrohnen (t&#252;rkische Bayraktar). Das Fortschreiten wird scheinbar auch durch einen Treibstoff-, Nahrungs- oder gar Munitionsmangel gebremst, d. h. durch eine schwache Logistik und/oder zumindest teilweises unvorbereitetes Handeln. Daher kommt eine relativ tiefe Kampfmoral, v.a. nach wochenlangen erm&#252;denden Man&#246;vern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach zwei Wochen K&#228;mpfen, als das Tauwetter und der Schlamm sich ausbreiten und die Stellungen erstarren, beginnen die Angreifer damit, die Artillerie viel weniger gem&#228;ssigt zu benutzen, besonders gegen die Vororte der belagerten St&#228;dte, wo die ukrainische Infanterie positioniert ist. Die russische Luftwaffe wird weiterhin kaum benutzt, sie scheint &#252;ber nur wenig Pr&#228;zisionsmunition zu verf&#252;gen, sie muss also auf Sicht und bei klarem Wetter schiessen, aber das Wetter ist schlecht und die H&#246;chstgrenze sehr tief, die Flugzeuge sind also in der Reichweite der ukrainischen MANPADS (Flugabwehr-Lenkwaffen), welche ihnen heftige Sch&#228;den zuf&#252;gen. Zudem kommt der ukrainischen Armee sehr schnell eine bedeutende Unterst&#252;tzung der NATO zugute, sei es materiell (massive und zunehmende Lieferungen von Waffen und Ausr&#252;stung), hinsichtlich der Ausbildung (dort oder in westlichen L&#228;ndern), logistisch (dort&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gewisse amerikanische oder britische Spezialkr&#228;fte tendieren leidigerweise (&#8230;)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), aber auch nachrichtendienstlich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;W&#228;hrend die westlichen &#220;berwachungssatelliten im Einsatz sind, gilt das (&#8230;)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr schnell sprach man von einem Scheitern oder einer L&#228;hmung der russischen Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn man den franz&#246;sischen Medien glauben m&#246;chte, bombardieren die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, ohne jedoch die urspr&#252;nglichen Ziele des Kremls zu kennen; es existiert &#252;brigens ein Unterschied zwischen den politischen Absichten und den milit&#228;rischen Zielen, die weitgreifender als erstere sein m&#252;ssen, um die Bem&#228;chtigung von Stellungen zu erlauben, welche bei k&#252;nftigen Verhandlungen als Tauschobjekt dienen werden. Die Invasion der gesamten Ukraine ist wahrscheinlich nicht das Projekt des Kremls: zu teuer, zu komplex (besonders um das Territorium zu besetzen), w&#228;hrend es f&#252;r ihn praktischer w&#228;re, eine auf ihren westlichen Teil reduzierte Ukraine aufrechtzuerhalten (sei es nur, um dort die Millionen Fl&#252;chtlinge und die Russland am feindlichsten gesinnten Bev&#246;lkerungen aufzunehmen). Die mehr oder weniger verschleierte Annexionsabsicht neuer Provinzen (&#246;stliches Dnieprufer, ein Teil oder die Gesamtheit der Schwarzmeerk&#252;ste) ist wahrscheinlicher. Auf jeden Fall kann Russland, wenn es die Dem&#252;tigung (gegen&#252;ber der Welt und seiner Bev&#246;lkerung) vermeiden will, seine Operation nicht unterbrechen, bevor es nicht ein Minimum an strategischen Stellungen erobert hat.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;&#8222;Putin hat auf ein Pferd gesetzt. Er ist eine Wette eingegangen, er hat sie in der ersten Runde verloren. Bis wann wird er den Einsatz erh&#246;hen, um nicht mit leeren Taschen abziehen zu m&#252;ssen? Genau darum geht es. Und der Westen muss verstehen, dass er nicht mit leeren Taschen abziehen kann, denn wenn er den Eindruck hat, dass er mit leeren Taschen abziehen k&#246;nnte, wird er den Einsatz erh&#246;hen. Das ist die Fata Morgana des Sieges, die alle Anf&#252;hrer ergreift, die sich in einer milit&#228;rischen Operation engagieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;General Vincent Desportes zitiert im Artikel &#8222;Guerre en Ukraine : quelle est (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ende M&#228;rz, als sich die L&#228;hmung best&#228;tigt und ein allzu schm&#228;hliches Scheitern verhindert werden muss, ziehen sich die russischen Truppen aus den rund um Kiew eroberten Gebieten und dem Norden des Landes zur&#252;ck und verschieben sich wieder in den Osten. Von nun an bezeichnet der Kreml als Ziel die Vollendung der Eroberung des Donbass und die Sicherstellung einer territorialen Kontinuit&#228;t zwischen diesem Territorium und der Krim, vielleicht sogar mit Transnistrien. Daf&#252;r kn&#252;pfen die russischen Einheiten wieder an ihre klassische Doktrin an und r&#228;umen der Vorbereitung durch Artillerie und die Bombenangriffe aus der Luft einen grossen Platz ein. Ende April r&#252;cken diese Truppen zwar langsam aber methodisch vor; die sowohl mechanische als auch menschliche Konfrontation ist heftig, umso mehr, weil das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis nun relativ ausgeglichen ist. Moskau, mit in diesem Krieg ziemlich wenig mobilisierten M&#228;nnern, ungef&#228;hr 200&#8216;000 (gegen 200&#8216;000 bis 300&#8216;000 auf Seiten Kiews), profitiert von einer gewissen &#220;berlegenheit in der Luft (die von den gegnerischen Flugabwehrraketen beschr&#228;nkt wird) und bez&#252;glich der Artillerie (die von den starken Befestigungen der Verteidiger beschr&#228;nkt wird). Wenn es Moskau nicht schafft, den Widerstand im Donbass zu zerschlagen, wird Russland eine andere L&#246;sung finden m&#252;ssen, um nicht das Gesicht zu verlieren &#8211; umso mehr, weil einige nun schon von der M&#246;glichkeit einer Umkehrung der Situation und ukrainischen Offensiven gegen Transnistrien oder die Krim sprechen. Da scheinbar sehr wenige L&#228;nder auf eine Beruhigung der Lage hinarbeiten &#8211; ganz im Gegenteil &#8211;, ist die Gefahr einer Eskalation heute sehr wohl real.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die Selbstorganisation der Bev&#246;lkerung&lt;/h2&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Es gibt nunmehr keine Gr&#252;nde mehr, zu k&#228;mpfen, wir haben keine Armee mehr, weder du noch ich, nur noch verschiedenfarbige Lumpen, die bloss noch Uniformen heissen. Wie sehen wir jetzt aus in diesen Lumpen? Es gibt keine Grenzen mehr, keine Regierungen, keine edlen Sachen, somit keine Gr&#252;nde mehr, zu k&#228;mpfen &#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Montgomery Pittman, &#8222;Tag 1 des Jahres 6&#8220;, erste Episode der dritten Staffel (&#8230;)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es gesehen, Russland hatte einen warmen Empfang in den russischsprachigen Regionen im Osten und im S&#252;den des Landes erwartet, doch das Gegenteil geschah. In den ersten Tagen wurde das Gewicht, sei es in den b&#252;rgerlichen Medien oder in den aktivistischen Netzwerken, auf die Mobilisierung der ukrainischen Bev&#246;lkerung gelegt; diese scheint uns zu zwei verschiedenen Feldern zu geh&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst einmal die grundlegende materielle Solidarit&#228;t in Anbetracht des Desasters: Unterst&#252;tzung und Beherbergung f&#252;r Fl&#252;chtlinge, die aus den Kampfgebieten fliehen (sie stehen unten an der T&#252;r und kommen aus der Nachbarstadt), Hilfe f&#252;r Verletzte und Leute, die unter den Tr&#252;mmern eines Hauses versch&#252;ttet sind usw. Man organisiert sich so gut es geht, koordiniert mit den Notdiensten, der lokalen Verwaltung, einer NGO oder schlicht mit Nachbarn. Diese Handlungen wurden manchmal als erste Anzeichen f&#252;r eine bei kontinuierlicher Ausbreitung und St&#228;rkung zwangsl&#228;ufig emanzipatorische Selbstorganisation der Proletarier interpretiert. Das scheint uns sehr &#252;bertrieben, diese Handlungen sind auf die bei menschlichen Wesen ziemlich g&#228;ngigen minimalen Reflexe gegenseitiger Hilfe zur&#252;ckzuf&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es gibt eine Mobilisierung, die man martialisch nennen k&#246;nnte und die Vereitelung der russischen Offensive zum Ziel hat. Auch hier organisiert man sich, so gut es eben geht, w&#228;hrend die staatlichen Dienste komplett &#252;berlastet sind: K&#252;nstler, die eine Werkstatt zur Herstellung von Molotowcocktails ins Leben rufen, Restaurantbesitzer, die eine Kantine zur Ern&#228;hrung der Soldaten er&#246;ffnen, Unternehmen, die auf die Herstellung von Panzersperren umstellen, Frauen, die gemeinsam Tarnnetze n&#228;hen, Rentner, die Sands&#228;cke f&#252;llen, Einwohner, die Barrikaden bauen, usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was f&#252;r Leute (uns), die den Krieg nicht gewohnt sind, frappierend ist, sind die Zivilisten, die anstehen, um die Uniform der Territorialverteidigung (TV), eines Zweiges der ukrainischen Armee, der aus Reservisten und Freiwilligen besteht, zu tragen und sich ihr anzuschliessen. Zehntausende Sturmgewehre werden an die Bev&#246;lkerung verteilt, Knackis werden gegen ihre Teilnahme an den K&#228;mpfen freigelassen usw. Sehr schnell mangelt es an Waffen und Material, nicht an Freiwilligen; am Anfang m&#252;ssen jene, welche sich engagieren, gr&#246;sstenteils selbst und auf eigene Kosten in Gesch&#228;ften f&#252;r Milit&#228;rausr&#252;stung einkaufen gehen (Drilch, Canvas, Helm, kugelsichere Weste usw.). Was die folgenden betrifft, besonders jene, welche sich auf Wartelisten gesetzt haben, verlangt die Regierung priorit&#228;r von ihnen, ausser wenn sie milit&#228;rische Erfahrung haben, weiterhin zu arbeiten, eine andere wesentliche Form des Widerstands.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der taktische Nutzen derartig zusammengesetzter Einheiten ist, man wird es verstehen, eher gering, doch die Rolle der TV ist es vorwiegend, den am besten ausgebildeten Soldaten die undankbarsten und zeitaufwendigen Aufgaben abzunehmen: &#220;berwachung hinter der Front (Lagerh&#228;user, Br&#252;cken usw.), Patrouillen in den St&#228;dten, Durchsetzung der Ausgangssperre und Kampf gegen Pl&#252;nderungen. Allen &#8222;Ausw&#252;chsen&#8220; sind T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet: Die Checkpoints und Identit&#228;tskontrollen h&#228;ufen sich (unter der Vollmacht eures Nachbarn, Lebensmittelh&#228;ndlers oder Arbeitskollegen), die aufmerksamen B&#252;rger &#252;berwachen und denunzieren, man verfolgt die verd&#228;chtigen Zivilisten (Spione, Saboteure, Prorussen?), die verhaftet und wer weiss wohin transferiert werden f&#252;r die Befragung usw. Da die Gerichte nicht mehr funktionieren, ist es die TV, die manchmal eine Eiljustiz praktiziert, besonders gegen Diebe und Pl&#252;nderer (jene, welche nicht an Ort und Stelle umgebracht werden, werden mitten auf der Strasse mit bis zu den Fusskn&#246;cheln heruntergelassenen Hosen in der eisigen K&#228;lte an einen Pfosten gekn&#252;pft).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne einen einf&#228;ltigen Pazifismus verherrlichen zu wollen, scheinen uns die manchmal beobachteten Demonstrationen von Zivilisten mit dem Ziel der Blockierung der Fahrbahnen und Panzerkolonnen durch eine gewaltfreie Aktion interessanter (solche Dinge sah man auch im Iran 1979, in Peking 1989, in Slowenien 1990). Aber einmal mehr, was hier zum Ausdruck kommt, ist nicht eine tief verwurzelte Ablehnung des Krieges, ein etwas naiver Pazifismus, sondern ein tiefgehender Nationalismus; man h&#228;lt dort nicht Friedensfahnen hoch, sondern eben die ukrainische Flagge. Mit dieser Krise beobachten wir wahrscheinlich &#8222;live&#8220; die Vollendung des Aufbaus dieser ukrainischen Nation, die das Produkt eines mit der Unabh&#228;ngigkeit entstandenen Prozesses ist: Eine Bev&#246;lkerung, die sich unabh&#228;ngig von ihrer Sprache pl&#246;tzlich ihrer historischen, kulturellen oder gar religi&#246;sen Besonderheiten bewusst wird (die noch von Moskau abh&#228;ngige orthodoxe Kirche trennt sich heute davon) und die &#252;ber die Klassen hinweg stolz auf sich ist &#8211; auch wenn diese Besonderheiten in Anbetracht der Geschichte sehr k&#252;nstlich erscheinen m&#246;gen und sie bei Gelegenheit frei erfunden werden (wie nach dem Zerfall Jugoslawiens 1990). Es werden sich jene finden lassen, welche das ber&#252;hrend finden. Auf jeden Fall scheint es etliche westliche Humanisten und Sozialdemokraten, die gew&#246;hnlich f&#252;r Nationalismus eher unempf&#228;nglich sind, nicht zu st&#246;ren; ein prachtvolles Beispiel daf&#252;r ist der Filmemacher Mathieu Kassovitz, der einem Journalisten erkl&#228;rt, dass die Ukrainer, die er gut kenne, &#8222;im guten Sinne ultranationalistisch&#8220; seien, &#8222;d. h. sie sind stolz auf ihr Land und wollen es unbedingt besch&#252;tzen&#8220;. Das Gleiche scheint f&#252;r gewisse linksradikale franz&#246;sische Aktivisten zu gelten (f&#252;r welche im Allgemeinen die Tatsache, an einer Demonstration eine Trikolore zu schwenken, ein Zeichen f&#252;r Faschismus ist). Doch es gibt schon ukrainische Anarchosyndikalisten, die einen &#8222;befreienden und kreativen Nationalismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Perrine Poupin, &#8222;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un (&#8230;)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bewerben!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein nationalistisches Empfinden, das logischerweise einhergeht mit der Unterst&#252;tzung der Bev&#246;lkerung f&#252;r ihre Armee, eine leidenschaftliche und schon alte Unterst&#252;tzung, verbunden mit einem Verh&#228;ltnis zur Virilit&#228;t, das anders ist, als jenes, welches wir in Westeuropa kennen, was &#8222;nat&#252;rlich&#8220; diese Bereitschaft erkl&#228;rt, zu den Waffen zu greifen, um &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt; Land zu verteidigen, obwohl &#8222;die Ausbildung, der Unterhalt und die Bewaffnung der ukrainischen Armee zusammen mit den Kreditanforderungen des IWF die strukturelle Ursache f&#252;r K&#252;rzungen bei Krankenh&#228;usern, Schulen und Universit&#228;ten sowie f&#252;r die Armutsrenten und die fehlenden Lohnerh&#246;hungen im &#246;ffentlichen Sektor sind&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ukraine-Korrespondenzen&#8220;, erster Teil.&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn die Verteidigung seines Landes ist allen voran, erinnern wir daran, gleichbedeutend mit der Verteidigung der Interessen seiner Bourgeoisie gegen jene der Bourgeoisie gegen&#252;ber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das mit dem Land, dem Blut und der Demokratie verbundene Hochgef&#252;hl hat jedoch einige Grenzen. Seit dem Beginn der Invasion ist die Wehrpflicht angeordnet worden, sie macht die Zwangsrekrutierung aller M&#228;nner zwischen 18 und 60 Jahren m&#246;glich, dazu kommt ein Verbot, das Land zu verlassen &#8211; denn alle Ukrainer wollten sich scheinbar nicht in der Armee oder der TV engagieren. Es gibt tats&#228;chlich Widerspenstige und Deserteure; einige versuchen, sich zu verstecken, falsche Papiere zu erhalten, ins Ausland zu fliehen; die Kontrollen an der Grenze f&#252;r &lt;i&gt;die Ausreise&lt;/i&gt; von Fl&#252;chtlingen sind also kein Zufall. Andere engagieren sich vorsichtig in ihrer lokalen TV, hinter der Front, um nicht unter Zwang in eine Einheit integriert zu werden, die sich an K&#228;mpfen beteiligt. Ihr Ungl&#252;ck ist, dass die Lieferungen der NATO (z.B. zehntausende Helme und kugelsichere Westen) die Ausr&#252;stung einer steigenden Anzahl von Rekruten (und Mitgliedern der TV) und ihren Transfer an die gef&#252;rchtete Ostfront erlauben &#8211; daher kommt ziemlich mechanisch eine steigende Anzahl an Widerspenstigen und vielleicht sogar die ersten Demonstrationen gegen die Wehrpflicht (in Chust, im Westen des Landes).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Regierung, obwohl die Ukraine einige Wochen der Unentschlossenheit erlebt hat, hat die Dinge ziemlich schnell in die Hand genommen, vornehmlich, das muss man zugeben, dank der Unterst&#252;tzung ihrer B&#252;rger. Sie haben sich nicht gegen den Staat oder aufgrund seiner Abwesenheit selbst organisiert, sondern um zu verhindern, dass er aufgrund der russischen Offensive zusammenbricht. Das ist eine ziemlich &#8222;normale&#8220; Reaktion in einem Land, das ein starkes Gef&#252;hl der nationalen Einheit kennt und zu diesem Zweck durch eine improvisierte Propaganda formatiert worden ist. Das best&#228;tigt einmal mehr, dass die Selbstorganisation nicht an sich revolution&#228;r ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun &#8211; unter den Bomben?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Singend &#246;ffnet uns der Sieg die Schranke;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Die Freiheit lenkt unsere Schritte.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marie-Joseph Ch&#233;nier, Chant du d&#233;part, 1794.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht in der Situation der Ukrainer und auch nicht in jener der in der Ukraine lebenden Anarchisten oder Kommunisten; es ist schwierig, zu wissen, was man dort tun sollte, ihr Handeln unmittelbar einzusch&#228;tzen, denn (was auch immer unsere Ideen sein m&#246;gen) wir wissen nicht, wie wir an ihrer Stelle reagieren w&#252;rden; der historische Abstand erlaubt h&#228;ufig diese Art von Urteilen, denn es ist einfach, die Wahrheit zu kennen, wenn man die Fortsetzung und das Ende der Ereignisse kennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aber was h&#228;tten wir in Frankreich im August 1914 oder im Juni 1940 wirklich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sollten unsere ukrainischen Genossen nur aufgrund ihrer Situation als &#8222;direkt Betroffene&#8220; dennoch von jeglicher Kritik ausgenommen sein? Zwar geht ihre T&#228;tigkeit nur sie etwas an, aber zumindest der damit verbundene, an uns gerichtete und in Frankreich aufgegriffene Diskurs verdient eine ganz andere Aufmerksamkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reaktionen der &#8222;radikalen&#8220; ukrainischen Aktivisten scheinen sehr verschieden, manchmal widerspr&#252;chlich. Einige antimilitaristische und pazifistische Genossen halten an revolution&#228;r-defaitistischen Positionen fest, aber die Propaganda daf&#252;r scheint in der Ukraine nicht minder riskant zu sein als in Russland. Andere engagieren sich in der Unterst&#252;tzung f&#252;r Fl&#252;chtlinge oder Verletzte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe besonders den Blog Une autre guerre.&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jedoch in Frankreich f&#252;r viel &#220;berraschung sorgte, ist die Tatsache, dass man durch einige Texte und Zeugenberichte erfuhr, dass ukrainische Anarchisten sich in der Armee oder der TV engagiert haben. Einige Gruppen scheinen dadurch von den Waffenverteilungen profitiert zu haben, um Kampfeinheiten aufzubauen; eine Brosch&#252;re spricht von der Kreation &#8222;zweier Kampfgruppen&#8220;; etwa 20 Aktivisten in Drilchen und mit Kalaschnikows posieren auf einem Foto rund um eine schwarze Fahne mit einem A im Kreis, die Legende des Bildes erw&#228;hnt vorsichtig, dass diese Gruppen &#8222;einen gewissen Grad an Autonomie haben&#8220; innerhalb der TV &#8211; was, man wird es verstanden haben, einen gewissen Grad an Unterordnung bedeutet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Entre deux feux. Recueil provisoire de textes d'anarchistes d'Ukraine, de la (&#8230;)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sogar nach einer kurzen Periode des Chaos ist es n&#228;mlich offensichtlich, dass die Armee versucht, die Gruppen bewaffneter Zivilisten zu kontrollieren, v.a. wenn sie sich offen auf eine politische Ideologie berufen, die a priori kaum mit staatlicher Autorit&#228;t kompatibel ist. Dennoch bestehen die anarchistischen oder antifaschistischen Milit&#228;reinheiten wahrscheinlich aus nicht mehr als einigen Dutzend lokalen K&#228;mpfern (einige Dutzend aus dem Westen haben sich ihnen vielleicht angeschlossen), in einem Gebiet, wo zwei gigantische Armeen, mehrere hunderttausend M&#228;nner, miteinander konfrontiert sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8230; Zur Erinnerung, das ber&#252;hmte Regiment Asow &#8211; einer der milit&#228;rischen Arme der etlichen rechtsextremen ukrainischen Organisationen &#8211; ist eine permanente Einheit der TV, sie besteht aus mehreren tausend K&#228;mpfern und verf&#252;gt &#252;ber Panzer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ersten erfolgreichen Hinterhaltsszenen gegen einen russischen Konvoi f&#252;hrten dazu, dass einige glaubten, dass die russische Armee, sollte der ukrainische Staat zusammenbrechen, mit einer breiten und popul&#228;ren Guerilla konfrontiert sein w&#252;rde, bestehend aus lokal agierenden autonomen Gruppen; Gruppen, die gewiss mehrheitlich von einem patriotischen Empfinden getrieben werden, doch inmitten welcher anarchistische Gruppen sich vielleicht geschickt aus der Aff&#228;re ziehen und eine einflussreiche Rolle spielen k&#246;nnten &#8230; Man vergisst dabei, dass ein solcher Widerstand, um effizient zu sein, besonders strukturiert, diszipliniert und finanziert sein und die Unterst&#252;tzung von anderen Staaten erhalten muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch nach einigen Tagen, die von spektakul&#228;ren Aktionen einer von kleinen Einheiten (von den Amerikanern f&#252;r diese Art von Aktion ausgebildeter) professioneller Soldaten angef&#252;hrten Technoguerilla gepr&#228;gt waren, hatten die K&#228;mpfe sehr schnell einen eher klassischen Charakter, jenen eines Zusammenstosses zwischen breiten und schwer ausger&#252;steten Einheiten, innerhalb welcher die Koordination, die Bewegung, die Befestigungen, die Artillerieduelle und die Munitions- und Treibstofffl&#252;sse zentral werden. Was ist in diesem Mahlstrom aus den anarchistischen &#8222;Kampfgruppen&#8220; geworden? Es ist kaum wahrscheinlich, dass sich ihre &#8222;Autonomie&#8220; vergr&#246;ssert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso sich also engagieren? In mehreren Texten berichten die ukrainischen Anarchisten und Radikalen, dass sie in den Ereignissen &#8222;ins Gewicht fallen&#8220;, bereit &#8222;f&#252;r den Fall der F&#228;lle&#8220; und nicht abgeschnitten vom Rest der Gesellschaft sein wollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Wenn wir abseits der zwischenstaatlichen Konflikte verbleiben, verbleiben (&#8230;)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; sie erkl&#228;ren, dass sie sich an der Verteidigung dieser &#8222;Gesellschaft&#8220; beteiligen, aber nat&#252;rlich nicht an jener des Staates, und wenn &#252;brigens einige erkl&#228;rt haben, dass sie ihren Kampf gegen den Staat auf Eis gelegt haben, dann nur in der Optik, ihn umso heftiger wieder aufzunehmen, wenn der Frieden einmal zur&#252;ckgekommen ist. Zuerst den Krieg gewinnen, danach auf die Revolution hinwirken &#8211; der Refrain ist bekannt. Obwohl sie offensichtlich keine Lehren aus dem russischen B&#252;rgerkrieg oder dem Spanienkrieg ziehen, erw&#228;hnen einige zur Rechtfertigung die Erinnerung an die Kriege vor den russischen Revolutionen 1905 und 1917 &#8211; man kann auch an 1871 denken &#8211; oder auch die mutmassliche Rolle des Afghanistankrieges f&#252;r den Zusammenbruch der UdSSR. Doch es ist, obwohl der Ablauf der Kriege und besonders ihre Folgen eine Revolution ausl&#246;sen k&#246;nnen, notwendig, dass die Situation schon sehr reif ist; das ist alles andere als mechanisch. Und v.a. erkennt man nicht wirklich, inwiefern die Tatsache, sich aktiv durch das Engagement in einer der betreffenden Armeen an einem solchen Konflikt zu beteiligen, irgendetwas &#228;ndert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie viele Proletarier, welche die Uniform einer sehr wenig demokratischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Historisch schloss sich die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der Proletarier bei jedem kriegerischen Konflikt ihrem nationalen Kapital und jener imperialistischen Front an, zu welcher sie geh&#246;rten (w&#228;hrend der Epoche des Imperialismus ist jedes Kapital potenziell imperialistisch, genau wie jeder Krieg definitionsgem&#228;ss imperialistisch ist). Erst wenn der Konflikt sich bis zu einem Punkt verl&#228;ngerte &#8211; &#252;ber die Erwartungen eben dieser Regierungen hinaus, welche ihn unterst&#252;tzt hatten &#8211;, wo die Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen sich heftig zeigten, stellten sie sich mehr oder weniger entschlossen dagegen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein italienischer Genosse von Il lato cattivo, &#8222;Du moins, si l'on veut &#234;tre (&#8230;)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es soll trotzdem daran erinnert werden, dass die Geschichte mit Kriegen gespickt ist und dass in fast allen F&#228;llen ihre Folgen f&#252;r die Proletarier katastrophal sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#246;nnte Russland unter dem Druck eines proletarischen &#220;berdrusses oder einer proletarischen Revolte nach seiner Armee zusammenbrechen? Die schwache Moral der Invasionstruppen liess anfangs einige glauben, es wehe ein Wind der Meutereien &#252;ber der russischen Armee im Einsatz, das war nicht der Fall. Der R&#252;ckzug der Kr&#228;fte rund um Kiew verlief &#252;brigens in bester Ordnung und die im April lancierte Offensive im Donbass zeigt, dass die Irrungen und Fehler der ersten Wochen korrigiert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab freilich pazifistische Demonstrationen in mehreren St&#228;dten Russlands, doch ein grosser Teil der &#246;ffentlichen Meinung (auch gewisse Parteien der Opposition) unterst&#252;tzt dort die laufende Invasion. Man weiss, dass ein &#228;usserer Krieg im Allgemeinen ein gutes Mittel ist, um die B&#252;rger wieder hinter einer Regierung zu vereinen und sie die allt&#228;glichen Probleme unter einem Schwall an Propaganda vergessen zu lassen (siehe z.B. den Krieg in Libyen 2011). Obwohl die Bev&#246;lkerungen in diesem Kontext aufgrund der Wirtschaftssanktionen verarmen, f&#252;hren diese h&#228;ufig dazu, dass das Nationalgef&#252;hl und somit das herrschende Regime gest&#228;rkt wird (Kuba, Irak usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn aufgrund einer Verl&#228;ngerung des Krieges die russische Regierung geschw&#228;cht w&#228;re, sich eine proletarische Revolte abzeichnen w&#252;rde und die Repression ineffizient w&#228;re, w&#252;rde die F&#252;hrungsschicht dennoch versuchen, den Protest zu einer politischen Alternative hinzulenken: entweder extrem (seitens der Falken des Kremls, die finden, dass es der Invasion an Entschiedenheit mangelt) oder demokratisch (ohne jedoch f&#252;r den Ziehsohn des Westens zu optieren).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wahrscheinlichkeit einer Revolte scheint in der Ukraine noch geringer. Wir haben gesagt, was wir &#252;ber die Selbstorganisation der B&#252;rger auf der Grundlage eines Nationalgef&#252;hls denken; der Staat ist davon gest&#228;rkt worden, genau wie die Regierung bis jetzt durch ihre Krisenverwaltung legitimiert ist. Eine grosse Volksbewegung, die das Nationalgef&#252;hl st&#228;rkt, ist von Natur aus interklassistisch und konterrevolution&#228;r.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist schwer, vorauszusagen, ob der Demokratisierungsprozess trotzdem gest&#228;rkt werden wird. Bis jetzt beobachtet man v.a. eine (wahrhafte) Militarisierung der Gesellschaft, die Zensur der Medien, das Verbot der linken Oppositionskr&#228;fte, eine Jagd auf die Widerspenstigen usw.; es sind insbesondere die nationalistischen und reaktion&#228;ren Kr&#228;fte, die R&#252;ckenwind haben, was in der Ukraine nichts Neues ist. W&#228;re Anatole France noch am Leben, w&#252;rde er die Sache wohl so zusammenfassen: &#8222;Man glaubt, f&#252;r die Demokratie zu sterben, man stirbt f&#252;r die Industriellen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte sich fragen, wieso so viele Zeilen dieser Frage gewidmet werden, obwohl die Rolle der ukrainischen Anarchisten und Radikalen in diesem Konflikt letztendlich ziemlich unbedeutend ist. Das Interesse eines Themas misst sich erst einmal nicht an der Anzahl beteiligter Personen. Weiter sprechen auch viele b&#252;rgerliche Medien und offensichtlich die sozialen Netzwerke von diesem Engagement; die Aktivisten vor Ort kommunizieren ausgiebig und ihre Prosa trifft auf ein gewisses Echo in Frankreich; es w&#228;re also nicht erstaunlich, wenn die Figur des anarchistischen K&#228;mpfers in der Ukraine nach jener des kurdischen Soldaten in Rojava zur Referenz bez&#252;glich politischer Radikalit&#228;t w&#252;rde. Das w&#228;re unserer Meinung nach &#8211; man wird es verstanden haben &#8211; sehr bedauerlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun &#8211; in Frankreich?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Zun&#228;chst einmal, sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von allzu bequemen Vereinfachungen, mitrei&#223;en zu lassen. Es gibt Zeiten, da hat man keinerlei Einflu&#223; auf den Lauf der Dinge. Es ist besser, sich dessen bewu&#223;t zu sein und nicht die eigene Ohnmacht hinter wildem Herumgefuchtel zu verbergen oder, schlimmer noch, auf einen Zug zu springen, der nicht der unsere ist.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Louis Mercier Vega, op. cit., S. 77-78.&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Das Problem ist, dass man konkret nicht viel tun kann. Am klassischsten und am ehesten vereinbar mit den alten Prinzipien des revolution&#228;ren Def&#228;tismus, zumindest wenn man denkt, dass die Proletarier kein Vaterland haben, w&#228;re der Kampf hier gegen unsere eigene Bourgeoisie. Das w&#228;re logisch, denn Frankreich ist praktisch Kriegspartei. W&#228;hrend diese internationalistische revolution&#228;re Position von verschiedenen anarchistischen, ultralinken, linkskommunistischen oder sogar trotzkistischen Gruppen oder Gruppierungen weiterhin verteidigt wird, ist es alles andere als sicher, dass sie unter den Aktivisten und Bewegungsanh&#228;ngern eine Mehrheit hat. Man kennt den aktuellen Zustand des Klassenkampfes in Frankreich; daher einmal mehr ein trostloses Gef&#252;hl der Ohnmacht. Es scheint tats&#228;chlich, dass das Pflichtgef&#252;hl, etwas zu tun, je schlechter die Zeiten sind, umso st&#228;rker ist: Es w&#252;rde darum gehen, effizient zu sein, &#8222;einen Einfluss&#8220; auf das Reale &#8222;zu haben&#8220;, obwohl die revolution&#228;re Bewegung vielleicht noch nie so wenig davon hatte&#8230; Daher kommt diese Anziehung f&#252;r die fernen Kampffelder und die Notwendigkeit, auf die Gefahr hin, Kompromisse zu akzeptieren, ein Lager zu w&#228;hlen, und, ausser bei schlechtem Gewissen, die moralische Verpflichtung, jenen zu helfen, welche eben genau etwas tun, was auch immer. Ein auf Twitter gefundener bissiger Kommentar betreffend des Aufrufs von Genossen, an den letzten Pr&#228;sidentschaftswahlen teilzunehmen (indem man f&#252;r einen linken Kandidaten stimmt) k&#246;nnte ebenfalls auf einen Teil der Positionsbez&#252;ge zum Ukraine-Krieg zutreffen: &#8222;Diese Leute denken wirklich, dass ihr Aufruf [&#8230;] einen Bruch mit ihrem gewohnten Aktivismus darstellt, w&#228;hrend er in Wirklichkeit die logische Folge davon ist.&#8220; Bissig &#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was also tun? Es ist schwierig, zu demonstrieren, wie es gewisse Libert&#228;re f&#252;r Rojava getan hatten, um von der NATO Waffenlieferungen zu verlangen &#8211; es werden bereits tausende Tonnen davon geliefert, begleitet von Milliarden von Dollars. Es ist schwierig, die Entsendung, wie es dennoch einige Humanisten tun, franz&#246;sischer Soldaten vor Ort zu verlangen oder gar die Durchsetzung einer Flugverbotszone oberhalb der Ukraine, Akte, die gleichbedeutend mit einer Kriegserkl&#228;rung an Russland w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise vom Lager des Guten, das von jenem des B&#246;sen angegriffen wird (viel weniger subtil als in den Werken Tolkiens), hat die Notwendigkeit zur Folge, &#252;ber &lt;i&gt;gute&lt;/i&gt; Armeen zu verf&#252;gen, jene, welche aufmarschieren, um die Demokratie und &#8222;unsere Werte&#8220; zu verteidigen, und somit die N&#252;tzlichkeit der NATO&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da es um Werte und Demokratie geht, ist es immer angemessen, daran zu (&#8230;)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die Wichtigkeit konsequenter Verteidigungsbudgets und eines leistungsf&#228;higen und innovativen milit&#228;risch-industriellen Komplexes, der seinen chinesischen und russischen Pendants voraus ist. Man muss wissen, was man will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Burgfrieden rund um die Figur der Demokratie und allgemeiner um das Lager des Guten ersetzt offensichtlich jenen, welcher damals um das Vaterland geschlossen werden konnte; man pr&#228;sentiert die Patrioten &#8211; die zur Not von den Nationalisten unterschieden werden k&#246;nnen &#8211; besser als Freiheitsk&#228;mpfer, als &lt;i&gt;freedom fighters&lt;/i&gt;. Eine Logik, die mittlerweile auch die radikalsten Aktivistenmilieus erreicht hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nach dem Krieg gegen Serbien ver&#246;ffentlicht Claude Guillon Dommages de (&#8230;)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; es ist festzuhalten, dass auch eine vertraulichere Tendenz existiert, die aus ziemlich prim&#228;rem Antiamerikanismus die Positionen Moskaus verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollen die Anarchisten und Antifas, die in den Reihen der ukrainischen Armee k&#228;mpfen, (finanziell) unterst&#252;tzt werden? Wenn einige diese Entscheidung treffen und Partys und Konzerte organisieren, so tendieren sie allgemein dazu, den milit&#228;rischen Charakter der Frage kleinzureden, und wagen, wahrscheinlich ein bisschen geniert, ungewisse lexikalische Verrenkungen: Irgendeine Aktivistenzeitschrift, die 2016 den Aufbau einer Nationalgarde der Reservisten in Frankreich verurteilt hatte, r&#252;hmt heute die Verdienste jener, welche in der Ukraine existiert; man spricht &#252;brigens eher von &#8222;Widerstand&#8220;, &#8222;bewaffneten Freiwilligen&#8220; oder, Spanien 1936 evozierend, einer &#8222;Milizstruktur&#8220; (obwohl sich hier zwei nationalistische Lager bek&#228;mpfen), man relativiert das Gewicht der extremen Rechten, die jedoch in der Armee Kiews sehr pr&#228;sent ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man relativiert, w&#228;hrend in Frankreich Marine Le Pen oder &#201;ric Zemmour Nazis (&#8230;)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; usw. Man &#252;bersetzt und verbreitet Texte, die von der Situation sprechen, mit einem leichten Unbehagen und viel Nachsicht, vielleicht sogar mit einer Spur jener Herablassung, welche sich betreffend der Kurden in Syrien &#228;usserte, mit dem Unterschied, dass es in der Ukraine nicht mal den Anschein einer Illusion einer gesellschaftlichen Ver&#228;nderung gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was einmal mehr den Standpunkt und die Analyse verzerrt, ist offensichtlich die Tatsache, dass Menschen die &lt;i&gt;Entscheidung&lt;/i&gt; treffen, zu den Waffen zu greifen, ihr Leben zu riskieren, w&#228;hrend wir &#252;ber sie eingesunken in einem malvenfarbenen Sofa diskutieren. Und das Prestige der Uniform, des K&#228;mpfers, des Typen, der mit einem Sturmgewehr hantiert &#8211; den man m&#252;helos kritisiert, wenn es sich um die extreme Rechte handelt &#8211; kann auch bei den Anh&#228;ngern der gesellschaftlichen Emanzipation existieren (von Spanien bis nach Rojava via Nicaragua).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Deserteure unterst&#252;tzen? Das ist zumindest eine klassische revolution&#228;re T&#228;tigkeit in Zeiten des Krieges (Netzwerke organisieren, um die Grenzen zu &#252;berqueren, falsche Papiere erhalten, Fl&#252;chtige beherbergen), die eher in den angrenzenden L&#228;ndern praktizierbar ist. In Frankreich sieht man freilich Transparente und Unterst&#252;tzungsinitiativen f&#252;r die &#8222;russischen Deserteure, Widerspenstigen und Verweigerer&#8220;, aber nicht, so scheint es, f&#252;r ihre ukrainischen Pendants, deren Anzahl allerdings steigt. Die Situation kann sich entwickeln, aber bis jetzt erinnert sie uns daran, dass jene Kurden im Krieg in Syrien, welche den obligatorischen Milit&#228;rdienst in den YPG verweigerten, im entscheidenden Moment vergessen wurden, obwohl zahlreiche von ihnen in die grossen europ&#228;ischen St&#228;dte fl&#252;chteten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was die Deserteure der franz&#246;sischen Armee betrifft, belaufen sie sich auf (&#8230;)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wiederholen es, es geht hier f&#252;r uns nicht darum, die Art und Weise zu kritisieren, wie Leute auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern gegebenenfalls um die an uns gerichteten Diskurse und v.a. jene &#252;ber sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bereitschaft ist mittlerweile im Aktivistenmilieu solide verankert, &#252;berall revolution&#228;res &#8222;Potenzial&#8220; zu sehen, v.a. wenn die Region weit weg und exotisch ist &#8211; ein Standpunkt, der hier besonders an den Haaren herbeigezogen ist. Doch jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, welche die ukrainische Frage auf sehr verf&#252;hrerische Art und Weise und vielleicht offener als andere &#8222;Operationsfelder&#8220; heimsuchen, nichts anderes als der Militarismus, der Nationalismus und das Konzept des Burgfriedens, morbide Varianten des Interklassismus. Ideologien, von denen sogar die erfahrensten und theoretisch bewandertsten Aktivisten mitgerissen werden k&#246;nnen, wenn die Umst&#228;nde passen, die Geschichte hat es auf traurige Art und Weise gezeigt. Es ist aber so, dass wir keine Bombenangriffe erdulden m&#252;ssen, dass in unseren Strassen keine K&#228;mpfe stattfinden und dass wir nicht Gefahr laufen, jede Minute get&#246;tet zu werden. Wir haben also keine Entschuldigung, keine Entschuldigung, um den Kopf zu verlieren. Wir k&#246;nnen von relativ komfortablen Rahmenbedingungen profitieren, um ruhig &#252;ber die laufenden Ereignisse nachzudenken. Es w&#228;re falsch, sie nicht zu missbrauchen, denn diese Rahmenbedingungen verschwinden vielleicht schneller als wir glauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die R&#252;ckkehr des Krieges&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesen Fragen sei auf unser Buch verwiesen: Manu militari ? Radiographie (&#8230;)&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&lt;i&gt;He said Son, don't you understand now&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bruce Springsteen, Born in the USA, 1984.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Implizit evoziert die Formel die R&#252;ckkehr des Krieges &lt;i&gt;in Europa&lt;/i&gt;. Doch war er je weg? Der Unterschied ist, dass es 2022 eher das Zentrum Europas betrifft denn seine Peripherie, wie es in den 1990er Jahren in Ex-Jugoslawien bis zur Offensive der NATO gegen Serbien 1999 der Fall war. Wer k&#246;nnte heute an der Tatsache zweifeln, dass diese Kriege letztendlich sowohl f&#252;r die Europ&#228;ische Union (EU) als auch f&#252;r die NATO sehr vorteilhaft waren, sei es nur f&#252;r die Integration neuer Mitglieder&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Abgesehen vom Jackpot, welcher der Krieg f&#252;r den milit&#228;risch-industriellen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sarajevo mag n&#228;her bei Paris liegen als Kiew, aber Serbien hat nie die Vorherrschaft der USA und der EU &#252;ber Europa in Frage gestellt; genau das tut jedoch heute Russland. Im Gegensatz zum Schicksal Bosniens damals ist die Frage der Ukraine zentral, denn sie ber&#252;hrt den Kern Europas, wo sich eines der wichtigsten industriellen, finanziellen und gesch&#228;ftlichen Zentren der Welt befindet. Sie ist zentral, denn ihretwegen sind mit die wichtigsten M&#228;chte, auch Atomm&#228;chte, miteinander konfrontiert, sie mobilisiert betr&#228;chtliche mechanische und menschliche Kr&#228;fte &#8211; falls es eine R&#252;ckkehr geben sollte, dann jene des Krieges hoher Intensit&#228;t &#8211; und sie hat jetzt schon gigantische wirtschaftliche Auswirkungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig ist der wahrscheinlichste Ablauf und jener, welcher der &#8222;vern&#252;nftigste&#8220; w&#228;re, dass Russland kurzfristig die Eroberung der Oblaste des Donbass vollendet, dass die K&#228;mpfe aufh&#246;ren, dass Verhandlungen beginnen und auf ein Friedensabkommen und die Aufnahme dieser Regionen in die F&#246;deration Russlands hinauslaufen; eine territoriale Anpassung, die 2021 durch Verhandlungen h&#228;tte erreicht werden k&#246;nnen und heute sowohl f&#252;r die Russen als auch die Ukrainer vorteilhaft w&#228;re. Niemand m&#246;chte n&#228;mlich, dass der Krieg sich in die L&#228;nge zieht und Russland wie in Afghanistan steckenbleibt. Niemand, ausser die USA, aber es sind eben genau sie, welche &#252;ber die Fortsetzung der Ereignisse entscheiden werden. Werden sie sich f&#252;r die Gew&#228;hrung eines armseligen Sieges Russlands entscheiden, darauf achten, dass der Konflikt noch ein paar weitere Monate andauert oder k&#228;mpfen bis zum letzten ukrainischen Soldaten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrenddessen akkumulieren sich die schon vor der Invasion betr&#228;chtlichen milit&#228;rischen Lieferungen der NATO an die Ukraine zu Tausenden von Tonnen Stahl und Milliarden von Dollars. Aber nicht nur. Ein seit schon mehreren Jahren f&#252;hlbarer Prozess beschleunigt sich pl&#246;tzlich. Obwohl Russland gerade seine Schw&#228;chen gezeigt hat, werden wir eine Erh&#246;hung der Milit&#228;rbudgets in den EU- und NATO-L&#228;ndern beobachten k&#246;nnen, sie dr&#228;ngen sich schon, um ihre Bestellungen an die Milit&#228;rindustrie der USA aufzugeben (Panzer, Kampfflugzeuge usw.). Letztere sind &lt;i&gt;bis jetzt&lt;/i&gt; die grossen Gewinner des Krieges. W&#228;hrend das Grab der Milit&#228;rindustrien des alten Kontinents gegraben wird, wird auch die Idee der europ&#228;ischen Verteidigung letztendlich zugunsten einer wieder belebten NATO begraben. Etliche L&#228;nder optieren nunmehr offen f&#252;r ihre Unterjochung unter Washington. Eine freiwillige (und sehr teure) Unterwerfung, die nur unterbrochen werden k&#246;nnte, wenn z. B. eine neue Milit&#228;rmacht in Europa entst&#252;nde, doch das ist eher unwahrscheinlich, denn eine der Funktionen der NATO ist es, eben genau das zu verhindern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss den Worten ihres ersten Generalsekret&#228;rs, Lord Ismay, besteht die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Unter den &#252;berraschenden Konsequenzen des Krieges in der Ukraine muss die Remilitarisierung Deutschlands unterstrichen werden, es k&#252;ndigt schon zus&#228;tzliche Mittel von 100 Milliarden Euro f&#252;r das Jahr 2022 an (f&#252;r ein Verteidigungsbudget von ungef&#228;hr 50 Milliarden, jenes Frankreichs betr&#228;gt 40 Milliarden); eine Investition, die sich bis jetzt nur durch Bestellungen amerikanischen Materials konkretisiert. Die Angelegenheit sollte man im Auge behalten &#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige westliche Regierungen w&#228;ren freilich versucht, Russland in der Ukraine festfahren zu lassen und zu ruinieren, doch es sollte vermieden werden, dass die am Rande beteiligten M&#228;chte in eine milit&#228;rische Eskalation hineinschlittern, dass der Konflikt ausartet, sich ausbreitet und letztendlich die NATO, und somit die USA, zu einer direkten Beteiligung verpflichtet; wie im Falle eines Zwischenfalls rund um Kaliningrad und den Suwalki-Korridor (z.B. des Versuches einer Blockade) oder einer Invasion der baltischen Staaten durch ein in &#228;usserste Bedr&#228;ngnis geratenes Russland. Das w&#228;re nicht zwangsl&#228;ufig gleichbedeutend mit einem Atomkrieg, aber vielleicht mit der Tatsache, dass die Amerikaner ihrerseits in Europa steckenbleiben, was nicht sehr zweckm&#228;ssig w&#228;re, denn der Dritte Weltkrieg muss im Pazifik stattfinden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die gigantischen Waffenlieferungen an die Ukraine, welche die USA planen, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Frage ist also: Wie weit kann man gehen, ohne zu weit zu gehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man von den Toten auf dem Schlachtfeld absieht (was f&#252;r die kapitalistische Klasse nie ein Problem darstellt), ist der prinzipielle Kollateralschaden dieser Geschichte offensichtlich die Anerkennung der Tatsache, dass Russland mit Europa gebrochen hat, um sich nach Asien und besonders nach China hinzuwenden. Schade? Die tr&#252;gerische Idee einer Ann&#228;herung und dann eines B&#252;ndnisses zwischen der EU und Russland (was seine Demokratisierung h&#228;tte beg&#252;nstigen k&#246;nnen) ist vom Tisch. Die Bl&#246;cke konstituieren und formalisieren sich. Dabei besteht das Risiko, dass der Krieg in der Ukraine, trotz all dem Grauen, das er mit sich bringt, nur ein Scharm&#252;tzel ist, das kurz- oder mittelfristig Konflikte in einem anderen Ausmass ank&#252;ndigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit zahlen immer die gleichen die Zeche, die Proletarier: Vertiefung der Krise, verst&#228;rkter internationaler Wettbewerb und verst&#228;rkte Ausbeutung, Inflation, Erh&#246;hung der Milit&#228;rbudgets, die nichts anderes als Steuererh&#246;hungen und weniger &#246;ffentliche Dienste (Gesundheit, Bildung usw.) bedeuten kann usw. Es wird lokale Revolten geben, besonders in Frankreich, aber nichts bis anhin, was die kapitalistische Ordnung ersch&#252;ttern oder die zwischenstaatlichen Spannungen beilegen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen allerdings wetten, dass die Regierung und die Medien, sollten sich Frankreich und seine Armee in den n&#228;chsten Monaten oder Jahren viel direkter an einem Krieg hoher Intensit&#228;t (so wie jener, welcher die Ukraine erdulden muss) beteiligen, uns erkl&#228;ren werden, dass es um die Verteidigung der Gerechtigkeit, des Rechts und der Demokratie geht, wie 1914! Was werden wir also tun, um koh&#228;rent zu sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, 8. Mai 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3423&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mont&#233;hus, La Butte rouge, 1923.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein ukrainischer Soldat, der einen franz&#246;sischen Journalisten bez&#252;glich Artilleriefeuer beruhigt, &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 4. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Erw&#228;hnen kann man z. B. die Bolschewiken und die Menschewiken in Russland, Karl Liebknecht und dann Otto R&#252;hle in Deutschland. Zu diesem Thema, siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://quatre.zone/2022/04/01/les-anarchistes-contre-la-guerre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les anarchistes contre la guerre. 1914-2022&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im September 1939 erkl&#228;ren Grossbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg, letzteres ist soeben in Polen eingefallen. Einige Monate sp&#228;ter planen die beiden L&#228;nder eine bedeutende Milit&#228;roperation gegen die prinzipielle Verb&#252;ndete des Dritten Reiches, die UdSSR, die ihrerseits soeben Finnland angegriffen hat. Es handelt sich um die Operation Pike, ein ausgedehntes Programm von Bombenangriffen auf die Erd&#246;lquellen von Baku; die deutsche Offensive vom 10. Mai 1940 f&#252;hrt zur Aufgabe des Projekts.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gen&#252;gt, zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, die von den USA an den Tag gelegten Anstrengungen zur Verhinderung der Unterzeichnung eines Verteidigungsabkommens zwischen den Salomon-Inseln und China zu beobachten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu dieser Frage, mit den Beispielen der Kriege im Kosovo, im Irak, in Afghanistan und in Libyen, siehe: Serge Halimi, Mathias Reymond (et al.), &lt;a href=&#034;https://agone.org/livres/lopinioncasetravaille&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'opinion, &#231;a se travaille&#8230; Les m&#233;dias et les &#8220;guerres justes&#8221;&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Agone, 2006.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;Reisende ohne Namen&lt;/i&gt;, Nautilus, 1997 (1936), S. 78.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man weiss heute, dass die amerikanische Diplomatie 1990, einige Wochen vor der Invasion Koweits durch die Truppen Saddam Husseins, ihren irakischen Amtskollegen verstehen liess, dass die USA im Falle einer Milit&#228;roperation dieser Art nicht intervenieren w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Helmuth Karl Bernhard von Moltke, preussischer Generalfeldmarschall (1800-1891).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die amerikanische Armee und ihre westlichen Aushilfskr&#228;fte riskieren ihrerseits im Allgemeinen keinen Bodeneinsatz, bevor sie nicht die feindlichen Stellungen und St&#228;dte w&#228;hrend Wochen oder Monaten bombardiert haben (Irak 1991, Serbien 1999, Irak 2003, Mossul 2017 usw.). Was die Armeen wirklich voneinander unterscheidet, ist das Verh&#228;ltnis zum Tod, zu jenem ihrer eigenen Soldaten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michel Goya.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bis zum 23. Februar 2022 waren Einheiten der amerikanischen, britischen und kanadischen Spezialkr&#228;fte offiziell in der Ukraine pr&#228;sent, um die Soldaten f&#252;r den Einsatz dieser Waffen auszubilden; sie verlassen das Land einige Stunden vor der russischen Offensive.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gewisse amerikanische oder britische Spezialkr&#228;fte tendieren leidigerweise dazu, sich verf&#252;gbar zu zeigen und sogleich eine neue Nationalit&#228;t anzunehmen, die ukrainische in diesem Falle. Journalisten haben z.B. gezeigt, dass es die Amerikaner sind, welche das Engagement der ausl&#228;ndischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee verwalten und kontrollieren. Siehe R&#233;gis Le Sommier, &#8222;Avec des volontaires fran&#231;ais&#8220; in &lt;i&gt;Le Figaro magazine&lt;/i&gt;, 8. April 2022, S. 55-57.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;W&#228;hrend die westlichen &#220;berwachungssatelliten im Einsatz sind, gilt das gleiche f&#252;r die elektronischen Aufkl&#228;rungsflugzeuge und -drohnen der NATO, die seit dem Beginn der Invasion den ukrainischen Grenzen und den russischen Hoheitsgew&#228;ssern entlangfliegen (man sieht sie manchmal auf der Homepage &lt;a href=&#034;https://www.flightradar24.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Flightradar24&lt;/a&gt;) und Kiew in Echtzeit f&#252;r die K&#228;mpfe entscheidende Informationen liefern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn man den franz&#246;sischen Medien glauben m&#246;chte, bombardieren die russischen Truppen nur Schulen, Kinderkrippen, Entbindungsstationen und Krankenh&#228;user &#8211; man kann also verstehen, dass sie M&#252;he haben, den ukrainischen Kr&#228;ften beizukommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geh&#246;rt zu den Eigenschaften der modernen Kriege, dass sie sich in st&#228;dtischem Gebiet abspielen, somit inmitten der Zivilisten, in ihren Wohnungen und Arbeitspl&#228;tzen. Und wenn die ukrainischen Truppen einen Ort von den Russen zur&#252;ckerobern, dann nachdem sie die gleichen Methoden wie sie benutzt haben, fast das gleiche Material (ohne die Luftwaffe) und fast die gleiche Doktrin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r einen seri&#246;sen und technischen Standpunkt, siehe z. B. Gaston Erlom, &#8222;Force ou faiblesses de l'arm&#233;e russe&#8220; in &lt;i&gt;Raids&lt;/i&gt;, Nr. 430, S. 29-42.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;General Vincent Desportes zitiert im Artikel &#8222;&lt;a href=&#034;https://video.lefigaro.fr/figaro/video/guerre-en-ukraine-quelle-est-la-strategie-militaire-de-poutine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Guerre en Ukraine : quelle est la strat&#233;gie militaire de Poutine ?&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 3. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Montgomery Pittman, &#8222;Tag 1 des Jahres 6&#8220;, erste Episode der dritten Staffel von &lt;i&gt;The Twilight Zone&lt;/i&gt;, 1961.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Perrine Poupin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mouvements.info/leruption-de-la-russie-en-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un volontaire de la d&#233;fense territoriale de Kiev&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Mouvements&lt;/i&gt;, 29. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine-Korrespondenzen&lt;/a&gt;&#8220;, erster Teil.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marie-Joseph Ch&#233;nier, &lt;i&gt;Chant du d&#233;part&lt;/i&gt;, 1794.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aber was h&#228;tten wir in Frankreich im August 1914 oder im Juni 1940 wirklich getan? Zu diesen Fragen sei die Lekt&#252;re des Buches von Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;Reisende ohne Namen&lt;/i&gt; oder jenes von Pierre Lanneret, &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?rubrique367&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les Internationalistes du &#8222;troisi&#232;me camp&#8220; pendant la Seconde Guerre mondiale&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; (Acratie, 1995) empfohlen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe besonders den Blog &lt;a href=&#034;https://uneautreguerre.wordpress.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Une autre guerre&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Entre deux feux. Recueil provisoire de textes d'anarchistes d'Ukraine, de la Russie et de la Bi&#233;lorussie &#224; propos de la guerre en cours&lt;/i&gt;, 13. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die streitenden Kr&#228;fte scheinen f&#252;r die j&#252;ngsten westlichen Entwicklungen hinsichtlich der Geschlechterrollen kaum empf&#228;nglich zu sein. Hier, obwohl wir in Europa sind, ist das Schema viel klassischer: Jene, welche k&#228;mpfen, sind M&#228;nner (ausser vielleicht einige wenige Ausnahmen in der TV) und jene, welche fliehen, sind Frauen, Kinder und Alte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Wenn wir abseits der zwischenstaatlichen Konflikte verbleiben, verbleiben wir abseits der wirklichen Politik. Es handelt sich heute um einen der bedeutendsten gesellschaftlichen Konflikte, die in unserer Region stattfinden. Wenn wir uns von diesem Konflikt isolieren, isolieren wir uns vom gegenw&#228;rtigen gesellschaftlichen Prozess. Wir m&#252;ssen uns also auf die eine oder andere Weise daran beteiligen.&#8220; Siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://fr.crimethinc.com/2022/02/03/ukraine-entre-deux-feux-des-anarchistes-de-la-region-a-propos-de-la-menace-de-guerre-imminente&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien : 'Les anarchistes et la guerre en Ukraine'&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;[&#8230;] jegliche Kraft, die sich in die kommende politische Entwicklung einbringt, muss hier und jetzt neben den Leuten pr&#228;sent sein. Wir wollen Fortschritte machen, um zu den Leuten eine weitergehende Beziehung aufzubauen, um uns mit ihnen zu organisieren. Unser langfristiges Ziel, unser Traum ist es, eine sichtbare politische Kraft in dieser Gesellschaft zu werden, um eine wirkliche Gelegenheit zu erhalten, eine Botschaft der sozialen Befreiung f&#252;r alle zu bef&#246;rdern.&#8220; Siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://renverse.co/analyses/article/ukraine-et-russie-3441&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien : Comit&#233; de R&#233;sistance, Kyiv&lt;/a&gt;&#8220;, M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie viele Proletarier, welche die Uniform einer sehr wenig demokratischen Reichsarmee trugen, h&#228;tten damit gerechnet, dass sie sich danach (zumindest einige davon) an der Pariser Kommune oder an der deutschen und russischen Revolution beteiligen w&#252;rden?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein italienischer Genosse von Il lato cattivo, &#8222;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=19975&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Du moins, si l'on veut &#234;tre mat&#233;rialiste&lt;/a&gt;&#034;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 77-78.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da es um Werte und Demokratie geht, ist es immer angemessen, daran zu erinnern, dass die NATO auf ihren Ruf als LGBTQI+-friendly achtet: &#8222;Die NATO ist der Diversit&#228;t verpflichtet. Die Politik der Organisation verbietet Diskriminierung basierend auf sexueller Orientierung sowie Geschlecht, Ethnie oder ethnischer Herkunft, Religion, Nationalit&#228;t, Behinderung oder Alter. Die NATO war auch weltweit f&#252;hrend in der Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Die Organisation weitete die gleichen Eherechte im Juli 2002 auf gleichgeschlechtliche Paare aus, zu einer Zeit, wo nur ein Land in der Welt &#8211; die Niederlande &#8211; die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannte.&#8220; &#8222;NATO Headquarters hosts first-ever conference on LGBTQ+ perspectives in the workplace&#8220;, Homepage der NATO, 19. M&#228;rz 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nach dem Krieg gegen Serbien ver&#246;ffentlicht Claude Guillon &lt;a href=&#034;http://www.insomniaqueediteur.com/publications/dommages-de-guerre&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Dommages de guerre. Paris-Pristina-Belgrade, 1999&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (L'Insomniaque, 2000), ein bissiges Buch, das auf das Z&#246;gern und die Zugest&#228;ndnisse eines Teiles der franz&#246;sischen &#8222;Radikalen&#8220; gegen&#252;ber der NATO zur&#252;ckkommt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man relativiert, w&#228;hrend in Frankreich Marine Le Pen oder &#201;ric Zemmour Nazis genannt werden; obwohl neben den Mitgliedern des Regiments Asow die Aktivisten des RN wie scheue Sozialdemokraten aussehen w&#252;rden; obwohl abgesehen von der Ukraine in der Welt ziemlich wenige L&#228;nder existieren, wo rechtsextreme Organisationen &#252;ber ihre eigenen in die nationale Armee integrierten milit&#228;rischen Einheiten verf&#252;gen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was die Deserteure der franz&#246;sischen Armee betrifft, belaufen sie sich auf ungef&#228;hr 2&#8216;000 jedes Jahr, sie ziehen die Flucht und die Illegalit&#228;t der Fortsetzung ihres Engagements vor; einige enden vor Gericht. Doch das interessiert niemanden. Das k&#246;nnte sich k&#252;nftig &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesen Fragen sei auf unser Buch verwiesen: &lt;a href=&#034;http://www.lemondealenvers.lautre.net/livres/manu_militari.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Manu militari ? Radiographie critique de l'arm&#233;e&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2020 (2018).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bruce Springsteen, Born in the USA, 1984.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Abgesehen vom Jackpot, welcher der Krieg f&#252;r den milit&#228;risch-industriellen Komplex der USA und ihre Gasindustrie darstellt und obwohl er wahrscheinlich ein wirtschaftliches Desaster f&#252;r die EU ausl&#246;sen wird, ist er ein Gl&#252;cksfall f&#252;r gewisse Erwerbszweige, besonders aufgrund der Ankunft der ukrainischen Fl&#252;chtlinge; das gilt besonders f&#252;r den Sektor der Prostitution (in Deutschland) oder den industriellen und handwerklichen Sektor in Polen (ein Land, dem es an Arbeitskraft mangelt, da all seine Proletarier in den L&#228;ndern Westeuropas arbeiten gehen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss den Worten ihres ersten Generalsekret&#228;rs, Lord Ismay, besteht die Rolle der NATO darin, &#8222;die Amerikaner drinnen, die Russen drau&#223;en [zu] halten - und die Deutschen am Boden&#8220;. Siehe Wikipedia.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die gigantischen Waffenlieferungen an die Ukraine, welche die USA planen, verlangsamen jetzt schon jene, welche f&#252;r Taiwan bestimmt waren. Siehe Laurent Lagneau, &#8222;&lt;a href=&#034;http://www.opex360.com/2022/05/03/taiwan-sinquiete-de-possibles-retards-pour-ses-commandes-dequipements-militaires-americains/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ta&#239;wan s'inqui&#232;te de possibles retards pour ses commandes d'&#233;quipements militaires am&#233;ricains&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Zone militaire&lt;/i&gt;, 3. Mai 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Die Ukraine hat schon ungef&#228;hr 7&#8216;000 Panzerabwehrraketen Javelin erhalten, was ungef&#228;hr einem Drittel des amerikanischen Bestandes entspricht, die Ersetzungsfrist wird auf drei bis vier Jahre gesch&#228;tzt. Siehe Mat&#237;as Maiello, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.revolutionpermanente.fr/Quelques-elements-d-analyse-militaire-sur-la-guerre-en-Ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelques &#233;l&#233;ments d'analyse militaire sur la guerre en Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;R&#233;volution permanente&lt;/i&gt;, 28. April 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Tristan Leoni - Kalifat und Barbarei</title>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>
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		<dc:subject>Irak</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Erster Teil: Vom Staat &lt;br class='autobr' /&gt;
Zweiter Teil: Von der Utopie &lt;br class='autobr' /&gt;
Dritter Teil: Warten auf Raqqa &lt;br class='autobr' /&gt;
Vierter Teil: Der Endkampf? &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Araber waren als S&#246;ldner oder als Hilfstruppen die unerl&#228;&#223;liche St&#252;tze der gro&#223;en Reiche. Man kaufte ihre Mitwirkung, man f&#252;rchtete ihre Erhebungen, man spielte ihre St&#228;mme gegeneinander aus. Warum sollten sie ihren Wert nicht zu ihrem eigenen Vorteil nutzen? Um dies zu erreichen, bedurfte es eines m&#228;chtigen Staates, der Arabien zu einen vermochte. Ein solcher Staat (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Tristan-Leoni" rel="tag"&gt;Tristan Leoni&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Jihadismus" rel="tag"&gt;Jihadismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Irak" rel="tag"&gt;Irak&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/kalifat_und_barbarei_cover.jpg?1689358653' class='spip_logo spip_logo_right' width='93' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#ErsterTeil&#034;&gt;Erster Teil: Vom Staat&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#ZweiterTeil&#034;&gt;Zweiter Teil: Von der Utopie&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#DritterTeil&#034;&gt;Dritter Teil: Warten auf Raqqa&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#VierterTeil&#034;&gt;Vierter Teil: Der Endkampf?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die Araber waren als S&#246;ldner oder als Hilfstruppen die unerl&#228;&#223;liche St&#252;tze der gro&#223;en Reiche. Man kaufte ihre Mitwirkung, man f&#252;rchtete ihre Erhebungen, man spielte ihre St&#228;mme gegeneinander aus. Warum sollten sie ihren Wert nicht zu ihrem eigenen Vorteil nutzen? Um dies zu erreichen, bedurfte es eines m&#228;chtigen Staates, der Arabien zu einen vermochte. Ein solcher Staat konnte die erworbenen Reicht&#252;mer und den Handel in Schutz nehmen und die Habgier der besonders mittellosen Beduinen nach au&#223;en ablenken, anstatt sie die Handelst&#228;tigkeit der Araber selber hindern zu lassen. Die s&#252;darabischen Staaten, die den Nomaden gegen&#252;ber zu kolonialistisch waren und sich trotz ihrer fernen Verwandtschaft zu wenig um die Beduinen k&#252;mmerten, hatten in dieser Mission versagt.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Das gro&#223;e Bed&#252;rfnis der Epoche bestand in einem arabischen Staate, der von einer arabischen Ideologie geleitet und den neuen Verh&#228;ltnissen angepa&#223;t war, der jedoch dem Milieu der Beduinen, denen er ihren Platz einr&#228;umen mu&#223;te, noch nahe genug stand, einem Staate, der eine mit den gro&#223;en Reichen gleichrangige und gleicherma&#223;en geachtete Macht bildete. Die Wege waren f&#252;r den genialen Mann geebnet, der es besser als irgendein anderer verstand, diesem Bed&#252;rfnis zu entsprechen. Bald sollte dieser Mann zur Welt kommen.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Maxime Rodinson, &lt;i&gt;Mohammed&lt;/i&gt;, 1975 (1961), S. 44-45.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Anmerkung: Dieser Artikel war daran, geschrieben zu werden, als es zu den Angriffen am 13. November 2015 in Paris kam. Er ist also kein Positionsbezug von DDT21 zu diesen Ereignissen. Doch er k&#246;nnte es sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geburt eines Staates ist weder g&#228;ngig, noch r&#252;hrend. Und der Fr&#252;hgeborene, der Proto-Staat ist, obwohl sehr zerbrechlich, schon sch&#228;dlich.&lt;br class='autobr' /&gt;
Mit der gegenw&#228;rtigen Restrukturierung des Nahen Ostens erleben wir die Konstitution von neuen Einheiten, die bekanntesten davon sind der Islamische Staat (IS) und Rojava (Westkurdistan). Letztere sei als Musterbeispiel der Demokratie und des Feminismus ein Schutzwall gegen die Barbarei ersterer. Denn der Islamische Staat ist ein Monster, die Bilder beweisen es. Alles beweist es. Man m&#252;sste ihn &#252;brigens &lt;i&gt;Daesch&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Arabische Abk&#252;rzung f&#252;r den alten Namen des IS, den er von April 2013 bis (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nennen, denn er habe die &#8222;noble&#8220; Bezeichnung Staat nicht verdient und habe &#8222;nichts&#8220; mit dem Islam &#8222;zu tun&#8220;. Die Erkl&#228;rung sollte reichen. Sie gen&#252;gt jedoch nicht, um zu verstehen, wieso und wie 8 bis 10 Millionen Leute seit Monaten in einem Territorium leben, das mit dem Rest des Planeten im Krieg steht. Die Tage des Kalifats sind wahrscheinlich gez&#228;hlt, doch die Frage bleibt: Wieso funktioniert es?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle Blicke sind auf den IS gerichtet, doch sein Bild ist vernebelt. Der Abglanz, welcher uns via Medien erreicht, ist jener eines Jahrmarkts der Grausamkeiten, die sorgf&#228;ltig in Szene gesetzt werden, oder Episoden des Krieges, die von obskuren politisch-milit&#228;rischen Interessen abh&#228;ngen, z.B. die Schlacht von Koban&#234;. Aber unter den &#8222;Rebellengruppen&#8220;, die w&#228;hrend dem irakisch-syrischen Konflikt entstanden sind, ist der IS die einzige, welche versucht, eine Art staatliche Struktur aufzubauen und sich auf ein strukturiertes und ambiti&#246;ses politisches Projekt st&#252;tzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Projekt der PYD beschr&#228;nkt sich auf den syrischen Teil Kurdistans (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: den Wiederaufbau des 1258 verschwunden Kalifats, der eine Kritik der Welt, ihrer Funktionsweise, des Westens, der Demokratie, des Nationalismus usw. impliziert. Bedeutet das, dass es eine Kritik des &lt;i&gt;Kapitalismus&lt;/i&gt; ist? Sicher nicht, eher jene einiger seiner &#220;bel und Exzesse, jene, welche das freie und harmonische Funktionieren einer ertr&#228;umten Kalifatsgesellschaft beeintr&#228;chtigen &#8211; und v.a. ihrer Wirtschaft.&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;ErsterTeil&#034;&gt;Erster Teil: Vom Staat&lt;/h3&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Das beste w&#228;r so'n autorit&#228;rer Herrscher, der ganz gut ist und ganz lieb und ordentlich.&#8220;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Lilo Pempeit zu ihrem Sohn Rainer Werner, 1977.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wir werden nicht auf die jahrhundertealten Urspr&#252;nge und die K&#252;nstlichkeit der Staaten und Grenzen der Region zur&#252;ckkommen und auch nicht auf die Aufst&#228;nde 2011, die in Syrien und Irak einem B&#252;rgerkrieg und dann, ziemlich schnell, einer milit&#228;rischen Konfrontation Platz gemacht haben, die mehrere Lager hat und eine Unzahl an lokalen und internationalen Akteuren mit allerseits wechselnden Strategien und B&#252;ndnissen zusammenbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Genealogie des IS, der anfangs die irakische Sektion der Al Qaida war und nun autonom geworden ist, ist ebenfalls h&#246;chst komplex&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu dieser Frage, siehe Myriam Benraad, Irak, la revanche de l'histoire, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch bevor seine Truppen eine Reihe an &#252;berraschenden Siegen w&#228;hrend dem Sommer 2014 feiern konnten, interessierte sie kaum jemanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die milit&#228;rische Frage&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS war am Anfang nur eine der Widerstandsgruppen gegen die amerikanische Besatzung im Irak (und somit eine terroristische Gruppe); doch ab 2009 profitiert er vom Anschluss von Tausenden sunnitischer K&#228;mpfer von Milizen und von Hunderten ehemaligen Offizieren der irakischen Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ab 2006 hatte Bagdad in den al-Sahwa-Komitees (das Erwachen) sunnitische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der milit&#228;risch sehr effiziente IS ist von einem betr&#228;chtlichen Teil der sunnitischen Bev&#246;lkerung des Iraks als &#8222;Befreiungsarmee&#8220; wahrgenommen und als solche gefeiert worden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pierre-Jean Luizard, Le Pi&#232;ge Daech, La D&#233;couverte, 2015, S. 17.&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und viele Stammesf&#252;hrer haben sich entschieden, ihm Treue zu schw&#246;ren. Das erkl&#228;rt, weshalb etliche Orte so leicht in seine H&#228;nde gefallen sind (z.B. Mosul) und weshalb die (schiitischen) Truppen Bagdads in diesen Regionen nur wenig Widerstand geleistet haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS hat sich auch ein bedeutendes Arsenal angeeignet, das ihm ab 2013 dazu dient, sich in Syrien auszubreiten; in diesem Land werden die Orte dank heftigen K&#228;mpfen gegen andere islamistische Gruppen oder dank dem Anschluss derselben erobert. Im allgemeinen Chaos bringen ihm seine logistischen und Herrschaftskompetenzen eine gewisse Popularit&#228;t in der Bev&#246;lkerung. Erst in einer zweiten Phase lanciert er Offensiven gegen Rojava und das Regime von Damaskus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist bemerkenswert, dass der IS sehr um das &#220;berleben seiner K&#228;mpfer besorgt scheint und nicht z&#246;gert, falls notwendig Positionen aufzugeben (die Frage der Selbstmordattentate ist etwas anderes). Diese Armee z&#228;hle gem&#228;ss Sch&#228;tzungen zwischen 30'000 und 100'000 M&#228;nner: viele ehemalige irakische K&#228;mpfer von Milizen, Araber und Kurden und mindestens 20'000 ausl&#228;ndische Freiwillige. Ihr Sold wird regelm&#228;ssig ausgezahlt, was Pl&#252;nderungen, Diebst&#228;hle und Erpressungen beschr&#228;nkt, die andere Rebellengruppen gewohnheitsm&#228;ssig betreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der blutr&#252;nstige und gnadenlose Ruf seiner Truppen wird bewusst gepflegt; da er die Genfer Konvention nicht unterzeichnet hat, respektiert der IS &#252;berhaupt keine &#8222;Regel&#8220; des Krieges, allen voran gegen jene, welche er als ungl&#228;ubig oder abtr&#252;nnig betrachtet. Seine Gegner erlangen, unabh&#228;ngig von ihren Machenschaften, eine Aura der Achtbarkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Verwaltung eines Territoriums&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wiederherstellung des Kalifats unter dem Namen Islamischer Staat ist am 29. Juni 2014 in der Nuri-Grossmoschee von Mosul verk&#252;ndet worden. Die Debatte &#252;ber den Begriff &#8222;Staat&#8220; hat seither nie aufgeh&#246;rt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Interviews mit Philippe-Joseph Salazar, die seit November 2015 auf (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das Wort ein begrenztes Territorium beschreibt, innerhalb welchem eine souver&#228;ne Autorit&#228;t ihre Gesetze gegen eine fixe Bev&#246;lkerung durchsetzt, &#252;ber eine Armee und eine Wirtschaft verf&#252;gt, so &#228;hnelt der IS eher einem Staat, denn gewisse heute (mehr oder weniger) international anerkannte Einheiten (Liberia, Somalia, Jemen, Vatikan, Luxemburg, Libyen, S&#252;dsudan usw.), und nur beschr&#228;nkt einer terroristischen Gruppe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur die Instabilit&#228;t seiner Grenzen widerspricht dem westlichen Staatsmodell, doch der Krieg ist nicht der einzige Grund daf&#252;r:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kann das Wort 'Dawla', das gew&#246;hnlich auf Arabisch f&#252;r 'Staat' benutzt wird und Teil der Abk&#252;rzung 'Daesch' ist, pr&#228;zis mit 'Staat' &#252;bersetzt werden? In der Geschichte der arabischen und muslimischen Welt beschreibt dieses Wort in der Tat Regierungsformen, die nicht viel mit der westlichen Geschichte des Wortes Staat zu tun haben. Es verweist auf die Ideen von 'Statik', Territorialit&#228;t, Grenze, Souver&#228;nit&#228;t, Unterscheidung zwischen dem Politischen und dem Sozialen, kurz auf ganz andere Dinge als das, was in der Geschichte der muslimischen Welt geschehen ist.&#8220; (Bernard Badie)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Bernard Badie, Afrique Asie, Oktober 2015, S. 33.&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Frage der Form hat der IS schon Stellung bezogen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Jene, welche P&#228;sse, Grenzen, Botschaften und Diplomatie wollen, haben nicht verstanden, dass die Anh&#228;nger der Religion von Ibr&#226;h&#238;m [&#8230;] nicht an diese heidnischen G&#246;tzen glauben und sie als Feinde betrachten. [&#8230;] Wir wollen den Staat des Propheten wieder aufbauen und jenen der vier rechtgeleiteten Kalifen; und nicht den Nationalstaat von Robespierre, Napoleon oder Ernest Renan.&#8220; (&lt;i&gt;Dar al-Islam&lt;/i&gt;)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dar al-Islam, Nr. 3, M&#228;rz-April 2015, S. 14 (Dar al-Islam ist die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS verwaltet ein Territorium von 300'000 km&#178;, das von 8 bis 10 Millionen Einwohnern bev&#246;lkert ist. Er hat sofort Institutionen im kontrollierten Territorium aufgebaut (oder sie ver&#228;ndert). Sie sind rund um eine reduzierte Zentralverwaltung (sieben Ministerien neben dem Kalifen), einem Kriegsrat und sieben von einer Schura assistierten Provinzgouverneuren strukturiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die beiden grossen Zonen (Syrien und Irak) verf&#252;gen &#252;ber eine konsultative Versammlung, die aus Imamen, Predigern, den Notabeln der St&#228;dte und den Anf&#252;hrern der St&#228;mme bestehen, wo nicht alle Stimmen das gleiche Gewicht haben, jedoch der Konsens gesucht wird. Die Demokratie als westliche und &#8222;g&#246;tzendienerische&#8220; Erfindung wird abgelehnt und legislative Gewalt ist nutzlos: Die Scharia reicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Raqqa (200'000 Einwohner) ist &lt;i&gt;de facto&lt;/i&gt; die Verwaltungshauptstadt, Mosul (2.5 Millionen Einwohner) die religi&#246;se Hauptstadt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn er ein Territorium erobert, gibt der IS die Macht lokalen Akteuren zur&#252;ck (oder l&#228;sst sie ihm Amt, wenn er ihnen vertraut): Stammesf&#252;hrer, Quartierchefs, unter der Bedingung, dass sie dem IS ausschliessliche Treue schw&#246;ren, keine anderen Embleme als jenes des IS tolerieren und seine sittlichen Benimmregeln respektieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass die Regierung des Kalifats sich brutal durch Gewalt und Willk&#252;r durchsetzt, ist gewiss kein Grund, ihr den Namen Staat abzusprechen, ganz im Gegenteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aussergew&#246;hnliche Repression &#8211; und gew&#246;hnliche&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Region, die in dieser Hinsicht ziemlich gut bedient ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rojava stellt die einzige Ausnahme dar. Die Chancen, dort willk&#252;rlich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, ist der IS eines der repressivsten Regime, doch es ist v.a. das einzige, das eine derartige Schaufensterauslage seiner &#8222;Grausamkeiten&#8220; macht. F&#252;r westliche Gesellschaften, die eine &lt;i&gt;Entbrutalisierung&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Sinne von George Mosse, jenem Historiker, der das Konzept der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; erlebt haben, kann das nur das Werk von &#8222;Barbaren&#8220; sein, d.h. sie sprechen nicht &#8222;unsere&#8220; Sprache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Gebieten, die er kontrolliert, baut der IS jedoch eine Art Rechtsstaat wieder auf und &#8222;erf&#252;llt&#8220; somit &#8222;die Erwartungen der lokalen Akteure&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pierre-Jean Luizard, op. cit., S. 15-16.&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Irak hat er die schiitischen Truppen verjagt, die von der Bev&#246;lkerung als verabscheuenswerte Besatzungsarmee betrachtet wurden, eine &lt;i&gt;check point army&lt;/i&gt;, deren Pr&#228;senz nur &#220;bergriffe, Gewalt, Vergewaltigungen, Erpressung, verallgemeinerte Korruption und Unsicherheit zur Folge hatte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Armee von Bagdad, die von organisierter Abwesenheit und starker (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einer Stadt wie Mosul, wo das Schmiergeld und der Klientelismus regierten, waren die ersten, h&#246;chst symbolischen, wenig aufw&#228;ndigen und sehr mediatisierten Massnahmen des neuen Regimes die Entlassung und &#246;ffentliche Hinrichtung der Korrupten. Die Einwohner stellen fest, dass &#8222;die Lage eindeutig besser ist als vorher, als es nicht mehr auszuhalten war&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pierre-Jean Luizard, op. cit., S. 29.&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn in Mosul die Ordnung herrscht, so ist das auch wegen einer gnadenlosen Repression. Aber sie ist weit davon entfernt, von einem t&#246;dlichen, unkontrollierten Wahnsinn diktiert zu sein, sie richtet sich nach kalten Staats- und Verwaltungslogiken und findet in einer w&#246;rtlichen Interpretation des Korans und der Hadithe (Handlungen und Worte des Propheten) ihre Legitimit&#228;t. Diese scheussliche, &#252;bermediatisierte Repression l&#228;sst sich in drei Kategorien einteilen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Politisch-medial&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es handelt sich um Hinrichtungen von Geiseln, die von den Medien des Kalifats in Szene gesetzt werden, um die Abendl&#228;nder zu schockieren. Sie nehmen einen prominenten Platz in den westlichen Medien ein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Bilder kommen nicht &#252;ber die gleichen Kan&#228;le wie z.B. die zahlreichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) &#8222;Kriegsverbrechen&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es handelt sich um ebenfalls sehr mediatisierte Massaker, die vom IS in den Stunden und Tagen nach der Eroberung einer Stadt oder eines neuen Territoriums begangen werden. Neben den Hinrichtungen von Anh&#228;ngern oder Schergen von anderen Regimen, oder sogar von demokratischen Aktivisten, die allen vorhergehenden Gruppen entkommen sind, kann die neue Kalifatsverwaltung die noch pr&#228;senten religi&#246;sen Minderheiten nicht &#252;bersehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine Behandlung, die durch ihre Praktiken und ihren religi&#246;sen Rahmen an (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Leute des Buches (die Christen) haben drei M&#246;glichkeiten: Bekehrung, Status als &lt;i&gt;dhimmi&lt;/i&gt; (B&#252;rger zweiter Klasse, aber gesch&#252;tzt) oder Exil. Viele haben schon vor dem Ankommen des IS letzteres gew&#228;hlt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die dhimmitude, die streng und zwingend ist, beinhaltet allen voran die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Heiden&#8220; (die Jesiden z.B.) werden nicht einmal als Menschen betrachtet und haben somit &#252;berhaupt kein Recht. Sie m&#252;ssen get&#246;tet oder versklavt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Apostaten (Atheisten oder Bekehrte) verdienen schlicht und einfach den Tod. Der IS benutzt h&#228;ufig den &lt;i&gt;takfir&lt;/i&gt;, ein Verfahren, das es erlaubt, einem Gegner abzusprechen, Muslim zu sein, und aus ihm einen Apostaten zu machen (das gilt f&#252;r die Schiiten, aber auch f&#252;r praktisch alle Sunniten, die Gegner des IS sind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sich der IS zum Ziel gemacht hat, strikt anzuwenden, was gem&#228;ss ihm Teil der koranischen Vorschriften ist, handelt es sich hier nur um Theorie. In der Praxis, w&#228;hrend den K&#228;mpfen, sind die Betreuung und die Disziplin noch nicht auf h&#246;chstem Niveau, &#8222;Fehlverhalten&#8220; und &#8222;&#220;bergriffe&#8220; sind gang und g&#228;be.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wiedereinf&#252;hrung der Sklaverei ist eine Folge der milit&#228;rischen Erfolge. Die gefangengenommenen Frauen und Kinder (&#8222;Ungl&#228;ubige&#8220;) werden als Teil der Beute betrachtet, die gerecht verteilt werden muss (oder zumindest der Ertrag ihres Verkaufs). Die Opfer werde somit in Bedienstete und/oder &#8222;Kebsen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Abdel Bari Atwan, Islamic State: The Digital Caliphate, London, Saqi Books, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verwandelt (einige sollen von t&#252;rkischen Zuh&#228;ltern gekauft worden sein). Auch hier ist der IS &#252;berzeugt, die Angaben im Koran hinsichtlich dieser Praxis buchstabengetreu anzuwenden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist problematisch, diese Machenschaften als &#8222;barbarisch&#8220; zu bezeichnen, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Gew&#246;hnliche Justiz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r viele Kommentatoren ist die allt&#228;gliche Justiz und das Strafrecht jener Dienst, welcher im Kalifat am effizientesten funktioniert. Religi&#246;se Richter, die &lt;i&gt;qadis&lt;/i&gt;, sind &#252;ber das ganze Territorium nominiert worden und haben sich im Justizpalast eingerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt verschiedene Strafen: Busse, Beschlagnahmung, &#246;ffentliche oder nicht-&#246;ffentliche Auspeitschung (z.B. weil man eine Zigarette geraucht hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aufgrund ihrer Gef&#228;hrlichkeit wird die Zigarette mit dem im Islam verbotenen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), Gef&#228;ngnis, Amputation (f&#252;r einen Dieb), verschiedene Hinrichtungstechniken (wegen Ehebruch, Homosexualit&#228;t, Vergewaltigung, Korruption usw.). Es geht um Abschreckung und die Statuierung eines Exempels, die Hinrichtungen sind &#246;ffentlich und die Leichen werden vorgef&#252;hrt. Der R&#252;ckgang der Kriminalit&#228;t sei betr&#228;chtlich.&lt;br class='autobr' /&gt;
Man findet Aspekte dieser Praktiken in anderen muslimischen L&#228;ndern, allen voran in Saudi-Arabien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Justiz geniesse bei der Bev&#246;lkerung einen &#8222;Ruf der Unbefangenheit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#034;Administration, police, communication&#8230; Daech, les rouages d'un quasi-&#201;tat&#034;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Medien des IS heben nat&#252;rlich Beispiele hervor, die zeigen, dass die Jihadisten nicht &#252;ber dem Recht stehen: Hie und da wird ein Verantwortlicher wegen Korruption gekreuzigt oder ein K&#228;mpfer wegen einer Vergewaltigung hingerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &lt;i&gt;qadis&lt;/i&gt; verf&#252;gen &#252;ber eine Polizei, die beauftragt ist, ihre Entscheide durchzusetzen. Eine andere Einheit, die &lt;i&gt;muhtasib&#238;n&lt;/i&gt;, setzt die &lt;i&gt;hisbah&lt;/i&gt; (was sich gem&#228;ss dem Koran geh&#246;rt oder nicht) durch. Diese Sittenpolizei, welche durch die angestellten europ&#228;ischen Jihadistinnen bekannt geworden ist, &#252;berwacht auch die M&#228;rkte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich gibt es auch eine politische Geheimpolizei, die &lt;i&gt;Anni&lt;/i&gt;, und Demonstrationen sind verboten. Die Kontrolle und die &#220;berwachung der Bev&#246;lkerung scheinen besonders furchtbar und Experten sehen darin die &#8222;Handschrift&#8220; irakischer Offiziere, die in den Techniken des Ostblocks ausgebildet worden waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alain Rodier, &#034;Irak/Syrie: Daesh, comment &#231;a marche ?&#034;, 7. Juni 2015.&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die aufgest&#246;berten Oppositionellen werden als abschreckendes Beispiel hingerichtet und, man ahnt es, &#8222;wenn man ihre Regeln ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert, wird einem niemand etwas zuleide tun&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss einem Mitglied der Oppositionsgruppe Raqqa Is Being Slaughtered (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Eine repressive Politik, so effizient sie auch sein mag, reicht jedoch nicht, um den Fortbestand eines Regimes zu garantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das allt&#228;gliche Leben&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die verf&#252;gbaren Informationen sind bruchst&#252;ckhaft, h&#228;ufig anekdotenhaft und betreffen in den meisten F&#228;llen Raqqa oder Mosul. Die Realit&#228;t ist vermutlich auf dem Land oder von einer Stadt zur anderen ziemlich unterschiedlich, je nach dem, wie lange der IS schon dort ist, wie viel Unterst&#252;tzung oder Widerstand es seitens der Bev&#246;lkerung gibt, wie weit die Front entfernt ist. Die Reglementierungen k&#246;nnen z.B. schrittweise angewendet werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hala Kodmani, &#034;A Palmyre, l'&#201;tat islamique a cherch&#233; &#224; gagner la confiance&#034;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in den Strassen auff&#228;llt, sind gewiss die Frauen in Schwarz. Die neuen Sitten- und Religionsgesetze (Tabak-, Alkohol- und Drogenverbot&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das ber&#252;hmte Captagon, eine Art Amphetamin und weder ein Psychotropikum, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), v.a. jene, welche die Lage der Frauen betreffen, sind allseits bekannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Tat und Wahrheit hat sich die Lage der Frauen im Irak seit dem ersten Embargo 1990 und v.a. nach 2003 schrittweise verschlechtert. Das gleiche gilt wahrscheinlich f&#252;r Syrien, wo die meisten von Assad &#8222;befreiten&#8220; Gebiete in den H&#228;nden von bewaffneten islamistischen Gruppen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben einer sehr strikten Kleiderordnung, die schon im zartesten Alter gilt (Schleierpflicht f&#252;r die M&#228;dchen ab dem dritten Schuljahr), k&#246;nnen sich die Frauen in den St&#228;dten des Kalifats nur in Anwesenheit eines m&#228;nnlichen Vormundes bewegen. Die einzigen Arbeitsstellen f&#252;r Frauen, die es erlauben, nicht zu Hause zu bleiben, scheinen jene des Medizin- oder Bildungssektors zu sein. Man kann anmerken, dass die Frauen im Gegensatz zu Saudi-Arabien das Recht haben, Fahrzeuge zu lenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch von den M&#228;nnern wird gute Kleidung erwartet, allen voran, dass sie als zu westlich beurteilte Kleidung oder gewisse Markenkleider meiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Strassen der grossen St&#228;dte, in welchen die Polizei die Kleider pr&#252;ft, scheinen allerdings verstopft und l&#228;rmig, die St&#228;nde und L&#228;den gut ausgestattet, die Gesch&#228;ftst&#228;tigkeit ist in vollem Gange&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Reportagen von Vice News aus Raqqa.&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der IS will nicht das &lt;i&gt;business&lt;/i&gt; ersch&#252;ttern, nur den Schein und die Oberfl&#228;che, damit sie dem g&#246;ttlichen Willen entsprechen. Der Rhythmus der Tage wird durch die f&#252;nf t&#228;glichen Gebete bestimmt (oder durcheinandergebracht, gem&#228;ss einigen Gesch&#228;ftsm&#228;nnern), es hat endlich Beamte, welche den Verkehr an den Kreuzungen regeln, neue Nummernschilder, einen Mondkalender usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS schenkt auch der Sicherung und Verbesserung der Versorgung eine besondere Beachtung, sowie der Senkung der Lebensmittelpreise; daher kommt die Kontrolle &#252;ber die M&#252;hlen und B&#228;ckereien, die fr&#252;her in Syrien &#246;ffentliches Eigentum waren. W&#228;hrend eine noch junge &#8222;Konsumentenschutzbeh&#246;rde&#8220; die Hygiene und Qualit&#228;t der Produkte &#252;berwacht, ist die Aufmerksamkeit der &lt;i&gt;muhtasib&#238;n&lt;/i&gt; auf die Preise in den Strassen und den M&#228;rkten gerichtet: Man sollte nicht vergessen, dass man wegen &#8222;Spekulation und Hortung&#8220; hingerichtet werden kann&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zuvor organisierten die lokalen klientelistischen Netzwerke die k&#252;nstliche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn eine Stadt erobert wird, ist eine der Priorit&#228;ten des IS, genau wie von jeder konsequenten Besatzungsarmee, die Funktion der &#246;ffentlichen Dienste wiederherzustellen. Die Angestellten der &#246;ffentlichen Unternehmer und die Funktion&#228;re werden angeregt, zu bleiben, und die Bezahlung der L&#246;hne ist garantiert, falls n&#246;tig (und sie ist regelm&#228;ssiger als unter der Herrschaft von Nouri al-Maliki)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bagdad und Damaskus zahlen manchmal weiterhin L&#246;hne an die Funktion&#228;re in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Standesamt funktioniert wieder, es passt sich einfach den gesetzlichen Modifikationen an (wie die Heiratsberechtigung f&#252;r M&#228;dchen ab neun Jahren).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS bem&#252;ht sich, die vom Krieg besch&#228;digte Infrastruktur wieder aufzubauen, doch lanciert auch neue Projekte, die in seiner Presse gepriesen werden: Reparatur von Br&#252;cken und Stromkreisen, Er&#246;ffnung von verbilligten Linien des &#246;ffentlichen Verkehrs, Wiederherstellung eines Postdienstes usw. W&#228;hrend der Eroberung von Palmyra, als die Hinrichtungen noch kaum vorbei waren, hat der IS eiligst Techniker vor Ort geschickt, damit es wieder Elektrizit&#228;t und Internetverbindungen gibt. Die Funktion&#228;re der Stadt haben eine Lohnvorauszahlung bekommen und neues medizinisches Ger&#228;t ist im Spital installiert worden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hala Kodmani, &#034;A Palmyre, l'&#201;tat islamique a cherch&#233; &#224; gagner la confiance&#034;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Raqqa ist sinnbildhaft der Palast des Gouverneurs in ein Spital verwandelt worden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;www.france24.com, Oktober 2014.&#034; id=&#034;nh2-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In den peripheren Gebieten, die manchmal vom vorherigen Regime vernachl&#228;ssigt worden waren, hat der IS &#8222;von bedeutenden Kontrasteffekten in seinem Verh&#228;ltnis zur Bev&#246;lkerung profitieren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gr&#233;goire Chambaz, &#034;Facteurs tribaux dans les dynamiques du contr&#244;le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; k&#246;nnen, indem er Impfkampagnen, den Bau von Krankenstationen, Brunnen und Schulen finanziert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bildung ist eine weitere der angezeigten Priorit&#228;ten. Das Regime besteht auf der Notwendigkeit, die Schulen und Universit&#228;ten wieder zu &#246;ffnen, allen voran die wissenschaftlichen und technischen Studieng&#228;nge. Es hat eine Medizinfakult&#228;t in Raqqa er&#246;ffnet, wo eine wissenschaftliche Universit&#228;t f&#252;r die Frauen reserviert ist. Die Schulprogramme haben eine brutale Reform hinnehmen m&#252;ssen, die vom saudischen Modell inspiriert ist.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es zirkulieren Bilder von Kindern und jungen Teenagern, die eine milit&#228;rische Ausbildung erhalten, ohne dass man n&#228;heres zum Kontext sagen k&#246;nnte: kompletter Schulabbruch oder (wahrscheinlicher) einw&#246;chige Weiterbildung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Propaganda des Regimes zeigt auch Jihadisten, die ihre l&#228;chelnden Kinder ins &#246;ffentliche Bad begleiten, mit ihnen spielen, andere Kinder am Steuer von Putschiautos oder auf gigantischen aufblasbaren Spielzeugen in Parks. Man weiss auch, dass in Mosul ein &#8222;Unterhaltungstag&#8220; mit Verteilung von Ballons (sic!) und ein Koranrezitierwettbewerb in Raqqa organisiert worden ist...&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Yochii Dreazen, &#034;Daech, administrateur colonial&#034;, Foreign Policy, 20. August (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein soziales Programm&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hinrichtungsvideos sind nur ein Teil der Propaganda des IS auf dem Internet: Es kommt ein sozialer und karitativer Teil hinzu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geh&#246;rt zum klassischen Repertoire islamistischer (Oppositions-)Bewegungen, Hilfsprogramme f&#252;r die &#196;rmsten auf die Beine zu stellen. Jenes des IS ist von einem grossen Ausmass und die angek&#252;ndigten Massnahmen variieren: Zusch&#252;sse f&#252;r die &#228;rmsten Familien (in Raqqa, eine von Damaskus vernachl&#228;ssigte Stadt, 10 $ pro Kind, dann 250 $ am Winteranfang)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, L'&#201;tat islamique. Anatomie du (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Er&#246;ffnung von Kantinen, Verteilung von Lebensmitteln, Kontrolle oder Senkung der Preise der lebensnotwendigen Produkte, Begrenzung der Mieten, Familienzusch&#252;sse, Pr&#228;mien bei Heirat und f&#252;r jede Geburt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;1'000 Dollar gem&#228;ss Samuel Laurent, L'&#201;tat islamique, Seuil, 2014, S. 100.&#034; id=&#034;nh2-33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Zusch&#252;sse f&#252;r die Familien von im Kampf gefallenen Soldaten usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So kauft der IS den sozialen Frieden und die Unterst&#252;tzung der Bev&#246;lkerung, doch es ist auch Teil seines politischen Projekts. Obwohl die Jihadisten, welche ein Territorium verwalten m&#252;ssen, die Gegner kreuzigen, m&#252;ssen sie auch zur immensen Mehrheit Sorge tragen, die ihre Interpretation der Scharia respektiert und die bis zu einem gewissen Grad auch von den milit&#228;rischen Eroberungen profitieren kann&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir denken hier an das Buch von G&#246;tz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt zwingend einen Unterschied zwischen einem Programm und seiner Realit&#228;t&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Informationen &#252;ber einen Mangel an Nahrungsmitteln und einer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Umso mehr, weil der IS aufgrund seiner religi&#246;sen Legitimation die (von Gott) erschaffene Ordnung durch Interventionen bez&#252;glich der Einkommensunterschiede, der Klassen, der Hierarchien (manchmal Stammeshierarchien), Treuepflichten usw. nicht durcheinanderbringen darf. Er kann sich nur die Begrenzung der deutlichsten Exzesse und Missbr&#228;uche zum Ziel machen, ohne jedoch selbst der Korruption zu erliegen, was nicht einfach ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Myriam Benraad, &#034;D&#233;faire Daech : une guerre tant financi&#232;re que militaire&#034; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Kalifatswirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Informationen in diesem Bereich sind im allgemeinen fragmentarisch und unkontrollierbar (man erf&#228;hrt z.B., dass die Zementindustrie 10% der Einnahmen des IS repr&#228;sentiere, ohne n&#228;here Pr&#228;zisierung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 118.&#034; id=&#034;nh2-37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;); es werden viele Zahlen zitiert, doch man erf&#228;hrt sehr wenig Details &#252;ber die konkrete Funktionsweise der Unternehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS verf&#252;ge &#252;ber ein Verm&#246;gen von 2'260 Milliarden Dollar, seine ber&#252;hmte &#8222;Kriegskasse&#8220;, doch in Tat und Wahrheit umfasst diese Zahl auch den Wert der &#214;l- und Gasinstallationen, der Phosphatminen, der Anbaufl&#228;chen und der auf seinem Territorium gelegenen kulturellen Sehensw&#252;rdigkeiten (davon Hunderte von Millionen Dollar, die er sich aus den Safes der Zentralbank von Mosul verschafft hat)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marine Rabreau, &#034;P&#233;trole, taxes, trafics d'humains : comment Daech se (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Verm&#246;gen ist im Vergleich zu 2014 steigend. Das Staatsbudget 2015, ungef&#228;hr 2.5 Millionen Euros, sei kleiner geworden, besonders aufgrund der &#214;leinkommen (geringerer &#214;lpreis und vermehrte Bombenangriffe), obwohl die Einnahmen aus Steuern und Beschlagnahmungen steigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es allen voran mit einer Kriegswirtschaft zu tun, in Gebieten, die manchmal wegen den K&#228;mpfen verw&#252;stet sind und einen grossen Teil ihrer Bev&#246;lkerung verloren haben. Das gilt v.a. f&#252;r Syrien, wo von 22 Millionen Einwohnern 4 Millionen ins Ausland gefl&#252;chtet sind und 8 bis 10 Millionen ihr Zuhause verlassen haben m&#252;ssen; einige St&#228;dte sind unbesch&#228;digt in die H&#228;nde des IS &#8222;gefallen&#8220;, doch andere sind von langen K&#228;mpfen verw&#252;stet worden. Etliche Fabriken sind in andere Regionen oder in die T&#252;rkei umgezogen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Henri Mamarbachi , &#034;Comment fonctionne l'&#233;conomie de guerre en Syrie&#034;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation ist anders im irakischen Teil des Kalifats, wo sich die Wirtschaft und die Bev&#246;lkerung seit langem einer solchen Situation angepasst haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wirtschaft des IS ist durch die T&#252;rkei (und in geringerem Ausmass durch Jordanien) mit dem Rest der Welt verbunden, doch der t&#252;rkische Kriegseintritt im Sommer 2015, sowie die kurdischen Offensiven bedrohen diesen Zugang.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Rahmen einer Kriegswirtschaft scheint der IS pragmatisch zu sein, um jene Produktionseinheiten so schnell wie m&#246;glich wieder zu beleben, welche f&#252;r seine milit&#228;rischen Anstrengungen und f&#252;r die Versorgung der von ihm verwalteten Bev&#246;lkerungen (und f&#252;r die Eintreibung der Steuern) notwendig sind, je nach Dringlichkeit, Art des Eigentums (die zahlreichen Staatsunternehmen oder private), Art des Unternehmens, lokalen Besonderheiten. Diese Anpassungsf&#228;higkeit wird durch die grosse Autonomie der lokalen Beh&#246;rden erleichtert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist dieser Realismus, und nicht ein Streben nach wirtschaftlichem Liberalismus, der die Privatisierung gewisser Staatsunternehmen (ohne dass ein finanzieller Profit ausgeschlossen werden kann) oder die Lancierung eines Unterst&#252;tzungsprogramms f&#252;r kleine Unternehmen und die lokale Wirtschaft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Yochii Dreazen, &#034;Daech, administrateur colonial&#034;, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; erkl&#228;rt. Die von den Eigent&#252;mern verlassenen Fabriken sind wahrscheinlich vom IS wieder zum Funktionieren gebracht worden. Die Verwaltung gewisser &#214;lbetriebe wurde z.B. eine gewisse Zeit den schon vorhandenen Unternehmen oder in anderen F&#228;llen lokalen St&#228;mmen &#252;berlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall scheint der IS mehr Programme, Brosch&#252;ren, Dekrete, Fatwas usw. zu Sittenfragen denn zu Wirtschaftsfragen zu erlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Abgaben und Steuerwesen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein neues Steuersystem, das auf regelm&#228;ssigen Abgaben und formalisierten Prozeduren und Tabellen basiert, ist eingef&#252;hrt worden, um einen funktionierenden Staat zu garantieren. Diese Steuern, die von den westlichen Medien als &#8222;Erpressung&#8220; und &#8222;Schutzgeld&#8220; bezeichnet werden, repr&#228;sentieren weniger als einen Drittel der Einnahmen des IS. Die &lt;i&gt;Zak&#226;t&lt;/i&gt; ist Teil davon, es handelt sich um gesetzliche Almosen und die dritte S&#228;ule des Islams, aber auch diverse andere Formen, f&#252;r die Bauern manchmal als Naturalsteuer; die &lt;i&gt;Sadaqa&lt;/i&gt;, eine freiwillige Spende an die Bed&#252;rftigen, und die &lt;i&gt;Djizya&lt;/i&gt;, die Steuer der &lt;i&gt;dhimmis&lt;/i&gt;, sie ist hoch, doch progressiv je nach Einkommen (man spricht von 60 bis 250 Dollar pro Monat in Mosul).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr viele Abgaben existieren (einige als Formen der &lt;i&gt;Zak&#226;t&lt;/i&gt;), z.B. auf: Unternehmen, Einkommen neu gegr&#252;ndeter Unternehmen, Telekommunikation, Schutz der Gesch&#228;fte, Bargeldbezug, L&#246;hne (5% f&#252;r den &#8222;sozialen Schutz&#8220;), die von Damaskus und Bagdad bezahlten L&#246;hne (50%), Produkte an den Grenzen, Kamele, Mautstellen usw. Dieses Steuerwesen ersetzt jenes der vorhergehenden Regime, doch auch die damals obligatorischen Schmiergelder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Erpressungen&#8220; bestehen aus zahlreichen F&#228;llen von Beschlagnahmungen: von Geld im Falle von Regelverletzungen (Alkohol oder Zigaretten), von H&#228;usern, Land, Fahrzeugen oder Vieh, nachdem diese von ihrem Eigent&#252;mer zur&#252;ckgelassen worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vermehrung der Einnahmen 2015 hat zwei Ursachen: die Schwierigkeiten des Regimes, das gezwungen ist, die bestehenden Abgaben zu erh&#246;hen, und eine Verbesserung der Verwaltung und der Steuereintreibung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aussergew&#246;hnliche und &#8222;kriminelle&#8220; Ressourcen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es handelt sich um Betr&#228;ge, die von privaten Spendern aus dem Golf (die Verbindungen zwischen St&#228;mmen spielen hier eine wichtige Rolle) &#252;berwiesen werden, L&#246;segeld von Geiseln, Verkauf/R&#252;ckkauf von Sklaven und den Handel mit Antiquit&#228;ten (oder eher dessen Einbettung). Da sie h&#228;ufig mit milit&#228;rischen Eroberungen verbunden sind, tendieren diese Eink&#252;nfte dazu, zu versiegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es zirkulieren zahlreiche Ger&#252;chte &#252;ber diverse Schwarzm&#228;rkte (Zigaretten, Drogen, Organe) und mafi&#246;se Aktivit&#228;ten, die der vom Regime verteidigten Ideologie widersprechen. Was gewisser scheint, ist die Besteuerung einiger vorher schon existierender Sektoren (z.B. jener des Captagons).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Banken&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Charles Brisard and Damien Martinez, &#034;Islamic State : The Economy-Based (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS hat sich mit einer Staatsbank und einer offiziellen W&#228;hrung ausgestattet: Dinare, Dirhams und Fulus des Kalifats in Form von Geldst&#252;cken aus Gold, Silber und Kupfer (der Wert des Geldst&#252;cks entspreche dem eigentlichen Wert des Metalls, aus dem es gemacht ist). Abgesehen davon, dass er wenig wahrscheinlich ist, weiss man wenig &#252;ber ihren wirklichen Gebrauch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS kontrolliert auf seinem Territorium mehrere Dutzend Finanzinstitute, einige davon machen nach wie vor Gesch&#228;fte und auch internationale &#220;berweisungen. Die Banken von Mosul, die Filialen von Finanzinstituten, deren Hauptquartier im Golf oder Bagdad liegt, haben weiterhin normal funktioniert (und tun das vielleicht immer noch).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch ist das Regime mit Schwierigkeiten in Bezug auf die Wechselkurse konfrontiert: Obwohl die Einnahmen in Form von Dollars, Euros, t&#252;rkischen oder syrischen Liren einkassiert werden, regelt es seine Rechnungen in Dollar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Landwirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie repr&#228;sentiere zwischen 7 und 20% der Einnahmen des Kalifats, das die fruchtbaren Tigris- und Euphratt&#228;ler kontrolliert, wo 50% des syrischen Getreides, ein Drittel des irakischen Getreides (achtgr&#246;sste Getreideproduktion weltweit) und ungef&#228;hr 40% der irakischen Gerste produziert worden waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch hier ist der Krieg ein wichtiger Faktor in Regionen, die stark von der Landwirtschaft gepr&#228;gt sind (im Bezirk Raqqa arbeitet 50% der aktiven Bev&#246;lkerung in diesem Sektor). Viele Bauern sind geflohen (besonders die Christen und die Kurden) und haben ihre H&#246;fe und ihr Land zur&#252;ckgelassen. Der IS hat sie sich angeeignet, doch es liegen Felder brach&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aline Joubert, &#034;L'&#201;tat islamique vit-il au-dessus de ses moyens ?&#034;, 7. M&#228;rz (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Kontrolle &#252;ber diese Produktion ist vital, denn sie erlaubt dem Regime, den Preis des Mehls und somit des Brotes als Grundlage der Ern&#228;hrung festzulegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS kontrolliert auch einen grossen Teil der syrischen Baumwollfelder, deren Ertr&#228;ge 1% seiner Einnahmen repr&#228;sentiere. Der Export dieser Faser ist weniger leicht als jener des &#214;ls, doch die Hauptdestination ist die gleiche: 6% der t&#252;rkischen Importe sollen aus den Feldern des Kalifats kommen. Das reicht, um einen F&#252;nftel der T-Shirts &lt;i&gt;made in Turkey&lt;/i&gt; zu produzieren (was 1.2% der in Frankreich verkauften T-Shirts repr&#228;sentiert)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#034;Le coton syrien continue d'habiller les Fran&#231;ais&#034;, Le Monde, 23. September (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sonstiges&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sich der IS die Mehrheit der syrischen Phosphatminen (die zur D&#252;ngerproduktion n&#246;tig sind) angeeignet hat, hat er nicht die Mittel, um die Gesamtheit der Produktion neu zu lancieren und er hat Schwierigkeiten, sie zu verkaufen. Sie repr&#228;sentiere trotzdem 10% seiner Eink&#252;nfte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 118.&#034; id=&#034;nh2-44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Er kontrolliert auch Schwefelminen in Syrien und Irak, sowie zahlreiche Zementfabriken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mineral&#246;le&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die amerikanischen Firmen 2003 alle irakischen Vertr&#228;ge an sich gerafft haben, sind sie seither mit der Konkurrenz von BP, Lukoil und v.a. China konfrontiert worden, China hat seit 2008 Dutzende Milliarden ins irakische &#214;l investiert und ist zum ersten Kunden und Investor im Land geworden. Heutzutage werden 50% der Produktion nach China exportiert (und 2035 vermutlich bis zu 80%) und es gibt Pl&#228;ne, die beiden L&#228;nder mit zwei Pipelines miteinander zu verbinden. Mehr als 10'000 chinesische Arbeiter waren vor der Entstehung des IS im Land.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend die USA versuchten, sich milit&#228;risch aus der Region zur&#252;ckzuziehen, st&#246;rte die Vergr&#246;sserung des irakischen Chaos allen voran die chinesischen Investoren (die durch den Krieg schon aus Syrien vertrieben worden sind). Erst im August 2014, als der IS jene &#214;lfelder, die einen Vertrag mit amerikanischen Firmen haben (Kurdistan und S&#252;dirak), und Bagdad (dessen Fall f&#252;r die ganze Region katastrophal gewesen w&#228;re) bedrohte, musste die amerikanische Luftwaffe intervenieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS kontrolliert 60% des syrischen und 10 bis 15% des irakischen &#214;ls (letztere Zahl ist seit dem R&#252;ckzug der Truppen des IS im Herbst 2015 gewiss geringer). Die Produktion wird 2015 auf zwischen 20'000 und 50'000 &#214;lf&#228;sser t&#228;glich gesch&#228;tzt, gegen mindestens 70'000 das Jahr zuvor: Das ist nichts verglichen mit der regionalen Produktion (Syrien produzierte 2010 385'000 F&#228;sser t&#228;glich)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Jahr 2014 produziert Italien 121'000 F&#228;sser t&#228;glich und Kuwait 2.8 Millionen.&#034; id=&#034;nh2-45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das &#214;l, das 50 bis 60% unter dem Marktpreis verkauft wird, tr&#228;gt 1 bis 1.5 Millionen Dollar pro Tag ein, d.h. zwischen 350 und 600 Millionen Dollar j&#228;hrlich. Es ist die Haupteinnahmequelle des IS (je nach Quellen zwischen 25 und 40%), doch die Ertr&#228;ge gehen aufgrund des tieferen Marktpreises und der westlichen Bombenangriffe zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daesch rekrutiert &#252;brigens kompetentes Personal mit guten L&#246;hnen (Techniker, Ingenieure, Trader...) in Syrien und im Irak, doch auch im Ausland, um die Produktivit&#228;t seiner alternden Installationen zu verbessern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marine Rabreau, &#034;Comment Daech organise son lucratif march&#233; p&#233;trolier&#034;, Le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Islamische Staat hat sich zum Ziel gesetzt, den Ertrag der &#214;lfelder, im Vergleich zu jenem bevor er sie sich angeeignet hat, zu verdoppeln&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Elisabeth Studer, &#034;Daesh financ&#233; par la manne p&#233;troli&#232;re&#034;, www.leblogfinance.com&#034; id=&#034;nh2-47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS begn&#252;gt sich fast ausschliesslich damit, Roh&#246;l zu extrahieren, das gleich neben den &#214;lfeldern an unabh&#228;ngige H&#228;ndler, Schmuggler oder einfache Eigent&#252;mer von Lastwagen verkauft wird, die das &#214;l zur Raffinerie, zum lokalen Konsum (60 bis 70%) oder in den Export bringen. Im Oktober und November 2015 sollen amerikanische Bombenangriffe Hunderte von Lastwagen zerst&#246;rt haben. Auch grosse Raffinerien, sowie viele selbst gemachte (mobile) Raffinerien sind von der Koalition zerst&#246;rt worden, deshalb wendet sich der IS an private Raffinerien, deren Produktion er darauf mit Abgaben belastet. In Syrien konnten private &#214;lfirmen weiterhin in den vom IS eroberten Gebieten arbeiten, falls sie eine Steuer bezahlen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Financial Times, 16. Oktober 2015.&#034; id=&#034;nh2-48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Export funktioniert &#252;ber Schmuggelwege in Richtung Jordanien, T&#252;rkei oder von verfeindeten Gruppen gehaltene Gebiete mithilfe einer Unzahl von Lastwagen, manchmal auf dem R&#252;cken von Eseln oder Pferden oder durch selbst gemachte Mini-Pipelines. Im Irak ist der Schwarzmarkt f&#252;r &#214;l eine Praxis die auf die Zeiten des Embargos oder gar noch weiter zur&#252;ckgeht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Syrien ist die Kontrolle &#252;ber die Extraktion eine wichtige Ursache zahlreicher Konflikte zwischen Rebellengruppen um die Verteilung dieser wichtigen Einkommensquelle. Das gleiche gilt f&#252;r die Gasfelder, die es erlauben, den Bev&#246;lkerungen Gas und Strom zu liefern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das f&#252;hrt auch zu verbl&#252;ffenden Gesch&#228;ften. Das auf dem Territorium des IS extrahierte &#214;l kann seinen Feinden verkauft werden: an andere Gruppen, an das Regime von Damaskus oder nach Rojava&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#034;Les ennemis de Daesh ach&#232;tent son p&#233;trole&#034;, RMC, 26. September 2014.&#034; id=&#034;nh2-49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Eroberung eines Gaskraftwerks in der N&#228;he von Palmyra hat Raqqa und Damaskus zum Feilschen gezwungen, denn niemand kontrolliert die Gesamtheit der Kette von der Produktion bis zur Verteilung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jacques Hubert-Rodier, &#034;Les affaires mafieuses d'Assad avec Daech&#034; in Les (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In der Region Deir ez-Zor hat der IS die &#214;l- und Gasextraktion lokalen St&#228;mmen anvertraut, die einen Teil des Profits f&#252;r sich behalten, doch auch einen Teil der Produktion dem Regime von Assad verkaufen, um sich gegen Luftschl&#228;ge zu sch&#252;tzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Frantz Glasman, &#034;De&#239;r ez-Zor, &#224; l'est de la Syrie. Des islamistes, des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Man achte auf Sabotagen von Pipelines von St&#228;mmen, die nicht mitspielen d&#252;rfen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lediglich ein Staat?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einen Staat aufzubauen, w&#228;hrend man mit fast allen M&#228;chten des Planeten im Krieg steht, ist alles andere als einfach. Was wir oben beschrieben haben, ist weniger eine sozio&#246;konomische &#220;bersicht zu einem Zeitpunkt Z und eher die Skizzierung eines Prozesses zwischen dem Sommer 2014 und 2015. W&#228;hrend dieser Periode, die vielleicht eines Tages als &#8222;Bl&#252;tezeit&#8220; des Kalifats, als die Periode seiner gr&#246;ssten Expansion betrachtet werden wird, versucht sich der IS im Aufbau eines Staats und seiner Verwaltung, w&#228;hrend er versucht, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und seiner Bev&#246;lkerung einen ertr&#228;glichen Lebensstandard zu erm&#246;glichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Periode ist wahrscheinlich abgeschlossen und der Prozess geht nun in die andere Richtung. Wenn es zu keiner betr&#228;chtlichen &#220;berraschung kommt, d&#252;rfte das Problem der territorialen Existenz des IS in Irak und Syrien durch die schrittweise Involvierung der T&#252;rkei in den Konflikt, die russische milit&#228;rische Intervention (Oktober 2015) und die Verst&#228;rkung jener des Westens (Sommer und Herbst 2015) in einigen Monaten geregelt sein. Es sind jetzt schon alle Indikatoren rot und die oben zitierten Produktionstabellen und Statistiken werden Ende 2016 sehr geringe Werte angeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir fragten uns am Anfang, wieso es funktioniert. Und wir haben gesehen, dass das &#220;berleben und die Expansion dieses Regimes nicht nur durch seine milit&#228;rischen und polizeilichen F&#228;higkeiten erkl&#228;rt werden k&#246;nnen. Einige sprechen sogar von einem &#8222;Wohlfahrtsstaat&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das Kalifat ist auch mehr als lediglich ein banaler Staat. Er begn&#252;gt sich nicht mit Verwaltung, sondern beabsichtigt, die Welt zu ver&#228;ndern, ein neues Zeitalter einzuleiten oder es vorzubereiten... Ein Zeitalter, in welchem es f&#252;r den IS nat&#252;rlich nicht darum ginge, die Lohnarbeit oder die Warengesellschaft abzuschaffen, nur darum, sie nach seiner Weise umzubauen. &#8222;Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es n&#246;tig, dass sich alles ver&#228;ndert&#8220; [&#8230;], die Oberfl&#228;che, die Sitten, Gebr&#228;uche usw. Nat&#252;rlich, doch heutzutage heisst die Hoffnung f&#252;r Millionen von Einwohnern des Iraks und Syriens und dar&#252;ber hinweg Kalifat. Und Zehntausende Jugendliche, besonders viele Proletarier, &#252;berqueren den Planeten, um dort zu leben oder zu sterben, und viele andere tr&#228;umen davon. Diese Hoffnung ist trostlos. Oder nicht?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Literaturverweise:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Zum Islamischen Staat (nach Relevanz)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pierre-Jean Luizard, &lt;i&gt;Le Pi&#232;ge Daech. L'&#201;tat islamique ou le retour de l'histoire&lt;/i&gt;, Paris, La D&#233;couverte, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;L'&#201;tat islamique. Anatomie du nouveau Califat&lt;/i&gt;, Paris, Bernard Giovanangeli Editeur, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Philippe-Joseph Salazar, &lt;i&gt;Paroles arm&#233;es. Comprendre et combattre la propagande terroriste&lt;/i&gt;, Paris, Lemieux Editeur, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Myriam Benraad, &lt;i&gt;Irak, la revanche de l'histoire. De l'occupation &#233;trang&#232;re &#224; l'&#201;tat islamique&lt;/i&gt;, Paris, Vend&#233;miaire, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2 / Zur Religion&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Troploin, &lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/39&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Le Pr&#233;sent d'une illusion&#034;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Lettre de Troploin&lt;/i&gt;, n&#176; 7, Juni 2006.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maxime Rodinson, &lt;i&gt;Mohammed&lt;/i&gt;, M&#252;nchen, C.J. Bucher, 1975 [1961].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maxime Rodinson, &lt;i&gt;Islam und Kapitalismus&lt;/i&gt;, Berlin, Suhrkamp, 1986 [1966].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Emmanuel Carr&#232;re, &lt;i&gt;Das Reich Gottes&lt;/i&gt;, Berlin, Matthes &amp; Seitz, 2016 [2014].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gilbert Achcar, &lt;i&gt;Marxisme, orientalisme, cosmopolitisme&lt;/i&gt;, Arles, Sinbad, Actes Sud, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=667&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;ZweiterTeil&#034;&gt;Zweiter Teil: Von der Utopie&lt;/h3&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Sofern man allerdings ein gesundes Urteil &#252;ber die Dinge f&#228;llt, warten die Revolutionen dieser Zeit &#252;berall nur mit einem Krieg unvorsichtiger Sklaven auf, die mit ihren Fussfesseln k&#228;mpfen und berauscht marschieren.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Saint-Just, &lt;i&gt;Der Geist der Revolution und der Verfassung in Frankreich&lt;/i&gt;, 1791.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Repression gegen jegliche Opposition erkl&#228;rt nicht alles. Allen voran erkl&#228;rt sie nicht den &#8222;Erfolg&#8220; des Islamischen Staates (IS), d.h. den R&#252;ckhalt, den er im Volk hat. Der Grund daf&#252;r ist, dass es sich eher um einen Prozess des Staatsaufbaus handelt, denn um die Besatzung eines Territoriums durch eine &#8222;terroristische Gruppe&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach mehreren Jahren eines unerbittlichen B&#252;rgerkrieges ist das Eintreffen der Truppen des IS nicht &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; gleichbedeutend mit der Ersetzung eines Terrorregimes durch ein anderes, sondern &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; [siehe den ersten Teil] mit der R&#252;ckkehr eines Rechtsstaates, einer relativen Ruhe, einer Verbesserung der Versorgung, der Reparatur von Infrastrukturen, der Wiedereinf&#252;hrung von &#246;ffentlichen Diensten, dem schnellen Aufbau einer Verwaltung &#8211; freilich im besten oder im schlimmsten der F&#228;lle, doch die Einwohner k&#246;nnen die Ordnung dem Chaos vorziehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hinter unseren Bildschirmen w&#252;rden wir es vorziehen, dass sie den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Tatsache, dass der IS mit seinen Herrschafts-, Verwaltungs-, logistischen und finanziellen F&#228;higkeiten spielt, erkl&#228;rt, dass er in verschiedenen St&#228;dten als Befreier empfangen werden konnte, er f&#252;r einige &#8222;als absolut respektables Regime&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, L'&#201;tat islamique. Anatomie du (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; erscheinen kann oder St&#228;mme ihm die Treue schw&#246;ren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir denken nicht, dass der IS durch geheime, ans Licht zu bringende (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das ist nicht alles. Es wird noch mehr in Betracht gezogen werden m&#252;ssen, allen voran die &#8222;trostlose Hoffnung&#8220;. Ein Teil dieser Bev&#246;lkerung steht jenseits von Pragmatismus hinter dem Diskurs und dem Projekt des Kalifats. Denn der IS kann auf die aktive Beteiligung von Zehntausenden von K&#228;mpfern, Soldaten und Funktion&#228;ren z&#228;hlen, aber auch auf die passive Unterst&#252;tzung eines gewissen Teils der Einwohner des Iraks und Syriens (und auf die vorsichtige oder gleichg&#252;ltige Passivit&#228;t von vielen anderen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann gibt es Zehntausende Jugendliche, besonders viele Proletarier, die den Planeten &#252;berqueren, um im Kalifat zu leben oder zu sterben, w&#228;hrend so viele andere davon tr&#228;umen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sunnistan...&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Global denken, lokal handeln.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Jacques Ellul&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ist die Zeit f&#252;r den Aufbau eines islamischen Staates gekommen? Die Zeit eines neuen Staates? Weniger k&#252;nstlich als die bestehenden? Man weiss, dass der IS faktisch und symbolisch die mit der Richtschnur gezogene Grenze zwischen Syrien und dem Irak aufgehoben hat. Ist es dieser ber&#252;hmte grosse Staat, der die sunnitischen Araber zwischen den Ruinen von zwei anderen zusammenbringt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teil der lokalen Bourgeoisie kann sich von einem Projekt vom Stile Sunnistan durchaus etwas erhoffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man lese noch einmal das Zitat von Maxime Rodinson am Anfang des ersten Teils.&#034; id=&#034;nh2-55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Irak hatte keine Chance mehr und gleiches scheint f&#252;r Syrien zu gelten. Im Fall eines Auseinanderfallens des Iraks, so wie es vor dem Auftauchen des IS in Betracht gezogen worden war, h&#228;tte der sunnitische Teil einen Platz am Rande und als Enklave gehabt, was einiges weniger attraktiv ist als jener Platz, den er in einem zuk&#252;nftigen grossen sunnitischen Staat h&#228;tte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seine Form mag &#252;berraschend erscheinen, doch der IS spielt seine Rolle als Staat, indem er die Interessen der lokalen kapitalistischen Klasse sch&#252;tzt und eine Vision f&#252;r die Zukunft hat. Von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus hat unser erster Teil den Willen gezeigt, den der IS hat, ein Territorium (jenseits k&#252;nstlicher, nationaler, ethnischer Differenzen) zu vereinigen und zu befrieden und dort die Wirtschaft wieder anzukurbeln, zu rationalisieren und zu modernisieren, besonders die &#214;lextraktion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die pr&#228;senten Kr&#228;fte scheinen darum zu k&#228;mpfen, die wesentlichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Und er ruft zur &lt;i&gt;Hijra&lt;/i&gt; auf, er l&#228;dt nicht nur die Muslime mit einer milit&#228;rischen Erfahrung in seine Territorien ein, sondern auch die Lehrer, Juristen, &#196;rzte und Ingenieure&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 101.&#034; id=&#034;nh2-57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, das dient der Vorbereitung der Zukunft und der Kompensierung f&#252;r die Auswanderung vieler Angeh&#246;rigen der Mittelklassen und der Eliten. Er ist zwar heute ge&#228;chtet, k&#246;nnte jedoch schon morgen die Bed&#252;rfnisse der grossen M&#228;chte befriedigen (Wiederaufbau des Landes, Neuverteilung der Karten f&#252;r die &#214;lproduktion, Waffenverk&#228;ufe usw.) oder zumindest das Terrain f&#252;r solche Projekte bereiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erschaffung eines faktischen Sunnistans ist Teil einer unvermeidlichen Umgestaltung einer Karte des Mittleren Ostens, die vor einem Jahrhundert gezeichnet worden war. Der IS k&#252;mmert sich um die Drecksarbeit: Massaker und Umsiedlungen von Bev&#246;lkerungen, welche das Abstecken der zuk&#252;nftigen Grenzen erleichtern werden, was diese Gebiete von einem ethnischen und religi&#246;sen Standpunkt aus homogen macht und eine Konfessionalisierung vollendet, die schon lange begonnen hatte. Um dies zu tun, st&#252;tzt er sich auf die &lt;i&gt;traditionellste&lt;/i&gt; Form der Macht: die St&#228;mme. Al-Baghdadi vergisst nie, zu erw&#228;hnen, dass er Mitglied des Stammes der Quraisch ist, jener der Nachfahren Mohammeds: Modernisierung und Archaismus sind durchaus kompatibel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sein Projekt beruht auf einer flexiblen, dezentralisierten staatlichen Struktur, die den lokalen Notabeln die von Bagdad und Damaskus beschlagnahmte Macht zur&#252;ckgibt. Er garantiert die innere gesellschaftliche Stabilit&#228;t, indem er seine Aufmerksamkeit auf das &#8222;Gesellschaftliche&#8220; (Sitten, allt&#228;gliches Leben) richtet und indem er die Revolte der &#196;rmsten und eine endemische Gewalt nach aussen kanalisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im irakischen Gebiet des Kalifats akzeptiert eine Mehrheit der sunnitischen Araber das neue Regime, passiv oder aktiv. Nach Jahren der Erniedrigung ist es ihre Rache (gegen die Schiiten und die Amerikaner), die Wiedereroberung der Macht, der Ehre und einer politischen Sichtbarkeit. Die Stammesf&#252;hrer haben sich aus Opportunismus oder soweit es ihren Interessen entspricht dem transnationalen Projekt des IS angeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pierre-Jean Luizard, op. cit., S. 26.&#034; id=&#034;nh2-58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf sie folgten ehemalige Kader der Baath-Partei, ehemalige Offiziere der irakischen Armee und zahlreiche Proletarier der benachteiligten Quartiere und Gebiete in der Region.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch der IS, wom&#246;glich durch die amerikanische Intervention im Sommer 2014 in eine Strategie der &#8222;Bew&#228;ltigung&#8220; gedr&#228;ngt, hat sich nicht in einem ethnisch-religi&#246;sen Kommunitarismus des Typs Sunnistan eingeschlossen. Obwohl das Projekt des IS eine &#8222;Rache der Geschichte&#8220; darstellt, beschr&#228;nkt es sich nicht darauf, nur eine einzige Grenze niederzureissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8230; oder Kalifat?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aus dem Westen importierten Ideologien (Nationalismus, Sozialismus und, als j&#252;ngste davon, die Demokratie) haben kaum Befriedigung gebracht, sie &#252;berzeugen nicht mal mehr in den L&#228;ndern, wo sie herkommen, und die Unangepasstheit des nationalen Rahmens an die Situation im Mittleren Osten muss nicht mehr gezeigt werden. Die grossen &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; Ideologien existieren nicht mehr:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das Kalifat den gesellschaftlich genannten Reformen (Alltag, Lebensweise) eine derartige Bedeutung gibt, so ist das nicht aus Pedanterie. Das Gesellschaftliche macht den Unterschied, langfristig den einzigen Unterschied; es ist die beste Rechtfertigung des IS, sein politisches Markenzeichen, seine Erlangung von Autonomie gegen&#252;ber dem Westen, ein Bruch mit einem Jahrhundert der Kolonialisierung, der B&#252;cklinge, der ideologischen Anleihen und der wirkungslosen Verkleidung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS, der den Nationalismus als &#8222;Dreck aus dem Westen&#8220; denunziert, hat die Grenze zwischen Syrien und dem Irak abgeschafft, was ihm erlaubt hat, die Verbindung zwischen den St&#228;mmen neu zu beleben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Gegensatz zu den kurdischen Organisationen, die verk&#252;nden, dass sie die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Nationalismus, der in Europa seit 1945 als tot betrachtet wird, kommt dort in einer regionalistischen Form wieder auf (Norditalien, Flandern, Katalonien, Schottland...), doch seine Wiedergeburt am Rande des Kontinents (Ex-Jugoslawien, Ukraine) ist von m&#246;rderischen Konflikten begleitet. Was eigentlich verbinden sollte, trennt. Im Mittleren Osten hat ein &#8222;syrischer&#8220; oder &#8222;irakischer&#8220; Nationalstaat nur so viel Kraft wie der Diktator, der f&#228;hig ist, ihn zusammenzuhalten. Es ist also nicht erstaunlich, dass die ideologische &#8222;Vereinnahmung&#8220; des Internationalismus und des Universalismus durch den IS einer seiner verf&#252;hrendsten Aspekte ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sein offizielles Programm ist die Restauration des 1258 verschwundenen abbasidischen Kalifats und, in einer ersten Phase, die Wiedereroberung des muslimischen Bodens, von Indien bis nach Spanien. Wir k&#246;nnen dar&#252;ber lachen, aber einige nehmen die Sache sehr ernst, besonders jene, welche bereit sind, daf&#252;r zu sterben und zu t&#246;ten. Der &#8222;mittelalterliche&#8220; Charakter t&#228;uscht, denn obwohl dieser in Frankreich ungerechtfertigterweise als archaisch, derb und primitiv betrachtet wird, evoziert er in der arabisch-muslimischen Welt ein Goldenes Zeitalter, einen Bezugswert. Die &#220;bernahme dieser Thematik ist gleichbedeutend mit der Wiederbelebung &#8222;ein[es] arabische[n] Traum[s]&#8220;. Gewiss, &#8222;[e]in wahrgewordener Traum, der Tod verbreitet&#8220;, trotzdem ist es auch &#8222;die letzte glaubw&#252;rdige totalit&#228;re Ideologie, idealistisch und realistisch zugleich&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 178.&#034; id=&#034;nh2-60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und sie ist f&#228;hig, die Massen zu mobilisieren. Dieser arabische Traum der huldvollen R&#252;ckeroberung der verlorenen Ehre nach Jahrhunderten der Erniedrigung mag mit dem universalistischen muslimischen Ideal im Widerspruch erscheinen, doch dieser Widerspruch ist nicht neu und artikuliert sich ziemlich deutlich &#8211; besonders wenn Araber das Projekt leiten. Egal ob Sieger oder besiegt wird das Kalifat versucht haben, mit Symbolen eine Mythologie zu erschaffen, die f&#228;hig ist, sein Verschwinden zu &#252;berleben und auch in Zukunft noch Leute tr&#228;umen zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das versteckte Kind des Fr&#252;hlings?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist der IS der Repr&#228;sentant dieses islamischen Winters, der auf den Arabischen Fr&#252;hling gefolgt ist, oder ihn gar erstickt hat? Oder sein uneheliches Kind, das an die T&#252;re klopfen kommt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Irak ist ein bisschen ein Sonderfall, denn das Land hat seit 2003 eine ausl&#228;ndische Besatzung und einen ersten Konfessionskrieg erlebt. Trotzdem bietet dem Regime von Nuri al-Maliki zwischen 2011 und 2012 eine breite soziale, mehrheitlich sunnitische Protestbewegung die Stirn, die er mit heftiger Repression beantwortet. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten beginnt also erneut, doch er nimmt dieses Mal die Form eines offenen Krieges zwischen der Regierung von Bagdad und dem IS an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die syrische Situation 2011 ist eine eher klassische Ausgangssituation. Jene eines Landes, wo die korrupten Kader von alten Diktaturen ein Hindernis f&#252;r liberale Reformen sind, sogar wenn sie selber die Initiative daf&#252;r ergriffen hatten. Ein Kompromiss, der die widerspr&#252;chlichen Interessen der betroffenen Klassen h&#228;tte befriedigen k&#246;nnen, hatte nicht weniger als eine autonome und befriedete kapitalistische Entwicklung in der Region zur Voraussetzung &#8211; eine M&#246;glichkeit, die total ausgeschlossen werden konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Syrien profitiert selbstverst&#228;ndlich die alawitische Herrschaft von der Politik der &lt;i&gt;infit&#226;h&lt;/i&gt; (wirtschaftliche &#214;ffnung und Liberalisierung) der 2000er Jahre, doch auch ein bedeutender Teil der st&#228;dtischen sunnitischen Bourgeoisie, mit der sie sich verb&#252;ndet hat. Die Opfer dieser Reformen sind &#8211; man wird es erraten haben &#8211; die Arbeiter, die Arbeitslosen und die Bauern. Der Aufstand im M&#228;rz-April 2011 bricht in jenen Quartieren aus, wo sie leben, die Mobilisierung der Intellektuellen und aufstrebenden Mittelklassen, die mit den Grenzen der gesellschaftlichen Ver&#228;nderung und des demokratischen Fortschrittes unzufrieden sind, schliesst sich ihm schnell an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht der Entschlossenheit des Regimes und der Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In diesen L&#228;ndern hat sich die Armee, im Gegensatz zu Tunesien oder &#196;gypten (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, der heftigen Repression, aber auch der Fortsetzung der Demonstrationen hat sich ein Teil der syrischen Bourgeoisie daf&#252;r entschieden, mit dem Regime zu brechen und alles auf seinen Sturz zu setzen. Dank der Unterst&#252;tzung der in den westlichen Hauptst&#228;dten lebenden Oppositionellen und diverser Staaten (besonders der Golfstaaten) wird die Revolte eine milit&#228;rische Wendung nehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir sprechen hier nicht von der Selbstverteidigung, welche Demonstranten (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Man weiss, dass &#8222;der Krieg die Revolution frisst&#8220;, doch hier gab es sehr wenig zu essen und die Involution war schnell. Zwischen einem Regime, das die Karte der Glaubensspaltung spielt, &#228;usseren Einfl&#252;ssen und einem fruchtbaren Boden wird der Konflikt die Erscheinungsform einer Opposition zwischen Sunniten und Schiiten annehmen. Militarisierung und Rebellion gehen f&#252;r Hunderte von bewaffneten Gruppen immer mehr mit Islamismus oder Salafismus und Jihadismus einher. Doch nach 2012 &#8222;ist die Mehrheit der jungen Syrer, welche sich aus demokratischem Geist gegen das Regime aufgelehnt hatten, tot, im Exil oder nun Teil des Jihadismus. Es gibt keine gem&#228;ssigten Kr&#228;fte mehr&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 25-26.&#034; id=&#034;nh2-63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der bewaffnete und konfessionelle Aspekt des Konflikts radiert jedoch noch lange nicht jeglichen Klassenaspekt aus und &#252;berschneidet sich mit zuvor bestehenden Gegens&#228;tzen zwischen n&#252;tzlichen und peripheren Regionen, Stadt und Land, Innenst&#228;dten und armen Quartieren. In letzteren ist die Revolte entstanden, besonders in diesen &#8222;informellen Quartieren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Val&#233;rie Clerc, &#8222;L'habitat des pauvres &#224; Damas : de la crise du logement vide (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche die grossen syrischen St&#228;dte umgeben, z.B. Aleppo, wo eine mehrheitlich sunnitische Bev&#246;lkerung lebte, die aus den l&#228;ndlichen Gebieten nach der D&#252;rre 2008 geflohen war. Die K&#228;mpfe nehmen h&#228;ufig die Form von Konfrontationen zwischen den Peripherien mit mehrheitlich rebellischen Quartieren und einem regimetreuen Stadtzentrum an. Scheinbar kommen auch viele jihadistische Rebellen aus den &#228;rmsten l&#228;ndlichen Gebieten, aus jenen, welche Damaskus als erstes aufgibt. Ihr Eindringen in die Herzen der St&#228;dte war f&#252;r die Bewohner h&#228;ufig kein Grund zur Freude, sie nehmen sie als &#8222;eine Art l&#228;ndliches Lumpenproletariat&#8220; wahr, &#8222;das sich an den St&#228;dten r&#228;chen will&#8220;. In Deir ez-Zor und Aleppo z.B., wo die Bev&#246;lkerung &#8222;auf das Eindringen dieser Rebellen vom Land in die Stadt mit K&#228;lte reagiert hat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Frantz Glasman, &#8222;De&#239;r ez-Zor, &#224; l'est de la Syrie. Des islamistes, des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele dieser Rebellen schw&#246;ren dem IS den Treueeid, als dieser 2013 in Syrien eindringt. Sie sind somit die materielle Verbindung zwischen den Revolten 2011 und dem Kalifat, das sich als der &#8222;einzige wahre Erbe&#8220; des Arabischen Fr&#252;hlings betrachtet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pierre-Jean Luizard, op. cit., S. 35. Das Experiment von Rojava hat einen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist auf jeden Fall die Konsequenz, oder gar die Antwort auf sein Scheitern. Der Kampf gegen Korruption, der f&#252;r den IS zentral scheint, ist gewiss ein Echo auf die Anprangerung der Korruption durch die Demonstranten 2011. Durch seinen Respekt der Traditionen und seiner Ablehnung des Westens und seiner Demokratie, aber auch der Diktaturen, bringt der IS einen ethischen Faktor mit, der den laizistischen Demokraten fehlt. Und gegen die islamistischen Demokraten verurteilt er die Demokratie als Sch&#246;pfung des Westens und somit den Westen an und f&#252;r sich, womit er implizit den Theorien eines Kampfes der Kulturen zustimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS tut dies, der IS tut das, doch es ist die lokale Bourgeoisie, welche die Register zieht. Man kann tats&#228;chlich sagen, dass die wahrhaftige Bedeutung von &lt;i&gt;dawla&lt;/i&gt; nur Beiwerk ist und den IS als Staat wie jeden anderen sehen, n&#228;mlich als einen einfachen Ausdruck der lokalen Bourgeoisie, die ihre Interessen verteidigt und das Proletariat im Zaum h&#228;lt. Wie man das auch vom Ungarn des Admirals Horthy, vom Ecuador von Rafael Correa oder vom Frankreich von Fran&#231;ois Hollande sagen kann. Man kann anf&#252;gen, dass die Proletarier von rivalisierenden Bourgeoisien stets als Kanonenfutter benutzt werden. Das ist wahr, doch damit ist die Debatte noch lange nicht beendet. Die starke Involvierung von Proletariern im IS verdient es, hinterfragt zu werden (genau wie ihre Pr&#228;senz in der NSDAP oder in der Rotkappen-Bewegung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Klassengesellschaft in Syrien, in Irak, wie &#252;berall, freilich, doch wie steht es mit dem &lt;i&gt;Klassenkampf&lt;/i&gt;? In Syrien stellt sich die Frage manchmal fast nicht mehr, da die Abwanderung der Bev&#246;lkerungen so massiv gewesen ist (4 Millionen Auswanderer, 8 bis 10 Millionen intern Vertriebene): Die ersten Auswanderer waren die Reichsten (viele Kader und liberale Berufe), jene, welche noch dort sind, sind v.a. die &#196;rmsten. Eine Stadt wie Deir ez-Zor, die vorher zwischen 600&#8216;000 und 800&#8216;000 Einwohner z&#228;hlte, hat jetzt nur noch einige Zehntausende, was den Alltag des Klassenkampfes in der Fabrik oder im B&#252;ro ein bisschen durcheinanderbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im irakischen Teil hat sich, wie wir gesehen haben, die Gesellschaft seit mehr als zehn Jahren angepasst, um im Krieg und dann im B&#252;rgerkrieg zu &#252;berleben, doch die T&#228;tigkeit des Kalifats stellt trotzdem einen Teil der kapitalistischen Klasse (Gesch&#228;ftsm&#228;nner, H&#228;ndler, Stammesf&#252;hrer) zufrieden. Umso mehr, weil die Hinrichtungen von Funktion&#228;ren und Notabeln jenen Pl&#228;tze offeriert, die es zuvor nicht sein konnten, und weil die neue B&#252;rokratie (bis jetzt) weniger parasit&#228;r scheint als die vorhergehende.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS offeriert den &#196;rmsten einen Ausweg, denn er ist, abgesehen von seinem karitativen Aspekt, ein potenzieller Arbeitgeber f&#252;r das &#252;bersch&#252;ssige Proletariat, das nicht ausgewandert ist. Die religi&#246;se Mobilisierung und der Eroberungskrieg (gegen aussen) verschaffen in erster Linie Zehntausenden von Proletariern und somit Familien ein Einkommen (der Sold wird p&#252;nktlich &#252;berwiesen). Der gesellschaftliche Aufstieg innerhalb der Bewegung kann schnell gehen (im Gegensatz zu Al Qaida, wo die Anf&#252;hrer in der Regel den gesellschaftlichen Eliten entstammen). Doch es kommen noch die Infrastrukturprojekte und die vom Regime eingeleiteten Wiederaufbauarbeiten dazu, eine Art &#8222;keynesianische&#8220; Ankurbelung finanziert durch die Kriegskasse des IS. Da er Steppen und W&#252;sten kontrolliert, unterst&#252;tzt er auch die armen Bauern und Beduinen dieser peripheren Regionen, die von den anderen Regierungen vernachl&#228;ssigt worden sind, oder verspricht, dies zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Gebieten im Irak und Syrien, die der IS kontrolliert, scheint er eine Verbindung zwischen den Interessen eines Teils der kapitalistischen Klasse, doch auch eines Teils des Proletariats herzustellen, womit er die Errichtung einer Gemeinschaft erzwingt, die Tr&#228;ger des sozialen Friedens ist. Obwohl die gesellschaftliche Herkunft der Anf&#252;hrer nichts beweist, sollten wir nicht vergessen, dass die Schuras und beratenden R&#228;te, welche dem Kalifen in seiner Aufgabe zur Seite stehen [siehe den ersten Teil], aus Imamen, Notabeln der St&#228;dte und Stammesf&#252;hrern bestehen. Wir sind also weit entfernt von Arbeiterr&#228;ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Islam als Verst&#228;rkung?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Inmittten dieser Zerfallserscheinungen hat der Islam die bemerkenswerte Eigenschaft, eine unmittelbare Gemeinschaft anzubieten (die sich in der tats&#228;chlich von ihm organisierten Solidarit&#228;t manifestiert) und sich gegen das Geld und die Grenzen zu behaupten. Dieser letzte Aspekt ist nicht zweitrangig. F&#252;r einen (muslimischen, katholischen oder nicht gl&#228;ubigen) Franzosen z&#228;hlt die Grenze wenig, denn er ist frei, zu reisen, obwohl er gleichzeitig die Garantie eines nationalen Rahmens hat, innerhalb welchem er, solange er den Gesetzen gehorcht, in den Genuss eines minimalen Schutzes und einer minimalen Unterst&#252;tzung kommt: In einem Wort, er hat einen Staat. Die H&#228;lfte der Afrikaner und etliche Orientale kennen das Gl&#252;ck dieses &#8218;grossen, bequemen Gef&#228;ngnisses&#8216; (Max Weber) nicht. Das Territorium, wo sie leben, ist dem Risiko ausgesetzt, von unkontrollierten Banden durchstreift und verw&#252;stet, ihre k&#228;rgliche Habseligkeiten jenem, zerstreut, und ihre Familie jenem, umgesiedelt oder dezimiert zu werden. Sie leiden gleichzeitig unter einem diktatorischen Staatsapparat und seiner Ausl&#246;schung. Sie privilegieren somit umso eher eine transnationale Gemeinschaft, weil der Nationalstaat f&#252;r sie ein Betrug ist: Die Umma der Gl&#228;ubigen erscheint als Ausweg und die Scharia als Stabilit&#228;tsfaktor.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Troploin, &lt;a href=&#034;http://www.troploin.fr/node/39&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Le Pr&#233;sent d&#8216;une illusion&#034;&lt;/a&gt;, 2006.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Scheinbar ist keine religi&#246;se Autorit&#228;t f&#228;hig, zu beurteilen, wie islamisch oder nicht der IS ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Teil, siehe besonders Philippe-Joseph Salazar, Paroles arm&#233;es, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Einige behaupten zwar, er habe &#8222;nichts mit dem Islam zu tun&#8220;. Wir sind noch viel ungeeigneter, die Sache zu beurteilen, weil f&#252;r uns der Glaube an Gott nat&#252;rlich ein Synonym f&#252;r Entfremdung ist. Wir begn&#252;gen uns also damit, zu bemerken, dass der IS selbst die Gesamtheit seiner Handlungen, Schriften und Aussagen durch eine sehr w&#246;rtliche Lekt&#252;re des Korans und eine sehr strenge der Hadithe erkl&#228;rt und rechtfertigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem liegt nicht im Exzess der Gl&#228;ubigkeit, genauso wenig wie die L&#246;sung in seiner M&#228;ssigung liegt. Es ist nicht irrationaler ans Paradies (und somit an die geringe Bedeutung des irdischen Lebens), an das Bevorstehen der Apokalypse, an die R&#252;ckkehr des Kalifats zu glauben, als an die &#8222;schlichte&#8220; Existenz eines Gottes. Und wenn man die Realit&#228;t eines Paradieses anerkennt, reicht manchmal ein (grosser) Schritt, um es auf Erden f&#252;r umsetzbar zu halten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss gewissen muslimischen Theologen beweisen etliche Zeichen, allen voran der Krieg in Syrien, dass das Ende der Zeit, die Stunde des Endkampfes gegen Satan nahe ist. Der Wiederaufbau des 1258 durch die Eroberung Bagdads durch die Mongolen verschwundenen Kalifats ist Teil dieses Rahmens und stellt die &#8222;Erf&#252;llung eines alten Traumes&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 6.&#034; id=&#034;nh2-68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In sehr stark s&#228;kularisierten Regionen wie Frankreich scheint das verr&#252;ckt und man ist versucht, darauf mit Sarkasmus zu antworten. Da wir an tolerierte, da lauwarme, gem&#228;ssigte und dialogbereite Religionen gew&#246;hnt sind, ist es f&#252;r uns schwierig, das M&#228;rtyrertum oder die Eschatologie und noch schwieriger, das Zusammenspiel einer politischen (der Anspruch auf die Hegemonie des Kalifats) und einer religi&#246;sen Dimension (die angebliche eschatologische Verwirklichung des Islams) zu verstehen. Wir denken sofort an eine Scheinhandlung oder eine Instrumentalisierung. Die Religion ist jedoch nie ausschliesslich, ja nicht einmal besonders spirituell: Sie ist auch politisch, kulturell, wirtschaftlich und milit&#228;risch, ein sozialer Rahmen, der in gewissen L&#228;ndern sehr konkrete Formen annehmen kann (Aufteilung der Quartiere einer Stadt nach Konfessionen, wie z.B. in Beirut oder Belfast).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gilt &lt;i&gt;umso mehr&lt;/i&gt; f&#252;r den Islam, weil er auf einer Orthopraxie basiert: Muslim sein bedeutet, Praktiken zu respektieren (besonders die f&#252;nf S&#228;ulen). Der Respekt dieser Praktiken ist also mit einer Identit&#228;t, mit einer Zugeh&#246;rigkeit zu einer Gruppe, einer Gemeinschaft verbunden, die im Mittleren Osten &#252;ber den begrenzten Stammesrahmen hinausgeht und diesen umfasst. K&#252;nstlich? Nicht minder als die Nation oder die Baath-Partei, die ihre Ineffizienz als ideologischen Zement einer Gesellschaft bewiesen haben, die Proletarier und Bourgeois vereinen soll. Daher kommt die Bedeutung, welche die Aktivisten des Kalifats dem Respekt der Praktiken beimessen, der Teil der Erzeugung einer kulturellen und religi&#246;sen Homogenit&#228;t ist (die nach Jahren des B&#252;rgerkrieges schon fast &#8222;beruhigend&#8220; ist); daher kommt die Tatsache, dass sie zuerst die schlechten Gl&#228;ubigen (lasterhafte Sunniten, Korrupte usw.) angreifen. Die Aufgabe ist umso dringlicher, wenn sich die Apokalypse n&#228;hert, denn, &#8222;das Land des Islams muss von ungerechten Anf&#252;hrern, korrupten Ulemas, pervertierten Gl&#228;ubigen und unz&#252;chtigen Frauen ges&#228;ubert werden, um die Konfrontation des Glaubens und der Gottlosigkeit vorzubereiten. Das Schwert der Rache wird zuerst die Heuchler, dann die Ungl&#228;ubigen treffen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Pierre Filiu, L'Apocalypse dans l'islam, Fayard, 2008, S. 289.&#034; id=&#034;nh2-69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch es geht nicht nur um zu vergiessendes Blut, sondern darum, einen Staat aufzubauen, wo die Muslime, die Unterdr&#252;ckten ein Refugium finden und ihre Religion vollst&#228;ndig leben k&#246;nnen werden, w&#228;hrend sie sich materiell und spirituell auf den Endkampf vorbereiten. Eine Praxis begr&#252;ndet die Existenz eines Territoriums.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Religion die Massen mobilisiert, schliesst das Aufrichtigkeit aus? Ein Frage, die h&#228;ufig bez&#252;glich der Anf&#252;hrer des Kalifats und der ehemaligen baathistischen Offiziere gestellt wird, weniger h&#228;ufig bez&#252;glich der einfachen Aktivisten (immer diese Dichotomie zwischen den Manipulatoren und den Dummk&#246;pfen). Man &#228;ussert in der Regel Zweifel dar&#252;ber, wie echt Sympathien f&#252;r Werte oder Ideen sein k&#246;nnen, die uns emp&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Politik (genau wie im Leben) ist der totale Zynismus oder die totale Naivit&#228;t selten. Es ist egal, ob Al Baghdadi an Gott glaubt oder nur an Geld&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man muss allerdings anmerken, dass er bis anhin, obwohl er &#252;ber eine Rolex (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. F&#252;r die ehemaligen irakischen Offiziere war die Mitgliedschaft in der Baath-Partei noch lange nicht gleichbedeutend mit dem Eintreten f&#252;r die baathistische Ideologie. Man weiss hingegen, dass Saddam Hussein ab 1991 den Islam wieder aus den Schachteln der Geschichte ausgepackt hat und dass der Marxismus kein Impfstoff gegen die Religion ist (siehe seinen Einfluss bei den Gr&#252;ndern der Hezbollah oder dem Islamischen Jihad in Pal&#228;stina).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wichtig ist, ist die irgendwann entstehende Anschlussm&#246;glichkeit zwischen einem Glauben und einer Situation. Die islamische Geschichte ist reich an revolution&#228;ren Bewegungen, welche die millenaristische Dynamik mehr oder weniger geschickt instrumentalisiert haben und apokalyptische Texte erleben seit den 1970er Jahren einen zweiten Fr&#252;hling, der sich ab 2001 noch verst&#228;rkt hat (im Internet oder als Brosch&#252;ren). Jean-Pierre Filiu, der nicht vom franz&#246;sischen Politikbetrieb sprach, schrieb 2008, dass &#8222;eine subversive Gruppe, die verzweifelt den &#8218;Weg der Massen&#8216; wiederfinden oder sich von rivalisierenden Formationen unterscheiden will, in starke Versuchung kommen kann, sich der messianischen Thematik zu bedienen: Sie kann als Anschlussdiskurs, als Interpretationswerkzeug oder als Gr&#252;ndungsgeschichte dienen, mit einer betr&#228;chtlichen Wirkung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Pierre Filiu, op.cit., S. 288.&#034; id=&#034;nh2-71&#034;&gt;71&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das trifft in Bezug auf den IS sehr wohl zu, diese Diskurse erhalten heute in der muslimischen Welt einen direkt politischen Sinn und konkretisieren sich im Krieg im Mittleren Osten. Es ist freilich absurd, zu glauben, dass es im 21. Jahrhundert in Syrien zu grossen Schlachten zwischen den R&#246;mern und den vom &lt;i&gt;Mahd&#238;&lt;/i&gt; (dem &#8222;rechtgeleiteten Imam&#8220;) angef&#252;hrten muslimischen Truppen kommt und dass Jesus auf dem weissen Minarett der Moschee von Damaskus erscheinen wird, um an der Endschlacht gegen Satan teilzunehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss dem Koran und den Hadithe werden die entscheidenden Schlachten der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-72&#034;&gt;72&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aber wenn diese Idee Zehntausende von K&#228;mpfern antreibt, die &#252;berzeugt sind, dass sie an einem historischen revolution&#228;ren Bruch teilnehmen, der eine neue &#196;ra einleitet, dann wird die Idee zu einer &#8222;materiellen Kraft&#8220;. Sie zu verstehen bedeutet, ihre gesellschaftlichen Grundlagen zu erfassen, doch auch &#8222;die kulturelle, zeitlich-r&#228;umliche Distanz&#8220; (Salazar) zu messen, welche uns vom Jihadismus des Kalifats trennt. Als Engels die Bauernkriege im 16. Jahrhundert untersuchte, nahm er die Ideen (die Reformation, die millenaristischen Glaubensformen) als historischen Faktor ernst, ohne zu glauben, dass sie die Welt antreiben. Wir haben M&#252;he, dem IS die Stirn zu bieten, weil wir die Religion f&#228;lschlicherweise f&#252;r einen Sterbenden halten, der nur noch knapp &#252;berlebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prolos, Utopisten und Reaktion&#228;re?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die Wirklichkeit der Demokratie ist mir dann klar erschienen: Es geht darum, im Geist der Leute die Idee der Freiheit zu unterhalten und sie davon zu &#252;berzeugen, dass sie ein freies Volk sind, gleichzeitig stehen die people und eine falsche Realit&#228;t im Vordergrund, um sie davon abzulenken, was wirklich geschieht, wodurch unter den Abendl&#228;ndern eine haarstr&#228;ubende politische Ignoranz gen&#228;hrt wird.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Jake Bilardi, australischer Jihadist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Philippe-Joseph Salazar, op. cit., S. 216.&#034; id=&#034;nh2-73&#034;&gt;73&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die ausl&#228;ndischen Jihadisten sind auf den Titelseiten der Zeitungen im Westen und im Kalifat. Wie viele sind es? Man weiss es nicht, mehrere Tausende auf jeden Fall, vielleicht zwischen 15&#8216;000 und 30&#8216;000, die aus fast hundert L&#228;ndern gekommen sind, um sich dem IS anzuschliessen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andere bewaffnete islamistische Gruppen, besonders die Nusrafront, empfangen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-74&#034;&gt;74&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die H&#228;lfte kommt aus dem Mittleren Osten (Saudis, T&#252;rken, Jordanier usw.) und aus dem Maghreb (haupts&#228;chlich Tunesier), mehrere Tausend aus der EU (davon 60% aus Frankreich, Grossbritannien und Deutschland). Davon sind 1&#8216;500 bis 2&#8216;000 Franzosen, wovon viele schon zur&#252;ckgekommen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht alle, die sich dem Kalifat anschliessen, tun dies, um sich in seiner Armee zu engagieren (30&#8216;000 bis 100&#8216;000 Mann). Die Frauen in erster Linie (10% aller Freiwilligen, siehe weiter unten), sie sind von der Front ausgeschlossen. Doch der IS hat alle Muslime zur &lt;i&gt;hijra&lt;/i&gt; (Einwanderung, Hedschra) aufgerufen, besonders die Kader, Ingenieure, Lehrer usw. Wenn sie ankommen, bekommen die Freiwilligen eine Aufgabe, die ihren Kompetenzen und den Notwendigkeiten des Moments entspricht. Einige begn&#252;gen sich jedoch damit, dem Aufruf zu folgen, im Land des Islams zu leben: Franzosen haben z.B. in Raqqa zwei Restaurants er&#246;ffnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden das Ausmass des Ph&#228;nomens nicht mit Abenteuerlust oder Faszination f&#252;r Gewalt erkl&#228;ren: Diese Motive existieren, betreffen allerdings nicht spezifisch den IS. Wir werden nicht mehr davon verstehen, indem wir es der Unwissenheit, der Pathologie, der Kindheit, den Familienproblemen oder der mentalen Manipulation via Internet zuschreiben, Erkl&#228;rungen, die v.a. den Spezialisten f&#252;r &#8222;Entradikalisierung&#8220; von jihadistischen Teenagern als Broterwerb dienen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die &#8222;Entradikalisierung&#8220;, von der man viel spricht und die bis anhin nur auf (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-75&#034;&gt;75&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gibt kein typisches Profil des Jihadisten, doch man kann sie in zwei Gruppen aufteilen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste besteht aus jungen Proletariern, die haupts&#228;chlich der Einwanderung aus dem Maghreb entstammen und in den Vorst&#228;dten aufgewachsen sind. Es handelt sich v.a. um M&#228;nner, die &#228;lter als 20 Jahre sind. Es ist ein Profil des Jihadisten, das die &#8222;Spezialisten&#8220; als klassisch betrachten, &#228;hnlich jenem, das in den 1990er Jahren existierte. Die Figur des kleinen Gangsterbosses, der mit Shit dealte und sich im Gef&#228;ngnis radikalisiert hat, existiert, ist jedoch nicht die Regel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zweite (wachsende) Gruppe bringt Jugendliche aus den (gar h&#246;heren) Mittelklassen zusammen, davon viele Teenager und Jugendliche (30 bis 40%) und M&#228;dchen (30%). Dieses Ph&#228;nomen ist scheinbar sehr f&#252;hlbar in Europa seit 2013, jene Periode, wo sich die Situation in Syrien stark verschlechtert und u.a. der IS auftaucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie voller Hass f&#252;r die Gesellschaft, orientierungslos oder auf der Sinnsuche sind, versteht man kaum, wieso diese Jugendlichen von einem Land angezogen sind, wo man seine Zeit damit verbringt, armen Leuten die Kehle durchzuschneiden und sie zu k&#246;pfen. Vielleicht weil die Hinrichtungen und die Grausamkeiten, die von den Mainstream-Medien reichlich verbreitet werden, nur 2% der vom Kommunikationssektor des Kalifats im Internet verbreiteten Bildern repr&#228;sentieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss einer Studie &#252;ber die Propagandavideos des IS bezogen sich 52% der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-76&#034;&gt;76&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Suche nach Gerechtigkeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das, was die soziale Kontrolle und die Polizei &#8222;Radikalisierung&#8220; nennen, entsteht in der Regel aus einem tiefen Gef&#252;hl der sozialen Ungerechtigkeit und einer Bewusstwerdung: z.B. der Machtverh&#228;ltnisse &#8222;Herrscher/Beherrschte&#8220; in dieser Gesellschaft (aber nicht ihres Klassencharakters), des &#8222;Systems&#8220;, der Gewalt, welche die syrischen und pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen unter dem passiven Blick der Abendl&#228;nder erdulden m&#252;ssen usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu diesem Zeitpunkt muss man sich fragen, warum die Antworten der Anarchistischen F&#246;deration (einfaches Beispiel) sich nicht aufdr&#228;ngen. Die schwache Verbreitung des &lt;i&gt;Monde libertaire&lt;/i&gt; ist wahrscheinlich nicht der einzige Grund daf&#252;r.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antworten des IS sind nicht nur radikal bez&#252;glich ihrer Stigmatisierung des dekadenten Westens, der korrupten Golfstaaten und des Zionismus, sie st&#252;tzen sich auch auf eine konkrete Praxis und die M&#246;glichkeit unmittelbarer L&#246;sungen: Das Kalifat pr&#228;sentiert sich als milit&#228;rische Festung gegen die Grausamkeiten des Assad-Regimes, als Beistand f&#252;r die Bev&#246;lkerungen (soziale Verbesserungen, Spit&#228;ler, Waisenh&#228;user usw.) und als ein Werkzeug des g&#246;ttlichen Willens, dem man sich nur anschliessen muss, um die Welt zu ver&#228;ndern. Und falls n&#246;tig wird das Flugticket bezahlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Religion des Bruches&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konversion zum Islam ist eine obligatorische Etappe, die alle Jihadisten aus dem Westen charakterisiert. Unter ihnen sind viele &#8222;Biofranzosen&#8220; (25 bis 30%), die nicht in der muslimischen &#8222;Kultur&#8220; aufgewachsen sind. Jene, welche darin aufgewachsen sind, betrachten sich in der Regel auch als Konvertiten: Es sind die &lt;i&gt;born again&lt;/i&gt;, jene, welche zur&#252;ck zum Islam finden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Thomson, Les Fran&#231;ais jihadistes, Les Ar&#232;nes, 2014.&#034; id=&#034;nh2-77&#034;&gt;77&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Islam f&#252;llt, wie man sagt, die &#8222;metaphysische Leere&#8220;, die typisch ist f&#252;r unsere Gesellschaften, jene einer Jugend auf der Suche nach einer Identit&#228;t und R&#252;ckhalt und es ist in allen F&#228;llen ein Bruch. In erster Linie mit dem dekadenten Westen; einige Autoren sprechen sogar von einer Jugend, welche &#8222;die Ideale vom Anti-Mai-68 verk&#246;rpert&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Farhad Khosrokhavar, &#8222;Qui sont les jihadistes fran&#231;ais ?&#8220;, 20. November 2015 (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-78&#034;&gt;78&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, phasengleich mit den angesagten reaktion&#228;ren Autoren und sie sind, wie die jungen Demonstranten der Demonstration f&#252;r alle, gegen die Lockerung der Normen, die Aufl&#246;sung der Autorit&#228;t, die Patchworkfamilie usw. Es ist jedoch auch ein Bruch mit dem urspr&#252;nglichen Milieu und der Familie, denn der marokkanische, genau wie der algerische oder der franz&#246;sische Islam ist nicht &#8222;der richtige&#8220;, w&#228;hrend jener des Kalifats als am n&#228;chsten bei den Schriften pr&#228;sentiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man versucht in der Regel, die Jihadisten l&#228;cherlich zu machen, indem man sich &#252;ber die Schnelligkeit ihrer Konversion und ihre geringen religi&#246;sen Kenntnisse lustig macht (aber wie viele Katholiken k&#246;nnten die heilige Dreieinigkeit erkl&#228;ren?) Der Islam ist allerdings eine Religion, in welcher die Konversion besonders leicht ist; um Muslim zu werden, gen&#252;gt es, die &lt;i&gt;chahada&lt;/i&gt; auszusprechen und dann die f&#252;nf S&#228;ulen zu respektieren. Danach steht es dem Gl&#228;ubigen frei, sein ganzes Leben dem Studium der Schriften zu widmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Antirassismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS tr&#228;gt einen antirassistischen Diskurs zur Schau (auch hier mit einer Verurteilung des Westens): Seine K&#228;mpfer sind Teil einer &#8222;multiethnischen Armee&#8220; und seine Medien legen Wert darauf, Bilder von Jihadisten mit verschiedenen Hautfarben zu zeigen. Das Kalifat f&#252;hlt sich berufen, die Gemeinschaft der Gl&#228;ubigen zusammenzubringen, auch Ethnien, die bis anhin seine Gegner waren oder sich anderswo gegenseitig bek&#228;mpfen. So k&#228;mpfen etliche Kurden in seiner Armee: Sie sollen w&#228;hrend der Schlacht von Koban&#234; 50% seiner Truppen ausgemacht haben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 150. In Anbetracht (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-79&#034;&gt;79&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Mindestens einer der sieben Anf&#252;hrer des IS ist ein irakischer Turkmene.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Populismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Freiwilligen sind auch empf&#228;nglich f&#252;r den Aufruf des Kalifats zur Revolte. Jene der Guten (die Ausgeschlossenen, die Opfer, jene von unten, welche Widerstand leisten und sich engagieren) gegen die B&#246;sen (die Reichen, die Korrupten, die &#8222;Verdorbenen&#8220;, die Eliten, die Intellektuellen, die Presse). Die Klassenspaltungen sind hier ziemlich egal, alles ist eine Frage der zu treffenden Entscheidung, sich dem Lager des Guten, jenem des IS anzuschliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Jihadismus des Kalifats enth&#228;lt alle Attribute eines starken Populismus, der Revolutionen herbeif&#252;hrt. [&#8230;] Die Tatsache, dass dieses &#8218;Volk&#8216; religi&#246;s normiert wird, &#228;ndert nichts am Prozess. Es wird Zeit, dass man dies erkennt, denn es zeichnet sich eine Bewegung der populistischen Wiederverzauberung der Welt ab. Eine H&#228;ufung von spontanen und Gruppenhandlungen verursacht langsam eine Bewegung des kollektiven Bewusstseins. Und diese wachsende Bewegung wird zur konstitutiven Logik des &#8218;wahren, guten Volkes&#8216;, ein brutales Auftauchen des &#8218;Volkes&#8216;, das eine unwiderstehliche politische Form annimmt und sich gegen die designierten Feinde durch eine radikale Feindschaft manifestiert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Philippe-Joseph Salazar, op. cit., S. 212, 222.&#034; id=&#034;nh2-80&#034;&gt;80&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Figur des &#8222;negativen Helden&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man hat das jihadistische Engagement mit anderen bewaffneten Mobilisierungen von Aktivisten verglichen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Laurent Bonelli, &#8222;Brigadistes, djihadistes&#8220;, Le Monde Diplomatique, August 2015.&#034; id=&#034;nh2-81&#034;&gt;81&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Vergleich ist nicht nur falsch, weil eine Sache gut w&#228;re (gegen den Faschismus und f&#252;r die Revolution zu k&#228;mpfen) und eine andere schlecht (eine Religion durch Zwang in der Welt zu verbreiten). Die vom Jihad gebotene &#8222;romantische Exotik&#8220; unterscheidet sich stark von ihren linken und auf die Dritte Welt bezogenen Pr&#228;zedenzf&#228;llen. Das 21. Jahrhundert f&#228;llt zeitlich mit der Entstehung einer der ersten Generationen zusammen, die glaubt, dass die Zukunft nicht besser sein wird als die Gegenwart, wahrscheinlich eher schlimmer, und dass die Politik daran nichts &#228;ndern kann. Wenn sich jegliches kollektives politisches Projekt verfl&#252;chtigt, das Tr&#228;ger von Hoffnung ist, ist die B&#252;hne frei f&#252;r den schwarzen Helden (die Farbe der Piraten, der Anarchisten, der Faschisten und der Jihadisten), den Extremisten, der die Gesellschaft in Angst und Schrecken versetzt, eine absolut hassenswerte Figur. Und somit besonders faszinierend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein Kalifatsfeminismus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Wenn man sich im absoluten Gegensatz zur westlichen Kultur platzieren will, ist die Hausfrau eine alternative Figur.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;G&#233;raldine Casutt, &#8222;Pourquoi les jeunes filles rejoignent les rangs de l'&#201;tat (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-82&#034;&gt;82&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keine kompetente feministische Autorit&#228;t, um zu beurteilen, ob der Islamische Staat feministisch ist oder nicht. Das mag &#252;berraschend erscheinen, doch die Frage qu&#228;lt zweifelsohne die Spezialisten und Journalisten, die sich f&#252;r die Frage der jihadistischen Frauen interessieren und das Wort Feminismus ist stets pr&#228;sent in ihren Texten, er wird verschieden charakterisiert: &#8222;Kalifats-&#8220;, &#8222;Pseudo-&#8220;, &#8222;fehlgeleitet&#8220;, &#8222;verdreht&#8220;, &#8222;Post-&#8220;, &#8222;Anti-&#8220; usw. Die j&#252;ngsten sprechen gar von einem Jihad Version &lt;i&gt;girl power&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;islamische Feminismus&#8220; ist in den 1990er Jahren entstanden. Die Aktivistinnen, die sich auf ihn berufen, entnehmen ihre Inspiration und ihre Rechtfertigungen den Suren des Korans, die gem&#228;ss ihnen eine Botschaft der Gleichheit und der Gerechtigkeit offenbaren. Die vorislamische Periode, die &lt;i&gt;Jahiliya&lt;/i&gt;, eine &#196;ra der Unordnung und der Ignoranz, sei in Arabien durch Laxheit, Promiskuit&#228;t und eine unkontrollierte Sexualit&#228;t charakterisiert gewesen. Der Islam bereitet dem ein Ende, indem er im Koran die Fragen der Heirat, der Abstammung, des Erbes usw. genau kodifiziert oder indem er gebr&#228;uchliche Praktiken (wie die Polygamie) juristisch umrahmt und begrenzt. Die Kontrolle &#252;ber die Frauen und ihre Sexualit&#228;t, die sich daraus ergeben hat, wird also historisch als Synonym f&#252;r Ordnung, Ausgeglichenheit und Frieden wahrgenommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fatima Mernissi, Sexe id&#233;ologie islam, Tierce, 1983, S. 31, 83-84, 88.&#034; id=&#034;nh2-83&#034;&gt;83&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es handle sich hier um einen grossen Fortschritt f&#252;r die Frauen, der erkl&#228;rt, warum Mohammed als &#8222;eine der gr&#246;ssten universellen Figuren des Feminismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-84&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zahra Ali, F&#233;minismes islamiques, La Fabrique, 2012, S. 61.&#034; id=&#034;nh2-84&#034;&gt;84&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; betrachtet werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der IS charakterisiert sich nicht auf diese Art und Weise und beruft sich nicht auf den &#8222;islamischen Feminismus&#8220;, doch auch er sucht die Antworten auf die &#8222;Frauenfrage&#8220; im Koran und in den Hadithe. Das Kalifat kann gegen die Frauen agieren und gleichzeitig so tun, als ob er sie im Zentrum der Gesellschaft platzierte und sie besch&#252;tzte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie besch&#252;tzen? Und die ermordeten, vergewaltigten und versklavten schiitischen, christlichen und jesidischen Frauen? [Siehe den ersten Teil.] Sie &lt;i&gt;verdienen&lt;/i&gt; dieses Schicksal, weil sie in der Logik des IS juristisch nicht in die Kategorie &#8222;Frauen&#8220; geh&#246;ren, dazu geh&#246;ren nur muslimische Frauen. Diese Sichtweise wird nat&#252;rlich von den Aktivisten und Aktivistinnen des Kalifats geteilt, die motiviertesten letzterer sind die ausl&#228;ndischen Jihadistinnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-85&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Widerspruch? Im Namen der Arbeiterklasse brach die KPF Streiks und fand (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-85&#034;&gt;85&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Aktivistinnen&#8220; und &#8222;motiviert&#8220;, weil ihr Engagement eine ernste Sache ist. Auch hier tendiert der westliche Diskurs eher dazu, sie als Opfer einer niedertr&#228;chtigen Einreihung, der Manipulation oder der Geisteskrankheit zu betrachten; viel mehr als die M&#228;nner, da viel weniger f&#228;hig, diese Art von Entscheidung zu treffen. Und zudem kann sich, gem&#228;ss einer immer noch sehr verbreiteten, essentialistischen Sichtweise, &#8222;die Frau&#8220;, die das Leben schenkt, nicht dem Lager des B&#246;sen und des Todes anschliessen. Doch man kann sich beruhigen, der IS hat &#228;hnliche Standpunkte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen repr&#228;sentieren 10% der ausl&#228;ndischen Freiwilligen. Unter ihnen sind mehrere Hundert Abendl&#228;nderinnen, wovon viele Franz&#246;sinnen oder Britinnen sind, die meisten davon jung (h&#228;ufig zwischen 15 und 25 Jahren), in der Regel gebildeter als ihre m&#228;nnlichen Kollegen und entstammen h&#228;ufiger den Mittelklassen. F&#252;r einige ist diese Entscheidung eine Art Emanzipation (oder zumindest eine Flucht) gegen&#252;ber dem famili&#228;ren und kulturellen Herkunftsmilieu, zumindest ein Akt der Autonomie und der &#220;bernahme von Verantwortung, der &#8222;flagrant mit der &#8218;kulturellen Strategie&#8216; eines in Europa eingeb&#252;rgerten Islams kontrastiert, der allen voran den Mann privilegiert&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-86&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Philippe-Joseph Salazar, op. cit., S. 142.&#034; id=&#034;nh2-86&#034;&gt;86&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Motivationen &#228;hneln jenen der M&#228;nner: ein Gef&#252;hl der Ungerechtigkeit in Anbetracht des Leides des syrischen Volkes, eine Revolte gegen die von den Musliminnen im Westen erduldeten Diskriminierungen, der Wunsch, konkret zu helfen (eher humanit&#228;r als milit&#228;risch), aber auch die Lust, ihre Religion frei zu leben (Ganzk&#246;rperschleier, komplette Geschlechtertrennung usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl eine sehr mediatisierte Handvoll von ihnen f&#252;r die Polizei von Raqqa arbeitet, ist die Hauptfunktion der Frauen im Kalifat alles andere als sekund&#228;r: Ehefrauen und M&#252;tter zu sein. F&#252;r diese Frauen, die nicht mit der AK47 an der Front stehen k&#246;nnen, ist das eine Form des Jihad: &#8222;Es gibt f&#252;r sie keine gr&#246;ssere Verantwortung als jene, die Frau ihres Mannes zu sein&#8220; und &#8222;die Gr&#246;sse ihrer Stellung, das Ziel ihrer Existenz ist die g&#246;ttliche Aufgabe der Mutterschaft&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-87&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brigade Al-Khansaa, Women of the Islamic State. A manifesto on women, 2015 (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-87&#034;&gt;87&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in unseren Gesellschaften eher abgewertete &lt;i&gt;traditionelle&lt;/i&gt; Rolle der Mutter/Hausfrau wird vom Kalifat als jene &#8222;einer revolution&#228;ren Akteurin einer radikal alternativen Gesellschaft&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-88&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit G&#233;raldine Casutt, Le Nouvel Observateur, 9. April 2015.&#034; id=&#034;nh2-88&#034;&gt;88&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; pr&#228;sentiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinzu kommt diese merkw&#252;rdige &#8222;Verlockung der Abh&#228;ngigkeit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-89&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ibid.&#034; id=&#034;nh2-89&#034;&gt;89&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, diese beruhigende Unterwerfung. Doch jene der Ehefrau unter den Mann sei nur relativ, formell, denn beide sind direkt Gott unterworfen (Colette Guillaumin w&#252;rde vielleicht von &#8222;g&#246;ttlicher Aneignung&#8220; sprechen). Die Wahl des Ehemannes ist jedoch nicht bedeutungslos, man &#252;berquert Kontinente, um ihn zu finden. Wir sprechen nicht von einem besonderen Individuum, sondern vom idealen Mann. Er existiert, er riskiert sein Leben im Namen Gottes auf dem Schlachtfeld, es ist der Jihadist: ein frommer, ehrlicher, aufrichtiger, treuer, mutiger, starker, viriler und besch&#252;tzender Mann, der an die Ehe und die Familie glaubt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-90&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Farhad Khosrokhavar, &#8222;Qui sont les jihadistes fran&#231;ais ?&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-90&#034;&gt;90&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein Mann der, das wissen die Leser von Soral und Zemmour sehr gut, in Frankreich nicht mehr existiert. Hunderte von jungen Frauen gehen nach Syrien, um einen solchen Mann zu heiraten und mit ihm eine Familie zu gr&#252;nden. Das ist ihre Hauptaufgabe&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-91&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Ger&#252;cht eines &#8222;Sex-Jihad&#8220; zur &#8222;Erholung des Kriegers&#8220;, das lange (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-91&#034;&gt;91&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In den St&#228;dten des Kalifats sind gar Ehevermittlungsagenturen er&#246;ffnet worden, um die Eheschliessungen zwischen Jihadisten, aber auch zwischen Einheimischen zu erleichtern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Schreiberlinge des IS stimmen mit den reaktion&#228;ren Autoren in Frankreich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-92&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pr&#228;zisieren wir, dass Alain Soral, der den IS f&#252;r eine Marionette in den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-92&#034;&gt;92&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#252;berein in ihrer Proklamation des &#8222;Scheiterns des westlichen Frauenmodells&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-93&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brigade Al-Khansaa, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-93&#034;&gt;93&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, dem sie vorwerfen, dass es weder die Frauen (die dazu gezwungen werden, mit M&#228;nnern in Kontakt zu kommen, denen erlaubt wird, nackt zu sein, aber nicht, einen Nikab zu tragen) noch die Familie (Ehe f&#252;r Homosexuelle, Abtreibung) respektiert. Ausgehend von einer Feststellung, die von radikalen Feministinnen geteilt werden k&#246;nnte, n&#228;mlich jene einer falschen Gleichheit, die umso perverser ist, weil sie den Frauen einreden will, dass sie frei sind, geht der IS zu einem Diskurs &#252;ber, der eine Logik der Unterscheidung und eine &lt;i&gt;wirkliche Komplementarit&#228;t&lt;/i&gt; der Geschlechter unterst&#252;tzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht einfach, die in sozialen Netzwerken zum Vorschein kommende &#8222;Subkultur der jihadistischen &lt;i&gt;girl power&lt;/i&gt;&#8220; oder &#8222;das &lt;i&gt;empowerment&lt;/i&gt; auf jihadistisch&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-94&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;H&#233;l&#232;ne F&#233;vrier, Sylvie Braibant, &#8222;Les sir&#232;nes pseudo-f&#233;ministes du (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-94&#034;&gt;94&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; vom Tisch zu wischen. Der Feminismus hat im Westen einen Teil seines Programms verwirklicht, er wird h&#228;ufig verzerrt dargestellt, ist jedoch konsensuell geworden, seine Errungenschaften sind selbstverst&#228;ndlich, die Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen wird &#252;berall verk&#252;ndet, die &#8222;Gender-Theorie&#8220; wird in der Schule gelehrt &#8211; die Ungleichheiten bestehen allerdings fort. Diese Widerspr&#252;che sind ein gefundenes Fressen f&#252;r den extremen Islam und geben ihm ein nonkonformistisches Flair.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem es der Ehe seiner Aktivisten und ihrer Familie (wir haben im ersten Teil gesehen, dass es verschiedene Pr&#228;mien und Zusch&#252;sse eingef&#252;hrt hat) eine derartig grosse Bedeutung beimisst, verankert das Kalifat sein Projekt entschlossen in der Zukunft. Es geht darum, die Hervorbringung von k&#252;nftigen K&#228;mpfern und Proletariern zu garantieren (die Pille ist auf seinem Territorium nat&#252;rlich verboten). Die jihadistischen Frauen, eine Art Avantgarde, spielen also eine gew&#252;rdigte Rolle und sind besonders respektiert und besch&#252;tzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Besonders &lt;i&gt;kontrolliert&lt;/i&gt;, wollt ihr sagen! Das ist alles nur patriarchalischer Diskurs und Heuchelei!&#8220; Zweifellos, doch die Ideologie des Kalifats ist so und, egal, was man davon h&#228;lt, funktioniert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zunehmende Beteiligung der jihadistischen Frauen ist dennoch eine Quelle der Besorgnis f&#252;r die jihadistischen M&#228;nner, denn die weibliche Initiative frischt in ihren Ged&#228;chtnissen stets die Konflikte der &lt;i&gt;Jahiliya&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-95&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fatima Mernissi, op. cit., 1983, S. 88.&#034; id=&#034;nh2-95&#034;&gt;95&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; auf. Olivier Roy spricht diesbez&#252;glich in Bezug auf den syrischen Jihad von einer &#8222;widerspr&#252;chlichen Modernisierung&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein Kalifat gegen die Globalisierung?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Im Gegensatz zur &#8222;alten&#8220;, pyramidalen, geheimen, autorit&#228;ren, transnationalen Al Qaida sieht sich Daesch als modern, offen, verwurzelt und urban.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-96&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, op. cit., S. 114.&#034; id=&#034;nh2-96&#034;&gt;96&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Was sofort auff&#228;llt, wenn man sich mit dem Kalifat befasst, sind die Zentralit&#228;t der Religion, die &#252;bertriebene Gewalt und die offene Intoleranz. All das verbunden mit der totalit&#228;ren Absicht einer gesellschaftlichen Harmonie und der Suche nach einem inneren Ausgleich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-97&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine etwas provokative Genossin stellt diese &#8222;Suche nach einer Reinheit (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-97&#034;&gt;97&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausserhalb ihres Zusammenhangs erzeugen einige Projekte und Praktiken des Kalifats allerdings ein unerwartetes Echo. Sein Programm enth&#228;lt n&#228;mlich den Kampf gegen die Korruption und die Finanzspekulation (Verbot des Wuchers), die Schaffung einer alternativen W&#228;hrung (Geldst&#252;cke aus Gold, Silber und Kupfer, eine Anspielung auf die abbasidischen Dinaren und Dirhams, d.h. eine &#8222;echte&#8220; W&#228;hrung, um sich dem herrschenden W&#228;hrungssystem zu entziehen), die Aufwertung des &#246;ffentlichen Dienstes, die Dezentralisierung der Macht durch die regionale Autonomie, die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie (und der Demokratie &#8222;an und f&#252;r sich&#8220;, der IS verteidigt eine Art &#8222;organischen Zentralismus&#8220; unter g&#246;ttlicher Herrschaft), die Abschaffung der Grenzen, der Kampf gegen den Rassismus, ohne die Ablehnung des ungez&#252;gelten Konsums und der Unterwerfung unter die Marken zu vergessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Diskurs, der von den Globalisierungsgegnern kommen k&#246;nnte, wenn er sich auf &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt; und den Subcommandante Marcos, statt auf den Koran und den Kalifen Ibrahim beziehen w&#252;rde. Ja, der IS sieht sich als mittelalterlich, aber modern, &#8222;egalit&#228;r, universell und multiethnisch&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-98&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, &#8222;Le r&#234;ve d'Etat du djihadisme&#8220;, Diplomatie, Nr. 77, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-98&#034;&gt;98&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Haben die Worte hier noch einen Sinn? Nicht mehr oder weniger als anderswo. Der IS verfolgt offensichtlich weder praktisch noch theoretisch eine Kritik des Kapitalismus, er (und durch ihn ein Teil der lokalen Bourgeoisie) versucht, gewisse, ihm am wenigsten erlaubt, am st&#246;rendsten scheinende Aspekte zu ver&#228;ndern, andere werden angepasst. Obwohl gewisse Praktiken extrem sind, t&#246;nen die Diskurse h&#228;ufig sehr inhaltslos. Und obwohl man darin vertrautere Reime entdeckt, handelt es sich nicht dermassen um eine &#8222;Vereinnahmung&#8220;, sondern um eine Nivellierung nach unten, was nicht neu ist: Die extreme Rechte verurteilt auch schon lange die &lt;i&gt;Ausw&#252;chse&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Exzesse&lt;/i&gt; des Kapitalismus. Finanzkapitalismus, versteht sich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-99&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jener Teil der extremen Rechten, der sich vom Kampf der ZAD angezogen f&#252;hlt, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-99&#034;&gt;99&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Er ist die Quelle allen &#220;bels, umso mehr als man leicht einige Dosen Verschw&#246;rungstheorien und Antisemitismus beif&#252;gen kann. Klassenverh&#228;ltnisse, Ausbeutung, Mehrwert und andere alte Z&#246;pfe verschwinden also in der Versenkung, was das Vokabular einfacher macht und alle sind einverstanden. Doch um zu existieren, muss der IS das &#8222;Gesellschaftliche&#8220; in den Mittelpunkt seiner Rede stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem westlich inspirierten, liberalen Mondialismus, der den Planeten beherrscht, setzt der IS eine weltweite Alternative entgegen, einen anderen Mondialismus, der offen die Zerst&#246;rung der lokalen Besonderheiten auf seine Fahnen schreibt, allen voran innerhalb des Islams, wo er die mystischen (Sufismus) oder magisch-medizinischen (Marabutismus) Praktiken bek&#228;mpft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf diesem Terrain steht er in Konkurrenz mit der wahhabitischen Ideologie, die weltweit von der saudischen Monarchie verbreitet wird. Der salafistische Universalismus des Kalifats ist dennoch anders, subversiv, zwar nicht links, doch zumindest populistisch (er vertr&#228;gt sich ziemlich gut mit der ehemaligen sozialistischen F&#228;rbung der Baath-Partei) und es ist f&#252;r ihn ein leichtes Spiel, die Saudis als Apostaten, Korrupte und Verb&#252;ndete der USA zu qualifizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um seinen anderen Konkurrenten, die nebul&#246;se Al Qaida mit ihren Versprechen einer strahlenden Zukunft zu &#252;berholen, hat der IS den Vorteil der durch den Aufbau einer konkreten &#8222;Utopie&#8220; auf dem Terrain repr&#228;sentierten Anziehungskraft. Denn, obwohl die Aktivisten an ein Jenseits glauben, m&#246;chten sie nicht bis morgen warten, um eine bessere Welt aufzubauen, und ziehen es vor, schon heute in &#220;bereinstimmung mit ihrem Glauben zu leben. Indem sie das Kalifat aufbauen, beweisen sie, dass es m&#246;glich ist, &lt;i&gt;hier und jetzt&lt;/i&gt; zu handeln, um die Welt zu ver&#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche Ver&#228;nderung? Die Versprechen einer leuchtenden Zukunft haben keinen grossen Erfolg mehr, die Parole des Kalifats ist &#8222;R&#252;ckw&#228;rts immer, vorw&#228;rts nimmer!&#8220; Im Islamischen Staat sind die neuen Reaktion&#228;re genau wie in Frankreich nicht (nur) Intellektuelle, sondern auch entpolitisierte Aktivisten, die Werte, eine Ethik verteidigen: &lt;i&gt;born again&lt;/i&gt; Salafisten, Demonstration f&#252;r alle, Verteidigung der Familie, der Traditionen, eines Territoriums, des Bodens usw. Wenn der Einbruch des Kapitalismus die Wurzel aller &#220;bel, aber zum Ende der Geschichte geworden ist, was tun, wenn nicht in die Zeit &#8222;davor&#8220; zur&#252;ckkehren und in diesem Fall, weshalb nicht ins Mittelalter? Wenn schon, dann ein Goldenes Zeitalter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r seine Aktivisten ist das Kalifat die &lt;i&gt;Dawla&lt;/i&gt;. Der Begriff wird gemeinhin mit Staat &#252;bersetzt, doch er bedeutet auch &#8222;die Idee der Revolution, d.h. die Umw&#228;lzung der Welt hin zur Fr&#246;mmigkeit und zum Gesetz Gottes&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-100&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Hanne, &#8222;Le r&#234;ve d'Etat du djihadisme&#8220;, Diplomatie, Nr. 77, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-100&#034;&gt;100&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Revolution oder Wiederaufbau einer alten Ordnung? Im ersten Teil &#252;bernahmen wir die ber&#252;hmte Formel aus dem &lt;i&gt;Gattopardo&lt;/i&gt; &#8222;Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es n&#246;tig, dass sich alles ver&#228;ndert&#8220; [&#8230;]. Der IS bietet eine pr&#228;kapitalistische Identit&#228;t an, das Ideal des Arabiens des 7. Jahrhunderts, ein H&#228;ndler- und Kriegerideal, eine magische Formel, um dem Leben einer verlorenen, unter die Werte der Modernit&#228;t unterworfenen Jugend neuen Sinn zu geben: Individualismus, Materialismus, Konsum und Hedonismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-101&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Kritik der Modernit&#228;t ist nicht gleichbedeutend mit jener der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-101&#034;&gt;101&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz seinem Separatismus und seiner Masslosigkeit ist der Diskurs des Kalifats allerdings, genau wie der vern&#252;nftigere Alternativismus, an den wir uns gew&#246;hnt sind, ein Diskurs, der vom herrschenden System hervorgebracht wird, und sein Projekt eine Alternative &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; des Bestehenden. Das Kalifat kann nur &#252;berleben, wenn es wirtschaftlich mit dem Rest der kapitalistischen Welt verbunden ist. Die Vorliebe der Jihadisten f&#252;r Sklaven bringt sie trotzdem nicht dazu, eine &#8222;auf der Sklaverei basierende Produktionsweise&#8220; (wieder)aufzubauen, und die Lohnarbeit herrscht in Mosul genau wie in Mailand. Als Tagtraum und neue Phase eines Albtraums kann diese gigantische, reaktion&#228;re ZAD rund um den Tigris und den Euphrat nur als monstr&#246;se Variante einer kapitalistischen Weltordnung verstanden und bek&#228;mpft werden, dessen Feind sie vorgibt zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Angesichts der Ungewissheit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Im Islam gibt es keinen Kommunismus.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Fatwa der Universit&#228;t Al-Azhar, 1948.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Als Hoffnung f&#252;r einige, Schrecken f&#252;r viele andere ist der IS nicht Russland 1919 und das Spiel hat sowieso schlecht begonnen f&#252;r einen Staat, der nicht den Vorteil der unendlichen Weite oder der Entfernung eines Territoriums hat, wo er seine &#8222;Utopie&#8220; aufbauen kann. Der relative Eintritt der T&#252;rkei in die internationale Koalition gegen Daesch ver&#228;ndert die Ausgangslage, indem er die vitalen Warenfl&#252;sse st&#246;rt oder blockiert. Die Zeit l&#228;uft in diesen letzten Jahren besonders schnell und das Kalifat steht wohl nicht vor seinen sieben fetten Jahren. Falls es nicht zu einer grossen historischen &#220;berraschung wie dem Zusammenbruch der syrischen Armee, gefolgt vom Fall von Damaskus und der Destabilisierung Libanons, Jordaniens oder Saudi-Arabiens&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-102&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Oder ein unerwarteter Dritter Weltkrieg zwischen der NATO und Russland, der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-102&#034;&gt;102&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; kommt, ist das mittelfristige &#220;berleben dieses Staats nicht sehr wahrscheinlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich hat der IS seine Macht, sein Prestige und seine Finanzen seinen kriegerischen Eroberungen zu verdanken. Die Stagnierung an den Fronten, die taktischen R&#252;ckz&#252;ge und die unaufh&#246;rlichen Bombenangriffe werden gleichbedeutend mit seiner Niederlage sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach einer langen Phase des &lt;i&gt;containment&lt;/i&gt; haben die Abendl&#228;nder scheinbar entschieden, zum &lt;i&gt;rollback&lt;/i&gt; des IS &#252;berzugehen. Ihre Strategie war bis anhin vorsichtig, sie bestand darin, das Leben f&#252;r die lokale Bev&#246;lkerung schwieriger zu machen: Ab dem Sommer 2014 befanden sich Kraftwerke, M&#252;hlen und Getreidesilos unter den ersten Zielen der amerikanischen Luftwaffe. Die Vervielfachung dieser Luftangriffe ab dem Herbst 2015 und das Vorr&#252;cken der kurdischen und schiitischen Truppen haben zu einer Abwanderung der Bev&#246;lkerung &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; des Territoriums des Kalifats gef&#252;hrt, seine Verwaltung muss sich mit dem Verlust von Einnahmen und der Verwaltung der Fl&#252;chtlinge abfinden. Das medizinische Material wird immer seltener (der IS hat einen Operationstrakt als L&#246;segeld f&#252;r eine Geisel verlangt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-103&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Luc Mathieu, &#8222;A Raqqa, l'ambiance s'est tendue, la parano&#239;a grandit&#8220;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-103&#034;&gt;103&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), der Nachschub immer schwieriger, die Steuern steigen und m&#252;ssen im Voraus bezahlt werden usw.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-104&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Finances de l'EI : la guerre secr&#232;te&#8220;, Le Monde, 29.-30. November 2015.&#034; id=&#034;nh2-104&#034;&gt;104&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Schwierigkeiten an der Front zwingt die Beh&#246;rden dazu, in gewissen Gebieten auf den Milit&#228;rdienst zur&#252;ckzugreifen, was Desertionen von Einberufenen zur Folge hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Tat und Wahrheit ist es der Prozess der Normalisierung und der Staatsbildung, den wir im ersten Teil zu skizzieren versucht haben, der gef&#228;hrdet ist. Das Kalifat wird somit eine Verminderung seiner &#8222;sozialen&#8220; F&#228;higkeiten erdulden m&#252;ssen, welche seine St&#228;rke ausmachen; es wird sie nur mit Steuererh&#246;hungen und vermehrter Repression kompensieren k&#246;nnen, was zu einer Meinungs&#228;nderung eines Teils der Bev&#246;lkerung und gewisser Stammesf&#252;hrer f&#252;hren wird. Es besteht dann das Risiko, dass die Meinungsverschiedenheiten wieder zutage treten (z.B. zwischen lokalen Notabeln und ausl&#228;ndischen Jihadisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die westliche Strategie ist nicht sehr r&#252;cksichtsvoll, aber sie zahlt sich wahrscheinlich aus. Ausser sie hat, zusammen mit den zivilen Opfern der Bombenangriffe und dem Vorr&#252;cken der kurdischen und schiitischen Truppen, das Gegenteil zur Folge und schweisst die Einwohner hinter dem Kalifat zusammen. Die Chancen, dass sie von den Vorteilen der Demokratie und der Laizit&#228;t &#252;berzeugt werden, sind hingegen ziemlich gering. Genau wie jene eines erneuten dauerhaften Friedens in der Region. Obwohl zum Tode verurteilt, wird das Kalifat wahrscheinlich langsam sterben (und vielleicht in wahrscheinlich anderer Gestalt auf anderen Kontinenten fortbestehen). Was die ausl&#228;ndischen Freiwilligen betrifft, scheinen sie durch das Spektakel nicht entradikalisiert zu werden...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als utopisches Projekt zum Aufbau eines Staates auf komplett neuen Grundlagen bedeutet der IS weniger eine Radikalisierung als die Islamisierung einer Revolte, als Echo auf eine aktive Konfessionalisierung mehr oder weniger &#252;berall, von der konservativen amerikanischen Rechten bis in die franz&#246;sischen Vorst&#228;dte. Seine Gewalt hat nicht viel mit einem dem Islam eigenen Extremismus zu tun, sondern eher mit der Tatsache, dass sich der religi&#246;se Fanatismus in einem Kontext des B&#252;rgerkrieges und der ausl&#228;ndischen Interventionen entfesselt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re sehr schade &#8211; und sch&#228;dlich &#8211; wenn der soziale Protest in n&#228;chster Zeit jene Formen ann&#228;hme, welche der IS heute skizziert. Hoffen wir, dass das nur ein schlechter Entwurf ist, der im Papierkorb landet. Jede Epoche sondert eine Art der Konterrevolution ab, die ihr eigen ist. In der Regel zerquetscht sie die Revolte der proletarischen Massen und leitet sie um, ausser sie dr&#252;ckt die Grenzen der Bewegung selbst aus. Am Anfang dieses 21. Jahrhunderts muss man anerkennen, das die konterrevolution&#228;ren Formen auf dramatische Art und Weise pr&#228;ventiv sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wird dabei herauskommen? Vergeltungsmassnahmen, neue Massaker, neue autorit&#228;re Regime, Hass, Groll usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter dem Vorwand, dass wir uns dem Ende des Artikels n&#228;hern, werden wir nicht einem zweckm&#228;ssigen Optimismus nachgeben, der uns auferlegen w&#252;rde, zum Schluss zu kommen, dass die Revolution trotz allem unvermeidlich ist. Einige Gewissheiten, freilich. Der Zusammenbruch des Kalifats wird keine der Ursachen beseitigen, welche sein Auftauchen und seinen Erfolg beg&#252;nstigt haben. Die L&#246;sung wird nicht nur im Mittleren Osten skizziert werden. Eine Kriegsperiode ist abscheulich, umso mehr, wenn es ein konfessioneller B&#252;rgerkrieg ist, und in der Regel kaum vorteilhaft f&#252;r das Proletariat. Doch es ist auch eine Periode grosser Ungewissheit, die manchmal die tiefen, die Gesellschaft strukturierenden Verh&#228;ltnisse nur sehr schlecht kaschiert&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, Dezember 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil&#034;&gt;Erster Teil&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Literaturverweise:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Zum Islamischen Staat (nach Relevanz)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pierre-Jean Luizard, &lt;i&gt;Le Pi&#232;ge Daech. L'&#201;tat islamique ou le retour de l'histoire&lt;/i&gt;, Paris, La D&#233;couverte, 2015.&lt;br class='autobr' /&gt;
Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;L'&#201;tat islamique. Anatomie du nouveau Califat&lt;/i&gt;, Paris, Bernard Giovanangeli Editeur, 2015.&lt;br class='autobr' /&gt;
Philippe-Joseph Salazar, &lt;i&gt;Paroles arm&#233;es. Comprendre et combattre la propagande terroriste&lt;/i&gt;, Paris, Lemieux Editeur, 2015.&lt;br class='autobr' /&gt;
Myriam Benraad, &lt;i&gt;Irak, la revanche de l'histoire. De l'occupation &#233;trang&#232;re &#224; l'&#201;tat islamique&lt;/i&gt;, Paris, Vend&#233;miaire, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2 / Zur Religion&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Troploin, &#034;Le Pr&#233;sent d'une illusion&#034;, &lt;i&gt;Lettre de Troploin&lt;/i&gt;, Nr. 7, Juni 2006.&lt;br class='autobr' /&gt;
Maxime Rodinson, &lt;i&gt;Mohammed&lt;/i&gt;, M&#252;nchen, C.J. Bucher, 1975 [1961].&lt;br class='autobr' /&gt;
Maxime Rodinson, &lt;i&gt;Islam und Kapitalismus&lt;/i&gt;, Berlin, Suhrkamp, 1986 [1966].&lt;br class='autobr' /&gt;
Emmanuel Carr&#232;re, &lt;i&gt;Das Reich Gottes&lt;/i&gt;, Berlin, Matthes &amp; Seitz, 2016 [2014].&lt;br class='autobr' /&gt;
Gilbert Achcar, &lt;i&gt;Marxisme, orientalisme, cosmopolitisme&lt;/i&gt;, Arles, Sinbad, Actes Sud, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;http://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=728&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;DritterTeil&#034;&gt;Dritter Teil: Warten auf Raqqa&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Dieser Text folgt auf den Text &#8222;Kalifat und Barbarei&#8220; und verl&#228;ngert ihn, einen Text, der in zwei Teilen im &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ErsterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;November&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ZweiterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Dezember 2015&lt;/a&gt; auf dem Blog DDT21 [und &lt;a href=&#034;https://www.bahoebooks.net/buch/kalifat-und-barbarei/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;in Buchform bei bahoe books 2016&lt;/a&gt;] ver&#246;ffentlicht worden ist, es geht dieses Mal weniger um den Islamischen Staat selbst und mehr um das Schicksal seiner unmittelbaren Nachbarn, die syrischen Rebellen, die kurdischen Kr&#228;fte oder Bewohner, die aus dieser Zone des Chaos fliehen wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kalifat und Barbarei: Warten auf Raqqa&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Werden wir besiegt und ihr siegreich sein, wenn ihr Mosul, Raqqa oder Sirte erobert? Selbstverst&#228;ndlich nicht. Die wahre Niederlage w&#228;re der Verlust des Kampfeswillens.&#8220;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Abu Mohammed al-Adnani, Sprecher des IS, Mai 2016.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Ich br&#228;uchte Leihproletarier, doch ich weiss nicht, wo ich sie finden kann.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Nikolai Erdman, 1925.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der Islamische Staat befindet sich an allen Fronten im R&#252;ckzug und Raqqa, seine politische Hauptstadt, scheint im Begriff zu sein, in die H&#228;nde der vereinigten bewaffneten Kr&#228;fte der Freiheit, der Demokratie, der Laizit&#228;t und vielleicht sogar des Feminismus zu fallen. Das war Ende 2015, doch acht Monate sp&#228;ter hat sich daran nichts ge&#228;ndert. Aber obwohl das Kalifat immerzu stirbt, hat sich die Situation entwickelt und ein neues Kapitel beginnt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Si vis pacem&#8230;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es war stets eine Frage des Willens. Jener der an der irakisch-syrischen Krise beteiligten L&#228;nder, mit dem IS abzuschliessen oder nicht. Das ist heute der Fall, die Politik des &lt;i&gt;containment&lt;/i&gt; wurde durch jene des &lt;i&gt;roll-back&lt;/i&gt; ersetzt. Jeder hat gute Gr&#252;nde gefunden, um aus dem IS den Hauptfeind zu machen: zu st&#246;rend gewordenen Machenschaften ein Ende setzen; politische Notwendigkeit, auf Attentate zu reagieren (Libanon, Sinai, Frankreich)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-105&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl sich die Attentate, wie jene im November 2015 in Frankreich, in Bezug (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-105&#034;&gt;105&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; das Feld nicht den anderen M&#228;chten &#252;berlassen usw. Das Schicksal der lokalen Bev&#246;lkerungen, man wird es erahnt haben, z&#228;hlt hier kaum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Baschar al-Assad hofft, von diesem Gl&#252;cksfall profitieren zu k&#246;nnen. Seine Armee, die Armee der arabischen Republik Syrien (AAS), ist wieder in der Offensive und kontrolliert den gr&#246;ssten Teil des &#8222;n&#252;tzlichen&#8220; Syriens. Sie hat die Unterst&#252;tzung von diversen konfessionellen und politischen Milizen, vom libanesischen Hizbollah und v.a. die massive und direkte Unterst&#252;tzung Russlands. Der andere gewichtige B&#252;ndnispartner Iran ist nach der Aufhebung der Sanktionen im Januar 2016 (die auf das Abkommen bez&#252;glich seines Atomprogramms im Juli 2015 folgte) offiziell als Regionalmacht zur&#252;ck in der Gemeinschaft der Nationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie allen voran einen Krieg mithilfe Stellvertretern wie den YPG und den schiitischen Milizen f&#252;hren, beteiligen sich die USA immer mehr mit Bodentruppen im Irak und in Syrien. Eine Stationierung, die von den lokalen Bev&#246;lkerungen nicht immer gesch&#228;tzt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene L&#228;nder (T&#252;rkei und die Golfstaaten), welche eine Zeitlang versucht haben, den IS zu instrumentalisieren, haben schon lange auf andere Gruppen gesetzt und die syrische Opposition, das sollten wir nicht vergessen, wurde h&#246;flich gebeten, das Abtreten Assads nicht mehr als Vorbedingung f&#252;r Verhandlungen zu verlangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das liegt daran, dass sich die politische, diplomatische und milit&#228;rische L&#246;sung der syrisch-irakischen Krise abzeichnet. Aber das gemeinsame Ziel, dem Kalifat ein Ende zu setzen, ist keine Strategie und noch weniger ein Projekt f&#252;r die Nachkriegszeit. Hier sind die Interessen verschieden oder einander entgegengesetzt und die L&#246;sung eines Problems kann durchaus zum Auftauchen eines anderen f&#252;hren. Vor Ort sind, wenn der IS einmal verjagt ist, nur schon die Spannungen zwischen selbsternannten Repr&#228;sentanten der Gemeinschaften sp&#252;rbar. Die &#220;bergriffe gegen die sunnitischen arabischen Bev&#246;lkerungen w&#252;rden in diesem Chaos schon fast als nebens&#228;chlich gelten, wenn sie nicht Vorzeichen f&#252;r eine d&#252;stere Zukunft w&#228;ren. Es wird folglich nicht an Glut unter der Asche mangeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Irak ist auf dem Weg Richtung Status quo ante, d.h. die politisch-milit&#228;rische Herrschaft der Schiiten und Kurden &#252;ber das Land und die Erniedrigung der sunnitischen Bev&#246;lkerungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Syrien zeichnet sich eine letzte Verhandlungsrunde ab, die wom&#246;glich zu einem kompletten Waffenstillstand, einer Regierung der nationalen Einheit und, in einigen Jahren, nach den Wahlen, zur Pension Assads in Russland f&#252;hren werden. Jeder nimmt also gr&#246;sstm&#246;gliche Happen, um gest&#228;rkt an diesen Tisch zu gelangen, wo das Land in Einflussbereiche unterteilt werden wird. Man versucht besonders, die kontrollierten Gebiete geographisch koh&#228;rent zu machen, damit die milit&#228;rische Situation und die politischen Projekte endlich in &#220;bereinstimmung sind. Z.B. indem eine autonome Region unter t&#252;rkischem Einfluss im Norden des Landes erschaffen wird, daher die Konfrontationen um die Kontrolle von Aleppo, die davon die Hauptstadt sein k&#246;nnte. Die Karte der Gefechte, die bis anhin eher einem Leopardenfell glich, tendiert dazu, sich zu vereinfachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Waffenruhe zwischen dem Regime und den Rebellen, die im Februar 2016 in gewissen Regionen in Kraft getreten ist, wird teilweise respektiert und erlaubt es den loyalistischen Truppen, sich auf den IS und die radikalsten Islamisten wie Al Nusra (der syrische Arm der Al Qaida) zu konzentrieren. Aus einer Position der St&#228;rke heraus hat das Regime einen Prozess der &#8222;Vers&#246;hnung&#8220; neu lanciert, der aus lokalen Abkommen mit kleinen Rebellengebieten besteht, die seit Monaten oder gar Jahren umzingelt und am Ende sind: Waffenstillstand, Niederlegung der Waffen, dann Amnestie f&#252;r die Rebellen. Eine R&#252;ckkehr zur baathistischen Normalit&#228;t, die von der UNO und Russland &#252;berwacht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahrscheinlich Zeit, sich ein letztes Mal f&#252;r das richtige Lager zu entscheiden: Das erkl&#228;rt die Br&#252;che von B&#252;ndnissen, die Wenden und die &#196;nderungen der Etiketten, Namen und Fahnen etlicher bewaffneter Gruppen. Denn in Syrien geben sich die beteiligten Parteien einer chaotischen Jagd auf die Beute des zusammenschrumpfenden Kalifats hin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Unruhe im Kalifat&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie bleiben alle ihrem Ruf treu: Die Russen bombardieren mit ausserordentlicher Brutalit&#228;t (sic!), so dass man glauben k&#246;nnte, sie zielten nur auf Spit&#228;ler und B&#228;ckereien; auf Seiten des Westens hingegen nur Vorsicht, Pr&#228;zision und Feinf&#252;hligkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-106&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die USA f&#252;hren 90% dieser Bombenangriffe aus, Frankreich kaum 5%.&#034; id=&#034;nh2-106&#034;&gt;106&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Seit mehreren Monaten sind die Truppen des IS also unter den Bomben der amerikanischen und russischen Luftwaffen mit einer eher merkw&#252;rdigen Koalition konfrontiert: die AAS (und ihre Verb&#252;ndeten), die YPG-SDF, Al Nusra (und andere islamistische Gruppen), die (sich im Wiederaufbau befindende) irakische Armee, etliche schiitische Milizen und die Spezialeinheiten von zehn bis 15 verschiedenen L&#228;ndern! Die Partie ist milit&#228;risch verloren, doch das Kalifat hat sich dazu entschieden, eine Verl&#228;ngerung zu provozieren. Es hat die kaum bev&#246;lkerten l&#228;ndlichen Gebiete aufgegeben und hat sich dorthin zur&#252;ckgezogen, wo der Widerstand leichter ist (Bergmassive) oder in Gebiete, die von wirklichem strategischem Wert sind, wie gewisse St&#228;dte, deren Eroberung es teuer zu stehen kommen l&#228;sst. Bis heute erlauben ihm seine milit&#228;rischen F&#228;higkeiten, dort Gegenoffensiven zu lancieren, wo man es nicht erwartet, und seine terroristischen Operationen zu intensivieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Irak folgt die R&#252;ckeroberung der sunnitischen St&#228;dte immer dem gleichen Schema: Bombenangriffe, Umzingelung, regelrechte Belagerung (auch wenn dabei die Bev&#246;lkerung verhungert)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-107&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Denn das Aushungern einer Stadt, der Entzug von Wasser, Elektrizit&#228;t und gar (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-107&#034;&gt;107&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Aufhetzung der St&#228;mme gegen den IS, vorsichtiger Angriff mit dem massiven Einsatz von Spezialkr&#228;ften (Armee, Polizei) und schiitischen Milizen und schliesslich eine grosse Polizeioperation. Ramadi wird im Februar 2016 auf diese Art und Weise nach zwei Monaten Strassenk&#228;mpfen erobert, Falludscha innerhalb eines Monats. Das Schema ist nur schwer anwendbar auf Mosul, eine Stadt mit mehr als zwei Millionen Einwohnern, welche die Truppen des IS vor zwei Jahren als Befreier empfangen hat. Es ist wahrscheinlich, dass die Stadtv&#228;ter und Stammesf&#252;hrer, statt ihre Stadt (und ihren Handel) der Zerst&#246;rung auszuliefern, die Soldaten des IS, wie sie es 2014 mit dem schiitischen Milit&#228;r getan haben, auffordern, sich zur&#252;ckzuziehen &#8211; und dass diese sich weigern werden, da sie kaum noch Orte haben, wo sie sich zur&#252;ckziehen k&#246;nnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Staat kann nicht durch Repression allein zusammengehalten werden. Wie wir geschrieben haben, der IS hat es geschafft, die Unterst&#252;tzung eines Teils der Bev&#246;lkerung, der Stammesf&#252;hrer und lokalen Notabeln zu erlangen, indem er ihnen jene Sicherheit und Ordnung zur Verf&#252;gung gestellt, welche f&#252;r einen Neubeginn der wirtschaftlichen Aktivit&#228;t notwendig sind, und die Versorgung verbessert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-108&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Kalifat und Barbarei. Erster Teil: Vom Staat&#8220;, November 2015.&#034; id=&#034;nh2-108&#034;&gt;108&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Bombenangriffe sind also darauf angelegt, seine Wirtschafts- und Verwaltungst&#228;tigkeiten (logistische Infrastrukturen, Kraftwerke usw.) zu zerst&#246;ren, was ihm fortschreitend einen Teil der Unterst&#252;tzung des Volkes kostet und dazu beitr&#228;gt, seinen Niedergang zu beschleunigen. Von diesem Standpunkt aus befindet sich die Staatsstruktur des IS heute wohl in kompletter Aufl&#246;sung. &#8222;Der Islamische &#8218;Staat&#8216; hat sowohl in Syrien als auch im Irak Gebiete verloren und kontrolliert somit weniger Bev&#246;lkerungen. Die erhobene &#8218;Steuer&#8216; bringt weniger ein, weil es weniger &#8218;Steuerzahler&#8216; gibt. Was die kolossalen in den Finanzinstituten w&#228;hrend den verschiedenen Eroberungen besonders im Irak beschlagnahmten Summen betrifft, so verh&#228;lt es sich wie mit einem Erbe, es wird nach und nach aufgezehrt. Man muss anmerken, dass die Verwaltung eines &#8218;Staates&#8216; ziemlich teuer ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-109&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alain Rodier, &#8222;L&#8216;&#233;preuve de v&#233;rit&#233;?&#8220; in Atlantico, 28. Januar 2016.&#034; id=&#034;nh2-109&#034;&gt;109&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die L&#246;hne der Funktion&#228;re und die Zusch&#252;sse sind reduziert, die Abgaben erh&#246;ht worden. Die Zeiten einer auf Krieg und Pl&#252;nderung basierenden &#8222;Wirtschaft&#8220; sind zur&#252;ckgekommen. Abgeschnitten vom Rest der Welt muss der IS intern vor K&#228;mpfen, Bombenangriffen und Lebensmittelknappheit Fl&#252;chtende verwalten, wobei zuerst die K&#228;mpfer versorgt werden m&#252;ssen. Die Einf&#252;hrung der Wehrpflicht in einigen Sektoren tr&#228;gt ebenfalls zur Abkehr der Bev&#246;lkerung bei, gleichzeitig werden vermehrt Deserteure (auch ausl&#228;ndische Freiwillige) hingerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kalifat ist im Kontext des Zusammenbruchs von zwei Staaten geboren und gediehen, doch heute ist es selbst als staatliche Einheit auf der einen wie auf der anderen Seite der syrisch-irakischen Grenze dabei, zu verschwinden. Sein Hauptanziehungspunkt, die Macht, ist verschwunden, nur die Legende wird bleiben: Jene, welche es sich abgem&#252;ht hat, durch seine Propaganda und seinen eschatologischen Diskurs aufzubauen (und welche durch den Aufbau einer weltweiten Koalition gegen es best&#228;tigt worden ist). Auch der Groll jener, welche daran geglaubt oder von diesem Regime profitiert hatten, besonders die irakischen Sunniten, wird ebenfalls bleiben, ein Groll, welcher der IS weiterhin benutzen wird, sogar falls er auf ein lokales und internationales Guerillanetzwerk reduziert ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-110&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Damit n&#228;hert er sich in der Form Al Qaida an, welche hingegen seit 2014 zur (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-110&#034;&gt;110&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da wir versucht haben, die Funktionsweise des Kalifats zu verstehen, die Art und Weise, wie dort acht bis zehn Millionen Menschen ihren Alltag verbringen, haben wir bis jetzt nicht &#252;ber die &#8222;&#228;usseren&#8220; &lt;i&gt;wilayas&lt;/i&gt; (Provinzen) von Libyen, Jemen, &#196;gypten und Afghanistan gesprochen. Milit&#228;rische Einheiten, welche dem IS die Treue geschworen haben, kontrollieren mehr oder weniger einige Regionen oder Orte wie eine traditionelle Guerilla, sie sind jedoch nicht f&#228;hig, dort eine stabile Verwaltung aufzubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Libyen ist eine erw&#228;hnenswerte Ausnahme, dort hat der IS versucht, sein Gesellschaftsmodell umzusetzen. Im Oktober 2014, nach drei Jahren B&#252;rgerkrieg, schw&#246;rt eine in der Region von Sirte, die ehemalige Hochburg des Stammes von Gaddafi, aktive Gruppe dem Kalifen al-Baghdadi die Treue. Sie profitiert von der Marginalisierung, welche die Stadt nach der &#8222;Revolution&#8220; erdulden muss, kn&#252;pft B&#252;ndnisse mit diversen lokalen St&#228;mmen und bewaffneten Milizen und breitet ihre Kontrolle kontinuierlich &#252;ber einen 200 km langen K&#252;stenstreifen und f&#252;r kurze Zeit auf die Stadt Derna in der Region Kyrenaika aus. Ein islamisches Gericht und eine Sittenpolizei werden dort eingesetzt und strikte Regeln wie in Raqqa dekretiert. Die Flucht eines grossen Teils der 120&#8216;000 Einwohner hat jedoch das Alltagsleben komplett durcheinandergebracht. Da die Reise nach Syrien immer schwieriger wird, ziehen hingegen Tausende ausl&#228;ndischer K&#228;mpfer in die Stadt, davon viele Tunesier. Der antirassistische Diskurs des IS hat allerdings Schwierigkeiten, sich durchzusetzen, denn die Anwesenheit subsaharischer Jihadisten (Somalier, Senegalesen, Sudanesen usw.), die sehr zahlreich sind, wird von der lokalen Bev&#246;lkerung nicht wirklich akzeptiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die westlichen L&#228;nder m&#246;chten nicht, dass sich die staatliche Erfahrung des Kalifats in Nordafrika wiederholt und in Tunesien oder Algerien ausbreitet, eine erneute internationale Milit&#228;rintervention war in Betracht gezogen worden. Sie h&#228;tte nebenbei die L&#246;sung jener Probleme erlaubt, welche schon vor der Ansiedlung des IS existierten, wie jenes der Regulierung des Migrationsflusses (Verhandlungen mit Gaddafi zu diesem Thema waren seit 2008 in Gange) oder jenes der &#214;lgewinnung (oder sie h&#228;tte zumindest den Versuch erlaubt, sie zu l&#246;sen). Doch die gefundene, weniger teure und einfachere L&#246;sung, da sie keine wirkliche Langzeitstrategie voraussetzte, war die Unterst&#252;tzung der mit dem IS verfeindeten lokalen islamistischen Milizen mit Spezialkr&#228;ften und Bombenangriffen. Zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, und nach zwei Monaten K&#228;mpfen k&#228;mpfen die letzten Verteidiger von Sirte immer noch, wenn auch ohne Hoffnung, in einigen Quartieren des Stadtzentrums. Andere werden wahrscheinlich weiter s&#252;dlich in der W&#252;ste weiterhin im Namen des Kalifats k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. &#8222;Rojava&#8220;?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Syrien enthielt vor dem Krieg mehrere nicht zusammenh&#228;ngende kurdische Siedlungsgebiete entlang der t&#252;rkischen Grenze: Jazira, Koban&#234; und Afrin, drei &#8222;Kantone&#8220; eines Territoriums, das von einigen &#8222;Rojava&#8220;, &#8222;der Westen&#8220; auf kurdisch, also &#8222;westliches Kurdistan&#8220; genannt wird. Die kurdische Bev&#246;lkerung wurde damals auf zwischen eineinhalb und drei Millionen gesch&#228;tzt, doch viele davon oder vielleicht gar die meisten lebten in Aleppo und Damaskus. Eine von den Assads diskriminierte Bev&#246;lkerung, die jedoch durch das B&#252;ndnis zwischen dem syrischen Regime und der PKK (von 1979 bis 1998 zur Destabilisierung der T&#252;rkei) ruhig gehalten wurde. Man muss bis 2003 warten, bis die PKK einen anfangs unbedeutenden syrischen Fl&#252;gel, die PYD, gr&#252;ndet. Das Gebiet erlebt 2004 einen bedeutenden Volksaufstand gegen die Diskriminierungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Jahr 2011 sind dort die dem Regime feindlich gesinnten Demonstrationen massiv und die kommunitaristischen Betrachtungen im Gegensatz zu 2004 nebens&#228;chlich. Das Regime spielt die Karte der Kommunitarisierung, gew&#228;hrt 150&#8216;000 Kurden die syrische Nationalit&#228;t, welche sie seit 1962 nicht mehr hatten, und befreit gefangene Mitglieder der PYD. Zu diesem Zeitpunkt hat die Partei ihren Auftritt im Norden Syriens, erw&#228;hnenswert hierzu ist auch die R&#252;ckkehr von Salih Muslim Muhammad aus dem Exil nach der Begnadigung durch Damaskus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-111&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Christophe Ayad, &#8222;Les Kurdes syriens profitent de la guerre pour faire (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-111&#034;&gt;111&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Juli zieht das Regime Soldaten und Polizisten aus den drei Kantonen zur&#252;ck und mobilisiert sie im Rest des Landes, wo sie sich an der Repression beteiligen. Die kurdische Partei &#252;bernimmt also ohne Gewalt die aufgegebenen Orte und Geb&#228;ude. In diesen Gebieten endet der Protest gegen Assad und f&#252;r Demokratie sogleich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-112&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In ihren Gebieten sowie im kurdischen Quartier von Aleppo habe die PYD (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-112&#034;&gt;112&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die PYD beginnt mit der Anwendung ihres Programms, dem &#8222;demokratischen Konf&#246;deralismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-113&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sogar die &#252;berzeugtesten Anh&#228;nger der PYD m&#252;ssen eingestehen, dass es sich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-113&#034;&gt;113&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drei Jahre sp&#228;ter, dank der medienwirksamen Schlacht von Koban&#234;, entdeckt ein Teil der &#228;usseren Linken und der Anarchisten in Frankreich Rojava. Gem&#228;ss einer bereits bekannten Aktivistenlogik (Algerien, Nicaragua oder Chiapas) detektieren sie dort eine wirkliche oder potentielle Revolution und st&#252;rzen sich in eine fanatische Unterst&#252;tzung. Dieser Prozess ist allerdings nur die postmoderne Version einer banalen nationalen Befreiungsbewegung mit ihren unvermeidlichen Makel, doch er hat den Aufbau einer westlichen Demokratie zum Ziel, die von B&#252;rgerbeteiligung begleitet wird. Die PYD sieht ihn realistisch und sucht eher nach sozialdemokratischer Unterst&#252;tzung (PS, PC und EELV im Falle Frankreichs). Eine ihrer Besonderheiten ist es, die im Westen popul&#228;re feministische Karte zu spielen, indem f&#252;r Journalisten systematisch K&#228;mpferinnen in den Vordergrund ger&#252;ckt werden (die &#8211; ein aufmerksames Auge wird das erkennen &#8211; in Wirklichkeit sehr selten in den ersten Reihen sind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden hier weder auf den wenig libert&#228;ren Charakter dieser Partei und des Regimes von Rojava, noch auf den angeblich revolution&#228;ren Prozess zur&#252;ckkommen, die Kritiken sind zahlreich gewesen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-114&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dazu lese man u.a. &#8222;'I have seen the future and it works.' &#8211; Critical (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-114&#034;&gt;114&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Mode Rojava ist etwas vorbei, sie hat jedoch Sch&#228;den in der Aktivistenszene angerichtet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-115&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;A Letter to &#8216;Rojavist' Friends&#8220;, TKGV, Mai 2016.&#034; id=&#034;nh2-115&#034;&gt;115&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist z.B. heute schwierig den amerikanischen Imperialismus zu verurteilen, w&#228;hrend man gestern NATO-Unterst&#252;tzung f&#252;r die YPG forderte&#8230; Heutzutage sind die aus Rojava kommenden Informationen, abgesehen vom Projekt einer biologischen Kompostfabrik, alle milit&#228;rischer oder polizeilicher Natur und wenn einige Dutzend europ&#228;ische Maoisten immer noch in den Reihen der YPG k&#228;mpfen, so tun sie das Seite an Seite mit Hunderten von amerikanischen Soldaten der Spezialeinheiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die PYD hat geschickt vom syrischen Konflikt profitiert, um ihre eigenen Ziele zu verwirklichen: die Wiedervereinigung der drei bis anhin durch arabische oder turkmenische Gebiete (erstere manchmal bewusst &#8222;arabisiert&#8220; in den 1970er Jahren) getrennten Kantone. Das hat der Partei erlaubt, zu einem unumg&#228;nglichen Partner der am Konflikt beteiligten M&#228;chte zu werden, denn ihr Projekt harmonisiert mit ihrem Ziel, das Kalifat aus der Welt zu schaffen. Nach der Unterst&#252;tzung Washingtons erhielt sie jene Moskaus, wo sie &#252;brigens ihre ersten &#8222;diplomatischen&#8220; B&#252;ros er&#246;ffnet hat (danach in Prag, Berlin, Paris usw.). Die YPG, die je nach Sch&#228;tzungen zwischen 5&#8216;000 und 50&#8216;000 K&#228;mpfer (!) in ihren Reihen haben, sind zu den ber&#252;hmten &#8222;Bodentruppen&#8220; geworden, die kein Land mobilisieren wollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit die PYD von der Beteiligung an der Eroberung der Hauptstadt des IS &#252;berzeugt werden konnte, mussten die USA versprechen, die Wiedervereinigung der drei Kantone (milit&#228;risch und diplomatisch) zu unterst&#252;tzen. Ein Abkommen wurde im Oktober 2015 mit der Gr&#252;ndung einer neuen arabisch-kurdischen milit&#228;rischen Koalition geschlossen, die Syrischen demokratischen Kr&#228;fte (SDF), innerhalb welcher die YPG 75 bis 80% der K&#228;mpfer ausmachen. Es geziemt sich tats&#228;chlich eher, eine solche Koalition zu unterst&#252;tzen, denn die Schwesterpartei der PKK, die von der &#8222;internationalen Gemeinschaft&#8220; als &#8222;terroristisch&#8220; klassifiziert wird. Die Beteiligung der arabischen und syriakischen Aushilfskr&#228;fte ist &#252;brigens eine Notwendigkeit, um die nicht-kurdischen Gebiete und v.a. Raqqa zu erobern, deren 300&#8216;000 Einwohner einem Eindringen kurdischer Truppen nicht notwendigerweise wohlgesinnt w&#228;ren. Anfang 2016 wird die Operation dringend, denn im S&#252;den n&#228;hert sich die AAS der Stadt. Die USA haben also 500 Mann mobilisiert, die zusammen mit den YPG-SDF an den K&#228;mpfen teilnehmen. In Anbetracht des wirtschaftlichen und symbolischen Gewichts der Stadt ist es nicht unerheblich, ob sie Pro-Russen oder Pro-Amerikanern in die H&#228;nde f&#228;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter im Westen beteiligen sich die YPG im Februar 2016 an der von der AAS und der Hizbollah lancierten Initiative im Norden von Aleppo gegen mehrere &#8222;Rebellengruppen&#8220;, z.B. Al Nusra, zur Unterbrechung des strategischen Korridors von Azaz. Die Operation geniesst die Unterst&#252;tzung der russischen Luftwaffe und die Zustimmung der USA&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-116&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einige Tage vor der Offensive, am 31. Januar 2016, besuchte der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-116&#034;&gt;116&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Weiter s&#252;dlich, wo der Vorwand der Wiedervereinigung der Kantone nicht geltend gemacht werden kann, helfen die YPG mehrmals den Truppen Assads, um die Umzingelung von Quartieren der &#8222;Rebellen&#8220; in Aleppo zu vollenden, wo noch 200&#8216;000 Einwohner leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zusammenarbeit zwischen den YPG und der AAS ist nicht &#252;berraschend, denn die ambivalente Beziehung zwischen der Verwaltung von Damaskus und jener von Rojava geht, wie wir gesehen haben, auf 2011 zur&#252;ck. Einige Mitglieder der exilierten syrischen Opposition, wozu auch kurdische Organisationen geh&#246;ren, betrachten die PYD schlicht und einfach als Teil des Regimes von Assad. Was das Verh&#228;ltnis zwischen den YPG und der AAS seit dem Beginn des Krieges charakterisiert, ist vor allen Dingen eine friedliche Koexistenz, die f&#252;r ihre jeweiligen Pl&#228;ne von Nutzen ist. Doch genau wie das B&#252;ndnis zwischen Hafiz al-Assad und der PKK bleibt jenes zwischen Bashar al-Assad und der PYD ein Zweckb&#252;ndnis und k&#246;nnte von einem Moment auf den anderen enden (umso mehr, weil ein Teil jener sunnitischen Rebellengruppen, welche sich den SDF angeschlossen haben, gegen Assad sind). Man sieht es gut in al-Hasaka und Qamischli, zwei loyalistische Enklaven im Herzen von Rojava, wo sich Checkpoints und K&#228;mpfer beider Lager gegen&#252;berstehen und wo es seit 2011 zu mehreren Scharm&#252;tzeln gekommen ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-117&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J&#252;ngst im M&#228;rz 2016: Zusammenst&#246;sse zwischen kurdischen Polizisten und Assad (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-117&#034;&gt;117&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die YPG h&#228;tten die Mittel, sie zu erobern, doch die Pr&#228;senz des Regimes ist ihnen n&#252;tzlich, der Flughafen von Qamischli garantiert z.B. eine regelm&#228;ssige Flugverbindung zwischen Rojava und dem Rest Syriens, was den (kurdischen und arabischen) Mittelklassen der Region erlaubt, nach Damaskus und dann ins loyalistische Gebiet f&#252;r Gesch&#228;fte, Studien, medizinische Behandlung oder anderes zu reisen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-118&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michel Korinman (Hg.), Daech. Menace sur les civilisations, L'Esprit du (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-118&#034;&gt;118&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Eroberung dieser beiden St&#228;dte durch die YPG wird also nur ganz am Ende des Konflikts stattfinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man weiss heute nicht wirklich, ob man immer noch von &#8222;Rojava&#8220; sprechen soll, denn auf die Verwaltung der drei Kantone durch die PYD folgte im M&#228;rz eine einfache &#8222;Nordregion Syriens&#8220;, die autonom ist und deren Grenzen unklar und flexibel sind. Es geht darum, die arabischen oder christlichen Bev&#246;lkerungen zu beruhigen, f&#252;r welche die Hegemonie der PYD langsam irritierend wird (einigen arabischen Orten wie Tall Abyad ist der Anschluss an die Verwaltung des Kantons Koban&#234; ein Dorn im Auge)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-119&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wladimir van Wilgenburg, &#8222;Les Kurdes syriens cherchent &#224; prendre Raqqa en (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-119&#034;&gt;119&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was sich abzeichnet, ist die Erschaffung einer (de facto) autonomen Region im Norden Syriens entlang der t&#252;rkischen Grenze, die politisch von der PYD beherrscht wird und unter dem milit&#228;rischen Schutz der USA steht. Letztere haben wahrscheinlich ihrem t&#252;rkischen Verb&#252;ndeten versprochen, dass diese Region nicht den Namen &#8222;Kurdistan&#8220; tragen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Der Zusammenbruch der Klassen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Proletarier in all dem? Wir sprechen eigentlich von Anfang an von ihnen, aber in Form von Kanonenfutter. Es ist wahr, dass, wenn man nicht schon f&#252;r ein Lager zwangsrekrutiert worden ist, es eine Chance zum wirtschaftlichen &#220;berleben sein kann, den Kriegsberuf zu w&#228;hlen. &#8222;Da alle Berufe verschwunden sind, blieb den jungen M&#228;nnern nur noch die Wahl &#252;brig, sich als K&#228;mpfer zu engagieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-120&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Catherine Gou&#235;set, &#8222;Syrie: cinq ans de guerre dans les faubourgs de Damas&#8220; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-120&#034;&gt;120&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Und &#8222;schlicht und einfach&#8220; eine &#220;berlebenschance in einem Krieg, wo die Zivilisten einen h&#246;heren Blutzoll bezahlen als die Soldaten. &#8222;Es ist wahr. Das Problem im Krieg ist der Zivilist. Wenn man am leben bleiben will, greift man besser zu den Waffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-121&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;G&#233;rard Chaliand.&#034; id=&#034;nh2-121&#034;&gt;121&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine Wirtschaft in Fetzen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss sich zuerst dar&#252;ber bewusst sein, dass die Wirtschaft des Landes zugrunde gerichtet ist, genau wie die St&#228;dte und die industriellen und landwirtschaftlichen Gebiete. Der Krieg habe dem syrischen Staat zwischen M&#228;rz 2011 und Ende 2015 ann&#228;hernd 250 Milliarden Dollar gekostet (Verlust wirtschaftlicher Produktion, Zerst&#246;rung oder Besch&#228;digung von Kapital, im Budget nicht vorgesehene milit&#228;rische Kosten)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-122&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jihad Yazigi, &#8222;La guerre continue &#224; d&#233;truire, mais aussi &#224; cr&#233;er de (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-122&#034;&gt;122&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sein BIP hat sich zwischen 2010 und 2015 um 55% reduziert. Die Zoll- und Steuereinnahmen haben sich verringert, jene des &#214;lsektors um 95%. Das landwirtschaftliche Bruttoinlandprodukt hat sich um 60% verringert und die urbaren Fl&#228;chen von 6 Millionen Hektaren auf 3.6, was zu einer betr&#228;chtlichen Erh&#246;hung der Preise der zwar subventionierten landwirtschaftlichen Produkte gef&#252;hrt hat. In Tat und Wahrheit gibt es keinen nationalen Markt mehr, nur noch mehrere wirtschaftliche Regionen mit beschr&#228;nkter Handelst&#228;tigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor dem Krieg war die EU der prinzipielle Handelspartner des Landes, doch die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Syrien haben das ge&#228;ndert. Zwischen 2012 und 2013 sind die Importe von Syrien in die EU um 53% gesunken und die europ&#228;ischen Exporte nach Syrien um 36%. Alles in allem sind die Exporte und die Importe um respektive 89 und 60% zwischen 2011 und 2014 gesunken. China ist zu Syriens Hauptwarenlieferanten geworden, gefolgt von der T&#252;rkei und der Russischen F&#246;deration.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Anteil des Lohnes im Einkommen der Syrer sinkt aufgrund der Schliessung von zahlreichen Unternehmen: Seit 2011 haben einige Bosse ihre Fabriken in sichere Gebiete (entlang der K&#252;ste) delokalisiert, andere haben sich im Ausland (&#196;gypten, T&#252;rkei, Libanon) niedergelassen. In gewissen von den Rebellen gehaltenen Gebieten sind vollst&#228;ndige Fabriken demontiert, auf dem Schwarzmarkt verkauft und in der T&#252;rkei neu aufgebaut worden. &#8222;Von den 40&#8216;000 funktionierenden Fabriken und Werkst&#228;tten in der Provinz Aleppo, d.h. sowohl die Stadt als ihr Umland, sind nur noch 4&#8216;000 (10%) aktiv. Ungef&#228;hr 28&#8216;000 sind teilweise oder vollst&#228;ndig zerst&#246;rt worden, w&#228;hrend ungef&#228;hr 8&#8216;000 andere in die T&#252;rkei oder an die syrische K&#252;ste delokalisiert haben, oder schlichtweg geschlossen worden sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-123&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jihad Yazigi, &#8222;Que reste-t-il du tissu industriel syrien?&#8220; in Le Commerce du (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-123&#034;&gt;123&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die gr&#246;ssten industriellen Komplexe wie Raffinerien, Kraftwerke oder Zementfabriken intakt scheinen, hat die Wirtschaft zwischen 2.1 und 2.7 Millionen Arbeitspl&#228;tze verloren. Die Geh&#228;lter f&#252;r die Funktion&#228;re sind heute (auch in den von den Rebellen kontrollierten Gebieten) in Syrien die Haupteinkommensquelle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeitslosigkeit betrug 2015 55%, die Jugendarbeitslosigkeit 78% (im Vergleich zu respektive 12 und 30% 2011). Heute leben 83.4% der Syrer unter der Armutsgrenze (im Vergleich zu 28% 2010). In diesem zugrunde gerichteten Land wird das Elend nur durch Gelegenheitsjobs, Status&#228;nderung hin zur Selbstst&#228;ndigkeit, Improvisationskunst, Darlehen, Verkauf diverser Objekte usw. abgeschw&#228;cht. Viele verdanken ihr &#220;berleben der humanit&#228;ren Hilfe, wie z.B. in den regimetreuen und ehemals &#8222;b&#252;rgerlichen&#8220; Vierteln Aleppos, wo ungef&#228;hr eine Million Einwohner lebten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-124&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Laure Stephan, &#8222;Dans les quartiers ouest, une vie en sursis&#8220; in Le Monde, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-124&#034;&gt;124&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Stadt sind heutzutage 52% aller Wohnungen unbewohnbar (haupts&#228;chlich in den informellen Vierteln). Eine grosse Mehrheit der Vertriebenen innerhalb ihres eigenen Landes oder gar ihrer eigenen Stadt m&#252;ssen in Wohngemeinschaften oder bei Angeh&#246;rigen leben, unvollendete oder besch&#228;digte Geb&#228;ude oder leere Wohnungen besetzen. In Latakia, einer als sicher geltenden Stadt, sind 82% der Fl&#252;chtlinge Mieter, h&#228;ufig in Wohngemeinschaften aufgrund des Anstiegs der Mieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In den &#8222;befreiten&#8220; Gebieten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug auf die gescheiterte &#8222;Revolution&#8220; im Fr&#252;hling 2011 werden die Gegner Assads immer noch h&#228;ufig &#8222;Revolution&#228;re&#8220; genannt. Einige benutzten das gleiche Adjektiv, um die Prozesse der Selbstorganisation in den &#8222;befreiten&#8220; oder &#8222;halbbefreiten&#8220;, d.h. nicht von der AAS, dem IS oder den YPG kontrollierten Gebieten zu beschreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jenen Regionen, wo sich die regimetreuen Truppen zur&#252;ckgezogen haben, wird das allt&#228;gliche &#220;berleben ab Sommer 2012 von der Bev&#246;lkerung selbst organisiert. Die zahlreichen politischen Parteien der syrischen Opposition im Ausland genau wie die Gewerkschaften waren im Land inexistent und konnten der Bewegung keinen Rahmen geben. Eine Vielzahl von Vereinen, &#8222;Volks-&#8220;, &#8222;Lokal-&#8220; oder &#8222;Quartierkomitees&#8220;, lokalen (Komitees vereinigenden) oder (gew&#228;hlten) Gemeinder&#228;ten wurde gegr&#252;ndet, sie werden das Funktionieren der vitalen &#246;ffentlichen Dienste garantieren und den Nachschub verwalten. Es ist, was die &#8222;zivilen Institutionen&#8220; genannt werden wird, eine Selbstorganisation, die sich mit der Zeit in eine Selbstadministration verwandeln wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-125&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;&#8216;Cessez-le-feu&#8216; en Syrie&#8220; in CQFD, Nr. 142, April 2016.&#034; id=&#034;nh2-125&#034;&gt;125&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Tatsache, dass die Komitees auf eine nicht hierarchische Art und Weise funktionieren, die auf der gegenseitigen Hilfe gr&#252;ndet, erkl&#228;rt, dass einige darin einen libert&#228;ren Einfluss gesehen haben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-126&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Besonders jener des syrischen Anarchisten Omar Aziz. Siehe Leila Shrooms, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-126&#034;&gt;126&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aber gl&#252;cklicherweise sind die Anarchisten nicht die einzigen, die sich organisieren, wenn es ums &#220;berleben geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend sie auf die R&#252;ckkehr einer Autorit&#228;t warten, versuchen die rebellischen Verwalter in Wirklichkeit jene Aufgaben zu erledigen, welche der von diesen Gebieten abwesende Staat nicht erledigen kann. Da die ehemaligen Funktion&#228;re die kompetentesten Leute sind, um die &#246;ffentlichen Dienste wieder zum Laufen zu bringen, werden sie selbstverst&#228;ndlich eingebunden, Polizisten manchmal eingeschlossen. Das ist umso praktischer, als dass Damaskus h&#228;ufig weiterhin ihre L&#246;hne bezahlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zuerst muss die Ordnung wieder hergestellt und der Polizeidienst neu aufgebaut werden, manchmal indem man die erfahrenen, ehemals aktiven Beamten erneut rekrutiert. Die Gerichte m&#252;ssen neu organisiert und die Justiz neu aufgebaut werden. Das Zivilstandsregister muss aktuell gehalten werden, um den Bewohnern die notwendigen Dokumente zu liefern. Den Banken muss es erm&#246;glicht werden, in Sicherheit zu funktionieren. Die M&#228;rkte m&#252;ssen trotz der Wirtschaftsblockade und den Treibstoffmangeln beliefert werden. Die B&#228;ckereien m&#252;ssen funktionieren. Klandestine Kliniken m&#252;ssen organisiert werden, damit sie nicht von den Flugkr&#228;ften des Regimes zerst&#246;rt werden. Notleidenden Familien und Angeh&#246;rigen von Gefangenen muss geholfen werden. Fl&#252;chtlingen, welche aufgrund der Zerst&#246;rung ihrer H&#228;user auf der Strasse gelandet sind, muss Schutz und Ern&#228;hrung gew&#228;hrleistet werden. Abfall muss entsorgt, Verkehrswege aufrechterhalten, unabdingbare Geb&#228;ude repariert werden. Die Schulen m&#252;ssen wieder ge&#246;ffnet werden. Usw.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-127&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ignace Leverrier, &#8222;La mise en place en Syrie des organisations de la soci&#233;t&#233; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-127&#034;&gt;127&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ersten neu aufgebauten Institutionen sind also h&#228;ufig die Polizei und die Justiz&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-128&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Baczko, Gilles Dorronsoro, Arthur Quesnay, op. cit., S. 35. Man kann (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-128&#034;&gt;128&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Aufbau einer Polizeikraft muss es erlauben, in einer Zeit, wo Bewaffnete allgegenw&#228;rtig sind, &#8222;die Sicherheit&#8220; zu garantieren. Ob Wahrheit oder Phantasie, es ist bedeutend, dass das Ger&#252;cht verbreitet ist, Assad habe Tausende Strafgefangene zu Beginn des Aufstands freigelassen. Eine effiziente Polizei erlaubt es auch, l&#228;stige bewaffnete Gruppen aus der Stadt fernzuhalten, welche diese Rolle spielen wollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-129&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Fr&#252;hling 2013 kamen die Polizisten von Aleppo dank der finanziellen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-129&#034;&gt;129&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinsichtlich der Gerichte geht es f&#252;r die Aufst&#228;ndischen auch um politische Gr&#252;nde, schliesslich bek&#228;mpfen sie eine Diktatur und m&#252;ssen deshalb f&#252;r eine gerechte Justiz einstehen. Aber wie, vor allem wenn die Richter geflohen sind, und auf welches Recht soll man sich beziehen? Es sind die Scheiche, Anw&#228;lte und Rechtsstudenten die anfangs eingebunden werden. Obwohl manchmal weiterhin das syrische Zivilgesetz angewendet wird, w&#228;hrend andere f&#252;r das Gesetzbuch der Arabischen Union optieren (ein Zivil- und Strafgesetzbuch basierend auf der Scharia und 1996 von der Arabischen Liga erschaffen), wird in der Bev&#246;lkerung h&#228;ufig die Scharia als legitim betrachtet, allen voran in l&#228;ndlichen Regionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-130&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 36.&#034; id=&#034;nh2-130&#034;&gt;130&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufrechterhaltung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung (Privateigentum, Geld, Lohnarbeit usw.) und die Rolle der Mittelklassen machen diese Art von Strukturen unabdingbar, daher, in Anbetracht des Chaos, die notwendige Suche nach einer Autorit&#228;t, d.h. eines Gewaltmonopols.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Befreit&#8220; bedeutet nicht notwendigerweise &#8222;demokratisch&#8220;, umso mehr, als dass sich die Organisation von Wahlen schwierig gestaltet. Die Kontrolle dieser Institutionen ist ein Kampf um die Macht. Bestimmt, benannt oder gew&#228;hlt findet man in den Machtpositionen etlicher R&#228;te viele Pers&#246;nlichkeiten der Bewegung von 2011 (der Mittelklassen), aber auch &#246;ffentliche Notabeln, Repr&#228;sentanten der Stammesstrukturen oder lokale milit&#228;rische Gruppen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab Herbst 2012 lanciert die Opposition im Exil einen Integrations- und Zentralisierungsprozess der zivilen Institutionen und organisiert in der T&#252;rkei Treffen der &#8222;Unterh&#228;ndler&#8220;. Etliche Komitees entscheiden sich daf&#252;r, sich ihm anzuschliessen, um vom Netz der Umverteilung der internationalen humanit&#228;ren und finanziellen Hilfe zu profitieren, was sie absolut ben&#246;tigen, da die lokalen Ressourcen durch die Unm&#246;glichkeit der Abgaben- und Steuererhebung trockengelegt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfer bleiben jedoch stets die Priorit&#228;t der Geldgeber und somit m&#252;ssen diese Institutionen mit diversen bewaffneten Gruppen zusammenleben. Das Gewaltmonopol ist in Tat und Wahrheit die Grundvoraussetzung f&#252;r alle anderen Monopole.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Militarisierung der Revolte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Fr&#252;hling 2011 st&#252;tzt sich Assad schnell zwecks einer heftigen Repression auf die Armee, welche ihm als Korporation treu bleibt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-131&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Gegensatz zur tunesischen und &#228;gyptischen Armee, die beide den westlichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-131&#034;&gt;131&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Bescheidene bewaffnete Selbstverteidigungsgruppen werden dann gegr&#252;ndet, um die Demonstrationsz&#252;ge zu begleiten. Doch mit dem Zustrom von Deserteuren und der Aufgabe gewisser Territorien durch das Regime (insbesondere der &#228;rmsten l&#228;ndlichen Gebiete aufgrund Truppenmangels) bilden sich bewaffnete autonome Gruppen w&#228;hrend des Sommers von lokalen Initiativen ausgehend. Gegen Ende Jahr wird &#252;berall gek&#228;mpft, denn diese Gruppen, die sich als Vorwegnahme einer neuen nationalen Armee sehen, spriessen im ganzen Land. Erst sp&#228;ter, ab 2012, versucht die Opposition im Exil, eine wahrhafte Armee zu koordinieren, die Freie syrische Armee (FSA), der Versuch scheitert jedoch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit diesem &#220;bergang zum bewaffneten Kampf, der sich schnell als Militarisierung ausdr&#252;ckt, sind nicht alle einverstanden. Wird die Gewalt nicht die Bewegung diskreditieren? In mehreren St&#228;dten, Homs zum Beispiel, widerspiegelt diese Debatte teilweise den Antagonismus zwischen den armen und l&#228;ndlichen (eher auf die &#8222;Praxis&#8220; fixierten) Vierteln und den st&#228;dtischen Eliten, die aus Studenten und Angeh&#246;rigen der liberalen Berufe bestehen und hinter den friedlichen Demonstrationen stehen. Die Militarisierung wird von vielen von ihnen als Enteignung der Revolution erlebt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-132&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 127, 286-287.&#034; id=&#034;nh2-132&#034;&gt;132&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (trotz Ausnahmen, wie die Universit&#228;t von Aleppo, die ihre eigene bewaffnete Gruppe gr&#252;ndet).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend die meisten K&#228;mpfer volksnahen und l&#228;ndlichen Milieus entstammen, ist die Zusammensetzung der F&#252;hrungsspitze komplexer, denn im Krieg werden die Karten teilweise neu gemischt. Die Kompetenzen, die Tapferkeit, die F&#228;higkeiten der Waffenbeschaffung z&#228;hlen und garantieren den fahnenfl&#252;chtigen Offizieren eine privilegierte Stellung. Obwohl eine prominente Stellung vor dem Krieg nicht f&#252;r eine milit&#228;rische F&#252;hrungsstellung reicht, ist sie nichtsdestominder ein Trumpf, genau wie die (richtige) Stammeszugeh&#246;rigkeit. Ein anderes Kriterium ist die urspr&#252;ngliche finanzielle Einlage, welche die F&#252;hrungspositionen von Handwerkern, Scheichen und H&#228;ndlern erkl&#228;rt, denn die Erbeutung von Waffen der AAS ist weder einfach, noch gen&#252;gend und der Aufbau und der Unterhalt einer Einheit, so klein sie auch sein m&#246;ge, erfordert bedeutende Ressourcen. Eine Patrone 7,62 (f&#252;r eine AK-47) wurde zu Beginn des Konflikts f&#252;r bis zu zwei Dollar verkauft. Daher die &#252;berraschenden Anekdoten, wie z.B. jene des H&#228;ndlers der die Gesamtheit seiner G&#252;ter verkauft hat, um eine Einheit von 30 M&#228;nnern w&#228;hrend drei Monaten auszustatten und zu bezahlen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-133&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 132.&#034; id=&#034;nh2-133&#034;&gt;133&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein Zeitraum, w&#228;hrend welchem Sponsoren gefunden werden m&#252;ssen, indem die Videos ihrer Heldentaten auf YouTube ver&#246;ffentlicht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und eben genau weil sich die Opposition im Exil unf&#228;hig gezeigt hat, diese Gruppen zu finanzieren, im Besonderen die Solde zu bezahlen, ist keine Koordination m&#246;glich gewesen und die K&#228;mpfer mussten selbst das notwendige Geld finden, vor Ort oder im Ausland. Daher ist es schnell zu Konkurrenz und Rivalit&#228;ten gekommen, schon vor den Konfrontationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und wenn eine Gruppe an Bedeutung gewinnt, geschieht mit ihrem Budget das selbe. Pr&#228;dation, Kontrolle und Abgabenerhebung &#252;ber die Warenfl&#252;sse usw. sind das Resultat einer &#8222;Akkumulationslogik der Milit&#228;rmacht&#8220;, einem Streben nach einem Monopol, denn solange eine Gruppe es nicht hat, regiert das Chaos in der Region und die Wirtschaft leidet darunter. In den &#246;lreichen Gegenden erlauben es die Einkommen den lokalen Unternehmern, gen&#252;gend K&#228;mpfer zu unterhalten, um die meisten Eindringlinge abzuwehren und ihre Einrichtungen zu besch&#252;tzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-134&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 308.&#034; id=&#034;nh2-134&#034;&gt;134&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man versteht, dass jene Gruppen einen Vorteil erlangen werden, welche Ressourcen und &#228;ussere Unterst&#252;tzung zur Verf&#252;gung haben, denn eine derartige Militarisierung w&#228;re ohne ausl&#228;ndische Unterst&#252;tzung unm&#246;glich gewesen, insbesondere jene der Golfmonarchien und, wenn auch in kleinerem Ausmass, jene der westlichen L&#228;nder (Frankreich hat, trotz des von der EU verordneten Embargos, ab 2012 gewissen Gruppen Waffen geliefert). Obwohl die &#228;ussere Opposition anfangs abgeneigt war, hat ein Teil der syrischen Bourgeoisie, die auf eine internationale Unterst&#252;tzung oder gar eine Milit&#228;rintervention gegen Assad z&#228;hlte, ihre Netzwerke und Kontakte spielen lassen und der Militarisierung Vorschub geleistet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die dank ihrer finanziellen Autonomie einigermassen ausdauernden bewaffneten Gruppen werden sich gegen die Unterwerfung unter die zivilen Beh&#246;rden str&#228;uben, umso mehr, wenn sie aus l&#228;ndlichen Regionen kommen und von den St&#228;dtern nicht willkommen geheissen werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-135&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Kalifat und Barbarei. Zweiter Teil: Von der Utopie&#8220;, Dezember 2015, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-135&#034;&gt;135&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie tendieren im Gegenteil dazu, sich als Verwalter zu pr&#228;sentieren, indem sie sich einen politischen Fl&#252;gel geben. Daher kommt auch das wachsende Gewicht jener, welche &#252;ber &#228;ussere Unterst&#252;tzung verf&#252;gen, z.B. die Muslimbr&#252;der, deren allt&#228;gliche Verwaltungsf&#228;higkeiten jenen ihrer Rivalen &#252;berlegen sind. Zudem tr&#228;gt ihr finanzieller Wohlstand dazu bei, dass sie weniger in Versuchung geraten, Erpressung, Pl&#252;nderung und Schutzgelderpressung zu praktizieren, und somit sind sie von der Bev&#246;lkerung besser angesehen (das gilt auch f&#252;r Al Nusra oder den IS).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Selbstverst&#228;ndlich verwandeln sich spontan von Deserteuren gebildete autonome Gruppen nicht &#252;ber Nacht in ein verallgemeinertes Chaos, wo sich Hunderte von Milizen, in der Regel islamistisch und vom Ausland subventioniert, in sich &#228;ndernden und tempor&#228;ren B&#252;ndnissen gegenseitig bek&#228;mpfen. Doch ab Herbst 2012 zeichnet sich ein Wettbewerb zwischen jenen Gruppen ab, welche sich mehr oder weniger auf die FSA beziehen, und jenen, welche ank&#252;ndigen, eine islamische Verwaltung in Syrien aufbauen zu wollen; ausser im S&#252;den herrschen letztere vor. Die Situation verschlimmert sich ab Fr&#252;hling 2013 aufgrund der Intervention &#228;usserer Akteure.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Drunter und dr&#252;ber?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bourgeois und Proletarier sind nicht gleich vor dem Tod und auch nicht vor dem Krieg, in beiden F&#228;llen spielt immer ein gewisses Mass an Ungewissheit mit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe und Bombenangriffe betreffen besonders die proletarischen Quartiere der syrischen St&#228;dte, insbesondere die peripheren, sogenannt &#8222;informellen&#8220; Quartiere, wo die Opfer der Krise und der Landflucht vor dem Krieg eingepfercht waren und die 2011 Hochburgen der Revolte waren. Die Stadtzentren und b&#252;rgerlichen Quartiere sind in der Regel auf der regimetreuen Seite, ihnen sind somit die heftigsten Bombenangriffe erspart geblieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier haben einige mehr als ihr Leben zu verlieren. Die Mitglieder der Mittelklassen z.B., welche Eigent&#252;mer von Immobilien sind, oder die Handwerker und Gesch&#228;ftsm&#228;nner k&#246;nnen ihren Status im Handumdrehen aufgrund der Ungeschicklichkeit eines Suchoi-Piloten verlieren. Die Entwertung des syrischen Pfundes hat nur die kleinen Sparer ruiniert, nicht die Bourgeois mit Konto im Ausland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend einige Familien ihr Verm&#246;gen verlieren, florieren Kriegsprofiteure, die Schwarzhandel betreiben und investieren. Ein Kriegsherr wird m&#252;helos zum Unternehmer. Die Hierarchien werden umstrukturiert, zumindest zum Teil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor allen Dingen profitiert eine Minderheit der an den Protesten 2011 beteiligten Mittelklassen von den neuen Institutionen und nimmt F&#252;hrungspositionen ein. Dank ihrem Bildungsniveau und ihren technischen Kompetenzen gelangen neue Leute in Kaderpositionen, sie sind erfahrener und &#228;lter als jene, welche die Bewegung 2011 animierten (in Idlib muss man z.B. ein Universit&#228;tsdiplom haben, um gew&#228;hlt zu werden)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-136&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 282.&#034; id=&#034;nh2-136&#034;&gt;136&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Rolle der Angeh&#246;rigen der Mittelklassen ist zentral aufgrund der Abwesenheit der ehemaligen Eliten, die schnell ins Ausland gefl&#252;chtet sind oder in den regimetreuen Sektoren leben. Ehemals tonangebende Familien, die vom baathistischen Regime marginalisiert worden waren, sind hingegen zur&#252;ck auf der politischen B&#252;hne. &#8222;In diesem Kontext der zunehmenden Isolierung der Individuen kann eine Minderheit ihr Kapital vergr&#246;ssern aufgrund ihrer Zugeh&#246;rigkeit zu den Netzwerken des Protests [&#8230;] Jedoch bestimmt das Kapital, welches die Akteure zuvor hatten, weitgehend die Verteilung der Machtpositionen innerhalb der neuen Institutionen. W&#228;hrend die Landbewohner und das einfache Volk eine tonangebende Rolle in den milit&#228;rischen Institutionen spielen, setzen sich die Mittelklassen in den neu erstehenden zivilen Verwaltungen und die Eliten in den repr&#228;sentativen Institutionen ausserhalb Syriens durch.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-137&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 278.&#034; id=&#034;nh2-137&#034;&gt;137&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das im Februar in Kraft getretene Waffenstillstandsabkommen gibt den Zivilisten in diesen Gebieten etwas Platz zur&#252;ck. Die b&#252;rgerlichen Medien und Aktivisten haben schnell darauf aufmerksam gemacht, dass die Freitagsdemonstrationen gegen Assad in mehreren St&#228;dten wieder stattfinden. Als ob die syrische &#8222;Revolution&#8220;, nach f&#252;nf Jahren Unterbruch, in aller Ruhe wieder ihren Lauf nehmen k&#246;nnte. Wir sind weit von jenen Massen entfernt, welche die Strassen 2011 f&#252;llten, die Kundgebungen waren besonders bescheiden, z.B. 200 Demonstranten in Aleppo (von 200&#8216;000 Einwohnern in den Rebellenquartieren), und wiederholten sich nicht. Es ist wahr, dass sie in einigen St&#228;dten zu Spannungen oder gar Konfrontationen mit den lokalen bewaffneten Gruppen wie Al Nusra gef&#252;hrt haben. Das ist nicht erstaunlich, wenn man sich an den Antagonismus zwischen Stadt- und Landbewohnern erinnert, die bewaffneten islamistischen Gruppen repr&#228;sentieren die &#8222;konservative Kultur des l&#228;ndlichen Teils&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-138&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;&#8216;Cessez-le-feu&#8216; en Syrie&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-138&#034;&gt;138&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend die Frauen 2011 in der Regel in den Demonstrationsz&#252;gen einen spezifischen Platz einnahmen (in der Mitte oder hinten), sind sie total abwesend von den j&#252;ngsten Demonstrationen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-139&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. Syria Freedom forever, ein Blog von Gegnern Assads, wo man Fotos (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-139&#034;&gt;139&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Am Anfang konnte die Beteiligung an der &#8222;Revolution&#8220; f&#252;r gewisse Frauen ein Mittel sein, um sich von den gesellschaftlichen Normen zu befreien (f&#252;r andere war es die Witwenschaft), das sp&#228;te Auftauchen der Religi&#246;sen durch die Justizverwaltung und ihr politisches Gewicht haben diese Entwicklung gebremst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mittelklassen haben sich dem proletarischen Aufstand von 2011 angeschlossen und ihn unter ihre Kontrolle gebracht. Der Krieg hatte ihnen jegliche Perspektive geraubt, doch heute scheint f&#252;r sie alles wieder m&#246;glich. Die Proletarier hingegen waren in einer denkbar schlechten Stellung, um von diesen Jahren des B&#252;rgerkriegs zu profitieren. Das wird sich vermutlich auch nicht &#228;ndern, falls es wieder Frieden geben sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Unterwegs mit den Proletariern&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf eine 2015 auf 22 Millionen gesch&#228;tzte syrische Bev&#246;lkerung sind sechseinhalb Millionen Binnenfl&#252;chtlinge (wovon 1.7 Millionen momentan in Lagern leben) und sechs Millionen offiziell in den Nachbarl&#228;ndern registriert (&#196;gypten, Irak, Jordanien, Libanon und T&#252;rkei)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-140&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;UNO und Universit&#228;t Saint Andrews, Syria at War: Five Years on, 2016, 36 S.&#034; id=&#034;nh2-140&#034;&gt;140&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist erw&#228;hnenswert, dass nach 2003 Hunderttausende Iraker (wom&#246;glich eineinhalb Millionen) in Syrien ein Refugium gefunden hatten. Gem&#228;ss der UNO sei es &#8222;die gr&#246;sste humanit&#228;re Krise weltweit seit dem Zweiten Weltkrieg&#8220;. Obwohl etliche Fl&#252;chtlinge seit 2011 versucht haben, Europa zu erreichen, schl&#228;gt die &#8222;Fl&#252;chtlingskrise&#8220; von 2015 alle Rekorde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-141&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die verschiedenen Organismen versuchen, einen Unterschied zwischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-141&#034;&gt;141&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, der Kontinent hatte V&#246;lkerwanderungen in einem derartigen Ausmass seit der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945-1947) nicht mehr gekannt. Es sind trotzdem die Nachbarl&#228;nder Syriens, welche die meisten Fl&#252;chtlinge &#8222;aufnehmen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So leben beispielsweise in der T&#252;rkei mehr als drei Millionen syrische Fl&#252;chtlinge, davon 10 bis 15% in Lagern nahe der syrischen Grenze und Hunderttausende in Istanbul. Da es f&#252;r die Syrer keine Visumpflicht gibt, hat nur eine Minderheit den Fl&#252;chtlingsstatus, der mit dem Recht auf eine Arbeitsbewilligung einhergeht, und die Mehrheit st&#252;tzt sich also auf die informelle Wirtschaft (Ende 2015 arbeiteten 400&#8216;000 syrische Fl&#252;chtlinge illegal im Land). Doch die T&#252;rkei ist h&#228;ufig nur eine Etappe f&#252;r die Migranten in Richtung Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Libanon, welcher anf&#228;nglich vier Millionen Einwohner z&#228;hlte, hat offiziell 2016 1.2 Millionen Syrer aufgenommen, aber wohl eher zwei Millionen. Da juristisch betrachtet dort kein Fl&#252;chtlingslager existiert, sind mehrere Familien in prek&#228;ren Wohnsituationen, rudiment&#228;ren Unterk&#252;nften, Garagen oder Zelten zusammengepfercht. Die H&#228;lfte von ihnen hat eine nicht oder wenig qualifizierte Anstellung im Bausektor, als G&#228;rtner oder in der Landwirtschaft, auf illegale Art und Weise f&#252;r praktisch alle von ihnen. In diesen drei Sektoren waren schon vor dem Krieg viele Syrer und Einwanderer angestellt und sie leiden unter den aufgrund der Situation sinkenden L&#246;hnen: Das durchschnittliche monatliche Einkommen eines syrischen Arbeiters ist ungef&#228;hr 38% tiefer als der libanesische Mindestlohn (450 Dollar)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-142&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jeanine Jalkh, &#8222;R&#233;fugi&#233;s syriens: le risque de l&#8216;effet boomerang&#8220; in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-142&#034;&gt;142&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund einer um sich greifenden anti-syrischen Fremdenfeindlichkeit und den Konflikten zwischen Fl&#252;chtlingen, verbunden mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zerbrechlichkeit des Landes und den Attentaten, ist das Risiko gross, dass sich der syrische Konflikt auf den kleinen Nachbarn ausdehnt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Deutschland &#252;ber alles&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Europa sind die Zahlen ungewiss, insbesondere aufgrund der Mobilit&#228;t der Migranten. Mehr als 1.3 Millionen Fl&#252;chtlinge haben 2015 einen &#8222;Antrag auf internationalen Schutz&#8220; in einem Staat der EU gestellt, mehr als doppelt so viele wie im vorhergehenden Jahr. Etwa die H&#228;lfte bis ein Drittel von ihnen sind wahrscheinlich Syrer (mindestens 400&#8216;000, mehr als zweimal mehr als 2014), 20% Afghanen (ungef&#228;hr 180&#8216;000, viermal mehr als 2014) und 10% Iraker (120&#8216;000, siebenmal mehr). Doch jenseits der Zahlen wecken besonders die &lt;i&gt;angenommenen F&#228;higkeiten und Qualifikationen dieser Migranten&lt;/i&gt; das Interesse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im September 2015 kommt der Pr&#228;sident des MEDEF [franz&#246;sischer Arbeitgeberverband] zum Schluss, dass &#8222;die Migranten ein Segen f&#252;r Frankreich sind&#8220;, denn sie &#8222;haben h&#228;ufig ein hohes Bildungsniveau, sind meistens jung, gebildet und haben nur ein Bed&#252;rfnis, n&#228;mlich jenes, in Frieden zu leben und eine Familie grossziehen zu k&#246;nnen&#8220;. Der Wirtschaftsminister verk&#252;ndet, dass der Zustrom von Fl&#252;chtlingen eine &#8222;wirtschaftliche Chance&#8220; darstellt, &#8222;da es sich um Frauen und M&#228;nner handelt, die auch bemerkenswerte Qualifikationen haben&#8220;. Doch die Migranten gehen Frankreich aus dem Weg, da das Land bez&#252;glich des Empfangs und der Wirtschaft einen schlechten Ruf hat. Nur 10&#8216;000 syrische Fl&#252;chtlinge sind seit 2011 aufgenommen worden und 2015 haben etwa 5&#8216;000 ein Asylgesuch eingereicht, &lt;i&gt;was 1.3% aller eingereichten Gesuche in Europa entspricht&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Jeder weiss es, die Migranten wollen grossmehrheitlich nach Deutschland gelangen, das Land&lt;/i&gt; hat im Jahr 2015 &#252;ber eine Million Asylsuchende &lt;i&gt;verzeichnet&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-143&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss einer Studie des Hochkommissars der Vereinten Nationen f&#252;r (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-143&#034;&gt;143&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Eine Volksschw&#228;rmerei hat einen Teil der Deutschen dabei gezeigt, &#8222;Willkommen!&#8220; zu sagen, doch viele, obwohl sie von guten Gef&#252;hlen getrieben sind, unterstreichen, dass diese Fl&#252;chtlinge nicht Einwanderer wie die anderen, alle sehr qualifiziert, gebildet und bereits zweisprachig seien. Als Beweis dient die Tatsache, dass alle von Journalisten befragten Migranten perfekt Englisch sprachen und Anw&#228;lte, Ingenieure oder Lehrer waren&#8230; Diese Bemerkungen werden sich einige Monate sp&#228;ter, wenn es darum gehen wird, zwischen den guten und den schlechte Ank&#246;mmlingen zu sortieren, als praktisch erweisen. Aber jenseits der Mobilisierung moralischer Argumente hat die Debatte &#252;ber den Empfang der Migranten in Deutschland sie allen voran als potenzielle oder gar unverhoffte Arbeitskraft betrachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Empfang und Rentabilit&#228;t&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit ist Deutschland seit Jahren mit einem Mangel an Arbeitskraft und demographischen Schwierigkeiten wie der Alterung der Bev&#246;lkerung und einer niedrigen Geburtenrate konfrontiert. Zu Schulbeginn 2015 sind 800&#8216;00 Lehrstellen unbesetzt geblieben in einem Land, das eine Million freie Arbeitsstellen z&#228;hlt, besonders im handwerklichen Sektor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r viele &#8222;Spezialisten&#8220; stellt der Einwanderer die L&#246;sung dar, umso mehr, weil er den Vorteil bietet, zur Arbeit schon alt genug zu sein, was die Kosten der Reproduktion und der Arbeitskraft reduziert: &#8222;[D]ie Ern&#228;hrung und Ausbildung eines Menschen kostet in seinen ersten 20 Lebensjahren etwa 200&#8216;000 Euro.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-144&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Wanderung, Flucht und Arbeit&#8220; in Wildcat, Nr. 99, Winter 2016.&#034; id=&#034;nh2-144&#034;&gt;144&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Doch zwischen 2000 und 2010 ist die Migrationsbilanz in Deutschland negativ geblieben, die Anzahl Asylbewerber begann erst 2008 wieder anzusteigen. 2014 hat das Land eine Migrationsbilanz von 550&#8216;000 Personen auf 1.46 Millionen Ank&#252;nfte im Land verzeichnet. Es geht also darum, die guten Einwanderer zu finden, aber auch, sie zu behalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Experten und Ermittler werden also versuchen, herauszufinden, ob der ber&#252;hmte &#8222;syrische Arzt&#8220; repr&#228;sentativ ist f&#252;r diese &#8222;neuen&#8220; Migranten. In Tat und Wahrheit variiert ihr Profil je nach Perioden und Bestimmungsorten. Die ersten, welche aufbrechen, sind theoretisch die qualifiziertesten, zumindest jene, welche am ehesten schnell eine Arbeit finden und zu Geld kommen, und somit danach ihre Familie nachziehen lassen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die UNO sind etwa die H&#228;lfte der syrischen Fl&#252;chtlinge j&#252;nger als 17, aber die anderen sind in ihren &#8222;produktiven Jahren&#8220; (erinnern wir uns daran, dass auf der anderen Seite des Rheins die Lehre mit 15 anf&#228;ngt). Gem&#228;ss der UNHCR sind jene, welche Europa erreichen, mehrheitlich junge ledige M&#228;nner, welche die Sekundarstufe abgeschlossen oder eine h&#246;here Ausbildung haben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-145&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;81% seien M&#228;nner, 69% seien zwischen 18 und 35 und 86% haben eine h&#246;here (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-145&#034;&gt;145&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Herbst 2015 hat die deutsche Arbeitgeberschaft anfangs die &#8222;Migrantenkrise&#8220; befriedigt begr&#252;sst. Der CEO von Daimler k&#252;ndigt an, er wolle direkt in den Empfangszentren rekrutieren: &#8222;Die meisten der Fl&#252;chtlinge sind jung, gut ausgebildet und sehr motiviert. Genau solche Leute suchen wir.&#8220; Gem&#228;ss der Arbeitgeberschaft nahe stehenden Forschern &#8222;gibt es eine neue Qualit&#228;t des Empfangs im Vergleich zu fr&#252;heren Einwanderungswellen, wo wir nicht versucht hatten, die Leute hier zu behalten. Heute will man die Arbeiter langfristig integrieren und man tut viel mehr f&#252;r die Integration.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-146&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C&#233;cile Boutelet, &#8222;En Allemagne, les patrons souhaitent faciliter l&#8216;embauche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-146&#034;&gt;146&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die deutsche Arbeitgeberschaft insistiert n&#228;mlich seit mehreren Jahren gegen&#252;ber der Regierung, damit sie die Prozeduren des Empfangs und der Regulierung vereinfacht. Sie fordert im besonderen die sogenannte &#8222;3+2-Regel&#8220;: die Garantie, dass ein Asylbewerber in Ausbildung w&#228;hrend seinen Ausbildungsjahren und danach zwei Jahre in Deutschland bleiben kann, um seinem Arbeitgeber zu erlauben, die Investition rentabel zu machen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-147&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L&#8216;afflux de migrants profite aux patrons allemands&#8220; in Le Temps, 2. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-147&#034;&gt;147&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im November 2014 wird die notwendige Aufenthaltszeit von Fl&#252;chtlingen bevor sie legal arbeiten k&#246;nnen unter dem Druck der Arbeitgeberschaft von neun auf drei Monate verk&#252;rzt, doch mittlerweile m&#246;chte der Bund der Industriellen (BdI) diesen Zeitraum erneut verk&#252;rzen. Im August 2015 wurde die Frist bevor man Zugang zu Ausbildungshilfen hat von vier Jahren auf 15 Monate verk&#252;rzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderes zu eliminierendes &#8222;Hindernis&#8220; ist jenes einer Art &#8222;Inl&#228;ndervorrang&#8220;, der dazu verpflichtet, die Einstellung eines Asylbewerbers der Anstellungsbeh&#246;rde vorzulegen, damit sie &#252;berpr&#252;ft, ob kein deutscher Kandidat oder einer aus einem anderen EU-Land diese Arbeitsstelle besetzen k&#246;nnte. Dieses System wurde seit November 2015 betr&#228;chtlich vereinfacht und zudem vertreibt die Anstellungsbeh&#246;rde eine Brosch&#252;re, die den Unternehmen erkl&#228;rt, wie das Gesetz umgangen werden kann, z.B. mit Hilfe von Praktika oder Weiterbildungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-148&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C&#233;cile Boutelet, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-148&#034;&gt;148&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im April 2016 ist diese Regel f&#252;r drei Jahre ausgesetzt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wermutstropfen und Missverst&#228;ndnisse&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die syrischen Migranten, um uns auf sie zu beschr&#228;nken, fliehen vor dem Krieg, versuchen, zu &#252;berleben, haben manchmal alles verloren, tr&#228;umen von einem neuen Leben und, f&#252;r die optimistischsten unter ihnen, davon, eines Tages in ein befriedetes Syrien zur&#252;ckzukehren. Sie haben sicher nicht Tausende an Kilometern aus Vergn&#252;gen oder aus Freude am Wandern zur&#252;ckgelegt, weder um ein europ&#228;isches Proletariat &#8222;auszutauschen&#8220; oder neu zu beleben, welches einige als zu gut gen&#228;hrt oder als zu unterworfen betrachten, noch um das Arbeitskraftproblem der deutschen Arbeitgeberschaft zu l&#246;sen. Und letztere, so m&#228;chtig sie auch sein mag, zettelt nicht Kriege an, um sich neue Proletarier zu beschaffen, sie profitiert ganz prosaisch von dieser Situation. Der Fluss der Migranten ist nicht ein Geschenk des Himmels, sondern schlichtweg das Resultat eines Blutbades.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es besteht eine Art Diskrepanz zwischen den Untersuchungen und der Realit&#228;t. Das erste Hindernis einer schnellen Besch&#228;ftigungsf&#228;higkeit der Migranten ist ihre komplette Unkenntnis der Sprache, manchmal gar des lateinischen Alphabets. Schlimmer, einige von ihnen stellen sich gar als Analphabeten heraus. Dazu kommt die Frage der Diplome und ihrer Gleichwertigkeit, zumindest falls sie solche besitzen, denn gem&#228;ss gewissen Studien sind 80% von ihnen schlechter qualifiziert als ein einfacher deutscher spezialisierter Arbeiter&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-149&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pascal Hugues, &#8222;R&#233;fugi&#233;s: un miracle &#233;conomique pour l&#8216;Allemagne?&#8220; in Le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-149&#034;&gt;149&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird schwierig sein, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, doch die Arbeitgeberschaft zeigt Bereitschaft, in ihre Ausbildung zu investieren, vorsichtig allerdings, denn die Fl&#252;chtlinge haben eine Aufenthaltsbewilligung f&#252;r lediglich drei Jahre, d.h. die n&#246;tige Zeit, sie zu beenden. &#8222;Bei Daimler haben 40 Asylbewerber im November ein Praktikum angefangen [&#8230;] Sie absolvieren jeden Tag eine Ausbildung von zweieinhalb Stunden in der Produktionswerkstatt und anschliessend dreieinhalb Stunden Deutschunterricht. Andere Ausbildungen dieser Art d&#252;rften dieses Jahr beginnen. Die Gruppe verk&#252;ndet, dass mehrere Hundert Asylbewerber bis 2016 in den Genuss eines solchen Programms kommen sollen. Die Angestellten der Gruppe werden von der F&#252;hrung zu einem System der Patentschaft ermutigt, welches die Integration der Neuank&#246;mmlinge erlauben soll.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-150&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Deutsche Bahn und Siemens haben &#228;hnliche Programme lanciert. Siehe ebd.&#034; id=&#034;nh2-150&#034;&gt;150&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Willkommenspolitik hat die Unterst&#252;tzung des BdI und der Versammlung der Handelskammern, doch einige Chefs sind weiterhin skeptisch, v.a. jene der F&#246;derationen des Bau- oder Werkzeugmaschinensektors&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-151&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Philippe Lacour, &#8222;Migrants: l&#8216;enthousiasme des industriels allemands (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-151&#034;&gt;151&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es wird tats&#228;chlich Zeit und viel Geld brauchen, die Experten haben es berechnet: Da die durchschnittliche Produktivit&#228;t eines Fl&#252;chtlings tiefer ist als jene eines deutschen Angestellten, wird es zwischen f&#252;nf und sieben Jahren dauern, bis er mehr produziert, als dass er dem Staat kostet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-152&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pascal Hugues, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-152&#034;&gt;152&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Mittel- oder langfristig, in vier bis zehn Jahren, je nach Szenario, wird die erfolgreiche Integration der Fl&#252;chtlinge Nettoprofite bringen. Die UNO zeigt sich jedoch beruhigend: Wenn nur schon eine Minderheit in die Wirtschaft integriert wird, &#8222;ist die Investition rentabel&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-153&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;UNO und Universit&#228;t Saint Andrews, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-153&#034;&gt;153&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis anhin ist Vorsicht vorherrschend, denn zwischen Herbst 2015 und Juni 2016 sind nur 54 Fl&#252;chtlinge von den 30 Unternehmen des DAX angestellt worden! Es haben sich hingegen 131&#8216;000 bei der Bundesagentur f&#252;r Arbeit eingeschrieben, drei Viertel davon ohne berufliche Ausbildung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-154&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Les r&#233;fugi&#233;s en Allemagne restent aux portes du Dax&#8220; in Les &#201;chos, 5. Juli (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-154&#034;&gt;154&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es scheint jedoch, dass Daimler die Ausbildung der Fl&#252;chtlinge finanziert, um sie anschliessend unter einigen seiner Zulieferbetrieben zu verteilen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-155&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pascal Hugues, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-155&#034;&gt;155&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit wird gesagt, dass die Fl&#252;chtlinge nicht dem M&#252;ssiggang verfallen sollen. Umso mehr, weil die Logistik ihres letztendlich der Gemeinde obliegenden Empfangs sich gr&#246;sstenteils auf Freiwillige st&#252;tzt, die mit der Zeit seltener werden. Die Regierung hat also entschieden, dass die Asylbewerber &#8222;in den Genuss&#8220; der ber&#252;hmten Ein-Euro-Jobs kommen d&#252;rfen (gemeinn&#252;tzige Arbeit, bezahlt 1.05 &#8364; pro Stunde und Sozialhilfebez&#252;gern vorbehalten), damit sie die mit ihrem Empfang verbundenen Aufgaben selbst ausf&#252;hren (Unterhalt der Unterkunft, K&#252;che usw.). Die Fl&#252;chtlinge haben n&#228;mlich nicht das Recht, angestellt zu sein und klassisch zu arbeiten, solange sie nicht offiziell Asyl haben. Es ist also ein Mittel zur Umschiffung von Schwierigkeiten. Seit April 2016 arbeiten 4&#8216;000 Migranten in den 75 Berliner Unterk&#252;nften, 9&#8216;000 in Bayern und die Regierung hat entschieden, 100&#8216;000 Jobs dieser Art zu kreieren (wovon Migranten aus als sicher geltenden L&#228;ndern wie z.B. Albanien oder Kosovo ausgeschlossen sein werden).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abgesehen von einer anfangs unvermeidlichen Erh&#246;hung der Arbeitslosigkeit, welche Konsequenzen wird die pl&#246;tzliche Ankunft einer Million neuer Proletarier haben? Gem&#228;ss den Experten der UNO sollte die Auswirkung auf die L&#246;hne und die Anstellung der einheimischen Arbeiter &#8222;geringf&#252;gig oder inexistent&#8220; sein, freilich mit &#8222;einem gewissen Druck auf Anstellungen mit geringer Wertsch&#246;pfung und die niedrigsten L&#246;hne&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-156&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;UNO und Universit&#228;t Saint Andrews, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-156&#034;&gt;156&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein Gewerkschafter betonte Ende April in der Presse, dass die am wenigsten qualifizierten am meisten von Arbeitslosigkeit und Unterbesch&#228;ftigung betroffen sind und dass die neuen Fl&#252;chtlinge tendenziell ebenfalls dieser Gruppe angeh&#246;ren. Am wahrscheinlichsten ist eine versch&#228;rfte Konkurrenzsituation eines zunehmend segmentierten Prekariats (allein schon aufgrund der unterschiedlichen Behandlung der Migranten) und die Vertiefung der rassistischen Br&#252;che (auch zwischen neu angekommenen Migranten und schon l&#228;nger dort lebenden Einwanderern), wovon die Arbeitgeberschaft profitieren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn die Lobrede auf die dem Land eigen seiende Willkommenskultur und die Bilder von durch l&#228;chelnde Deutsche empfangene Migranten haben ein anderes Ph&#228;nomen kaschiert, den Anstieg der Fremdenfeindlichkeit seit einigen Jahren mit Angriffen gegen die Zentren der Asylbewerber oder den imposanten Demonstrationen der PEGIDA in Ostdeutschland. Die Aggressionen an der Silvesternacht in K&#246;ln und in anderen deutschen St&#228;dten haben wahrscheinlich dazu beigetragen, dass ein Teil seine Meinung ge&#228;ndert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-157&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nur eine Minderheit der festgenommenen Verd&#228;chtigen kommt aus Syrien. Zu (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-157&#034;&gt;157&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Seither haben die gegen die Fl&#252;chtlinge gerichteten Thematiken der euroskeptischen Partei AfD ihr an den Regionalwahlen letzten M&#228;rz einen bedeutenden Stimmengewinn eingebracht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Episode &#8222;Migrantenkrise&#8220; ist provisorisch vorbei und die Fl&#252;chtlingsfl&#252;sse sind eindeutig am Zur&#252;ckgehen (92&#8216;000 Aufnahmen in Deutschland im Januar 2016, 16&#8216;000 im Juni). Die Schliessung der &#8222;Balkanroute&#8220; und das Inkrafttreten des Abkommens zwischen der EU und der T&#252;rkei erkl&#228;ren das zum Teil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;An den Grenzen der Wirklichkeit?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Schluss jetzt!&#8220; Das ist die implizite Botschaft, die letzten M&#228;rz vom Chef der deutschen Chefs und seinem franz&#246;sischen Amtskollegen in einer gemeinsamen Kolumne ge&#228;ussert wurde, sie fordert eine &#8222;rasche&#8220; europ&#228;ische &#8222;Ergreifung der Initiative&#8220; und dass der Fl&#252;chtlingsfluss &#8222;unter Kontrolle gebracht und deutlich reduziert werden&#8220; muss. Das am 18. M&#228;rz 2016 zwischen der EU und der T&#252;rkei abgeschlossene Abkommen soll diese Forderungen befriedigen. Im Austausch gegen einige Milliarden Euros, eine Liberalisierung der Einreisepolitik und eine Neuaufnahme der Verhandlungen &#252;ber einen EU-Beitritt kontrolliert Ankara von nun an die Migranten auf seinem Territorium.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sieht es, die &#8222;Festung Europa&#8220; ist (bis anhin) allen voran ein Phantasma von Linken und Faschisten, denn die Wirtschaft der EU braucht jedes Jahr Hunderttausende Einwanderer. F&#252;r die Mitgliedsstaaten, definitionsgem&#228;ss im Dienst der Kapitalisten, geht es v.a. darum, die bestehenden Fl&#252;sse zu regulieren. Auf ziemlich zynische Art und Weise, denn der Tod ist mit im Spiel, die Hindernisse auf der Route der Migranten dienen als Filter, welcher idealerweise nur &#8222;bestimmte Menschen durchkommen&#8220; l&#228;sst, &#8222;die fit sind, &#252;ber Geld, pers&#246;nliche und famili&#228;re Ressourcen verf&#252;gen und einen unbedingten Willen haben&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-158&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wildcat, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-158&#034;&gt;158&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die im Zentrum des zur Koordination der K&#252;stenwache vorgesehenen Dispositivs stehende Agentur Frontex soll sich gem&#228;ss den Regierungen 2015 ziemlich ineffizient gezeigt haben. Es war notwendig, die NGOs und sympathische junge humanit&#228;re Helfer zu mobilisieren, um zur Sortierung und Fichierung der Migranten in den Lagern Griechenlands beizutragen. Diese bekannten &#8222;Aufnahme- und Identifikationszentren f&#252;r Fl&#252;chtlinge&#8220;, die &#8222;Hotspots&#8220;, dienen besonders dazu, wirtschaftliche Migranten von Fl&#252;chtlingen zu trennen, auf erstere wartet die Ausschaffung, auf letztere die Gastfreundschaft, in einer wohl verstandenen Mischung von H&#228;rte und Barmherzigkeit. Die T&#228;tigkeit der NGOs erlaubt es auch, die Hilfe der lokalen Bev&#246;lkerungen in einem strikten Rahmen der Barmherzigkeit und des Mitgef&#252;hls zu halten, statt sie m&#246;glicherweise f&#252;r jenen einer Solidarit&#228;t unter Proletariern zu &#246;ffnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was soll danach mit den Migranten geschehen? Das Problem ist, dass Staaten verschiedene Interessen, Arbeitslosenquoten und Arbeitskr&#228;ftebedarf haben &#8211; die nicht notwendigerweise mit den W&#252;nschen, Tr&#228;umen, M&#246;glichkeiten und dem Erfindergeist der Migranten &#252;bereinstimmen (die Welt ist schlecht). Die Verteilung und der Standortwechsel der Fl&#252;chtlinge sind m&#252;hsam. Polen will z.B. keine Migranten, Portugal m&#246;chte hingegen etwa zehntausend, um einige landwirtschaftliche Regionen neu zu bev&#246;lkern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-159&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Julia Mourri, &#8222;Le Portugal veut accueillir plus de migrants: les r&#233;fugi&#233;s (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-159&#034;&gt;159&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die notwendige Kontrolle des Migrationsflusses ist durch die Verwendung der Fl&#252;chtlinge als diplomatische Waffe komplizierter geworden (Griechenland und v.a. die T&#252;rkei, welche &#8222;die Schleusen&#8220; &#246;ffnen oder schliessen, um Druck auf die EU auszu&#252;ben) oder als Kriegswaffe (Provokation der Zivilbev&#246;lkerung zur Flucht, um die feindlichen Territorien mit Fl&#252;chtlingen zu fluten und sie zu destabilisieren, wie es Assad gegen die T&#252;rkei getan hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Migrantenkrise&#8220; 2015 war vielleicht nur ein Experiment in Lebensgr&#246;sse in Voraussicht der k&#252;nftigen Jahrzehnte, kaum schl&#252;ssig, da es von Kontrollverlust, einer improvisierten Verwaltung, Entscheidungen in h&#246;chster Not und der Unangemessenheit der gegenw&#228;rtigen Dispositive gepr&#228;gt ist. Frontex wird somit durch eine andere europ&#228;ische Agentur der K&#252;sten- und Grenz&#252;berwachung mit erweiterten Kompetenzen ersetzt werden, sie wird von nun an das Recht haben, die Pr&#228;senz ihrer Einheiten jedem Staat der EU aufzuzwingen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-160&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Charles de Marcilly, &#8222;Crise des r&#233;fugi&#233;s: l&#8216;UE face aux d&#233;fis migratoires&#8220; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-160&#034;&gt;160&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es liegt eine Reform der Migrationspolitik in der Luft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) Vom Traum der Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wartet morgen auf Syrien? Die Riesen des Bauwesens und der Industrie bereiten sich auf jeden Fall darauf vor. Die UNO sch&#228;tzt die Kosten der Zerst&#246;rungen von Wohnungen und Infrastrukturen auf 90 Milliarden Dollar (79 Milliarden Euros), die Baustelle f&#252;r den Wiederaufbau wird enorm sein. Die Projekte f&#252;r Pipelines und Offshore-Gas werden wieder auf den Tisch kommen. Wer wird jedoch am besten platziert sein und wie wird der Kuchen geteilt werden? Gem&#228;ss Einflusszonen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Land selbst hat der Krieg das Problem des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats auf unnachsichtige Art und Weise geregelt, die Verw&#252;stungen, die zerst&#246;rten, delokalisierten, demontierten und gestohlenen Fabriken sind da noch nicht einmal in Betracht gezogen. Wird man letztendlich Arbeitskraft importieren m&#252;ssen? Umso mehr, weil seit 2011 die schulische und berufliche Bildung keine Priorit&#228;ten waren in Damaskus und ein Teil der Arbeitskraft, wahrscheinlich die am besten qualifizierte und ausgebildete, im Exil ist. Der Erzbischof von Aleppo hat es von seinem Standpunkt aus ausgedr&#252;ckt, jenem der syrischen Christen, doch sein Urteil gilt auch f&#252;r die anderen &#8222;Gemeinschaften&#8220;: &#8222;Mit der Ankunft von Hunderttausenden Fl&#252;chtlingen in Europa habe ich Angst um die Zukunft. Irgendwie habe ich den Eindruck, als ob eine Deportation unserer Bev&#246;lkerung organisiert worden w&#228;re, v.a. unserer produktiven Bev&#246;lkerung, jene, welche das Land und die Kirche wiederaufbauen k&#246;nnten. Die Mittelklasse, das Scharnier und R&#252;ckgrat unserer Gesellschaft, ist dabei, zerrieben zu werden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-161&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;RTL, 30. Januar 2016.&#034; id=&#034;nh2-161&#034;&gt;161&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Proletarier betrifft, wurden sie wohl zu viel massakriert, gespalten, konfessionalisiert und in Gemeinschaften gezw&#228;ngt, als dass man von ihnen einen Ausbruch in den n&#228;chsten Jahren erwarten k&#246;nnte. Kriegszeiten bieten manchmal Gelegenheit zu einem radikalen Bruch dank der Zerbrechlichkeit und des Zusammenbruchs des Staates, wie 1871 in Paris, 1917 in Russland und 1918 in Deutschland, doch der B&#252;rgerkrieg verschliesst diese Perspektiven h&#228;ufig (wenn nicht fast immer).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Soll man trotzdem alles in ein gutes Licht stellen? Wenn man genug lange sucht? Es ist freilich tr&#246;stlich, Helden, Hoffnung, einen Glauben zu haben, aber es sollte einem doch nicht dermassen vom Hocker reissen, dass man wild gestikulierend &#8222;Revolution! Revolution!&#8220; schreit &#8211; und sich selbst und andere versucht, zu &#252;berzeugen, dass das, was geschieht, &#8222;sehr interessant&#8220; ist. Weil &#8222;Leute etwas&#8220; tun. Propaganda ist stets eine betr&#252;bliche T&#228;tigkeit, doch hier, in den Ruinen Syriens, welche f&#252;r ihn den Gipfel des Urbanismus darstellen, sucht der desillusionierte europ&#228;ische Aktivist diesen Klumpen, der beweisen w&#252;rde, dass er recht hat, dass die Goldader existiert. Der Begriff &#8222;Revolution&#8220; ist benutzt worden, um diverse laufende Prozesse in Syrien zu beschreiben, aber h&#228;ufig von Aktivisten oder Journalisten, die darunter nur eine &#8222;wahrhaftige&#8220; Reform verstehen. Manchmal von anderen, eher gew&#246;hnt an radikale Kritik und die eigentlich wissen, dass Worte einen Sinn haben. Ein Wortfehler? Der Zustand des Proletariats in Frankreich, die Ern&#252;chterung, das deformierende und hypnotische Prisma der AK-47, gen&#252;gt das als Erkl&#228;rung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Selbstverwaltung des &#220;berlebens in einer aus Ruinen bestehenden Stadt, die Waffen in der Hand, w&#228;hrend die zusammengebrochene Gesellschaft nachge&#228;fft wird &#8211; wir werden diesen Albtraum nicht mit dem Wort &#8222;Revolution&#8220; schm&#252;cken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warum ist die proletarische Revolte in Syrien 2011 gescheitert, genau wie die darauf folgende demokratische &#8222;Revolution&#8220;? Ist es schlichtweg aufgrund exogener Gr&#252;nde? Warum versucht man in Anbetracht des Zusammenbruchs des Staates, ihn zu ersetzen, seine R&#252;ckkehr vorzubereiten/zu erleichtern? Wieso wird die minimale T&#228;tigkeit einer im Krieg auf sich selbst gestellten Bev&#246;lkerung &#8211; der Kampf ums &#220;berleben &#8211; von der Mauer der Realit&#228;t &#252;berw&#228;ltigt? Die Zur&#252;ckdr&#228;ngung des Staates ist notwendig aber ungen&#252;gend, die Wiederherstellung der &#8222;Normalit&#228;t&#8220; ist gleichbedeutend mit der Vorbereitung seiner R&#252;ckkehr. Wenn man das Ideal der Revolution in den Grenzen dieser Art von Prozess selbst findet, verurteilt man sich zu schmerzlichen Niederlagen, z.B. in Bezug auf die Frage des Verh&#228;ltnisses zur Gewalt, zur Militarisierung oder zum Pragmatismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-162&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zur Idee z.B., dass ein &#8222;provisorisches&#8220; B&#252;ndnis mit diesen im Kampf so (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-162&#034;&gt;162&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir wissen selbstverst&#228;ndlich nicht wie die Proletarier konkret die Klassen abschaffen werden, wir verf&#252;gen &#252;ber kein Modell. Doch vielleicht sind wir eines Tages dran, mit der Apokalypse (der Offenbarung) konfrontiert zu sein und werden versuchen, zumindest ein bisschen n&#252;tzlich zu sein, indem wir z.B. auf einen Ausgang des Chaos gegen oben dr&#252;cken, indem wir versuchen, den Staat, die Armee, das Geld, die Lohnarbeit usw. loszuwerden. Daf&#252;r sollten wir zumindest ein bisschen ambitioniertere Tr&#228;ume haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, Juli 2016&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ErsterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei. Erster Teil: Vom Staat&#8220;&lt;/a&gt;, November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ZweiterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei. Zweiter Teil: Von der Utopie&#8220;&lt;/a&gt;, Dezember 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=940&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Brouillards de guerre&#8220;&lt;/a&gt;, Juni 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;***&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Adam Baczko, Gilles Dorronsoro, Arthur Quesnay, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.cnrseditions.fr/science-politique/7282-syrie.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Syrie. Anatomie d'une guerre civile&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, CNRS &#233;ditions, 2016, 416 S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Michel Korinman (Hg.), &lt;i&gt;Daech. Menace sur les civilisations&lt;/i&gt;, L'Esprit du Temps, 2015, 384 S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pierre-Jean Luizard, B&#233;ligh Nabli, Wassim Nasr, Pierre Razoux, &#8222;Table ronde, ouverte &#224; la presse, de sp&#233;cialistes du Moyen-Orient&#8220; in &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.assemblee-nationale.fr/14/pdf/rap-enq/r3922-t2.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Rapport fait au nom de la commission d'enqu&#234;te relative aux moyens mis en &#339;uvre par l'&#201;tat pour lutter contre le terrorisme depuis le 7 janvier 2015&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, Bd. II, Assembl&#233;e nationale, S. 680-697.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zu Rojava&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=324&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kurdistan?&#8220;&lt;/a&gt;, Januar 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;TKGV [Initialen der Autoren], &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/letter-rojavist-friends&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Letter to &#8216;Rojavist' Friends&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.si-revue.de/zwei-lokale-kriege/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Zwei lokale Kriege&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Internationale situationniste&lt;/i&gt;, Nr. 11, Oktober 1967.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zu den Migranten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Henri Simon, &lt;a href=&#034;https://www.echangesetmouvement.fr/2016/04/lindustrie-du-migrant-mutations-et-migrations-une-longue-histoire-de-la-vie-sur-terre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L&#8216;industrie du migrant. Mutations et migrations: une longue histoire de la vie sur terre&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;&#201;changes&lt;/i&gt;, Nr. 154, Winter 2015-2016, S. 11-36.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Felix Baum, &lt;a href=&#034;https://cominsitu.wordpress.com/2016/07/12/from-welcome-to-farewell-germany-the-refugee-crisis-and-the-global-surplus-proletariat/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;From Welcome to Farewell: Gemany, the Refugee Crisis and the Global Surplus Proletariat&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Antithesi, &lt;a href=&#034;https://cominsitu.wordpress.com/2016/07/05/vogelfrei-migration-deportations-capital-and-its-state/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Vogelfrei. Migration, Deportations, Capital and Its State&#8220;&lt;/a&gt;, Juni 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1030&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;VierterTeil&#034;&gt;Vierter Teil: Der Endkampf?&lt;/h3&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Allm&#228;hlich erstelle ich die Liste des Alphabets der Ruinen. All das bedeutet etwas.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ Das kann nicht keinen Sinn haben.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ Der Krieg spricht zu uns&#8230;.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;David B., &lt;i&gt;La Lecture des ruines&lt;/i&gt;, 2001.&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Kann man in den Ruinen wie in den Linien einer Hand lesen? Die politische Hauptstadt des Islamischen Staates (IS) ist am 17. Oktober 2017 gefallen, ein vorhersehbarer Ausgang einer Schlacht, die vier Monate zuvor wirklich begonnen hat. Man sieht jedoch keine laut jubelnde Menschenmenge zum Empfang der Befreier in den Strassen und das hat seine Gr&#252;nde. W&#228;hrend diesem Zeitraum ist die Bev&#246;lkerung von 300&#8216;000 Einwohnern (wovon ein Drittel Fl&#252;chtlinge waren) auf fast null geschrumpft. Das Lager des Guten ist pr&#228;zis und gibt an, dass nur 1&#8216;000 bis 2&#8216;000 Zivilisten unter den Bombenangriffen gestorben sind; die anderen sind vor der Ann&#228;herung der K&#228;mpfe geflohen und versuchen heute auf den Strassen oder in den Fl&#252;chtlingslagern zu &#252;berleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Eroberung Raqqas ist h&#246;chst symbolisch, denn die Stadt, unter der Kontrolle des IS seit Juni 2013, war seine politische Hauptstadt gewesen (obwohl seine Verwaltung einige Monate zuvor nach al-Mayadin, auf dem Euphrat 175 km flussabw&#228;rts, transferiert worden war). Einen Monat sp&#228;ter war eine strategisch bedeutende Schlacht in Abu Kamal &#8211; auf welche wir zur&#252;ckkommen werden &#8211; gleichbedeutend mit dem Ende des Kalifats als protostaatliches territoriales Gebilde. Der Zusammenbruch des IS scheint eine Klammer zu schliessen, jene der Konfrontation zwischen dem B&#246;sen und dem Rest der Welt; von nun an wird die syrische Aktualit&#228;t wieder jene des urspr&#252;nglichen Konflikts sein, dieses B&#252;rgerkrieges, welcher auf die sozialen Proteste 2011 folgte und sie beendete&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-163&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieser Artikel ist die Fortsetzung einer Serie von Artikeln: &#8222;Kalifat und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-163&#034;&gt;163&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Trotz einem Jahre andauernden Prozess der Libanonisierung und Konfrontationen zwischen Hunderten von mehr oder weniger durch ausl&#228;ndische M&#228;chte unterst&#252;tzten Milizen und bewaffneten Gruppen n&#228;hert sich der Konflikt seinem Ende.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Proletarier hatten die Wahl, sich ganz klein zu machen, auszuwandern oder ein Lager zu w&#228;hlen (der Soldatenberuf hat, als einziger in der Region, den Vorteil, einem einen Lohn und eine Mahlzeit zu verschaffen). Doch von nun an bereitet sich jeder in Anbetracht der sich n&#228;hernden Normalisierung auf eine rationalere und klassischere Ausbeutung dieser Arbeitskraft vor, von welcher man annimmt, dass sie vom Bombenhagel und den Ruinen gef&#252;gig gemacht worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Torloses Remis, der Ball im Mittelfeld?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Partie ist gespielt; die Ausschaltung der islamistischen Milizen in den &#246;stlichen Quartieren Aleppos im Dezember 2016 ist der Wendepunkt gewesen. Das Regime in Damaskus wird bleiben und das vom Krieg zerst&#246;rte Syrien wird in (russische, t&#252;rkische oder amerikanische) Einflusszonen unterteilt werden; die K&#228;mpfe von 2017, und wahrscheinlich auch jene 2018, gehen nur darum, die Umrisse davon zu pr&#228;zisieren. Der Erfolg des loyalistischen Lagers, der nicht weit von einem Pyrrhussieg entfernt ist, ist v.a. ein Erfolg Russlands. Mit einer beschr&#228;nkten (und somit relativ g&#252;nstigen) milit&#228;rischen Pr&#228;senz best&#228;tigt Russland seinen Einfluss im Land, verkauft zunehmend Waffen in der Region und st&#228;rkt seinen internationalen Einfluss, indem es sich als unumgehbare Macht im Nahen Osten und in der &#246;stlichen Mittelmeerregion positioniert. Die Effizienz seines Expeditionskorps wird n&#228;mlich mit diplomatischen Durchbr&#252;chen komplettiert: Moskau umgeht die fruchtlosen Verhandlungen in Genf und nimmt ab Januar 2017 den Friedensprozess in Syrien in die Hand, indem es Diskussionsrunden in Astana mit dem Iran, der T&#252;rkei und gewissen islamistischen Rebellengruppen lanciert. Der andere grosse Sieger ist der Iran, welcher seinen Einfluss sowohl in Syrien als auch im Irak vergr&#246;ssert, genau wie in einem geringeren Ausmass sein Verb&#252;ndeter, die libanesische Hizbollah. Die T&#252;rkei hat sich schliesslich im Sommer 2016, nach vielen diplomatischen Sinneswandeln, dem Trio Russland-Iran-Syrien angen&#228;hert, sie versucht ebenfalls, sich als unumgehbaren Akteur in der Region durchzusetzen (sei es nur durch die islamistischen Milizen und den Territorien, die sie nun im Norden Syriens kontrolliert). Das zeigt auch jenen, welche daran gezweifelt haben m&#246;gen, dass wir es offensichtlich nicht mit einem konfessionellen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten zu tun haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA (und ihre westlichen Aushilfskr&#228;fte) behalten vorsichtig, obwohl sie marginalisiert sind, da sie nie eine wahrhafte Strategie in Syrien hatten, und im Gegensatz zu Trumps Versprechen, einen Fuss in der syrischen T&#252;r. Auf g&#252;nstige Art und Weise schaffen sie sich eine Einflusszone, deren einziges Interesse es ist, zu verhindern, dass der russisch-iranische Sieg total ist, und somit Israel und Saudi-Arabien zufriedenzustellen. Donald Trump, den einige als &#8222;islamophob&#8220; bezeichnen, wird vom Prinz Mohammed ben Salman mit dem Titel &#8222;wahrer Freund der Muslime&#8220; beehrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die rivalisierenden Kr&#228;fte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Kalifat&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Mischung zwischen Schach und Poker, zu welcher der syrische Konflikt geworden ist, hielt der IS gute Karten in den H&#228;nden (Territorien, St&#228;dte, Strassen und strategische Standorte, Luftst&#252;tzpunkte, Erd&#246;lquellen usw.); f&#252;r die anderen gegen ihn verb&#252;ndeten Spieler geht es darum, ihm ein Maximum an Karten abzunehmen, die in einer nahen Zukunft im Rahmen von Verhandlungen getauscht werden k&#246;nnen. Daher kommt das Gew&#252;hl, das wir seit einem Jahr beobachten k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab Sommer 2016 ist das Territorium des IS aufgrund der Vorst&#246;sse aller Armeen der Region (t&#252;rkische, kurdische, syrische, irakische usw.) zusammengeschrumpft, bis es im Juli 2017 zum Verlust von Mosul und im Oktober zu jenem von Raqqa kam. Er war trotzdem bis zum Ende f&#228;hig, heftige Gegenoffensiven hinter den Feindeslinien oder an ihren Flanken zu lancieren und gleichzeitig seine Hochburgen bis zu ihren letzten K&#228;mpfern zu verteidigen. Gem&#228;ss eher hohen Sch&#228;tzungen z&#228;hlte er 2014 zwischen 80&#8216;000 und 100&#8216;000 Soldaten in seinen Reihen; im Sommer 2017 waren es wahrscheinlich nur noch etwa 10&#8216;000. Die amerikanische Armee spricht von 80&#8216;000 get&#246;teten IS-K&#228;mpfern seit 2014! Zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, beschr&#228;nkt sich die Armee des Kalifats auf einige Tausende in der W&#252;ste, den Bergen und im Hinterland des Iraks und Syriens zerstreute Anh&#228;nger. Doch, obwohl die Offiziere des IS, gepaart mit dem Fanatismus ihrer Truppen, echte milit&#228;rische Qualit&#228;ten gezeigt haben, muss diese langsame Agonie auch mit der schwachen Koordination seiner sich gegenseitig Steine in den Weg legenden Feinde erkl&#228;rt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl der im Kalifat aufgebaute Verwaltungs-, Wirtschafts- und Sozialapparat methodisch durch westliche Luftschl&#228;ge angegriffen wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-164&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die russische und syrische Luftwaffe haben in der Region Idlib das gleiche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-164&#034;&gt;164&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, um die Bewohner zum Aufstand zu animieren, ist es nicht zu grossen Revolten gekommen (die Zerst&#246;rungen f&#252;hrten wom&#246;glich gar dazu, dass die Bev&#246;lkerung noch abh&#228;ngiger vom Protostaat wurde). Bis zum letzten Moment, und besonders durch nackten Zwang, hat es der IS geschafft, die Kontrolle &#252;ber seine Truppen und seine Bev&#246;lkerung zu behalten; dazu kam die Furcht vor den Befreiern, m&#246;gen sie schiitisch (in Mosul) oder kurdisch (in Raqqa) gewesen sein. Die St&#228;mme haben den definitiven Eigent&#252;merwechsel abgewartet, bevor sie ihren Treueeid modifizierten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die milit&#228;rische Niederlage ist allerdings nicht gleichbedeutend mit dem Ende des IS; Abu Mohammed al-Adnani, der Sprecher der Organisation, warnte im Mai 2016: &#8222;Werden wir besiegt und ihr siegreich sein, wenn ihr Mosul, Raqqa oder Sirte erobert? Selbstverst&#228;ndlich nicht. Die wahre Niederlage w&#228;re der Verlust des Kampfeswillens.&#8220; Die mit Propaganda beauftragten Kader haben sich in ihren Studios und B&#252;ros in Raqqa abgem&#252;ht, um eine Legende zu erschaffen, die andauern und k&#252;nftigen Jihadisten als Referenz dienen wird. Obwohl er anfangs einen sehr lokalisierten, territorialisierten Jihadismus unterst&#252;tzte und in einer eschatologischen Optik versuchte, einen wahrhaften Staat aufzubauen, ist der IS nun f&#252;r Jahre zu einer weltweiten T&#228;tigkeit als terroristisches und Guerillanetzwerk verurteilt (Sahelzone, Nordafrika, Sinai, Irak, Afghanistan, Philippinen&#8230;). Er hatte sich darauf vorbereitet, doch seine Zukunft ist ungewiss: Allm&#228;hliches Verschwinden zugunsten anderer Gruppen? Comeback? Namens&#228;nderung? Erstarken seines radikalen Fl&#252;gels&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-165&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;War der IS vom gem&#228;ssigten Teil der Bewegung angef&#252;hrt worden? Auf jeden (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-165&#034;&gt;165&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;? Verwandlung in ein haupts&#228;chlich europ&#228;isches Problem (da die westlichen Jihadisten am wenigsten an nationalen Logiken interessiert sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-166&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Romain Caillet in L&#8216;Invit&#233; des matins, France culture, 1. November 2017.&#034; id=&#034;nh2-166&#034;&gt;166&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;)?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das loyalistische Syrien&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paradoxerweise haben die milit&#228;rischen Erfolge des loyalistischen Lagers ebenfalls zur Schw&#228;chung des syrischen Staates beigetragen. Abgesehen von einer wachsenden wirtschaftlichen Abh&#228;ngigkeit von Russland und dem Iran kann man auch eine &lt;i&gt;Tendenz&lt;/i&gt; hin zur Libanonisierung des Landes beobachten, d.h. eine Aufl&#246;sung der Macht zugunsten der Milizen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie zentral ist in der R&#252;ckeroberung des Territoriums, ist die der Regierung treu gebliebene syrische Armee (unter dem offiziellen Namen Armee der arabischen Republik Syrien, AAS) in Schwierigkeiten, trotz den 100&#8216;000 bis 150&#8216;000 M&#228;nnern, die sie z&#228;hlt (und wovon vielleicht etwa 50&#8216;000 einsatzf&#228;hig sind). Abgenutzt nach sechs Jahren eines sehr verlustreichen Konflikts (von den wahrscheinlich ungef&#228;hr 500&#8216;000 Toten des Konflikts sind etwa 100&#8216;000 loyalistische K&#228;mpfer) und mit Rekrutierungsschwierigkeiten k&#228;mpfend ist sie gezwungen gewesen, sich im Verlauf der Jahre immer mehr paramilit&#228;rische Gruppen und Einheiten einzuverleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dazu geh&#246;ren allen voran die lokalen Milizen und die &#8222;Volkskomitees&#8220;, die zu Beginn des Konflikts vom Pro-Assad-Lager erschaffen worden waren und innerhalb der Nationalen Verteidigungskr&#228;fte (ungef&#228;hr 100&#8216;000 Mann) vereinigt sind, sie rekrutieren haupts&#228;chlich, aber nicht nur, ethnische und religi&#246;se Minderheiten (Christen, Alawiten, Schiiten, Drusen&#8230;) und in den pal&#228;stinensischen Lagern (das machen auch die &#8222;Rebellen&#8220;). Andere Einheiten, die manchmal schon vor dem Konflikt existierten, sind mit politischen Organisationen verbunden (Baath, Syrische Soziale Nationalistische Partei oder Marxisten-Leninisten), mit sunnitischen St&#228;mmen (v.a. seit der 2017 begonnen Wiedereroberung des Ostens des Landes) oder mit dem Regime nahestehenden Gesch&#228;ftsm&#228;nnern, die sie direkt konstituiert und finanziert haben. Eine Vervielfachung von Milizen, die eine Aufl&#246;sung der hierarchischen Kontrolle und die Entwicklung von kleinkriminellen Praktiken (Pl&#252;nderung, Diebstahl, Schutzgelderpressung) zur Folge hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar innerhalb der regul&#228;ren Armee ist diese Tendenz hin zur Libanonisierung sp&#252;rbar. Um der Krise Herr zu werden, hat die syrische Armeef&#252;hrung den Offizieren vor Ort n&#228;mlich gr&#246;sseren Spielraum gegeben und die Kommandeure der Einheiten haben davon profitiert, um sich eine betr&#228;chtliche Autonomie zu verschaffen (damit ihre Selbstfinanzierung garantiert werden kann); das w&#252;rde die Schwierigkeiten und Funktionsst&#246;rungen in der Befehlskette der AAS erkl&#228;ren, wom&#246;glich gar den &#8211; taktisch wenig rentablen und politisch kontraproduktiven &#8211; Einsatz chemischer Waffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Situation wird durch die zunehmende Pr&#228;senz von ausl&#228;ndischen milit&#228;rischen Einheiten (zwischen 40&#8216;000 und 60&#8216;000 Mann) aus dem schiitischen Halbmond kompliziert, allen voran aus dem Iran, der milit&#228;rische Berater und Spezialkr&#228;fte (die Quds-Einheiten) liefert, dazu kommt jene der Hizbollah. Zu dieser Liste m&#252;ssen irakische Milizen und andere kleine Einheiten hinzugef&#252;gt werden, letztere bestehen allen voran aus afghanischen Hazara (als Fl&#252;chtlinge im Iran sind sie motiviert durch den Sold und der versprochenen Erhaltung der iranischen Nationalit&#228;t).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Inventar der Kr&#228;fte scheint beeindruckend, doch, w&#228;hrend die am wenigsten kampferprobten Einheiten ein grosses Territorium und eine Vielzahl von sekund&#228;ren Fronten kontrollieren mussten, wurden die einsatzf&#228;higsten Truppen kontinuierlich beansprucht und von einem Ende des Landes ins andere gekarrt. Ohne die Hilfe Moskaus h&#228;tten sie nicht das Gleichgewicht mit den islamistischen Armeen wiederherstellen und dann das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zu ihren Gunsten beeinflussen k&#246;nnen. Obwohl das russische Kontingent nominell beschr&#228;nkt ist &#8211; ungef&#228;hr 5&#8216;000 Mann, Logistiker, Instrukteure, Berater und SpezNaz (russische Spezialkr&#228;fte) eingeschlossen, und v.a. etwa f&#252;nfzig Kampfflugzeuge &#8211; wird es sich als sehr effizient erweisen (zu diesem Dispositiv kommen 3&#8216;000 Mann von privaten russischen Milit&#228;rfirmen dazu&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-167&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michel Goya, &#8222;Syrie: le mod&#232;le de l&#8216;intervention russe&#8220; in DSI, Nr. 132, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-167&#034;&gt;167&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In den Rebellengebieten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sich die Niederlage der rebellischen Armee abzeichnet, interessieren sich jene Unterst&#252;tzer und Geldgeber, welche vorher ihre St&#228;rke waren, immer weniger f&#252;r sie. Die wichtigsten davon sind &#252;brigens sehr gespalten, Saudi-Arabien und VAE gegen Katar und die T&#252;rkei. Und w&#228;hrend letztere zu einer Ann&#228;herung mit Russland und sogar dem Iran tendieren, sind die beiden ersteren im Jemen-Krieg festgefahren. Die USA haben seit Anfang 2017 ihre fruchtlosen und teuren Versuche, &#8222;gem&#228;ssigte&#8220; islamistische bewaffnete Gruppen in Syrien zu konstituieren oder zu kontrollieren, ebenfalls eingestellt und sich schliesslich den Kurden der YPG zugewendet (genau wie Frankreich und Grossbritannien), die nur schwer als &#8222;Rebellen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-168&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die USA und ihr jordanischer Verb&#252;ndeter unterst&#252;tzen diese Gruppen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-168&#034;&gt;168&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; klassifiziert werden k&#246;nnen und auf die wir zur&#252;ckkommen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Gruppen &#8211; es gibt mehrere Hundert davon &#8211; &#228;ndern regelm&#228;ssig ihren Namen und gruppieren sich in nicht minder instabilen milit&#228;rischen Koalitionen. Die Gesamtheit ihrer K&#228;mpfer wurde 2016 auf zwischen 100&#8216;000 und 150&#8216;000 gesch&#228;tzt. Das K&#252;rzel FSA (Freie syrische Armee), das von einigen Dutzenden an Gruppen getragen wird, v.a. im S&#252;den des Landes, bezieht sich weder auf eine Armee, noch auf eine Koordination; es handelt sich schlichtweg um eine Etikette, die sich manchmal als n&#252;tzlich erweisen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2017 entstehen zwei m&#228;chtige Koordinationen aus dieser Unzahl an Gruppen und polarisieren sie. Einerseits die Hayat Tahrir al-Sham, die im Januar 2017 aus den &#220;berresten der Rebellengruppen der ehemaligen Nusrafront (die ehemalige syrische Filiale der Al-Qaida) entstanden ist und etwa 30&#8216;000 K&#228;mpfer z&#228;hle (davon viele ausl&#228;ndische Freiwillige), v.a. in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens. Ihre Rivalin ist die Ahrar al-Sham, eine 2011 entstandene Koordination salafistischer Gruppen, die zwischen 10&#8216;000 und 25&#8216;000 in mehreren Provinzen zerstreute K&#228;mpfer z&#228;hle. Diese beiden Organisationen, welche die Provinz Idlib (zwei Millionen Einwohner&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-169&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die H&#228;lfte der Bewohner dieses Gebiets sind Fl&#252;chtlinge, deren Pr&#228;senz einen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-169&#034;&gt;169&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) in eine Festung verwandelt haben, sind wahrhaftige, schwer ausger&#252;stete Armeen. Wenn sie sich verb&#252;nden, sind sie f&#228;hig, mit den Truppen von Damaskus zu rivalisieren, manchmal gar sie bez&#252;glich der Anzahl K&#228;mpfer und Material zu deklassieren (die Luftkraft ausgenommen, sie kompensiert dieses Defizit mehr oder weniger), wie z.B. w&#228;hrend der Schlacht von Aleppo (Sommer 2016) oder jener von Hama (M&#228;rz-April 2017). Doch sie sind auch f&#228;hig, sich gegenseitig um die Kontrolle der St&#228;dte und der Grenzposten mit der T&#252;rkei zu bek&#228;mpfen, d.h. um die Kontrolle des Handels, der humanit&#228;ren Hilfe und der &#8222;Abgaben&#8220;. Da die beiden Koordinationen sich ideologisch nahe stehen (die eine ist eher jihadistisch, die andere steht eher den Muslimbr&#252;dern nahe) und sie global betrachtet &#228;hnliche Ziele haben &#8211; den Aufbau eines mithilfe der Scharia regierten islamischen Regimes in Syrien &#8211;, wechseln einige Gruppen problemlos von der einen zur anderen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die als fiktiv betrachtete Trennung zwischen Al-Nusra und Al-Qaida tendiert dazu, zu einer Realit&#228;t zu werden &#8211; die Radikalen werfen HTS ihre Kompromisse, Zugest&#228;ndnisse und doktrinale Abweichungen vor. Der Sohn von Osama bin Laden, Hamsa, wahrscheinlich der zuk&#252;nftige Anf&#252;hrer von Al-Qaida, rief im September 2017 zum Jihad in Syrien auf, ohne die ehemalige Filiale zu erw&#228;hnen. Die Neuentstehung einer offiziellen Al-Qaida in diesem Land wird zu einer M&#246;glichkeit. Auf internationaler Ebene konnte sich diese Organisation im Schatten des IS entwickeln, letzterer zog alle Aufmerksamkeit und alle Schl&#228;ge auf sich, und sie hat mittlerweile in gewissen Regionen solide territoriale Verankerung (Sahelzone, Jemen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Region Idlib ist im Mai 2017 zu einer Deeskalationszone geworden (siehe weiter unten), russische, t&#252;rkische und iranische Puffertruppen sollten theoretisch dorthin zwischen Rebellen und Loyalisten entsendet werden; was werden die islamistischen Gruppen dazu meinen, welche aus der Region ihre Festung gemacht haben? Der T&#252;rkei w&#252;rde z.B. der Aufbau einer neuen &#8222;nationalen Armee&#8220;, rund um Ahrar al-Sham und den anderen von ihr kontrollierten Gruppen, unter der Befehlshoheit einer interimistischen Verwaltung, nicht missfallen. Was die HTS betrifft, ist es wahrscheinlich, dass sie sich syrischen oder t&#252;rkischen Truppen unterordnen werden muss oder mit ihnen konfrontiert sein wird. Seit Ende November intensivieren sich die K&#228;mpfe mit der AAS. Neue Massaker werden also f&#252;r 2018 vorbereitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist erw&#228;hnenswert, dass die islamistischen Gruppen zwar fast vollst&#228;ndig &#252;ber das Gewaltmonopol verf&#252;gen, das jedoch nicht bedeutet, dass die Bev&#246;lkerung jener Gebiete sie unterst&#252;tzt, wo sie aktiv sind. Sie kann sich ihnen gar manchmal entgegenstellen: So haben die Bewohner mehrerer Orte der Region Idlib im Juli 2017 gegen die Anwesenheit der HTS demonstriert und verhindert, dass sie die lokale Verwaltung kontrolliert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-170&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Delphine Minoui, &#8222;Syrie: au c&#339;ur de la province d&#8216;Idlib, un fragile &#238;lot de (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-170&#034;&gt;170&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Einwohner Syriens tr&#228;umen nicht alle von einem islamischen Staat oder einer Diktatur nach alter Schule, es gibt sogar jene, welche hoffen, es werde eine Demokratie aufgebaut, wie wir sie in Frankreich kennen. Anarchisten und R&#228;tekommunisten schliesslich existieren zwar in Syrien, man muss jedoch leider anerkennen, dass die laufenden Dynamiken in diesem Land seit f&#252;nf oder sechs Jahren kaum in ihrem Sinn sind.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_123 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/jpg/02.carte-syrie-decembre-2017.jpeg-768x567.jpg?1689427024' width='500' height='369' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div class='spip_document_124 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/jpg/01.carte-syrie-septembre-2015-copie-768x567.jpg?1689427029' width='500' height='369' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Krieg unter Freibeutern&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine kurze Rekapitulation der Entwicklung der Situation und gewisser Ereignisse, die nach der Niederschrift unseres letzten Artikels zum Thema im Juli 2016&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-171&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tristan Leoni, &#8222;Kalifat und Barbarei: Warten auf Raqqa&#8220;, Juli 2016.&#034; id=&#034;nh2-171&#034;&gt;171&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; geschehen sind, scheint uns notwendig. Der allm&#228;hliche Zusammenbruch des Kalifats wird von einer Rivalit&#228;t der anderen anwesenden Akteure begleitet, welche sich so viel Territorium wie m&#246;glich aneignen m&#246;chten. Man kann mehrere Wettl&#228;ufe um die Eroberung dieser oder jener Ortschaft oder die Blockade der Route des anderen beobachten, sie enthalten das Risiko, dass sich mehr oder weniger kontrollierte Zusammenst&#246;sse zwischen K&#228;mpfern der rivalisierenden Armeen vervielfachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jedoch die Periode charakterisiert, sind die Fortf&#252;hrung und die Ausweitung eines Anfang 2016 begonnenen Prozesses der &#8222;Konfliktl&#246;sung&#8220;. Parallel zu seiner bewaffneten Intervention hat Russland tats&#228;chlich ein Vers&#246;hnungszentrum er&#246;ffnet, an das am Anfang niemand glauben wollte; es ist jedoch ein Klassiker der Aufstandsbek&#228;mpfung, die Rebellen zu spalten, indem man den gem&#228;ssigsten unter ihnen Waffenstillst&#228;nde, Reintegration und Amnestien anbietet. In diesem Rahmen wurde eine Reihe von Abkommen unterzeichnet, welche seit Jahren von den loyalistischen Kr&#228;ften belagerte Gebiete oder Ortschaften betreffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-172&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die &#252;berraschende L&#228;nge gewisser Belagerungen kann durch die Besonderheiten (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-172&#034;&gt;172&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und einen pr&#228;zisen Prozess vorsehen: Zur&#252;ckgabe des Gebietes; Transferm&#246;glichkeit in ein anderes Rebellengebiet f&#252;r jene, welche es w&#252;nschen (im allgemeinen die K&#228;mpfer, ihre Familien und die politisch am meisten engagierten Personen) &#8211; ein Transfer, der unter der Aufsicht Russlands, der UNO und des Roten Halbmondes bewerkstelligt wird; Stationierung der russischen Milit&#228;rpolizei, humanit&#228;re Hilfsprogramme, Amnestie der Rebellen &#8211; Russland benutzt sein Gewicht gegen&#252;ber Damaskus, um Repression und Vergeltungsmassnahmen zu verhindern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf einer anderen Ebene machen die regelm&#228;ssig abgeschlossenen &#8211; und verletzten &#8211; Waffenstillst&#228;nde zwischen den wichtigsten kriegf&#252;hrenden Parteien ab Januar 2017 dem Friedensprozess von Astana Platz, wo, unter der Schirmherrschaft Russlands, des Irans und der T&#252;rkei, das Regime von Damaskus und gewisse auf dem Terrain aktive Rebellengruppen die L&#246;sung milit&#228;rischer und praktischer Fragen diskutieren (im Gegensatz zu den Verhandlungen in Genf, an welchen sich eine syrische Exilopposition ohne Verbindung zu den k&#228;mpfenden Gruppen beteiligt). Auch hier geht es darum, die Rebellen (wovon einige von der T&#252;rkei unterst&#252;tzt werden) zu spalten: Einerseits jene, mit welchen man verhandeln kann (Zur&#252;ckgaben von Territorium, Reintegration, Amnestien), und andererseits jene, welche von allen als Terroristen betrachtet werden. Vier rebellische Enklaven sind somit im Mai 2017 als &#8222;Deeskalationszonen&#8220; designiert worden, beispielsweise die Region von Idlib, wo sich die K&#228;mpfe allm&#228;hlich beruhigt haben. Andere lokale Abkommen komplettieren das Panorama: z.B. jenes rund um die von den YPG gehaltene, aber von prot&#252;rkischen Milizen bedrohte Stadt Tall Rifaat (die in der N&#228;he des Kantons Afrin liegt)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-173&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Syrian War Report, 7. September 2017.&#034; id=&#034;nh2-173&#034;&gt;173&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie von der Gesamtheit der Abkommen ausgeschlossen sind, werden die HTS und ihre Verb&#252;ndete das ganze Jahr lang von Offensiven profitieren, welche die AAS im Osten des Landes gegen den IS f&#252;hrt, um in der Region Idlib Angriffe gegen die loyalistischen Positionen in Aleppo und Hama zu lancieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderer Aspekt dieser Phase des Konflikts ist der Kampf im Osten zwischen Russland und den USA (repr&#228;sentiert durch die AAS einerseits, die YPG andererseits) um die Aneignung des vom IS kontrollierten Territoriums, v.a. ab seinem Zusammenbruch im Sommer 2017. W&#228;hrend Damaskus versucht, seine Autorit&#228;t wiederzuerlangen, geht es f&#252;r Washington darum, zu verhindern, dass das Regime die syrisch-irakische Grenze kontrolliert und eine Route er&#246;ffnet, die den schiitischen Halbmond Beirut-Damaskus-Bagdad-Teheran miteinander verbindet. Das Ziel der beiden Armeen ist somit die Erreichung und die Eroberung der Grenzstadt Abu Kamal&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-174&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Drei Strassenachsen verbinden Syrien und den Irak: Die erste im Norden geht (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-174&#034;&gt;174&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Relativ gesehen hat man diese Situation mit dem Rennen um Berlin, Prag und Wien zwischen den Alliierten 1945 vergleichen k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-175&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Danyves, &#8222;L&#8216;Est syrien, enjeu v&#233;ritable des quatri&#232;mes n&#233;gociations d&#8216;Astana (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-175&#034;&gt;175&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch damals hatten sich Russen, Amerikaner und Engl&#228;nder &#252;ber Besatzungs- und Einflusszonen verst&#228;ndigt; das ist vielleicht heute in Syrien nicht der Fall, doch ein Minimum an Verst&#228;ndigung wird notwendig sein, um zu verhindern, dass sich die unvermeidbaren Zusammenst&#246;sse w&#228;hrend dem Aufeinandertreffen von AAS und YPG in einen offenen Konflikt verwandeln. Das Risiko ist umso gr&#246;sser, als dass jedes Lager Hilfsmilizen benutzt, die f&#252;r ihre Disziplinlosigkeit bekannt sind, und die Sprache der Bombenangriffe benutzt, um dem anderen Lager die roten Linien aufzuzeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA unternahmen einen ersten Versuch vom S&#252;den herkommend im Juni 2017: Nachdem in Jordanien mehrere Rebellengruppen konstituiert und bewaffnet wurden, wurden sie losgeschickt, um aus Al-Tanf kommend Abu Kamal zu erobern; trotz der Unterst&#252;tzung amerikanischer, britischer und norwegischer (!) Spezialkr&#228;fte wurden diese Gruppen durch den Fortschritt der AAS blockiert. In Anbetracht dieser Niederlage &#228;ndern die USA definitiv ihre Taktik und optieren f&#252;r die Benutzung der YPG/DKS, um diese ber&#252;hmte Stadt vom Norden herkommend, vom linken Ufer des Euphrats aus zu erreichen (wir werden die Frage der Rolle der kurdischen Kr&#228;fte im n&#228;chsten Kapitel ausf&#252;hrlicher diskutieren). Dieses Rennen um die Eroberung von Abu Kamal wird schliesslich im November vom syrischen Regime dank einer gemeinsamen Operation der AAS und aus dem Irak gekommenen schiitischen Milizen gewonnen. Die Eroberung dieser Stadt, die letzte, welche der IS hielt (sei es in Syrien oder im Irak), ist auch gleichbedeutend mit dem Scheitern des amerikanischen Projekts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Rojava hat &#220;bergewicht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine der grossen Gewinnerinnen des syrischen Konflikts ist freilich die PYD (der syrische Arm der PKK). Die Truppen dieser kurdischen Partei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-176&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ist es notwendig, zu pr&#228;zisieren, dass, wenn man von den Handlungen einer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-176&#034;&gt;176&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die YPG, kontrollieren mittlerweile, Ende 2017, rund ein Viertel Syriens; einige ihrer K&#228;mpfer halten heute mehr als 200 km von den kurdischen Siedlungsgebieten entfernt Wache. Entwickelt sich die &#8222;libert&#228;re&#8220; Erfahrung Rojavas im gleichen Rhythmus wie seine leichte Infanterie?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dark Victory in Raqqa&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der extrem mediatisierte Fall der Kalifatshauptstadt hat den Homepages der Aktivisten allerdings nicht wirklich in den Kram gepasst. Wir sind weit entfernt von den lyrischen Lobges&#228;ngen im Herbst 2014 w&#228;hrend der Schlacht von Koban&#234; und das hat einen Grund.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wort &lt;i&gt;Befreiung&lt;/i&gt; ist f&#252;r einige sogar etwas &#252;bertrieben in Bezug auf Raqqa. Nach vier Jahren heftiger K&#228;mpfe und schwerer Luftangriffe&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-177&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wahrscheinlich ist es der Einsatz von chemischen Waffen durch Damaskus, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-177&#034;&gt;177&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist die Stadt praktisch zerst&#246;rt, vier F&#252;nftel davon sind unbewohnbar und von den urspr&#252;nglich 300&#8216;000 Einwohnern ist keiner mehr &#252;brig&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-178&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Luke Mogelson, &#8222;Dark Victory in Raqqa&#8220; in The New Yorker, 6. November 2017.&#034; id=&#034;nh2-178&#034;&gt;178&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Einwohner, genau wie jene der Ortschaften rund um die Stadt, welche vor den K&#228;mpfen geflohen sind, sind nun auf den Strassen oder in Fl&#252;chtlingslagern. Nach langen Verhandlungen zwischen den YPG, der amerikanischen Armee und dem IS (via lokalen Notabeln und Stammesanf&#252;hrern) waren die einigen Tausend &#220;berlebenden aus dem belagerten Stadtzentrum evakuiert worden, das gleiche gilt f&#252;r die letzten K&#228;mpfer und ihre Familien, welche in die Hochburgen des Kalifats zur&#252;ckkehren konnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-179&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Art von Abkommen ist von einer grossen Banalit&#228;t im syrischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-179&#034;&gt;179&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch man muss anerkennen, dass viele Einwohner auch vor der neuen sich abzeichnenden &#8222;Besatzung&#8220; geflohen sind, jene der YPG, welche &lt;i&gt;in dieser Region&lt;/i&gt; einen &#252;beraus schlechten &lt;i&gt;Ruf&lt;/i&gt; haben und mit ethnischer S&#228;uberung, Machtmissbrauch, Rassismus, obligatorischem Milit&#228;rdienst (auch f&#252;r Frauen), usw. assoziiert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-180&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Antoine Hasday, &#8222;&#192; Raqqa, les tribus arabes accepteront-elles un pouvoir (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-180&#034;&gt;180&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dieser Ruf wird von gewissen St&#228;mmen der Region gepflegt, sie sind entweder dem Regime von Damaskus treu geblieben oder haben dem IS die Treue geschworen &#8211; St&#228;mme und Familien sind ob solchen Fragen h&#228;ufig gespalten &#8211; und sie sind den Kurden immer noch zutiefst feindlich gesinnt &#8211; obwohl das grundlegende Problem eine Rivalit&#228;t um den Kauf der fruchtbaren landwirtschaftlichen Nutzfl&#228;chen der Region ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-181&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andrew J. Tabler, &#8222;Eyeign Raqqa. A Tale of Four Tribes&#8221; in The Washington (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-181&#034;&gt;181&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die seri&#246;sesten Scheichs, welchen solche niederen Betrachtungen fernliegen, wissen, dass die Farbe der Uniformen nicht wirklich z&#228;hlt, wichtig ist einzig, dass Ruhe und Sicherheit anhalten und wieder Gesch&#228;fte gemacht werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schaffen wir zwei, drei, viele Kantone&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber nehmen wir den Faden wieder auf. Seit der Schlacht von Koban&#234; 2014, gleichbedeutend mit dem Ende des Fortschritts des IS, haben die YPG bedeutende, zuvor vom IS, islamistischen Gruppen oder der FSA kontrollierte Territorien an sich gerissen, weit mehr als urspr&#252;nglich geplant. Ihr Hauptziel war es, eine territoriale Kontinuit&#228;t zwischen den drei kurdischen Siedlungsgebieten im Norden Syriens zu schaffen, den &#8222;Kantonen&#8220; Ciz&#238;r&#234;, Koban&#234; und Afrin; was die Eroberung von den sie trennenden, mehrheitlich von Arabern besiedelten Gebieten implizierte. Ein Plan, der von der T&#252;rkei durchkreuzt worden ist, sie kontrolliert seit August 2016 eines der Territorien mithilfe von islamistischen Gruppen. Es ist erw&#228;hnenswert, dass einige Gebiete, besonders &#246;stlich von Afrin, im Februar 2016 in Zusammenarbeit mit der AAS erobert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Oktober 2015 werden unter der Schirmherrschaft der USA die Demokratischen Kr&#228;fte Syriens (DKS) geschaffen, eine milit&#228;rische Koalition, welche die R&#252;ckeroberung von vom IS gehaltenen Regionen erleichtern soll, wo die Kurden in der Minderheit oder inexistent sind; zu diesem Zweck werden den YPG mehrere arabische bewaffnete Gruppen anvertraut. Der von da an bedeutende territoriale Fortschritt der DKS w&#228;re ohne die Unterst&#252;tzung der USA nicht m&#246;glich gewesen: logistische Hilfe, Waffenlieferungen, Ausbildung, Unterst&#252;tzung durch Spezial- und Luftkr&#228;fte. Die Stationierung von Bodentruppen Seite an Seite mit den YPG bleibt trotzdem ziemlich bescheiden und diskret; obwohl mehrere amerikanische St&#252;tzpunkte in Rojava aufgebaut worden sind, sind es v.a. Operationsst&#252;tzpunkte, nur zwei davon sind strategisch und haben Landepisten f&#252;r Grossraumflugzeuge&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-182&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Juli 2017 versuchte die T&#252;rkei, Washington zu st&#246;ren, indem sie durch die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-182&#034;&gt;182&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Anzahl der K&#228;mpfer in den Spezialkr&#228;ften der YPG-DKS ist allm&#228;hlich gestiegen und hat sich bei 900 stabilisiert (dazu kommen die franz&#246;sischen und britischen Milit&#228;rkr&#228;fte). Schwereres Gesch&#252;tz hat das Dispositiv komplettiert: eine gepanzerte Rangereinheit, Anfang 2017 in der Gegend von Manbidsch stationiert (eine arabische Stadt, die von den YPG erobert worden ist), damit sie nicht mehr von den T&#252;rken bedroht werden kann; Marineeinheiten (Pionier- und Artillerietruppen im Rahmen der Offensive gegen Raqqa&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-183&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alexandre Alati, &#8222;Objectif Raqqa. Les moyens d&#8216;appui US en Syrie&#8220; in Raids, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-183&#034;&gt;183&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Im Mai 2017 erlaubte Trump auch die Lieferung von schwerem Gesch&#252;tz an die YPG, z.B. etliche gepanzerte Fahrzeuge zum Transport von (Pionier-)Truppen (milit&#228;risches Material, das zuvor arabischen Einheiten der DKS vorbehalten war, um Ankara nicht zu provozieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-184&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Laurent Lagenau, &#8222;Le pr&#233;sident Trump approuve la livraison d&#8216;armes aux (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-184&#034;&gt;184&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die YPG verf&#252;gen mittlerweile &#252;ber ein breites Spektrum an amerikanischen, russischen und franz&#246;sischen Panzerabwehrflugk&#246;rpern, die theoretisch von diesen Waffenlieferungen ausgeschlossen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Austausch zu dieser Unterst&#252;tzung, welche ihr erlaubt, ihre eigenen Ziele zu erreichen, hat die PYD akzeptiert, die ber&#252;hmten &#8222;Bodentruppen&#8220; zur Verf&#252;gung zu stellen, welche den USA dermassen fehlten; sie waren daf&#252;r verantwortlich, Raqqa zu erobern und die Verkehrsachse Beirut-Damaskus-Bagdad-Teheran zu unterbrechen. Diese Operation war letztendlich gescheitert f&#252;r die amerikanische Strategie, aber erlaubte es trotzdem den YPG-DKS, das ganze Nordufer des Euphrats zu erobern und als nicht vernachl&#228;ssigbare Beute mehrere syrische Gas- und &#214;lfelder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Damaskuserlebnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese neue Situation kompliziert selbstverst&#228;ndlich die Beziehungen zwischen der PYD und der syrischen Regierung. Es sollte daran erinnert werden, dass die Partei nicht die Unabh&#228;ngigkeit Kurdistans in Syrien fordert, sondern nur den Aufbau im Rahmen des bestehenden syrischen Staates einer f&#246;deralistischen Funktionsweise mit einer grossen Autonomie f&#252;r die Regionen. Was auch immer die ausgehandelten Abkommen von 2011 sein m&#246;gen &#8211; und was auch immer man davon halten mag &#8211;, so war es doch f&#252;r Rojava immer notwendig, gute Beziehungen zu Damaskus zu unterhalten, sei es nur aus wirtschaftlichen Gr&#252;nden, zumindest durch Handelswege in der Luft oder, seit es wieder m&#246;glich ist, am Boden. Wenn z.B. das im Kanton Ciz&#238;r&#234; extrahierte Erd&#246;l zum Teil kleinindustriell raffiniert wird, so wird doch ein grosser Teil verkauft an die Regierung in Damaskus, die im Gegenzug der PYD Treibstoff verkauft. Diese Abkommen erlauben auch die Erschliessung des Kantons Afrin und, durch die loyalistischen Gebiete, eine Strassenverbindung mit den anderen Kantonen (auch f&#252;r die milit&#228;rischen Konvois der YPG).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige franz&#246;sische Kommentatoren und Aktivisten wollen lieber nicht dar&#252;ber sprechen, sie versuchen stattdessen die Existenz einer Animosit&#228;t zwischen Damaskus und Rojava aufzuzeigen, indem sie den Fokus auf die &lt;i&gt;einige Tage&lt;/i&gt; andauernden Zusammenst&#246;sse zwischen den loyalistischen Kr&#228;ften und den YPG in den von letzteren umzingelten St&#228;dten lenken (Spannungen, die schnell dank russischer Vermittlung abgebaut worden sind). Sie verschweigen die befriedete Koexistenz, welche die beiden Armeen &lt;i&gt;seit Jahren&lt;/i&gt; verbindet (manchmal innerhalb einer gleichen Stadt) &#8211; und zudem ihre enge Zusammenarbeit w&#228;hrend verschiedenen wichtigen Zeitpunkten, besonders die R&#252;ckeroberung der &#246;stlichen Quartiere Aleppos&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-185&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Schliessung des Azaz-Korridors im Februar 2016 durch eine gemeinsame (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-185&#034;&gt;185&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche das Misstrauen vieler &#8222;Rebellen&#8220; gegen&#252;ber den YPG durchaus erkl&#228;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem, und logischerweise, war das Zusammentreffen von AAS und DKS entlang des Euphrats und zu Ungunsten des IS im Herbst 2017 von mehreren Zusammenst&#246;ssen gepr&#228;gt, welche durch die Achtsamkeit der USA und Russland folgenlos geblieben sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Und welche Zukunft?&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf des Jahres 2017 haben die USA eine St&#228;rkung der arabischen Komponente der DKS unterst&#252;tzt, indem arabische Rekruten in die YPG aufgenommen, doch auch indem diverse gegen Assad gerichtete Kr&#228;fte im Nordosten in die DKS eingegliedert worden sind: Einheiten, welche das Etikett FSA behalten, kleine islamistische Milizen (auch ehemalige Verb&#252;ndete des syrischen Arms der Al-Qaida) und bewaffnete Gruppen gewisser St&#228;mme. Die DKS z&#228;hlen also im Herbst 2017 ungef&#228;hr 80&#8216;000 K&#228;mpfer, davon 60&#8216;000 der YPG (wovon ein Drittel Frauen sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-186&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K&#228;mpferinnen, die manchmal innerhalb spezifischer Einheiten gruppiert (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-186&#034;&gt;186&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Man sieht, dass die kurdische Komponente, obwohl sie mechanisch an Bedeutung verliert, doch zentral bleibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation ist komplexer auf dem politischen Terrain, denn die milit&#228;rischen Siege der YPG und die territoriale Ausdehnung Rojavas bringen auch gewisse Probleme. Obwohl die PYD in den drei urspr&#252;nglichen, mehrheitlich kurdischen Kantonen n&#228;mlich die politische B&#252;hne beherrschen kann &#8211; indem sie sich auf einige kleinere Verb&#252;ndete und eine Vielzahl unter ihrer Kontrolle stehende Vereine st&#252;tzt und indem sie das Monopol zur Bewaffnung beh&#228;lt &#8211;, so sieht die Situation in den gemischten oder mehrheitlich von Arabern besiedelten Gebieten anders aus. Die PYD muss sich ihren neuen Verb&#252;ndeten anpassen: Obwohl einige ans westliche Modell der Demokratie glauben, so sind doch andere Anh&#228;nger einer Funktionsweise und einer Ethik, die kaum libert&#228;r sind&#8230; Die in gewissen arabischen St&#228;dten, in entv&#246;lkerten Ruinen wie Tabqa und Raqqa eingef&#252;hrten Institutionen mussten also Notabeln und Stammesanf&#252;hrern einen wichtigen Platz einr&#228;umen (manchmal waren sie einige Tage zuvor noch mit dem IS verb&#252;ndet), doch haben auch den einen oder anderen entt&#228;uscht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-187&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Syrian Kurds Face Fresh Test Ruling Arab Regions after Isis&#8220; in Financial (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-187&#034;&gt;187&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere Komplikation: Obwohl Ende 2016 der Name Rojava (&#8222;westliches Kurdistan&#8220; auf kurdisch) aufgegeben und mit jenem der &#8222;Demokratischen F&#246;deration Nordsyrien&#8220; ersetzt worden ist, um die arabischen Minderheiten nicht zu provozieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-188&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wird das Wort &#8222;Rojava&#8220; gar nur im Westen gebraucht? Der Eid der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-188&#034;&gt;188&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, hat die territoriale Ausdehnung auch die demographische Zusammensetzung dieser Verwaltungseinheit modifiziert und die Kurden sind wahrscheinlich nicht mehr in der Mehrheit. Aufgrund der j&#252;ngsten K&#228;mpfe, welche etliche Ortschaften entv&#246;lkert haben, ist es unm&#246;glich, zu wissen, wie viele Einwohner heute auf diesem Territorium &#252;berleben, doch verst&#228;ndlich, wieso die R&#252;ckkehr der Fl&#252;chtlinge mittlerweile einen politischen Streitgegenstand darstellt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-189&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fabrice Balanche, &#8222;Un Kurdistan ind&#233;pendant peut-il vraiment &#233;merger du (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-189&#034;&gt;189&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die K&#228;mpfer der YPG sind also in einer zumindest ungem&#252;tlichen Situation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-190&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Oktober f&#252;hrte das gegen die Einwohner von Raqqa ausgesprochene Verbot, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-190&#034;&gt;190&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Umso mehr, weil noch eine andere Frage hinzukommt, jene des obligatorischen Milit&#228;rdienstes, neun bis zehn Monate f&#252;r mindestens ein Mitglied jeder Familie. Diese Dienstpflicht gab es bereits in den kurdischen Kantonen, sie dehnt sich 2017 allm&#228;hlich auf die anderen von den YPG kontrollierten Regionen aus: Die Armeef&#252;hrung hat n&#228;mlich angek&#252;ndigt, dass sie bis Ende Jahr die symbolische Zahl von 100&#8216;000 K&#228;mpfern erreicht haben m&#246;chte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-191&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Perry, &#8222;Syrian Kurdish YPG Aims to Expand Force to over 100'000&#8221; in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-191&#034;&gt;191&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die YPG gliedern also immer mehr junge Araber ein, viele davon haben an den K&#228;mpfen in Raqqa teilgenommen &#8211; die Betreuung und die Offiziere bleiben nat&#252;rlich kurdisch. Im November kam es zu Demonstrationen gegen die Wehrpflicht rund um die St&#228;dte Tabqa und Manbidsch, begleitet von einem H&#228;ndlerstreik, Ereignisse, welche von den YPG als Manipulationen des t&#252;rkischen respektive syrischen Geheimdienstes bezeichnet werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-192&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn in Frankreich wie in den 1970er und 1980er Jahren eine antimilitaristischer&#034; id=&#034;nh2-192&#034;&gt;192&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die j&#252;ngere Geschichte hat uns gezeigt, dass eine Armee, welche die Demokratie in ein Territorium bringt, ohne formell eingeladen worden zu sein, f&#252;r die Bev&#246;lkerung schnell zu einer Besatzungsarmee werden kann. Das k&#246;nnte den YPG in den mehrheitlich arabischen Gebieten geschehen. Schon jetzt nutzt Ankara seinen Einfluss in der Region und unterst&#252;tzt arabische Protestbewegungen gegen die kurdische Beh&#246;rde, welche sich durchaus in einer nahen Zukunft in eine islamistische Guerilla und Attentate verwandeln k&#246;nnten. Es ist also wahrscheinlich, dass sich die PYD allm&#228;hlich in die kurdisch besiedelten Gebiete zur&#252;ckziehen und gewisse St&#228;dte (sowie die wichtigsten &#214;lfelder) den Beh&#246;rden von Damaskus oder einer unter amerikanischer Schirmherrschaft stehenden Interimsverwaltung zur&#252;ckgeben muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wird Rojava unter diesen Umst&#228;nden in den n&#228;chsten Jahren aussehen? Man kann wohl beruhigt sein, denn die Lieferung von Waffen und Panzern war wahrscheinlich nur ein Teil des abgeschlossenen Gesch&#228;fts; Washington hat sich h&#246;chstwahrscheinlich engagiert, einen F&#246;deralisierungsprozess Syriens und die Konstitution einer kurdischen Region zu unterst&#252;tzen, somit eine milit&#228;rische Pr&#228;senz in der Region aufrechtzuerhalten, mag sie auch nur symbolisch sein. Doch wie lange? Denn ohne Schutzpatron w&#228;re Rojava in einer schwierigen Situation, eingeklemmt zwischen Damaskus und Ankara. Ausser es wird Ersatz gefunden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-193&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einige erw&#228;hnen Saudi-Arabien, unter der Bedingung, dass die YPG ein Stachel (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-193&#034;&gt;193&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Russland ist schliesslich auch da, unterst&#252;tzt ebenfalls die f&#246;derale Vision der PYD, stellt den Kanton Afrin unter seinen Schutz (indem es Panzer seiner Milit&#228;rpolizei dort stationiert) und &#252;bernimmt Vermittlungsdienste mit der Regierung in Damaskus. Doch es bleibt v.a. verb&#252;ndet mit derselben. Der Schaffung eines f&#246;deralen Syriens und einer Region im Norden im Genuss einer grossen Autonomie ist wom&#246;glich auf gutem Weg &#8211; die Situation d&#252;rfte schliesslich &#228;hnlich herauskommen wie im irakischen Kurdistan. Das dort herrschende politische Regime wird wahrscheinlich noch lange weit entfernt von westlichen Schemata sein, aber noch weiter entfernt von einer &#8222;libert&#228;ren Utopie&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Und welche Gesellschaft&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der westlichen linksradikalen Szene m&#252;ssen sogar die letzten Bewunderer &#8222;der libert&#228;ren Utopie&#8220; Rojavas &#8222;den staatlichen Aspekt&#8220; dieser &#8222;Erfahrung&#8220;, ihre &#8222;protostaatlichen Institutionen&#8220;, das Gewicht der PYD, die obligatorische Wehrpflicht, den Personenkult, den Respekt des Privateigentums usw. anerkennen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-194&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Entretien avec Pierre Bance&#8220; in Le Comptoir, 20. Oktober 2017.&#034; id=&#034;nh2-194&#034;&gt;194&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie hegen trotzdem immer noch die Hoffnung, dass die Situation sich mit der Zeit positiv entwickeln kann. W&#228;hrend darauf gewartet wird, wird viel von &lt;i&gt;Kommunen&lt;/i&gt; gesprochen, welche die PYD in den D&#246;rfern und Quartieren aufbaut. Sie haben jedoch nicht viel mit Arbeiterr&#228;ten zu tun, sie sind v.a. Quartierr&#228;te mit beschr&#228;nkter Macht, konsultativ und der Rolle einer ersten juristischen Vermittlungsinstanz. Die restliche politische und administrative Funktionsweise, die scheinbar sehr b&#252;rokratisch sein soll, ist jedoch von den westlichen demokratischen Institutionen inspiriert &#8211; was tats&#228;chlich in Syrien eine Neuheit darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Regime in Rojava proklamiert auch seinen &#8222;Willen, eine Organisationsform der Gesellschaft zu verteidigen, welche die Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen und die sprachliche Diversit&#228;t respektiert&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-195&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Groupe d'amiti&#233; France-Syrie du S&#233;nat, &#8222;Entretien avec M. Khaled Issa, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-195&#034;&gt;195&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und &#8222;eine br&#252;derliche, demokratische, &#246;kologische und emanzipatorische Gesellschaft f&#252;r alle ohne Unterscheidung zwischen Geschlechterrollen, Ethnien oder Konfessionen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-196&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Seite &#8222;Le contrat social&#8220; auf der Homepage der Repr&#228;sentation Rojavas in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-196&#034;&gt;196&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das ist sch&#246;n und gut, genau wie die Einf&#252;hrung der Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen in allen Bereichen. Doch ist es nicht ein bisschen &#252;bertrieben, diese Prinzipien als &#8222;revolution&#228;r&#8220; zu bezeichnen? Und, wenn pr&#228;zisiert wird &#8222;f&#252;r patriarchale Gesellschaften&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-197&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Entretien avec Pierre Bance&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-197&#034;&gt;197&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, muss man verstehen &#8222;f&#252;r diese Leute dort&#8220;? Denn wir sehen nicht sehr gut, weshalb &#8222;Revolution&#228;re&#8220; einen solchen Prozess unterst&#252;tzen und beweihr&#228;uchern sollten, ausser man glaubt in einem umgekehrten orientalistischen Elan, dass das &lt;i&gt;f&#252;r sie&lt;/i&gt; sehr gut ist, oder, dass (vielleicht nach den j&#252;ngsten theoretischen Entdeckungen) der Aufbau einer parlamentarischen Demokratie nach westlichem Modell mittlerweile eine unausweichliche Etappe auf dem Weg zu einer k&#252;nftigen sozialen Revolution darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl 2014 eine Verwirrung noch m&#246;glich war, ist es unverst&#228;ndlich wie einige 2017 in Rojava eine &#8222;revolution&#228;re&#8220; und &#8222;libert&#228;re&#8220; Erfahrung, ja gar eine der &#8222;Selbstverwaltung&#8220; wahrnehmen. Wir werden nicht weiter dar&#252;ber sprechen. Das Wort &#8222;Revolution&#8220; ist in der g&#228;ngigen Sprache weitgehend abgenutzt worden und hat keinen pr&#228;zisen politischen Sinn mehr. Es scheint, dass nun das gleiche in den linksradikalen oder anarchistischen Milieus geschieht, wo dieses Wort immer h&#228;ufiger ein Synonym ist f&#252;r eine &lt;i&gt;Evolution&lt;/i&gt; in Richtung mehr Demokratie. Wenn wir neben den Schlachten auch noch die Worte verlieren, schrumpft die Utopie selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Im Irak, zur&#252;ck auf Feld eins?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im Oktober 2016 lancierte Schlacht zur Wiedereroberung der Stadt Mosul vom IS endete offiziell im Juli 2017, sie war verantwortlich f&#252;r sehr schwere Verluste in den Reihen der irakischen Streitkr&#228;fte, Zehntausende von Toten, und wahrscheinlich gleich vielen unter den Zivilisten. Zwei Drittel der 1.5 Millionen Einwohner sind vor den K&#228;mpfen und den Bombenangriffen geflohen. Von einem humanit&#228;ren Standpunkt aus betrachtet steht diese Schlacht jener von Aleppo in nichts nach. Der Rest des Landes ist nach heftigen K&#228;mpfen allm&#228;hlich von einer &#8211; nach dem Debakel von 2014 &#8211; rekonstituierten irakischen Armee und einer Unmenge von Milizen zur&#252;ckerobert worden. Die dynamischsten letzterer sind die Haschd al-Shaabi, die &#8222;Volksmobilmachungskr&#228;fte&#8220;: eine Koalition von Dutzenden mehrheitlich schiitischer Milizen (mit einigen sunnitischen oder christlichen Ausnahmen). Obwohl einige am Kampf gegen die amerikanische Invasion nach 2003 beteiligt waren, wurden die meisten im Sommer 2014 gebildet, nach einer vom grossen Ayatollah Ali al-Sistani lancierten Fatwa. W&#228;hrend die regul&#228;re Armee mit Rekrutierungsschwierigkeiten konfrontiert ist, haben sich Tausende Freiwillige den Volksmobilmachungskr&#228;ften angeschlossen, haupts&#228;chlich junge Arbeitslose. Bestehend aus 100&#8216;000 Mann waren sie an allen K&#228;mpfen beteiligt, auch in den sunnitischen Gebieten und Ortschaften (ausser innerhalb von Mosul).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie grosse Unterst&#252;tzung vom Iran geniessen, gibt es in den Volksmobilmachungskr&#228;ften keine politische Einheit, h&#246;chstens einen starken irakischen Nationalismus, und sie sind in mehrere Fraktionen gespalten, deren Anf&#252;hrer in der Zukunft gewiss eine politische Rolle spielen werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-198&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Milices chiites, principale menace de l&#8216;apr&#232;s-Daech?&#8220; in Cultures monde, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-198&#034;&gt;198&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl einige, wie der schiitische Anf&#252;hrer Moktada al-Sadr (der die Unterst&#252;tzung der sunnitischen Bev&#246;lkerungen erlangen m&#246;chte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-199&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es w&#252;rde darum gehen, den Einfluss des Irans zu beschr&#228;nken, und sich daf&#252;r (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-199&#034;&gt;199&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), dazu aufgerufen haben, ist es unwahrscheinlich, dass sie zerschlagen werden, sei es nur, weil sie seit drei Jahren eine Einkommensquelle f&#252;r Zehntausende schiitischer Familien sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele dachten, dass das irakische Kurdistan siegreich aus jenem Konflikt hervorgehen w&#252;rde, welcher es ihm erlaubt hatte, die Kontrolle &#252;ber von der irakischen Armee 2014 verlassene oder vom IS zur&#252;ckeroberte Gebiete zu &#252;bernehmen, besonders Kirkuk und seine &#214;lreserven. Dabei vergass man, dass diese Region zwischen zwei rivalisierenden Clans gespalten ist (der eine ist mit Ankara verbunden, der andere schaut nach Teheran) und Korruption und Vetternwirtschaft allgegenw&#228;rtig sind, die Konsequenzen einer auf der &#214;lrente basierenden Wirtschaft. Das Unabh&#228;ngigkeitsreferendum im September 2017 war wahrscheinlich ein Mittel, um den Einsatz gegen&#252;ber Bagdads zu erh&#246;hen, doch es war mit einer einhelligen internationalen Feindseligkeit konfrontiert: Sie war gr&#252;nes Licht f&#252;r die Volksmobilmachungskr&#228;fte, die nur einige Tage brauchten, um erneut die Kontrolle &#252;ber die umk&#228;mpften Gebiete zu &#252;bernehmen &#8211; der Zerfall der aufgedunsenen Peschmergas war f&#252;r Kurdistan gleichbedeutend mit dem Verlust von 50% seiner &#214;leinkommen und der Verlegung der Unabh&#228;ngigkeit auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist der Irak zum Status quo ante 2013 zur&#252;ckgekehrt &#8211; zur Herrschaft der arroganten Schiiten und der Marginalisierung der Sunniten &#8211;, jener, welcher vor der Geburt und des Erfolgs des IS vorgeherrscht hatte? Viel fehlt nicht. Ausser, dass die geschw&#228;chten Kurden dieses Ungleichgewicht nicht mehr werden ausgleichen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abgesehen auch von der Tatsache, dass die schiitische Macht, zus&#228;tzlich zur amerikanischen Unterst&#252;tzung, mittlerweile &#252;ber eine starke Unterst&#252;tzung Teherans und, in einem geringerem Ausmass, Moskaus verf&#252;gt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abgesehen auch von der Tatsache, dass das Land nie dermassen vom Krieg zerst&#246;rt war (Hunderte Milliarden Dollar seien notwendig f&#252;r seinen Wiederaufbau, eine Milliarde alleine f&#252;r die Stadt Mosul).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abgesehen auch von der Tatsache, dass das Land immer noch &#252;ber viel Erd&#246;l verf&#252;gt, das vor der Episode des Kalifats zu 60% nach Asien, zu 20% nach Amerika und zu 20% nach Europa exportiert worden war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abgesehen auch von der Tatsache, dass jetzt schon sunnitische islamistische Gruppen angek&#252;ndigt haben, dass sie einen Guerillakrieg gegen die amerikanischen Truppen und die Armee Bagdads f&#252;hren werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Wiederaufbau Syriens&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein grosser Teil Syriens ist eine einzige Ruine und seine Wirtschaft, die sich in einem desastr&#246;sen Zustand befindet, habe einen Sprung 30 Jahre nach hinten gemacht, mit einem um 55% geschrumpften BIP zwischen 2010 und 2015 und einem industriellen Sektor, der wegen Zerst&#246;rungen und Diebst&#228;hlen um 50% geschrumpft ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-200&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe das Kapitel &#8222;Eine Wirtschaft in Fetzen&#8220; in &#8222;Kalifat und Barbarei: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-200&#034;&gt;200&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Wiederaufbau des Landes w&#252;rde Hunderte Milliarden Dollar kosten. Zerst&#246;rt oder besch&#228;digt, alles muss wiederaufgebaut werden &#8211; zwei Millionen Wohnungen, Tausende Schulen, Dutzende Spit&#228;ler, Strassen, Wasser- und Stromversorgung usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch nur weil ein Land oder eine Region eine einzige Ruine ist, bedeutet das nicht, dass es oder sie wiederaufgebaut werden &lt;i&gt;muss&lt;/i&gt;. Und von wem? Weshalb? Die syrische Regierung wird es nicht aus Grossz&#252;gigkeit tun, sie braucht den Wiederaufbau, um ihre Macht und einen Anschein von sozialem Frieden wiederzuerlangen, und jene Regionen, welche sich ihr gegen&#252;ber am feindlichsten gezeigt haben, werden nicht in den Genuss einer priorit&#228;ren Aufmerksamkeit kommen. Die &#228;usseren Kriegsteilnehmer sind auch nicht viel philanthropischer, man sieht es gut in Raqqa: Die westliche Luftwaffe hat die Stadt in Schutt und Asche gelegt und die YPG haben sie erobert; aber wer wird bezahlen, sei es nur, um die Wasser- und Stromversorgung wiederaufzubauen? (Das ist umso weniger klar, als dass man nicht weiss, wer die Stadt in einem Jahr kontrollieren wird.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee eines weitreichenden Wiederaufbaus wird f&#252;r die syrische Regierung erst mit der russischen Intervention im September 2015 wirklich glaubw&#252;rdig. Denn man versteht allerseits, dass diese Macht, mit oder ohne Assad, nicht verschwinden wird; die Eroberung der Ostquartiere Aleppos im Dezember 2016 hat es den Skeptikern best&#228;tigt. F&#252;r jene, welche dem Regime nahestehen und sich dank der Kriegswirtschaft bereichert haben, geht es darum, die R&#252;ckkehr zum Frieden vorzubereiten, d.h. erneut gew&#246;hnliche Gesch&#228;fte zu machen &#8211; einige sehen in diesem Ruinenfeld die Gelegenheit, die vor 2011 lancierten liberalen Reformen weiterzuf&#252;hren. In dieser Perspektive hat der syrische Staat gesetzliche Anpassungen vorgenommen, welche die &#246;ffentlich-private Partnerschaft und die Privatisierungen beg&#252;nstigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-201&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Benjamin Barthe, &#8222;Reconstruction en Syrie : les entreprises acquises au (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-201&#034;&gt;201&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es geht auch darum, die syrischen Chefs, welche ihre T&#228;tigkeiten zu Beginn des Konflikts in andere L&#228;nder der Region verlegt haben, zur R&#252;ckkehr zu bewegen, besonders die Textilindustriellen, welche gegenw&#228;rtig &#228;gyptische Arbeitskraft ausbeuten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-202&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#196;gypten will nicht, dass diese Investoren das Land verlassen und hat den Bau (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-202&#034;&gt;202&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das frappierendste Anzeichen dieses sich abzeichnenden Wiederaufbaus, welcher nur die Verl&#228;ngerung der Vorkriegszeit mit anderen Mitteln ist, ist jenes der Stadtplanung: Man sieht spektakul&#228;re Projekte aufbl&#252;hen, welche manchmal nur aufgew&#228;rmte Varianten von schon vor dem Konflikt bestehenden Pl&#228;nen sind, sie hatten damals bereits zur Unzufriedenheit der Bev&#246;lkerung beigetragen, wie z.B. der Traum des B&#252;rgermeisters von Homs, seine Stadt in ein Las Vegas des Orients zu verwandeln. Es geht einerseits darum, die besch&#228;digten Stadtzentren zu renovieren, andererseits, wie es am h&#228;ufigsten der Fall ist, die weitl&#228;ufigen &#8222;informellen Quartiere&#8220; der Peripherien zu restrukturieren, wo das aus dem Umland gekommene Proletariat logierte und die Revolte 2011 begonnen hat. Viele dieser Quartiere wahren die B&#252;hne heftiger K&#228;mpfe und sind mittlerweile zu Ruinenfeldern reduziert worden&#8230; Ideal, um Tabula rasa zu machen und sch&#246;ne Geb&#228;ude hinzustellen, wo die dem Regime treu gebliebenen Mittelklassen und die ihm treu gebliebene Bourgeoisie logiert werden k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-203&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Rollin, &#8222;Syria's Reconstruction Plans Take Shape&#8220;, 22. Mai 2017.&#034; id=&#034;nh2-203&#034;&gt;203&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Krieg erleichtert die Gentrifizierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es stellt sich jedoch die Frage der Finanzierung. Weder der syrische Staat &#8211; dessen Kassen leer sind und dessen Verschuldung stark gestiegen ist (v.a. gegen&#252;ber dem Iran und Russland) &#8211; noch die privaten lokalen Akteure werden sie komplett tragen k&#246;nnen. Daher sucht man im Rahmen von liberalen Reformen ausl&#228;ndische Investitionen. Die Fortdauer einer gewissen Unsicherheit, einer Vetternwirtschaft, der Mauscheleien und der Korruption bremst das ganze nat&#252;rlich weiterhin &#8211; es werden also viele Projekte gemacht &#8211;, doch all das hindert die syrische Regierung nicht daran, sich noch st&#228;rker anzustrengen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abkommen und professionelle internationale Foren, welche dem Wiederaufbau gewidmet sind, folgen aufeinander, sowohl in Damaskus als auch im Ausland (Beirut, Amman und Peking 2017), Gelegenheiten, um potentielle Partner oder Investoren zu treffen, welche aus Russland oder dem Iran gekommen sind, aber auch aus Jordanien, Weissrussland, S&#252;dafrika, Indien, Malaysia und sogar aus den Golfstaaten und aus dem Irak&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-204&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mohammed Ghazal in Amman, &#8222;Les promoteurs arabes r&#233;fl&#233;chissent &#224; la (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-204&#034;&gt;204&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Brasilien ist dabei, die diplomatischen Beziehungen mit Damaskus wiederaufzunehmen, um Marktanteile zu erhalten. Der Libanon ist ganz vorne dabei: Die Chefs im Baugewerbe hoffen, dass sie von ihrer Erfahrung profitieren k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-205&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einige haben sich einen Vorsprung herausgeholt, so z.B. jener (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-205&#034;&gt;205&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und das Land tr&#228;umt davon, das Eingangsportal f&#252;r die Baustellen Syriens via Sonderwirtschaftszone von Tripoli zu sein &#8211; sie ist dabei, gebaut zu werden, es sind eine Vergr&#246;sserung des Hafens, der Bau von Autobahnen und die Reaktivierung des (w&#228;hrend dem libanesischen B&#252;rgerkrieges zerst&#246;rten) Eisenbahnnetzes vorgesehen. Die von den Wirtschaftssanktionen der EU eingeschr&#228;nkten Europ&#228;er sind von diesen Diskussionen praktisch abwesend. Baschar al-Assad hat &#252;brigens, wenig &#252;berraschend, im August erkl&#228;rt, dass jene L&#228;nder, welche die &#8222;Terroristen&#8220; unterst&#252;tzt hatten (sprich die westlichen L&#228;nder und die Golfstaaten, welche bewaffnete islamistische Gruppen finanziert haben), von der Kuchenteilung des Wiederaufbaus ausgeschlossen sein werden. Den Riesen des franz&#246;sischen Bausektors werden im besten Fall einige unbesetzte Nischen in die H&#228;nde fallen, z.B. der von der UNESCO finanzierte Wiederaufbau des historischen Kulturerbes&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-206&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alexis Feertchak, &#8222;Pour sa reconstruction, la Syrie se tourne vers l'Asie&#8220; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-206&#034;&gt;206&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Damaskus privilegiert die Schwellenl&#228;nder (die sich neutral gezeigt haben), China und, allen voran, Russland und den Iran. F&#252;r diese drei letzteren L&#228;nder repr&#228;sentiert Syrien, neben den m&#246;glichen Markterschliessungen, ein strategisches Gebiet zwischen Asien und Europa, insbesondere f&#252;r den Transport von Treibstoffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im April 2016 hat Russland mit Syrien einen ersten, ungef&#228;hr eine Milliarde Dollar schweren Vertrag zum Wiederaufbau der Stromversorgung, der Infrastrukturen, des Handels, der Finanz und anderen wirtschaftlichen Sektoren unterzeichnet. Die russischen Unternehmen haben schon Stellungen im Treibstoffsektor eingenommen (eine der geringsten Produktionen der Region) und haben ab September 2015 damit begonnen, die k&#252;stennahen Gas- und &#214;lreserven des Landes zu erkunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das wirtschaftliche Gewicht des Irans in Syrien wird zunehmend gr&#246;sser, insbesondere seit dem Verlust der &#214;lfelder im Osten des Landes 2013, der Damaskus dazu gezwungen hat, Treibstoffe aus Teheran zu beziehen. Die Unterzeichnungen von Kreditabkommen zwischen den beiden L&#228;ndern werden immer h&#228;ufiger (besonders f&#252;r den Import des iranischen &#214;ls), oft gegen f&#252;r den Iran sehr g&#252;nstige Investitionsvertr&#228;ge im Minensektor (Phosphat), dem Bauwesen, dem Telekommunikationssektor und f&#252;r den Verkauf von Agrarland&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-207&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jihad Yazigi, &#8222;Les p&#233;nuries mettent en lumi&#232;re la fragilit&#233; syrienne&#8220; in Le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-207&#034;&gt;207&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist erw&#228;hnenswert, dass iranische Privatpersonen (v.a. aus dem Milit&#228;r) von der Krise profitieren, um Land und Zweitresidenzen in Damaskus zu erwerben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-208&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Renaud Toffier, &#8222;Syrie, Irak : le temps de la reconstruction&#8220;, 9. August 2017.&#034; id=&#034;nh2-208&#034;&gt;208&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Peking hat die Regierung Syriens immer diskret unterst&#252;tzt, ein Land, wo China schon vor dem Krieg begonnen hatte, zu investieren, besonders im Treibstoffsektor. Die chinesischen Unternehmen haben ihre Arbeit im Land nie unterbrochen (2013 r&#252;steten sie die vom Regime gehaltenen Territorien mit Glasfaserkabeln aus). Obwohl Damaskus China aufgrund seiner Finanzierungskapazit&#228;ten und der Effizienz seiner Unternehmen fleissig den Hof macht, bleibt China vorsichtig&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-209&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jihad Yazigi, &#8222;La Chine h&#233;site &#224; d&#233;velopper sa relation &#233;conomique avec (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-209&#034;&gt;209&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (besonders aufgrund der Wirtschafts- und Banksanktionen). Ein anderer Hemmschuh ist die Schw&#228;che der nat&#252;rlichen syrischen Ressourcen, welche, mit Ausnahme des Erd&#246;ls im (von den YPG gehaltenen) Nordosten, schon in den H&#228;nden der Russen und der Iraner sind und die Peking in der Regel im Gegenzug f&#252;r seine Investitionen erh&#228;lt. Man spricht allerdings von Projekten im Solarsektor. Langfristig ist Syrien ein zentrales Element im chinesischen Projekt des Aufbaus von &#8222;Seidenstrassen&#8220; (Strassen-, Eisenbahn- und Energietransportverbindungen), welche den Fernen Osten mit Europa verbinden sollen. Ein erstes, zwei Milliarden Dollar schweres Investitionsprojekt zum Aufbau eines Industrieparks, wo sich anf&#228;nglich 150 chinesische Unternehmen ansiedeln werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-210&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;China to Invest US$2 Billion in the Reconstruction of Syria&#8220;, Juli 2017 und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-210&#034;&gt;210&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und eines Tages 40&#8216;000 Syrer arbeiten sollen, ist jedoch schon im Juli 2017 angek&#252;ndigt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Morgen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Arbeiter und Proletarier scheinen in diesem Text weitgehend abwesend zu sein. Doch, wie wir bereits zuvor geschrieben haben: &#8222;Wir sprechen eigentlich von Anfang an von ihnen, aber in Form von Kanonenfutter.&#8220; Hunderttausende K&#228;mpfer in ganz Syrien, die sich gegenseitig umbringen. Eine nur zu aktive Minderheit, welche den Krieg macht inmitten einer Mehrheit, welche ihn erdulden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von den 22 Millionen Einwohnern, welche Syrien 2011 z&#228;hlte, sind sechs Millionen ins Ausland geflohen und sieben Millionen sind Binnenfl&#252;chtlinge (was im Falle Frankreichs 18 bis 21 Millionen Einwohner entsprechen w&#252;rde). Seit Jahresanfang beobachtet man zum ersten Mal, dass Fl&#252;chtlinge nach Hause zur&#252;ckkehren, fast 600&#8216;000 im August (zu 80% Binnenfl&#252;chtlinge&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-211&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Syrie : mouvement de retour de r&#233;fugi&#233;s et de d&#233;plac&#233;s depuis le d&#233;but de (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-211&#034;&gt;211&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Diese R&#252;ckkehr wird m&#246;glich, insofern Damaskus seine Macht in den bisher von islamistischen Gruppen oder dem IS gehaltenen Gebieten zur&#252;ckerlangt. Das Regime ist freilich immer noch eine Diktatur, doch sie bombardiert keine Gebiete, welche sie kontrolliert, was in der aktuellen Phase des Konflikts und f&#252;r die dort lebenden Bev&#246;lkerungen ganz bestimmt ein Vorteil ist. Obwohl es nicht besonders wahrscheinlich ist, dass die nach Europa oder Nordamerika gegangenen Fl&#252;chtlinge zur&#252;ckkehren, insbesondere die Angeh&#246;rigen von Minderheiten (die Christen), so wird das hingegen ziemlich wahrscheinlich f&#252;r die &#228;rmsten der Fall sein, jene, welche unter sehr prek&#228;ren Bedingungen in der T&#252;rkei, im Libanon oder Jordanien leben. Doch, obwohl die milit&#228;rische Absicherung und die Deeskalation Fortschritte machen, bleiben der katastrophale Zustand der Wirtschaft des Landes und das Ausmass der Zerst&#246;rungen Argumente gegen eine R&#252;ckkehr. Die Arbeitslosenquote erreichte 2016 60% und jene der Jugendarbeitslosigkeit 2015 78%&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-212&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Syria at War, Five Years On, ESCWA and University of St Andrews, 2016.&#034; id=&#034;nh2-212&#034;&gt;212&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; daher das Interesse f&#252;r den Soldatenberuf. 83% der Bev&#246;lkerung lebt mittlerweile unter der Armutsgrenze, 2010 war es ein Drittel. Man kann verstehen, dass sich der Klassenkampf an einem toten Punkt befindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sprachen am Anfang von einem vom Bombenhagel und den Ruinen gef&#252;gig gemachtes Proletariat. Doch es kommt die Tatsache hinzu, dass es durch den B&#252;rgerkrieg gespalten und in Konfessionen und Gemeinschaften eingepfercht worden ist. Ein Zustand, der wahrscheinlich fortdauern wird, auch falls ein breiter Prozess des Wiederaufbaus beginnen sollte, denn Syrien verf&#252;gt weder &#252;ber gen&#252;gend wirtschaftliche und industrielle Kapazit&#228;ten, noch &#252;ber ausreichende &#228;ussere finanzielle Unterst&#252;tzung, um dreissig glorreiche Jahre zu lancieren, die Vollbesch&#228;ftigung und hypothetisch die Affirmation eines sich in einer Machtstellung befindenden Proletariats zu erreichen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Auswanderung von sechs Millionen Syrern und der Tod von etwa 500&#8216;000 l&#246;st jene Probleme nicht, mit welchen der Staat schon vor dem Krieg konfrontiert war (zu grosser Bev&#246;lkerungswachstum, hohe Jugendarbeitslosigkeit) und welche bez&#252;glich der Ausl&#246;sung der Revolte eine Rolle gespielt haben. Denn das Land ist eine einzige Ruine und die Reservearmee der Arbeiter schon ziemlich gross. Was wird langfristig damit geschehen? Obwohl das Kapital manchmal merkw&#252;rdige &#220;berraschungen f&#252;r die Arbeiter bereith&#228;lt, hat es Syrien noch nicht n&#246;tig, eine eingewanderte Arbeitskraft einzustellen &#8211; ausser im Falle der qualifizierten Arbeiter, welche in grosser Anzahl nach Europa ausgewandert sind (z.B. jene des Gesundheits- und Pflegesektors), umso mehr, weil die Berufsausbildung in Syrien seit sechs Jahren eingeschr&#228;nkt oder unterbrochen ist; das gleiche gilt f&#252;r sehr qualifizierte Anstellungen wie jene der Ingenieure. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist das 2011 knifflige Problem der Jugendarbeitslosigkeit von Hochschulabg&#228;ngern gel&#246;st. Doch ohne Wiederaufbau und massive ausl&#228;ndische Investitionen ist das Land dazu verurteilt, ein Auswanderungsland zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das daf&#252;r? Als ob die verbl&#252;ffende und unvertretbare Episode des Kalifats und Jahre des B&#252;rgerkriegs in Syrien nicht den geringsten Nutzen gehabt h&#228;tten, ausser jenen, gewisse Einflussgebiete zu modifizieren, die Karten neu zu mischen und k&#252;nftige Konflikte vorzubereiten. Das &#252;bliche grosse Spiel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche Lehre k&#246;nnen wir aus dieser Katastrophe ziehen, die wir nicht schon gezogen haben? Der Krieg ist eine Katastrophe, allen voran f&#252;r die ihn erduldenden und k&#228;mpfenden Proletarier, der B&#252;rgerkrieg f&#252;gt dem seine Grausamkeiten hinzu&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-213&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Und obwohl es in der Geschichte der zwischenstaatlichen Kriege grosse (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-213&#034;&gt;213&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. War es notwendig, das zu pr&#228;zisieren? Dass der Umgang mit Waffen als getrennte T&#228;tigkeit jeglichen Ausdruck des Klassenkampfes erstickt? Doch dass es die Proletarier nicht daran hindert, besonders aktiv zu sein? Jene Fahnen, welche bis anhin am meisten Leute mobilisieren, sind leider nicht besonders emanzipatorisch. Dass die konfessionellen, ethnischen und nationalen Fragen im Zentrum des Diskurses stehen (sei es auf ausschliessende oder einschliessende Art und Weise), auf Kosten der wirklichen Probleme und v.a. der Interessen der Bev&#246;lkerungen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was soll noch gesagt werden, ohne sich zu wiederholen oder als zu negativ zu erscheinen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-214&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Besonders in Bezug auf die Schlussfolgerung unseres vorhergehenden Artikels, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-214&#034;&gt;214&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;? In diesem Chaos, und besonders im syrischen B&#252;rgerkrieg, gibt es eine Sache zu sehen und sie sticht einem die Augen aus, dermassen ist sie omnipr&#228;sent: Es ist &lt;i&gt;eben genau&lt;/i&gt; alles, was die Revolution &lt;i&gt;nicht ist&lt;/i&gt;; sei es hinsichtlich der Selbstorganisation, der Organisation des &#220;berlebens, der milit&#228;rischen Aktivit&#228;t, der Alternativen, der protostaatlichen Utopien usw. Es kann dort kein Modell gefunden werden und &#252;brigens auch kein Gegenmodell. Die Revolution wird gewiss kein Galadiner sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-215&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu dieser Frage, siehe Die Freunde vier Millionen junger Arbeiter, &#8222;Eine (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-215&#034;&gt;215&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, alles andere als das, doch sie wird nicht diesen sch&#228;ndlichen B&#252;rgerkriegen &#228;hneln, wovon der zeitgen&#246;ssische Kapitalismus das Geheimnis kennt; zumindest ein positiver Punkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, Dezember 2017&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1906&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zus&#228;tzliche Anmerkung zur Frage der Quellen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist uns mehrmals vorgeworfen worden, Quellen zu benutzen, die nicht benutzt werden sollten, z.B. den &lt;i&gt;Figaro&lt;/i&gt;; Bemerkungen, die implizieren, dass &#8211; z.B. &#8211; &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt; eine zuverl&#228;ssigere Informationsquelle w&#228;re, da &#8222;links&#8220;. Ja, wir gestehen es, wir lesen Zeitungen und konsultieren Homepages, mit welchen wir politisch nicht einverstanden sind. Zum Gl&#252;ck. Es w&#228;re schwierig, solche Artikel, Artikel &#252;berhaupt zu schreiben oder sogar nachzudenken, indem man nur die Aktivistenpresse liest (welche &#252;brigens?). Wir wissen auch, dass eine Information, die man auf einer von Russland, dem Iran oder Katar beeinflussten Homepage gefunden hat, in unseren Gefilden praktisch keinen Wert hat (man muss versuchen, sie anderswo zu finden oder sie vergessen), w&#228;hrend eine andere, die man in der &lt;i&gt;Monde&lt;/i&gt; gefunden hat, als achtbar erscheinen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Offenlegung unserer Quellen, damit alle sie konsultieren, sich eine Meinung bilden k&#246;nnen, eventuell eine andere als unsere, scheint uns wichtig: Wir tun das wahrscheinlich zu h&#228;ufig, aber nicht genug f&#252;r einige (man kann immer den Autor kontaktieren, um mehr dar&#252;ber zu erfahren). Man kann davon ausgehen, dass jene, welche glauben, dass man, wenn man sich auf einen Artikel in &lt;i&gt;Les &#201;chos&lt;/i&gt; bezieht, dem MEDEF die Treue schw&#246;rt, ziemlich wenig lesen. Wir m&#246;chten sie allerdings darauf hinweisen, dass wir schon Informationen aus folgenden Quellen zitiert haben: &lt;i&gt;Atlantico&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Crieur&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;L'Express&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Commerce du Levant&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;CQFD&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Point&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;RTL&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;RFI&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;L'Orient le Jour&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;&#201;changes&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Orient XXI&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Temps&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Nouvel Observateur&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Les &#201;chos&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Raids&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Afrique-Asie&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Sciences humaines&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Marianne&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Vice News&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;France 24&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Financial Times&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Politique &#233;trang&#232;re&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;RMC&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;France culture&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Diplomatie&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;TV5 Monde&lt;/i&gt; usw. Diese Liste sollte mit &lt;i&gt;Dar al-Islam&lt;/i&gt; komplettiert werden, der franz&#246;sischsprachigen Zeitschrift des IS.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B&#246;se Zungen k&#246;nnen also leicht eine Quelle finden, die ihnen nicht gef&#228;llt und ihnen best&#228;tigt, was sie vom Artikel halten, bevor sie ihn gelesen haben &#8211; wenn man einen Text von einer einzigen Seite her angreift, zeigt das, dass man grunds&#228;tzlich nichts zu sagen hat. Doch es stimmt, dass die Worte heutzutage keinen Sinn mehr haben und dass es, auf eine fast esoterische Art und Weise, darum geht, Texte zu dekonstruieren, um den versteckten Sinn zu entdecken und v.a. die (manchmal unbewussten) Absichten des Autors. Vor einer nicht allzu langer Zeit sagte man noch, dass es reicht, um einen Text zu verstehen, ihn zu lesen &#8211; sein Autor hatte sogar mit mehr oder weniger Gl&#252;ck versucht, daf&#252;r die richtigen Worte zu finden&#8230;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Arabische Abk&#252;rzung f&#252;r den alten Namen des IS, den er von April 2013 bis Juni 2014 benutzt hat, &#8222;der Islamische Staat im Irak und der Levante&#8220; (der seinerseits auf &#8222;Islamischer Staat im Irak&#8220; folgte).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Projekt der PYD beschr&#228;nkt sich auf den syrischen Teil Kurdistans (&lt;i&gt;Rojava&lt;/i&gt;). Der IS will sich hingegen in einer ersten Phase von Indien bis nach Spanien ausbreiten. &#220;ber die PYD, siehe unseren im Januar 2015 auf DDT21 erschienenen Artikel &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Rojava-Realitat-und-Rhetorik&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rojava: Realit&#228;t und Rhetorik&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu dieser Frage, siehe Myriam Benraad, &lt;i&gt;Irak, la revanche de l'histoire&lt;/i&gt;, Paris, Vend&#233;miaire, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ab 2006 hatte Bagdad in den &lt;i&gt;al-Sahwa&lt;/i&gt;-Komitees (das Erwachen) sunnitische Milizen angestellt, um gegen Al Qaida zu k&#228;mpfen. Der Premierminister Nouri al-Maliki beendet die Operation 2009, womit er 85'000 Mitglieder der Milizen entl&#228;sst.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pierre-Jean Luizard, &lt;i&gt;Le Pi&#232;ge Daech&lt;/i&gt;, La D&#233;couverte, 2015, S. 17.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die Interviews mit Philippe-Joseph Salazar, die seit November 2015 auf Youtube verf&#252;gbar sind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Bernard Badie, &lt;i&gt;Afrique Asie&lt;/i&gt;, Oktober 2015, S. 33.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Dar al-Islam&lt;/i&gt;, Nr. 3, M&#228;rz-April 2015, S. 14 (&lt;i&gt;Dar al-Islam&lt;/i&gt; ist die franz&#246;sischsprachige Zeitschrift des IS).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rojava stellt die einzige Ausnahme dar. Die Chancen, dort willk&#252;rlich eingesperrt, hingerichtet, gefoltert zu werden oder zu &#8222;verschwinden&#8220;, sind weit geringer als &#252;berall sonst in der Region. Sogar &lt;a href=&#034;https://www.hrw.org/news/2014/06/18/syria-abuses-kurdish-run-enclaves&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Human Rights Watch&lt;/a&gt; r&#228;umt das ein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Sinne von George Mosse, jenem Historiker, der das Konzept der &#8222;Brutalisierung&#8220; ausgearbeitet und es auf die Gesellschaften nach dem Ersten Weltkrieg angewendet hat, er sieht darin die &#8222;Geb&#228;rmutter der Totalitarismen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pierre-Jean Luizard, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 15-16.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Armee von Bagdad, die von organisierter Abwesenheit und starker Korruption gepr&#228;gt ist, war von einer seltenen Ineffizienz, die Sicherheit in der Stadt auch nur ann&#228;hernd zu garantieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pierre-Jean Luizard, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 29.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Bilder kommen nicht &#252;ber die gleichen Kan&#228;le wie z.B. die zahlreichen und im Internet sehr popul&#228;ren, die Jihadisten zeigen, die mit kleinen Katzen spielen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine Behandlung, die durch ihre Praktiken und ihren religi&#246;sen Rahmen an jene der Okzitanen w&#228;hrend den Kreuzz&#252;gen der Albigenser im 13. Jahrhundert erinnert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die &lt;i&gt;dhimmitude&lt;/i&gt;, die streng und zwingend ist, beinhaltet allen voran die Zahlung einer Sondersteuer, die &lt;i&gt;Djizya&lt;/i&gt;. In Raqqa haben sich einige Dutzend Christen f&#252;r diesen Status entschieden, w&#228;hrend in Mosul die Bisch&#246;fe das Exil vorgezogen haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Abdel Bari Atwan, &lt;i&gt;Islamic State: The Digital Caliphate&lt;/i&gt;, London, Saqi Books, 2015; Claude Moniquet, &lt;i&gt;Djihad : D'Al-Qaida &#224; l'&#201;tat Islamique, combattre et comprendre&lt;/i&gt;, La Bo&#238;te &#224; pandore, 2015, S. 182.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist problematisch, diese Machenschaften als &#8222;barbarisch&#8220; zu bezeichnen, daf&#252;r erinnern sie zu stark an die glorreichsten Stunden der griechischen Antike.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aufgrund ihrer Gef&#228;hrlichkeit wird die Zigarette mit dem im Islam verbotenen Selbstmord in Verbindung gebracht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://bibliobs.nouvelobs.com/en-partenariat-avec-books/20151114.OBS9505/administration-police-communication-daech-les-rouages-d-un-quasi-etat.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Administration, police, communication&#8230; Daech, les rouages d'un quasi-&#201;tat&#034;&lt;/a&gt;, 18. November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alain Rodier, &lt;a href=&#034;https://www.cercle-k2.fr/eng/studies/irak-syrie-daesh-comment-ca-marche-102#n1&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Irak/Syrie: Daesh, comment &#231;a marche ?&#034;&lt;/a&gt;, 7. Juni 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss einem Mitglied der Oppositionsgruppe Raqqa Is Being Slaughtered Silently, zitiert von Layal Abou Rahal, &lt;a href=&#034;https://www.lorientlejour.com/article/930705/raqa-la-ville-modele-du-califat-de-lei.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Raqqa, la ville mod&#232;le du califat de l'EI&#034;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;L'Orient le Jour&lt;/i&gt;, 21. Juni 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hala Kodmani, &lt;a href=&#034;https://www.liberation.fr/planete/2015/06/01/ils-ont-cherche-a-gagner-la-confiance_1321064&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;A Palmyre, l'&#201;tat islamique a cherch&#233; &#224; gagner la confiance&#034;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, 1. Juni 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das ber&#252;hmte Captagon, eine Art Amphetamin und weder ein Psychotropikum, noch ein Halluzinogen, wird nicht als &lt;i&gt;haram&lt;/i&gt; beurteilt. Die Soldaten des IS benutzen es, denn es st&#228;rkt die psychische Lebendigkeit und den Widerstand gegen die M&#252;digkeit. Franz&#246;sische Jihadisten, die seinem Suchtpotenzial erlegen sind, sind vom IS ins Gef&#228;ngnis gesteckt worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die &lt;a href=&#034;https://news.vice.com/video/the-islamic-state-part-1&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Reportagen von &lt;i&gt;Vice News&lt;/i&gt; aus Raqqa&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zuvor organisierten die lokalen klientelistischen Netzwerke die k&#252;nstliche Knappheit von Grundnahrungsmitteln, um eine Preiserh&#246;hung auszul&#246;sen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bagdad und Damaskus zahlen manchmal weiterhin L&#246;hne an die Funktion&#228;re in Gebieten, die sie nicht mehr kontrollieren; das gilt auch f&#252;r Rojava.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hala Kodmani, &lt;a href=&#034;https://www.liberation.fr/planete/2015/06/01/ils-ont-cherche-a-gagner-la-confiance_1321064&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;A Palmyre, l'&#201;tat islamique a cherch&#233; &#224; gagner la confiance&#034;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, 1. Juni 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.france24.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;www.france24.com&lt;/a&gt;, Oktober 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gr&#233;goire Chambaz, &lt;a href=&#034;https://courrierdorient.net/category/etat-islamique/#_ednref16&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Facteurs tribaux dans les dynamiques du contr&#244;le territorial de l'&#201;tat islamique&#034;&lt;/a&gt;, 11. Oktober 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Yochii Dreazen, &#034;Daech, administrateur colonial&#034;, &lt;i&gt;Foreign Policy&lt;/i&gt;, 20. August 2014 (&lt;i&gt;Courrier international&lt;/i&gt;, Sondernummer, Oktober-Dezember 2015).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;L'&#201;tat islamique. Anatomie du nouveau Califat&lt;/i&gt;, Paris, Bernard Giovanangeli Editeur, 2015, S. 98. Ad&#220;: Eine deutsche &#220;bersetzung der Erstausgabe von 2014 ist auf Deutsch in Berlin 2015 beim Vergangenheitsverlag unter dem Titel &lt;i&gt;Der Islamische Staat. Anatomie des neuen Kalifats&lt;/i&gt; erschienen, doch mehrere erw&#228;hnte Stellen der zweiten franz&#246;sischen Auflage fehlen, deshalb hier nur der Verweis auf die franz&#246;sische Ausgabe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;1'000 Dollar gem&#228;ss Samuel Laurent, &lt;i&gt;L'&#201;tat islamique&lt;/i&gt;, Seuil, 2014, S. 100.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir denken hier an das Buch von G&#246;tz Aly, &lt;i&gt;Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus&lt;/i&gt;, Fischer, Frankfurt a.M., 2005.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Informationen &#252;ber einen Mangel an Nahrungsmitteln und einer katastrophalen sozialen Situation vor dem Sommer 2015 sind selten. Siehe z.B. &#252;ber Raqqa im November 2014: Marie Le Douaran, &lt;a href=&#034;https://www.lexpress.fr/actualite/monde/proche-moyen-orient/a-raqqa-daech-vit-grand-train-mais-fait-mourir-la-ville-a-petit-feu_1655697.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;A Raqqa, Daech vit grand train mais fait mourir la ville &#224; petit feu&#034;&lt;/a&gt;, 27. Februar 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Myriam Benraad, &#034;D&#233;faire Daech : une guerre tant financi&#232;re que militaire&#034; in &lt;i&gt;Politique &#233;trang&#232;re&lt;/i&gt;, Bd. 80, Nr. 2, Sommer 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 118.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marine Rabreau, &#034;P&#233;trole, taxes, trafics d'humains : comment Daech se finance&#034;, &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 19. November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Henri Mamarbachi , &#034;Comment fonctionne l'&#233;conomie de guerre en Syrie&#034;, &lt;a href=&#034;https://orientxxi.info&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;https://orientxxi.info&lt;/a&gt;, 8. Oktober 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Yochii Dreazen, &#034;Daech, administrateur colonial&#034;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Charles Brisard and Damien Martinez, &lt;a href=&#034;https://risk.thomsonreuters.com/sites/default/files/GRC01815.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Islamic State : The Economy-Based Terrorist Funding&#034;&lt;/a&gt;, Thomson Reuters, Oktober 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aline Joubert, &lt;a href=&#034;https://www.marianne.net/etat-islamique-vit-il-au-dessus-ses-moyens-100231809.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;L'&#201;tat islamique vit-il au-dessus de ses moyens ?&#034;&lt;/a&gt;, 7. M&#228;rz 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#034;Le coton syrien continue d'habiller les Fran&#231;ais&#034;, &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 23. September 2015 und Caroline Piquet, &#034;Peut-on retrouver du coton &#171;made in Daech&#187; dans nos v&#234;tements ?&#034;, &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 3. September 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 118.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Jahr 2014 produziert Italien 121'000 F&#228;sser t&#228;glich und Kuwait 2.8 Millionen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marine Rabreau, &lt;a href=&#034;https://www.lefigaro.fr/economie/le-scan-eco/decryptage/2015/11/26/29002-20151126ARTFIG00009-comment-daech-organise-son-lucratif-marche-petrolier.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Comment Daech organise son lucratif march&#233; p&#233;trolier&#034;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 26. November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Elisabeth Studer, &#034;Daesh financ&#233; par la manne p&#233;troli&#232;re&#034;, &lt;a href=&#034;https://www.leblogfinance.com&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;www.leblogfinance.com&lt;/a&gt;, 19. Oktobrer 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Financial Times&lt;/i&gt;, 16. Oktober 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#034;Les ennemis de Daesh ach&#232;tent son p&#233;trole&#034;, RMC, 26. September 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jacques Hubert-Rodier, &#034;Les affaires mafieuses d'Assad avec Daech&#034; in &lt;i&gt;Les Echos&lt;/i&gt;, 19. Oktober 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Frantz Glasman, &lt;a href=&#034;https://syrie.blog.lemonde.fr/2013/12/08/deir-ez-zor-a-lest-de-la-syrie-des-islamistes-des-tribus-et-du-petrole/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;De&#239;r ez-Zor, &#224; l'est de la Syrie. Des islamistes, des tribus et du p&#233;trole&#8230;&#034;&lt;/a&gt;, 8. Dezember 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hinter unseren Bildschirmen w&#252;rden wir es vorziehen, dass sie den Kommunismus bevorzugen oder versuchen, ihn aufzubauen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;L'&#201;tat islamique. Anatomie du nouveau Califat&lt;/i&gt;, Paris, Bernard Giovanangeli Editeur, 2015, S. 100.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir denken nicht, dass der IS durch geheime, ans Licht zu bringende Verschw&#246;rungen erkl&#228;rt werden kann, um die Krise zu l&#246;sen. Zwischen 2006 und 2015 haben ihn mehrere L&#228;nder sukzessiv auf sehr verschiedene und h&#228;ufig indirekte Art und Weise unterst&#252;tzt: Millionen von Dollars, Toleranz von diversen Schmuggelt&#228;tigkeiten, Konzentration der Repression gegen andere Gruppen usw. Die Unterst&#252;tzung der Feinde seiner Feinde und die Erzeugung von Spaltungen sind klassische Techniken (die Unterst&#252;tzung der Hamas durch Israel in ihren Anfangszeiten reicht nicht, um den Erfolg dieser Partei zu erkl&#228;ren). Doch die am Anfang bescheidene, manchmal n&#252;tzliche Guerillabewegung ist zu einem autonomen Proto-Staat mit masslosen Ambitionen geworden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man lese noch einmal das Zitat von Maxime Rodinson am Anfang des ersten Teils.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die pr&#228;senten Kr&#228;fte scheinen darum zu k&#228;mpfen, die wesentlichen Installationen (Erd&#246;lquellen, Raffinerien, Damm von Mosul) intakt zu kontrollieren. Die Abendl&#228;nder weigern sich bis anhin, die Erd&#246;lquellen des IS zu bombardieren und haben bis im Herbst 2015 gewartet, bevor sie die zivilen Tanklastwagen angegriffen haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 101.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pierre-Jean Luizard, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 26.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Gegensatz zu den kurdischen Organisationen, die verk&#252;nden, dass sie die internationalen Grenzen anerkennen und sich besonders darum bem&#252;ht haben, jene zu materialisieren, welche das syrische vom irakischen Kurdistan trennt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 178.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In diesen L&#228;ndern hat sich die Armee, im Gegensatz zu Tunesien oder &#196;gypten und aus verschiedenen Gr&#252;nden, dazu entschieden, den sich im Amt befindenden Diktator (Baschar al-Assad und Nuri al-Maliki) nicht fallen zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir sprechen hier nicht von der Selbstverteidigung, welche Demonstranten oder Dorfbewohner in die Tat umgesetzt haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 25-26.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Val&#233;rie Clerc, &lt;a href=&#034;http://ifpo.hypotheses.org/4472&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L'habitat des pauvres &#224; Damas : de la crise du logement vide &#224; la recrudescence des quartiers informels&#8220;&lt;/a&gt; in: &lt;i&gt;Les Carnets de l'Ifpo&lt;/i&gt;, Oktober 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Frantz Glasman, &#8222;De&#239;r ez-Zor, &#224; l'est de la Syrie. Des islamistes, des tribus et du p&#233;trole&#8230;&#8220;, 8. Dezember 2013, &lt;a href=&#034;http://syrie.blog.lemonde.fr&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;http://syrie.blog.lemonde.fr&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pierre-Jean Luizard, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 35. Das Experiment von Rojava hat einen anderen Rahmen. Nach einem Abkommen haben die Truppen der PKK die Truppen von Damaskus ersetzt, letztere haben sich teilweise aus diesem Gebiet zur&#252;ckgezogen. Jegliches institutionelle Vakuum ist somit verhindert worden und der aufst&#228;ndische Prozess vorbei gewesen. Die PKK hat danach ihr &#8222;libert&#228;res&#8220; kommunalistisches Programm umgesetzt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Arabische Fr&#252;hling wurde von dem, was damals noch nur der Islamische Staat im Irak war, im Gegensatz zum Pragmatismus von Al Qaida und Al Nusra, die darin eine Entwicklung sahen, die langfristig zu ihrem Vorteil sein w&#252;rde, als anti-islamistisch verurteilt. Abdel Bari Atwan, &lt;i&gt;Islamic State. The Digital Caliphate&lt;/i&gt;, Saqi, 2015, S. 69-71.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Teil, siehe besonders Philippe-Joseph Salazar, &lt;i&gt;Paroles arm&#233;es&lt;/i&gt;, Paris, Lemieux Editeur, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Pierre Filiu, &lt;i&gt;L'Apocalypse dans l'islam&lt;/i&gt;, Fayard, 2008, S. 289.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man muss allerdings anmerken, dass er bis anhin, obwohl er &#252;ber eine Rolex verf&#252;gt, kein iPhone hat, nicht in einem Palast lebt, sondern sich vor Drohnen versteckt, keine Limousine f&#228;hrt, sondern einen Toyota Pickup.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-71&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-71&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;71&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Pierre Filiu, &lt;i&gt;op.cit.&lt;/i&gt;, S. 288.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-72&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-72&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;72&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss dem Koran und den Hadithe werden die entscheidenden Schlachten der Endzeit zwischen den Muslimen und den r&#246;mischen Armeen (die Byzantiner oder die NATO, je nach Interpretation), Satan und Konsorten im Sham (Syrien) stattfinden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-73&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-73&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;73&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Philippe-Joseph Salazar, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 216.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-74&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-74&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;74&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andere bewaffnete islamistische Gruppen, besonders die Nusrafront, empfangen ausl&#228;ndische Freiwillige, aber in geringerer Zahl.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-75&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-75&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;75&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die &#8222;Entradikalisierung&#8220;, von der man viel spricht und die bis anhin nur auf Freiwillige angewendet wird, entstammt experimentellen europ&#228;ischen Programmen, die zum Ziel haben, die Neonazis zu &#8222;behandeln&#8220;. F&#252;r die gegenw&#228;rtigen Spezialisten kann das Problem der &#8222;Radikalisierung&#8220;, ein Prozess, der mit einer gewaltt&#228;tigen Handlung endet, sowohl extrem rechte als auch extrem linke Aktivisten, Islamisten als auch Tiersch&#252;tzer betreffen. Farhad Khosrokhavar, &lt;i&gt;Radicalisation&lt;/i&gt;, &#201;ditions de la Maison des sciences de l'homme, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-76&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-76&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;76&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss einer Studie &#252;ber die Propagandavideos des IS bezogen sich 52% der Bilder auf die &#8222;utopische Welt&#8220; des Kalifats, 37% auf den Krieg und 2% inszenierten grausame Gewalt. Siehe David Thomson, &lt;i&gt;Le Secret des sources&lt;/i&gt;, France Culture, 12. Dezember 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-77&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-77&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;77&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Thomson, &lt;i&gt;Les Fran&#231;ais jihadistes&lt;/i&gt;, Les Ar&#232;nes, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-78&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-78&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;78&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Farhad Khosrokhavar, &#8222;Qui sont les jihadistes fran&#231;ais ?&#8220;, 20. November 2015 &lt;a href=&#034;http://www.scienceshumaines.com&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;http://www.scienceshumaines.com&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-79&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-79&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;79&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 150. In Anbetracht der pr&#228;senten Kr&#228;fte kann man daraus den Schluss ziehen, dass in den Reihen des IS mindestens gleich viele Kurden waren wie in jenen der YPG.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-80&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-80&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;80&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Philippe-Joseph Salazar, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 212, 222.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-81&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-81&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;81&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Laurent Bonelli, &#8222;Brigadistes, djihadistes&#8220;, &lt;i&gt;Le Monde Diplomatique&lt;/i&gt;, August 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-82&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-82&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;82&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;G&#233;raldine Casutt, &#8222;Pourquoi les jeunes filles rejoignent les rangs de l'&#201;tat islamique&#8220;, &lt;a href='http://kommunisierung.net/madame.lefigaro.fr'&gt;madame.lefigaro.fr&lt;/a&gt;, 14. Dezember 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-83&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-83&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;83&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fatima Mernissi, &lt;i&gt;Sexe id&#233;ologie islam&lt;/i&gt;, Tierce, 1983, S. 31, 83-84, 88.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-84&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-84&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-84&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;84&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zahra Ali, &lt;i&gt;F&#233;minismes islamiques&lt;/i&gt;, La Fabrique, 2012, S. 61.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-85&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-85&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-85&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;85&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Widerspruch? Im Namen der Arbeiterklasse brach die KPF Streiks und fand &lt;i&gt;Arbeiter&lt;/i&gt;, um sie zu unterst&#252;tzten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-86&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-86&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-86&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;86&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Philippe-Joseph Salazar, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 142.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-87&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-87&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-87&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;87&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brigade Al-Khansaa, &lt;a href=&#034;http://www.quilliamfoundation.org/wp/wp-content/uploads/publications/free/women-of-the-islamic-state3.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Women of the Islamic State. A manifesto on women&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2015 (Ver&#246;ffentlichung der Aktivistinnen des IS).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-88&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-88&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-88&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;88&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.tamoudre.org/pourquoi-des-femmes-rejoignent-elles-letat-islamique/touaregs/societe/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Interview mit G&#233;raldine Casutt&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Le Nouvel Observateur&lt;/i&gt;, 9. April 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-89&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-89&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-89&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;89&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Ibid.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-90&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-90&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-90&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;90&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Farhad Khosrokhavar, &#8222;Qui sont les jihadistes fran&#231;ais ?&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-91&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-91&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-91&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;91&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Ger&#252;cht eines &#8222;Sex-Jihad&#8220; zur &#8222;Erholung des Kriegers&#8220;, das lange zirkulierte, ist eine Erfindung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-92&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-92&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-92&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;92&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pr&#228;zisieren wir, dass Alain Soral, der den IS f&#252;r eine Marionette in den H&#228;nden des Mossad h&#228;lt, in der Nr. 7 von &lt;i&gt;Dar-al-Islam&lt;/i&gt; als pro-iranischer, &#8222;ungl&#228;ubiger Verschw&#246;rungstheoretiker&#8220; denunziert wird.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-93&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-93&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-93&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;93&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brigade Al-Khansaa, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-94&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-94&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-94&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;94&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;H&#233;l&#232;ne F&#233;vrier, Sylvie Braibant, &lt;a href=&#034;http://information.tv5monde.com/terriennes/girl-power-djihadiste-ou-le-feminisme-devoyee-48876&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Les sir&#232;nes pseudo-f&#233;ministes du djihadisme&#8220;&lt;/a&gt;, 20. November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-95&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-95&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-95&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;95&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fatima Mernissi, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, 1983, S. 88.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-96&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-96&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-96&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;96&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, Thomas Flichy de la Neuville, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 114.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-97&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-97&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-97&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;97&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine etwas provokative Genossin stellt diese &#8222;Suche nach einer Reinheit des Zusammenlebens&#8220; ein Echo auf den Formalismus dar, den man in der Aktivistenszene finden kann. Indem die Ergreifung des Wortes, das Vokabular, die Verhaltensweisen kodifiziert werden, versucht man um jeden Preis den Konflikt, die &lt;i&gt;fitna&lt;/i&gt; zu vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-98&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-98&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-98&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;98&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, &#8222;Le r&#234;ve d'Etat du djihadisme&#8220;, &lt;i&gt;Diplomatie&lt;/i&gt;, Nr. 77, November-Dezember 2015, S. 44.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-99&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-99&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-99&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;99&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jener Teil der extremen Rechten, der sich vom Kampf der ZAD angezogen f&#252;hlt, folgt der gleichen Logik, er erkennt dort eine politische und rhetorische Orientierung, die er teilen kann: &#214;kologie, Territorium, Bauernschaft usw.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-100&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-100&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-100&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;100&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Hanne, &#8222;Le r&#234;ve d'Etat du djihadisme&#8220;, &lt;i&gt;Diplomatie&lt;/i&gt;, Nr. 77, November-Dezember 2015, S. 44.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-101&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-101&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-101&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;101&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Kritik der Modernit&#228;t ist nicht gleichbedeutend mit jener der Technologie. Auf diesen Punkt bezogen, anerkennt der IS den Vorsprung des Westens, doch er f&#252;hrt ihn auf die Pl&#252;nderung der arabisch-muslimischen Kenntnisse durch die Europ&#228;er seit dem Mittelalter zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-102&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-102&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-102&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;102&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Oder ein unerwarteter Dritter Weltkrieg zwischen der NATO und Russland, der die Eschatologie des Kalifats best&#228;tigt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-103&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-103&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-103&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;103&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Luc Mathieu, &#8222;A Raqqa, l'ambiance s'est tendue, la parano&#239;a grandit&#8220;, &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, 16. September 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-104&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-104&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-104&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;104&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Finances de l'EI : la guerre secr&#232;te&#8220;, &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 29.-30. November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-105&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-105&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-105&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;105&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl sich die Attentate, wie jene im November 2015 in Frankreich, in Bezug auf die Innenpolitik f&#252;r gewisse Regierungen als n&#252;tzlich erweisen k&#246;nnen, wird ihre Vervielfachung l&#228;stig.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-106&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-106&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-106&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;106&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die USA f&#252;hren 90% dieser Bombenangriffe aus, Frankreich kaum 5%.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-107&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-107&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-107&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;107&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Denn das Aushungern einer Stadt, der Entzug von Wasser, Elektrizit&#228;t und gar des Internets sind nicht &#8222;Praktiken von Barbaren&#8220;, sondern einfach das von allen benutzte Einmaleins des Belagerungskrieges.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-108&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-108&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-108&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;108&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ErsterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei. Erster Teil: Vom Staat&#8220;&lt;/a&gt;, November 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-109&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-109&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-109&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;109&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alain Rodier, &lt;a href=&#034;https://www.atlantico.fr/decryptage/epreuve-verite-etat-islamique-face-aux-risques-desertion-djihadistes-dont-vient-diviser-solde-deux-alexandre-del-valle-alain-2564006.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L&#8216;&#233;preuve de v&#233;rit&#233;?&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Atlantico&lt;/i&gt;, 28. Januar 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-110&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-110&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-110&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;110&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Damit n&#228;hert er sich in der Form Al Qaida an, welche hingegen seit 2014 zur Territorialisierung tendiert, besonders im Jemen und in Syrien.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-111&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-111&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-111&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;111&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Christophe Ayad, &lt;a href=&#034;https://abonnes.lemonde.fr/proche-orient/article/2012/09/25/syrie-les-kurdes-font-avancer-leurs-revendications_1765356_3218.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Les Kurdes syriens profitent de la guerre pour faire avancer leurs revendications&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 25. September 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-112&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-112&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-112&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;112&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In ihren Gebieten sowie im kurdischen Quartier von Aleppo habe die PYD selbst Repression gegen Demonstranten ausge&#252;bt, eine vor kurzem best&#228;tigte Information, siehe Adam Baczko, Gilles Dorronsoro, Arthur Quesnay, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.cnrseditions.fr/science-politique/7282-syrie.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Syrie. Anatomie d&#8216;une guerre civile&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, CNRS &#233;ditions, 2016, S. 87.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-113&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-113&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-113&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;113&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sogar die &#252;berzeugtesten Anh&#228;nger der PYD m&#252;ssen eingestehen, dass es sich hier um eine &#8222;von oben kommende Anordnung&#8220; handelt, nicht um &#8222;das Resultat eines spontanen Volkswillens&#8220;. Siehe Mathieu L&#233;onard, &#8222;Le Kurdistan, nouvelle utopie&#8220; in &lt;i&gt;Le Crieur&lt;/i&gt;, Nr. 4, Juni 2016, S. 130-134.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-114&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-114&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-114&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;114&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dazu lese man u.a. &lt;a href=&#034;https://www.autistici.org/tridnivalka/i-have-seen-the-future-and-it-works/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;'I have seen the future and it works.' &#8211; Critical questions for supporters of the Rojava revolution&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-115&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-115&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-115&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;115&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/letter-rojavist-friends&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Letter to &#8216;Rojavist' Friends&#8220;&lt;/a&gt;, TKGV, Mai 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-116&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-116&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-116&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;116&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Einige Tage vor der Offensive, am 31. Januar 2016, besuchte der Sonderbeauftragte von Barack Obama, Brett McGurk, Koban&#234; und traf die Verantwortlichen der PYD und der YPG.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-117&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-117&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-117&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;117&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J&#252;ngst im M&#228;rz 2016: Zusammenst&#246;sse zwischen kurdischen Polizisten und Assad unterst&#252;tzenden Milizen arten in dreit&#228;gige K&#228;mpfe aus, erst dann beruhigt sich die Lage und die Offiziere beider Lager &#252;bernehmen wieder die Kontrolle &#252;ber ihre Truppen. Die Ankunft von h&#246;heren Offizieren, besonders russischen, erlaubt es, einen Waffenstillstand in der Stadt auszuhandeln und Verhandlungen &#252;ber den Gefangenenaustausch und der R&#252;ckkehr zu den anf&#228;nglichen Positionen zu er&#246;ffnen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-118&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-118&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-118&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;118&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michel Korinman (Hg.), &lt;i&gt;Daech. Menace sur les civilisations&lt;/i&gt;, L'Esprit du Temps, 2015, S. 280-281.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-119&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-119&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-119&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;119&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wladimir van Wilgenburg, &lt;a href=&#034;https://www.middleeasteye.net/fr/reportages/les-kurdes-syriens-cherchent-prendre-raqqa-en-s-alliant-une-nouvelle-force-arabe-23688069&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Les Kurdes syriens cherchent &#224; prendre Raqqa en s&#8216;alliant &#224; une nouvelle force arabe&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Middle East Eye&lt;/i&gt;, Oktober 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-120&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-120&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-120&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;120&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Catherine Gou&#235;set, &lt;a href=&#034;https://www.lexpress.fr/actualite/monde/proche-moyen-orient/syrie-cinq-ans-de-guerre-dans-les-faubourgs-de-damas_1773183.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrie: cinq ans de guerre dans les faubourgs de Damas&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;L&#8216;Express&lt;/i&gt;, 15. M&#228;rz 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-121&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-121&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-121&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;121&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;G&#233;rard Chaliand.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-122&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-122&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-122&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;122&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jihad Yazigi, &lt;a href=&#034;https://jihadyazigi.com/2016/03/01/la-guerre-continue-a-detruire-mais-aussi-a-creer-de-nouvelles-structures/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La guerre continue &#224; d&#233;truire, mais aussi &#224; cr&#233;er de nouvelles structures&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Commerce du Levant&lt;/i&gt;, M&#228;rz 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-123&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-123&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-123&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;123&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jihad Yazigi, &lt;a href=&#034;https://jihadyazigi.com/2016/05/01/que-reste-t-il-du-tissu-industriel-syrien&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Que reste-t-il du tissu industriel syrien?&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Commerce du Levant&lt;/i&gt;, Mai 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-124&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-124&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-124&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;124&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Laure Stephan, &#8222;Dans les quartiers ouest, une vie en sursis&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 6.-7. M&#228;rz 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-125&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-125&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-125&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;125&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&#8216;Cessez-le-feu&#8216; en Syrie&#8220; in &lt;i&gt;CQFD&lt;/i&gt;, Nr. 142, April 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-126&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-126&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-126&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;126&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Besonders jener des syrischen Anarchisten Omar Aziz. Siehe Leila Shrooms, &lt;a href=&#034;https://www.avanti4.be/analyses/article/la-base-sociale-de-l-opposition-civile-syrienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La base sociale de l&#8216;opposition civile syrienne&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Avanti 4&lt;/i&gt;, Oktober 2013 und Christophe Ayad, &lt;a href=&#034;https://www.lemonde.fr/disparitions/article/2013/02/26/mort-en-detention-de-omar-aziz-pere-des-comites-locaux-de-la-revolution-syrienne_1838928_3382.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Mort en d&#233;tention de Omar Aziz, p&#232;re des comit&#233;s locaux de la r&#233;volution syrienne&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 26. Februar 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-127&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-127&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-127&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;127&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ignace Leverrier, &lt;a href=&#034;http://www.ilasouria.org/wp-content/uploads/2014/01/11-Leverrier.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La mise en place en Syrie des organisations de la soci&#233;t&#233; civile&#8220;&lt;/a&gt;, Kolloquium Ilasouria.01, Oktober 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-128&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-128&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-128&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;128&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Baczko, Gilles Dorronsoro, Arthur Quesnay, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 35. Man kann anmerken, dass der IS das gleiche tut, wenn er einen Ort erobert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-129&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-129&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-129&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;129&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Fr&#252;hling 2013 kamen die Polizisten von Aleppo dank der finanziellen Unterst&#252;tzung der USA und der EU in den Genuss einer Weiterbildung durch eine private britische Sicherheitsfirma. Ebd., S. 155.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-130&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-130&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-130&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;130&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 36.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-131&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-131&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-131&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;131&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Gegensatz zur tunesischen und &#228;gyptischen Armee, die beide den westlichen L&#228;ndern nahestehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-132&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-132&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-132&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;132&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 127, 286-287.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-133&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-133&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-133&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;133&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 132.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-134&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-134&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-134&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;134&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 308.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-135&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-135&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-135&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;135&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ZweiterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei. Zweiter Teil: Von der Utopie&#8220;&lt;/a&gt;, Dezember 2015, Kapitel &#8222;Das versteckte Kind des Fr&#252;hlings?&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-136&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-136&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-136&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;136&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 282.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-137&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-137&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-137&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;137&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 278.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-138&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-138&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-138&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;138&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&#8216;Cessez-le-feu&#8216; en Syrie&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-139&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-139&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-139&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;139&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. &lt;a href=&#034;https://syriafreedomforever.wordpress.com/2016/03/04/the-doors-for-the-peacefull-revolution-reopens-carnavals-of-protest-demand-freedom-and-the-overthrow-of-the-assad-regime-4032016-%D8%A3%D8%A8%D9%88%D8%A7%D8%A8-%D8%A7%D9%84%D8%AB/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Syria Freedom forever&lt;/a&gt;, ein Blog von Gegnern Assads, wo man Fotos und Videos aus mehreren St&#228;dten findet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-140&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-140&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-140&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;140&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;UNO und Universit&#228;t Saint Andrews, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.unescwa.org/sites/www.unescwa.org/files/publications/files/syria-war-five-years.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Syria at War: Five Years on&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, 2016, 36 S.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-141&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-141&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-141&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;141&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die verschiedenen Organismen versuchen, einen Unterschied zwischen Fl&#252;chtlingen (welche Kriegen entfliehen und von der Genfer Konvention betroffen sind) und Wirtschaftsfl&#252;chtlingen (die Arbeit suchen) zu etablieren, obwohl h&#228;ufig beides gleichzeitig der Fall ist. Die Unterscheidung ist also rein juristisch, variiert je nach Land und erlaubt es, Einwanderer zu trennen und zu ordnen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-142&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-142&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-142&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;142&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jeanine Jalkh, &lt;a href=&#034;https://www.lorientlejour.com/article/994042/refugies-syriens-le-risque-de-leffet-boomerang.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;R&#233;fugi&#233;s syriens: le risque de l&#8216;effet boomerang&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;L&#8216;Orient le jour&lt;/i&gt;, 30. Juni 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-143&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-143&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-143&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;143&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss einer Studie des Hochkommissars der Vereinten Nationen f&#252;r Fl&#252;chtlinge (UNHCR) wollen von den Syrern, welche zwischen April und September 2015 europ&#228;ischen Boden betreten, 50% nach Deutschland gehen und nur 0.4% nach Frankreich. Diese Zahlen m&#252;ssen nat&#252;rlich mit aller notwendigen Skepsis betrachtet werden, besonders weil die Fl&#252;chtlinge wohl schnell verstanden haben, dass die humanit&#228;ren Helfer auch Hilfspolizisten sind. UNHCR, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/UNHCR-Greece_SyrianSurvey%20%281%29.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Syrian Refugee Arrivals in Greece&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, 2015, 15 S.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-144&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-144&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-144&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;144&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/wildcat/99/w99_migration.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Wanderung, Flucht und Arbeit&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt;, Nr. 99, Winter 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-145&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-145&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-145&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;145&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;81% seien M&#228;nner, 69% seien zwischen 18 und 35 und 86% haben eine h&#246;here Schulbildung. Fragw&#252;rdige Daten, wie wir sehen werden. Und 58% dr&#252;cken ihre Intention aus, ihre Familie ins Ankunftsland nachziehen zu lassen. UNHCR, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-146&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-146&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-146&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;146&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C&#233;cile Boutelet, &lt;a href=&#034;https://www.lemonde.fr/europe/article/2015/09/09/en-allemagne-les-patrons-souhaitent-faciliter-l-embauche-des-refugies_4749913_3214.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;En Allemagne, les patrons souhaitent faciliter l&#8216;embauche des r&#233;fugi&#233;s&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 9. September 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-147&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-147&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-147&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;147&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.letemps.ch/monde/2015/09/02/afflux-migrants-profite-aux-patrons-allemands&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L&#8216;afflux de migrants profite aux patrons allemands&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Temps&lt;/i&gt;, 2. September 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-148&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-148&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-148&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;148&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C&#233;cile Boutelet, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-149&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-149&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-149&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;149&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pascal Hugues, &#8222;R&#233;fugi&#233;s: un miracle &#233;conomique pour l&#8216;Allemagne?&#8220; in &lt;i&gt;Le Point&lt;/i&gt;, 1. Februar 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-150&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-150&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-150&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;150&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Deutsche Bahn und Siemens haben &#228;hnliche Programme lanciert. Siehe ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-151&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-151&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-151&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;151&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Philippe Lacour, &lt;a href=&#034;https://www.lesechos.fr/20/10/2015/lesechos.fr/021419406128_migrants---l-enthousiasme-des-industriels-allemands-retombe.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Migrants: l&#8216;enthousiasme des industriels allemands retombe&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Les &#201;chos&lt;/i&gt;, 20. Oktober 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-152&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-152&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-152&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;152&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pascal Hugues, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-153&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-153&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-153&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;153&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;UNO und Universit&#228;t Saint Andrews, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-154&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-154&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-154&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;154&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Les r&#233;fugi&#233;s en Allemagne restent aux portes du Dax&#8220; in &lt;i&gt;Les &#201;chos&lt;/i&gt;, 5. Juli 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-155&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-155&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-155&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;155&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pascal Hugues, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-156&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-156&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-156&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;156&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;UNO und Universit&#228;t Saint Andrews, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-157&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-157&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-157&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;157&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nur eine Minderheit der festgenommenen Verd&#228;chtigen kommt aus Syrien. Zu diesem Ereignis, siehe das &lt;i&gt;Bulletin&lt;/i&gt; Nr. 9 (Februar 2016) von Mouvement communiste: &lt;a href=&#034;https://mouvement-communiste.com/documents/MC/Leaflets/BLT1602FRVF.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Cologne: les attaques contre les femmes sont le produit du patriarcat et font le jeu des racistes anti-immigr&#233;s&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-158&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-158&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-158&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;158&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-159&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-159&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-159&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;159&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Julia Mourri, &lt;a href=&#034;https://leplus.nouvelobs.com/contribution/1486676-le-portugal-veut-accueillir-plus-de-migrants-les-refugies-aident-au-developpement-du-pays.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le Portugal veut accueillir plus de migrants: les r&#233;fugi&#233;s aident au d&#233;veloppement du pays&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;leplus.nouvelobs.com&lt;/i&gt;, 23. Februar 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-160&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-160&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-160&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;160&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Charles de Marcilly, &#8222;Crise des r&#233;fugi&#233;s: l&#8216;UE face aux d&#233;fis migratoires&#8220; in &lt;i&gt;Diplomatie&lt;/i&gt;, Nr. 31, Februar-M&#228;rz 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-161&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-161&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-161&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;161&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.rtl.fr/actu/international/syrie-si-bachar-al-assad-quitte-le-pouvoir-ce-sera-la-guerre-civile-craint-mgr-jean-clement-jeanbart-7781621184&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;RTL&lt;/a&gt;, 30. Januar 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-162&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-162&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-162&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;162&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zur Idee z.B., dass ein &#8222;provisorisches&#8220; B&#252;ndnis mit diesen im Kampf so talentierten jungen Leuten (Jihadisten von Al Nusra oder den Navy Seals) keine Konsequenzen haben wird.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-163&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-163&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-163&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;163&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieser Artikel ist die Fortsetzung einer Serie von Artikeln: &#8222;Kalifat und Barbarei&#8220; (&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ErsterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;erster&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#ZweiterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;zweiter&lt;/a&gt; Teil im Dezember 2015) und &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#DritterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Warten auf Raqqa&#8220;&lt;/a&gt; (Juli 2016). Einige Fragen wurden darin schon behandelt (wie hier der &#220;bergang eines sozialen Protests zu einem B&#252;rgerkrieg, der zu einer Intervention ausl&#228;ndischer Akteure f&#252;hrt). Wir werden uns also darauf beziehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-164&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-164&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-164&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;164&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die russische und syrische Luftwaffe haben in der Region Idlib das gleiche getan, damit keine solchen Strukturen entstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-165&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-165&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-165&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;165&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;War der IS vom gem&#228;ssigten Teil der Bewegung angef&#252;hrt worden? Auf jeden Fall existierte eine extremistische Tendenz innerhalb des Kalifats, doch da sie eine Minderheit darstellte, ist sie in &#8222;der Opposition&#8220; geblieben und wurde 2017 gar niedergeschlagen. Siehe Romain Caillet, &lt;a href=&#034;https://jihadologie.blogs.liberation.fr/2017/06/08/les-dissidents-radicaux-de-letat-islamique&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Les dissidents radicaux de l&#8216;&#201;tat islamique&#8220;&lt;/a&gt;, 8. Juni 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-166&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-166&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-166&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;166&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Romain Caillet in &lt;i&gt;L&#8216;Invit&#233; des matins&lt;/i&gt;, France culture, 1. November 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-167&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-167&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-167&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;167&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michel Goya, &#8222;Syrie: le mod&#232;le de l&#8216;intervention russe&#8220; in &lt;i&gt;DSI&lt;/i&gt;, Nr. 132, November-Dezember 2017, S. 70-73.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-168&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-168&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-168&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;168&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die USA und ihr jordanischer Verb&#252;ndeter unterst&#252;tzen diese Gruppen trotzdem, sie sind haupts&#228;chlich FSA etikettiert und kontrollieren das Grenzgebiet zwischen Jordanien und dem Golan.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-169&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-169&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-169&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;169&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die H&#228;lfte der Bewohner dieses Gebiets sind Fl&#252;chtlinge, deren Pr&#228;senz einen Streitgegenstand darstellt. Ankara achtet darauf, dass ihnen dort humanit&#228;re Hilfe zugutekommt und sie die Grenze nicht &#252;berqueren m&#252;ssen. Das ist der HTS bewusst, sie spielt mit der T&#252;rkei das gleiche Spiel wie diese mit der EU. Fl&#252;chtlingslager sind auch ideale Orte zur Rekrutierung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-170&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-170&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-170&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;170&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Delphine Minoui, &lt;a href=&#034;https://www.lefigaro.fr/international/2017/07/27/01003-20170727ARTFIG00262-syrie-au-coeur-de-la-province-d-idlib-un-fragile-ilot-de-resistance.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrie: au c&#339;ur de la province d&#8216;Idlib, un fragile &#238;lot de r&#233;sistance&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 27. Juli 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-171&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-171&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-171&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;171&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#DritterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei: Warten auf Raqqa&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-172&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-172&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-172&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;172&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die &#252;berraschende L&#228;nge gewisser Belagerungen kann durch die Besonderheiten dieses B&#252;rgerkrieges erkl&#228;rt werden: Die finanziellen Interessen, die famili&#228;ren, Clan- oder Stammesverbindungen, die Korruption und die Soziologie des Checkpoints f&#252;hren dazu, dass z.B. wirtschaftlicher Austausch und Handel zwischen belagerten Rebellengebieten und dem loyalistischen Territorium weitergehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-173&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-173&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-173&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;173&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?time_continue=73&amp;v=jLMvhszIPjc&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Syrian War Report&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, 7. September 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-174&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-174&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-174&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;174&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Drei Strassenachsen verbinden Syrien und den Irak: Die erste im Norden geht durch die Hochburgen der YPG; die zweite in Al-Tanf im S&#252;den ist von der amerikanischen Armee kontrolliert; der dritte in Abu Kamal im Zentrum wird vom IS gehalten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-175&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-175&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-175&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;175&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Danyves, &lt;a href=&#034;https://blogs.mediapart.fr/danyves/blog/180517/l-est-syrien-enjeu-veritable-des-quatriemes-negociations-d-astana-pour-la-paix-en-sy&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L&#8216;Est syrien, enjeu v&#233;ritable des quatri&#232;mes n&#233;gociations d&#8216;Astana pour la paix en Syrie&#8220;&lt;/a&gt;, 18. Mai 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-176&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-176&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-176&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;176&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ist es notwendig, zu pr&#228;zisieren, dass, wenn man von den Handlungen einer politisch-milit&#228;rischen Organisation (die PYD-YPG als Repr&#228;sentation lediglich eines Teils der Kurden in Syrien, wahrscheinlich einer Minderheit) spricht, man nicht &#8222;die Kurden&#8220;, das &#8222;kurdische Volk&#8220; oder das kurdische Proletariat &#8222;kritisiert&#8220;? Wir werden hier nicht weiter auf all diese Punkte eingehen, auf welche, betreffend Rojava, im vorhergehenden Artikel &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#DritterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei: Warten auf Raqqa&#8220;&lt;/a&gt;, in &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/letter-rojavist-friends&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Letter to Rojavist Friends&#8220;&lt;/a&gt; (Mai 2016) und in &#8222;Kurdistan?&#8220; (Januar 2015) eingegangen worden war.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-177&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-177&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-177&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;177&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wahrscheinlich ist es der Einsatz von chemischen Waffen durch Damaskus, welcher es dem Westen erlaubt, Raqqa oder Tabqa mit weissen Phosphorgranaten zu bombardieren, sie sind durch alle internationalen Konventionen verboten&#8230; Luc Matthieu, &lt;a href=&#034;https://www.liberation.fr/planete/2017/06/11/a-raqqa-des-obus-au-phosphore-blanc_1576030&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#192; Raqqa, des obus au phosphore blanc&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, 11. Juni 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-178&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-178&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-178&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;178&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Luke Mogelson, &lt;a href=&#034;https://www.newyorker.com/magazine/2017/11/06/dark-victory-in-raqqa&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Dark Victory in Raqqa&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;The New Yorker&lt;/i&gt;, 6. November 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-179&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-179&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-179&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;179&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Art von Abkommen ist von einer grossen Banalit&#228;t im syrischen Konflikt, doch, da die Medien damals auf Raqqa konzentriert waren, provozierte es Erstaunen und Unverst&#228;ndnis; die Verschw&#246;rungstheoretiker sahen darin sogar den Beweis f&#252;r die Kollusion zwischen dem IS und Washington.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-180&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-180&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-180&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;180&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Antoine Hasday, &lt;a href=&#034;https://www.slate.fr/story/148326/raqqa-tribus-sunnites-pouvoir-kurde&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#192; Raqqa, les tribus arabes accepteront-elles un pouvoir kurde?&#8220;&lt;/a&gt;, 11. Juli 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-181&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-181&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-181&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;181&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andrew J. Tabler, &lt;a href=&#034;https://www.washingtoninstitute.org/uploads/Documents/pubs/PolicyNote39-Raqqa.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Eyeign Raqqa. A Tale of Four Tribes&#8221;&lt;/a&gt; in The Washington Institute, M&#228;rz 2017, S. 7-8.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-182&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-182&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-182&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;182&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Juli 2017 versuchte die T&#252;rkei, Washington zu st&#246;ren, indem sie durch die Presseagentur Anandolu die Lokalisierungsdaten und die Anzahl stationierter Truppen von zw&#246;lf im syrischen Kurdistan stationierten St&#252;tzpunkten (in einem davon sind die franz&#246;sischen Spezialkr&#228;fte stationiert) bekanntgab.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-183&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-183&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-183&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;183&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alexandre Alati, &#8222;Objectif Raqqa. Les moyens d&#8216;appui US en Syrie&#8220; in &lt;i&gt;Raids&lt;/i&gt;, Nr. 375, Oktober 2017, S. 48-57. Ende November wurde der R&#252;ckzug eines Bataillons von Marines angek&#252;ndigt, siehe Laurent Lagneau, &lt;a href=&#034;http://www.opex360.com/2017/11/30/lei-ayant-ete-defait-raqqa-plus-de-400-militaires-americains-vont-quitter-la-syrie/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L&#8216;EI ayant &#233;t&#233; d&#233;fait &#224; Raqqa, plus de 400 militaires am&#233;ricains vont quitter la Syrie&#8220;&lt;/a&gt;, 30. November 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-184&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-184&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-184&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;184&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Laurent Lagenau, &lt;a href=&#034;https://www.opex360.com/2017/05/10/coalition-anti-ei-le-president-trump-approuve-la-livraison-darmes-aux-milices-kurdes-syriennes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le pr&#233;sident Trump approuve la livraison d&#8216;armes aux milices kurdes syriennes&#8220;&lt;/a&gt;, 10. Mai 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-185&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-185&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-185&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;185&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Schliessung des Azaz-Korridors im Februar 2016 durch eine gemeinsame Offensive der AAS, der Hizbollah und der YPG gegen die &#8222;Rebellen&#8220; kann als Pr&#228;misse f&#252;r eine Erstickung der Stadt betrachtet werden, wovon er eine bedeutende Versorgungsachse darstellte. Im Juli in Aleppo unterst&#252;tzen die YPG die Truppen aus Damaskus vom kurdischen Quartier Scheich Maksud ausgehend dabei, die strategische Strasse von Castello zu unterbrechen, die letzte Versorgungsachse der rebellischen Quartiere, die nun komplett umzingelt sind und allm&#228;hlich von der AAS zur&#252;ckerobert werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-186&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-186&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-186&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;186&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K&#228;mpferinnen, die manchmal innerhalb spezifischer Einheiten gruppiert werden, den YPJ, deren wirkliches Gewicht schwierig einzusch&#228;tzen ist, da sie von den Kommunikationsverantwortlichen der PYD dermassen mediatisiert worden sind (und auch von der westlichen b&#252;rgerlichen und Aktivistenpresse). Wenn man einen auch nur minimal aufmerksamen Blick hat, merkt man, dass die Frauen der YPG-YPJ zwar massiv w&#228;hrend Zeremonien, Presseterminen und Reportagen von akkreditierten Journalisten hinter der Front pr&#228;sent sind (in der Regel in ihren eigenen Uniformen), doch viel seltener auf den Bildern aus der Hitze des Gefechts.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-187&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-187&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-187&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;187&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/40dabd50-d072-11e7-b781-794ce08b24dc&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrian Kurds Face Fresh Test Ruling Arab Regions after Isis&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Financial Times&lt;/i&gt;, 30. November 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-188&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-188&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-188&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;188&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wird das Wort &#8222;Rojava&#8220; gar nur im Westen gebraucht? Der &lt;a href=&#034;https://nordundostsyrien.de/wp-content/uploads/2022/08/Gesellschaftsvertrag.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Eid der Demokratischen F&#246;deration Nordsyriens&lt;/a&gt; ist folgender: &#8222;Ich schw&#246;re bei Gott dem Allm&#228;chtigen und beim Blut der M&#228;rtyrer*innen, den Gesellschaftsvertrag und seine Bestimmungen zu befolgen, die demokratischen Rechte des Volkes zu bewahren und die Werte der M&#228;rtyrer*innen, die Freiheit, den Frieden und die Sicherheit auf dem Territorium der Demokratischen F&#246;deration Nordsyrien und des f&#246;deralen Syrien zu sch&#252;tzen und zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit im Einklang mit den Prinzipien der demokratischen Nation beizutragen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-189&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-189&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-189&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;189&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fabrice Balanche, &#8222;Un Kurdistan ind&#233;pendant peut-il vraiment &#233;merger du chaos syrien?&#8220; in &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 26. August 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-190&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-190&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-190&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;190&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Oktober f&#252;hrte das gegen die Einwohner von Raqqa ausgesprochene Verbot, in ihre Stadt zur&#252;ckzukehren, zu Demonstrationen in den Fl&#252;chtlingslagern. Es war aufgrund der Probleme der Minenr&#228;umung und polizeilichen Notwendigkeiten ausgesprochen worden, denn die YPG mussten (unterst&#252;tzt von den westlichen Diensten) unter den Durchschnittszivilisten die Anh&#228;nger, Funktion&#228;re oder K&#228;mpfer des IS ausfindig machen. Nach drei Wochen erhielten die ersten Einwohner die Erlaubnis, nach Hause zur&#252;ckzukehren. Doch aufgrund des Zustands von Raqqa und der mangelnden Vorbereitung auf die Verwaltung der Fl&#252;chtlinge ist es wahrscheinlich, dass Zehntausende von ihnen den Winter in aus Zelten bestehenden Lagern verbringen werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-191&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-191&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-191&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;191&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Perry, &lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-ypg-exclusive/exclusive-syrian-kurdish-ypg-aims-to-expand-force-to-over-100000-idUSKBN16R1QS&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrian Kurdish YPG Aims to Expand Force to over 100'000&#8221;&lt;/a&gt; in Reuters, 20. M&#228;rz 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-192&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-192&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-192&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;192&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn in Frankreich wie in den 1970er und 1980er Jahren eine antimilitaristischer Diskurs existieren w&#252;rde, w&#252;rden sich die Aktivisten der dazu passenden Organisationen f&#252;r diese Ereignisse interessieren. Denn viele der aus Syrien stammenden Einwanderer, welche in Europa ein Refugium gefunden haben, sind faktisch Deserteure oder Kriegsdienstverweigerer, sowohl aus dem loyalistischen als auch dem kurdischen Gebiet. Sogar die OFPRA [franz&#246;sische Beh&#246;rde f&#252;r Fl&#252;chtlinge] hat in den Dokumenten, die sie nutzt, um den Lebenslauf der Fl&#252;chtlinge zu analysieren, auf die Einf&#252;hrung der obligatorischen Wehrpflicht in den kurdischen Kantonen aufmerksam gemacht, siehe OFPRA-DIDR, &lt;i&gt;Conflit syrien. Les r&#233;gions kurdes de Syrie, chronologie et bibliographie&lt;/i&gt;, OFPRA, 29. Januar 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-193&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-193&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-193&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;193&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Einige erw&#228;hnen Saudi-Arabien, unter der Bedingung, dass die YPG ein Stachel im Fleisch seiner Gegner (T&#252;rkei, Iran, Katar) bleiben. Alain Rodier, &lt;a href=&#034;https://www.cf2r.org/actualite/iran-pourquoi-teheran-tient-ses-kurdes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Iran: pourquoi T&#233;h&#233;ran tient ses Kurdes?&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Note d&#8216;actualit&#233;&lt;/i&gt;, Nr. 482, CF2R, 6. September 2017 und Aron Lund, &lt;a href=&#034;https://www.irinnews.org/analysis/2017/10/23/winter-coming-who-will-rebuild-raqqa&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Winter Is Coming: Who Will Rebuild Raqqa?&#8220;&lt;/a&gt;, 23. Oktober 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-194&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-194&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-194&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;194&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Entretien avec Pierre Bance&#8220; in &lt;i&gt;Le Comptoir&lt;/i&gt;, 20. Oktober 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-195&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-195&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-195&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;195&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Groupe d'amiti&#233; France-Syrie du S&#233;nat, &lt;a href=&#034;https://www.senat.fr/international/groupes_amitie_cr/groupe_france_syrie_entretien_avec_m_khaled_issa_representant_du_rojava_en_france.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Entretien avec M. Khaled Issa, repr&#233;sentant du Rojava en France&#8220;&lt;/a&gt;, Juni 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-196&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-196&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-196&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;196&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Seite &lt;a href=&#034;https://www.rojavafrance.fr/contrat-social&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le contrat social&#8220;&lt;/a&gt; auf der Homepage der Repr&#228;sentation Rojavas in Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-197&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-197&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-197&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;197&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Entretien avec Pierre Bance&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-198&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-198&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-198&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;198&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.franceculture.fr/emissions/cultures-monde/cultures-monde-mardi-7-novembre-2017&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Milices chiites, principale menace de l&#8216;apr&#232;s-Daech?&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Cultures monde&lt;/i&gt;, France culture, 7. November 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-199&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-199&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-199&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;199&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es w&#252;rde darum gehen, den Einfluss des Irans zu beschr&#228;nken, und sich daf&#252;r eventuell Saudi-Arabien anzun&#228;hern. Tim Kennedy, &#8222;R&#233;&#233;quilibrer les liens avec l&#8216;Irak&#8220; in &lt;i&gt;Arabies&lt;/i&gt;, Nr. 367, November 2017, S. 34-39.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-200&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-200&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-200&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;200&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe das Kapitel &#8222;Eine Wirtschaft in Fetzen&#8220; in &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#DritterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei: Warten auf Raqqa&#8220;&lt;/a&gt; und, f&#252;r aktuellere Zahlen, William Plummer, Isabelle de Foucaud, &lt;a href=&#034;https://www.lefigaro.fr/economie/le-scan-eco/dessous-chiffres/2017/04/07/29006-20170407ARTFIG00242-le-desastre-de-l-economie-syrienne-apres-six-ans-de-guerre.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le d&#233;sastre de l&#8216;&#233;conomie syrienne apr&#232;s six ans de guerre&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 7. April 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-201&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-201&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-201&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;201&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Benjamin Barthe, &lt;a href=&#034;https://www.lemonde.fr/syrie/article/2017/04/03/reconstruction-en-syrie-les-entreprises-acquises-au-regime-favorisees_5104943_1618247.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Reconstruction en Syrie : les entreprises acquises au r&#233;gime favoris&#233;es&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 3. April 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-202&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-202&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-202&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;202&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#196;gypten will nicht, dass diese Investoren das Land verlassen und hat den Bau einer Industriezone f&#252;r die syrischen Unternehmer angek&#252;ndigt, welche 70 bis 80 Unternehmen diverser Sektoren gruppieren soll, besonders des Textil-, Lebensmittel- und Pharmazeutiksektors. &lt;a href=&#034;https://www.albawabaeg.com/91831&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ministry of Trade Studies Launching Syrian Industrial Zone in Egypt&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Al-Bawaha Egypt&lt;/i&gt;, 4. April 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-203&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-203&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-203&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;203&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Rollin, &lt;a href=&#034;https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2017/05/syria-war-reconstruction-process-regime-opposition.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syria's Reconstruction Plans Take Shape&#8220;&lt;/a&gt;, 22. Mai 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-204&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-204&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-204&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;204&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mohammed Ghazal in Amman, &lt;a href=&#034;https://almashareq.com/fr/articles/cnmi_am/features/2017/08/10/feature-02&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Les promoteurs arabes r&#233;fl&#233;chissent &#224; la reconstruction de la Syrie&#8220;&lt;/a&gt;, 10. August 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-205&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-205&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-205&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;205&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Einige haben sich einen Vorsprung herausgeholt, so z.B. jener Zementhersteller aus Beirut, der ab 2012 Land gekauft und ein Depot in Homs gebaut hat, um am Tag X gut platziert zu sein, siehe J. Philippine de Clermont-Tonnerre, &lt;a href=&#034;https://information.tv5monde.com/info/syrie-le-liban-aux-avant-postes-de-la-reconstruction-128611&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrie: le Liban aux avant-postes de la reconstruction&#8220;&lt;/a&gt; in TV 5 Monde, 17. September 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-206&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-206&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-206&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;206&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alexis Feertchak, &lt;a href=&#034;https://www.lefigaro.fr/vox/monde/2017/09/12/31002-20170912ARTFIG00125-pour-sa-reconstruction-la-syrie-se-tourne-vers-l-asie.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Pour sa reconstruction, la Syrie se tourne vers l'Asie&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 12. September 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-207&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-207&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-207&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;207&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jihad Yazigi, &lt;a href=&#034;https://jihadyazigi.com/2017/03/01/les-penuries-mettent-en-lumiere-la-fragilite-syrienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Les p&#233;nuries mettent en lumi&#232;re la fragilit&#233; syrienne&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Commerce du Levant&lt;/i&gt;, M&#228;rz 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-208&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-208&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-208&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;208&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Renaud Toffier, &lt;a href=&#034;https://www.lefigaro.fr/international/2017/08/09/01003-20170809ARTFIG00109-syrie-irak-le-temps-de-la-reconstruction.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrie, Irak : le temps de la reconstruction&#8220;&lt;/a&gt;, 9. August 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-209&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-209&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-209&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;209&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jihad Yazigi, &lt;a href=&#034;https://jihadyazigi.com/2017/08/01/la-chine-hesite-a-developper-sa-relation-economique-avec-damas/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La Chine h&#233;site &#224; d&#233;velopper sa relation &#233;conomique avec Damas&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Commerce du Levant&lt;/i&gt;, August 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-210&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-210&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-210&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;210&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://chinascope.org/archives/12730&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;China to Invest US$2 Billion in the Reconstruction of Syria&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 2017 und &lt;a href=&#034;https://www.atimes.com/article/new-silk-road-will-go-syria/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The New Silk Road Will Go through Syria&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Asia Times&lt;/i&gt;, 13. Juli 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-211&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-211&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-211&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;211&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.rfi.fr/moyen-orient/20170701-syrie-hcr-mouvement-retour-refugies-deplaces-depuis-debut-annee&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrie : mouvement de retour de r&#233;fugi&#233;s et de d&#233;plac&#233;s depuis le d&#233;but de l'ann&#233;e&#8220;&lt;/a&gt;, RFI, 1. Juli 2017, &lt;a href=&#034;https://www.europe1.fr/international/syrie-plus-de-600000-syriens-sont-rentres-chez-eux-depuis-janvier-3411068&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Syrie : plus de 600 000 Syriens sont rentr&#233;s chez eux depuis janvier&#8220;&lt;/a&gt;, Europe 1, 14. August 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-212&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-212&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-212&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;212&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.unescwa.org/sites/www.unescwa.org/files/publications/files/syria-war-five-years.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Syria at War, Five Years On&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, ESCWA and University of St Andrews, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-213&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-213&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-213&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;213&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Und obwohl es in der Geschichte der zwischenstaatlichen Kriege grosse proletarische Bewegungen gab (Pariser Kommune, russische Revolutionen 1905 und 1917), war das im Falle von B&#252;rgerkriegen nie der Fall. Man konnte 2003 von einer Kommune von Bagdad tr&#228;umen, aber nicht von einer Kommune von Mosul 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-214&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-214&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-214&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;214&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Besonders in Bezug auf die Schlussfolgerung unseres vorhergehenden Artikels, die wir hier gr&#246;sstenteils reproduzieren k&#246;nnten. Siehe &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Kalifat-und-Barbarei-erster-Teil#DritterTeil&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kalifat und Barbarei: Warten auf Raqqa&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-215&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-215&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-215&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;215&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu dieser Frage, siehe Die Freunde vier Millionen junger Arbeiter, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Eine-Welt-ohne-Geld-Kommunismus-1975-1976&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Eine Welt ohne Geld: Kommunismus&#8220;&lt;/a&gt;, 1976; Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;https://theanarchistlibrary.org/library/bruno-astarian-crisis-activity-and-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Crisis Activity and Communisation&#8220;&lt;/a&gt;, 2010; Gilles Dauv&#233;, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://entremonde.net/de-la-crise-a-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, Genf/Paris, Entremonde, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Gilles Dauv&#233;/Tristan Leoni - Rojava: Realit&#228;t und Rhetorik</title>
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&lt;p&gt;Wenn die Leute sich, um zu &#252;berleben, selbst um ihre Angelegenheiten k&#252;mmern, er&#246;ffnen sie die M&#246;glichkeit einer gesellschaftlichen Ver&#228;nderung. &lt;br class='autobr' /&gt;
Was sich seit 2012 in Rojava abgespielt hat, stellt einen Versuch der gesellschaftlichen Ver&#228;nderung dar, besonders aufgrund der neuen Rolle der Frauen. &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Kurden sind gezwungen, ihre eigene Geschichte unter Bedingungen zu machen, welche sie nur im Sog eines internationalisierten B&#252;rgerkrieges beeinflussen k&#246;nnen &#8211; eine alles andere als ideale (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Gilles-Dauve" rel="tag"&gt;Gilles Dauv&#233;&lt;/a&gt;, 
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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Rojava" rel="tag"&gt;Rojava&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/alia.jpg?1689471333' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='32' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Wenn die Leute sich, um zu &#252;berleben, selbst um ihre Angelegenheiten k&#252;mmern, er&#246;ffnen sie die M&#246;glichkeit einer gesellschaftlichen Ver&#228;nderung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich seit 2012 in Rojava abgespielt hat, stellt einen Versuch der gesellschaftlichen Ver&#228;nderung dar, besonders aufgrund der neuen Rolle der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kurden sind gezwungen, ihre eigene Geschichte unter Bedingungen zu machen, welche sie nur im Sog eines internationalisierten B&#252;rgerkrieges beeinflussen k&#246;nnen &#8211; eine alles andere als ideale Situation f&#252;r die Emanzipation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Von der Staatenlosigkeit zum Staatsaufbau&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte der kurdischen Unabh&#228;ngigkeitsbewegung ist gut dokumentiert: ihre vier L&#228;nder &#252;berlappende Geographie (T&#252;rkei, Syrien, Irak und Iran), ihre Zersplitterung in verschiedene rivalisierende Parteien, die Neigung dieser Parteien, ein Nachbarland gegen das andere auszuspielen, manchmal eine Supermacht gegen eine andere, die schrecklichen Konsequenzen dieser wechselnden B&#252;ndnisse, ihr Vertrauen in eine grosse Diaspora in Europa, ihre Widerstandsf&#228;higkeit gegen&#252;ber Repression und internen Konflikten, ihre &#220;berlebensf&#228;higkeit gegen&#252;ber den Aufs und Abs internationaler Politik und ihre gleichzeitige Unf&#228;higkeit, einen Nationalstaat zu erschaffen. Manchmal ist es nur ein schmaler Grat zwischen &#220;berleben und selbstm&#246;rderischen Tendenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann ver&#228;nderten drei erhebliche Ereignisse die Sachlage f&#252;r die Kurden und gestalteten, neben anderen Wirkungen, die PKK, die Arbeiterpartei Kurdistans in der T&#252;rkei, neu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens, seit 2003, der Zerfall des Iraks in drei getrennte Teile: der sunnitische, schiitische und im Norden die kurdische Regionalregierung, welche von der vom Barzani-Clan angef&#252;hrten DPK beherrscht wird und in Tat und Wahrheit eine Art westliches Protektorat ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens der syrische Staat, welcher in zivilen K&#228;mpfen und sektiererischen Trennungen gefangen ist und die Kontrolle &#252;ber den gr&#246;ssten Teil des Landes verloren hat, die kurdischen Gebiete inbegriffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drittens haben sunnitische Jihadisten einen grossen Teil des syrischen Territoriums unter ihre Kontrolle gebracht und sind zu einer Bedrohung f&#252;r das &#220;berleben der kurdischen Bev&#246;lkerung geworden. Es war somit der Aufstieg von ISIS/Daesh, welcher letztendlich die Kurden ins Rampenlicht brachte. (ISIS ist die englische Abk&#252;rzung f&#252;r &#8222;Islamischer Staat in Irak und Syrien&#8220;, Daesh die arabische Abk&#252;rzung f&#252;r &#8222;Islamischer Staat im Irak und der Levante&#8220;.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;re ISIS nur eine Gefahr f&#252;r Hunderttausende von Leuten, w&#252;rde der Westen nicht mehr tun, als er seit 2011 getan hat, um das Assad-Regime daran zu hindern, seine eigene Bev&#246;lkerung zu schlachten. Aktuell ist ISIS eine Bedrohung f&#252;r das regionale politische Gleichgewicht und zugesicherte &#214;linteressen, darum tut der Westen sein Bestes, um ISIS daran zu hindern, das Gebiet und &#214;lquellen zu kontrollieren. Der Diktator Assad erscheint nun als das kleinere &#220;bel als unkontrollierbare Jihadisten. Die implizite US-Unterst&#252;tzung f&#252;r ein Regime, welches die USA einige Jahre zuvor in die Unterwerfung bombardieren wollte, ist kaum &#252;berraschend: Seit 1970 &#228;nderte sich die amerikanische Politik gegen&#252;ber Syrien mehr als ein halbes Dutzend mal und keine dieser &#196;nderungen hatte irgendwas mit der Tatsache zu tun, dass die Herrscher von Damaskus mehr oder weniger t&#246;teten und folterten. F&#252;r die herrschenden M&#228;chte m&#252;ssen die Ausbreitungseffekte des regionalen Chaos einged&#228;mmt werden, indem, falls n&#246;tig, Assad unterst&#252;tzt und sogar indem eine kurdische Heimat konsolidiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den kurdischen Gebieten im Norden Syriens formierte sich nach 2011 erstmals ein implizites Volksb&#252;ndnis (d.h. es ist klassen&#252;bergreifend), um das von den syrischen Beh&#246;rden verlassene Territorium selbstzuverwalten und dann 2014, um es gegen die t&#246;dliche Bedrohung von ISIS zu verteidigen. Der Widerstand kombiniert ehemalige traditionelle Verbindungen und neue Bewegungen, besonders von Frauen, in einer Arbeitsgemeinschaft von Proletariern und Elementen der Mittelklasse, verkittet durch die Betonung der gemeinsamen kurdischen Nation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein autonomes Hinterland ist etabliert worden: Rojava (kurdisch f&#252;r Westen), bestehend aus drei territorial unzusammenh&#228;ngenden Kantonen (Afrin, Kobane und Cizire) in Nordsyrien neben der t&#252;rkischen Grenze. Es ist ungef&#228;hr 18'300 km&#178; gross mit einer Bev&#246;lkerung, welche 2014 auf 4.6 Millionen gesch&#228;tzt worden ist. (Zum Vergleich, Wales ist 20'700 km&#178; gross und hat &#252;ber 3 Millionen Einwohner.) Nachdem sich das offizielle syrische Milit&#228;r zur&#252;ckzog, gab es einige K&#228;mpfe zwischen der Freien syrischen Armee und den Kurden, welche erstere zur&#252;ckschlugen. Es existiert nun &#8222;eine Art ungeschriebene[s] Abkommen [&#8230;] wodurch das syrische Regime Rojava eine gewisse Autonomie einr&#228;umt gegen die Neutralit&#228;t der syrischen Kurden im laufenden B&#252;rgerkrieg&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il Lato cattivo, &#8222;Die &#8222;kurdische Frage&#8220;, ISIS, USA und vieles mehr&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesen Gebieten koexistiert die kurdische Mehrheit mit verschiedenen anderen &#8222;ethnischen&#8220; Gruppen, welche alle in der Vergangenheit die Repression des irakischen Staates erdulden mussten. Der Zerfall von Recht und Ordnung in der Region erschuf ein Machtvakuum in Nordsyrien und hat eine Basisorganisation der Leute hervorgebracht, welche unter dem Namen Tev-Dem (Bewegung f&#252;r eine demokratische Gesellschaft) koordiniert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Handeln der kleinen Leute hat den politischen und gesellschaftlichen Stillstand durchbrochen. Und nun, wie weiter?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Selbstverteidigung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ein breites Mosaik an Bewegungen &#8211; welche bewaffnet oder unbewaffnet sind und von sozialem Banditentum bis zur organisierten Guerilla-Aktivit&#228;t reichen &#8211; agieren in den elendsten Zonen der globalen kapitalistischen M&#252;llhalde und haben &#228;hnliche Z&#252;ge wie die gegenw&#228;rtige PKK. Auf die eine oder andere Art versuchen sie, gegen die Zerst&#246;rung ohnehin schon marginaler Subsistenzwirtschaften, die Pl&#252;nderung nat&#252;rlicher Rohstoffe, die lokale Bergbauindustrie oder die Aufzwingung kapitalistischen Landeigentums, welches Zugang und/oder Gebrauch begrenzt oder verhindert, Widerstand zu leisten. Als Beispiele k&#246;nnen wir wahllos F&#228;lle von Piraterie im Meer von Somalia, MEND in Nigeria, die Naxaliten in Indien, die Mapuche in Chile erw&#228;hnen. Obwohl die Diskurse und Kampfformen dieser Bewegungen nicht blosse Epiph&#228;nomene sind, ist es wesentlich, ihren gemeinsamen Inhalt zu erfassen: Selbstverteidigung. Eine Selbstverteidigung, die wom&#246;glich auch als lebensnotwendig betrachtet werden k&#246;nnte, wobei sie sich in ihrem Wesen nicht von dem unterscheidet, was in jedem Arbeitskampf ausgedr&#252;ckt wird, welche zum Ziel hat, die L&#246;hne oder Arbeitsbedingungen der dort Arbeitenden zu sch&#252;tzen. Genau wie es ein Taschenspielertrick w&#228;re, einen wenn auch sehr heftigen und breiten Lohnkampf als &#8222;revolution&#228;re Bewegung&#8220; darzustellen, so ist es genauso abwegig, dieser Art von Selbstverteidigung, welche von solchen ersch&#246;pften Bev&#246;lkerungen praktiziert wird, einen inh&#228;renten revolution&#228;ren Sinn zu geben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Selbstverteidigung impliziert Selbstorganisation. In Rojava gibt es :&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[...] eine wirkliche Bewegung gegen die staatliche Pl&#252;nderung und den staatlichen Zwang, welche milit&#228;risch an ihren Grenzen k&#228;mpft und im Innern durch die Streuung der Macht innerhalb derselben. Die Grenzen der K&#228;mpfe in Rojava sind in diesem Sinne die gleichen, wie die der K&#228;mpfe &#252;berall, wo das Verh&#228;ltnis zwischen Arbeitskraft und Kapital zu einer Angelegenheit der Repression geworden ist, und von K&#228;mpfen, f&#252;r welche diese Repression den Ausgangspunkt darstellt. Diese K&#228;mpfe finden weit entfernt von den Hochburgen der Reproduktion des Kapitals statt und haben nicht zum Ziel, die Ausbeutungsverh&#228;ltnisse zu st&#252;rzen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Becky, &#8222;Ausgehend vom Zwangsmoment &#8211; Kanton Cizire, Rojava.&#034; id=&#034;nh3-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ganze Frage ist, ob Selbstverteidigung in Rojava der Weg zum Sturz der Produktionsverh&#228;ltnisse ist &#8211; oder werden k&#246;nnte. Doch zuerst ein paar Worte zum Nationalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Nation hat ein neues Gesicht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nationalen Befreiungsbewegungen des 21. Jahrhunderts unterscheiden sich betr&#228;chtlich von jenen, als der Kolonialismus sich seinem Ende n&#228;herte und der Kalte Krieg zwischen den USA und der UdSSR in Form von lokalen Stellvertreterkriegen ausbrach, mit einer betr&#228;chtlichen Anzahl an wechselnden B&#252;ndnissen und Millionen von Toten. Das kurdische Volk bezahlt einen umso h&#246;heren Preis, weil die Kurden zwischen vier L&#228;ndern verteilt sind. Doch die Gr&#252;nde f&#252;r die tiefe Ver&#228;nderung in der nationalistischen Agenda sind nicht humanit&#228;re Betrachtungen, ein Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit oder die Lekt&#252;re von authentischer kritischer Theorie. N&#252;chtern betrachtet ist ihre ehemalige Grundlage obsolet geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zusammenfassend kann man sagen, dass, nach der Machtergreifung, das typische Programm der nationalen Front war, die Beziehungen zur vorherrschenden Macht abzubrechen (im Mittleren Osten Grossbritannien bis in die 1940er Jahre, danach die USA), Unterst&#252;tzung bei ihrem Rivalen zu suchen (der UdSSR) und ein staatliches, einheimisches Wachstum zu entwickeln, basierend auf kollektivierter Landwirtschaft und Schwerindustrie.Das war zumindest der Plan. Wo immer es keine angemessene, oder eine zu schwache Bourgeoisie gab, optierte die nationale Befreiung f&#252;r den b&#252;rokratischen statt den b&#252;rgerlichen Kapitalismus, suchte ihre Rezepte bei Marx und Mao, nicht bei Adam Smith und Keynes, und setzte ein diktatorisches Regime ein, das von einer vermeintlichen Arbeiter- oder Volkspartei angef&#252;hrt wurde. Sie erreichte mehr Diktatur als Entwicklung, doch das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall wurde das mit dem Niedergang der UdSSR und dem Anbruch der Globalisierung unm&#246;glich. Nachdem also zuvor der Marxismus-Leninismus, der Guevarismus und die Verteidigung der Dritten Welt verfochten wurden, machte sich die nationale Befreiung ihre eigene Version der Globalisierungsgegnerschaft zu eigen. Der Misskredit des sozialistischen Nationalismus f&#252;hrte zum ethnischen Nationalismus, welcher sich im Falle der PKK in einen Aufruf f&#252;r eine multiethnische Nation verwandelte. Logischerweise wurde diese neue Linie auch vom Ableger der PKK in Syrien, der PYD, unterst&#252;tzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jede politische Bewegung gibt sich die nationale Befreiung die Ideologie, die Verb&#252;ndeten und die Ziele, an welche sie sich richten kann und modifiziert sie, wenn es ihren Interessen entspricht. Am sechsten zionistischen Kongress 1903, bekannt als der &#8222;Uganda-Kongress&#8220;, stand immer noch zur Debatte, ob eine j&#252;dische Heimat in Afrika gegr&#252;ndet werden k&#246;nnte. Pilsudski entschied sich 1914 nicht zwischen Richtig und Falsch: Er unterst&#252;tzte jene Seite, welche ihm f&#252;r die polnische Unabh&#228;ngigkeit am vorteilhaftesten erschien und wechselte die Seiten je nach Kriegsumst&#228;nden. Die Loyalit&#228;t eines Nationalisten ist nicht an eine Klasse oder ein Glaubensbekenntnis gebunden, sondern nur an das, was er als &#8222;sein Volk&#8220; betrachtet und an seine eigene Rolle als Anf&#252;hrer dieses Volkes. Der Gehorsam schwankt, genau wie die Doktrin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte nie ein Buch oder nationale Befreiung aufgrund des Umschlagbildes beurteilen. In der Praxis werden die PKK-Kader einen Landeigent&#252;mer oder Boss unterst&#252;tzen, weil er in der Region einflussreich ist. Sie werden auch Streiks verteidigen oder Proteste organisieren, wenn es ihnen hilft, lokale Einwohner hinter sich zu bringen. Hier werden sie auf der Seite von starren Formen der Religion stehen, dort auf jener der Toleranz. Heute werden sie als Traditionalisten erscheinen, morgen als Modernisten. Das ist Politik: Die PKK h&#228;lt hoch, was ihre Machtbasis vergr&#246;ssert. Damals, als sie beanspruchte, Teil des weltweiten Sozialismus zu sein, hatte sie keine Zeit f&#252;r Ketzer wie Pannekoek oder Mattick, und entschied sich f&#252;r erfolgreichen Marxismus-Leninismus. Wenn sie sich libert&#228;re Positionen zu eigen macht, entscheidet sie sich nicht f&#252;r Makhno, sondern bevorzugt eine akzeptable Version, wahrscheinlich heutzutage die gem&#228;ssigste, die Doktrin von Bookchin, welche den Munizipalsozialismus des 19. Jahrhunderts mit Selbstverwaltung und &#214;kologie w&#252;rzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine ziemlich vern&#252;nftige Wahl. Die PKK hatte ihre Ambitionen zur&#252;ckstecken m&#252;ssen und der konf&#246;derale Munizipalismus ist die einzige verf&#252;gbare politische Ideologie f&#252;r eine Partei, welche sich mit Staaten und Grenzen abfinden muss, weil sie keine Hoffnung mehr hat, ihren eigenen Staat und ihre eigenen Grenzen zu erschaffen, was zwingend die Neuziehung der Grenzen von mindestens zwei angrenzenden L&#228;ndern bedeuten w&#252;rde. Die PKK macht aus der Not eine Tugend und hat die Anspielungen auf &#8222;Klasse&#8220; und &#8222;Partei&#8220; &#252;ber Bord geworfen und wirbt f&#252;r Selbstverwaltung, Kooperation, Kommunalismus (nicht Kommunismus), Anti-Produktivismus und Gender. David Graeber erfreute sich an der Tatsache, dass die Leute in Kurdistan nun wom&#246;glich Judith Butler lesen. Alles richtig gemacht. Dekonstruktion des politischen Subjekts (d.h. des Proletariats als historischer Tr&#228;ger), Priorisierung von Identit&#228;ten, die Klasse wird durch Gender ersetzt &#8211; die PKK hat zweifellos den Marxismus durch den Postmodernismus ersetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von einem &#8222;Nicht-Staat&#8220; zu sprechen, ist ein Spiel mit den Worten. Die PKK hat das Ziel jeder nationalen Befreiungsbewegung nicht aufgegeben. Obwohl sie sehr darauf achtet, keine Worte zu gebrauchen, die zu autorit&#228;r t&#246;nen, ist ihr Ziel immer noch die Erschaffung eines politischen Apparates auf dem kurdischen Territorium, in welchem die Entscheidungsmacht zentralisiert ist, und welches Wort w&#228;re besser hierf&#252;r als Staat? Mit der Nebenbestimmung, dass dieser Staat so demokratisch unter B&#252;rgerkontrolle w&#228;re, dass er den Namen Staat nicht mehr verdienen w&#252;rde. So viel zur Ideologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der wirklichen Welt ist das Ziel einer starken inneren Autonomie zusammen mit einem basisdemokratischen Leben nicht vollkommen unrealistisch. Es ist der Zustand diverser Gebiete in der Pazifikregion: Die Zentralregierung k&#252;mmert es nicht, dass lokale Gemeinschaften ihre herk&#246;mmliche l&#228;ndliche Gesellschaft bewahren, sich selber weitgehend selbstverwalten, von einer auf Eigenbedarf basierenden Wirtschaft leben oder verarmen, solange sie niemandem &#196;rger bereiten. Sobald Eisenerz oder &#214;l ins Spiel kommt, &#228;ndert sich alles und falls n&#246;tig wird die Armee gerufen, wie in Papua-Neuguinea. Somaliland hat einige Eigenschaften eines Staates (eigene Polizei, W&#228;hrung und Wirtschaft), nur wird es von keinem anderen Staat als Staat anerkannt. In Chiapas (dessen Situation h&#228;ufig mit jener Rojavas verglichen wird) haben die Zapatisten 20 Jahre in einer regionalen Halbautonomie &#252;berlebt, innerhalb welcher sie ihre Kultur und Br&#228;uche bewahren, ohne den mexikanischen Bundesstaat zu st&#246;ren, solange sie dort bleiben, wo sie sind. Der Aufstand der Zapatisten war vermutlich der erste der &#196;ra der Globalisierungsgegnerschaft, insofern als dass er nicht darauf abzielte, die Unabh&#228;ngigkeit zu erreichen oder das ganze Land zu ver&#228;ndern, sondern einen traditionellen Lebensstil aufrechtzuerhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kurden leben nicht friedlich auf einer Insel, viele von ihnen sind Stadtbewohner, sie sitzen (un)gl&#252;cklicherweise auf viel &#214;l, welches geopolitische und finanzielle Belange weit ausserhalb ihrer Reichweite platziert, und die Region ist von endlosen Konflikten zerrissen und von Diktatoren beherrscht. Das l&#228;sst wenig Spielraum f&#252;r Rojava &#8211; oder f&#252;r einen sehr kleinen und abh&#228;ngigen Ort: Seine wirtschaftliche &#220;berlebensf&#228;higkeit ist gering, aber nicht inexistent, dank zuk&#252;nftigem &#214;leinkommen. Das schwarze Gold hat schon Marionettenstaaten wie Kuwait erschaffen, ein Rentierstaat, welcher seine Kundschaft mit Untergrundwohlstand bezahlt, und der kurdische Mikrostaat im Irak verdankt seine Existenz einzig seinen &#214;lquellen. Anders ausgedr&#252;ckt, das Schicksal von Rojava h&#228;ngt weniger von der Mobilisierung seines Volkes ab, als vom Zusammenspiel des grossen Gesch&#228;fts und der herrschenden M&#228;chte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die PKK nicht l&#228;nger ihren eigenen Staat fordert (sie kann ihn nicht haben), will sie selbstregierte kurdische Regionen, welche zwischen verschiedenen Staaten f&#246;deriert sind, beginnend mit Syrien (dessen &#8222;territoriale Integrit&#228;t&#8220; von Rojavas &#8222;Gesellschaftsvertrag&#8220; anerkannt wird). Es bleibt abzuwarten, was eine Konf&#246;deration von drei oder vier autonomen grenz&#252;berschreitenden Gebieten, welche sich &#252;ber mindestens drei L&#228;nder erstrecken, f&#252;r die Bev&#246;lkerung bedeuten w&#252;rde. Koexistierende Autonomien beseitigen nicht die zentrale politische Struktur, welche ihre Einheit garantiert. Grenz&#252;berschreitende Regionen, wie jene auf der Oder-Neisse-Linie in Europa, haben noch nie die Staatsmacht verringert. Die zentralen Apparate &#8222;des Rechts und der Ordnung&#8220; delegieren einige ihrer Pflichten an die lokalen Autorit&#228;ten. So regiert der moderne Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Aufbau einer demokratischen Nation&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl Worte nicht alles sind, bedeuten sie in der Politik viel. Die Autoren des Gesellschaftsvertrages von Rojava wollten den Begriff Verfassung vermeiden, welcher sie zu stark an staatliche Revolutionen erinnerte, doch der gew&#228;hlte Begriff wiederholt die Aufkl&#228;rung des 18. Jahrhunderts. In ihrer Suche nach den Wurzeln des antiautorit&#228;ren Denkens haben sie Bakunin umgangen und Rousseau getroffen. Ihr Gesellschaftsvertrag liest sich wie eine modernisierte Version vergangener revolution&#228;rer b&#252;rgerlicher Absichtserkl&#228;rungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Datum ist 2014, die Pr&#228;ambel spricht also von &#8222;einer gerechten und &#246;kologischen Gesellschaft&#8220; ohne &#8222;nationalstaatliche[s], militaristische[s] und religi&#246;se[s] Staatsverst&#228;ndnis, [...] Zentralverwaltung oder Zentralmacht&#8220;. Betreffend Religion ist der Artikel 86 widerspr&#252;chlich, er stipuliert, dass Mitglieder der legislativen Versammlung ihren Amtseid &#8222;im Namen des erhabenen Gottes&#8220; ablegen. Bevor wir das beurteilen, erinnern wir daran, dass im britischen House of Commons bis 1888 Abgeordnete einen Eid ablegen mussten, der protestantische Abweichler, Katholiken und Atheisten ausschloss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir nun zum Kern der Sache. Rojava wird auf dem &#8222;pluralistischen, eigenst&#228;ndigen und gemeinsamen Leben mit allen Teilen einer demokratischen Gesellschaft&#8220; basieren. Teile, Schichten, gesellschaftliche Gruppen, Klassen...Die franz&#246;sische Version spricht von Schichten (&#8222;couches&#8220;). Offensichtlich geht es nicht darum, dass Rojava frei ist von gesellschaftlicher Teilung. Es bedeutet schlicht und einfach, dass, solange sie B&#252;rger von Rojava sind, alle Bewohner zusammen in Frieden leben k&#246;nnen und m&#252;ssen. Es hat keinen Platz f&#252;r eine Anerkennung des Klassenkampfes in einem Text, der auf nichts anderes als eine demokratische Verfassung hinausl&#228;uft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Diskurs von Rojava ist jener einer b&#252;rgerlichen Revolution. In der franz&#246;sischen Erkl&#228;rung der Menschen- und B&#252;rgerrechte von 1789 war das Recht auf &#8222;Widerstand gegen Unterdr&#252;ckung&#8220; explizit, doch es ging Hand in Hand mit dem Recht auf Eigentum. Die Freiheit war vollst&#228;ndig &#8211; innerhalb der Grenzen des Gesetzes. Das gleiche gilt f&#252;r Rojava: Artikel 41 garantiert das &#8222;Recht auf Eigentum und Privateigentum&#8220; ausser Enteignungen seien &#8222;f&#252;r das &#246;ffentliche Interesse [&#8230;] notwendig&#8220;. Gesellschaftlich bedeutet Eigentum nicht, dass jede Person das Recht hat, ihre eigenen Kleider, ihr Zimmer oder ihr Fahrrad zu besitzen und zu benutzen. Es bedeutet, dass jene, welche Produktionsmittel besitzen, jene einstellen k&#246;nnen, welche nur ihre Kleider, ihr Zimmer oder ihr Fahrrad besitzen. Das ist Klasse. Ist dieser gesellschaftliche Rahmen erst einmal etabliert, wie in Frankreich 1789 oder in Rojava 2014, kann fast alles garantiert und versprochen werden: &#8222;Gewaltenteilung&#8220;, &#8222;unabh&#228;ngige Justiz&#8220;, &#8222;&#246;kologische Gesellschaft&#8220;, &#8222;Freiheit der Gedanken, &#220;berzeugungen, Entscheidungen und Ansichten&#8220;, &#8222;alle politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen Rechte&#8220; f&#252;r Frauen, &#8222;die Aufhebung der Geschlechterdiskriminierung&#8220;, das Recht, seine &#8222;Meinung frei auszudr&#252;cken&#8220;, &#8222;das Streikrecht und das Recht auf friedliche Demonstration&#8220;, &#8222;Bodensch&#228;tze und nat&#252;rlichen Ressourcen geh&#246;ren der gesamten Gesellschaft&#8220; ihre &#8222;Nutzung, Verarbeitung und Gebrauch wird durch Gesetze geregelt&#8220;, es &#8222;geh&#246;rt jeglicher Grundbesitz und Boden der Bev&#246;lkerung&#8220;, 40% Frauenanteil &#8222;in allen Institutionen, Vorsitzen und Aussch&#252;ssen&#8220;, keine Todesstrafe, keine Kinderarbeit, das Recht auf &#8222;politisches Asyl&#8220;, die Versicherung, dass &#8222;ZivilistInnen [&#8230;] nicht vor Milit&#228;rgerichten verurteilt werden&#8220; und dass es keine Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl geben wird, ein Bildungssystem ohne &#8222;rassistische und chauvinistische Kategorien&#8220;, die Trennung von &#8222;religi&#246;se[n] und staatliche[n] Angelegenheiten&#8220; (obwohl, der Eid...). Im Notfall kann &#8222;eine vom Kantonsvorsitz einberufene Versammlung des Exekutivrats [&#8230;] mit der Zustimmung von zwei Dritteln seiner Mitglieder den Ausnahmezustand erkl&#228;ren und wieder aufheben&#8220;, dieser &#8222;Beschluss muss bei der n&#228;chsten Versammlung des Gesetzgebenden Rates verk&#252;ndet und durch Sondergesetze umgesetzt werden&#8220;. Eine der 22 Kommissionen des Exekutivrats ist spezialisiert auf &#8222;Familien- und Geschlechtergleichheit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Absicherung gegen&#252;ber kurdischer Vorherrschaft &#252;ber arabische, assyrische, armenische und tschetschenische Minderheiten verpflichtet sich Rojava, eine &#8222;Einheit in der Vielfalt&#8220; zu ermutigen. Einmal mehr t&#246;nt das wie ein fernes Echo auf eine demokratische Revolution: &lt;i&gt;E pluribus unum&lt;/i&gt; (&#8222;Einer von Vielen&#8220;) war auf dem US-Stempel seit 1782 gewesen und war de facto das Motto der USA bis der Kongress 1956 &#8222;In God We Trust&#8220; &#252;bernahm. K&#246;nnte Rojava s&#228;kularer sein als das zeitgen&#246;ssische Amerika?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte von korrekter moderner Regierungsf&#252;hrung nicht mehr verlangen (nur die Tierrechte fehlen). Die Wehrpflicht wurde hingegen nicht vergessen: Jeder B&#252;rger von Rojava kann zum Milit&#228;rdienst aufgeboten werden. Das ist ein traditionelles Vorrecht des Staates, welcher erwartet, dass jene, welche unter seinem Schutz oder seiner Herrschaft stehen, in seiner Armee dienen. Eigentlich ist es keine Armee, es sind die &#8222;Volksverteidigungseinheiten (YPG)&#8220;, welche nur als Kraft der &#8222;Selbstverteidigung sowohl gegen innere als auch &#228;ussere Bedrohungen&#8220; agieren: Wie wir wissen, macht jede politische Macht einen ausgedehnten Gebrauch des Begriffes der inneren Bedrohung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ohne &#220;bertreibung ist das die demokratischste Verfassung, welche die Leute in dieser Region je hatten.&#8220; (Sardar Saadi) Das ist sicher nicht falsch. Rojavas &lt;i&gt;Gesellschaftsvertrag&lt;/i&gt; definiert eine Gesellschaft der &lt;strong&gt;Gleichen vor dem Gesetz&lt;/strong&gt;: Jeder Mann oder jede Frau ist nur mit Gleichen verbunden. Gesellschaftliche Teilung wird ausgelassen, es gibt keine Reichen und Armen, Bourgeois und Arbeiter mehr, nur noch B&#252;rger mit gleichen Rechten: &#8222;Ein b&#252;rgerliches demokratisches System, das demokratische Konf&#246;deration genannt wird.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zafer Onat, &#8222;Rojava: Fantasies and Realities&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Demokratie ist die angemessenste politische Form zur Vereinigung eines gesellschaftlich geteilten Volkes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ver&#228;nderung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zonen der Selbstverwaltung&#8220; k&#246;nnen nicht durch das Gesetz erschaffen werden. Wie sieht die Situation auf dem Terrain aus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beobachter und Besucher des gesamten politischen Spektrums haben &#252;ber tiefe Ver&#228;nderungen im allt&#228;glichen Leben berichtet. Allen voran eine Zerstreuung der Macht, mit einer Menge lokal verwalteter Initiativen und der Verwaltung der D&#246;rfer durch Kollektive. Zudem eine Bem&#252;hung, lokales Wissen zu sammeln und zu verbreiten (bez&#252;glich Medizin zum Beispiel) und die Leute wieder mit der Natur zu verbinden, Pr&#252;fungen sind durch interaktive Bildung ersetzt worden, Mutualismus in der Schule, um den Graben zwischen Lehrer und Lernenden zu &#252;berwinden, gemeinschaftliches (M&#228;nner und Frauen) Wohnen an der Universit&#228;t, gew&#228;hlte Befehlshaber in den Milizen, ein neuer Ansatz der Gesundheitsversorgung mit einer Betonung pr&#228;ventiver und ganzheitlicher Methoden, welche Geist und K&#246;rper gleichzeitig behandeln (basierend auf dem Prinzip, dass Stressreduktion dazu beitragen kann, dass andere Krankheiten nachlassen) und die Justiz besteht in jedem Dorf aus einem gew&#228;hlten und gemischten Komitee, welches in Konflikten vermittelt, das Urteil f&#228;llt und versucht, den T&#228;ter zu reintegrieren und zu rehabilitieren. Mit anderen Worten, eine Bestrebung, Trennungen zu beseitigen. Viel von dem, was westliche Reformisten und Radikale versuchen, in Europa zu verwirklichen, wird in Rojava getestet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vermutlich am h&#228;ufigsten festgestellte Ver&#228;nderung betrifft das Verh&#228;ltnis zwischen den Geschlechtern. Gemischte Schulen sind die Norm. Die Frauen bleiben nicht mehr den ganzen Tag zu Hause. Versammlungen weisen eine Frauenbeteiligung von mindestens 40% auf. Alle Gremien sind weiblich und m&#228;nnlich geleitet. Eine Weltsicht der Frauen wird ermutigt, und sogar ein neues Wissensfeld, die &lt;i&gt;Jinologie&lt;/i&gt; (&#8222;Wissenschaft der Frauen&#8220;). Obwohl der Feminismus in der kurdischen Frauenbewegung schon lange stark war, sind diese Ver&#228;nderungen im Mittleren Osten betr&#228;chtlich, und in gewissen Bereichen scheint die Gleichheit der Geschlechter in Rojava weiter fortgeschritten als in Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Wirtschaft betrifft, strebt Rojava nach optimaler Selbstentwicklung. Unter der syrischen Herrschaft hatte das Gebiet &#214;l, aber keine Raffinerie, Getreide, aber keine Getreidem&#252;hle. Die Betonung liegt nun auf Selbst&#228;ndigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schein tr&#252;gt. Wie alle wahren Profis sind die PKK und die PYD Meister in der Kunst, von sich selber jenes positive Bild zu zeigen, welches die Aussenstehenden sehen m&#246;chten. Es ist auch nichts als nat&#252;rlich, dass die Bewohner versuchen, Besucher durch die Hervorhebung der erfolgreichsten Seiten ihrer Bewegung zu beeindrucken. Doch nicht alles ist nur f&#252;r's Auge. Selbstorganisation verbessert &lt;i&gt;tats&#228;chlich&lt;/i&gt; das allt&#228;gliche Leben einer zuvor vernachl&#228;ssigten und unterdr&#252;ckten Bev&#246;lkerung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gemeindeversammlungen finden regelm&#228;ssig statt und mehrere Hundert Leute nehmen daran teil, nicht nur um dort zu sein, sondern auch um eine aktive Rolle zu spielen, und es wird weitgehend darauf geachtet (und teilweise auch umgesetzt), dass die niederen R&#228;nge die h&#246;heren kontrollieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unten und oben...Das bringt uns n&#228;her zum zentralen Punkt. Was wird debattiert? Entscheiden die Volksr&#228;te &#252;ber unbedeutende oder bedeutende Dinge?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort liegt in der Frage. Das R&#228;tesystem in Rojava funktioniert parallel zu einer &#220;bergangsregierung (&#220;berg&#228;nge k&#246;nnen endlos sein), welche Krieg f&#252;hrt, mit ausl&#228;ndischen Staaten verhandelt, die Steuereintreibung neu organisiert, die &#214;lproduktion plant usw., wie jede andere zentrale politische Institution, welche ein Territorium beherrscht. Auf gut Deutsch, ein Staat. Und noch niemand konnte je bezeugen, dass sich ein Staat in direkter Demokratie auf lokaler Ebene aufgel&#246;st hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein klassenloses Volk?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie es h&#228;ufig in &#228;hnlichen Situationen vorkommt, hat der Imperativ der Selbstverteidigung gegen eine t&#246;dliche Gefahr (in diesem Fall ISIS) die Kurden dazu gebracht, eine gemeinsame Front zu bilden, im &#252;blichen Sinn einer Zusammenarbeit, so wie auch im politischen Sinn der &lt;i&gt;Volksfront&lt;/i&gt; wie im 20. Jahrhundert. Solidarit&#228;t hat eine tempor&#228;re Aufschiebung gesellschaftlicher Differenzen kreiert, aber nicht deren Ausl&#246;schung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand behauptet, die als &#8222;die Kurden&#8220; bekannte Bev&#246;lkerung habe ein derartiges Gl&#252;ck, das einzige Volk der Welt zu sein, welches in heiterer Harmonie lebt. Wie alle anderen V&#246;lker sind die Kurden geteilt in Gruppen mit verschiedenen Interessen, in Klassen, oder, falls &lt;i&gt;Klasse&lt;/i&gt; zu stark nach Marxismus riecht, in Unterdr&#252;cker und Unterdr&#252;ckte, Herrscher und Beherrschte. Wenn folglich in Rojava eine bedeutende gesellschaftliche Erhebung im Gange ist, wann und wie wurde die herrschende Klasse gest&#252;rzt? Herrschende Gruppen sind bekannt daf&#252;r, alle verf&#252;gbaren Mittel einzusetzen, um an der Macht zu bleiben, auch den bewaffneten Kampf. Welcher intensive Klassenkampf st&#252;rzte sie in Kurdistan und f&#252;hrte zu Ver&#228;nderung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass ein solch aussergew&#246;hnliches Ereignis unbemerkt geschieht, haben jene, welche die &#8222;Revolution&#8220; in Rojava verteidigen, keine Antwort bereit. Die Frage wird einfach ignoriert. Zumindest fast. In Tat und Wahrheit haben sie eine Erkl&#228;rung, die von David Graeber zusammengefasst wird: &#8222;Aber die Menschen in Rojava haben es in Klassenfragen ziemlich leicht, denn die wirkliche Bourgeoisie, so wie sie in dieser haupts&#228;chlich landwirtschaftlich gepr&#228;gten Gegend war, hat sich mit dem Zusammenbruch des Baath-Regimes davongemacht. Sie werden ein langfristiges Problem haben, wenn sie nicht am Bildungssystem arbeiten um sicherzustellen, dass nicht eine Schicht von entwicklungspolitischen Technokraten bei Gelegenheit versucht, die Macht zu &#252;bernehmen, doch aktuell ist es verst&#228;ndlich, dass sie sich eher unmittelbar auf Genderangelegenheiten konzentrieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graeber hat den grossen Verdienst, die Geisteshaltung weiter Teile der radikalen Meinungen zu verk&#246;rpern. Was uns hier gesagt wird, ist, dass, obwohl Klasse und Gender allgemein von Bedeutung sind, die momentane Priorit&#228;t in Rojava Gender ist, weil die Klassenfrage (zumindest tempor&#228;r) gel&#246;st worden ist durch die Abreise der herrschenden Klasse. Was bleibt, sind die einfachen Leute, &lt;i&gt;das Volk&lt;/i&gt;, schlicht und einfach. Die Leute in Rojava m&#246;gen wohl in arger Not sein, doch sie haben erreicht, was westliche radikale Reformisten vergeblich versuchen: 99% der Bev&#246;lkerung zusammenzubringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graeber verwechselt die Klasse mit den Leuten, aus welchen sie besteht. Nat&#252;rlich ist Klasse Fleisch und Blut, doch sie ist viel mehr, sie besteht aus gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen. Die Bourgeoisie verschwindet nicht in einem Gebiet, aus welchem b&#252;rgerliche Individuen geflohen sind. Zur Zeit der Pariser Kommune verliess die herrschende Klasse die Stadt, doch ihre Machtstruktur wurde w&#228;hrend diesen zwei Monaten aufrechterhalten: In den Tresorr&#228;umen der Nationalbank Frankreichs und ihren Millionen von Franken, welche die Kommunarden nicht versuchten, zu konfiszieren, und grundlegend in der Weiterf&#252;hrung der Geldwirtschaft und der Lohnarbeit. In Rojava gibt es kein Anzeichen daf&#252;r, dass die unteren Klassen die Marktwirtschaft und das Lohnsystem beseitigt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Enthusiasten von Rojava sprechen viel &#252;ber Erm&#228;chtigung und Ver&#228;nderungen in der Haushaltssph&#228;re: Sie erw&#228;hnen jedoch nie eine Ver&#228;nderung der Ausbeutungsverh&#228;ltnisse. Im besten Fall gibt man uns Beispiele von Landwirtschafts-, Textil-, Handels und Baugenossenschaften (welche, wie man sagt, mit der Privatwirtschaft in Konkurrenz stehen), doch man liest nie von Kollektivierungsexperimenten. &#214;lquellen funktionieren wieder, eine Raffinerie ist improvisiert worden, doch wir wissen nichts von den Leuten, welche dort arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Regierungsgremien organisieren einen &#220;bergang von Monokultur zu Ern&#228;hrungsautarkie: Land, das zuvor Staatseigentum gewesen war, wird an Landwirtschaftsgenossenschaften verteilt: Die Produkte werden der Verwaltung oder auf dem Markt mit Preiskontrolle verkauft. Brot wird subventioniert. &#8222;Die Schmuggelt&#228;tigkeit ist gewaltig&#8220;, berichtet Becky. Das wird von anderen Besuchern best&#228;tigt und ist zu erwarten: In Regionen, wo fixe Grenzen fehlen und in welchen Knappheit und Krieg verheerende Auswirkungen haben, sind Schmuggler illegale, grenz&#252;berschreitende H&#228;ndler. Das Ausmass des Schmuggels zeigt die Ausdauer der Warenwirtschaft mit ihren Gesch&#228;ftsm&#228;nnern, welche schlecht bezahlte Arbeitskr&#228;fte anstellen. Wo Dinge ge- und verkauft werden, werden auch menschliche Wesen &#8211; Arbeitskraft &#8211; ge- und verkauft. Diesbez&#252;glich gibt es keine Gleichheit, und gewiss auch wenig Kritik an Geschlechterrollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Janet Biehl, eine Verteidigerin der &#8222;Revolution&#8220; in Rojava, schreibt: &#8222;Manche leben von einem Lohn, aber viele arbeiten ehrenamtlich; wieder andere leben z.B. dank einer Kuh.&#8220; Gleichzeitig bezahlen die Leute wenig oder gar keine Einkommenssteuer und die Regierungseinnahmen kommen vom &#214;l. Mit anderen Worten erhalten einige Leute in Rojava einen Lohn, andere leben von Geld, das sie sonst irgendwie verdienen, einige leben dank einer Selbstversorgungswirtschaft und der nichtstaatliche Staat verkauft &#214;l. Auf die eine oder andere Art und Weise durchflutet das Geld jede Sph&#228;re der Gesellschaft in Rojava.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grossen und Ganzen sind M&#228;rkte f&#252;r K&#228;ufer zu normalen Tageszeiten offen, der Handel und das Handwerk funktionieren, was im Vergleich zur Situation zuvor einen immensen Fortschritt darstellt. Zaher Baher besuchte Cizire im Mai 2014 und glaubt, eine Revolution f&#228;nde im syrischen Kurdistan statt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Bevor wir diese Region verlie&#223;en, entschieden wir uns noch mit Ladenbesitzern, Gesch&#228;ftsleuten, und Marktleuten zu reden, da uns auch ihre Sichtweise sehr wichtig war. Alle schienen eine sehr positiven Blick und eine positive Meinung von der DSV und der Tev-Dem zu haben. Sie waren gl&#252;cklich &#252;ber den Frieden, die Sicherheit und die Freiheit, ihre eigenen Gesch&#228;fte ohne jede Einmischung irgendwelcher Parteien oder Seiten f&#252;hren zu k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zaher Baher, &#8222;Das Experiment Rojava. Erfahrungsbericht aus dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich haben wir eine Revolution gefunden, vor welcher sich die Bourgeois nicht f&#252;rchten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder vielleicht h&#228;ngt alles davon ab, was die b&#252;rgerliche Klasse ist. Wenn Graeber den Begriff auf die Topetage der herrschenden Elite beschr&#228;nkt, dann hat er recht: Es leben vermutlich momentan in den drei Kantonen Rojavas sehr wenige Hochfrequenztrader oder Handelsbankiers. Dadurch kann f&#252;r Graeber nicht von Klasse gesprochen werden, nur von Volk.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ein Mann, der ein Transportunternehmen mit f&#252;nf Lastwagen betreibt und 15 Arbeitskr&#228;fte eingestellt hat, ist ein Bourgeois. Rojava ist eine Klassengesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die These der &#8222;sozialen Revolution&#8220; bewegt sich auf d&#252;nnem Eis, doch deren Verteidiger interessieren sich kaum f&#252;r Fakten: Ihre eigenen Berichte enthalten genug Beweise, um ihre Behauptung zu widerlegen. Der Fehler liegt in der Unf&#228;higkeit, die richtige Frage zu stellen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Situation hat auch etwas gemeinsam mit der Entwicklung von K&#228;mpfen weltweit in den letzten paar Jahren. Der Staat, nunmehr ein Agent des globalen Kapitals, wird als Schuldiger von sowohl aus Mittelklassen als auch dem Proletariat bestehenden Bewegungen betrachtet. Derweil wird die Nation als die ihm entgegenzustellende Kraft gesehen. K&#228;mpfe stellen sich geschlossen hinter die Ideologie der Nationalit&#228;t (und den Rassen- und Genderhierarchien, welche diese voraussetzt). Die stattfindende Ver&#228;nderung in Rojava basiert bis zu einem gewissen Ausmass auf einer radikalen kurdischen Identit&#228;t und auf einem betr&#228;chtlichen Anteil der Mittelklassen, welche, trotz ihrer radikalen Rhetorik, immer ein gewisses Interesse an der Kontinuit&#228;t von Kapital und Staat haben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Becky, op. cit.&#034; id=&#034;nh3-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Alle Macht dem Volk?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das allt&#228;gliche Leben wird von den Produktionsverh&#228;ltnissen bestimmt: Wie wir gerade gesehen haben, sind die selbstverwalteten Gemeinden und die basisdemokratischen Gremien Rojavas vom grossen und kleinen Handel beherrscht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn die G&#246;tter uns strafen wollen, erh&#246;ren sie unsere Gebete&#8220;, schrieb Oscar Wilde. Rojava erf&#252;llt den Traum der Theoretiker der schrittweisen Volkserm&#228;chtigung. Holloways &lt;i&gt;Die Welt ver&#228;ndern, ohne die Macht zu &#252;bernehmen&lt;/i&gt; scheint sich im syrischen Kurdistan zu materialisieren. Die Gesellschaft soll von unten her durch verschiedene graduelle Ver&#228;nderungen transformiert werden, welche jene oben hilf- und harmlos machen, bis sie wegfallen oder verschwinden. Somit ist die Polizei in Rojava nicht die Polizei, sie kann nur eine Nicht-Polizei, eine Anti-Polizei sein. Graeber schreibt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Schlie&#223;lich, und das ist das Entscheidende, sind die Sicherheitskr&#228;fte rechenschaftspflichtig gegen&#252;ber den von unten nach oben gerichteten Strukturen, und nicht umgekehrt. Eine der ersten Orte, die wir besucht haben, war eine Polizeiakademie (Asayis). Alle mussten Kurse in gewaltloser Konfliktregelung und feministischer Theorie belegen, bevor sie eine Waffe ber&#252;hren durften. Die Ko-Direktoren erkl&#228;rten uns, dass ihr Endziel w&#228;re, dass jeder im Lande sechs Wochen Polizeitraining erh&#228;lt, damit sie die Polizei letztendlich abschaffen k&#246;nnten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh3-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, sich &#252;ber derartige Naivit&#228;t lustig zu machen, sondern zu erkennen, auf was sie basiert: Auf dem Glauben, dass es in Rojava von ehemaligen oder neuen Repressionskr&#228;ften nichts zu bef&#252;rchten gibt, weil die wirkliche Macht in den H&#228;nden des Volkes auf basisdemokratischer Ebene liegt, in den Gemeinden und den lokalen Komitees, was also Regierungsvertreter auch immer tun, egal auf welche politischen Man&#246;ver M&#246;chtegern-Anf&#252;hrer sich einlassen m&#246;gen, &lt;i&gt;wir sind die Polizei&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, die Wesentlichkeit von (manchmal multiethnischen) Nachbarschafts- und Dorfnetzwerken, Frauenkollektiven zu bestreiten, welche sich mit etlichen, trivialen (Streitigkeiten) wie auch grossen (Schule, Gesundheitsversorgung, lokaler Handel) Problemen, als auch mit den Notwendigkeiten des Krieges befassen m&#252;ssen. Diese w&#228;ren ein unerl&#228;sslicher Bestandteil einer sozialen Revolution. Doch unter den gegenw&#228;rtigen Umst&#228;nden funktioniert diese Kontrolle der Gemeinschaft parallel mit einer zentralen Struktur, welche als politisches Oberhaupt des Landes fungiert. Wer entscheidet was? Wer hat das Sagen? Das ist die Frage. Die gepriesene Autonomie der Gemeinde ist gesichert, solange sie nicht ausge&#252;bt wird, solange sie nicht mit der Regierung in Konkurrenz tritt. Verwaltung ist eine Sache, grosse Entscheidungen sind eine andere. Nichts deutet darauf hin, dass die lokalen R&#228;te wirklich etwas zu sagen haben bez&#252;glich der Festlegung der politischen Richtlinien. Die Bezeichnung dieses Regimes als &#8222;Demokratische Selbstverwaltung&#8220; &#228;ndert ausser Worten nicht viel. Was die Pl&#228;ne f&#252;r freie Wahlen so bald wie m&#246;glich betrifft, sind sie so gut wie parlamentarische Demokratie halt eben sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frauen mit Gewehren&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#196;ndern wir f&#252;r einen Moment Namen und Daten...Ein grosser Teil des Lobes f&#252;r Rojava heute, besonders von dem, was als radikale Kritik an Geschlechterrollen betrachtet wird, k&#246;nnte in den 1930er Jahren von Beobachtern des br&#252;derlichen und egalit&#228;ren Lebens der Pioniere in kleinen zionistischen Gemeinschaften in Pal&#228;stina verfasst worden sein. Damals fiel den Besuchern und Unterst&#252;tzern ebenfalls die &#228;usserst neue Rolle der Frauen ins Auge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den fr&#252;hen Kibbuzen war die Geschlechtergleichheit nicht nur ein Resultat der progressiven und sozialistischen Ideen. Materielle Notwendigkeiten (Landwirtschaft und Selbstverteidigung) zwangen eine stark unter Druck stehende Gemeinschaft, nicht auf die H&#228;lfte der Arbeits- oder bewaffneten Kr&#228;fte zu verzichten. Damit Frauen ihren Anteil an den landwirtschaftlichen und milit&#228;rischen T&#228;tigkeiten haben konnten, mussten sie von ihren &#8222;weiblichen&#8220; Pflichten befreit werden, die Kinder wurden also kollektiv erzogen, was f&#252;r viele neu und f&#252;r einige schockierend war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keine Anzeichen daf&#252;r in Rojava. Soldatinnen bedeuten nicht das Ende der M&#228;nnerherrschaft (wenn dem so w&#228;re, w&#228;re Israel eines der L&#228;nder mit der gr&#246;ssten Gleichberechtigung der Geschlechter in der Welt). Baher, ein Verfechter der Sache der &#8222;Revolution&#8220; in Rojava schreibt zuerst, dass &#8222;vollst&#228;ndige Gleichheit zwischen Frauen und M&#228;nnern&#8220; bestehe, nur um eine halbe Seite weiter unten anzuf&#252;gen: &#8222;Ich habe nicht eine Frau gesehen, die in einem Gesch&#228;ft, einem Markt, Caf&#233; oder Restaurant gearbeitet h&#228;tte.&#8220; In den &#8222;selbstverwalteten&#8220; Fl&#252;chtlingslagern auf der anderen Seite der Grenze in der T&#252;rkei k&#252;mmern sich die kurdischen Frauen um die Kinder, w&#228;hrend die M&#228;nner nach Gelegenheitsjobs suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der subversive Charakter einer Bewegung oder Organisation kann nicht anhand des Anteils bewaffneter Frauen gemessen werden. Auch nicht ihr feministischer Charakter. Seit den 1960er Jahren benutzten oder benutzen viele Guerillas eine grosse Anzahl von K&#228;mpferinnen, in Kolumbien zum Beispiel. 25% der sandinistischen Truppen waren Frauen, was nicht zur Frauenbefreiung f&#252;hrte: Abtreibung ist heutzutage in Nicaragua total illegal. Frauenpr&#228;senz ist eine typische Eigenschaft der maoistischen Guerilla. In Nepal, Peru und den Philippinen erfordert die Strategie eines &lt;i&gt;langwierigen Volkskrieges&lt;/i&gt; Aufrufe zur Gleichheit von M&#228;nnern und Frauen als ein Mittel, um traditionelle (famili&#228;re, feudale oder Stammes-), seit jeher patriarchale Verbindungen zu demontieren. Das Ziel ist nicht die Emanzipation der Frauen, sondern die Ersetzung der Herrschaft der Dorf&#228;ltesten mit jener der Parteikader. Die wichtige Rolle der Frauen in der PKK-PYD liegt weniger am feministischen Einfluss als am maoistischen Ursprung der Partei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso wird eine bewaffnete Frau so einfach als Befreiungssymbol wahrgenommen, sogar ungeachtet dessen, &lt;i&gt;wof&#252;r&lt;/i&gt; sie k&#228;mpft?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Bild einer Frau mit Raketenwerfer kann es auf die Titelseite westlicher Boulevardzeitungen oder radikaler Magazine schaffen, weil es den (h&#228;ufig deklinierten) Mythos des angeborenen, friedlichen oder passiven weiblichen Wesens zerst&#246;rt. Das Recht auf Waffengebrauch (sogar bez&#252;glich Jagdwaffen) war lange ein m&#228;nnliches Privileg, deshalb wird die Umkehr dieser Tradition als Beweis der Aussergew&#246;hnlichkeit oder Radikalit&#228;t einer Bewegung betrachtet. Der stereotype Macho-Held vermittelt ein unangenehmes Bild, die romantisierte weibliche Freiheitsk&#228;mpferin ein positives. Anti-Militaristen st&#246;ren sich nicht so stark an einem B&#252;rgerkrieg, wenn Frauen an die Front gehen. Die K&#228;mpferin ist die Erl&#246;serin des bewaffneten Kampfes: Die Revolution erw&#228;chst aus dem Gewehrlauf einer von einer Frau getragenen Kalaschnikow. Ganz zu schweigen von der Figur der R&#228;cherin, welche die Waffe f&#252;r eine gute Sache tr&#228;gt, zur Erschiessung von Sexisten und Vergewaltigern: Die Selbstjustiz wird ebenfalls rehabilitiert, wenn sie in Frauenh&#228;nden liegt, wie in Abel Ferraras &lt;i&gt;Ms. 45&lt;/i&gt;, ein Film &#252;ber Rache an Vergewaltigern von 1981.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie eurozentristisch das doch alles ist. In vielen Teilen der Welt waren und sind Soldatinnen immer noch ziemlich verbreitet, manchmal in Kampfrollen und Elitetruppen. Ein russisches Frauenbataillon bewachte den Winterpalast im Oktober 1917. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Rote Armee Panzerfahrerinnen, Scharfsch&#252;tzinnen usw. Frauen mit Gewehren sind nur f&#252;r das westliche Bewusstsein eine Kuriosit&#228;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;gen wir noch an, dass die Armee Assads und ISIS auch einige rein weibliche Kampfeinheiten haben. Doch da sie, im Gegensatz zu den Kurden, die Kritik der Geschlechterrollen nicht kennen, werden dort Frauen nicht an der Front eingesetzt, nur in Polizei- und Unterst&#252;tzungsaufgaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine Mobilmachung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist kaum verwunderlich, dass einige Individuen und Gruppen, welche immer dazu geneigt waren, den milit&#228;risch-industriellen Komplex zu verurteilen, nun dazu aufrufen, Rojava gegen ISIS zu bewaffnen, wenn man sich erinnert, dass 1999, zur Zeit des Kosovokrieges, einige Anarchisten die Bombenangriffe der NATO auf Serbien unterst&#252;tzten &#8211; um einen V&#246;lkermord zu verhindern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Woher und von wem sollten diese Waffen kommen? Der durchschnittliche Proletarier oder die durchschnittliche Proletarierin hat kein &#252;bersch&#252;ssiges Sturmgewehr oder keine &#252;bersch&#252;ssige Granate f&#252;r den geheimen Schmuggel nach Kurdistan. Sollte er oder sie mit internationalen Waffenh&#228;ndlern Kontakte kn&#252;pfen? Oder sollten wir von den westlichen M&#228;chten erwarten, Rojava angemessene Bewaffnung zu liefern? Die Lieferungen haben auf einem bescheidenen Niveau bereits begonnen. Sollten wir die USA, Frankreich und Grossbritannien dahingehend unter Druck setzen, mehr zu liefern? Mit welchen Mitteln? Das Echo von libert&#228;ren Demos reicht nicht bis ins Weisse Haus. Und zu welchem politischen Preis f&#252;r die Fordernden? Niemand zieht in Betracht, neue Internationale Brigaden zu gr&#252;nden, obwohl ISIS schon welche hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn also Stimmen milit&#228;rische Unterst&#252;tzung zur Unterst&#252;tzung von Rojava gegen den jihadistischen Angriff fordern, von was sprechen sie genau? Entweder ist es leeres Gerede oder es kann nur bedeuten, mehr westliche Luftangriffe zu verlangen. Wie und wo? Bomben und Raketen werden selten auf eine Kolonne von jihadistischen Fahrzeugen in der W&#252;ste fallen und h&#228;ufiger auf ein von den Jihadisten kontrolliertes Quartier mit unvermeidlichem &#8222;Kollateralschaden&#8220;. So etwas wie &lt;i&gt;saubere&lt;/i&gt; chirurgische Bombenangriffe gibt es nicht. Gem&#228;ss dem Pentagon t&#246;teten die Angriffe der Koalition 6000 ISIS-K&#228;mpfer zwischen September 2014 und Januar 2015. Eines Tages werden wir wissen, wie viele kurdische Zivilisten auch starben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Massenmord ist offensichtlich nicht das, was jene wirklich wollen, welche &#8222;Waffen f&#252;r den kurdischen Widerstand&#8220; fordern. Dann ist es leeres Gerede. Eine Haltung. Das ist vielleicht der schlimmste Teil der Geschichte: Die Tatsache, dass ein Bem&#252;hen um Selbstorganisation und Selbstverteidigung, welches echt ist, doch aufgrund von feindlichen Umst&#228;nden nicht &#252;ber sich selbst hinausgehen kann, in Europa und Nordamerika als Vorwand dienen sollte f&#252;r Mobilisierungen und Parolen, von denen niemand ernsthaft erwartet, dass danach gehandelt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abgesehen davon &#252;bersehen M&#246;chtegern-Realisten einen bedeutenden Faktor. Sicher, eine milit&#228;rische Niederlage verdammt eine Revolution zum Scheitern: Die Pariser Kommune wurde von der b&#252;rgerlichen Armee zerschlagen. Doch der Sieg in einem Krieg ist keine L&#246;sung f&#252;r ein ungel&#246;stes gesellschaftliches R&#228;tsel: Der bolschewistische Sieg im B&#252;rgerkrieg war die Grundlage f&#252;r die Herrschaft einer neuen Ausbeuterklasse. Nehmen wir an, die ISIS-Truppen w&#252;rden durch die Bomben und Raketen von den USA, Frankreich, Grossbritannien, Jordanien usw. unsch&#228;dlich gemacht und nehmen wir an, der nicht funktionierende syrische Staat w&#252;rde Rojava &#252;berleben lassen, welche Revolution k&#246;nnte revolution&#228;r bleiben, wenn sie von der Unterst&#252;tzung von Imperialisten und Diktatoren abh&#228;ngt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Radikalismus des Mainstreams&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht erstaunt &#252;ber die Position von gewissen libert&#228;ren Gruppen, welche schon immer nationale Befreiung unterst&#252;tzt haben. Was uns st&#246;rt, ist das oft sehr unkritische Verhalten von einem breiteren Kreis von anarchistischen Genossen, Besetzern, Feministinnen, libert&#228;ren Kommunisten, sogar Freunden, welche wir als kritischer gekannt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Szene ist f&#228;hig, pers&#246;nliche Energie und Initiative zu mobilisieren, doch das, was man ihren &#8222;Radikalismus des Mainstreams&#8220; nennen k&#246;nnte, hat etwas mental r&#252;ckgratloses. Negativ k&#246;nnte er charakterisiert werden durch die Ablehnung von Institutionen und Vermittlungen, welche Hindernisse auf dem Weg der Emanzipation darstellen: Staaten, Parteien, Gewerkschaften, Parlamente, B&#252;rokratie, sowie eine &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; zwischen Kapitalismus und Kommunismus, sogar &lt;i&gt;Klasse&lt;/i&gt; insofern, als dass Klassen sich in einem endlosen Klassenkampf perpetuieren. Positiv ist er auf Erm&#228;chtigung, Selbstorganisation, direkte Demokratie und eine alle Formen der Herrschaft, besonders Geschlechterrollen betreffende Revolution des allt&#228;glichen Lebens fokussiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus resultiert, dass das vollst&#228;ndig gerechtfertigte Misstrauen gegen&#252;ber brandneuen Welten sich in eine Tendenz zum Glauben verwandelt, Morgen sei Heute, unter der Annahme, die Leute seien schon hier und jetzt daran, ihre Leben zu &#228;ndern, und dabei, sich selbst zu regieren. Gleichzeitig verwandelt sich das Misstrauen gegen&#252;ber einer Politik von oben in eine Suche nach konkreten Massnahmen von unten, sogar in kleinem Umfang, solange sie die Leute bef&#228;higen, gesellschaftliche Verbindungen wieder aufzubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ziemliche viele Texte &#252;ber Kurdistan betrachten Rojava nur vom Standpunkt lokaler Errungenschaften aus, bez&#252;glich dem, was Leute in Rojava geschafft haben, auf der Strasse, in der Gemeindeschule, der Quartierklinik oder im von Baher erw&#228;hnten kleinen Park zu unternehmen (was alles notwendige Bestandteile einer sozialen Revolution sind), ohne sich gross um die F&#252;hrung der PKK und der PYD zu k&#252;mmern, weil f&#252;r derartige Analysten lokale Errungenschaften mehr z&#228;hlen als politische Anf&#252;hrer und somit die Politik von Rojava bestimmen. Ihre Priorit&#228;t ist die Dynamik von unten nach oben, doch sie interpretieren Rojava implizit dahingehend, als ob jene unten &#252;ber jene oben &lt;i&gt;bestimmen&lt;/i&gt;. Was w&#252;rden wir von Italien 1977 verstehen, wenn die Ereignisse nur vom Blickwinkel der Generalversammlungen, der Basisdemokratie, den Ausschreitungen und den revolution&#228;ren Aussagen betrachtet w&#252;rden, ohne die Gewerkschaften, die KP, politische Verhandlungen und Staatskr&#228;fte in Betracht zu ziehen? Rojava ist gegenw&#228;rtig ein Versuch, einen Staat aufzubauen: Radikale missdeuten es als den Aufbau einer Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In vergangenen Tagen waren der Marxismus und der Linksradikalismus auf Produktion und Arbeit fokussiert: &#220;bernahme der Fabriken, Verwaltung der Wirtschaft usw. Heutzutage wird die Revolution mehr und mehr als Verhaltensangelegenheit konzipiert: Selbstbest&#228;tigung, Selbstorganisation, Betonung auf Geschlechterrollen, &#214;kologie, Kulturvielfalt, Wiederherstellung von Verbindungen, Treffen, Debatten...Revolution wird in &lt;i&gt;gesellschaftlichen&lt;/i&gt;, statt in &lt;i&gt;sozialen&lt;/i&gt; Begriffen gedacht: Das Wort ist ausgeweitet worden, seine Bedeutung eingeengt. Das &lt;i&gt;Gesellschaftliche&lt;/i&gt; ist mit dem Schwund der radikalen Hoffnungen zur Mode geworden. Das Gesellschaftliche bedeutet die Unf&#228;higkeit, soziale Strukturen zu ver&#228;ndern. Soziale Ver&#228;nderung beendet die M&#228;nnerherrschaft: Gesellschaftliche Ver&#228;nderung ist Geschlechtergleichheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Welche Staatskritik?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sich Radikale bez&#252;glich der nationalen Befreiung an der Tatsache st&#246;ren, dass sie den Aufbau eines Nationalstaats zum Ziel hat, st&#246;ren sie sich nicht l&#228;nger daran, wenn sie behauptet nicht- oder anti-staatlich zu sein und ausreichend diesen Anschein hat. Dann gibt es f&#252;r die Radikalen nur noch in Erw&#228;gung zu ziehen, dass die Nation &#8211; solange sie staatenlos bleibt &#8211; schlussendlich nichts anderes ist als das Volk, und wer k&#246;nnte schon gegen das Volk sein? Das Volk, das sind wir, alle von uns minus 1%, das Volk ist 99%.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist libert&#228;res Denken alles andere als scharfsinnig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vollst&#228;ndiger Widerstand gegen den Staat ist einer der Grundlagen der Anarchie und ihr ausserordentlich wertvoller Verdienst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Haken an der Sache ist, dass bedingungslose Feindschaft gegen&#252;ber dem Staat kompatibel ist mit einer nicht-revolution&#228;ren Perspektive, z.B. mit der Vorstellung einer m&#246;glichen breiten evolution&#228;ren Ver&#228;nderung. Von den drei anarchistischen Hauptfiguren des 19. Jahrhunderts, Proudhon, Kropotkin und Bakunin, war nur letzterer stets klar bez&#252;glich der Notwendigkeit eines Moments des Bruchs mit dem historischen Kontinuum, eines destruktiven/konstruktiven Bruchs mit der Vergangenheit. Proudhon war der Revolution durchweg feindlich gesinnt. Kropotkin gelang 1899 zur Ansicht, dass &#8222;der Widerstand der herrschenden Klassen gegen diese Bewegung kaum durch die gleiche sinnlose Halsstarrigkeit sich auszeichnen wird, welche die Revolutionen vergangener Zeiten so gewaltt&#228;tig gestaltete&#8220;. Seine sp&#228;teren Ansichten waren diesbez&#252;glich ziemlich ambivalent. Obwohl er eine &#8222;revolution&#228;re Periode&#8220; erw&#228;hnte, ist es in seinen Schriften unklar, ob die &#8222;konstruktiven T&#228;tigkeiten der gegenseitigen Hilfe&#8220; innerhalb des Kapitalismus zunehmen und eine kritische Masse erreichen k&#246;nnen, was sie bef&#228;higen w&#252;rde, das kapitalistische System quasi auf nat&#252;rliche Art und Weise durch ein kommunistisches zu ersetzen &#8211; oder nicht. (Es ist &#252;berfl&#252;ssig, zu erw&#228;hnen, dass das marxistische Denken eine &#228;hnliche These entwickelt hat, gem&#228;ss welcher sich der Kapitalismus immer mehr vergesellschaftet bis hin zu einem Punkt wo er sich unvermeidbar in Sozialismus verwandelt.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schrittweise progressive Ans&#228;tze sind nicht unvereinbar mit dem Anarchismus. Es ist also nicht unangemessen, dass sich ein Gradualist wie Graeber &#8222;Anarchist&#8220; nennt. F&#252;r ihn k&#246;nnen sich grenz&#252;berschreitende Gemeinschaften so weit entwickeln, dass Grenzen sinnlos werden, und eine &#8222;schrittweise Aufl&#246;sung des b&#252;rokratischen Nationalstaates&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Graeber, &#8222;Warum ignoriert die Welt die revolution&#228;ren Kurden in Syrien?&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verursachen. Das wichtigste Wort hier ist &lt;i&gt;b&#252;rokratisch&lt;/i&gt;: Wenn irgendwas (Arbeit, Geld, Krieg, Gesch&#228;ft...) &lt;i&gt;demokratisch&lt;/i&gt; organisiert ist, ver&#228;ndert sich dessen Wesen komplett.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Schw&#228;che des Anarchismus ist, dass er den Staat v.a. als Zwangsinstrument betrachtet &#8211; was er gewiss ist &#8211; ohne zu fragen, weshalb und wie er diese Rolle spielt. Ein Staat ist ein administrativer und Sicherheit garantierender Apparat, welcher die Koh&#228;sion unterschiedlicher Interessen aufrechterh&#228;lt. F&#252;r Anarchisten wird der Staat jedoch in erster Linie mit auferlegter vertikaler Autorit&#228;t identifiziert. Wenn diese sichtbaren Formen des Zwangs schwinden, gen&#252;gt das f&#252;r einige Anarchisten (bei weitem nicht f&#252;r alle von ihnen), um zum Schluss zu kommen, dass das Ende des Staates gekommen ist oder bald kommen wird. Eine echte &#8222;horizontale&#8220; Gemeindepolizeikraft wird beispielsweise nicht mehr als Polizei betrachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Libert&#228;re ist hilflos gegen etwas, das so stark seinem Programm &#228;hnelt: Da er stets gegen den Staat und f&#252;r die Demokratie war, kann er am &lt;i&gt;demokratischen Konf&#246;deralismus&lt;/i&gt; und der &lt;i&gt;gesellschaftlichen Selbstbestimmung&lt;/i&gt; durchaus Gefallen finden. Das anarchistische Ideal besteht in der Tat darin, den Staat durch Tausende von f&#246;derierten Gemeinden und Arbeitskollektiven zu ersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dieser Grundlage wird es f&#252;r einen Internationalisten m&#246;glich, eine nationale Bewegung zu unterst&#252;tzen, wenn sie politische, gesellschaftliche und kulturelle Selbstverwaltung oder die &#8222;Wiederaneignung der Commons&#8220;, im Sprachgebrauch des 21. Jahrhunderts, verwirklicht. Wenn die PKK darauf besteht, dass sie nicht die Macht ergreifen, sondern zu einem System beitragen will, wo die Macht zerstreut ist, damit jeder sie teilt, ist es relativ einfach f&#252;r den Anarchisten, sich mit diesem Anspruch zu identifizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Perspektiven&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Versuch einer demokratischen Revolution in Rojava und die sie begleitenden gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen sind nur aufgrund aussergew&#246;hnlicher Umst&#228;nde m&#246;glich gewesen: der Zusammenbruch des irakischen und syrischen Staates, dazu die jihadistische Invasion, eine t&#246;dliche Bedrohung, welche die Radikalisierung beschleunigte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie die Dinge im Moment liegen, ist eine M&#246;glichkeit, dass ISIS das ganze Gebiet an sich reisst, was die Aufl&#246;sung Rojavas als Protostaat verursachen w&#252;rde: Die kurdische Autonomie w&#252;rde auf Streifen schwindenden Landes, Zonen der Guerilla zur&#252;ckfallen, was ihre Situation in allen L&#228;ndern vor 2003 war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zweite und &lt;i&gt;nun&lt;/i&gt; wahrscheinlichste Option ist, dass Rojava mit westlicher milit&#228;rischer Unterst&#252;tzung die Festung halten kann und die Republik von Rojava mit genug internationaler Patenschaft zur Navigation in den st&#252;rmischen Gew&#228;ssern des krisengesch&#252;ttelten Mittleren Ostens weiterlebt (unter den Herausforderungen die Tatsache, den syrischen B&#252;rgerkrieg auf der anderen Seite der Grenze zu halten: Paradoxerweise k&#246;nnte das Assad-Regime, solange es standh&#228;lt, als widerwilliger und unzuverl&#228;ssiger Verb&#252;ndeter von Rojava agieren, was die Unsicherheit noch vergr&#246;ssert). Solch ein neugeborenes Land w&#228;re nicht unabh&#228;ngiger als der gegenw&#228;rtige, unter westlicher Protektion stehende Mikrostaat im Nordirak: Wie die kurdische Regionalregierung w&#252;rde Rojava nur &#252;berleben, falls es das Spiel der grossen M&#228;chte und des grossen Gesch&#228;fts mitspielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#214;l w&#228;re sowohl ein Vorzug als auch ein Zwang. F&#252;r ein kleines zerbrechliches Land, das geographisch in drei Teile geteilt ist, ist &#214;l- und Mineralienreichtum nutzlos ohne m&#228;chtige K&#228;ufer und Verb&#252;ndete. Zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen gibt es nur einen Flughafen in Cizire, unter der Kontrolle der syrischen Regierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das w&#228;re das schlimmste/beste Szenario. Wie demokratisch Rojava auch immer sein m&#246;chte und sogar trotz grossem Druck der Basis, w&#252;rde die Konsolidierung und Normalisierung des Landes nur beg&#252;nstigen, was mit b&#252;rgerlicher Demokratie kompatibel ist, z.B. alles, was nicht in Konflikt tritt mit dem Kapital, das Arbeit anstellt, Geld zirkulieren l&#228;sst und akkumuliert, Gesch&#228;fte macht mit ausl&#228;ndischem Kapital usw. Russischer &#8222;Sozialismus in einem Land&#8220; war unm&#246;glich: Das gleiche gilt f&#252;r kurdischen &lt;i&gt;demokratischen Konf&#246;deralismus&lt;/i&gt;, was auch immer das bedeuten mag. Jegliche gesellschaftlichen Errungenschaften mit einem subversiven Potenzial werden zu einem Ende kommen. Im besten Fall (was wohl zu viel verlangt ist) gibt es relativ freie Wahlen, wenig Korruption, einen gewissen Respekt f&#252;r die Menschenrechte, lokale Selbstverwaltung f&#252;r &lt;i&gt;lokale&lt;/i&gt; Angelegenheiten, ein besseres Gesundheitssystem als in Nachbarl&#228;ndern, moderat repressive Polizei, eine progressive Bildung, eine freie Presse (solange sie frei von Gottesl&#228;sterung bleibt), einen toleranten Islam und nat&#252;rlich Geschlechtergleichheit, vielleicht mit einer Vizepr&#228;sidentin. Mehr nicht. Wahrscheinlich genug f&#252;r jene, welche an eine Revolution in Rojava glauben und weiterhin daran glauben wollen. Anh&#228;nger lassen sich von der Realit&#228;t nie entmutigen. Wenn ihre Theorie von den Tatsachen widerlegt wird, verwerfen sie die Tatsachen. &#8222;Sei dialektischer!&#8220;, sagen sie, &#8222;achte nicht auf die Gegenwart: Alles, was heute schlimm aussieht, war gestern schlimmer und wird morgen besser werden...&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Perspektive eines Konflikts zwischen selbstorganisierten Gremien und den sie unter dem wachsamen Auge der PKK beaufsichtigenden Apparat betrifft, kommen wir zur&#252;ck zur Frage: &#8222;Wer hat tats&#228;chlich die Z&#252;gel der Macht in der Hand?&#8220; Es gibt keine &#8222;Dualit&#228;t der Macht&#8220; in Kurdistan, keine proletarische Kontrolle von unten, welche mit einer oben stehenden politischen Struktur konkurriert. Die Aufsicht der PKK akzeptiert selbstregierende Kollektive auf Gemeindeebene, welche weiterhin ihre Zust&#228;ndigkeit f&#252;r wichtige Entscheidungen garantieren und nur das allt&#228;gliche Leben selbstverwalten: Die Einbindung der lokalen Bev&#246;lkerung &#228;ndert nichts an den wirklichen Machtverh&#228;ltnissen. In Spanien wurde 1936 der Anfang einer Revolution vom Krieg verschlungen. In Rojava ist Krieg vorherrschend und trotz echten Bem&#252;hungen kurdischer Proletarier, die Angelegenheiten in eigene H&#228;nde zu nehmen, deutet bis anhin nichts auf den Anbruch einer Revolution hin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gilles Dauv&#233; &amp; Tristan Leoni, Februar 2015&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies ist eine betr&#228;chtlich l&#228;ngere Version von &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=324&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kurdistan?&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, ver&#246;ffentlicht auf Franz&#246;sisch auf dem Blog &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;ddt21&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiterf&#252;hrende Literatur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wesentliche Texte:&lt;br class='manualbr' /&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Die-kurdische-Frage-ISIS-USA-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Die &#8218;kurdische Frage&#8216;, ISIS, USA und vieles mehr&#8220;&lt;/a&gt;, 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Becky, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Ausgehend-vom-Zwangsmoment-Kanton&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ausgehend vom Zwangsmoment &#8211; Kanton Cizire, Rojava&#8220;&lt;/a&gt;, Dez. 2014 (urspr&#252;nglich f&#252;r die Zeitschrift &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://sicjournal.org/en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;SIC&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; geschrieben)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch:&lt;br class='manualbr' /&gt;Zafer Onat, &lt;a href=&#034;https://www.servetdusmani.org/rojava-fantasies-and-realities/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rojava: Fantasies &amp; Realities&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Internationalistische kommunistische Tendenz., &lt;a href=&#034;https://www.leftcom.org/en/articles/2014-10-30/in-rojava-people%E2%80%99s-war-is-not-class-war&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;In Rojava: People's War is Not Class War&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Mehrere stimulierende Texte auf der Homepage von &lt;a href=&#034;https://www.autistici.org/tridnivalka/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Tridni Valka&lt;/a&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Internationale kommunistische Partei, &lt;i&gt;Proletarian&lt;/i&gt;, # 11, Winter-Fr&#252;hling 2015.&lt;br class='manualbr' /&gt;Ch. Glass, &lt;a href=&#034;https://www.nybooks.com/articles/archives/2014/nov/06/syria-we-dont-know/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;In the Syria We Don't Know&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;New York Review of Books&lt;/i&gt;, 6. Nov., 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;a href=&#034;https://www.google.ch/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CCYQFjAA&amp;url=https%3A%2F%2Flibcom.org%2Ffiles%2FTroploin-%2520The%2520continuing%2520appeal%2520of%2520religion.pdf&amp;ei=dWdvVYyBDcSssgHEsIvgCg&amp;usg=AFQjCNHxEgeFPQbwoJw48hnKFyQxyNSojw&amp;bvm=bv.94911696,d.bGg&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Continuing Appeal of Religion&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;troploin&lt;/i&gt;, 2006.&lt;br class='manualbr' /&gt;Kropotkin, &lt;i&gt;Memoiren eines Revolution&#228;rs&lt;/i&gt;, Unrast, 2002 [1899], letztes Kapitel. Die letzte &#246;ffentliche Rede von Marx in Amsterdam am 8. September 1872 dr&#252;ckte einen &#228;hnlichen Standpunkt in Bezug auf Grossbritannien und die USA aus.&lt;br class='manualbr' /&gt;Kropotkin, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/referenz/kropotkin/1910/xx/anarchismus.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Anarchism&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, 1910.&lt;br class='manualbr' /&gt;G. Woodcock, I. Avakumovic, &lt;i&gt;Peter Kropotkin. From Prince to Rebel&lt;/i&gt;, Black Rose Books, 1990.&lt;br class='manualbr' /&gt;D. Fromkin, &lt;i&gt;The Peace to End All Peace: The Fall of the Ottoman Empire &amp; the Creation of the Modern Middle East&lt;/i&gt;, Avon Books, 1999.&lt;br class='manualbr' /&gt;BBC News, &lt;a href=&#034;https://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-27838034&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Battle for Iraq &amp; Syria in Maps&#8220;&lt;/a&gt;, Jan. 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verteidiger der Revolution in Rojava:&lt;br class='manualbr' /&gt;D. Graeber, &lt;a href=&#034;https://civaka-azad.org/david-graeber-das-ist-eine-echte-revolution/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;&lt;/a&gt;, 26. Dez. 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Zaher Baher, &lt;a href=&#034;https://www.magazinredaktion.tk/docs/nordsyrien_A4.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Das Experiment Rojava. Erfahrungsbericht aus dem syrisch-kurdischen Autonomiegebiet&#8220;&lt;/a&gt;, August 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Janet Biehl, &lt;a href=&#034;https://www.kurdistan-report.de/index.php/archiv/2015/178/258-ein-bericht-von-einer-revolution&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Bericht von einer Revolution&#8220;&lt;/a&gt;, 16. Dez. 2014 und &lt;a href=&#034;https://kurdischenachrichten.com/2014/12/rojava-modell-arm-an-mitteln-aber-reich-an-geist/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rojava-Modell &#8211; &#8218;Arm an Mitteln, aber reich an Geist&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, Interview, 23. Dez. 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Sardar Saadi, &lt;a href=&#034;https://roarmag.org/2014/07/rojava-autonomy-syrian-kurds/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rojava Revolution: Building Autonomy in the Middle East&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 2014.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/83&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il Lato cattivo, &#8222;Die &#8222;kurdische Frage&#8220;, ISIS, USA und vieles mehr&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Becky, &#8222;Ausgehend vom Zwangsmoment &#8211; Kanton Cizire, Rojava.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zafer Onat, &#8222;Rojava: Fantasies and Realities&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zaher Baher, &#8222;Das Experiment Rojava. Erfahrungsbericht aus dem syrisch-kurdischen Autonomiegebiet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Becky, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Graeber, &#8222;Warum ignoriert die Welt die revolution&#228;ren Kurden in Syrien?&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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