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		<title>Maulwurf, bist du da?</title>
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&lt;p&gt;Das restrukturierte Kapital, der Klassenkampf und die revolution&#228;re Perspektive &lt;br class='autobr' /&gt;
Die &#8222;Revolution&#228;re&#8220; und jene, welche versuchen, ihrer Revolte eine politische Formulierung zu geben, wollen im allgemeinen die Zeugen der Zukunft sein und ihren Diskurs und ihre T&#228;tigkeit in die allgemeine Richtung der Antagonismen einf&#252;gen, welche die Tr&#228;ger der kommenden Aufst&#228;nde sind. Das ist alles in allem normal: Jede Lesart der Welt geht gezwungenermassen von einer Position in ihr selbst aus und die (&#8230;)&lt;/p&gt;


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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das restrukturierte Kapital, der Klassenkampf und die revolution&#228;re Perspektive&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Revolution&#228;re&#8220; und jene, welche versuchen, ihrer Revolte eine politische Formulierung zu geben, wollen im allgemeinen die Zeugen der Zukunft sein und ihren Diskurs und ihre T&#228;tigkeit in die allgemeine Richtung der Antagonismen einf&#252;gen, welche die Tr&#228;ger der kommenden Aufst&#228;nde sind. Das ist alles in allem normal: Jede Lesart der Welt geht gezwungenermassen von einer Position in ihr selbst aus und die Tatsache, das Werden der Menschheit mit seinen W&#252;nschen in &#220;bereinstimmung zu bringen, ist der Ausgangspunkt jeglichen revolution&#228;ren Willens. Der folgende Text versucht, einen Schritt beiseite zu treten. Er versucht, die gegenw&#228;rtige Epoche zu besprechen, indem er einige Fragen bez&#252;glich der Artikulation zwischen der Kritik des Kapitals als gesellschaftliches Verh&#228;ltnis einerseits und der Lesart des Klassenkampfes andererseits aufwirft &#8211; ohne jedoch eine revolution&#228;re Frist zu suchen (und auch nicht unbedingt auf die grossen theoretischen Polemiken einzugehen). Es geht im wesentlichen darum, diese Offensichtlichkeit erneut zu bekr&#228;ftigen: Was der gegenw&#228;rtige und kommende soziale Krieg freisetzen wird, wird nie nur das Produkt der Interaktion (und des eventuellen Zusammenstosses) zwischen der allgemeinen Bewegung der kapitalistischen Herrschaft und der T&#228;tigkeit jener sein, welche in ihr dazu gebracht werden, ihren Arsch zu bewegen. Niemand hat den Schl&#252;ssel dieser Dynamik &#8211; weder die Kapitalisten, noch ihre selbsterkl&#228;rten Feinde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ALLES HAT SICH VER&#196;NDERT, NICHTS BEGINNT&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur die Freunde der &lt;i&gt;Monde diplomatique&lt;/i&gt; glauben, dass der Kapitalismus ein wirtschaftliches System ist, das auf dem unregulierten freien Handel basiert &#8211; eine Perversion der gerechten Ordnung der Welt, angef&#252;hrt von einer Bande von Fieslingen, welche nur daran denken, sich zu bereichern, indem sie die von Armen produzierten Reicht&#252;mer an der B&#246;rse platzieren, statt zu akzeptieren, sie gerecht zu teilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus strukturiert gegenw&#228;rtig die Gesamtheit der menschlichen T&#228;tigkeit in der Form von Arbeit, von Extraktion der konkreten Abstraktion des Werts, mittels Warenproduktion (der ber&#252;hmte &#8222;Reichtum&#8220;, den die Linken &#8222;teilen&#8220; m&#246;chten, doch der nur in dieser Form &#8222;immenser Warenakkumulation&#8220; existiert). Als Konsequenz davon strukturiert das Kapital auf tausend verschiedene Arten die Beziehungen zwischen den Menschen, ihre Geselligkeit, ihre Zeit, ihre Neurosen, ihr Verh&#228;ltnis zu den Notwendigkeiten, zur Natur usw. Das Kapital ist ein totalisierendes gesellschaftliches Verh&#228;ltnis. Es ist das Herz der Maschine, das immer noch gleich ist wie damals, als Marx es vor einigen Jahrzehnten analysierte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch der Kapitalismus hat auch eine Geschichte, die aus Krisen besteht. Diese Krisen wurden bis heute alle &#252;berwunden, was zu bedeutenden Modifikationen in der Art und Weise f&#252;hrte, wie der Kapitalismus die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse formt. Sie brachten unsere Epoche hervor, in welcher das Kapital tats&#228;chlich finanzialisiert, globalisiert usw. ist: Es ist die gegenw&#228;rtige Form, welche die Akkumulation angenommen hat &#8211; sie folgt auf andere Modelle, welche auch absolut kapitalistisch waren (Fordismus im Westen, Sozialismus in anderen Gefilden...). Doch wenn die Herrschaft des Kapitals sich heute tats&#228;chlich vertieft hat, so ist das nicht so sehr, weil er keine Schutzmassnahmen mehr ergreift, die ihn etwas menschlicher machen. Er kennt nicht nur &#252;berhaupt kein geographisches Draussen mehr, auch die Gesamtheit der menschlichen Beziehung ist nunmehr im kapitalistischen Verh&#228;ltnis einbegriffen, dies auf immer verd&#252;nntere Art und Weise: Die Vertiefung der Herrschaft des Kapitals ist logischerweise von seiner wachsenden Naturalisierung begleitet. Die Geschichte ist ihren Weg gegangen: Es existiert keine andere materielle Gemeinschaft mehr als jene des Kapitals und der Gebrauchswert selbst der Dinge ist verschwunden in der allgemeinen Bewegung des Werts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Perspektive eines Jenseits dieser Welt betrifft, ist diese heute, trotz einer eventuellen Verallgemeinerung der Krise, abstrakter denn je.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis zum Ende der 1970er Jahre war die revolution&#228;re Perspektive mit einem Aufstieg der proletarischen Klasse (die als Klasse der Produzenten verstanden wurde) verbunden, welche der Bourgeoisie die Macht entreissen w&#252;rde, um der Gesellschaft ihre eigene Macht aufzuzwingen. Diese Perspektive der &#8222;Macht den Arbeitern&#8220;, welche in all ihren Deklinationen (von der Parteidiktatur bis zum Anarchosyndikalismus und der verallgemeinerten Selbstverwaltung) die &#220;berwindung des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses nicht als Programm hatte (sie hob die Arbeit, den Wert oder den Fetisch-Charakter der Ware nicht auf), war inh&#228;rent mit dem Fortbestand etlicher Formen von Autonomie verbunden, in welchen eine gemeinsame Zugeh&#246;rigkeit zur proletarischen Klasse erstellt wurde. Dies ist jetzt verschwunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist weder ein Grund, traurig zu sein, noch sich zu freuen: Die letzte Restrukturierung, indem sie den Arbeitsmarkt globalisiert, die Formen der Subunternehmung vervielfacht, den Raum der Ausbeutung verd&#252;nnt, die Sph&#228;ren der Produktion und der Reproduktion tendenziell undeutlich gemacht hat, hat dazu gef&#252;hrt, dass heute nichts mehr dem Kapital gegen&#252;bersteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;DAS PROLETARIAT IST NICHT MEHR, WAS ES MAL WAR&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man soll sich dennoch nicht t&#228;uschen: Die Verfinsterung der gesellschaftlich existierenden revolution&#228;ren Perspektive bedeutet nicht eine Befriedung der Klassenverh&#228;ltnisse. Sie bleibt ein b&#252;rgerliches Hirngespinst: &#220;berall auf dem Planeten regen sich die Verdammten der Erde weiterhin und man kann wetten, dass sie nicht so bald aufh&#246;ren werden, es zu tun: Armut ist Gewalt, welche dazu dr&#228;ngt, zu revoltieren, und es ist nicht auf der Tagesordnung, dass die Armen nicht mehr arm sind, nicht einmal, dass sie es etwas weniger sind. Denn, noch einmal, es ist nicht der Fehler der Reichen, sondern der Wirtschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich mit der in den 1970er Jahren begonnenen Restrukturierung ge&#228;ndert hat, ist nicht die zentrale Rolle der Arbeit in der erweiterten Reproduktion des Kapitals, sondern die Art und Weise, jene zu integrieren, welche sie liefern. Auf einem weltweiten Niveau kann das Proletariat nicht mehr auf der Grundlage des einzigen Arbeiterelements definiert werden, doch auch nicht mehr aufgrund seiner Integration in eine &#8222;stabile&#8220; Lohnarbeit. Das heisst weder, dass die Produktion sich entmaterialisiert hat, noch dass es &#8222;keine Arbeiter&#8220; mehr gibt: Sie waren wohl auf weltweiter Ebene noch nie so zahlreich. Doch die Arbeiter, f&#252;r welche sich die Ausbeutung mit einer gesellschaftlichen, mit der Arbeit verbunden Zugeh&#246;rigkeit deckt, stellen nur noch eine Minderheit der Proletarier dar und die Grenze, welche sie von den anderen trennt, wird immer d&#252;nner. Die anderen: Jene, f&#252;r welche die Verh&#228;ltnisse der Lohnausbeutung eine Modalit&#228;t des Lebensunterhalts unter anderen darstellt, mehr oder weniger punktuell, h&#228;ufig mit anderen Arten der T&#228;tigkeit vermischt (Kleinhandel zum Beispiel) und innerhalb prim&#228;rer Gruppen geteilt (eine oder zwei Personen in der Familie sind permanent Lohnarbeiter, die anderen &#8222;helfen&#8220; so gut sie k&#246;nnen) und vor allem ist keine gesellschaftliche Identit&#228;t mehr mit ihr verbunden. Sie bev&#246;lkern jene L&#228;nder, welche man nicht mal mehr als unterentwickelt bezeichnen kann; sie bev&#246;lkern nunmehr auch die Peripherien der westlichen Metropolen &#8211; und bilden auch jene Gruppe, welche die Soziologen die prek&#228;ren Arbeiter nennen. Diese Proletarier ohne Bindungen zur Lohnarbeit, gleichzeitig Mitglieder einer neuen Reservearmee und der Fronpflicht ausgeliefert, k&#246;nnen nur schwer als formlose und merkw&#252;rdige Masse innerhalb der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse betrachtet werden &#8211; sie k&#246;nnen nicht in die Ecke der marginalen Lumpenproletarier gestellt werden, im Vergleich zu den &#8222;richtigen&#8220; Arbeiter, welche einen Beruf haben und jeden Morgen in einer Firma auftauchen: Die Ausdehnung der proletarischen Bedingungen auf die Gesamtheit des Planeten verl&#228;uft wesentlich nach diesen Modalit&#228;ten. Und die gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe und Revolte entstehen auf den Ruinen dieser mit der Arbeit verbundenen gesellschaftlichen Zugeh&#246;rigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Feststellung gilt f&#252;r die Banlieue-Aufst&#228;nde in Frankreich, f&#252;r jene, welche regelm&#228;ssig Algerien oder andere Gefilde ersch&#252;ttern. Sie gilt auch f&#252;r viele K&#228;mpfe von Lohnarbeitern in den peripheren Zonen, soweit die mit den Modalit&#228;ten der Ausbeutung verbundenen Probleme im allgemeinen breitere gesellschaftliche Beziehungen als einzig das Lohnverh&#228;ltnis umfassen &#8211; Verh&#228;ltnis zu den B&#252;rokratien, zum Zugang zu Dienstleistungen, zu Wohnraum, zu klientelistischen Beziehungen, zur Umwelt usw. Schliesslich gilt sie indirekt auch f&#252;r die von den &#8222;stabilen&#8220; Lohnarbeitern gef&#252;hrten K&#228;mpfe im Westen, welche als &#220;berbleibsel der fordistischen Periode stets mit dem konfrontiert sind, was die anderen Proletarier hervorbringen und direkt ihre eigenen Ausbeutungsbedingungen angreift: Ihre stets defensiven K&#228;mpfe haben im wesentlichen als Ziel, Widerstand gegen den Druck auf den &#8211; direkten oder indirekten &#8211; Lohn zu leisten, welcher das Resultat einer scheinbar nie endenden Restrukturierung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Totale Ausl&#246;schung jeglicher Bereiche ausserhalb des Kapitals einerseits; Aufl&#246;sung des fordistischen Wohlfahrtsstaates andererseits: Diese gemeinsamen Prozesse definieren die gegenw&#228;rtige Phase der reellen Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die von der Marxschen Theorie ausgearbeitete Unterscheidung zwischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Als Konsequenz davon hat sich der Schwerpunkt der K&#228;mpfe verlagert: Sie haben nunmehr eher die Modalit&#228;ten der Integration der Proletarier ins Kapital als jene der Ausbeutung als Antrieb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;KAPITALISTISCHE GESELLSCHAFTLICHE VERH&#196;LTNISSE UND GESELLSCHAFTLICHE KLASSENVERH&#196;LTNISSE&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Epochenwandel, der nicht mehr ganz so neu ist, doch einen derartigen Keulenschlag dargestellt hat, dass es h&#228;ufig noch schwer ist, die Tragweite davon zu erfassen, bringt grosse Umw&#228;lzungen betreffend der mit dem Klassenkampf verbundenen revolution&#228;ren Erwartungen mit sich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Beispiel: Ohne auf die Debatten zur historischen Mission der Selbstnegation (die Klasse, welche die Aufl&#246;sung aller Klassen enth&#228;lt usw.) einzugehen, war das Proletariat, in seiner positiven Definition, bis vor kurzem die Klasse jener, deren Ausbeutung der Arbeitskraft die erweiterte Reproduktion des Kapitals erlaubt. Diese Definition, welche lange zur Verwechslung Proletariat/Arbeiterklasse f&#252;hrte, wirft heute die Frage nach den Massen von Armen auf, welche nur marginal in die Verh&#228;ltnisse der Lohnausbeutung und welche trotzdem in die Welt der kapitalistischen Zirkulation integriert sind. Was ist ihre Stellung im Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also mittlerweile sinnvoll, das Proletariat als &#8222;die Klasse jener, welche nichts haben gegen&#252;ber den Kapitalisten&#8220; zu definieren. &#8222;Das Kapital in seiner Gesamtheit enth&#228;lt einen variablen Teil, welcher die Gesamtheit der Habenichtse kauft, auch jene, welche vielleicht nie arbeiten werden&#8220;, schreibt Bruno Astarian. &#8222;In dieser Gesamtheit findet man die formellen Arbeiter (jene, welche einen Vertrag, eine Krankenversicherung, eine Pension usw. haben) und die informellen Arbeiter, die formellen Arbeitslosen (welche ein Arbeitslosengeld beziehen) und die informellen Arbeitslosen (welche die globale Lohnmasse auf andere Art und Weise als durch die Arbeitslosenversicherung teilen &#8211; die Familiensolidarit&#228;t, Handel usw.), die Mehrwert produzierenden Arbeiter genau wie jene, welche nicht produktiv sind.&#8220; Das ist eine sehr breite Definition des Proletariats in der gegenw&#228;rtigen Periode: Der globale Kauf der Arbeitskraft enth&#228;lt den Prozess der Ausbeutung, doch geht auch &#252;ber diesen hinaus &#8211; daneben erlaubt er es, alle T&#228;tigkeiten des Kampfes als Teil des grundlegenden Widerspruchs Kapital-Arbeit zu konzipieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Definition ist theoretisch koh&#228;rent; sie enth&#228;lt aber trotzdem eine Grenze in ihrer Schwierigkeit, all das zu umfassen, was innerhalb der K&#228;mpfe eine proletarische Erfahrung darstellen k&#246;nnte, welche &#252;ber die konkrete Erfahrung des Ausbeutungsprozesses hinausgeht. Wenn das Kapital heute die Welt vereint hat, so hat es auch die gesellschaftlichen Erfahrungen, welche mit seiner Herrschaft verbunden sind, verst&#228;rkt und zerst&#252;ckelt. Indem sie bei weitem &#252;ber den Raum der Lohnausbeutung hinausgehen, haben die kapitalistischen Verh&#228;ltnisse ihr einfach identifiziertes Herz verloren. Und einer der Kollateralsch&#228;den dieser Sache ist die F&#228;higkeit der teleologischen Formatierung durch eine auf die Revolution abzielende Kritik eines sozialen Krieges, welcher etliche gesellschaftliche Ph&#228;nomene umfasst, welche selbst durch die Vielheit der Verh&#228;ltnisse hervorgebracht werden, mit welchen die kapitalistische Herrschaft in Verbindung steht. Wie gross auch die Bem&#252;hung einer zu hervorbringenden Neudefinition sein mag, das Proletariat ist heutzutage noch mehr eine theoretische Abstraktion als vor hundertf&#252;nfzig Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird sicher weiterhin eine Lesart des Klassenkampfes in den Begriffen des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit hervorgebracht werden: Der Verwertungsprozess hat sich nicht vom Ausbeutungsverh&#228;ltnis autonomisiert und der Kauf der Arbeitskraft durch das Kapital ist heutzutage faktisch global. Doch es ist auch eine Tatsache, dass das, was in den Klassenverh&#228;ltnissen und den gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfen hinsichtlich der Subjektivit&#228;t auf dem Spiel steht, weit weg von den durch die Theorie hervorgebrachten strukturellen Analysen des Kapitals ist &#8211; im Gegensatz zur Erfahrung und den Arbeiterk&#228;mpfen von damals. Und das ist nicht etwas komplett kontingentes: Die radikalen Kritiken des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses und die Theorien seiner Aufhebung wurden immer mehr oder weniger von dieser Frage der proletarischen Erfahrung ausgehend ausgearbeitet, von Marx bis zum Operaismus, in den kommunistischen Linken und anderen Ultralinken. Diese Erfahrung ist heute zersprungen und dadurch unterh&#228;lt die revolution&#228;re Theorie nur noch ein entferntes Verh&#228;ltnis mit den Erlebnissen der Klassenkonfrontationen &#8211; dadurch ist sie dazu gedr&#228;ngt, das Pferd beim Schwanz aufzuz&#228;umen, indem sie auf Biegen und Brechen eine Theorie der Revolution hervorzubringen sucht, obwohl die gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe keine hervorbringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftlichen Klassenverh&#228;ltnisse haben ihre eigenen Dynamiken und es ist eine reduzierende theoretische Operation, sie auf ihre versteckte Objektivit&#228;t reduziert haben zu wollen &#8211; das gesellschaftliche kapitalistische Verh&#228;ltnis vom Standpunkt seines zentralen Widerspruchs (und seines notwendigen Zerspringens) aus betrachtet. Was eine Klassengesellschaft (die, wie der Klassenkampf &#252;brigens auch, keine kapitalistische Erfindung ist) strukturell definiert, ist die Aneignung durch eine gesellschaftliche Gruppe eines grossen Teils dessen, was von anderen produziert wird. Doch was in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen die erlebte Erfahrung einer solchen Gesellschaft darstellt, ist die gesellschaftlich konstruierte Ungleichheit zwischen den Menschen. Es ist die Aus&#252;bung der gesellschaftlich eingef&#252;hrten Machtverh&#228;ltnisse, ihre Reproduktion, die Beziehungen zur Notwendigkeit, zum &#220;berfluss und auch zur Freiheit, die sich daraus ergeben. Heute haben diese Beziehungen eine zentrale Vermittlung, jene des Geldes &#8211; die einzige universelle Vermittlung zwischen den Menschen in einer Welt, wo sich das Wertgesetz der Gesamtheit des gesellschaftlichen Lebens bem&#228;chtigt hat. Und in erster Linie in diesem Sinn sind alle Klassenverh&#228;ltnisse kapitalistische Klassenverh&#228;ltnisse &#8211; und nicht, weil sie notwendigerweise das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis schlechthin, das Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit, umfassen. Die Theorie kann sich nicht durch das Ordnen der Welt, das sie erlaubt, an die Stelle dieser Welt selbst und des allt&#228;glichen Krieges setzen, der sich darin abspielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;DIE WELT VER&#196;NDERN?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Ende der Arbeiterbewegung, ihrer Ideologie der &#8222;Macht den Arbeitern&#8220; und den Formen der Autonomie, auf welche sie sich st&#252;tzte, zeigt der Klassenkampf auf brutale Art und Weise, was er ist: Gef&#252;hrte K&#228;mpfe gegen die durch die gesellschaftliche Hierarchie den Untergebenen zugewiesenen Stellungen und gegen die Modalit&#228;ten des Zugangs zu Waren, die sich daraus ergeben. Die Menschen, wenn sie k&#228;mpfen, revoltieren, in Massen oder allein, stehen nicht dem Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit gegen&#252;ber. Sie stehen der konkreten Erfahrung der gesellschaftlichen Ungleichheit gegen&#252;ber, der Bedingung, welche ihnen als Untergebene innerhalb der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse auferlegt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konzeption der revolution&#228;ren &#220;berwindung dieses &#8222;normalen Verlaufs&#8220; des Klassenkampfes &#8211; auf andere Art und Weise als als reine Notwendigkeit, die im kapitalistischen Widerspruch angelegt ist &#8211; w&#252;rde voraussetzen, dass eine universelle Perspektive des Umsturzes in die K&#228;mpfe um gesellschaftliche und/oder materielle Interessen eingef&#252;gt wird. Doch das ist weit davon entfernt, offensichtlich zu sein: &#8222;Die Welt ver&#228;ndern&#8220; ist eine Perspektive, die ausserhalb der Kampfobjekte selbst steht, ausserhalb dessen, was die Klassenverh&#228;ltnisse dazu bringt, sich zu einem gewissen Zeitpunkt und an einem gewissen Ort in Konfrontationen zu verwandeln. In diesem Sinn ist &#8222;die Welt ver&#228;ndern&#8220; letztendlich eine Perspektive, welcher der b&#252;rgerlichen Zivilgesellschaft eigen ist. Diese hat verlorenes Terrain wieder erobert: Der Universalismus, welcher das Produkt davon ist (auch in seiner revolution&#228;ren Dimension), geh&#246;rt weiterhin eigentlich derselben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Zivilgesellschaft ist diese wirkliche Abstraktion, welche sich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeiterbewegung, indem sie sich als Erbin der Aufkl&#228;rung pr&#228;sentierte, indem sie das Ziel hatte, die menschliche Gattung zu emanzipieren und die Welt wieder auf ihre F&#252;sse zu stellen, hatte eine Art historische Heldentat vollbracht, indem sie es schaffte, den der b&#252;rgerlichen Gesellschaft eigenen Universalismus gegen dieselbe zu wenden &#8211; indem sie ihre Sprache benutzte in den von den Armen f&#252;r ihre eigenen Interessen gef&#252;hrten K&#228;mpfen. Die b&#252;rgerlichen Revolutionen haben nicht die menschliche Emanzipation hervorgebracht; diese Aufgabe kam nunmehr dem Proletariat zu. Dadurch kreierte die Arbeiterbewegung, angelehnt an ausdauernde Formen der proletarischen Autonomie, eine in der Wahrnehmung der Antagonismen gemeinsame Sprache und Vorstellungswelt und eine durch die Armen aneigenbare Klassenidentit&#228;t &#8211; all das implizierte auch einen Internationalismus, der nicht unbedeutend war. Doch gab sie damit vor allem den K&#228;mpfen eine sich allgemein verbreitende Perspektive der &#220;berwindung (welche sich, nach der Periode der &#8222;Herausbildung der Arbeiterklasse&#8220;, in der Form der &#8222;Macht den Arbeitern&#8220; kristallisierte), in welchem das Problem der &#8222;Ver&#228;nderung der Welt&#8220; ihrer b&#252;rgerlichen Bestimmung entwischte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Sinne war die alte Arbeiterbewegung ein zweischneidiges Schwert: Sie war gleichzeitig eine Bewegung der Integration der Proletarier ins Kapital und der Armen in die Zivilgesellschaft und setzte den Umsturz in Reichweite eines Aufstands durch die Vorstellungswelt und die Sprache, welche sie kreierte. Letztendlich muss man &#252;ber diese heute vergangene historische Heldentat erstaunt sein und nicht &#252;ber die Tatsache, dass sich gegenw&#228;rtig die Armen nicht in Revolution&#228;re verwandeln, wenn sie sich regen &#8211; dass sie hier und jetzt f&#252;r sich k&#228;mpfen, ohne sich bei irgendeiner des Werdens der Menschheit betreffender Mission zu engagieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die K&#228;mpfe w&#228;hrend der Periode der Arbeiterbewegung sprach gewiss eine (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;ber den Aufstand, welcher Albanien 1997 ersch&#252;tterte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Februar 1997 f&#252;hrte der Zusammenbruch der Anlagesysteme nach (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;], schrieben die Revolution&#228;re ohne Revolution (der mittlerweile geschlossenen Bibliothek der Aufst&#228;nde) damals: &#8222;Wir wissen nichts &#252;ber die kurzlebige Organisation, welche die Aufst&#228;ndischen auf die Beine gestellt hatten, bevor sie sich der Waffen bem&#228;chtigten, und nicht einmal, wie weit sie &#252;berhaupt organisiert waren. Wir wissen nicht, ob es eine Debatte gab, und falls ja, was wahrscheinlich ist, was besprochen wurde. Wir wissen nicht, wie die Aufst&#228;ndischen ihren Aufstand einsch&#228;tzten, wie sie Albanien, Europa und die Welt, was sie &#252;ber die Ware und die westliche Information, das Leben und die Liebe dachten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch dieses politische Schweigen der albanischen Aufst&#228;ndischen ist nicht erstaunlich: Es war letztendlich das Merkmal ihrer Autonomie, nat&#252;rlich nicht gegen&#252;ber dem Kapital, doch gegen&#252;ber seinen b&#252;rgerlichen Vermittlungen &#8211; und es ist auch offensichtlich, dass sie sich hinsichtlich ihrer Handlung die Fragen nicht in dieser Form stellten. Doch kann man aus einem solchen Ereignis einen &#8222;revolution&#228;ren Versuch&#8220; machen, wo die Ver&#228;nderung der Ordnung der Welt auf dem Spiel stehen w&#252;rde? In Wirklichkeit h&#228;tten wir es erfahren, wenn die albanischen Aufst&#228;ndischen durch ihre Praktiken den Umsturz geplant h&#228;tten. Man muss sich also damit begn&#252;gen: Diese Revolte der Armen im Balkan geh&#246;rt eigentlich jenen, welche sie durchgef&#252;hrt haben &#8211; sie ist einzig und allein Teil der gesellschaftlichen Bedingungen, welche sie erzeugten. Und kein verstecktes historisches Drehbuch verbindet sie mit den revolution&#228;ren Erhebungen 1848 oder 1871&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was hier als &#8222;arm&#8220; verstanden wird, soll nicht in einem Sinne der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ZERKAUEN UND VERDAUUNG DES KLASSENKAMPFES&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Restrukturierung des Arbeitsmarktes hat eine Schw&#228;chung der &#8222;repr&#228;sentativen&#8220; Vermittlungen hervorgebracht, welche den Klassenkampf umrahmten. Mit dem Zerfall der Arbeiterbewegung k&#228;mpfen die Proletarier kaum mehr, um die Kontrolle der kapitalistischen Maschine zu &#252;bernehmen. Sie k&#228;mpfen nicht mehr, um der Gesellschaft ihre Macht durch ihre Organisationen aufzuzwingen (ihre Revolten stellen &#252;brigens im allgemeinen selten die Frage des Umsturzes der &#252;ber sie ausge&#252;bten Klassenherrschaft). Als gemeinsame Konsequenz des Endes des Fordismus und der Vollendung der Proletarisierung des ganzen Planeten entstehen die meisten gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe und Revolten in gesellschaftlichen Konfigurationen, wo gewerkschaftliche und paragewerkschaftliche Vermittlungen kaum wirken &#8211; was ihnen scheinbar einen wilderen Charakter gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige sagen sinngem&#228;ss: W&#228;re es nicht letztendlich als ob eine Verriegelung hochgegangen w&#228;re, was neue Perspektiven hinsichtlich eines unverwaltbaren und unintegrierbaren Werdens der von den Armen gef&#252;hrten K&#228;mpfen &#246;ffnet? W&#228;re es nicht dort, wo sich der alte Maulwurf eingenistet h&#228;tte? Man m&#246;chte gerne damit einverstanden sein, doch der Optimismus dieser Hypothese endet in der Sackgasse, wenn es um die beeindruckenden F&#228;higkeiten des Kapitals geht, K&#228;mpfe zu verdauen, welche die Modalit&#228;ten seiner Herrschaft verursachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus als gesellschaftliches Verh&#228;ltnis kann nicht auf die Herrschaft einer Klasse von Individuen &#252;ber die anderen reduziert werden. Als Konsequenz werden die kapitalistischen Verh&#228;ltnisse nicht in Frage gestellt, weil eine Bewegung des Kampfes die Macht dieser Individuen gef&#228;hrdet. Solange nicht eine Subversion dieser Verh&#228;ltnisse hervorgebracht wird, solange nicht die Lohnarbeit, das Geld, der Warentausch, die Eigentumsverh&#228;ltnisse usw. in eine Krise gest&#252;rzt, indem andere gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse hervorgebracht werden (was, man muss es zugeben, nicht sehr h&#228;ufig geschieht), bleibt der Klassenkampf ein Moment der kapitalistischen Reproduktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr noch, der Klassenkampf ist konstitutiv f&#252;r den Kapitalismus als Regulationsmodus des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit. H&#228;ufig trafen die K&#228;mpfe mit internen Krisen des Verwertungsprozesses zusammen (Krisen, die h&#228;ufig von den Perioden intensiver K&#228;mpfe an den Tag gebracht werden) und waren der Ansporn, welcher das Kapital dazu zwang, sich zu restrukturieren. Die von der Arbeiterbewegung gef&#252;hrten Offensiven trugen zum Aufkommen des Fordismus und des Massenkonsums bei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was zur kapitalistischen Dynamik der Trente Glorieuses* f&#252;hrte, war im (&#8230;)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die K&#228;mpfe der 1960er/1970er Jahre waren der Antrieb f&#252;r die Reorganisation des Arbeitsmarktes auf einem globalen Niveau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute zeichnen die Formulierungen in Begriffen des Rechts und der Demokratie viele K&#228;mpfe in der Welt aus (wie z.B. die Arbeiterk&#228;mpfe in China, die sich mit politischem Protest gegen das Regime abwechseln oder die von den Armen in der arabischen Welt gef&#252;hrten K&#228;mpfe, die sich als Teil der Bewegung der demokratischen Modernisierung wiederfinden). Die Forderungen dieser Art &#8211; die die Absorbierung der gesellschaftlichen K&#228;mpfe durch die Sph&#228;re der Zivilgesellschaft mit sich bringen &#8211; verweisen im wesentlichen auf eine Forderung nach besserer Integration der Arbeiter ins Kapital, diesmal ohne &#252;ber das Feld Klassenautonomie zu gehen. Die F&#228;higkeit des Kapitals, sich auf solche K&#228;mpfe zu st&#252;tzen, um seine Herrschaft zu erneuern und zu vertiefen, wird ein wichtiges Problem der kommenden Krisenzeiten darstellen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;...oder auch nicht. Denn die Integration der K&#228;mpfe in die Bewegung der Erweiterung der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse ist nur eine der m&#246;glichen Formen der Neutralisierung der Klassenkonfliktualit&#228;t: Vom Standpunkt des Kapitals ist es die beste, die dynamischste. Doch wenn sie in einem Kontext der Krise des Akkumulationsprozesses entstehen, wodurch die Handlungsspielr&#228;ume der Kapitalisten beschr&#228;nkt sind, sind die Klassenkonfrontationen h&#228;ufig eher prosaisch absorbiert durch interkapitalistische Konfrontationen. Der Antagonismus kann dann schmerzhafte L&#246;sungen erfordern f&#252;r einen Teil des F&#252;hrungspersonals, die bis zu ihrer sozialen Eliminierung gehen k&#246;nnen: Die letzte Weltwirtschaftskrise wurde durch ein Kriegsgemetzel gel&#246;st, das, neben den Millionen von Proletariern, auch Unmengen von nationalen Bourgeoisien vernichtet hat. N&#228;her bei uns und in einem kleineren Massstab ersch&#252;tterten Aufst&#228;nde 1988 Algerien ausserhalb jeglichen &#8222;repr&#228;sentativen&#8220; Rahmens im Kontext einer Krise der Rentenwirtschaft: Einen B&#252;rgerkrieg sp&#228;ter und nach der schnellen Beendigung einer demokratischen L&#246;sung waren sie letztendlich der Ansporn f&#252;r eine Reorganisation dieser selben Rentenwirtschaft und einer Erneuerung ihrer Klientel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r das Kapital ist es nicht notwendig, immer die Proletarier in die Vermittlungen der Zivilgesellschaft zu integrieren, es ist nur eine der Modalit&#228;ten, durch welche es seine Herrschaft regulieren kann. Dennoch implizieren die von den Armen gef&#252;hrten K&#228;mpfe, welche nicht von den B&#252;rgervermittlungen ergriffen werden und dem Anschein nach radikal sind (im allgemeinen aufst&#228;ndisch), nicht eine Abwesenheit jeglicher Form der Vermittlung. Sei es durch die informelle Wirtschaft (&#8222;Mafias&#8220; oder andere) oder klientelistische Strukturen &#8211; St&#228;mme, Gemeinschaften, Religionen usw. &#8211;, welche alle Vermittlungsinstanzen gegen&#252;ber einem Staat sind, welcher nur selten eine kalte unpers&#246;nliche Maschine ist, sie werden in gesellschaftliche Konfigurationen integriert, wo die Klassenfrontalit&#228;t in der Regel unwirksam ist. Es ist ebenso angebracht, wenn man sich f&#252;r eine &#8222;gesellschaftliche Bewegung&#8220; in Frankreich oder Italien interessiert, eventuelle Dynamiken des autonomen Kampfes im Verh&#228;ltnis zur integrativen Funktion der Gewerkschaften, der Linken usw. zu pr&#252;fen, &#228;hnliche Probleme entstehen im Kontext von wilderen Revolten im Verh&#228;ltnis mit den oben erw&#228;hnten Vermittlungen. Denn heutzutage beteiligen sich diese an der weltweiten Reorganisation des Arbeitsmarktes, welche durch die undeutliche Trennung von Produktion und Reproduktion und einer neuen Art der Verwaltung der Proletarier gepr&#228;gt ist. Weit entfernt von den Mythologien der Zivilgesellschaft und des politischen Universalismus verankern diese Vermittlungen parallel die K&#228;mpfe und die Revolten in zersplitterte Dynamiken, welche die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse von dort reflektieren, wo sie entstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und einmal mehr gilt diese Feststellung f&#252;r die von den &#252;berz&#228;hligen Proletariern gef&#252;hrten K&#228;mpfe, doch auch f&#252;r viele K&#228;mpfe, welche sich auf dem Feld der Ausbeutung abspielen. Man vergleicht h&#228;ufig die Eingliederung in die Arbeit von Millionen von Bauern in China mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert in Europa. Diese Operation wird jedoch in einem kapitalistischen Kontext durchgef&#252;hrt, der nicht der gleiche ist, und eine der St&#228;rken des Kapitals in diesen Operationen der Proletarisierung ist es, die zuvor bestehenden gesellschaftlichen Konfigurationen neu zu gestalten, ohne komplett reinen Tisch zu machen. In diesem Stadium bleibt die gewerkschaftliche und die B&#252;rgerintegration der K&#228;mpfe in Asien begrenzt, was ihren zersplitterten Charakter, ihre im wesentlichen aufst&#228;ndischen und scheinbar unorganisierten Formen erkl&#228;rt; was auch eine Verwaltung erkl&#228;rt, die sich eine globale kapitalistische L&#246;sung sparen kann. Diese Verwaltung wird durch die gesellschaftlichen Kontexte m&#246;glich gemacht, wo sich die K&#228;mpfe abspielen, Kontexte, wo sich die Proletarier und die Kapitalisten nicht gegen&#252;berstehen und wo etliche Vermittlungen wirksam sind, die man im allgemeinen aus der Distanz sehr schlecht kennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;KRISE&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus ist heutzutage offiziell in einer Krise. Wir werden hier nicht versuchen, diese zu analysieren und auch nicht, ihre zuk&#252;nftigen Entwicklungen vorherzusehen. Dass die Krise sich in den kommenden Jahren heftig vertieft, dass die Mechanismen der kapitalistischen Regulierung sich auf weltweitem Niveau als machtlos erweisen, die Entwicklung einer weltweiten &#220;berproduktionskrise mit all ihren gesellschaftlichen Konsequenzen vorwegzunehmen und einzud&#228;mmen, kann eindeutig nicht ausgeschlossen werden. Die Sache kann dennoch etliche und diverse Formen annehmen und vor allem ist es heute unm&#246;glich, vorherzusehen, was ein hypothetische &#8222;&#220;berwindung der Krise&#8220; sein k&#246;nnte. Die Existenz von Zyklen innerhalb des Akkumulationsprozesses ist nicht bestreitbar, doch ihre &#220;berwindung &#8211; die Tatsache, dass eine Krise zu einer Restrukturierung der Produktionsweise und/oder zu einer revolution&#228;ren Krise f&#252;hrt &#8211; ist inh&#228;rent mit den Spannungen verbunden, die sich innerhalb des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit zeigen und auch mit den Integrationsmodalit&#228;ten des Proletariats ins Kapital. Und diese Fragen sind nicht in den objektiven Gesetzen der Akkumulation enthalten: Sie bahnen sich in den Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann dennoch die Frage stellen: Was w&#228;re der Effekt einer allgemeinen Krise der Verwertung auf die zuk&#252;nftige Entwicklung der Klassenkonfrontationen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konfiguration, welche sich nun schon seit einiger Zeit abzuzeichnen scheint, ist dichotomisch &#8211; und die Krise k&#246;nnte sie vertiefen. Einerseits K&#228;mpfe, welche im allgemeinen eine reformistische Sprache sprechen (seltener eine &#8222;radikale&#8220;) und von welchen man sagen k&#246;nnte, dass sie im wesentlichen von den in ihrer Reproduktion blockierten &#8222;Mittelklassen&#8220; gef&#252;hrt werden &#8211; was nicht auf eine pr&#228;zise Klassenzusammensetzung verweist, sondern im wesentlichen auf die Tatsache, dass die betroffenen Bev&#246;lkerungen als Aggregat von Individuen politisch intervenieren und dass es f&#252;r sie eine Notwendigkeit der Wiederaneignung der Gesellschaft gibt. Andererseits gibt es die Aufst&#228;nde der Armen ausserhalb der Zivilgesellschaft, deren einzige Perspektive der Wiederaneignung jene der Warenlager ist, zu welchen sie aufgrund ihrer Bedingung keinen Zugang haben. Diese beiden Dynamiken der Konfrontation k&#246;nnen zu einem gleichen Zeitpunkt koexistieren: Im Dezember 2008 in Griechenland zum Beispiel gab es einerseits die Aufst&#228;ndischen und die Demonstranten mit einer politischen Sprache, andererseits die &#8222;peripheren&#8220; Bev&#246;lkerungen, welche pl&#252;nderten und ihrerseits Konfrontationen suchten. Letztere gingen nicht an die Versammlungen ersterer. Der sogenannte &#8222;arabische Fr&#252;hling&#8220; entwickelte am Anfang grosso modo die gleiche Verbindung zwischen politischen Forderungen und aufst&#228;ndischen Ausbr&#252;chen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Seit einigen Jahrzehnten wird die westliche Jugend von aufst&#228;ndischen und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#252;rde die weltweite Vertiefung der gesellschaftlichen Krise der Dichotomie zwischen Tottenham einerseits und den Emp&#246;rten andererseits ein Ende setzen? Kann eine wachsende Verarmung ohne eine gesellschaftlich bestehende revolution&#228;re Perspektive zu etwas anderem als zu einem weltweiten Bandenkrieg f&#252;hren, der damit, im allgemeinen Kontext der Desakkumulation, die Grundlage der kapitalistischen Herrschaft in den kommenden Krisenzeiten w&#228;re? Werden die zuk&#252;nftigen K&#228;mpfe dem Kapital irgendwann helfen, neue Produktions- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse hervorzubringen? Das alles und mehr erfahren wir in den n&#228;chsten Folgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Sache ist gewiss: Das Kapital wird nie aufgrund der objektiven Gesetze der Wirtschaft mit dem R&#252;cken zur Wand stehen und das Proletariat wird nie mechanisch aufgrund der inneren Widerspr&#252;che des Kapitalismus die Revolution machen. Kapitalistische Antworten auf Krisen gibt es immer. Was es ausmachen wird, dass eine Dynamik der Konfrontation nicht von einer kapitalistischen Umgestaltung integriert und verdaut werden kann, wird nie irgendeine objektive Unm&#246;glichkeit sein, sondern ihre F&#228;higkeit, sich zu weigern, es zu sein, weil etwas anderes gefragt ist. Von einem solchen Prozess sahen wir bisher in der Geschichte nur Pr&#228;missen. Sollte er diese eines Tages &#252;berwinden, wird er, um triumphieren zu k&#246;nnen, f&#228;hig sein m&#252;ssen, alles zu neutralisieren, was das Kapital hinsichtlich Reorganisation der Produktion und der Herrschaft aufbieten kann, um darauf zu antworten &#8211; was bedeutet, dass er die Gesamtheit der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse in der Praxis selbst des Aufstands untergraben muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die alte Arbeiterbewegung, welche inh&#228;rent mit einem heute &#252;berwundenem kapitalistischen Herrschaftsmodell verbunden war, wird nie aus ihren Aschen steigen. Doch sollten Klassenk&#228;mpfe mit einer revolution&#228;ren Tragweite eines Tages wieder aufkommen, so nur als Teil der Hervorbringung von Dynamiken (und einer Sprache), welche eine gemeinsame Perspektive der &#220;berwindung der von den Armen f&#252;r ihre eigenen Interesse gef&#252;hrten K&#228;mpfen kreieren kann &#8211; Dynamiken, welche gleichzeitig &#252;ber den Klassenuniversalimus hinausgehen, welche den Vermittlungen der Zivilgesellschaft und der Politik eigen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein solcher Prozess kann nicht unabh&#228;ngig von der Dynamik des Kapitals ausbrechen, denn letztendlich ist es einzig und allein sie, welche die Daseinsbedingungen der Menschen gestaltet. Dennoch wird er nie das mechanische Produkt derselben sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;AUF DER BASIS DES NEINS&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht so weit. In unserer Periode ist es weniger denn je angemessen, sich vom messianischen Charakter der Perspektive einer &#220;berwindung der Klassengesellschaft erfassen zu lassen (welche h&#228;ufig von einer revolution&#228;ren Theorie vermittelt wird, die wie ein Liebender vom konzeptuellen Jenseits der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse angezogen ist, welche sie zu erfassen sucht). Denn konkret geht es in den K&#228;mpfen nie um die Suche eines Kipp-Punktes zwischen der kapitalistischen Reproduktion und dem &#8222;kommunistischen&#8220; Bruch: Es geht allen voran um das Hier und Jetzt der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse. Und es ist eben genau, weil das Kapital keine autonome Maschine, weil es ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis ist und von den T&#228;tigkeiten der Menschen lebt, dass das Verst&#228;ndnis des Ph&#228;nomens nicht starr, definitiv errungen in den Handb&#252;chern der Kritik der politischen &#214;konomie sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe, wenn sie sich auch als integriert herausstellen, sich auf Forderungen hinsichtlich der Teilung des Kuchens beschr&#228;nken oder eine Klassengewalt ohne jegliche Perspektive der &#220;berwindung entwickeln, erz&#228;hlen uns konstant etwas vom Zustand dieses problematischen Verh&#228;ltnisses, von seiner inh&#228;renten Unf&#228;higkeit, die Menschen in Maschinen zu verwandeln. Nicht mehr als gestern oder heute wird die Dichotomie Kampf als Moment der Reproduktion des Kapitals/Kampf als Riss in den kapitalistischen Verh&#228;ltnissen deutlich auftauchen. Im Verlauf der Momente, wo die gesellschaftliche Ordnung in Krise ist (was zunehmend in jeder Klassenkonfrontation auf dem Spiel steht), entstehen immer Dinge: Es geht nicht darum, zu versuchen, die Hirngespinste oder die theoretischen Konstruktionen, welche den Revolution&#228;ren ohne Revolution eigen sind, dort hinein zu projizieren, sondern darum, ihnen zuzuh&#246;ren, versuchen, ihre Sprache zu verstehen und sie hinsichtlich der allgemeinen Dynamik des Kapitalismus zu analysieren, mit welcher sie notwendigerweise interagieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem sie den allt&#228;glichen Verlauf der Dinge unterbrechen, kreieren die K&#228;mpfe immer die M&#246;glichkeit eines Raumes der Subversion. Die Subversion zeigt in den kapitalistischen Verh&#228;ltnissen, dass sie nicht nur das sind. Es ist die konkrete Organisation, welche in einem Moment des Kampfes entsteht, die Verh&#228;ltnisse der Solidarit&#228;t, welche sich entwickeln, die Erkennung einer gemeinsamen Bedingung und die Ablehnung derselben, die Umkehrung der Gewalt in hierarchischen Verh&#228;ltnissen und auch die Vorstellungskraft, welche auf dieser Grundlage hervorgebracht wird. In diesem Sinn ist es eine enorm wichtige Frage, zu verstehen, was sich genau abspielte in Albanien als die Bev&#246;lkerung den Staat aus ihren St&#228;dten vertrieb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In unserer Epoche, welche kaum geeignet ist f&#252;r kommunistische Eschatologie, sollte man sich, mangels revolution&#228;rer Beben in den K&#228;mpfen, welche man analysieren kann (und sie bei Gelegenheit erleben), statt mit dem Finger auf die Konterrevolution zu zeigen, welche ihr entgegenstehe (und sie bei Gelegenheit zu bek&#228;mpfen), f&#252;r den konfliktreichen Verlauf des Kapitalismus interessieren, f&#252;r die von seiner Reproduktion getragenen Krisen und auch f&#252;r die Revolten, welche er ausl&#246;st und weiterhin ausl&#246;sen wird. Denn wenn auch die gegenw&#228;rtigen Revolten und K&#228;mpfe nie mechanisch eine revolution&#228;re Perspektive hervorbringen werden, so ist es doch nur innerhalb solcher Momente und auf der Grundlage der Praktiken, welche sich darin entfalten, wo diese Perspektive &#8211; vielleicht &#8211; erneut auftauchen k&#246;nnen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;POSTSKRIPTUM BEZ&#220;GLICH DER REVOLUTION&#196;RE OHNE REVOLUTION&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Abbild der Epoche, welche sie hervorbringt, sind die revolution&#228;ren Aktivisten heutzutage auf eine Handvoll von &#8222;Radikalen&#8220; beschr&#228;nkt, welche durch die Reproduktionskrise der westlichen Mittelklassen hervorgebracht werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Diskurs der revolution&#228;ren Aktivisten der Peripherie ist vom (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie sind permanent belauert durch die politische Spezialisierung ihrer Leben und haben nat&#252;rlich &#252;berhaupt keine revolution&#228;re T&#228;tigkeit: Ausser wenn sie sich selbst als universelle revolution&#228;re Subjekte ausarbeiten, sind sie stets mit den wirklichen Problemen konfrontiert, welche die K&#228;mpfe tragen, jene der Verhandlung der Daseinsbedingungen &#8211; und nicht ihrer Beseitigung. Indem man stets die Frage &#8222;der Intervention&#8220; stellt, anerkennt man nur eine &#196;usserlichkeit &#8211; jene der revolution&#228;ren Problematik und, dar&#252;ber hinaus, der selbsternannten revolution&#228;ren Individuen &#8211; in Bezug auf das, was sich in den K&#228;mpfen abspielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, den Aktivisten von einem existentiellen Standpunkt aus eine Moralpredigt zu halten: Absolut betrachtet kann man den Wunsch/Drang, den man haben kann, Teil einer Dynamik des Kampfes, der Antagonismen, der Dinge zu sein, auf der Grundlage dessen, was man um sich herum finden kann und mit anderen, indem man die Mittel anwendet, die man zur Verf&#252;gung hat, nicht kritisieren. Es geht einfach darum, nicht zu glauben, dass die Ausdehnung dieser existentiellen Modalit&#228;ten die Revolution bringen werden und auch nicht, dass es die selbsternannten Revolution&#228;re sein werden, welche die Revolution auf dieser Grundlage machen werden. Das ist kein methodischer Fehler in der Art der Intervention, der Positionierung usw. Es bedeutet einfach, dass &#8222;es nicht das Bewusstsein der Menschen ist, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt&#8220;: Indem sie sich untereinander gruppieren und als gleich betrachten, bringen die kleinen Gruppen selbsternannter Revolution&#228;re notwendigerweise eine &#8222;Radikalit&#228;t&#8220; (des Diskurses und der Aktion) hervor, welche der Stellung eigen ist, die sie selbst in den gegenw&#228;rtigen kapitalistischen Verh&#228;ltnissen einnehmen, und der Identit&#228;t, die sie sich darin eingerichtet haben. Diese Radikalit&#228;t ist nur in der Form des numerischen Wachstums einer Szene ausdehnbar, welche immer gesellschaftlich bestimmt ist, welche logischerweise dazu gebracht ist, &#8222;Politik zu machen&#8220;, d.h. zu rekrutieren, Hierarchieverh&#228;ltnisse hervorzubringen, welche der politischen Spezialisierung eigen sind und aus K&#228;mpfen ein Problem der Selbstreproduktion zu machen. Die Politik, sogar die &#8222;radikale&#8220;, will immer ein Ding andrehen und sie ist nie komplett frei von Erpressung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Es gibt dennoch keine proletarische Authentizit&#228;t, welche man der &#8222;kleinb&#252;rgerlichen&#8220; Revolte entgegenstellen k&#246;nnte. Als solche sind diese Kategorien eher sinnlos: Wer steht von einem Klassenstandpunkt aus, zwischen dem Immigranten, der auf dem Bau schuftet und korrekt verdient, und dem Professorensohn und ehemaligen Studenten, welcher sich irgendwie &#8222;durchschl&#228;gt&#8220;, &#252;ber dem anderen? Schwierig zu sagen. Dennoch bleiben die Verh&#228;ltnisse, welche sie verbinden, Klassenverh&#228;ltnisse, dadurch dass sie durch die Klassengesellschaft vermittelt sind und die Modalit&#228;ten des Zugangs zu Geld, aber auch zu gesellschaftlichem Kapital, das Verh&#228;ltnis zur &#8222;Entscheidung, wie zu leben&#8220;, die kulturelle N&#228;he zu den herrschenden Klassen, die F&#228;higkeit, sich das b&#252;rgerliche Wissen anzueignen, das Verh&#228;ltnis zur Sprache usw. ins Spiel bringen &#8211; ohne von all den gesellschaftlichen Formen der M&#228;nnerherrschaft zu sprechen, die sich immer darin einf&#252;gen. All diese Verh&#228;ltnisse, welche die Grundlage der Ungleichheit zwischen den Menschen bilden, sind auch die Objektivit&#228;t der Klassengesellschaft, welcher man nicht entwischen kann, auch nicht mit dem hartn&#228;ckigsten Voluntarismus.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die intime Trag&#246;die der Revolution&#228;re ohne Revolution dieses Beginns des 21. Jahrhunderts ist es, konstant von Projizierungen zu leben. Man wird dazu gebracht, Hypothesen und (zwangsl&#228;ufig) Hirngespinste ausgehend von der Klassengewalt zu konstruieren, welche unsere Ohren erreicht, ohne je komplett zu erfassen, was jene hervorbringen, welche revoltieren. Wenn man auch wirklich m&#246;chte, dass es so w&#228;re, die Problematiken eines Hittisten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Maghreb ist ein Hittist einer, der &#8222;die Mauer h&#228;lt&#8220;, d.h. ein junger (&#8230;)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; aus Bab el-Oued sind nicht die gleichen, wenn er Steine auf die Bullen wirft, wie jene der selbsternannten Revolution&#228;re der westlichen Metropolen und es ist nicht so, dass der eine Recht hat, der andere nicht. Der Hittist versucht einfach nicht, Teil einer allgemeinen Konzeption der Antagonismen zu sein, welche den Radikalen eigen ist &#8211; denn es ist ihm scheissegal. Die Radikalen versuchen es und wenn sie sich auch daran reiben, so ist es schwierig, diese schreckliche Feststellung lange zu verdr&#228;ngen: Die Armen verhalten sich in der Regel nicht so, wie man es gerne h&#228;tte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe und Revolten entspringen nicht einem Zauberkessel. Ihre Materie besteht nicht aus Tr&#228;umen oder allgemeinen Ideen, sondern aus gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen, welche dort bestehen, wo sie entstehen, und sie befassen sich zwangsl&#228;ufig damit &#8211; die Wahl einer &#8222;Radikalit&#228;t&#8220; ist eine phantasmatische Projizierung und notwendigerweise ausserhalb dessen, was sich in den K&#228;mpfen abspielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die selbsternannten Revolution&#228;re ist es immer ein kompliziertes Problem, die revolution&#228;re Behauptung mit der Wirklichkeit der gegenw&#228;rtigen Klassenverh&#228;ltnisse und -konfrontationen zu konfrontieren. Diese Schwierigkeit beschr&#228;nkt sich &#252;brigens nicht auf die Sph&#228;re des Aktivismus: Sie zeigt sich auch (auf andere Art und Weise) in der Theorie mit revolution&#228;rem Anspruch. Der Punkt des Bruches der Theorie liegt in der Tatsache, dass sie eine T&#228;tigkeit ist, die zum Ziel hat, die Dynamik dessen zu verstehen, was heutzutage das menschliche Leben hervorbringt (das Kapital), dabei jedoch einen Umsturz der Ordnung der Welt projiziert, welche von jenen ausgeht, welche gesellschaftlich beherrscht sind (unsere Freunde, die Proletarier). Doch die F&#228;higkeit der Theorie, mit dem zu interagieren, was letztere hervorbringen, ist gesellschaftlich beschr&#228;nkt: Indem sie eine Sache der Intellektuellen bleibt, ist die Theorie Teil der bestehenden Klassenverh&#228;ltnisse (oder anders gesagt, es sind nicht jene, welche beherrscht sind, welche sich dieser T&#228;tigkeit hingeben). Und das bleibt un&#252;berwindbar, solange die Theorie nicht direkt mit den Erfahrungen der revolution&#228;ren K&#228;mpfe selbst interagiert. Damals, 1848, 1917, 1968 usw., war die Revolution ein laufender Prozess und ihre Theoretisierung war abh&#228;ngig von dem, was an Br&#252;chen in den Konfrontationen hervorgebracht wurde &#8211; die Theoretisierung war damals beteiligt. Ausserhalb dieser Perioden der revolution&#228;ren Agitation hatte die Theorie ihren Sinn als Theorie des Kapitals, doch die Perspektiven, welche sie hinsichtlich der Aufhebung desselben skizzieren will, bleiben theoretisch: Sie sind intellektuelle Projizierungen ausserhalb der bestehenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und sie haben nicht die F&#228;higkeit, den Bestimmungen der Klasse zu entwischen, welche die Theorie als getrennte T&#228;tigkeit hervorbringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der gegenw&#228;rtigen Periode ist die revolution&#228;re Zukunftsforschung nicht mehr als ein lustiges Spiel. Sobald sie zu einer teleologischen Systematisierung wird, welche versucht, die Tatsachen mit heftigen Fusstritten in die vorgefassten Konzeptualisierungen einzugliedern, wird sie zu einer in sich selbst eingeschlossenen T&#228;tigkeit, deren Hauptproblem die Konfrontation von Standpunkten zwischen mehr oder weniger spezialisierten Intellektuellen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das ist kein Grund, damit aufzuh&#246;ren, die Welt zu analysieren, in welcher wir uns herumschleppen, um darin letztendlich eine Logik, eine Koh&#228;renz zu finden &#8211; und eine totale Kritik davon zu machen. Im Gegenteil, man sollte das ernsthaft tun, denn es ist eine ernsthafte Sache. Doch man sollte es auch tun k&#246;nnen, ohne sich allzu ernst zu nehmen, denn es steht nicht mehr das gleiche auf dem Spiel, wie damals, als diese Kritik einer gesellschaftlich bestehenden revolution&#228;ren Bewegung praktische Fragen stellte. Wir &#8222;Revolution&#228;re&#8220; haben kaum die Mittel, es zu sein, und wir sind faktisch in der Klassengesellschaft, in welcher wir leben, alle im wesentlichen etwas anderes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bob&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* Der Begriff &#8222;Trente Glorieuses&#8220; [&#8222;Die dreissig glorreichen Jahre&#8220;] wurde urspr&#252;nglich vom franz&#246;sischen Demographen Jean Fourasti&#233; gepr&#228;gt. Er bezieht sich auf die dreissig Jahre (1946-1975) des wirtschaftlichen Aufschwungs in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=12122&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die von der Marxschen Theorie ausgearbeitete Unterscheidung zwischen formeller und reeller Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit bezieht sich allen voran auf die Modalit&#228;ten der Extraktion des Mehrwerts: Der absolute Mehrwert wird durch die Verl&#228;ngerung der Mehrarbeitszeit produziert, w&#228;hrend der relative Mehrwert durch die ansteigende Produktivit&#228;t der Arbeitskraft produziert wird. Die reelle Herrschaft ist von einer Vorherrschaft des relativen Mehrwerts gepr&#228;gt, welche begleitet wird von einer Umfassung der Reproduktion der Arbeitskraft im kapitalistischen Verh&#228;ltnis. Diese beiden Formen der kapitalistischen Ausbeutung k&#246;nnen koexistieren und sich abwechseln. Durch das Prisma der Subsumtionsweisen kann man auch die Geschichte des Kapitals lesen, welche die Geschichte seiner Krisen und Restrukturierungen ist. Was darin auf dem Spiel steht, sind weniger die Modalit&#228;ten der Extraktion des Mehrwerts, sondern jene der Integration der Proletarier in die kapitalistischen Verh&#228;ltnisse. Die fordistische Periode, welche in Europa mehr oder weniger mit den Trente Glorieuses* zusammenf&#228;llt, ist jener Moment, wo sich die reelle Herrschaft des Kapitals ausbreitet durch die Entwicklung des Massenkonsums, doch auch durch den Triumph der Demokratie, sowohl im Staat wie auch im Unternehmen. Die Restrukturierung hat in den 1970er Jahren begonnen, ist weitergegangen und hat sich in Form der Ausdehnung des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses auf die Gesamtheit der menschlichen T&#228;tigkeit, sowohl Produktion als auch Reproduktion, vertieft, nicht ohne jedoch manchmal zu Formen absoluten Mehrwerts in den Ausbeutungsverh&#228;ltnissen in den peripheren Zonen zur&#252;ckzukommen. Wenn sich also die reelle Herrschaft des Kapitals im Verlauf der letzten Periode vertieft hat, so ist es nicht aufgrund der Extraktionsweise des Mehrwerts, sondern aufgrund der wachsenden Integration der Sph&#228;re der Reproduktion in die kapitalistischen Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Zivilgesellschaft ist diese wirkliche Abstraktion, welche sich zeitgleich mit der kapitalistischen Produktionsweise entwickelt hat und welche die Existenz &#8222;der Gesellschaft&#8220; als eine Gesamtheit von von den Menschen f&#252;r sie selbst hervorgebrachte Verbindungen setzt, welche durch das Recht und seine Instanzen vermittelt wird. Indem sie sich auf die Fiktion des Gesellschaftsvertrages st&#252;tzt, verleiht sie den Individuen eine Mitgliedschaft in dieser Gesellschaft jenseits der bestehenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Die Zivilgesellschaft will Menschen in B&#252;rger verwandeln, die K&#228;mpfe in die Politik integrieren, sie dazu bringen, die Sprache des Rechts und des allgemeinen Interesses zu sprechen und ihnen einen Horizont geben, der &#252;ber die Verweigerung der konkreten gesellschaftlichen Klassenverh&#228;ltnisse, wie sie konkret erlebt werden, hinausgeht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die K&#228;mpfe w&#228;hrend der Periode der Arbeiterbewegung sprach gewiss eine Sprache, die ihr eigen war; viele benutzten ihre revolution&#228;re Syntax nur oberfl&#228;chlich, als Diskurs, welcher dazu diente, K&#228;mpfe f&#252;r die eigenen Interessen gewisser gesellschaftlicher Gruppen zu f&#252;hren. Es wird nie eine Umfrage dazu geben, doch es ist nicht sicher, dass so viele Proletarier, obwohl k&#228;mpfend, eine revolution&#228;re Perspektive hatten. Aber trotzdem.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Februar 1997 f&#252;hrte der Zusammenbruch der Anlagesysteme nach Scheeballprinzip, mit welchen fast die Gesamtheit der politischen Klasse verbunden war, zum Ruin von etlichen Albanern. Demonstrationen verwandeln sich in Ausschreitungen und dann in einen bewaffneten Aufstand nach der Pl&#252;nderung der Kasernen. Ein grosser Teil des Landes (im wesentlichen der S&#252;den) ist nicht mehr vom Staat kontrolliert, ohne dass irgendeine Form der politischen F&#252;hrung des Aufstands auftaucht. Die Ordnung wird schliesslich im April durch eine europ&#228;ische Milit&#228;rintervention wiederhergestellt. [siehe auch: &lt;a href=&#034;https://de.wikipedia.org/wiki/Lotterieaufstand&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Lotterieaufstand&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was hier als &#8222;arm&#8220; verstanden wird, soll nicht in einem Sinne der Versch&#246;nerung des Elends gelesen werden. Wir verstehen darunter gleichzeitig die permanente Konfrontation mit dem Geld als Notwendigkeit und jene mit der Hierarchie der Menschen wie sie die Klassengesellschaft modelliert &#8211; die die Frage des Zugangs zu Geld umfasst und dar&#252;ber hinausgeht. Wir verstehen darunter auch die &#196;usserlichkeit gegen&#252;ber der Zivilgesellschaft: Die Armen sind jene (sei es der Arbeiter in Bangladesch, der malische Sans-Papier in Paris oder der Hittist in Alger oder Clichy-sous-Bois), welche nicht Teil der Produktionsmodalit&#228;ten &#8222;der Gesellschaft&#8220; und ihren Fiktionen hinsichtlich der Verbindungen sind, welche abstrakt die zu B&#252;rger gewordenen Menschen vereinen. Die Kategorie der Armen deckt sich nicht mit jener der Proletarier, widerspricht ihr jedoch auch nicht. Der Unterschied liegt im Niveau der Analyse: Die Proletarier sind durch ihr Verh&#228;ltnis zum Kapital definiert (ein Verh&#228;ltnis, das mit keinem direkten Erlebnis &#252;bereinstimmt), w&#228;hrend es die Armen durch ihre unmittelbare gesellschaftliche Bedingung als Untergebene sind (ein direkt erlebtes Verh&#228;ltnis). Alle Proletarier sind nicht unbedingt arm (einige k&#246;nnen in die Vermittlungen der Zivilgesellschaft integriert werden, vor allem im Westen); wenn wir uns hingegen an die Definition der &#8222;Habenichtse&#8220; halten, sind alle Armen Proletarier. Doch wenn die Armen eine politische Mobilisierung hervorbringen, ist ihre Einheit nie politisch: Sie ist das Resultat des unmittelbaren Teilens einer gesellschaftlichen Bedingung, welches gleichzeitig Teil eines Verh&#228;ltnisses des Antagonismus und der Anerkennung ist und lokal hervorgebracht und reproduziert wird. Wenn die Armen etwas gegen die ihnen auferlegten Bedingungen unternehmen, sind sie potenziell mit dem Zwang konfrontiert, welche sie weiterhin in diese Bedingung zwingt (die Polizei in all ihren Formen); mit den unmittelbaren gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen, aus welchen ihre Armut resultiert (jene, welche sie ausbeuten, die Waren zur Verf&#252;gung haben usw.); aber auch mit den Armen, welche ihnen gegen&#252;berstehen. Sie tun das nicht, weil sie dumm sind, sondern aufgrund gesellschaftlicher Interessen (m&#246;gen sie materiell sein oder nicht), welche mit ihrer gegenw&#228;rtigen Bedingung zusammenh&#228;ngen, und diese Verh&#228;ltnisse sind auch durch das Kapital hervorgebrachte gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse &#8211; sie unterscheiden sich bez&#252;glich ihrer Hervorbringung nicht von der Revolte &#8222;gegen die Unterdr&#252;cker&#8220;. Der Kapitalismus kreiert weniger denn je eine Einheit der Armen &#8211; weniger denn je macht er aus ihnen ein revolution&#228;res Subjekt, das sich daf&#252;r einsetzt, sich der Gesellschaft zu bem&#228;chtigen, um den Umsturz herbeizuf&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was zur kapitalistischen Dynamik der Trente Glorieuses* f&#252;hrte, war im wesentlichen eine bessere Integration der Proletarier in die kapitalistischen Verh&#228;ltnisse und die Ausdehnung der reellen Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit: Obwohl 1936 die bezahlten Ferien eine schmerzhafte Konzession f&#252;r die franz&#246;sischen Bosse war, muss die Sache letztendlich in Bezug auf das Auftauchen des Massenkonsums/der Massenproduktion und der &#214;ffnung neuer M&#228;rkte analysiert werden. Im allgemeinen sind alle &#8222;gesellschaftlichen Errungenschaften&#8220; der fordistischen Periode, obwohl &#8222;hart erk&#228;mpft&#8220;, Teil dieses Prozesses.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Seit einigen Jahrzehnten wird die westliche Jugend von aufst&#228;ndischen und Versammlungsbewegungen mit stark politischem Anstrich durchdrungen und diese scheinen sich manchmal einem gewissen Punkt des Bruches zu n&#228;hern. Man kann den Ursprung des Ph&#228;nomens in der Bewegung von 1977 in Italien ansiedeln und diesen mit der Bewegung gegen den CPE in Frankreich 2006 und den Aufst&#228;nden 2008 in Griechenland verbinden (mit allem, was der dreissigj&#228;hrige Graben dazwischen impliziert). In diesen Bewegungen, welche genauso Revolten sind, ist der Klassendeterminismus der jugendlichen Dimension und der gesellschaftlichen G&#228;rung untergeordnet, welche sie ausl&#246;st. Sie werden als diverse Bewegungen der Verweigerung der Mechanismen der gesellschaftlichen Reproduktion analysiert werden, eine Verweigerung, welche von diversen gesellschaftliche Lebensformen einer Jugend ausgedr&#252;ckt wird, die noch nie in die Notwendigkeit projiziert wurde, ihr eigenes Geh&#228;use zu reproduzieren, sich somit als &#8222;ausgeschlossen&#8220; zeigen und kollektiv &#8222;etwas anderes&#8220; wollen kann. Von einem objektivistischeren Standpunkt aus k&#246;nnte man diese Bewegungen auch als Symptome einer der postfordistischen Gesellschaft eigenen Krise der Integration der Proletarier ins Kapital lesen. Ihre Kraft des Bruches ist h&#228;ufig gross und die Konfrontation mit der Polizei, verbunden mit dem verallgemeinerten Geschw&#228;tz und der Freude &#252;ber eine pl&#246;tzlich konstituierte kollektive Macht, scheint manchmal ein Bild der entstehenden sch&#246;nen Zukunft zu skizzieren. Dennoch ist es stets die gleiche Grenze, welche diese Bewegungen nicht &#252;berwinden k&#246;nnen: Ihre Unf&#228;higkeit, ein Kr&#228;fteverh&#228;ltnis hervorzubringen, welches sich im kapitalistischen Verh&#228;ltnis selbst ausdr&#252;ckt, im Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit. Das ist &#252;berhaupt nicht kontingent: Es ist eine Konsequenz der Restrukturierung und des Endes der gesellschaftlichen Zugeh&#246;rigkeit, welche mit der Arbeit verbunden war, das Leben findet nun ausserhalb der Fabrik statt und es ist auch dort, wo sich die kollektive Verweigerung des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses ausdr&#252;ckt &#8211; obwohl diese Welt immer noch im wesentlichen in der restrukturierten Fabrik produziert wird. Es ist die gegenw&#228;rtige kapitalistische Produktionsweise, welche den &#8222;Ausschluss&#8220; ihrer Jugend hervorbringt (eine Kategorie, die sie in der produktivistischen Euphorie der Trente Glorieuses* selbst kreiert hat) und sie hat es bis jetzt geschafft, die Subversion, welche sich dadurch ausdr&#252;cken kann, auf eine Aff&#228;re der gesellschaftlichen Disziplin zu beschr&#228;nken, welche, obwohl &#252;berhaupt nicht unbedeutend, weit davon entfernt ist, eine verallgemeinerte Krise der Reproduktion des variablen Kapitals darzustellen. Die Bewegung von 1977 in Italien ist, hinsichtlich der Verweigerung der kapitalistischen Welt, die sie ausdr&#252;ckt, der Moment mit dem gr&#246;ssten revolution&#228;ren Potenzial in den 1970er Jahren. Doch wenn der Kampf die Strasse, die Quartiere, die Unis usw. heimsucht, so bedeutet das auch, dass er das Terrain der Fabriken verlassen hat &#8211; und dass die Niederlage gewissermassen vollendet ist: Das italienische Proletariat hat 1977 die F&#228;higkeit verloren, das Herz der Maschine zu blockieren und die Bewegung der Subversion, welche sich daraufhin der Gesellschaft bem&#228;chtigt, bremst keineswegs die kapitalistische Offensive, welche sich parallel entwickelt, um die Ausbeutungsverh&#228;ltnisse zu restrukturieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Diskurs der revolution&#228;ren Aktivisten der Peripherie ist vom &#8222;Sozialismus&#8220; zu demokratischen Forderungen im Stil von &#8222;Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit&#8220; abgeglitten, der Umsturz der gesellschaftlichen Ordnung ist kaum mehr ein Thema.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Maghreb ist ein Hittist einer, der &#8222;die Mauer h&#228;lt&#8220;, d.h. ein junger Arbeitsloser, der herumh&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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