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		<title>Die Wirrungen der Wertkritik auf heiligem Land</title>
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		<dc:subject>Wertkritik</dc:subject>
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&lt;p&gt;Am letzten 12. November teilte der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao eine Nachricht des Kollektivs Golem, die dazu aufrief, sich an seiner Seite zu mobilisieren und am nationalen Marsch gegen Antisemitismus am gleichen Tag teilzunehmen. Gem&#228;ss diesem Kollektiv gehe es darum, sich einer Beteiligung der &#228;usseren Rechten an diesem Marsch entgegenzustellen, diese &#8222;instrumentalisiert den Kampf gegen den Antisemitismus, um ihre Vergangenheit, ihre Sichtweise und ihre (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/dissociation_wertkritik-06e0a.webp?1735440777' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='99' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Am letzten 12. November teilte der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao eine Nachricht des Kollektivs Golem, die dazu aufrief, sich an seiner Seite zu mobilisieren und am nationalen Marsch gegen Antisemitismus am gleichen Tag teilzunehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es handelt sich um den nationalen Marsch am Sonntag 12. November 2023 gegen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gem&#228;ss diesem Kollektiv gehe es darum, sich einer Beteiligung der &#228;usseren Rechten an diesem Marsch entgegenzustellen, diese &#8222;instrumentalisiert den Kampf gegen den Antisemitismus, um ihre Vergangenheit, ihre Sichtweise und ihre antisemitischen, rassistischen und islamophoben Strukturen zu rehabilitieren&#8220;. Am Schluss des Aufrufs des Kollektivs stand folgender Vorschlag: &#8222;Kommt mit uns an den Marsch, um sie [die Faschisten] zu blockieren!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Artikel verurteilt die B&#252;rgschaft der Wertkritik f&#252;r den Marsch am 12. November, doch er hat vor allem zum Ziel, aufzuzeigen, was in der kritischen Werttheorie eine solche Initiative m&#246;glich oder gar unvermeidlich gemacht hat. Nur in einer Konfrontation mit der Wirklichkeit kann eine Theorie ihren Wahrheitsgehalt &#252;berpr&#252;fen und ihre Relevanz unter Beweis stellen. Die Beteiligung der Wertkritik am nationalen Marsch gegen den Antisemitismus hat die Gebrechlichkeit ihrer Radikalit&#228;t und die Leere der emanzipatorischen Anspr&#252;che ihrer Theorie aufgezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Artikel besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Ein erster Teil ist einer Kritik der theoretischen Positionen der Wertkritik sowie ihrer Mobilisierungen gegen den Antisemitismus gewidmet und ein zweiter Teil betrifft die Frage des Zionismus und Israels insoweit, als die antizionistischen Positionsbez&#252;ge von der Wertkritik, aber auch institutionell von den Staatsm&#228;chten im Westen, mit Antisemitismus gleichgesetzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A &#8211; Erster Teil&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon seit Jahren hat die Str&#246;mung der Wertkritik in Frankreich, via ihren Blog Palim-Psao und ihren Verlag Crise &amp; Critique, aus dem Kampf gegen den Antisemitismus eine zentrale Achse ihrer Aktivit&#228;ten gemacht. Neben der eben erw&#228;hnten geteilten Nachricht und den zahlreichen diesem Thema gewidmeten Texten kann man noch eine Veranstaltung zur &#8222;kritischen Theorie des Antisemitismus und des Rassismus&#8220;, die sich mit &#8222;dem Antisemitismus und der Linken&#8220; befasste, sowie einen von den Mitgliedern des RAAR (Aktionsnetzwerk gegen den Antisemitismus und den Rassismus) animierten Workshop zur Einf&#252;hrung in die &#8222;antikapitalistische Kritik des modernen Antisemitismus und der Verschw&#246;rungstheorien&#8220; erw&#228;hnen, beide fanden w&#228;hrend den Sommerlagern 2020 und 2021 der Vereinigung Crise &amp; Critique statt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser Tatsachen stellt sich folgende Frage &#8211; oder sie dr&#228;ngt sich gar auf: Wie kommt es, dass eine Organisation, welche die radikale Kritik der kapitalistischen Gesellschaft zum Ziel hat und die menschliche Emanzipation von der Herrschaft der Waren propagiert, sich mit der diese Mobilisierung organisierenden politischen Klasse an einem Aufruf zu einer Demonstration f&#252;r die Verteidigung der &#8222;Werte der Republik&#8220; und gegen den Antisemitismus beteiligt? Der Graben, der diese beiden Extreme voneinander trennt, ist tats&#228;chlich sehr tief und es scheint mir, aufgrund der Anspr&#252;che der Wertkritik, eine subversive und revolution&#228;re Kritik der kapitalistischen Gesellschaft zu verk&#246;rpern, wesentlich, hier den genauen Sachverhalt zu erl&#228;utern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Der Kontext&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollten zuerst die Zusammenh&#228;nge erkl&#228;rt werden. Die Initianten der Demonstration am 12. November machten bekannt, dass sie die &#8222;Werte der Republik&#8220; verteidigen und pr&#228;ziser durch diese Mobilisierung eine Antwort der Nation auf eine franz&#246;sische Situation geben wollen, die, gem&#228;ss dem Innenministerium, seit dem Beginn der israelischen Bombenangriffe auf den Gazastreifen innerhalb des nationalen Territoriums vermehrt von antisemitischen Akten gepr&#228;gt war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese israelischen Bombenangriffe begannen am Tag nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober gegen das israelische Territorium an der Grenze zum Gazastreifen, w&#228;hrend welchem bewaffnete Aktivisten dieser Organisation (denen sich f&#252;r diese Operation, gem&#228;ss den offiziellen Versionen, andere im Gazastreifen pr&#228;sente Kampffraktionen angeschlossen haben) ungef&#228;hr 1&#8216;200 Personen massakriert, ein Drittel davon Soldaten und Polizisten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;Authorities have identified a total of 274 soldiers ans 859 non-soldiers (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und 240 andere entf&#252;hrt haben, darunter Kinder, Frauen und alte Leute. Einen Monat sp&#228;ter, etwa am 10. November, gaben die UNO, die UNRWA und Human Rights Watch bekannt, dass w&#228;hrend den ununterbrochenen Milit&#228;roperationen Tsahals mehr als 10&#8216;000 Menschen gestorben sind, damit best&#228;tigten sie die vom pal&#228;stinensischen Gesundheitsministerium kommunizierten Zahlen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen f&#252;r Pal&#228;stina-Fl&#252;chtlinge, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit dem Beginn dieser Massenmassaker im Gazastreifen erleben wir nicht nur jeden Tag eine Intensivierung und Ausweitung dieser wahllosen Vergeltungsmassnahmen gegen die Gesamtheit der darin lebenden Bev&#246;lkerung, sondern auch eine Propaganda, die versucht, die israelischen Beh&#246;rden von jeder direkten Verantwortung f&#252;r diese unbeschreiblichen Grausamkeiten reinzuwaschen. Es wurde eine wahrhafte Kampagne der Geschichtsf&#228;lschung aufgegleist, um die wahren Gr&#252;nde dieses Massakers zu vertuschen und uns die Sichtweise eines kleinen Landes, eines martyrisierten Volkes (die Israelis, die Juden), aufzudr&#228;ngen, das keine andere Wahl habe, als sich gegen die Barbarei und den Terrorismus zu wehren, von welchen es an seinen Grenzen bedroht sei. Das war der Sinn und Zweck der Gesamtheit der Positionierungen des politischen Personals in Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten K&#246;nigreich, den USA &#8211; die fleissig von den meisten Medien, einem Rudeljournalismus, verbreitet wurden. In einer gleichen Dynamik wurden jene Positionierungen, welche nicht zu diesem Narrativ &#8222;passten&#8220; und im Gegenteil diese heftige Kampagne pro-israelischer Propaganda verurteilten, als antisemitisch bezeichnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann konnten wir feststellen, dass, als die Informationssperre zu dieser laufenden Schlachterei im Gazastreifen das Ausmass des Grauens der Massaker und Zerst&#246;rungen jeden Tag 24 Stunden am Tag nicht mehr kaschieren konnte und deswegen die Auswirkungen des pro-israelischen Diskurses auf die &#246;ffentliche Meinung abgeschw&#228;cht wurde, &lt;i&gt;die Beschuldigung des Antisemitismus zum zentralen Pfeiler jenes Diskurses geworden ist, welcher versucht, die m&#246;rderischen Handlungen Tsahals zu legitimieren&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der republikanische Marsch gegen den Antisemitismus am 12. November, der von den staatlichen Beh&#246;rden organisiert worden ist, ist ein wesentlicher Teil dieser Dynamik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik kam zu einer anderen Schlussfolgerung und sie konnte im &#220;brigen den Sachverhalt nicht auf diese Art und Weise analysieren, wenn man sie anhand des Inhalts eines 2009 von einem ihrer Schutzpatrone, Robert Kurz, geschriebenen und auch heute noch auf Palim-Psao aufgef&#252;hrten Artikels beurteilt. Der betreffende Artikel, der manchmal als Essay pr&#228;sentiert wird, mit dem Titel &#8222;Die Kinderm&#246;rder von Gaza. Eine Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; f&#252;r die empfindsamen Herzen&#8220; ist urspr&#252;nglich in der deutschen Zeitschrift &lt;i&gt;Exit!&lt;/i&gt; erschienen und der Autor analysiert darin die damalige Situation im Nahen Osten in einem entschieden pro-israelischen Sinne, indem er behauptet, dass der Kampf f&#252;r die menschliche Emanzipation die Verteidigung des Staates Israel zur Voraussetzung habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Inhalt dieses Textes ist zutiefst schockierend und ich werde darauf zur&#252;ckkommen. Aber nicht minder schockierend ist der zynische Ton und sogar der Titel des Artikels: &#8222;Gegossenes Blei&#8220; war n&#228;mlich der Codename f&#252;r die israelische Milit&#228;roperation im Januar 2009 als Antwort auf M&#246;rser- und Raketenbeschuss durch die Hamas vom Gazastreifen aus in Richtung des israelischen Territoriums. Kurz beginnt seinen Artikel folgendermassen: &#8222;Bilder tr&#252;gen nicht, vor allem die Bilder von Kinderleichen. Tote Kinder, verst&#252;mmelte Kinder, ver&#228;ngstigte und weinende Kinder, mit gro&#223;en Augen aus Verbandsbinden in die Kamera starrende Kinder, inmitten einer klagenden Menge getragene kleine S&#228;rge, ihr Leid zum Himmel schreiende M&#252;tter &#8211; dieser &#252;ber die Bildschirme flimmernde Anblick verdichtet sich zu einer ungeheuren Anklage gegen die j&#252;dischen Kinderm&#246;rder von Gaza. Herodes war ein gutm&#252;tiger Kinderfreund dagegen. Die Wahrnehmung des mehrw&#246;chigen Krieges in Gaza zwischen Israel und der Hamas hat sich wie bei keinem fr&#252;heren Konflikt auf diese scharf gestochene Evidenz zusammengezogen: Die Juden sind Kinderm&#246;rder. Das ahnt man seit mehr als tausend Jahren; jetzt ist es vor den Augen der Welt&#246;ffentlichkeit bewiesen. Nicht zuletzt ein bestimmter Teil der Linken wurde von einem &#252;berw&#228;ltigenden Sentiment gegen den kinderm&#246;rderischen Staat Israel ergriffen und mitgerissen, das keinen weiteren Gedanken mehr duldet. Bist du f&#252;r den israelischen Kindermord von Gaza oder dagegen? Na also. Jetzt wei&#223; man, wo die Judenfreunde moralisch stehen [&#8230;] Und fast schon augenzwinkernd wird festgestellt, dass dieses in den Poren der Bev&#246;lkerung von Gaza verschanzte Regime den Krieg der Bilder bereits gewonnen habe.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Text ver&#246;ffentlicht in EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft, Heft 6, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in diesen S&#228;tzen und im Rest des Textes besonders schockierend ist, ist die Tatsache, dass der Autor, indem er zu keinem Zeitpunkt seine Empathie f&#252;r die Opfer des m&#246;rderischen israelischen Eindringens in den Gazastreifen ausdr&#252;ckt, letztendlich die Leichen dieser Kinder genau wie die Hamas instrumentalisiert, wenn letztere sie vor den Kameras vorf&#252;hrt. Dass diese pal&#228;stinensischen Kinder tats&#228;chlich tot sind, gestorben unter den Bomben und durch die wahllosen Sch&#252;sse Tsahals, dass diese Kinder weder Bilder noch abstrakte Konzepte sind und dass nichts und niemand je diese Verluste und dieses unermessliche Leiden wiedergutmachen k&#246;nnen wird, das scheint Kurz in seinem Text nicht zu verstehen. Man weiss es: Durch die gesellschaftliche Negierung oder Verzerrung und Instrumentalisierung der Realit&#228;t und Tiefe des Leidens, welche die Opfer von Gewalt erlitten haben, erleben sie regelm&#228;ssig eine Retraumatisierung. Was Kurz interessiert &#8211; ohne die geringste Anteilnahme oder den geringsten Respekt f&#252;r die Opfer auszudr&#252;cken &#8211;, ist die Verurteilung der Hamas, welche diese Leichen im Krieg der Bilder um die &#246;ffentliche Meinung benutzt. In seiner &#252;berschw&#228;nglichen Verurteilung der Hamas foutiert sich Kurz um den heiligen Charakter dieser toten Kinder und den unendlichen Schmerz der Angeh&#246;rigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist ein unzul&#228;ssiger Fehler und er macht das Lesen des restlichen Textes extrem m&#252;hsam. Ein unzul&#228;ssiger Fehler, der jedoch eben genau angesichts der Positionen dieses radikalen Theoretikers der Wertkritik erkl&#228;rt werden muss. Und das Schl&#252;sselkonzept hier ist offensichtlich der Begriff Antisemitismus und die Bedeutung, die er f&#252;r Kurz und nach ihm f&#252;r die Wertkritik annehmen wird. Machen wir es uns nicht zu einfach und den Fehler, die Wertkritik in ihren &#8222;exoterischen&#8220; und &#8222;esoterischen&#8220; Aspekt zu unterteilen, die man getrennt voneinander analysieren solle. Die Gesamtheit der Aktivit&#228;ten der Wertkritik ist koh&#228;rent und einheitlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Die Position der Wertkritik zum Antisemitismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist leicht zu verstehen, dass f&#252;r die Wertkritik die Frage des Antisemitismus direkt mit ihrer Konzeption der Klassen in der kapitalistischen Gesellschaft verbunden ist (die ber&#252;hmte &#8222;Personalisierung&#8220; der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse), sowie mit ihrer eigenen Konzeption des antikapitalistischen Kampfes &#8211; und die &#8211; man merkt es beim Lesen des immer noch auf dem Blog aufgef&#252;hrten Artikels von Kurz &#8211; auf die Verteidigung der Politik Israels oder aber ihre Teilnahme (freilich &#8222;kritisch&#8220;) an einer Regierungsdemonstration in Frankreich hinauslaufen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Text &#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220; schreibt Cl&#233;ment Homs Folgendes: &#8222;Der verk&#252;rzte Antikapitalismus der Linken ist immer, gestern wie heute, dahingehend potenziell problematisch betreffend Antisemitismus, dass seine Bedeutung oder seine Denkform in ebendiesem antinomischen ph&#228;nomenalen Verh&#228;ltnis der Essenz des Kapitalismus wurzelt (die durch die Arbeit konstituierten gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse &#8211; oder, pr&#228;ziser, wenn wir die Terminologie Postones aufgreifen, konstituiert durch gesellschaftlich vermittelnde Funktion der Arbeit, d.h. des &#8218;abstrakten Aspekts der Arbeit&#8216;, wie es Marx formuliert). Dieser fetischisierte Antikapitalismus setzt das ph&#228;nomenal Abstrakte der Essenz des Kapitalismus mit dem Geld, der Macht des Geldes, seinen Institutionen (Banken, Steuerparadiesen usw.) und Tr&#228;gern (den gemeinen Spekulanten, den Tradern, den &#8218;Banksters&#8216; usw.) gleich und diese Dimension wird als &#8218;kapitalistisch&#8216; betrachtet; w&#228;hrend das ph&#228;nomenal Konkrete (die Arbeit, der Arbeiter mit den schwieligen H&#228;nden, die Industrie, die Maschinen, der Taylorismus &#8211; bei Lenin oder Gramsci z.B. &#8211; usw.) der Essenz des Kapitalismus f&#252;r den verk&#252;rzten Antikapitalismus der Linken (und nicht nur f&#252;r den traditionellen Marxismus) als &#8218;ausserhalb des Kapitalismus&#8216; erscheint, d.h. als nat&#252;rlich, ontologisch, &#8218;menschlich&#8216;, transhistorisch; ein Konkretes, das positiv gutgeheissen werden muss gegen&#252;ber dem ph&#228;nomenal Abstrakten. Diese verk&#252;rzte Kritik des Kapitalismus, die ihren Fokus auf das Geld (das Abstrakte) richtet, wird schnell, ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, die Finanz (als das fiktive Kapital seine erste historische Rolle als &#8218;Anhang&#8216; und dann als &#8218;Z&#252;ndungsmotor&#8216; einer sich selbst unterhaltenden Akkumulation zu spielen beginnt) zu ihrem Gegenstand machen und kann von da an einen gemeinsamen Sockel mit dem verk&#252;rzten antikapitalistischen Denken von rechts oder &#8218;weder rechts noch links&#8216; teilen (denn die fetischistische Sichtweise ist &#252;bergreifend und betrifft alle Klassen und politischen Positionen, als ob sie ein einziges Individuum w&#228;ren) und die Br&#252;cken und Bindeglieder &#8218;gegen die Finanz&#8216; (die Formel &#8218;Mein Feind ist die Finanz!&#8216; war immer eine typische Aussage der fetischistischen Sichtweise, sie l&#246;st notwendigerweise ab und an den Enthusiasmus des verk&#252;rzten Antikapitalismus der Linken aus) in den Diskursen und Handlungen sind zu jedem gegebenen Zeitpunkt m&#246;glich, sobald die durch den inneren Selbstwiderspruch des Kapitalismus determinierte Krise an der Oberfl&#228;che sichtbar wird. Diese auf das Geld, die Finanz, die Spekulation und die Megabanken (den &#8218;Kasino-Kapitalismus&#8216;, der losgel&#246;st sei von der &#8218;Realwirtschaft&#8216;: noch ein Gegensatz zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten; eine Antinomie, die man auch nach der Krise 2008 bei jenen &#8211; Larrouturou, Jorion, den best&#252;rzten Wirtschaftswissenschaftlern usw., welche, indem sie sie voneinander trennen, die &#8218;Depotbanken&#8216; &#8211; das Konkrete &#8211; und die &#8218;Handelsbanken&#8216; &#8211; das Abstrakte, einander entgegensetzen wollen, wiederfindet) fokussierte Kritik, wird immer potenziell bereit dazu sein, ihren Gegenstand in der Form des Juden zu biologisieren, indem der Kapitalismus zum Finanzjudentum wird. Das droht auch jeder potenziellen linken wie rechten Opposition gegen die Pr&#228;sidentschaft Macrons, die sich nicht im Klaren &#252;ber die Verh&#228;ltnisse ist und der es an einer konsequenten und reell revolution&#228;ren Kritik des Kapitalismus mangelt, eine Kritik, die eine Denkform &#8211; und somit eine Praxis &#8211; &#252;berwinden kann, die in der ph&#228;nomenalen Antimonie zwischen dem Konkreten und dem Abstrakten gefangen ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Cl&#233;ment Homs, &#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220;, 2017.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Roswitha Scholz, eine andere theoretische Schutzpatronin der Wertkritik, ist nicht minder explizit: &#8222;Heute wird wieder nach Schuldigen gesucht. Ein (Vulg&#228;r-)Marxismus der Personalisierungen macht sich breit, wobei die Kapitalisten, Spekulanten und Investoren das Feindbild sind, was freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roswitha Scholz, &#8222;Editorial, offener Brief und Spendenaufruf&#8220; in EXIT! Krise (&#8230;)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unterstreichen wir sogleich, dass, w&#228;hrend Cl&#233;ment Homs von einem verk&#252;rzten Antikapitalismus spricht, der &lt;i&gt;potenziell&lt;/i&gt; (das Adverb wird im Auszug dreimal wiederholt) problematisch sei betreffend Antisemitismus, Roswitha Scholz ihrerseits von einem Marxismus der Personalisierungen spricht, der &#8222;freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet&#8220;. In Anbetracht der Gesamtheit der Texte zum Thema handelt es sich sehr wohl f&#252;r die Wertkritik um eine &lt;i&gt;systemische Gefahr&lt;/i&gt;, die unsere Emanzipation vom Kapital bedrohe. Wir haben hier also ein erstes Element (der strukturell mit den antikapitalistischen K&#228;mpfen verbundene Antisemitismus), der ihren Aufruf zur Teilnahme am republikanischen Marsch gegen den Antisemitismus am vergangenen 12. November erkl&#228;rt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Um hier vollst&#228;ndig klar zu sein, der Administrator der franz&#246;sischsprachigen&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wie ich es sp&#228;ter im Text darlegen werde, stellt jeder Vorschlag f&#252;r einen antikapitalistischen Kampf, der die Personalisierungen des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses verweigert, eine Antinomie dar: Das Kapital ist eine gesellschaftliche Beziehung, ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist &#252;brigens ziemlich komisch, feststellen zu m&#252;ssen, dass die Wertkritik, die sich Artikel f&#252;r Artikel &#252;ber die Personalisierungen der &#8222;orthodoxen Marxisten&#8220; enerviert, sie beschuldigt, sich einer vulg&#228;ren &#8222;verk&#252;rzten&#8220; Kritik des Kapitalismus hinzugeben &#8211; scheinbar pl&#246;tzlich &#8222;die Antisemiten&#8220; als grosse, uns den Weg in Richtung Emanzipation versperrende Bedrohung identifiziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich h&#228;tte es keinen Sinn, zu argumentieren zu versuchen, dass es auf dieser Welt keine Antisemiten gebe, die sich auf einen (vulg&#228;ren oder auch nicht vulg&#228;ren) Antikapitalismus und/oder Marxismus berufen. Aber insoweit, als die obigen Zitate von einer politischen Str&#246;mung ausgehen, die sich auf die radikale marxistische Kritik beruft, ist es sehr wohl sinnvoll, jene Gedankeng&#228;nge zu untersuchen, welche die Wertkritik dazu bringen, jeglichen Kampf gegen die Klasse, welche die Interessen der kapitalistischen Klasse verk&#246;rpert (oder &#8211; als gesellschaftliche Klasse &#8211; &#8222;personifiziert&#8220;), die b&#252;rgerliche Klasse also, mit Antisemitismus gleichzusetzen. Denn genau darum geht es: Entweder teilt man die Positionen der Wertkritik hinsichtlich ihres &#8222;radikalen&#8220; und vermeintlich emanzipatorischen Antikapitalismus oder man ist zwingend, strukturell, potenziell (!?) ein Antisemit! Wir haben es hier mit einer Logik zu tun, die in allen Punkten jener &#228;hnelt, welche alle Kritiken und K&#228;mpfe gegen die kolonialistische Politik des hebr&#228;ischen Staates in Pal&#228;stina mit Antisemitismus gleichsetzt. Es gibt eine offensichtliche Kontinuit&#228;t zwischen diesen Gedankeng&#228;ngen und den von Robert Kurz in seinem Artikel verteidigten Positionierungen. Dieser Gedankengang kann mit folgender Anordnung zusammengefasst werden: Wer den Standpunkt und die Vorgehensweise der Wertkritik hinsichtlich ihrer vermeintlich radikalen kategorialen Kritik des Kapitalismus nicht teilt, ist strukturell ein ver&#228;chtlicher Antisemit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt mehrere konvergierende konstitutive Elemente des patrimonialen Fundus der Wertkritik, die dazu f&#252;hren, dass sie unf&#228;hig ist, den Antisemitismus und seine Instrumentalisierung kritisch zu betrachten, ein kritischer Blick, der sehr wohl notwendig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein erstes Element diesbez&#252;glich ist die Tatsache, dass f&#252;r die Wertkritik die Frage der politischen Macht global ungedacht bleibt. Das ist ein Resultat ihrer Ablehnung und Nichtanerkennung der Klassenverh&#228;ltnisse als konstitutives und determinierendes Element im kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis. Oder eher, die Wertkritik anerkennt bis zu einem gewissen Grad die Existenz der Klassen, doch sie ist unf&#228;hig, sie anders als mit einer sozialdemokratischen Brille zu betrachten und zu analysieren, d.h. von einem rein wirtschaftlichen und soziologischen und somit politischen Standpunkt aus. Ein politischer Standpunkt im Sinne einer Erhaltung der alten Welt (die historische Rolle der Sozialdemokratie) mithilfe der Politik in totalem Gegensatz zu jeglicher radikalen und subversiven Perspektive. Historisch bestand das sozialdemokratische Projekt immer darin, in Richtung einer harmonischen Integration der Ausgebeuteten in die Gesellschaft zu handeln, was unter den Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutung eine total antinomische Widersinnigkeit darstellt!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Die Position der Wertkritik zu den Klassen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Besonderheit der Wertkritik besteht in dem &#8211; und hier beziehe ich mich auf das, was sie systematisch in all ihren Positionsbez&#252;gen zeigt &#8211;, was sie als Bruch mit dem &#8222;dogmatischen Marxismus&#8220;, dem &#8222;Marxismus der Arbeiterbewegung&#8220; oder dem &#8222;traditionellen Marxismus&#8220; betrachtet, n&#228;mlich ihrem Bestehen auf die Notwendigkeit einer Kritik der &#8222;kategorialen gesellschaftlichen Formen&#8220;, der gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus wie die Kategorien Arbeit, Geld, Wert und Ware. Die Wertkritik behauptet, dass dieser f&#252;r sich in Anspruch genommene Ansatz jenem Teil des Marxschen Werks entspreche, welche sie &#8222;den esoterischen Marx&#8220; nennt, im Gegensatz zu einem &#8222;exoterischen Marx&#8220;, der zum dogmatischen Marxismus geh&#246;re und worauf sich dieser beziehe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem im Januar 2016 ver&#246;ffentlichten Interview erkl&#228;rt Cl&#233;ment Homs: &#8222;Man kann den Kapitalismus nach 1980 nicht mehr beschreiben, indem man die ph&#228;nomenalen Formen jener Konfiguration benutzt, welche der Kapitalismus zur Zeit des selbstunterhaltenen Akkumulationsregime der Wertproduktion durch die Ausbeutung der lebendigen Arbeit annahm. &lt;i&gt;Eine Welt, in welcher das Proletariat und seine Ausbeutung in den fordistischen Fabriken eine zentrale Stellung einnahmen&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen]. Hinsichtlich dieses Punktes erh&#228;lt die methodologische Unterscheidung zwischen dem &#8218;esoterischen&#8216; und dem &#8218;exoterischen&#8216; Marx all ihre Bedeutung. H&#228;ufig liegt hier eine Quelle des Unverst&#228;ndnisses f&#252;r die Wertkritik, wenn man glaubt, sie spreche nicht mehr von Ausbeutung. Nat&#252;rlich gibt es im &#8218;umgekehrten Kapitalismus&#8216; immer noch die Ausbeutung der Mehrarbeit und somit immer noch Klassenk&#228;mpfe, doch man kann aufzeigen, dass diese Massenarbeit in China, Indien, Brasilien usw. keineswegs &lt;i&gt;eine derart hohe Quantit&#228;t an Wert und Mehrwert&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen] repr&#228;sentiert, wie gewisse traditionelle Marxisten glauben m&#246;chten. Strukturell hat das neue Ausbeutungsregime ab den 1980er Jahren &#252;berhaupt keinen selbstunterhaltenden Charakter mehr, &lt;i&gt;die immer noch bestehende Ausbeutung i&lt;/i&gt;&lt;i&gt;st&lt;/i&gt;&lt;i&gt; nicht mehr der zentrale strukturelle Punkt des neuen Akkumulationsregimes&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im ersten Teil dieses gleichen Interviews&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font (&#8230;)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, das im Mai 2015 erschienen ist, behauptet Cl&#233;ment Homs zudem: &#8222;Der Fetischismus beruht auf einer reellen Umkehrung (und nicht einer einfachen Mystifizierung) des Konkreten und Abstrakten, in jenem Sinne, dass in der kapitalistischen Gesellschaft alles Konkrete (und die Klassen) zur von der Realit&#228;t gewordenen Abstraktion abgeleiteten ph&#228;nomenalen Form wird (Realabstraktionen). Genau in diesem Sinne sprach Marx vom Kapital als &#8218;automatisches Subjekt&#8216; und qualifizierte den Kapitalismus als historische Form des Fetischismus. Eine gesellschaftliche Welt, in welcher die Menschen nicht den Produktionsprozess beherrschen, sondern von ihm beherrscht sind. Noch bevor der Kapitalismus eine Klassengesellschaft ist, ist er in seinem Kern eine Gesellschaft, in welcher die modernen Subjekte reell von ihren eigenen gesellschaftlichen Beziehungen beherrscht werden, statt dass sie sie bewusst organisieren. Die profitierende&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein bisschen vorher in diesem gleichen Interview behauptet Cl&#233;ment Homs, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und nicht die &#8218;herrschende&#8216; Klasse (nehmen wir uns in acht vor den &#228;usseren Erscheinungen) war immer nur die funktionale Elite eines solchen fetischistischen kapitalistischen Systems (die &#8218;Beamten&#8216; des Kapitals, wie es Marx formuliert) in jenem Sinne, dass die kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse f&#252;r diese b&#252;rgerliche Klasse nicht transparenter, selbstbestimmter oder bewusster sind als f&#252;r die von der Ausbeutung der Mehrarbeit zerriebene Klasse &#8211; daf&#252;r war das traditionelle marxistische Verst&#228;ndnis des Fetischismus immer blind. Die an der Oberfl&#228;che durch den Staat und das Lohnverh&#228;ltnis vermittelte &#8218;Klassenherrschaft&#8216; existiert sehr wohl in der kapitalistischen Gesellschaft und sie ist sehr greifbar, doch sie ist eine beherrschte Herrschaft, die nicht ihre eigene Grundlage ist, in jenem Sinne, dass sie nur innerhalb der viel umfassenderen, pr&#228;gnanteren und unbewussteren anonymen und unpers&#246;nlichen Herrschaftsstruktur existiert, des Fetischismus. Die staatlichen Strukturen sind kein &#228;usserer Punkt gegen&#252;ber der fetischistischen Konstitution, von welcher ausgehend die kapitalistische Gesellschaft &#8218;gesteuert&#8216; w&#252;rde. Der Staat ist die ph&#228;nomenale institutionelle Form, welche die Sph&#228;re des Politischen in einer modernen, durch das dialektische Verh&#228;ltnis der Wertabspaltung konstituierten Gesellschaft annimmt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik schreibt sich also selbst einen kritischen, radikalen und kategorialen Ansatz dieser Schl&#252;sselkonzepte wie Wert, abstrakte Arbeit, Geld, Ware usw. zu&#8230; Mein eigener Anspruch in diesem Text ist es, zu argumentieren, dass die Kritiken der Wertkritik des Werts, der abstrakten Arbeit, der Ware &#252;berhaupt keine radikalen kritischen Beitr&#228;ge im Hinblick auf die Emanzipation der Menschheit vom Joch der uns beherrschenden Abstraktionen darstellen. Sie sind es nicht und k&#246;nnen es nicht sein. Die Wertkritik bleibt in ihren vermeintlich kategorialen Kritiken in einem &#246;konomistischen Ansatz und einer auf den Westen zentrierten Sichtweise gefangen. Ein solche auf den Westen zentrierte Sichtweise l&#228;sst erkennen (und ist gewissermassen der Beleg daf&#252;r), dass die von der Wertkritik definierten Schl&#252;sselkonzepte in der b&#252;rgerlichen politischen &#214;konomie verfangen bleiben. Gewiss, sie besteht bereitwillig auf der Notwendigkeit, das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als &#8222;totale soziale Tatsache&#8220; zu betrachten. Doch das bedeutet &#8211; und muss bedeuten, falls die Worte noch einen Sinn haben &#8211;, dass dieses totale kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis eine Realit&#228;t abdeckt, die sich nicht nur in allen Aspekten unserer Leben ausdr&#252;ckt, sondern die auch die Lebens- und &#220;berlebensbedingungen der Gesamtheit der Bev&#246;lkerungen des Planeten determiniert. &#220;berall auf der Erde durchdringt die Herrschaft des Werts, die Warenherrschaft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Und hier denken wir nat&#252;rlich an die weltweite Herrschaft dieser K&#246;nigin (&#8230;)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; jedes Qu&#228;ntchen und alle Facetten unserer Existenzen, unter all ihren Gesichtspunkten, physisch-biologisch, &#246;konomisch, psychisch, zwischenmenschlich, kulturell, symbolisch, spirituell&#8230; Es muss die Frage aufgeworfen werden, was diese &#8222;totale soziale Tatsache&#8220; f&#252;r die Wertkritik bedeutet und wie sie den Gebrauch dieses Begriffs rechtfertigt, wenn sie systematisch immer von den gleichen kapitalistischen L&#228;ndern spricht, jenen &#8222;des Zentrums&#8220; und jenen &#8222;der Peripherie&#8220;, wo die &#8222;Barbarei der Kriege und Hungersn&#246;te&#8220; die Bev&#246;lkerungen heimsuche! Bei der Wertkritik wird ein totalisierendes Verst&#228;ndnis der Wirklichkeit des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, des Kapitals als &#8222;totale soziale Tatsache&#8220;, stets durch ihre auf den Westen zentrierte Pr&#228;sentation des Kapitals widerlegt: Ihre Erfassung des Besonderen verweist nicht auf die Totalit&#228;t, sondern ersetzt sie! Die Wertkritik konzipiert das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als eines, dessen schlagendes Herz im Westen sei, w&#228;hrend man sich sonst &#252;berall in &#8222;der Peripherie&#8220; des Kapitals bef&#228;nde. Ihre Bezugspunkte befinden sich systematisch in der &#8222;entwickelten&#8220; Welt (das sind ihre eigenen Begriffe, manchmal mit, manchmal ohne Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen) und ihre Analysen konzentrieren sich haupts&#228;chlich auf die Regionen, wo man gigantische Akkumulationen von Reicht&#252;mern und Waren erkennen kann. &#220;berall sonst, in &#8222;den Peripherien&#8220;, gebe es nur &#8222;Unterentwicklung&#8220;, oder &#8211; um einen bei der Wertkritik beliebten Begriff aufzugreifen &#8211; &#8222;nachholende Modernisierungen&#8220;, wie man es in diesem Auszug lesen kann: &#8222;Die L&#228;nder der kapitalistischen Peripherie (im Osten und S&#252;den des kapitalistischen Westens, d.h. in der sowjetischen Zweiten und der Dritten Welt) versuchen jene dem Kapitalismus interne Diskrepanz wieder aufzuholen, welche durch seine eigene Entwicklung entstanden ist. Die &#8218;nachholende Modernisierung&#8216;, welche der Osten und die Dritte Welt im Verlauf des 20. Jahrhunderts erstrebten, ist also f&#252;r die westlichen kapitalistischen Zentren bloss ihre eigene Vergangenheit. Es ist ein Ph&#228;nomen, das es den Peripherien des Kapitalismus erlaubt, in den globalen Horizont des Kapitalismus einzutreten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Modernisation de rattrapage. Capitalisme d'Etat, &#8218;socialisme r&#233;ellement (&#8230;)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn es den Anh&#228;ngern der Wertkritik nicht gefallen mag, der Begriff &#8222;Dritte Welt&#8220; geh&#246;rt vollst&#228;ndig den b&#252;rgerlichen Ideologen und &#214;konomen, und offensichtlich hielten sie es nicht f&#252;r n&#252;tzlich, den Begriff einer radikalen kategorialen Kritik zu unterziehen. Die kritischen Konzepte der Wertkritik haben hier viel mehr mit Samir Amin und seinen Wirrungen &#252;ber &#8222;die unterentwickelte Peripherie&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Verweis auf das Buch von Samir Amin, Die ungleiche Entwicklung. Essay &#252;ber (&#8230;)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; als mit Karl Marx zu tun!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich will hier nat&#252;rlich nicht behaupten, dass es keine Diskrepanzen oder Unterschiede in der Art und Weise gebe, wie sich der Kapitalismus in jeder besonderen geographischen Zone manifestiert. Aber was ich hier entschieden unterstreichen will, ist die Tatsache, dass diese verschiedenen Manifestierungen, diese unterschiedlichen Konkretisierungen, durch welche sich der Wert &#252;berall auf dem Planeten durchsetzt und der ganzen Menschheit auferlegt, eben gerade den Ausdruck des Inbegriffs des Werts und der Herrschaft seiner Gesetze selbst darstellt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich m&#246;chte ich das aufschlussreiche und st&#246;rende Buch von Joseph (&#8230;)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Zusammenhang von Entwicklungsunterschieden (bez&#252;glich der Entwicklung wovon, eine kapitalistische Entwicklung, eine zivilisatorische Entwicklung?) zu sprechen, bedeutet nichts anderes als ein untragbares Zugest&#228;ndnis an die politische &#214;konomie. Man r&#228;soniert also bereitwillig in Begriffen des Tauschwerts, in &lt;i&gt;Mengenbegriffen&lt;/i&gt; des Werts, statt ganz einfach in jenen des Werts, des Werts ohne Zusatz, in Begriffen der Wirtschaftswissenschaften, statt in Konzepten, welche diese b&#252;rgerliche Wissenschaft subvertieren. Das l&#228;uft somit auf eine Apologie des Kapitalismus und auf eine Hervorhebung als universell eines besonderen europ&#228;isch-westlichen Standpunkts hinaus, mit allen analytischen Verzerrungen, die sich zwingend daraus ergeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allzu oft beschr&#228;nken sich die Kritiken der kapitalistischen Gesellschaft darauf, eine Verwertungsbewegung des Kapitals (der Kapitale) zu analysieren, w&#228;hrend die Entwertungsbewegung aussen vor gelassen wird oder ein Schattendasein fristet, um nur erw&#228;hnt zu werden, wenn &#8222;das Kapital in eine Krise eintritt&#8220; oder es &#8222;auf seine innere Grenze st&#246;sst&#8220; (Formel der Wertkritik). Eine solche Sichtweise, in welcher das Kapital nur mit einem vermeintlich &#8222;positiven&#8220; Pol gleichgesetzt wird, st&#246;sst leicht auf Zustimmung bei den meisten &#214;konomen, die sich dann anstrengen, Gegenmittel gegen diese Krise zu finden, die sie als &#8222;Wirtschafts-&#8220; oder aber &#8222;Banken-&#8220; oder &#8222;Finanzkrise&#8220; bezeichnen werden. Gem&#228;ss dieser Konzeption wird der Kapitalismus als Synonym f&#252;r die Akkumulation von Reicht&#252;mern (das, was die kapitalistische Gesellschaft als Reicht&#252;mer versteht, d.h. eine immer gr&#246;sser werdende Akkumulation von Warenwerten) verstanden und pr&#228;sentiert. Und dort, wo eine solche Akkumulation von Waren nicht existiert, wo Armut und Trostlosigkeit vorherrschen, behauptet diese Sichtweise, das seien nur ausserkapitalistische Regionen, die ausserhalb der Entwicklung des Kapitals situiert seien. Eine solche Konzeption &#252;bernimmt die Version der Apologeten des Kapitals, d.h. schlussendlich &lt;i&gt;die Repr&#228;sentation des Kapitals von sich selbst&lt;/i&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Armut und Trostlosigkeit sind nicht &#8222;Auswirkungen&#8220; oder &#228;ussere Konsequenzen der kapitalistischen Entwicklung, sondern stellen das Wesen dieser Entwicklung selbst dar, genau wie die immer gr&#246;sser werdende Akkumulation von Waren/Werten. Armut und Trostlosigkeit sind der Inbegriff der totalit&#228;ren Herrschaft des Werts, genau wie Reichtum und &#220;berfluss. Diese Dyaden, diese gepaarten Elemente (Reichtum/Armut, &#220;berfluss/Trostlosigkeit) dr&#252;cken die planetare Herrschaft des Wertgesetzes &#252;ber unsere Leben aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also wesentlich, &#8222;die Zw&#228;nge des Werts&#8220; als eine permanente doppelte Bewegung zu verstehen, d.h. eine Bewegung der Verwertung &lt;i&gt;und gleichzeitig&lt;/i&gt; eine Bewegung der Entwertung. Anders formuliert, handelt es sich um ein und dieselbe Bewegung der Verwertung/Entwertung. Sie k&#246;nnen nicht anders als in ihrer Verschr&#228;nkung zusammen funktionieren und existieren. Das Wertgesetz impliziert eine Entwertung, die mit der Verwertung der kapitalistischen G&#252;ter einhergeht: Jede neue kapitalistische Investition mit dem Ziel einer Produktivit&#228;tssteigerung in einem Sektor der Produktion f&#252;hrt strukturell zu einer kapitalistischen Entwertung der G&#252;ter der Konkurrenten in diesem gleichen Sektor, wo eine solche Steigerung nicht stattfindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nur dann Gesetze, die der &#246;konomischen Sph&#228;re eigen sind, suchen und finden, wenn man diese Sph&#228;re als getrennt vom gesellschaftlichen Leben betrachtet. Doch der Kapitalismus ist dieses gesellschaftliche Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist offensichtlich, dass f&#252;r die Wertkritik in den von uns reproduzierten Zitaten (&#8222;Les vases vides&#8230;&#8220;), sowie in der Gesamtheit ihrer Texte&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. sich das Proletariat in den Fabriken, Werkst&#228;tten und B&#252;ros befindet (siehe &#8222;die Welt vor 1980, &lt;i&gt;in welcher das Proletariat und seine Ausbeutung in den fordistischen Fabriken eine zentrale Stellung einnahmen&lt;/i&gt;&#8220;);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. die Ausbeutung der Proletarier w&#228;hrend ihrer Arbeitszeit geschieht;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. &#8222;die Klassenk&#228;mpfe&#8220; sich aus der Ausbeutung der Mehrarbeit ergeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Sichtweise, wie wir sie auf gleiche Art und Weise sowohl bei den &#214;konomen als auch bei den Gewerkschaftern wiederfinden, &#252;brigens nicht zwingend bei den &#8222;marxistischen&#8220;! Diese Konzeptionen sind die Grundlage allen historischen sozialdemokratischen Reformismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine etwas gr&#252;ndlichere Lekt&#252;re der Texte der Wertkritik erlaubt es dar&#252;ber hinaus und einfach, festzustellen, dass f&#252;r die Wertkritik letztendlich&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4. das Kapital sich durch eine endlose Akkumulation von Reicht&#252;mern definiert (bis zum Moment, wo es auf seine &#8222;innere Grenze&#8220; trifft);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;5. der Klassenkampf und die K&#228;mpfe des Proletariats im Besonderen sich seit den Anf&#228;ngen des Kapitalismus um die Verteilung der produzierten Reicht&#252;mer drehten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Robert Kurz, Ernst Lohoff, &#8222;Der Klassenkampf-Fetisch. Thesen zur (&#8230;)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die ber&#252;hmte linke Losung (gem&#228;ss der Wertkritik) &#8222;von den Reichen nehmen, um es den Armen zu geben&#8220; und der ber&#252;hmte &#8222;Kampf um die Aufteilung der Kuchenteile&#8220;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6. es keinen Grund gibt, einen anderen Inhalt der K&#228;mpfe des globalen Proletariats wahrzunehmen oder einfach nur zu suchen, als den im Punkt 5 erw&#228;hnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;7. Was die Wertkritik vorschl&#228;gt &#8211; hier gebe ich auf. Ich k&#246;nnte nicht sagen, was die Wertkritik als Perspektive vorschl&#228;gt, um gegen das Reich einer &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220; zu k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wertgesetz (Verwertung/Entwertung) wirkt weltweit und unterwirft die gesamte Menschheit seinen Zw&#228;ngen. Die Schriften der Wertkritik und die konzeptuellen Objekte, mit denen sie von Artikel zu Artikel herumhantiert, zeigen zur Gen&#252;ge, dass sie die tiefe Grundbedeutung dieses Gesetzes nicht versteht. Und sie kann diese Bedeutung schlichtweg nicht verstehen, solange sie nicht die von ihr verteidigte dogmatische Position hinsichtlich der Realit&#228;t der Klasse in der kapitalistischen Gesellschaft verwirft. Wie kann man die Herrschaft des Werts konzipieren, ohne anzuerkennen, dass diese Herrschaft, welche die gesamte Menschheit unterwirft, die Ausbeutung eines globalen Proletariats durch eine &#8211; ebenfalls globale &#8211; b&#252;rgerliche Klasse erfordert und dass die eigenen Interessen und die eigene Sichtweise der Wirklichkeit letzterer objektiv Punkt f&#252;r Punkt der Verteidigung der Interessen des Kapitals entsprechen? Die Existenz einer reellen Gemeinschaft von Interessen, welche die verschiedenen b&#252;rgerlichen Fraktionen &#252;ber die Grenzen und ihren besonderen konkurrierenden Interessen hinweg vereint, erlaubt es, diese b&#252;rgerliche Klasse auf weltweiter Ebene zu konzipieren, als eine globale Klasse. Das beweist die Ung&#252;ltigkeit jeglicher auf die Dritte Welt bezogene Analyse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik hebt Artikel f&#252;r Artikel ausdr&#252;cklich hervor, dass die Ausbeutungs- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse unter dem Kapitalismus nur einfache &#8222;Funktionen des globalen gesellschaftlichen Fetischverh&#228;ltnisses&#8220; sind. Und sie f&#252;gt hinzu, dass die &#8222;orthodoxen&#8220; Marxisten, da sie diese Behauptung nicht anerkennen, unweigerlich den Fehler begehen, diese Verh&#228;ltnisse als subjektive Verh&#228;ltnisse des Willens zu betrachten! Und daher komme ihre Neigung, &#8222;strukturell&#8220; in den Antisemitismus abzugleiten! Mit ihrem Begriff der &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220;, den die Wertkritik klar als ein absolutes Verh&#228;ltnis der Unterordnung der &#8222;profitierende[n] und nicht d[er] &#8218;herrschende[n]&#8216; Klasse (nehmen wir uns in acht vor den &#228;usseren Erscheinungen)&#8220; unter das Diktat des Werts und des strukturellen Fetischismus pr&#228;sentiert, ist sie absolut unf&#228;hig, die systematischen Massaker und Einsperrungen all jener und jenen zu erkl&#228;ren, welche gegen die Ausbeutung und die Unterdr&#252;ckung k&#228;mpfen, ausser indem sie diese Fragen kleinredet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann hier an diese Episode, ein Beispiel unter hunderttausend anderen, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So ist ihre Formulierung, dass &#8222;die Einf&#252;hrung einer radikal neuen gesellschaftlichen Lebensform &#8211; [was] nicht ohne Abrechnungen und einen Widerstand mit Waffengewalt gegen die profitierende Klasse (unser alter Feind, die Bourgeoisie) geschehen kann&#8220; ein Archivst&#252;ck (siehe FN 10). Ach ja, und dann gibt es da noch diese Bezugnahme auf eine &#8222;rassistische portugiesische Abwartin&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich finde den Verweis auf der Homepage Palim-Psao auf den Text, in welchem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die nicht minder k&#246;stlich ist! Oder wie man ein Konzept unbemerkt durch das Fenster wieder hineinkommen lassen kann, das man zuvor durch die grosse T&#252;re herausgebeten hatte. Genau da dr&#252;ckt der Schuh. Genau hier entzieht sich &#8222;die Frage der transzendentalen Empirizit&#228;t des &#8218;esoterischen&#8216; Marx&#8220; komplett meinem Verst&#228;ndnis und werfen die theoretischen Verrenkungen der Wertkritik f&#252;r mein Begriffsverm&#246;gen viel zu komplizierte Probleme auf (Anspielung auf den Text von Beno&#238;t Bohy-Bunel, siehe FN 18). F&#252;r die Wertkritik sind wir alle unterschiedslos von diesem automatischen Subjekt namens abstrakter Wert beherrscht. Schluss also mit Klassenkampf, es gibt keine Klassen (mehr). Dennoch &#8211; und gleichzeitig &#8211; werden &#8222;Abrechnungen&#8220; und ein &#8222;Widerstand mit Waffengewalt gegen die profitierende und nicht &#8218;herrschende&#8216; Klasse (unser alter Feind, die Bourgeoisie)&#8220; n&#246;tig sein, so Cl&#233;ment Homs. Sehen wir &#252;ber die &#8222;Abrechnungen&#8220; hinweg, denn man kann sich schwer vorstellen, was ein solcher Ausdruck hinsichtlich gesellschaftlicher Emanzipation bedeuten k&#246;nnte. Bleibt dieser &#8222;Widerstand mit Waffengewalt&#8220; &#8211; welche konkreten Formen wird er annehmen, mit welchen Kr&#228;ften, wer wird wem gegen&#252;berstehen? Wie wird er organisiert werden und aufgrund welcher Kriterien? Wer wird Teil dieser &#8222;profitierende[n] Klasse&#8220; sein und vor allem, wer wird dar&#252;ber bestimmen? Oder wird es sich um einen B&#252;rgerkrieg handeln?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Realit&#228;t der Klassenverh&#228;ltnisse, welche sowohl die Gesellschaft als auch den Wert strukturieren &#8211; denn diese beiden Begriffe sind derart ineinander verschachtelt, wie es das Herz, die Lunge, der Blutkreislauf und das Hirn im menschlichen K&#246;rper sind und wovon nur die wissenschaftsgl&#228;ubige westliche Medizin eine reduktionistische Konzeption hat &#8211;, nicht zu begreifen, ist gleichbedeutend mit dem fatalen R&#252;ckfall in die dualistischen Ans&#228;tze, welche in und mit der b&#252;rgerlichen Gesellschaft vorherrschen: Genau das ist &#8211; auf offene Art und Weise &#8211; am 12. November 2023 mit der Wertkritik geschehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die b&#252;rgerliche Klasse hat freilich keine andere Wahl, als dem Diktat des Werts zu gehorchen, und von diesem Standpunkt aus betrachtet, muss man tats&#228;chlich best&#228;tigen, dass sie in ihren Handlungen und ihrem Wesen vom Wert beherrscht ist. In diesem Sinne muss man auch betonen, dass es sich um eine globale b&#252;rgerliche Klasse handelt, wie die globale Herrschaft des Werts, und dass deren gesellschaftliches und historisches Projekt sich im Gegensatz zu den vitalen Bed&#252;rfnissen der durch die kapitalistische Produktionsweise und den Wert unterdr&#252;ckten und ausgebeuteten Klasse definiert. Diese Klasse kann insoweit keinesfalls statisch als Addition einer gewissen Anzahl physischer Personen definiert werden, als die Zw&#228;nge des Werts &#252;ber solche Betrachtungen hinausgehen, und es ist alles andere als aussergew&#246;hnlich, dass einflussreiche Leute innerhalb dieser b&#252;rgerlichen Klasse ausgegrenzt, oder aber, dass Leute aus &#8222;dem Volk&#8220; hinzugew&#228;hlt werden (Lech Walesa in Polen, Lula da Silva in Brasilien &#8211; die Liste ist lang), wenn sie die Gesellschaft erfolgreicher befrieden k&#246;nnen. Es geht darum, zu beobachten und zu verstehen, wie diese unpers&#246;nliche b&#252;rgerliche Klasse organisch im Kern des Wertgesetzes, im Kern seiner Zw&#228;nge lebt und handelt. All diese Handlungen finden ihre Daseinsberechtigung und Erkl&#228;rung in der Notwendigkeit f&#252;r den Wert, die Ausbeutung der Proletarier und die Mehrwertextraktion unaufh&#246;rlich zu intensivieren. Dieses letztgenannte Element ohne eine b&#252;rgerliche Klasse zu denken, ist absolut unsinnig und absurd! Einzig und allein dieses Konzept der Klasse erlaubt es, nicht der Personalisierung der Herrschaftsverh&#228;ltnisse zu verfallen. Es ist sehr wohl eine Klasse, welche die Herrschaft des abstrakten Werts und der Arbeit &#252;ber die Totalit&#228;t der kapitalistischen Gesellschaft und unsere Leben als Proletarier verk&#246;rpert und verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Proletarier machen die Erfahrung, dass sie enteignet von jeglicher Kontrolle &#252;ber ihre Existenzen sind, d.h. enteignet von den Mitteln zu ihrem Lebensunterhalt und somit ihren Aktivit&#228;ten; diese unmenschliche Realit&#228;t konditioniert sie dazu, permanent im Widerspruch zu den Diktaten des Werts und seinen unerbittlichen Zw&#228;ngen zu sein. Das Proletariat verk&#246;rpert, und es ist gar seine Definition, durch seine Situation der totalen und absoluten Enteignung im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess im Kern des kapitalistischen Systems &#8211; d.h. weltweit &#8211; die radikale Negation der Unmenschlichkeit der modernen Gesellschaft. F&#252;r die &#8222;orthodoxen Marxismen&#8220; (um diesen Begriff der Wertkritik aufzugreifen) ist diese radikale Negation total unzug&#228;nglich, denn ihre Positionen haben nicht die Zerst&#246;rung des Wertgesetzes oder die Beseitigung dieser Warenwelt und der ihr zugrundeliegenden abstrakten Arbeit zum Ziel, wie es die Wertkritik durchaus korrekt formuliert. Aber f&#252;r die Wertkritik ist diese radikale Negation ebenfalls insoweit ausser Reichweite, als sie sich selbst in einer Parallelvision zu jener des &#8222;orthodoxen Marxismus&#8220; eingeschlossen hat, sie reduziert dieses globale Proletariat, um es jeglichen subversiven Inhalts zu berauben (und es in eine sterbliche H&#252;lle zu verwandeln), auf eine seiner ph&#228;nomenologischen Formen (&#8222;die Arbeiter&#8220;, in den &#8222;produktiven&#8220; Sektoren), damit es somit zu nichts anderem wird, als einer verk&#228;uflichen Hilfskraft auf dem Markt der Verk&#228;ufer und K&#228;ufer der Arbeitskraft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4. Der Anti-Antisemitismus der Wertkritik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Formulierung einer solchen Kritik gegen&#252;ber der Wertkritik (und ihres dumpfen Anti-Antisemitismus) ergibt sich insoweit nicht von selbst, als sie sich stets mit einer vermeintlichen theoretischen &#220;berlegenheit und einer offensichtlichen Herablassung gegen&#252;ber als &#8222;dogmatisch marxistisch&#8220; qualifizierten politischen Str&#246;mungen br&#252;stet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man urteile aufgrund dieser Zitate aus einem kurzen Text von Beno&#238;t (&#8230;)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So schafft sie es, nie weitergehende Erkl&#228;rungen liefern zu m&#252;ssen, wenn man sie danach fragt, zu pr&#228;zisieren, wie ein solcher revolution&#228;rer Prozess entstehen k&#246;nnte, ausgehend von welchen konkreten Situationen, mit welchen Motivationen, welchen Kr&#228;ften. Sie wird nicht darauf antworten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man findet auf Palim-Psao die Spur einer Teilnahme der Wertkritik an einer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder mit Kurz festhalten, dass all das auf die Barbarei herauslaufen werde, ausser wenn die Menschheit das Bewusstsein entwickelt, dass sie sich von der Herrschaft des Werts, der Ware und der abstrakten Arbeit emanzipieren muss. Und des Antisemitismus m&#252;sste man noch hinzuf&#252;gen, wenn man wirklich im semantischen und geistigen Universum der Wertkritik bleiben will. Aber wie funktioniert also dieser Vorwurf des Antisemitismus, dieser Anti-Antisemitismus, der versucht, jene Aktivisten, welche diese Perspektive eines historischen Kampfes gegen die b&#252;rgerliche Klasse und ihre Welt verteidigen, zu ersticken und letztendlich zu l&#228;hmen, auf welchen Grundlagen beruht er? Auf welche Art und Weise droht die Wertkritik mit einer ehrenr&#252;hrigen Anschuldigung gegen ihre Kritiker?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie schon erw&#228;hnt, funktioniert die Anschuldigung des Antisemitismus bei der Wertkritik als Mahnung, die auf jene antikapitalistischen Kritiken zielt, welche sich nicht mit ihrer decken. Ein perverser Ansatz und das umso mehr, wenn er wie meistens mit einer Anschuldigung des &#8222;Populismus&#8220; einhergeht, einem Verdacht jenes &#8222;Populismus&#8220;, von dem die Wertkritik behauptet, er sei ein &#8222;integraler Bestandteil der Kritik der kapitalistischen Sozialisierung und ihrer Krisenideologien&#8220;. Eine Lekt&#252;re der meisten Artikel zum &#8222;verk&#252;rzten Antikapitalismus&#8220; (ein von ihr systematisch benutzter Begriff), jener, welcher die verschiedenen von ihr durch ihre &#8222;kategorialen Kritiken&#8220; formulierten Postulate nicht &#252;bernimmt, zeigt, dass ihre Argumente letztendlich den Leser auf logischer und semantischer Ebene in die Zange nehmen, ihre beiden Hebelarme sind die Anschuldigungen des Antisemitismus und Populismus. Es handelt sich hier nicht mehr so sehr um eine Frage theoretischer Meinungsverschiedenheiten mit anderen kritischen Theorien, sondern in diesem pr&#228;zisen Fall um eine Praxis, die ein unantastbares Wissen mobilisiert, um sich besser als besondere politische Str&#246;mung herauszuheben und jeden davon abweichenden Ansatz abzutun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Feststellung (bez&#252;glich der Anschuldigung des Populismus) wird auch von einigen Teilnehmern der ersten Stunde der Vereinigung Crise &amp; Critique geteilt, sie brachten im September 2023 einen Text in Umlauf, in welchem sie unter anderem schrieben, dass &#8222;Crise et Critique mit Exit eine wahrhafte Obsession f&#252;r den &#8218;Populismus&#8216; teilt. Die Kritik der populistischen Tendenzen, und besonders des &#8218;Querfront-Populismus&#8216;, war immer ein wichtiges Element der Wertkritik und einer der zentralen Kontrastpunkte mit der &#8218;Linken&#8216;. Doch sowohl bei Exit als auch bei Crise et Critique ist der Kampf gegen den Populismus konterproduktiv geworden, denn alle ausser man selbst sind &#8218;populistisch&#8216; (und stehen somit der &#228;usseren Rechten nahe) und man sieht zum Beispiel Populismus in der schlichten Behauptung, dass die Pharmaindustrie an der Pandemie viel verdient hat! Auch die Kritik des Betons ist verd&#228;chtig, genau wie das Misstrauen gegen&#252;ber dem Plastik, denn das bedeute, &#8218;das Konkrete gegen das Abstrakte auszuspielen&#8216;. Wer das tut, ist letztendlich nicht weit davon entfernt, ein Nazi zu sein, ohne dass er es weiss! Die Kritik der anonymen und unpers&#246;nlichen Strukturen der Gesellschaft des Werts widerspricht nicht notwendigerweise der Feststellung, dass es auch Verantwortlichkeiten von gewissen Individuen und Gruppen gibt &#8211; ausser f&#252;r Puristen und Priester, die darin nur &#8218;personalisierende Kritik&#8216; sehen. Das erkl&#228;rt, weshalb Crise et Critique w&#228;hrend diesem aussergew&#246;hnlichen Jahr in Frankreich so stumm geblieben ist &#8211; jegliche Form der Praxis ist suspekt und inmitten einer Million Demonstranten k&#246;nnte sich stets ein Populist verstecken. Weder die Demonstrationen gegen die Rentenreform noch die &#8218;Soul&#232;vements de la terre&#8216; sind erw&#228;hnt worden, nicht einmal in der internen Korrespondenz [&#8230;]&#8220; Dieser kurze Text, der von heutigen Ex-Mitgliedern der Wertkritik verfasst worden ist, endete mit folgendem Satz: &#8222;Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Schmach noch schmachvoller zu machen, indem wir sie publizieren (Marx), und diese Betrachtungen &#246;ffentlich zu machen &#8211; zuerst hier, dann dar&#252;ber hinaus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man stellt sich die Frage, wie die Autoren solcher Anschuldigungen sich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit solchen dogmatischen Verblendungen der Wertkritik ist es nicht &#252;berraschend, dass bei ihr die Gleichsetzung der Kritik des Zionismus mit einer Form des Antisemitismus einen zentralen Platz in der Anordnung der Ideen in einer immer gleichen, unver&#228;nderlichen Konfiguration einnimmt. Semantische und logische Gewissheiten st&#252;tzen ein Narrativ, das letztendlich erwiesene Tatsachen wie eine nationale Politik der Unterdr&#252;ckung gegen&#252;ber Millionen von Pal&#228;stinensern in Pal&#228;stina seit Jahrzehnten vernebelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Anschuldigung des Antisemitismus basiert schlicht und einfach auf einer intellektuellen Gaunerei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich beziehe mich hier nicht auf die besondere oder nicht besondere Situation einer sich als j&#252;disch identifizierenden Bev&#246;lkerung, sondern auf das Konzept des &#8222;Antisemitismus&#8220; selbst, auf die Art und Weise, wie dieser Begriff konstruiert und in ideologischen Konfrontationen, von denen wir hier nicht so weit gehen werden, sie als theoretische Debatten zu bezeichnen, benutzt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute jemanden als Terroristen, Verschw&#246;rungstheoretiker, Konspirationisten, Islamisten zu stigmatisieren, bedeutet, ihm ohne Umschweife eine Zielscheibe auf den R&#252;cken zu kleben. Das Gleiche gilt f&#252;r die ehrenr&#252;hrige Etikette &#8222;Antisemit&#8220;. Vor dem Tribunal des Anstands und der ehrenhaften Gesinnung ist diese Anschuldigung gleichbedeutend mit einer Verurteilung. In Frankreich ist seit dem Gayssot-Gesetz&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gesetz Nr. 90-615 (genannt Gayssot-Gesetz) vom 13. Juli 1990, das die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine Gedankenpolizei zur Kontrolle der Affekte der B&#252;rger und Durchsetzung einer Art staatlicher und moralischer Z&#252;gelung unserer Emotionen institutionalisiert worden. Das Resultat solch repressiver Dispositive ist offensichtlich: eine Verinnerlichung der diese Affekte begleitenden und eine Mischung aus Scham und einem Gef&#252;hl von Ohnmacht und Frustration ausl&#246;senden Triebe. Da die Benennung dieses &#8222;S&#252;ndenbocks&#8220; und der Angriff auf ihn stattfindet, w&#228;hrend der wahre Verantwortliche oder die wahren Verantwortlichen der Frustrationen und des empfundenen Leids nicht identifiziert und/oder bek&#228;mpft werden kann/k&#246;nnen, f&#252;hrt die Einf&#252;hrung eines Gedankenverbrechens und die Kriminalisierung seines Ausdrucks zu einer Verst&#228;rkung genau jener Frustrationen, welche anf&#228;nglich zu diesen Gedanken gef&#252;hrt haben! Die juristische Bestrafung und die Polizeirepression gegen den &#8222;Judenhass&#8220; und allgemeiner gegen die Rassismen sind weit davon entfernt, eine Antwort dagegen zu liefern, und tun letztendlich nicht anderes, als sie zu verst&#228;rken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Knirpse mit maghrebinischem Hintergrund aus den Vorst&#228;dten, die ein Hakenkreuz auf eine Mauer neben einem Davidstern sprayen, des Antisemitismus zu bezichtigen, stellt im besten Falle eine Torheit als Antwort auf eine andere Torheit dar. Aber viel h&#228;ufiger handelt es sich um ein politisches Kalk&#252;l, das zum Ziel hat, das Gef&#252;hl der Revolte und der Solidarit&#228;t, das diese Knirpse f&#252;r das Geschehen in Pal&#228;stina, ihr imagin&#228;res Land, diese f&#252;r unser Verh&#228;ltnis zur Welt so wesentliche Vorstellungswelt, empfinden k&#246;nnen, zu beseitigen. Und dieses Geschehen in Pal&#228;stina findet ein derart deutliches Echo in der Situation der Ausgrenzung und des polizeilichen und institutionellen Rassismus, die sie hier in &#8222;ihren Vorst&#228;dten&#8220; erdulden m&#252;ssen. Wie dumm muss man sein, um das nicht zu verstehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir erinnern uns an diesen ehemaligen franz&#246;sischen Premierminister, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was der Anschuldigung des Antisemitismus zugrunde liegt, ist dieser &#8222;Gedankengang&#8220;, wonach der als &#8222;Antisemit&#8220; Bezeichnete diese Abscheulichkeit der massiven Vernichtung der Juden Europas durch das Hitler-Regime bef&#252;rwortet. Und da diese Abscheulichkeit auf jeden Fall nur absolut zu verurteilen ist, muss die des Antisemitismus bezichtigte Person infolgedessen verurteilt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden! Die Tatsache, dass eine solche moralische und strafrechtliche Verurteilung von einem sozio-politischen System ausgeht, das seine Energie aus der Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung von Bev&#246;lkerungen (auch j&#252;dischen), der Repression jeglichen Protests, der direkten oder delegierten Folter, dem Waffenhandel, dem Kolonialismus, dem Staatsterrorismus und der Zerst&#246;rung alles Lebenden auf der Erde zu Handelszwecken bezieht &#8211; das scheint die Fanatiker des Anti-Antisemitismus nicht weiter zu st&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist unschwer zu erkennen, dass in Frankreich die Meister des Anti-Antisemitismus wie der CRIF, die UEJF, der B'nai B'rith Frankreich, die Vereinigung Frankreich-Israel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;CRIF: Repr&#228;sentativer Rat der j&#252;dischen Institutionen in Frankreich; UEJF: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; und die, wie Kurz und nach ihm die Wertkritik, eine bedingungslose Unterst&#252;tzung des j&#252;dischen Staates im Namen dieses Anti-Antisemitismus bef&#252;rworten, in Bezug auf Israel in einer Art Weltfremdheit gefangen sind, sie verteidigen das Land, indem sie es als von diktatorischen und blutr&#252;nstigen arabischen Regimen belagerte einzige Demokratie pr&#228;sentieren. Die Tatsache, dass Israel regelm&#228;ssig aussergerichtliche Hinrichtungen durchf&#252;hrt, Hunderte pal&#228;stinensische Kinder neben Tausenden anderen politischen Gefangenen ohne Prozess und gar ohne Anklage in seinen Strafkolonien dahinvegetieren (sie seien &#252;berhaupt nicht im Gef&#228;ngnis, sondern nur in &#8222;Administrativhaft&#8220;!), die Folter dort g&#228;ngige Praxis gegen pal&#228;stinensische Gefangene ist und sie daran sterben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aber in Israel seien diese Foltermethoden nicht wirklich Folter, es seien (&#8230;)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, genau wie es von der Hamas und der PLO sowie von allen arabischen Regimes in der Region gegen ihre Gegner praktiziert wird, Tsahal Gaza in ein Ruinenfeld verwandelt, Phosphorbomben gegen Wohngebiete einsetzt und massiv massakriert &#8211; all das st&#246;rt diese Demokraten nicht weiter (jedenfalls nicht allzu stark). Und es ist &#8222;komisch&#8220;, dazu zu beobachten, wie die Begriffe der Kolonialisierung, Besatzung und Apartheid in Bezug auf die israelische Politik in Pal&#228;stina, welche die Anti-Antisemiten hier in Frankreich oder Europa und in den USA nicht ertragen und kontinuierlich verdr&#228;ngen, in Israel in den letzten Jahren &#252;berhaupt kein Tabu mehr sind: Dort ist die zionistische Unterdr&#252;ckungs- und Vertreibungspolitik mittlerweile enthemmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B &#8211; Zweiter Teil&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da man es um der Klarheit der Darlegung einer Analyse willen kaum anders tun kann, als all diese verschiedenen Elemente getrennt voneinander zu pr&#228;sentieren, obwohl sie es in der Realit&#228;t nicht sind, ist es demnach angebracht, den Leser vor einem Verst&#228;ndnis zu warnen, das die verschiedenen Aspekte, die alle zur Komplexit&#228;t einer Situation beitragen, voneinander trennen w&#252;rde. Man sollte die Verflechtung der verschiedenen Konzepte, wovon jedes einen Teil der Realit&#228;t abdeckt und ausdr&#252;ckt, in ihrer Gesamtheit betrachten: j&#252;dische Religion, Judentum, j&#252;disches Volk, Zionismus, Genozid an den Juden Europas durch die Nazis in den Vernichtungslagern, Pal&#228;stina, Israel, Antisemitismus, Imperialismus und Geopolitik, Islamismus&#8230; Man kann nicht behaupten, die Wechselwirkungen zwischen all diesen Aspekten zu verstehen, ohne jeden dieser Begriffe zu entmystifizieren und zu entmythologisieren. Ich schlage hier vor, hinsichtlich einiger dieser Aspekte so zu vorzugehen, ohne nat&#252;rlich Anspruch auf irgendeine Vollst&#228;ndigkeit zu erheben, was meine M&#246;glichkeiten &#252;bersteigen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Israel: Zionismus, Nationalismus, Kolonialismus und Rassismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keinen fundamentalen Grund, die Frage des Judentums von den beiden anderen monotheistischen abrahamitischen Religionen, Christentum und Islam, zu unterscheiden. Alle drei bekr&#228;ftigen sie die Existenz eines einzigen transzendenten, allm&#228;chtigen, allwissenden und allgegenw&#228;rtigen Gottes. Alle drei st&#252;tzen sich auf die Gl&#228;ubigkeit, den Glauben an die Existenz eines gerechten und (und somit nat&#252;rlich in seiner Nicht-K&#246;rperlichkeit) unfehlbaren Sch&#246;pfers und alle drei behaupten, eine Antwort mithilfe verschiedener Prinzipien wie die Verehrung Gottes und die Befolgung diverser (und sich mit der Zeit entwickelnder) Lebensregeln, die invariabel im Modus Bestrafung/Belohnung funktionieren, auf das (seinerseits sehr k&#246;rperliche) menschliche Leiden bereitzuhalten. Auf gleiche Art und Weise st&#252;tzen diese drei Religionen patriarchale gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse, in welchen die Stellung der Frau aufgrund des g&#246;ttlichen Willens niedriger ist als jene des Mannes. Ich sehe auch keinen fundamentalen Grund, den Begriff &#8222;j&#252;disches Volk&#8220; von anderen &#228;hnlichen Begriffen zu unterscheiden, &#8222;franz&#246;sisches Volk&#8220;, &#8222;russisches Volk&#8220;, chinesisches, amerikanisches, usbekisches oder australisches. Jedes Mal handelt es sich um eine frei erfundene Geschichte, die jedoch ihre sch&#228;dliche Kraft aus der Tatsache bezieht, dass sie &#8222;ihren B&#252;rgern&#8220; die gemeinschaftlichen Wohltaten (die unsere menschlichen Bed&#252;rfnisse befriedigen) verschaffen kann, welche wir seit Jahrhunderten und Jahrtausenden verloren haben, aufgrund jener Trennungen, welche die Menschen spalten, aufgrund unserer Atomisierung. In diesem Sinne ist die Idee oder Illusion, mit diesem oder jenem Volk, mit welchem man sich identifiziert (mit der &#8222;j&#252;dischen&#8220;, &#8222;franz&#246;sischen&#8220;, &#8222;russischen&#8220; usw. Gemeinschaft), fest verbunden zu sein, auch eine Antwort auf ein reelles Bed&#252;rfnis nach Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft. Die ganze Symbolik, alle Codes und Zeichen (die h&#228;ufig der wirklichen Geschichte der Bewohner der verschiedenen Territorien w&#228;hrend verschiedenen Epochen entnommen werden) stellen ein wesentliches Bauteil dar, das dazu beitr&#228;gt, die Erz&#228;hlungen jedes Volkes zu konsolidieren, und k&#246;nnen somit zu seinem Gr&#252;ndungsmythos werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist leicht nachvollziehbar, dass sowohl f&#252;r die drei monotheistischen Religionen wie auch die vielf&#228;ltigen V&#246;lker, in ihren Bindungen bis zu den Urspr&#252;ngen, Wurzeln und Territorien, die Frage der Identit&#228;t und Reinheit derselben im Zentrum ihrer Besorgnis steht. Die Ablehnung der Vermischung stellt in dieser Konstruktion einen wesentlichen Dreh- und Angelpunkt dar, d.h. eine Ideologie, die behauptet, dass diese oder jene besondere Kultur ihre Legitimit&#228;t und ihre Kraft aus ihrer Verwurzelung in einer jahrhundertealten oder gar jahrtausendealten Geschichte sch&#246;pft (und f&#252;r die Religionen seit aller Ewigkeit) und/oder in einem Boden, in einem als heilig verehrten Territorium, ausgehend von welchem &#8222;der Andere&#8220; zwangsl&#228;ufig zu einem bedrohlichen Fremden, einem Feind wird. In diesem Ansatz hat es auch keinen Platz f&#252;r die Andersartigkeit in uns selbst: Wir werden zu essentialisierten Wesen, unbeweglichen Teilen in einer reinen, linearen und identisch reproduzierbaren Abstammung. Wenn ich mich auf meine Zugeh&#246;rigkeit zum j&#252;dischen, franz&#246;sischen, russischen, chinesischen, amerikanischen, usbekischen oder jedem anderen Volk berufe, werde ich also zu einem Teil dieser mythischen Geschichte, ich best&#228;tige die Identit&#228;t, auf welche ich mich berufe, und sie best&#228;tigt mich als B&#252;rger dieser besonderen mythischen &#8222;Gemeinschaft&#8220;&#8230; Man muss sich der extremen Komplexit&#228;t all dieser g&#228;nzlich konstruierten identit&#228;ren Elemente, welche die Wirklichkeit jeder nationalen Erz&#228;hlung belegen sollen, bewusst sein, um zu verstehen, wie eine Mehrheit der Leute vollst&#228;ndig dieser Fiktion anh&#228;ngt und sich sogar auf sie beruft. Ab unserer Geburt n&#228;hrt man uns mit solchen patriotischen Werten und Zeichen, die systematisch durch eine h&#246;chst wissenschaftliche Geschichtsschreibung konsolidiert werden und &#252;berall zur Konstruktion nationaler Identit&#228;ten beitragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den meisten F&#228;llen liegt diesen Mechanismen der Zugeh&#246;rigkeit eine &#228;ngstliche Abweisung durch den B&#252;rger der Realit&#228;t und beunruhigenden Aspekte seines Lebens zugrunde. Ausgehend von einer solchen &#228;ngstlichen Abweisung der Realit&#228;t wird es also heilsbringend, seine nationale Identit&#228;t gegen jedes &#8222;fremde&#8220; Element zu verteidigen, gegen jede &#8222;&#228;ussere&#8220; Bedrohung, gegen das Nicht-Gleiche und sogar gegen jeglichen kritischen Blick, gegen jegliche Infragestellung der Richtigkeit dieser identit&#228;ren Konstruktion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist gewiss nicht zwecklos, hier anzumerken, dass die gleichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So kann jeglicher Ausdruck irgendeines Unterschiedes, der Hautfarbe, des linguistischen Dialekts oder der Praktizierung eines anderen Glaubens, konstitutiv werden f&#252;r eine klarere Abgrenzung durch die Tr&#228;ger eines nationalen Bewusstseins, f&#252;r welches es in der Konstruktion einer Repr&#228;sentation ihrer Nation unerl&#228;sslich ist, jene kategorisch und absolut zu qualifizieren, von welchen man entschieden hat, dass sie aus der nationalen Gemeinschaft ausgeschlossen sein m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben dem &#8222;spontanen&#8220;, (im weiteren Sinne) kulturellen Aspekt dieser gemeinschaftlichen identit&#228;ren Auferlegung muss ein weiteres wesentliches Element in diesem ganzen Prozess betont werden, n&#228;mlich der Staatsterrorismus und der Zwang, die direkte und offene Gewalt der gesamten Gesellschaft, die von der kinetischen Gewalt, die im potenziellen Zustand agiert, untrennbar ist, letztere kommt ohne S&#228;belrasseln und Blutvergiessen aus. Diese potenzielle Gewalt ist &#8222;nur&#8220; die offene Androhung von Gewalt, die wir Generation f&#252;r Generation in unserer Psyche absorbiert und integriert haben und die auf heimt&#252;ckische und unsichtbare Art und Weise unser Handeln beeinflusst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein wesentlicher Punkt muss hier sogleich betont werden: Wie sie weiter oben benutzt werden, k&#246;nnten die Begriffe &#8222;mythische Gemeinschaft&#8220;, &#8222;erfundene Identit&#228;t&#8220;, &#8222;Gr&#252;ndungsmythos&#8220;, &#8222;fiktive Geschichte&#8220; usw. nahelegen, dass es sich hier um total k&#252;nstliche und imagin&#228;re Gegebenheiten handelt. In Wirklichkeit &lt;i&gt;decken sie eine durchaus konkrete, materielle Realit&#228;t ab&lt;/i&gt;, die nichts anderes ist, als das Reelle, in dem wir leben und das uns jeden Tag gegen&#252;bersteht. Wir entwickeln uns und k&#228;mpfen in dieser Situation und sind ein fester Bestandteil dieser Realit&#228;t. Wir verlieben uns darin, machen darin Kinder, wir werden darin bei Gelegenheit hospitalisiert, wir verdienen darin unser mageres Brot&#8230; Und sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Formulierung &#8222;sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&#8220; f&#252;hrt in die Irre, denn (&#8230;)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, reproduzieren wir diese verschiedenen Identit&#228;ten und K&#228;fige, in welchen wir gefangen sind. Es ist von zentraler Bedeutung, zu verstehen, dass die Realit&#228;t eines Landes auch etwas anderes &#8211; viel mehr &#8211; ist, als schlichtweg die Realit&#228;t dieses Landes als Nation, denn sie ist reich an der gesamten Bev&#246;lkerung, die darin lebt und k&#228;mpft. Besonders all diese Einwanderungen machen eine Bev&#246;lkerung in einem Land sesshaft, wo sie somit die Realit&#228;t davon wird. In Israel genau wie anderswo. Man wird also h&#228;ufig Leute treffen, die sich als &#8222;Franzosen&#8220;, &#8222;Russen&#8220;, &#8222;Chinesen&#8220;, &#8222;Israelis&#8220; oder &#8222;Juden&#8220; bezeichnen und sich als solche identifizieren &#8211; doch nichtsdestotrotz, wer k&#246;nnte behaupten, er sei f&#228;hig, zu definieren, was das &#8222;franz&#246;sische Volk&#8220; sein soll, oder das &#8222;russische&#8220;, &#8222;chinesische&#8220; &#8211; oder das &#8222;j&#252;dische&#8220;!?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In gleichem Masse muss man hier vor der Falle warnen, die darin besteht, &lt;i&gt;identit&#228;re Valorisierungen als Kampf gegen die Ausbeutung zu verstehen&lt;/i&gt;. Die herrschenden M&#228;chte haben ein ziemliches einfaches Spiel, die Sicherheitsbed&#252;rfnisse ihrer Bev&#246;lkerungen dahingehend zu manipulieren. Und daf&#252;r Mobilisierungen anzubieten, die zum Zweck haben, die Unzufriedenheit gegen einen vermeintlichen &#228;usseren Angreifer oder einen angeblichen &#8222;inneren Feind&#8220; zu lenken. Die damit einhergehende wahnsinnige Rhetorik und extrem repressive Politik bez&#252;glich der &#8222;Fl&#252;chtlingskrise&#8220; oder &#8222;illegalen Einwanderung&#8220;, die seit Jahrzehnten von der gesamten politischen Klasse in den meisten europ&#228;ischen L&#228;ndern, und &#252;berall sonst auf der Welt, bis zum &#220;berdruss wiederholt werden, illustrieren diesen Punkt perfekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Kriegssituation stellt, freilich auf extreme Art und Weise &#8211; aber eine extreme Art und Weise, die ihren verallgemeinerten Charakter alles andere als ausschliesst &#8211; einen Hinweis auf diese t&#246;dliche Falle dar. Man denke an den Krieg Russland-Ukraine, und auch an alle anderen Kriege, auf jeder Seite der Frontlinie ist es immer und &#252;berall das gleiche Lied: Verteidigt euer Land, opfert euch, geht sterben f&#252;r das Vaterland &#8211; es geht immer darum, die Ausgebeuteten an die National&#246;konomie zu ketten und sie dazu zu bringen, sich gegenseitig zu t&#246;ten, indem sie hinter ihren jeweiligen Flaggen eingereiht werden. Der Patriotismus spielt eine wesentliche Rolle in der kapitalistischen Organisation, um die Umrisse des gesellschaftlichen Antagonismus zu verwischen. Es ist weder eine Absurdit&#228;t noch ein &#8222;einfacher&#8220; R&#252;ckfall der Menschheit in die Barbarei, sondern eine sozio-&#246;konomisch-politische Entwicklung, die koh&#228;rent ist mit den kapitalistischen Logiken, d.h. mit den Zw&#228;ngen des Werts und den Interessen der b&#252;rgerlichen Klasse, die sich materiell und subjektiv mit den Werten der kapitalistischen Gesellschaft identifiziert. Dieser Punkt illustriert gut, wie kurios es w&#228;re, die Frage der Klassen und der Herrschaft des Werts im Kapitalismus getrennt voneinander zu betrachten. Da die Kriege ein stets wiederkehrendes (und im weiteren Sinne gar permanentes) Element der kapitalistischen Herrschaft und diesbez&#252;glich eine passende Antwort darstellen auf die Zw&#228;nge des Wertgesetzes, das fast ununterbrochene Zerst&#246;rungen von Waren (auch der Ware Arbeitskraft) erfordert und verursacht, wie k&#246;nnte man sie also anders konzipieren als durch das Treiben der verschiedenen b&#252;rgerlichen Fraktionen &#8211; ausser man begn&#252;gt sich damit, immer auf grob vereinfachende Art und Weise &#8222;die Barbarei&#8220; und den &#8222;Krieg aller gegen alle&#8220; diesbez&#252;glich zu evozieren, doch das w&#252;rde uns auf eine Hobessche Konzeption einer vom &#8222;homo homini lupus est&#8220; beherrschten Gesellschaft zur&#252;ckwerfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Etliche geschichtliche Tatsachen zeigen, dass der Staat Israel nicht nur die Juden nicht besch&#252;tzt, sondern auch peinlich genau seine Funktion als nationaler Staat wahrnimmt, indem er diktatorisch die Notwendigkeiten des Kapitals im von ihm beherrschten geographischen Gebiet durchsetzt. Und das wirtschaftlich, gesellschaftlich, milit&#228;risch, politisch und geostrategisch. Ich gebe gerne zu, dass auch die etlichen &#8222;n&#252;tzlichen Idioten&#8220; Teil dieser israelischen Realit&#228;t sind, jene, welche glaubten, dass sie, indem sie mehr als 500 D&#246;rfer dem Erdboden gleichmachten und 700&#8216;000 seit langem auf diesem pal&#228;stinensischen Boden lebende Bewohner vertrieben, unter diesen Bedingungen Frieden und ein ruhiges Leben finden w&#252;rden. Aber ist der Glaube an eine solche Illusion nicht eben genau die Trag&#246;die aller kolonialen Siedler!?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erw&#228;hnen wir folgende Punkte als Beispiele dieser historischen Tatsachen:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Der Zionismus entsteht ausgehend von der Situation der Unterdr&#252;ckung (Pogrome, Diskriminierungen, Verfolgungen, Ghettoisierungen&#8230;), welche die j&#252;dischen Minderheiten im christlichen Europa seit dem Mittelalter erdulden m&#252;ssen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die Reaktionen und Widerst&#228;nde der j&#252;dischen Gemeinschaften in Europa, die zum Ziel dieser Pogrome und Massaker im Verlauf der Geschichte wurden, waren vielf&#228;ltig und variabel: &#220;bertreten zum Christentum und andere Assimilationsanstrengungen und -versuche, Auswanderung in vermeintlich weniger feindlich gesinnte Gebiete und auch gemeinschaftliche gegenseitige Hilfe und K&#228;mpfe, um sich gegen die Angriffe und Verfolgungen zu verteidigen. F&#252;r etliche Juden war eine solche Verteidigung gegen die gegen sie gerichtete Unterdr&#252;ckung untrennbar mit dem Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und f&#252;r eine soziale Revolution verbunden und sie engagierten und organisierten sich also dahingehend: der Bund, der sich im &#220;brigen gegen den Zionismus positionierte, die bolschewistische Partei, die eine grosse Anzahl j&#252;discher Aktivisten und Anf&#252;hrer in ihren R&#228;ngen z&#228;hlte, sowie in Deutschland und in den meisten L&#228;ndern mit j&#252;discher Einwanderung. Man sollte die Bedeutung dieses Faktors (die Figur des &#8222;subversiven, revolution&#228;ren Juden&#8220;) in der Absicht der Antisemiten in Deutschland und England zum Beispiel, sich &#8222;ihrer&#8220; Juden zu entledigen, nicht untersch&#228;tzen. Nach der Welle von Pogromen zwischen 1881 und 1884 wanderten in den darauffolgenden drei Jahrzehnten ungef&#228;hr zweieinhalb Millionen jiddischsprachige osteurop&#228;ische Juden (von sechs Millionen) nach Westeuropa aus, sie migrierten Richtung Deutschland, ein Teil davon endete dann auf dem amerikanischen Kontinent. Weniger als drei Prozent von ihnen entschieden sich, ins osmanische Pal&#228;stina auszuwandern, sie verliessen es &#252;brigens in den meisten F&#228;llen danach auch wieder (siehe Shlomo Sand, &lt;i&gt;Die Erfindung des j&#252;dischen Volkes. Israels Gr&#252;ndungsmythos auf dem Pr&#252;fstand&lt;/i&gt;, Propyl&#228;en, 2010). Bis zur Formulierung des zionistischen Projekts durch Theodor Herzl war das Projekt einer &#8222;R&#252;ckkehr nach Pal&#228;stina&#8220; nie eine der Antworten auf den Antisemitismus;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Herzl war davon &#252;berzeugt, dass nur der Aufbau einer j&#252;dischen Nation auf einem getrennten und unabh&#228;ngigen nationalen Territorium (und somit ohne Nicht-Juden!) imstande war, dem von ihm erdachten &#8222;j&#252;dischen Volk&#8220; Wohlstand zu bringen. Dieses &#8222;j&#252;dische Volk&#8220; betrachtete er auf Anhieb auf einer Klassenbasis, mit einer j&#252;dischen Bourgeoisie (Klasse, aus der er hervorgegangen war) und j&#252;dischen Proletariern. Er konstruierte fortan dieses &#8222;j&#252;dische Volk&#8220; auf Kosten der vielen Kulturen der grossen j&#252;dischen Diaspora, die alle letztendlich verschwinden w&#252;rden, die wichtigste davon war die jiddische Kultur mit ihrer Sprache, ihrer Musik, ihrer K&#252;che, ihrer Literatur;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;das 1897&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Jahr 1897 versammelt sich der erste Zionistenkongress in Basel, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; entstandene zionistische Projekt Herzls (das Projekt der Erschaffung einer nationalen j&#252;dischen Heimst&#228;tte) muss im Zusammenhang mit den aufkommenden Nationalismen im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Europa betrachtet werden, sie begleiteten die zunehmenden interimperialistischen Spannungen (osmanisches Reich, Deutschland, Grossbritannien, USA, Frankreich, Belgien, Niederlande). Dieser Zionismus ist von Anfang an und &#252;ber all seine verschiedenen Bestandteile hinweg gepr&#228;gt vom typischen Eurozentrismus des 19. Jahrhunderts mit seinen kolonialistischen und rassistischen Postulaten. Obwohl ein &#8222;linker Arbeiterzionismus&#8220; sich von Anfang an der j&#252;dischen Kolonialisierung Pal&#228;stinas durchsetzen konnte, st&#252;tzte er sich von Beginn weg auf rassistische und segregationistische Grundlagen und sein emanzipatorischer Aspekt existierte nur in der Vorstellung seiner Anh&#228;nger. Was den &#8222;sozialisierenden&#8220;, die Kibbuze und Moschawim animierenden Idealismus betrifft, waren diese kollektivistischen Ansiedlungen eine Antwort auf die Notwendigkeit, Land zu kolonialisieren, das von den Pal&#228;stinensern geraubt worden war und von dem sie verjagt worden waren, womit sie ihnen zunehmend feindlich gesinnt waren. Diese kollektivistischen Ansiedlungen waren sicherer als es eine individuelle famili&#228;re Ansiedlung h&#228;tte sein k&#246;nnen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;ab 1903 erkl&#228;rt sich Grossbritannien dazu bereit, die Erschaffung einer j&#252;dischen Kolonie in Uganda (heutiges Kenia) zu akzeptieren, sp&#228;ter, mit der Balfour-Deklaration (1917), spricht sich die britische Regierung formell f&#252;r den Aufbau einer nationalen j&#252;dischen Heimst&#228;tte in Pal&#228;stina aus. Es handelt sich hier um grosse Man&#246;ver zwischen imperialistischen M&#228;chten, die sich in der Kontinuit&#228;t des zum Zerfall des Osmanischen Reiches f&#252;hrenden Ersten Weltkrieges austoben. Das zionistische Projekt erlangt seine St&#228;rke und seine internationale Legitimit&#228;t aus den interimperialistischen Konfrontationen, denn es wird zu einem strategischen Spielstein im Mittleren Osten.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das Projekt Herzls hat von Anfang an die systematische Ermutigung der Kolonialisierung Pal&#228;stinas durch die Ansiedlung von j&#252;dischen Landwirten, Handwerkern und H&#228;ndlern zum Ziel. Zu diesem Zweck wird 1901 ein Bankinstitut gegr&#252;ndet, der KKL, der es dem J&#252;dischen Nationalfonds erlauben soll, den dortigen Landeigent&#252;mern (h&#228;ufig syrische Standespersonen) Land und H&#246;fe abzukaufen, die Bauern in Halbpacht werden davon vertrieben, um durch j&#252;dische Siedler und ausschliesslich j&#252;dische Arbeitskraft ersetzt zu werden. Doch die intensivste Aktivit&#228;t Herzls konzentriert sich auf die diplomatischen Anstrengungen, um die Unterst&#252;tzung der europ&#228;ischen M&#228;chte f&#252;r die Kolonialisierung Pal&#228;stinas zu erhalten. Hierf&#252;r versucht Herzl, sich in der Kontinuit&#228;t der kolonialen Unternehmungen der Epoche zu verorten: Belgien in Kongo, Deutschland in seiner Kolonie im S&#252;dwesten Afrikas, Italien in Somalia und Eritrea&#8230; &#8222;F&#252;r Europa w&#252;rden wir dort ein St&#252;ck des Walles gegen Asien bilden, wir w&#252;rden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen&#8220;, schreibt er 1896 in &lt;i&gt;Der Judenstaat&lt;/i&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Im Rahmen seiner diplomatischen Anstrengungen ergreift Herzl im Namen des f&#252;nften Zionistenkongresses in Basel (1901) die Initiative, folgendes Telegramm an den Sultan Abdul Hamid II. zu senden: &#8222;Zum Zeitpunkt des Zionistenkongresses, der heute in Basel Repr&#228;sentanten des j&#252;dischen Volkes aller L&#228;nder versammelt, bitte ich Eure Hoheit um die Erlaubnis, die Ehrerbietungen einer tiefen Ergebenheit und der Anerkennung aller Juden f&#252;r die stets gegen&#252;ber ihnen gezeigten G&#252;te durch Seine Kaiserliche Majest&#228;t der Sultan vor den Kaiserlichen Thron zu legen. Gestattet, Majest&#228;t, den Ausdruck meiner ehrerbietigen Hochachtung.&#8220; Eine &#8222;Hochachtung&#8220; seitens Theodor Herzls, der die Augen verschloss vor den Massakern zwischen dem Sommer 1894 und dem Winter 1896-1897, die mehr als 200&#8216;000 Armeniern das Leben kosteten und f&#252;r die Abdul Hamid II. der Hauptverantwortliche war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Telegramm war &#8222;alles andere als eine Ungeschicklichkeit oder ein (&#8230;)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Herzl hat auch keine Skrupel, andere notorische Antisemiten f&#252;r seine zionistische Sache zu gewinnen, wie es seine Treffen (1903) mit dem einige Monate zuvor f&#252;r die antisemitischen Pogrome in der Stadt Kischinjow verantwortlichen russischen Innenminister Wjatscheslaw Plehwe zeigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ich habe Plehwe getroffen. Ich habe sein Wort, dass er in sp&#228;testens 15 (&#8230;)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Histadrut: der Allgemeine Verband der Arbeiter, Gewerkschaft der &#8222;Arbeiter im Lande Israel&#8220;, wurde von der zionistischen Bewegung in Haifa 1920 gegr&#252;ndet. Er h&#228;lt in den Statuten fest, dass &#8222;nur j&#252;dische Arbeiter&#8220; Mitglieder davon werden k&#246;nnen. Sein erkl&#228;rtes Ziel war ab seiner Gr&#252;ndung, die Ansiedlung j&#252;discher Arbeiter in Pal&#228;stina zu beg&#252;nstigen und ihre Interessen gegen&#252;ber den Arbeitgebern durch die Zur&#252;ckdr&#228;ngung der g&#252;nstigeren da prek&#228;reren arabischen Arbeitskraft zu verteidigen. &#8222;Ich musste bez&#252;glich der Frage des j&#252;dischen Sozialismus gegen meine Freunde ank&#228;mpfen: Die Tatsache verteidigen, dass ich keine Araber in meiner Gewerkschaft akzeptieren w&#252;rde; die Propaganda gegen&#252;ber den Hausfrauen verteidigen, damit sie nicht in den arabischen L&#228;den kaufen; die arabischen Arbeiter daran hindern, hier Arbeit zu finden [&#8230;] Ich musste Kerosin &#252;ber die arabischen Tomaten sch&#252;tten, die j&#252;dischen Hausfrauen auf dem Markt angreifen und die von ihnen gekauften arabischen Eier zerdr&#252;cken&#8220;, schreibt David Hacohen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zitiert in Nur Masalha, Expulsion of the Palestinians. The Concept of (&#8230;)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Anf&#252;hrer der Mapei, der wichtigsten zionistischen Partei, die den Ruf hat, eine &#8222;Arbeiterpartei&#8220; zu sein. Die Histadrut wird mit der Zeit zur dominanten und hegemonialen S&#228;ule der Wirtschaft und der Infrastrukturen der j&#252;dischen Kolonien.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Eine Monopolisierung der Opferrolle&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einer der Diskurse, den man h&#228;ufig bez&#252;glich Israel liest und h&#246;rt, behauptet, die pal&#228;stinensischen Organisationen und Bev&#246;lkerungen w&#252;rden die &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels nicht anerkennen. Und dass diese pal&#228;stinensischen Organisationen und ihre Anh&#228;nger f&#252;r die Zerst&#246;rung des hebr&#228;ischen Staates seien. Und dass deshalb keine Verhandlungen mit diesen Organisationen in Betracht gezogen w&#252;rden. Auch hier in Europa dr&#228;ngt man uns dazu, die &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels anzuerkennen, wenn wir nicht verd&#228;chtigt werden wollen, antisemitisch zu sein. Aber das Man&#246;ver ist plump: Denn mit dieser Argumentation beruft man sich auf eine &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels, &lt;i&gt;um die reellen Rechte&lt;/i&gt; der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen auf ein w&#252;rdiges Leben, dass dieser &#8222;moralische&#8220; Staat seit den ersten Tagen der zionistischen Kolonialisierung Pal&#228;stinas, seit mehr als einem Jahrhundert, mit F&#252;ssen tritt, &lt;i&gt;besser &lt;/i&gt;&lt;i&gt;wegzuwischen und unsichtbar zu machen&lt;/i&gt;. Israel verweigert den Pal&#228;stinensern &lt;i&gt;das reelle Recht&lt;/i&gt; auf Existenz &#8211; faktisch, indem sie verjagt, ausgehungert und massakriert werden. Dieser perverse Diskurs versucht schlichtweg, die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung umzukehren! Noch bedeutender, und in totalem Widerspruch zum Gr&#252;ndungsmythos, der eine Koalition aller arabischen L&#228;nder zur Zerst&#246;rung Israels postuliert, ist die Tatsache, dass es in Wirklichkeit &#252;bereinstimmende strategische Interessen zwischen den zionistischen Anf&#252;hrern und den verschiedenen arabischen Regimes im Nahen Osten gibt, das zeigen die diplomatischen Kontakte seit der Ausrufung des hebr&#228;ischen Staates zwischen der haschemitischen Monarchie, dem K&#246;nig Jordaniens Abdullah, und David Ben Gurion (Quelle: Simha Flapan, &lt;i&gt;The Birth of Israel. Myths and Realities&lt;/i&gt;, New York, Pantheon). Und der Verlauf des Sechstagekriegs 1967 widerspricht dieser Feststellung keineswegs, denn schon am ersten Tag war die H&#228;lfte der arabischen Luftkraft zerst&#246;rt und &#8211; nach nur sechs Tagen &#8211; die Armeen &#196;gyptens, Syriens und Jordaniens besiegt. Was es Israel damals erlaubte, sein Territorium zu vergr&#246;ssern, indem der Sinai, der Gazastreifen, das Westjordanland und Ostjerusalem annektiert wurden, also die Gesamtheit des Territoriums Pal&#228;stinas. Die Instrumentalisierung der wichtigsten pal&#228;stinensischen Organisationen durch Israel zur optimalen Verwaltung dieser Territorien, wo Millionen &#252;bersch&#252;ssiger Proletarier im Gazastreifen und im Westjordanland &#252;berleben, ist ebenfalls Teil dieser Logik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Argument rund um diese &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts, das nur dazu dient, die &#246;ffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu manipulieren, ist einer der verschiedenen Mythen, die der Zionismus ausgearbeitet hat, um seine kolonialisierende Politik im Lande Pal&#228;stinas besser durchzusetzen. Folgende Erz&#228;hlungen sind Teil dieser Mythologie:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Eine Vorstellungswelt, gem&#228;ss welcher die Juden w&#228;hrend zweitausend Jahren eine ethnische und stets nach ihrer R&#252;ckkehr in die Heimat strebende Nation im Exil gebildet haben. Diese Idee, die im Verlauf der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts ausgearbeitet und von der dem Zionismus &#8211; ein laizistischer Zionismus, der jedoch nicht z&#246;gert, sich auf j&#252;dische Bez&#252;ge zu berufen &#8211; eigenen j&#252;dischen Geschichtsschreibung untermauert worden ist, wird durch die universit&#228;ren Autorit&#228;ten in Israel derart weitgehend validiert, dass sie zu einer wissenschaftlichen Wahrheit geworden ist, obwohl dieses M&#228;rchen, das eine Linearit&#228;t der Geschichte Israels konstruiert, seinen Ursprung in der Bibel hat. Beide der in ihm enthaltenen Behauptungen sind falsch: Die Juden haben nicht w&#228;hrend zweitausend Jahren eine geeinte Nation gebildet und die Geschichte der j&#252;dischen Diaspora zeigt zu keinem Zeitpunkt, mit Ausnahme des Zionismus, ein Streben nach einer Ansiedlung in Pal&#228;stina.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Man kennt die zentrale politische und kulturelle Bedeutung des Wortes Holocaust im vom Staat Israel ausgearbeiteten kollektiven Gedenken (die englische Version der Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung benutzt den Begriff) f&#252;r die Konstruktion der nationalen Identit&#228;t. Das Wort Holocaust tr&#228;gt in seiner Definition selbst den Grund des Verbrechens, das es beschreibt, n&#228;mlich die Ermordung eines gesamten &#8222;M&#228;rtyrervolkes&#8220;, das sich geopfert habe, um wer weiss welche Schuld zu s&#252;hnen. Durch diese Manipulation versucht der hebr&#228;ische Staat, die v&#246;lkerm&#246;rderische Unternehmung der Nazis in einer &#252;berh&#228;ngenden transzendentalen Position, jenseits jeglicher weltlicher Betrachtung zu platzieren, wie damit seine eigenen Massaker an den Pal&#228;stinensern. Es muss betont werden, dass die Hamas ein &#228;hnliches Verfahren benutzt, indem sie systematisch ihre im Kampf get&#246;teten Mitglieder als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; bezeichnet und die Jugendlichen dazu animiert, als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; f&#252;r die Sache der &#8222;nationalen Befreiung Pal&#228;stinas zu sterben&#8220;. Indem der V&#246;lkermord der Nazis an den Juden lexikalisch und ideologisch in ein &#8222;Opfer&#8220; verwandelt wird, hat der hebr&#228;ische Staat die Proklamierung einer Aussergew&#246;hnlichkeit des j&#252;dischen Schicksals zum Ziel, womit es in den Zusammenhang keiner vollwertigen historischen Perspektive (ausser der biblischen) gestellt werden kann. Man muss zugeben, dass dieses Man&#246;ver ziemlich gut funktioniert hat, jedenfalls in den westlichen L&#228;ndern. Als Beleg daf&#252;r kann die Gr&#252;ndung der IHRA (Internationale Allianz zum Holocaustgedenken) 1988 angef&#252;hrt werden, sie hat sich die F&#246;rderung des Gedenkens an den Holocaust und die Forschung dar&#252;ber &#8222;in der ganzen Welt&#8220; zum Ziel gesetzt. Und im Mai 2016 haben sich die 31 Staaten der IHRA auf eine Definition des Antisemitismus geeinigt, gem&#228;ss welcher dieser Text, ja, genau, der hier, als antisemitische Streitschrift katalogisiert w&#252;rde, da gem&#228;ss ihren Kriterien die Behauptung antisemitisch sei, die Existenz Israels sei das Resultat einer rassistischen Unternehmung. Unter den elf von der IHRA aufgelisteten Beispielen f&#252;r Antisemitismus betreffen sieben den Staat Israel und seine Politik, darunter dieses surrealistische Kriterium &#8222;von Israel verlangen, sich so zu verhalten, wie es von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert w&#252;rde&#8220;. Vergessen wir nicht, dass Israel seit seiner Gr&#252;ndung praktisch keine es betreffende Resolution der UNO respektiert hat.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Der hebr&#228;ische Staat sei die gerechte Antwort der Juden auf die vielen von ihnen erduldeten Pogrome und allen voran den V&#246;lkermord durch das Naziregime w&#228;hrend dem Zweiten Weltkrieg&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Argument greift Kurz in seinem Artikel auf. Auch f&#252;r ihn hat die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist das Totschlagargument, um jegliche Kritik an Israel und dem Zionismus zu delegitimieren. Die sechs Millionen in den Vernichtungslagern der Nazis ermordeten Juden seien also der unwiderlegbare Beweis f&#252;r die Notwendigkeit und Richtigkeit der Gr&#252;ndung des Staates Israel. Diese Behauptung kann nicht nur durch verschiedene historische Tatsachen widerlegt werden, sondern letztere sind auch mit einer ethischen und moralischen Betrachtung verbunden, an die an dieser Stelle erinnert werden soll, auch wenn es sich hier um eine sehr grundlegende Betrachtung handelt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es sind eben genau die Millionen Opfer der Vernichtungspolitik der Nazis, die einen totalen Respekt der menschlichen W&#252;rde und eine absolute Anerkennung der von allen Menschen geteilten menschlichen Gemeinschaft gebieten, ohne Unterscheidung von Herkunft, Religionen, Meinungen&#8230; Davon kann die Notwendigkeit abgeleitet werden, korrekt und pr&#228;zis die zugrundeliegenden tiefen Ursachen der von uns erlittenen Situationen der allt&#228;glichen und historischen Unterdr&#252;ckung zu identifizieren. Deswegen ist eine radikale Kritik des Kapitalismus und der Apostel der kapitalistischen Unterdr&#252;ckung zentral. Nur so ist es realistisch und machbar, &#8222;die Wurzeln&#8220; der Situationen der Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung anzugehen und besonders auch diese derart g&#228;ngige Neigung, zu versuchen, seinen &#196;rger an als verantwortlich f&#252;r unser Elend designierten S&#252;ndenb&#246;cken auszulassen (an Personengruppen, die in den meisten F&#228;llen in einer noch prek&#228;reren Situation sind als man selbst). Eine solche radikale Kritik ist f&#252;r unsere Emanzipation unumg&#228;nglich.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Eine solche Emanzipation hat der Zionismus eben genau nicht verwirklicht und konnte es auch nicht, auf keine Art und Weise, weder durch seine Ideologie noch durch seine Organisation. In Anbetracht seines von Anfang an kolonialistischen und rassistischen Inhalts konnte der Zionismus mitnichten irgendjemandem eine Perspektive menschlicher Emanzipation anbieten und, in erster Linie, nicht den Juden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den das belegenden Tatsachen z&#228;hlt jene von der zionistischen Bewegung kultivierte &#220;berzeugung der Zugeh&#246;rigkeit zu einer h&#246;heren Zivilisation, einer &#8222;liberalen&#8220; Zivilisation, deren Bezeichnung die Tatsache nicht kaschieren kann, dass diese ach so sehr gepriesene Freiheit im Wesentlichen eine unbegrenzte Warenproduktion betrifft, um einen nicht minder unbegrenzten zwanghaften Konsum davon zu bef&#246;rdern. Diese vermeintliche zivilisatorische &#220;berlegenheit hat sich w&#228;hrend der gesamten Geschichte der zionistischen Bewegung ausgebildet, sie war pr&#228;sent seit ihren Urspr&#252;ngen und hat sich bei der Staatsgr&#252;ndung Israels herauskristallisiert. So konnte sich dieser Staat dazu &#252;berwinden, bei Gelegenheit einzugestehen, dass den Pal&#228;stinensern &#8222;Unrecht&#8220; geschah, aber nur &#8222;relatives und unvermeidliches&#8220; Unrecht, denn schliesslich gr&#252;ndete dieses Unrecht auf der daf&#252;r erhaltenen Gegenleistung, der Rettung der Holocaust-&#220;berlebenden. Klar infrage gestellt wurde diese Version durch die Aktualisierung jener Informationen, die nicht nur die Unf&#228;higkeit der zionistischen Institutionen zur Unterst&#252;tzung der Juden Europas w&#228;hrend des Krieges zeigte, sondern vor allem &#8222;ihre Zur&#252;ckhaltung darin, ihnen die n&#246;tige Unterst&#252;tzung zukommen zu lassen, wenn der Zufluchtsort der &#220;berlebenden etwas anderes als &#8218;Eretz Israel&#8216; war. Die M&#246;glichkeiten zur Rettung waren freilich begrenzt, doch sie waren alles andere als priorit&#228;r, denn f&#252;r Ben Gurion und die anderen Zionisten war es viel wichtiger, alle Anstrengungen der Institutionen und ihre finanziellen Ressourcen auf die Fortsetzung der Kolonialisierung und den Staatsaufbau zu konzentrieren. Ihre Beziehungen zu den &#220;berlebenden des Zweiten Weltkrieges, die nach Pal&#228;stina unter britischem Mandat, das sp&#228;ter zu Israel wurde, eingewandert waren, waren weder frei von Instrumentalisierung, noch von Paternalismus. Das junge zionistische Zugeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl in der zionistischen Gemeinschaft Pal&#228;stinas vor den grossen Einwanderungswellen versteckte die Verachtung gegen&#252;ber der Schw&#228;che, dem Mangel an &#8218;Virilit&#228;t&#8216; und Nationalstolz dieser Juden, &#220;berlebenden der Shoa, sowie gegen&#252;ber ihrem kulturellen Erbe nicht. Und w&#228;hrend die &#220;berlebenden des Holocaust die Verachtung erdulden mussten, wurden die Einwanderer aus islamischen L&#228;ndern sp&#228;ter zu Opfern einer aggressiven systematischen Politik, die zum Ziel hatte, ihre urspr&#252;ngliche Identit&#228;t auszul&#246;schen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Shlomo Sand, &#8222;Post-sionisme : un bilan provisoire. &#192; propos des historiens (&#8230;)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die durch den Zionismus und den Staat Israel vorgenommene Privatisierung und Monopolisierung der Opferrolle ist Teil dieser gleichen Logik. Meiner Meinung nach ist es unw&#252;rdig und emp&#246;rend, die Opferrolle gegen&#252;ber den vom Hitler-Regime begangenen Grausamkeiten einzig der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung zuzugestehen und die etlichen anderen Opfer wie, in anderen Proportionen, Homosexuelle, Zigeuner, Slawen, &#8222;Behinderte&#8220;, Widerstandsk&#228;mpfer, Kommunisten, Kriegsgefangene, Freimaurer oder auch Zeugen Jehovas zu ignorieren. Und wie soll man die Millionen Menschen betrachten, die w&#228;hrend diesem Zweiten Weltkrieg starben, man spricht hier von 60 Millionen Opfer, ein Drittel davon aus Russland, was damals 10% seiner Bev&#246;lkerung entsprach? Es geht bestimmt nicht darum, all diese Unmenschlichkeit auf einer Art Skala der Grausamkeit zu erfassen oder hierarchisieren oder in einen Zusammenhang der Konkurrenz des Gedenkens zu stellen, sondern darum, anzuerkennen, inwieweit diese schrecklichen Massaker das Los so vieler Bev&#246;lkerungen weltweit waren. Im Falle Israels ist es klar die Staatsr&#228;son, welche diese Monopolisierung der Opferrolle f&#252;r die eigenen B&#252;rger mit dem Ziel antreibt, somit die Gef&#252;hle der Empathie und der Sympathie, die allgemein das Leid der anderen ausl&#246;sen, zu monopolisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Die Wertkritik, mit Kurz, in Israel&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir auf den Anti-Antisemitismus der Wertkritik zur&#252;ck, da f&#252;r sie in der zeitgen&#246;ssischen kapitalistischen Gesellschaft die Fragen der Macht, Ausbeutung und Klassenherrschaft sozusagen nicht existieren, ist sie also nicht f&#228;hig, eine dialektische Analyse der die Staatsgr&#252;ndung Israels lenkenden Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse und Streitgegenst&#228;nde durchzuf&#252;hren. Bez&#252;glich dieser Fragen, wie im Beispiel des schon erw&#228;hnten Texts von Robert Kurz, dessen wahnsinnige Positionen von ihr nicht im Geringsten kritisiert worden sind, kann die Wertkritik nichts anderes tun, als auf einer prinzipiellen moralischen Position beharren, die zu nichts anderem f&#252;hrt als einer erbitterten Verteidigung der zionistischen Politik des hebr&#228;ischen Staates. Kurz schiebt das Argument vor, es gehe darum, den Staat Israel zu unterst&#252;tzen, weil dieser es dem j&#252;dischen Volk erlaube, sich zu verteidigen und sich vor einem zweiten V&#246;lkermord wie jenem der Nazis, der mit dem Zweiten Weltkrieg zur fast vollst&#228;ndigen Vernichtung der Juden Europas f&#252;hrte, zu sch&#252;tzen. In seinem Artikel anerkennt Kurz den kapitalistischen Charakter des Staates Israel, aber er f&#252;gt sogleich an, dass diese Nation einen Doppelcharakter insofern habe, als seine Entstehung nicht im Rahmen eines &#252;blichen nationalen Staatsaufbaus geschah, sondern gleichzeitig eine j&#252;dische Reaktion auf den weltweiten und besonders europ&#228;ischen Antisemitismus gewesen sei. Er &#252;bernimmt somit ein Schl&#252;sselargument der Weihrauchtr&#228;ger des Staates Israel seit seiner Gr&#252;ndung 1948. Es muss zu diesem Punkt unterstrichen werden, dass, wenn wir den Logiken der Wertkritik bez&#252;glich einer &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220; und seiner Ablehnung dessen, was sie &#8222;subjektive Herrschaftsverh&#228;ltnisse&#8220; nennt, treu bleiben w&#252;rden, die Betrachtungen von Kurz somit total unzul&#228;ssig w&#228;ren, denn was analysiert er hier letztendlich anderes, als subjektive Herrschaftsverh&#228;ltnisse?!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinem gesamten Text entwickelt Kurz seine Argumentation auf der Grundlage dreier Schl&#252;sselelemente, die er nie hinterfragt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Antisemitismus, denn es existiere ein &#8222;kollektives antij&#252;disches Unbewusstes&#8220;, ein &#8222;unbewusster Judenhass&#8220; und sogar ein &#8222;antisemitisches Syndrom der Moderne&#8220;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Doppelcharakters des hebr&#228;ischen Staates, kapitalistisch, aber auch Besch&#252;tzer des j&#252;dischen Volkes;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Kurz setzt meistens, um nicht zu sagen systematisch, die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung mit der &#8222;in den Poren der Bev&#246;lkerung von Gaza verschanzte[n]&#8220; Hamas gleich; &#8222;die Mehrheitsentscheidung f&#252;r die Hamas in Gaza [bedeutet] einzig und allein, dass es hier keine an sich unschuldige Zivilbev&#246;lkerung gibt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Passagen musste ich wieder und wieder lesen, um sicher zu sein, dass (&#8230;)&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist verbl&#252;ffend, feststellen zu m&#252;ssen, dass, gegen&#252;ber einer Position, welche die Zerst&#246;rung des Staates Israel verteidige, die von Kurz verteidigte Position das genaue Gegenteil davon ist, n&#228;mlich eine unbedingte und ungez&#252;gelte Verteidigung ebendiesen Staates!!! Und um diese Entscheidung zu rechtfertigen, beruft er sich immer auf die gleiche Formel eines &#8222;kollektiven antij&#252;dischen Unbewussten&#8220; und es ist letztendlich dieser vermeintliche herdenm&#228;ssige Antisemitismus, der zum absoluten Argument wird, um seine vorgefasste Meinung durchzusetzen. Dieses einzige Argument geh&#246;rt in den Bereich der Psychologie und l&#228;uft in Wahrheit auf ein strukturell pathologisches &#8222;Massenunbewusstes&#8220; hinaus, das in der Existenz eines antisemitischen &#8222;Syndroms&#8220; gipfelt. Es ist kaum m&#246;glich, dieses Argument zu durchkreuzen, ausser man begibt sich selbst auf dieses gleiche psychologische Terrain. Aber um was handelt es sich in Wirklichkeit?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlicht und einfach um diese bequeme Behauptung, es gebe eine innere Verbindung zwischen Antisemitismus, Judenhass und dem Prozess der &#8222;Verwertungskrise&#8220; und einer &#8222;kapitalistischen Barbarisierung [sic!]&#8220;. Aber die Wertkritik &lt;i&gt;postuliert&lt;/i&gt; schlichtweg eine solche automatische innere Verbindung, denn man wird dahingehend kein fundiertes Argument finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt gewiss diesen Schematismus der Wertkritik, der behauptet, gegen&#252;ber einer abstrakten Herrschaft des Werts und der abstrakten Arbeit &#252;ber unsere Leben seien wir unf&#228;hig, diese direkt zu erfassen und korrekt zu identifizieren, womit wir also nichts anderes tun k&#246;nnen, als die Herrschaft des &#8222;Weltjudentums&#8220; daf&#252;r verantwortlich zu machen. Das ist alles. Das Argument der Wertkritik kann mit dieser hier in einem Satz formulierten Position zusammengefasst werden. Ich sehe &#252;berhaupt keine logische Automatik zwischen diesen Elementen, auch nicht in der vermeintlichen Unf&#228;higkeit der Menschen, die &#252;ber ihr gesellschaftliches Leben herrschenden Abstraktionen zu erfassen oder identifizieren, oder in der Tatsache, zwingend diese oder jene besondere Kategorie der Bev&#246;lkerung f&#252;r ihr Ungl&#252;ck verantwortlich zu machen. Im Gegenteil, die Behauptung, ein vermeintliches &#8222;Weltjudentum&#8220; sei oder werde notwendigerweise und systematisch DAS Ziel aller Unzufriedenen, um ihre Frustrationen und ihren Hass auszudr&#252;cken, ist meines Erachtens Teil der von der Frage des Antisemitismus aufgeworfenen Problematik selbst (was Kurz &#252;brigens mit seiner Pro-Israel-Hysterie illustriert). Durch ihre Auferlegung der von ihr als strukturell betrachteten Gleichung &#8222;Kampf gegen die Personalisierungen des Kapitals&#8220; = Antisemitismus schliesst uns die Wertkritik in einem antisemitischen Universum ein, in welchem die K&#228;mpfe f&#252;r oder gegen &#8222;die Juden&#8220; die Klassenk&#228;mpfe gegen die kapitalistische Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung ersetzt haben sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Doppelcharakter des Staates Israel seinerseits ist schlichtweg ein absurdes Argument. Dieses Argument erinnert mich an die Positionen der verschiedenen trotzkistischen Gruppen, die bis zum Ende der 1980er Jahre die UdSSR unter dem Vorwand unterst&#252;tzten, es handle sich um einen &#8222;degenerierten Arbeiterstaat&#8220;, der einen Doppelcharakter habe (n&#228;mlich eine &#8222;sozialistische Wirtschaftsstruktur&#8220; und gleichzeitig eine &#8222;politische Macht in den H&#228;nden einer b&#252;rokratischen Kaste&#8220; &#8211; das hier benutzte Vokabular ist nat&#252;rlich jenes der Trotzkisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist absurd, davon auszugehen, dass ein Staat zu einem Zweck handeln k&#246;nne, der ihm nicht als kapitalistischer Staat eigen w&#228;re, dass er auch eine oder mehrere Funktionen erf&#252;llen k&#246;nne, die nicht seinem gesellschaftlichen Wesen entsprechen. Die Wertkritik spricht h&#228;ufig von einem &#8222;durch den Staat &lt;i&gt;vermittelten&lt;/i&gt;&#8220; gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis, womit wiederum ein sozialdemokratischer Begriff zu dieser Frage &#252;bernommen wird. Eine sozialdemokratische Konzeption, gem&#228;ss welcher der Staat existiere, um die verschiedenen und einander entgegengesetzten Interessen der verschiedenen Segmente einer Gesellschaft miteinander zu vers&#246;hnen, um eine friedliche Koexistenz f&#252;r eine harmonische Entwicklung des Kapitals zu erreichen. Auf der Grundlage etlicher blutiger Erfahrungen hat ein gewisser revolution&#228;rer Marxismus diese Albernheiten seit mehr als einem Jahrhundert widerlegt und sehr klar und explizit formulieren k&#246;nnen, dass der globale kapitalistische Staat (und wovon die verschiedenen Nationalstaaten nur seine besonderen Konkretisierungen sind) nichts anderes ist als die Konstitution der Interessen der herrschenden Klasse, der globalen b&#252;rgerlichen Klasse als zentralisierte Kraft. Der globale kapitalistische Staat befindet sich somit organisch (d.h. auch im Fall, wenn diese zentralisierte Kraft sich zuungunsten einer besonderen b&#252;rgerlichen Fraktion entfaltet) an vorderster Front, um &#252;berall die f&#252;r diese kapitalistische Gesellschaft charakteristische Herrschaft des Werts und der Lohnarbeit zu garantieren. Diese &#220;berdetermination des Staates in dieser Funktion leitet sich aus diesem grundlegenden Antagonismus zwischen dem globalen kapitalistischen Staat und den vitalen Bed&#252;rfnissen des globalen Proletariats ab und st&#252;tzt ihn. Zu behaupten, ein besonderer Staat k&#246;nne ausserhalb dieser organischen Funktion eine andere, dieser &#220;berdetermination nicht entsprechende erf&#252;llen, ist gleichbedeutend mit der Einsetzung einer Widerspr&#252;chlichkeit im Kern dieser Problematik. Da &#252;berhaupt kein einzelner Staat &#8222;seine nationale Bev&#246;lkerung&#8220; besch&#252;tzt, besch&#252;tzt der hebr&#228;ische Staat die Juden nicht! Tausende geschriebener Seiten der Wertkritik werden es, genau wie die Millionen ver&#246;ffentlichter B&#252;cher von Trotzkisten aller Str&#246;mungen zum Wesen des sowjetischen Staates damals, nie schaffen, das terroristische und menschenfeindliche Wesen des kapitalistischen Staates zu kaschieren, in Israel, Russland, der Ukraine, Frankreich und &#252;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Realit&#228;t, die konkreten Tatsachen zeigen offensichtlich, dass der j&#252;dische Staat die Juden nicht besch&#252;tzt: In Israel werden die j&#252;dischen, arabischen und pal&#228;stinensischen Proletarier von einer b&#252;rgerlichen Klasse, die, wie sonst &#252;berall auch, zur Durchsetzung ihrer Gebote vor nichts zur&#252;ckschreckt, unterdr&#252;ckt und ausgebeutet, sei es auf politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder jeder anderen Ebene, sie produzieren, schwitzen, opfern sich auf dem Altar des Werts auf, kriechen zu Kreuze, dienen als Kanonenfutter&#8230; In der israelischen &#8222;Start-up-Nation&#8220; lebt gem&#228;ss den Zahlen der OECD&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Doch diese von den Experten der OECD erstellten Statistiken (Zahlen von (&#8230;)&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine Person von f&#252;nf unterhalb der Armutsgrenze, der &#8222;schlechteste Wert aller Mitgliedsl&#228;nder der Organisation nach Mexiko&#8220;. Wie es Staatsrassismen in allen L&#228;ndern der Welt gibt, konstitutive Rassismen jeder auf der Ablehnung des Anderen, des &#8222;Fremden&#8220; basierenden nationalen Entit&#228;t, gibt es gleichermassen einen Staatsrassismus in Israel, nicht nur gegen&#252;ber der pal&#228;stinensischen, sondern auch gegen&#252;ber einem bedeutenden Teil der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung des Landes und besonders gegen&#252;ber den sephardischen Juden, den Falascha, den Mizrachim&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Falascha- oder Etiopim-Juden: urspr&#252;nglich aus &#196;thiopien stammende Juden. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, den ultraorthodoxen Juden oder den vor kurzem eingewanderten russischen Juden, deren Lebensbedingungen in Israel gleichen jenen der &#228;rmsten Proletarier &#252;berall sonst auf der Welt. Diese Armut und Segregation wird regelm&#228;ssig von verschiedenen Organisationen wie Standing Together, der Association for Civil Rights Israel (ACRI), der Coalition against Racism usw. angeprangert und einige davon k&#228;mpfen Seite an Seite mit diesen Israelis &#8222;zweiter Klasse&#8220;. Und manchmal wird die Wut auf die Strasse getragen und mobilisiert diese j&#252;dischen Bev&#246;lkerungen w&#228;hrend Demonstrationen, wie im Sommer 2011 &#8211; aber aufgrund des grossen Einflusses des nationalen Mythos auf das Bewusstsein und der Furcht, als &#8222;Verr&#228;ter der Nation&#8220; zu gelten, geschieht das nur allzu selten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bez&#252;glich des dritten Punkts scheint es mir weder n&#252;tzlich noch w&#252;rdig, gegen einen solch unw&#252;rdigen Ansatz zu argumentieren. Es scheint mir hingegen angebracht, hier zu betonen, dass die Hamas auch das Produkt der israelischen Politik und ein strategischer Verb&#252;ndeter f&#252;r die expansionistischen Ziele des hebr&#228;ischen Staates ist. Direkt und indirekt hat die israelische Regierung die Entwicklung dieser nationalistischen und islamistischen Bewegung namens Hamas beg&#252;nstigt. Indirekt durch ihre Raub- und Landbesetzungspolitik und durch die systemische und entsetzliche Unterdr&#252;ckung der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen. Und direkt als der israelische Staat die Hamas zur Schw&#228;chung der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde instrumentalisierte, indem er ihre (finanziellen, materiellen) Mittel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auszug aus dem Artikel in Haaretz vom 20. Oktober 2023 &#8222;A Brief History of (&#8230;)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur Beherrschung der von ihr kontrollierten Territorien verst&#228;rkte mit dem Ziel, jede M&#246;glichkeit der Durchsetzung einer &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220; zu durchkreuzen. Kurz verf&#252;gte wahrscheinlich nicht &#252;ber diese genauen Informationen, als er seinen Artikel schrieb. Aber nur sein Beharren auf einer Verteidigung einer resolut pro-israelischen Position hat ihn dazu bringen k&#246;nnen, die zahlreichen Quellen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Simha Flapan, Birth of Israel. Myths and Realities, Routledge, 1988. Auf der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die ab den 1990er Jahren erfolgreich die hegemoniale Erz&#228;hlung der offiziellen Geschichtsschreibung des Zionismus und des Staates Israel zunichtemachten, zu ignorieren oder zu vernachl&#228;ssigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sollten schliesslich hier betonen, dass die immer ungest&#252;mere und heftigere Hartn&#228;ckigkeit zur Durchsetzung der Gleichung Antizionismus = Antisemitismus, sowohl seitens der israelischen Institutionen als auch der europ&#228;ischen und US-amerikanischen Regierungsinstanzen, die auch kurz vollst&#228;ndig so vertritt, einhergeht mit der fast unabwendbaren Entwicklung der globalen geostrategischen Situation gepr&#228;gt vom Niedergang der milit&#228;risch-wirtschaftlich-politischen Hegemonie des westlichen Blocks. Und sie entspricht auch &#8211; dialektisch verbunden mit dem ersten Punkt &#8211; der Schw&#228;chung des Einflusses der zionistischen Gr&#252;ndungsmythen (&#8222;ein Land ohne Volk f&#252;r ein Volk ohne Land&#8220;, &#8222;der kleine j&#252;dische David gegen den arabischen Riesen Goliath&#8220;, &#8222;wir sind alle allein, niemand wird uns je verteidigen&#8220;) auf das Bewusstsein der Bev&#246;lkerungen im Westen nach dem Ausbruch seit Ende 1987 der pal&#228;stinensischen Erhebung genannt &#8222;Krieg der Steine&#8220; in den besetzten Gebieten. Die in der Fussnote 37 erw&#228;hnten akademischen Studien widerspiegeln ebenfalls diese Entwicklung und stellen ein Echo darauf dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;C &#8211; Anstelle einer Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik hat durch ihren Aufruf, sich mit dem Kollektiv Golem f&#252;r die Teilnahme an der nationalen Demonstration am letzten 12. November gegen den Antisemitismus zu solidarisieren, gezeigt, dass ihre Positionen zum Antisemitismus sie in die Arme jener Kr&#228;fte treibt, welche eine republikanische und demokratische Politik verteidigen, trotz der Tausenden Seiten Kritik, die sie produziert. Die Wertkritik hantiert mit klassenkampflosen Konzepten in ihren theoretischen Beitr&#228;gen, d.h. sie lehnt die G&#252;ltigkeit jener Analysen ab, welche sich auf den historischen und grundlegenden Antagonismus zwischen den beiden Klassen der kapitalistischen Gesellschaft, eine herrschende b&#252;rgerliche Klasse, die eine unterdr&#252;ckte Klasse, das Proletariat, ausbeutet, als determinierend berufen. F&#252;r die Wertkritik hat sich der abstrakte Wert total von den Handlungen der Menschen befreit und setzt seine Notwendigkeiten zur Akkumulation auf autonome Art und Weise durch, indem er gebieterisch die gesamte Menschheit seinen Launen unterordnet, trotz der Aktivit&#228;ten der Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In logischer Verbindung mit ihren Positionen hinsichtlich des Antisemitismus hat der bekannteste Theoretiker der Wertkritik Robert Kurz mehrere Texte ver&#246;ffentlicht, in welchen er zugunsten einer zwingenden und somit bedingungslosen Verteidigung des Staats Israel argumentiert. Im gegenw&#228;rtigen Kontext hat eine solche Positionierung zugunsten Israels eine besonders tragische Bedeutung, daher das ohrenbet&#228;ubende Schweigen der Wertkritik zur Situation im Nahen Osten. Ich denke, dass ich in diesem Text eine bedeutende Anzahl an Tatsachen und Argumenten geliefert habe, um zu zeigen, wie abwegig es ist, Robert Kurz und seine Genossen zu diesem Thema zu unterst&#252;tzen. In der Perspektive einer gesellschaftlichen Befreiung vom Joch des Kapitalismus, und somit des Werts, der Arbeit und der Ware, ist es offensichtlich absurd, zu behaupten, die Verteidigung irgendeines Staates k&#246;nne gleichbedeutend mit Emanzipation sein oder uns auch nur dorthin f&#252;hren. Weder des Staates Israel, noch eines pal&#228;stinensischen oder irgendeines Staates. Wie kann man nicht sehen, dass die Politik der beiden Entit&#228;ten, der israelischen und der pal&#228;stinensischen, komplement&#228;r miteinander sind und heute zu den Massakern an den pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen f&#252;hren? Ist es notwendig, hier zu pr&#228;zisieren, dass die dazu symmetrische Position, die Verteidigung der Zerst&#246;rung eines bestimmten Staates zugunsten der Gr&#252;ndung eines anderen, sich als genauso sch&#228;dlich f&#252;r jegliches emanzipatorisches Projekt erweisen wird? Unsere gemeinsame Menschlichkeit kann nicht in Strafkolonien namens Staaten eingesperrt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer kommunistischen Perspektive der Emanzipation geht es darum, die Desertion der Proletarier von ihrer nationalen Bourgeoisie auf der Grundlage von grunds&#228;tzlich einander entgegengesetzten Klassenperspektiven zu beg&#252;nstigen und f&#252;r die Verbr&#252;derung mit unseren Klassenbr&#252;dern &#252;berall sonst zu k&#228;mpfen. Eine solche Perspektive scheint ziemlich offensichtlich im Falle des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, wo die Proletarier auf beiden Seiten der Front das gleiche vitale Interesse haben, dieser nur den Interessen des Kapitals (des Werts) und der Kapitalisten n&#252;tzenden Schlachterei zu entkommen. Wo wir nur Kanonenfutter sind. Auch in Israel/Pal&#228;stina kann und muss diese Perspektive verteidigt werden, auch wenn die Situation dort aufgrund des kolonialen Charakters Israels und seiner geopolitischen Position in der Region, die historisch zentral f&#252;r die Interessen des westlichen Lagers ist, viel komplexer ist. Aufgrund der erdr&#252;ckenden milit&#228;rischen &#220;berlegenheit Tsahals und der von ihr begangenen Massaker an den pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen, der relativen soliden nationalen Koh&#228;sion in Israel, der Fortsetzung oder gar Intensivierung der kolonialen Ansiedlungen im Westjordanland ist es eindeutig in diesem Land, wo f&#252;r die Proletarier prim&#228;r die Aufgabe besteht, den Kampf gegen &#8222;ihre eigene Bourgeoisie&#8220;, &#8222;ihre eigenen Anf&#252;hrer&#8220;, als Bedingung f&#252;r eine Verbr&#252;derung mit den pal&#228;stinensischen Proletariern zu beginnen. Eine &#8222;prim&#228;re&#8220; Aufgabe insofern, als auch genau dort diese Perspektive am weitesten entfernt scheint wegen der Kraft der nationalen Erz&#228;hlung und ihres Einflusses &#252;ber ihre B&#252;rger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die pal&#228;stinensischen Proletarier scheint es nicht minder schwierig, sich gegen ihre Henker aufzulehnen. Denn ihnen steht nicht nur der israelische Staat mit aller Kraft seiner terroristischen Mittel gegen&#252;ber, sondern auch die &#8222;Widerstandsorganisationen&#8220;, allen voran die Hamas und die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde, aber auch zahlreiche Organisationen des &#8222;islamischen Widerstands&#8220;. Doch wenn man ber&#252;cksichtigt, wie sich die Hamas (im Gazastreifen) und die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde (im Westjordanland) auf dem gleichen Terrain der Ausbeutung und Unterwerfung der Bev&#246;lkerungen unter ihrer Zust&#228;ndigkeit austoben wie der Staat Israel, der ihnen die Kontrolle dieser Mission delegiert hat, wird es nicht nur realistisch, sondern wesentlich, die theoretischen und praktischen Ans&#228;tze zu verurteilen, welche Teil der innerb&#252;rgerlichen nationalistischen Polarisierungen sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Punkt kann ich die Lekt&#252;re des Interviews mit Emilio Minassian vom (&#8230;)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und uns nur Kriege um Territorien, Religionen oder V&#246;lker bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;re es unrealistisch, eine Befreiung vom gef&#252;hlten Horror gegen&#252;ber der Politik der Anf&#252;hrer auf beiden Seiten und den sowohl von Tsahal als auch der Hamas begangenen Massaker in Betracht zu ziehen, um unsere Wut gegen die Verantwortlichen dieser gesamten Situation zu richten und die Verbr&#252;derung zwischen j&#252;dischen und pal&#228;stinensischen Proletariern zu verteidigen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Wertkritik stellen solche Betrachtungen nur eine verwerfliche Subjektivierung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dar, sie bevorzugt es ihrerseits, sie als Teil einer &#8222;beherrschten Herrschaft, die nicht ihre eigene Grundlage ist&#8220;, sondern magisch vom kapitalistischen Fetischismus namens Wert beherrscht ist, zu analysieren. Daher kommt der erb&#228;rmliche Untergang der Theorie der Wertkritik auf heiligem Land.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paris, Februar 2024.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21297&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es handelt sich um den nationalen Marsch am Sonntag 12. November 2023 gegen den Antisemitismus, der von der Staatsgewalt orchestriert worden ist und zu dem die Pr&#228;sidentin der Nationalversammlung Ya&#235;l Braun-Pivet sowie der Senatspr&#228;sident G&#233;rard Larcher aufgerufen haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;Authorities have identified a total of 274 soldiers ans 859 non-soldiers killed during the brutal assault. The latter figure includes 57 Israel Police officers and 38 local security officers. It is unclear which of these individuals were on duty when killed. Removing those victims leaves a figure of 764 civilians.&#8221; The Times of Israel, 4. Dezember 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen f&#252;r Pal&#228;stina-Fl&#252;chtlinge, hat schon den Tod von 92 ihrer 13&#8216;000 im Gazastreifen pr&#228;senten Angestellten verk&#252;ndet. &#8222;Wir hatten noch nie so viele get&#246;tete Kollegen&#8220;, betont die Sprecherin der Organisation, Juliette Touma. &#8222;Es ist eine beispiellose Bilanz f&#252;r unser Hilfswerk, aber auch die gesamten Vereinten Nationen.&#8220; Das Verh&#228;ltnis der Toten unter den Angestellten, sagt sie weiter, stimmt mit den Zahlen des Ministeriums f&#252;r die gesamte Bev&#246;lkerung &#252;berein, sie wird auf ungef&#228;hr 2.2 Millionen Bewohner im ganzen Territorium gesch&#228;tzt. &#8222;Das l&#228;sst vermuten, dass die vom Gesundheitsministerium kommunizierten Zahlen relativ pr&#228;zis sind&#8220;, erkl&#228;rt sie. &#8222;Es handelt sich nicht um eine Best&#228;tigung, sondern einen Hinweis.&#8220; &#8222;Guerre Isra&#235;l-Hamas : comment le bilan palestinien sur le nombre de morts dans la bande de Gaza est-il &#233;tabli ?&#8220;, &lt;i&gt;Franceinfo&lt;/i&gt;, 10.11.2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Text ver&#246;ffentlicht in &lt;i&gt;EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft&lt;/i&gt;, Heft 6, 2009, Robert Kurz, &lt;a href=&#034;https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&amp;index=13&amp;posnr=209&amp;backtext1=text1.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Die Kinderm&#246;rder von Gaza. Eine Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; f&#252;r die empfindsamen Herzen&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Cl&#233;ment Homs, &lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/2017/05/capitalisme-classes-et-antisemitisme-moderne-par-clement-homs.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220;&lt;/a&gt;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roswitha Scholz, &lt;a href=&#034;https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&amp;index=0&amp;posnr=727&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Editorial, offener Brief und Spendenaufruf&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft&lt;/i&gt;, Nr. 17, April 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Um hier vollst&#228;ndig klar zu sein, der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao verbreitete eine Nachricht des Kollektivs Golem, deren Mitgr&#252;nder (und auch Mitglied des RAAR) Jonas Pardo erkl&#228;rte: &#8222;Ja, ich werde am Sonntag gegen den Antisemitismus auf die Strasse gehen. Ich bin gegenw&#228;rtig unzufrieden mit den Bedingungen, unter welchen dieser Marsch geplant ist. Einerseits wegen der Art des Aufrufs von Ya&#235;l Braun-Pivet und G&#233;rard Larcher. Und nat&#252;rlich wegen der Pr&#228;senz des Rassemblement national. Gem&#228;ss dem Aufruf marschieren wir n&#228;mlich, um die Werte der Republik zu verteidigen. F&#252;r mich ist das ein Narrativ, das die Bedeutung des Kampfes gegen den Antisemitismus aush&#246;hlt. Zuerst einmal sind die Werte der Republik gem&#228;ss Renaissance nicht meine Werte, das ist eine Gewissheit. Seit der Abschaffung der Krankenversicherung f&#252;r Migranten (AME) und der allgemeinen Versch&#228;rfung der Aufnahmebedingungen f&#252;r jene, welche es brauchen, das sind nicht meine Werte. Die Rentenreform, die Prekarisierung der Prek&#228;rsten, das sind nicht meine Werte. Ich denke also, dass diese &#8218;Werte der Republik&#8216; ein nicht genau definierter Inhalt sind, wo man in Wirklichkeit reintun kann, was man will. Was &#252;brigens der Grund ist, dass die &#228;ussere Rechte, Reconqu&#234;te und Rassemblement national, an diese Demonstration gehen kann. Und die Frage ist, was der Kampf gegen den Antisemitismus in diesem Moment f&#252;r mich bedeutet. Warum gehe ich hin? Und es sind zwei Dinge, sehr konkrete Dinge, der Kampf gegen Antisemitismus bedeutet die Verteidigung von lebenden Personen, Leute, die man J&#252;dinnen und Juden nennt. Das ist vor allem anderen der Kampf gegen Antisemitismus. Und dann ist es der Kampf gegen eine Weltanschauung. Eine Weltanschauung, die alles Ungl&#252;ck der Welt nicht auf ein System zur&#252;ckf&#252;hrt, das toxisch und gest&#246;rt ist oder f&#252;r das man eine Alternative vorschlagen sollte. Sondern auf Individuen. Es ist die Personalisierung der Herrschaft. Und diese verschw&#246;rungstheoretische Weltanschauung ist jene der &#228;usseren Rechten. Unterdessen benutzt Marine Le Pen mit ihrer Strategie der Entdiabolisierung nicht mehr die Worte ihres Vaters Jean-Marie Le Pen; sie spricht nicht mehr vom Weltjudentum. Sie sagt nicht mehr die Juden, sondern internationale Finanz, Kosmopolitismus, Globalismus, intellektuelle Eliten, alles Codew&#246;rter, welche die gleiche Weltanschauung vermitteln. Ich werde also Sonntag gegen den Antisemitismus und gegen die &#228;ussere Rechte auf die Strasse gehen, letztere war immer rassistisch und antisemitisch, ist es immer noch und wird es immer sein. Ich hoffe, dass die Linken zusammenstehen werden, um sie zu st&#246;ren und zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen, oder gar sie aus der Kundgebung zu vertreiben.&#8220; Auszug (1min39 bis 4min40), transkribiert von mir, aus einer Sendung #Lamidinale mit dem Interview des Gasts Jonas Pardo und dem Titel &lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=X8lRSCfIceA&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il y a un d&#233;ni de l'antis&#233;mitisme &#224; gauche&#8220;&lt;/a&gt;, Regards.fr, 11.11.2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font toujours beaucoup de bruit, 2&#232;me partie. &#192; propos de certaines incompr&#233;hensions au sujet du &#8218;Marx exot&#233;rique&#8216; et du &#8218;Marx &#233;sot&#233;rique&#8216;&#8220;. Ver&#246;ffentlicht von Palim-Psao am 05.01.2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font toujours beaucoup de bruit, 1&#232;re partie. &#192; propos de certaines incompr&#233;hensions au sujet du &#8218;Marx exot&#233;rique&#8216; et du &#8218;Marx &#233;sot&#233;rique&#8216;&#8220;. Ver&#246;ffentlicht von Palim-Psao am 03.05.2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein bisschen vorher in diesem gleichen Interview behauptet Cl&#233;ment Homs, dass die alterkapitalistische Linke &#8222;weiterhin den kollektiven Lynchmord der Beamten des Kapitals verteidigen oder behaupten&#8220; muss, &#8222;dass man von den Reichen nehmen muss, um es den Armen zu geben, um besser die Zerst&#246;rung der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse durch die Einf&#252;hrung einer radikal neuen gesellschaftlichen Lebensform zu verhindern &#8211; [was] nicht ohne Abrechnungen und einen Widerstand mit Waffengewalt gegen die &#8218;profitierende Klasse&#8216; (unser alter Feind, die Bourgeoisie) wie auch die Segmente anderer Klassen (auch proletarischer), die sich mit der Kraft der letzten Hoffnung an der durch die kapitalistische Gesellschaftsform auf ihre Gesichter geritzte &#8218;Charaktermaske&#8216; (Marx) der modernen Subjektform festhalten werden, geschehen kann.&#8220; Merken wir hier an, dass der Autor, indem er von der &#8222;profitierenden Klasse&#8220; statt der b&#252;rgerlichen Klasse spricht, seinem eigenen Kampf gegen den Antisemitismus nicht wirklich behilflich ist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Und hier denken wir nat&#252;rlich an die weltweite Herrschaft dieser K&#246;nigin aller Waren namens Geld.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/article-article-modernisation-de-rattrapage-capitalisme-d-etat-socialisme-reellement-existant-u-r-s-s-107919219.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Modernisation de rattrapage. Capitalisme d'Etat, &#8218;socialisme r&#233;ellement existant&#8216;, U.R.S.S., d&#233;veloppement&#8220;&lt;/a&gt;, ver&#246;ffentlicht auf Palim-Psao am 8. Juli 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Verweis auf das Buch von Samir Amin, &lt;i&gt;Die ungleiche Entwicklung. Essay &#252;ber die Gesellschaftsformationen des peripheren Kapitalismus&lt;/i&gt;, Hoffmann und Campe, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich m&#246;chte ich das aufschlussreiche und st&#246;rende Buch von Joseph Tonda erw&#228;hnen: &lt;i&gt;Afrodystopie. La Vie dans le r&#234;ve d'Autrui&lt;/i&gt;, Karthala, 2021. Auf der Homepage Palim-Psao findet man &#252;berhaupt keine Rezension dieses Buches, obwohl es etwa zehnmal auf die Werke von Anselm Jappe (&lt;i&gt;Die Abenteuer der Ware&lt;/i&gt;) und Robert Kurz (&lt;i&gt;Die Substanz des Kapitals&lt;/i&gt;) verweist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Robert Kurz, Ernst Lohoff, &#8222;Der Klassenkampf-Fetisch. Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus&#8220; in &lt;i&gt;Marxistische Kritik&lt;/i&gt;, Nr. 7, 1989.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann hier an diese Episode, ein Beispiel unter hunderttausend anderen, zur&#252;ckdenken, als eine franz&#246;sische Aussenministerin ungeschickt genug war, um in der Nationalversammlung &#246;ffentlich zu verk&#252;nden, dass Frankreich dem tunesischen Regime (und bei gleicher Gelegenheit Algerien) seine Zusammenarbeit (die jedoch bereits auf permanente und institutionelle Art und Weise existiert) und sein &#8222;weltweit anerkanntes Know-how&#8220; hinsichtlich der Repression gegen heftige Demonstrationen, die das Land ersch&#252;tterten und damals (Ende 2010) das Regime Ben Alis und seines Klans in Gefahr brachte, angeboten hatte. &#8222;Wir sind bereit, die Ausbildung der tunesischen Ordnungskr&#228;fte zu unterst&#252;tzen, wie wir das auch f&#252;r andere L&#228;nder tun&#8220;, hatte damals Mich&#232;le Alliot-Marie erkl&#228;rt. Ist es wirklich notwendig, hier an die transnationale Operation Condor Mitte der 1970er Jahre auf dem amerikanischen Kontinent, die zur terroristischen Repression gegen die Gesamtheit der K&#228;mpfe und Proteste des S&#252;dkegels unter der &#196;gide der USA f&#252;hrte, zu erinnern!? Es war die Epoche, w&#228;hrend welcher das franz&#246;sische Know-how im Bereich der Folter und des Verschwindenlassens als Kriegstechniken der Aufstandsbek&#228;mpfung in den wichtigsten Milit&#228;rakademien Amerikas studiert wurde.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich finde den Verweis auf der Homepage Palim-Psao auf den Text, in welchem der Autor von dieser &#8222;rassistischen portugiesischen Abwartin&#8220; (hallo Klischee) spricht und sie &#8211; kaum als Metapher &#8211; im gleichen Atemzug mit dem Gesch&#228;ftsf&#252;hrer einer multinationalen Firma erw&#228;hnt, um zu illustrieren, wie die beiden &#8222;sich mit der Kraft der letzten Hoffnung&#8220; an ihrer gesellschaftlichen Bedingung unter dem Kapitalismus &#8222;festhalten werden&#8220;, nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man urteile aufgrund dieser Zitate aus einem kurzen Text von Beno&#238;t Bohy-Bunel, ver&#246;ffentlicht auf Palim-Psao: &lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/2017/04/contre-la-betise-savante-de-temps-critiques-les-freres-jacques-etc.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Contre la b&#234;tise savante de &lt;i&gt;Temps critiques&lt;/i&gt; (&#192; propos des fr&#232;res Jacques, etc.)&#8220;&lt;/a&gt;: &#8222;Die Wertkritik wendet sich auch gegen jegliche pseudokritische Theoretiker, die heutzutage auf bin&#228;re und grob vereinfachende Art und Weise die Kritik der logischen Kategorien (Wert, abstrakte Arbeit, Geld, Ware) und die Kritik der empirischen, von diesen Kategorien angenommenen Formen (L&#246;hne, Ausbeutung, Preise, Ungleichheiten) einander entgegensetzen, da sie davon ausgehen, dass die Thematisierung ersterer das Nachdenken &#252;ber letztere verhindert, und somit, dass ein zerst&#252;ckelter und konfuser, dumm beschreibender oder entgeistert &#8218;pragmatischer&#8216; Standpunkt der einzig angemessene sei (man denke an den d&#252;rftigen Artikel, in welchem die Autoren schamlos ihre Borniertheit zur Schau stellen: &#8218;Les impasses de La Grande D&#233;valorisation&#8216;, November 2016, von Jacques Guigou und Jacques Wajnsztejn) [&#8230;] Empirische und logische Kritik sind einander jedoch nicht entgegengesetzt, sie komplettieren sich; die Formel G-W-G' zeigt sehr gut und auf synthetische Art und Weise, dass man nicht einen dieser beiden Aspekte isolieren kann. Jene hingegen (wie Guigou und Wajnsztejn), welche dem kontingenten Empirischen den Vorrang geben wollen, verzichten auf eine einheitliche und totalisierende Kritik und sind epistemologisch albern (um eine Hegelsche Idee aufzugreifen, sie unterbreiten eine Gesamtheit zerstreuter Ideen, eine reine Extension, der es an der Kraft zu ihrer Vereinigung mangelt). Ihre Art und Weise, &#8218;Lektionen zu erteilen&#8216;, erinnert an die Torheit des Toren, der seinem Gespr&#228;chspartner vorwirft, er sei selbst dumm, unter dem Vorwand, dass er seine begrenzten und partiellen Ansichten nicht teile [&#8230;] Es ist schwierig, mit einer solch &#8218;gelehrten&#8216; Dummheit zu kommunizieren (die &#252;brigens umso d&#252;mmer ist, weil sie sich f&#252;r gelehrt h&#228;lt). Man wird beil&#228;ufig bemerken, dass diese Theoretiker &#8218;kritischer Zeiten&#8216; scheinbar schon fast die wirre Ideologie eines &#8218;kognitiv&#8216; gewordenen Kapitalismus f&#252;r &#8218;g&#252;ltig erkl&#228;ren&#8216; (wenn sie sich nur klar ausdr&#252;cken k&#246;nnten) und somit mehr die &#8218;technische&#8216; Zusammensetzung des Kapitals und nicht seine organische Zusammensetzung betonen [&#8230;] Denn die Frage der transzendentalen Empirizit&#228;t des &#8218;esoterischen&#8216; Marx entgeht ihnen vollst&#228;ndig und sie glauben, mit Selbstgef&#228;lligkeit f&#252;r sie viel zu komplizierte Probleme regeln zu k&#246;nnen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man findet auf Palim-Psao die Spur einer Teilnahme der Wertkritik an einer &#8222;Mobilisierung der treibenden Kr&#228;fte zur Ko-Organisation der &#8218;Rencontres Raisons Sensibles&#8216;&#8220;, die in Toulouse vom 1. bis 12. Juni 2022 stattfanden. Diese Initiative hatte zum Ziel, &#8222;rund um vollendete oder unvollendete Werke, k&#252;nstlerische Laboratorien, theoretische und aktivistische Treffen, zwischen professionellen und studentischen Vorschl&#228;gen, rund um die plastische Kunst, das Theater, den Tanz, die Performance, die Klangkunst, die Poesie, den Film&#8220;, die Begegnung von &#8222;menschlichen Erdbewohnern, die Theater, Zeichnungen, Gravuren machen, Texte schreiben, Verlage haben, Klang erschaffen, Filme drehen, theoretisieren, k&#228;mpfen, studieren, depressiv sind, graue Haare, Geschw&#252;re haben [&#8230;]&#8220; zu erm&#246;glichen. Auszug aus dem Pr&#228;sentationstext der Rencontres Raisons Sensibles auf der Crowdfunding-Online-Plattform Helloasso.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man stellt sich die Frage, wie die Autoren solcher Anschuldigungen sich anzustellen gedenken, um eine derartige Obsession f&#252;r den Populismus zu widerlegen oder &#252;berwinden, da f&#252;r die Wertkritik die Feststellung, &#8222;dass es auch Verantwortlichkeiten von gewissen Individuen und Gruppen gibt&#8220;, automatisch zu Antisemitismus f&#252;hrt!? Wie werden sie es anstellen, da sie &#8222;nach Schuldigen&#8220; suchen, um nicht einem &#8222;[sich breit machenden] (Vulg&#228;r-)Marxismus der Personalisierungen&#8220; zu verfallen, f&#252;r welchen &#8222;die Kapitalisten, Spekulanten und Investoren das Feindbild sind, was freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet&#8220;, wie es Roswitha Scholz f&#252;r die Redaktion von &lt;i&gt;Exit!&lt;/i&gt; formuliert hat?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gesetz Nr. 90-615 (genannt Gayssot-Gesetz) vom 13. Juli 1990, das die Anfechtung &#8222;der Existenz eines oder mehrerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit&#8220; und die Negation oder Verharmlosung der von den Nazis begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Straftat qualifiziert. Sie wird mit einem Jahr Gef&#228;ngnis oder einer Busse von 45&#8216;000 &#8364; bestraft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir erinnern uns an diesen ehemaligen franz&#246;sischen Premierminister, selbstverst&#228;ndlich g&#228;nzlich unbescholten, der im Senat bez&#252;glich des terroristischen Angriffs im Hyper Cacher (Januar 2015) erkl&#228;rt hatte, dass er &#8222;jene&#8220; satthabe, &#8222;welche permanent Entschuldigungen oder kulturelle oder soziologische Erkl&#228;rungen suchen [&#8230;], denn erkl&#228;ren bedeutet schon ein bisschen, dass man es entschuldigen will&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;CRIF: Repr&#228;sentativer Rat der j&#252;dischen Institutionen in Frankreich; UEJF: Union der j&#252;dischen Studenten Frankreichs; B'nai B'rith Frankreich: die wichtigste weltweite j&#252;dische Organisation, gegr&#252;ndet 1843 in New York und mehrere Logen wurden ab 1932 in Frankreich gegr&#252;ndet; Vereinigung Frankreich-Israel: Freundschaftsgruppen Frankreich-Israel der Nationalversammlung und des Senats.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aber in Israel seien diese Foltermethoden nicht wirklich Folter, es seien nur &#8222;gem&#228;ssigte k&#246;rperliche Druckmittel&#8220; gem&#228;ss der Landau-Doktrin, die &#8222;Befragungsmethoden&#8220; wie die Beibehaltung des Gefangenen in schmerzhafter Position, die Aufsetzung einer Gesichtsmaske, laute Musik w&#228;hrend einem l&#228;ngeren Zeitraum, Schlafentzug w&#228;hrend einem l&#228;ngeren Zeitraum, Drohungen, besonders Todesdrohungen, heftiges Sch&#252;tteln und L&#228;hmung durch kalte Luft empfiehlt &#8211; Praktiken, von denen Israel nicht bestreitet, dass sie regelm&#228;ssig eingesetzt werden. Man will kaum mehr wissen zu jenen Foltermethoden, deren Einsatz Israel bestreitet&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist gewiss nicht zwecklos, hier anzumerken, dass die gleichen &#8222;psychologischen&#8220; Mechanismen (Verteidigung seiner eigenen Identit&#228;t und Ablehnung der &#8222;Bedrohungen&#8220;, die diese infrage stellen k&#246;nnten) eine zentrale Rolle in der sektiererischen Abschottung spielen, h&#228;ufig in Organisationen oder Gruppen von Aktivisten beobachtet, umso mehr in Zeiten des sozialen Friedens, wenn die Isolierung und Atomisierung weitgehend dominieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Formulierung &#8222;sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&#8220; f&#252;hrt in die Irre, denn sie kann so verstanden werden, dass es eine spezifische Aktivit&#228;t (&#8222;k&#228;mpfen&#8220;) neben anderen Aktivit&#228;ten betrifft, eine Aktivit&#228;t, die sich nur bemerkbar mache, wenn sie sichtbar und offen ist (&#8222;der Kampf&#8220;). Doch sie muss vor allem als allt&#228;gliche Aufgabe verstanden werden, denn alle Aktivit&#228;ten unserer Leben als Proletarier (von unserer Geburt bis zu unserem Tod) &#8211; sogar wenn wir die uns langsam t&#246;tende verschmutzte Luft atmen &#8211; stellen einen Kampf dar, um schlichtweg zu leben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Jahr 1897 versammelt sich der erste Zionistenkongress in Basel, pr&#228;sidiert von Theodor Herzl. Nathan Birnbaum kann als erster zionistischer Intellektueller betrachtet werden (er sei ab 1886 der Erfinder des Konzepts &#8222;Zionismus&#8220; gewesen). Gem&#228;ss seinen Theorien k&#246;nne nur die Biologie, und nicht die Sprache oder die Kultur, die Herausbildung von Nationen erkl&#228;ren; ohne sie k&#246;nnte man den Ursprung einer j&#252;dischen Nation, deren Mitglieder verschiedenen volkst&#252;mlichen Kulturen angeh&#246;ren und unterschiedliche Sprachen sprechen, nicht verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Telegramm war &#8222;alles andere als eine Ungeschicklichkeit oder ein isolierter Akt, es war das Resultat einer bewussten Entscheidung Herzls, die darin bestand, um die Unterst&#252;tzung des Sultans zu werben, ohne ihm das Massaker an den Armeniern &#252;belzunehmen. Es folgt auf die Audienz, die Herzl vom Sultan etwas vorher, am 18. Mai 1901 in Istanbul, erhalten hatte, w&#228;hrend dieser war er von ihm mit dem Mecidiye-Orden ausgezeichnet worden und hatte er ihm auf ostentative Art und Weise die Ehre erwiesen. Auf sie folgten bis zum Kongress sechs Briefe Herzls an den Sultan, in welchen er ihm seine Dienste anbot, besonders jenen, in Europa den Schriften eines Oppositionellen im Pariser Exil, der in der europ&#228;ischen Presse die Autokratie des osmanischen Regimes kritisierte und freie Wahlen und eine Verfassung verlangte, entgegenzuwirken. Herzl hatte sich zu seiner Unterst&#252;tzung des Sultans w&#228;hrend seiner Er&#246;ffnungsrede am f&#252;nften Zionistenkongress bekannt [&#8230;] &#8218;Man hat mir gesagt, dass es in Paris einen Schriftsteller gebe, den Herrn Ahmed Riza, der durch seine Angriffe auf die Reichsregierung bekannt worden ist. Man sagte mir, dass man diese Angriffe durchkreuzen k&#246;nne [&#8230;] falls Eure Imperiale Majest&#228;t es f&#252;r n&#252;tzlich erachtet, werde ich mich darum k&#252;mmern, und selbstverst&#228;ndlich w&#252;rde ich f&#252;r die Beendigung dieser Angriffe keine Belohnung akzeptieren, ausser ein Wort der Zufriedenheit Eurer Imperialen Majest&#228;t, das f&#252;r mich die h&#246;chste aller Belohnungen ist.&#8216; (Brief von Theodor Herzl an den Sultan vom 17. Juni 1901, &lt;i&gt;Zionistisches Tagebuch 1899-1904&lt;/i&gt;, Bd. 3, S. 303.) Ahmed Riza Bey (1859-1930) war ein Liberaler in Opposition zum Sultan, er hatte in Paris die zweisprachige, franz&#246;sische und t&#252;rkische Zeitung &lt;i&gt;Mesveret-Consultation&lt;/i&gt; gegr&#252;ndet. Er kehrt 1908 in die T&#252;rkei zur&#252;ck und wird 1918 zum Senatspr&#228;sident gew&#228;hlt.&#8220; Gilles Manceron, &#8222;Introduction. L'universalisme en question : l'Affaire comme r&#233;f&#233;rence et comme mod&#232;le&#8220; in &lt;i&gt;&#202;tre dreyfusard. Hier et aujourd'hui&lt;/i&gt;, Presses universitaires de Rennes, 2009, S. 419-488.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ich habe Plehwe getroffen. Ich habe sein Wort, dass er in sp&#228;testens 15 Jahren eine Charta f&#252;r uns f&#252;r Pal&#228;stina erstellen wird. Aber es gibt daf&#252;r eine Bedingung: Dass die j&#252;dischen Revolution&#228;re ihren Kampf gegen die russische Regierung beenden.&#8220; Zitiert in Samuel Portnoy, Vladimir Medem: The Life and Soul of a Legendary Jewish Socialist, KTAV Publishing House, 1979.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zitiert in Nur Masalha, &lt;i&gt;Expulsion of the Palestinians. The Concept of '&lt;/i&gt;&lt;i&gt;T&lt;/i&gt;&lt;i&gt;ransfer' in Zionist Political Thought. 1882-1948&lt;/i&gt;, Institute for Palestine Studies, 1992.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Argument greift Kurz in seinem Artikel auf. Auch f&#252;r ihn hat die Gr&#252;ndung des Staates Israels ihre Kraft und ihre Bedeutung aus der Shoa erlangt. Israel sei dieses f&#252;r vom weltweiten Antisemitismus verfolgte Juden immer offenstehende Refugium.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Shlomo Sand, &#8222;Post-sionisme : un bilan provisoire. &#192; propos des historiens &#8218;agr&#233;&#233;s&#8216; et &#8218;non agr&#233;&#233;s&#8216; en Isra&#235;l&#8220; in &lt;a href=&#034;https://www.cairn.info/revue-annales-2004-1-page-143.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Annales. Histoire, Sciences sociales&lt;/i&gt;, Nr. 1, 2004&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Passagen musste ich wieder und wieder lesen, um sicher zu sein, dass das dort geschrieben stand!&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Doch diese von den Experten der OECD erstellten Statistiken (Zahlen von 2020) ignorieren das Elend und die Armut, die das Los der im Gazastreifen und im Westjordanland lebenden Bev&#246;lkerungen sind, deren z&#252;gellose Ausbeutung substanziell zum Wohlstand des Landes beitr&#228;gt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Falascha- oder Etiopim-Juden: urspr&#252;nglich aus &#196;thiopien stammende Juden. Die Falascha Mura haben die gleiche Abstammung wie die Etiopim, doch sie hatten zu einem gewissen Zeitpunkt ihrer Geschichte (19. Jahrhundert) zum Christentum konvertiert, bevor sie sich wieder auf ihre Zugeh&#246;rigkeit zum Judentum beriefen. Mizrachim-Juden: Bezeichnet eine bunt zusammengew&#252;rfelte Menge j&#252;discher Gemeinschaften aus dem Nahen Osten, dem Kaukasus und dem Rest Asiens. Die &#8222;Schwarzen Panther Israels&#8220; entstanden innerhalb dieser Bev&#246;lkerung ab 1971.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auszug aus dem Artikel in &lt;i&gt;Haaretz&lt;/i&gt; vom 20. Oktober 2023 &lt;a href=&#034;https://www.haaretz.com/israel-news/2023-10-20/ty-article-opinion/.premium/a-brief-history-of-the-netanyahu-hamas-alliance/0000018b-47d9-d242-abef-57ff1be90000&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Brief History of the Netanyahu-Hamas Alliance&#8220;&lt;/a&gt;: &#8222;In Wirklichkeit war das Regime der Hamas seit der Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; Ende 2008-Anfang 2009 in der Olmert-&#196;ra mit keiner wahrhaften milit&#228;rischen Bedrohung konfrontiert. Im Gegenteil: Die Gruppe wurde vom israelischen Premierminister unterst&#252;tzt und mit seiner Hilfe finanziert. Als Netanyahu im April 2019, wie er es nach jeder Serie von K&#228;mpfen tat, erkl&#228;rte, dass &#8218;wir die Abschreckung mit der Hamals wiederhergestellt haben&#8216; und dass &#8218;wir die wichtigsten Versorgungsrouten blockiert haben&#8216;, log er wie gedruckt. Seit mehr als einem Jahrzehnt hat Netanyahu in mehrerer Hinsicht die zunehmende milit&#228;rische und politische Macht der Hamas tatkr&#228;ftig unterst&#252;tzt. Es war Netanyahu, der die Hamas von einer terroristischen Organisation mit geringen Mitteln in einen halbstaatlichen Organismus verwandelt hat.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Simha Flapan, &lt;i&gt;Birth of Israel. Myths and Realities&lt;/i&gt;, Routledge, 1988. Auf der Grundlage der freigegebenen Archive zum Krieg 1948 gelingt es Flapan, die offizielle Version des zionistischen Mythos zu widerlegen und somit die Erlebnisse der pal&#228;stinensischen Bewohner, die von ihrem Land durch die Massaker und Beraubungen der zionistischen Siedler verjagt wurden, zu best&#228;tigen. Mit seinen Werken ebnete er den Weg f&#252;r die gegen&#252;ber der offiziellen Geschichtsschreibung kritisch eingestellten Historiker, die als &#8222;neue Historiker&#8220; bezeichnet worden sind, im Folgenden einige Namen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Avi Shlaim, &lt;i&gt;Collusion across the Jordan. King Abdullah, the Zionist Movement and the Partition of Palestine&lt;/i&gt;, Oxford University Press, 1988;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ilan Pappe, &lt;i&gt;Britain and the Arab-Israeli Conflict. 1948-1951&lt;/i&gt;, London, McMillan/St. Anthony's, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Benny Morris, &lt;i&gt;The Birth of the Palestinian Refugee Problem. 1947-1949&lt;/i&gt;, Cambridge University Press, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Punkt kann ich die Lekt&#252;re des Interviews mit Emilio Minassian vom 30. Oktober w&#228;rmstens empfehlen, es wurde auf dem Blog &lt;i&gt;Le Serpent de Mer&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht und liefert eine pointierte Analyse der Situation im Gazastreifen: &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Eine extreme Militarisierung des Klassenkrieges in Israel-Pal&#228;stina&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Gilles Dauv&#233; - Die B&#228;ckerin und der Theoretiker (zur Wertkritik)</title>
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&lt;p&gt;Die v.a. auf Roberz Kurz, Anselm Jappe und Moishe Postone zur&#252;ckgehende Wertkritik hat mittlerweile seit der &#220;bersetzung des Manifest gegen die Arbeit 2002 einen guten Ruf unter Radikalen, im wesentlichen weil sie sich erfolgreich als Vorposten der Gesellschaftskritik pr&#228;sentiert. &lt;br class='autobr' /&gt;
Aus welchem Grund sollte man an einer Debatte teilnehmen, die allem Anschein nach eine Debatte von Spezialisten ist? (Wertform...schon der Begriff beeindruckt.) Allen voran, weil sie bedeutende politische Fragen (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Gilles-Dauve" rel="tag"&gt;Gilles Dauv&#233;&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Wertkritik" rel="tag"&gt;Wertkritik&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/cropped-chat-blanc-1.jpg?1689536216' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='32' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die v.a. auf Roberz Kurz, Anselm Jappe und Moishe Postone zur&#252;ckgehende Wertkritik&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Homepage Palimpsao liefert das Wesentliche zur Wertkritik. (Ad&#220;: Auf (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; hat mittlerweile seit der &#220;bersetzung des &lt;i&gt;Manifest gegen die Arbeit&lt;/i&gt; 2002 einen guten Ruf unter Radikalen, im wesentlichen weil sie sich erfolgreich als Vorposten der Gesellschaftskritik pr&#228;sentiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus welchem Grund sollte man an einer Debatte teilnehmen, die allem Anschein nach eine Debatte von Spezialisten ist? (&lt;i&gt;Wertform&lt;/i&gt;...schon der Begriff beeindruckt.) Allen voran, weil sie bedeutende politische Fragen betrifft. Doch auch, weil jeder von uns genauso viel davon wissen kann wie die Spezialisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1: Wert &amp; Wert&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir &lt;i&gt;Wert&lt;/i&gt; nennen, ist das, was die kapitalistische Produktion und Zirkulation bestimmt: die durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit zur Produktion einer Ware. Der Wert ist Geld und die Zeit ist allen voran Arbeitszeit. Eine Ware ist geronnene Arbeitszeit. Die Zeit ist sowohl die Substanz als auch das Mass des Werts. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit gelangt zuletzt logischerweise zu einer &lt;i&gt;minimalen&lt;/i&gt; Arbeitszeit: Die &lt;i&gt;Produktivit&#228;t&lt;/i&gt; tendiert dazu, sich &#252;berall in der Gesellschaft durchzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wiederholung der Worte &lt;strong&gt;Zeit&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Arbeit&lt;/strong&gt; ist nicht eine stilistische Schwerf&#228;lligkeit: Das Verst&#228;ndnis des Werts ist von der Vereinigung dieser beiden Wirklichkeiten abh&#228;ngig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausbeutung ist nicht nur die Tatsache, dass dem Arbeiter alles oder ein Teil seiner Arbeit weggenommen wird. Doch sie wird normalerweise darauf beschr&#228;nkt, was die doppelte L&#246;sung der Wiederaneignung der Produktionsmittel und die Neuverteilung des Reichtums impliziert: die &#8222;Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; unter der F&#252;hrung der Arbeiter, der &#8222;assoziierten Produzenten&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Programm wurde nicht aufgrund der Dickk&#246;pfigkeit einiger Theoretiker in Frage gestellt. Der Anfang einer proletarischen Kritik, v.a. im Italien der 1970er Jahre, hat den Marxismus als Affirmation der Arbeit in Frage gestellt und erlaubte es, die Forderung der Abschaffung der Arbeit theoretisch zu gr&#252;nden, w&#228;hrend sie zuvor von Kommunisten nur als Gebot proklamiert wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Losl&#246;sung der Produkte und der Wesen von ihrem Charakter als Waren bedeutet nicht nur die Abschaffung des Geldes, sondern ein Leben ohne Berechnung und Vergleich der Produktionszeit, um sie auf ein Minimum zu reduzieren: Es bedeutet, mit der Produktivit&#228;t zu brechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik erscheint als eine der Ausdr&#252;cke dieser Perspektive: Besteht sie nicht auf der Kritik &lt;i&gt;der Arbeit&lt;/i&gt;, indem der Wert den Kern der Analyse darstellt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Wertkritik verwandelt den Kern in die Totalit&#228;t: Der Wert sei komplett autonomisiert, sich selbst unterhaltend. Alle Wirklichkeiten, allen voran jene des Kapitals im Sinne einer von einem Unternehmer investierte Summe mit dem Ziel, am Ende des Zyklus mehr Geld zu gewinnen als er investiert hat, alle Konzepte verlieren ihre Funktion und verschmelzen in einem grossen Ganzen, das von der &#8222;abstrakten Arbeit&#8220; beherrscht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Wertkritik ist die &#8222;abstrakte Arbeit&#8220; dermassen abstrakt, dass sie &#252;berall und nirgends existiert: Die Produktionsst&#228;tte, eine Fabrik f&#252;r elektronische Teile beispielsweise, wird belanglos. Eine Vervielfachung von Begriffen (&#8222;wesentliche gesellschaftliche Vermittlung&#8220;, &#8222;immanente Dynamik&#8220;, &#8222;Sozialisierung durch den Wert&#8220;, &#8222;tautologische Bewegung der Reproduktion und der Selbstreflexion des Geldes&#8220;) erkl&#228;ren uns, dass, entgegen dem Anschein, das System ganz alleine funktioniert. Wenn die Wertkritik von der Lohnarbeit spricht, tut sie es als nebens&#228;chlichen Punkt: Wo die abstrakte Arbeit herrscht, wird die Arbeit sekund&#228;r, deren Ausbeutung somit auch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Wertkritik ist mit dem Wort &lt;i&gt;Wert&lt;/i&gt; alles gesagt: Die abstrakte Herrschaft des Werts, wobei es f&#252;r die Wertkritik von geringer Bedeutung ist, dass die Ware &lt;i&gt;Arbeitskraft&lt;/i&gt; zum Arbeiten gebracht wird, um Wert zu produzieren: Die Tatsache, dass sie Ware ist, z&#228;hlt mehr als ihr Zweck. Die Arbeitskraft ist nicht jene Ware, welche die Grundlage aller anderen Waren ist, sie ist nur eine von vielen, nicht zentraler als Hundert andere f&#252;r den Fortbestand des Systems.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zusammengefasst hat das Konzept des Werts jenes des Kapitals absorbiert und die Ausbeutung der Arbeit ist ein davon abgeleitetes Ph&#228;nomen: Der Begriff des Mehrwerts ist in jenem des Werts aufgel&#246;st worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus folgt logischerweise die Ausweitung des Begriffs des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses auf alle Handlungen des Lebens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mann hat Geld investiert und ist Chef einer B&#228;ckerei geworden. Ein Lohnarbeiter arbeitet am Ofen. Die Frau des Chefs ist Verk&#228;uferin: Sie m&#246;chte ihren Mann verlassen, tut es jedoch nicht, weil sie nicht genug Geld hat. Der Theoretiker (der z.B. Lehrer im &#246;ffentlichen Sektor sein k&#246;nnte) wohnt gegen&#252;ber. Seine Tochter, die glaubt, sie habe nicht genug Taschengeld, weigert sich, einkaufen zu gehen. Der Theoretiker geht sein Brot selbst kaufen. Er zahlt 1 &#8364; f&#252;r die Baguette mit einem 2-&#8364;-St&#252;ck und bekommt 1 &#8364; Wechselgeld, das er beim Rausgehen einem auf dem Gehsteig sitzenden Obdachlosen gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Wertkritik ist der Kapitalismus von der Gesamtheit dieser Verh&#228;ltnisse konstituiert, ohne dass eines die anderen bestimmt. Trotz den Status- oder Funktionsunterschieden sind die Unterschiede zwischen Chef, Arbeiter, Ehefrau ohne Ressourcen, Kind abh&#228;ngig von seinen Eltern, bezahltem Lehrer, Obdachlosem weniger wichtig als ihre Gemeinsamkeit: alle sind sie &#8222;vom Wert&#8220; beherrscht. Ob sie nun arbeiten oder nicht, befehlen oder gehorchen m&#246;gen, sie sind alle beherrscht von der &#8222;abstrakten Arbeit&#8220;. Jede Rolle st&#252;tzt jede andere und das gesellschaftliche System reproduziert sich in gleichem Masse durch jede Handlung. Die gesellschaftliche Ver&#228;nderung kann also nur von einer Addition der Verweigerung jedes Teilnehmers kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik gesteht der Arbeit nur eine beil&#228;ufige Rolle zu, gem&#228;ss ihr braucht der Kapitalismus die Arbeit nicht mehr wirklich, doch zwingt weiterhin jeden (Angestellter oder Arbeitsloser) zur Arbeit aus Gr&#252;nden der sozialen Kontrolle. Die Funktion der Arbeit sei nicht mehr die Produktion, sondern die Herrschaft. Die Wertkritik ist eine Werttheorie ohne die Arbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2: Klassengesellschaft oder Automatengesellschaft?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die Wertkritik den Verdienst hat, verstanden zu haben, dass der Kommunismus nicht der Sieg der Arbeit &#252;ber das Kapital, der Arbeiterklasse &#252;ber die Bourgeoisie ist, dient ihr dieses Verst&#228;ndnis nur dazu, daraus die Nichtigkeit eines Klassenkampfes zu folgern, der sich damit begn&#252;ge, das System zu unterhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r sie werden die Arbeit und das produktive Moment mit der Autonomisierung des Werts zu etwas Beil&#228;ufigem, die Revolution (um ein altes Wort zu gebrauchen) wird das Werk von Milliarden von verdinglichten und entfremdeten Wesen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann tats&#228;chlich sagen, dass der K&#228;ufer eines Mercedes f&#252;r 100 000 &#8364; &lt;i&gt;entfremdet&lt;/i&gt; ist genau wie (und hier nicht als Vergleich, denn es ist nicht vergleichbar) der Obdachlose, welcher seine Nahrung in den M&#252;lleimern sucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch um zu verstehen, wie die bestehende Gesellschaft funktioniert (und wie sie umgest&#252;rzt werden k&#246;nnte), reicht die Entfremdung nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Markt ist der notwendige Ort, wo sich die &#228;quivalenten Substanzen an durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeit, also Wert, treffen, diese &#196;quivalenzen haben sich in und durch die Ausbeutung von Arbeitern formiert, wobei die Kosten gemessen (und auf das Minimum reduziert) werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik pr&#228;sentiert uns eine Welt, wo jeder permanent einmal K&#228;ufer, einmal Verk&#228;ufer ist, auch von sich selbst. In Wirklichkeit basiert der Wert auf der Arbeitsteilung, welche die Teilung des Eigentums zwischen jenen voraussetzt, welche die Produktionsmittel kontrollieren, und jenen &#8222;Reservelosen&#8220;, welche gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu k&#246;nnen. Anders gesagt: zwei &lt;i&gt;Klassen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verortung des Werts in der Produktion bedeutet, den wesentlichen Gegensatz im Verh&#228;ltnis Lohnarbeit/Kapital zu situieren, mit allem, was das bez&#252;glich Klassenverh&#228;ltnissen impliziert: Wir stehen dem unvermeidlichen Problem eines Klassenkampfes gegen&#252;ber, der f&#228;hig ist, etwas anderes als sich selbst hervorzubringen. Ein Problem, das bis heute von den Proletariern noch nie gel&#246;st worden ist, und mit dem sich die kommunistische Theorie seit zwei Jahrhunderten besch&#228;ftigt, doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik meidet die Schwierigkeit. Das R&#228;tsel des Proletariats (diese Klasse, die keine ist...) wird gel&#246;st, indem der Ursprung des Werts in der Zirkulation, im Austausch verortet wird: Das Problem wird in einem Ganzen von Widerspr&#252;chen aufgel&#246;st, die durch die Konzepte der Entfremdung, der Enteignung und des Fetischismus zusammengefasst werden k&#246;nnen, Wirklichkeiten, die mehr oder weniger alle betreffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von der sehr richtigen Kritik einer Vision des Kampfes zwischen Bourgeois und Proletarier, wo es gen&#252;gen w&#252;rde, zweiteren von ersterem zu befreien, kommt die Wertkritik zu einer Negation der Realit&#228;t der Klasse. Vom Verst&#228;ndnis der Unpers&#246;nlichkeit des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses (Bourgeois und Arbeiter sind nur Funktionen des Kapitals) kommt sie zu einer Entpersonalisierung, welche die Realit&#228;t entrealisiert: Die Transformation des Werts sei das Werk all jener, welche dem Wert ergeben sind, d.h. die Gesamtheit der Opfer des Kapitalismus (die ber&#252;hmten 99%).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dazu kommt, dass, wenn das Kapital als Automat funktioniert und sein Automatismus alles und alle umfasst, wenn das einzig wahre Subjekt der Wert ist, so ist auf dieser H&#246;he der Abstraktion jene Kraft, welche f&#228;hig w&#228;re, ihn zu st&#252;rzen (schon wieder ein exzessives Wort: &lt;i&gt;&#252;berwinden&lt;/i&gt; reicht), auch automatisch. Die Ver&#228;nderung, das sind ihr und ich, und das ist unvermeidlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3 : Fetish victims&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei Gruppen wie Socialisme ou Barbarie f&#252;hrte die Theoretisierung eines &#8222;b&#252;rokratischen Kapitalismus&#8220; (der in Russland als verwirklicht und in Amerika als sich ausbreitend betrachtet wurde) dazu, dass die &lt;i&gt;B&#252;rokratie&lt;/i&gt; zur Essenz des Kapitalismus wurde. Die situationistische Analyse der &#8222;spektakul&#228;ren Gesellschaft&#8220; hat schliesslich das &lt;i&gt;Spektakel&lt;/i&gt; als Grundlage der Gesellschaft gesetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik geht gleich vor mit dem &lt;i&gt;Fetischismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das Wort einen Sinn hat, dann insofern, als dass &lt;i&gt;Fetischismus&lt;/i&gt; den Mechanismus beschreibt, durch welchen das Geld als etwas mit einer eigenen Kraft erscheint, obwohl es aus der Arbeit resultiert, aus Verh&#228;ltnissen zwischen Menschen (zwischen Klassen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch bei der Wertkritik ist der Fetischismus nicht mehr der Effekt einer gewissen Art der T&#228;tigkeit: der Arbeit. Es ist umgekehrt: &lt;i&gt;Die Arbeit&lt;/i&gt; ist ein Fetisch. Die Theorie des &#8222;Fetischkapitalismus&#8220; verwandelt das Kapital (und seine ganze Gesellschaft) in einen Fetisch. Die Tatsache, dass die Proletarier ausgebeutet werden, ist nur eine Randwirklichkeit: In Tat und Wahrheit sind sie und wir alle Fetischisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls das das Wesen des Kapitalismus ist, ist die L&#246;sung, pers&#246;nliche, wirklich erlebte, nicht durch die Ware vermittelte Beziehungen zu unterst&#252;tzen, wie sie von einer transparenten Gesellschaft der assoziierten Produzenten hervorgerufen werden k&#246;nnen, denn, wenn sie assoziiert sind, werden sie wissen, was sie tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem der Fetischismus zum zentralen Ziel wird, werden gesellschaftliche und Produktionsverh&#228;ltnisse getrennt. Das Wort &#8222;gesellschaftlich&#8220; scheint der Analyse Breite und Tiefe zu geben, doch in Wirklichkeit l&#246;st es ihre Grundlage auf: Es gibt keine Ursache, keine Wirkung mehr, nur noch eine selbst-(re)produzierte Totalit&#228;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Arbeit und Ausbeutung werden in Bezug auf eine verallgemeinerte Entfremdung (welche der Grund f&#252;r den Fortbestand der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft sei) als sekund&#228;r dekretiert, die Forderung der Authentizit&#228;t erlaubt es, mehr oder weniger jeden mit einzuschliessen. Die 99%, einmal mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gehen wir das Risiko ein, als alte Marxisten dazustehen: Der Fetischismus liegt nicht in der Tatsache, dass die B&#228;ckerin und ich gegenseitig Dinge austauschen, weil sie mir mit einer Hand die Baguette gibt und mit der anderen meine 2 &#8364; nimmt. Er liegt im Vergessen der Tatsache, dass das Geld ein Ausbeutungsverh&#228;ltnis ausdr&#252;ckt. Ein unvermeidliches Vergessen f&#252;r die B&#228;ckerin (sie hat andere Sorgen), doch weniger verzeihlich f&#252;r jenen, welcher das R&#228;tsel der modernen Gesellschaft entschl&#252;sseln will. Der Theoretiker stellt die Wirklichkeit auf den Kopf, wenn er die Lohnarbeit als beil&#228;ufiges Ph&#228;nomen, als einen einfachen Effekt der verallgemeinerten Unterwerfung unter die abstrakte Arbeit betrachtet. Fetischisieren bedeutet, vom &lt;i&gt;K&#246;nig Geld&lt;/i&gt; oder der &lt;i&gt;Herrschaft der Ware&lt;/i&gt; zu sprechen, obwohl sie nur durch Delegation souver&#228;n sind. Ein Eigent&#252;mlichkeit des Fetischobjekts ist seine F&#228;higkeit, als automatisches Subjekt zu handeln, dessen Kontrolle den Menschen entwischt. Die Wertkritik verh&#228;lt sich gleich, wenn sie dem &#8222;Wert&#8220; eine autonome Macht zugesteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die B&#228;ckerin z&#228;hlt ihre M&#252;nzen, doch es ist der Theoretiker der Allmacht des Werts, welcher der Faszination f&#252;r das Kapital erliegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die wahren Opfer des Fetischismus sind jene, welche glauben, dass der Wert die Welt dirigiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4: Ihre Marx-Lekt&#252;re&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese &#8222;neuen Marx-Leser&#8220; sind wenig kritische Leser. Sie dr&#252;cken nie eine ausdr&#252;ckliche Uneinigkeit mit Marx aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Theorie ist allerdings weit entfernt von jener von Marx, um nicht zu sagen ihr Gegenteil, denn alle wesentlichen Marxschen Konzepte zur Analyse des Kapitalismus (Arbeit, notwendige Arbeit/Mehrarbeit, Lohnarbeit, Mehrwert, Profit, Klasse usw.) werden im &lt;i&gt;Wert&lt;/i&gt; aufgel&#246;st (man sagt, darunter &lt;i&gt;subsumiert&lt;/i&gt;), welcher zum Status der &#8222;selbstvermittelnden&#8220; und &#8222;selbstreferenziellen&#8220; &#8222;gesellschaftlichen Totalit&#228;t&#8220; erhoben wird, mit anderen Worten, es wird zum alles erkl&#228;renden Konzept.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da die Wertkritik behauptet, sie studiere die Arbeit, erwartete man eine Kritik der Art und Weise, wie der Autor des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; den Wert und die Arbeit behandelt und definiert, besonders am Anfang des ersten Bandes&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine kritische neue Marx-Lekt&#252;re, siehe Bruno Astarian, Feuilleton sur (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Wertkritik das in Zehntausenden geschriebener Seiten nicht tut, bedeutet das, das sie ein anderes Ziel hat: Die Behauptung, der Wert sei alles, das Kapital auf den Wert reduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deswegen interessieren sie sich nur f&#252;r die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; (Manuskripte von 1857-1858) und auch da ist ihr Interesse beschr&#228;nkt: Haupts&#228;chlich das &#8222;Maschinenfragment&#8220;, jene Seiten, wo Marx erkl&#228;rt, dass die Erschaffung von Reichtum immer weniger von unmittelbarer und direkter Arbeit abh&#228;ngt und immer mehr von der Anwendung der Wissenschaft und der Technologie (der mittlerweile ber&#252;hmte &lt;i&gt;general intellect&lt;/i&gt;) auf die Produktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik braucht Marx also nicht zu widerlegen. Es reicht, einen &lt;i&gt;exoterischen&lt;/i&gt; Marx (jener des 19. Jahrhunderts, der Arbeiterbewegung, des Klassenkampfes, der Affirmation der Arbeit) von einem &lt;i&gt;esoterischen&lt;/i&gt; Marx zu trennen, dem wahren, dem Revolution&#228;r, jenem der &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, dem vorhersehenden Theoretiker der Wertform, welche im 20. Jahrhundert vorherrschend geworden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Marxsche Werk war zu seiner Zeit g&#252;ltig, doch sei heute &#252;berholt. &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt; galt f&#252;r 1867. Nur die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; (das, was die Wertkritik davon benutzt) gelten f&#252;r heute. Was der Wertkritik zugrunde liegt, ist die These eines &lt;strong&gt;neuen Kapitalismus&lt;/strong&gt;, welcher von den historischen Zw&#228;ngen wie der industriellen Arbeit, der Opposition Bourgeois/Arbeiter, dem Unterschied zwischen Arbeiter und Nicht-Arbeiter, zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit (alle und alles strebt mittlerweile nach Schaffung von Wert), zwischen Produktion und Zirkulation befreit ist. Dieser Neokapitalismus biete also den Vorteil, die Beseitigung einer Arbeit zu erleichtern, welche schon dabei ist, vom Kapitalismus selbst ausgel&#246;scht zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5: Methode&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik macht aus dem &#8222;Wert&#8220; eine magische Formel, einen Schl&#252;ssel zu universellem Verst&#228;ndnis, in der Funktion vergleichbar mit &#8222;Kapitalismus&#8220; oder &#8222;Klasse&#8220; im Marxismus. Der Leser steht einer Kombination einer Serie von W&#246;rtern gegen&#252;ber und jedes soll das andere erkl&#228;ren: &lt;i&gt;abstrakte Arbeit&lt;/i&gt; (ohne &lt;i&gt;abstrakt&lt;/i&gt; grenzte es an Arbeitermarxismus), &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Wert&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Fetisch&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;gesellschaftliche Vermittlung&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Reproduktion&lt;/i&gt; (&#8222;Produktion&#8220; t&#246;nt etwas veraltet) usw., ohne Demonstration einer Kausalit&#228;t: Der Sinn wird von einem Begriff zu seinem Nachbarn umgegossen und dann f&#228;ngt man wieder von vorne an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Methode ist unwiderlegbar: Kein Moment des Gedankengangs kann bei einem Fehler ertappt werden, denn jeder verweist auf eine erste und letzte Ursache, &#8222;den Wert&#8220;, kaum sp&#252;rbar, doch omnipr&#228;sent (genau wie &#8222;der Kapitalismus&#8220; bei den Marxisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik beeindruckt dank Konzepten, welche die Illusion erschaffen, den Dingen auf den Grund zu gehen, die Realit&#228;t in ihrer allgemeinsten Wirklichkeit zu erfassen. Der Begriff &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt; suggeriert, dass man eine Unendlichkeit an besonderen Inhalten verstanden hat. &lt;i&gt;Abstrakte Arbeit&lt;/i&gt; scheint alle m&#246;glichen Manifestationen von Arbeit und Nicht-Arbeit abzudecken. Die Wiederholung des Adjektivs &lt;i&gt;gesellschaftlich&lt;/i&gt; weitet den Standpunkt auf eine Vielzahl von Gesten und Praktiken aus. Der Leser kann also den Eindruck haben, er werde von den oberfl&#228;chlichen Ph&#228;nomenen zu ihren tieferen Ursachen gef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit nimmt eine derartige Ausweitung den Konzepten jeglichen Sinn. In der Wertkritik bedeutet &lt;i&gt;abstrakte Arbeit&lt;/i&gt; das Ende der Rolle der Arbeit: Die Behandlung der Arbeit als Abstraktion, die Trennung der Arbeit von jeglicher konkreter Arbeit ist gleichbedeutend mit ihrer Beseitigung. Die &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt; ist Synonym von Substanzverlust, der zeitgen&#246;ssische Kapitalismus (der neue Kapitalismus, aufgrund der dritten industriellen Revolution) wird dahingehend beschrieben, dass er die Substanz der abstrakten Arbeit, der Grundlage des Werts aufl&#246;st.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Wort &lt;i&gt;gesellschaftlich&lt;/i&gt; betrifft (das bei der Wertkritik genauso h&#228;ufig vorkommt wie &#8222;die K&#228;mpfe&#8220; bei den Aktivisten), banalisiert seine Verallgemeinerung den Sinn: Wenn es alles betrifft, von einer Renault-Fabrik bis zum Streit bei meinen Nachbarn, wenn &lt;i&gt;auf diese Art und Weise&lt;/i&gt; von gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen gesprochen wird, so bedeutet das, dass man die Produktionsverh&#228;ltnisse und die Klassenverh&#228;ltnisse in unserer Gesellschaft vergisst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6: Politik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was bringt eine Theorie f&#252;r Vorschl&#228;ge, welche sowohl gegen&#252;ber dem zeitgen&#246;ssischen Antikapitalismus und den Globalisierungsgegnern als auch gegen&#252;ber der alten Arbeiterbewegung kritisch sein will?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Gesellschaft ohne Schwerpunkt, welche automatisch funktioniert und den Gegensatz Kapital/Arbeit auf einen Interessenkonflikt zwischen Besitzern von verschiedenen Waren reduziert, braucht man kein &#8222;historisches Subjekt&#8220; mehr zu suchen, es ist nur ausserhalb der (Re-)Produktionssph&#228;re zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier gibt es etliche Optionen. Man kann z.B. die Gewalt der Ausgeschlossenen theoretisieren. Doch die Anh&#228;nger der Wertkritik bevorzugen mildere L&#246;sungen, welche die Ver&#228;nderung der Mentalit&#228;ten, Konsumentenbewegungen, die Genossenschaft, gesellschaftliche Experimente, &#246;kologische Praktiken, Aktionen gegen die Sch&#228;dlichkeiten mit einer Neuordnung der Aufgaben, eine Industrie &#8222;auf menschlichem Niveau&#8220;, mehr Automatisierung, die Reduzierung der Arbeitszeit, eine Akzentuierung der &#8222;Wissenswirtschaft&#8220; dank der sogenannten digitalen Revolution vermischen, das Ganze wird dann noch mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen und nach horizontaler Demokratie garniert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welch ein Kontrast zwischen der Ambition, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen, und der Bescheidenheit der Ziele...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass die Wertkritik kompatibel mit dem reformistischen Arsenal ist, liegt an ihrer Definition des Werts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie Nikolaus von Kues im 15. Jahrhundert Gott definierte, ist der Wert ein &#8222;Kreis, dessen Mittelpunkt &#252;berall und dessen Umfang nirgends ist&#8220;. Zum Gl&#252;ck ist dieses Monster verwundbar: Da es in jedem von uns steckt, k&#246;nnen wir es zum Verschwinden bringen, wenn sich der Architekt und seine Sekret&#228;rin, der Kaufmann und seine Verk&#228;uferin, der Schuldirektor und der Sch&#252;ler, der B&#252;rgermeister und der M&#252;llmann in Praktiken der Unentgeltlichkeit, des Widerstands, oder gar des Ungehorsams engagieren. Statt der Revolution, dieses verstaubte Relikt aus dem 19. Jahrhundert, setzt man also ein oder zwei Milliarden Mikrorevolutionen, eine Unendlichkeit von kleinen und grossen Gesten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;7: Im Zeitgeist&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Komplexit&#228;t im Dienste der M&#228;ssigung. Schon vor 15 Jahren beschrieb das &lt;i&gt;Manifest gegen die Arbeit&lt;/i&gt; (welches von Krisis ver&#246;ffentlicht wurde und Robert Kurz war einer der zentralen Figuren davon) ein System, das umso einfacher zu zerst&#246;ren ist, weil es sich selbst aufl&#246;st: Der Kapitalismus entziehe der Arbeit und somit dem Wert die rationale Grundlage. Die Revolution wird nicht mehr gebraucht, schliesslich sei der Kapitalismus dabei, seine eigenen Grenzen zu erreichen. Genau wie im sozialdemokratischen oder stalinistischen Marxismus, &#252;ber welchen sich die Wertkritik dermassen lustig macht, wird die kapitalistische Vergesellschaftung als widerspr&#252;chlich zum Kapitalismus pr&#228;sentiert. Die &#8222;Krise des Werts&#8220; (welche als umfassender als die banale Krise des Kapitals pr&#228;sentiert wird) sei schon unterwegs, denn ganze Bereiche des gesellschaftlichen Lebens werden entkapitalisiert aufgrund mangelnder Rentabilit&#228;t. Warten wir also nicht auf den Zusammenbruch des Kapitalismus durch den Klassenkampf, sondern durch den Wert, welcher an seinen eigenen Widerspr&#252;chen zugrunde geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik befindet sich auf der Kreuzung mehrerer ideologischer Pfade.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie dr&#252;ckt die Zersetzung des &#8222;Marxismus&#8220; aus, welche mit dem Ende der damaligen Arbeiterbewegung und jenem des Staatskapitalismus zusammenh&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie ist ein sehr degradiertes Echo auf die neuen proletarischen Kritiken (&#8222;gegen die Arbeit&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie h&#228;ngt zusammen mit der Selbstkritik eines Kapitalismus, der dazu gezwungen ist, &#252;ber Produktivismus und &#214;kologie nachzudenken, am &#8222;Fortschritt&#8220; zweifelt, der, obwohl sich die Lohnarbeit weltweit ausbreitet, &#8222;die Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; nicht mehr verherrlicht und der sich vorstellt, die Krise k&#246;nne durch das Virtuelle und Immaterielle &#252;berwunden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die St&#228;rke der Wertkritik ist, dass sie dem Leser &lt;i&gt;Qualit&#228;t&lt;/i&gt; bietet. Sie geht weiter als Fragen der (Arbeiter- oder allgemeinen) Verwaltung und scheint eine Br&#252;cke zu schlagen zwischen unmittelbarem Widerstand oder Revolte und gesellschaftlicher Ver&#228;nderung. W&#228;hrend sie eine d&#252;stere Gegenwart beschreibt, verspricht die Wertkritik eine strahlende Zukunft, denn dieser omnipr&#228;sente Wert untergr&#228;bt seine universelle Herrschaft und gegen ihn werden wir alle vereint sein. Die Wertkritik beruhigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik ignoriert die &lt;strong&gt;grundlegende Gewalt&lt;/strong&gt; des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses, der Verkauf der Arbeitskraft ist der Effekt einer Situation, wo die einen, da &#8222;reservelos&#8220;, gezwungen sind, zu arbeiten, um zu leben, zu Gunsten von anderen, welche die Produktionsmittel kontrollieren. Die Tatsachen, dass die Ausbeutung der Arbeit ein Antagonismus ist, dass die Revolution (die Kommunisierung) von dieser Situation ausgehen und gegen sie gerichtet sein wird, sind zu banale praktische und theoretische Fragen, verglichen mit den Subtilit&#228;ten der Wertform.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik ist eine gelehrte Ausf&#252;hrung der Warenkritik ohne den Idealismus der 1970er Jahre und dem Aufruf zu Arbeiterr&#228;ten, doch auch ohne Anspr&#252;che auf einen gesellschaftlichen Bruch&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Entwicklung der Themen, welche hier nur angeschnitten werden, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G.D.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/articles/la-boulangere-et-le-theoricien-sur-la-theorie-de-la-forme-valeur/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Homepage Palimpsao liefert das Wesentliche zur Wertkritik. (Ad&#220;: Auf Deutsch w&#228;ren v.a. Krisis, Exit und Streifz&#252;ge zu nennen.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine kritische neue Marx-Lekt&#252;re, siehe Bruno Astarian, &lt;i&gt;Feuilleton sur la valeur&lt;/i&gt;, Kapitel 1.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Entwicklung der Themen, welche hier nur angeschnitten werden, siehe: Bruno Astarian, &lt;i&gt;Feuilleton sur la valeur&lt;/i&gt;, &lt;a href=&#034;https://www.hicsalta-communisation.com/valeur/chapitre-6-moishe-postone-la-valeur-et-la-domination-abstraite&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kapitel 6&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://www.hicsalta-communisation.com/valeur/chapitre-7-socialite-de-la-valeur-crise-de-la-valeur&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;7&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Endnotes - Kommunisierung und Wertformtheorie</title>
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&lt;p&gt;Einleitung &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Die Wertform des Arbeitsprodukts ist die abstrakteste, aber auch allgemeinste Form der b&#252;rgerlichen Produktionsweise, die hierdurch als eine besondere Art gesellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch charakterisiert wird.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
In der ersten Nummer von Endnotes beschrieben wir die Entstehung der Theorie der Kommunisierung in den Jahren nach Mai 1968 in Frankreich. Der folgende Text und andere in dieser Nummer stehen in der Tradition dieser Perspektive der (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Wertkritik" rel="tag"&gt;Wertkritik&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Endnotes" rel="tag"&gt;Endnotes&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/yokai_large.png?1689536961' class='spip_logo spip_logo_right' width='101' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einleitung&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir bedanken uns bei den deutschen Genossen f&#252;r die n&#252;tzlichen Kommentare zu (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Wertform des Arbeitsprodukts ist die abstrakteste, aber auch allgemeinste Form der b&#252;rgerlichen Produktionsweise, die hierdurch als eine besondere Art gesellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch charakterisiert wird.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K. Marx, Das Kapital, Bd. 1, MEW 23, S. 95, FN 32.&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der ersten Nummer von &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; beschrieben wir die Entstehung der Theorie der Kommunisierung in den Jahren nach Mai 1968 in Frankreich. Der folgende Text und andere in dieser Nummer stehen in der Tradition dieser Perspektive der Kommunisierung, doch sie sind auch stark beeinflusst von theoretischen Entwicklungen im Bereich der Marxschen Theorie der Wertform und insbesondere von der Tendenz der &#8222;systematischen Dialektik&#8220;, welche in den letzten Jahren aufgekommen ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine unvollst&#228;ndige Liste der Autoren w&#228;re Chris Arthur, Werner Bonefeld, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx war diesbez&#252;glich klar, dass das, was seinen Ansatz von anderen unterschied und ihn zu einer Kritik eher als zu einer Fortsetzung der politischen &#214;konomie machte, die Analyse der Wertform war. In seiner ber&#252;hmten Darstellung &#8222;Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis&#8220; schreibt er:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die politische &#214;konomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen Wert und Wertgr&#246;&#223;e analysiert und den in diesen Formen versteckten Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum sich also die Arbeit im Wert und das Ma&#223; der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der Wertgr&#246;&#223;e des Arbeitsprodukts darstellt? Formen, denen es auf der Stirn geschrieben steht, da&#223; sie einer Gesellschaftsformation angeh&#246;ren, worin der Produktionsproze&#223; die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsproze&#223; bemeistert, gelten ihrem b&#252;rgerlichen Bewu&#223;tsein f&#252;r ebenso selbstverst&#228;ndliche Naturnotwendigkeit als die produktive Arbeit selbst.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K. Marx, Das Kapital, Bd. 1, op. cit., S. 94-96.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz solchen Aussagen von Marx spielte die Verbindung zwischen der Wertform und dem Fetischismus &#8211; die Verkehrung und Umkehrung der Verh&#228;ltnisse, in welcher die Menschen von den Resultaten ihrer eigenen T&#228;tigkeit beherrscht werden &#8211; bis in die 1960er Jahre kaum eine Rolle in der Art und Weise, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt; zu interpretieren. Stattdessen betonten Darstellungen der &#8222;Marxschen &#214;konomie&#8220; das scheinbar simple Argument der ersten zwei Unterkapitel des ersten Kapitels im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;, wo Arbeit als das definiert wird, was hinter dem Wert der Waren steht. Die letzten beiden Unterkapitel des Kapitels &#8211; &#252;ber die Warenform und den Fetischismus &#8211; wurden in der Regel als mehr oder weniger verschachtelte Art und Weise der Beschreibung des Marktes betrachtet und einfach schnell mal quergelesen. Dadurch wurde die sorgf&#228;ltige Art und Weise von Marx nicht untersucht, seine Sichtweise von der klassischen politischen &#214;konomie von Ricardo zu unterscheiden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gleichzeitig schien Marx anzuerkennen, dass seine Wertformanalyse (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sich Marxisten auf die &#8222;Arbeitswerttheorie&#8220; beriefen, taten sie dies im Sinne eines quantitativen Ansatzes betreffend der Substanz und dem Betrag des Werts und nicht im Sinne der qualitativen Frage der Wert&lt;i&gt;form&lt;/i&gt;. Gegen die neoklassische Revolution in der b&#252;rgerlichen &#214;konomie, welche die Arbeitswerttheorie verachtete, versuchten die Marxisten, den klassischen Standpunkt zu verteidigen, dass Arbeit die Substanz des Werts und dass der Wert die im Produkt enthaltene Arbeit ist. Genau wie die klassische politische &#214;konomie kamen die Marxisten nie auf die Idee, die Besonderheit des gesellschaftlichen Prozesses der Reduzierung zu untersuchen, welcher notwendig ist, damit solch quantitative Betr&#228;ge verglichen werden k&#246;nnen. Das heisst, dass sie die Frage genauso wenig stellten, wieso die Arbeit in der Wertform ihres Produkts erscheint und welche Art der Arbeit so erscheinen kann. Doch, gem&#228;ss der Beschreibung von Marx, k&#246;nnen die daraus folgenden Formen des Geldes und des Kapitals, oder wie die menschliche T&#228;tigkeit die Form der Kapitalakkumulation annimmt, nur verstanden werden, wenn man die Komplexit&#228;t der Wertform versteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Marx ist die Wertform ein Ausdruck des Doppelcharakters der Arbeit im Kapitalismus &#8211; ihr Charakter als konkrete Arbeit erscheint im Gebrauchswert der Ware und ihr Charakter als abstrakte Arbeit in der Wertform. Obwohl die Wertform historisch dem Kapitalismus eigen ist, bedeutet die Unterlassung, diese beiden Aspekte klar zu unterscheiden, dass die Wertform als ein Ausdruck einfacher nat&#252;rlicher Arbeit des Menschen betrachtet wird. Arbeit als Inhalt oder Substanz des Werts wurde als k&#246;rperliche Arbeit betrachtet &#8211; als etwas, das von seiner gesellschaftlichen Form unabh&#228;ngig ist. Hier wird die Substanz als etwas betrachtet, das der Sache nat&#252;rlicherweise innewohnt, doch f&#252;r Marx sind die Arbeit und der Wert etwas komplizierter. Der Wert ist ein Verh&#228;ltnis oder ein Prozess, welcher sich durch verschiedene Formen entfaltet &#8211; Geld oder Waren, welche den Arbeitsprozess ausmachen (inklusive der Ware Arbeitskraft), dann das Produkt als Ware und dann wieder Geld &#8211; ein Verh&#228;ltnis seiner Geldform zu seiner Warenform und umgekehrt immer aufrechterhaltend. F&#252;r Marx ist also der Wert weder die Verk&#246;rperung des Werts in der Ware, noch eine starre Substanz. Es ist eher ein Verh&#228;ltnis oder ein Prozess, welcher jene beherrscht, welche ihn hervorbringen: Eine Substanz, die gleichzeitig Subjekt ist. In der orthodoxen marxistischen Tradition gab es allerdings niemals die Erkenntnis, dass &#8222;abstrakte Arbeit&#8220; eine gesellschaftlich und historisch besondere Formatierung eines Teils der menschlichen T&#228;tigkeit darstellt, welche die Umwandlung menschlicher Wesen in eine Ressource f&#252;r eine grenzenlose Ausbreitung dieser T&#228;tigkeit und die Umwandlung ihres Resultats in einen Selbstzweck bedingt. Das Verst&#228;ndnis des Werts als lediglich eine &#8211; durch das private Eigentum der Produktionsmittel &#8211; auferlegte Form auf der Grundlage eines an und f&#252;r sich unproblematischen Inhalts ging Hand in Hand mit einer Konzeption des Sozialismus als eine vom Staat dirigierte Version einer wesentlich gleichen industriellen Arbeitsteilung, wie sie vom Markt im Kapitalismus organisiert wird. Von diesem Standpunkt aus wird die im Kapitalismus von Marktformen eingeschr&#228;nkte Arbeit zu einem bewussten Organisationsprinzip der Gesellschaft im Sozialismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine erw&#228;hnenswerte Ausnahme zur traditionellen marxistischen Vernachl&#228;ssigung der Wertform und des Fetischismus war der russische &#214;konom Isaak Rubin. In seinem bahnbrechenden Werk in den 1920er Jahren erkannte er, dass &#8222;[d]ie Fetischismustheorie [&#8230;] die Grundlage der gesamten marxschen &#246;konomischen Theorie und seiner Werttheorie im Besonderen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;I. Rubin, Die marxsche Theorie des Warenfetischismus.&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist und dass abstrakte Arbeit als Substanz des Werts nicht eine &#8222;Form als etwas dem Inhalt &#196;usserliches ist&#8220;, &#8222;[v]ielmehr wird mit der Entfaltung des Inhalts selbst die Form erzeugt, die schon in ihm verborgen lag&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;I. Rubin, Zur Marxschen Werttheorie. Ricardo Bellofiore hat bemerkt, dass (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch Rubins in Russland verbotenes Werk ist lange mehr oder weniger unbekannt geblieben. Von der Orthodoxie &#8211; der &#8222;marxistischen politischen &#214;konomie&#8220; &#8211; wurde die Behauptung der b&#252;rgerlichen Kritiker nicht bestritten, Marx sei im wesentlichen ein Sch&#252;ler Ricardos. Viel mehr wurde er &lt;i&gt;auf genau dieser Grundlage&lt;/i&gt; als jener verteidigt, welcher endlich Ordnung in die Ricardosche Anerkennung der Arbeit als Inhalt des Werts und der Arbeitszeit als ihre Masseinheit gebracht habe &#8211; als Pionier einer mehr oder weniger linkslastigen Ricardianischen Ausbeutungstheorie. Von diesem Standpunkt aus ist die Arbeit etwas fast nat&#252;rlich im Produkt existierendes und Ausbeutung ein Problem der Distribution ebendieses Produkts &#8211; womit die Arbeiter, durch den Staat oder andere Mittel, zur &#8222;L&#246;sung&#8220; des Problems Kapitalismus werden, indem sie diese zu ihren Gunsten beeinflussen. Wenn die Ausbeutung eine Frage der Aneignung eines Teils des gesellschaftlichen Produkts durch eine parasit&#228;re herrschende Klasse ist, dann muss der Sozialismus die Form der Warenproduktion nicht zwingend substanziell ver&#228;ndern; er kann sie unter Umst&#228;nden schlicht &#252;bernehmen, die parasit&#228;re Klasse liquidieren und das Produkt gerecht verteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein gemeinsamer Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vernachl&#228;ssigung von Form und Fetischismus in der Lekt&#252;re des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; wurde erst Mitte der 1960er Jahre &#8211; teilweise durch eine Wiederentdeckung Rubins &#8211; in verschiedenen Ans&#228;tzen, die ab und zu als &#8222;Wertformtheorie&#8220; etikettiert werden, ernsthaft herausgefordert. Die Debatten &#252;ber die Feinheiten der Wertform, Fragen der Methodik, Marxens Verh&#228;ltnis zu Hegel und so weiter kamen zum gleichen Zeitpunkt auf wie die Theorie der Kommunisierung. Sowohl die Wertformtheorie als auch die Kommunisierung dr&#252;cken eine Unzufriedenheit mit &#252;berlieferten Interpretationen Marxscher Werke aus und somit eine Ablehnung des &#8222;orthodoxen&#8220; oder &#8222;traditionellen&#8220; Marxismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Orthodoxie bedeutet mittlerweile dogmatischer Marxismus. Luk&#225;cs machte einen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. F&#252;r uns gibt es eine implizite Gemeinsamkeit zwischen der Wertformtheorie und der Theorie der Kommunisierung, wodurch sie durchaus produktiv interagieren k&#246;nnten. Wir werden hier die historischen Parallelen und Gemeinsamkeiten dieser beiden Str&#246;mungen untersuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von der Mitte der 1960er bis Ende der 1970er Jahre war der Kapitalismus weltweit durch intensive Klassenk&#228;mpfe und radikale soziale Bewegungen charakterisiert: von den st&#228;dtischen Ausschreitungen in den USA hin zu den aufst&#228;ndischen Streiks in Polen, von Studentenbewegungen und &#8222;Jugendrevolten&#8220; hin zum Umsturz von gew&#228;hlten oder nicht gew&#228;hlten Regierungen durch Arbeiterunruhen. Beschleunigte Arbeitsverh&#228;ltnisse wurden genauso hinterfragt wie die Familie, Gender und Sexualit&#228;t, die Psychiatrie und die Beziehung des Menschen zur Natur innerhalb einer allgemeinen, die Gesellschaft durchziehenden Unzufriedenheit. Mit diesen K&#228;mpfen verbunden endete der Nachkriegsboom in einer kapitalistischen Akkumulationskrise mit hoher Inflation und steigender Arbeitslosigkeit. Die revolution&#228;re &#220;berwindung des Kapitalismus und seiner Pseudo-Alternative in den L&#228;ndern des Ostblocks schien f&#252;r viele wieder zu einer aktuellen Frage zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese K&#228;mpfe und die revolution&#228;ren Hoffnungen, welche sie ausl&#246;sten, waren die Voraussetzung der Emergenz sowohl des kritischen Marxismus der Wertformtheorie als auch der Theorie der Kommunisierung. Diese beiden Str&#246;mungen wurden zum selben Zeitpunkt hervorgebracht und flauten auch gleichzeitig mit den sie hervorbringenden K&#228;mpfen ab. Die Akkumulationskrise der 1970er Jahre f&#252;hrte, statt zu einer Intensivierung der Klassenk&#228;mpfe und ihrer Entwicklung in eine revolution&#228;re Richtung, zu einer radikalen kapitalistischen Restrukturierung, innerhalb welcher die damit verbundenen Bewegungen und revolution&#228;ren Erwartungen umfassend besiegt wurden. Diese Restrukturierung f&#252;hrte zu einem relativen Abflauen dieser Diskussionen. Genau wie die Diskussion rund um die Kommunisierung in Frankreich, welche Anfang der 1970er Jahre begann und in den 1980er und fr&#252;hen 1990er Jahren abflaute, um sich vor kurzem wieder zu beleben, ist das zeitgen&#246;ssische Interesse in &#8222;systematische Dialektik&#8220; in vielerlei Hinsicht eine R&#252;ckkehr zu den Wertformdebatten der 1970er Jahre nach einer Periode der relativ stillen Diskussion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kommunisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Nicht die &lt;i&gt;Einheit&lt;/i&gt; der lebenden und t&#228;tigen Menschen mit den nat&#252;rlichen, unorganischen Bedingungen ihres Stoffwechsels mit der Natur, und daher ihre Aneignung der Natur - bedarf der Erkl&#228;rung oder ist Resultat eines historischen Prozesses, sondern die &lt;i&gt;Trennung&lt;/i&gt; zwischen diesen unorganischen Bedingungen des menschlichen Daseins und diesem t&#228;tigen Dasein, eine Trennung, wie sie vollst&#228;ndig erst gesetzt ist im Verh&#228;ltnis von Lohnarbeit und Kapital.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K. Marx, Grundrisse, MEW 42, S. 397.&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie der Kommunisierung entstand als Kritik diverser, vom Marxismus der zweiten und dritten Internationalen der Arbeiterbewegung geerbten Konzeptionen der Revolution als auch seiner dissidenten Str&#246;mungen und Oppositionen. Die Erfahrungen revolution&#228;ren Scheiterns waren scheinbar die wesentliche Frage zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Frage, ob die Arbeiter Macht durch die Partei oder den Staat (Leninismus, die italienische kommunistische Linke) oder durch die Organisation am Ort der Produktion (Anarchosyndikalismus, deutsch-holl&#228;ndische Linke) aus&#252;ben sollen. Einerseits sagen einige, es sei die Abwesenheit einer Partei &#8211; oder der richtigen Partei &#8211; welche zum Scheitern der revolution&#228;ren Gelegenheiten in Deutschland, Italien oder Spanien f&#252;hrte, w&#228;hrend andere sagen, es sei eben genau die Partei und die &#8222;staatliche&#8220;, &#8222;politische&#8220; Konzeption der Revolution gewesen, welche in Russland gescheitert sei und anderswo eine sch&#228;dliche Rolle gespielt habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche die Theorie der Kommunisierung entwickelten, verweigerten die Problematisierung der Revolution in Begriffen der &lt;i&gt;Formen&lt;/i&gt; der Organisation und versuchten stattdessen, die Revolution in Begriffen des &lt;i&gt;Inhalts&lt;/i&gt; zu erfassen. Die Kommunisierung implizierte eine Ablehnung einer Konzeption der Revolution als ein Ereignis, wo Arbeiter die Macht &#252;bernehmen, gefolgt von einer &#220;bergangsphase: Stattdessen wurde sie als eine durch unmittelbare kommunistische Massnahmen (wie die freie G&#252;terverteilung) charakterisierte Bewegung konzipiert, sowohl zu ihrem Vorteil, als auch um die materielle Grundlage der Konterrevolution zu zerst&#246;ren. Wenn die Bourgeoisie nach der Revolution enteignet ist, doch die Arbeiter immer noch Arbeiter sind, die in getrennten Unternehmungen produzieren, f&#252;r ihren Lebenserhalt von ihrem Verh&#228;ltnis zu diesem Arbeitsplatz abh&#228;ngig sind und mit anderen Unternehmungen Handel treiben, dann ist es ziemlich unbedeutend, ob dieser Handel von den Arbeitern selbstorganisiert oder durch einen &#8222;Arbeiterstaat&#8220; zentralisiert ist: Der kapitalistische Inhalt bleibt und fr&#252;her oder sp&#228;ter wird die getrennte Rolle oder Funktion des Kapitalisten wieder aufkommen. Die Revolution als kommunisierende Bewegung w&#252;rde hingegen alle kapitalistischen Kategorien zerst&#246;ren, indem sie diese nicht mehr konstituiert und reproduziert: Austausch, Geld, Waren, die Existenz von getrennten Unternehmungen, den Staat und &#8211; allen voran &#8211; die Lohnarbeit und die Arbeiterklasse selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie der Kommunisierung entstand also teilweise aus der Erkenntnis, dass die Ablehnung des leninistischen Staatsparteienmodells mit einer anderen Zusammenstellung von &#8211; demokratischen, anti-autorit&#228;ren, r&#228;tekommunistischen &#8211; Organisationsformen nicht den Kern des Problems angreift. Teilweise entstand diese neue Art des Denkens &#252;ber die Revolution aus den Charakteristika und Formen des Klassenkampfes, welche in dieser Periode in den Vordergrund r&#252;ckten &#8211; Sabotage, Absentismus und andere Formen der Verweigerung der Arbeit &#8211; und aus sozialen Bewegungen ausserhalb des Arbeitsplatzes, was alles als Ablehnung der Affirmation der Arbeit und der Arbeiteridentit&#228;t als Grundlage der Revolution betrachtet werden k&#246;nnte. Ein grosser Ansporn f&#252;r die Entwicklung des Begriffs der Kommunisierung war die Arbeit der &lt;i&gt;Situationistischen Internationalen&lt;/i&gt; (SI), die mit ihrer Perspektive einer totalen, in der Transformation des allt&#228;glichen Lebens verwurzelten Revolution die neuen in den K&#228;mpfen ausgedr&#252;ckten Bed&#252;rfnisse gef&#252;hlt und theoretisiert hatte und somit sp&#228;ter als jene anerkannt wurden, welche den Geist der Ereignisse 1968 in Frankreich am besten vorgegriffen und ausgedr&#252;ckt hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch obwohl das Konzept der Kommunisierung gewissermassen ein Produkt der K&#228;mpfe und Entwicklungen dieser Zeit war, war die F&#228;higkeit des franz&#246;sischen Milieus, ihnen einen Ausdruck zu geben, untrennbar mit einer R&#252;ckkehr zu Marx und im besonderen zum &#8222;unbekannten Marx&#8220; von Texten wie die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt; (nachfolgend &lt;i&gt;Resultate&lt;/i&gt;) verbunden. Bevor diese Texte Ende der 1960er Jahre verf&#252;gbar waren, tendierten die SI und andere Kritiker des orthodoxen Marxismus dazu, den jungen Marx, z.B. der &lt;i&gt;&#214;konomisch-philosphischen Manuskripte&lt;/i&gt; von 1844, heranzuziehen. Sogar im Falle der SI und der Frankfurter Schule, welche auch die dem &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; entlehnten Theorien des Fetischismus und der Verdinglichung benutzten, war Luk&#225;cs der Vermittler, es war kein Produkt einer detaillierten Aneignung der drei B&#228;nde des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;. Somit tendierte die reife Kritik der politischen &#214;konomie als Ganzes dazu, in den H&#228;nden des traditionellen Marxismus zu verbleiben. Wie wir schon betont haben, wurden die Relevanz der Marxschen Beschreibung seines Werks als eine &lt;i&gt;Kritik&lt;/i&gt; der politischen &#214;konomie, die Wichtigkeit der Wertform und des Fetischismus innerhalb dieser positivistischen Interpretation geflissentlich &#252;bersehen. Die neu verf&#252;gbaren Texte wie die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; untergruben die traditionellen Lesarten und erlaubten es, die Radikalit&#228;t der reifen Kritik zu erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch ihr marginales Verh&#228;ltnis zum orthodoxen Marxismus waren jene, welche sich mit linkskommunistischen Kritiken des Bolschewismus und der Ereignisse in Russland identifizierten, in einer guten Position um die neu erh&#228;ltlichen Marxschen Texte zu lesen. Jacques Camatte und die ab 1968 erscheinende Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; waren im franz&#246;sischen Kontext sehr wichtig. &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; dr&#252;ckte sowohl eine &#214;ffnung der &#8222;bordigistischen&#8220; italienischen linken Tradition gegen&#252;ber den Erfahrungen der deutsch-holl&#228;ndischen Linken und als auch gegen&#252;ber den sich entfaltenden K&#228;mpfen dieser Zeit aus und war der Ort einer neuen Marx-Lekt&#252;re. Camattes ehemaliger Weggenosse &#8211; Roger Dangeville &#8211; &#252;bersetzte die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; und die &lt;i&gt;Resultate&lt;/i&gt; ins Franz&#246;sische &#8211; womit er Sand ins Getriebe der in Frankreich vorherrschenden althusserianischen anti-hegelianischen Interpretation von Marx streute. Camatte ver&#246;ffentliche in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; einen bedeutenden Kommentar zu diesen Texten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jacques Camatte, Capital and Community: the Results of the Immediate Process (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Text von Camatte spielte eine &#228;hnliche Rolle f&#252;r die franz&#246;sischen Diskussionen nach 1968 wie Rosdolskys &lt;i&gt;Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen &#8222;Kapital&#8220;&lt;/i&gt; f&#252;r die Diskussion nach 1968 in Deutschland&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roman Rosdolsky, Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen &#8222;Kapital&#8220;, 1968.&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Beide Texte st&#252;tzen sich stark auf Zitate, um in die Bedeutung von damals weitgehend unbekannten Texten von Marx einzuf&#252;hren und sie zu untersuchen. Rosdolsky erstellt eine verst&#228;ndliche Studie der &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, w&#228;hrend Camattes weniger systematischer Bericht andere Marxsche Entw&#252;rfe heranzieht, besonders die &lt;i&gt;Resultate&lt;/i&gt;. Obwohl Camatte die Verdienste des Buches von Rosdolsky anerkennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Camatte kritisiert Rosdolsky trotzdessen, &#8222;er erfasst den f&#252;r uns zentralen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; besteht ein Unterschied darin, dass Rosdolsky schliesslich die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; auf eine blosse Vorbereitung des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; reduziert, w&#228;hrend Camatte sich st&#228;rker auf die Art und Weise konzentriert, wie darin und in anderen Entw&#252;rfen des Kapital &#252;ber das marxistische Verst&#228;ndnis letzteres hinausgewiesen wird. Camatte erkannte, dass die verschiedenen Arten von Marx, in die Kategorie des Werts in den diversen Versionen der Kritik der politischen &#214;konomie einzuf&#252;hren und sie zu entwickeln, eine Bedeutung haben, die &#252;ber die progressive Verbesserung der Pr&#228;sentation hinausgeht. Einige fr&#252;he Betrachtungen heben Aspekte hervor wie die historische Autonomisierung des Werts, die Definition des Kapitals als prozessierender Wert und die Wichtigkeit der Kategorie der Subsumtion, in einer Art und Weise, die in der ver&#246;ffentlichten Version nicht so klar ist. Man findet in Camattes Lesart der neu verf&#252;gbaren Texte eine Anerkennung, dass die Auswirkungen der Marxschen Kritik der politischen &#214;konomie viel radikaler sind, als die positivistische marxistische Interpretation des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; glaubte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dies ist eine Lekt&#252;re der Grundrisse, die sp&#228;ter mit Negri identifiziert (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es existiert ein faszinierender Bruch mit traditionellen marxistischen Thesen in Camattes Werk, ein Bruch, der ganz klar wird im Kontrast zwischen seinem anf&#228;nglichen Kommentar Mitte der 1960er Jahre und den Anmerkungen, welche er Anfang der 1970er Jahre hinzuf&#252;gte. W&#228;hrend n&#228;mlich die fr&#252;heren Kommentare in der klassischen marxistischen Theorie des &#220;bergangs verankert sind, erkennt man, wie in den sp&#228;teren Anmerkungen diese Thesen verworfen werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Als er seine fr&#252;here Idee einer &#8222;formellen Herrschaft des Kommunismus&#8220; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Er beschliesst schliesslich 1972 seine Bemerkungen mit einem Aufruf zur Kommunisierung:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Gesamtheit der Menschen erhebt sich gegen die Totalit&#228;t der kapitalistischen Gesellschaft: ein Kampf gegen das Kapital und gegen die Arbeit, zwei Aspekte derselben Wirklichkeit. Das heisst, das Proletariat muss gegen seine Herrschaft k&#228;mpfen, um sich als Klasse zerst&#246;ren zu k&#246;nnen &#8211; und damit das Kapital und die Klassen. Ist der Sieg im Weltmassstab gesichert, verschwindet die universelle Klasse, die sich im Verlauf eines weiten Prozesses vor der Revolution (in der Bildung ihrer Partei), im Kampf gegen das Kapital herauskristallisiert und die Gesellschaft auch psychologisch ver&#228;ndert hat, und wird Menschheit. Dann gibt es ausserhalb von ihr keine Gruppe mehr, der Kommunismus entwickelt sich frei. Die Periodisierung unterer und oberer Kommunismus entf&#228;llt ebenfalls.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 165.&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die meisten sp&#228;teren Theoretiker der Kommunisierung wurden die zuvor nicht verf&#252;gbaren Marxschen Texte zu grundlegenden Texten. Die &#220;bersetzung der &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; und des nun ber&#252;hmten &#8222;Maschinenfragments&#8220; hat Gilles Dauv&#233;s prototypische Argumentation zugunsten der Kommunisierung direkt beeinflusst&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gilles Dauv&#233; &#8216;Sur L'Ultragauche' (1969), erstmals ver&#246;ffentlicht auf English (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Fragment beschreibt Marx, wie das Kapital aufgrund seines Drangs, die Mehrarbeitszeit zu vergr&#246;ssern, notwendige Arbeitszeit durch den massiven Einsatz von Wissenschaft und Kenntnissen auf ein Minimum reduziert. Dies erschafft die M&#246;glichkeit der Aneignung durch all dieses entfremdete System der Kenntnisse, was die Wiederaneignung dieser Mehrarbeitszeit als disponible Zeit erlaubt. Kommunismus wird somit nicht in Begriffen einer neuen Distribution des gleichen, auf Arbeitszeit basierenden Wohlstands verstanden, sondern als auf einer neuen Form von Wohlstand basierend, der in disponibler Zeit gemessen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Denn der wirkliche Reichtum ist die entwickelte Produktivkraft aller (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Kommunismus geht es um nicht weniger als ein neues Verh&#228;ltnis zur Zeit oder sogar um eine andere Art der Zeit. F&#252;r Dauv&#233; impliziert diese Fokussierung auf die Zeit bei Marx einen radikalen Bruch zwischen Kapitalismus und Kommunismus, der &#8222;jede Vorstellung eines &lt;i&gt;schrittweisen&lt;/i&gt; &#220;bergangs zum Kommunismus durch die allm&#228;hliche Zerst&#246;rung des Wertgesetzes ausschlie&#223;t&#8220;, was beweist, dass die r&#228;tekommunistische und demokratische Alternative zum Leninismus als solches unzureichend ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gilles Dauv&#233;, Fran&#231;ois Martin, Niedergang und Wiederkehr der kommunistischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die fr&#252;hen Entw&#252;rfe deuten auch auf ein radikaleres Konzept der Revolution auf einer fundamentaleren ontologischen Ebene hin. Diese Entw&#252;rfe zeigen, dass f&#252;r Marx die Kritik der politischen &#214;konomie die Trennung zwischen Subjektivit&#228;t und Objektivit&#228;t, die Gegebenheit dessen, was ein Individuum sein soll, und was unser Sein ist und nicht ist, in Frage stellt. F&#252;r Marx sind diese ontologischen Fragen im wesentlichen &lt;i&gt;gesellschaftlich&lt;/i&gt;. Er war der Auffassung, dass die politischen &#214;konomen mehr oder weniger erfolgreich die Kategorien erkl&#228;rten, welche die gesellschaftlichen Lebensformen unter dem Kapitalismus definieren. W&#228;hrend die Bourgeoisie diese allerdings als ahistorische Notwendigkeiten zu pr&#228;sentieren sucht, erkannte sie Marx als historisch besondere Formen menschlicher Beziehungen und dem Verh&#228;ltnis der Menschen zur Natur. Er erkannte, dass die Vermittlung menschlicher T&#228;tigkeit durch die gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Dingen der menschlichen Subjektivit&#228;t einen atomisierten, gegenstandslosen Charakter gibt. Die individuelle Erfahrung im Kapitalismus ist eine Erfahrung reiner Subjektivit&#228;t, alle Gegenst&#228;ndlichkeit existiert gegen sie in Form von Kapital:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Trennung des Eigentums von der Arbeit&lt;/i&gt; erscheint als notwendiges Gesetz dieses Austauschs zwischen Kapital und Arbeit. Die Arbeit als das &lt;i&gt;Nicht-Kapital&lt;/i&gt; als solches gesetzt, ist: 1. &lt;i&gt;Nicht-vergegenst&#228;ndlichte Arbeit, negativ gefa&#223;t&lt;/i&gt; [...] die von allen Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenst&#228;nden, von ihrer ganzen Objektivit&#228;t getrennte Arbeit. Die lebendige als Abstraktion von diesen Momenten ihrer realen Wirklichkeit existierende Arbeit (ebenso Nicht-Wert); diese v&#246;llige Entbl&#246;&#223;ung, aller Objektivit&#228;t bare, rein subjektive Existenz der Arbeit. Die Arbeit als die &lt;i&gt;absolute Armut&lt;/i&gt;: die Armut, nicht als Mangel, sondern als v&#246;lliges Ausschlie&#223;en des gegenst&#228;ndlichen Reichtums. [...] 2. &lt;i&gt;Nicht-vergegenst&#228;ndlichte Arbeit, Nicht-Wert, positiv&lt;/i&gt; gefa&#223;t, oder sich auf sich beziehende Negativit&#228;t [...]. Die Arbeit nicht als Gegenstand, sondern als T&#228;tigkeit; nicht als selbst &lt;i&gt;Wert&lt;/i&gt;, sondern als die &lt;i&gt;lebendige Quelle&lt;/i&gt; des Werts. [...] Es widerspricht sich also in keiner Weise oder vielmehr der in jeder Weise sich widersprechende Satz, da&#223; die Arbeit einerseits die &lt;i&gt;absolute Armut als Gegenstand&lt;/i&gt;, andrerseits die &lt;i&gt;allgemeine M&#246;glichkeit&lt;/i&gt; des Reichtums als Subjekt und als T&#228;tigkeit ist, bedingen sich wechselseitig und folgen aus dem Wesen der Arbeit, wie sie als Gegensatz, als gegens&#228;tzliches Dasein des Kapitals vom Kapital &lt;i&gt;vorausgesetzt&lt;/i&gt; ist und andrerseits ihrerseits das Kapital voraussetzt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K. Marx, Grundrisse, op. cit., S. 217-218.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solche ontologischen Betrachtungen spielen eine gewichtige Rolle im Werk von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;), eine Gruppe, die Mitte der 1970er Jahre im Rahmen der Diskussionen im Milieu der Kommunisierung nach 1968 entstand. F&#252;r &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; erschafft die als Kommunisierung verstandene kommunistische Revolution keine &#8222;Republik der Arbeit&#8220; oder irgendwelche neuen Formen der Verwaltung der Produktionsmittel. Sie ist eher die &#220;berwindung des entfremdeten gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisses, welches die im Kapitalismus erlebte Trennung von Subjektivit&#228;t und Objektivit&#228;t darstellt. Durch die &#220;berwindung der Trennung der Individuen voneinander und von den Produktionsmitteln &#252;berwindet die Kommunisierung die Trennung zwischen menschlicher Subjektivit&#228;t und &#8222;vergegenst&#228;ndlichter Arbeit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Und von der Natur, welche f&#252;r das Kapital &#8211; wie menschliche Wesen &#8211; einzig (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, d.h. die Aufspaltung von Subjekt und Objekt, welche die Grundlage der gesellschaftlichen Realit&#228;t im Kapitalismus darstellt. TC stellt sich das als &#220;berwindung von jeder von Marx in den &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; beschriebenen Dimension vor: Arbeit existiert nicht mehr als getrennte T&#228;tigkeit; Produktion unterscheidet sich nicht mehr von der Reproduktion und beherrscht sie nicht mehr; Bed&#252;rfnisse sind nicht mehr getrennt von F&#228;higkeiten und die Individuen sind nicht mehr durch die Vermittlung des Austausches ihrer Produkte oder in Form des Staates mit ihrer Sozialit&#228;t konfrontiert &#8211; sie werden &lt;i&gt;direkt&lt;/i&gt; gesellschaftlich. Die Revolution als Kommunisierung l&#246;st sowohl die gesellschaftlichen Formen der Dinge auf, d.h. ihre Existenz als Tr&#228;ger &#8222;vergegenst&#228;ndlichter Arbeit&#8220;, Wert (sie werden wieder zu Dingen), als auch die atomisierte, leere und abgetrennte Subjektform des Individuums. F&#252;r TC wie f&#252;r Marx in den &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;TC behauptet indes nicht, die Kommunisierung sei Marxens Konzept der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/i&gt; beherrscht also das zuvor &#8222;objektive&#8220; Moment der Produktion das subjektive Moment nicht mehr, sondern wird zum &#8222;[organisch gesellschaftlichen] Leib, worin die Individuen sich reproduzieren als Einzelne, aber als gesellschaftliche Einzelne&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K. Marx, Grundrisse, op. cit., S. 723.&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die deutschen Debatten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wiederaneignung von Marx, aus welcher die Perspektive der Kommunisierung entstand, war Teil eines viel breiteren Prozesses der Wiederaneignung und der Entwicklung radikaler Lesarten der Marxschen Theorie. Nach der ungarischen Revolution von 1956 hatte der offizielle Kommunismus keine Hegemonie mehr &#252;ber Meinungsverschiedenheiten und die Interpretation Marxscher Theorie in westlichen L&#228;ndern. W&#228;hrend Marx gesagt hatte, man solle &#8222;alles bezweifeln&#8220;, tendierte der orthodoxe oder traditionelle Marxismus dazu, sich selbst als einheitliche Weltanschauung zu pr&#228;sentieren, welche auf jede Frage eine Antwort hat. Er hatte eine allumfassende Philosophie (&#8222;Dialektischer Materialismus&#8220;), eine mechanistische Sichtweise der Geschichte (&#8222;Historischer Materialismus&#8220;) und seine eigene &#214;konomie (&#8222;Marxistische politische &#214;konomie&#8220;)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Interpretation des &#8222;traditionellen Marxismus&#8220; als &#8222;Weltanschauungsmarxi&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese S&#228;ulen der offiziellen Version des Marxismus wurden durch eine R&#252;ckkehr zum kritischen Geist von Marx in Frage gestellt und dies auf eine &#228;hnliche Art und Weise, wie eine fr&#252;here Generation kritischer Marxisten, welche sich unmittelbar nach der russischen Revolution entwickelt hatte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zentrale Werke dieser Periode sind Luk&#225;cs' Geschichte und Klassenbewusstsein,&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wiederbelebung der Marxschen Theorie in dieser Periode &#8211; wie in den 1920er Jahren &#8211; bedingte einen Bruch mit einem Marxismus, der als positives Wissenssystem betrachtet wurde, und eine neuerliche Anerkennung seiner kritischen Dimension &#8211; wodurch auch das Verh&#228;ltnis zwischen Marx und Hegel erneut problematisiert wurde. Gegen Mitte der 1960er Jahre ging die Ablehnung &#252;berlieferter Interpretationen von Marx &#252;ber &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt; &#8211; sein zentrales Werk &#8211; hinweg. Neue Lesarten zogen fr&#252;here Entw&#252;rfe der Kritik der politischen &#214;konomie heran und interessierten sich nicht f&#252;r die Resultate, sondern auch f&#252;r die von Marx benutzten Methoden, um zu ihnen zu gelangen. In Frankreich wurde &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt; strukturalistisch gelesen, in Italien lasen es Tronti und der Operaismus &#8222;vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus&#8220; und in Deutschland entstand eine &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die deutsche Sprache gab der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; einen klaren Vorteil gegen&#252;ber Untersuchungen des Marxschen Werks in anderen L&#228;ndern. Die neuen Texte des &#8222;unbekannten Marx&#8220; waren in der Regel zuerst auf deutsch erh&#228;ltlich und bekannt und es gab selbstverst&#228;ndlich keine &#220;bersetzungsprobleme. Zudem war die grosse kulturelle Ressource, welche Marx in seiner Kritik der politischen &#214;konomie benutzte &#8211; der klassische deutsche Idealismus &#8211; nicht den gleichen Problemen mit der Rezeption des Hegelschen Denkens ausgesetzt wie in anderen L&#228;ndern. W&#228;hrend also die neuen Marx-Lekt&#252;ren in Italien und Frankreich als Reaktion auf fr&#252;here Moden des Hegelianismus und des &#8222;Hegelianischen Marxismus&#8220; dazu tendierten, eine starke anti-hegelianische Ausrichtung zu haben, waren die deutschen Diskussionen f&#228;hig, ein nuancierteres und besser informiertes Bild der Verbindung zwischen Hegel und Marx zu entwickeln. Und am wichtigsten ist die Tatsache, dass sie erkannten, dass Marx in seiner Beschreibung der logischen Struktur der realen Totalit&#228;t der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; eher in der Schuld von Hegels systematischer Dialektik der &lt;i&gt;Logik&lt;/i&gt;, denn in jener seiner Konzeption einer historischen Dialektik stand. Der neue kritische Marxismus, manchmal geringsch&#228;tzig als &lt;i&gt;Kapitallogik&lt;/i&gt; bezeichnet, hatte also weniger mit dem fr&#252;hen kritischen Marxismus von Luk&#225;cs und Korsch als mit jenem von Rubin und Pashukanis gemeinsam. Die &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; war keine homogene Schule, sondern ein kritischer Ansatz, der eine gewisse gemeinsame Richtung teilte trotz vielen Diskussionen und Uneinigkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der politische Kontext der deutschen Debatten war das Erstarken einer radikalen Studentenbewegung. Sie hatte zwei Pole &#8211; einen traditionalistischen, der manchmal Verbindungen zum ostdeutschen Staat und einen &#8222;orthodox marxistischen&#8220; Ansatz gegen&#252;ber der Arbeiterbewegung hatte, und einen eher &#8222;anti-autorit&#228;ren&#8220;, der von der kritischen Theorie der Frankfurter Schule beeinflusst war, im besonderen von ihrer psychoanalytischen Dimension, welche eine Erkl&#228;rung f&#252;r das Desinteresse der Arbeiter f&#252;r die Revolution bot&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dies beinhaltete ein Interesse an Freud und Reich kombiniert mit Adornos (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die deutsche Studentenbewegung erlangte schnell einen Ruf f&#252;r die theoretische Raffinesse ihrer Debatten, was nicht zuletzt dem Einfluss der Frankfurter Schule geschuldet war. Die Einsichten, aber auch die Instabilit&#228;t und die Ambivalenz des &#8222;anti-autorit&#228;ren&#8220; Pols dr&#252;ckten sich in der Laufbahn ihres charismatischen Anf&#252;hrers Rudi Dutschke aus. Er historisierte 1966, stark von Korsch beeinflusst, die Marxsche &#8222;Zwei-Phasen-Theorie der kommunistischen Revolution&#8220; als anachronistisch und als &#8222;f&#252;r unsere Zeit [&#8230;] kaum noch Bedeutung haben[d]&#8220;, weil sie &#8222;die wirkliche Emanzipation der Arbeiterklasse in die Zukunft verlegte&#8220; und &#8222;die Eroberung des b&#252;rgerlichen Staates durch das Proletariat als prim&#228;r f&#252;r die soziale Revolution ansah&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rudi Dutschke, &#8216;Zur Literatur des revolution&#228;ren Sozialismus von K. Marx bis (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch er pr&#228;gte auch die Parole des &#8222;langen Marsches durch die Institutionen&#8220;, welche zum Daseinszweck der deutschen Gr&#252;nen Partei wurde (welcher er sich, wie der andere charismatische Anti-Autorit&#228;re Daniel Cohn-Bendit, sp&#228;ter anschloss). Heute identifiziert sich die durch und durch etatistische und reformistische &lt;i&gt;Die Linke&lt;/i&gt; am st&#228;rksten mit seinem Erbe. In theoretischer Hinsicht war Hans-J&#252;rgen Krahl eine bedeutendere Figur des SDS, vor allem nachdem Dutschke angeschossen wurde. Krahl war ein Student Adornos und brachte viele Schl&#252;sselkonzepte der Kritischen Theorie in die Bewegung, doch er war auch ein Aktivist &#8211; Adorno beging die Schandtat, die Bullen auf ihn und seine Kommilitonen zu hetzen, als sie eines der Geb&#228;ude des Instituts besetzten &#8211; und orientierte sich weiterhin am Proletariat und am Klassenkampf&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Krahl starb in einem Autounfall 1970. Die posthum ver&#246;ffentliche Sammlung (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl die Frankfurter Schule in ihrer Wendung hin zur Psychoanalyse, zur Kultur und zur Philosophie das Studium der Marxschen Kritik der politischen &#214;konomie weitgehend den orthodoxen Marxisten &#252;berlassen hatte, waren es Krahl und andere Studenten Adornos &#8211; Hans-Georg Backhaus, Helmut Reichelt &#8211;, welche die &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; initiierten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend also f&#252;r das Milieu der Kommunisierung der Hintergrund der R&#228;tekommunismus und andere linkskommunistische Kritiken des Bolschewismus waren, was dazu f&#252;hrte, dass die Radikalit&#228;t der neuen Marxschen Texte auf fruchtbaren Boden fiel, spielte in Deutschland &#8211; wo diese Str&#246;mungen w&#228;hrend der Nazizeit ausgel&#246;scht wurden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine bedeutende Ausnahme war Willy Huhn, der verschiedene Mitglieder des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; Adorno und die Frankfurter Schule gewissermassen eine &#228;hnliche Rolle. Sowohl der R&#228;tekommunismus als auch die Frankfurter Schule hatten sich als Nachdenken &#252;ber das Scheitern der deutschen Revolution von 1918/1919 entwickelt. W&#228;hrend das Verh&#228;ltnis des R&#228;tekommunismus zur deutschen Revolution direkterer Natur ist, beschreibt Sohn-Rethel in einem Text &#252;ber die Frankfurter Schule und ihr nahestehende Denker wie Luk&#225;cs und Bloch ihr eher komplex vermitteltes Verh&#228;ltnis zu dieser Zeit mit einer widerspr&#252;chlichen Formulierung:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die neue Entwicklung des Denkens, welche diese Leute repr&#228;sentieren, entstand als theoretischer und ideologischer &#220;berbau einer Revolution, die nie stattfand&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Er f&#252;gt an: &#8222;Die widerspr&#252;chliche Bedingung dieser ideologischen Bewegung (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz ihrer Distanz zu den Milieus der Arbeiterklasse hatte die Frankfurter Schule versucht, einen kritischen und emanzipatorischen Marxismus gegen seine Entwicklung als eine apologetische Ideologie f&#252;r staatszentrierte Akkumulation in Russland am Leben zu erhalten. Die Affinit&#228;t zum R&#228;tekommunismus zeigt sich am deutlichsten in fr&#252;heren Texten, z.B. in Horkheimers Text &lt;i&gt;Autorit&#228;rer Staat&lt;/i&gt;, welchen die anti-autorit&#228;ren Studenten trotz der Missbilligung des sp&#228;teren, eher konservativen Horkheimers ver&#246;ffentlichten. Trotzdem bleibt eine radikale Kritik der kapitalistischen Gesellschaft im Zentrum von Adornos weniger offensichtlich politischen Texten der 1950er und 1960er Jahre &#8211; vielleicht eben genau wegen ihrer Verweigerung der Logik unmittelbarer politischer Effizienz. W&#228;hrend die &#8222;Ultralinke&#8220; versucht hatte, das emanzipatorische Versprechen der marxistischen Theorie gegen&#252;ber den zeitgen&#246;ssischen Entwicklungen der Arbeitsbewegungen am Leben zu erhalten, indem die Autonomie der Arbeiterklasse gegen ihre Repr&#228;sentation und ihre Institutionen betont wurde, versuchte die Frankfurter Schule paradoxerweise das gleiche, indem sie sich vom unmittelbaren Klassenkampf und &#8222;&#246;konomischen Fragen&#8220; abwendete.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutete, dass die radikale Wiederaneignung der Marxschen Theorie im Deutschland der 1960er Jahre notwendigerweise die Form sowohl einer Weiterf&#252;hrung des Erbes der Frankfurter Schule, als auch eines Bruches damit annahm. Die Schnittfl&#228;che zwischen einer von der Frankfurter Schule geerbten Sensibilit&#228;t und einer Wendung hin zum detaillierten Studium der von ihr gemiedenen Kritik der politischen &#214;konomie wird in einer Anekdote &#252;ber Backhaus deutlich. Gem&#228;ss Reichelt k&#246;nnte der Anfang des Programms der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; zu einem Zeitpunkt 1963 verortet werden, als Backhaus, damals Bewohner eines Studentenwohnheims, zuf&#228;llig auf eine damals sehr seltene Erstausgabe des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; stiess&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die erste deutsche Ausgabe des Kapital enthielt wesentliche Unterschiede &#8211; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Er bemerkte, dass die Unterschiede zur zweiten Ausgabe offensichtlich waren, doch das waren sie nur, weil er Adornos Vorlesungen &#252;ber die dialektische Theorie der Gesellschaft geh&#246;rt hatte:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ohne Adornos wiederholt vorgetragene Vorstellung eines &#187;Begrifflichen in der Realit&#228;t selbst&#171;, eines auf die Tauschabstraktion zur&#252;ckzuf&#252;hrenden real Allgemeinen, ohne seine Fragen nach der Konstitution der Kategorien und deren inneren Zusammenhang in der politischen &#214;konomie und seine Vorstellung von objektiver, verselbst&#228;ndigter Struktur w&#228;re dieser Text stumm geblieben. So wie dies der Fall war in der gesamten (damals!) hundertj&#228;hrigen Diskussion der Marxschen Werttheorie.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Helmut Reichelt, Neue Marx-Lekt&#252;re: Zur Kritik sozialwissenschaftlicher (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach 1968 kamen die Debatten &#252;ber die neue Lesart des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; wirklich in Schwung. Die diskutierten Probleme wurden in der Regel erst sp&#228;ter und oft mit weniger Tiefgang in den Diskussionen in anderen Sprachen aufgegriffen: der Charakter der Marxschen Methode und die G&#252;ltigkeit des Engelsschen Verst&#228;ndnisses davon; das Verh&#228;ltnis zwischen der dialektischen Entwicklung der Kategorien im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; und der hegelianischen Dialektik; die Bedeutung der unvollendeten Aspekte der Marxschen Pl&#228;ne f&#252;r seine Kritik; die Wichtigkeit des Begriffes &#8222;Kritik&#8220; und der Unterschied zwischen der Marxschen Werttheorie und jener der klassischen politischen &#214;konomie und das Wesen der Abstraktion im Marxschen Konzept der abstrakten Arbeit und in der Kritik der politischen &#214;konomie allgemein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz ihrem h&#228;ufig philologischen und abstrakten Charakter wurde gemeinhin zugestanden, dass die Debatten &#252;ber die neue Lesart des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; eine politische Bedeutung bez&#252;glich der Spannung zwischen dem anti-autorit&#228;ren und traditionalistischen Pol der Studentenbewegung hatten. Letztere hielten am Standpunkt fest, dass das Ger&#252;st des orthodoxen Marxismus bloss modernisiert und angeglichen werden musste&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;W&#228;hrend der traditionelle marxistische Pol der SDS bis 1968 im wesentlichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; bek&#228;mpfte dieses Projekt einer erneuerten Orthodoxie mit der Forderung nach nicht weniger als einer grundlegenden Rekonstruktion der Kritik der politischen &#214;konomie&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Michael Heinrich, &#8216;Reconstruction or Deconstruction? Methodological (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu dieser Zeit war die vorherrschende Sichtweise der im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; angewendeten Methode eine Variante der von Engels in Texten wie in seiner Rezension der Marxschen &lt;i&gt;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt; von 1859 und seinem Vorwort und seinem Anhang zum dritten Band des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; vorgeschlagenen logisch-historischen Methode. Von diesem Standpunkt aus folgt die Entwicklung der Kategorien des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; eng deren historischen Entwicklung, die ersten paar Kapitel des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; werden also als Beschreibung einer vorkapitalistischen Zeit &#8222;einfacher Warenproduktion&#8220; betrachtet, wo das &#8222;Wertgesetz&#8220; auf reine Art und Weise funktioniert haben soll. In den deutschen Diskussionen, und danach auch in den internationalen, wurde Engels Autorit&#228;t &#8211; sowie auch jene des traditionellen Marxismus, die von ihr abhing &#8211; umfassend in Frage gestellt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8216;The Moving Contradiction', Endnotes 2.&#034; id=&#034;nh2-34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; behauptete, dass weder die Engelssche Interpretation, noch irgendeine der vorgeschlagenen Modifikationen derselben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Grossmann z.B. verteidigte die Idee einer sukzessiven Ann&#228;herung, gem&#228;ss (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; der Bewegung in der Ordnung und der Entwicklung der Kategorien des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; gerecht werden. Die Bewegung im Kapital ist kein Fortschreiten von einer nicht-kapitalistischen Fr&#252;hphase, einem hypothetischen vereinfachten Modell einfacher Warenproduktion zu einer sp&#228;teren Phase, einem komplexeren Modell, der kapitalistischen Warenproduktion, sondern musste als Pr&#228;sentation der kapitalistischen Totalit&#228;t von Anfang an analysiert werden, welche sich vom Abstrakten hin zum Konkreten bewegt. In seinem Werk &lt;i&gt;Die logische Struktur des Kapitalbegriffs bei Karl Marx&lt;/i&gt; entwickelte Helmut Reichelt eine Konzeption, die heutzutage auf die eine oder andere Weise grundlegend ist f&#252;r die Theoretiker der systematischen Dialektik: Die &#8222;Logik des Kapitalbegriffs&#8220; als selbstbestimmender Prozess entspricht dem &#220;bersichhinausgehen des Konzepts in Hegels Logik&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Helmut Reichelt, Zur logischen Struktur des Kapitalbegriffs bei Karl Marx (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gem&#228;ss dieser Sichtweise kann die Welt als objektiv idealistisch betrachtet werden: D.h. die Ware ist ein &#8222;sinnlich-&#252;bersinnliches Ding&#8220;. Die Dialektik der Wertform zeigt, wie die materiellen und konkreten Aspekte des gesellschaftlichen Lebensprozesses, ausgehend von der einfachsten Warenform, von den abstrakten und idealen gesellschaftlichen Formen des Werts beherrscht werden. Der Marxsche Standpunkt gem&#228;ss Reichelt ist folgender:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kapital ist daher konzipiert als ein st&#228;ndiger Wechsel der Formen, in welchen der Gebrauchswert immer wieder integriert und abgesto&#223;en wird. In diesem Prozess wird der Gebrauchswert zur Gestalt eines best&#228;ndig verschwindenden Objekts. Aber dieses permanent erneuerte Verschwinden des Objekts ist die Bedingung f&#252;r den Fortbestand des Wertes selbst- durch diesen best&#228;ndigen Wandel der Formen ist gesichert, da&#223; die unmittelbare Einheit von Gebrauchswert und Wert aufrecht erhalten wird. Auf diese Weise kommt es zu einer verkehrten Welt, in der die Sinnlichkeit im weitesten Sinne - als Gebrauchswert, als Arbeit, Austausch mit der Natur - degradiert wird zu einem Mittel der Aufrechterhaltung eines abstrakten Prozesses, der die gesamte objektive Welt einem andauernden Wandel unterwirft [&#8230;] Die sinnlich-stoffliche Welt der Menschen, die sich reproduzieren durch Arbeit und Befriedigung ihrer Bed&#252;rfnisse, wird Schritt f&#252;r Schritt buchst&#228;blich in diesen Prozess hineingesaugt, in welchem alle Aktivit&#228;ten sich verkehren. Sie sind alle, in ihrem verschwindenden Erscheinen, ihr eigenes Gegenteil, die Aufrechterhaltung eines Allgemeinen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Helmult Reichelt, &#8216;Social Reality as Appearance: Some Notes on Marx's (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies ist die ontologische Umkehrung, die Beherrschung des materiellen Lebens durch den Geist des Kapitals. Genau das erfasste Camatte in seiner Anerkennung der Wichtigkeit, das Kapital als prozessierenden Wert und als Subsumtion zu begreifen. Wenn es keinen anderen Gebrauchswert gibt als die Wertform der kapitalistischen Gesellschaft, wenn Wert und Kapital eine zwingende, totalisierende Form der Sozialisierung darstellen, welche jeden Aspekt des Lebens formt, so ist deren &#220;berwindung keine Frage der blossen Ersetzung von Marktmechanismen durch eine staatliche Manipulation oder die Selbstverwaltung der Arbeiter dieser Formen mehr, sondern verlangt eine radikale Transformation jeder Lebenssph&#228;re. Im Gegensatz dazu trennte die traditionelle marxistische, von Engels &#8211; der behauptete, das Wertgesetz sei schon vor dem Kapitalismus da gewesen &#8211; abgeleitete Konzeption die Markttheorie und die Wertform vom Mehrwert und der Ausbeutung und er&#246;ffneten somit die M&#246;glichkeit, ein sozialistisches Wertgesetz, eine sozialistische Geldform, &#8222;Marktsozialismus&#8220; und anderes zu denken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der unvollst&#228;ndige Marx?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teil des dogmatischen Wesens des orthodoxen Marxismus war die Tatsache, dass die Marxschen Werke als komplettes System betrachtet wurden, das nur mit historischen Analysen sp&#228;teren Phasen des Kapitalismus wie dem Imperialismus erg&#228;nzt werden musste. Die Entdeckung der Entw&#252;rfe und Pl&#228;ne f&#252;r die Kritik der politischen &#214;konomie zeigten, dass &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt; unvollst&#228;ndig war, nicht nur in jenem Sinne, dass der zweite und dritte Band, sowie die &lt;i&gt;Theorien &#252;ber den Mehrwert&lt;/i&gt; von Marx nicht abgeschlossen und sp&#228;ter von Engels und Kautsky herausgegeben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Als Moskau eine neue Ausgabe der Theorien &#252;ber den Mehrwert ver&#246;ffentlichte, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wurden, sondern in jenem, dass diese nur den ersten von sechs geplanten B&#228;nden darstellten, welche mit B&#228;nden &#252;ber das Landeigentum, die Lohnarbeit, den Staat, den Aussenhandel und den &#8222;Weltmarkt und Krisen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rosdolsky argumentiert kontrovers, dass das zweite und dritte Buch Teil (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; erg&#228;nzt h&#228;tten werden sollen. Die Anerkennung der Tatsache, dass das, was vom Marxschen Projekt existiert, nur ein Fragment darstellt, war von enormer Bedeutung, denn das implizierte, dass die Marxsche Theorie als radikal offenes Projekt betrachtet werden musste und dass Bereiche der Untersuchung entwickelt werden konnten, welche von Marx selbst kaum in Betracht gezogen wurden. Die sogenannte Staatsableitungsdebatte und die Debatte &#252;ber den Weltmarkt waren Versuche, einige dieser Bereiche zu entwickeln, welche Marx im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; nicht systematisch analysiert hatte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zur Staatsableitungsdebatte siehe: John Holloway, Sol Picciotto, eds,. State (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gest&#252;tzt auf das bahnbrechende Werk von Pashukanis begriffen die Teilnehmer der Staatsableitungsdebatte die Trennung zwischen &#8222;dem &#214;konomischen&#8220; und &#8222;dem Politischen&#8220; als etwas, dass der kapitalistischen Herrschaft eigen ist. Die Folge davon war, dass &#8211; weit entfernt vom Aufbau einer sozialistischen Wirtschaft und eines Arbeiterstaates wie im traditionellen Marxismus &#8211; die Revolution als Zerst&#246;rung sowohl &#8222;des &#214;konomischen&#8220; als auch &#8222;des Staates&#8220; begriffen werden sollte. Trotz dem abstrakten &#8211; und manchmal scholastischen &#8211; Anschein dieser Debatten k&#246;nnen wir also an ihnen erkennen, inwiefern die kritische R&#252;ckkehr zu Marx auf der Grundlage der K&#228;mpfe der sp&#228;ten 1960er Jahre in Deutschland spezifische &#8211; und besonders radikale &#8211; Folgen hatte f&#252;r unsere Konzeption der &#220;berwindung der kapitalistischen Produktionsweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies gilt genauso f&#252;r den Kern der Marxschen Kategorie der abstrakten Arbeit und deren Konzeption in den deutschen Debatten in Bezug auf den Wert. W&#228;hrend in der b&#252;rgerlichen Sozialwissenschaft und in den vorherrschenden Formen des Marxismus die Abstraktion ein geistiger Akt war, argumentierte Marx, dass im Kapitalismus eine andere Form der Abstraktion existiert: &#8222;Real-&#8220; oder &#8222;praktische Abstraktion&#8220;, welche die Leute im Austausch aus&#252;ben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Reichelts Anekdote &#252;ber Backhaus zeigt, dass Adornos Idee einer objektiven Konzeptualit&#228;t des kapitalistischen gesellschaftlichen Lebens den Ansatz der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; zur Marxschen Kritik der politischen &#214;konomie inspirierte. Diese Idee von Adorno und sein Begriff des &#8222;Identit&#228;tsdenken&#8220; waren selbst von Ideen inspiriert, welche Sohn-Rethel mit ihm in den 1930er Jahren diskutiert hatte. Die deutsche Diskussion wurde also durch die Ver&#246;ffentlichung dieser Ideen in Sohn-Rethels Buch &lt;i&gt;Geistige und k&#246;rperliche Arbeit&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alfred Sohn-Rethel, Geistige und k&#246;rperliche Arbeit. Zur Theorie (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; 1970 beschleunigt. In diesem Werk identifiziert Sohn-Rethel die Abstraktion vom Gebrauch, welche im Austauschprozess realisiert wird, nicht nur als Wurzel f&#252;r die merkw&#252;rdige Art gesellschaftlicher Synthese in Warengesellschaften, sondern als Wurzel f&#252;r die Existenz selbst von abstraktem konzeptuellem Denken und von der Erfahrung des unabh&#228;ngigen Intellekts. Sohn-Rethels These ist, dass das &#8222;transzendentale Subjekt&#8220;, wie es explizit von Kant theoretisiert wurde, nichts anderes ist als ein theoretischer und gleichzeitig blinder Ausdruck f&#252;r die Einheit oder Gleichheit der durch Austausch konstituierten Dinge. Solche Ideen, zusammen mit jenen von Pashukanis betreffend der historisch gemeinsamen Hervorbringung von &#8222;Rechtssubjekt&#8220; und Ware, n&#228;hrten eine Periode kritischer Hinterfragung, in welcher alle Aspekte des Lebens, auch unser Sinn selbst von innerer Subjektivit&#228;t und Bewusstsein, als vom Kapital und vom Wert formbestimmt begriffen wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Marx war das augenf&#228;lligste Beispiel von &#8222;Realabstraktion&#8220; die Geldform des Werts und der weitgehendste Beitrag der deutschen Debatten stellt vielleicht deren Entwicklung einer &#8222;monet&#228;ren Werttheorie&#8220; entlang der schon von Rubin gelegten Grundlinien dar. In einer bedeutenden Passage der ersten Ausgabe des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; beschreibt Marx Geld als eine Abstraktion, die perverserweise unabh&#228;ngig von ihrer individuellen Manifestation eine Existenz in der wirklichen Welt annimmt - &#8222;Es ist als ob neben und ausser L&#246;wen, Tigern, Hasen und allen anderen wirklichen Tieren [&#8230;] auch noch &lt;i&gt;das Tier&lt;/i&gt; existierte, die individuelle Inkarnation des gesamten Tierreichs.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, &#8222;Ware und Geld&#8220; in Das Kapital, Hamburg, 1867, S. 27. Die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Produkte privater Arbeit m&#252;ssen zur Realisierung ihrer gesellschaftlichen G&#252;ltigkeit als Tatsache mit dieser konkreten Repr&#228;sentation der abstrakten Arbeit ausgetauscht werden. Somit existiert eine Abstraktion &#8211; und nicht ein Produkt des Denkens &#8211; in der Welt als Ding mit einer gesellschaftlichen Objektivit&#228;t, der wir uns alle f&#252;gen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der traditionelle Marxismus &#252;bersah diese Diskussion und folgte in der Regel Ricardo und den b&#252;rgerlichen Wirtschaftswissenschaften in der Ansicht, Geld sei schlichtweg ein n&#252;tzliches Werkzeug, um den Austausch von existierenden Warenwerten zu erleichtern. Die deutschen Debatten hingegen drehten sich pl&#246;tzlich um die merkw&#252;rdige Art der Objektivit&#228;t des Werts &#8211; die Tatsache, dass er nicht einer besonderen Ware innewohnt, sondern nur im Verh&#228;ltnis der &#196;quivalenz zwischen einer Ware und der Totalit&#228;t der Waren existiert &#8211; etwas, das nur mit Geld zustande gebracht werden kann. Diese Rolle des Geldes in einer allgemeinen Warengesellschaft beeinflusst die Erfahrung lebendiger Arbeit selbst. Insofern, als dass Arbeit schlichtweg eine f&#252;r Geld ausgef&#252;hrte T&#228;tigkeit darstellt, ist die Art geleisteter Arbeit eine Frage der Gleichg&#252;ltigkeit und des Gl&#252;cks. Die organische Verbindung zwischen einzelnen Individuen und besonderen Formen von Arbeit, welche in vorhergehenden Gesellschaften existierte, ist zerrissen. Ein Subjekt entwickelt sich, das f&#228;hig ist, sich gleichg&#252;ltig zwischen verschiedenen Formen von Arbeit hin- und herzubewegen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Hier also wird die Abstraktion der Kategorie &#8222;Arbeit&#8220;, &#8222;Arbeit &#252;berhaupt&#8220;, Arbeit sans phrase, der Ausgangspunkt der modernen &#214;konomie, erst praktisch wahr. Die einfachste Abstraktion also, welche die moderne &#214;konomie an die Spitze stellt und die eine uralte und f&#252;r alle Gesellschaftsformen g&#252;ltige Beziehung ausdr&#252;ckt, erscheint doch nur in dieser Abstraktion praktisch wahr als Kategorie der modernsten Gesellschaft.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Grundrisse, op. cit., S. 39.&#034; id=&#034;nh2-43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abstrakte Arbeit als &lt;i&gt;praktische&lt;/i&gt; Abstraktion ist also grundlegend die kapitalistische Form der Arbeit &#8211; ein Produkt der Reduzierung aller T&#228;tigkeiten auf abstrakte, Geld generierende T&#228;tigkeit. In der traditionellen Sichtweise war die &#220;berwindung der kapitalistischen Produktionsweise nicht mit der Beseitigung abstrakter Arbeit verbunden: Abstrakte Arbeit ist, gem&#228;ss dieser Sichtweise, eine &lt;i&gt;generische&lt;/i&gt; Abstraktion, eine allgemeine transhistorische Wahrheit, welche der Erscheinung von Marktformen in der kapitalistischen Produktionsweise zugrunde liegen. Diese Wahrheit w&#252;rde im Sozialismus hell strahlen, da die Parasitenrolle des Kapitalisten eliminiert ist und die anarchische Marktorganisation ersetzt wird durch (staatliche) Planung. Von einer kritischen Perspektive aus kann man sagen, dass der traditionelle Marxismus die kapitalistischen Formen und Gesetze in allgemeine Gesetze der Geschichte verwandelte: In relativ r&#252;ckst&#228;ndigen Zonen wie Russland, wo der Marxismus zur Ideologie f&#252;r industrielle Entwicklung unter staatlicher F&#252;hrung wurde, wurde &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt; zu einer &#8222;Bedienungsanleitung&#8220;. F&#252;r die Wertformtheoretiker ist die Marxsche Werttheorie als monet&#228;re Werttheorie hingegen &#8222;nicht eine Theorie der Verteilung gesellschaftlichen Reichtums, sondern eine Theorie &#252;ber die Konstitution des gesellschaftlichen Zusammenhangs unter den Bedingungen kapitalistischer Warenproduktion&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Heinrich, &#8222;Invaders from Marx&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Problematik entfernte sich also von der Verteilung und die &#220;berwindung der Form der Arbeit, des Wohlstands und der kapitalistischen Produktionsweise selbst r&#252;ckte ins Zentrum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In anderen L&#228;ndern wurden, manchmal als Reaktion auf die deutschen Diskussionen, doch auch unabh&#228;ngig davon, durch die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; und Rubins &lt;i&gt;Essays&lt;/i&gt;, &#228;hnliche Fragen gestellt und &#228;hnliche Antworten darauf gefunden. Die Wichtigkeit der Wertform wurde beispielsweise vom damaligen Noch-Althusserianer Jacques Ranci&#232;re aufgenommen. Althusser bemerkte zurecht, dass Marx komplett mit dem theoretischen Feld von Ricardo und der klassischen politischen &#214;konomie brach, doch er war unf&#228;hig, die Analyse der Wertform als Schl&#252;ssel f&#252;r diesen Bruch zu analysieren, weil er diese aufgrund ihres &#8222;Hegelianismus&#8220; ablehnte. Ranci&#232;re jedoch machte folgende Bemerkung: &#8222;Durch die Analyse der Wertform der Ware (oder Warenform des Arbeitsproduktes) unterscheidet sich Marx radikal von der klassischen &#214;konomie.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jacques Ranci&#232;re, Der Begriff der Kritik und die Kritik der politischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Diese Erkenntnis wurde auch von einem anderen Anti-Hegelianer &#8211; Colletti&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Lucio Colletti, Hegel und der Marxismus, 1984.&#034; id=&#034;nh2-46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; wieder aufgenommen und in eine italienische Debatte &#252;ber den Wert eingebracht, welche von ihm und Napoleoni&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Riccardo Bellofiore, &#8216;The Value of Labour Value: the Italian Debate on (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; initiiert wurde und zu &#228;hnlichen Schlussfolgerungen kam wie die Wertformtheoretiker. In den englischsprachigen Diskussionen, die bis Ende der 1970er Jahre fast ohne &#220;bersetzungen der deutschen Debatten auskommen mussten, hatte Rubin eine elementare Bedeutung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Doch &#252;berraschenderweise wurde die Bedeutung Rubins in den deutschen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Innerhalb der &lt;i&gt;Konferenz der sozialistischen &#214;konomen&lt;/i&gt;, welche ein zentrales Forum f&#252;r diese Debatten darstellt, war eine zentrale Diskussion jene zwischen einer von Rubin inspirierten abstrakten gesellschaftlichen Arbeitswerttheorie und einer eher traditionellen Arbeitswerttheorie. Erstere bewegten sich in Richtung einer monet&#228;ren Werttheorie, wie in den deutschen Debatten, doch es gab weit weniger Diskussionen zur Relevanz der Hegelschen &lt;i&gt;Logik&lt;/i&gt; zum Verst&#228;ndnis des systematischen Verh&#228;ltnisses der Kategorien des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine erw&#228;hnenswerte Ausnahme ist der bahnbrechende Essay von Jairus Banaji: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und sie wurde somit kaum zur Kenntnis genommen. Ohne &#220;bersetzungen von Reichelt und Backhaus wurden die paar wenigen Englischsprachigen, welche den Deutschen im Wunsch folgten, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt; zu rekonstruieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z. B.: Michael Eldred, Critique of Competitive Freedom and the (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; die Konstanz-Sydney-Schule, welche als &#8222;Wertformschule&#8220; betrachtet wurde &#8211; von den meisten anderen Diskussionsteilnehmern als zu extrem qualifiziert. Es ist ein Merkmal der vor nicht allzu langer Zeit entstandenen systematischen Dialektik, dass solche Vorschl&#228;ge bez&#252;glich der Notwendigkeit f&#252;r eine radikalere Rekonstruktion nun im Zentrum der Diskussion stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die (Anti-)Politik der Werttheorie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kritische Bedeutung der Wertformtheorie ist die Tatsache, dass sie jegliche auf der Affirmation des Proletariats als Produzent des Werts basierende politische Konzeption in Frage stellt. Sie erkennt das Marxsche Werk als eine wesentlich negative &lt;i&gt;Kritik&lt;/i&gt; der kapitalistischen Gesellschaft. Durch die Rekonstruktion der Marxschen Dialektik der Wertform demonstriert sie, wie der Prozess des gesellschaftlichen Lebens unter die Wertform subsumiert &#8211; oder von ihr &#8222;formbestimmt&#8220; wird. Was diese &#8222;Formbestimmung&#8220; charakterisiert, ist eine perverse Priorit&#228;t der Form &#252;ber ihren Inhalt. Arbeit hat nicht einfach eine Existenz vor ihrer Verdinglichung in Form der kapitalistischen Ware, welche eine positive Grundlage sein und im Sozialismus oder Kommunismus durch die &#196;nderung ihres formellen Ausdrucks befreit werden k&#246;nnte. Es ist eher so, dass Wert grundlegend &#8211; als prim&#228;re Form gesellschaftlicher Vermittlung &#8211; vor der Arbeit existiert und sich zu ihr priorit&#228;r verh&#228;lt. Das sagt auch Chris Arthur:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Kern liegt das Scheitern jener Tradition, welche das Modell der &#8222;einfachen Warenproduktion&#8220; ben&#252;tzt, an der Tatsache, dass sie sich auf das menschliche Individuum als Ausgangspunkt der Wertverh&#228;ltnisse fokussiert, statt menschliche T&#228;tigkeiten als objektiv von der Wertform bestimmt zu betrachten...In Tat und Wahrheit wird jedoch das Wertgesetz durch die Effektivit&#228;t eines Systems auferlegt, dessen Herz das Kapital ist, welchem die Warenproduktion untersteht, es ist das Ziel der Verwertung und das reale Subjekt (und als solches von Marx identifiziert), mit dem wir konfrontiert sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chris Arthur, &#8216;Engels, Logic and History' in Riccardo Bellofiore, ed., (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es als wahr und politisch effektiv erscheint&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mike Rooke kritisiert z.B. Chris Arthur und den Ansatz der systematischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, zu sagen, wir produzieren Kapital durch unsere Arbeit, ist es eigentlich pr&#228;ziser, (in einer wirklich auf den Kopf gestellten Welt) zu sagen, dass wir als Subjekte der Arbeit vom Kapital produziert werden. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; der Massstab des Werts, &lt;i&gt;weil die Wertform Arbeit als ihren Inhalt postuliert&lt;/i&gt;. In einer Gesellschaft, welche nicht mehr von entfremdeten gesellschaftlichen Formen beherrscht wird &#8211; und nicht mehr die eigene Expansion von abstraktem Wohlstand zur Grundlage hat &#8211; wird der die kapitalistische Produktionsweise charakterisierende Arbeitszwang verschwinden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ausserhalb einer Klassengesellschaft ist &#8222;Arbeit&#8220; &#8211; das menschliche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Genau wie der Wert verschwindet abstrakte Arbeit als Kategorie. Die Reproduktion der Individuen und ihre Bed&#252;rfnisse werden zu einem Selbstzweck. Ohne die Kategorien des Werts, der abstrakten Arbeit und des Lohns h&#228;tte die &#8222;Arbeit&#8220; nicht mehr ihre systematische Rolle, wozu sie durch die prim&#228;re gesellschaftliche Vermittlung bestimmt wird: den Wert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deswegen deutet die Wertformtheorie bez&#252;glich des daraus folgenden Begriffs der Revolution in die gleiche Richtung wie die Kommunisierung. Die &#220;berwindung der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse besteht nicht aus einer einfachen &#8222;Befreiung der Arbeit&#8220;; der einzige &#8222;Ausweg&#8220; ist wohl eher die Beseitigung des Werts selbst &#8211; jener Wertform, welche abstrakte Arbeit als Massstab von Wohlstand postuliert. Die Kommunisierung ist gleichbedeutend mit der Zerst&#246;rung der Warenform und dem gleichzeitigen Aufbau von unmittelbaren gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Individuen. Der Wert, verstanden als totale Form gesellschaftlicher Vermittlung, kann nicht durch halbe Sachen beseitigt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass die wenigsten Wertformtheoretiker explizit solche radikalen politischen Schlussfolgerungen aus ihrer Arbeit gezogen haben, ist absolut unbedeutend: Solch radikale politische (oder anti-politische) Schlussfolgerungen sind f&#252;r uns eine logische Folge der Analyse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine R&#252;ckkehr zu Marx?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erkenntnis des &#8222;versteckten Kerns&#8220; der Marxschen Kritik der politischen &#214;konomie durch die Wertformtheorie w&#252;rde darauf hindeuten, dass Marx schon 1867 Wert als totalisierende, als Ganzes zu &#252;berwindende Form gesellschaftlicher Vermittlung erkannt hatte. Somit k&#246;nnte der Marxismus, mit seiner Geschichte der Affirmation der Arbeit und seiner Identifikation mit staatlich gef&#252;hrter &#8222;sozialistischer Akkumulation&#8220; als Geschichte der Fehlinterpretation Marxens betrachtet werden. Die richtige Lesart, welche in Richtung einer radikalen Negation des Werts deutet, wurde dadurch gewissermassen verpasst. Doch wenn die Marxsche Theorie der Wertform Kommunisierung im modernen Sinne implizierte, dann ist ihm das selbst ganz klar auch nicht aufgefallen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marxens eigene Haltung gegen&#252;ber der Wichtigkeit seiner Werttheorie war ambivalent. Zwar bestand Marx auf ihrer &#8222;wissenschaftlichen&#8220; Bedeutung, doch als Reaktion auf die Schwierigkeiten seiner Leser, die Subtilit&#228;ten davon zu erfassen, war er bereit, sie zu Gunsten der Rezeption seines restlichen Werks zu kompromittieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine (von Backhaus inspirierte) Diskussion siehe Michael Eldred, Vorwort (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Zudem war er auch bereit, sein Werk bekannt zu machen und &#8222;seine Methode zu verstecken&#8220; und darum erlaubte er Engels (der, wie wir bereits gesehen haben, einer jener Leute war, welche Schwierigkeiten mit diesem Aspekt des Werks seines Freundes hatte), etliche Rezensionen zu schreiben, welche die Behandlung von Wert und Geld herunterspielten, damit diese nicht &#8222;vom Hauptthema ablenken&#8220; w&#252;rden. Marxens Position war scheinbar folgende:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Werttheorie ist die logische Vorbedingung zu seiner Theorie der kapitalistischen Produktion, doch sie ist nicht unerl&#228;sslich f&#252;r das Verst&#228;ndnis letzterer Theorie und v.a. der Kritik der kapitalistischen Produktion. Die marxistische Diskussion in den letzten Jahren hat diese scheinbar Marxsche Haltung (siehe Marxens Rat an Frau Kugelmann&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx empfahl, dass die Frau seines Freundes, aufgrund der Schwierigkeit, das (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) in jeglicher Hinsicht adoptiert, indem die Frage diskutiert wurde, ob die Marxsche Werttheorie f&#252;r die Marxsche Analyse der Klassenausbeutung notwendig ist oder nicht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Eldred, op. cit., S. xlix-l.&#034; id=&#034;nh2-56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx akzeptierte scheinbar, dass eine mehr oder weniger linksricardianische Lesart seines Werks f&#252;r die Bed&#252;rfnisse der Arbeiterbewegung angemessen w&#228;re. Seine politischen Schriften implizierten, dass eine starke Arbeiterklasse, welche sich um eine zunehmend homogene Arbeiteridentit&#228;t sammelte, durch ihre Gewerkschaften und Parteien ihre allt&#228;glichen K&#228;mpfe zu einer revolution&#228;ren &#220;berwindung der kapitalistischen Gesellschaft ausbauen w&#252;rde. Gegen den Lassallschen sozialdemokratischen Marxismus seiner Zeit schrieb Marx die beissende &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt;, wo er ihn f&#252;r seine affirmative Haltung zur Arbeit und seine inkoh&#228;renten Anschauungen im Bereich der politischen &#214;konomie scharf angriff. Doch er hielt es nicht f&#252;r notwendig, den Text zu ver&#246;ffentlichen. Zudem sind die in der (sp&#228;ter von Engels ver&#246;ffentlichten) &lt;i&gt;Kritik&lt;/i&gt; verteidigten Ideen keineswegs unproblematisch. Sie beinhalten eine Theorie des &#220;bergangs, w&#228;hrend welchem das b&#252;rgerliche Recht im Bereich der Verteilung durch den Gebrauch von Arbeitsscheinen nach wie vor gelten w&#252;rde und seine Beschreibung des &#8222;ersten Stadiums des Sozialismus&#8220; ist viel n&#228;her beim Kapitalismus als beim viel attraktiveren zweiten Stadium, ohne dass irgendein Mechanismus beschrieben w&#252;rde, der erkl&#228;ren k&#246;nnte, wie ersteres zu zweiterem wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe R.N. Berki, Insight and Vision: The Problem of Communism in Marx's (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re falsch, zu suggerieren, dass die deutsche Diskussion die Diskrepanz zwischen der radikalen Haltung, welche viele davon von der Marschen Kritik ableiteten oder von ihr ausgehend entwickelten, und Marxens eigener Politik ignorierte. Ende der 1970er Jahre war eine bedeutende Art und Weise, wie diese Frage neuerdings verstanden wurde, die Unterscheidung zwischen einem &#8222;esoterischen Marx&#8220; mit einer radikalen Kritik der Wertform als totalisierende gesellschaftliche Vermittlung und einem &#8222;exoterischen Marx&#8220; mit einer Orientierung hin zu den Zielen der Arbeiterbewegung seiner Zeit, die er auch unterst&#252;tzte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl sie vielleicht von Backhaus abgeleitet werden kann, wurde die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der exoterische Marx wurde mit einer Fehlinterpretation des radikalen Potenzials des Proletariats des 19. Jahrhunderts erkl&#228;rt. Es wurde zu einer starken Tendenz im deutschen Kontext, den &#8222;exoterischen Marx&#8220; zu Gunsten des &#8222;esoterischen Marx&#8220; &#252;ber Bord zu werfen. Marxens Idee des Kapitals als unbewusstes automatisches Subjekt wurde dahingehend betrachtet, dass sie die Idee des Proletariats als Subjekt der Geschichte, die er scheinbar auch hatte, in den Hintergrund r&#252;ckte. Klassenkampf wird in dieser Sichtweise nicht bestritten, jedoch als &#8222;systemimmanent&#8220; &#8211; als sich innerhalb der Kategorien bewegend &#8211; abgetan und die Abschaffung der Kategorien wurde anderweitig gesucht. Gem&#228;ss dieser Sichtweise war die Identifikation Marxens mit der Arbeiterbewegung schlichtweg ein Fehler, sp&#228;te Einsicht hat uns gezeigt, dass sie eine Bewegung f&#252;r die Emanzipation innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft und nicht f&#252;r die Abschaffung dieser Gesellschaft war. Diese Tendenz zeigt sich beispielhaft in den Gruppen der &#8222;Wertkritik&#8220; &lt;i&gt;Krisis&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Exit&lt;/i&gt;. Obwohl er die Unterscheidung zwischen esoterisch und exoterisch nicht ben&#252;tzt, verteidigt Moishe Postone, der seine Ideen in Frankfurt Anfang der 1970er Jahre entwickelte, im wesentlichen die selbe Position. In &lt;i&gt;Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft&lt;/i&gt; behauptet er, Marx biete eine &#8222;Kritik der Arbeit im Kapitalismus&#8220; (der esoterische Marx), statt &#8211; wie im traditionellen Marxismus &#8211; eine &#8222;Kritik vom Standpunkt der Arbeit&#8220; (der exoterische Marx). Es ist interessant, dass Postone, abgesehen von seiner Abwendung von der Klasse, bez&#252;glich aus seiner Theorie zu ziehenden Schlussfolgerungen expliziter ist als die meisten akademischen Wertformmarxisten, was ihn politisch innerhalb der &#8222;Ultralinken&#8220; und nicht allzu weit von der These der Kommunisierung positioniert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie Dauv&#233; benutzt Postone das &#8222;Maschinenfragment&#8220;, um die Konzeptionen des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei weitem nicht all jene, welche von der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; beeinflusst sind, und sicher auch nicht alle im weiteren Bereich eines an der kritischen Wertform orientierten Marxismus, haben sich vom Klassenkampf abgewendet. In englischsprachigen Diskussionen hat im allgemeinen die Adoption einer &#8222;monet&#228;ren&#8220; oder an &#8222;abstrakter gesellschaftlicher Arbeit&#8220; orientierten Werttheorie nicht die gleiche Ablehnung der Klassenanalyse impliziert, jedoch auch nicht die gleiche Kritik traditionell linker Anschauungen wie in Deutschland. Werner Bonefeld, der mehr als die meisten anderen zur Einf&#252;hrung von von der deutschen Diskussion abgeleiteten kritischen Konzeptionen in den englischsprachigen Marxismus beigetragen hat, hat auf jeden Fall eine eindeutig klassenorientierte Perspektive&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. Werner Bonefeld, &#8216;On Postone's Courageous but Unsuccessful (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Trotzdem definieren die meisten Beschreibungen der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; die Ablehnung der Marxschen historischen Mission des Proletariats als eine ihrer zentralen Charakteristika und eine Sensibilit&#228;t zur Skepsis gegen&#252;ber dem Klassenkampf war in der deutschen Linken vorherrschend. Doch wenn innerhalb dieser Sichtweise das Proletariat als Tr&#228;ger der Revolution abgelehnt wird, stellt sich selbstverst&#228;ndlich die Frage: Woher wird die Abschaffung der Klassengesellschaft kommen? Die ziemlich unbefriedigende Antwort, welche in diversen Formen in den deutschen Diskussionen vorherrschend ist, ist scheinbar, dass es eine Frage der richtigen Kritik ist &#8211; d.h. indem die Revolution zu einer Frage der Aneignung des richtigen Bewusstseins wird. In dieser Fokussierung auf richtiges Bewusstsein und richtige Kritik schimmert scheinbar ironischerweise &#8211; nach all dieser Hinterfragung des traditionellen Marxismus &#8211; eine gewisse leninistische Problematik der Trennung zwischen Lehrer und Sch&#252;ler durch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Art und Weise unterstrichen, wie die &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; eine Entwicklung ausgehend von der Frankfurter Schule und eine Verbesserung davon darstellt. Adornos dialektische Gesellschaftstheorie &#8211; bez&#252;glich ihrer eigenen Reproduktion hinter dem R&#252;cken der Individuen, der Umkehrung von Subjekt und Objekt und der Existenz der Realabstraktion &#8211; war von Marxens Kritik der politischen &#214;konomie abgeleitet. Doch Adorno unternahm selbst kein detailliertes Studium des Kapital und seinen Entw&#252;rfen und st&#252;tzte sich weitgehend auf Forschungen von anderen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Genau wie das Werk von Luk&#225;cs und Sohn-Rethel stand Adorno in der Schuld von (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; zeigte die Richtigkeit von Adornos Verst&#228;ndnis der kapitalistischen Gesellschaft, nicht im allgemeinen Bereich der Philosophie und der Gesellschaftstheorie, sondern auf dem traditionell marxistischen Terrain der &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;interpretation. Adorno und Horkheimer schienen allerdings unf&#228;hig, den theoretischen Entwicklungen ihrer Studenten zu folgen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Helmut Reichelt &#8216;From the Frankfurt School to Value-Form Analysis' (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Nach ihrem Tod erlitt das Erbe der Frankfurter Schule einen vollst&#228;ndigen Verfall zu b&#252;rgerlicher Theorie unter Habermas, w&#228;hrend die kritische Theorie der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; gedeihte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewissermassen k&#246;nnen die Ergebnisse der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; aber auch als hinter Adorno zur&#252;ckfallend betrachtet werden. Die Kategorie der Klasse spielt eine geringe Rolle in den Schriften von Backhaus und Reichelt und sie behandeln die Frage der Revolution als ausserhalb von ihrem akademischen Forschungsfeld stehend und somit ist es ironischerweise Adorno, sogar mit seiner Idee der Integration des Proletariats, der diesbez&#252;glich mehr zu sagen hat. In Essays wie &lt;i&gt;Gesellschaft&lt;/i&gt; (1965), &lt;i&gt;Anmerkungen zum sozialen Konflikt heute&lt;/i&gt; (1968) oder &lt;i&gt;Sp&#228;tkapitalismus oder Industriegesellschaft?&lt;/i&gt; (1968) zeigt Adorno ein &#8222;orthodoxes&#8220; (in einem positiven Sinn) Interesse f&#252;r die Realit&#228;t des Klassenantagonismus und der Ausbeutung. Im mit Ursula Jaerisch geschriebenen Text Anmerkungen greift er den Begriff des sozialen Konflikts als &#8222;positivistische&#8220; Abflachung von Marxens Konzept des Klassenkampfes auf, wenn auch ein Klassenkampf, der so durch die Entwicklung der Klassengesellschaft objektiv m&#246;glich gemacht worden ist (Integration). Obwohl er nicht bewusst gek&#228;mpft wird, ist gem&#228;ss Adorno der Klassenantagonismus nach wie vor der Kern der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft. Diese Tatsache wird in den Notizen zu einer Adornovorlesung von Backhaus hervorgehoben als die &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; inspirierend. Adorno betont hier wiederholt, dass das &#8222;das Tauschverh&#228;ltnis [&#8230;] in Wirklichkeit durch die Klassenverh&#228;ltnisse [pr&#228;formiert ist]&#8220;; der einzige Grund, weshalb der Arbeiter die gegebenen Verh&#228;ltnisse akzeptiert, ist die Tatsache, dass er &#8222;nichts anderes [...] als seine Arbeitskraft&#8220; zu verkaufen hat. Im Gegensatz zu Backhaus' eigenen Schriften liegt Adornos Fokus sehr stark auf der Tatsache, dass, w&#228;hrend der Austausch keine blosse Illusion ist, der &#8222;Schein im Tauschvorgang [&#8230;] im Begriff des Mehrwerts&#8220; liegt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Notizen von Backhaus zu einer Lesung von Adorno 1962 sind im Anhang der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend sich also Backhaus und Reichelt viel eingehender mit Marxens Schriften besch&#228;ftigt haben, war Adorno gewissermassen weniger &#8222;akademisch&#8220;, &#8222;politischer&#8220; und n&#228;her an Marxens Interesse an der Ausbeutung und am Klassenantagonismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich war Krahl ebenfalls komplett anders als seine Erben. Wie es der volle Titel seiner posthum ver&#246;ffentlichten Schriften&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hans-J&#252;rgen Krahl: Konstitution und Klassenkampf. Zur historischen Dialektik (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zeigt, hatte Krahl nicht nur den Verdienst, sich f&#252;r die Vermittlung der Kategorien des Werts und des Klassenkampfes zu interessieren, sondern auch jenen, eine klar historische Perspektive zu haben, eine Perspektive, die in den wesentlich philologischen Werken von Reichelt und Backhaus gr&#246;sstenteils fehlt. Nach Krahl l&#246;st ein Interesse an Systemrekonstruktion alles Interesse an Geschichte in der &lt;i&gt;Neuen Marx-Lekt&#252;re&lt;/i&gt; ab. Die Entwicklung von Backhaus, Reichelt und der n&#228;chsten Generation von Werttheoretikern wie Heinrich ging dahin, dass alles, was nach &#8222;unwissenschaftlicher&#8220; Geschichtsphilosophie oder Revolutionstheorie roch, aus dem Marxschen Werk ausgeschlossen wurde. Es geht nicht darum, eine Art mechanische Anwendung von Theorie zu finden, sondern anzuerkennen, dass jene Fragen, welche Adorno und Krahl verschieden beantworteten, nicht verschwunden sind. System muss historisch und Geschichte systematisch gedacht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Statt einer simplistischen R&#252;ckkehr zur Position von Adorno (oder diesbez&#252;glich zu jener der nicht &#252;bersetzten Schriften Krahls), geht es darum, Adornos pessimistische Haltung zu den Klassenk&#228;mpfen seiner Zeit als einen Versuch einer ehrlichen Konfrontation mit den Widerspr&#252;chen und Sackgassen dieser Zeit zu begreifen, und nicht als sein blosses Scheitern. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich mit der Abwendung von den Krahlschen Fragestellungen, der Skepsis in deutschen Diskussionen gegen&#252;ber dem &#8222;Klassenkampfmarxismus&#8220; und dem Versuch, eine revolution&#228;re Theorie auf etwas anderem zu gr&#252;nden, es sind nicht blosse ideologische Verirrungen. Wenn sie es auch scheinbar nicht geschafft haben, zu einer &#252;berzeugenden Alternative zu gelangen, so haben sie zumindest ein reales Problem identifiziert. In Anbetracht der Geschichte ist es nicht offensichtlich, dass die Arbeiterbewegung in Richtung eines Kommunismus verstanden als Ende des Werts, der Klassen, des Staates usw. deutet &#8211; sogar eher, so scheint es, in die gegenteilige Richtung. Das Argument, Klassenkampf sei systemimmanent erfasst den &#8222;eingeklemmten&#8220; Charakter der K&#228;mpfe innerhalb des Kapitals. Die Idee des esoterischen und des exoterischen Marx &#8211; der Wunsch, Marxsche Kritik vom Klassenkampf zu entkoppeln &#8211; bietet scheinbar eine, wenn auch ziemlich ketzerische, so doch plausible L&#246;sung f&#252;r das Problem des Scheiterns der Arbeiterklasse, ihre &#8222;historische Aufgabe&#8220; zu erf&#252;llen: Die Idee, dass die Arbeiterbewegung nie wirklich an sich revolution&#228;r war und dass die wirklich revolution&#228;re Perspektive schlichtweg in Marxens &#8222;esoterischer&#8220; Sichtweise liegt. Doch solch eine Entkopplung liesse uns nat&#252;rlich kein plausibles alternatives Szenario f&#252;r die Verwirklichung derselben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist klar, dass die Werttheorie und die Klassenanalyse letztendlich nicht voneinander getrennt werden k&#246;nnen. Die Kategorien des Werts und der Klasse bedingen sich gegenseitig. Durch das Verst&#228;ndnis des Kapitals als in Begriffen der &#8222;systematischen Dialektik&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8216;The Moving Contradiction', op. cit.&#034; id=&#034;nh2-65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; funktionierend, erkennt man, dass deren Verh&#228;ltnis ein inneres ist, dass &#8222;das Setzen der gesellschaftlichen Arbeit in der Form des Gegensatzes von Kapital und Lohnarbeit &#8211; [&#8230;] die letzte Entwicklung des Wertverh&#228;ltnisses [ist]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Grundrisse, op. cit., S. 600.&#034; id=&#034;nh2-66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und dass Wertverh&#228;ltnisse ein Produkt der Trennung lebendiger Arbeit von vergegenst&#228;ndlichter Arbeit und somit ein Klassenverh&#228;ltnis ist. Doch obwohl es nun zwecklos ist, die Abschaffung des Werts woanders zu suchen als in der Klasse, welche gezwungen ist, ihn zu produzieren, und von ihm zunehmend &#252;berfl&#252;ssig gemacht wird, m&#252;ssen die Zweifel &#252;ber das revolution&#228;re Potenzial der Arbeiterklasse vieler Wertkritiker hinterfragt werden. Uns scheint es, dass &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; dies tut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erkenntnis der gegenseitigen Verwicklung von Proletariat und Kapital befindet sich im Kern der Theorie von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;. Sie stellt die grundlegende Frage, wie der Kampf einer Klasse, welche eine Klasse der kapitalistischen Gesellschaft ist, diese Gesellschaft abschaffen kann. Ein wichtiges Element des Beitrags von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ist die Tatsache, der Versuchung widerstanden zu haben, diese Frage mit einem revolution&#228;ren menschlichen Wesen des Proletariats jenseits seines Klassen- und Kapitalcharakters zu beantworten, und gleichzeitig die Zentralit&#228;t des Klassengegensatzes nicht aus den Augen zu verlieren. Die Antwort ist eher, das Klassenverh&#228;ltnis als sich in Kampfzyklen historisch entwickelnd zu begreifen, was stets eine gegenseitige Verwicklung impliziert. F&#252;r &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ist die Tatsache zentral, dass die &#8222;Kommunisierung&#8220; nicht ist, was der Kommunismus und die Revolution &#8222;immer wirklich gewesen ist oder gewesen h&#228;tte sein sollen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie Communiste, &#8216;Much Ado About Nothing' Endnotes Nr.1 (2008), S. 192.&#034; id=&#034;nh2-67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist eher so, dass das Konzept der Kommunisierung sich historisch entwickelt mit dem Ende eines Kampfzyklus, w&#228;hrend welchem der Kommunismus und die Revolution als etwas anderes erschienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; war die klassische Arbeiterbewegung zu Lebzeiten Marxens, sowie w&#228;hrend der zweiten und dritten Internationalen Teil eines Kampfzyklus, den sie Programmatismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das ist der zentrale Streitpunkt zwischen Dauv&#233; und TC, siehe Endnotes Nr. 1.&#034; id=&#034;nh2-68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nennen. W&#228;hrend dieser Periode existierten Arbeiterk&#228;mpfe und die Vision der &#220;berwindung des Kapitalismus, welche sich aus ihnen entwickelten, auf der Grundlage der Autonomie und Positivit&#228;t, welche die Arbeiter f&#228;hig waren innerhalb des Kapital-Arbeits-Verh&#228;ltnisses aufrechtzuerhalten. Die Revolution dieser Periode k&#246;nnte als unm&#246;glicher Versuch beschrieben werden, ein Verh&#228;ltnis abzuschaffen, indem einer seiner Pole bejaht wird. Die Trag&#246;dien der Sozialdemokratie und des Stalinismus und die Erfahrungen des Anarchismus in Spanien waren das Produkt der Widerspr&#252;che des gesetzten Ziels und der Methoden der Bewegung in ihrer Glanzzeit, welche ihrerseits ein Produkt der Konfiguration des Klassenverh&#228;ltnisses dieser Zeit waren &#8211; d.h. der Art und Weise, wie sich Kapital und Klasse miteinander konfrontierten. Fran&#231;ois Danel fasst die Situation im folgenden Auszug zusammen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Da die Entwicklung des kapitalistischen Verh&#228;ltnisses &#8211; d.h. des Klassenkampfes &#8211; nicht unmittelbar Tr&#228;gerin der Abschaffung der Lohnarbeit, sondern ihrer Verallgemeinerung war, abstrahierte das Proletariat das Endziel der Bewegung und machte die Revolution &#8211; seine Machtergreifung &#8211; von einer Reifung der objektiven (die Entwicklung der Produktivkr&#228;fte) und subjektiven (sein Wille und sein Klassenbewusstsein) Bedingungen abh&#228;ngig. Es setzte also den Kommunismus als Programm und seine volle Verwirklichung als letzte Etappe eines unm&#246;glichen &lt;i&gt;&#220;bergangs&lt;/i&gt;: Die proletarische Beherrschung der Wertbewegung, w&#228;hrend die Lohnarbeit als &#8222;degenerierend&#8220; vermutet wurde, sobald man Geld mit Arbeitsscheinen ersetzte [&#8230;] Was die Arbeiterbewegung damit in Frage stellte, war nicht das Kapital als Produktionsweise, sondern nur die Verwaltung der Produktion durch die Bourgeoisie. Es ging f&#252;r die Arbeiter darum, den Produktivapparat dieser parasit&#228;ren Klasse zu entreissen und ihren Staat zu zerst&#246;ren, um einen anderen wieder aufzubauen, angef&#252;hrt von der Tr&#228;gerpartei des Bewusstseins, oder die Macht des b&#252;rgerlichen Staates durch die basisnahe Selbstorganisation der Produktion mit Hilfe der Organe der Gewerkschaften oder der R&#228;te zu untergraben. Doch die Frage nach dem Wert wurde nicht gestellt und es wurde nicht versucht, das Wertgesetz abzuschaffen &#8211; den Zwang zur Akkumulation und somit zur Reproduktion der Ausbeutung, die sich sowohl im Maschinenpark, im fixen Kapital als Kapital an sich, als auch in der notwendigen Existenz einer der Arbeiterklasse entgegen stehenden, b&#252;rgerlichen oder b&#252;rokratischen Ausbeuterklasse als kollektiver Agens dieser Reproduktion materialisiert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fran&#231;ois Danel, Einleitung zu Rupture dans la th&#233;orie de la revolution: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bestimmte Scheitern dieser programmatischen Revolution hinterliess einen Nachkriegskapitalismus, in welchem die Arbeiterbewegung eine gewisse Macht innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft, doch ihren fr&#252;heren Aspekt der autonomen revolution&#228;ren Affirmation verloren hatte. Die Entwicklung einer revolution&#228;ren Theorie musste sich mit dieser Situation konfrontieren. Die K&#228;mpfe, welche dann zu neuer Theorieproduktion in den 1960er und 1970er Jahren f&#252;hrten, hatten &#8211; unabh&#228;ngig von den Hoffnungen von Gruppen wie der SI &#8211; den Programmatismus noch nicht &#252;berwunden. Sie nahmen eher einen widerspr&#252;chlichen Charakter an: konterkulturellen Utopismus und &#8222;Widerstand gegen die Arbeit&#8220;, Fragen des allt&#228;glichen Lebens, welche mit der St&#228;rke einer programmatischeren Bewegung zusammenfiel &#8211; und in vielen Hinsichten von ihr abhing. Es war innerhalb dieses Widerspruchs und diesen K&#228;mpfen, wo die Theorie der Kommunisierung und der neue kritische Marxismus entstehen konnten. Der Ausgang dieser K&#228;mpfe zu Gunsten des Kapitals markierten das Ende dieses Zyklus in Form einer Restrukturierung, im Zuge welcher die M&#246;glichkeiten der Klasse zu einer positiven Autonomie und zur Affirmation zu Relikten der Vergangenheit geworden sind. F&#252;r &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ist es eben genau diese Niederlage, welche eine neue Konfiguration des Klassenverh&#228;ltnisses erschafft, innerhalb welcher die Existenz der Klasse nicht mehr als eine zu bejahende Positivit&#228;t erlebt wird, sondern als &#228;usserer Zwang in Form des Kapitals. Und es ist diese Konfiguration, welche sowohl ein neues Verst&#228;ndnis von Kommunismus als auch eine neue Marx-Lekt&#252;re erfordert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist m&#246;glich, diese &#8222;R&#252;ckkehr zu Marx&#8220; in Begriffen eines Aufs und Abs kommunistischer Theorie parallel zu jenem revolution&#228;rer Wellen zu verstehen: 1917, 1968 usw. Doch genau wie sich die Perspektive der Kommunisierung auch in den marginalen ketzerischen Tendenzen fr&#252;herer revolution&#228;rer Perioden nicht entwickelte, so ging auch der fr&#252;here kritische Marxismus nie so weit wie jener, welcher in den 1960er Jahren entstand. Luk&#225;cs, Rubin und Pashukanis entwickelten ihre Konzeptionen im Verh&#228;ltnis zu einer aufsteigenden Arbeiterbewegung, welche eine gewisse Konfiguration des Arbeit-Kapital-Verh&#228;ltnisses ausdr&#252;ckte. Das Werk fr&#252;herer kritischer Marxisten, genau wie das Werk von Marx &#8211; der erste Wertformtheoretiker &#8211; hatte Widerspr&#252;che und Grenzen, welche die sp&#228;tere Generation, die schrieb als der Programmatismus sich seinem Ende n&#228;herte, &#252;berwinden konnte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl zum Beispiel Rubin einen grossen Teil der sp&#228;teren Wertformtheorie (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl das affirmative proletarische Projekt des Programmatismus notwendigerweise zum Scheitern verurteilt war, nicht nur aus unserer Perspektive der Kommunisierung, sondern sogar &#8211; und das ist wichtig &#8211; in Bezug auf die Ziele, welche es sich selber setzte, so gab es doch dem Gegensatz von Kapital und Arbeit &#8222;Raum zur Bewegung&#8220;. Gegen Ende der 1960er Jahre war dieser Raum langsam aufgebraucht. F&#252;r die Theoretiker der &#8222;zweiten revolution&#228;ren Welle&#8220; des 20. Jahrhunderts war eine zentrale Frage die Ablehnung der Idee und der Praxis des Sozialismus in Form von Arbeitern, welche den wahren Wert ihrer Arbeit in einer Planwirtschaft erhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kritische Marx-Lekt&#252;re erfasst die Radikalit&#228;t der Implikationen einer revolution&#228;ren Negation des Werts: Wir sprechen sowohl von der &#220;berwindung von uns selbst als auch von etwas &#8222;da draussen&#8220;. Der Beitrag von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ist es, zu erfassen, wie und warum die Konfiguration des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit in einer fr&#252;heren Periode eine solche &#220;berwindung nicht in Betracht zog. Zu Marxens Lebzeiten, und w&#228;hrend der historischen Arbeiterbewegung, setzte das Verh&#228;ltnis zwischen Kapital und Proletariat die Revolution in Begriffen der Affirmation, statt in jenen der Negation der Arbeit, des Werts und der Klasse. Das Werk von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; suggeriert, dass der radikale &#8222;Ausweg&#8220; von der Wertform vorgegeben ist und vermutlich von der historischen Entwicklung des Kapital-Arbeit-Verh&#228;ltnisses selbst bestimmt wird, und nicht das Produkt eines geschichtslosen richtigen Bewusstseins, eines frei schwebenden wissenschaftlichen Standpunkts oder einer Perspektive der Kritik ist. Die historische Perspektive der Klassenverh&#228;ltnisse ist komplement&#228;r zur Wertformtheorie. Und die durchdachte Analyse kapitalistischer gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse der systematischen Dialektik und der Wertformtheorie kann die Perspektive der Kommunisierung durch eine Ausf&#252;hrung zu dem stimulieren, was dieses Klassenverh&#228;ltnis genau &lt;i&gt;ist&lt;/i&gt; und wie die besonderen gesellschaftlichen Beziehungen in der kapitalistischen Gesellschaft als solche formbestimmt sind. Systematische Dialektik und die Wertformtheorie k&#246;nnen uns helfen, den Charakter des kapitalistischen Klassenverh&#228;ltnisses zu verstehen, d.h. was es genau ist als etwas, das eine Geschichte haben kann, w&#228;hrend welcher sich jene Revolution damals in Form des Programmatismus pr&#228;sentierte, deren angemessener Horizont heute die Kommunisierung ist. Der Kommunismus erfordert die Abschaffung eines facettenreichen Verh&#228;ltnisses, das sich mit der Zeit entwickelte, doch es abzuschaffen, bedeutet schlichtweg, dass wir aufh&#246;ren Wert zu konstituieren und er h&#246;rt auf, uns zu konstituieren. Die Radikalit&#228;t unserer Zeit zeigt sich in der Tatsache, dass das nun die einzige Art und Weise ist, das zu konzipieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; 2&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir bedanken uns bei den deutschen Genossen f&#252;r die n&#252;tzlichen Kommentare zu den Entw&#252;rfen dieses Artikels, besonders bei DD und Felix vom &lt;i&gt;Kosmoprolet&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K. Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, MEW 23, S. 95, FN 32.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine unvollst&#228;ndige Liste der Autoren w&#228;re Chris Arthur, Werner Bonefeld, Hans George Backhaus, Riccardo Bellofiore, Michael Eldred, Michael Heinrich, Hans J&#252;rgen Krahl, Patrick Murray, Moishe Postone, Helmult Reichelt, Geert Reuten, Ali Shamsavari, Felton Shortall, Tony Smith, Michael Williams.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K. Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 94-96.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gleichzeitig schien Marx anzuerkennen, dass seine Wertformanalyse problematisch war, was dazu f&#252;hrte, dass er mindestens vier Versionen der Abhandlung schrieb. Es gibt betr&#228;chtliche Unterschiede zwischen der Entwicklung des Werts in den &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, im &lt;i&gt;Urtext&lt;/i&gt;, in der &lt;i&gt;Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, der ersten Ausgabe des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; mit ihrem Anhang und der zweiten Ausgabe des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;; und die sp&#228;teren Versionen k&#246;nnen auf keinen Fall als Verbesserungen im Vergleich zu den &#228;lteren betrachtet werden. In der Tat verlieren die etwas popul&#228;reren sp&#228;teren Pr&#228;sentationen &#8211; welche Marx als Reaktion auf die Verst&#228;ndnisschwierigkeiten entwickelte, welche sogar Leute hatten, die im nahe standen &#8211; gewisse ihrer dialektischen Subtilit&#228;ten und neigen eher zur linksricardianischen Lekt&#252;re, welcher in der Arbeiterbewegung eine goldene Zukunft bevorstand. Siehe Hans-Georg Backhaus, &#8216;On the Dialectics of the Value-Form', &lt;i&gt;Thesis Eleven&lt;/i&gt; 1,1980; Helmut Reichelt, &#8216;Why Marx Hid his Dialectical Method' in Werner Bonefeld et al., eds., &lt;i&gt;Open Marxism&lt;/i&gt; vol. 3 (Pluto Press 1995).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;I. Rubin, &lt;i&gt;Die marxsche Theorie des Warenfetischismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;I. Rubin, &lt;i&gt;Zur Marxschen Werttheorie&lt;/i&gt;. Ricardo Bellofiore hat bemerkt, dass Rosa Luxemburg eine andere Ausnahme unter traditionellen Marxisten ist und der Wertform viel Aufmerksamkeit schenkte. Siehe seine Einf&#252;hrung zu &lt;i&gt;Rosa Luxemburg and the Critique of Political Economy&lt;/i&gt; (Routledge 2009), S. 6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Orthodoxie bedeutet mittlerweile dogmatischer Marxismus. Luk&#225;cs machte einen interessanten Versuch, den Sinn von Orthodoxie zu rehabilitieren, indem er sagte, sie beziehe sich ausschliesslich auf die Methode. Vielleicht aufgrund der ambivalenten Bedeutung von Orthodoxie haben kritische Marxisten die Begriffe &#8222;Weltanschauungsmarxismus&#8220; und &#8222;traditioneller Marxismus&#8220; entwickelt, um sich auf althergebrachten Interpretationen von Marx zu beziehen, welche sie zu Fall bringen m&#246;chten. Hier benutzen wir orthodoxen und traditionellen Marxismus als Synonyme.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K. Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, MEW 42, S. 397.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jacques Camatte, &lt;i&gt;Capital and Community: the Results of the Immediate Process of Production and the Economic Works of Marx&lt;/i&gt; (Unpopular Books 1998). Urspr&#252;nglich ver&#246;ffentlicht in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; Serie I Nr. 2 (1968).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roman Rosdolsky, &lt;i&gt;Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen &#8222;Kapital&#8220;&lt;/i&gt;, 1968.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Camatte kritisiert Rosdolsky trotzdessen, &#8222;er erfasst den f&#252;r uns zentralen Punkt nicht: Kapital ist prozessierender Wert, Entstehung von Menschen&#8220;. J. Camatte, &lt;i&gt;Capital and Community&lt;/i&gt; (Unpopular Books 1998) S. 163.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dies ist eine Lekt&#252;re der &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, die sp&#228;ter mit Negri identifiziert wird. Es wurde in der Tat behauptet, sein Fr&#252;hwerk stehe in der Schuld von Camatte. Auffallenderweise findet man, trotz den Ambivalenzen autonomer Politik, im Kapitel &#8222;Communism and Transition&#8220; in Negris &lt;i&gt;Marx Beyond Marx&lt;/i&gt; (1978) im wesentlichen ein Argument f&#252;r die Kommunisierung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Als er seine fr&#252;here Idee einer &#8222;formellen Herrschaft des Kommunismus&#8220; kommentierte, schrieb Camatte: &#8222;Die Periodisierung verliert heutzutage ihre G&#252;ltigkeit; somit wird die Geschwindigkeit der Verwirklichung des Kommunismus h&#246;her sein als zuvor geglaubt worden war. Schliesslich muss pr&#228;zisiert werden, dass der Kommunismus weder eine Produktionsweise, noch eine Gesellschaft ist...&#8220; J. Camatte, op. cit., S. 148, FN 19.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 165.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gilles Dauv&#233; &#8216;Sur L'Ultragauche' (1969), erstmals ver&#246;ffentlicht auf English als &#8216;Leninism and the Ultraleft' in: Jean Barrot (Gilles Dauv&#233;) and Fran&#231;ois Martin, &lt;i&gt;Eclipse and Re-Emergence of the Communist Movement&lt;/i&gt; (Black and Red, 1974), S. 104.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Denn der wirkliche Reichtum ist die entwickelte Produktivkraft aller Individuen. Es ist dann keineswegs mehr die Arbeitszeit, sondern die disposable time [verf&#252;gbare Zeit] das Ma&#223; des Reichtums.&#8220;Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 604. Es ist interessant, dass f&#252;r Moishe Postone, der bez&#252;glich der radikalen politischen Implikationen des Wertformansatzes explizit war, diese Passage grundlegend ist f&#252;r die Neuinterpretation von Marx. Siehe &lt;i&gt;Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gilles Dauv&#233;, Fran&#231;ois Martin, &lt;i&gt;Niedergang und Wiederkehr der kommunistischen Bewegung&lt;/i&gt;, Beilage zu Wildcat-Zirkular 52/53, Juli 1999, S. 77. Ad&#220;: Einen herzlichen Dank an die Wildcat-Redaktion f&#252;r die Bereitstellung des pdf.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K. Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 217-218.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Und von der Natur, welche f&#252;r das Kapital &#8211; wie menschliche Wesen &#8211; einzig und allein eine Ressource f&#252;r die Expansion abstrakten Wohlstands ist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; behauptet indes nicht, die Kommunisierung sei Marxens Konzept der Revolution gewesen &#8211; siehe die Diskussion &#252;ber &#8222;Programmatismus&#8220; weiter unten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K. Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 723.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Interpretation des &#8222;traditionellen Marxismus&#8220; als &#8222;Weltanschauungsmarxismus&#8220; siehe Michael Heinrich, &#8222;Invaders from Marx&#8220;, &lt;i&gt;Jungle World&lt;/i&gt; Nr. 38, 21. September 2005. Diese Art und Weise, &#8222;traditionellen Marxismus&#8220; zu charakterisieren, scheint auf den humanistischen Marxisten Iring Fetscher zur&#252;ckzugehen, unter welchem sowohl Reichelt als auch Postone studierten. Siehe sein &lt;i&gt;Karl Marx und der Marxismus&lt;/i&gt;, 1967.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zentrale Werke dieser Periode sind Luk&#225;cs' &lt;i&gt;Geschichte und Klassenbewusstsein&lt;/i&gt;, Rubins &lt;i&gt;Studien zur Marxschen Werttheorie&lt;/i&gt; und Pashukanis' &lt;i&gt;Allgemeine Rechtslehre und Marxismus&lt;/i&gt;. Eine der Eigenschaften der neuen Periode war die Wiederentdeckung vieler Texte fr&#252;herer Perioden und eine Vertiefung ihrer Problematiken.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dies beinhaltete ein Interesse an Freud und Reich kombiniert mit Adornos vernichtenden Angriffen auf den Revisionismus der zeitgen&#246;ssischen Psychoanalyse; Marcuses &lt;i&gt;Eros und Zivilisation&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Der eindimensionale Mensch&lt;/i&gt; und die Besch&#228;ftigung der Frankfurter Schule mit der &#8222;autorit&#228;ren Pers&#246;nlichkeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rudi Dutschke, &#8216;Zur Literatur des revolution&#228;ren Sozialismus von K. Marx bis in die Gegenwart', &lt;i&gt;SDS-Korrespondenz&lt;/i&gt; Sondernummer 1966.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Krahl starb in einem Autounfall 1970. Die posthum ver&#246;ffentliche Sammlung seiner Schriften &#8211; &lt;i&gt;Konstitution und Klassenkampf&lt;/i&gt; &#8211; ist nie ins Englische &#252;bersetzt worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine bedeutende Ausnahme war Willy Huhn, der verschiedene Mitglieder des Berliner SDS beeinflusste. Er war Mitglied der &#8222;Roten K&#228;mpfer&#8220;, eine Gruppe von KAPD-Mitgliedern Ende der 1970er Jahre, und wurde 1933/1934 kurz von den Nazis eingesperrt, wonach er sich der theoretischen Arbeit widmete, welche eine bedeutende Kritik der Sozialdemokratie mit einschliesst: &lt;i&gt;Der Etatismus der Sozialdemokratie. Zur Vorgeschichte des Nazifaschismus&lt;/i&gt;. Die R&#228;tekommunisten wurden allerdings erst nach dem H&#246;hepunkt der Bewegung wirklich wieder entdeckt und ver&#246;ffentlicht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Er f&#252;gt an: &#8222;Die widerspr&#252;chliche Bedingung dieser ideologischen Bewegung hilft vielleicht, ihre fast ausschliessliche Besch&#228;ftigung mit Fragen des &#220;berbaus und den auff&#228;lligen Mangel an Besch&#228;ftigung mit der darunter liegenden materiellen und &#246;konomischen Basis zu erkl&#228;ren.&#8220; Alfred Sohn-Rethel, &lt;i&gt;Intellectual and Manual Labour&lt;/i&gt; (Humanities Press 1978), S. xii (Vorwort der englischen Ausgabe). Siehe die erste Zeile von Adornos &lt;i&gt;Negative Dialektik&lt;/i&gt;: &#8222;Philosophie, die einmal &#252;berholt schien, erh&#228;lt sich am Leben, weil der Augenblick ihrer Verwirklichung vers&#228;umt ward.&#8220; Th. Adorno, &lt;i&gt;Negative Dialektik&lt;/i&gt;, Suhrkamp, 1966, S. 13.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die erste deutsche Ausgabe des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; enthielt wesentliche Unterschiede &#8211; besonders in der Struktur und der Entwicklung des ersten Kapitels &#252;ber die Ware und den Wert &#8211; im Vergleich zur zweiten, was die Grundlage war f&#252;r leicht modifizierte sp&#228;tere Ausgaben und &#220;bersetzungen in andere Sprachen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Helmut Reichelt, &lt;i&gt;Neue Marx-Lekt&#252;re: Zur Kritik sozialwissenschaftlicher Logik&lt;/i&gt; (VSA-Verlag, 2008) S.11. Einen herzlichen Dank an den VSA-Verlag f&#252;r die Bereitstellung des pdf der Einleitung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;W&#228;hrend der traditionelle marxistische Pol der SDS bis 1968 im wesentlichen reformistisch war und einen legalen &#220;bergang zum Sozialismus verteidigte, entstand nach 1968 ein anti-revisionistischer, maoistisch-stalinistischer Pol. Es war die Zeit, wo viele fr&#252;here &#8222;Anti-Autorit&#228;re&#8220; ihre Kritik des Parteimarxismus verloren und sich in Formationen wie den K-Gruppen engagierten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Michael Heinrich, &#8216;Reconstruction or Deconstruction? Methodological Controversies about Value and Capital, and New Insights from the Critical Edition' in Riccardo Bellofiore and Roberto Fineschi, eds., &lt;i&gt;Re-Reading Marx: New Perspectives after the Critical Edition&lt;/i&gt; (Palgrave Macmillan 2009).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8216;The Moving Contradiction', &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; 2.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Grossmann z.B. verteidigte die Idee einer sukzessiven Ann&#228;herung, gem&#228;ss welcher das &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; als Serie analytischer Modelle betrachtet wurde, die immer komplexer wurden, je mehr zus&#228;tzliche Aspekte der Wirklichkeit hinzukamen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Helmut Reichelt, &lt;i&gt;Zur logischen Struktur des Kapitalbegriffs bei Karl Marx&lt;/i&gt; (Suhrkamp Verlag 1970). Die N&#228;he dieser Entsprechung wird rege debattiert. Siehe die Debatten zwischen Chris Arthur, Tony Smith und Robert Finelli in &lt;i&gt;Historical Materialism&lt;/i&gt; (Nr. 11.1, 15.2 und 17.1). In Deutschland w&#252;rden Michael Heinrich und Dieter Wolff die Idee einer &#8222;Homologie&#8220; zwischen Kapital und Geist auf ziemlich unterschiedliche Art und Weise kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Helmult Reichelt, &#8216;Social Reality as Appearance: Some Notes on Marx's Conception of Reality' in Werner Bonefeld, Kosmas Psychopedis, eds., &lt;i&gt;Human Dignity. Social Autonomy and the Critique of Capitalism&lt;/i&gt; (Hart Publishing 2005), S. 46-47. Ad&#220;: Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an Helmut Reichelt f&#252;r die &#220;bersetzung der Passage.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Als Moskau eine neue Ausgabe der &lt;i&gt;Theorien &#252;ber den Mehrwert&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlichte, wurden die editorischen Entscheidungen von Kautsky hinterfragt, etwas, das f&#252;r die erheblichen &#196;nderungen von Engels am dritten Band nie in Betracht gezogen worden w&#228;re. Die Ver&#246;ffentlichung der Originalmanuskripte (auf Deutsch) zeigt, dass Engels viele Passagen neu schrieb und fragw&#252;rdige editorische Entscheidungen traf, doch eine solche Hinterfragung des Kernkorpus des Marxismus war f&#252;r den traditionellen Marxismus ein Tabu. Siehe Michael Heinrich: &#8216;Engels' Edition of the Third Volume of Capital and Marx's Original Manuscript', in: &lt;i&gt;Science &amp; Society&lt;/i&gt;, vol. 60, Nr. 4, 1996, S. 452-466.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rosdolsky argumentiert kontrovers, dass das zweite und dritte Buch Teil eines ge&#228;nderten Plans f&#252;r das &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; sind, doch sogar wenn man mit ihm statt mit den Gegenargumenten von Lebowitz und Shortall einverstanden ist, bleibt es dabei, dass die restlichen drei B&#252;cher klar unvollendet sind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zur Staatsableitungsdebatte siehe: John Holloway, Sol Picciotto, eds,. &lt;i&gt;State and Capital: A Marxist Debate&lt;/i&gt; (University of Texas Press 1978) und K. Held (Hg.), &lt;i&gt;Der b&#252;rgerliche Staat&lt;/i&gt; (1993), Gegenstandpunkt, 1999. Nur ein sehr geringer Teil der Weltmarktdebatte ist &#252;bersetzt worden, doch siehe: Oliver Nachtwey, Tobias ten Brink, &#8216;Lost in Transition: the German World-Market Debate in the 1970s,' H&lt;i&gt;istorical Materialism&lt;/i&gt; 16.1 (2008), S. 37-70.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alfred Sohn-Rethel, &lt;i&gt;Geistige und k&#246;rperliche Arbeit. Zur Theorie gesellschaftlicher Synthesis&lt;/i&gt; (Suhrkamp 1970).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &#8222;Ware und Geld&#8220; in &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Hamburg, 1867, S. 27. Die Rechtschreibung wurde modernisiert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 39.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Heinrich, &#8222;Invaders from Marx&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jacques Ranci&#232;re, &lt;i&gt;Der Begriff der Kritik und die Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, Merve, 1972, S. 55. Ad&#220;: Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an den Merve-Verlag f&#252;r die &#252;beraus aktive Mithilfe zur Lokalisierung der Passage.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Lucio Colletti, &lt;i&gt;Hegel und der Marxismus&lt;/i&gt;, 1984.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Riccardo Bellofiore, &#8216;The Value of Labour Value: the Italian Debate on Marx, 1968-1976' in der englischen Spezialausgabe der &lt;i&gt;Rivista di Politica Economica&lt;/i&gt; IV-4-5V (April-Mai 1999).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Doch &#252;berraschenderweise wurde die Bedeutung Rubins in den deutschen Debatten untersch&#228;tzt. Die Essays wurden erst 1973 (vom Englischen) ins Deutsche &#252;bersetzt und das erste Kapitel &#252;ber den Fetischismus wurde ausgelassen. Siehe DD, &#8222; Sachliche Vermittlung und soziale Form. I.I. Rubins Rekonstruktion der marxschen Theorie des Warenfetischismus&#8220; im n&#228;chsten &lt;i&gt;Kritik der politischen Philosophie&lt;/i&gt;, Eigentum, Gesellschaftsvertrag, Staat II.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine erw&#228;hnenswerte Ausnahme ist der bahnbrechende Essay von Jairus Banaji: &#8216;From the Commodity to Capital: Hegel's Dialectic in Marx's Capital,' in Diane Elson, ed., &lt;i&gt;Value: The Representation of Labour in Capitalism&lt;/i&gt; (CSE Books 1979).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z. B.: Michael Eldred, &lt;i&gt;Critique of Competitive Freedom and the Bourgeois-Democratic State: Outline of a Form-Analytic Extension of Marx's Uncompleted System&lt;/i&gt; (Kurasje 1984).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chris Arthur, &#8216;Engels, Logic and History' in Riccardo Bellofiore, ed., &lt;i&gt;Marxian Economics a Reappraisal: Essays on Volume III of Capital&lt;/i&gt;, vol. 1 (Macmillan 1998), S. 14.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mike Rooke kritisiert z.B. Chris Arthur und den Ansatz der systematischen Dialektik f&#252;r die &#8222;Verdinglichung der Dialektik&#8220; und den damit einher gehenden Verlust des Sinns als &#8222;Dialektik der Arbeit&#8220;. &#8216;Marxism, Value and the Dialectic of Labour,' &lt;i&gt;Critique&lt;/i&gt; Vol. 37, Nr. 2, Mai 2009, S. 201-216.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ausserhalb einer Klassengesellschaft ist &#8222;Arbeit&#8220; &#8211; das menschliche Bed&#252;rfnis, mit der Natur zu interagieren (&#8222;der unorganische Leib des Menschen [&#8230;] mit dem er in best&#228;ndigem Proze&#223; bleiben mu&#223;, um nicht zu sterben&#8220;, K. Marx, &#8222;Die entfremdete Arbeit&#8220; in &#214;konomisch-philosophische Manuskripte) nicht ein &#228;usserer Zwang, sondern ein Ausdruck unserer eigenen Natur. Bestimmung im Sinne, dass man z.B. Dinge tun muss, um essen zu k&#246;nnen, ist nicht Zwang.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine (von Backhaus inspirierte) Diskussion siehe Michael Eldred, Vorwort zu &lt;i&gt;Critique of Competitive Freedom and the Bourgeois-Democratic State&lt;/i&gt; (Kurasje 1984), S. xlv-li.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx empfahl, dass die Frau seines Freundes, aufgrund der Schwierigkeit, das erste Kapitel des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; (&#252;ber den Wert und das Geld) auslassen k&#246;nne &#8211; Eldred bezieht sich hier auf die Tatsache, dass viele Leser von Marx, z.B. die Anh&#228;nger von Sraffa und Althusser, denken, dies sei der richtige Ansatz.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Eldred, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. xlix-l.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe R.N. Berki, &lt;i&gt;Insight and Vision: The Problem of Communism in Marx's Thought&lt;/i&gt; (JM Dent 1984) Kapitel 5.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl sie vielleicht von Backhaus abgeleitet werden kann, wurde die Unterscheidung, gem&#228;ss van der Linden, von Stefan Breuer im Text &#8222;Krise der Revolutionstheorie&#8220; (1977) gepr&#228;gt. Marcel van der Linden, &#8216;The Historical Limit of Workers' Protest: Moishe Postone, Krisis and the &#8220;Commodity Logic&#8221;,' &lt;i&gt;Review of Social History&lt;/i&gt;, vol. 42 Nr. 3 (Dezember 1997), S. 447-458.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie Dauv&#233; benutzt Postone das &#8222;Maschinenfragment&#8220;, um die Konzeptionen des Sozialismus des traditionellen Marxismus zu untergraben; er betrachtet den traditionellen Marxismus als ricardianischen Marxismus, dessen Ziel eine Selbstverwirklichung des Proletariats ist, statt &#8211; wie bei Marx &#8211; seine Selbstabschaffung, er betrachtet die &lt;i&gt;UdSSR&lt;/i&gt; als kapitalistisch und, wie &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;, betont er die historische Konstitution von Objektivit&#228;t und Subjektivit&#228;t. Doch sobald es um praktische Positionen in der Gegenwart geht, tendiert er zu Reformen, indem er aussagekr&#228;ftig bemerkt, dass seine Analyse &#8222;nicht bedeutet, dass ich ein Ultra bin&#8220;. Moishe Postone, Timothy Brennan, &#8216;Labor and the Logic of Abstraction: an Interview' &lt;i&gt;South Atlantic Quarterly&lt;/i&gt; 108:2 (2009) S. 319.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. Werner Bonefeld, &#8216;On Postone's Courageous but Unsuccessful Attempt to Banish the Class Antagonism' &lt;i&gt;Historical Materialism&lt;/i&gt; 12.3 (2004).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Genau wie das Werk von Luk&#225;cs und Sohn-Rethel stand Adorno in der Schuld von Alfred Schmidt f&#252;r alle Grundrisse-Zitate, die er in Negative Dialektik benutzt. Siehe Michael Eldred, Mike Roth, Einleitung des &#220;bersetzers zu &#8216;Dialectics of the Value-Form' in &lt;i&gt;Thesis Eleven&lt;/i&gt; Nr. 1 (1980) S. 96.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Helmut Reichelt &#8216;From the Frankfurt School to Value-Form Analysis' &lt;i&gt;Thesis Eleven&lt;/i&gt; Nr. 4 (1982) S. 166.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Notizen von Backhaus zu einer Lesung von Adorno 1962 sind im Anhang der &lt;i&gt;Dialektik der Wertform&lt;/i&gt;, 1997.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hans-J&#252;rgen Krahl: &lt;i&gt;Konstitution und Klassenkampf. Zur historischen Dialektik von b&#252;rgerlicher Emanzipation und proletarischer Revolution&lt;/i&gt;, Verlag Neue Kritik, 2008.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8216;The Moving Contradiction', &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 600.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Th&#233;orie Communiste, &#8216;Much Ado About Nothing' &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; Nr.1 (2008), S. 192.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das ist der zentrale Streitpunkt zwischen Dauv&#233; und &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;, siehe &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; Nr. 1.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fran&#231;ois Danel, Einleitung zu &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la revolution: Textes 1965-1975&lt;/i&gt; (Senonevero 2003).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl zum Beispiel Rubin einen grossen Teil der sp&#228;teren Wertformtheorie antizipiert oder direkt inspiriert, k&#246;nnen manche seiner Kategorien, wie z.B. die transhistorische Kategorie der &#8222;physiologisch gleichen Arbeit&#8220; und jene der &#8222;sozial gleichgesetzten Arbeit&#8220; als Grundlagen des Sozialismus, als Ausdruck der Art und Weise, wie die Revolution in dieser Zeit definiert wurde, und auch seiner Situation als Staatsplaner betrachtet werden. Wenn auch die meisten zeitgen&#246;ssischen Wertformtheoretiker nicht explizit eine programmatische Konzeption der Revolution ablehnen, so gibt es trotzdessen eine viel st&#228;rkere Bewegung weg von der Affirmation der Arbeit als im fr&#252;heren kritischen Marxismus. Die &#8222;revolution&#228;ren&#8220; Implikationen der Wertformtheorie werden erst deutlich, wenn die Entwicklung des Klassenkampfes &#8211; d.h. des Kapitalismus &#8211; dies erlaubt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Kritik der Wertkritik</title>
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&lt;p&gt;Die Autoren dieses Briefes vom 3. Dezember 2012 sind nicht Teil einer Gruppe, doch zum Zeitpunkt seiner Niederschrift sind ihre theoretischen Referenzen v.a. Jacques Camatte, Gilles Dauv&#233;, Bruno Astarian. Der Brief versucht, auf einige Streitpunkte zur&#252;ckzukommen, welche zwischen ihnen und den Vertretern der Wertkritik an einem von letzteren organisierten Treffen im November 2012 aufgekommen sind. &lt;br class='autobr' /&gt;
Anselm, &lt;br class='autobr' /&gt;
Ich versuche, einige schnelle Erkl&#228;rungen bez&#252;glich der &#8222;Konfrontation&#8220; [&#8230;] w&#228;hrend (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Wertkritik" rel="tag"&gt;Wertkritik&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/weimar_republik_50_pfg_1919_d_al-_coin__obverse.jpg?1689538928' class='spip_logo spip_logo_right' width='147' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Die Autoren dieses Briefes vom 3. Dezember 2012 sind nicht Teil einer Gruppe, doch zum Zeitpunkt seiner Niederschrift sind ihre theoretischen Referenzen v.a. Jacques Camatte, Gilles Dauv&#233;, Bruno Astarian. Der Brief versucht, auf einige Streitpunkte zur&#252;ckzukommen, welche zwischen ihnen und den Vertretern der Wertkritik an einem von letzteren organisierten Treffen im November 2012 aufgekommen sind.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anselm,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich versuche, einige schnelle Erkl&#228;rungen bez&#252;glich der &#8222;Konfrontation&#8220; [&#8230;] w&#228;hrend des Treffens zu liefern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;[&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Treffen und die demokratische Konfrontation von gezwungenermassen ungleich fundierten Meinungen f&#252;hrt sowieso nie zu irgendeinem theoretischen Fortschritt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deshalb versuche ich hier eine erste, sehr knappe Kl&#228;rung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir schon gesagt haben, unser Interesse f&#252;r die Wertkritik ergibt sich nicht aus ihrer weitgehend &#252;bertriebenen Originalit&#228;t, sondern einzig und allein aus den ziemlich klaren &#220;bereinstimmungen in gewissen Bereichen mit der &#8222;post-proletarischen&#8220; kommunistischen Theorie (Begriff von Christian Charrier), welche auf konfliktuelle und uneinheitliche Art und Weise seit vierzig Jahren haupts&#228;chlich vom franz&#246;sischen radikalen Milieu ausgearbeitet wird (v.a. Camatte, Dauv&#233;, Astarian, manchmal Roland Simon). Diese &#220;bereinstimmungen sind, wie Du es bemerkt hast, unserer Meinung nach haupts&#228;chlich ein Resultat der neuen Epoche, in welcher es endlich klar geworden ist, dass die Affirmation des Proletariats, sowohl als Klasse f&#252;r das Kapital als auch als Klasse, welche eine alternative Form der Verwaltung des Kapitals vorschl&#228;gt, eines der prinzipiellen Hindernisse auf dem Weg der Zerst&#246;rung der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Deinem Fall, wie ich es Dir schon nach Lausanne geschrieben habe, geht es auch um eine Intuition bei der Lekt&#252;re Deiner B&#252;cher, dass Du diese Welt f&#252;r genauso unertr&#228;glich h&#228;ltst wie wir, und dass Deine Essays eine &#8222;Spannung&#8220; hin zu einem Leben enthalten, welches sich radikal von diesem tristen &#220;berleben unterscheidet; eine Spannung, die uns n&#228;her bringt, so hoffe ich zumindest, als eine einfache theoretische Einigkeit/Uneinigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;bereinstimmungen sind meiner Meinung nach klar, einige Theoretisierungen kommen direkt von Bordiga, andere sp&#228;ter, in den 1960er oder 1970er Jahren: das Kapital als gesellschaftliches Verh&#228;ltnis und nicht als einfache Klassenherrschaft, Kapitalisten als einfache Funktion&#228;re des Kapitals, Agenten der Selbstverwertung des Werts, &#8222;Selbstverwaltung&#8220; als Selbstverwaltung des Kapitals, der wirtschaftliche Kampf der Klassen (oder Klasseninteressen) ist nicht Tr&#228;ger einer &#220;berwindung, Wichtigkeit der abstrakten Herrschaft des Kapitals, wovon die Ausbeutung ein Moment darstellt, die Kategorie des Privateigentums der Produktionsmittel und des &#8222;freien&#8220; Markts ist f&#252;r die gesellschaftlichen kapitalistischen Verh&#228;ltnisse unwesentlich, der Staat als eindeutiger Ausdruck des Kapitals...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausserdem stimmst Du mit gewissen Ideen von Bordiga &#252;berein: der Kommunismus hat nichts mit der quantitativen Entwicklung der &#8222;Produktivkr&#228;fte&#8220; zu tun, Kritik der Technik (siehe u.a. der ber&#252;hmte Text &#8222;Politica e 'costruzione'&#8220; [&#8222;Politik und 'Konstruktion'&#8220;] von 1952: &#8222;Es gibt keine Dummheit, so gross sie auch sein mag, welche die moderne Technik nicht sofort unterst&#252;tzen und mit jungfr&#228;ulichem Plastik &#252;berdecken w&#252;rde, wenn das dem unwiderstehlichen Druck des Kapitals und seinem erschreckenden Appetit entspricht.&#8220;, &#8222;Der Kapitalismus hat schon lange eine &#8222;technische&#8220; Grundlage konstruiert, d.h. ein Welterbe von Produktivkr&#228;ften, das uns bei weitem gen&#252;gt [&#8230;] Noch besser: Der Kapitalismus hat selbst zu viel konstruiert und er erlebt diese historische Alternative: Zerst&#246;ren oder Verschwinden.&#8220;), Notwendigkeit einer Desakkumulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz diesen &#220;bereinstimmungen, welche dazu f&#252;hrten, dass wir enthusiastisch waren, Dich zu treffen und froh sind, es getan zu haben, st&#246;rten uns von Anfang an die Meinungsverschiedenheiten, die Schw&#228;chen oder die (unserer Meinung nach) sehr fragw&#252;rdigen Konzeptionen und M. stellte Dir direkt mehrere dahingehende Fragen. Aber wie gesagt, die Polemik f&#252;r die Polemik entspricht nicht meinem Geschmack und ich bevorzuge das hervorzuheben, was uns verbindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Umso mehr, weil Deine Texte, von den drei Theoretikern der Wertkritik, die uns zug&#228;nglich sind, jene sind [&#8230;], welche am wenigsten f&#252;r uns &#8222;schockierende&#8220; Elemente enthalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesamtheit der Elemente, welche uns in der Wertkritik st&#246;ren, erlaubt uns trotzdem, einerseits, ein Labor der Erneuerung der Sozialdemokratie darin zu sehen. D.h., dass sich der Kern der Wertkritik (= abstrakte Herrschaft durch den abstrakten Wert/die abstrakte Arbeit, Ausbeutung als rein internes Verh&#228;ltnis) klar mit &#8222;reformistischen&#8220; oder zumindest zutiefst ambivalenten Positionen &#252;berlagert hat, v.a. bei Postone, aber auch manchmal bei Kurz, eher selten bei Dir (den Reformismus in Form von &#8222;Anti-&#8220; ausgenommen: K&#228;mpfe gegen die Sch&#228;dlichkeiten usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht um eine einfache Feststellung, darum, auf ein Problem aufmerksam zu machen, und nicht um eine polemische Absicht. Um dieses zu illustrieren komme ich nicht auf die Tatsache zur&#252;ck, dass Postone all seine Kritik des Kapitalismus auf eine sehr hohe gesellschaftliche Produktivit&#228;t der Arbeit gr&#252;ndet (auf sehr &#8222;traditionell marxistische&#8220; Art und Weise), welche einen Sozialismus erlaubt, der die Arbeit als getrennte Sph&#228;re aufrechterh&#228;lt. Oder die bemerkenswerte Abwesenheit jeglicher Kritik der Demokratie, genau wie seine bezeichnende Formel &#8222;einer politischen, &#246;ffentlichen Sph&#228;re im Sozialismus &#8211;, die au&#223;erhalb des formalen Staatsapparates l&#228;ge&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Postone, Abschliessende Bemerkungen von Zeit, Arbeit und gesellschaftliche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ich werde hingegen von der Position von Robert Kurz f&#252;r die &#8222;israelische Selbstverteidigung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Krieg gegen die Juden, 2009.&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; sprechen, auf welche jene in seinem Text &#8222;Keine Revolution, nirgends&#8220; folgt, wo er dazu aufruft, in Israel &#8222;gewerkschaftliche Interventionskr&#228;fte&#8220; zu unterst&#252;tzen &#8222;wobei die milit&#228;rische Macht aufrechterhalten werden muss, um sich vor der Koalition feindlicher L&#228;nder abzusichern&#8220;. Oder der konstante Aufruf von Postone an &#8222;die Linke&#8220;, und scheinbar, was ich nicht wusste und ich bin froh, dass Cl&#233;ment das w&#228;hrend dem Treffen angesprochen hat, glaubt er, dass man den Nationalisierungen Mitterands 1981 einen radikalen Inhalt h&#228;tte geben k&#246;nnen...(Du warst leider w&#228;hrend dieser Intervention nicht da, Cl&#233;ment).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter anderen diskutablen Positionen w&#252;rde ich auch den Text von Steeve in der Zeitschrift &#8222;Sortir de l'&#233;conomie&#8220; Nr. 4, S. 131 zitieren, ein Text geschrieben im Mai 2012, wo er sagt, das Geld werde wahrscheinlich in der post-kapitalistischen Gesellschaft eine Rolle spielen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich muss sagen, dass solche Dinge in Deinen Texten eher selten sind, wenn auch einige Elemente darin uns st&#246;ren, wenn auch etwas weniger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls jedoch theoretisches Denken noch irgendwas bedeutet, ist es zumindest st&#246;rend, dass solche Schlussfolgerungen ausgehend von den Pr&#228;missen und dem theoretischen Kern der Wertkritik gezogen werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der (verf&#228;lschte und verzerrte) anmassende Satz von Debord &#8222;wenn ich meine Ideen im Mund eines Feindes sehe, frage ich mich, wo er sich geirrt hat&#8220;, muss in seiner eigentlichen, logischen Formulierung und in seinem anf&#228;nglichen Sinn wieder aufgenommen/korrigiert werden: Wenn aus einer Theorie inakzeptable Schlussfolgerungen gezogen werden k&#246;nnen, heisst das, dass diese Theorie sie zumindest potentiell enth&#228;lt und es somit verdient, revidiert zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist also der erste Punkt: Die &#8222;Radikalit&#228;t&#8220; der Wertkritik kann nur durch eine klare und explizite Verurteilung dieser neo-sozialdemokratischen Positionen und der Suche nach ihren notwendigen Urspr&#252;ngen in der Theorie selbst best&#228;tigt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere Hypothese ist, dass diese Schlussfolgerungen, unter anderem, vom Ausblenden der grundlegenden Gewalt des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses kommen, die Arbeitskraft ist nicht eine Ware wie jede andere, sondern eine Pseudo-Ware, welche gleichbedeutend ist mit der Abtretung der Befehlsgewalt ans Kapital f&#252;r eine gegebene Zeit, aufgrund der wesentlichen Eigenschaft, &#8222;ohne Reserve&#8220; (Bordiga) gegen&#252;ber dem Kapital zu sein. Es ist somit sehr wahrscheinlich, dass diese &#8222;Reservelosen&#8220;, ob ausgeschlossen oder nicht, die aufst&#228;ndische Masse der Zukunft sein werden, und nicht, oder zumindest nicht haupts&#228;chlich, eine &#8222;Vereinigung kritischer Individuen&#8220;. Und es ist gewiss, dass diese Reservelosen nie von der Wertkritik geh&#246;rt und die Pamphlete zur Kommunisierung nicht gelesen haben...Doch als Individuen werden wir gezwungen sein, zu versuchen, mit ihnen den Himmel zu erst&#252;rmen und dies in einem kommunistischen Sinne zu tun (=Wiederbildung eines wirklichen Gemeinwesens gegen die &#8222;materielle Gemeinschaft&#8220; des Kapitals).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls Du eine bessere Idee hast, sehr gut, doch es ist auf jeden Fall n&#246;tig, den theoretischen Kern zu korrigieren, falls Du die &#8222;Abweichungen&#8220; korrigieren willst (ausser nat&#252;rlich, Du entscheidest auf koh&#228;rente Art und Weise, sie zu akzeptieren, was den anderen Ausweg darstellt), um aus der Wertkritik etwas anderes als &#8222;radikal schicke&#8220; Theorie f&#252;r mond&#228;ne Dinners zu machen: &#8222;Wussten Sie, mein lieber Herr, dass unser ganzes Leben auf der abstrakten Herrschaft der Arbeit und des Geldes gr&#252;ndet? Wie gesagt...Traurige Epoche, oder nicht?&#8220;. Die Tatsache, dass ein Teilnehmer die &#8222;Gewalt&#8220; erw&#228;hnte, die er wahrnimmt, wenn er in seiner Familie von der Wertkritik spricht, ist einfach nur l&#228;cherlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit kritisiere ich absolut nicht die Tatsache, dass auch f&#252;r uns im Moment die Theorie die einzige M&#246;glichkeit und die einzige Notwendigkeit darstellt und ich fordere auch keine unmittelbare &#8222;Ausf&#252;hrung&#8220;; der Aktivismus und der Immediatismus waren nie Teil der &#8222;post-proletarischen&#8220; Str&#246;mung und auch nicht Teil der T&#228;tigkeit Bordigas und einiger anderer in seinem Umfeld. Seit langem stehen wir dem Vorwurf gegen&#252;ber, in unserem &#8222;Elfenbeinturm&#8220; zu verharren und alles, was sich bewegt, zu verurteilen, wir werden mit &#8222;M&#246;nchen des Marxismus&#8220; und &#8222;Agnostikern&#8220; verglichen. Daran soll es nicht scheitern, diese Vorw&#252;rfe bringen uns zum Lachen, und wenn wir jene sehen, welche &#8222;Hand anlegen&#8220; und in &#8222;Bewegungen&#8220; aktiv sind, werden diese Vorw&#252;rfe zu Komplimenten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ich finde, dass es darum geht, seine Positionen zu verteidigen, denn sogar Deine Texte sind verwertbar f&#252;r eine &#246;kologische Neo-Sozialdemokratie (Wachstumsgegner und andere), solange Du diese Punkte nicht ansprichst, z.B. die Tatsache, dass die finale Krise des Kapitalismus nur (mit wenig Chancen auf Erfolg) durch einen schmerzhaften Prozess der Kommunisierung zum Kommunismus f&#252;hren kann (die Tatsache, dass die Wertkritik den Begriff verworfen hat, ist symptomatisch). In Deinem Umfeld scheinen &#252;brigens einige eine frei erfundene und komplett konfuse Definition dieses Konzepts zu haben, denn es ging nie darum, Gemeinschaften oder Squats zu kreieren, welche heute schon auf kommunistische Art und Weise funktionieren! Es gibt nichts in dieser Welt, das wir aufrechterhalten und einfach &#252;bernehmen wollen. Alles geh&#246;rt ihnen, uns geh&#246;rt nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommunisierung=vom Moment der aufst&#228;ndischen Krise an, wo die Zerst&#246;rung der alten Gesellschaftsverh&#228;ltnisse simultan bewerkstelligt wird durch die entschiedene und notwendige gewaltt&#228;tige Konfrontation mit den Kr&#228;ften des Kapitals (wobei zu hoffen bleibt, dass sie so zerstreut wie nur m&#246;glich sind, um die notwendige Gewalt zu reduzieren), entstehen gleichzeitig kommunistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse in der Krisenaktivit&#228;t selbst (unmittelbare Beseitigung des Geldes, Abwesenheit von demokratischer oder undemokratischer getrennter Entscheidungsform, Bem&#228;chtigung der Produktionsmittel, welche zum Teil zerst&#246;rt und zum Teil im Sinne von dem, was Astarian eine &#8222;Produktion ohne Produktivit&#228;t&#8220; nennt, wiederverwertet werden, neue Form der T&#228;tigkeit, deren Ziel z.B. die Vertiefung der Intersubjektivit&#228;t der Gruppe durch das beil&#228;ufige Mittel der Produktion ist...), welche sich so schnell wie m&#246;glich weltweit ausbreiten (oder vom Kapital wieder absorbiert werden) und zunehmend dazu f&#252;hren, dass die Notwendigkeit der Gewalt zu ihrer Vertiefung &#8222;abstirbt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe hier.&#034; id=&#034;nh3-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kommunismus als Ziel ist gleichzeitig der Kommunismus als Mittel sobald der Aufstand beginnt, dabei gibt es keine anf&#228;ngliche Periode der &#8222;Machtergreifung&#8220;, bevor sich die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ver&#228;ndern, doch dabei wird nicht die Notwendigkeit der Konfrontation mit der zum Neustart bereiten alten Welt des Kapitals verwischt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist es, was uns dazu brachte, die Frage der Konfrontation und der Gewalt aufzubringen, und nicht eine immediatistische und dumme Apologie aller Form von Gewalt unabh&#228;ngig von ihrem Inhalt, welche wir den beschr&#228;nkten Anarchisten und Maoisten &#252;berlassen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;brigens, wie ich schon gesagt habe, haben die K&#228;mpfe &#8222;gegen die Sch&#228;dlichkeiten&#8220; &#252;berhaupt keine inh&#228;rente Radikalit&#228;t, wenn sie auch n&#246;tig sein m&#246;gen, sie tragen sogar dazu bei, wenn sie erfolgreich sind, dass die Idee ermutigt wird, dass mehr oder weniger radikale K&#228;mpfe der Basis es erlauben, den Staat unter Druck zu setzen und von ihm geh&#246;rt zu werden, womit die Demokratie erneuert wird. Sie sind auf jeden Fall nicht mehr als die fordernden K&#228;mpfe der Arbeiter Tr&#228;ger einer &#220;berwindung an sich. Der Horizont der Wertkritik scheint sich auf eine neue &#8222;Sozialdemokratie der Hoffnungslosigkeit&#8220; zu beschr&#228;nken, wo der Kampf &#8222;gegen Reformen&#8220; schlicht dazu beitr&#228;gt, das geringere &#220;bel zu erhalten, genau wie die alte Sozialdemokratie, welche Reformen wollte, damit das geringere &#220;bel zur Realit&#228;t wird...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich &#252;berfliege so schnell wie m&#246;glich die unendlich wiederholte und erneuerte Feststellung, die Wertkritik sei unglaublich originell, welche meiner Meinung nach einer einzigen Tatsache geschuldet ist: Die Ausl&#246;schung oder Relativierung der Gewalt des grundlegenden Verh&#228;ltnisses der kapitalistischen Produktionsweise, die Trennung des Arbeiters von seinen Produktionsmittel, die Bedingung der Reservelosigkeit des Proletariers.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man den theoretischen Kern der Wertkritik bis zum &#220;berdruss wiederholt, die Analyse der abstrakten Arbeit als gesellschaftliche Vermittlung, das Kapital als Selbstverwertung des Werts (eine Analyse, welche durch dieses anf&#228;ngliche Vers&#228;umnis verdreht wird), kommt man zum Schluss, dass &#252;berhaupt keine Analyse der Wertkritik wirklich originell ist: Noch mehr, viele sind gef&#228;hrlich nah an der klassischen Sozialdemokratie, allen voran der Aufruf an den guten Willen unabh&#228;ngig von der gesellschaftlichen Position, andere hingegen kommen vom ach so geschm&#228;hten &#8222;traditionellen Marxismus&#8220;: An erster Stelle die Krisenanalyse, welche schlichtweg die klassischen Theorien des Marxismus sind (Diskussion Luxemburg/Grossmann usw.); die produktive und unproduktive Arbeit, Mehrarbeitsrate, Profitrate usw. Einige Theoretisierungen von Kurz sind allerdings haarstr&#228;ubend, z.B. die Behauptung, die &#8222;fordistische Regulierung&#8220; habe die &#220;berwindung der Krise von 1929 erlaubt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe hier.&#034; id=&#034;nh3-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche der Regulationstheorie entlehnt ist, eine Denkschule, welche Anfang der 1980er Jahre [Ad&#220;: pr&#228;ziser Mitte der 1970er Jahre] f&#252;r und von Sozialdemokraten gegr&#252;ndet worden ist, um den Marxismus zu &#8222;&#252;berwinden&#8220;...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ich weiss, ich habe nicht wirklich den &#8222;Theoretiker&#8220; Kurz gelesen, was ich tun werde, sobald es mir sprachlich m&#246;glich sein wird. Doch einige Einblicke, welche Du mir gabst, sind entweder klassisch, wie z.B. jene der Trotzkisten Valier und Salama (Ware ohne &#8222;individuellen&#8220; Wert, sondern als Warenmasse, Extraktion von Mehrarbeit auf &#8222;gesellschaftlicher&#8220; Ebene und nicht in einem spezifischen Unternehmen), oder zumindest diskutabel (Geld ohne Wert im Mittelalter).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Theorie, welche versucht, jegliche Verbindung, auch eine kritische, jegliche historische Kontinuit&#228;t mit der kommunistischen Bewegung allen voran in ihrer proletarischen Form zu verweigern (wovon sich sogar Temps Critiques klar distanziert), hat bis jetzt in der Sph&#228;re der Erneuerung der Sozialdemokratie geendet (Castoriadis, Lyotard, Baudrillard usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich belasse es dabei, obwohl es noch viel zu sagen g&#228;be. Du bist nicht verpflichtet, zu antworten, und noch weniger sofort; es ging nur darum, einige Bemerkungen und Probleme etwas klarer zu formulieren. In der gegenw&#228;rtigen Situation k&#246;nnen weder M. noch ich behaupten, die L&#246;sung zu haben; doch die einfache Feststellung, dass das hier Probleme sind, kann radikale Positionen von ihrer simplen Karikatur unterscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freundschaftlich,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;JC&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=13230&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Postone, Abschliessende Bemerkungen von Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Krieg gegen die Juden, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://www.hicsalta-communisation.com/textes/la-communisation-comme-sortie-de-crise&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&amp;posnr=10&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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