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		<title>Gilles Dauv&#233;/Tristan Leoni - Rojava: Realit&#228;t und Rhetorik</title>
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		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Gilles Dauv&#233;</dc:subject>
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&lt;p&gt;Wenn die Leute sich, um zu &#252;berleben, selbst um ihre Angelegenheiten k&#252;mmern, er&#246;ffnen sie die M&#246;glichkeit einer gesellschaftlichen Ver&#228;nderung. &lt;br class='autobr' /&gt;
Was sich seit 2012 in Rojava abgespielt hat, stellt einen Versuch der gesellschaftlichen Ver&#228;nderung dar, besonders aufgrund der neuen Rolle der Frauen. &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Kurden sind gezwungen, ihre eigene Geschichte unter Bedingungen zu machen, welche sie nur im Sog eines internationalisierten B&#252;rgerkrieges beeinflussen k&#246;nnen &#8211; eine alles andere als ideale (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/alia.jpg?1689471333' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='32' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Wenn die Leute sich, um zu &#252;berleben, selbst um ihre Angelegenheiten k&#252;mmern, er&#246;ffnen sie die M&#246;glichkeit einer gesellschaftlichen Ver&#228;nderung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich seit 2012 in Rojava abgespielt hat, stellt einen Versuch der gesellschaftlichen Ver&#228;nderung dar, besonders aufgrund der neuen Rolle der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kurden sind gezwungen, ihre eigene Geschichte unter Bedingungen zu machen, welche sie nur im Sog eines internationalisierten B&#252;rgerkrieges beeinflussen k&#246;nnen &#8211; eine alles andere als ideale Situation f&#252;r die Emanzipation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Von der Staatenlosigkeit zum Staatsaufbau&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte der kurdischen Unabh&#228;ngigkeitsbewegung ist gut dokumentiert: ihre vier L&#228;nder &#252;berlappende Geographie (T&#252;rkei, Syrien, Irak und Iran), ihre Zersplitterung in verschiedene rivalisierende Parteien, die Neigung dieser Parteien, ein Nachbarland gegen das andere auszuspielen, manchmal eine Supermacht gegen eine andere, die schrecklichen Konsequenzen dieser wechselnden B&#252;ndnisse, ihr Vertrauen in eine grosse Diaspora in Europa, ihre Widerstandsf&#228;higkeit gegen&#252;ber Repression und internen Konflikten, ihre &#220;berlebensf&#228;higkeit gegen&#252;ber den Aufs und Abs internationaler Politik und ihre gleichzeitige Unf&#228;higkeit, einen Nationalstaat zu erschaffen. Manchmal ist es nur ein schmaler Grat zwischen &#220;berleben und selbstm&#246;rderischen Tendenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann ver&#228;nderten drei erhebliche Ereignisse die Sachlage f&#252;r die Kurden und gestalteten, neben anderen Wirkungen, die PKK, die Arbeiterpartei Kurdistans in der T&#252;rkei, neu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens, seit 2003, der Zerfall des Iraks in drei getrennte Teile: der sunnitische, schiitische und im Norden die kurdische Regionalregierung, welche von der vom Barzani-Clan angef&#252;hrten DPK beherrscht wird und in Tat und Wahrheit eine Art westliches Protektorat ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens der syrische Staat, welcher in zivilen K&#228;mpfen und sektiererischen Trennungen gefangen ist und die Kontrolle &#252;ber den gr&#246;ssten Teil des Landes verloren hat, die kurdischen Gebiete inbegriffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drittens haben sunnitische Jihadisten einen grossen Teil des syrischen Territoriums unter ihre Kontrolle gebracht und sind zu einer Bedrohung f&#252;r das &#220;berleben der kurdischen Bev&#246;lkerung geworden. Es war somit der Aufstieg von ISIS/Daesh, welcher letztendlich die Kurden ins Rampenlicht brachte. (ISIS ist die englische Abk&#252;rzung f&#252;r &#8222;Islamischer Staat in Irak und Syrien&#8220;, Daesh die arabische Abk&#252;rzung f&#252;r &#8222;Islamischer Staat im Irak und der Levante&#8220;.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;re ISIS nur eine Gefahr f&#252;r Hunderttausende von Leuten, w&#252;rde der Westen nicht mehr tun, als er seit 2011 getan hat, um das Assad-Regime daran zu hindern, seine eigene Bev&#246;lkerung zu schlachten. Aktuell ist ISIS eine Bedrohung f&#252;r das regionale politische Gleichgewicht und zugesicherte &#214;linteressen, darum tut der Westen sein Bestes, um ISIS daran zu hindern, das Gebiet und &#214;lquellen zu kontrollieren. Der Diktator Assad erscheint nun als das kleinere &#220;bel als unkontrollierbare Jihadisten. Die implizite US-Unterst&#252;tzung f&#252;r ein Regime, welches die USA einige Jahre zuvor in die Unterwerfung bombardieren wollte, ist kaum &#252;berraschend: Seit 1970 &#228;nderte sich die amerikanische Politik gegen&#252;ber Syrien mehr als ein halbes Dutzend mal und keine dieser &#196;nderungen hatte irgendwas mit der Tatsache zu tun, dass die Herrscher von Damaskus mehr oder weniger t&#246;teten und folterten. F&#252;r die herrschenden M&#228;chte m&#252;ssen die Ausbreitungseffekte des regionalen Chaos einged&#228;mmt werden, indem, falls n&#246;tig, Assad unterst&#252;tzt und sogar indem eine kurdische Heimat konsolidiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den kurdischen Gebieten im Norden Syriens formierte sich nach 2011 erstmals ein implizites Volksb&#252;ndnis (d.h. es ist klassen&#252;bergreifend), um das von den syrischen Beh&#246;rden verlassene Territorium selbstzuverwalten und dann 2014, um es gegen die t&#246;dliche Bedrohung von ISIS zu verteidigen. Der Widerstand kombiniert ehemalige traditionelle Verbindungen und neue Bewegungen, besonders von Frauen, in einer Arbeitsgemeinschaft von Proletariern und Elementen der Mittelklasse, verkittet durch die Betonung der gemeinsamen kurdischen Nation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein autonomes Hinterland ist etabliert worden: Rojava (kurdisch f&#252;r Westen), bestehend aus drei territorial unzusammenh&#228;ngenden Kantonen (Afrin, Kobane und Cizire) in Nordsyrien neben der t&#252;rkischen Grenze. Es ist ungef&#228;hr 18'300 km&#178; gross mit einer Bev&#246;lkerung, welche 2014 auf 4.6 Millionen gesch&#228;tzt worden ist. (Zum Vergleich, Wales ist 20'700 km&#178; gross und hat &#252;ber 3 Millionen Einwohner.) Nachdem sich das offizielle syrische Milit&#228;r zur&#252;ckzog, gab es einige K&#228;mpfe zwischen der Freien syrischen Armee und den Kurden, welche erstere zur&#252;ckschlugen. Es existiert nun &#8222;eine Art ungeschriebene[s] Abkommen [&#8230;] wodurch das syrische Regime Rojava eine gewisse Autonomie einr&#228;umt gegen die Neutralit&#228;t der syrischen Kurden im laufenden B&#252;rgerkrieg&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il Lato cattivo, &#8222;Die &#8222;kurdische Frage&#8220;, ISIS, USA und vieles mehr&#8220;.&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesen Gebieten koexistiert die kurdische Mehrheit mit verschiedenen anderen &#8222;ethnischen&#8220; Gruppen, welche alle in der Vergangenheit die Repression des irakischen Staates erdulden mussten. Der Zerfall von Recht und Ordnung in der Region erschuf ein Machtvakuum in Nordsyrien und hat eine Basisorganisation der Leute hervorgebracht, welche unter dem Namen Tev-Dem (Bewegung f&#252;r eine demokratische Gesellschaft) koordiniert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Handeln der kleinen Leute hat den politischen und gesellschaftlichen Stillstand durchbrochen. Und nun, wie weiter?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Selbstverteidigung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ein breites Mosaik an Bewegungen &#8211; welche bewaffnet oder unbewaffnet sind und von sozialem Banditentum bis zur organisierten Guerilla-Aktivit&#228;t reichen &#8211; agieren in den elendsten Zonen der globalen kapitalistischen M&#252;llhalde und haben &#228;hnliche Z&#252;ge wie die gegenw&#228;rtige PKK. Auf die eine oder andere Art versuchen sie, gegen die Zerst&#246;rung ohnehin schon marginaler Subsistenzwirtschaften, die Pl&#252;nderung nat&#252;rlicher Rohstoffe, die lokale Bergbauindustrie oder die Aufzwingung kapitalistischen Landeigentums, welches Zugang und/oder Gebrauch begrenzt oder verhindert, Widerstand zu leisten. Als Beispiele k&#246;nnen wir wahllos F&#228;lle von Piraterie im Meer von Somalia, MEND in Nigeria, die Naxaliten in Indien, die Mapuche in Chile erw&#228;hnen. Obwohl die Diskurse und Kampfformen dieser Bewegungen nicht blosse Epiph&#228;nomene sind, ist es wesentlich, ihren gemeinsamen Inhalt zu erfassen: Selbstverteidigung. Eine Selbstverteidigung, die wom&#246;glich auch als lebensnotwendig betrachtet werden k&#246;nnte, wobei sie sich in ihrem Wesen nicht von dem unterscheidet, was in jedem Arbeitskampf ausgedr&#252;ckt wird, welche zum Ziel hat, die L&#246;hne oder Arbeitsbedingungen der dort Arbeitenden zu sch&#252;tzen. Genau wie es ein Taschenspielertrick w&#228;re, einen wenn auch sehr heftigen und breiten Lohnkampf als &#8222;revolution&#228;re Bewegung&#8220; darzustellen, so ist es genauso abwegig, dieser Art von Selbstverteidigung, welche von solchen ersch&#246;pften Bev&#246;lkerungen praktiziert wird, einen inh&#228;renten revolution&#228;ren Sinn zu geben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Selbstverteidigung impliziert Selbstorganisation. In Rojava gibt es :&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[...] eine wirkliche Bewegung gegen die staatliche Pl&#252;nderung und den staatlichen Zwang, welche milit&#228;risch an ihren Grenzen k&#228;mpft und im Innern durch die Streuung der Macht innerhalb derselben. Die Grenzen der K&#228;mpfe in Rojava sind in diesem Sinne die gleichen, wie die der K&#228;mpfe &#252;berall, wo das Verh&#228;ltnis zwischen Arbeitskraft und Kapital zu einer Angelegenheit der Repression geworden ist, und von K&#228;mpfen, f&#252;r welche diese Repression den Ausgangspunkt darstellt. Diese K&#228;mpfe finden weit entfernt von den Hochburgen der Reproduktion des Kapitals statt und haben nicht zum Ziel, die Ausbeutungsverh&#228;ltnisse zu st&#252;rzen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Becky, &#8222;Ausgehend vom Zwangsmoment &#8211; Kanton Cizire, Rojava.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ganze Frage ist, ob Selbstverteidigung in Rojava der Weg zum Sturz der Produktionsverh&#228;ltnisse ist &#8211; oder werden k&#246;nnte. Doch zuerst ein paar Worte zum Nationalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Nation hat ein neues Gesicht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nationalen Befreiungsbewegungen des 21. Jahrhunderts unterscheiden sich betr&#228;chtlich von jenen, als der Kolonialismus sich seinem Ende n&#228;herte und der Kalte Krieg zwischen den USA und der UdSSR in Form von lokalen Stellvertreterkriegen ausbrach, mit einer betr&#228;chtlichen Anzahl an wechselnden B&#252;ndnissen und Millionen von Toten. Das kurdische Volk bezahlt einen umso h&#246;heren Preis, weil die Kurden zwischen vier L&#228;ndern verteilt sind. Doch die Gr&#252;nde f&#252;r die tiefe Ver&#228;nderung in der nationalistischen Agenda sind nicht humanit&#228;re Betrachtungen, ein Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit oder die Lekt&#252;re von authentischer kritischer Theorie. N&#252;chtern betrachtet ist ihre ehemalige Grundlage obsolet geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zusammenfassend kann man sagen, dass, nach der Machtergreifung, das typische Programm der nationalen Front war, die Beziehungen zur vorherrschenden Macht abzubrechen (im Mittleren Osten Grossbritannien bis in die 1940er Jahre, danach die USA), Unterst&#252;tzung bei ihrem Rivalen zu suchen (der UdSSR) und ein staatliches, einheimisches Wachstum zu entwickeln, basierend auf kollektivierter Landwirtschaft und Schwerindustrie.Das war zumindest der Plan. Wo immer es keine angemessene, oder eine zu schwache Bourgeoisie gab, optierte die nationale Befreiung f&#252;r den b&#252;rokratischen statt den b&#252;rgerlichen Kapitalismus, suchte ihre Rezepte bei Marx und Mao, nicht bei Adam Smith und Keynes, und setzte ein diktatorisches Regime ein, das von einer vermeintlichen Arbeiter- oder Volkspartei angef&#252;hrt wurde. Sie erreichte mehr Diktatur als Entwicklung, doch das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall wurde das mit dem Niedergang der UdSSR und dem Anbruch der Globalisierung unm&#246;glich. Nachdem also zuvor der Marxismus-Leninismus, der Guevarismus und die Verteidigung der Dritten Welt verfochten wurden, machte sich die nationale Befreiung ihre eigene Version der Globalisierungsgegnerschaft zu eigen. Der Misskredit des sozialistischen Nationalismus f&#252;hrte zum ethnischen Nationalismus, welcher sich im Falle der PKK in einen Aufruf f&#252;r eine multiethnische Nation verwandelte. Logischerweise wurde diese neue Linie auch vom Ableger der PKK in Syrien, der PYD, unterst&#252;tzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jede politische Bewegung gibt sich die nationale Befreiung die Ideologie, die Verb&#252;ndeten und die Ziele, an welche sie sich richten kann und modifiziert sie, wenn es ihren Interessen entspricht. Am sechsten zionistischen Kongress 1903, bekannt als der &#8222;Uganda-Kongress&#8220;, stand immer noch zur Debatte, ob eine j&#252;dische Heimat in Afrika gegr&#252;ndet werden k&#246;nnte. Pilsudski entschied sich 1914 nicht zwischen Richtig und Falsch: Er unterst&#252;tzte jene Seite, welche ihm f&#252;r die polnische Unabh&#228;ngigkeit am vorteilhaftesten erschien und wechselte die Seiten je nach Kriegsumst&#228;nden. Die Loyalit&#228;t eines Nationalisten ist nicht an eine Klasse oder ein Glaubensbekenntnis gebunden, sondern nur an das, was er als &#8222;sein Volk&#8220; betrachtet und an seine eigene Rolle als Anf&#252;hrer dieses Volkes. Der Gehorsam schwankt, genau wie die Doktrin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte nie ein Buch oder nationale Befreiung aufgrund des Umschlagbildes beurteilen. In der Praxis werden die PKK-Kader einen Landeigent&#252;mer oder Boss unterst&#252;tzen, weil er in der Region einflussreich ist. Sie werden auch Streiks verteidigen oder Proteste organisieren, wenn es ihnen hilft, lokale Einwohner hinter sich zu bringen. Hier werden sie auf der Seite von starren Formen der Religion stehen, dort auf jener der Toleranz. Heute werden sie als Traditionalisten erscheinen, morgen als Modernisten. Das ist Politik: Die PKK h&#228;lt hoch, was ihre Machtbasis vergr&#246;ssert. Damals, als sie beanspruchte, Teil des weltweiten Sozialismus zu sein, hatte sie keine Zeit f&#252;r Ketzer wie Pannekoek oder Mattick, und entschied sich f&#252;r erfolgreichen Marxismus-Leninismus. Wenn sie sich libert&#228;re Positionen zu eigen macht, entscheidet sie sich nicht f&#252;r Makhno, sondern bevorzugt eine akzeptable Version, wahrscheinlich heutzutage die gem&#228;ssigste, die Doktrin von Bookchin, welche den Munizipalsozialismus des 19. Jahrhunderts mit Selbstverwaltung und &#214;kologie w&#252;rzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine ziemlich vern&#252;nftige Wahl. Die PKK hatte ihre Ambitionen zur&#252;ckstecken m&#252;ssen und der konf&#246;derale Munizipalismus ist die einzige verf&#252;gbare politische Ideologie f&#252;r eine Partei, welche sich mit Staaten und Grenzen abfinden muss, weil sie keine Hoffnung mehr hat, ihren eigenen Staat und ihre eigenen Grenzen zu erschaffen, was zwingend die Neuziehung der Grenzen von mindestens zwei angrenzenden L&#228;ndern bedeuten w&#252;rde. Die PKK macht aus der Not eine Tugend und hat die Anspielungen auf &#8222;Klasse&#8220; und &#8222;Partei&#8220; &#252;ber Bord geworfen und wirbt f&#252;r Selbstverwaltung, Kooperation, Kommunalismus (nicht Kommunismus), Anti-Produktivismus und Gender. David Graeber erfreute sich an der Tatsache, dass die Leute in Kurdistan nun wom&#246;glich Judith Butler lesen. Alles richtig gemacht. Dekonstruktion des politischen Subjekts (d.h. des Proletariats als historischer Tr&#228;ger), Priorisierung von Identit&#228;ten, die Klasse wird durch Gender ersetzt &#8211; die PKK hat zweifellos den Marxismus durch den Postmodernismus ersetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von einem &#8222;Nicht-Staat&#8220; zu sprechen, ist ein Spiel mit den Worten. Die PKK hat das Ziel jeder nationalen Befreiungsbewegung nicht aufgegeben. Obwohl sie sehr darauf achtet, keine Worte zu gebrauchen, die zu autorit&#228;r t&#246;nen, ist ihr Ziel immer noch die Erschaffung eines politischen Apparates auf dem kurdischen Territorium, in welchem die Entscheidungsmacht zentralisiert ist, und welches Wort w&#228;re besser hierf&#252;r als Staat? Mit der Nebenbestimmung, dass dieser Staat so demokratisch unter B&#252;rgerkontrolle w&#228;re, dass er den Namen Staat nicht mehr verdienen w&#252;rde. So viel zur Ideologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der wirklichen Welt ist das Ziel einer starken inneren Autonomie zusammen mit einem basisdemokratischen Leben nicht vollkommen unrealistisch. Es ist der Zustand diverser Gebiete in der Pazifikregion: Die Zentralregierung k&#252;mmert es nicht, dass lokale Gemeinschaften ihre herk&#246;mmliche l&#228;ndliche Gesellschaft bewahren, sich selber weitgehend selbstverwalten, von einer auf Eigenbedarf basierenden Wirtschaft leben oder verarmen, solange sie niemandem &#196;rger bereiten. Sobald Eisenerz oder &#214;l ins Spiel kommt, &#228;ndert sich alles und falls n&#246;tig wird die Armee gerufen, wie in Papua-Neuguinea. Somaliland hat einige Eigenschaften eines Staates (eigene Polizei, W&#228;hrung und Wirtschaft), nur wird es von keinem anderen Staat als Staat anerkannt. In Chiapas (dessen Situation h&#228;ufig mit jener Rojavas verglichen wird) haben die Zapatisten 20 Jahre in einer regionalen Halbautonomie &#252;berlebt, innerhalb welcher sie ihre Kultur und Br&#228;uche bewahren, ohne den mexikanischen Bundesstaat zu st&#246;ren, solange sie dort bleiben, wo sie sind. Der Aufstand der Zapatisten war vermutlich der erste der &#196;ra der Globalisierungsgegnerschaft, insofern als dass er nicht darauf abzielte, die Unabh&#228;ngigkeit zu erreichen oder das ganze Land zu ver&#228;ndern, sondern einen traditionellen Lebensstil aufrechtzuerhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kurden leben nicht friedlich auf einer Insel, viele von ihnen sind Stadtbewohner, sie sitzen (un)gl&#252;cklicherweise auf viel &#214;l, welches geopolitische und finanzielle Belange weit ausserhalb ihrer Reichweite platziert, und die Region ist von endlosen Konflikten zerrissen und von Diktatoren beherrscht. Das l&#228;sst wenig Spielraum f&#252;r Rojava &#8211; oder f&#252;r einen sehr kleinen und abh&#228;ngigen Ort: Seine wirtschaftliche &#220;berlebensf&#228;higkeit ist gering, aber nicht inexistent, dank zuk&#252;nftigem &#214;leinkommen. Das schwarze Gold hat schon Marionettenstaaten wie Kuwait erschaffen, ein Rentierstaat, welcher seine Kundschaft mit Untergrundwohlstand bezahlt, und der kurdische Mikrostaat im Irak verdankt seine Existenz einzig seinen &#214;lquellen. Anders ausgedr&#252;ckt, das Schicksal von Rojava h&#228;ngt weniger von der Mobilisierung seines Volkes ab, als vom Zusammenspiel des grossen Gesch&#228;fts und der herrschenden M&#228;chte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die PKK nicht l&#228;nger ihren eigenen Staat fordert (sie kann ihn nicht haben), will sie selbstregierte kurdische Regionen, welche zwischen verschiedenen Staaten f&#246;deriert sind, beginnend mit Syrien (dessen &#8222;territoriale Integrit&#228;t&#8220; von Rojavas &#8222;Gesellschaftsvertrag&#8220; anerkannt wird). Es bleibt abzuwarten, was eine Konf&#246;deration von drei oder vier autonomen grenz&#252;berschreitenden Gebieten, welche sich &#252;ber mindestens drei L&#228;nder erstrecken, f&#252;r die Bev&#246;lkerung bedeuten w&#252;rde. Koexistierende Autonomien beseitigen nicht die zentrale politische Struktur, welche ihre Einheit garantiert. Grenz&#252;berschreitende Regionen, wie jene auf der Oder-Neisse-Linie in Europa, haben noch nie die Staatsmacht verringert. Die zentralen Apparate &#8222;des Rechts und der Ordnung&#8220; delegieren einige ihrer Pflichten an die lokalen Autorit&#228;ten. So regiert der moderne Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Aufbau einer demokratischen Nation&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl Worte nicht alles sind, bedeuten sie in der Politik viel. Die Autoren des Gesellschaftsvertrages von Rojava wollten den Begriff Verfassung vermeiden, welcher sie zu stark an staatliche Revolutionen erinnerte, doch der gew&#228;hlte Begriff wiederholt die Aufkl&#228;rung des 18. Jahrhunderts. In ihrer Suche nach den Wurzeln des antiautorit&#228;ren Denkens haben sie Bakunin umgangen und Rousseau getroffen. Ihr Gesellschaftsvertrag liest sich wie eine modernisierte Version vergangener revolution&#228;rer b&#252;rgerlicher Absichtserkl&#228;rungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Datum ist 2014, die Pr&#228;ambel spricht also von &#8222;einer gerechten und &#246;kologischen Gesellschaft&#8220; ohne &#8222;nationalstaatliche[s], militaristische[s] und religi&#246;se[s] Staatsverst&#228;ndnis, [...] Zentralverwaltung oder Zentralmacht&#8220;. Betreffend Religion ist der Artikel 86 widerspr&#252;chlich, er stipuliert, dass Mitglieder der legislativen Versammlung ihren Amtseid &#8222;im Namen des erhabenen Gottes&#8220; ablegen. Bevor wir das beurteilen, erinnern wir daran, dass im britischen House of Commons bis 1888 Abgeordnete einen Eid ablegen mussten, der protestantische Abweichler, Katholiken und Atheisten ausschloss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir nun zum Kern der Sache. Rojava wird auf dem &#8222;pluralistischen, eigenst&#228;ndigen und gemeinsamen Leben mit allen Teilen einer demokratischen Gesellschaft&#8220; basieren. Teile, Schichten, gesellschaftliche Gruppen, Klassen...Die franz&#246;sische Version spricht von Schichten (&#8222;couches&#8220;). Offensichtlich geht es nicht darum, dass Rojava frei ist von gesellschaftlicher Teilung. Es bedeutet schlicht und einfach, dass, solange sie B&#252;rger von Rojava sind, alle Bewohner zusammen in Frieden leben k&#246;nnen und m&#252;ssen. Es hat keinen Platz f&#252;r eine Anerkennung des Klassenkampfes in einem Text, der auf nichts anderes als eine demokratische Verfassung hinausl&#228;uft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Diskurs von Rojava ist jener einer b&#252;rgerlichen Revolution. In der franz&#246;sischen Erkl&#228;rung der Menschen- und B&#252;rgerrechte von 1789 war das Recht auf &#8222;Widerstand gegen Unterdr&#252;ckung&#8220; explizit, doch es ging Hand in Hand mit dem Recht auf Eigentum. Die Freiheit war vollst&#228;ndig &#8211; innerhalb der Grenzen des Gesetzes. Das gleiche gilt f&#252;r Rojava: Artikel 41 garantiert das &#8222;Recht auf Eigentum und Privateigentum&#8220; ausser Enteignungen seien &#8222;f&#252;r das &#246;ffentliche Interesse [&#8230;] notwendig&#8220;. Gesellschaftlich bedeutet Eigentum nicht, dass jede Person das Recht hat, ihre eigenen Kleider, ihr Zimmer oder ihr Fahrrad zu besitzen und zu benutzen. Es bedeutet, dass jene, welche Produktionsmittel besitzen, jene einstellen k&#246;nnen, welche nur ihre Kleider, ihr Zimmer oder ihr Fahrrad besitzen. Das ist Klasse. Ist dieser gesellschaftliche Rahmen erst einmal etabliert, wie in Frankreich 1789 oder in Rojava 2014, kann fast alles garantiert und versprochen werden: &#8222;Gewaltenteilung&#8220;, &#8222;unabh&#228;ngige Justiz&#8220;, &#8222;&#246;kologische Gesellschaft&#8220;, &#8222;Freiheit der Gedanken, &#220;berzeugungen, Entscheidungen und Ansichten&#8220;, &#8222;alle politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen Rechte&#8220; f&#252;r Frauen, &#8222;die Aufhebung der Geschlechterdiskriminierung&#8220;, das Recht, seine &#8222;Meinung frei auszudr&#252;cken&#8220;, &#8222;das Streikrecht und das Recht auf friedliche Demonstration&#8220;, &#8222;Bodensch&#228;tze und nat&#252;rlichen Ressourcen geh&#246;ren der gesamten Gesellschaft&#8220; ihre &#8222;Nutzung, Verarbeitung und Gebrauch wird durch Gesetze geregelt&#8220;, es &#8222;geh&#246;rt jeglicher Grundbesitz und Boden der Bev&#246;lkerung&#8220;, 40% Frauenanteil &#8222;in allen Institutionen, Vorsitzen und Aussch&#252;ssen&#8220;, keine Todesstrafe, keine Kinderarbeit, das Recht auf &#8222;politisches Asyl&#8220;, die Versicherung, dass &#8222;ZivilistInnen [&#8230;] nicht vor Milit&#228;rgerichten verurteilt werden&#8220; und dass es keine Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl geben wird, ein Bildungssystem ohne &#8222;rassistische und chauvinistische Kategorien&#8220;, die Trennung von &#8222;religi&#246;se[n] und staatliche[n] Angelegenheiten&#8220; (obwohl, der Eid...). Im Notfall kann &#8222;eine vom Kantonsvorsitz einberufene Versammlung des Exekutivrats [&#8230;] mit der Zustimmung von zwei Dritteln seiner Mitglieder den Ausnahmezustand erkl&#228;ren und wieder aufheben&#8220;, dieser &#8222;Beschluss muss bei der n&#228;chsten Versammlung des Gesetzgebenden Rates verk&#252;ndet und durch Sondergesetze umgesetzt werden&#8220;. Eine der 22 Kommissionen des Exekutivrats ist spezialisiert auf &#8222;Familien- und Geschlechtergleichheit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Absicherung gegen&#252;ber kurdischer Vorherrschaft &#252;ber arabische, assyrische, armenische und tschetschenische Minderheiten verpflichtet sich Rojava, eine &#8222;Einheit in der Vielfalt&#8220; zu ermutigen. Einmal mehr t&#246;nt das wie ein fernes Echo auf eine demokratische Revolution: &lt;i&gt;E pluribus unum&lt;/i&gt; (&#8222;Einer von Vielen&#8220;) war auf dem US-Stempel seit 1782 gewesen und war de facto das Motto der USA bis der Kongress 1956 &#8222;In God We Trust&#8220; &#252;bernahm. K&#246;nnte Rojava s&#228;kularer sein als das zeitgen&#246;ssische Amerika?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte von korrekter moderner Regierungsf&#252;hrung nicht mehr verlangen (nur die Tierrechte fehlen). Die Wehrpflicht wurde hingegen nicht vergessen: Jeder B&#252;rger von Rojava kann zum Milit&#228;rdienst aufgeboten werden. Das ist ein traditionelles Vorrecht des Staates, welcher erwartet, dass jene, welche unter seinem Schutz oder seiner Herrschaft stehen, in seiner Armee dienen. Eigentlich ist es keine Armee, es sind die &#8222;Volksverteidigungseinheiten (YPG)&#8220;, welche nur als Kraft der &#8222;Selbstverteidigung sowohl gegen innere als auch &#228;ussere Bedrohungen&#8220; agieren: Wie wir wissen, macht jede politische Macht einen ausgedehnten Gebrauch des Begriffes der inneren Bedrohung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ohne &#220;bertreibung ist das die demokratischste Verfassung, welche die Leute in dieser Region je hatten.&#8220; (Sardar Saadi) Das ist sicher nicht falsch. Rojavas &lt;i&gt;Gesellschaftsvertrag&lt;/i&gt; definiert eine Gesellschaft der &lt;strong&gt;Gleichen vor dem Gesetz&lt;/strong&gt;: Jeder Mann oder jede Frau ist nur mit Gleichen verbunden. Gesellschaftliche Teilung wird ausgelassen, es gibt keine Reichen und Armen, Bourgeois und Arbeiter mehr, nur noch B&#252;rger mit gleichen Rechten: &#8222;Ein b&#252;rgerliches demokratisches System, das demokratische Konf&#246;deration genannt wird.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zafer Onat, &#8222;Rojava: Fantasies and Realities&#8220;.&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Demokratie ist die angemessenste politische Form zur Vereinigung eines gesellschaftlich geteilten Volkes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ver&#228;nderung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zonen der Selbstverwaltung&#8220; k&#246;nnen nicht durch das Gesetz erschaffen werden. Wie sieht die Situation auf dem Terrain aus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beobachter und Besucher des gesamten politischen Spektrums haben &#252;ber tiefe Ver&#228;nderungen im allt&#228;glichen Leben berichtet. Allen voran eine Zerstreuung der Macht, mit einer Menge lokal verwalteter Initiativen und der Verwaltung der D&#246;rfer durch Kollektive. Zudem eine Bem&#252;hung, lokales Wissen zu sammeln und zu verbreiten (bez&#252;glich Medizin zum Beispiel) und die Leute wieder mit der Natur zu verbinden, Pr&#252;fungen sind durch interaktive Bildung ersetzt worden, Mutualismus in der Schule, um den Graben zwischen Lehrer und Lernenden zu &#252;berwinden, gemeinschaftliches (M&#228;nner und Frauen) Wohnen an der Universit&#228;t, gew&#228;hlte Befehlshaber in den Milizen, ein neuer Ansatz der Gesundheitsversorgung mit einer Betonung pr&#228;ventiver und ganzheitlicher Methoden, welche Geist und K&#246;rper gleichzeitig behandeln (basierend auf dem Prinzip, dass Stressreduktion dazu beitragen kann, dass andere Krankheiten nachlassen) und die Justiz besteht in jedem Dorf aus einem gew&#228;hlten und gemischten Komitee, welches in Konflikten vermittelt, das Urteil f&#228;llt und versucht, den T&#228;ter zu reintegrieren und zu rehabilitieren. Mit anderen Worten, eine Bestrebung, Trennungen zu beseitigen. Viel von dem, was westliche Reformisten und Radikale versuchen, in Europa zu verwirklichen, wird in Rojava getestet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vermutlich am h&#228;ufigsten festgestellte Ver&#228;nderung betrifft das Verh&#228;ltnis zwischen den Geschlechtern. Gemischte Schulen sind die Norm. Die Frauen bleiben nicht mehr den ganzen Tag zu Hause. Versammlungen weisen eine Frauenbeteiligung von mindestens 40% auf. Alle Gremien sind weiblich und m&#228;nnlich geleitet. Eine Weltsicht der Frauen wird ermutigt, und sogar ein neues Wissensfeld, die &lt;i&gt;Jinologie&lt;/i&gt; (&#8222;Wissenschaft der Frauen&#8220;). Obwohl der Feminismus in der kurdischen Frauenbewegung schon lange stark war, sind diese Ver&#228;nderungen im Mittleren Osten betr&#228;chtlich, und in gewissen Bereichen scheint die Gleichheit der Geschlechter in Rojava weiter fortgeschritten als in Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Wirtschaft betrifft, strebt Rojava nach optimaler Selbstentwicklung. Unter der syrischen Herrschaft hatte das Gebiet &#214;l, aber keine Raffinerie, Getreide, aber keine Getreidem&#252;hle. Die Betonung liegt nun auf Selbst&#228;ndigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schein tr&#252;gt. Wie alle wahren Profis sind die PKK und die PYD Meister in der Kunst, von sich selber jenes positive Bild zu zeigen, welches die Aussenstehenden sehen m&#246;chten. Es ist auch nichts als nat&#252;rlich, dass die Bewohner versuchen, Besucher durch die Hervorhebung der erfolgreichsten Seiten ihrer Bewegung zu beeindrucken. Doch nicht alles ist nur f&#252;r's Auge. Selbstorganisation verbessert &lt;i&gt;tats&#228;chlich&lt;/i&gt; das allt&#228;gliche Leben einer zuvor vernachl&#228;ssigten und unterdr&#252;ckten Bev&#246;lkerung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gemeindeversammlungen finden regelm&#228;ssig statt und mehrere Hundert Leute nehmen daran teil, nicht nur um dort zu sein, sondern auch um eine aktive Rolle zu spielen, und es wird weitgehend darauf geachtet (und teilweise auch umgesetzt), dass die niederen R&#228;nge die h&#246;heren kontrollieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unten und oben...Das bringt uns n&#228;her zum zentralen Punkt. Was wird debattiert? Entscheiden die Volksr&#228;te &#252;ber unbedeutende oder bedeutende Dinge?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort liegt in der Frage. Das R&#228;tesystem in Rojava funktioniert parallel zu einer &#220;bergangsregierung (&#220;berg&#228;nge k&#246;nnen endlos sein), welche Krieg f&#252;hrt, mit ausl&#228;ndischen Staaten verhandelt, die Steuereintreibung neu organisiert, die &#214;lproduktion plant usw., wie jede andere zentrale politische Institution, welche ein Territorium beherrscht. Auf gut Deutsch, ein Staat. Und noch niemand konnte je bezeugen, dass sich ein Staat in direkter Demokratie auf lokaler Ebene aufgel&#246;st hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein klassenloses Volk?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie es h&#228;ufig in &#228;hnlichen Situationen vorkommt, hat der Imperativ der Selbstverteidigung gegen eine t&#246;dliche Gefahr (in diesem Fall ISIS) die Kurden dazu gebracht, eine gemeinsame Front zu bilden, im &#252;blichen Sinn einer Zusammenarbeit, so wie auch im politischen Sinn der &lt;i&gt;Volksfront&lt;/i&gt; wie im 20. Jahrhundert. Solidarit&#228;t hat eine tempor&#228;re Aufschiebung gesellschaftlicher Differenzen kreiert, aber nicht deren Ausl&#246;schung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand behauptet, die als &#8222;die Kurden&#8220; bekannte Bev&#246;lkerung habe ein derartiges Gl&#252;ck, das einzige Volk der Welt zu sein, welches in heiterer Harmonie lebt. Wie alle anderen V&#246;lker sind die Kurden geteilt in Gruppen mit verschiedenen Interessen, in Klassen, oder, falls &lt;i&gt;Klasse&lt;/i&gt; zu stark nach Marxismus riecht, in Unterdr&#252;cker und Unterdr&#252;ckte, Herrscher und Beherrschte. Wenn folglich in Rojava eine bedeutende gesellschaftliche Erhebung im Gange ist, wann und wie wurde die herrschende Klasse gest&#252;rzt? Herrschende Gruppen sind bekannt daf&#252;r, alle verf&#252;gbaren Mittel einzusetzen, um an der Macht zu bleiben, auch den bewaffneten Kampf. Welcher intensive Klassenkampf st&#252;rzte sie in Kurdistan und f&#252;hrte zu Ver&#228;nderung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass ein solch aussergew&#246;hnliches Ereignis unbemerkt geschieht, haben jene, welche die &#8222;Revolution&#8220; in Rojava verteidigen, keine Antwort bereit. Die Frage wird einfach ignoriert. Zumindest fast. In Tat und Wahrheit haben sie eine Erkl&#228;rung, die von David Graeber zusammengefasst wird: &#8222;Aber die Menschen in Rojava haben es in Klassenfragen ziemlich leicht, denn die wirkliche Bourgeoisie, so wie sie in dieser haupts&#228;chlich landwirtschaftlich gepr&#228;gten Gegend war, hat sich mit dem Zusammenbruch des Baath-Regimes davongemacht. Sie werden ein langfristiges Problem haben, wenn sie nicht am Bildungssystem arbeiten um sicherzustellen, dass nicht eine Schicht von entwicklungspolitischen Technokraten bei Gelegenheit versucht, die Macht zu &#252;bernehmen, doch aktuell ist es verst&#228;ndlich, dass sie sich eher unmittelbar auf Genderangelegenheiten konzentrieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graeber hat den grossen Verdienst, die Geisteshaltung weiter Teile der radikalen Meinungen zu verk&#246;rpern. Was uns hier gesagt wird, ist, dass, obwohl Klasse und Gender allgemein von Bedeutung sind, die momentane Priorit&#228;t in Rojava Gender ist, weil die Klassenfrage (zumindest tempor&#228;r) gel&#246;st worden ist durch die Abreise der herrschenden Klasse. Was bleibt, sind die einfachen Leute, &lt;i&gt;das Volk&lt;/i&gt;, schlicht und einfach. Die Leute in Rojava m&#246;gen wohl in arger Not sein, doch sie haben erreicht, was westliche radikale Reformisten vergeblich versuchen: 99% der Bev&#246;lkerung zusammenzubringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graeber verwechselt die Klasse mit den Leuten, aus welchen sie besteht. Nat&#252;rlich ist Klasse Fleisch und Blut, doch sie ist viel mehr, sie besteht aus gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen. Die Bourgeoisie verschwindet nicht in einem Gebiet, aus welchem b&#252;rgerliche Individuen geflohen sind. Zur Zeit der Pariser Kommune verliess die herrschende Klasse die Stadt, doch ihre Machtstruktur wurde w&#228;hrend diesen zwei Monaten aufrechterhalten: In den Tresorr&#228;umen der Nationalbank Frankreichs und ihren Millionen von Franken, welche die Kommunarden nicht versuchten, zu konfiszieren, und grundlegend in der Weiterf&#252;hrung der Geldwirtschaft und der Lohnarbeit. In Rojava gibt es kein Anzeichen daf&#252;r, dass die unteren Klassen die Marktwirtschaft und das Lohnsystem beseitigt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Enthusiasten von Rojava sprechen viel &#252;ber Erm&#228;chtigung und Ver&#228;nderungen in der Haushaltssph&#228;re: Sie erw&#228;hnen jedoch nie eine Ver&#228;nderung der Ausbeutungsverh&#228;ltnisse. Im besten Fall gibt man uns Beispiele von Landwirtschafts-, Textil-, Handels und Baugenossenschaften (welche, wie man sagt, mit der Privatwirtschaft in Konkurrenz stehen), doch man liest nie von Kollektivierungsexperimenten. &#214;lquellen funktionieren wieder, eine Raffinerie ist improvisiert worden, doch wir wissen nichts von den Leuten, welche dort arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Regierungsgremien organisieren einen &#220;bergang von Monokultur zu Ern&#228;hrungsautarkie: Land, das zuvor Staatseigentum gewesen war, wird an Landwirtschaftsgenossenschaften verteilt: Die Produkte werden der Verwaltung oder auf dem Markt mit Preiskontrolle verkauft. Brot wird subventioniert. &#8222;Die Schmuggelt&#228;tigkeit ist gewaltig&#8220;, berichtet Becky. Das wird von anderen Besuchern best&#228;tigt und ist zu erwarten: In Regionen, wo fixe Grenzen fehlen und in welchen Knappheit und Krieg verheerende Auswirkungen haben, sind Schmuggler illegale, grenz&#252;berschreitende H&#228;ndler. Das Ausmass des Schmuggels zeigt die Ausdauer der Warenwirtschaft mit ihren Gesch&#228;ftsm&#228;nnern, welche schlecht bezahlte Arbeitskr&#228;fte anstellen. Wo Dinge ge- und verkauft werden, werden auch menschliche Wesen &#8211; Arbeitskraft &#8211; ge- und verkauft. Diesbez&#252;glich gibt es keine Gleichheit, und gewiss auch wenig Kritik an Geschlechterrollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Janet Biehl, eine Verteidigerin der &#8222;Revolution&#8220; in Rojava, schreibt: &#8222;Manche leben von einem Lohn, aber viele arbeiten ehrenamtlich; wieder andere leben z.B. dank einer Kuh.&#8220; Gleichzeitig bezahlen die Leute wenig oder gar keine Einkommenssteuer und die Regierungseinnahmen kommen vom &#214;l. Mit anderen Worten erhalten einige Leute in Rojava einen Lohn, andere leben von Geld, das sie sonst irgendwie verdienen, einige leben dank einer Selbstversorgungswirtschaft und der nichtstaatliche Staat verkauft &#214;l. Auf die eine oder andere Art und Weise durchflutet das Geld jede Sph&#228;re der Gesellschaft in Rojava.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grossen und Ganzen sind M&#228;rkte f&#252;r K&#228;ufer zu normalen Tageszeiten offen, der Handel und das Handwerk funktionieren, was im Vergleich zur Situation zuvor einen immensen Fortschritt darstellt. Zaher Baher besuchte Cizire im Mai 2014 und glaubt, eine Revolution f&#228;nde im syrischen Kurdistan statt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Bevor wir diese Region verlie&#223;en, entschieden wir uns noch mit Ladenbesitzern, Gesch&#228;ftsleuten, und Marktleuten zu reden, da uns auch ihre Sichtweise sehr wichtig war. Alle schienen eine sehr positiven Blick und eine positive Meinung von der DSV und der Tev-Dem zu haben. Sie waren gl&#252;cklich &#252;ber den Frieden, die Sicherheit und die Freiheit, ihre eigenen Gesch&#228;fte ohne jede Einmischung irgendwelcher Parteien oder Seiten f&#252;hren zu k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zaher Baher, &#8222;Das Experiment Rojava. Erfahrungsbericht aus dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich haben wir eine Revolution gefunden, vor welcher sich die Bourgeois nicht f&#252;rchten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder vielleicht h&#228;ngt alles davon ab, was die b&#252;rgerliche Klasse ist. Wenn Graeber den Begriff auf die Topetage der herrschenden Elite beschr&#228;nkt, dann hat er recht: Es leben vermutlich momentan in den drei Kantonen Rojavas sehr wenige Hochfrequenztrader oder Handelsbankiers. Dadurch kann f&#252;r Graeber nicht von Klasse gesprochen werden, nur von Volk.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ein Mann, der ein Transportunternehmen mit f&#252;nf Lastwagen betreibt und 15 Arbeitskr&#228;fte eingestellt hat, ist ein Bourgeois. Rojava ist eine Klassengesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die These der &#8222;sozialen Revolution&#8220; bewegt sich auf d&#252;nnem Eis, doch deren Verteidiger interessieren sich kaum f&#252;r Fakten: Ihre eigenen Berichte enthalten genug Beweise, um ihre Behauptung zu widerlegen. Der Fehler liegt in der Unf&#228;higkeit, die richtige Frage zu stellen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Situation hat auch etwas gemeinsam mit der Entwicklung von K&#228;mpfen weltweit in den letzten paar Jahren. Der Staat, nunmehr ein Agent des globalen Kapitals, wird als Schuldiger von sowohl aus Mittelklassen als auch dem Proletariat bestehenden Bewegungen betrachtet. Derweil wird die Nation als die ihm entgegenzustellende Kraft gesehen. K&#228;mpfe stellen sich geschlossen hinter die Ideologie der Nationalit&#228;t (und den Rassen- und Genderhierarchien, welche diese voraussetzt). Die stattfindende Ver&#228;nderung in Rojava basiert bis zu einem gewissen Ausmass auf einer radikalen kurdischen Identit&#228;t und auf einem betr&#228;chtlichen Anteil der Mittelklassen, welche, trotz ihrer radikalen Rhetorik, immer ein gewisses Interesse an der Kontinuit&#228;t von Kapital und Staat haben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Becky, op. cit.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Alle Macht dem Volk?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das allt&#228;gliche Leben wird von den Produktionsverh&#228;ltnissen bestimmt: Wie wir gerade gesehen haben, sind die selbstverwalteten Gemeinden und die basisdemokratischen Gremien Rojavas vom grossen und kleinen Handel beherrscht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn die G&#246;tter uns strafen wollen, erh&#246;ren sie unsere Gebete&#8220;, schrieb Oscar Wilde. Rojava erf&#252;llt den Traum der Theoretiker der schrittweisen Volkserm&#228;chtigung. Holloways &lt;i&gt;Die Welt ver&#228;ndern, ohne die Macht zu &#252;bernehmen&lt;/i&gt; scheint sich im syrischen Kurdistan zu materialisieren. Die Gesellschaft soll von unten her durch verschiedene graduelle Ver&#228;nderungen transformiert werden, welche jene oben hilf- und harmlos machen, bis sie wegfallen oder verschwinden. Somit ist die Polizei in Rojava nicht die Polizei, sie kann nur eine Nicht-Polizei, eine Anti-Polizei sein. Graeber schreibt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Schlie&#223;lich, und das ist das Entscheidende, sind die Sicherheitskr&#228;fte rechenschaftspflichtig gegen&#252;ber den von unten nach oben gerichteten Strukturen, und nicht umgekehrt. Eine der ersten Orte, die wir besucht haben, war eine Polizeiakademie (Asayis). Alle mussten Kurse in gewaltloser Konfliktregelung und feministischer Theorie belegen, bevor sie eine Waffe ber&#252;hren durften. Die Ko-Direktoren erkl&#228;rten uns, dass ihr Endziel w&#228;re, dass jeder im Lande sechs Wochen Polizeitraining erh&#228;lt, damit sie die Polizei letztendlich abschaffen k&#246;nnten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, sich &#252;ber derartige Naivit&#228;t lustig zu machen, sondern zu erkennen, auf was sie basiert: Auf dem Glauben, dass es in Rojava von ehemaligen oder neuen Repressionskr&#228;ften nichts zu bef&#252;rchten gibt, weil die wirkliche Macht in den H&#228;nden des Volkes auf basisdemokratischer Ebene liegt, in den Gemeinden und den lokalen Komitees, was also Regierungsvertreter auch immer tun, egal auf welche politischen Man&#246;ver M&#246;chtegern-Anf&#252;hrer sich einlassen m&#246;gen, &lt;i&gt;wir sind die Polizei&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, die Wesentlichkeit von (manchmal multiethnischen) Nachbarschafts- und Dorfnetzwerken, Frauenkollektiven zu bestreiten, welche sich mit etlichen, trivialen (Streitigkeiten) wie auch grossen (Schule, Gesundheitsversorgung, lokaler Handel) Problemen, als auch mit den Notwendigkeiten des Krieges befassen m&#252;ssen. Diese w&#228;ren ein unerl&#228;sslicher Bestandteil einer sozialen Revolution. Doch unter den gegenw&#228;rtigen Umst&#228;nden funktioniert diese Kontrolle der Gemeinschaft parallel mit einer zentralen Struktur, welche als politisches Oberhaupt des Landes fungiert. Wer entscheidet was? Wer hat das Sagen? Das ist die Frage. Die gepriesene Autonomie der Gemeinde ist gesichert, solange sie nicht ausge&#252;bt wird, solange sie nicht mit der Regierung in Konkurrenz tritt. Verwaltung ist eine Sache, grosse Entscheidungen sind eine andere. Nichts deutet darauf hin, dass die lokalen R&#228;te wirklich etwas zu sagen haben bez&#252;glich der Festlegung der politischen Richtlinien. Die Bezeichnung dieses Regimes als &#8222;Demokratische Selbstverwaltung&#8220; &#228;ndert ausser Worten nicht viel. Was die Pl&#228;ne f&#252;r freie Wahlen so bald wie m&#246;glich betrifft, sind sie so gut wie parlamentarische Demokratie halt eben sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frauen mit Gewehren&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#196;ndern wir f&#252;r einen Moment Namen und Daten...Ein grosser Teil des Lobes f&#252;r Rojava heute, besonders von dem, was als radikale Kritik an Geschlechterrollen betrachtet wird, k&#246;nnte in den 1930er Jahren von Beobachtern des br&#252;derlichen und egalit&#228;ren Lebens der Pioniere in kleinen zionistischen Gemeinschaften in Pal&#228;stina verfasst worden sein. Damals fiel den Besuchern und Unterst&#252;tzern ebenfalls die &#228;usserst neue Rolle der Frauen ins Auge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den fr&#252;hen Kibbuzen war die Geschlechtergleichheit nicht nur ein Resultat der progressiven und sozialistischen Ideen. Materielle Notwendigkeiten (Landwirtschaft und Selbstverteidigung) zwangen eine stark unter Druck stehende Gemeinschaft, nicht auf die H&#228;lfte der Arbeits- oder bewaffneten Kr&#228;fte zu verzichten. Damit Frauen ihren Anteil an den landwirtschaftlichen und milit&#228;rischen T&#228;tigkeiten haben konnten, mussten sie von ihren &#8222;weiblichen&#8220; Pflichten befreit werden, die Kinder wurden also kollektiv erzogen, was f&#252;r viele neu und f&#252;r einige schockierend war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keine Anzeichen daf&#252;r in Rojava. Soldatinnen bedeuten nicht das Ende der M&#228;nnerherrschaft (wenn dem so w&#228;re, w&#228;re Israel eines der L&#228;nder mit der gr&#246;ssten Gleichberechtigung der Geschlechter in der Welt). Baher, ein Verfechter der Sache der &#8222;Revolution&#8220; in Rojava schreibt zuerst, dass &#8222;vollst&#228;ndige Gleichheit zwischen Frauen und M&#228;nnern&#8220; bestehe, nur um eine halbe Seite weiter unten anzuf&#252;gen: &#8222;Ich habe nicht eine Frau gesehen, die in einem Gesch&#228;ft, einem Markt, Caf&#233; oder Restaurant gearbeitet h&#228;tte.&#8220; In den &#8222;selbstverwalteten&#8220; Fl&#252;chtlingslagern auf der anderen Seite der Grenze in der T&#252;rkei k&#252;mmern sich die kurdischen Frauen um die Kinder, w&#228;hrend die M&#228;nner nach Gelegenheitsjobs suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der subversive Charakter einer Bewegung oder Organisation kann nicht anhand des Anteils bewaffneter Frauen gemessen werden. Auch nicht ihr feministischer Charakter. Seit den 1960er Jahren benutzten oder benutzen viele Guerillas eine grosse Anzahl von K&#228;mpferinnen, in Kolumbien zum Beispiel. 25% der sandinistischen Truppen waren Frauen, was nicht zur Frauenbefreiung f&#252;hrte: Abtreibung ist heutzutage in Nicaragua total illegal. Frauenpr&#228;senz ist eine typische Eigenschaft der maoistischen Guerilla. In Nepal, Peru und den Philippinen erfordert die Strategie eines &lt;i&gt;langwierigen Volkskrieges&lt;/i&gt; Aufrufe zur Gleichheit von M&#228;nnern und Frauen als ein Mittel, um traditionelle (famili&#228;re, feudale oder Stammes-), seit jeher patriarchale Verbindungen zu demontieren. Das Ziel ist nicht die Emanzipation der Frauen, sondern die Ersetzung der Herrschaft der Dorf&#228;ltesten mit jener der Parteikader. Die wichtige Rolle der Frauen in der PKK-PYD liegt weniger am feministischen Einfluss als am maoistischen Ursprung der Partei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso wird eine bewaffnete Frau so einfach als Befreiungssymbol wahrgenommen, sogar ungeachtet dessen, &lt;i&gt;wof&#252;r&lt;/i&gt; sie k&#228;mpft?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Bild einer Frau mit Raketenwerfer kann es auf die Titelseite westlicher Boulevardzeitungen oder radikaler Magazine schaffen, weil es den (h&#228;ufig deklinierten) Mythos des angeborenen, friedlichen oder passiven weiblichen Wesens zerst&#246;rt. Das Recht auf Waffengebrauch (sogar bez&#252;glich Jagdwaffen) war lange ein m&#228;nnliches Privileg, deshalb wird die Umkehr dieser Tradition als Beweis der Aussergew&#246;hnlichkeit oder Radikalit&#228;t einer Bewegung betrachtet. Der stereotype Macho-Held vermittelt ein unangenehmes Bild, die romantisierte weibliche Freiheitsk&#228;mpferin ein positives. Anti-Militaristen st&#246;ren sich nicht so stark an einem B&#252;rgerkrieg, wenn Frauen an die Front gehen. Die K&#228;mpferin ist die Erl&#246;serin des bewaffneten Kampfes: Die Revolution erw&#228;chst aus dem Gewehrlauf einer von einer Frau getragenen Kalaschnikow. Ganz zu schweigen von der Figur der R&#228;cherin, welche die Waffe f&#252;r eine gute Sache tr&#228;gt, zur Erschiessung von Sexisten und Vergewaltigern: Die Selbstjustiz wird ebenfalls rehabilitiert, wenn sie in Frauenh&#228;nden liegt, wie in Abel Ferraras &lt;i&gt;Ms. 45&lt;/i&gt;, ein Film &#252;ber Rache an Vergewaltigern von 1981.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie eurozentristisch das doch alles ist. In vielen Teilen der Welt waren und sind Soldatinnen immer noch ziemlich verbreitet, manchmal in Kampfrollen und Elitetruppen. Ein russisches Frauenbataillon bewachte den Winterpalast im Oktober 1917. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Rote Armee Panzerfahrerinnen, Scharfsch&#252;tzinnen usw. Frauen mit Gewehren sind nur f&#252;r das westliche Bewusstsein eine Kuriosit&#228;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;gen wir noch an, dass die Armee Assads und ISIS auch einige rein weibliche Kampfeinheiten haben. Doch da sie, im Gegensatz zu den Kurden, die Kritik der Geschlechterrollen nicht kennen, werden dort Frauen nicht an der Front eingesetzt, nur in Polizei- und Unterst&#252;tzungsaufgaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine Mobilmachung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist kaum verwunderlich, dass einige Individuen und Gruppen, welche immer dazu geneigt waren, den milit&#228;risch-industriellen Komplex zu verurteilen, nun dazu aufrufen, Rojava gegen ISIS zu bewaffnen, wenn man sich erinnert, dass 1999, zur Zeit des Kosovokrieges, einige Anarchisten die Bombenangriffe der NATO auf Serbien unterst&#252;tzten &#8211; um einen V&#246;lkermord zu verhindern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Woher und von wem sollten diese Waffen kommen? Der durchschnittliche Proletarier oder die durchschnittliche Proletarierin hat kein &#252;bersch&#252;ssiges Sturmgewehr oder keine &#252;bersch&#252;ssige Granate f&#252;r den geheimen Schmuggel nach Kurdistan. Sollte er oder sie mit internationalen Waffenh&#228;ndlern Kontakte kn&#252;pfen? Oder sollten wir von den westlichen M&#228;chten erwarten, Rojava angemessene Bewaffnung zu liefern? Die Lieferungen haben auf einem bescheidenen Niveau bereits begonnen. Sollten wir die USA, Frankreich und Grossbritannien dahingehend unter Druck setzen, mehr zu liefern? Mit welchen Mitteln? Das Echo von libert&#228;ren Demos reicht nicht bis ins Weisse Haus. Und zu welchem politischen Preis f&#252;r die Fordernden? Niemand zieht in Betracht, neue Internationale Brigaden zu gr&#252;nden, obwohl ISIS schon welche hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn also Stimmen milit&#228;rische Unterst&#252;tzung zur Unterst&#252;tzung von Rojava gegen den jihadistischen Angriff fordern, von was sprechen sie genau? Entweder ist es leeres Gerede oder es kann nur bedeuten, mehr westliche Luftangriffe zu verlangen. Wie und wo? Bomben und Raketen werden selten auf eine Kolonne von jihadistischen Fahrzeugen in der W&#252;ste fallen und h&#228;ufiger auf ein von den Jihadisten kontrolliertes Quartier mit unvermeidlichem &#8222;Kollateralschaden&#8220;. So etwas wie &lt;i&gt;saubere&lt;/i&gt; chirurgische Bombenangriffe gibt es nicht. Gem&#228;ss dem Pentagon t&#246;teten die Angriffe der Koalition 6000 ISIS-K&#228;mpfer zwischen September 2014 und Januar 2015. Eines Tages werden wir wissen, wie viele kurdische Zivilisten auch starben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Massenmord ist offensichtlich nicht das, was jene wirklich wollen, welche &#8222;Waffen f&#252;r den kurdischen Widerstand&#8220; fordern. Dann ist es leeres Gerede. Eine Haltung. Das ist vielleicht der schlimmste Teil der Geschichte: Die Tatsache, dass ein Bem&#252;hen um Selbstorganisation und Selbstverteidigung, welches echt ist, doch aufgrund von feindlichen Umst&#228;nden nicht &#252;ber sich selbst hinausgehen kann, in Europa und Nordamerika als Vorwand dienen sollte f&#252;r Mobilisierungen und Parolen, von denen niemand ernsthaft erwartet, dass danach gehandelt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abgesehen davon &#252;bersehen M&#246;chtegern-Realisten einen bedeutenden Faktor. Sicher, eine milit&#228;rische Niederlage verdammt eine Revolution zum Scheitern: Die Pariser Kommune wurde von der b&#252;rgerlichen Armee zerschlagen. Doch der Sieg in einem Krieg ist keine L&#246;sung f&#252;r ein ungel&#246;stes gesellschaftliches R&#228;tsel: Der bolschewistische Sieg im B&#252;rgerkrieg war die Grundlage f&#252;r die Herrschaft einer neuen Ausbeuterklasse. Nehmen wir an, die ISIS-Truppen w&#252;rden durch die Bomben und Raketen von den USA, Frankreich, Grossbritannien, Jordanien usw. unsch&#228;dlich gemacht und nehmen wir an, der nicht funktionierende syrische Staat w&#252;rde Rojava &#252;berleben lassen, welche Revolution k&#246;nnte revolution&#228;r bleiben, wenn sie von der Unterst&#252;tzung von Imperialisten und Diktatoren abh&#228;ngt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Radikalismus des Mainstreams&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht erstaunt &#252;ber die Position von gewissen libert&#228;ren Gruppen, welche schon immer nationale Befreiung unterst&#252;tzt haben. Was uns st&#246;rt, ist das oft sehr unkritische Verhalten von einem breiteren Kreis von anarchistischen Genossen, Besetzern, Feministinnen, libert&#228;ren Kommunisten, sogar Freunden, welche wir als kritischer gekannt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Szene ist f&#228;hig, pers&#246;nliche Energie und Initiative zu mobilisieren, doch das, was man ihren &#8222;Radikalismus des Mainstreams&#8220; nennen k&#246;nnte, hat etwas mental r&#252;ckgratloses. Negativ k&#246;nnte er charakterisiert werden durch die Ablehnung von Institutionen und Vermittlungen, welche Hindernisse auf dem Weg der Emanzipation darstellen: Staaten, Parteien, Gewerkschaften, Parlamente, B&#252;rokratie, sowie eine &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; zwischen Kapitalismus und Kommunismus, sogar &lt;i&gt;Klasse&lt;/i&gt; insofern, als dass Klassen sich in einem endlosen Klassenkampf perpetuieren. Positiv ist er auf Erm&#228;chtigung, Selbstorganisation, direkte Demokratie und eine alle Formen der Herrschaft, besonders Geschlechterrollen betreffende Revolution des allt&#228;glichen Lebens fokussiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus resultiert, dass das vollst&#228;ndig gerechtfertigte Misstrauen gegen&#252;ber brandneuen Welten sich in eine Tendenz zum Glauben verwandelt, Morgen sei Heute, unter der Annahme, die Leute seien schon hier und jetzt daran, ihre Leben zu &#228;ndern, und dabei, sich selbst zu regieren. Gleichzeitig verwandelt sich das Misstrauen gegen&#252;ber einer Politik von oben in eine Suche nach konkreten Massnahmen von unten, sogar in kleinem Umfang, solange sie die Leute bef&#228;higen, gesellschaftliche Verbindungen wieder aufzubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ziemliche viele Texte &#252;ber Kurdistan betrachten Rojava nur vom Standpunkt lokaler Errungenschaften aus, bez&#252;glich dem, was Leute in Rojava geschafft haben, auf der Strasse, in der Gemeindeschule, der Quartierklinik oder im von Baher erw&#228;hnten kleinen Park zu unternehmen (was alles notwendige Bestandteile einer sozialen Revolution sind), ohne sich gross um die F&#252;hrung der PKK und der PYD zu k&#252;mmern, weil f&#252;r derartige Analysten lokale Errungenschaften mehr z&#228;hlen als politische Anf&#252;hrer und somit die Politik von Rojava bestimmen. Ihre Priorit&#228;t ist die Dynamik von unten nach oben, doch sie interpretieren Rojava implizit dahingehend, als ob jene unten &#252;ber jene oben &lt;i&gt;bestimmen&lt;/i&gt;. Was w&#252;rden wir von Italien 1977 verstehen, wenn die Ereignisse nur vom Blickwinkel der Generalversammlungen, der Basisdemokratie, den Ausschreitungen und den revolution&#228;ren Aussagen betrachtet w&#252;rden, ohne die Gewerkschaften, die KP, politische Verhandlungen und Staatskr&#228;fte in Betracht zu ziehen? Rojava ist gegenw&#228;rtig ein Versuch, einen Staat aufzubauen: Radikale missdeuten es als den Aufbau einer Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In vergangenen Tagen waren der Marxismus und der Linksradikalismus auf Produktion und Arbeit fokussiert: &#220;bernahme der Fabriken, Verwaltung der Wirtschaft usw. Heutzutage wird die Revolution mehr und mehr als Verhaltensangelegenheit konzipiert: Selbstbest&#228;tigung, Selbstorganisation, Betonung auf Geschlechterrollen, &#214;kologie, Kulturvielfalt, Wiederherstellung von Verbindungen, Treffen, Debatten...Revolution wird in &lt;i&gt;gesellschaftlichen&lt;/i&gt;, statt in &lt;i&gt;sozialen&lt;/i&gt; Begriffen gedacht: Das Wort ist ausgeweitet worden, seine Bedeutung eingeengt. Das &lt;i&gt;Gesellschaftliche&lt;/i&gt; ist mit dem Schwund der radikalen Hoffnungen zur Mode geworden. Das Gesellschaftliche bedeutet die Unf&#228;higkeit, soziale Strukturen zu ver&#228;ndern. Soziale Ver&#228;nderung beendet die M&#228;nnerherrschaft: Gesellschaftliche Ver&#228;nderung ist Geschlechtergleichheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Welche Staatskritik?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sich Radikale bez&#252;glich der nationalen Befreiung an der Tatsache st&#246;ren, dass sie den Aufbau eines Nationalstaats zum Ziel hat, st&#246;ren sie sich nicht l&#228;nger daran, wenn sie behauptet nicht- oder anti-staatlich zu sein und ausreichend diesen Anschein hat. Dann gibt es f&#252;r die Radikalen nur noch in Erw&#228;gung zu ziehen, dass die Nation &#8211; solange sie staatenlos bleibt &#8211; schlussendlich nichts anderes ist als das Volk, und wer k&#246;nnte schon gegen das Volk sein? Das Volk, das sind wir, alle von uns minus 1%, das Volk ist 99%.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist libert&#228;res Denken alles andere als scharfsinnig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vollst&#228;ndiger Widerstand gegen den Staat ist einer der Grundlagen der Anarchie und ihr ausserordentlich wertvoller Verdienst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Haken an der Sache ist, dass bedingungslose Feindschaft gegen&#252;ber dem Staat kompatibel ist mit einer nicht-revolution&#228;ren Perspektive, z.B. mit der Vorstellung einer m&#246;glichen breiten evolution&#228;ren Ver&#228;nderung. Von den drei anarchistischen Hauptfiguren des 19. Jahrhunderts, Proudhon, Kropotkin und Bakunin, war nur letzterer stets klar bez&#252;glich der Notwendigkeit eines Moments des Bruchs mit dem historischen Kontinuum, eines destruktiven/konstruktiven Bruchs mit der Vergangenheit. Proudhon war der Revolution durchweg feindlich gesinnt. Kropotkin gelang 1899 zur Ansicht, dass &#8222;der Widerstand der herrschenden Klassen gegen diese Bewegung kaum durch die gleiche sinnlose Halsstarrigkeit sich auszeichnen wird, welche die Revolutionen vergangener Zeiten so gewaltt&#228;tig gestaltete&#8220;. Seine sp&#228;teren Ansichten waren diesbez&#252;glich ziemlich ambivalent. Obwohl er eine &#8222;revolution&#228;re Periode&#8220; erw&#228;hnte, ist es in seinen Schriften unklar, ob die &#8222;konstruktiven T&#228;tigkeiten der gegenseitigen Hilfe&#8220; innerhalb des Kapitalismus zunehmen und eine kritische Masse erreichen k&#246;nnen, was sie bef&#228;higen w&#252;rde, das kapitalistische System quasi auf nat&#252;rliche Art und Weise durch ein kommunistisches zu ersetzen &#8211; oder nicht. (Es ist &#252;berfl&#252;ssig, zu erw&#228;hnen, dass das marxistische Denken eine &#228;hnliche These entwickelt hat, gem&#228;ss welcher sich der Kapitalismus immer mehr vergesellschaftet bis hin zu einem Punkt wo er sich unvermeidbar in Sozialismus verwandelt.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schrittweise progressive Ans&#228;tze sind nicht unvereinbar mit dem Anarchismus. Es ist also nicht unangemessen, dass sich ein Gradualist wie Graeber &#8222;Anarchist&#8220; nennt. F&#252;r ihn k&#246;nnen sich grenz&#252;berschreitende Gemeinschaften so weit entwickeln, dass Grenzen sinnlos werden, und eine &#8222;schrittweise Aufl&#246;sung des b&#252;rokratischen Nationalstaates&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Graeber, &#8222;Warum ignoriert die Welt die revolution&#228;ren Kurden in Syrien?&#8220;.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verursachen. Das wichtigste Wort hier ist &lt;i&gt;b&#252;rokratisch&lt;/i&gt;: Wenn irgendwas (Arbeit, Geld, Krieg, Gesch&#228;ft...) &lt;i&gt;demokratisch&lt;/i&gt; organisiert ist, ver&#228;ndert sich dessen Wesen komplett.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Schw&#228;che des Anarchismus ist, dass er den Staat v.a. als Zwangsinstrument betrachtet &#8211; was er gewiss ist &#8211; ohne zu fragen, weshalb und wie er diese Rolle spielt. Ein Staat ist ein administrativer und Sicherheit garantierender Apparat, welcher die Koh&#228;sion unterschiedlicher Interessen aufrechterh&#228;lt. F&#252;r Anarchisten wird der Staat jedoch in erster Linie mit auferlegter vertikaler Autorit&#228;t identifiziert. Wenn diese sichtbaren Formen des Zwangs schwinden, gen&#252;gt das f&#252;r einige Anarchisten (bei weitem nicht f&#252;r alle von ihnen), um zum Schluss zu kommen, dass das Ende des Staates gekommen ist oder bald kommen wird. Eine echte &#8222;horizontale&#8220; Gemeindepolizeikraft wird beispielsweise nicht mehr als Polizei betrachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Libert&#228;re ist hilflos gegen etwas, das so stark seinem Programm &#228;hnelt: Da er stets gegen den Staat und f&#252;r die Demokratie war, kann er am &lt;i&gt;demokratischen Konf&#246;deralismus&lt;/i&gt; und der &lt;i&gt;gesellschaftlichen Selbstbestimmung&lt;/i&gt; durchaus Gefallen finden. Das anarchistische Ideal besteht in der Tat darin, den Staat durch Tausende von f&#246;derierten Gemeinden und Arbeitskollektiven zu ersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dieser Grundlage wird es f&#252;r einen Internationalisten m&#246;glich, eine nationale Bewegung zu unterst&#252;tzen, wenn sie politische, gesellschaftliche und kulturelle Selbstverwaltung oder die &#8222;Wiederaneignung der Commons&#8220;, im Sprachgebrauch des 21. Jahrhunderts, verwirklicht. Wenn die PKK darauf besteht, dass sie nicht die Macht ergreifen, sondern zu einem System beitragen will, wo die Macht zerstreut ist, damit jeder sie teilt, ist es relativ einfach f&#252;r den Anarchisten, sich mit diesem Anspruch zu identifizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Perspektiven&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Versuch einer demokratischen Revolution in Rojava und die sie begleitenden gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen sind nur aufgrund aussergew&#246;hnlicher Umst&#228;nde m&#246;glich gewesen: der Zusammenbruch des irakischen und syrischen Staates, dazu die jihadistische Invasion, eine t&#246;dliche Bedrohung, welche die Radikalisierung beschleunigte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie die Dinge im Moment liegen, ist eine M&#246;glichkeit, dass ISIS das ganze Gebiet an sich reisst, was die Aufl&#246;sung Rojavas als Protostaat verursachen w&#252;rde: Die kurdische Autonomie w&#252;rde auf Streifen schwindenden Landes, Zonen der Guerilla zur&#252;ckfallen, was ihre Situation in allen L&#228;ndern vor 2003 war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zweite und &lt;i&gt;nun&lt;/i&gt; wahrscheinlichste Option ist, dass Rojava mit westlicher milit&#228;rischer Unterst&#252;tzung die Festung halten kann und die Republik von Rojava mit genug internationaler Patenschaft zur Navigation in den st&#252;rmischen Gew&#228;ssern des krisengesch&#252;ttelten Mittleren Ostens weiterlebt (unter den Herausforderungen die Tatsache, den syrischen B&#252;rgerkrieg auf der anderen Seite der Grenze zu halten: Paradoxerweise k&#246;nnte das Assad-Regime, solange es standh&#228;lt, als widerwilliger und unzuverl&#228;ssiger Verb&#252;ndeter von Rojava agieren, was die Unsicherheit noch vergr&#246;ssert). Solch ein neugeborenes Land w&#228;re nicht unabh&#228;ngiger als der gegenw&#228;rtige, unter westlicher Protektion stehende Mikrostaat im Nordirak: Wie die kurdische Regionalregierung w&#252;rde Rojava nur &#252;berleben, falls es das Spiel der grossen M&#228;chte und des grossen Gesch&#228;fts mitspielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#214;l w&#228;re sowohl ein Vorzug als auch ein Zwang. F&#252;r ein kleines zerbrechliches Land, das geographisch in drei Teile geteilt ist, ist &#214;l- und Mineralienreichtum nutzlos ohne m&#228;chtige K&#228;ufer und Verb&#252;ndete. Zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen gibt es nur einen Flughafen in Cizire, unter der Kontrolle der syrischen Regierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das w&#228;re das schlimmste/beste Szenario. Wie demokratisch Rojava auch immer sein m&#246;chte und sogar trotz grossem Druck der Basis, w&#252;rde die Konsolidierung und Normalisierung des Landes nur beg&#252;nstigen, was mit b&#252;rgerlicher Demokratie kompatibel ist, z.B. alles, was nicht in Konflikt tritt mit dem Kapital, das Arbeit anstellt, Geld zirkulieren l&#228;sst und akkumuliert, Gesch&#228;fte macht mit ausl&#228;ndischem Kapital usw. Russischer &#8222;Sozialismus in einem Land&#8220; war unm&#246;glich: Das gleiche gilt f&#252;r kurdischen &lt;i&gt;demokratischen Konf&#246;deralismus&lt;/i&gt;, was auch immer das bedeuten mag. Jegliche gesellschaftlichen Errungenschaften mit einem subversiven Potenzial werden zu einem Ende kommen. Im besten Fall (was wohl zu viel verlangt ist) gibt es relativ freie Wahlen, wenig Korruption, einen gewissen Respekt f&#252;r die Menschenrechte, lokale Selbstverwaltung f&#252;r &lt;i&gt;lokale&lt;/i&gt; Angelegenheiten, ein besseres Gesundheitssystem als in Nachbarl&#228;ndern, moderat repressive Polizei, eine progressive Bildung, eine freie Presse (solange sie frei von Gottesl&#228;sterung bleibt), einen toleranten Islam und nat&#252;rlich Geschlechtergleichheit, vielleicht mit einer Vizepr&#228;sidentin. Mehr nicht. Wahrscheinlich genug f&#252;r jene, welche an eine Revolution in Rojava glauben und weiterhin daran glauben wollen. Anh&#228;nger lassen sich von der Realit&#228;t nie entmutigen. Wenn ihre Theorie von den Tatsachen widerlegt wird, verwerfen sie die Tatsachen. &#8222;Sei dialektischer!&#8220;, sagen sie, &#8222;achte nicht auf die Gegenwart: Alles, was heute schlimm aussieht, war gestern schlimmer und wird morgen besser werden...&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Perspektive eines Konflikts zwischen selbstorganisierten Gremien und den sie unter dem wachsamen Auge der PKK beaufsichtigenden Apparat betrifft, kommen wir zur&#252;ck zur Frage: &#8222;Wer hat tats&#228;chlich die Z&#252;gel der Macht in der Hand?&#8220; Es gibt keine &#8222;Dualit&#228;t der Macht&#8220; in Kurdistan, keine proletarische Kontrolle von unten, welche mit einer oben stehenden politischen Struktur konkurriert. Die Aufsicht der PKK akzeptiert selbstregierende Kollektive auf Gemeindeebene, welche weiterhin ihre Zust&#228;ndigkeit f&#252;r wichtige Entscheidungen garantieren und nur das allt&#228;gliche Leben selbstverwalten: Die Einbindung der lokalen Bev&#246;lkerung &#228;ndert nichts an den wirklichen Machtverh&#228;ltnissen. In Spanien wurde 1936 der Anfang einer Revolution vom Krieg verschlungen. In Rojava ist Krieg vorherrschend und trotz echten Bem&#252;hungen kurdischer Proletarier, die Angelegenheiten in eigene H&#228;nde zu nehmen, deutet bis anhin nichts auf den Anbruch einer Revolution hin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gilles Dauv&#233; &amp; Tristan Leoni, Februar 2015&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies ist eine betr&#228;chtlich l&#228;ngere Version von &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=324&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kurdistan?&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, ver&#246;ffentlicht auf Franz&#246;sisch auf dem Blog &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;ddt21&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiterf&#252;hrende Literatur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wesentliche Texte:&lt;br class='manualbr' /&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Die-kurdische-Frage-ISIS-USA-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Die &#8218;kurdische Frage&#8216;, ISIS, USA und vieles mehr&#8220;&lt;/a&gt;, 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Becky, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Ausgehend-vom-Zwangsmoment-Kanton&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ausgehend vom Zwangsmoment &#8211; Kanton Cizire, Rojava&#8220;&lt;/a&gt;, Dez. 2014 (urspr&#252;nglich f&#252;r die Zeitschrift &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://sicjournal.org/en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;SIC&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; geschrieben)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch:&lt;br class='manualbr' /&gt;Zafer Onat, &lt;a href=&#034;https://www.servetdusmani.org/rojava-fantasies-and-realities/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rojava: Fantasies &amp; Realities&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Internationalistische kommunistische Tendenz., &lt;a href=&#034;https://www.leftcom.org/en/articles/2014-10-30/in-rojava-people%E2%80%99s-war-is-not-class-war&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;In Rojava: People's War is Not Class War&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Mehrere stimulierende Texte auf der Homepage von &lt;a href=&#034;https://www.autistici.org/tridnivalka/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Tridni Valka&lt;/a&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Internationale kommunistische Partei, &lt;i&gt;Proletarian&lt;/i&gt;, # 11, Winter-Fr&#252;hling 2015.&lt;br class='manualbr' /&gt;Ch. Glass, &lt;a href=&#034;https://www.nybooks.com/articles/archives/2014/nov/06/syria-we-dont-know/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;In the Syria We Don't Know&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;New York Review of Books&lt;/i&gt;, 6. Nov., 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;a href=&#034;https://www.google.ch/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CCYQFjAA&amp;url=https%3A%2F%2Flibcom.org%2Ffiles%2FTroploin-%2520The%2520continuing%2520appeal%2520of%2520religion.pdf&amp;ei=dWdvVYyBDcSssgHEsIvgCg&amp;usg=AFQjCNHxEgeFPQbwoJw48hnKFyQxyNSojw&amp;bvm=bv.94911696,d.bGg&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Continuing Appeal of Religion&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;troploin&lt;/i&gt;, 2006.&lt;br class='manualbr' /&gt;Kropotkin, &lt;i&gt;Memoiren eines Revolution&#228;rs&lt;/i&gt;, Unrast, 2002 [1899], letztes Kapitel. Die letzte &#246;ffentliche Rede von Marx in Amsterdam am 8. September 1872 dr&#252;ckte einen &#228;hnlichen Standpunkt in Bezug auf Grossbritannien und die USA aus.&lt;br class='manualbr' /&gt;Kropotkin, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/referenz/kropotkin/1910/xx/anarchismus.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Anarchism&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, 1910.&lt;br class='manualbr' /&gt;G. Woodcock, I. Avakumovic, &lt;i&gt;Peter Kropotkin. From Prince to Rebel&lt;/i&gt;, Black Rose Books, 1990.&lt;br class='manualbr' /&gt;D. Fromkin, &lt;i&gt;The Peace to End All Peace: The Fall of the Ottoman Empire &amp; the Creation of the Modern Middle East&lt;/i&gt;, Avon Books, 1999.&lt;br class='manualbr' /&gt;BBC News, &lt;a href=&#034;https://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-27838034&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Battle for Iraq &amp; Syria in Maps&#8220;&lt;/a&gt;, Jan. 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verteidiger der Revolution in Rojava:&lt;br class='manualbr' /&gt;D. Graeber, &lt;a href=&#034;https://civaka-azad.org/david-graeber-das-ist-eine-echte-revolution/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;&lt;/a&gt;, 26. Dez. 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Zaher Baher, &lt;a href=&#034;https://www.magazinredaktion.tk/docs/nordsyrien_A4.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Das Experiment Rojava. Erfahrungsbericht aus dem syrisch-kurdischen Autonomiegebiet&#8220;&lt;/a&gt;, August 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Janet Biehl, &lt;a href=&#034;https://www.kurdistan-report.de/index.php/archiv/2015/178/258-ein-bericht-von-einer-revolution&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Bericht von einer Revolution&#8220;&lt;/a&gt;, 16. Dez. 2014 und &lt;a href=&#034;https://kurdischenachrichten.com/2014/12/rojava-modell-arm-an-mitteln-aber-reich-an-geist/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rojava-Modell &#8211; &#8218;Arm an Mitteln, aber reich an Geist&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, Interview, 23. Dez. 2014.&lt;br class='manualbr' /&gt;Sardar Saadi, &lt;a href=&#034;https://roarmag.org/2014/07/rojava-autonomy-syrian-kurds/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rojava Revolution: Building Autonomy in the Middle East&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 2014.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/83&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il Lato cattivo, &#8222;Die &#8222;kurdische Frage&#8220;, ISIS, USA und vieles mehr&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Becky, &#8222;Ausgehend vom Zwangsmoment &#8211; Kanton Cizire, Rojava.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zafer Onat, &#8222;Rojava: Fantasies and Realities&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zaher Baher, &#8222;Das Experiment Rojava. Erfahrungsbericht aus dem syrisch-kurdischen Autonomiegebiet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Becky, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Graeber, &#8222;Das ist eine echte Revolution&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Graeber, &#8222;Warum ignoriert die Welt die revolution&#228;ren Kurden in Syrien?&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Becky - Ausgehend vom Zwangsmoment &#8211; Kanton Cizire, Rojava</title>
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&lt;p&gt;Das Ausbeutungsverh&#228;ltnis enth&#228;lt auf immanente Art und Weise ein direktes Herrschaftsverh&#228;ltnis, ein Verh&#228;ltnis der Unterwerfung, und der gesellschaftlichen und polizeilichen Kontrolle. Doch wenn man das Herrschafts-, das Unterwerfungsverh&#228;ltnis als Totalit&#228;t des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses nimmt, das Teil als das Ganze, verliert man das Ausbeutungs- und Klassenverh&#228;ltnis aus den Augen. Wenn das Zwangsmoment als Ausgangspunkt und als Totalit&#228;t des Verh&#228;ltnisses zwischen dem Individuum und der (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Rojava" rel="tag"&gt;Rojava&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Becky" rel="tag"&gt;Becky&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/rojava.jpg?1689471653' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='97' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Das Ausbeutungsverh&#228;ltnis enth&#228;lt auf immanente Art und Weise ein direktes Herrschaftsverh&#228;ltnis, ein Verh&#228;ltnis der Unterwerfung, und der gesellschaftlichen und polizeilichen Kontrolle. Doch wenn man das Herrschafts-, das Unterwerfungsverh&#228;ltnis als Totalit&#228;t des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses nimmt, das Teil als das Ganze, verliert man das Ausbeutungs- und Klassenverh&#228;ltnis aus den Augen. Wenn das Zwangsmoment als Ausgangspunkt und als Totalit&#228;t des Verh&#228;ltnisses zwischen dem Individuum und der Gesellschaft gesetzt wird, gleitet es ab in den Standpunkt eines isolierten Individuums und der Kritik des allt&#228;glichen Lebens.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Theorie Communiste, The Glass Floor, 2009.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine Revolution des allt&#228;glichen Lebens&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Quer durch die Regierungsbereiche im Kanton Cizire arbeiten Leute, meistens auf einer freiwilligen Basis, um ambitionierte Ver&#228;nderungen der Gesellschaft zu verwirklichen. &#196;rzte wollen ein modernes, kostenloses Gesundheitssystem aufbauen, aber auch, wie sie uns erz&#228;hlten, vergessenes lokales Wissen bez&#252;glich Heilung sammeln und verbreiten und die Lebensbedingungen allgemein ver&#228;ndern. Sie sagten, dass sie ein Leben frei von Trennungen aufbauen m&#246;chten &#8211; zwischen Leuten und auch Leuten und der Natur &#8211; Trennungen, welche verantwortlich sind f&#252;r k&#246;rperliche und psychische Krankheiten. Akademiker wollen die Bildung in Richtung aktueller sozialer Probleme orientieren. Sie sagten, dass ihr Plan ist, Pr&#252;fungen und die Kluften zwischen Lehrern und Studenten und zwischen etablierten Disziplinen abzuschaffen. Die neue Disziplin der &#8222;Jinologie&#8220; (der Wissenschaft der Frauen) konstruiert eine alternative Darstellung von Mythologie, Psychologie, Wissenschaft und Geschichte. Immer und &#252;berall, so sagte man uns, sind die Frauen die zentralen wirtschaftlichen Akteurinnen und jene mit der Verantwortung f&#252;r &#8222;Ethik und &#196;sthetik&#8220;, &#8222;Freiheit und Sch&#246;nheit&#8220;, &#8222;Inhalt und Form&#8220;. Die Revolution m&#246;chte die diesen T&#228;tigkeiten durch das Machtmodell des Staates auferlegten Grenzen &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man wiederholte uns immer wieder, dass die Koexistenz und Koordination verschiedener sich &#252;berschneidender, schon zuvor existierender Identit&#228;ten &#8222;eine Fahne, eine Sprache und eine Nation&#8220; ersetzen soll. Die neue Verwaltung besteht aus Vertretern der kurdischen, arabischen und assyrischen Gemeinschaften, welche gem&#228;ss ihren eigenen Gebr&#228;uchen nominiert werden. Obwohl die Milizen und Sicherheitskr&#228;fte gemischt sind, haben die assyrischen Gruppen ihre eigenen Bataillone. Das allt&#228;gliche Leben hat sich am meisten f&#252;r die Frauen ver&#228;ndert, ihr Leben beschr&#228;nkte sich zuvor auf die eigenen vier W&#228;nde. Obwohl die Strassen immer noch haupts&#228;chlich m&#228;nnliche Zonen sind, haben die Frauen ihre eigenen Bildungsstrukturen und lokalen R&#228;te aufgebaut. Alle gemischten politischen Gremien m&#252;ssen einen Frauenanteil von 40% haben und ein Posten oder dessen Stellvertretung m&#252;ssen weiblich besetzt sein. Frauen sind also sowohl autonom organisiert innerhalb der Revolution als auch ihre archetypischen Subjekte. Die Anschlagbretter in Qamislo zeigen h&#228;ufiger die K&#228;mpferinnen der YPJ als die K&#228;mpfer der YPG. &#8222;Wir werden euch verteidigen&#8220;, kann man lesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mitglieder der YPJ erkl&#228;rten uns die nicht-hierarchische Organisation in den Milizen. Die Befehlshaberinnen werden gew&#228;hlt, sagten sie, doch sie nehmen gleich wie alle anderen an allen Aktivit&#228;ten des Gemeindelebens teil. Doch es ist nicht alles Liebe und Poststrukturalismus. Disziplin ist ebenfalls ein wichtiger Teil der Ethik und &#196;sthetik des allt&#228;glichen Lebens. Jenen Frauen, welche wir w&#228;hrend ihrer Ausbildung zu Sicherheitskr&#228;ften (Asayish) gesehen haben, brachte man bei, in Reihen zu sitzen. Am ersten Tag unserer Reise war es ein bisschen schockierend f&#252;r uns, von einer Reihe von Rekruten in Uniform begr&#252;sst zu werden, welche mit perfekter Steife in einer Reihe standen, w&#228;hrend sie hin- und herbr&#252;llten wie das Armeen eben so tun, pr&#228;zise und sehr laut. Mit Musik untermalte &#220;bungsvideos der YPG laufen auf allen Fernsehern. Sogar auf der Universit&#228;t, wo junge Leute kollektiv leben, geschah das Kochen und Putzen auf unglaublich effiziente Art und Weise: Die Aufgaben werden kollektiv ausgef&#252;hrt und zwischen allen aufgeteilt, die Gleichheit, Horizontalit&#228;t und automatische Disziplin fallen vollst&#228;ndig zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine andere Ambivalenz bez&#252;glich Ethik und &#196;sthetik umgibt die Bedeutung von &#214;calan oder &#8222;Apo&#8220; (sein &#220;bername, welche die Leute gemeinhin auf W&#228;nde schreiben und in ihre Waffen schnitzen) in der PKK. Sein Bild h&#228;ngt in fast jedem Raum an der Wand. Die &#8222;libert&#228;re Wende&#8220; der PKK, mit welcher die PYD verbunden ist, die Verweigerung hierarchischer Strukturen u.a., wurde von ihm initiiert. Es ist interessant zu bemerken, dass diese Wende auf einen Aufenthalt in dieser Region folgte, vor seiner Verhaftung 1999, obwohl die Ideen stets ihm zugeschrieben werden. Die anderen Bilder, welche die W&#228;nde, Anschlagbretter und Pflanzen schm&#252;cken, sind jene der M&#228;rtyrer &#8211; ihre Gesichter vor einem farbigen Hintergrund, welcher auf ihre Organisation hindeutet. Es ist von Bedeutung, dass &#214;calan die einzige lebende Person ist, welcher diese Ehre zuteil wird, zudem ist er ein Anf&#252;hrer, mit dem niemand direkt kommunizieren kann und der de facto keine Macht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Den Staat schw&#228;chen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kern der Revolution, sagten uns viele Leute, ist nicht, eine Regierung durch eine andere zu ersetzen, sondern die Herrschaft des Staates zu beenden. Die Frage ist, so formulierte es der Ko-Pr&#228;sident des kurdischen Nationalkongresses, &#8222;nicht, wie mit der Macht, sondern wie gegen sie zu regieren&#8220;. Die Staatsmacht wird auf verschiedene Art und Weise zerstreut. Die Ausbildung der Leute zu Asayish findet in grossem Rahmen mit dem Bestreben statt, dass alle in ihren Genuss kommen. Es ist Teil eines Versuches, die Zwangsmittel auf alle zu verteilen. Die Selbstverteidigung des Volkes, sagte man uns, ist &#8222;so wichtig, dass sie nicht delegiert werden kann&#8220;. Durch Ausbildung (nicht nur im Waffengebrauch, sondern auch in den Bereichen der Meditation, Ethik, Geschichte Kurdistans, Imperialismus, psychologische Kriegsf&#252;hrung durch Volkskultur und bez&#252;glich der Wichtigkeit von Bildung und Selbstkritik), sagte uns der f&#252;r eine &#220;bung verantwortliche K&#228;mpfer, soll das Ziel erreicht werden, die Asayish schliesslich komplett abzuschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die neue Verwaltung (mit einem Parlament und 22 Ministerien), welche vorerst von verschiedenen politischen Parteien und Organisationen ernannt wird, bis irgendwann Wahlen stattfinden, hat die Verantwortung f&#252;r gewisse staatliche Funktionen &#252;bernommen. Als ISIS im Fr&#252;hling 2012 Rojava erreichte, sahen die Kurden das Blutbad zwischen ISIS und Assad voraus, sahen eine Chance in der Situation, umzingelten die staatlichen Kr&#228;fte in Derik und handelten ihre Abreise aus (ohne ihre Waffen). Nach einer Konsultation mit anderen politischen und gesellschaftlichen Kr&#228;ften in der Region geschah das gleiche &#252;berall in Rojava. Das Assad-Regime ist allerdings nicht komplett verjagt worden. In Qamislo, der gr&#246;ssten Stadt in Cizire, kontrolliert es immer noch ein kleines Gebiet, wo auch der Flughafen liegt. Der alte Staat funktioniert auch parallel zu den neuen Strukturen. Syrische Spit&#228;ler im S&#252;den akzeptieren immer noch einige der sehr Kranken und das Regime zahlt immer noch den Lohn gewisser Staatsangestellter, wie z.B. einiger Lehrer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig wird die neue Verwaltung durch etliche autonome Elemente ausbalanciert. Getrennt davon k&#252;mmern sich R&#228;te auf Gemeinde- (w&#246;chentliche offene Quartierr&#228;te mit ihren eigenen lokalen Verteidigungseinheiten und Unterr&#228;ten, welche sich um die Jugend, Politik, Wirtschaft, &#246;ffentliche Dienste, Bildung und Gesundheit k&#252;mmern), Stadt- und Kantonsebene, welche aus gew&#228;hlten Abgeordneten bestehen, um unmittelbare praktische Probleme, welche sofort gel&#246;st werden k&#246;nnen. Sowohl die Verwaltung als auch die Gemeinden wurden vom TEV-DEM aufgebaut, eine Koalition diverser Organisationen, wie z.B. die PYD, Genossenschaften, Akademien, Frauen- und Jugendorganisation und sympathisierende politische Parteien. Diese Organisationen haben alle ihre eigenen Strukturen der Entscheidungsfindung und manchmal ihre eigenen Bildungsprogramme in ihren &#8222;kulturellen Zentren&#8220;, &#8222;H&#228;usern&#8220; und &#8222;Akademien&#8220;. Daraus resultiert, dass alle politischen Kr&#228;fte komplexe, sich &#252;berschneidende Verbindungen zueinander haben, und dass &#252;berall etliche Versammlungen stattfinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Und Kommunismus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt wenig landwirtschaftliche oder industrielle Produktion in Rojava, trotz flachem und fruchtbarem Boden. Der gr&#246;sste Teil des Landes der syrischen &#8222;Kornkammer&#8220; war Staatseigentum und wurde f&#252;r Getreidemonokulturen oder Erd&#246;lf&#246;rderung gebraucht. Ihre kurdische Bev&#246;lkerung emigrierte h&#228;ufig in s&#252;dliche St&#228;dte, um eine f&#252;r tiefe L&#246;hne arbeitende Klassenfraktion zu formen. Die neue Verwaltung hat das Land &#252;bernommen und Teile davon an selbstorganisierte Genossenschaften verteilt, welche daran arbeiten, Tierzucht auszudehnen und den Anbau zu vergr&#246;ssern und zu diversifizieren. Sie f&#246;rdert immer noch etwas &#214;l, verarbeitet es zu Diesel niedriger Qualit&#228;t, um es im Kanton zu verkaufen und an Genossenschaften und andere Institutionen zu verteilen. Was Genossenschaften produzieren, wird entweder an die Verwaltung oder im Basar unter der Preiskontrolle der Verwaltung verkauft.Die Verwaltung stellt jedem Haushalt eine Brotration zur Verf&#252;gung. Die Schmuggelt&#228;tigkeit ist gewaltig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche diese Ver&#228;nderungen beaufsichtigen, beschreiben sie schlicht und einfach als praktische L&#246;sungen f&#252;r die Probleme der Reproduktion der Bev&#246;lkerung in einem Kontext gezeichnet von Krieg und Embargo. Das ist ein grosser Unterschied zu den Beschreibungen der unmittelbaren praktischen Ver&#228;nderungen in der Haushaltssph&#228;re. Die Frauenmiliz, sagten uns Mitglieder der YPJ, &#8222;er&#246;ffnete einen Raum f&#252;r Befreiung&#8220;: &#8222;Du beteiligst dich auf eine neue Art und Weise am Leben und wenn du mit anderen zusammen bist, realisierst du, dass du ein Machtfaktor bist.&#8220; Und, sagten sie, &#8222;als die Leute uns Seite an Seite mit den M&#228;nnern k&#228;mpfend sahen, akzeptierten sie auch, dass wir gegen m&#228;nnerzentrierte Mentalit&#228;ten k&#228;mpfen&#8220;. Wir haben nicht dar&#252;ber diskutiert, ob die positive Erm&#228;chtigung mit der Notwendigkeit einher ging, Ausbeutungs- und Tauschverh&#228;ltnisse zu zerst&#246;ren. Vielleicht war der Grund daf&#252;r, dass die Leute, mit denen wir gesprochen haben, haupts&#228;chlich den Mittelklassen angeh&#246;rten, obwohl diese Tatsache selbst auch bedeutend ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewissermassen ist Widerstand gegen den Staat gleichbedeutend mit Widerstand gegen das Kapital auf der Ebene seiner globalen Macht. Die neue Verwaltung widersetzt sich der NATO, nach eigenen Angaben, auf zwei Arten: einerseits gegen ISIS, von der T&#252;rkei unterst&#252;tzt, andererseits gegen amerikanisches und internationales Kapital (eine Kategorie, in welche auch die kurdische Regionalregierung im Irak &#8211; wo zwei Herrscherfamilien nun auf der einen Seite der Autobahnen Fl&#252;chtlingslager und auf der anderen Einkaufszentren bauen &#8211; f&#228;llt). Sie haben keine Illusionen &#252;ber die Beweggr&#252;nde ihrer milit&#228;rischen Unterst&#252;tzer: &#8222;Jeder, die USA eingeschlossen, stellt es nun so dar, als ob wir auf ihrer Seite w&#228;ren&#8220;, am&#252;sieren sich Mitglieder des TEV-DEM. Doch es gibt keinen Widerstand gegen die anhaltende Existenz des Werts in seiner allt&#228;glichen Form. Jene, welche die &#252;berm&#228;ssig enthusiastischen Behauptungen von westlichen Aktivisten &#252;ber die revolution&#228;re Natur der Vorg&#228;nge in Rojava entlarven, haben recht, sie stattdessen als den Aufbau eines Schutzschildes gegen den gegenw&#228;rtigen Krieg und die brutalste Unterdr&#252;ckung zu beschreiben, mit Hilfe einer Armee als auch einer neuen Ideologie, welche die nationale Befreiung ersetzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il lato cattivo, Die &#034;kurdische Frage&#034;, ISIS, USA und vieles mehr, 2014&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation hat auch etwas gemeinsam mit der traurigen Entwicklung von K&#228;mpfen weltweit in den letzten paar Jahren. Der Staat, nunmehr ein Agent des globalen Kapitals, wird als Schuldiger von sowohl aus Mittelklassen als auch dem Proletariat bestehenden Bewegungen betrachtet. Derweil wird die Nation als die ihm entgegenzustellende Kraft gesehen. K&#228;mpfe stellen sich geschlossen hinter die Ideologie der Nationalit&#228;t (und den Rassen- und Genderhierarchien, welche diese voraussetzt). Die stattfindende Ver&#228;nderung in Rojava basiert bis zu einem gewissen Ausmass auf einer radikalen kurdischen Identit&#228;t und auf einem betr&#228;chtlichen Anteil der Mittelklassen, welche, trotz ihrer radikalen Rhetorik, immer ein gewisses Interesse an der Kontinuit&#228;t von Kapital und Staat haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig hat sie jedoch auch etwas mit den H&#246;hepunkten der Krisenk&#228;mpfe gemeinsam: ihre Ausschreitungen. Gewissermassen sind die in Rojava eingesetzten Strategien ein Produkt der Analyse des Scheiterns von Ausschreitungen: Ein Aufstand der Kurden, welcher 2004, nur einige Monate nach der Entstehung der PYD, politische Freiheit vom syrischen Staat forderte, f&#252;hrte nicht nur zu unmittelbarer Folter, Mord und Einsperrung, sondern auch zu einer langen Phase brutaler Unterdr&#252;ckung. &#8222;Wir entschieden&#8220;, erinnerten sie sich, &#8222;die gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was stattfindet, ist nicht die Kommunisierung. Doch es ist eine wirkliche Bewegung gegen die staatliche Pl&#252;nderung und den staatlichen Zwang, welche milit&#228;risch an ihren Grenzen k&#228;mpft und im Innern durch die Streuung der Macht innerhalb derselben. Die Grenzen der K&#228;mpfe in Rojava sind in diesem Sinne die gleichen, wie die der K&#228;mpfe &#252;berall, wo das Verh&#228;ltnis zwischen Arbeitskraft und Kapital zu einer Angelegenheit der Repression geworden ist, und von K&#228;mpfen, f&#252;r welche diese Repression den Ausgangspunkt darstellt. Es ist ein weiterer Kampf, der weit entfernt von den Hochburgen der Reproduktion des Kapitals stattfindet und nicht zum Ziel hat, die Ausbeutungsverh&#228;ltnisse zu st&#252;rzen. Was interessant sein wird in Rojava, gegenw&#228;rtig weitgehend abgeschnitten von der Macht des globalen Kapitals, sind die kommenden K&#228;mpfe in Verbindung mit Ausbeutungsverh&#228;ltnissen &#8211; Landverteilung, Zuweisung zu verschiedenen Arten von Arbeit, Preise und L&#246;hne, Importe und Exporte. Welche Ver&#228;nderungen der Eigentums- und Produktionsverh&#228;ltnisse werden die Frauen fordern, wenn sie aus ihrem Einsatz in den Milizen zur&#252;ckkommen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Becky&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://sicjournal.org/starting-from-the-moment-of-coercion/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Theorie Communiste, &lt;a href=&#034;http://libcom.org/library/glass-floor-theorie-communiste&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The Glass Floor&lt;/a&gt;, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;http://www.kommunisierung.net/Die-kurdische-Frage-ISIS-USA-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Die &#034;kurdische Frage&#034;, ISIS, USA und vieles mehr&lt;/a&gt;, 2014&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Il lato cattivo - Die &#8222;kurdische Frage&#8220;, ISIS, USA und vieles mehr</title>
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&lt;p&gt;Der folgende Text wurde urspr&#252;nglich f&#252;r ein &#246;ffentliches Treffen mit Daniele Pepino, Autor von &#034;Kurdistan. In the Eye of the Cyclone&#034; (in Nunatak Nr. 35, Sommer 2014), geschrieben, welches Anfang September 2014 in Bologna stattfand. Da wir am Treffen nicht teilnehmen konnten, ver&#228;nderten wir schliesslich den urspr&#252;nglichen Entwurf; das Resultat davon kann entweder als Reihe knapper Anmerkungen zu diesem Artikel oder als allein stehender Text gelesen werden. &lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Kurdistan. In the Eye of the (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/copertina_immagine_.jpg?1689521800' class='spip_logo spip_logo_right' width='106' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der folgende Text wurde urspr&#252;nglich f&#252;r ein &#246;ffentliches Treffen mit Daniele Pepino, Autor von &#034;Kurdistan. In the Eye of the Cyclone&#034; (in &lt;i&gt;Nunatak&lt;/i&gt; Nr. 35, Sommer 2014), geschrieben, welches Anfang September 2014 in Bologna stattfand. Da wir am Treffen nicht teilnehmen konnten, ver&#228;nderten wir schliesslich den urspr&#252;nglichen Entwurf; das Resultat davon kann entweder als Reihe knapper Anmerkungen zu diesem Artikel oder als allein stehender Text gelesen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Kurdistan. In the Eye of the Cyclone&#034; gibt ein klares Bild der handelnden politischen Kr&#228;fte in der kurdischen Region; doch der Artikel wirft eine Reihe von Fragen auf, auf welche wir eingehen m&#246;chten. Der Autor geht weit &#252;ber eine W&#252;rdigung der Intervention der PKK-Milizen zur Unterst&#252;tzung der vom IS bedrohten Jesiden im Nordirak hinaus, es ist eine wahrhaftige Lobrede auf diese Organisation und ihre angebliche &#8222;libert&#228;re&#8220; Wende (der sogenannte demokratische Konf&#246;deralismus). Zudem stellt die Abwesenheit jeglicher Analyse der gesellschaftlichen Kr&#228;fte und Klassen, wovon die diversen Organisationen ein Ausdruck sind, ihr Wirken als Produkt simpler subjektiver Entscheidungen unbestimmter Individuen dar. Und schliesslich werden einige Fragen, von der Finanzierung der PKK bis zum Netzwerk von B&#252;ndnissen, welches in eine Definition des Nahen Ostens zumindest eingehen muss, zu nachl&#228;ssig behandelt. Nat&#252;rlich m&#252;sste man mehrere B&#252;cher schreiben, um all diese Punkte eingehend abzuhandeln; die folgenden Notizen bleiben somit im Stadium eines Entwurfs. Auf diese Art und Weise k&#246;nnen wir jedoch sowohl die j&#252;ngste Entwicklung der &#8222;kurdischen Frage&#8220;, als auch die einmal mehr auftretenden Konflikte im Nahen Osten aus einem anderen Blickwinkel beleuchten. Wenn das irgendeinen Nutzen f&#252;r uns oder f&#252;r andere haben soll, so liegt dieser in der Tatsache, nicht die Frage der &lt;i&gt;Autonomie&lt;/i&gt; (was immer das bedeuten mag), sondern jene des &lt;i&gt;Kommunismus&lt;/i&gt; zu stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die kurdische Frage: ein historischer Exkurs&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Aufkommen einer spezifisch &#8222;kurdischen Frage&#8220; gegen Ende des Ersten Weltkrieges ist Teil des chaotischen Prozesses der Formation von Nationalstaaten im Nahen und Mittleren Osten. Die Formation eines modernen Nationalstaates bedingt &#252;berall, dass die Grenzen eines administrativen Staates mit jenen einer &lt;i&gt;einzigen&lt;/i&gt; nationalen Bev&#246;lkerung zusammenfallen. Multinationale Staaten sind in der Regel problematisch oder Ausnahmef&#228;lle. Der Nationalstaat, d.h. der Staat des Kapitals, ist mononational, denn in der Beziehung zwischen dem Individuum und dem Staat kann Loyalit&#228;t zu intermedi&#228;ren Gemeinschaften nicht toleriert werden &#8211; Staat und Nation m&#252;ssen zusammenfallen. Dieser Prozess ist nichts &#8222;Nat&#252;rliches&#8220;, es ist ein Prozess der Homogenisierung, der jegliche Art der &lt;i&gt;Bastelei&lt;/i&gt; enth&#228;lt und sich sowohl Formen weicher Assimilation als auch die brutalste ethnische S&#228;uberung zunutze machen kann. Es ist wahr, dass das Bev&#246;lkerungs&lt;i&gt;puzzle&lt;/i&gt; in Westeuropa ein weniger grosses Hindernis war als im Balkan oder im Mittleren Osten, der Grund daf&#252;r liegt weniger in einer gr&#246;sseren oder kleineren Komplexit&#228;t oder Unl&#246;sbarkeit des Puzzles selbst, sondern eher in der Tatsache, dass die Formation von Nationalstaaten unter dem Impuls einer endogenen kapitalistischen Entwicklung realisiert und durch eine pr&#228;zise Sequenz von vorhergehenden Produktionsweisen m&#246;glich gemacht wurde, w&#228;hrend sie im Balkan und im Mittleren Osten aus einer Entwicklung des Kapitalismus woanders und den daraus entstandenen interkapitalistischen Rivalit&#228;ten erfolgte. Die Fragmentierung des Osmanischen Reichs, oder eher seine Aufteilung zwischen den Siegerm&#228;chten Grossbritannien und Frankreich, f&#252;hrte einerseits zur Gr&#252;ndung von Irak und Syrien unter den jeweiligen Mandaten und andererseits zu jener der T&#252;rkei durch den Aufstieg der nationalistischen Bewegung von Mustafa Kemal (Atat&#252;rk). Letzterer war sofort mit dem multinationalen Charakter des zuk&#252;nftigen t&#252;rkischen Staates konfrontiert (T&#252;rken, Kurden, Griechen Anatoliens), obwohl die Situation schon durch die Ausl&#246;schung der Armenier 1915-16 durch die Jungt&#252;rken (1.2 Mio. Tote) &#8222;vereinfacht&#8220; worden war. Was die Kurden betrifft, garantierte der Vertrag von S&#232;vres (10. August 1920) die M&#246;glichkeit, ein kleines unabh&#228;ngiges Kurdistan zu erschaffen, unter der Bedingung, dass dies dem kollektiven Willen des kurdischen Volkes entspricht und dass in gewissen ostanatolischen Provinzen auch ein armenischer Staat entsteht. Diese Bedingungen wurden von Stammesf&#252;hrern und Scheichen (Landeigent&#252;mern) abgelehnt, weil das Territorium des vorgeschlagenen kurdischen Staates im Vergleich zu den tats&#228;chlich von Kurden bev&#246;lkerten Regionen klein war und durch die Entstehung eines armenischen Staates noch kleiner geworden w&#228;re. Ein embryonaler kurdischer Nationalismus versuchte daraufhin, sich den Kemalisten anzuschliessen, doch nach deren Konsolidierung war ihre Antwort die Niederschlagung der kurdischen Abweichung zusammen mit dem marxistischen Element in Ko&#231;giri (1921) und schliesslich die Auferlegung einer Revision des drei Jahre zuvor abgeschlossenen Abkommens von S&#232;vres durch den Vertrag von Lausanne (1923), welcher die Grenzen der heutigen T&#252;rkei festlegte und dadurch auch S&#252;dkurdistan dem britischen Mandatsgebiet &#252;berliess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte der kurdischen Bewegung besteht aus zwei bedeutenden Perioden: Die erste, von 1919 bis 1990, mit einem scharfen Bruch 1946 (Republik von Mahabad), ist die nationalistische Periode an und f&#252;r sich; die zweite, von 1990 bis heute, ist jene, welche wir nach Hamit Bozarslan die &#8222;Krise des Nationalismus&#8220; nennen wollen. Wenn auch weniger ausgepr&#228;gt als im Rest des Mittleren Ostens, so folgen diese historischen Wenden doch der Abfolge innerhalb des kurdischen Siedlungsraums von drei verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie in der F&#252;hrungsposition der Gesellschaft: die Landbourgeoisie, das intellektuelle Kleinb&#252;rgertum und die &#214;lbourgeoisie. Die erste Periode &#8211; welche durch die Hegemonie der Landbourgeoisie gepr&#228;gt war &#8211; war durch eine Reihe von heftigen Ausschreitungen charakterisiert. Im iranischen Kurdistan f&#252;hrte die Stammeskonf&#246;deration von Shikak &#8211; welche zuerst von den Kemalisten unterst&#252;tzt dann bek&#228;mpft wurde &#8211; die Erhebungen von 1919 bis 1930 an. Im Irak setzte sich der Scheich Mahmoud Barzandji &#8211; der selbsternannte K&#246;nig von Kurdistan &#8211; als erster an die Spitze der Bewegung, danach folgte die Barzani-Familie. In der T&#252;rkei kam es zu 18 Aufst&#228;nden in weniger als 15 Jahren (1927-1930 in Ararat, 1936-1938 in Dersim). Die syrischen Kurden beteiligten sich an den meisten dieser Revolten. Das letzte wichtige Ereignis dieser Periode war die Ausrufung einer autonomen Republik im Iran am 22. Januar 1946 in einem durch die sowjetische Besatzung eines Teils des Landes ge&#246;ffneten Raum. Die Republik von Mahabad war nicht f&#228;hig, die Gesamtheit der durch Stammeskonflikte gespaltenen iranischen Kurden zu mobilisieren (obwohl viele Kurden aus der T&#252;rkei und dem Irak zu ihrer Verteidigung herbeieilten) und wurde am 15. Dezember 1946 durch die iranische Armee mit der Exekution von Pr&#228;sident Mohammed liquidiert. Die Peschmerga der DPK von Mustafa Barzani, welche aus dem Irak zur Unterst&#252;tzung der Republik herbeieilten, fl&#252;chteten in die UdSSR und blieben dort bis 1958.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Aufst&#228;nde waren &#252;berall dem Vorwurf ausgesetzt, mit ausl&#228;ndischen M&#228;chten einen Komplott zu schmieden, h&#228;ufig &#252;ber Grenzen hinweg, und wurden gemeinsam von den betroffenen L&#228;ndern niedergeschlagen:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Keine davon [die jeweilige entstehende nationale Bourgeoisie in der T&#252;rkei, in Syrien, im Iran und im Irak] hatte die geringsten Skrupel, die dreckige Arbeit vollst&#228;ndig zu erledigen. Die erste davon, welche sich mit heftiger Repression gegen die Kurden profilierte, war die &#8222;progressive&#8220; t&#252;rkische, von Kemal Atat&#252;rk angef&#252;hrte Bourgeoisie, bez&#252;glich welcher die Dritte Internationale vielleicht [sic!] einmal &#252;bertriebene Illusionen hatte. [&#8230;] Durch Befriedungskampagnen, in welchen die t&#252;rkische Regierung (besonders 1925) aktiv von Frankreich unterst&#252;tzt wurde, minderte sie die Kurden zu &#8222;Bergt&#252;rken&#8220; herab und beschr&#228;nkte Kurdistan auf die &#246;stliche Region der T&#252;rkei. Die arabisch-irakische Bourgeoisie, welche die auferlegte Arabisierung der &#246;lreichen Region rund um Kirkuk begonnen hatte und weiterf&#252;hrte, zuerst mit britischer Hilfe (1943-1945), sp&#228;ter mit der ausschliesslich milit&#228;rischen Unterst&#252;tzung der UdSSR (1961-1975), schlug einen weitfl&#228;chigen Guerillakrieg nieder. Die iranische Bourgeoisie, welche, sogar unter dem falschen Revolution&#228;r Dr. Mossadegh, die Existenz einer nationalen kurdischen Frage im Iran nie anerkannte, zeichnete sich nicht nur durch ununterbrochene Repression und in gewissen Regionen durch die Anwendung der &#8222;Endl&#246;sung&#8220; gegen das iranische Kurdistan aus, sondern auch durch aktive Partnerschaft in der Repression gegen die Aufst&#228;nde der t&#252;rkischen Kurden (1930), sowie durch den schmutzigen Zynismus, mit welchem sie, zusammen mit der CIA und Kissinger, die irakischen Kurden 1975 &#8222;unterst&#252;tzte&#8220;. Die syrische Bourgeoisie schliesslich, die progressivste von allen (wie die pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlinge in den Lagern von Damaskus wissen), vertrieb trotz der Abwesenheit einer realen inneren &#8222;kurdischen Gefahr&#8220; 140 000 arme kurdische Bauern von ihrem urspr&#252;nglichen Territorium, um sie mit arabischer Bev&#246;lkerung zu ersetzen, und hat gegen die Kurden routinem&#228;ssig administrative Willk&#252;r, Polizeirazzien, Entlassungen als Vergeltungsmassnahmen und andere Erfindungen des Fortschritts eingesetzt.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan&#8220;, Beilage zu (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Periode von 1946 bis 1958 ist als die &#8222;&#196;ra der Stille&#8220; bekannt. Ausser einigen lokal isolierten Ausschreitungen und dem Wahlerfolg der lokalen DPK (80% der Stimmen) im Iran unter Mossadegh schien die kurdische Bewegung erledigt. Trotzdem reicht die Heftigkeit der Repression als Erkl&#228;rung nicht aus. Vielmehr bedeuteten die 1950er Jahre den Beginn eines massiven Exodus aus l&#228;ndlichen Regionen, besonders in der T&#252;rkei und im irakischen Kurdistan, wo die St&#228;dte von Diyarbakir, Erbil und Sulaymaniyah die Schwelle von 100 000 Einwohnern &#252;berschritten. Durch die Intensivierung von Transportnetzwerken und Bildung im t&#252;rkischen Kurdistan &#8211; ausgel&#246;st durch die Entwicklung der t&#252;rkischen Industrie &#8211; entstand ein v.a. aus Lehrern und Mitgliedern der liberalen Berufe, doch auch aus autodidaktischen Handwerkern bestehendes Kleinb&#252;rgertum. Viele junge Leute aus armen Familien konnten an die Universit&#228;t gehen. Diese kleine gebildete Mittelklasse &#8211; welche in der Westt&#252;rkei, in Istanbul und Ankara, die einzigen Universit&#228;tsst&#228;dte im Land in den 1950er Jahren, ausgebildet worden war &#8211; wird den kurdischen Nationalismus in den 1960er und 1970er Jahren neu beleben &#8211; beginnend mit dem ersten Staatsstreich in der T&#252;rkei 1960 &#8211; und der Bewegung einen ausgepr&#228;gteren nationalen und volksnahen Charakter geben:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Den Patrioten der Linken gelang es, die Massen zu mobilisieren. Ihr Erfolg war abh&#228;ngig von der F&#228;higkeit, &#8222;von gewissen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu profitieren&#8220; und gewisse Ungleichheiten zu betonen (die Unterentwicklung des Ostens, die Unangemessenheit der im F&#252;nfjahresplan bewilligten Unterst&#252;tzungsbeitr&#228;ge). Er war auch verbunden mit ihrer F&#228;higkeit, sich mit jenen Leuten zu verb&#252;nden, welche von der Enteignung von landwirtschaftlichen Fl&#228;chen zum Vorteil der &#214;lindustrie in der Region von Batman betroffen waren. Sie verteidigten auch die Arbeiter und Bauern dieser Region, welche eine Anstellung in der &#214;lgewinnung forderten. Sie wurden zu den Anw&#228;lten der landlosen Bauern und meist l&#228;ndlicher Bev&#246;lkerungen, welche Opfer der Gewalt der Spezialeinheiten der Armee wurden.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#214;zcan Yilmaz, La Formation de la nation kurde en Turquie, PUF, Paris, 2013, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die sogenannte &#8222;Generation von 1949&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der t&#252;rkische Putsch am 12. M&#228;rz 1971 provozierte eine heftige Reaktion, welche auch eine Folge der wirtschaftlichen Situation war. Es waren &#8222;die Jahre der Unregierbarkeit&#8220;, w&#228;hrend welchen eine Reihe von Regierungen bis zum erneuten Milit&#228;rputsch 1980 unf&#228;hig waren, die Situation zu kontrollieren. In dieser Phase entstanden etliche illegale kurdische Organisationen. Ihre gesellschaftliche Zusammensetzung war praktisch gleich wie unmittelbar vor dieser Periode: Studenten und Angeh&#246;rige der freien Berufe. Doch das Durchschnittsalter der Beteiligten war tiefer und die politische Zugeh&#246;rigkeit wendete sich in Richtung Marxismus-Leninismus, der damals unter europ&#228;ischen Intellektuellen sehr in Mode war. Nach der Generalamnestie am 26. April 1974 wurden die nach dem Putsch 1971 f&#252;r politische Delikte verhafteten Kurden befreit und jene, welche ins Ausland geflohen waren, konnten zur&#252;ckkehren. Formationen wie die PSKT (Sozialistische Partei des t&#252;rkischen Kurdistans &#8211; welche ein autonomes Kurdistan innerhalb einer sozialistischen T&#252;rkei zum Ziel hat) und die PKK (Kurdische Arbeiterpartei, separatistisch) entstanden zu diesem Zeitpunkt. Die damals entstandenen kurdischen Organisationen gerieten daraufhin heftig aneinander und keine ausser der PKK und (in geringerem Masse) die PSKT &#252;berlebten den folgenden Staatsstreich 1980.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urspr&#252;nglich war die PKK nicht viel mehr als ein Kult sehr junger Studenten, inspiriert von einem &#228;usserst undeutlichen Marxismus und allen voran von der Pers&#246;nlichkeit Abdullah &#214;calans (von der &#8222;Generation von 1949&#8220;). Der durch den Namen der Organisation implizierte Klassencharakter blieb rein verbal oder auf ein Bestreben beschr&#228;nkt. Eine protoparteiliche Struktur existierte schon 1974, doch die Partei wurde erst 1978 offiziell gegr&#252;ndet. Sie berief sich auf die Befreiung Kurdistans von einem &#8222;vom Imperialismus ausserhalb und von Kompradoren innerhalb unterst&#252;tzten&#8220; t&#252;rkischen Kolonialismus. Traditionelle Anf&#252;hrer und &#8222;feudale&#8220; Kurden (d.h. die Landbourgeoisie) wurden als &#8222;zentrales Hindernis f&#252;r die nationale kurdische Entwicklung&#8220; ausgemacht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Kurdistan Devriminin Yolu, politisches Manifest der Organisation.&#034; id=&#034;nh3-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die PKK folgte dem Muster &#228;hnlich orientierter (marxistisch-leninistischer, guevaristischer, maoistischer usw.) Organisationen, welche, gl&#252;cklicherweise oder auch nicht, bis dahin in Lateinamerika, Asien und Afrika wucherten, es war jedoch ein etwas sp&#228;ter Auftritt, denn sie befanden sich schon im freien Fall, besonders im Nahen und Mittleren Osten: &#8222;Die klare Niederlage der arabischen Armeen gegen Israel ist zweifellos das zentrale Ereignis, welches schliesslich die Reihe von Erfolgen des revolution&#228;ren arabischen Nationalismus unterbrach und jener anti-imperialistischen Einheit ein Ende setzte, deren Avantgarde das Nassersche &#196;gypten [als Staat] nach der Nationalisierung des Suezkanals 1956 war.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Georges Corm, Le Proche-Orient &#233;clat&#233; 1956-2010, Gallimard, Paris 2010.&#034; id=&#034;nh3-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Obwohl dieser R&#252;ckstand mit der Zeit an Bedeutung gewann, war sie nicht von Anfang an offensichtlich. Zu Beginn, 1978, war die Organisation stark genug, um den &#8222;revolution&#228;ren Krieg gegen den Feudalismus&#8220; auszurufen. Zu diesem Zeitpunkt bestanden ihre Aktionen am Anfang aus (versuchten oder erfolgreichen) Morden an Stammesf&#252;hrern, was sie allerdings nicht an einer Teilnahme an Gemeindewahlen hinderte (der erste PKK-Anh&#228;nger wurde 1979 in Batman gew&#228;hlt). Gleichzeitig war der &#8222;revolution&#228;re Krieg&#8220; auch gegen Konkurrenzorganisationen gerichtet: Zusammenst&#246;sse zwischen der PKK und der KUK (Nationale Befreiungsorganisation Kurdistans) in den Regionen Mardin und Hakkari geh&#246;rten mit Dutzenden von Toten zu den blutigsten. Nach dem Putsch 1980 wurde die Mehrheit jener PKK-Mitglieder verhaftet, welche es nicht schafften, die T&#252;rkei zu verlassen (offizielle Quellen sprechen von 1800 Verhaftungen, doch allein im Milit&#228;rgef&#228;ngnis von Diyarbakir befanden sich ungef&#228;hr 5000 Kurden, welche der Mitgliedschaft in der PKK beschuldigt wurden). Dutzende Gefangene sterben w&#228;hrend den Hungerstreiks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Organisation der PKK im Ausland begann eigentlich 1981, doch was den internationalen Kontext betrifft, war 1979 das entscheidende Jahr: &#196;gyptens Sadat anerkannte Israel (Camp David), womit der Bankrott des panarabischen Sozialismus best&#228;tigt wurde; die iranische Revolution, welche in Fabriken und Quartieren begann, brachte Ayatollah Khomeini an die Macht; die Sowjetunion besetzte Afghanistan. In dieser finsteren Landschaft, in welcher die Koh&#228;renz einer anti-imperialistischen Front, welche bis dahin noch eine gewisse Einheit vorgeben konnte, schmolz wie Schnee an der Sonne (vollst&#228;ndig zu Gunsten des Islams), entwickelte sich die kurdische Frage innerhalb der Konflikte jener Staaten, welche sich das kurdische Gebiet teilen; von Spannungen zwischen der T&#252;rkei und Syrien bis zum iranisch-irakischen Krieg. Die Ayatollahs antworteten mit wenig Raffinesse auf die Forderungen nach Autonomie und die anti-islamische Orientierung der iranischen Kurden (45 000 Tote gem&#228;ss einigen Sch&#228;tzungen); was zur Verschmelzung der iranischen DPK&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Iranisch-kurdische politische Organisation (siehe unten).&#034; id=&#034;nh3-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und Komala im Irak f&#252;hrte. Auf der anderen Seite der Grenze akzeptierten die irakischen Kurden &#8211; welche der von Saddam Hussein angeordneten Arabisierung der Region um Kirkuk zur &#8222;Wahrung der arabischen Nation&#8220; ausgeliefert waren &#8211; die Unterst&#252;tzung des Irans. Ab 1988 (die letzten Phasen des iranisch-irakischen Krieges) begann das irakische Regime mit systematischer Vernichtung durch chemische Waffen (180 000 Tote). Die anti-kurdische Verfolgung wurde vom Westen bis zum Ersten Golfkrieg ohne reale Sanktionen verurteilt. An einer anderen Front wurde Hafez al-Assad&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mitglied der religi&#246;sen Gruppe der Alawiten, Parteisekret&#228;r der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit dem Irak, Spannungen mit der T&#252;rkei und der Konsolidierung der alawitischen Hegemonie gegen die Schiiten 1979 dazu gedr&#228;ngt, sich als Besch&#252;tzer der Kurden in der Region zu pr&#228;sentieren. Die in dieser Strategie kooptierte F&#252;hrung der PKK fl&#252;chtete im gleichen Jahr nach Syrien, um der Repression des t&#252;rkischen Staates zu entfliehen. Die Rekrutierung war vom Regime genehmigt und die PKK zeigte sich als n&#252;tzliches Werkzeug zur Kontrolle des syrischen Kurdistans. Im Libanon, wo der B&#252;rgerkrieg gerade begann (1975-1990), erhielt die PKK, nat&#252;rlich dank der Unterst&#252;tzung von Damaskus, St&#252;tzpunkte im Bekaatal, wo sie ihre erste Milit&#228;rakademie gr&#252;ndete. Im Juli 1983 unterzeichnete die irakische DPK ein Abkommen mit der PKK, um die T&#252;rkei zu entmutigen, mit dem Irak zu kooperieren, und erlaubte ihr, Guerillas in der N&#228;he der t&#252;rkischen Grenze zu organisieren. Am 15. August 1984 nahm die PKK durch einen Angriff auf zwei t&#252;rkische Milit&#228;rposten den bewaffneten Kampf auf. Zu dieser Zeit ver&#228;nderte sich die gesellschaftliche Basis der Organisation:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die Guerillakampagne der PKK erregte schnell die Aufmerksamkeit der jungen Kurden, welche k&#252;nftig ihre R&#228;nge f&#252;llen werden. Sie rekrutierte fleissig auf dem Land, doch auch in den kurdischen St&#228;dten und auch kurdische Arbeiter und Jugendliche aus den grossen t&#252;rkischen St&#228;dten, gewissen europ&#228;ischen L&#228;ndern, Syrien und Libyen. Die PKK erlangte dadurch einen vorwiegend l&#228;ndlichen Charakter.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#214;zcan Yilmaz, op. cit., S. 144.&#034; id=&#034;nh3-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich ist es auch interessant, das Interview mit Abdullah &#214;calan von Paul White von 1992 zu analysieren:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#214;calan: Die arbeitenden Leute, die Bauern, das Kleinb&#252;rgertum, die st&#228;dtische Bourgeoisie unterst&#252;tzen die PKK. Die patriotischen Armen und die Mittelklasse unterst&#252;tzen die PKK.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ White: Doch was ist die wesentlichste Gruppe? Sie erw&#228;hnten verschiedene gesellschaftliche Gruppen. Ich denke, die Hauptgruppe, die wesentlichste sind die armen Bauern, richtig?&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ &#214;calan: Gut, ja, sie sind die Hauptunterst&#252;tzer des Kampfes. Besonders im Moment sind es jene, welche den Kampf am st&#228;rksten unterst&#252;tzen. Vor dem 15. August [1984], vor den 1980er Jahren, als alles begann, waren es eher die jungen Leute aus der Stadt, Intellektuelle, die st&#228;dtische Mittelklasse.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paul White, Primitive Rebels or Revolutionary Modernizers? The Kurdish (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;1985 begann die t&#252;rkische Regierung, systematisch die Aufstandsbek&#228;mpfung zu organisieren, zuerst mit der Erschaffung von Dorfmilizen oder bewaffneten St&#228;mmen gegen die PKK. Diese Massnahmen hinderten die PKK nicht daran, von 1987 an in der ganzen Bergregion des t&#252;rkischen Kurdistans zu operieren. 1987 verh&#228;ngte die t&#252;rkische Regierung den Ausnahmezustand in den kurdischen St&#228;dten. Die PKK antwortete im Fr&#252;hling 1989 mit einer Reihe von Aufrufen zu Massenaktionen. Die Antwort der &#8222;Massen&#8220; war wohlwollend: 1989 verwandelte sich die Beerdigung eines Guerillak&#228;mpfers der PKK in Silopi in einen Protest. Einige Monate sp&#228;ter geschah das gleiche in umliegenden St&#228;dten. Im M&#228;rz 1990 f&#252;hrte eine erneute Beerdigung eines Guerillak&#228;mpfers zur Revolte. Es beteiligten sich Tausende an dieser Welle von Unruhen und viele wurden w&#228;hrend den Demonstrationen get&#246;tet. Am 20. M&#228;rz 1990 versammelten sich Zehntausende gegen die Repression der Polizei von Nusayib. Ende 1990 war kein Teil des &#8222;S&#252;dostens&#8220; nicht von den Massendemonstrationen betroffen. 1991 hatte sich die Bewegung auf fast alle kurdischen D&#246;rfer und viele t&#252;rkische St&#228;dte (Ankara, Istanbul, Adana, Izmir, Denizli) ausgebreitet. W&#228;hrend dieser ganzen Periode entstand parallel zu den Ausschreitungen in den Strassen eine eigentliche kurdische Diaspora &#252;berall in Europa; die Hauptdestinationen waren Frankreich, Westdeutschland und Schweden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Guerillas wuchsen also in den 1990er Jahren &#8211; trotz der Repression in der T&#252;rkei und dem erbitterten subnationalen Konflikt zwischen der PKK und den irakischen Kurden (DPK) &#8211; jenseits jeglicher vern&#252;nftiger Erwartungen, die Grundlage davon war die Forderung nach einem unabh&#228;ngigen kurdischen Staat. 1995 entstand ein kurdisches Exilparlament (mit Sitz in Europa) und obwohl das Ziel der Erschaffung einer Lokalregierung nicht erreicht wurde, &#252;bernahm die PKK zunehmend diverse staatliche Funktionen wie die Eintreibung von Steuern oder die Justizverwaltung. In der gleichen Periode kamen auch die &#8222;kurdischen Legalisten&#8220; auf, der Ausdruck einer Mittelklasse (62.5 % haben einen h&#246;heren Schulabschluss), welche zwischen den Guerillas und einem Wunsch nach Dialog mit dem t&#252;rkischen Staat und der &#8222;Zivilgesellschaft&#8220; gespalten war. Die Existenz einer legalistischen Str&#246;mung, deren Einfluss nicht unerheblich war (auch wenn sie nicht direkt mit der Perspektive der Guerilla in Konflikt trat), zusammen mit dem negativen Ausgang der milit&#228;rischen Offensive, welche die Mobilisierung aufrechterhielt, doch nicht zu irgendwelchen bedeutenden &#8222;Siegen&#8220; f&#252;hrte, dr&#228;ngte die PKK dazu, andere Wege zu finden (was weiter unten ausf&#252;hrlicher diskutiert wird). Doch Ende der 1990er Jahre kam die kalte Dusche der Verhaftung von Abdullah &#214;calan. Nach diesem Ereignis war die Periode zwischen 1999 und 2005 relativ ruhig. Die Perspektive einer Integration der T&#252;rkei in die Europ&#228;ische Union versetzte die PKK in eine delikate Position: Sie hatte nat&#252;rlich kein Interesse, den Integrationsprozess zu behindern, aufgrund realer oder vermeintlicher Vorteile, welche die Kurden der T&#252;rkei bez&#252;glich Anerkennung erlangen w&#252;rden. Die PKK rief dann eine unilaterale &#8222;Feuerpause&#8220; aus, welche auch zum Ziel hatte, die Exekution &#214;calans zu verhindern. Die &#8222;lange Waffenruhe&#8220; war eine Phase der Entspannung f&#252;r die kurdische Zivilbev&#246;lkerung, doch auch der Unzufriedenheit f&#252;r viele PKK-K&#228;mpfer und der internen Konflikte innerhalb der Organisation, welche durch Zwang gel&#246;st wurden. Die t&#252;rkische Regierung gab in ihrer milit&#228;rischen Offensive allerdings nicht nach, was langfristig nur zur Wiederaufnahme bewaffneter Aktionen seitens der PKK f&#252;hren konnte. Nach 2005 gab es fast ununterbrochen Zusammenst&#246;sse zwischen der t&#252;rkischen Armee und der PKK. Einige Aktionen der PKK trafen auch Zivilisten (Diyarbakir, 3. Januar 2008: 5 Tote, 68 Verletzte). Der Druck der t&#252;rkischen Regierung auf die USA erlaubten es ihr schliesslich, milit&#228;rische Operationen zur Ausmerzung der PKK-St&#252;tzpunkte in den Kandilbergen im Irak auszuf&#252;hren. Am 1. Dezember 2007 fand der erste Luftangriff statt; am 22. Februar waren die Bodentruppen an der Reihe. Die &#8222;Operation Sonne&#8220; endete mit der T&#246;tung von 240 &#8222;Terroristen&#8220; und auch von 28 t&#252;rkischen Soldaten. Die USA &#228;nderten daraufhin ihre Meinung und zogen ihr Einverst&#228;ndnis zur&#252;ck, was zu den ehrenvollen Erw&#228;hnungen der Schlachten der PKK beitrug. Im Mai 2009 verk&#252;ndete Yasar Buyukanit &#8211; kurz zuvor zur&#252;ckgetretener t&#252;rkischer Stabschef &#8211; den Medien, dass die T&#252;rkei nicht f&#228;hig sein werde, die PKK aus ihren St&#252;tzpunkten im Kandil zu vertreiben, auch wenn die gesamte t&#252;rkische Armee dorthin geschickt werde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis heute bleibt die Bedingung der Bewohner des t&#252;rkischen Kurdistans in den meisten F&#228;llen durch Armut charakterisiert: Ende 1990 versprach der t&#252;rkische Premierminister Ecevit &#8222;heftige Investitionen&#8220;, doch solche Bemerkungen blieben weitgehend leere Worte. Trotz dem wirtschaftlichen Aufstieg der T&#252;rkei bleibt die von Kurden bewohnte Zone die &#228;rmste des Landes: &#8222;Wir m&#252;ssen betonen, dass die Ungleichheit zwischen den kurdischen Regionen der T&#252;rkei und dem Rest des Landes nach wie vor sehr gross ist, obwohl es gewisse Ver&#228;nderungen gegeben hat. Der Konflikt zwischen den Guerillas der PKK und der t&#252;rkischen Armee, welcher die wirtschaftliche Aktivit&#228;t in den l&#228;ndlichen kurdischen Regionen zerst&#246;rte, besonders die Landwirtschaft, hat die Situation zus&#228;tzlich verschlimmert. [&#8230;] Zurzeit liegt der Armutsanteil in der Bev&#246;lkerung des S&#252;dostens (t&#252;rkisches Kurdistan) zwischen 85 und 90% und die Arbeitslosenrate ist viel h&#246;her (18%) als im Rest der T&#252;rkei (11.8%). Im Jahr 2006 flossen nur 8% der staatlichen Zusch&#252;sse zur Stimulierung der Investitionen in die kurdische Region. Im Juni 2010 lagen nur 5% der Firmen des Vereins industrieller und t&#252;rkischer Gesch&#228;ftsleute (TUSIAD), welcher 65% der t&#252;rkischen industriellen Produktion repr&#228;sentiert, in kurdischen Gebieten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#214;zcan Yilmaz, op. cit., S. 178.&#034; id=&#034;nh3-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Innere Migration f&#252;hrte dazu, dass viele Kurden in den grossen Zentren der westlichen T&#252;rkei Arbeit suchen. Obwohl es diesbez&#252;glich keine eindeutigen Daten gibt, darf vermutet werden, dass die L&#246;hne kurdischer Arbeiter in der Regel tiefer sind als jene der t&#252;rkischen Arbeiter. In den letzten Jahren (besonders 2010), v.a. als es zu Zusammenst&#246;ssen zwischen der PKK und der t&#252;rkischen Armee kam, gab es anti-kurdische Pogrome in den grossen St&#228;dten der T&#252;rkei, welche wahrscheinlich &#8211; falls unsere Vermutung stimmt &#8211; einen Zusammenhang haben mit dem durch die Existenz dieser billigen Arbeitskraft ausgel&#246;sten Lohndruck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits der t&#252;rkischen Grenzen, im Iran nach der &#196;ra von Khatami, welcher grosse Hoffnungen (und viele Entt&#228;uschungen) bez&#252;glich eines autonomen Status ausl&#246;ste, hatte die Wahl von Mahmud Ahmadinejad 2005 schon einige Ausschreitungen in mehreren St&#228;dten im iranischen Kurdistan ausgel&#246;st, begleitet von bewaffneten Aktionen der PJAK (Partei f&#252;r ein Freies Leben in Kurdistan, gegr&#252;ndet 2003 von einigen ehemaligen K&#228;mpfern der iranischen DPK). Der im Gedenken an einen 1989 get&#246;teten K&#228;mpfer ausgerufene Generalstreik 2008 wurde in den wichtigsten kurdischen St&#228;dten rege unterst&#252;tzt; 2009 kam es zu massiven Protesten gegen die Wiederwahl Ahmadinejads und 2010 wurden vier kurdische Aktivisten strafrechtlich verfolgt und exekutiert. Die Wahl des moderaten Hassan Rohani 2013 hat den Radikalismus der Ahmadinejad-&#196;ra entsch&#228;rft, sowohl in Bezug auf den der iranischen Wirtschaft besonders abtr&#228;glichen Antiamerikanismus auf geopolitischer Ebene, als auch in Bezug auf die &#8222;eiserne Hand&#8220; gegen&#252;ber der kurdischen Minderheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Syrien markierte die von Hafez al-Assad angeordnete Ausschaffung &#214;calans 1998 das Ende der syrisch-kurdischen Idylle und der Tod eben dieses (&#228;lteren) al-Assad machte es unumkehrbar. Von diesem Zeitpunkt an zeigte sich die Unzufriedenheit und der Wunsch nach &#8222;Demokratisierung&#8220; (wie auch die proamerikanischen Sympathien) der syrischen Kurden w&#228;hrend mehrerer Gelegenheiten bis zu den Ereignissen 2011 und dem Ausbruch des B&#252;rgerkriegs im Jahr danach, w&#228;hrend welchem die kurdische Opposition eine eher passive Rolle spielte (die Gr&#252;nde hierf&#252;r werden wir analysieren). Im Jahr 2004 z.B. f&#252;hrte eine Polizeiintervention w&#228;hrend einem Fussballspiel zwischen Qamischli (die gr&#246;sste kurdische Stadt in Syrien) und Der-ez-Zor aufgrund einem weitgehend verbalen heftigen Streit zwischen arabischen und kurdischen Fans zu sieben Toten und l&#246;ste eine Welle von Ausschreitungen aus, welche die St&#228;dte Qamischli, Afrin, Aleppo und Damaskus betraf; die Aufst&#228;ndischen verbrannten Bilder von Vater und Sohn al-Assad, schwenkten kurdische &lt;i&gt;und amerikanische&lt;/i&gt; Fahnen und br&#252;llten einstimmig: &#8222;Freies Kurdistan&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Irak sind die glorreichen Tage der Guerilla-Autonomie von Mustafa Barzanis DPK weiter weg denn je: &#8222;[&#8230;] der Golfkrieg 1991 ver&#228;nderte die Konfiguration der kurdischen Frage radikal. Er resultierte in der Erschaffung einer Schutzzone, innerhalb welcher die irakischen Kurden selbstverwaltete Institutionen aufbauen konnten. [&#8230;] Schliesslich f&#252;hrte der Irakkrieg 2003, welcher Saddam Hussein entthronte, zu einer Neuzusammensetzung des Iraks und der Region und best&#228;tigte die irakischen Kurden in ihrer Rolle als strategische B&#252;ndnispartner der USA. Die irakischen Kurden schafften es, auf die Kurden in der T&#252;rkei, in Syrien und im Iran Einfluss zu gewinnen. Die Erfahrung der irakischen Kurden beeinflusste auch die t&#252;rkischen Beh&#246;rden, welche die neue politische und wirtschaftliche Position der irakischen Kurden in Bezug auf ihre Grenze nicht l&#228;nger ignorieren k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sabri Cigerli und Didier Le Saout, &#214;calan et le PKK, Maisonneuve Larose, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Nachdem der Krieg 1991 vorbei war, erlaubte der Kontrollverlust der irakischen Regierung &#252;ber ihr Territorium der PKK sowohl Nachschub an Waffen und Munition, als auch einen grossen Handlungsspielraum im Irak. Doch der gegenw&#228;rtige Aufstieg der DPK von Masud Barzani (ein Verb&#252;ndeter von Ankara und der USA) und mit ihm jener der von den &#214;leinnahmen abh&#228;ngigen Bourgeoisie hat das Leben f&#252;r die PKK sehr schwierig gemacht; nicht nur wegen dem dadurch ausgel&#246;sten innerkurdischen Konflikt, sondern auch durch das regelm&#228;ssige Wiederaufkommen einer &#8222;liquidationistischen&#8220; Fraktion innerhalb der PKK (wir werden darauf zur&#252;ckkommen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So viel zur Vergangenheit. Gegenw&#228;rtig ist die kurdische Frage zur&#252;ck auf den Titelseiten der Zeitungen, besonders seit der infame Islamische Staat (IS) begonnen hat, an Boden zu gewinnen. Die internationale Presse feierte die rettende Intervention der &#8222;Kurden&#8220; zu Gunsten der Jesiden im Nordirak. Die Tatsache, dass die Presse nicht erw&#228;hnte, dass diese Kurden die sogenannten &#8222;Terroristen&#8220; der PKK oder der PYD waren und nicht die Peschmerga von Masud Barzanis DPK, welche stattdessen davon rannten, &#228;ndert nichts an der Ordnung des Diskurses, jene eines banalen Anti-IS-Frontismus. K&#246;nnen wir diesen Diskurs als unseren eigenen betrachten? Die Antwort lautet nein. Schauen wir uns an weshalb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Restrukturierung des Kapitals und die Entnationalisierung des Staates&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann weder die gegenw&#228;rtige Wende der kurdischen Frage, noch die Entwicklung ihrer politischen Ausdr&#252;cke &#8211; allen voran der PKK &#8211; verstehen, ohne sich mit dem Ende des goldenen Zeitalters eines sozialistischen oder &#8222;progressiven&#8220; &#8222;Nationalismus von unten&#8220; in der Peripherie und Semi-Peripherie des kapitalistischen Systems und seinen Ursachen zu befassen. Eine solche soziopolitische Perspektive fand ihren Daseinszweck in der Struktur des kapitalistischen Weltsystems zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Krise 1973. Die Grundlage davon war die Trennung zwischen &#8222;Zentrum&#8220; und &#8222;Peripherie&#8220; &#8211; und besonders &lt;i&gt;die rigide, auf einer nationalen Ebene auferlegte Beziehung zwischen ersterem und letzterer&lt;/i&gt; &#8211; diese Struktur wies ersterem die Ehre und die Last zu, die Akkumulation durch intensive industrielle Entwicklung voranzutreiben, und letzterer die untergeordnete Rolle als Lieferanten billiger Rohstoffe. Der &#8222;sozialistische Block&#8220; mit all seinen inneren Konflikten (UdSSR vs. China usw.) war eine geschlossene Zone der Akkumulation, vom Weltmarkt ausgeschlossen und als Anziehungspunkt f&#252;r alle Versuche der Peripherien dienend, sich von der ihnen zugewiesenen Rolle &#8222;abzukoppeln&#8220; (Samir Amin). Die Diversifikation auf der Ebene der gesellschaftlichen Formation erlangte ihren Sinn &#8211; wie es in jeder &#196;ra der kapitalistischen Produktionsweise geschieht &#8211; einzig und allein in den gegenseitigen Beziehungen innerhalb der internationalen Arbeitsteilung (der &#8222;Weltwirtschaft&#8220;), deren allgemeine Konsistenz die M&#246;glichkeit eines inneren Konflikts nicht verhinderte: &#8222;Die Koexistenz dieser Varianten wurde durch das internationale Geldsystem m&#246;glich gemacht, was den nationalen Regulationsmodellen eine gewisse Unabh&#228;ngigkeit liess. Tats&#228;chlich erlaubten der nach wie vor geringe Anteil des Aussenhandels am BIP, der niedere Grad finanzieller Integration aufgrund der Kontrolle internationaler Kapitalbewegungen und die F&#228;higkeit zur Entwertung in einem System fixer, aber regulierbarer Wechselkurse einen gewissen Grad an Freiheit bez&#252;glich der Wirtschaftspolitik.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michel Aglietta, Nachwort zu R&#233;gulation et crises du capitalisme, Odile (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Sowohl in den kapitalistischen Zentren als auch, obwohl auf eine umgekehrte und symmetrische Art und Weise, in den Peripherien &#8222;hatte die Entfaltung der vermittelnden Institutionen somit eine nationale F&#228;rbung und erlaubte ihnen die Entwicklung nationaler Anpassungen des fordistischen Wachstumsregimes [oder Unterentwicklung]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh3-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise der 1970er Jahre, welche mit dem ersten &#214;lschock begann, war gleichbedeutend mit der Krise dieser Struktur; mit der relativen Entindustrialisierung Europas und der USA, dem Ende des &#8222;sozialistischen Blockes&#8220; und dem Zerfall der Dritten Welt in &#8222;Abgetauchte&#8220; (Vierte und F&#252;nfte Welt) und &#8222;Gerettete&#8220; (die aufkommenden M&#228;rkte: Brasilien, China, Indien, T&#252;rkei usw.) erneuerte sich ihre Konfiguration, ohne dass die Polarisierung Zentrum/Peripherie (oder die sogenannte ungleiche Entwicklung) abgeschafft oder abgeschw&#228;cht worden w&#228;re, doch sie wurde komplexer und &lt;i&gt;entnationalisiert&lt;/i&gt;. Eine andere dreigeteilte, hierarchisch strukturierte Zoneneinteilung setzte sich durch: zuoberst hyperkapitalistische, mit der Finanz und dem Hi-Tech-Sektor verbundene Zentren; in der Mitte eine Zwischenzone, welche geteilt ist zwischen Logistik und kommerzieller Verteilung einerseits und h&#228;ufig ausgelagerten Fertigungsoperationen andererseits; zuunterst Zonen der Krise und der &#8222;gesellschaftlichen M&#252;llhalde&#8220;, welche durch die Ausbreitung aller Arten der informellen Wirtschaft charakterisiert sind. Diese Dreiteilung wird auf jeder Ebene, von der Welt bis zum Quartier, auf fraktale Art und Weise reproduziert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Th&#233;orie Communiste und Alcuni fautori della comunizzazione, &#034;A Fair (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Finanzkapital als eine Art &#8222;ideeller Gesamtkapitalist&#8220; der neuen Welt wird zum Haupttr&#228;ger dieser Umgestaltung und seine Expansion (geb&#252;hrend vermittelt durch die Explosion der etlichen &#8222;Blasen&#8220;) ist der zu bezahlende Preis f&#252;r einen neuen Akkumulationszyklus, der f&#228;hig sein muss, Mehrwert &#252;berall, wo immer mehr Profit in Sicht ist, hineinzuzw&#228;ngen, zu transferieren und zu reinvestieren:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Das Grosskapital platziert sich nun oberhalb des Nationalstaates, gegen&#252;ber welchem es zu einer instrumentellen und zwiesp&#228;ltigen Haltung tendiert &#8211; &#8222;instrumentell&#8220;, weil es versucht, den Staat seinen Interessen gef&#252;gig zu machen, sowohl durch die direkte Handlung der Lobbys als auch durch die Disziplin der &#8222;M&#228;rkte&#8220;; &#8222;zwiesp&#228;ltig&#8220;, weil die Verschiebung seiner Interessen in Richtung eines globalen Raumes zu Schwierigkeiten in den National&#246;konomien f&#252;hrt, besonders in entwickelten, welche die zuvor von Staaten &#252;bernommene Funktion des &#8222;nationalen Gesamtkapitalisten&#8220; bedrohen.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ernesto Screpanti, Global Imperialism and the Great Crisis, Monthly Review (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der Niedergang des &#8222;nationalen Sozialismus&#8220; in der Peripherie und Semi-Peripherie und die Restrukturierung des Kapitals sind auf jeden Fall identisch, insofern, als dass Globalisierung &#8211; von den Hyperzentren bis zu den Schuttzonen, von der Entstehung der Europ&#228;ischen Union bis zur Ausbreitung &#8222;balkanisierter&#8220; Zonen &#8211; selbst als Prozess der &lt;i&gt;Entnationalisierung des Staates&lt;/i&gt; fungiert. Diese sollte allerdings nicht in einer teleologischen Art und Weise konzipiert werden, denn es ist nicht die definitive &#220;berwindung des Nationalstaates durch die &#8222;Globalisierung&#8220; und auch nicht die schliessliche Erreichung des wahren h&#246;chsten Stadiums des Kapitalismus; der Nationalstaat ist ein funktionales Element eines Systems geworden, das &#252;ber ihn hinausgeht:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Eigentlich war das Ziel von Bretton Woods, die Nationalstaaten tats&#228;chlich gegen exzessive Fluktuationen im internationalen System zu sch&#252;tzen. Das Ziel der gegenw&#228;rtigen globalen &#196;ra ist ein total anderes: Globale Systeme und funktionale Modelle m&#252;ssen in den Nationalstaaten eingef&#252;hrt werden, unabh&#228;ngig von den Risiken f&#252;r ihre &#214;konomien. Weiter zeigt diese Dynamik auch, wie Nationalstaaten an diesem Prozess teilnehmen mussten: Die Einf&#252;hrung globaler Systeme und Operationsweisen im Kontext von stark institutionalisierten Nationalstaaten ist keine einfache Aufgabe.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Saskia Sassen, Territory, Authority, Rights. From the Medieval to (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Entnationalisierung des Staates stellt ein koh&#228;rentes System dar, welches die politische Formalisierung des Klassenkampfes &#252;berbestimmt: Aus diesem Grund kann sich die Erhebung gewisser proletarisierter Bev&#246;lkerungen Zentral- und S&#252;damerikas ideologisch mit dem Indigenismus identifizieren; in Pal&#228;stina ist es unm&#246;glich, die Verbindung zwischen der zweiten Intifada und dem Aufstieg der Hamas nicht zu erkennen; ganz allgemein findet der politische Islam im Mittleren Osten seine gesellschaftliche Basis in den &#228;rmeren Schichten der Gesellschaft und geht, im Gegensatz zum goldenen Zeitalter des arabischen Nationalismus, soweit, sich von ihren K&#228;mpfen zu n&#228;hren; in Europa kommt die Rettung des Nationalen gegen das Globale jedes Mal klar auf, wenn Unternehmen schliessen oder dorthin gehen, wo die Arbeit billiger ist, das &#8222;Einwanderungsproblem&#8220; und das &#8222;Europaproblem&#8220; dr&#228;ngen die &#8222;einheimischen&#8220; Fraktionen der Arbeiterklasse in Richtung Stimmenthaltung oder mehr oder weniger rechtem Populismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#034;Why the Working Class Goes to Heaven (and to the Right)&#034;, Il (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das hat nichts mit einem vermeintlichen Zerfall der kapitalistischen Produktionsweise zu tun, welche uns f&#252;r sich allein genommen mutmasslich in die &#8222;Barbarei&#8220; f&#252;hren w&#252;rde. Der Islamische Staat ist nicht eine archaische Wiedererweckung, keine Frucht gesellschaftlicher Beziehungen im Zerfall, sondern eine politische Einheit, welche jener Zeit und jener Umwelt entspricht, welche sie hervorbringt: Es ist der &lt;i&gt;entnationalisierte Staat in Fleisch und Blut&lt;/i&gt;, welcher im Nahen Osten, aus den gleichen Gr&#252;nden, welche zum Niedergang des panarabischen Nationalismus f&#252;hrten, wortw&#246;rtlich nur islamischer Staat bedeuten kann. Vom ideologischen Standpunkt aus wird die Restauration des Kalifats und die Wiedereroberung Jerusalems als glaubw&#252;rdige Antwort pr&#228;sentiert, als ein in jeder Hinsicht w&#252;rdiger Nachfolger der &#8222;arabischen Nation&#8220; als gesellschaftlicher und geopolitischer Akteur. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass das alles nicht aus dem Nichts kommt: Sogar der allt&#228;gliche Klassenkampf, insofern (und solange) er auf &lt;i&gt;Distributionsverh&#228;ltnisse&lt;/i&gt; beschr&#228;nkt bleibt, findet seine nat&#252;rliche politische Ausweitung in der Forderung nach Umverteilung des Einkommens, was im Mittleren Osten nur Aneignung und Umverteilung von Rente bedeuten kann. Die Existenz des Proletariats innerhalb der Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise findet immer irgendeine Form der politischen &#8222;&#220;bersetzung&#8220; in einem gegebenen Kontext, doch &lt;i&gt;es gibt keinen zwingenden Grund&lt;/i&gt;, weshalb dies notwendigerweise in einem klar erkennbaren (s&#228;kularen) Reformismus der Arbeiterklasse resultieren soll, wie das im westlichen Kontext der Fall war (sozialdemokratische und stalinistische Massenparteien). Die &lt;i&gt;Distributionssph&#228;re&lt;/i&gt; ist dieser r&#252;pelhafte Ort, wo wirtschaftliche Forderungen der Proletarier je nach Umst&#228;nden zweigeteilt werden k&#246;nnen: Einerseits die politische Forderung nach totaler Demokratie (das &#8222;wahre Paradies der Menschenrechte&#8220; und des B&#252;rgers, im Gegensatz zur gegenw&#228;rtig existierenden Demokratie) und andererseits die Forderung nach einer &lt;i&gt;gerechten&lt;/i&gt; Ordnung, frei von Korruption &lt;i&gt;da auf dem g&#246;ttlichen Gesetz gr&#252;ndend&lt;/i&gt;. Weiter ist die Tatsache, dass die politische Formalisierung des Klassenkampfes in Religion &#252;bergehen kann &#8211; wie man es schon in Polen im Falle von Solidarno&#347;&#263; (1980) beobachten konnte &#8211; keine Besonderheit der arabischen Welt. Sicher, &#8222;Religion ist das Opium des Volks&#8220;, doch nur insofern, als dass sie die K&#228;mpfe des Proletariats innerhalb des Fetischismus (Produktionsverh&#228;ltnisse werden zu Distributionsverh&#228;ltnissen) best&#228;tigt. Es ist nach wie vor eine Tatsache, dass die Religion innerhalb des Fetischismus auch &#8222;der Seufzer der bedr&#228;ngten Kreatur, das Gem&#252;t einer herzlosen Welt&#8220; sein kann. Die Tatsache, dass all das auf Kosten der Frauen, allen voran der proletarischen Frauen geschieht, ist untrennbar mit der Art und Weise verbunden, wie der Klassenkampf (wann immer er die Frauen dazu aufruft, sich als Ehefrauen oder direkt als Arbeiterinnen zu beteiligen) die Frage der (erneuten) Zuweisung der Frauen zum h&#228;uslichen Raum oder pr&#228;ziser zur Rolle der Reproduktion der Arbeitskraft stellt. Es sollte nebenbei auch gesagt werden, dass das auch mit der &#8222;f&#252;hrenden Rolle&#8220; der Frauen im milit&#228;rischen Fl&#252;gel der PKK zu tun hat: Die Guerillaorganisation beseitigt den Genderantagonismus nicht, sondern verlegt ihn auf ein anderes Terrain, was den Frauen h&#228;ufig einen gr&#246;sseren Handlungsspielraum gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Islamische Staat ist bez&#252;glich oben erw&#228;hnter Ph&#228;nomene keine Ausnahme: &#8222;In Syrien gibt der IS den Anschein, eine effiziente bewaffnete Gruppe zu sein, welche ihre K&#228;mpfer bezahlt, ihnen etwas zu essen gibt und &lt;i&gt;eine lokale Umverteilung f&#252;r die Hungernden und die Armen garantiert. Sie interessiert sich f&#252;r einen Neuaufbau des Bildungssystems f&#252;r mehr junge Leute.&lt;/i&gt; Sie akkumuliert bedeutende Ressourcen (Steuern, Schmuggel, L&#246;segeld, &#214;l).&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#034;Comment faire la guerre &#224; l'Etat Islamique?&#034;, Homepage von Le Monde, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Sogar Valeria Poletti &#8211; eine unabh&#228;ngige Forscherin, welche vor kurzem eine sehr detaillierte, doch von panarabischer Nostalgie durchdrungene Studie zum zeitgen&#246;ssischen Mittleren Osten ver&#246;ffentlicht hat, wo sie als Grund f&#252;r den Aufstieg des politischen Islam eine mutmassliche amerikanische Strategie angibt, welche zum Ziel habe, sektiererische Spaltungen innerhalb der &#8222;arabischen Nation&#8220; zu entfesseln &#8211; kann sich ein paar Versprecher nicht verkneifen:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die Islamisten des &lt;i&gt;Islamischen Staats des Iraks und Syriens&lt;/i&gt; (ISIS), ein direkter Ableger des irakischen IS, behaupten, gegen die Armee von al-Assad zu k&#228;mpfen, doch ihr tats&#228;chlicher Zweck ist es, ein kurzlebiges Ersatzkalifat in jenen Zonen zu errichten, welche von ihren Milizen erobert wurden. Daf&#252;r benutzen sie Terror gegen Zivilisten und greifen zu den Waffen gegen laizistische oder jihadistische K&#228;mpfer, welche nicht ihrer Fraktion, der revolution&#228;ren Front angeh&#246;ren. [&#8230;] Obwohl er die internationale und extremistische Sichtweise der absoluten Herrschaft und der vollst&#228;ndigen Durchsetzung der Sharia von Al-Qaida teilt, hat [der IS] die Anerkennung des Vorg&#228;ngers [Al-Qaida] nicht bekommen, nicht nur wegen seiner angek&#252;ndigten Absicht, einen Kalifatsstaat in den von ihnen beherrschten Gebieten zu errichten, sondern auch wegen ideologischen Differenzen. Weiter werden die terroristischen Methoden seines Systems der Machtverwaltung (Entf&#252;hrungen, Folter, Enthauptungen, sektiererische Morde gegen Schiiten), welche im Volk tiefe Feindschaft ausl&#246;sen, sogar von den Anf&#252;hrern von Al-Qaida verurteilt. &lt;strong&gt;Trotzdem hat ISIS, eben genau weil es nicht nur eine Bewegung jihadistischer K&#228;mpfer ist, sondern sich um die Verwaltung k&#252;mmert und das Funktionieren gesellschaftlicher Strukturen garantiert, die Unterst&#252;tzung eines Teils der Bev&#246;lkerung erlangt.&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Valeria Poletti, The Fire in the Middle East, the Unexpected Connections, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Auf geopolitischer Ebene spiegelt sich die Entnationalisierung des Staates im Ende des Systems starrer B&#252;ndnisse, wie es in der zweigeteilten Welt nach 1945 typisch war, es wurde ersetzt mit einem System flexibler B&#252;ndnisse jener Art, wie wir sie gegenw&#228;rtig im Mittleren Osten am Werk sehen.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Seit seinem Auftauchen im April hat ISIS den Verlauf des Krieges in Syrien ver&#228;ndert. Es zwang die syrische Opposition zu heftigen K&#228;mpfen an zwei Fronten. Der Eingang von Hilfslieferungen und der Ausgang von Informationen aus Syrien sind blockiert. Und mit jeder Eroberung werden die Regierung der Vereinigten Staaten und ihre europ&#228;ischen Verb&#252;ndeten dazu gezwungen, ihre Strategie der sporadischen Unterst&#252;tzung der gem&#228;ssigten Opposition und die rhetorischen Aufrufe zum Sturz Bashar al-Assads zu &#252;berdenken. [&#8230;] Derweil haben gewisse Geheimdienste, z.B. jener Deutschlands, wieder Kontakte zur syrischen Regierung gekn&#252;pft. Eine weitere Rehabilitation des Assad-Regimes ist mit der wachsenden Bedrohung von Al-Qaida durchaus denkbar.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Valeria Poletti, op. cit., S. 114.&#034; id=&#034;nh3-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;In einem solchen Gewirr sind wechselnde B&#252;ndnisse und Seitenwechsel die Regel und folglich ist Vorsicht geboten. Doch &#252;ber die PYD, den B&#252;ndnispartner der PKK in Syrien, schreibt der Autor von &#034;Kurdistan: Eye of the Cyclone&#034;: &#8222;Hier, in der Erhebung gegen das syrische Regime, verb&#252;ndete sich [die PYD] weder mit dem Assad-Regime, noch mit den &#8222;syrischen Rebellen&#8220;, sie praktizierte einen &#8222;dritten Weg&#8220;: die Befreiung, Verteidigung und Verwaltung ihres Territoriums, zusammen mit anderen &#8211; nicht nur kurdischen &#8211; Parteien und Institutionen der Zivilgesellschaft, in einer Art kantonaler Demokratie von unten.&#8220; Was der Autor nicht erw&#228;hnt, ist die Tatsache, dass dieser angebliche &#8222;dritte Weg&#8220; keiner ist, da er von al-Assad selbst in einer Art ungeschriebenem Abkommen akzeptiert wurde, wodurch das syrische Regime Rojava eine gewisse Autonomie einr&#228;umt gegen die Neutralit&#228;t der syrischen Kurden im laufenden B&#252;rgerkrieg. Es kann gewiss argumentiert werden &#8211; wie dies die fr&#246;hliche Bande von Wu Ming in &#034;The ISIS War, the Role of the PKK and the Autonomous Zone of the Rojava&#034; tut &#8211; dass die Autonomie der Kurden in Rojava zum von der PKK geforderten demokratischen Konf&#246;deralismus tendiert, doch es scheint uns, dass sie eher zum Aufbau von proto-staatlichen Strukturen tendiert, welche, unter besonderen Umst&#228;nden, k&#252;nftig die Grundlage eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates sein k&#246;nnten. Zudem bleibt, wenn wir davon ausgehen, dass die PKK, die PYD und ihre Milizen g&#228;nzlich eigenst&#228;ndig finanziert sind (Steuern, Rimessen, Migranten usw.)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Anmerkung der englischen &#220;bersetzer: Ein Bericht der ICG zeigt, dass das (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Frage, wer ihnen Waffen verkauft, durch welche Kan&#228;le usw. Z.B.: Ist es m&#246;glich, dass die Kan&#228;le, durch welche die Waffen in die von der PKK und ihren Verb&#252;ndeten kontrollierten Zonen kommen, offen bleiben k&#246;nnen, ohne den mehr oder weniger diskreten Schutz einer der grossen Staaten der Region? Einige behaupten, dass die PKK und die PYD ihren Nachschub auf dem Schwarzmarkt in Syrien von Deserteuren der syrischen Armee bekommen; das mag vielleicht stimmen, doch werden diese Waffen allein reichen, damit die kurdischen Milizen ihre Stellung gegen&#252;ber dem IS verteidigen k&#246;nnen, schliesslich hat letzterer nun eine reale Staatsstruktur, kontrolliert &#214;lfelder und, was noch wichtiger ist, hat eine grosse Menge an Waffen von der irakischen Armee erbeutet? Derweil, gem&#228;ss den j&#252;ngsten Informationen (vom 7.10.14), wehen die Flaggen des IS auf den D&#228;chern von Kobane, Syrien, und die PYD hat ausdr&#252;cklich vom t&#252;rkischen Kurdistan kommende Verst&#228;rkung verlangt. &#8222;Die Mobilisierung von Kobane reicht nicht&#8220;, warnte Redur Xelil, der Sprecher der YPG (milit&#228;rischer Fl&#252;gel der PYD), am Donnerstag auf Twitter, &#8222;sonst wird es einen weiteren V&#246;lkermord wie in Sindschar geben, dieses Mal in Kobane&#8220;, womit er sich auf die Massenflucht zehntausender Jesiden aus der Sindscharregion im angrenzenden Irak bezieht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Homepage der Financial Times, 18/9/2014.&#034; id=&#034;nh3-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wer Ohren hat, m&#246;ge h&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig sind die amerikanischen Interessen f&#252;r die Erschaffung eines Lagers, das als Bollwerk gegen ISIS dienen kann, sehr real und die Verschw&#246;rungstheorien aller M&#246;chtegern-Michael-Moores &#252;ber die amerikanische Unterst&#252;tzung des Aufstiegs des radikalen Islams und Al-Qaida&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. &#034;Operation Isis, the Target Is China&#034;, Il Manifesto, 16-9-2014.&#034; id=&#034;nh3-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; erkl&#228;ren nichts: Sogar abgesehen von der Frage der Kontrolle &#252;ber &#214;l und Gas gehen die theatralischen Exekutionen westlicher Gefangenen in &#8222;Guantanamo&#8220;-Anz&#252;gen durch den IS weiter, was Obama nicht &#252;bersehen hat. Nat&#252;rlich ist die Zeit des 11. Septembers und George W. Bush schon lange hinter uns, doch das gegenw&#228;rtige Niveau an Verwirrung in internationalen Beziehungen gen&#252;gt selbstverst&#228;ndlich nicht, um die milit&#228;rische Intervention einer von den USA angef&#252;hrten Koalition zu verhindern &#8211; mit viel &#8222;Menschenrecht&#8220; als Legitimation. Versteht man erst mal, dass die prinzipiellen s&#228;kularen Kr&#228;fte in der Region das syrische Regime und die &#8222;Kurden&#8220; sind, k&#246;nnten zuk&#252;nftige Szenarien trotz ihrer gegenseitigen Feindschaft &#252;berraschend sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#034;USA with Iran Turkey and the Kurds, the Strange Alliances against the (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es muss klar gesagt werden, dass das, was bl&#252;ht, ein &#8222;jugoslawisches&#8220; Szenario eines grausamen B&#252;rgerkriegs mit vom Himmel fallenden &#8222;Menschenrechten&#8220; ist. Wenn so etwas Realit&#228;t wird, ist die Frage, was daraus resultieren k&#246;nnte: eine Umgestaltung der Staatsgrenzen im Mittleren Osten (mit der m&#246;glichen Erschaffung eines kurdischen Staates) oder zunehmendes Chaos ohne den Horizont (zumindest bis jetzt) eines revolution&#228;ren Auswegs? Die blosse Existenz der PKK und die energische Opposition der T&#252;rkei gegen die Autonomie der Kurden gelten als wichtigste Gegentendenzen zur ersten der beiden M&#246;glichkeiten. Doch ist es tats&#228;chlich so? Und falls ja, weshalb? Einmal mehr ist unsere Antwort negativ; wir werden die Gr&#252;nde daf&#252;r in der n&#228;chsten Sektion erkl&#228;ren. Jegliche &#8222;L&#246;sung&#8220; &#8211; sei sie revolution&#228;r oder konterrevolution&#228;r &#8211; wird auf jeden Fall strikt endogen geographisch auf den Kontext des Mittleren Ostens beschr&#228;nkt sein, w&#228;hrend neue und andauernde Grenzverschiebungen nur in einem Kontext einer weiteren Expansion der Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise geschehen k&#246;nnen, wof&#252;r es im Moment nur einige vage Hinweise gibt. Doch diese andere Alternative h&#228;ngt nicht weniger von Ereignissen woanders ab (wir werden darauf zur&#252;ckkommen). Einige glauben, dass dieser Krieg, der erst angefangen hat, m&#246;glicherweise viele Jahre dauern wird. Unserer Meinung nach wird er, in der Kontinuit&#228;t des instabilen oder d&#252;steren Ausgangs des Arabischen Fr&#252;hlings (&#196;gypten, Tunesien und, etwas weniger, Libyen), eine Periode &lt;i&gt;systemischen Langzeitchaos&lt;/i&gt; definieren:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die drei langfristigen geopolitischen Prognosen von Giovanni Arrighi, welche er in &lt;i&gt;The Long Twentieth Century&lt;/i&gt; skizzierte, bestehen darin, dass die Flucht nach vorne in einen finanzialisierten Neoliberalismus nur eine kurze Verl&#228;ngerung der amerikanischen Hegemonie bringen wird und dass sich dann entweder ein vom Westen verwaltetes globales Imperium, eine in den Osten neigende weltweite Marktgesellschaft oder langfristiges systemisches Chaos ergibt. Eine vollst&#228;ndige Version der ersten M&#246;glichkeit kann wahrscheinlich ausgeschlossen werden. [&#8230;] Die Entstehung eines neuen hegemonischen Zentrums scheint ebenfalls unwahrscheinlich. [&#8230;] Der wahrscheinlichste Ausgang ist eine Kombination der ersten und der dritten M&#246;glichkeit: ein Konzert der M&#228;chte zur Aufschiebung von Finanzkollapsen, welches jedoch unf&#228;hig ist, einen &#220;bergang zu einer neuen Phase nachhaltiger kapitalistischer Entwicklung zu orchestrieren. Wir treten in eine Periode ergebnisloser K&#228;mpfe zwischen einem geschw&#228;chten Kapitalismus und zerstreuten Oppositionskr&#228;ften innerhalb delegitimierter und bankrotter politischer Ordnungen ein.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gopal Balakrishnan, &#034;Speculations on the Stationary State&#034; in New Left (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die &#8222;libert&#228;re&#8220; Wende der PKK&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hamit Bozarslan beschreibt folgendermassen die entstandene Verwirrung im Milieu der pro-kurdischen Militanz in den letzten zehn Jahren mit den Ver&#228;nderungen, welche wir in der letzten Sektion zu beschreiben versuchten:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Alles deutet darauf hin, dass der kurdische Konflikt erneut das Ende eines historischen Zyklus erreicht, welches durch seine eigenen Formen der Vergesellschaftung, des Ausdrucks, der Militanz und sogar seine eigenen Formen der Gewalt charakterisiert ist. Das Ph&#228;nomen ist nicht neu. In den 1960er Jahren machte eine ganze Generation von vom Westen inspirierten K&#228;mpfern, von welchen einige schon seit den 1920er Jahren aktiv gewesen waren, einer neuen Generation von K&#228;mpfern Platz, welche sich in ihrer &#252;berw&#228;ltigenden Mehrheit mit der Linken identifizierte. Das Scheitern der Revolte von Mustafa Barzani im Irak (1961-1975) &#8211; sowohl ein Moment des Bruches, als auch der &#220;bermittlung zwischen Generationen &#8211; gab hingegen den Anstoss f&#252;r neue Akteure, die PUK (Patriotische Union Kurdistans) im Irak, Komala (Gruppierung) im Iran und die Speerspitze des bewaffneten Kampfes, die PKK, in der T&#252;rkei. [&#8230;] Gegenw&#228;rtig halten diese alten K&#228;mpfer, bewaffnet mit einer im Verlauf vergangener K&#228;mpfe erlangten Legitimit&#228;t, welche nun an ihr Ende kommt, immer noch Schl&#252;sselpositionen im irakischen Kurdistan, doch sie tragen nun die Kleider von Politikern oder Politikerinnen, B&#252;rokraten oder B&#252;rokratinnen oder sogar jene von Unternehmern oder Unternehmerinnen. [&#8230;] Trotz Unterschieden je nach Situation in den jeweiligen L&#228;ndern blieb alle kurdische Militanz des vorhergehenden Zyklus in der Linken verankert, im Gegensatz zu anderen Protesterfahrungen im Mittleren Osten nach 1979, welche weitgehend mit dem Islamismus verbunden waren. Mittlerweile wirkt sich der Fall der Berliner Mauer auch auf Kurdistan aus, wenn auch mit einer Versp&#228;tung von zwei Jahrzehnten, und kreiert ein eigenartiges Gef&#252;hl der Leere. Wenn auch der Konflikt weiterhin von einem kurdischen Nationalismus gen&#228;hrt wird, der immer noch f&#228;hig ist, durch seine Symbole und seine historischen und geographischen Repr&#228;sentationen zu mobilisieren, sind sie doch nicht mehr l&#228;nger f&#228;hig, einen partikularistischen Kampf mit einem Diskurs und einer universalen Symbolik zu rechtfertigen, welche f&#228;hig sind, &#252;ber ihn hinauszugehen und ihm Sinn zu geben.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hamit Bozarslan, Conflit kurde. Le brasier oubli&#233; du Moyen-Orient, Ed. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Wende der PKK &#8211; d.h. die Absage an die Perspektive eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates, welche eindeutig im von Bozarslan skizzierten Kontext zu sehen ist &#8211; ist eine Reaktion auf drei verschiedene Bed&#252;rfnisse: 1) die Anerkennung einer Sachlage: die Obsoleszenz eines &#8222;Nationalismus von unten&#8220;; 2) der negative Ausgang der Guerilla-Strategie, symbolisiert durch die Verhaftung von Abdullah &#214;calan in Nairobi 1999; 3) die gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen im historischen Kurdistan in den letzten 25 Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was den ersten Punkt betrifft, kann die Obsoleszenz des &#8222;Nationalismus von unten&#8220; angesichts der kapitalistischen Restrukturierung (wie weiter oben suggeriert) erkl&#228;rt werden, doch noch prosaischer kann gesagt werden, dass es eine Tatsache ist, dass mit dem Ende der UdSSR der Hauptsponsor dieser Nationalismen nicht mehr existierte. In der zweigeteilten Welt nach 1945 konnten &#8211; auf unterschiedliche, aber koh&#228;rente Art und Weise &#8211; das Verlangen nach Unabh&#228;ngigkeit der &#8222;beherrschten Nationen&#8220; und Versuche, einen auf sich selbst bezogenen Kapitalismus in schon formell unabh&#228;ngigen Drittweltstaaten zu entwickeln, welche jedoch an der &#8222;Entwicklung der Unterentwicklung&#8220; litten (im Rahmen welcher eine mit dem Westen zusammenarbeitende Bourgeoisie den imperialistischen M&#228;chten billiges Rohmaterial verkauft, um ihren Konsum zu finanzieren, statt in die Industrie zu investieren und eine sie unterst&#252;tzende Binnennachfrage zu kreieren), nicht realisiert (oder nur schon aufgebaut) werden ausser unter der &#196;gide irgendeines sozialistischen Mutterlandes und mit Hilfe seiner langfristigen Kredite mit sehr tiefen Zinss&#228;tzen. Das Ungl&#252;ck (und auch die Dynamik) des kurdischen Nationalismus ist die Tatsache, ohne &#8222;Heilige im Himmel&#8220; da zu stehen, denn die Forderung nach einem unabh&#228;ngigen Kurdistan war gleichbedeutend mit der Tatsache, dem Star des von der UdSSR gesponserten Anti-Imperialismus auf die F&#252;sse zu treten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was den zweiten Punkt betrifft, lohnt es sich, sich zu erinnern wie &#214;calan, lange vor seiner Verhaftung 1999, eine &#8222;politische L&#246;sung&#8220; suchen wollte, welche schon damals einer Relativierung der historischen Forderung der Unabh&#228;ngigkeit gleichkam. Damit hoffte er, sich den &#8222;Imperialisten&#8220; der Europ&#228;ischen Union anbiedern zu k&#246;nnen, doch diese wiesen seine Avancen zur&#252;ck und erlaubten schliesslich seine Verhaftung. Der Ausgang von &#214;calans europ&#228;ischer Pilgerfahrt wurde von der ganzen kurdischen nationalistischen Bewegung als historische Niederlage wahrgenommen und verursachte u.a. einen substantiellen Verlust an K&#228;mpfern. Man muss hinzuf&#252;gen, dass die &#8222;spirituelle Krise&#8220; der PKK verbunden ist mit der Kooption der DPK von Masud Barzani in einen pro-amerikanischen Dunstkreis, und nicht wenige hoffen, dass ein solches B&#252;ndnis schliesslich mit diplomatischen Mitteln erreicht, was die PKK durch Guerillakampf und &#8222;Marxismus&#8220; nie erlangen konnte. Die durch die amerikanische Gunst ausgel&#246;sten Hoffnungen sind allerdings alles andere als ungerechtfertigt. Obwohl die Erschaffung eines kurdischen Staates nicht auf der Tagesordnung zu stehen scheint, gibt es im Kontext der Strategiestudien der amerikanischen Armee eine ausf&#252;hrliche Debatte &#252;ber die Perspektive, den Kurden einen unabh&#228;ngigen Staat zu geben (siehe Anhang).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die rein gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen &#252;berall im historischen Kurdistan betrifft, eignet sich der Kontext der 2000er Jahre, obwohl es in Mode ist, die Dynamiken des kurdischen Raums so darzustellen, als ob sie in einer Art exotischem, bergigem Mikroklima geschehen w&#252;rden, denkbar schlecht zu einem Vergleich mit fr&#252;heren Perioden.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Kurdischer Protest spielt sich mittlerweile in einer weitgehend urbanisierten Zone ab. Die l&#228;ndliche Landschaft, mit welcher die Kurden sowohl in ihrer allt&#228;glichen Realit&#228;t als auch in der orientalistischen Vorstellung stark assoziiert wurden, ist so gut wie verschwunden [&#8230;]. Im irakischen Kurdistan, wo kurdische D&#246;rfer w&#228;hrend den 1980er Jahren massenweise vom Regime von Saddam Hussein zerst&#246;rt wurden, leben nun drei Viertel der Bev&#246;lkerung in den drei gr&#246;ssten St&#228;dten, Erbil &#8211; die Hauptstadt &#8211;, Dohul und Sulaymaniyah. [&#8230;] In Syrien hat sich der Kern der kurdischen Politik schon immer auf die St&#228;dte konzentriert und die Intelligenzia und die Jugend stehen mehr denn je im Rampenlicht. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich im Iran, obwohl die Macht niemals eine Politik vors&#228;tzlicher Zerst&#246;rung der l&#228;ndlichen kurdischen Zonen angewendet hat, hat sich das demographische und politische Gewicht l&#228;ndlicher Zonen zu Gunsten von einem Dutzend von St&#228;dten verringert, welche in wirtschaftlicher Hinsicht zu den am wenigsten entwickelten geh&#246;ren, doch durch eine grosse Vitalit&#228;t charakterisiert sind. W&#228;hrend die meisten kurdischen St&#228;dte im Iran zwischen 100 000 und 150 000 Einwohner haben, hat Urmia fast 600 000. Die selbe Dynamik kann in der T&#252;rkei beobachtet werden, wo das Stammesph&#228;nomen des fr&#252;heren kurdischen Widerstands derart offensichtlich war. [&#8230;] Ein anderes Element, das viel klarer ist als in der Vergangenheit, betrifft das Gewicht innerer Diasporas in jedem dieser L&#228;nder. Obwohl Bagdad aus offensichtlichen Gr&#252;nden kein Ort kurdischer Konzentration mehr ist, dehnen andere Haupt- oder grosse St&#228;dte den kurdischen Raum weit &#252;ber das historische Kurdistan aus: Istanbul &#8211; die Heimat von Millionen von Kurden &#8211; und ein halbes Dutzend anderer t&#252;rkischer St&#228;dte, Aleppo und Damaskus, wo ungef&#228;hr 600 000 leben, oder einmal mehr Teheran. [&#8230;] Schliesslich, wenn auch die Pr&#228;senz von mehr als einer Million Kurden in Europa nichts Neues ist, so hat sich diese andere Diaspora, die sich stark von dem unterschied, was in der Sowjetunion oder in der arabischen Welt und speziell im Libanon existierte, stark ver&#228;ndert [&#8230;], Pops&#228;nger oder Ingenieure, Restaurantbesitzer oder unqualifizierte Arbeiter pflegen nach wie vor eine pro-kurdische Loyalit&#228;t, die Kontrolle einer politischen Organisation &#252;ber ihr allt&#228;gliches Leben akzeptieren sie jedoch nicht mehr.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd. S. 20-22.&#034; id=&#034;nh3-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der zunehmende Erfolg der T&#252;rkei als &#8222;aufstrebende&#8220; Wirtschaft einerseits und der &#214;lrausch des Mittleren Ostens andererseits kreieren eine Diskrepanz zwischen einem armen, aber sich entwickelnden st&#228;dtischen Kurdistan und einem verfallenden l&#228;ndlichen und bergigen Kurdistan. W&#228;hrend den 1990er Jahren f&#252;hrte das die PKK dazu, immer mehr ein Ausdruck und Vermittler letzteres zu sein und ersteres anderen Kr&#228;ften zu &#252;berlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Hinsicht ist es klar, dass die angebliche &#8222;libert&#228;re&#8220; Wende der PKK nicht die &lt;i&gt;endlich offenbarte Wahrheit&lt;/i&gt; ist, welche sich jede soziale Bewegung aneignen sollte. Viel mehr ist sie eine Antwort auf spezifische Probleme, n&#228;mlich: 1) ein Problem der &#8222;historischen Legitimit&#228;t&#8220;, verbunden mit dem Niedergang traditioneller marxistisch-leninistischer Guerillas oder Modelle f&#252;r die Dritte Welt; 2) eine Frage der &#8222;ideologischen Rechtfertigung&#8220; in Anbetracht einer eindeutigen historischen Niederlage; 3) eine Frage der &#8222;kulturellen Anpassung&#8220; an einen neuen gesellschaftlichen Kontext. &lt;i&gt;Deshalb versuchte die PKK, an der Bewegung gegen die &lt;/i&gt;&lt;i&gt;Globalisierung anzuschliessen&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In einem k&#252;rzlich erschienenen Artikel mit dem Titel &#034;Is Kobane alone?&#034; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die &#8222;Bewegung der Bewegungen&#8220;, das &#8222;Volk von Seattle&#8220; gab &#214;calan und seinen Gef&#228;hrten alles notwendige R&#252;stzeug zur Durchf&#252;hrung der durch die Situation auferlegten theoretischen und organisatorischen Erneuerung, nicht zuletzt in Begriffen, welche eine &lt;i&gt;nach wie vor an der nationalen Befreiung orientierte&lt;/i&gt; Perspektive artikulieren, obwohl sie auf die Aussicht eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates verzichtet. Von ihrer neuen theoretischen Inspirationsquelle &#252;bernimmt die PKK sowohl St&#228;rken, wie auch Schw&#228;chen. Zu ersteren geh&#246;ren: die tats&#228;chlich mobilisierende Rhetorik, welche die hier und jetzt zu verwirklichenden Ver&#228;nderungen hervorhebt, die Berufung auf die Ethik, die Hierarchiekritik, das Lob der Horizontalit&#228;t, einen theoretischen Eklektizismus (&#214;kologie, Feminismus usw.), welcher einheitliche, zu stark nach &#8222;Marxismus&#8220; riechende Synthesen ablehnt; zu letzteren ein Beharren auf Selbstverwaltung und Autonomie, welches eine programmatische Leere kaschiert: Die j&#252;ngsten Schriften von &#214;calan, welche ins Englische &#252;bersetzt wurden, &#034;Democratic Confederalism&#034; und &#034;War and Peace in Kurdistan&#034;, enthalten allgemeine Aufrufe f&#252;r eine gerechtere Verteilung des Wohlstands, doch abgesehen davon sucht man die sozialen Massnahmen vergeblich, welche die PKK ergreifen will, wenn die hypothetische demokratische Konf&#246;deration tats&#228;chlich davor steht, das Licht der Welt zu erblicken. In ihrer gesellschaftlichen Basis, dem Handlungskontext und den theoretischen Bez&#252;gen &#228;hnelt die PKK immer mehr einer Art EZLN des Mittleren Ostens. Doch einmal mehr ist die PKK sp&#228;t dran: Der Wendepunkt zum demokratischen Konf&#246;deralismus war offiziell 2002; die sich in Revolten verwandelnden Proteste in Genua 2001 markierten schon den Beginn eines langsamen Niedergangs der Bewegung gegen die Globalisierung. Woran sollte man sich nun orientieren? Wem sich zuwenden? Eine marginale, von Osman &#214;calan (dem Bruder von Abdullah) angef&#252;hrte Fraktion hatte die Antwort: den USA. Ihrerseits hielt es die USA f&#252;r wichtig genug, einen kurdischen Bauern auf dem irakischen Schachbrett zu haben, um die &#214;ffnung eines Kommunikationskanals mit der PKK in Betracht zu ziehen. Es war ein potenziell fruchtbarer Austausch f&#252;r beide: Einerseits w&#252;rde die PKK sich den Anstrengungen f&#252;r die &#8222;Demokratisierung&#8220; der Region anschliessen und den innerkurdischen Konflikt beenden, andererseits w&#252;rden die USA alles tun, um die Restriktionen gegen die internationale Aktivit&#228;t der PKK aufzuheben, und Druck machen zur Verbesserung der Haftbedingungen von Abdullah &#214;calan. Osman &#214;calan best&#228;tigte die Existenz von Kontakten zwischen der PKK und den USA &#8222;auf lokaler Ebene&#8220;: &#8222;Dank unserer Organisation nahestehenden Vermittlern wurden inoffizielle Treffen mit einigen amerikanischen Beamten hergestellt. Es gab einige Formen gegenseitiger Anerkennung. Die Amerikaner wollen die Sympathie der Kurden gewinnen; unsererseits m&#246;chten wir zusammen mit den USA eine L&#246;sung finden. Wir haben nicht mit dem Regime von Saddam Hussein kollaboriert und standen amerikanischen Interessen nie im Wege, w&#228;hrend die Amerikaner den Kurden viel B&#246;ses angetan haben; wir kennen ihre Rolle in der Verhaftung von &#214;calan.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Courrier International, 23.-29. Oktober 2003.&#034; id=&#034;nh3-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die notwendige Haltung gegen&#252;ber den USA f&#252;hrte 2004 zu einer regelrechten Spaltung: Die Fraktion von Osman &#214;calan spaltete sich ab und gr&#252;ndete die offen proamerikanische PWD (Popul&#228;r-Demokratische Partei): &#8222;Die Organisation betrachtet die USA nicht als eine Kolonialmacht, sondern als jenes Land, welches die Kurden rettete. [&#8230;] Um ihre Unterst&#252;tzung f&#252;r die USA klarer zu betonen, wird die PWD am 7. November 2004 einen Brief an Pr&#228;sident George W. Bush senden, um ihm zu seiner Wiederwahl zu gratulieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sabri Cigerli &amp; Didier Le Saout, op. cit., S. 381.&#034; id=&#034;nh3-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Wir erw&#228;hnen solche Anekdoten nicht, um zu suggerieren, es gebe einen Masterplan oder eine Verschw&#246;rung, welche aus der PKK nur einen weiteren geheimen B&#252;ndnispartner der USA machen w&#252;rde. Doch es ist unbedingt notwendig, folgendes zu unterstreichen: 1) die Ambivalenz und die tastende Entwicklung, welche die PKK schon immer charakterisiert haben; 2) die Tatsache, dass, falls sich die Hypothese eines unabh&#228;ngigen Kurdistans materialisiert, die PKK in der misslichen Position w&#228;re, zwischen der Beteiligung an der Operation gegen ihren Willen oder dem Risiko weiterer Marginalisierung und dem Beginn einer neuen Folge blutiger innerkurdischer Konflikte w&#228;hlen zu m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir schliessen diese Sektion mit einer &#220;berlegung zu den &lt;i&gt;Hintergr&#252;nden&lt;/i&gt;. Zumindest seit den Staatsstreichen der Baath-Partei in Syrien (1966) und im Irak (1968) liegt die subversive Seite der kurdischen Frage in ihrem Charakter als lebendiger Protest gegen die imperialistische Zerst&#252;ckelung des Mittleren Ostens und gleichzeitig gegen den pro-sowjetischen Anti-Imperialismus, der behauptete, sich dieser entgegenzustellen. Was gegenw&#228;rtig geschieht, zeigt uns einmal mehr, dass ein vollst&#228;ndiger historischer Zyklus zu seinem Ende gekommen ist und alle seine inneren M&#246;glichkeiten ausgesch&#246;pft hat, jene der &#8222;vollen Unterst&#252;tzung des Rechts auf Selbstbestimmung der unterdr&#252;ckten V&#246;lker (bis hin zum Recht auf Abtrennung und die Niederlage seines &#8222;eigenen&#8220; Landes) &lt;i&gt;f&#252;r einen spezifisch proletarischen Zweck und mit einer spezifisch proletarischen Strategie&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan, op. cit.&#034; id=&#034;nh3-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Keine sozio-historische Bestimmung oder kommunitaristische Pr&#228;misse stellt ein Hindernis f&#252;r die Entwicklung an sich mehr dar. Die nationale Frage besteht weiterhin, doch allen voran als Problem f&#252;r das Kapital: Die kommunistische Revolution wird sie nur &lt;i&gt;auf ihrer eigenen Grundlage&lt;/i&gt; l&#246;sen. Sonst wird es die Konterrevolution auf ihre Art und Weise tun und schliesslich auf nationale Forderungen eingehen oder die gewaltsame Umsiedlung oder Vernichtung der betreffenden Bev&#246;lkerung organisieren. &#8222;Das kurdische Volk ist weitgehend &#8222;internationalisiert&#8220; [&#8230;] Millionen von kurdischen Arbeitern arbeiten in Fabriken und Feldern der entwickelten westlichen L&#228;nder. Sie haben mit dem westlichen Proletariat gek&#228;mpft und die meisten davon heftig, da sie nichts zu verlieren hatten. F&#252;r diese Millionen, welche Bedingungen erlebt haben, welche reif waren f&#252;r die proletarische Revolution, w&#228;re eine R&#252;ckkehr zu den Bedingungen eines &#8222;b&#252;rgerlichen nationalen Befreiungskampfes&#8220; ein gigantischer Schritt zur&#252;ck.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Quaderni internazionalisti, &#034;What Revolution for Kurdistan?&#034;, Flyer, 1999, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das ist wahr, und es ist auch wahr f&#252;r jene kurdischen Proletarier, welche nicht &#8222;internationalisiert&#8220; sind, doch nur vom Standpunkt der Aufhebung der Klassen aus, d.h. &#8222;der Bewegung, welche aufhebt&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Die Bewegung, welche aufhebt...&#8220;: das Lokale, das Nationale, das Globale&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein breites Mosaik an Bewegungen &#8211; welche bewaffnet oder unbewaffnet sind und von sozialem Banditentum bis zur organisierten Guerilla-Aktivit&#228;t reichen &#8211; agieren in den elendsten Zonen der globalen kapitalistischen M&#252;llhalde und haben &#228;hnliche Z&#252;ge wie die gegenw&#228;rtige PKK. Auf die eine oder andere Art versuchen sie, gegen die Zerst&#246;rung ohnehin schon marginaler Subsistenzwirtschaften, die Pl&#252;nderung nat&#252;rlicher Rohstoffe, die lokale Bergbauindustrie oder die Aufzwingung kapitalistischen Landeigentums, welches Zugang und/oder Gebrauch begrenzt oder verhindert, Widerstand zu leisten. Als Beispiele k&#246;nnen wir wahllos F&#228;lle von Piraterie im Meer von Somalia, MEND in Nigeria, die Naxaliten in Indien, die Mapuche in Chile erw&#228;hnen. Obwohl die Diskurse und Kampfformen dieser Bewegungen nicht blosse Epiph&#228;nomene sind, ist es wesentlich, ihren gemeinsamen Inhalt zu erfassen: &lt;i&gt;Selbstverteidigung&lt;/i&gt;. Eine Selbstverteidigung, die wom&#246;glich auch als lebensnotwendig betrachtet werden k&#246;nnte, wobei sie sich &lt;i&gt;in ihrem Wesen&lt;/i&gt; nicht von dem &lt;i&gt;unterscheidet&lt;/i&gt;, was in jedem Arbeitskampf ausgedr&#252;ckt wird, welche zum Ziel hat, die L&#246;hne oder Arbeitsbedingungen der dort Arbeitenden zu sch&#252;tzen. Genau wie es ein Taschenspielertrick w&#228;re, einen wenn auch sehr heftigen und breiten Lohnkampf als &#8222;revolution&#228;re Bewegung&#8220; darzustellen, so ist es genauso abwegig, dieser Art von Selbstverteidigung, welche von solchen ersch&#246;pften Bev&#246;lkerungen praktiziert wird, einen inh&#228;renten revolution&#228;ren Sinn zu geben. Diese Art von Zaubertrick kann nat&#252;rlich gut funktionieren, wenn man sich auf &lt;i&gt;Moral&lt;/i&gt; beruft, d.h. indem man den &#8222;privilegierten Abendl&#228;nder&#8220; einerseits die zur Revolution bereiten &#8222;Verdammten der Erde&#8220; andererseits entgegenstellt. Doch solch gebrauchter Anti-Imperialismus zeigt sich schon sehr schnell als abgenutzt. Ob es uns gef&#228;llt oder nicht, wir k&#246;nnen nicht vergessen, dass diese nicht in einem mutmasslichen aber inexistenten Raum &lt;i&gt;ausserhalb&lt;/i&gt; der Wertproduktion und -zirkulation situiert sind, sondern &lt;i&gt;an ihren R&#228;ndern&lt;/i&gt;, und manchmal verteidigen sie &lt;i&gt;kleine alte Welten&lt;/i&gt; (angestammte Br&#228;uche usw.), welche von kapitalistischen gesellschaftlichen Beziehungen zerst&#246;rt werden oder schon lange umgestaltet worden sind. Doch man kann nicht gleichzeitig die kommunistische Revolution und die Erhaltung kleiner alter Welten bef&#252;rworten; denn, wenn es auch stimmen mag, dass der Kapitalismus sie destabilisiert, so w&#252;rde seine revolution&#228;re Zerst&#246;rung dies bestimmt auch tun. Gleichzeitig hat es keinen Sinn, sich auf die Seite der kapitalistischen Zerst&#246;rung zu stellen: Wir denken, dass diese Bewegungen von der praktischen Bewegung der Zerst&#246;rung des Kapitals (nicht ohne Konflikt) einbezogen und/oder absorbiert werden m&#252;ssen und dass das weder durch politische Intrigen (leninistische oder demokratische B&#252;ndnisse), noch durch zwischenstufliche Massnahmen geschehen kann, die zum Ziel haben, die vom Kapital vorangetriebene erzwungene Proletarisierung zu vertiefen. Dennoch kann dieser Prozess nur vom &lt;i&gt;Herz der Produktionsweise&lt;/i&gt; ausgehen (was nicht notwendigerweise &#8222;vom Westen&#8220; bedeutet). Wir k&#246;nnen die &lt;i&gt;stets&lt;/i&gt; globale Ausbreitung des kapitalistischen Systems und seine Hierarchie nicht ignorieren: Genau wie ein Verk&#228;ufer, ein Lehrer und ein Fabrikarbeiter &#8211; obwohl sie alle Lohnarbeiter sind &#8211; nicht die gleiche F&#228;higkeit haben, die Mehrwertproduktion zu beeintr&#228;chtigen, so hat auch eine aufst&#228;ndische Krise nicht die gleichen Entfaltungsm&#246;glichkeiten und Konsequenzen auf der Weltb&#252;hne, wenn sie in Kasachstan oder Deutschland stattfindet (die Frage, wo sich das &#8222;schw&#228;chste Glied&#8220; befindet, ist nach wie vor sehr pr&#228;sent).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzige lokale soziale Krise, welche tats&#228;chlich &lt;i&gt;ank&#252;ndigte&lt;/i&gt;, was ein revolution&#228;rer Prozess &lt;i&gt;heutzutage&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;die Unm&#246;glichkeit der Reproduktion kapitalistischer Verh&#228;ltnisse&lt;/i&gt; sein k&#246;nnten, war Argentinien 2001: ein grosses Land (nicht wie Griechenland 2008), industrialisiert, relativ &#8222;entwickelt&#8220;, welches sich von einem Tag auf den anderen als Resultat einer monet&#228;ren Krise auf der Schwelle des Kollapses wiederfand. Dort, in der Bewegung, welche auf den Zusammenbruch folgte, enth&#252;llten alle Formen der Selbstbestimmung (Selbstorganisation, Autonomie, Selbstverwaltung) ihren rein defensiven Charakter, denn man organisiert sich stets &lt;i&gt;selbst&lt;/i&gt; auf der Grundlage dessen, was man ist in der kapitalistischen Produktionsweise (Arbeiter dieser oder jener Firma, Bewohner dieses oder jenes Quartiers usw.), w&#228;hrend das Verlassen des defensiven Terrains (&#8222;Forderungen&#8220;) mit der Tatsache zusammenf&#228;llt, dass sich all diese Subjekte gegenseitig durchdringen und dass die Unterscheidungen nicht mehr weiter existieren, da das sie strukturierende Kapital-Lohnarbeits-Verh&#228;ltnis zu zerfallen beginnt. Dies gilt auf allen Ebenen, auch auf einer globalen: Eine allgemeine soziale Krise ist nicht die Summe lokaler Krisen, welche parallel verlaufen, ohne sich zu ber&#252;hren. Wenn die aufst&#228;ndische oder vor-aufst&#228;ndische Krise einen gewissen Grad der Ausbreitung erreicht, sind die Aufst&#228;ndischen in einem gegebenen Land gezwungen &#8211; durch die blosse Notwendigkeit, den Kampf weiterzuf&#252;hren &#8211; Unterst&#252;tzung jenseits nationaler Grenzen zu suchen oder sich in Massen ausserhalb dieser Grenzen zu bewegen (oder zu zerstreuen...), um den Aufstand woanders zu unterst&#252;tzen. Auf diese Art und Weise &#8211; &lt;i&gt;materiell&lt;/i&gt;, und nicht auf der Grundlage abstrakter Berufungen auf den Internationalismus &#8211; zerst&#246;rt die kommunistische Revolution Trennungen und vereinigt die Menschheit. Kommunismus kann nicht eine auf den ganzen Planeten ausgeweitete &#8222;demokratische Konf&#246;deration&#8220; sein, aus dem einfachen Grund, dass die Konf&#246;deration nach wie vor die Nation als f&#246;derierendes Subjekt voraussetzt. &lt;i&gt;Unsere Heimat ist die ganze Welt&lt;/i&gt;, nat&#252;rlich, doch auch dort bleibt ein Kurde ein Kurde und ein Typ aus den S&#252;dstaaten ein Redneck. Es bleibt eine simple Nebeneinanderstellung von Unterschieden &lt;i&gt;und das ist immer noch nicht genug&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht des Bankrotts des Marxismus und des realen Sozialismus ist es ausser Mode geraten, die Entwicklung der Produktivkr&#228;fte zu zelebrieren, w&#228;hrend eine Art anti-produktivistische Ideologie &#8211; das Spiegelbild davon &#8211; die Oberhand in der Arena der &#8222;antikapitalistischen Kritik&#8220; gewonnen hat. Doch die Zelebration von partikularistischen Bewegungen dr&#252;ckt einen begrifflichen Widerspruch aus, wenn man die Perspektive des zelebrierenden Beobachters ber&#252;cksichtigt, welcher hingegen &#8211; da er sie im allgemeinen am anderen Ende der Welt suchen muss &#8211; alles andere als partikularistisch ist. Es ist der Widerspruch des Anthropologen, welcher sich aufmacht, die Bewohner der Trobriand-Inseln zu studieren und behauptet, es sei nicht der Imperialismus, welcher ihn dorthin gebracht habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die historische Bedeutung des Kapitals liegt nicht in der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, sondern in der Erschaffung einer &lt;i&gt;verflochtenen Welt&lt;/i&gt;. In der ber&#252;hmten Passage in &lt;i&gt;Die deutsche Ideologie&lt;/i&gt; &#252;ber &#8222;die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt&#8220; zelebriert Marx den Anbruch einer von der kapitalistischen Produktionsweise hervorgebrachten &lt;i&gt;Weltgeschichte&lt;/i&gt; und f&#252;gt hinzu: &#8222;Ohne dies k&#246;nnte 1. der Kommunismus nur als eine Lokalit&#228;t existieren, 2. die M&#228;chte des Verkehrs selbst h&#228;tten sich als &lt;i&gt;universelle&lt;/i&gt; [...] M&#228;chte nicht entwickeln k&#246;nnen, [...] und 3. w&#252;rde jede Erweiterung des Verkehrs den lokalen Kommunismus aufheben. Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden V&#246;lker &#034;auf einmal und gleichzeitig m&#246;glich&#8220;. In diesem Sinn ist die Frage &#8211; ausser man glaubt, &#8222;Anarchie in einem Land&#8220; sei m&#246;glich, so wie einige Sozialismus in einem Land machen wollten &#8211; ob die PKK, die EZLN oder jede andere Organisation &#8222;revolution&#228;r&#8220; ist oder nicht, ein falsches Problem. Keine organisatorische Kontinuit&#228;t zwischen gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfen und der Revolution ist vorstellbar, aus dem einfachen Grund, dass &lt;i&gt;das zu organisierende Subjekt nicht gleich sein wird&lt;/i&gt;. Das Problem ist ein ganz anderes, n&#228;mlich zu verstehen, welche widerspr&#252;chlichen Dynamiken eine gegebene gesellschaftliche Realit&#228;t oder ein gegebener Kampf beinhalten k&#246;nnte &#8211; wovon diese oder jene Organisation am besten eine &lt;i&gt;Formalisierung&lt;/i&gt; sein kann &#8211; und welche Br&#252;che daraus entstehen k&#246;nnten. Das sind die Bedingungen des Problems. &lt;i&gt;Hic Rhodus, hic salta!&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anhang&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zukunft des Mittleren Ostens gem&#228;ss Lt. Col. Ralph Peters&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die deutlichste Ungerechtigkeit in den notorisch ungerechten L&#228;ndern zwischen dem Balkangebirge und dem Himalaja ist die Abwesenheit eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates. Es leben zwischen 27 und 36 Millionen Kurden in benachbarten Regionen des Mittleren Ostens (die Zahlen sind nicht pr&#228;zis, weil kein Staat je eine ehrliche Z&#228;hlung erlaubte). Das ist mehr als die Bev&#246;lkerung des gegenw&#228;rtigen Iraks, sogar die geringere Zahl macht aus den Kurden die gr&#246;sste ethnische Gruppe ohne eigenen Staat. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die Kurden von jeder Regierung unterdr&#252;ckt wurden, welche die H&#252;gel und Berge kontrolliert, wo sie seit Xenophons Tagen leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA und ihre Koalitionspartner verpassten eine pr&#228;chtige Gelegenheit, um damit zu beginnen, diese Ungerechtigkeit nach dem Fall von Bagdad zu korrigieren. Als Frankenstein-Monster eines Staates, das aus schlecht zusammenpassenden Teilen zusammen gen&#228;ht ist, h&#228;tte der Irak sofort in drei kleinere Staaten geteilt werden m&#252;ssen. Wir scheiterten aus Feigheit und mangelnder Weitsicht, schikanierten die Kurden, indem wir sie zwangen, die neue irakische Regierung zu unterst&#252;tzen &#8211; was sie wehm&#252;tig tun als Gegenleistung f&#252;r unseren guten Willen. Doch g&#228;be es eine freie Abstimmung, w&#228;re das Ergebnis klar: Fast 100 Prozent der irakischen Kurden w&#252;rden f&#252;r die Unabh&#228;ngigkeit stimmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gleiche gilt f&#252;r die seit jeher leidenden Kurden der T&#252;rkei, welche Jahrzehnte heftiger milit&#228;rischer Unterdr&#252;ckung und die Abwertung zu &#8222;Bergt&#252;rken&#8220; zur Zerst&#246;rung ihrer Identit&#228;t erduldeten. Obwohl die kurdische Bedr&#228;ngnis durch Ankara im letzten Jahrzehnt etwas nachgelassen hat, intensivierte sich die Repression vor kurzem erneut und der &#246;stliche F&#252;nftel der T&#252;rkei sollte als besetztes Territorium betrachtet werden. Was die Kurden in Syrien und im Iran betrifft, so w&#252;rden sie dem unabh&#228;ngigen kurdischen Staat ebenfalls sofort beitreten, falls sie k&#246;nnten. Die Verweigerung der legitimen Demokratien dieser Welt, sich f&#252;r die kurdische Unabh&#228;ngigkeit einzusetzen ist eine Menschenrechtss&#252;nde, die weit schlimmer ist als die g&#228;ngigen unbeholfenen, geringf&#252;gigen S&#252;nden, welche regelm&#228;ssig unsere Medien in Erregung versetzen. Und &#252;brigens: Ein freies Kurdistan, das von Diyarbakir bis Tabriz reichen w&#252;rde, w&#228;re der pro-westlichste Staat zwischen Bulgarien und Japan.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auszug aus: Ralph Peters, &#034;Blood Borders&#034;, in Armed Force Journal, Juni 2006.&#034; id=&#034;nh3-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://illatocattivo.blogspot.ch/2014/10/questione-curda-stato-islamico-usa-e.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/posts/il-lato-cattivo-the-kurdish-question&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=13854&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Franz&#246;sische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan&#8220;, Beilage zu den &lt;i&gt;Quaderni marxisti&lt;/i&gt;, Nr. 3, 1984.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#214;zcan Yilmaz, &lt;i&gt;La Formation de la nation kurde en Turquie&lt;/i&gt;, PUF, Paris, 2013, S. 114.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Kurdistan Devriminin Yolu&lt;/i&gt;, politisches Manifest der Organisation.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Georges Corm, &lt;i&gt;Le Proche-Orient &#233;clat&#233; 1956-2010&lt;/i&gt;, Gallimard, Paris 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Iranisch-kurdische politische Organisation (siehe unten).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mitglied der religi&#246;sen Gruppe der Alawiten, Parteisekret&#228;r der arabisch-sozialistischen (nationalistischen) Baath-Partei und Pr&#228;sident Syriens von 1971 bis 2000; Vater des gegenw&#228;rtigen Pr&#228;sidenten Bashar al-Assad.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#214;zcan Yilmaz, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 144.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paul White, &lt;i&gt;Primitive Rebels or Revolutionary Modernizers? The Kurdish National Movement in Turkey&lt;/i&gt; (Zed Books, 2000), S. 156.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#214;zcan Yilmaz, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 178.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sabri Cigerli und Didier Le Saout, &lt;i&gt;&#214;calan et le PKK&lt;/i&gt;, Maisonneuve Larose, Paris 2005, S. 385-386.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michel Aglietta, Nachwort zu &lt;i&gt;R&#233;gulation et crises du capitalisme&lt;/i&gt;, Odile Jacob 1997, S. 434.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Th&#233;orie Communiste und Alcuni fautori della comunizzazione, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/fair-amount-killing-middle-east-communiste&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;A Fair Amount of Killing&#034;&lt;/a&gt;, 2004.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ernesto Screpanti, &lt;i&gt;Global Imperialism and the Great Crisis&lt;/i&gt;, Monthly Review Press, 2014, S. 9-10.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Saskia Sassen, &lt;i&gt;Territory, Authority, Rights. From the Medieval to Global Assemblages&lt;/i&gt;, Princeton University Press 2006.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#034;Why the Working Class Goes to Heaven (and to the Right)&#034;, &lt;i&gt;Il Giornale&lt;/i&gt;, 25/4/2012; &#034;Grillo: the Working Class in Heaven along with the Self-Employed&#034;, &lt;i&gt;La Stampa&lt;/i&gt;, 30/01/2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#034;Comment faire la guerre &#224; l'Etat Islamique?&#034;, Homepage von &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 21/09/2014, die kursiven Stellen sind von uns.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Valeria Poletti, &lt;i&gt;The Fire in the Middle East, the Unexpected Connections&lt;/i&gt;, 2014, online verf&#252;gbar, S. 113-114, von uns unterstrichen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Valeria Poletti, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 114.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Anmerkung der englischen &#220;bersetzer: Ein &lt;a href=&#034;https://www.crisisgroup.org/%7E/media/Files/Middle%20East%20North%20Africa/Iraq%20Syria%20Lebanon/Syria/151-flight-of-icarus-the-pyd-s-precarious-rise-in-syria.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Bericht der ICG&lt;/a&gt; zeigt, dass das Anfang Jahr &#252;berhaupt nicht der Fall war. Die Kantone der PYD waren abh&#228;ngig vom syrischen Staat f&#252;r finanzielle Unterst&#252;tzung, w&#228;hrend die PKK zwischenzeitlich materielle Unterst&#252;tzung vom Iran bekommen hatte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Homepage der &lt;i&gt;Financial Times&lt;/i&gt;, 18/9/2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. &#034;Operation Isis, the Target Is China&#034;, &lt;i&gt;Il Manifesto&lt;/i&gt;, 16-9-2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#034;USA with Iran Turkey and the Kurds, the Strange Alliances against the Caliph&#034;, &lt;i&gt;La Repubblica&lt;/i&gt;, 2. September 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gopal Balakrishnan, &#034;Speculations on the Stationary State&#034; in &lt;i&gt;New Left Review&lt;/i&gt;, Nr. 59, September-Oktober 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hamit Bozarslan, &lt;i&gt;Conflit kurde. Le brasier oubli&#233; du Moyen-Orient&lt;/i&gt;, Ed. Autrement, Paris 2009, S. 22-24.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd. S. 20-22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In einem k&#252;rzlich erschienenen Artikel mit dem Titel &#034;Is Kobane alone?&#034; zeigt Sandro Mezzadra, dass der Rest der Bewegung gegen die Globalisierung nun die PKK und die YPG n&#252;tzlich finden kann, da sie versuchen, ihren eigenen Phantasien eines Kapitalismus mit menschlichem Antlitz neues Leben einzuhauchen. Dieser ber&#252;hmte Professor aus Bologna erkl&#228;rt, was wir in der Erfahrung der Autonomie in Rojava erkennen m&#252;ssen: &#8222;In Rojava m&#252;ssen wir die Verbindungen mit unserer j&#252;ngsten Geschichte erkennen; wir m&#252;ssen bereit sein, die Echos von Seattle, von Genua, der Zapatisten zu h&#246;ren. Denn diese Echos existieren. Und noch viel mehr m&#252;ssen wir den roten Faden erkennen, der die Aufst&#228;nde 2011 im Maghreb und im Maschrek verbindet und verl&#228;ngert, sich durch die spanische 15M und Occupy, den brasilianischen und t&#252;rkischen Erhebungen letztes Jahr hindurchzieht.&#8220; Es ist somit notwendig, &#8222;diese Form des Kommunismus zu verteidigen, auf die Strasse zu gehen und Seite an Seite mit Kobane und Rojava zu stehen &#8211; und von diesem Punkt aus, auf eine konkrete Art und Weise unseren Widerstand gegen den Krieg neu zu erfinden&#8220;. Den Widerstand gegen den Krieg neu erfinden, nat&#252;rlich, aber nicht ohne Bedauern, dass die Intervention der internationalen Koalition &#8222;sporadisch und total ineffizient&#8220; gewesen ist. Wann werden die Rufe nach Bodentruppen folgen? Denn &#8222;Polizeiaktion durch Luftangriffe ist ein Witz. Eine Polizeiaktion, die zur Preisgabe des Territoriums und der wehrlosen Leute f&#252;hren, welche vor kriminellen Banden besch&#252;tzt werden sollten, ist verr&#252;ckt, wenn nicht ein ernsthaftes Verbrechen&#8220;. (Adriano Sofri, &#034;Do not Call It War&#034;, &lt;i&gt;La Repubblica&lt;/i&gt;, 7. Mai 1999.) [Anmerkung der englischen &#220;bersetzer: Adriano Sofri ist ein gut bekannter ehemaliger Anf&#252;hrer der linken italienischen Organisation Lotta Continua; er wurde zu 22 Jahren Gef&#228;ngnis verurteilt aufgrund der T&#246;tung des infamen Polizeiinspekteurs Luigi Calabresi (1972), Ende der 1990er provozierte er viele Kontroversen Jahren aufgrund seiner Unterst&#252;tzung der NATO w&#228;hrend dem Balkankrieg.]&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Courrier International&lt;/i&gt;, 23.-29. Oktober 2003.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sabri Cigerli &amp; Didier Le Saout, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 381.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Quaderni internazionalisti&lt;/i&gt;, &#034;What Revolution for Kurdistan?&#034;, Flyer, 1999, online verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auszug aus: Ralph Peters, &#034;Blood Borders&#034;, in &lt;i&gt;Armed Force Journal&lt;/i&gt;, Juni 2006.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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