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		<title>Brandstiftung mit Forderungen &#8211; zu den schwedischen Ausschreitungen</title>
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Dieser Ausruf ist h&#246;chst repr&#228;sentativ f&#252;r den Aktivismus, welcher in den Vorst&#228;dten Stockholms in den letzten Jahren gediehen ist. In diesem Fall kommt er von Megafonen (&#8222;Das Megafon&#8220;), eine basisdemokratische Aktivistengruppe, welche 2008 in der Stockholmer Vorstadt Husby von jungen Leuten rund um (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/png/10000201000006550000043880a6ae7031f1228f.png?1689469878' width='500' height='333' alt='' /&gt;
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&lt;/div&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Vor 30-40 Jahren konnte es sich der Staat leisten, eine Million Wohnungen in zehn Jahren zu BAUEN, jetzt ist er sogar zu arm, um sie zu RENOVIEREN.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Megafonen, &#034;Alby &#228;r inte till Salu!&#034; [&#034;Alby steht nicht zum Verkauf!&#034;], (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Megafonen - &#034;Alby steht nicht zum Verkauf&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Ausruf ist h&#246;chst repr&#228;sentativ f&#252;r den Aktivismus, welcher in den Vorst&#228;dten Stockholms in den letzten Jahren gediehen ist. In diesem Fall kommt er von Megafonen (&#8222;Das Megafon&#8220;), eine basisdemokratische Aktivistengruppe, welche 2008 in der Stockholmer Vorstadt Husby von jungen Leuten rund um Prinzipien wie Demokratie, Gemeinwohl, Gemeinschaft, Arbeit und Bildung gegr&#252;ndet worden ist. Der Staat, sagt Megafonen hier, erf&#252;llt seine eigene Aufgabe nicht mehr, welche darin bestehen w&#252;rde, das materielle Wohlbefinden der Leute durch Wohnungspolitik zu garantieren. Die Ambivalenz dieser Perspektive ist schon klar in der nostalgischen Anspielung auf die Bl&#252;tezeit des schwedischen sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates, repr&#228;sentiert durch die staatliche Wohnungspolitik, welche zum Bau von &#8222;einer Million Wohnungen&#8220; zwischen 1965 und 1974 f&#252;hrte. Einerseits anerkennt sie Budgetk&#252;rzungen, Privatisierungen, Schliessungen usw. als Symptome einer bereits existierenden kapitalistischen Restrukturierung. Andererseits stellen sich ihre Handlungen als Affirmation dessen heraus, was von der Infrastruktur und den politischen Institutionen &#252;brig geblieben ist, welche die schwedische Arbeiteridentit&#228;t formten, z.B. staatliche Wohnungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Ambivalenz kann Sinn ergeben: Durch den Kampf gegen das Fortschreiten der Restrukturierung verteidigt man gleichzeitig das, was noch nicht umgestaltet worden ist. Doch dann l&#228;sst man ein wesentliches Produkt der Zerst&#246;rung der Arbeiteridentit&#228;t beiseite: das Ende der politischen Existenz des Proletariats in Schweden, welches in den &#228;rmsten Gebieten von der Entwicklung von undeutlichen Ausschreitungen zwischen 2008 und heute begleitet worden ist. Wenn wir die Praktiken dieser Ausschreitungen in Betracht ziehen, erscheint die Ambivalenz jener Art des Aktivismus von Megafonen &#8211; die Tatsache, dass er innerhalb jenen Aspekten funktioniert, welche das Ende der Arbeiteridentit&#228;t verk&#246;rpern, und gleichzeitig versucht, sich auf den &#220;berbleibseln dieser Identit&#228;t zu organisieren &#8211; als ein Widerspruch zwischen den Bedingungen, unter welchen er existiert, und seinen Perspektiven. In einer Zeit, wo das Proletariat, welches die es definierende Arbeitskraft verkaufen muss, strukturell vom kollektiven Verhandlungstisch ausgeschlossen ist, bekr&#228;ftigt dieser Aktivismus durch seine Verurteilung &#8222;des Staates&#8220; und seiner verschiedenen Institutionen immer noch die M&#246;glichkeit eines Dialogs und einer Zukunft innerhalb dieser Gesellschaft. Kurz gesagt verteidigt er einen Wohlfahrtsstaat, der nicht mehr existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re verlockend, diesen Widerspruch entlang einer Achse Revolte-Reform zu analysieren, in welcher die Ausschreitungen die zerst&#246;rerische Sprache der Br&#252;che und die Aktivisten die konstruktive Sprache der Politik verk&#246;rpern w&#252;rden. Die Ausschreitungen w&#228;ren eine blosses Symptom der Zerst&#246;rung der Arbeiteridentit&#228;t, w&#228;hrend die Aktivisten ein Mittel dagegen suchen w&#252;rden. Doch wenn man sich die Ereignisse in einer langfristigen Perspektive n&#228;her anschaut, ist dieses politische und theoretische Konstrukt nicht passend. Selbstverst&#228;ndlich sind die Ausschreitungen nicht harmonisch mit diesem Aktivismus vereint. Die Praktiken des Anz&#252;ndens von Autos und Hauptquartieren diverser Institutionen oder des Kampfes gegen die Polizei und die Feuerwehr unterscheiden sich qualitativ von Praktiken wie das Fordern spezifischer politischer Ver&#228;nderungen und der expliziten Darlegung, was die Funktion von Institutionen sein sollte. Doch in Anbetracht sowohl der Subjekte, welche diese Praktiken aus&#252;ben, als auch der Praktiken selbst, ist das Verh&#228;ltnis zwischen Ausschreitungen und Aktivismus nicht das von zwei klar unterschiedlichen Lagern. Es geht darum, dieses zeitgen&#246;ssische Verh&#228;ltnis zwischen Ausschreitungen und Aktivismus in Schweden deutlich zu machen, zu verstehen, was es &#252;ber die gegenw&#228;rtige Periode in einem allgemeineren Sinn aussagt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sechs Jahre nach den Ausschreitungen in Malm&#246;, f&#252;nf Jahre nach den Ausschreitungen in G&#246;teborg und mehr als ein Jahr nach den Ausschreitungen in Stockholm und anderen schwedischen St&#228;dten hindert uns der Mangel an Texten &#252;ber diese Ereignisse sogar daran, zu beschreiben, was w&#228;hrend diesen Ausschreitungen geschah. Es braucht also in erster Linie eine Beschreibung der Entstehung sowohl der Ausschreitungen als auch des Aktivismus in den Vororten dieser St&#228;dte zwischen 2008 und letztem Jahr. Die Fokussierung auf die Praktiken, aus welchen einerseits die Ausschreitungen, andererseits der Aktivismus zusammengesetzt sind, muss durch eine Darstellung sowohl ihrer historischen Hervorbringung, als auch von dem erg&#228;nzt werden, was die sogenannten Vorst&#228;dte heutzutage strukturiert. Dies wird uns dazu f&#252;hren, einen Blick auf das innere Verh&#228;ltnis der Ausschreitungen und des Aktivismus in diesen Vorst&#228;dten zu werfen, und eine Frage zu formulieren, welche &#252;ber den schwedischen Kontext hinausgeht: jene der gesellschaftlichen und politischen Integration.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Besetzungen, Kampagnen &#8211; und Ausschreitungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Ausschreitungen von Stockholm&#8220; zwischen dem 19. und dem 27. Mai 2013 entstehen nicht einfach in einem gesellschaftlichen Vakuum. Ihnen gingen andere schwedische Ausschreitungen voraus, v.a. jene in Malm&#246; 2008, welche mit der Besetzung eines &#246;ffentlichen Raumes begannen, die Ausschreitungen in G&#246;teborg 2010-2011, welche in der Entstehung einer Bewegung f&#252;r die Modernisierung der Vorst&#228;dte kulminierten, und zu guter Letzt sind die &#8222;Ausschreitungen von Stockholm&#8220; 2013 selbst untrennbar mit einer spezifisch auf Stockholm bezogenen Geschichte der Verteidigung &#246;ffentlicher Dienstleistungen verbunden. Wenn wir uns die Praktiken dieser Ereignisse n&#228;her anschauen, kommt das zerbrechliche Verh&#228;ltnis zwischen Ausschreitungen und Aktivismus zum Vorschein. Wie wir sehen werden, koexistieren Ausschreitungen in den Vorst&#228;dten mit B&#252;rgerprotestbewegungen mit expliziten Forderungen, obwohl sie ihre eigenen spezifischen Taktiken entwickeln. Im schwedischen Kontext sind die Ausschreitungen in den Vorst&#228;dten im Kontext der Verteidigung des &#246;ffentlichen Raumes oder gegen Mieterh&#246;hungen zutage getreten und als solche k&#246;nnen sie als eine Art illegitimer Verhandlungsf&#252;hrung gesehen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kontext, sowohl in Bezug auf Subjekte, als auch auf Praktiken und politische Resultate, sind die &#8222;Ausschreitungen von Stockholm&#8220; 2013 ein Produkt einer l&#228;ngeren zeitgen&#246;ssischen Geschichte von Ausschreitungen. Wir k&#246;nnten sagen, dass diese Geschichte in einem Teil von Malm&#246; namens Roseng&#229;rd im Dezember 2008 begann&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der folgende Bericht &#252;ber die Ausschreitungen in Roseng&#229;rd basiert v.a. auf: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Den Ausschreitungen in Roseng&#229;rd ging eine Besetzung in Herrg&#229;rden voraus, ein Quartier von Roseng&#229;rd. Die Besetzung wurde von lokalen Jugendlichen mit einem Immigrationshintergrund und einigen weissen Wohnraumaktivisten aus anderen Teilen der Stadt organisiert. W&#228;hrend 16 Jahren wurde dieses Lokal vom muslimischen Kulturverein als Moschee genutzt, doch auch &#8211; eine Tatsache, die in den meisten Berichten &#252;ber die Ereignisse ausgelassen wird &#8211; von &lt;i&gt;20 anderen Vereinen&lt;/i&gt; f&#252;r kulturelle und Bildungsaktivit&#228;ten wie Jugendfreizeitgestaltung, Nachhilfeunterricht und so weiter. Mit den geplanten Renovationen des Quartiers dachte Ilmar Repalu, ein lokaler Sozialdemokrat, sowie ein Repr&#228;sentant von Contentus, die Immobilienfirma, welcher die Liegenschaft geh&#246;rt, dass die Moschee nicht mehr &#8222;ins Bild passt&#8220;. Um eine solche Haltung zu verstehen, muss man ber&#252;cksichtigen, dass Roseng&#229;rd, in etwa wie Husby in Stockholm oder Backa in G&#246;teborg, ein Gebiet ist, wo als Resultat der in den 1970er Jahren beginnenden Ver&#228;nderung des Arbeitsmarktes und der wachsenden Arbeitslosigkeit fast nur Einwanderer der ersten oder zweiten Generation wohnen, wovon ein grosser Teil Muslime sind. Diese &#8222;Vorst&#228;dte&#8220;, welche fr&#252;her Quartiere mit &#246;ffentlichen Wohnungen f&#252;r die Arbeiterklasse waren, sind nun zu einem der seltenen Orte geworden, wo die Mieten und Wohnungen f&#252;r Neuank&#246;mmlinge mit einem Fl&#252;chtlings- oder Familiennachzugshintergrund, aber auch f&#252;r Arbeitslose, Langzeitkrankgeschriebene, ehemalige H&#228;ftlinge, Fr&#252;h- oder kranke Rentner usw. zug&#228;nglich sind. W&#228;hrend solche Vorst&#228;dte in den 1960er und 1970er Jahren als R&#252;ckzugsort f&#252;r Gangs oder Drogens&#252;chtige wahrgenommen wurden, ist ihr Symbol nun ein anderes Bild der Andersartigkeit: jenes des Einwanderers aus dem Mittleren Osten oder Afrika, h&#228;ufig mit dem Islam assoziiert. Folglich ist es vom Standpunkt der &#246;ffentlichen Beh&#246;rden ein sehr schmaler Grat zwischen sozialer Renovation und kultureller Erbauung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Polizei intervenierte allerdings erst am 12. Dezember, w&#228;hrend der dritten Woche der Besetzung, mit voller Kraft im Lokal &#8211; Schlammstiefel, Hunde, Schilder, Kn&#252;ppel und Pfefferspray. Gem&#228;ss allen involvierten Parteien war die Nacht nach der R&#228;umung wahrscheinlich die ruhigste der Woche. Immer mehr Leute versammelten sich, um die Besetzung zu verteidigen, die Polizei musste sie also erneut aus dem Lokal heraustragen. Ungef&#228;hr eine Stunde sp&#228;ter kehrte wieder Ruhe ein, doch die Besetzung dauerte an, sie hatte sich einfach auf den Rasen davor verlagert. Die Leute blieben f&#252;r mehrere Tage und N&#228;chte im Umkreis der Polizei, sie fuhren mit den Aktivit&#228;ten fort, welche gew&#246;hnlich im Geb&#228;ude stattfanden. Matratzen wurden ausgelegt f&#252;r Gebete, junge Leute hingen herum, Tee und Brot wurde serviert, einige &#228;ltere M&#228;nner bauten Zelte auf, um darin zu schlafen, und eine alte Parabolantenne wurde als Feuerstelle benutzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Ausschreitungen kam es erst am Montag 18. Dezember. Jugendliche aus dem Quartier, welche an der Besetzung teilgenommen hatten, und ihre Freunde, die meisten davon m&#228;nnlich und j&#252;nger als 18, begannen, sich in kleinen Gruppen zu versammeln, und in der Gegend von Herrg&#229;rden herumzuziehen. Zu Beginn wurden einige Container und M&#252;lleimer in Brand gesetzt und die Scheiben einer anderen Immobilienfirma, Newsec, zerst&#246;rt. Am Tag danach ging es gleich weiter, w&#228;hrend die Polizei begann, aktiver zu intervenieren. Einer der Verhafteten wurde durch Gewalt befreit, ein Offizier wurde zu Boden geschlagen, Steine wurden auf die Feuerwehr geworfen. Schliesslich versammelten sich einige Jugendliche aus dem Quartier und griffen die Bullen an, welche vor dem Lokal standen. Sie warfen Steine auf sie und rannten weg. W&#228;hrenddessen standen immer noch Kinder, j&#252;ngere und &#228;ltere Leute vor dem Lokal. Nachdem sie es zwei Tage und N&#228;chte ununterbrochen bewacht hatte, entschied die Polizei, den Zugang zu versperren, indem sie mit Lastwagen grosse Container davor stellte. Dies f&#252;hrte nur dazu, dass der allgemeine &#196;rger eskalierte. Am Mittwoch verbreiteten sich Brandstiftungen, Angriffe auf die Polizei mit Feuerwerk, Steinen und Glasflaschen sowie Angriffe auf die B&#252;ros der lokalen Immobilienfirmen im ganzen Gebiet von Herrg&#229;rden. Der Polizeiposten im Zentrum von Roseng&#229;rd wurde angegriffen. Die Leute setzten M&#252;lleimer mitten auf dem Ramels v&#228;g, eine zentrale Strasse in Roseng&#229;rd, in Brand, um den Verkehr zu unterbrechen. Als die Feuerwehr kam, wurde sie mit Feuerwerk und Steinen verjagt. An diesem Mittwoch kamen auch ein Dutzend autonome Aktivisten, einige mit Verbindungen zur Antifaszene, in diesen Teil von Roseng&#229;rd, doch sie versammelten sich nur sehr kurz, bevor sie alle von der Polizei eingekesselt und verhaftet wurden (19 Leute, welche nicht aus dem Quartier kamen, wurden verhaftet). Am n&#228;chsten Tag, Donnerstag, wurde der Polizeiposten im Zentrum von Roseng&#229;rd komplett zerst&#246;rt, w&#228;hrend die lokalen B&#252;ros der Immobilienfirmen Contentus und Newsec zerst&#246;rt und gepl&#252;ndert wurden (einige Computer und andere Wertgegenst&#228;nde wurden gestohlen). Schlagkr&#228;ftige selbst gemachte Bomben begannen in gewissen Gruppen zu zirkulieren. Ganz Roseng&#229;rd brannte. Die Leute bauten die Barrikaden sogleich wieder auf, nachdem die Polizei sie zerst&#246;rte, doch nur wenige griffen die Polizei direkt an, wenn sie kam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Polizei, welche am Mittwoch und Donnerstag buchst&#228;blich verjagt worden war, gewann am Freitag die Kontrolle &#252;ber das Gebiet zur&#252;ck, sie wurde von Verst&#228;rkungen aus den zwei gr&#246;ssten schwedischen St&#228;dten, G&#246;teborg und Stockholm, unterst&#252;tzt. Mehrere Hundert Beamte der Aufstandsbek&#228;mpfungseinheit waren nun konstant pr&#228;sent in Herrg&#229;rden. Obwohl die lange Phase intensiver Brandstiftungen, der Angriffe auf die Polizei und des Bauens von Barrikaden, welche wir die &#8222;Ausschreitungen von Roseng&#229;rd&#8220; nennen k&#246;nnten, vorbei war, gingen diese Praktiken weiter. Am 16., 17. und 18. M&#228;rz wurden z.B. mehrere aufgrund der schlechten M&#252;llverwaltung der lokalen Immobilienfirmen &#252;berf&#252;llte M&#252;lleimer sowie eine Recyclingstation in Brand gesetzt und Steine auf die ankommende Feuerwehr geworfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8216;Tredje dagen det brinner', Sydsvenskan, 18.03.09.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Am 2. Juli 2009 wurden erneut Steine auf die Bullen geworfen und Container am Ramels v&#228;g in Brand gesetzt. In Roseng&#229;rd kam es auch zu kleinen Ausschreitungen im April 2010. Das allgemeine Klima war so angespannt, dass sich Hunderte innerhalb weniger als einem Tag versammelten, als es Berichte gab, dass jemand von den Bullen schlecht behandelt worden war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend den folgenden Monaten im Jahr 2009 kam es immer h&#228;ufiger zu Brandstiftung in und um G&#246;teborg, mehrere Stunden entfernt von Malm&#246;. Es wurden auch Steine auf die Polizei geworfen und die Scheiben verschiedener Institutionen zerst&#246;rt. Am 10. August verhafteten die Bullen eine Person, die des illegalen Waffenbesitzes verd&#228;chtigt wurde, und w&#228;hrend dieser Verhaftung wurden zehn Kunden eines Ladens in Backa auf die Strasse gezerrt und durchsucht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Schwedische Polizei, &#8216;Historisk tillbakablick', Metodhandbok f&#246;r samverkan (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Am 4. April 2011 verfolgte die Polizei zwei Typen, die einige Jeans in einem Kleiderladen in G&#246;teborg gestohlen hatten, und fuhr mit ihrem Auto in sie, wobei einer schwer verletzt wurde. Es kam am folgenden Tag zu Ausschreitungen, die zwei N&#228;chte dauerten: In Backa wurden Autos angez&#252;ndet und wieder Steine auf die Polizei geworfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Stina Berglund, &#8216;Backakravallerna b&#246;rjade med jeansst&#246;ld', G&#246;teborgs-Posten, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In der Zwischenzeit war Patrarna (&#8222;Die Panther&#8220;) in Biskopsg&#229;rden, eine Vorstadt von G&#246;teborg, gegr&#252;ndet worden, eine basisdemokratische Aktivistengruppe, welche, &#228;hnlich wie Megafonen in Stockholm, zum Ziel hat, die Infrastruktur zu verteidigen und den Gemeinschaftssinn zu st&#228;rken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Stockholm war 2008 auch ein entscheidendes Jahr. Die neue Taktik, Br&#228;nde zu legen, um die Bullen und die Feuerwehr anzuziehen und Steine auf sie zu werfen, wurde in den Vorst&#228;dten eingef&#252;hrt, was eine Ver&#228;nderung hin zu einer aggressiveren Haltung gegen&#252;ber der Polizei markiert. W&#228;hrend die Ausschreitungen in Roseng&#229;rd im Dezember 2008 im Gang waren, wurden Autos in Brand gesetzt und es kam auch in Tensta im Nordwesten Stockholms zu Konfrontationen mit der Polizei. Anfang 2009 dehnten sich die Ausschreitungen auf die nahen Gebiete Husby und Akalla aus: Bullen berichteten, dass Randalierer schrien, dass sie sie &#8222;in Sympathie mit unseren Br&#252;dern in Roseng&#229;rd&#8220; angriffen. Im Juni 2009 wurde die Feuerwehr in Husby und Tensta angegriffen. Zwischen August und Oktober kam es zu vielen Brandstiftungen in den Quartieren Gottsunda und Stenhagen in der Stadt Uppsala n&#246;rdlich von Stockholm. Es begann, als eine Polizeipatrouille nach Verst&#228;rkung rief, nachdem Steine auf sie geworfen worden waren. Im Oktober 2009, nach einer eine Stunde dauernden Razzia in einem Jugendzentrum, weil ein gr&#252;ner Laser auf die Polizei gerichtet worden war, brannten etliche Autos in Fittja, eine andere Vorstadt im Norden Stockholms. Im September 2010 besch&#228;digten junge Leute aus dem Quartier die U-Bahn-Station von Husby und griffen den lokalen Polizeiposten aufgrund der Verhaftung von einem Freund von ihnen an&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Schwedische Polizei, op. cit.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf der Jahre 2010 und 2011 konnten die Aktivistengruppen, welche sich seit den 2000er Jahren im Nordwesten Stockholms entwickelt hatten, einige Siege feiern. Es ist wichtig, zu betonen, dass die Leute in Organisationen wie Megafonen aus den Vorst&#228;dten wie Husby, Rinkeby und H&#228;sselby kommen, wo sie aktiv sind, und dort leben. Es sind M&#228;nner und Frauen, welche &#228;lter sind als jene, welche randalieren, sie haben eher eine h&#246;here Bildung, obwohl sie die rassialisierte proletarische Bedingung der Randalierer teilen. Eines der Themen von Megafonen war das Projekt der &#8222;Aufwertung J&#228;rvas&#8220; (&lt;i&gt;J&#228;rvalyftet&lt;/i&gt;), welches 2007 begann. Die Stadt Stockholm plant strukturelle Stadtreformen, welche damals u.a. in Husby darin bestanden, die &#8222;Verkehrstrennung&#8220; zwischen Strassen und Lebensr&#228;umen aufzuheben, die bestehenden Fussg&#228;ngerbr&#252;cken zu demolieren und eine neue Autobahn durch Rinkeby und Tensta zu bauen. Megafonen lehnte das ab und w&#228;hrend der Besetzung eines Freizeittreffs in Husby namens Husby Tr&#228;ff, dessen baldige Schliessung geplant war, stellte die Organisation zwei Reihen von Forderungen vor. Erstens die Einsetzung eines lokalen Ausschusses in jedem Quartier, welcher auf &#8222;Jobs&#8220; und &#8222;Bildung&#8220; fokussiert w&#228;re, was den Einwohnern durch die lokalen Vereine von Husby &#8222;wirkliche Macht&#8220; geben w&#252;rde. Zweitens die Einstellung des &lt;i&gt;Husby strukturplan&lt;/i&gt;, des spezifischen Teils der &#8222;Aufwertung J&#228;rvas&#8220;, welcher Husby betraf. Diese Aktionen verhinderten die geplante Schliessung mehrerer Schulen (die Bredbyschule und die Bussenhusschule), der Quartierpost, des lokalen Gesundheitszentrums und des Steuerb&#252;ros von Tensta nicht. Doch die Forderung der Einstellung des &lt;i&gt;Husby strukturplan&lt;/i&gt; wurde schliesslich mit dem Argument erf&#252;llt, dass es in Anbetracht des Widerstands sinnlos sei, damit fortzufahren. Megafonen schaffte es zudem, den Abriss mehrerer H&#228;user zu stoppen, die Privatisierung eines Badehauses und schliesslich die Schliessung des Husby Tr&#228;ff zu verhindern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;2013 wurde dieser intensive Aktivismus am Leben erhalten, aber nicht ohne (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anfang April 2013 kam es im Quartier Risingeplan in Tensta, eine andere Vorstadt im Nordwesten Stockholms, erneut zu Ausschreitungen. Zwei Recyclingstationen und zwei Autos wurden in Brand gesetzt und die gleiche Nacht wurde die Forderung &#252;berall im Quartier an die W&#228;nde gesprayt: &#8222;SENKT DIE MIETEN&#8220; (&lt;i&gt;S&#196;NK HYRAN&lt;/i&gt;). Als die Polizei und die Feuerwehr eintrafen, wurden sie erstaunlicherweise reingelassen, wahrscheinlich, weil die Randalierer wollten, dass die Forderung gesehen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rouzbeh Djalaie, &#8216;Bilbr&#228;nder byttes mot flygblad och organisering', Norra (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sechs Jahre zuvor betrug die monatliche Miete in diesem Quartier f&#252;r eine F&#252;nf-Zimmer-Wohnung 7900 schwedische Kronen; zu dieser Zeit mindestens 11700 schwedische Kronen und w&#228;hrend den Monaten M&#228;rz und April 2013 wurden die Einwohner informiert, dass es eine retroaktive Mieterh&#246;hung f&#252;r ein Jahr geben w&#252;rde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rouzbeh Djalaie, &#8216;Vi betalar &#214;stermalmshyror i Tensta', ebd., S. 10. Gem&#228;ss (&#8230;)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kampf gegen diese Ver&#228;nderungen nahm zuvor andere Formen als Ausschreitungen an. Einige junge Leute aus dem Quartier lancierten die Kampagne &#8222;Die Zukunft von Risingeplan&#8220; (&lt;i&gt;Risingeplans framtid&lt;/i&gt;) mit dem expliziten Ziel, mit den Medien zu sprechen, um auf die Probleme ihrer Umgebung aufmerksam zu machen. Die Kampagne hob nicht nur die hohen Mieten hervor, sondern auch die schlechte Behandlung der Einwohner durch Dienstleistungs- und Unterhaltsverantwortliche der Firma&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Johanna Edstr&#246;m, &#8216;Hyresv&#228;rden f&#229;r dem att se r&#246;tt', Mitt i Tensta-Rinkeby, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gleichwohl war der Fokus der Kampagne die lokale Immobilienfirma Tornet, welche Mietwohnungen in Stockholm und in Sk&#229;ne verwaltet. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie aufgrund von Wohnungen und &#246;ffentlichen Einrichtungen in schlechtem Zustand (obwohl vor ein paar Jahren renoviert worden war), wie z.B. offen liegende Steckdosen und Kabel, klemmende Kellert&#252;ren, nicht isolierte Fenster, Flecken in feuchten Zonen, abbr&#246;ckelnde Farbe auf Schrankt&#252;ren, Probleme mit der Toilettensp&#252;lung usw., von fast allen gehasst. Mitte April kam es erneut zu Ausschreitungen: Im gleichen Quartier wurde eine Recyclingstation in Brand gesetzt und ein Auto zerst&#246;rt. Auf umliegenden W&#228;nden und in der Recyclingstation wurde erneut Graffiti mit Forderungen angebracht, die nun zunehmend wie Drohungen t&#246;nten: &#8222;Senkt die Mieten oder tragt die Konsequenzen&#8220;, &#8222;Halbiert die Mieten&#8220;, &#8222;Denkt an die 50%&#8220; und &#8222;Hans, du wirst sterben&#8220; (Hans Erik Hjalmar ist der Verwaltungsverantwortliche der 500 Wohnungen)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kenneth Samuelsson, &#8216;H&#229;rt kritiserade Tornet stoppar renovering', Hem &amp; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_138 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_left spip_document_left'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/png/10000201000002b4000001f7c83797a80d16455e.png?1689469879' width='500' height='363' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Eine erw&#228;hnenswerte Tatsache, welche m&#246;glicherweise zur Erh&#246;hung der Spannungen vor den Ausschreitungen in Stockholm beigetragen hat, ist die T&#246;tung eines lokal bekannten 69-j&#228;hrigen Mannes durch die Polizei in Husby. Gem&#228;ss seinen Nachbarn habe er Drohungen gegen die Beh&#246;rden ausgestossen und als die Polizei nach Verst&#228;rkung rief, sperrte er sich in seiner Wohnung ein. Die Polizei &#246;ffnete daraufhin die T&#252;r mit Gewalt und warf eine Blendgranate herein und als der Mann aus der Wohnung rannte, wurde er erschossen &#8211; Zeugen sagten, schwer bewaffnete Polizisten h&#228;tten 14 oder 15 Mal auf ihn geschossen. Nach seinem Tod verfasste die Polizei eine &#246;ffentliche Erkl&#228;rung, in welcher sie behauptete, er sei mit dem Krankenwagen ins Spital gefahren worden, doch gem&#228;ss jungen Leuten aus dem Quartier, welche den Vorfall gesehen hatten, sei der K&#246;rper des Mannes lange liegen gelassen und dann einfach in einem Leichenwagen abtransportiert worden. Eine Demonstration gegen Polizeigewalt wurde in Husby am 15. Mai von Megafonen organisiert. Wie in Roseng&#229;rd 2008 kam es nicht unmittelbar zu Ausschreitungen. W&#228;hrend einer Woche stiegen die Spannungen Tag f&#252;r Tag. Erst sechs Tage sp&#228;ter kam es zu Ausschreitungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die folgende Zusammenfassung der Ausschreitungen in Stockholm basiert v.a. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Am Abend des 19. Mai lockte eine Gruppe junger Leute die Polizei, die lokale Feuerwehr und die Ambulanz nach Husby, indem sie Dutzende von Autos, einige Lastwagen und eine Garage in Brand setzte. Die Polizei, welche zum Schutz der Feuerwehr da war, wurde bei ihrem Eintreffen mit Steinen und Brandbomben beworfen. Die Ruhe kehrte relativ schnell wieder ein. Der n&#228;chste Tag in Husby war mehr oder weniger wie der erste, doch die Anzahl Randalierer war auf &#252;ber 50 angewachsen. Die Polizei wurde wegen brennenden Autos gerufen und bei ihrem Eintreffen, zusammen mit der Feuerwehr, wurden Steine auf ihre Autos geworfen. Vier Bullen wurden verletzt und die Fenster lokaler Schulen und L&#228;den zerst&#246;rt. Etwas fr&#252;her am gleichen Tag, weniger als 24 Stunden nach dem Beginn der Ausschreitungen, veranstaltete die Organisation Megafonen eine Pressekonferenz, w&#228;hrend welcher sie die Realit&#228;t der Segregation und der Polizeigewalt betonte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der dritten Nacht gingen die Ausschreitungen in Husby weiter, dehnten sich jedoch auch auf Jakobsberg aus, eine n&#246;rdliche Vorstadt, wo der lokale Polizeiposten angegriffen, ein Kunstzentrum in Brand gesetzt wurde und zwei Schulen besch&#228;digt wurden. Alles in allem wurden 30 Autos verbrannt und acht Leute in dieser Nacht verhaftet. In der vierten Nacht brannte es an 90 verschiedenen Orten. Wie gew&#246;hnlich wurde die Polizei, als sie zur Unterst&#252;tzung der Feuerwehr eintraf, von allen Seiten mit Steinen beworfen. Ein anderer Polizeiposten wurde in Kista in der N&#228;he von Husby mit Steinen angegriffen und zwei Polizeiposten im S&#252;den Stockholms wurden besch&#228;digt. In Skog&#229;s in der Gemeinde Huddinge wurde ein Restaurant in Brand gesetzt. Die einzige Polizeieinvernahme dieser Nacht war jene eines M&#228;dchens im Teenager-Alter, die verd&#228;chtigt wurde, eine Brandstiftung vorzubereiten aufgrund der Brandbeschleuniger, welche sie unter ihrer Jacke trug &#8211; sie wurde zu ihren Eltern nach Hause geschickt. Viele andere junge Leute wurden ebenfalls zu ihren Eltern nach Hause geschickt, ohne Einvernahme. Diese vierte Nacht war die erste, w&#228;hrend welcher Hunderte von Eltern, Quartierbewohnern und Mitglieder der oben genannten Organisationen auf die Strasse gingen, um die Gewalt und die Brandstiftungen zu beenden. Sie wurden h&#228;ufig als &#8222;B&#252;rgerpatrouillen&#8220; (&lt;i&gt;medborgargarden&lt;/i&gt;) bezeichnet. Die Ausschreitungen dehnten sich dann auf die s&#252;dlichen Vorst&#228;dte aus, begleitet von den gleichen Praktiken: in Brand gesetzte Autos, Angriff gegen die Bullen mit Steinen, wenn sie zur Unterst&#252;tzung der Feuerwehr eintreffen. Ein Polizeiauto wurde in Brand gesetzt und w&#228;hrend dieser Nacht brannten in Malm&#246; Autos und es flogen Steine auf die Polizei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der f&#252;nften Nacht wurden Dutzende Autos, drei Schulen und ein Polizeiposten in Brand gesetzt. Das Feuer breitete sich an 70 verschiedenen Orten aus, v.a. in Rinkeby (f&#252;nf Autos), Tensta (eine Schule), Kista (ein Kindergarten), Jordbro (ein Auto und ein Supermarkt), &#196;lvsj&#246; (ein Polizeiposten) und Norsborg. Steine wurden in S&#246;dert&#228;lje auf die Bullen geworfen. Es patrouillierten immer noch Hunderte zur Wiederherstellung der Ruhe freiwillig auf den Strassen und die Polizei war etwas aktiver, denn es kam diese Nacht zu 13 Einvernahmen, alles Leute zwischen 17 und 26. In der sechsten Nacht brannten weniger Autos in Stockholm (30-40), wo Polizeitruppen aus Malm&#246; und G&#246;teborg die lokalen Einheiten verst&#228;rkten. Die Ausschreitungen dehnten sich nun auf andere St&#228;dte aus, wie z.B. Link&#246;ping, 235 km von Stockholm entfernt, wo ein Kindergarten, eine Primarschule und einige Autos brannten; Uppsala, 70 km n&#246;rdlich von Stockholm, wo eine Schule und ein Auto brannten und Randalierer eine Apotheke besch&#228;digten; &#214;rebro, 160 km n&#246;rdlich von Stockholm, wo eine Schule und mehrere Autos brannten, ein Polizeiposten angegriffen und ein Bulle verletzt wurde. Die siebte Nacht war vergleichsweise ruhiger: Eine Polizeipatrouille wurde in V&#229;rberg s&#252;dlich von Stockholm angegriffen; in Jordbro wurden Steine auf die Bullen geworfen, als sie versuchten, einen Jugendlichen zu verhaften. Schliesslich wurden in der achten Nacht weniger als zehn Autos in Brand gesetzt, was, gem&#228;ss dem Polizeisprecher, als &#8222;R&#252;ckkehr zur Normalit&#228;t&#8220; betrachtet werden konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewissermassen war also 2008 das Jahr, welches die Ausschreitungen unserer Zeit nach Schweden brachte, wobei eine Praxis davon, die Brandstiftung an Autos und Geb&#228;uden, in gewissen Vororten der grossen St&#228;dte allt&#228;glich wurde. Brandstiftung und deren notwendiges Gegenst&#252;ck, die Intervention der Polizei, sind hier Teil des normalen Lebens. Es wird gesellschaftlich nur als ein &#8222;Ereignis&#8220; betrachtet, d.h. in die mediale und politische Sph&#228;re gebracht, wenn es von Konfrontationen mit der Polizei, oder Brandstiftungen an Geb&#228;uden wie z.B. Polizeiposten, L&#228;den und Schulen begleitet wird. Wie wir gesehen haben, k&#246;nnen die Ausschreitungen als &#8222;Ereignisse&#8220; und in einigen F&#228;llen die Praxis der Brandstiftung nicht von den &#246;ffentlichen Erkl&#228;rungen, den Besetzungen und den Forderungen isoliert werden, welche sie begleiten. Die Praktiken der Ausschreitungen tendieren dazu, mit der Sprache der Forderungen zusammenzufliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Die schwedische Arbeiterbewegung und ihr Zerfall&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um den Sachverhalt zu verstehen, m&#252;ssen wir nun &#252;berlegen, auf welche Art und Weise die Bedingungen, die Subjekte und die Praktiken der Ausschreitungen historisch hervorgebracht wurden. Was zur gegenw&#228;rtigen Situation gef&#252;hrt hat, ist die Krise des schwedischen Modells und der Zerfall der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Die in den fr&#252;hen 1970er Jahren beginnende Restrukturierung des Kapitals ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Proletariats; sie hat die Modalit&#228;ten seiner Reproduktion ver&#228;ndert, womit diese nicht mehr eine wesentliche, stabile Komponente der Reproduktion des Kapitals ist. Zudem entfaltet sich im Falle Schwedens die Restrukturierung, w&#228;hrend das Land ein Zentrum f&#252;r Einwanderung wird. Die Ver&#228;nderung der Modalit&#228;ten der proletarischen Reproduktion implizieren auch eine Polarisierung dieser Klasse, entlang der Linien der Qualifikationen und der nationalen Herkunft, und meistens beider zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Begriffe &lt;i&gt;Integration&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Staat&lt;/i&gt; werden f&#252;r unsere Analyse zentral sein. Unser Ansatz impliziert also, uns vom Lohnverh&#228;ltnis im strikten Sinn zu entfernen, denn wir m&#252;ssen die Art und Weise beleuchten, wie konkrete Individuen in die materielle Gemeinschaft des Kapitals eintreten und was f&#252;r ein Verh&#228;ltnis sie zu ihr haben, eine Art und Weise, die immer spezifisch f&#252;r sie ist. Deshalb werden wir mit einer Analyse des schwedischen sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates und seines Hauptproduktes, der gesellschaftlichen Integration des Proletariats, beginnen, bevor wir die Hauptfolgen der Krise dieser Gesellschaft analysieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Beschreibung des Begriffs der Integration und seiner (&#8230;)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese historischen Betrachtungen sollen dazu dienen, die theoretischen Werkzeuge zu einem angemessenen Verst&#228;ndnis der schwedischen &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; und der spezifischen Ausschreitungen der &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; zu schmieden, was, wie wir zu zeigen hoffen, nicht als selbstverst&#228;ndlich betrachtet werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der schwedische sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat basierte auf zentral regulierter Lohnbestimmung. Ihre Grundlagen wurden im Abkommen von Saltsj&#246;baden von 1938 zwischen der &lt;i&gt;Svenska Arbetsgivaref&#246;reningen&lt;/i&gt; (nachfolgend SAF), dem schwedischen Arbeitgeberverband, und der &lt;i&gt;Landsorganisationen i Sverige&lt;/i&gt; (nachfolgend LO), der schwedischen F&#246;deration sozialdemokratischer Gewerkschaften, gelegt. Im Rahmen eines eher sp&#228;t und schnell industrialisierten Landes war es das Aufeinandertreffen eines Bed&#252;rfnisses der Bauernschaft und des Proletariats nach Schutz vor den Folgen des Marktes einerseits und eines Kapitals andererseits, das zu immer mehr Konzentration tendierte (durch Investmentbanken und Holdinggesellschaften, Kapitalverflechtung, gleichzeitige Mitgliedschaften in Verwaltungs- und Exekutivgremien usw.). Gem&#228;ss dem sogenannten, in den 1960er Jahren ausgearbeiteten Rehn-Meidner-Modell war es die Aufgabe der LO, die Lohnforderungen und -verhandlungen aller ihr angeschlossenen Gewerkschaften zu koordinieren, womit sie eine Lohnnorm f&#252;r alle von ihnen setzte, welche hoch genug f&#252;r eine Lohnerh&#246;hung und Gleichheit, doch gleichzeitig niedrig genug sein musste, um die Vollbesch&#228;ftigung nicht zu gef&#228;hrden. Diese &#8222;solidarische Lohnpolitik&#8220; (&lt;i&gt;solidarisk l&#246;nepolitik&lt;/i&gt;), welche sowohl von den Gewerkschaften als auch von der sozialdemokratischen Partei unterst&#252;tzt wurde, verst&#228;rkte in Tat und Wahrheit die Kapitalkonzentration, denn Unternehmen mit intensiver Akkumulation hatten schliesslich relativ niedrige L&#246;hne in Anbetracht ihrer Kapitalakkumulation, w&#228;hrend kleinere Unternehmen im Vergleich dazu relativ hohe L&#246;hne hatten. Diese zentral verhandelte Art und Weise der gesellschaftlichen Regulierung garantierte die Reproduktion einer einheitlichen Arbeiteridentit&#228;t. Die sozialdemokratische Politik war freilich grundlegend eine Verteilungspolitik. Das Sozialwesen war ein gesellschaftlicher Transfer, welcher nicht nur durch hohe Einkommen, Unternehmens-, Verkaufs- und Einkommenssteuern zur Finanzierung der Produktion im &#246;ffentlichen Dienstleistungssektor garantiert wurde, sondern auch durch die zentralisierte Lohnpolitik, welche einen Teil der potenziellen Lohnerh&#246;hungen von Arbeitern im exportorientierten Produktionssektor in die Produktivit&#228;t &#252;bersteigende Lohnerh&#246;hungen im &#246;ffentlichen Dienstleistungssektor transferierte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J. Magnus Ryner, Capitalist Restructuring, Globalisation and the Third Way. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schwedische sozialdemokratische Arbeiterbewegung kann also als Entwicklungshelferin der schwedischen kapitalistischen Gesellschaft betrachtet werden. Die Gegenleistung f&#252;r die Verteilungspolitik mit ihren zentralen Lohnverhandlungen und hoher Besch&#228;ftigung war f&#252;r das Kapital nicht weniger als Arbeitsfrieden, Mobilit&#228;t der Arbeiterschaft, totale Kontrolle &#252;ber Investitionen sowie &#252;ber die Organisation und Rationalisierung des Produktionsprozesses. Nat&#252;rlich wirkte die organisierte Arbeiterschaft sowie Bauern und reformistische Intellektuelle der &#8222;wirtschaftlichen&#8220; Macht des Kapitals durch ihre eigene &#8222;politische&#8220; Macht entgegen. Doch diese &#8222;politische&#8220; Macht, obwohl sie als Volksbewegung und Gegengesellschaft organisiert war und repr&#228;sentiert wurde, unterst&#252;tzte das Kapital in der Suche nach seinem idealen Tempo: Zu hohe Profite, so sagte man, f&#252;hren zu Lohndrift, zu tiefe zu Arbeitslosigkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J. Magnus Ryner, ebd., S. 59.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Sinne war die schwedische sozialdemokratische Arbeiterbewegung ein gesellschaftlicher Integrationsprozess. Es waren die in der Nachkriegszeit konsolidierten fordistischen Normen der Produktion, welche ihr erlaubten, sich dahingehend zu entwickeln. Eine grosse Produktivit&#228;tssteigerung, welche zur Preissenkung der wesentlichen, f&#252;r die Reproduktion des Proletariats notwendigen Waren f&#252;hrte, konnte Hand in Hand mit einer Erh&#246;hung der Reall&#246;hne gehen. Auf diese Art und Weise wurde die Massenproduktion durch den Massenkonsum best&#228;tigt, was die organische Zusammensetzung des Kapitals in Zaum hielt. Die kapitalistische Entwicklung dieser Periode basierte auf dem expandierenden Rahmen, der technologischen Innovation und der Verbesserung jener Produkte, welche aus nat&#252;rlichen Ressourcen in der Produktion von &#8222;Stapelwaren&#8220; (wie Holz oder Eisen) entwickelt wurden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Maschinenindustrie wurde schnell zu Schwedens wichtigster (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend dieser &#196;ra wurden die Reall&#246;hne in einem gleichm&#228;ssigen Rhythmus erh&#246;ht, w&#228;hrend die Profitrate relativ niedrig blieb. Die Arbeitslosigkeit stagnierte bei ein bis zwei Prozent. Es war diese stetige und gesch&#252;tzte Entwicklung, welche es der fundierten Arbeiteridentit&#228;t erlaubte, die sozialdemokratische Partei zu unterst&#252;tzen, was ihr zwischen 1932 und 1982 (mit Ausnahme eines Mandats) eine Mehrheit im Parlament garantierte. Ohne &#220;bertreibung k&#246;nnte man sagen, dass w&#228;hrend dieser Periode die schwedische sozialdemokratische Arbeiterbewegung eins wurde mit dem Regime.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis Mitte der 1970er Jahre wurden die Reproduktion einer einheitlichen Arbeiteridentit&#228;t und ihre Ausdehnung auf die Mittelschichten auch von einer Integration von Einwanderern in die nationale Arbeiterschaft begleitet. Die zentral bestimmten L&#246;hne und die starke politische Repr&#228;sentation der Arbeiterklasse verhinderten die Nutzung der Einwanderung zur Senkung der L&#246;hne&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu dieser Zeit hatte Schweden die h&#246;chste Einb&#252;rgerungsquote von (&#8230;)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dieser Horizont einer einschliessenden nationalen Arbeiteridentit&#228;t war jener einer zunehmenden instrumentellen Zugeh&#246;rigkeit. Es wurde keine Gesetzgebung gegen Diskriminierung formuliert, weil der Staat und seine aktive Arbeitsmarktpolitik als gen&#252;gend betrachtet wurden, um einen vern&#252;nftigen gesellschaftlichen Organismus zu erschaffen, innerhalb welchem jeder gleich behandelt werden konnte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Carl-Ulrik Schierup, Aleksandra &#197;lund and Lisa Kings, &#8216;Reading the Stockholm (&#8230;)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Massenkonsum, -bildung und -spezialisierung machten Realit&#228;ten wie Ethnizit&#228;t und Rasse zu irrelevanten Faktoren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese sowohl von Gewerkschaften als auch Arbeitgebern geteilte &#220;berzeugung (&#8230;)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Tr&#228;ger dieser einschliessenden nationalen Arbeiteridentit&#228;t war der schwedische Staat. Da der gesellschaftliche Mehrwert, welcher sowohl das Kapital als auch die Arbeit maximieren wollten, einen Verteiler brauchte, entwickelte sich dieser spezifische Staat als Einheit der gegenseitigen Verwicklung von Kapital und Arbeit. Die Form der einschliessenden nationalen Arbeiteridentit&#228;t war jene der universellen Anspr&#252;che, d.h. gesellschaftliche Einkommen unabh&#228;ngig von Lohnarbeit. Sowohl historisch als auch in der Nachkriegszeit brachte sie die Einheit der Arbeiterklasse hervor und dehnte den Anklang der koalition&#228;ren sozialdemokratischen Arbeiterbewegung auf &#8222;das Volk&#8220; im allgemeinen aus. Die &#8222;Heimat&#8220; des schwedischen Volkes (&lt;i&gt;folkhemmet&lt;/i&gt;), das Territorium der sozialdemokratischen Verteilungspolitik, war nichts anderes als die Nation. Aus dieser Perspektive war der schwedische Staat der Ort dieses kollektiven Verhandlungsmodells. Nur durch den Staat konnte die Verteilung von Sozialleistungen als Ausgleich f&#252;r Einkommensverluste etabliert werden. Als individuelle B&#252;rger waren Arbeiter und Kapitalisten in den politischen Parteien im Parlament repr&#228;sentiert, doch sie waren auch als funktionale Interessen repr&#228;sentiert, organisiert in der LO und der SAF, harmonisiert in der gesellschaftlichen Regulierung des Staates&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J. Magnus Ryner, op. cit., S. 30 und 93.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser gesellschaftliche Integrationsprozess, welcher eine politische Macht gegen das Kapital konstituiert, dieses jedoch immer auch best&#228;tigt, ist, was wir die sozialdemokratische Arbeiterbewegung im schwedischen Nachkriegskontext nennen k&#246;nnten. Die Etablierung gegenseitiger Interessen im Verh&#228;ltnis zwischen Arbeit und Kapital erlaubte eine Organisation des Proletariats auf der Grundlage dessen, was es innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft repr&#228;sentierte (Arbeit, Wohlfahrt, Gebrauchswert usw.). Das ist es, was wir &#8222;Arbeiteridentit&#228;t&#8220; nennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als solche begriffen, bilden die sozialdemokratische Arbeiterbewegung und ihre spezifische Arbeiteridentit&#228;t eine historische Situation. Um sie nun in Bezug auf ihren Zerfall zu verstehen, m&#252;ssen wir sie in ihrer Entwicklung begreifen &#8211; eine Entwicklung, welche, ab einem gewissen Punkt, mit ihren inneren Widerspr&#252;chen zusammenst&#246;sst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Welle wilder Streiks, welche im Fr&#252;hling 1970 ausbrach, war symptomatisch f&#252;r den Bruch des historischen Abkommens, welches zwischen Arbeit und Kapital in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts etabliert worden war. Das geschah als Schweden in eine &#220;berakkumulationskrise und in eine Krise der fallenden Produktivit&#228;tssteigerung eintrat, welche beide von der &#214;lkrise versch&#228;rft wurden. W&#228;hrend dem Rest der 1970er Jahre war die Produktivit&#228;tssteigerung in Schwedens exportorientiertem Produktionssektor, aufgrund fallender Profitraten und dem anschliessenden Zusammenbruch des fordistischen Verwertungskreislaufs, nicht mehr intensiv genug, um Lohnerh&#246;hungen im inl&#228;ndischen Dienstleistungssektor zu erlauben. Gleichzeitig begann die Arbeitslosigkeit zu steigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J. Magnus Ryner, ebd., S. 49-50.&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise der schwedischen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung ist gleichbedeutend mit dem Beginn der Restrukturierung in Schweden, d.h. die Anfang der 1970er Jahre beginnenden Ver&#228;nderungen des Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit. In diesem Land kann die Restrukturierung nur in einer langfristigen Perspektive verstanden werden. Vorab bedeutete die Restrukturierung das Ende der Einkommenspolitik. In Schweden wurde die Produktion als solche ab dem Ende der 1960er Jahre internationalisiert, w&#228;hrend die Delokalisierungen in den 1980er Jahren begannen. Vom Standpunkt des Kapitals wurde es daraufhin notwendig, die gegenseitige zentrale Lohnbildung einzustellen, v.a. seit die Gewerkschaften f&#228;hig gewesen waren, betr&#228;chtliche Lohnsteigerungen w&#228;hrend den 1970er Jahren zu erzwingen. Folglich verlor der schwedische Staat seine Funktion als gesellschaftlicher Regulierer des Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit, weil der Lohn seinen Status als wesentlicher Bestandteil der Reproduktion des Kapitals verlor. Entwertung wurde f&#252;r das Kapital zu einer besseren Option als Einkommenspolitik und die grossen industriellen Unternehmen taten sich mit den grossen schwedischen Banken zusammen, um finanzielle Aktivit&#228;ten innerhalb des produktiven Kapitals zu entwickeln&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J. Magnus Ryner, ebd., S. 146-147.&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gleichzeitig machte es die Restrukturierung unm&#246;glich, Wechselkurse und Zinss&#228;tze zu kontrollieren. Das Rehn-Meidner-Modell setzte tiefe Zinss&#228;tze und die Entwicklung des Weltmarktes voraus. Als Unternehmen und Banken mit ausweichenden W&#228;hrungsswaps begannen, wurde die nationale Kontrolle von Wechselkursen und Zinss&#228;tzen unm&#246;glich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J. Magnus Ryner, ebd., S. 110.&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Beseitigung der schwedischen staatlichen Regulierung innerhalb der Produktions- und der Zirkulationssph&#228;re wurde mit der neuen sozialdemokratischen Politik zwischen 1982 und 1991 konsolidiert. Schwedens schwache Exportindustrie, der Mangel an ausl&#228;ndischen Investitionen, das Haushaltsdefizit des Landes und seine steigenden Auslandsschulden beg&#252;nstigten eine Politik der Entwertung, sowie eine konservative Steuer- und Geldpolitik. Im Kontext der Finanzkrise 1991, welche sich prim&#228;r als Immobilienblase ausdr&#252;ckte, kulminierte dies in drastischen Sparmassnahmen in Schweden: Reduzierung der Unterst&#252;tzungsbeitr&#228;ge, straffere Aufnahmeregeln f&#252;r Gesundheits- und Arbeitslosenversicherungsprogramme und schliesslich die Aufgabe des politischen Imperativs der Verteidigung der Vollbesch&#228;ftigung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jetzt, wo die stetige und gesch&#252;tzte Entwicklung der schwedischen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung l&#228;ngst vorbei ist, kann das Lohnverh&#228;ltnis eine einschliessende Arbeiteridentit&#228;t nicht mehr ertragen. Durch die Krise dieser Bewegung und die Restrukturierung ist die Arbeiteridentit&#228;t zerfallen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch kann der Prozess dieses Zerfalls nicht durch eine ausschliessliche Referenz zum Verh&#228;ltnis zwischen Kapital und Arbeit verstanden werden. Der Zerfall auf der Ebene des Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit (Zerfall &#8222;von oben&#8220;) ist gleichbedeutend mit der Krise des schwedischen Wohlfahrtsstaats und der Tatsache, dass die schwedische sozialdemokratische Arbeiterbewegung nicht mehr f&#228;hig ist, die Produktions- und Zirkulationssph&#228;re durch den Staat zu beeinflussen. Der Zerfall auf der Ebene des Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit bedeutet das Ende der nationalen Beschr&#228;nkung der Produktion und wurde von einer steigenden Finanzialisierung des Kapitals und der Konstitution einer transnationalen, fragmentierten Arbeiterschaft begleitet. Doch der Zerfall der Arbeiteridentit&#228;t kommt auch von unten, von den inneren Beziehungen innerhalb des Proletariats. An diesem Punkt m&#252;ssen wir versuchen, uns dem historischen Zusammenfallen der Aufl&#246;sung der industriellen Arbeiterklasse und der vermehrten Einwanderung in Schweden besch&#228;ftigen. Der wichtigste Effekt dieses Zusammenfallens ist die Polarisierung zwischen einem stabilen nationalen Kern einerseits und einer prek&#228;ren eingewanderten Peripherie andererseits, welche es innerhalb der Klasse selbst erzeugt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Fl&#252;chtlingszustrom in der Nachkriegszeit war die Periode zwischen den 1950er und den 1970er Jahren vom Ankommen von eingewanderten Arbeitern gepr&#228;gt, gr&#246;sstenteils aus Jugoslawien und Finnland. Diese Arbeiter machten es m&#246;glich, wirtschaftliche Bl&#252;ten und tempor&#228;ren Arbeitskr&#228;ftemangel zu verwalten, doch sie hatten nie den Status von Gastarbeitern. 1972 wurde weitere Einwanderung von Arbeitern verboten, dies wurde von den Gewerkschaften gefordert, um die L&#246;hne der nationalen Arbeiterschaft zu sch&#252;tzen. Von diesem Moment an bestand Einwanderung in Schweden v.a. aus Fl&#252;chtlingen und Asylbewerbern, zus&#228;tzlich zu jenen, welche dank dem Familiennachzug kamen. Es hat sich eine neue Art der Einwanderung entwickelt, v.a aus dem Horn von Afrika, dem Iran, dem Irak und der T&#252;rkei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;The duty to work', Paradoxes of Multiculturalism. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Rahmen der globalen Restrukturierung verursachten die technologischen Innovationen und die Umverteilung der Arbeit einen R&#252;ckgang der Anzahl Jobs in der Industrie, was mit der Entwicklung von niederen Dienstleistungsjobs in den neuen urbanen Agglomerationen kompensiert wurde. Diese Jobs wurden und werden nach wie vor gr&#246;sstenteils von Einwanderern ausgef&#252;hrt, w&#228;hrend die Expansion der Forschung und Entwicklung und der &#8222;Informationsindustrie&#8220; Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre die Grundlage f&#252;r die Bildung neuer Mittelschichten innerhalb der Mehrheitsbev&#246;lkerungen legte. W&#228;hrend den letzten Jahren gab es &#246;ffentliche Programme und Unterst&#252;tzungsbeitr&#228;ge um das zu stimulieren, was unter dem Namen des &#8222;ethnischen Unternehmertums&#8220; l&#228;uft, was die schon betr&#228;chtliche Pr&#228;senz von Einwanderern in den h&#246;chst kompetitiven selbst&#228;ndigen Sektoren der Reinigung, der Verpflegung, der Restaurants und der kleinen L&#228;den vergr&#246;ssert hat. W&#228;hrend ein grosser Teil der schwedischen Frauen im expandierenden &#246;ffentlichen Sektor angestellt worden sind, tendierten die Einwanderinnen dazu, im industriellen Sektor angestellt zu werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;&#8221;Paradise Lost?&#8221; Migration and the Changing Swedish (&#8230;)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Einwanderer hatten nicht nur die k&#246;rperlich anspruchsvollsten Jobs &#8211; folglich machen sie einen wachsenden Teil der aufgrund von Krankheit Fr&#252;hpensionierten aus; die Rationalisierung, die Delokalisierung, die Reorganisation zur Ersetzung der Arbeit und die technologische Modernisierung geschahen auch in Industrien, wo die Einwanderer konzentriert waren, womit sie mehr denn alle anderen von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Zu guter Letzt war es, aufgrund der gut bekannten schwedischen Unf&#228;higkeit, die Gesetzgebung gegen Diskriminierung umzusetzen, viel schwieriger mit einem ausl&#228;ndisch t&#246;nenden Namen, eine stabile Anstellung zu finden, sogar mit Qualifikationen. All das lief auf mehrere Jahrzehnte der Klassenpolarisierung hinaus, welche sich entlang zweier Achsen entwickelte: eine Achse eingewandertes Proletariat/nationale Mittelklasse und eine Achse arbeitslose Einwanderer/stabiles nationales Proletariat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die inneren Klassenverh&#228;ltnisse werden auch durch den Staat vermittelt und gest&#228;rkt. Die staatliche gesellschaftliche Regulierung war einst ein Tr&#228;ger der Reproduktion einer einheitlichen Arbeiterklasse; sie tendiert nun dazu, all jene zu marginalisieren, welche nicht lange ein Teil des stabilen nationalen Kerns der Arbeiter gewesen sind, oder reguliert gar den Ausschluss aus der formellen Wirtschaft. In den 1980er und 1990er Jahren waren die Einwanderer mit einem h&#246;chst gesch&#252;tzten und selektiven Arbeitsmarkt konfrontiert und die schwedische Gesetzgebung &#252;ber die Arbeitsplatzsicherheit (nach dem Prinzip &#8222;zuletzt angestellt &#8211; zuerst gefeuert&#8220;) f&#252;hrte zu einer Form der indirekten Diskriminierung, denn sie war zum Nachteil der Einwanderer im Falle von Entlassungen oder Fabrikschliessungen. Aufgrund der hohen Lohnkosten in Schweden und dem strikt regulierten Wohlfahrtssystem m&#252;ssen kleine Unternehmen auch f&#228;hig sein, viel zu investieren, um zu &#252;berleben, was h&#228;ufig die begrenzten verf&#252;gbaren Nischen f&#252;r neu angekommene selbst&#228;ndige Einwanderer oder die Notwendigkeit f&#252;r sie erkl&#228;rt, &#8222;in den Untergrund zu gehen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Carl-Ulrik Schierup, ebd., S. 214-215.&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig wurden die verschiedenen ethnischen Zentralorganisationen (&lt;i&gt;riksf&#246;rbund&lt;/i&gt;), welche von Finnen, Jugoslawen, Kroaten, T&#252;rken, Griechen, Kurden und Syrern gegr&#252;ndet worden waren, in Staatspraktiken eingegliedert. Durch ihre &#246;ffentliche Unterst&#252;tzung &#252;bte die nationale schwedische Einwanderungsbeh&#246;rde (&lt;i&gt;Statens Invandrarverk&lt;/i&gt;) starke wirtschaftliche Kontrolle &#252;ber ihre Aktivit&#228;ten aus, z.B. indem sie sie daran hinderte, sich zu politischen Interessengruppen zu entwickeln oder bestehende Parteien zu unterst&#252;tzen, eine Kontrolle, welche eine tiefe Entpolitisierung der sich um Organisation als Einwanderer bem&#252;henden Einwanderer implizierte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;The ethnic tower of Babel: political marginality and (&#8230;)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Selbstverst&#228;ndlich wird der politische Vertrag, die Normen der B&#252;rgerpraktiken sowie die Art und Weise, wie er oder sie repr&#228;sentiert wird, stets als rassenneutraler Vertrag verwaltet. Doch in Tat und Wahrheit ist der politische Vertrag als weiss bestimmt, denn das allgemeine Interesse ist das Interesse jener, welche ihre gesellschaftliche Integration vollendet haben. Die &lt;i&gt;Anderen&lt;/i&gt; werden mit einem besonderen Ph&#228;notypus oder Stammbaum markiert und k&#246;nnen nur hoffen, durch nicht mehr und nicht weniger als die Best&#228;tigung dieser Besonderheit in die Sph&#228;re der politischen Universalit&#228;t einzubrechen. Die pluralistische Politik der Rechte f&#252;r die Gemeinschaften der 1970er Jahre erm&#246;glichte freilich die Bildung permanenter Institutionen oder Kultst&#228;tten, doch die Modalit&#228;ten der gesellschaftlichen und politischen Integration der Einwanderer werden immer prek&#228;rer. Einige Bev&#246;lkerungen werden in der Tat ermutigt, politisch als Repr&#228;sentanten ihrer Kultur zu existieren, oder gar, sich komplett aus der Sph&#228;re der politischen Universalit&#228;t zur&#252;ckzuziehen. &#196;hnlich der Klassenpolarisierung entwickeln sich basisdemokratische und parlamentarische Politik entlang zweier Achsen: eine Achse organisierte Einwanderer/etablierte B&#252;rger und eine Achse entpolitisierte Einwanderer/Vorzeigearbeiter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird somit klar, dass, wenn die Reproduktion des Proletariats nicht mehr l&#228;nger ein stabiler Bestandteil der Reproduktion des Kapitals ist, der Staat nicht mehr l&#228;nger die Einheit eines gegenseitigen Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit konstituiert. Dennoch ist der Zerfall der Arbeiteridentit&#228;t nicht nur der &lt;i&gt;Abbau&lt;/i&gt; der Errungenschaften der Arbeiterbewegung. Das Sozialwesen wird auch restrukturiert, d.h. in einer neuen Form &lt;i&gt;hervorgebracht&lt;/i&gt;. Wenn eine proletarische Bewegung in der Reproduktion des Kapitals nicht mehr l&#228;nger best&#228;tigt wird, tendiert das Sozialwesen dazu, eine blosse Belastung f&#252;r den Staat zu werden. Die Verwandlung des Sozialwesens wird dann zu einem wesentlichen Moment des Angriffs auf die Reall&#246;hne &#8211; &#8222;Reall&#246;hne&#8220; im weiten Sinn des Begriffs, d.h. indirekte L&#246;hne und gesellschaftliche Umverteilung beinhaltend. Das f&#252;hrt zu Sparmassnahmen, d.h. zur teilweisen oder vollst&#228;ndigen Beseitigung der Anspr&#252;che an und f&#252;r sich. In Schweden begann dieser Prozess 1991 und radikalisierte sich ab 2006 mit der rechten Koalition &#8222;Arbeitsstrategie&#8220; (&lt;i&gt;arbetslinjen&lt;/i&gt;)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;2006 wurden die individuellen Kosten zur Teilnahme am System der Leistungen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die neu hervorgebrachte Form des Sozialwesens zeigt sich im besonderen Verh&#228;ltnis zwischen dem Staat und dem Markt, welches die Grundlage des neuen schwedischen Sektors des Sozialwesens bildet. Seit der Periode zwischen 1991 und 1994 sind private Unternehmen und Konglomerate von Beteiligungskapital innerhalb des schwedischen Sozialwesens aufgetaucht, um dessen Aufgaben zu erf&#252;llen, w&#228;hrend sie &#246;ffentlich finanziert bleiben. Das gilt f&#252;r das Gesundheits-, das Pflege- und manchmal das Bildungswesen. W&#228;hrend es vorher auf universellen gesellschaftlichen Anspr&#252;chen gr&#252;ndete, ist das Sozialwesen nun zu einer Art &#246;ffentlicher Ware geworden. Somit gibt es, wie von allen Waren, exklusive Varianten (f&#252;r jene in der Innenstadt, welche es sich leisten k&#246;nnen) und Massenwaren (f&#252;r jene in den Vorst&#228;dten, wenn sie genug Gl&#252;ck haben, dass es dort, wo sie leben, immer noch ein Spital oder eine Schule gibt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Situation ist die gegebene Integration der nationalen Arbeiteridentit&#228;t komplett zerst&#246;rt worden. Der allgemeine Angriff auf die Reall&#246;hne und die anschliessende Verwaltung des Sozialwesens bringt eine Situation hervor, in welcher sich die Arbeiter tendenziell nicht so stark mit dem politischen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, sondern eher mit der Dichotomie zwischen Arbeit und &#8222;Ausgegrenztsein&#8220; identifizieren. In der Tat bedeutet die teilweise Abschaffung der Anspr&#252;che auf Sozialhilfe eine vermehrte Selektion ihrer Empf&#228;nger. Das Sozialwesen ist nicht mehr l&#228;nger eine Investition in die soziale Staatsb&#252;rgerschaft des Arbeiters, es ist gekennzeichnet als etwas f&#252;r jene, &#8222;welche es besonders brauchen&#8220;, f&#252;r jene, welche &#8222;ausserhalb&#8220; stehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mattias Bengtsson, &#8216;Utanf&#246;rskapet och underklassen. Mot en selektiv (&#8230;)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was somit innerhalb des Proletariats vorherrscht &#8211; und wir sind hier auf der Ebene des gesellschaftlichen Erlebens dieser Situation &#8211; ist eine Tendenz, sich verzweifelt an das zu klammern, was &#252;brig bleibt. F&#252;r immer gr&#246;ssere Teile des Proletariats und der Mittelschichten der &#8222;Mehrheitsbev&#246;lkerung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nat&#252;rlich war die Entwicklung der Mittelschichten w&#228;hrend der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wird die Pr&#228;senz von Einwanderern und Fl&#252;chtlingen als gesellschaftliches Problem des &#8222;Ausgegrenztseins&#8220; an sich betrachtet, ganz &#228;hnlich setzt die neue Form des Sozialwesens voraus, dass gewisse Individuen an sich problematisch sind. Jenseits dieser Analogie zwischen dem Psychologischen und dem Strukturellen m&#252;ssen wir deren gemeinsames Element erfassen: die Tendenz, gesellschaftliche Bedingungen zu &lt;i&gt;kulturalisieren&lt;/i&gt;. 2008 ver&#246;ffentlichte die rechtsliberale Volkspartei (&lt;i&gt;Folkpartiet&lt;/i&gt;) eine Umfrage, gem&#228;ss welcher &#8222;Ausgegrenztsein&#8220; eine sich selbst st&#228;rkende Kultur sei, welche schliesslich die Identit&#228;t gewisser Individuen konstituiere&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mattias Bengtsson, op. cit., S. 179.&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Bis anhin hat dieser kulturelle Referenzrahmen eine der erfolgreichsten politischen Perspektiven im restrukturierten schwedischen Wohlfahrtsstaat hervorgebracht, insofern als dass die einwanderungsfeindliche Partei Schwedendemokraten (&lt;i&gt;Sverigedemokraterna&lt;/i&gt;) in den Parlamentswahlen 2014 mit 13% der Stimmen zur drittgr&#246;ssten schwedischen Partei wurde. Nachdem Niedergang der mit dem Kapital &#8222;rivalisierenden&#8220; Hegemonie der Arbeiterbewegung, wie es &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; nannte, ist die allgemeine Tendenz, sich nicht als Arbeiter zu identifizieren, welcher durch kollektive Organisationen wie jene des Leninismus oder der Sozialdemokratie das Kapital &lt;i&gt;herausfordert&lt;/i&gt;; sondern eher, sich als Arbeiter zu identifizieren, welcher durch individuelle Auszeichnung gegen irgendwelche &#228;usseren Bedrohungen k&#228;mpfen muss, um ein Arbeiter zu bleiben. Wie es schon 2010 im Parteiprogramm der Schwedendemokraten angedeutet wurde, geht es nun nicht mehr um Arbeit und Kapital, sondern um schwedische Kultur einerseits und Einwanderung, die EU, den &#8222;amerikanischen Imperialismus&#8220; und die &#8222;wirtschaftliche Globalisierung&#8220; andererseits. Seit der zunehmenden Einwanderung von Fl&#252;chtlingen aus Asien und Afrika w&#228;hrend den 1980er Jahren wurde dieses Unbehagen mit dem, was man in dieser Gesellschaft ist, immer mehr an diesen Einwanderern ausgelassen. Konfrontiert mit der &#8222;Abh&#228;ngigkeit von Sozialleistungen&#8220; oder der &#8222;Passivit&#228;t&#8220; von Herr oder Frau Einwanderer oder Einwanderin wird der eigene Zerfall des normalen schwedischen Arbeiters zu einem Wert erhoben und die Fremdartigkeit der Klassenzugeh&#246;rigkeit in eine kulturelle Gemeinschaft transzendiert. Was hingegen die Einwanderer, die Restrukturierung des Kapitals und die anschliessende Klassenpolarisierung betrifft, welche die Gesellschaft in Weisse und &#8222;Andere&#8220; teilt, klammern sich einige an die vermeintlichen kulturellen Praktiken der Heimat, um einen st&#228;rkeren und sichereren Sinn f&#252;r Identit&#228;t jenseits von materieller Prekarit&#228;t oder Armut zu erschaffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Innerhalb der &#8222;Mehrheit&#8220; der Bev&#246;lkerung ist die Kulturalisierung (&#8230;)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abschliessend kann gesagt werden, dass der restrukturierte schwedische Wohlfahrtsstaat nicht mehr l&#228;nger einen Regulierer und Verteiler der Gegenseitigkeit des Verh&#228;ltnisses zwischen Arbeit und Kapital darstellt; mit seinem selektiven Sozialwesen und der privatisierten Planung beg&#252;nstigt er eher eine differenzierte Reproduktion der Klassen. Sowohl die Lohnarbeit als auch die politische Repr&#228;sentation haben also ihre universellen und einschliessenden Normen verloren, welche sie unter dem sozialdemokratischen Regime in der Nachkriegszeit charakterisierten. Die innere Polarisierung entsprechend Qualifikationen und nationaler Herkunft muss somit als konstitutives Element des Verh&#228;ltnisses zwischen Arbeit und Kapital erfasst werden, als etwas, das das gesellschaftliche Leben und das Erleben davon in seiner Gesamtheit formt. Die Ideen &#252;ber den dysfunktionalen Lebensstil der vorst&#228;dtischen &#8222;Einwanderertypen&#8220; (&lt;i&gt;invandrarkillar&lt;/i&gt;) und die abweichenden Werte ihrer muslimischen Familien sind zu einem Gemeinplatz geworden, soweit, dass die Ausschreitungen von Roseng&#229;rd oft als eine Art islamistische Rebellion und die Ausschreitungen in Stockholm als eine Frage &#8222;kultureller Schranken&#8220; (gem&#228;ss dem Ex-Premierminister Fredrik Reinfeldt) wahrgenommen wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Die Konstitution der &#8222;Vorst&#228;dte&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur die kapitalistische Restrukturierung und der Zerfall der Arbeiteridentit&#228;t erlauben uns, die historische Hervorbringung der gegenw&#228;rtigen Situation nachzuzeichnen. Um zu erfassen, um was es in den Ausschreitungen in Schweden geht, m&#252;ssen wir nun einen Blick auf die Konstitution dieser Situation werfen, was bedeutet, den Prozess zu betrachten, welcher sie in den sogenannten &#8222;Vorst&#228;dten&#8220; kontinuierlich reproduziert. Mit anderen Worten werden wir versuchen, die Frage zu beantworten, wie die differenzierte Reproduktion der Klassen und die tiefe Polarisierung &#8211; beides Produkte des Zerfalls der Arbeiteridentit&#228;t &#8211; in der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft fortbestehen. Dieses Fortbestehen ist eine Angelegenheit materieller Verankerung spezifischer Individuen in spezifischen Positionen. Was die Reproduktion des Kapitals betrifft, laufen die Prozesse dieses Fortbestehens auf eine Sache hinaus: Disziplin. Dennoch muss die Kritik der Reproduktion und der Polarisierung der Klassen diese auch an und f&#252;r sich analytisch verstehen. Wir werden versuchen, zu zeigen, dass diese Prozesse eine Angelegenheit (a) der Personifizierung einer bestimmten Situation im Arbeitsmarkt, (b) der Darstellung eines gewissen Elements der &#8222;Bev&#246;lkerung&#8220; als vom Staat versorgt und schliesslich &#8211; nur als Produkt des Fortbestehens dieser beiden vorangehenden Stellungen und nicht als etwas gegebenes &#8211; (c) der Eingrenzung auf einen spezifischen Ort sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a) Der Markt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die treibende Kraft hinter der Disziplin ist der Markt. Das prim&#228;re Produkt der Erschaffung von Tieflohnnischen und einem prek&#228;ren informellen Sektor und der Hervorbringung des Sozialwesens als eine Ware ist ein spezifisches Subjekt: eines, das auf krude Art und Weise dem Markt &lt;i&gt;ausgesetzt&lt;/i&gt; ist, d.h. jenes, f&#252;r welches Arbeit auf einen Arbeitszwang reduziert wird. In der gegenw&#228;rtigen Periode wird dieses spezifische Subjekt und die von ihm vorausgesetzte Objektivit&#228;t kontinuierlich im immerfort expandierenden, unsicheren, niedrig qualifizierte Arbeit verlangenden Dienstleistungssektor reproduziert. Dieses Subjekt wird gew&#246;hnlich als das &#8222;ausgeschlossene&#8220; oder, in orthodoxeren marxistischen Begriffen, als Teil der &#8222;Reservearmee&#8220; bezeichnet. Doch dieses Subjekt ist weder ausserhalb einer mit dem Arbeitsmarkt identifizierten Gesellschaft (wie es &#8222;Ausschluss&#8220; suggeriert), noch bestimmt daf&#252;r (wie es &#8222;Reserve&#8220; suggeriert). Durch tempor&#228;re, Teilzeit- oder Gelegenheitsjobs ist dieses Subjekt ein aktiver Teil des Arbeitsmarktes, doch diese Aktivit&#228;t selbst setzt voraus, dass es daraus ausgeschlossen wird, sobald es in ihn eintritt. Mit einem Wort, es ist fremdartig gegen&#252;ber dem Markt, was bedeutet, dass es eine Subjektivit&#228;t ist, welche der Wertproduktion gegen&#252;bersteht, ohne je darin eingegliedert zu werden. Es ist festgeklemmt im andauernden Zusammenbruch des dritten Ausbeutungsmoments&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Th&#233;orie Communiste, &#8216;Le plancher de verre', in Theo Cosme (Hg.), Les (&#8230;)&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: die Verwandlung von Mehrwert in zus&#228;tzliches Kapital, wof&#252;r die Aufrechterhaltung der Gegen&#252;berstellung von Arbeit und Kapital, die Trennung zwischen Arbeitskraft und Produktionsmittel notwendig sind, die grundlegende Aufspaltung von Subjekt und Objekt, ohne welche es keine Ausbeutung geben kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Subjekt besteht aus signifikanten Gruppen, welche nun &lt;i&gt;sowohl&lt;/i&gt; im formellen Arbeitsmarkt, &lt;i&gt;als auch&lt;/i&gt; in jeglicher Arbeitslosenversicherung an den Rand gedr&#228;ngt werden. Dies wurde gest&#228;rkt, als Senkungen der Einkommenssteuer (f&#252;r Angestellte) als Gegenleistung f&#252;r Senkungen der Sozialversicherungsleistungen (sowohl f&#252;r Arbeitslose als auch f&#252;r Kranke) zugestanden wurden. Im Quartier von Herrg&#229;rden in Roseng&#229;rd haben nur 15% der Einwohner eine formelle Arbeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jimmy Bussenius, &#8216;Herrg&#229;rden, Roseng&#229;rd'.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Husby in Stockholm ist das Niveau formeller Besch&#228;ftigung bei 24%, tiefer als in der Region Stockholm&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Regeringskansliet, Urbana utvecklingsomr&#229;den: en statistisk uppf&#246;ljning (&#8230;)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch das sogenannte &#8222;Ausgegrenztsein&#8220; ist nicht eine Eigenschaft dieses Subjekts; es ist nur an der Spitze eines Prozesses der Entwesentlichung der Arbeit, ein Prozess, der nun die schwedische Gesellschaft als ganzes betrifft. Unter den 20- bis 25-j&#228;hrigen der schwedischen Bev&#246;lkerung im allgemeinen sind 20% ohne formelle Besch&#228;ftigung und auch nicht in Ausbildung; in Gebieten wie Herrg&#229;rden und Husby sind 40% in dieser Situation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Carl-Ulrik Schierup, Aleksandra &#197;lund and Lisa Kings, &#8216;Reading the Stockholm (&#8230;)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Tatsache, an der Spitze dieses Prozesses zu stehen, impliziert nicht wirklich ein gewisses &#8222;Segment&#8220; der Arbeitskraft, als ob die ganze Frage auf das Einkommensniveau reduziert werden k&#246;nnte. Es ist die Angelegenheit einer gewissen &lt;i&gt;Situation&lt;/i&gt; der Arbeitskraft, n&#228;mlich jene, welche nie als Arbeitskraft best&#228;tigt wird, d.h. nie in einem kontinuierlichen Produktionsprozess gesellschaftlich best&#228;tigt und sozialisiert. Diese Situation wird durch die Fremdartigkeit des Marktes gegen&#252;ber einem spezifischen Subjekt und durch die Fremdartigkeit dieses Subjekts gegen&#252;ber dem Markt konstituiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die Konstitution dieser Situation zu verstehen, reicht es nicht mehr, von einer blossen Klassenpolarisierung zu sprechen, im Sinne eines Verh&#228;ltnisses innerhalb des Proletariats. In der Tat muss der Prozess, mittels welchem ein spezifisches Subjekt mit spezifischen Eigenschaften konstant in diese Situation zur&#252;ckgeworfen wird, als Prozess der &lt;i&gt;Rassialisierung&lt;/i&gt; erfasst werden. In Schweden ist diese Situation jene der &#8222;Einwanderer&#8220;: Personen, welche im Mittlere Osten geboren wurden, eine der Haupteinwanderungsregionen, sind dreieinhalb mal h&#228;ufiger in tempor&#228;ren Jobs angestellt, w&#228;hrend ein wachsender Teil junger Einwanderer der ersten oder zweiten Generation von sinkenden &#246;ffentlichen Unterst&#252;tzungsgeldern und gelegentlicher Schwarzarbeit leben. Ebenso sehr wie die gewerkschaftlichen F&#228;higkeiten der Regulierung des Arbeitsmarktes durch den Staat verschwinden, wird der informelle Sektor immer wichtiger im Bau, der Landwirtschaft, im Reinigungssektor, im Verpflegungssektor und im Sektor der h&#228;uslichen Dienste f&#252;r die urbane Mittelklasse; dieser informelle Sektor besteht fast ausschliesslich aus legalisierten und illegalen Einwanderern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;&#8221;Paradise Lost?&#8221; Migration and the Changing Swedish (&#8230;)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Rassialisierung ist somit nicht nur die Segmentierung der Klasse, als ob die rassische Redefinition derselben &lt;i&gt;a posteriori&lt;/i&gt; in einer als homogen vorausgesetzten Einheit stattf&#228;nde. Rassialisierung ist f&#252;r die aktuelle Klasse konstitutiv, weil sie die Situation des Unentl&#246;hnten &#8211; die Fremdartigkeit des Marktes gegen&#252;ber einem spezifischen Subjekt &#8211; durch die Personalisierung dieser Fremdartigkeit auf der Grundlage von phenotypischen Charakteristiken, nationaler Herkunft und Kultur hervorbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche wir weiter oben als &#8222;Randalierer&#8220; bezeichnet haben, sind solche rassialisierte Subjekte. Da sie nur krude dem Arbeitsmarkt ausgesetzt und ihre Chancen, in seinen stabilen Kern integriert zu werden, praktisch inexistent sind, erscheinen ihnen selbst die Bedingungen ihrer eigenen Reproduktion als ihnen selbst fremdartig und somit als etwas, das verbrannt oder zerst&#246;rt werden muss. Schulen und L&#228;den sind zwei der Hauptziele ihrer Praktiken der Brandstiftung, weil sie ihre Erfahrung der &#8222;sozialen Staatsb&#252;rgerschaft&#8220; materialisieren: den konstanten Ausschluss davon.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_139 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_left spip_document_left'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/png/10000201000003e800000232be2ea8ab2af5b2fc.png?1689469879' width='500' height='280' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;b) Die Polizei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir demzufolge die Konstitution des &#8222;Randalierers&#8220; verstehen wollen, m&#252;ssen wir die Ebene der unpers&#246;nlichen Macht des Marktes verlassen, um den Fokus auf die Verwirklichung dieser Macht zu richten, jene, mit welcher die Randalierer auf der Ebene ihrer Reproduktion konstant konfrontiert sind. Das bedeutet, die Modalit&#228;t zu betrachten, durch welche diese treibende Kraft des Marktes ausge&#252;bt wird: die Polizei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftliche Existenz des rassialisierten Subjekts ist nicht jene der &#8222;Arbeitslosigkeit&#8220; oder der &#8222;&#220;bersch&#252;ssigkeit&#8220;, als ob die gesellschaftliche Norm die Besch&#228;ftigung oder die Wesentlichkeit w&#228;re. Stattdessen wird es gesellschaftlich hervorgebracht im Verh&#228;ltnis zu einer Form der Arbeit, wovon Prekarit&#228;t konstitutiv ist. Es existiert nur, um kontrolliert zu werden. In diesem Sinne ist es nicht dazu angelegt, ein potenzieller Gebrauchswert f&#252;r das Kapital zu sein. Es wird nur kontrolliert; Schweigen und Ruhe ist das einzige akzeptable Verhalten f&#252;r dieses fremdartige Subjekt. In Husby, Roseng&#229;rd, Backa und den anderen Vorst&#228;dten, wo Brandstiftung eine normale Praxis ist, ist &#8222;gesellschaftliche Ruhe&#8220; nun darauf beschr&#228;nkt, direkte Konfrontation zwischen der Aufstandsbek&#228;mpfungspolizei und der lokalen Jugend zu vermeiden. Polizeiarbeit ist also nichts anderes als konstante Aufstandsbek&#228;mpfung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Situation ist nur aus der Perspektive des Zerfalls der Arbeiteridentit&#228;t und der kapitalistischen Restrukturierung verst&#228;ndlich. Polizeiarbeit als Aufstandsbek&#228;mpfung muss als eine spezifische Art der sozialen Kontrolle in Bezug auf das oben beschriebene rassialisierte Subjekt betrachtet werden. W&#228;hrend der Bl&#252;tezeit der schwedischen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung war soziale Kontrolle nicht prim&#228;r eine Frage der Polizeiarbeit, denn die Reproduktion einer einheitlichen Arbeiteridentit&#228;t war an sich eine konstante Verinnerlichung der Funktion als Arbeiter innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Vor allem wurde die Trennung zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Arbeitskraft und Produktionsmittel durch die Kontinuit&#228;t des Produktionsprozesses innerhalb des Produktions- und &#246;ffentlichen Dienstleistungssektors ausgeglichen, sowie durch die entsprechenden stabilen Formen der Anstellung, der Anspr&#252;che und zu guter Letzt der Repr&#228;sentation durch die Gewerkschaften. Dies ging Hand in Hand mit dem schwedischen sozialdemokratischen Horizont der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, welche gleichzeitig eine Entproletarisierung der Arbeiter sein w&#252;rde, in dem Sinne, dass diese Entwicklung ihnen langfristig Zugang zu den Troph&#228;en der Staatsb&#252;rgerschaft geben w&#252;rde: Bildung, Kultur, demokratische Mitbestimmung. Auf einer allgemeineren Ebene wurde das schwedische sozialdemokratische, historische Abkommen zwischen Arbeit und Kapital, nach seiner Entstehung in den 1930er Jahren, konstant durch eine Art der Stadtplanung reproduziert, innerhalb welcher materielle Orte als Fundamente der Best&#228;ndigkeit der Arbeiter fungierten. Nehmen wir z.B. das Quartier M&#246;llev&#229;ngen in Malm&#246;. Einmal an der Macht schaffte es das sozialdemokratische Regime, die zuvor vorherrschenden Elendsviertel in lebendige Symbole der schwedischen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung zu verwandeln, indem sie buchst&#228;blich in die Institutionen des &lt;i&gt;Folkets hus&lt;/i&gt; (&#8222;Volkshaus&#8220;), &lt;i&gt;Folkets Park&lt;/i&gt; (&#8222;Volkspark&#8220;) und der Zeitung &lt;i&gt;Arbetet&lt;/i&gt; (&#8222;Arbeit&#8220;) eingebettet wurde. Durch nichts als seine Pr&#228;senz in diesem Quartier konnte man seine Situation als Arbeiter als definierende gesellschaftliche Eigenschaft wiedererkennen, nicht nur individuell, sondern als Teil einer materiellen und fest etablierten Organisation. Damals war die Reproduktion der Arbeitskraft gleichzeitig die Herrschaft &#252;ber sie. Der materielle Lebensprozess ihrer Erneuerung fiel mit dem Prozess ihrer kontinuierlichen Verf&#252;gbarkeit und ihres kontinuierlichen Gehorsams zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage, wo zunehmende Teile des Proletariats vom Produktionsprozess als Konsequenz der nicht mehr zusammen funktionierenden Kreisl&#228;ufe der Mehrwertproduktion und der Reproduktion der Arbeitskraft ausgeschlossen sind, f&#228;llt die Reproduktion der Arbeitskraft nicht mehr mit ihrer Disziplin zusammen. Das Kapital kann nicht mehr l&#228;nger durch den Produktionsprozess eine direkte Verf&#252;gungsgewalt &#252;ber fremdartige Arbeit aus&#252;ben, denn ihr liegt keine gesellschaftlich anerkannte Identit&#228;t mehr zugrunde, welche eine Form spontaner &lt;i&gt;Selbst&lt;/i&gt;kontrolle garantiert. Das bedeutet, dass die von der Polizei durchgesetzte Disziplin in ihrer historischen Besonderheit betrachtet werden muss. Heutzutage ist ihre Funktion, jene zu kontrollieren, welche gegen&#252;ber dem Markt fremdartig sind. Diese Kontrolle wird nicht nur &#252;ber Einwanderer innerhalb des Landes ausge&#252;bt. In einer Welt, wo jeder Mehrwert immer und &#252;berall investiert oder in zus&#228;tzliches Kapital verwandelt werden kann, ist Kontrolle eine Frage der Verwaltung einer fragmentierten und mobilen Arbeitskraft. Es wird somit immer schwieriger, Kontrolle und &lt;i&gt;Einwanderungs&lt;/i&gt;kontrolle zu unterscheiden. Das Projekt REVA&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;REVA ist eine Abk&#252;rzung f&#252;r r&#228;ttss&#228;kert och effektivt verkst&#228;llighetsarbete, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; hat zum Ziel, irregul&#228;re Einwanderung durch verst&#228;rkte Identit&#228;tskontrollen und Abschiebungen zu bek&#228;mpfen. Es begann in Malm&#246; 2008 und wurde 2013 auf Stockholm ausgeweitet (es gab Berichte von Kontrollen im Rahmen von REVA in Rinkeby und Husby Ende Februar 2013). REVA, ein gemeinsames Projekt der schwedischen Polizei, der Einwanderungs- und Gef&#228;ngnisbeh&#246;rden, wird auch teilweise vom europ&#228;ischen Fl&#252;chtlingsfonds finanziert. Nationale Polizeiarbeit ist somit ein Bestandteil einer breiteren, globalen Polizeiarbeit. Durch die Kontrolle der Einwanderer innerhalb Schwedens wird eine andere Art der Kontrolle ausge&#252;bt: jene &#252;ber die beherrschten Bev&#246;lkerungen als solche, jene Bev&#246;lkerungen, welche strukturell in einer niedrigen Position auf den Karten der kapitalistischen Produktion und Zirkulation sind. Es ist diesbez&#252;glich wichtig zu betonen, dass solche Kontrollen h&#228;ufig mit Fahrkartenkontrollen zusammenfallen. Nur die rassistische Erstellung von Profilen unterscheidet eine REVA-Kontrolle von einer regul&#228;ren Fahrkartenkontrolle. Die Interventionen im Rahmen von REVA an strategischen Pendler- und Verkehrsknotenpunkten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Soweit wir wissen haupts&#228;chlich U-Bahn-Stationen und Bahnh&#246;fe.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; suggerieren, dass es Kontrollen der Mobilit&#228;t sind. Auf der Ebene der Stadt ist es eine Kontrolle des materiellen Zugangs zu Mobilit&#228;t in Agglomerationen, wo der Preis des &#246;ffentlichen Verkehrs ein reales Problem darstellt. Auf globaler Ebene ist es auch eine Kontrolle des legalen Zugangs zu Mobilit&#228;t, in einer Situation, wo immer gr&#246;ssere Teile der Weltbev&#246;lkerung ausserhalb aller formellen Arten der Reproduktion stehen, jedoch trotzdem innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft gefangen bleiben. In diesem Sinne sind die polizeilichen Kontrollpraktiken ebenfalls konstitutiv f&#252;r die Rassialisierung. Nicht nur durch die &#8222;rassistische Erstellung von Profilen&#8220;, sondern grundlegender durch die Durchsetzung der Marktdisziplin, welche konstant die Grenze zwischen dem &#8222;Ausgegrenztsein&#8220; der Einwanderer und der sozialen Staatsb&#252;rgerschaft der ehrlichen Konsumenten neu zeichnet. Entlang dieser Linien besteht die Substanz der Rassialisierung nicht aus pers&#246;nlichen Vorurteilen oder einer reaktion&#228;ren Staatsideologie. Es ist der materielle und symbolische Raum der westlichen Stadt, wo die zuvor kolonialisierten, ehemals f&#252;r den europ&#228;ischen Kapitalismus wesentlichen afrikanischen Bev&#246;lkerungen oder die Bev&#246;lkerungen, welche vor autorit&#228;ren Regimes oder Kriegsherren in ihren L&#228;ndern geflohen sind, nun kontinuierlich in die Peripherie der gesellschaftlichen Reproduktion und Identifikation gedr&#228;ngt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist kein Wunder, dass Autos w&#228;hrend den Ausschreitungen in Schweden, wie in Frankreich und D&#228;nemark, eines der Hauptziele der Brandstiftungen sind. Sogar wenn sie dem &#8211; selbstverst&#228;ndlich hart arbeitenden &#8211; Nachbarn geh&#246;ren, bleiben sie ein Symbol des ausschliessenden Charakters der sozialen Staatsb&#252;rgerschaft. Und weil das Selbstbewusstsein immer in der Ansicht des Anderen auf das Individuum konstituiert wird, tendieren REVA und die regelm&#228;ssigen Identit&#228;tskontrollen und Leibesvisitationen der Polizei in den Vorst&#228;dten dazu, das Subjekt des &#8222;abweichenden Einwandererkindes&#8220; dazu zu zwingen, sich selbst eben genau als &#8222;abweichendes Einwandererkind&#8220; zu identifizieren. Diese Identifikation ist gleichzeitig seine Selbsterkennung als ein Subjekt, welches nur existiert, um kontrolliert zu werden. Deshalb wird die Polizei zum Schwerpunkt aller &#8222;vorst&#228;dtischen&#8220; Ausschreitungen in Schweden. Durch ihre allt&#228;gliche Praxis der Kontrolle ist die Polizei die blosse Verwirklichung der Fremdartigkeit der Gesellschaft, welche nur als &#228;ussere Macht existiert, welche den &#8222;Abweichlern&#8220; auferlegt werden muss. Ausschreitungen werden zu einer Form der Selbstverteidigung gegen den konstanten Druck dieser &#228;usseren Macht. Die Randalierer haben die Polizei zum Ziel, das Symbol der europ&#228;ischen Unterdr&#252;ckung, ohne welche Europa historisch als kapitalistische Festung nicht m&#246;glich gewesen w&#228;re: die rassische Konstruktion der globalen Kreisl&#228;ufe der Akkumulation. Somit werden das Verbrennen von Autos, um die Polizei anzulocken und Steine auf sie zu werfen, das Verbrennen von Polizeiautos oder die Zerst&#246;rung von Polizeiposten zu Praktiken, welche zunehmend zu einem Selbstzweck verkommen. Als solche sind sie strikt begrenzt auf die &#8222;vorst&#228;dtischen&#8220; R&#228;ume der &#8222;abweichenden Einwandererkinder&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;c) Die Stadt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich verwirklicht die auf Einwanderer ausge&#252;bte Polizeikontrolle die Marktdisziplin entlang spezifischer geographischer Muster. Auf der Ebene der Stadt ist es das Verh&#228;ltnis zwischen dem &#8222;Zentrum&#8220; und der &#8222;Vorstadt&#8220;, wobei letztere immer kontrolliert, ruhig gehalten werden muss. Wir haben auch schon angedeutet, wie dieses Verh&#228;ltnis, auf der Ebene der globalen Kreisl&#228;ufe der Akkumulation, als &lt;i&gt;mise en abyme&lt;/i&gt; des Verh&#228;ltnisses zwischen den Zentren dieses Kreislaufes und seiner Peripherien betrachtet werden k&#246;nnte. Als solches kann das Verh&#228;ltnis zwischen Zentrum und Vorstadt nicht als gegeben verstanden werden, als ob dieses Verh&#228;ltnis ein Resultat der inh&#228;renten Eigenschaften des Zentrums und der Peripherie an sich w&#228;re. Wir m&#252;ssen versuchen, das Verh&#228;ltnis zwischen Zentrum und Vorstadt als materielles Produkt der Disziplin zu erfassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Stockholm wurden Vorst&#228;dte wie Hallunda, Fittja und Alby, welche zusammen die Region namens Huddinge bilden, urspr&#252;nglich f&#252;r die aus Nordschweden (Norrland, J&#228;mtland und H&#228;rjedalen) kommende Arbeiterklasse der 1970er Jahre gebaut. Tats&#228;chlich war in der &#196;ra der zur Integration der Reproduktion des Proletariats in die Reproduktion des Kapitals tendierenden Arbeiterbewegung die Unterbringung ein wesentlicher Bestandteil der Reproduktion der Arbeit. Die von der sozialdemokratischen Wohn- und Neugestaltungskommission 1934 formulierte und vom Finanzminister unterst&#252;tzte Wohnpolitik insistierte auf die stabilisierende Funktion einer &#246;ffentlichen, von gemeindeeigenen, nicht auf Gewinn ausgerichteten Immobilienfirmen garantierten Wohnpolitik. Durch F&#246;rderprogramme, welche die Verbesserung der Qualit&#228;t der Immobilien, Gleichheit zwischen verschiedenen Mietformen und eine rigorose Kontrolle der H&#246;he der Mieten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die sogenannte &#8222;Gebrauchswertregel&#8220; (bruksv&#228;rdesregeln) garantierte, dass (&#8230;)&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zum Ziel hatten, wurde ein gemeinschaftlicher Wohnungsbestand f&#252;r die allgemeine Bev&#246;lkerung erschwinglich gemacht: Interessanterweise wurden keine spezifischen Immobilien, wie die &#8222;Sozialwohnungen&#8220; in England oder Frankreich, f&#252;r jene gebaut, welche &#8222;speziell bed&#252;rftig&#8220; waren. Diese F&#246;rderungen kamen aus den Arbeiterfonds des Plans von Rehn-Meidner: eine Steuer von 20% auf Gewinne wurde von den Gewerkschaften bez&#252;glich teilweiser Reinvestition in &#246;ffentlichen Wohnraum&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eric Clark, Karin Johnson, &#8216;Circumventing Circumscribed Neoliberalism. The (&#8230;)&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; kontrolliert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch mit der auf die fr&#252;hen Jahre der Restrukturierung folgenden steigenden Arbeitslosigkeit und den h&#228;rteren Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt waren die nordwestlichen und s&#252;dwestlichen &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; von Stockholm und die historisch proletarischen Quartiere Backa und Roseng&#229;rd die einzigen, wo die Mieten f&#252;r das Proletariat erschwinglich waren. Diese Gebiete, welche fr&#252;her das zur gesellschaftlichen Integration der Arbeiter beitragende Milieu selbst waren, sind nun Orte geworden, wo man gezwungen ist, zu leben, urbane M&#252;lleimer, &#228;hnlich den franz&#246;sischen &lt;i&gt;banlieues&lt;/i&gt;. Dieser Prozess wird durch die zunehmende Unterwerfung des &#246;ffentlichen Wohnraums unter marktwirtschaftliche Mechanismen gest&#228;rkt. Seit dem Beginn der 1990er Jahre verkauft die Gemeinde ihre Immobilien &#8211; meistens an aktuelle Mieter, aber auch an private Vermieter &#8211; w&#228;hrend die gemeindeeigenen Immobilienfirmen jegliche Regierungsunterst&#252;tzung verloren haben. Die Deregulierung der Verrechnungspreisgestaltung f&#252;r Immobilien und die Kosteninflation von st&#228;dtischem Land f&#252;hren dazu, dass der Bau von Mietwohnungen unattraktiv ist. Somit entwickelt sich das schwedische Wohnmodell in Richtung eines marktorientierten Systems ohne Unterst&#252;tzungsmechanismen. Auch hier haben gewisse Aspekte langlebiger staatlicher Regulierungen den Effekt, den Ausschluss zu regulieren oder durch ihre Regulierung auszuschliessen. Ein sehr kontrolliertes Zuweisungssystem f&#252;r Mietwohnungen, sowie strenge Regeln betreffend pers&#246;nlicher Untervermietung schliessen all jene aus dem formellen Wohnungsmarkt aus, welche kein stabiles Einkommen, keine Ersparnisse oder Hauseigent&#252;mer als Eltern haben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brett Christophers, &#8216;A Monstrous Hybrid: The Political Economy of Housing in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Folglich sind in Quartieren wie Herrg&#229;rden in Roseng&#229;rd und Risingeplan in Tensta die &#8222;Millionenprogramme&#8220;, einst Monumente der Arbeiteridentit&#228;t, Waren unter anderen, Transaktionsgegenst&#228;nde auf dem Mietwohnungsmarkt. Hier gibt es keine Produktion des Raumes, sondern nur seinen Verfall. Unterbringung existiert nicht als wesentlicher Bestandteil der Reproduktion von Arbeit wie w&#228;hrend der Arbeiterbewegung; sie existiert schlicht und einfach als Quelle f&#252;r Mietzahlungen, woran Schimmel und Kakerlaken die Bewohner t&#228;glich erinnern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Vorstadt&#8220; ist also nicht, was sie ist wegen ihrer geographischen Situation, sondern wegen jenen, welche dort leben, und der Art und Weise, wie sie dort leben. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt, dass &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; wie Roseng&#229;rd, Backa, Gottsunda, Husby, Tensta und Rinkeby eigentlich nicht so &#8222;vorst&#228;dtisch&#8220; sind; vom Zentrum aus k&#246;nnen sie oft mit dem Bus oder der U-Bahn in 15 bis 20 Minuten erreicht werden und manchmal ist ihre Stadtlandschaft nicht so verschieden von jener wohlhabenderer Regionen, welche schlicht und einfach als &#8222;Stockholm&#8220;, &#8222;G&#246;teborg&#8220; oder &#8222;Malm&#246;&#8220; bezeichnet werden. Die sie trennende Distanz ist mehr als alles andere psychologisch; nicht &#8222;psychologisch&#8220; im Gegensatz zu &#8222;geographisch&#8220;, sondern psychologisch im Sinne der Art und Weise wie Raum erlebt wird. Auf Schwedisch ist der Begriff der Vorstadt (&lt;i&gt;f&#246;rorten&lt;/i&gt;) selbst ein Sammelbegriff f&#252;r alles geworden, was als abweichend wahrgenommen wird: in erster Linie die Einwanderer, doch auch, wie weiter oben angemerkt, die Langzeitkranken und ehemaligen Str&#228;flinge, Fr&#252;hpensionierte oder kranke Rentner (z.B. der 69-j&#228;hrige Mann, auf welchen zw&#246;lf Mal geschossen wurde) usw. Es ist ein Ort, wo man &#8222;hingezwungen&#8220; wird, denn der Prozess der Gentrifizierung ist ein die Klassengrenzen zwischen den weissen B&#252;rgern im Zentrum und den rassialisierten Subjekten in den Vorst&#228;dten materialisierender Zwangsprozess, womit der Prozess der Rassialisierung materiell verankert wird. Durch Husby, Tensta und Rinkeby kann eine Autobahn gezogen werden, w&#228;hrend nur ein paar Kilometer weiter Luxuswohnungen wie jene des Kistaturms gebaut werden. Da es die durch die Polizei verwirklichte und die Vorstadt materialisierte Marktdisziplin ist, welche das fremdartige Subjekt konstituiert &#8211; jenes, f&#252;r welches es reicht, in einem gewissen Gebiet zu leben, um in den Fokus bez&#252;glich Kontrolle und Disziplin zu geraten &#8211;, sind Quartiere wie jene von Herrg&#229;rden oder Husby Gebiete, welche die Leute tendenziell verlassen, wenn sie eine stabile Anstellung finden oder sich weiterbilden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz all dieser Scheisse, oder vielleicht gerade auf ihrer Grundlage, formt sich in diesen Vorst&#228;dten eine besonders in Raptexten in ihren Anspielungen auf &#8222;das Konkrete&#8220; (&lt;i&gt;betongen&lt;/i&gt;) und &#8222;das Quartier&#8220; (&lt;i&gt;orten&lt;/i&gt;) ausgedr&#252;ckte Identit&#228;t. Nur wenn wir das im Hinterkopf behalten, k&#246;nnen wir vielleicht verstehen, wie sowohl die Aktivisten von Tensta als auch jene von Herrg&#229;rden in Roseng&#229;rd sich selbst als &#8222;Mieter&#8220; identifizieren konnten, welche versuchen, einen Dialog mit den &#8222;Immobilienfirmen&#8220; oder, in einigen F&#228;llen, mit &#8222;der Gemeinde&#8220; oder dem &#8222;Staat&#8220; herzustellen. In der Tat brachen schliesslich Ausschreitungen aus, da die Aktivisten von &#8222;Die Zukunft von Risingeplan&#8220; oder jene, welche das Kellerlokal in Herrg&#229;rden besetzten, kontinuierlich von den Immobilienfirmen und der Gemeinde oder dem Hauseigent&#252;merverband ignoriert wurden. Alle Randalierer richteten ihre Praktiken der Brandstiftung, der Sabotage und der gelegentlichen Pl&#252;nderung eben auch genau auf die Hauptquartiere dieser &#8222;Immobilienfirmen&#8220;. Die von Aktivisten und Randalierern geteilten Forderungen waren jene, welche den Fokus auf Mietsenkungen oder den Erhalt oder die Erneuerung der Infrastruktur richteten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in solchen K&#228;mpfen geformte Identit&#228;t ist synkritisch, sie basiert auf den geteilten Bedingungen der Disziplin. Es ist nicht eine homogene Arbeiteridentit&#228;t, welche auf dem weissen, m&#228;nnlichen, qualifizierten Arbeiter basiert. Die Vorst&#228;dte von Husby, Tensta, Rinkeby, Herrg&#229;rden, Backa usw. vereinen an sich mehr als hundert Sprachen und Hintergr&#252;nde, woraus der inzwischen gut bekannte Dialekt &#8222;&lt;i&gt;Rinkebysvenska&lt;/i&gt;&#8220; (&#8222;Rinkebyschwedisch&#8220;) entstand, doch nur wenn ein gewisser Aspekt des Quartiers von Elementen angegriffen wird, welche von der Gemeinschaft als fremdartig wahrgenommen werden &#8211; von Bullen, Immobilienfirmen oder lokalen Politikern &#8211;, entstehen von Sch&#252;lern, Studenten, jungen Arbeitslosen, erwachsenen Arbeitern und &#196;lteren ausge&#252;bte Praktiken. Die Tatsache jedoch, dass diese synkritische Identit&#228;t auf den geteilten Bedingungen der Disziplin basiert, setzt voraus, dass sie nur durch ihre inneren Teilungen bestehen kann. Da die Polarisierung ein konstituierendes Element des heutigen Klassenverh&#228;ltnisses ist &#8211; welche historisch in der Restrukturierung hervorgebracht worden ist und als solche durch Prozesse der Rassialisierung aufrechterhalten wird &#8211; sind die inneren Teilungen des Proletariats genauso bestimmend wie das Verh&#228;ltnis zwischen Arbeit und Kapital. Das bedeutet nicht, dass die hier entscheidende zentrale Teilung von soziologischer Natur ist, dass sich eine statisch abgegrenzte Gruppe der &#8222;Aktivisten&#8220; und eine andere der &#8222;Randalierer&#8220; in ihr entgegenstehen. Wir wissen, dass die Mitglieder von Megafonen, Pantrarna und anderen genannten Organisationen h&#228;ufig aus den gleichen Quartieren kommen wie die Randalierer und auch dort wohnen. Was wir meinen, ist, dass es unter jenen, welche in den Vorst&#228;dten leben, innere Teilungen gibt, und dass diese sich in verschiedenen Praktiken und Diskursen ausdr&#252;cken, welche von spezifischen, im Kampf konstituierten Subjekten ausgehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4. Die Sprache der Ausschreitungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier geht es nun um das Verh&#228;ltnis zwischen Ausschreitungen und Aktivismus und seiner Bedeutung f&#252;r die gegenw&#228;rtige Periode. Die gleichzeitige Konstitution von Praktiken der Ausschreitungen einerseits und neuer Formen des Aktivismus andererseits wirft die Frage ihrer jeweiligen Methoden und Perspektiven auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst m&#252;ssen wir das Wesen des Verh&#228;ltnisses zwischen Ausschreitungen und Aktivismus betrachten. Ist es in der gegenw&#228;rtigen Situation f&#252;r den Aktivismus m&#246;glich, die Ausschreitungen in seine eigene positive Sprache zu &#252;bersetzen, d.h. in seine eigene Tendenz der Best&#228;tigung eines Dialogs und einer Zukunft in dieser Gesellschaft zu integrieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betonen wir zuerst die historische Neuheit dieser Frage. Ausschreitungen bestanden nicht immer aus Praktiken, welche von Bewegungen der gesellschaftlichen Integration getrennt waren. W&#228;hrend den Ausschreitungen in M&#246;llev&#229;ngen in Malm&#246; 1926, welche im Kontext eines Konflikts zwischen Streikenden und Nicht-Streikenden ausbrachen, konnten gewaltt&#228;tige Aktionen, die Konfrontation mit der Polizei eingeschlossen, bis zu einem gewissen Ausmass von Institutionen der Arbeiteridentit&#228;t, z.B. der Zeitung &lt;i&gt;Arbetaren&lt;/i&gt; (&#8222;Der Arbeiter&#8220;), legitimiert und verteidigt werden. Und schliesslich wurden diese Ausschreitungen zu einem Anstoss f&#252;r den Dialog, denn viele Arbeiter aus der Stadt akzeptierten es, an einer grossen, zentral organisierten, friedlichen Demonstration teilzunehmen. Die Ausschreitungen hatten also von Anfang an das Potenzial, gesellschaftlich integriert zu werden, weil die sie pr&#228;genden Praktiken, nicht wie jene heute, welche h&#228;ufig eine Angelegenheit von sporadischen und kurzlebigen Gemeinschaften sind, das Resultat einer aufsteigenden und zunehmend institutionalisierten Arbeiterbewegung waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine ausf&#252;hrliche und gehaltreiche Zusammenfassung dieser (&#8230;)&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Folgendes m&#252;ssen wir ebenfalls klarstellen: Wenn wir die Frage der potenziellen Integration von Ausschreitungen in unserer Periode aufwerfen, bedeutet das nicht, dass diese nun &#8222;ausserhalb&#8220; der Gesellschaft stehen, als ob sie immun gegen Vereinnahmung oder weniger den &#8222;Illusionen&#8220; dieser Gesellschaft unterworfen w&#228;ren. Was wir meinen, ist, dass die Praktiken des Angriffs auf seine eigenen Lebensbedingungen, welche die eigene rassialisierte Klassenzugeh&#246;rigkeit als etwas fremdartiges setzen, unm&#246;glich &lt;i&gt;als solche&lt;/i&gt; integriert werden k&#246;nnen. Als Repr&#228;sentant einer politischen Partei, einer Gewerkschaft oder einer anderen etablierten Institution kann man nicht das Verbrennen von Polizeiposten oder die Sabotage von Infrastrukturen &#8222;organisieren&#8220; und &#8222;koordinieren&#8220;, schlicht und einfach, weil man selber genau diese Gesellschaft verk&#246;rpert, welche durch diese Praktiken angegriffen wird, und weil die Existenz als ein solcher Repr&#228;sentant jene der Stadtverwaltung, der Polizeikontrolle, der Spaltung zwischen gesellschaftlichen B&#252;rgern und &#8222;Aussenseitern&#8220; voraussetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deswegen steht der Aktivismus, welcher die Funktionsweise des Staats und seiner Institutionen denunziert, verteidigt, was er als &#220;berreste der Arbeiterbewegung wahrnimmt, auf Messers Schneide: Er versucht einen Teil der Gesellschaft zu repr&#228;sentieren, f&#252;r welchen genau diese Gesellschaft etwas fremdartiges ist. Wenn der Aktivismus die Ausschreitungen verteidigt, beseitigt er sich selbst als gesellschaftlich anerkannter Repr&#228;sentant, und wenn er sie nicht verteidigt, muss er wie der Rest der Gesellschaft zur Repression gegen sie beitragen. Nach der Pressekonferenz nach dem allerersten Tag der &#8222;Ausschreitungen von Stockholm&#8220; wurde Megafonen als Ursache, Verst&#228;rkung, Anf&#252;hrer oder Vermittler der Ausschreitungen behandelt, stets jedoch als ihr Repr&#228;sentant. Sogar die politische Opposition der herrschenden rechten Koalition in Schweden reagierte erst 24 Stunden sp&#228;ter. W&#228;hrend dem zweiten Tag der Ausschreitungen legte Megafonen seinen Standpunkt dar. Diese schnellen Reaktionen zeigen an sich, wie stark Megafonen in Husby und Umgebung verwurzelt ist; sonst h&#228;tte die Organisation nicht das notwendige Vertrauen gehabt, um sich &#252;ber diese Ereignisse w&#228;hrend und wo sie geschahen zu &#228;ussern. Obwohl Megafonen die gesellschaftlichen Probleme versteht, welche die Ausschreitungen ausl&#246;sen, &#8222;legt Megafonen keine Feuer&#8220;, denn dessen Ziele sind &#8222;langfristige Ver&#228;nderung&#8220;, &#8222;konstruktiver Widerstand&#8220; und &#8222;gesellschaftliche Modernisierung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Megafonen, &#8216;Vi startar inga br&#228;nder', Aftonbladet, 24.05.13. Eine englische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Mit anderen Worten, und das ist zu einem weit verbreiteten Klischee innerhalb der schwedischen Linken geworden: Sie verstehen die Wut der Randalierer, doch denken, dass sie sie anders ausdr&#252;cken sollten. Entt&#228;uschung, wird gesagt, m&#252;sse in etwas progressives verwandelt werden. Wenn sie eine solche Idee der Kanalisierung des Unbehagens &#252;ber das formulieren, was man in dieser Gesellschaft ist, t&#246;nen sie wie ein Echo auf gewisse Revolution&#228;re, welche das &#8222;Gewaltpotenzial&#8220; der Randalierer gegen die Polizei loben, aber nicht die Tatsache, dass sie ihre eigenen Lebensbedingungen (Schulen, lokale L&#228;den, Geb&#228;ude usw.) zum Ziel haben. In beiden F&#228;llen wird angedeutet, dass jenseits der Praktiken der Ausschreitungen eine zugrunde liegende Kraft existiert, welche in eine andere Richtung &lt;i&gt;gelenkt&lt;/i&gt; werden k&#246;nnte. Es ist somit die Aufgabe des Aktivisten, des aktiven Subjekts, diese zugrunde liegende Kraft, das passive Objekt zu organisieren. Vom Standpunkt dieses Aktivismus aus m&#252;ssen die selbstzerst&#246;rerischen Praktiken der Ausschreitungen einer koh&#228;renten politischen Bewegung Platz machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch wenn man ernsthaft die gesellschaftliche Konstitution der Vorst&#228;dte betrachtet, wird klar, dass man nicht gegen die Form der Ausschreitungen sein kann, &lt;i&gt;ohne ihren Inhalt zu verurteilen&lt;/i&gt;. Das Subjekt der Ausschreitungen ist nichts als seine Praktiken. Die Form ist nicht eine Reihe alternativer Mechanismen (Ausschreitungen oder &#8222;konstruktiver Widerstand&#8220;), welche von ihrem Motor getrennt sind (Wut aufgrund seiner Lebensbedingungen). Was die selbsternannten Agenten der Organisation unf&#228;hig sind, zu erkennen, ist die Tatsache, dass es nicht eine Frage von Organisation und Nicht-Organisation ist &#8211; mit anderen Worten, sie selbst und die Randalierer &#8211;, sondern eine Frage von zwei verschiedenen &lt;i&gt;Formen&lt;/i&gt; der Organisation und somit zwei verschiedenen &lt;i&gt;Inhalten&lt;/i&gt;, welche organisiert werden. Einerseits werden die Ausschreitungen von jenen organisiert, welchen die Gesellschaft als &#228;ussere Kraft erscheint. Ja, &#8222;organisiert&#8220;: Die Festlegung von Treffpunkten ben&#246;tigt viel Kommunikation; die Blockade von Wegen, die Organisation von Pflastersteinen, die Bildung von Munitions- und Sp&#228;hgruppen viel Koordination; diese Praktiken lebendig zu halten trotz der verst&#228;rkten Polizeipatrouillen erfordert die Kenntnis von allen Verstecken und Abk&#252;rzungen im Gebiet. Der Inhalt hier ist die Erschaffung von Unruhe; die Form jene eines kurzlebigen Zusammenkommens. Andererseits wird die koh&#228;rente politische Bewegung von jenen organisiert, welche immer noch eine Zukunft innerhalb dieser Gesellschaft sehen oder welche subjektiv eine sichtbare Zukunft konstruieren, vielleicht sogar eine, welche von aussen konkret unm&#246;glich scheint: der Wiederaufbau des Wohlfahrtsstaates. In Stockholm organisierte Megafonen eine Geldsammlung f&#252;r jene ohne Autoversicherung und mit verbranntem Auto; die Organisation unterst&#252;tzte auch die &#8222;B&#252;rgerpatrouillen&#8220;, um der Feuerwehr bei der L&#246;schung der Feuer und der Polizei zu helfen, junge Randalierer nach Hause zu schicken. Der Inhalt hier ist B&#252;rgerverhalten; die Form ist gesellschaftliche Integration.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem wir diese beiden Formen und Inhalte der Organisation unterscheiden, m&#246;chten wir nicht Aktivit&#228;ten wie Nachhilfeunterricht, unabh&#228;ngige Lesungen usw. verurteilen, welche das Leben f&#252;r viele junge Leute in den Vorst&#228;dten ertr&#228;glicher machen. Wir wollen ihren Horizont aufdecken, die Perspektive der Ver&#228;nderung der Gesellschaft, welche sie voraussetzen. Dieser Horizont ist, in den Worten von Megafonen selbst, jener eines &#8222;geschlosseneren Stockholms&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Megafonen, &#8216;J&#228;rvalyftet &#228;r ingen bra f&#246;rebild', Svenska Dagbladet, 04.05.12.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist also ein Echo auf die sozialdemokratische Perspektive einer vereinigten Gesellschaft. Eben genau der Inhalt und die Form dieser Aktivit&#228;ten machen sie zu Tr&#228;gern einer erneuerten gesellschaftlichen Regulierung. Tendenziell werden sie das schon in ihren Alltagspraktiken. In G&#246;teborg geht Pantrarna so weit, Ausbildungskurse f&#252;r Berufe mit Arbeitermangel zu planen. Es ist also erw&#228;hnenswert, dass, wenn das Sozialwesen zu einer &#246;ffentlichen Ware wird, diese Art von Aktivismus dazu tendiert, gewisse, einst staatliche Funktionen zu ersetzen. Er tendiert dazu, Gemeindearbeit gratis zu leisten und das als gesellschaftliche Emanzipation zu pr&#228;sentieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von diesem Standpunkt aus kann der Aktivismus tats&#228;chlich die Ausschreitungen in seine eigene positive Sprache &#252;bersetzen, doch nur indem die Praktiken der Ausschreitungen mit jener der gesellschaftlichen Integration ersetzt werden. Das Wesen des Verh&#228;ltnisses zwischen Ausschreitungen und Aktivismus ist das der Eingliederung, eine T&#228;tigkeit der Transformation des Inhalts der Ausschreitungen, um ihnen eine gesellschaftlich erkennbare Form zu geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch entwickeln sich Aktivismus und Ausschreitungen nicht, wie es unsere Beschreibung der Ausschreitungen in Schweden zeigte, entlang einer Achse Revolte-Reform als zwei klar getrennte Realit&#228;ten. Die Ausschreitungen k&#246;nnen unter Umst&#228;nden Forderungen ausdr&#252;cken und sie entstehen h&#228;ufig auf der Grundlage einer durch den Aktivismus herbeigef&#252;hrten Politisierung. Wir k&#246;nnen uns nicht strikt vom Standpunkt der positiven Sprache des Aktivismus aus mit der m&#246;glichen Integration der Ausschreitungen besch&#228;ftigen. Diese positive Sprache ist freilich nicht eine spezifische Eigenschaft des Aktivismus; sie kann unter Umst&#228;nden auch von den Ausschreitungen geteilt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn also die positive Sprache, jene der Affirmation einer M&#246;glichkeit des Dialogs und einer Zukunft in unserer Gesellschaft, nicht auf den Aktivismus beschr&#228;nkt ist, f&#252;hrt uns das Problem des Verh&#228;ltnisses zwischen Ausschreitungen und Aktivismus dazu, die verschiedenen Ausdr&#252;cke dieser Sprache zu betrachten. Wie wird sie in Ausschreitungen ausgedr&#252;ckt? Wie wird sie im Aktivismus ausgedr&#252;ckt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im schwedischen Kontext sind die Ausschreitungen nicht eigentlich zerst&#246;rerisch. Sogar von einem konsequentialistischen Standpunkt aus, der in der Regel zur Schlussfolgerung gelangt, dass &#8222;die Randalierer niemanden ausser sich selbst verletzen&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. den Leitartikel der schwedischen Zeitung Svenska Dagbladet vom (&#8230;)&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, tendieren die Ausschreitungen dazu, eine Modalit&#228;t des Forderns zu verk&#246;rpern. Die Entscheidung der grossen Immobilienfirmen von Herrg&#229;rden und Roseng&#229;rd (Newsec und Contenus), die modrigen Wohnungen w&#228;hrend des Fr&#252;hlings nach den Ausschreitungen schliesslich zu renovieren; das Ende der Schliessungen der Jugendfreizeitzentren; der Bau eines neuen Sportplatzes mit l&#228;ngeren &#214;ffnungszeiten; Mietsenkungen in gewissen F&#228;llen bis zu 25% &#8211; all das kann nur als eine Art der Erf&#252;llung der explizit nach der Besetzung formulierten und jener Forderungen betrachtet werden, welche lokale Politiker, Gemeindearbeiter und Bosse von Immobilienfirmen in die Akte der Randalierer hineinlasen. Das gleiche gilt f&#252;r Stockholm wo die Immobilienfirma Tornet nach den Ereignissen in Risingeplan im April 2013 ihren Plan zur&#252;ckzog, 167 neue Immobilien zu bauen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Plan geh&#246;rten 30 teure Wohnungen mit Terrasse, exklusive (&#8230;)&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Grund, gem&#228;ss dem Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Firma, war, dass &#8222;wir einen koh&#228;renten Dialog mit den Einwohnern herstellen und den Drohungen gegen unser Personal ein Ende setzen m&#252;ssen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Johanna Edstr&#246;m, &#8216;Tornet till retr&#228;tt efter protesterna', Mitt i (&#8230;)&#034; id=&#034;nh48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier scheint es somit, dass die Ausschreitungen dazu tendieren, die Sprache des Dialogs und einer Zukunft durch Brandstiftung und Fordern gleichzeitig zu verk&#246;rpern. Es ist eine Form konstruktiver Destruktivit&#228;t. Von der schwedischen Perspektive aus gesehen, m&#252;ssen wir also fragen, ob das als eine neue Form gesellschaftlicher Verhandlungsf&#252;hrung betrachtet werden k&#246;nnte. Selbstverst&#228;ndlich w&#228;re diese nicht das gleiche wie die zentral organisierte gesellschaftliche Verhandlungsf&#252;hrung der schwedischen Arbeiterbewegung. Wie wir gesehen haben, haben die universellen und einschliessenden Normen, welche die politische Repr&#228;sentation unter dem sozialdemokratischen Regime w&#228;hrend der Nachkriegszeit charakterisierten, differenzierten und polarisierten politischen Repr&#228;sentationsweisen Platz gemacht. Aus der spezifischen Perspektive der Situation in den schwedischen Vorst&#228;dten zeigt sich, dass die starke Rassialisierung gewisser Proletarier Hand in Hand mit jener des politischen Vertrags geht. F&#252;r die Randalierer, welche nicht nur die Speerspitze der Entwesentlichung der Arbeit darstellen, sondern auch der intensivsten gesellschaftlichen Kontrolle und Gentrifizierung ausgesetzt sind, kann gesellschaftliche Verhandlungsf&#252;hrung nicht jene des B&#252;rgers sein, welcher sich bem&#252;ht, politisch repr&#228;sentierbar zu sein. Diese Verhandlungsf&#252;hrung kann sich nur durch intensivierten Konflikt ausdr&#252;cken, welcher zwangsl&#228;ufig schnell abstirbt, weil das, was die Randalierer in ihren Praktiken verwerfen, die Existenz dieser politischen Repr&#228;sentation selbst ist, aus welcher sie normalerweise ausgeschlossen sind. W&#228;hrend Ausschreitungen provozieren die Randalierer f&#252;r eine kurze Zeit politische und mediale Debatten &#252;ber ihre Lebensbedingungen; sie erzwingen die Verbesserung gewisser Aspekte ihrer Reproduktion (Wohnungen, Infrastrukturen usw.); w&#228;hrend dieser kurzen Zeitspanne k&#246;nnte man gar sagen, dass sie eine Klasse konstituieren &#8211; nicht objektiv durch die Produktionsverh&#228;ltnisse definiert, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie sich selbst als politisches Kollektiv erkennen, welches auf der Grundlage von Dingen aufgebaut ist, die vorher nicht in diesen Begriffen verstanden wurden: Repression, Armut, Hass auf die Polizei usw. Das ist gleichzeitig die Grenze der Ausschreitungen. Die Ausschreitungen verkommen zu einem eigentlich vorst&#228;dtischen &#8222;Problem&#8220;, einer chronischen Krankheit, welche mit gelegentlichen Verbesserungen und v.a. konstanter Polizeipr&#228;senz behandelt wird. In Schweden bestanden die Strategien letzterer nicht darin, viele Leute zu verhaften, sondern sie konzentrierten sich auf die Wiederherstellung der Ruhe in Zusammenarbeit mit den befriedenden Elementen der Vorst&#228;dte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Roseng&#229;rd in Malm&#246; f&#252;hrte die Tendenz der Unruhen, zu einem Teil des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Eben genau weil Ausschreitungen dazu tendieren, zur Normalit&#228;t gewisser Vorst&#228;dte zu werden, wird der normale Gang der kapitalistischen Gesellschaft durch sie nicht in Gefahr gebracht, nicht einmal auf der Ebene ihrer Reproduktion. Sie nimmt nicht &lt;i&gt;trotz&lt;/i&gt;, sondern &lt;i&gt;mit&lt;/i&gt; den Ausschreitungen ihren Lauf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf diese Weise dringen die Ausschreitungen in die um die positive Sprache der gesellschaftlichen Verhandlungsf&#252;hrung organisierte Bewegung ein. Sie tun dies jedoch, indem sie sich die Sprache der Forderungen wieder aneignen, indem sie sie in einen konfliktreicheren und breiteren Kampf verwandeln. In Roseng&#229;rd entstanden die Ausschreitungen eben genau als &lt;i&gt;Ausweitung&lt;/i&gt; einer forderungsorientierten Besetzung, aber &lt;i&gt;gegen&lt;/i&gt; die anf&#228;ngliche staatsb&#252;rgerliche Art der Verhandlungsf&#252;hrung, indem direkt die wahrgenommenen Kr&#228;fte hinter der R&#228;umung angegriffen wurden (die Immobilienfirmen und die Polizei). In Risingeplan entstanden die Ausschreitungen w&#228;hrend den Monaten vor den &#8222;Ausschreitungen von Stockholm&#8220; &lt;i&gt;innerhalb der Kampagne&lt;/i&gt; als eine andere, turbulentere Art und Weise des Forderns: &lt;i&gt;Fordern durch Brandstiftung&lt;/i&gt;, die Forderung nach einer drastischen Mietsenkung statt einer weiteren Studie durch den Mieterverband. Die positive Sprache des Dialogs und einer m&#246;glichen Zukunft existiert in den Ausschreitungen, doch im Sinne &lt;i&gt;einer Forderung nach unmittelbaren L&#246;sungen f&#252;r konkrete Probleme&lt;/i&gt;, nicht innerhalb der Perspektive einer geschlossenen Gesellschaft oder einer Sozialdemokratie 2.0.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indes ist es in Schweden auch umgekehrt. Die Ausschreitungen dringen nicht nur in die Bewegung ein; die Bewegung tendiert durch ihre Bem&#252;hung, zur Repr&#228;sentantin davon zu werden, auch dazu, in die Ausschreitungen einzudringen: Wir haben gesehen, wie Organisationen wie Megafonen und Pantrarna in einem Verh&#228;ltnis der Eingliederung hinsichtlich der Ausschreitungen stehen. Indem sie symbolisch gewisse Kosten der Zerst&#246;rung der Randalierer decken oder sich um die Weiterbildung der Jugendlichen k&#252;mmern, tendieren sie dazu, eine &lt;i&gt;Koalition&lt;/i&gt; aller antagonistischen Elemente der Zivilgesellschaft hier und jetzt zu best&#228;tigen. Dieses Subjekt bem&#252;ht sich darum, politisch zu sein, in jenem Sinne, dass seine Praktiken dazu tendieren, das Zusammenkommen von Leuten zu organisieren, welches im allt&#228;glichen Leben nur durch von der Reproduktion der kapitalistischen Gesellschaft vorausgesetzte, rassialisierte Klassenverh&#228;ltnisse existiert. Innerhalb des Aktivismus existiert die positive Sprache ebenfalls in und durch Forderungen, Forderungen jedoch, welche gem&#228;ss der Modalit&#228;t der &lt;i&gt;Integration&lt;/i&gt; vorgebracht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist eine breitere Tendenz. Die Ausschreitungen in Kopenhagen im Winter 2007&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was im Falle von Kopenhagen die Situation anheizte, war der Mord an einem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; gipfelten zum Beispiel in der Ver&#246;ffentlichung eines offenen Briefes in der grossen Zeitung &lt;i&gt;Politikken&lt;/i&gt; gezeichnet &#8222;Die Jungs des inneren N&#248;rrebro&#8220; (&lt;i&gt;Drengene fra Indre N&#248;rrebro&lt;/i&gt;), in welchem sich sowohl Randalierer als auch ein junger Arbeiter eines Freizeitzentrums zusammentun, um die allt&#228;gliche Erfahrung der Jugendlichen von Polizeikontrollen und -brutalit&#228;t zu beschreiben. Ein bestimmter Polizeioffizier wurde tats&#228;chlich nach den Ereignissen gefeuert und Treffen mit der Polizei, dem jungen Arbeiter, einigen Teilnehmern an den Ausschreitungen sowie Eltern des Quartiers wurden in N&#248;rrebro abgehalten. In noch j&#252;ngerer Vergangenheit hat dieses politische Subjekt sogar die europ&#228;ischen Parlamente erreicht. In Griechenland pr&#228;sentierte sich z.B. Syriza w&#228;hrend den ersten Tagen der Ausschreitungen im Dezember 2008 als jene Partei, welche anerkannte, dass die Randalierer &#8211; jene, welche Universit&#228;ten besetzten, L&#228;den und U-Bahn-Stationen sabotierten, die Polizei angriffen &#8211; tun, was sie tun, weil ihre Zukunft blockiert ist. Sechs Jahre sp&#228;ter ist klar geworden, dass die nur politische Anerkennung dieser abwesenden Zukunft impliziert, dass der Staat und eine sozialistische Wirtschaft den Randalierern diese Zukunft bereitstellen soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5. Bewegung und Explosion&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Besonderheit der Ausschreitungen in Schweden, im Vergleich zu jenen in Athen 2008 und in London 2011 &#8211; welche in beiden F&#228;llen nicht als Akte zur Verteidigung des Sozialwesens begannen, sondern als Antwort auf Polizeimorde &#8211; ist die Tatsache, dass sie im Kontext der Verteidigung der Infrastruktur in den Vorst&#228;dten entstanden sind. Das zeigt, dass sich die gegenw&#228;rtige Krise des restrukturierten Kapitals in unterschiedlichen Zeitlichkeiten entwickelt. Unmittelbar nach dem Ausbruch der Krise 2008 waren aufgrund des kombinierten Angriffs auf indirekte L&#246;hne w&#228;hrend der Finanzkrise zwischen 1990 und 1994, einer aggressiven Geldpolitik, sowie einer relativ restriktiven Kreditpolitik keine bedeutenden Regierungsinvestitionen oder Sparmassnahmen notwendig. Deshalb enth&#228;lt der restrukturierte schwedische Wohlfahrtsstaat, viel mehr als L&#228;nder wie Griechenland oder England&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;England ist wahrscheinlich eher mit Schweden vergleichbar, obwohl eine (&#8230;)&#034; id=&#034;nh51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, etwas, das es sich lohnt, zu verteidigen, n&#228;mlich Sozialleistungen, die sich besonders in Wohnungen und Infrastruktur materialisieren, h&#228;ufig auf der Grundlage des oben beschriebenen besonderen Verh&#228;ltnisses zwischen dem Markt und dem Staat. Somit ist das Verh&#228;ltnis zwischen Ausschreitungen und Aktivismus in Schweden nicht das offen konfliktgeladene, welches wir in Frankreich gesehen haben, wo, w&#228;hrend der franz&#246;sischen Bewegung gegen den &lt;i&gt;CPE&lt;/i&gt; 2006, die Randalierer aus den &lt;i&gt;banlieues&lt;/i&gt; von Paris die Demonstrationen oder Generalversammlungen der Studenten buchst&#228;blich angegriffen haben, indem sie Autos anz&#252;ndeten oder die Konfrontation in einer Art und Weise suchten, welche mit den forderungsorientierten Praktiken letzterer brachen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;W&#228;hrend in Paris die Begegnung zwischen Ausschreitungen und Aktivismus in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Schweden mag die Sprache der Forderungen vom Aktivismus und den Ausschreitungen geteilt werden, obwohl diese Forderungen in gewissen F&#228;llen projizierte Rekonstruktionen sind, welche von Politikern, Gemeindearbeitern oder Gesch&#228;ftsf&#252;hrern von Immobilienfirmen vorgebracht werden. Nat&#252;rlich gibt es Forderungen und Forderungen: Die rastlosen Forderungen der Randalierer (&#8222;Senkt die Mieten!&#8220; oder &#8222;Solidarit&#228;t mit unseren Br&#252;dern!&#8220;) sind nicht die gleichen wie die allgemeinen, welche von Organisationen wie Megafonen vorgebracht werden und ein besseres Sozialwesen und mehr Demokratie fordern, doch sie entstehen in der selben Situation. Der Niedergang der schwer zentralisierten Gewerkschaften, welche einst die zentralen Vermittler f&#252;r gesellschaftliche Verhandlungsf&#252;hrung waren, hinterl&#228;sst ein Vakuum, das nur durch Organisationsformen ausgef&#252;llt werden kann, welche wir &lt;i&gt;unmittelbar&lt;/i&gt; nennen k&#246;nnen, in jenem Sinne, dass sie nicht in eine gesellschaftlich anerkannte Institution integriert sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den &#246;ffentlichen Debatten war die unmittelbar auf die Ausschreitungen von (&#8230;)&#034; id=&#034;nh53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Formen dieser Unmittelbarkeit sind verschieden; sie bestehen sowohl aus der &#220;bernahme von abgeschafften Staatsfunktionen, der Ausf&#252;llung des Vakuums, als auch der direkten Aktion gegen die vermeintlichen Quellen seiner eigenen gesellschaftlichen Entbehrung, der Missachtung des Vakuums. In Schweden kann somit die Verteidigung der Sozialleistungen Ausschreitungen ausl&#246;sen: Brandstiftung und Fordern k&#246;nnen zusammenfallen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Praktiken der Brandstiftung und des Forderns k&#246;nnen nicht auf harmonische Art und Weise koexistieren. Indem sie eben genau die Infrastruktur f&#252;r ihre Reproduktion in Brand setzen &lt;i&gt;und gleichzeitig&lt;/i&gt; eine Verbesserung dieser Reproduktion fordern, handeln die Randalierer gegen &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; f&#252;r die Weiterexistenz innerhalb dieser Gesellschaft. Durch ihre Praktiken trennen sie tendenziell ihre &lt;i&gt;Konstitution&lt;/i&gt; als rassialisierte Proletarier im Verh&#228;ltnis zum Kapital &#8211; jene Prozesse, welche ihre spezifische Situation bestimmen &#8211; von ihrer &lt;i&gt;Reproduktion&lt;/i&gt; als rassialisierte Proletarier innerhalb des Kapitals &#8211; von jenen Prozessen, welche bestimmen, was sie in dieser Gesellschaft sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir verdanken diese Unterscheidung zwischen Konstitution und Reproduktion (&#8230;)&#034; id=&#034;nh54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese Akte der Trennung dessen, was man innerhalb dieser Gesellschaft ist einerseits, und die Reproduktion davon andererseits ist an sich &#252;berhaupt nicht revolution&#228;r. Sie enth&#252;llen nur eine Diskrepanz zwischen dieser Konstitution und dieser Reproduktion; sie l&#246;sen das innere Verh&#228;ltnis zwischen den beiden nicht auf. Nichts deutet darauf hin, dass die blosse Enth&#252;llung dieser Diskrepanz nicht in die Reproduktion des Kapitals integriert werden k&#246;nnte. Wie wir gesehen haben, ist das manchmal schon der Fall, wenn die Aufdeckung dieser Diskrepanz politisch nicht als die Trennung von Konstitution und Reproduktion der Klasse pr&#228;sentiert wird &#8211; was einen Bruch mit bestehenden Produktionsverh&#228;ltnissen verlangt &#8211; sondern als &lt;i&gt;Unangemessenheit&lt;/i&gt; zwischen dieser Konstitution und dieser Reproduktion, eine Unangemessenheit, welche gesellschaftliche Integration verlangt: &#8222;Bildung und einen Job&#8220; f&#252;r die &#8222;Ausgeschlossenen&#8220;, welchen ihre Situation als &#8222;Ausgeschlossene&#8220; unbehaglich scheint. Wenn also Akteure wie Aktivistengruppen oder Parteien auftauchen, um die Randalierer zu repr&#228;sentieren, &lt;i&gt;sind sie nicht dabei, die Ausschreitungen zu &#8222;vereinnahmen&#8220;&lt;/i&gt;. Sie entstehen aus &lt;i&gt;den Grenzen&lt;/i&gt; der Ausschreitungen &lt;i&gt;selbst&lt;/i&gt;: aus ihrer gesellschaftlichen und geographischen Isolation von jenen, welche dem Markt fremdartig sind &#8211; aus ihrer Existenz als strikt &#8222;vorst&#228;dtische&#8220; Ausschreitungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht der nahen Zukunft erlaubt uns das Verh&#228;ltnis zwischen Ausschreitungen und Aktivismus, welches wir zu skizzieren versuchten, zwei Fragen zu formulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste Frage betrifft die Tendenz des Aktivismus, sich um die Konstitution einer koh&#228;renten politischen Bewegung zu bem&#252;hen, welche die Randalierer integrieren soll. In Schweden gilt dies f&#252;r Megafonen und Pantrarna. Indem sie versuchen, eine koh&#228;rente politische Bewegung hervorzubringen, entstehen diese Organisationen als Antworten auf die Praktiken der Ausschreitungen. Doch innerhalb dieser Antwort wird diese Fremdartigkeit der rassialisierten Klassenzugeh&#246;rigkeit als Abweichung von der politischen Norm pr&#228;sentiert, eine politische Norm, welche h&#228;ufig jene des Wohlfahrtsstaates und der Arbeiterbewegung ist. Diese Organisationen behandeln Ausbeutung und rassische Herrschaft als etwas, das durch die Umverteilung von existierendem Wohlstand ver&#228;ndert werden soll. F&#252;r sie wird die Wirtschaft nicht durch Klassenpolarisierung und Rassialisierung konstituiert, sie ist grunds&#228;tzlich neutral. Deswegen pr&#228;sentieren sie die Ausschreitungen als lebenden Beweis f&#252;r die Notwendigkeit, verleumdete Identit&#228;ten zu integrieren, welche nur aufgrund der Diskriminierung der M&#228;chtigen von dieser Integration abgehalten werden. Eine &#228;hnliche Tendenz konnte in den letzten Monaten in Ferguson beobachtet werden, v.a. ausgehend von einer &#228;lteren Generation von Aktivisten, von jenen, welche auf der Notwendigkeit f&#252;r schwarze Leute beharren, als gute B&#252;rger zu agieren, um wie gute B&#252;rger behandelt zu werden. F&#252;r sie ist die Staatsb&#252;rgerschaft nicht als struktureller Ausschluss der schwarzen Gemeinschaft von der weissen konstituiert; sie steht grunds&#228;tzlich jedem offen. Wie wir weiter oben betont haben, entstehen diese Akteure aus den Grenzen der Ausschreitungen selbst; sie pr&#228;sentieren das &#8222;Ausgegrenztsein&#8220; der Randalierer als passiven, handlungsunf&#228;higen Zustand. Es ist wichtig, anzumerken, dass diese Tendenz ein h&#246;chst repressives Moment enth&#228;lt: Indem sie best&#228;tigen, dass Identit&#228;ten integriert werden m&#252;ssen oder dass wir alle wie gute B&#252;rger agieren sollten, best&#228;tigen sie die Notwendigkeit der Befriedung der Bewegung zur Hervorbringung eines vereinten politischen Subjekts. In Schweden nimmt dies konstant die Form der Differenzierung zwischen Randalierern - &#8222;kriminelle Gangster&#8220;, &#8222;Steinewerfer&#8220; oder, wieso nicht, &#8222;professionelle Aktivisten&#8220; (sic!)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8216;Polis misst&#228;nker &#8221;yrkesaktivister&#8221;', Svenska Dagbladet, 25.05.13.&#034; id=&#034;nh55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche aus anderen Teilen der Stadt kommen &#8211; und den Einheimischen an - &#8222;hart arbeitende Leute&#8220;, &#8222;Ladenbesitzer&#8220;, &#8222;B&#252;rger&#8220; usw. Diese Klassifizierung ist gleichzeitig ein Ausschluss der Praktiken der Randalierer. In der Tat &lt;i&gt;l&#228;sst das vereinigte politische Subjekt keine inneren K&#228;mpfe&lt;/i&gt; wie jene in den schwedischen &#8222;Vorst&#228;dten&#8220; oder Ferguson &lt;i&gt;zu&lt;/i&gt;: K&#228;mpfe zwischen dem selbst&#228;ndigen Proletariat &#8211; Besitzer kleiner Lebensmittell&#228;den, Restaurants usw. &#8211; und den j&#252;ngeren Proletariern. Somit sollte es keine &#220;berraschung sein, dass es auf der Seite der &#8222;B&#252;rgerpatrouillen&#8220; in Stockholm, der B&#252;rgerreinigung nach den Ausschreitungen in London oder in j&#252;ngerer Vergangenheit der Oath Keepers in Ferguson steht. Kann dieser Aktivismus die Praktiken der Ausschreitungen in eine neue Kraft der gesellschaftlichen Verhandlungsf&#252;hrung einebnen, welche beruhigt werden kann, sobald die Forderungen erf&#252;llt sind? Die j&#252;ngsten Entwicklungen in Griechenland (Syriza) und Spanien (Podemos) scheinen schon auf eine solche Tendenz hinzudeuten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hier sollten wir einen grossen Unterschied zwischen den s&#252;dlichen und den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Falls ja, auf welcher Grundlage wird diese gesellschaftliche Integration geschehen, d.h. was ist ihr inneres Verh&#228;ltnis zum Kapital und zum Staat?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zweite Frage betrifft die Tendenz der Ausschreitungen, die Form gesellschaftlicher Explosionen anzunehmen. Die Undeutlichkeit der Ausschreitungen &#8211; ihr diffuser und kurzlebiger Charakter, die Verweigerung von jeglichem staatsb&#252;rgerlichem Dialog, die rastlosen Forderungen, falls es &#252;berhaupt welche gibt &#8211; muss an und f&#252;r sich behandelt werden, und nicht bloss als Zeichen einer Unf&#228;higkeit, richtig zu sprechen. In der Tat k&#246;nnen die Ausschreitungen &lt;i&gt;in der gegenw&#228;rtigen Lage&lt;/i&gt; nicht &lt;i&gt;als Ausschreitungen&lt;/i&gt; artikuliert werden, schlicht und einfach, weil es keinen Verhandlungsspielraum gibt, speziell in einer Periode, wo die einzige Notwendigkeit des Kapitals die Fortsetzung der Restrukturierung ist. Doch auch weil der Prozess dieser Restrukturierung den strukturellen Ausschluss des Proletariats vom kollektiven Verhandlungstisch voraussetzt. Die Ausschreitungen sind grundlegend nicht-relational: Ihr Verh&#228;ltnis zur kapitalistischen Totalit&#228;t ist, obwohl systematisch, nicht direkt vermittelt von irgendeiner gesellschaftlich anerkannten Institution. Diesbez&#252;glich zeigen die Ausschreitungen offenkundig, dass die Hervorbringung der rassialisierten Klassenzugeh&#246;rigkeit als etwas fremdartiges nicht mehr und nicht weniger als ihre Hervorbringung als etwas fremdartiges ist. Nat&#252;rlich schaffen sie es, aufgestaute Wut in ein kollektives Ereignis zu verwandeln. Das wird offenkundig in der Tatsache w&#228;hrend den Ausschreitungen ausgedr&#252;ckt, dass Leute aus anderen &#8222;Vorst&#228;dten&#8220; schnell in Husby in Stockholm zusammenkamen und dass sich Leute aus anderen Gebieten der USA den Ausschreitungen in Ferguson anschlossen. Dar&#252;ber hinaus, wie wir in Frankreich 2005 oder in Schweden letztes Jahr gesehen haben, dauern die Ausschreitungen immer l&#228;nger und werden zu einem weiter verbreiteten Ph&#228;nomen. Das kann an sich gefeiert werden. Doch die Kommunisierung, die verflochtenen Prozesse der Abschaffung der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und unsere eigene Hervorbringung in neuen materiellen Gemeinschaften, kann nicht aus Ausschreitungen bestehen, nicht einmal aus verallgemeinerten. Wie k&#246;nnte diese inh&#228;rente Grenze der Ausschreitungen, d.h. als eine gesellschaftliche Explosion, als Ausdruck aufgestauten Unbehagens gegen die kapitalistische Gesellschaft, doch immer innerhalb derselben, &#252;berwunden werden? Wie es vom Verh&#228;ltnis zwischen Ausschreitungen und Aktivismus suggeriert wird, ist es nicht die Destruktivit&#228;t, welche f&#252;r den Aufbau der Konstruktivit&#228;t &#252;berwunden werden sollte; und auch nicht die Konstruktivit&#228;t, um der Destruktivit&#228;t freien Lauf zu lassen. In Gebieten wie jenen der schwedischen Vorst&#228;dte w&#252;rde das allen voran bedeuten, die Isolation der strikt vorst&#228;dtischen Ausschreitungen zu &#252;berwinden. Es ginge um mehr als das Anz&#252;nden der Autos der Reichen im Stadtzentrum. Es w&#252;rde damit beginnen, die Geographie der kapitalistischen Akkumulation auf's Spiel zu setzen: das Verh&#228;ltnis zwischen dem kapitalistischen Kern (Europa oder das Stadtzentrum) und seiner Peripherie (Einwanderung oder die Vorst&#228;dte). Dies k&#246;nnte nur in Form von inneren K&#228;mpfen innerhalb des Proletariats hervorgebracht werden, denn wenn diese Ausschreitungen eine Sache &#252;ber die Revolution in unserer Zeit aufzeigen, dann jene, dass wir von K&#228;mpfen nicht erwarten k&#246;nnen, dass sie direkt gegen das Fundament des Kapitals gerichtet sind, dass sie sich nur auf Kapitalisten auswirken: &lt;i&gt;Es gibt keine reinen K&#228;mpfe&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;November 2014&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;zaschia.bouzarri - &#228;t - gmail.com&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://sicjournal.org/arson-with-demands/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Megafonen, &lt;a href=&#034;http://megafonen.com/alby-ar-inte-till-salu/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Alby &#228;r inte till Salu!&#034;&lt;/a&gt; [&#034;Alby steht nicht zum Verkauf!&#034;], unsere &#220;bersetzung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der folgende Bericht &#252;ber die Ausschreitungen in Roseng&#229;rd basiert v.a. auf: Mookie Blaylock, &#8216;It takes a nation of millions to hold us back &#8211; Roseng&#229;rd i revolt', &lt;i&gt;Direkt Aktion&lt;/i&gt; Nr. 58, August 2009, S. 8-17.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8216;Tredje dagen det brinner', &lt;i&gt;Sydsvenskan&lt;/i&gt;, 18.03.09.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Schwedische Polizei, &lt;a href=&#034;https://polisen.azurewebsites.net/index.php/social-oro/historiskt-perspektiv/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8216;Historisk tillbakablick'&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Metodhandbok f&#246;r samverkan mot social oro&lt;/i&gt;, 2013. Ein in Backa lebender Genosse sagte, es gebe eine spezifische &#8222;Saison&#8220;, w&#228;hrend welcher es zu den meisten Brandstiftungen und Steinw&#252;rfen komme: das Ende der ziemlich langen Sommerferien, kurz vor dem Schulanfang. Jene, welche versuchen, die Ausschreitungen zu ignorieren, weil sie nicht ihrem eigenen Begriff der Arbeiteremanzipation entsprechen, beziehen sich h&#228;ufig darauf als Beweis, dass sie eine Angelegenheit jugendlicher Wut seien. Doch wenn sie sich zur Ablehnung der Ausschreitungen darauf berufen, liefern sie damit in Tat und Wahrheit nur den Beweis ihrer eigenen Unf&#228;higkeit, eben genau diese Wut als etwas zutiefst gesellschaftliches zu erfassen. Denn wer genau verbringt schon den ganzen Sommer in der Vorstadt einer grossen Stadt, wenn nicht die bettel&#228;rmsten Elemente des Proletariats?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Stina Berglund, &#8216;Backakravallerna b&#246;rjade med jeansst&#246;ld', &lt;i&gt;G&#246;teborgs-Posten&lt;/i&gt;, 30.06.2011.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Schwedische Polizei, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;2013 wurde dieser intensive Aktivismus am Leben erhalten, aber nicht ohne Schwierigkeiten. Im M&#228;rz organisierte die gemeindeeigene Immobilienfirma ein nicht&#246;ffentliches Treffen in Botkyrka, eine Vorstadt im S&#252;dwesten von Stockholm, mit potenziellen K&#228;ufern von 1300 zum Verkauf stehenden Wohnungen in Albyberget. Eine friedliche Kundgebung gegen diese Privatisierung mit Kaffee und Zimtbr&#246;tchen sah sich zwei Polizeibussen, drei Bullen und einem Helikopter (!) gegen&#252;ber. Zuvor wurde zwei prominenten Figuren des Widerstands gegen diese Transformationen von Gemeindearbeitern und Polizeioffizieren gesagt, sie sollen ihre Politik von Jugendfreizeitzentren fernhalten und keine Petitionen in den lokalen Bibliotheken auflegen &#8211; viele Zeichen einer Nulltoleranzstrategie, die h&#228;ufig durch eine Angst vor &#8222;Radikalisierung&#8220; motiviert ist. Gleichzeitig organisierte die Kampagne &#8222;Alby steht nicht zum Verkauf&#8220; (Alby &#228;r inte till salu), welche gegen den Verkauf von 1300 Wohnungen in Albyberget initiiert wurde, eine Petition, um die 6000 Unterschriften zu erlangen, welche n&#246;tig sind, um ein Referendum zur Frage zu erzwingen. Doch die Liste mit 6600 Unterschriften wurde von der Gemeinde nie akzeptiert, angeblich wegen mehrerer &#8222;unleserlichen&#8220; oder &#8222;alten&#8220; Namen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rouzbeh Djalaie, &#8216;Bilbr&#228;nder byttes mot flygblad och organisering', &lt;i&gt;Norra sidan&lt;/i&gt;, 13. April &#8211; 17. Mai 2013, S. 11.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rouzbeh Djalaie, &#8216;Vi betalar &#214;stermalmshyror i Tensta', ebd., S. 10. Gem&#228;ss den Wechselkursen im November 2014, 1.00 SEK = 0.11 EUR = 0.13 USD.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Johanna Edstr&#246;m, &#8216;Hyresv&#228;rden f&#229;r dem att se r&#246;tt', &lt;i&gt;Mitt i Tensta-Rinkeby&lt;/i&gt;, 16.04.2013, S. 6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kenneth Samuelsson, &#8216;H&#229;rt kritiserade Tornet stoppar renovering', &lt;i&gt;Hem &amp; Hyra&lt;/i&gt;, 17.05.2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die folgende Zusammenfassung der Ausschreitungen in Stockholm basiert v.a. auf einer Zusammenstellung unserer eigenen Quellen, sowie auf Zeitungsartikeln und Stellungnahmen w&#228;hrend und nach den Ausschreitungen, die meisten davon sind in der Sektion &#8222;Br&#232;ves du d&#233;sordre&#8220; der Homepage &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;http://cettesemaine.info/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Cette semaine&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;. Die betreffenden Artikel findet man &lt;a href=&#034;http://cettesemaine.info/spip/rubrique.php3_id_rubrique=96.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; chronologisch geordnet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Beschreibung des Begriffs der Integration und seiner Bedeutung f&#252;r das Verst&#228;ndnis des Kapitals und des Klassenkampfes heute, siehe Bob, &lt;a href=&#034;http://www.kommunisierung.net/Maulwurf-bist-du-da&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Maulwurf, bist du da? Das restrukturierte Kapital, der Klassenkampf und die revolution&#228;re Perspektive&#8220;&lt;/a&gt;, Januar/Februar 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J. Magnus Ryner, &lt;i&gt;Capitalist Restructuring, Globalisation and the Third Way. Lessons from the Swedish Model&lt;/i&gt; (Routledge 2002), S. 33.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J. Magnus Ryner, ebd., S. 59.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Maschinenindustrie wurde schnell zu Schwedens wichtigster Exportindustrie, welche fast die H&#228;lfte der industriellen Arbeitskraft mobilisierte und f&#252;r die Herstellung von ungef&#228;hr 40% aller schwedischen Exporte w&#228;hrend der Nachkriegszeit verantwortlich war. Siehe J. Magnus Ryner, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 69.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu dieser Zeit hatte Schweden die h&#246;chste Einb&#252;rgerungsquote von Einwanderern in Europa und 1976 gab eine Reform ihnen das Wahlrecht in lokalen Wahlen, sowie Zugang zu Rechten ziviler, politischer und sozialer Staatsb&#252;rgerschaft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Carl-Ulrik Schierup, Aleksandra &#197;lund and Lisa Kings, &#8216;Reading the Stockholm Riots &#8211; A moment for social justice?', 2014, &lt;i&gt;RACE &amp; CLASS&lt;/i&gt; (55).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese sowohl von Gewerkschaften als auch Arbeitgebern geteilte &#220;berzeugung kennzeichnete die Revision der schwedischen Integrationspolitik 1975 und ihre Prinzipien der &#8222;Gleichheit&#8220; (im Gegensatz zur ethnischen Teilung der Arbeitskraft), der &#8222;Kooperation&#8220; (im Gegensatz zu b&#252;rokratischer Kontrolle) und &#8222;Wahlfreiheit&#8220; (im Gegensatz zu Segregation). Siehe Carl-Ulrik Schierup, Aleksandra &#197;lund, &#8216;Prescribed multiculturalism in crisis', &lt;i&gt;Paradoxes of Multiculturalism. Essays on Swedish Society&lt;/i&gt; (Avebury/Gower 1991), S. 2.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J. Magnus Ryner, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 30 und 93.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J. Magnus Ryner, ebd., S. 49-50.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J. Magnus Ryner, ebd., S. 146-147.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J. Magnus Ryner, ebd., S. 110.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;The duty to work', &lt;i&gt;Paradoxes of Multiculturalism. Essays on Swedish Society&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 25 and 28.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;&#8221;Paradise Lost?&#8221; Migration and the Changing Swedish Welfare State', &lt;i&gt;Migration, Citizenship, and the European Welfare State. A European Dilemma&lt;/i&gt; (Oxford University Press 2006), S. 196-209.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Carl-Ulrik Schierup, ebd., S. 214-215.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;The ethnic tower of Babel: political marginality and beyond', in &lt;i&gt;Paradoxes of Multiculturalism. Essays on Swedish Society&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 117, 120, 123, 126.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;2006 wurden die individuellen Kosten zur Teilnahme am System der Leistungen f&#252;r Arbeitslose neu geregelt: 400 000 Arbeiter mussten aussteigen, weil sich ihre Kosten verdreifachten. Heute haben weniger als die H&#228;lfte der Arbeitslosen eine Arbeitslosenversicherung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mattias Bengtsson, &#8216;Utanf&#246;rskapet och underklassen. Mot en selektiv v&#228;lf&#228;rdspolitik', &lt;i&gt;Fronesis&lt;/i&gt; Nr. 40-41, 2012, S. 184-185. Man k&#246;nnte auch anmerken, dass dies die Stigmatisierung illegaler Einwanderer als faktisch kriminelle Wesen verst&#228;rkt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nat&#252;rlich war die Entwicklung der Mittelschichten w&#228;hrend der Restrukturierung nicht nur von Niederlage und Zerfall gepr&#228;gt. Ein Teil der Bev&#246;lkerung war in der Tat f&#228;hig, von der neuen Wirtschaft aufgrund ihrer erh&#246;hten Rentabilit&#228;t und der Chancen auf billige Kredite zu profitieren. Doch wir spielen hier darauf an, dass die Restrukturierung mit dem folgenden Zerfall der Arbeiteridentit&#228;t gleichzeitig eine gewaltige ideologische Verschiebung ist, sie f&#252;hrt ein neues Paradigma ein, das Hand in Hand mit der Individualisierung des Arbeitsvertrages und der neuen privaten Form des Sozialwesens geht. Innerhalb dieses neuen Paradigmas kann man von der Kultur sagen, dass sie essentialisiert wird, dass gewisse kulturelle Charakteristiken definitionsgem&#228;ss gewissen Bev&#246;lkerungen zugeordnet werden &#8211; darum geht es gewissermassen im &#8222;Multikulturalismus&#8220;, sogar in seinen liberalsten Formulierungen. Die Integration von eingewanderten Bev&#246;lkerungen in die nationale Wirtschaft wird dann zu einer Frage der Befolgung von nationalen oder zivilisatorischen &#8222;Werten&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mattias Bengtsson, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 179.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Innerhalb der &#8222;Mehrheit&#8220; der Bev&#246;lkerung ist die Kulturalisierung gesellschaftlicher Bedingungen gleichbedeutend mit der Neuerfindung einer vereinten Nation, welche gegen die Einwanderung und ihre vermeintlichen Ursachen verteidigt werden muss, d.h. eine essentialisierende Projektion. Andererseits ist eben diese Kulturalisierung gesellschaftlicher Bedingungen unter gewissen Einwanderern das Medium, durch welches sie sich selber als zu einer religi&#246;sen Gemeinschaft zugeh&#246;rig definieren &#8211; haupts&#228;chlich des Islams, innerhalb gewisser Teile der facettenreichen muslimischen Minderheit &#8211;, um sich gegen die vermeintliche allgemeine westliche Dekadenz zu st&#228;rken, d.h. eine essentialisierende Selbstverwirklichung. Es scheint klar, dass in Schweden die Zerst&#246;rung der anerkannten gesellschaftlichen Integration und der verst&#228;rkte Angriff auf Reall&#246;hne und Anspr&#252;che auf Sozialhilfe w&#228;hrend diesen letzten beiden Jahrzehnten die Grundlage einer geschlossenen gesellschaftlichen Gemeinschaft untergraben hat. Besonders in Zeiten der Krise f&#252;hrt das zu einer verzweifelten Identifikation mit dem, was scheinbar &#252;ber &#8222;der Wirtschaft&#8220; steht: mit nationalen Werten oder Religion.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Th&#233;orie Communiste, &#8216;Le plancher de verre', in Theo Cosme (Hg.), &lt;i&gt;Les &#233;meutes en Gr&#232;ce&lt;/i&gt; (Senonevero 2009), S. 19-20.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jimmy Bussenius, &lt;a href=&#034;http://www.ateljeerna.lth.se/fileadmin/ateljeerna/Arkitekturteori/Jimmy_Bussenius_Herrgaarden.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8216;Herrg&#229;rden, Roseng&#229;rd'&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Regeringskansliet, Urbana utvecklingsomr&#229;den: en statistisk uppf&#246;ljning utifr&#229;n sju indikatorer (Arbetsmarknadsdepartementet, 2012), S. 16.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Carl-Ulrik Schierup, Aleksandra &#197;lund and Lisa Kings, &#8216;Reading the Stockholm Riots &#8211; A moment for social justice?', &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Carl-Ulrik Schierup, &#8216;&#8221;Paradise Lost?&#8221; Migration and the Changing Swedish Welfare State', &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 215-216.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;REVA ist eine Abk&#252;rzung f&#252;r &lt;i&gt;r&#228;ttss&#228;kert och effektivt verkst&#228;llighetsarbete&lt;/i&gt;, was &#8222;Legal sichere und effiziente Ausf&#252;hrung&#8220; bedeutet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Soweit wir wissen haupts&#228;chlich U-Bahn-Stationen und Bahnh&#246;fe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die sogenannte &#8222;Gebrauchswertregel&#8220; (&lt;i&gt;bruksv&#228;rdesregeln&lt;/i&gt;) garantierte, dass Mieten teilweise gem&#228;ss den materiellen Eigenschaften der Wohnungen &#8211; ihrer Gr&#246;sse, Ausstattung, Entfernung vom &#246;ffentlichen Verkehr usw. &#8211; und nicht unmittelbar durch den Markt festgelegt wurden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eric Clark, Karin Johnson, &#8216;Circumventing Circumscribed Neoliberalism. The &#8220;System Switch&#8221; in Swedish Housing', &lt;i&gt;Where the Other Half Lives&lt;/i&gt; (Pluto Press 2009), S. 175-179.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brett Christophers, &#8216;A Monstrous Hybrid: The Political Economy of Housing in Early Twenty-first Century Sweden', &lt;i&gt;New Political Economy&lt;/i&gt;, DOI: 10.1080, 2013, S. 12-22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine ausf&#252;hrliche und gehaltreiche Zusammenfassung dieser Ausschreitungen, siehe Stefan Nyzell, &#8221;Striden &#228;gde rum i Malm&#246;&#8221;. &lt;i&gt;M&#246;llev&#229;ngskravallerna 1926. En studie av politiskt v&#229;ld i mellankrigstidens Sverige&lt;/i&gt; (Malm&#246; H&#246;gskola 2009), S. 56-74 und S. 280-292.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Megafonen, &lt;a href=&#034;http://www.aftonbladet.se/debatt/article16834468.ab&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8216;Vi startar inga br&#228;nder'&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Aftonbladet&lt;/i&gt;, 24.05.13. Eine englische &#220;bersetzung ist &lt;a href=&#034;https://libcom.org/news/megafonen-we-dont-start-nop-fires-26052013&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Megafonen, &#8216;J&#228;rvalyftet &#228;r ingen bra f&#246;rebild', &lt;i&gt;Svenska Dagbladet&lt;/i&gt;, 04.05.12.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. den Leitartikel der schwedischen Zeitung &lt;i&gt;Svenska Dagbladet&lt;/i&gt; vom 21. Mai 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Plan geh&#246;rten 30 teure Wohnungen mit Terrasse, exklusive &#220;berbauten auf bestehenden Wohnungen, neue Geb&#228;ude, Balkone mit Glasw&#228;nden und all das h&#228;tte den Abriss von vier dreist&#246;ckigen H&#228;usern in der N&#228;he eines lokalen Parks erfordert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Johanna Edstr&#246;m, &#8216;Tornet till retr&#228;tt efter protesterna', &lt;i&gt;Mitt i Tensta-Rinkeby&lt;/i&gt;, 24.04.13, S. 4. Das Wochenende zuvor wurde das lokale Verwaltungsgeb&#228;ude von Tornet in Brand gesetzt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Roseng&#229;rd in Malm&#246; f&#252;hrte die Tendenz der Unruhen, zu einem Teil des allt&#228;glichen Lebens zu werden, 2009 zur Entwicklung einer neuen Polizeistrategie. Die Bullen sollen nun in leichteren Uniformen arbeiten und versuchen, einen vergn&#252;glichen pers&#246;nlichen Kontakt herzustellen, um &#8222;dort zu sein und Dinge zu verhindern, bevor sie geschehen&#8220;. In praktischeren Begriffen bedeutet das, dass alle Beamte der Aussenbezirke, welche nicht an Notsituationen beteiligt sind, konstant in Roseng&#229;rd patrouillieren m&#252;ssen, jeden Tag der Woche. Im Fall der &#8222;Ausschreitungen von Stockholm&#8220; ist es erw&#228;hnenswert, dass von den 29 Verhafteten schliesslich nur drei verurteilt wurden. Siehe &#8216;F&#229; d&#246;mda f&#246;r Stockholmsupplopp', &lt;i&gt;Svenska Dagbladet&lt;/i&gt;, 29.07.13.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was im Falle von Kopenhagen die Situation anheizte, war der Mord an einem alten pal&#228;stinensischen Mann in einem Stadtteil namens N&#248;rrebro. Im Rahmen einer Polizeikontrolle am 8. Dezember 2007 wurde er zu Boden gestossen und dann mit St&#246;cken geschlagen. Zwischen dem 9. und dem 16. Februar 2008 wurden etwa 30 Autos und zehn Schulen in verschiedenen d&#228;nischen St&#228;dten in Brand gesetzt, in erster Linie in Kopenhagen und &#197;rhus, aber auch in Slagelse, Ringsted, Kokkedal, Niv&#229;, Birker&#248;d, Albertslund, Tingbjerg und Kalundborg. Siehe Kim Ingemann, &lt;a href=&#034;http://modkraft.dk/node/15698&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8216;De nye kampe for anerkendelse'&lt;/a&gt;, 23.06.11.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;England ist wahrscheinlich eher mit Schweden vergleichbar, obwohl eine intensive und lang andauernde Sparpolitik dort das Sozialwesen radikaler ver&#228;ndert hat als in Schweden. Trotzdem standen w&#228;hrend und nach den Ausschreitungen 2011 soziale Fragen wie Wohnen, Jugendzentren usw., doch auch die ethnische Frage und die damit zusammenh&#228;ngende Polizeiarbeit im Zentrum der &#246;ffentlichen Debatte. Zudem sind &#246;ffentliche Wohnungen und Mieten ein grosses Thema in K&#228;mpfen in den letzten Jahren gewesen, besonders in London. In Griechenland gab es allerdings nie einen Wohlfahrtsstaat in der Form, wie er in Westeuropa existierte. Das &#8222;Sozialwesen&#8220; in Griechenland tendiert dazu, durch ausgedehnte Familienbeziehungen und kleines Privateigentum, Klientelismus und einen &#252;bertrieben grossen, durch sehr tiefe Arbeitsintensit&#228;t und Produktivit&#228;t charakterisierten &#246;ffentlichen Sektor vermittelt zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;W&#228;hrend in Paris die Begegnung zwischen Ausschreitungen und Aktivismus in Tat und Wahrheit die Begegnung von Kindern der Vorst&#228;dte und Universit&#228;tsstudenten, von zwei verschiedenen Welten war, kommen die Aktivisten von Megafonen, Pantrarna usw. aus den gleichen Vorst&#228;dten wie die rassialisierten jungen Randalierer.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den &#246;ffentlichen Debatten war die unmittelbar auf die Ausschreitungen von Stockholm von 2013 folgende Zeit eine Art Hexenjagd, in welcher die widerspr&#252;chlichsten Urteile existierten. Megafonen wurde z.B. wegen der von der Gruppe organisierten Demonstration gegen Polizeigewalt beschuldigt, zu Ausschreitungen anzustacheln, w&#228;hrend ein hirntoter Blogartikel des Journalisten Joakim Lamotte behauptete, die Ausschreitungen seien ausgel&#246;st worden, weil Journalisten (nat&#252;rlich andere als er selbst) lokale Jugendliche bezahlen w&#252;rden, um Autos anzuz&#252;nden, was schnell zu einem weit verbreiteten Ger&#252;cht wurde. Das Vakuum, wovon wir sprechen, und der daraus folgende Mangel an anerkannten Kampfinstitutionen ist also auch ideologischer Natur. Nicht dass alle Ideensysteme tot w&#228;ren, doch weil Praktiken, welche mit dem normalen Gang des allt&#228;glichen Lebens brechen, im allt&#228;glichen Bewusstsein nicht verstanden werden k&#246;nnen, existieren sie nur als Gemeinplatz f&#252;r paranoide Projektionen und nerv&#246;se Verdr&#228;ngung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir verdanken diese Unterscheidung zwischen Konstitution und Reproduktion einer der vielen Formulierungen des Konzepts der Diskrepanz (&lt;i&gt;l'&#233;cart&lt;/i&gt;) von Th&#233;orie communiste. Siehe &#8216;Th&#233;orie de l'&#233;cart', &lt;i&gt;Th&#233;orie Communiste&lt;/i&gt; Nr. 20, September 2005, S. 11.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8216;Polis misst&#228;nker &#8221;yrkesaktivister&#8221;', &lt;i&gt;Svenska Dagbladet&lt;/i&gt;, 25.05.13.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hier sollten wir einen grossen Unterschied zwischen den s&#252;dlichen und den n&#246;rdlichen europ&#228;ischen L&#228;ndern beachten: In den ersteren sind sogar die Mehrheitsbev&#246;lkerungen Opfer drastischer Verarmung geworden, in Griechenland und Portugal mehr als in Italien und Spanien. Die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland betr&#228;gt z.B. 57.3%, 54.9% in Spanien, 41.8% in Italien und 34.8% in Portugal (siehe &#8216;Table 1: Youth unemployment figures, 2011-2013Q4 (%)', im Artikel von Eurostat &lt;a href=&#034;http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Unemployment_statistics#Youth_unemployment_trends&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8216;Unemployment statistics'&lt;/a&gt; [konsultiert im November 2014]). 200 000 Portugiesen zwischen 20 und 40 haben das Land seit 2010 Richtung Norden verlassen. W&#228;hrend wir in diesem Zusammenhang in Griechenland und Spanien den Aufstieg von gewissen &#8222;radikal&#8220; linken Kr&#228;ften beobachten k&#246;nnen, hat in Frankreich, in England und in Schweden die populistische (einwanderungsfeindliche) Rechte R&#252;ckenwind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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