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		<title>Tristan Leoni &#8211; Anarchisten in Uniform in der Ukraine?</title>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>
		<dc:subject>Anarchismus</dc:subject>

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&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Ngo Van &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich wirr (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/en-ukraine-des-anarchistes-1-768x432.jpg?1716755750' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ngo Van&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich wirr und reflektiert die schwierige Einordnung des Ph&#228;nomens. Trotzdem haben die meisten grossen westlichen Medien diesem anscheinend exotischen Aspekt des Krieges in der Ukraine einige Zeilen oder Minuten gewidmet: Die Pr&#228;senz von anarchistischen und linksradikalen Aktivisten in den Reihen jener, welche gegen die russische Armee k&#228;mpfen. Das ist eher ungew&#246;hnlich!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit dem Fr&#252;hling 2022 wurde der Diskurs dieser K&#228;mpfer im Westen innerhalb der anarchistischen, libert&#228;ren, Antifa-, Hausbesetzer- und sogar autonomen Milieus aufgegriffen; ganz und gar nicht orientierungslos richten sich diese Ukrainer an &#8222;uns&#8220;, sie pr&#228;sentieren ihre Handlungen als vorbildliches politisches Modell und bitten uns um finanzielle Unterst&#252;tzung; es ist also durchaus von Interesse und angebracht, sich mit dem, was sie uns sagen, aber auch mit ihren meist nur knapp und in vagen und verwirrenden Worten beschriebenen Praktiken zu befassen, auch auf kritische Art und Weise. Auf diese Weise kann ein Bild des zeitgen&#246;ssischen europ&#228;ischen revolution&#228;ren Aktivismus, seiner Einfl&#252;sse und seiner Grenzen skizziert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun in Anbetracht des Krieges?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zun&#228;chst einmal, sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von allzu bequemen Vereinfachungen, mitrei&#223;en zu lassen. Es gibt Zeiten, da hat man keinerlei Einflu&#223; auf den Lauf der Dinge. Es ist besser, sich dessen bewu&#223;t zu sein und nicht die eigene Ohnmacht hinter wildem Herumgefuchtel zu verbergen oder, schlimmer noch, auf einen Zug zu springen, der nicht der unsere ist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Louis Mercier-Vega&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb der anarchistischen Bewegung in der Ukraine gehen die Diskussionen &#252;ber den Krieg mindestens bis auf 2014 zur&#252;ck; damals, als die K&#228;mpfe beginnen, schliessen sich gewisse Aktivisten freiwillig milit&#228;rischen Formationen im Donbass an. In den Tagen vor der russischen Invasion am 24. Februar 2022, als diese unmittelbar bevorzustehen scheint, versammeln sich die Anarchisten, Libert&#228;ren und ihnen nahestehende Aktivisten in der Region von Kiew (mehrere Dutzend Leute), um &#252;ber die Situation zu sprechen und ihre Vorgehensweise zu entscheiden. Die seit Jahren wiederkehrende Debatte wird pl&#246;tzlich auf neue Art und Weise zentral: Soll man sich den russischen Truppen bewaffnet entgegenstellen, wenn sie die Grenze &#252;berqueren, oder aber allen Widrigkeiten zum Trotz antimilitaristische, antistaatliche, revolution&#228;re und internationalistische Positionen beibehalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl eine &#8211; wohl sehr grosse &#8211; Mehrheit die erste der beiden Positionen verteidigt, wird sie trotzdem nicht von der Gesamtheit der anarchistischen Bewegung in der Ukraine geteilt (einige entscheiden sich z.B. f&#252;r humanit&#228;re Aktionen zur Unterst&#252;tzung der Fl&#252;chtlinge oder Verletzten, wir werden darauf zur&#252;ckkommen); diese Tendenz ist hingegen zur sichtbarsten, am st&#228;rksten mediatisierten und, w&#228;hrend etlicher langer Monate, zu fast der einzigen geworden, deren Diskurs in Europa in den aktivistischen Medien aufgegriffen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche sich f&#252;r den bewaffneten Kampf entschieden haben, pr&#228;sentieren ihn h&#228;ufig in erster Linie als Notl&#246;sung, eine Notwendigkeit, um einen demokratischen Rahmen zu erhalten, der f&#252;r den k&#252;nftigen Aktivismus als g&#252;nstiger wahrgenommen wird &#8211; die sehr autorit&#228;re Demokratie Kiews, statt die sehr, sehr autorit&#228;re Demokratie Moskaus &#8211;; die Pr&#228;senz in der Ukraine etlicher russischer und weissrussischer Aktivisten, die der Repression in Russland entkommen mussten, beg&#252;nstigt wahrscheinlich diese Einsch&#228;tzung. Es handelt sich jedoch nicht um eine einfache Frage der individuellen Sicherheit, denn es ist viel riskanter, in den Kampf zu ziehen, als, zum Beispiel, ins Ausland zu fliehen; die vorherrschende ideologische Positionierung ist in Tat und Wahrheit eine antifaschistische&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch die Aktivisten betonen auch h&#228;ufig die Tatsache, dass die Teilnahme an der Landesverteidigung eine Gelegenheit sei, um antiautorit&#228;re Ideen in der Bev&#246;lkerung und besonders unter den Soldaten zu verbreiten, womit man einen Einfluss auf die laufenden Ereignisse und die k&#252;nftige politische B&#252;hne der Ukraine habe; das h&#228;ufig bereitwillig eingestandene Modell ist jenes der rechtsextremen Gruppen, die aufgrund ihrer Teilnahme am Krieg im Donbass an Prestige und Einfluss innerhalb der Gesellschaft gewonnen haben (ist dies allerdings die einzige Erkl&#228;rung f&#252;r ihren Erfolg?)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie muss man also konkret zu Werke gehen, um aufzubrechen und sich den russischen Truppen entgegenzustellen? Es gibt in Wirklichkeit nur eine M&#246;glichkeit: sich der Armee anschliessen. Ein Aktivist erinnert sich: &#8222;K&#246;nnten wir uns der Invasion bewaffnet unabh&#228;ngig von der staatlichen Armee unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen entgegenstellen? Die Antwort ist definitiv nein [&#8230;] Zuerst einmal gibt es auf unserer Seite im Moment nicht gen&#252;gend Struktur oder Ressourcen, um ernsthaft den Anspruch zu haben, eine unabh&#228;ngige bewaffnete Kraft zu bilden. Gleichzeitig hat der ukrainische Staat genug Macht und den Willen, jegliche vollst&#228;ndig autonome Kraft zu unterbinden. In dieser Situation ist Guerillakampf unabh&#228;ngig vom Staat nur in den von der russischen Armee besetzten Gebieten m&#246;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, &#8222; Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&#8220;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schon seit einigen Jahren von einigen Aktivisten empfohlene L&#246;sung ist also einfach: das Engagement innerhalb der Einheiten der Territorialverteidigung (TV), die von Berufsmilit&#228;rs umrahmte Einheiten b&#252;ndelt, die jedoch aus freiwilligen Reservisten (mit einer regionalen Rekrutierung) und gegebenenfalls aus mobilisierten B&#252;rgern besteht. Es handelt sich keinesfalls um &#8222;bewaffnete Zivilisten&#8220;, wie es einige behauptet haben, sondern um Reserveeinheiten wie man sie in allen Armeen der Welt findet, sogenannte Einheiten zweiten Ranges, die untergeordnete Aufgaben erledigen und somit die k&#228;mpfenden Einheiten an der Front unterst&#252;tzen, letztere bestehen allen voran aus Berufssoldaten (was sich im Verlauf des Konflikts &#228;ndern wird).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r jene Aktivisten, welche sich freiwillig melden, muss der Antimilitarismus und die Staatskritik also auf Eis gelegt werden, solange der Konflikt andauert; das ist das Prinzip des Burgfriedens, alle haben w&#228;hrend einer gewissen Zeit gemeinsame Ziele. Somit ist man zu semantischen Verdrehungen verdammt, man spielt also mit den Worten, um sich selbst davon zu &#252;berzeugen, dass man weder den Staat noch die Interessen der nationalen Bourgeoisie verteidigt, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;, diese etwas vage, aber klar klassen&#252;bergreifende Einheit: &#8222;[D]ie Interessen der ukrainischen Gesellschaft und des ukrainischen Staates sind gegenw&#228;rtig in einem Punkt deckungsgleich, der Zur&#252;ckschlagung der brutalen Invasion, obwohl sie sich in etlichen anderen Punkten voneinander unterscheiden. Deswegen scheint jeglicher Versuch, getrennt Widerstand zu organisieren, im Moment im Volk Unverst&#228;ndnis auszul&#246;sen. Doch wir k&#246;nnen feststellen, dass die gegenw&#228;rtige Situation in den bewaffneten Streitkr&#228;ften der Ukraine immer noch viel Raum l&#228;sst f&#252;r politische Gruppen, welche die Besatzer bek&#228;mpfen wollen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der letzte Satz bezieht sich offensichtlich auf die verschiedenen rechtsextremen Bewegungen, die &#252;ber identifizierbare spezifische Einheiten verf&#252;gen, sie sind anerkannt, respektiert und vollst&#228;ndig in das Organigramm der bewaffneten Streitkr&#228;fte der Ukraine integriert; die ber&#252;hmteste von ihnen ist die Brigade Asow. Gewisse Anarchisten hoffen also, dass sie auch legal eine Einheit dieser Art aufbauen, &#252;ber eine gewisse Autonomie verf&#252;gen und ein Minimum an Propagandaarbeit innerhalb der Armee betreiben k&#246;nnen; doch daf&#252;r muss man sich organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Widerstand?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Februar 2022 rufen diese Aktivisten eine Struktur ins Leben, die zum Ziel hat, die verschiedenen Initiativen, die versuchen, sich der russischen Invasion entgegenzustellen, zu koordinieren und logistisch zu unterst&#252;tzen: das Widerstandskomitee, das manchmal als Schwarzes Hauptquartier bezeichnet wird. Die daran beteiligten Gruppen pr&#228;sentieren sich als anarchistisch, wie z.B. RevDia oder Black Flag Ukraine, doch man findet darin auch kleine linksradikale oder antifaschistische Gruppen oder Individuen, z.B. die antifaschistischen Fussballfans des Ex-Klubs Arsenal Kiew &#8211; der Hoods Hoods Klan &#8211; die Strassenk&#228;mpfe gew&#246;hnt sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, &#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige schliessen sich dem Komitee an, aber behalten eine gewisse Autonomie (z.B. betreffend der Mittelbeschaffung), das gilt f&#252;r eine Gruppe von &#214;ko-Anarchisten aus Lwiw, Ecological Platform&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Widerstandskomitee versieht sich im Mai 2022 mit einem &#8222;Manifest&#8220;, das eine Vorstellung davon gibt, was die Aktivisten zusammenbringt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;, Mai 2022.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was zuerst &#252;berraschen mag, ist die Tatsache, dass der Krieg &#252;berhaupt nicht in einen gr&#246;sseren Zusammenhang gestellt wird, sei es nur jener der wirtschaftlichen und geostrategischen Rivalit&#228;ten oder jener der Krise des Kapitalismus. Die ganze Sache beschr&#228;nkt sich also vermeintlich auf Russland und die Ukraine, aber jenseits des banalen Streits um Territorium sei eine ganz andere Dimension zentral: jene der offensichtlichen Konfrontation zwischen Freiheit und Autorit&#228;t &#8211; zwischen dem Guten und dem B&#246;sen, ist man versucht, zu verstehen. Die Ukraine wird darin &#252;brigens als ein Land dargestellt, wo seit Jahrhunderten die dem Despotismus ausgesetzten &#8222;Freigeister&#8220; zusammenstr&#246;men, die Opryschky-Aufst&#228;ndischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder die Makhnowisten. Der Imperialismus Putins, der Putinismus oder auch die imperiale russische Herrschaft werden als einzige Verantwortliche f&#252;r den Krieg wahrgenommen, es geht also nun darum, die V&#246;lker von jeglichem Autoritarismus zu befreien &#8211; ein Kampf, der in der Ukraine von einer Massenbewegung des Volkes angef&#252;hrt werden wird:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Wir glauben, dass die Ukraine und ganz Osteuropa frei von Diktatur sein sollten. Freiheit, Solidarit&#228;t und Gleichheit sollten die Hauptprinzipien der sozialen Organisation in der Region werden [&#8230;] Wir streben danach, die Zukunft der Ukraine und der gesamten Region zu beeinflussen, die bereits bestehenden Freiheiten zu sch&#252;tzen und zu ihrer Erweiterung beizutragen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r geht es darum, &#8222;die Bem&#252;hungen der K&#228;mpfer gegen den Autoritarismus zu vereinen, um einen wirksamen Kampf f&#252;r unsere Ideale und Werte zu f&#252;hren&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleichen Autoren legen Wert darauf, zu pr&#228;zisieren, dass sie &#8222;das Ungleichgewicht von Macht und Reichtum in der Gesellschaft&#8220; verurteilen und &#8222;die Gleichstellung der Geschlechter, den Schutz der Umwelt und die &#220;berwindung jeglicher Art von Diskriminierung&#8220; bef&#252;rworten: &#8222;[W]ir sind gegen alle Formen der Unterdr&#252;ckung unter den Menschen, gegen das Verh&#228;ltnis von Herrschaft und Unterwerfung, gegen soziale Ungleichheit. Alle Unterdr&#252;cker m&#252;ssen besiegt werden. An die Stelle der Tyrannei soll die freie und gleichberechtigte Zusammenarbeit aller in der Gesellschaft treten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits seines diskursiven Aspekts gibt sich das &#8222;Manifest&#8220; pragmatisch und skizziert einige Vorschl&#228;ge f&#252;r Reformen, die f&#252;r die k&#252;nftige ukrainische Gesellschaft notwendig sind: Annullierung der Auslandsschulden der Ukraine, Annullierung der Kredite der Ukrainer mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen, Einf&#252;hrung eines Systems selbstverwalteter Versammlungen auf lokaler und Berufsebene, vereinfachter Zugang zu Wohnraum und Wohneigentum, Unentgeltlichkeit der Gesundheitsdienste und des &#246;ffentlichen Verkehrs, Gew&#228;hrung von Sozialhilfe f&#252;r Personen mit geringem Einkommen, Schaffung von autonomen Frauenstrukturen in allen Gemeindeorganen des Landes, Schaffung von Frauenverteidigungskr&#228;ften (gegen die Gewalt an Frauen), Sensibilisierung f&#252;r den Umweltschutz (zum Beispiel, indem die Entwicklung erneuerbarer Energien vorangetrieben wird) usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Reihe von Vorschl&#228;gen betrifft spezifisch Fragen der Verteidigung: Ausweitung der lokalen Selbstverteidigung, Recht auf Zugang zu Waffen und Waffenbesitz, Gew&#228;hrung der ukrainischen Staatsb&#252;rgerschaft f&#252;r die freiwilligen ausl&#228;ndischen K&#228;mpfer, Schaffung von Fraueneinheiten innerhalb der regul&#228;ren Armee, Ann&#228;herung des Bildungssystems und der Milit&#228;rindustrie betreffend Spitzentechnologien und der Ausbildung von Spezialisten, M&#246;glichkeit der milit&#228;rischen Ausbildung in den Reihen der TV, Reduzierung der B&#252;rokratie oder auch die Einf&#252;hrung spezifischer Mahlzeiten f&#252;r die veganen Soldaten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie immer in solchen Texten geben sich die Autoren, da sie die ins Auge springenden Widerspr&#252;che nicht kaschieren k&#246;nnen, gef&#228;hrlicher argumentativer Akrobatik hin; bez&#252;glich des Verh&#228;ltnisses zum Staat und der Regierung im Amt wird z.B. pr&#228;zisiert, dass, &#8222;[w]enn sich der ukrainische Staat heute an diesem Kampf beteiligt, [&#8230;] das nicht [bedeutet], dass wir seine Unterst&#252;tzer geworden sind&#8220;&#8230; Der Staat und die Anarchisten seien am Widerstand beteiligt, jeder auf seiner Ebene und abh&#228;ngig von seinen Mitteln und de facto verteidigten die antiautorit&#228;ren nicht den Staat, das Land oder die Nation, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;&#8230; Im Juli 2022 ver&#246;ffentlicht die gleiche Gruppe, die sich nun Solidarity Collectives nennt, einen neuen Text, der k&#252;rzer, pragmatischer und weniger politisch ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Auf der Grundlage unserer antiautorit&#228;ren Werte haben wir uns entschieden, aktiv gegen die russische Aggression Widerstand zu leisten. Wir unterst&#252;tzen das Recht des ukrainischen Volkes auf Selbstverteidigung und betrachten die russische Invasion als imperialistischen Akt. Trotz der Multidimensionalit&#228;t jedes globalen Ereignisses sind die Hauptgr&#252;nde dieses Krieges die imperiale Politik der Russischen F&#246;deration, der Glaube der russischen Eliten an ihre historische Mission und ein Versuch, Kontrolle &#252;ber das zu erlangen, was sie als ihre Einflusssph&#228;re betrachten. Die Gr&#252;nde sollten weder in den wirtschaftlichen Interessen der russischen Oligarchie noch in den &#8218;russischen Sicherheitsbedenken&#8216; und besonders nicht in den Machenschaften der NATO gesucht werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Unser Ziel ist eine freie und gerechte Gesellschaft, unsere zentralen Werte sind gesellschaftliche, wirtschaftliche und Geschlechtergleichheit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]er [&#8230;] Wiederaufbau [des Landes] sollte dem Volk zugutekommen. Er sollte nicht auf neoliberale Dogmen gegr&#252;ndet werden [...]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir unterst&#252;tzen antiautorit&#228;re und antikoloniale Bewegungen weltweit. Heute sammeln antiautorit&#228;re Aktivisten in der Ukraine Erfahrungen, die n&#252;tzlich sein k&#246;nnten, um Diktatoren und autorit&#228;re Regimes sowohl in postsowjetischen L&#228;ndern als auch in anderen Regionen (Iran zum Beispiel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist (&#8230;)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) zu st&#252;rzen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sieht es, diese zentralen Texte, welche die &#8222;autorit&#228;ren Tendenzen unserer Gesellschaft&#8220; anprangern und die Verteidigung der Tiere und den Kampf gegen den Klimawandel betonen, scheren sich nicht um irgendwelche Mantras einer klassischen anarchistischen Prosa gegen den Kapitalismus, die Armee oder den Staat (noch weniger gegen die Demokratie); es herrscht darin eine sehr pragmatische Sichtweise des gesellschaftlichen Wandels vor, die man als sozialdemokratisch bezeichnen k&#246;nnte, geschm&#252;ckt mit politischen Themen, die gerade in Mode sind. Das Heraufbeschw&#246;ren &#8222;antiautorit&#228;rer Werte&#8220; ist vage genug, um heutzutage etlichen Aktivisten und Sympathisanten der &#228;usseren Linken, der Bewegung gegen die Globalisierung oder f&#252;r den Umweltschutz zu gefallen. In Wirklichkeit zeigen die Positionierungen der Gruppe, die Texte und die Zeugenberichte oder auch das Profil der K&#228;mpfer, jenseits der anscheinenden ideologischen Verschwommenheit, dass, wenn es darin eine politische Koh&#228;renz gibt, es nicht jene des Anarchismus ist, sondern eher, banaler, jene des Antifaschismus, dieses Willens, sich an einer klassen- und partei&#252;bergreifenden Front zur Verteidigung der ukrainischen Demokratie gegen die autorit&#228;re russische Gefahr&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an (&#8230;)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu beteiligen &#8211; ein Burgfrieden, der jeglichen anderen Kampf auf eine unbestimmte Zeit (den Frieden) verschiebt &#8211; w&#228;hrend die Regierung ihrerseits vom Konflikt profitiert, um die Gewerkschaften anzugreifen und den Sozialabbau zu beschleunigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Krieg wird nur als ideologische und moralische Konfrontation wahrgenommen, die Tatsache, dass die Ukraine ein Kampffeld um wichtige wirtschaftliche Streitgegenst&#228;nde zwischen Russland, der Europ&#228;ischen Union und den USA ist, oder auch, dass die russischen und ukrainischen Proletarier nicht die gleichen Interessen haben wie ihre jeweiligen Bourgeoisien, scheint f&#252;r die Autoren schlichtweg undenkbar; es ist wahr, dass es sich manchmal als st&#246;rend erweisen kann, etwas Abstand zu gewinnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;libert&#228;re&#8220; Beteiligung am Widerstand entwickelt sich sehr schnell in Richtung zweier Strukturen &#8211; eine milit&#228;risch, die andere zivil &#8211; letztere k&#252;mmert sich um die logistische und mediale Unterst&#252;tzung ersterer. Von nun an steht, jenseits der urspr&#252;nglichen politischen Entscheidung, das Leben der Aktivisten an der Front auf dem Spiel, es muss also &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt; ihrer Unterst&#252;tzung untergeordnet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine zivile materielle Unterst&#252;tzung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig in Kriegen sind die Soldaten nicht gen&#252;gend ausger&#252;stet und m&#252;ssen gewisse ben&#246;tigte oder angenehme Dinge selber kaufen, in der Regel ist das sehr teuer. Trotz der ausgesch&#252;tteten Milliarden von Dollars und Euros vom Westen befindet sich der ukrainische Soldat in dieser Situation &#8211; tats&#228;chlich ist das Land eines der korruptesten der Welt. Die zivilen Aktivisten haben sich die Ausr&#252;stung der Soldaten zur Aufgabe gemacht, erstere bevorzugen es, hinter der Front zu arbeiten. Das erweist sich als sehr kostspielig und die Finanzierung beruht einzig auf den Spenden der westlichen Sympathisanten, daher schenkt man der Propaganda viel Aufmerksamkeit: Die Entwicklung einer passenden politischen Erz&#228;hlung ist unerl&#228;sslich, denn die alleinige Beschreibung der milit&#228;rischen Praktiken auf dem Terrain w&#228;re dem Risiko ausgesetzt, zur Zeichnung eines &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Bildes der K&#228;mpfer mangelhaft zu sein, sie w&#252;rden somit jegliche Besonderheit verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Aktivisten gr&#252;nden also in Kiew im Februar 2022 eine Ad-Hoc-Struktur, Operation Solidarity, deren Hauptziel es ist, die Bed&#252;rfnisse (bez&#252;glich Ausr&#252;stung) der &#8222;K&#228;mpfer (in erster Linie die antiautorit&#228;ren und linken Aktivisten)&#8220; zu erfassen, die Eink&#228;ufe in der Ukraine oder im Ausland zu t&#228;tigen und dann die Lieferung zu organisieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es kann sich um Kleidung, leichte Ausr&#252;stung, medizinisches Material, Nachtsichtger&#228;te, zivile Drohnen oder manchmal gar Fahrzeuge handeln: alle Art von Ausr&#252;stung ausser Waffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich ein Bild davon zu machen, zwischen Februar 2022 und September 2022 seien den K&#228;mpfern &#8222;5 Fahrzeuge, 20 Helme, 30 schusssichere Westen, 50 Erste-Hilfe-Sets, 5 Drohnen, 30 Walkie-Talkies, mehr als 100 Kleidungsst&#252;cke, optische Visiere, Ausr&#252;stungsgegenst&#228;nde, milit&#228;rische L&#228;rmschutzhelme&#8220; geliefert worden, ohne die angemessene Nahrung f&#252;r vegane Soldaten zu vergessen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem auf Telegram ver&#246;ffentlichten Aktivit&#228;tsbericht f&#252;r die Monate Mai und Juni 2023 verk&#252;ndet die Gruppe, dass sie 2 Mavic-Drohnen, 1 Paar Nachtsichtbrillen (vielbegehrt, aber sehr teuer), Visiere, 1 Schalld&#228;mpfer, 3 Tablets, 4 Generatoren, 1 GPS-Uhr, 8 zivile Motorola-Funkger&#228;te, 2 digitale Baofengs-Walkie-Talkies, 13 externe Batterien, Speicherkarten, 1 Laptop f&#252;r einen Drohnenoperator, 1 Helm und sein Zubeh&#246;r, 1 Splitterschutzanzug, Taschen, Sitzteppiche, 2 ballistische Schutzwesten und 6 Plattentr&#228;ger (eine Art schusssichere Westen), 2 Schutzplatten, 3 taktische Kopfh&#246;rer, 2 Feldstecher, 2 Monokulare f&#252;r Gewehre, 18 Gasflaschen, 51 CAT-Stauschl&#228;uche, 16 Brustkorb-Pflaster, 10 IFAK-Erste-Hilfe-Sets, 42 Israelische Verb&#228;nde, 11 blutstillende Verb&#228;nde, 100 Thermodecken usw. geliefert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist festzuhalten, dass das Kollektiv auch gefl&#252;chteten/deplatzierten Personen oder Opfern von Bombenangriffen hilft (mit Ausr&#252;stung, medizinischem Material, Nahrung usw.) und gelegentlich Ausr&#252;stung an gewisse Spit&#228;ler, Schulen oder Tierasyle spendet. Etwas weniger als ein Drittel der gesammelten Summen des Kollektivs werden daf&#252;r eingesetzt &#8211; schwierig, zu sagen, ob dieser Prozentsatz sich mit der Zeit ge&#228;ndert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und Juni (&#8230;)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Finanzbedarf ist also betr&#228;chtlich, daher die st&#228;ndigen Spendenaufrufe an Aktivisten und Sympathisanten der westlichen L&#228;nder; die prinzipielle Zwischenstation in Westeuropa scheint die Gruppe ABC Dresden zu sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches Netzwerk, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die sehr vage Botschaft findet in Frankreich in den anarchistischen und linksradikalen Milieus ein Echo, auch in der NPA und bis hin zu den Autonomen. Mitglieder der ukrainischen Gruppe touren manchmal durch Europa, um ihre Aktion zu pr&#228;sentieren; sie waren zum Beispiel pr&#228;sent im Juli 2023 am Internationalen Antiautorit&#228;ren Treffen (sic!) in Saint-Imier. Die Kommunikation, besonders auf den sozialen Medien, ist in diesem Dispositiv zentral und die Soldaten an der Front verf&#252;gen sogar &#252;ber ein Medienkomitee, um die Kontrolle &#252;ber die produzierten Videos und Texte zu garantieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation mag in Anbetracht der an die Ukraine gespendeten Milliarden von Dollars und Euros von den L&#228;ndern der NATO paradox erscheinen, aber in fast allen Kriegen entstehen solche Initiativen und es gibt in Kiew und auf der ganzen Welt etliche Nichtregierungsorganisationen und karitative Stiftungen, welche die ukrainischen K&#228;mpfer unterst&#252;tzen und ihnen diese Art von Material liefern; die m&#228;chtigste davon ist Come Back Alive. Etliche Einheiten der Armee, und besonders jene, welche sich aufgrund von &#8211; in der Regel rechtsextremer &#8211; politischer Affinit&#228;t zusammengeschlossen haben, nehmen solche Spendenaktionen in Anspruch, um die Ausr&#252;stung und den Komfort ihrer K&#228;mpfer zu verbessern (zum Beispiel Support Azov), daher kommt die Notwendigkeit einer angepassten Kommunikation. Die sozialen Netzwerke werden massiv benutzt und w&#228;hrend die Strukturen ihren Ideenreichtum unter Beweis stellen m&#252;ssen, um die Spender zu gewinnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, m&#252;ssen die Soldaten ihrerseits als so cool und k&#252;hn wie m&#246;glich erscheinen &#8211; zumindest auf TikTok&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das Team (&#8230;)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das zivile Unterst&#252;tzungskomitee f&#252;r die antiautorit&#228;ren K&#228;mpfer ist jedoch nach einigen Monaten mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die Aktivit&#228;t von Operation Solidarity muss sogar im Juli 2022 aufgrund der &#8222;M&#252;digkeit&#8220; der Mitglieder der Gruppe unterbrochen werden, aber auch wegen internen Unstimmigkeiten, wovon einige ganz banal mit Macht- und Geldfragen zusammenh&#228;ngen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Solidarity Collectives Statement&#8220;, 4. Juli 2022.&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Die Gruppe legt sehr schnell mit einigen Individuen weniger, einem neuen Namen, Solidarity Collectives, und wahrscheinlich auch mit einer neuen administrativen Struktur wieder los.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppe versieht sich mit einem neuen Pr&#228;sentationstext und k&#252;ndigt nun an, sie unterst&#252;tze &#8222;anarchistische&#8220; K&#228;mpfer, &#8222;Verteidiger der Menschenrechte, Gewerkschafter, &#214;ko-Anarchisten, Anarchafeministinnen, Punkrocker, politische Fl&#252;chtlinge aus Weissrussland und Russland&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Das Zielpublikum tendiert mit der Zeit dazu, ausgeweitet zu werden, um &#252;ber jenes der alleinigen anarchistischen Aktivisten hinauszugehen, was nicht erstaunlich ist. Die sehr klassische Organisationslogik dr&#228;ngt die Aktivisten sowieso schon dazu, ihre Aktivit&#228;t und die Summe der gesammelten Spenden stets aufrechtzuerhalten oder zu steigern &#8211; wie gross auch immer die Anzahl der uniformierten Anarchisten entlang der Front sein mag; und diesbez&#252;glich deutet eben genau nichts darauf hin, dass die Anzahl der k&#228;mpfenden Aktivisten sich im Verlauf der Monate vergr&#246;ssert, im Gegenteil: Mindestens etwa 15 von ihnen wurden im Gefecht get&#246;tet &#8211; sie werden h&#228;ufig von der Aktivistenpropaganda als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; dargestellt, ein typisches Vokabular aus dem Nahen Osten, das von Ehemaligen aus Rojava importiert worden ist &#8211; und man weiss nichts &#252;ber die Verletzten und jene, welche aufgegeben haben. Es ist &#252;brigens sehr wahrscheinlich, dass der geringe Zustrom von (ukrainischen oder westlichen) Freiwilligen nach der russischen Invasion mit der Zeit abgenommen hat: Zuerst einmal, weil die ukrainische Armee mittlerweile vollst&#228;ndig gem&#228;ss den Standards der NATO strukturiert ist und der Improvisation immer weniger Platz l&#228;sst, aber vor allem, weil die K&#228;mpfe immer grausamer und t&#246;dlicher werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt allerdings eine rote Linie, die das Kollektiv nicht bereit ist, zu &#252;berschreiten, jene der Unterst&#252;tzung f&#252;r antiautorit&#228;re Aktivisten, die in wenig politisch korrekten Einheiten k&#228;mpfen: Es zirkulieren viele Informationen auf den sozialen Netzwerken &#252;ber Aktivisten, die aus Gr&#252;nden der Effizienz in den rechtsextremen Einheiten k&#228;mpfen (es handelt sich in der Regel um Eliteeinheiten, die vom F&#252;hrungsstab regelm&#228;ssig herangezogen werden und sehr gut ausgestattet und trainiert sind); Solidarity Collectives gesteht ein, dass mindestens einem Anarchisten, der in der Brigade Asow k&#228;mpft, die Unterst&#252;tzung verweigert wurde, aber dass mindestens vier andere, die Teil des (aus weissrussischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee bestehenden) nationalistischen Kastus-Kalinouski-Regiments unterst&#252;tzt worden sind, obwohl diese Entscheidung unter den Mitgliedern des Kollektivs umstritten war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten (&#8230;)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl das Tragen der Uniform nicht zwingend bedeutet, dass man k&#228;mpft, denn man kann zum Beispiel in einer medizinischen Einheit aktiv sein &#8211; sei es in der N&#228;he der K&#228;mpfe oder weiter hinten &#8211;, in dem Medien am prominentesten vertreten sind nat&#252;rlich jene &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Freiwilligen, die mit den Waffen hantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anarchistische Soldaten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich hasse alle Offiziere [&#8230;] K&#246;nnen sie sich vorstellen, wie sehr ich diese Uniform und alles, was sie repr&#228;sentiert, hasse?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sam Peckinpah, Steiner &#8211; Das Eiserne Kreuz, 1977&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aktivisten, die f&#252;r ein Engagement bei der Armee unterschrieben haben, sind meistens im ganzen Land zerstreut; entweder, f&#252;r die erfahrensten unter ihnen, in den klassischen Brigaden; oder, f&#252;r die anderen, in der TV. Es soll daran erinnert werden, dass letztere leichte, lokal rekrutierte, aus freiwilligen Reservisten bestehende Infanterieeinheiten zusammenbringt und von Berufssoldaten umrahmt ist. Man sollte sie nicht untersch&#228;tzen, obwohl sie f&#252;r anscheinend untergeordnete, undankbare und kaum prestigetr&#228;chtige Aufgaben verantwortlich sind, sind diese strikt milit&#228;risch betrachtet sehr n&#252;tzlich. Als im Januar 2023 ein begeisterter franz&#246;sischer Journalist bez&#252;glich des Konflikts die &#8222;F&#252;lle an kleinen, mehrheitlich anarchistischen bewaffneten Gruppen&#8220; anspricht, ist ein Mitglied des Widerstandskomitees gezwungen, seinen Enthusiasmus zu d&#228;mpfen: &#8222;Man kann eher von kleinen, in die Verteidigungskr&#228;ften integrierten Gruppen anarchistischer Genossen sprechen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&#8220; Obwohl diese Eingliederung manchmal kleine Gruppen betrifft, ist sie in Wirklichkeit in den meisten F&#228;llen individuell&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das einzige wirkliche Gegenbeispiel, rund um welches im Westen viel phantasiert werden wird, ist jene Gruppe, welche den Namen antiautorit&#228;rer Zug annehmen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht (&#8230;)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Phantasien, die bez&#252;glich der materiellen Realit&#228;t dieser Gruppe auf sehr vagen Vorstellungen beruhen und etliche Interviewer und Journalisten nicht zu zerstreuen versuchen: Man k&#246;nnte sich allerdings legitimerweise die Frage stellen, was seine Mitgliederzahl ist. Von welcher Einheit ist er Teil? Auf welche Art und Weise? Was ist seine administrative Realit&#228;t? An welchen Schlachten war er beteiligt? Was sind seine allt&#228;glichen Aktivit&#228;ten? &#220;ber welche Waffen verf&#252;gt er? Man muss die Gesamtheit der verf&#252;gbaren Texte miteinander vergleichen, um zu versuchen, darauf eine Antwort zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zug entsteht scheinbar aus der Initiative eines Antifa-Aktivisten, der sich 2014 freiwillig gemeldet hat und im Verlauf der Jahre Offizier und sp&#228;ter Hauptmann in einer der Brigaden der TV des Oblasts von Kiew geworden ist (er stirbt im Gefecht im September 2022&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (&#8230;)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und an den Treffen der Anarchisten vor und nach der russischen Invasion teilnahm. Es ist wahrscheinlich ihm zu verdanken, dass die anarchistischen und antifaschistischen Freiwilligen aus der Region Kiew in einem gleichen Zug zusammengeschlossen sind. Erpicht auf Aktion und Autonomie tauchen sie in einen milit&#228;rischen Rahmen ein, der naturgem&#228;ss aus administrativer Schwerf&#228;lligkeit und strenger Hierarchie besteht. Die Einheit ist zum Beispiel nicht frei, was die Rekrutierung anbelangt, und muss manchmal ank&#252;ndigen, dass keine Pl&#228;tze mehr frei sind (Nachricht auf Telegram im April 2022 im Kanal RevDia) &#8211; das ist umso komplizierter f&#252;r die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, als sie sich theoretisch Ah-Hoc-Einheiten anschliessen sollten (besonders der Internationalen Legion). Sie ist auch bez&#252;glich der Ausbildung nicht frei und nat&#252;rlich auch nicht bez&#252;glich der Auswahl ihrer Missionen. In einem Interview, das vom Medienkomitee des Zuges gr&#252;nes Licht bekommen hat, bringt ein Anarchist einige Ideen zur Umgehung dieser B&#252;rokratie vor: &#8222;Die Lehre dieser Geschichte ist, dass, je mehr Kontakte und Verbindungen man in den betreffenden Institutionen hat, desto gr&#246;sser werden die Chancen sein, die B&#252;rokratie zu &#252;berwinden oder zu umgehen. Im Verlauf dieser letzten Monate bin ich zum Schluss gekommen, dass wir als Revolution&#228;re nicht z&#246;gern sollten, Kontakte innerhalb der staatlichen Institutionen zu kn&#252;pfen. Solange wir in Bezug auf unsere politischen Ziele klar sind, ist es eher gerechtfertigt, Risiken einzugehen, um diese Ziele zu erreichen, als darauf zu verzichten, jene Werkzeuge zu benutzen, welche der Bewegung helfen k&#246;nnten, an Terrain zu gewinnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Beschreibung dieses Zuges als &#252;ber eine &#8222;gewisse Autonomie&#8220; verf&#252;gend, wie es gewisse franz&#246;sische Autoren getan haben, ist also im besten Falle Science Fiction.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie viele sind es?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Online-Portal &lt;i&gt;Mediapart&lt;/i&gt; spricht im Juni 2022 von 100 bis 150 Anarchisten und Antifaschisten, die in verschiedenen Einheiten der Armee zerstreut sind; Zahlen, die Leute miteinschliessen, die nicht k&#228;mpfen und als medizinisches Personal dienen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Laurent Geslin, &#8222;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour combattre (&#8230;)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die meisten davon sind ukrainische Aktivisten, denen sich einige Russen und Weissrussen, aber auch eine geringe Anzahl Westeurop&#228;er angeschlossen haben, wovon einige in den kurdischen Kr&#228;ften der YPG w&#228;hrend des B&#252;rgerkrieges in Syrien gedient haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wie sieht es spezifischer mit dem in den Medien sehr pr&#228;senten antiautorit&#228;ren Zug aus? Obwohl er oft erw&#228;hnt wird, bleiben die Aktivisten und die Sprecher sehr vage bez&#252;glich seiner Zusammensetzung und seiner Mitgliederzahl&#8230; Halten wir zuerst einmal fest, dass, w&#228;hrend die meisten Kommentatoren ihn unterschiedslos als Brigade, Bataillon usw. bezeichnen, mit einer reflexartigen Reaktion auf die Worte &lt;i&gt;Brigaden&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Milizen&lt;/i&gt; (die nach Spanien 1936 t&#246;nen), h&#228;ufig im Plural und als ob es Synonyme w&#228;ren, die mit der Kommunikation beauftragten Personen innerhalb dieser Gruppe das Wort &lt;i&gt;Zug&lt;/i&gt; benutzen. Aber diese Bezeichnung ist nicht unbedeutend und sie haben allen Grund, das zu wissen; ein Zug (&lt;i&gt;platoon&lt;/i&gt; auf Englisch) beschreibt in den westlichen Armeen eine sehr kleine Kampfeinheit, 20 bis 50 M&#228;nner&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In unserem Artikel vom Mai 2022 schrieben wir folgendes in einer Fussnote: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Mai 2022 spricht ein Mitglied der Gruppe w&#228;hrend einem Interview von 50 K&#228;mpfern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; Operation Solidarity behauptet, zwischen Februar und Juni 2022 mehr als 200 K&#228;mpfer in der ganzen Ukraine unterst&#252;tzt zu haben, und pr&#228;zisiert, dass der Zug nur einen Drittel davon repr&#228;sentiere&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ihre Homepage.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was die von den uniformiert und bewaffnet rund um eine schwarze Fahne posierenden Aktivisten sehr gesch&#228;tzten Fotos betrifft, sieht man darauf nie mehr als 25 Personen versammelt. Wenn man die Neigung der Aktivisten zur Besch&#246;nigung gewisser Zahlen kennt, kommt man zum Schluss, dass mehrere Dutzend M&#228;nner (Anarchisten, Hooligans, Antifas&#8230;) Teil des antiautorit&#228;ren Zuges waren, wahrscheinlich etwa 50 zu gewissen Zeiten, auf jeden Fall sieht man, dass die Mitgliederzahl sehr gering ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich bewusst zu sein, was das repr&#228;sentiert, muss man wissen, dass die ukrainische Armee im Februar 2022 aus 250&#8216;000 M&#228;nnern bestand, davon 70&#8216;000 K&#228;mpfer der TV; Ende 2023 tragen etwa eine Million M&#228;nner die Uniform (davon sind etwa 15&#8216;000 keine ukrainischen Staatsb&#252;rger&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist die Aktivit&#228;t dieser Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den meisten dieser freiwilligen Aktivisten mangelt es nicht an k&#246;rperlichem Mut und sie m&#246;chten so schnell wie m&#246;glich an K&#228;mpfen teilnehmen. Einige haben sich in Einheiten der ersten Linie engagiert, oder sie sind es geworden, was nicht f&#252;r den antiautorit&#228;ren Zug gilt, besonders aufgrund der Tatsache, dass sich die Front nach dem russischen R&#252;ckzug im April 2022 von Kiew entfernt hat. Bis zu ihrer Aufl&#246;sung im Sommer 2022 ist die Gruppe also nicht an der Front. Die Brigade, zu welcher der Zug geh&#246;rt, ist eine leichte Infanterieeinheit, die &#252;ber kein schweres Material verf&#252;gt (die Aktivisten h&#228;tten die Gelegenheit &#252;brigens bestimmt nicht verpasst, sich davor fotografieren zu lassen), und der F&#252;hrungsstab gibt ihr Aufgaben, welche viele als untergeordnet, repetitiv und langweilig betrachten, jedoch jene sind, f&#252;r welche die am weitesten von der Front entfernten Einheiten der TV verantwortlich sind. Der Zug beteiligt sich also an Unterst&#252;tzungsaktionen f&#252;r Zivilisten, die Opfer von K&#228;mpfen oder Bombenangriffen geworden sind; er beteiligt sich auch an martialischeren Aktionen wie die Jagd auf infiltrierte Russen, Spione und prorussische Aktivisten (eine Aktivit&#228;t, die in den ersten Monaten des Konflikts Paranoia in der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;st und zu etlichen Denunzierungen gef&#252;hrt hat); es handelt sich um eine Arbeit an Checkpoints, auf Patrouille und der Kontrolle, die eher undankbar ist und nicht die tugendhaften Aspekte der Individuen stimuliert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe unseren Artikel vom Mai 2022 bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn sie ihre Aktivit&#228;ten beschreiben, sprechen die antiautorit&#228;ren davon, &#8222;feindliche Eindringlinge auf[zu]decken und [zu] beseitigen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Joshua Askew, &#8222;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists fighting (&#8230;)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, &#8222;die Berichte der Ortsbewohner &#252;ber Saboteure und Spione&#8220; zu &#252;berpr&#252;fen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; &#8222;wir k&#228;mpften gegen die Saboteure, die Fallschirmj&#228;ger, bewachten die kritischen Punkte, bauten Strassensperren auf&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;The media committee of the platoon, &#8222;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine : (&#8230;)&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl diese Operationen kaum prestigetr&#228;chtig sind, sind sie nicht immer frei von Gefahr. Gewisse Mitglieder des Zuges beteiligen sich aber auch an einigen Operationen in der N&#228;he der Kampfgebiete, zum Beispiel um &#8222;den Einheiten der ukrainischen Streitkr&#228;fte&#8220; zu helfen, &#8222;Erkundungsmissionen in Quadrocoptern auszuf&#252;hren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem im Mai 2022 ver&#246;ffentlichten Interview erz&#228;hlt ein Mitglied des Zuges: &#8222;Als Einheit sind wir noch nicht an direkten K&#228;mpfen beteiligt gewesen. Zu Beginn des Krieges patrouillierten wir allerdings in Gebieten, wo die Pr&#228;senz von feindlichen Ablenkungsgruppen vermutet wurde. Die Mitglieder der Einheit unterst&#252;tzten auch die Einheiten in der ersten Linie durch die Beteiligung an der Logistik oder mit Informationen (durch die Benutzung von Drohnen). Sie schafften es, eine der feindlichen Positionen aufzudecken, die danach von der Artillerie getroffen wurde. Und sie halfen bei der Evakuierung von Zivilisten aus dem Kampfgebiet. Im Verlauf dieser Aktivit&#228;ten wurden unsere Genossen unter M&#246;rserfeuer genommen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anfang Juli ist die Stimmung der M&#228;nner im Zug ziemlich schlecht, denn sie waren immer noch &#8222;an fast keiner Aktion beteiligt&#8220;. Die erfahrensten unter ihnen (da ehemalige K&#228;mpfer im Donbass oder in Syrien) beruhigen sie und erkl&#228;ren ihnen, absolut zu Recht, dass &#8222;der Krieg aus sehr verschiedenen Phasen und Situationen besteht. Die Kampfsituationen selbst machen nur 1% oder weniger der gesamten Zeit aus. Die F&#228;higkeit, zu warten, geduldig zu sein und mit der &#8218;toten Zeit&#8216; umzugehen ist eine n&#252;tzliche Kompetenz, die jeder Partisan entwickeln und verinnerlichen sollte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Pech gehabt &#8211; denn aufgrund des Eintreffens der von der NATO gelieferten Ausr&#252;stung sind es andere Einheiten der TV, die, nachdem sie &#8222;aufger&#252;stet&#8220; worden sind, im Verlauf des Jahres 2022 an die Front geschickt werden &#8211; was manchmal ihre Mitglieder verzweifeln l&#228;sst, denn sie meldeten sich freiwillig, besonders in den westlichen Oblasten, weil sie glaubten, dass sie in sicherer Entfernung von den K&#228;mpfen sein w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie steht es mit der Hierarchie in der Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig bez&#252;glich des antiautorit&#228;ren Zuges verf&#252;gen wir nicht &#252;ber pr&#228;zise und synthetische Informationen &#252;ber die Funktionsweise der Gruppe, nur &#252;ber zerstreute Bruchst&#252;cke aus Interviews (und die verschiedenen &#220;bersetzungen sind dem Verst&#228;ndnis nicht immer zutr&#228;glich). Gem&#228;ss den Standards der NATO ist ein Zug die kleinste Einheit, die von einem Offizier befehligt werden kann, in der Regel ein Oberleutnant sekundiert von Unteroffizieren (darunter spricht man von Gruppen oder Trupps). Der Offizier, der den antiautorit&#228;ren Zug befehligen muss, wird von der milit&#228;rischen Befehlsgewalt designiert (aufgezwungen, es ist alles andere als sicher, dass es sich um den Antifa-Offizier am Ursprung dieses Abenteuers handelt), genau wie die Unteroffiziere (vielleicht in seinen Reihen unter den erfahrensten Mitgliedern ausgew&#228;hlt). Um das hierarchische Verh&#228;ltnis ertr&#228;glicher zu machen, w&#228;hlen die Mitglieder des Zuges jedoch eine Art Stellvertreter (ohne Dienstgrad), die als Vermittler zwischen den M&#228;nnern der Truppen und ihren Vorgesetzten dienen, sie k&#246;nnen zum Beispiel Kritiken oder Beschwerden weiterleiten. Ein Aktivist berichtet: &#8222;Wir haben keine spezifischen Bedingungen, die uns von jeder anderen Unterdivision der TV unterscheiden w&#252;rde. Wir haben jedoch einen ziemlich freien Raum, um unser internes Leben zu organisieren, und dieser ist auf ziemlich demokratische Art und Weise organisiert, wenn er auch den Anforderungen einer gewissen milit&#228;rischen Hierarchie entspricht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderer: &#8222;Die milit&#228;rische F&#252;hrung hat sich kaum in unsere innere Ordnung eingemischt. Wir haben unsere Struktur nicht gem&#228;ss dem idyllischen Bild einer perfekt anarchistischen Miliz organisiert, wo alle Stellen gew&#228;hlt und der Generalversammlung unterstellt sind. Zumindest teilweise ist der Grund daf&#252;r, dass die Einheit aus vielen verschiedenen Personen besteht, die nicht alle Anarchisten sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzige erw&#228;hnenswerte Besonderheit ist die t&#228;gliche Praxis des &lt;i&gt;tekmil&lt;/i&gt; auf der Ebene der Gruppe, es handelt sich um eine wahrhafte &#8222;Sitzung zur Kritik und Selbstkritik, w&#228;hrend welcher die Entscheidungen der milit&#228;rischen F&#252;hrung und der Ausbildungsprozess diskutiert [werden]&#8220;. Es handelt sich auch hier um den Import von Praktiken der PKK und der YPG&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, op. cit., Tom (&#8230;)&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz den zur Schau getragenen libert&#228;ren Idealen kann sich die Gruppe dem Aufkommen von &#8222;versteckten Machtk&#228;mpfen, konkurrierenden Machtambitionen und pers&#246;nlichen Konflikten im Allgemeinen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nat&#252;rlich nicht entziehen. Die angetroffenen Schwierigkeiten beleben auch die Rivalit&#228;ten zwischen politischen Gruppen (oder Mitgliedern von Gruppen) neu und lassen die Meinungsverschiedenheiten wieder hervortreten, die vom urspr&#252;nglichen Enthusiasmus in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht erstaunlich, dass die ukrainische Armee anfangs spezifische Organisationsweisen und etwas Flexibilit&#228;t erlaubt, solange es nicht st&#246;rt, sondern die Befehlskette oder die Erledigung von Aufgaben effizienter macht. Zu Beginn des Konflikts wurden viele Einheiten aufgrund von spezifischen Grundlagen gebildet, seien sie ethnisch, national (Tschetschenen, Weissrussen, Russen, Georgier), politisch (von rechts bis zu allen Spielarten des ukrainischen Rechtsextremismus) oder hinsichtlich der W&#252;nsche von Oligarchen oder Chefs von Unternehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews (&#8230;)&#034; id=&#034;nh48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und sie rivalisieren im Streben nach Prestige und finanzieller Unterst&#252;tzung; im Notfall werden vern&#252;nftige Zugest&#228;ndnisse also akzeptiert. Es ist klar, dass in dieser Umgebung das Bataillon, das sich dadurch auszeichnet, &#252;ber einen Zug von anarchistischen Aktivisten zu verf&#252;gen, wenig Chancen hat, eine prestigetr&#228;chtige Aufgabe zu erhalten&#8230; Es handelt sich dennoch nicht um eine Bestrafung, denn es w&#252;rde gen&#252;gen, diesen Zug in den t&#246;dlichsten Sektor der Front zu schicken um sich des Problems definitiv zu entledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ukrainische F&#252;hrungsstab, der seit Jahren versucht, ein bisschen Ordnung in all das zu bringen (besonders in all die 2014 gebildeten Einheiten nationalistischer Freiwilliger) und den Standards der NATO zu entsprechen, ist mit der russischen Invasion vor eine kompliziertere Aufgabe gestellt, aber im Verlauf der Monate nimmt die milit&#228;rische Hierarchie die Dinge wieder in die Hand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ende und Fortsetzungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Juli 2022 h&#246;rt der antiautorit&#228;re Zug aufgrund dieser Schwierigkeiten, der administrativen und b&#252;rokratischen Last und der schwachen Truppenmoral auf, als solcher zu existieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die ihn bildenden Elemente l&#246;sen sich auf im Rest der Truppen oder werden auf die verschiedenen Einheiten der Armee verteilt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige, besonders die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, haben es in der Zwischenzeit bereits geschafft, den Zug zu verlassen und an die Front zu kommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (&#8230;)&#034; id=&#034;nh51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Telegram-Kan&#228;le zeigen, dass gewisse Aktivisten nun an verschiedenen Orten der Front pr&#228;sent sind; so beteiligen sich etwa 30 an der Offensive im September 2022 im Osten Charkiws&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, op. cit.&#034; id=&#034;nh52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch seither sind etwa 15 im Gefecht get&#246;tet worden. Im Oktober 2022 behauptet Solidarity Collectives, es w&#252;rden immer noch ungef&#228;hr 70 Antiautorit&#228;re unterst&#252;tzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; sie sind jetzt alleine oder in kleinen Gruppen zwischen verschiedensten Einheiten und Aktivit&#228;ten zerstreut, inmitten Hunderttausender Soldaten auf einer mehr als 1&#8216;000 km langen Frontlinie und berichten von ihrem allt&#228;glichen Leben auf den sozialen Medien: Vier sind Mitglieder der Spezialkr&#228;fte (wahrscheinlich im 23. Bataillon der Pr&#228;sidentenbrigade Hetman Bohdan Chmelnyzkyj); ein anderer ist Scharfsch&#252;tze geworden; sechs (davon f&#252;nf des ehemaligen Zuges) dienen in der M&#246;rsereinheit der TV; f&#252;nf oder sechs andere sind scheinbar Teil einer Sektion der Luftaufkl&#228;rung (Drohnen, die Ziele f&#252;r die Artillerie bestimmen) der 92. mechanisierten Brigade, eine von einer Unteroffizierin angef&#252;hrte Gruppe, eine Frau namens Swallow, die sich als Anarchafeministin pr&#228;sentiert und behauptet, horizontale Praktiken (Wahl von Verantwortlichen, Kooperation auf Basisebene, Ablehnung der Hierarchie usw.) zu f&#246;rdern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle dienen in Einheiten, in denen eine patriotische Politikverdrossenheit oder diverse Formen des Nationalismus, oder gar noch Schlimmeres, die vorherrschenden Meinungen sind. Die Anarchisten und Antifas, die h&#228;ufig &#252;ber ihren Umgang befragt werden, beschreiben allerdings in der Regel ihre neuen Kollegen als sehr inklusiv, tolerant und br&#252;derlich und vor allem damit besch&#228;ftigt, einer gemeinsamen Sache zu dienen (die Russen zu besiegen). Ein weissrussischer Aktivist erkl&#228;rt: &#8222;In einem Sch&#252;tzengraben, wenn Drohnen &#252;ber dich hinwegfliegen, ein Scharfsch&#252;tze dich im Visier hat oder ununterbrochen Sch&#252;sse &#252;ber deinen Kopf pfeifen, in diesem Sch&#252;tzengraben kann irgendjemand dein bester Freund sein, es k&#246;nnte ein Fascho, es k&#246;nnte irgendjemand sein, das hat nicht die geringste Bedeutung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ein anderer &#8222;Antiautorit&#228;rer&#8220;, der in einer nationalistischen Einheit k&#228;mpft, betont sogar, dass sich die &#8222;Faschos&#8220; in den Sch&#252;tzengr&#228;ben und im Kasernenbereich ver&#228;ndern und weniger sektiererisch und offener werden, weil sie letztendlich verstehen, dass ihre politischen Feinde von gestern schlichtweg &#8222;Leute wie alle anderen auch&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (&#8230;)&#034; id=&#034;nh55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; sind&#8230; Ein psychologisches Ph&#228;nomen, gegen welches, man wird es verstanden haben, die linken Aktivisten glauben, auf wundersame Weise immun zu sein; wir k&#246;nnen also beruhigt sein. Diese Art von Reaktion ist in Tat und Wahrheit ziemlich klassisch: Es handelt sich um nichts Geringeres als um diese Waffenbr&#252;derschaft, die im Gefecht Menschen vereint, die im Vornhinein alles h&#228;tte trennen sollen, ohne sie ist das &#220;berleben unm&#246;glich &#8211; ein Mechanismus, der in Tausenden von B&#252;chern &#252;ber die Kriege des 20. Jahrhunderts beschrieben wird. Eine virile Kameradschaft und ein Respekt, der f&#252;r die Zivilisten und die Dr&#252;ckeberger unerreichbar ist, und sie &#252;berdauern h&#228;ufig den Konflikt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Roger Caillois beschreibt es treffend in &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt;: &#8222;Der Feuertaufe wird h&#246;chste Wirksamkeit zugeschrieben. Durch sie wird der Mensch angeblich zum furchtlosen Offizianten eines tragischen Kultes, zum Erw&#228;hlten eines eifers&#252;chtigen Gottes. Zwischen denen, die gemeinsam diese Weihe empfangen oder Seite an Seite die Gefahren der Schlacht teilen, herrscht Waffenbr&#252;derschaft. Die K&#228;mpfer sind durch dauerhafte Bindungen und ein Gef&#252;hl der &#220;berlegenheit und des Zusammenhalts im Hinblick auf diejenigen vereint, die nicht in Gefahr waren oder im Kampf keine aktive Rolle spielten. Es gen&#252;gt n&#228;mlich nicht, sich der Gefahr ausgesetzt zu haben, man mu&#223; den Gegner auch getroffen haben. Es handelt sich um eine zweifache Weihe. Sie beinhaltet nicht nur, da&#223; man zu sterben, sondern auch, da&#223; man zu t&#246;ten wagt. Ein Sanit&#228;ter hat kein Prestige [&#8230;] Man kann hier Spuren der charakteristischen Situation jener M&#228;nnerb&#252;nde primitiver Zivilisationen wiederentdecken, in die man nach schmerzhaften Pr&#252;fungen eintritt und deren Mitglieder in der Gemeinschaft besondere Rechte genie&#223;en.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roger Caillois, Der Mensch und das Heilige (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&#034; id=&#034;nh57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Anzahl der in der Armee pr&#228;senten Antiautorit&#228;ren schwindet, sei es nur, wir haben es gesehen, aufgrund der Toten und Verletzten; in Anbetracht der Entwicklung der K&#228;mpfe sind jene Freiwilligen, welche bereit sind, sie zu ersetzen, wohl immer seltener &#8211; die ersten Kriegswochen, die scheinbar aus Guerilla-Aktionen und romantischen Hinterhalten gegen idiotische Russen bestanden, haben nun schrecklichen Sch&#252;tzengr&#228;benk&#228;mpfen und Artillerieduellen Platz gemacht. In der gesamten ukrainischen Gesellschaft sind der Enthusiasmus und der Patriotismus der ersten Tage des Krieges von der Angst vor der Mobilisierung in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden; die Folge davon ist eine enorme Fluchtbewegung und eine Welle von Desertionen und Ungehorsam, die sich 2023 entwickeln und die Regierung nur mit M&#252;he in Schranken halten kann. Man erf&#228;hrt beil&#228;ufig in einer Nachricht auf Telegram, dass Solidarity Collectives inzwischen auch Gewerkschafter unterst&#252;tzt, die sich freiwillig der Armee angeschlossen haben, aber auch Mobilisierte &#8211; die definitionsgem&#228;ss keine Freiwillige sind! Man kann sich &#252;brigens durchaus die Frage stellen, wie gewisse Aktivisten, die nicht m&#252;de wurden, die Vorz&#252;ge des Kampfes an vorderster Front anzupreisen, sich jedoch dahinter als n&#252;tzlicher betrachteten, heute reagieren, konfrontiert mit einer immer zwingenderen Wehrpflicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vorstellung anarchistischer Brigaden, die totalit&#228;re russische Horden zur&#252;ckdr&#228;ngen, hat im Westen zu vielen Tr&#228;umereien gef&#252;hrt, doch die Realit&#228;t, mit welcher man konfrontiert ist, jene des antiautorit&#228;ren Zuges oder einiger zu Soldaten gewordener Individuen, ist weit weniger verz&#252;ckend. Man muss eingestehen, dass es seit Anfang des Krieges nie eine anarchistische milit&#228;rische Einheit gab, allenfalls eine Einheit der Armee, in welcher ein Teil der libert&#228;ren und antifaschistischen Freiwilligen zusammengekommen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso dieses &#8222;Scheitern&#8220;? Mehrere Aktivisten meinen, sie h&#228;tten einfach nur Pech gehabt, besonders als der Kommandant ihres Bataillons im Fr&#252;hling 2022 ersetzt wurde: Der neue Offizier, viel weniger sympathisch als der vorherige, habe den vollst&#228;ndigen Ausdruck der libert&#228;ren M&#246;glichkeiten seiner M&#228;nner nicht erlaubt, allen voran, weil er ihnen keine Kampfmissionen gab&#8230; Andere glauben, dass zuvor viel zu viel Zeit und Energie mit antimilitaristischen Ideen verschwendet worden waren, was zu einem flagranten Mangel an Vorbereitung und Organisation gef&#252;hrt habe &#8211; eine Erkl&#228;rung, die ihnen offensichtlich scheint, wenn sie sich mit den zahlreichen rechtsextremen Einheiten vergleichen, die gut ausger&#252;stet sind und viel rekrutieren, effizient, sehr pr&#228;sent in den Medien und popul&#228;r sind &#8211; und es dann bereuen, dass die Anarchisten ab 2014 ihrem Beispiel hinsichtlich Organisation nicht gefolgt sind!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et (&#8230;)&#034; id=&#034;nh58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das erinnert an die Lehren bez&#252;glich der Frage des Zwecks und der Mittel, diesem immerw&#228;hrenden Mangel an Organisation der Libert&#228;ren gegen&#252;ber ihren Widersachern, die Nestor Makhno aus dem russischen B&#252;rgerkrieg ziehen wollte&#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah (&#8230;)&#034; id=&#034;nh59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ja, klar, wenn die Anarchisten am besten strukturiert, milit&#228;risch am besten organisiert, besser ausger&#252;stet, besser trainiert und effizienter w&#228;ren, w&#252;rden sie vielleicht auf den Schlachtfeldern gewinnen. Aber w&#228;ren sie dann noch Anarchisten? Die Revolution wird kein Gala-Diner sein, ganz bestimmt nicht. Doch sie wird auch keine milit&#228;rische Konfrontation, keine Aneinanderreihung von Siegen der Armee der Proletarier/Aktivisten &#252;ber jene der Kapitalisten sein und dabei die radikalen Transformationen der Gesellschaft auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben. Sie wird &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; die Abschaffung des Staates, des Werts, der Lohnarbeit, der Klassen (und somit des Proletariats), der Geschlechterrollen usw. sein, die Abschaffung der bestehenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Schaffung neuer &#8211; ein Prozess, der manchmal mit dem Begriff der &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; beschrieben wird.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &#8222;Activit&#233; de crise et (&#8230;)&#034; id=&#034;nh60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Von einem anarchistischen Standpunkt aus und ohne falsche Prinzipientreue oder opportunistische Betrachtungen, sondern mit Bescheidenheit und Verst&#228;ndnis, sollten wir versuchen, aus der spanischen Revolution Lehren zu ziehen. Ich bin &#252;berzeugt, dass eine blinde Bewunderung ohne jegliche Kritik unsere Bewegung weit mehr als eine ehrliche Einr&#228;umung der vergangenen Fehler schw&#228;chen wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maria Luisa Berneri&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[I]ch sammle W&#246;rter. Es gibt viele lange Wintertage &#8211; und dann wissen wir nicht mehr, wor&#252;ber wir sprechen sollen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leo Linni&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben hier die Aktionen seit Februar 2022 von gewissen Individuen er&#246;rtert, die sich als Anarchisten, Antiautorit&#228;re und Antifas bezeichnen; es sollte daran erinnert werden, dass sie deswegen nicht repr&#228;sentativ f&#252;r die Gesamtheit der Aktivisten dieser Str&#246;mungen im Land sind. In etlichen L&#228;ndern kommen, nach einer mehr oder weniger langen Periode, wo eine herablassende Milde gepaart mit viel Unbehagen vorherrschte, die Debatte und Kritik in den aktivistischen Medien auf. Sogar in der Ukraine selbst sehen einige nicht wirklich, in welcher revolution&#228;ren Tradition diese Freiwilligen in Uniform stehen k&#246;nnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;L'anarchisme britannique succombe &#224; la (&#8230;)&#034; id=&#034;nh61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrheit der ukrainischen Anarchisten entschied sich wahrscheinlich daf&#252;r, die Kriegsanstrengungen gegen die russische Invasion zu unterst&#252;tzen, doch es gab eine Debatte und antimilitaristische und internationalistische Positionen kamen darin vor. In Anbetracht der autorit&#228;ren Ausw&#252;chse des ukrainischen Machtapparats riskieren jene, welche den Burgfrieden, den Krieg, alle Armeen (und somit die Wehrpflicht), alle Staaten und den Kapitalismus verurteilen wollen, scharfe Repression unter dem Kriegsrecht. Sie k&#246;nnen also keine Lokale oder Homepages haben, nicht zu Unterst&#252;tzung aufrufen oder Aktionen durchf&#252;hren und sind somit dazu verurteilt, in andere L&#228;nder zu fl&#252;chten oder sich in eine sehr gef&#228;hrliche Klandestinit&#228;t zu begeben. Einige Individuen versuchen noch, einen klassischen und wenig spektakul&#228;ren Aktivismus zu betreiben, d.h. mit grosser Vorsicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das gilt zum Beispiel f&#252;r die Gruppe Assembleia in Charkiw, die jene Bev&#246;lkerungen humanit&#228;r unterst&#252;tzt, welche Opfer vom Konflikt geworden sind, weiterhin, allen voran von einem lokalen Standpunkt aus, &#252;ber soziale Fragen (Urbanismus, &#214;kologie und Korruption) spricht und auf ihrer Ebene am Informationsaustausch zur Umgehung der Wehrpflicht auf Telegram teilnimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&#8220; in Le Monde (&#8230;)&#034; id=&#034;nh63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir werden detaillierter auf die ukrainischen Gegner des Krieges und der Armee in einem sp&#228;teren Artikel zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit k&#246;nnte man sich die Frage stellen, was die Aktivit&#228;t von etwa 50 Aktivisten ohne den geringsten Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse inmitten von fast einer Million Uniformierter n&#252;tzt. Wenn diese Aktivit&#228;t tats&#228;chlich eine Auswirkung hat, dann wahrscheinlich auf das Milieu mit revolution&#228;rem Anspruch im Westen. &#220;ber die sozialen Medien adressieren sich die ukrainischen Antiautorit&#228;ren regelm&#228;ssig an ebendiese linksradikalen Aktivisten, Antifas, Anarchisten und sogar Autonomen, um eine finanzielle Unterst&#252;tzung und ein mediales Echo zu bekommen; so werden Konzerte, Unterst&#252;tzungsabende oder T-Shirt-Verk&#228;ufe in den Lokalen der Aktivisten organisiert. Man verbreitet dort, ohne es zu wagen, ihn zu kritisieren, den Diskurs der die nationale Verteidigung gutheissenden ukrainischen Aktivisten, der, vergessen wir es nicht, als innovativ und pragmatisch dargestellt wird und von dem gesagt wird, dass er die westlichen Revolution&#228;re betreffend der Vorbereitung des kommenden Krieges inspirieren soll. Aber was w&#252;rde das bedeuten? Sollte man sich, um konsequent sein, dem &#196;quivalent der TV anschliessen, d.h., in Frankreich, dieser Nationalgarde, deren Formation 2016 von den Aktivisten als Zeichen einer abscheulichen Militarisierung der Gesellschaft und ihr faschistischer Auswuchs denunziert wurde?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Wenn man gewissen ukrainischen Antifas zuh&#246;rt, w&#228;re es jedoch von gr&#246;sstem Interesse f&#252;r einen jungen franz&#246;sischen Aktivisten, sich dieser Nationalgarde anzuschliessen und dort, auf die Gefahr hin, auf &#8222;Faschos&#8220; zu treffen (die, wir haben es weiter oben gesehen, sich im Alltag als sympathische Typen herausgestellt haben), den Umgang mit Waffen und den Kampf zu lernen&#8230; In diesem Fall sollte man sich jedoch vielleicht, und besonders, wenn man w&#252;nscht, dass das &#8222;franz&#246;sische Volk&#8220;, genau wie das &#8222;ukrainische Volk&#8220;, auch f&#228;hig ist, &#8222;sich zu verteidigen&#8220;, dass die Mittel und die Mitgliederzahl dieser Garde vergr&#246;ssert werden oder sogar, dass der obligatorische Wehrdienst wieder eingef&#252;hrt wird!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sollte man sonst noch von diesen ukrainischen Aktivisten lernen? Den notwendigen Pragmatismus? Die Notwendigkeit einer verst&#228;rkten Organisation f&#252;r mehr Effizienz? Das Primat der Aktion &#252;ber das Nachdenken und des Milit&#228;rischen &#252;ber das Politische? Die positiven Aspekte des Nationalismus (der &#8222;befreiend und kreativ&#8220; sein k&#246;nne, wie es uns schon Rojava gezeigt habe)?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Hinf&#228;lligkeit des Antimilitarismus und des Internationalismus in Kriegszeiten? Die Hinf&#228;lligkeit des Antifaschismus, sobald man Seite an Seite mit den Faschisten f&#252;r ein gemeinsames Ziel (die Verteidigung der Demokratie) k&#228;mpft? Die notwendige Pausierung jeglicher sozialer Kritik im Falle eines Krieges (w&#228;hrend man auf die R&#252;ckkehr des Friedens und den Sieg des Guten &#252;ber das B&#246;se wartet)? Die Idee, das R&#228;derwerk des Staates zu benutzen, wenn man nicht stark genug ist, um ihn zu vernichten? Eine Reihe von Ideen, denen wir schon w&#228;hrend den schlimmsten Momenten der Geschichte der Arbeiterbewegung begegnet sind. Um nur auf zwei Punkte einzugehen: Es ist ziemlich &#252;berraschend, eine politische Meinung auszuklammern, sobald es zu einer Krise kommt, da sie eben genau in solchen Situationen von Interesse ist!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Notwendigkeit ihrerseits, bei jeder Gelegenheit &#8222;etwas zu tun&#8220;, geh&#246;rt eher zu den pers&#246;nlichen existenziellen Fragen und den aktivistischen Reflexen als zu irgendeiner moralischen Verpflichtung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Europa haben sehr wenige Gruppen und Organisationen klassische revolution&#228;re Positionen eingenommen, die meisten haben f&#252;r eine Verurteilung des Krieges gepaart mit einer scheuen Unterst&#252;tzung f&#252;r den &#8222;ukrainischen Widerstand&#8220; optiert; gewisse Linksradikale, Anarchisten und Autonome haben sich sogar daf&#252;r entschieden, eine Initiative zu unterst&#252;tzen, die grunds&#228;tzlich von militaristischer Art und offensichtlich patriotisch gepr&#228;gt ist&#8230; Die ukrainischen Deserteure, Verweigerer und Antimilitaristen, die sich weigern, geschlachtet zu werden, sind meistens vergessen gegangen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta (&#8230;)&#034; id=&#034;nh67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; obwohl es wahr ist, dass letztere sich nicht medial in Szene setzen konnten, war es vom ersten Tag der Invasion an unm&#246;glich, ihre Existenz zu &#252;bersehen. Das zeigt einmal mehr, inwieweit, sogar &#8222;links&#8220;, eine Uniform, ein Sturmgewehr und/oder eine Kampferfahrung &#8211; Virilit&#228;t in hohen Dosen &#8211; faszinieren und eine scheinbare politische Glaubw&#252;rdigkeit verschaffen k&#246;nnen. Eine &#8211; meist virtuelle &#8211; Unterst&#252;tzung, die in der Regel nicht von einem Bruch oder einer Abweichung gegen&#252;ber einem allt&#228;glichen Aktivismus zeugt, sondern eher von einer banalen Kontinuit&#228;t&#8230;&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Wir greifen hier einige S&#228;tze unseres Artikels vom Mai 2022 wieder auf, es ging darin schon kurz um die Aktivisten, welche die nationale Verteidigung gutheissen: &#8222;Wir wiederholen es, es geht hier f&#252;r uns nicht darum, die Art und Weise zu kritisieren, wie Leute auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern gegebenenfalls um die an uns gerichteten Diskurse und v.a. jene &#252;ber sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/i&gt;Die Bereitschaft ist mittlerweile im Aktivistenmilieu solide verankert, &#252;berall revolution&#228;res &#8222;Potenzial&#8220; zu sehen, v.a. wenn die Region weit weg und exotisch ist &#8211; ein Standpunkt, der hier besonders an den Haaren herbeigezogen ist. Doch jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, welche die ukrainische Frage auf sehr verf&#252;hrerische Art und Weise und vielleicht offener als andere &#8222;Operationsfelder&#8220; heimsuchen, nichts anderes als der Militarismus, der Nationalismus und das Konzept des Burgfriedens, morbide Varianten des Interklassismus. Ideologien, von denen sogar die erfahrensten und theoretisch bewandertsten Aktivisten mitgerissen werden k&#246;nnen, wenn die Umst&#228;nde passen, die Geschichte hat es auf traurige Art und Weise gezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist aber so, dass wir keine Bombenangriffe erdulden m&#252;ssen, dass in unseren Strassen keine K&#228;mpfe stattfinden und dass wir nicht Gefahr laufen, jede Minute get&#246;tet zu werden. Wir haben also keine Entschuldigung, keine Entschuldigung, um den Kopf zu verlieren. Wir k&#246;nnen von relativ komfortablen Rahmenbedingungen profitieren, um ruhig &#252;ber die laufenden Ereignisse nachzudenken. Es w&#228;re falsch, sie nicht zu missbrauchen, denn diese Rahmenbedingungen verschwinden vielleicht schneller als wir glauben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn wie wird Europa in zehn, f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahren aussehen? Wie wird es um das deutsch-franz&#246;sische Verh&#228;ltnis oder den russischen Einfluss stehen? Wer weiss es? Alles, was man beobachten kann, sind eine allgemeine Remilitarisierung und einige L&#228;nder (Deutschland, Polen und die Ukraine), die versuchen, die m&#228;chtigste Armee des Kontinents aufzubauen. Viele verstehen endlich, dass die Beteiligung Frankreichs an einem Konflikt mit hoher Intensit&#228;t, der sich &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; bis auf seinen eigenen Boden ausdehnen kann, nicht nur ein dystopisches Szenario darstellt&#8230; Doch im Gegensatz zu dem, was nun viele zu glauben scheinen, wird der Krieg, der den Kern Europas heimsuchen wird, wom&#246;glich nicht ein Krieg zwischen der NATO und Russland sein. Auf alle F&#228;lle wird, sollte eine solche Katastrophe eintreten, das offizielle und mediale Narrativ zwingend jenes des Guten (&#8222;wir&#8220;) gegen das B&#246;se (&#8222;unsere&#8220; Feinde) sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das (&#8230;)&#034; id=&#034;nh69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; doch wie werden wir dann reagieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stellt euch vor, dass ihr in einer nicht so fernen Zukunft in einem Frankreich, das nun im Krieg ist, alte Genossen trefft, die euch erkl&#228;ren, dass man die franz&#246;sische Armee unterst&#252;tzen muss, dass junge und mutige Aktivisten sich freiwillig engagiert haben, dass man die Regierung in diesem schwierigen Moment nicht kritisieren soll, dass die Streikenden wirklich verantwortungslos sind usw., denn heutzutage &#8222;ist es nicht mehr wie fr&#252;her&#8220; &#8211; obwohl es eben genau immer noch genau gleich ist, immer noch zwei Bourgeoisien, die einander entgegenstehen und ihre jeweiligen Proletarier in den Tod schicken. Angesichts der Geschichte der Arbeiterbewegung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und gewissen gegenw&#228;rtigen Positionsbez&#252;gen w&#228;re eine solche Szene alles andere als erstaunlich; viele werden sich selbst verleugnen und sehr wenige werden dazu stehen (die Verurteilung dieser Tatsache heute sagt nichts &#252;ber unsere morgigen Entscheidungen aus). Ist es dennoch notwendig, schon heute damit zu beginnen? K&#246;nnen wir nicht im Gegenteil vom &#8222;Luxus&#8220; des Friedens profitieren, solange wir ihn noch geniessen k&#246;nnen, um zu &#252;berlegen, bevor wir Position beziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die dreckigen Zugest&#228;ndnisse von 1914 erlaubten zumindest (f&#252;r eine gewisse Zeit) die Definition von klaren politischen Trennlinien und das Auftauchen von (anf&#228;nglich minorit&#228;ren) Gruppen von Revolution&#228;ren, als ein in diesem Ausmass noch nie gesehener proletarischer Angriff das alte Europa erzittern liess. Die gegenw&#228;rtige Periode best&#228;tigt, dass sich die Dinge jenseits der Minderheiten mit revolution&#228;rem Anspruch abspielen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf hoffnungsvollere Tatsachen zur&#252;ckkommen und von der Art und Weise sprechen, wie die Proletarier im Alltag und ohne Ideologie dem laufenden Gemetzel im Osten und S&#252;den der Ukraine zu entfliehen suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tristan Leoni, &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;J&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;an&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;uar&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; 2024&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3572&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 er&#246;rterten wir den die Ukraine heimsuchenden Konflikt in einem langen Artikel, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;und Selbstorganisation&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;, der auf dem Blog &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;DDT21&lt;/a&gt; ver&#246;ffentlicht und &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3460&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;in verschiedene Sprachen &#252;bersetzt&lt;/a&gt; worden ist. Man findet dort einige erste &#220;berlegungen zu den anarchistischen K&#228;mpfern, &#252;ber die man damals nur sehr wenige Informationen hatte. Seither sind ihnen in der aktivistischen Presse etliche Artikel, Interviews und Dokumentationen gewidmet worden, sie sind jedoch stets partiell und knapp, sowie h&#228;ufig hagiographisch. Soweit wir wissen, hat niemand (und besonders nicht ihre eifrigsten Bewunderer) versucht, die Geschichte und die Aktivit&#228;ten dieser Aktivisten auf einfache und synthetische Art und Weise zu pr&#228;sentieren. Wir begn&#252;gen uns hier damit, die zerstreuten Informationen zusammenzubringen, die in den verschiedenen Dokumenten verf&#252;gbar sind, einige Teile dessen zusammenzulegen, was ein endg&#252;ltiges Bild davon sein soll.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im Kriegsfall die Weigerung beschreibt, ein Lager gegen ein anderes zu verteidigen (da beide definitionsgem&#228;ss kapitalistisch sind), den Antimilitarismus, den revolution&#228;ren Def&#228;tismus und den Aufruf zur Verbr&#252;derung zwischen den beteiligten Proletariern (gegen ihre Hierarchien und ihre jeweiligen Bourgeoisien).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus bloss eine politische Strategie ist und dass diese logischerweise keine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist; sie ist &#252;brigens heftig kritisiert worden, vor allem im Italien der 1920er Jahre von der kommunistischen Linken, welche die Einreihung des Proletariats in die Verteidigung einer naturgem&#228;ss b&#252;rgerlichen Demokratie denunzierte (was die Aktivisten nicht daran hinderte, die Faschisten k&#246;rperlich anzugreifen). Die Formel des zentralen Theoretikers dieser Str&#246;mung, Amadeo Bordiga (1889-1970), hat es zu einer gewissen Ber&#252;hmtheit gebracht: &#8222;Antifaschismus ist das schlimmste Produkt des Faschismus.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &lt;a href=&#034;https://www.galiciaconfidencial.com/noticia/239242-combatentes-anarquistas-guerra-ucraina-loitamos-imperialismo-ruso&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de Ucra&#237;na: &#8218;Loitamos contra o imperialismo ruso&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 28. August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &#8222; &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/four-months-anti-authoritarian-platoon-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;a href=&#034;https://www.militantwire.com/p/defensive-war-as-an-act-of-popular&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive Interview with an Anarchist Fighter of the Territorial Defense Forces of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 31. Mai 2022. Zum Hoods Hoods Klan, siehe Laurent Gueslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.lalibre.be/international/2012/06/07/ukraine-hooligans-dextreme-gauche-SVCTZXIQUJAIBL6KINCE4ATP6Y&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : hooligans d'extr&#234;me gauche&lt;/a&gt;&#8220;, 7. Juni 2012; ein Dokumentarfilm von Popular Front vom Juni 2022, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=nsodbPkjO3c&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Frontline Hooligan: Ukraine's Anti-Fascist Football Ultras Fighting Russian Invasion&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die Entwaldung, den Bau von Windr&#228;dern und andere Baustellen. Siehe Pramen, &#8222;&lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/12/a-conversation-with-anarchists-from-ecoplatform-fighting-in-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;A conversation with anarchists from Ecoplatform fighting in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 27. Dezember 2022. Es ist zumindest eigenartig, dass Aktivisten, die so viel Respekt vor lebenden Wesen zeigen, sich in der Armee engagieren mit dem Projekt, russische Soldaten zu t&#246;ten&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://la-presse.org/anarchist-manifest-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, Transkarpatiens und der Bukowina im 18. Jahrhundert, ihr Anf&#252;hrer war Oleksa Dowbusch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;der Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist es nicht unbedeutend, dass den Autoren nur dieses Beispiel in den Sinn kommt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an rechtsextremen Organisationen und Aktivisten teil sind, die bis im Februar 2022 von den Antiautorit&#228;ren als &#8222;Faschisten&#8220; bezeichnet und als solche bek&#228;mpft wurden&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem Privatsektor zu offerieren. Siehe H&#233;l&#232;ne Richard, &lt;a href=&#034;https://monde-diplomatique.de/artikel/!5970155&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Arbeiten, k&#228;mpfen, durchhalten&#8220;&lt;/a&gt;, November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://lundi.am/L-organisation-des-anarchistes-sur-le-front-ukrainien&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&lt;/a&gt;&#8220;, 9. Januar 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und Juni 2022 von Operation Solidarity aufgewendeten 59&#8216;680 &#8364; 41&#8216;404 &#8364; f&#252;r &#8222;milit&#228;rische Anliegen&#8220; ausgegeben worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches Netzwerk, das 1907 gegr&#252;ndet worden ist und theoretisch die Unterst&#252;tzung von politischen und sozialen Gefangenen zum Ziel hat. Die Gruppe aus Dresden hat scheinbar f&#252;r eine etwas originellere Positionierung optiert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://freedomnews.org.uk/2023/03/31/voices-from-the-front-russian-anarchist-fights-for-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer Arbeit ist die Kreativit&#228;t und die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit, nicht der Kauf (von Ausr&#252;stung) selbst und auch nicht die Interaktion mit den Einheiten.&#8220; Daria Shulzhenko, &#8222;&lt;a href=&#034;https://kyivindependent.com/donations-on-decline-volunteers-get-creative-to-keep-raising-funds-for-military/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Donations on decline: Volunteers get creative to keep raising funds for military&lt;/a&gt;&#8220;, 1. November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das Team Berlioz oder die Task Force Baguette, in welchen franz&#246;sischsprachige Freiwillige dienen. Diese Verpflichtung, f&#252;r die M&#228;zene ein verf&#252;hrerisches Bild zu zeichnen, existiert auch auf einem ganz anderen Niveau: Der Forscher C&#233;dric Mas h&#228;lt fest, dass &#8222;es eine gewisse Anzahl milit&#228;rischer Operationen gibt, in denen Menschen sterben, verletzt werden oder Glieder verlieren, die nur ausgef&#252;hrt werden, um Videos herauszugeben und danach eine Informationsaktion durchzuf&#252;hren&#8220;; geh&#246;rt im Podcast &#8222;&lt;a href=&#034;https://soundcloud.com/le-collimateur/dune-guerre-a-lautre-comprendre-et-interpreter-loffensive-ukrainienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;D'une guerre &#224; l'autre. Comprendre et interpr&#233;ter l'offensive ukrainienne&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Le Collimateur&lt;/i&gt;, Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://telegra.ph/Solidarity-Collectives-Statement-07-04&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Solidarity Collectives Statement&lt;/a&gt;&#8220;, 4. Juli 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/main-page-english/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten befinden, die &#252;ber eine mediale Aura und ein gewisses Prestige verf&#252;gen (im Gegensatz zum Anarchisten bei Asow?), hat sich wom&#246;glich zu ihren Gunsten ausgewirkt. Zur Beteiligung von libert&#228;ren Aktivisten an rechtsextremen Einheiten, siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=KCynPQwZU9I&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk: clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&lt;/a&gt;&#8220;, Juni 2023, oder auch Perrine Poupin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mouvements.info/leruption-de-la-russie-en-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un volontaire de la d&#233;fense territoriale de Kiev&lt;/a&gt;&#8220;, 29. M&#228;rz 2022. Zum Kastus-Kalinouski-Regiment, siehe Pierre-Yves Baillet, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.frogofwar.info/entretien-avec-denys-kit-prokhorov-commandant-du-regiment-kastus-kalinouski-2/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec Denys &#8218;KIT&#8216; Prokhorov, commandant du r&#233;giment Kastu&#347; Kalino&#365;ski&lt;/a&gt;&#8220;, 8. Dezember 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Es muss auch betont werden, dass es auf den sozialen Medien nur so von Informationen, Ger&#252;chten und wahrscheinlich auch schlichten Verleumdungen hinsichtlich vergangener oder gegenw&#228;rtiger geheimer Zusammenarbeit gewisser sehr prominenter ukrainischer Anarchisten mit rechtsextremen Milieus wimmelt. Aus der Distanz und aufgrund der Grenzen automatischer &#220;bersetzung ist es schwierig, herauszufinden, was stimmt und was nicht. Ruhe und Gelassenheit stehen in diesem Milieu auf jeden Fall nicht auf der Tagesordnung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den zugeschriebenen Ort nicht so einfach wie bei der Anmeldung im Schachclub oder im Boxstudio, doch der Mangel an Organisation w&#228;hrend den ersten Tagen der Invasion hat wahrscheinlich etwas Flexibilit&#228;t m&#246;glich gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht aus einer variablen Anzahl Bataillone (die ihrerseits aus Kompanien bestehen, diese werden aus Z&#252;gen gebildet, letztere bestehen aus Gruppen). Die TV des Oblasts von Kiew enth&#228;lt die 112. und die 241. Brigade.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://danslabrume.noblogs.org/post/2023/08/22/apres-le-bataillon-anti-autoritaire-suite-de-la-resistance/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&lt;/a&gt;&#8220;, August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Laurent Geslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.mediapart.fr/journal/international/260622/en-ukraine-des-anarchistes-montent-au-front-pour-combattre-l-invasion-russe&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour combattre l'invasion russe&lt;/a&gt;&#8220;, 6. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;unserem Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; schrieben wir folgendes in einer Fussnote: &#8222;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die streitenden Kr&#228;fte scheinen f&#252;r die j&#252;ngsten westlichen Entwicklungen hinsichtlich der Geschlechterrollen kaum empf&#228;nglich zu sein. Hier, obwohl wir in Europa sind, ist das Schema viel klassischer: Jene, welche k&#228;mpfen, sind M&#228;nner (ausser vielleicht einige wenige Ausnahmen in der TV) und jene, welche fliehen, sind Frauen, Kinder und Alte.&#8220; Ende 2023 entwickelt sich die Situation aufgrund der Verknappung von Freiwilligen und die Frauen werden immer mehr herangezogen. Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf diese Frage zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://operation-solidarity.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;ihre Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit dem Spanienkrieg zu vergleichen; betonen wir also, dass die Milizen der CNT und der FAI zwischen 1936 und 1937 ungef&#228;hr 50&#8216;000 K&#228;mpfer z&#228;hlen (auf eine Bev&#246;lkerung von 25 Millionen Einwohnern in Spanien 1936 gegen 43 Millionen in der Ukraine 2021). Die Revolution&#228;re aufst&#228;ndische Armee Nestor Makhnos ihrerseits z&#228;hlte 1919 mehr als 100&#8216;000 M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten der ukrainischen Armee unter jenen, welche offen eine rechtsextreme Ideologie zur Schau tragen &#8211; zwischen 3&#8216;500 und 5&#8216;000 M&#228;nner. Trotz seiner schweren Verluste, besonders w&#228;hrend der Schlacht von Mariupol, scheint der Zustrom an Freiwilligen, die sich ihm anschliessen wollen, nicht abzunehmen und das Regiment wird sogar im Februar 2023 offiziell zur Brigade &#8222;aufgewertet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;unseren Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia und der daraus folgenden unvermeidlichen Ausw&#252;chse und &#220;bergriffe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Joshua Askew, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.euronews.com/my-europe/2022/06/09/meet-the-motley-crew-of-anarchists-and-anti-fascists-fighting-russia-in-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists fighting Russia in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 10. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;The media committee of the platoon, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/anti-authoritarian-platoon-of-ukraine-are-we-anarchists-and-what-we-do/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine : Are We Anarchists and What We Do&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews kreiert worden ist, wird zum Beispiel von ehemaligen Pr&#228;sidenten Petro Poroschenko ausger&#252;stet und finanziert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und intellektuellen Wallungen der Zwischenkriegszeit in Europa oder, in Italien, die abenteuerliche Episode von Fiume (1919-1924), an welcher unklassifizierbare Aktivisten, Protofaschisten, Royalisten und Anarchisten gemeinsam beteiligt waren, zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roger Caillois, &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt; (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah als einzige L&#246;sung f&#252;r die k&#252;nftigen K&#228;mpfe, sich von ihrer Organisationsweise zu inspirieren. Diese Ideen werden besonders in einem Text von 1926 entwickelt, &#8222;Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Activit&#233; de crise et communisation&#8220;&lt;/a&gt;, 2010, und Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/IMG/pdf/21rupture-livre.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/a&gt;, Genf/Paris, Entremonde, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;&lt;a href=&#034;https://cras31.info/IMG/pdf/olga_taratuta_n4_2023-05.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'anarchisme britannique succombe &#224; la fi&#232;vre de la guerre&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Initiative de solidarit&#233; Olga Taratuta&lt;/i&gt;, Nr. 4, Mai 2023, S. 7-19.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann sich entwickeln, seine Meinung &#228;ndern. Aber &#246;ffentlich einer Sache absagen, f&#252;r die man w&#228;hrend Jahren gek&#228;mpft hat, ist nicht einfach, umso mehr, weil man Gefahr l&#228;uft, dabei seine Freunde, seine Beziehungen zu verlieren. Man zieht es vor, sich vor sich selbst zu verstecken, zu behaupten, die Welt habe sich ge&#228;ndert, dass unsere Ideale modernisiert werden m&#252;ssen und man pragmatisch sein m&#252;sse.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, die sich weigerten, ihre Ansichten zu verleugnen und sich dem Burgfrieden anzuschliessen, und weiterhin den Antimilitarismus, den Internationalismus und revolution&#228;ren Def&#228;tismus verteidigten, schnell an die vorderste Front geschickt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://monde-libertaire.net/index.php?articlen=6711&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde libertaire&lt;/i&gt;, 4. September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die verschiedenen vorhandenen Reserven zusammenbrachte. Siehe Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;http://www.lemondealenvers.lautre.net/livres/manu_militari.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Manu Militari ? Radiographie critique de l'arm&#233;e&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2018, S. 65-66.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der Nation k&#228;mpfen, doch es handelt sich nur um Symbole und Worte, die am wirklichen Wesen der die Ukraine durchdringenden Bewegung nichts &#228;ndern. Wenn ich auf jeden Fall im Moment zwischen &#8218;Es lebe der K&#246;nig&#8216; und &#8218;Es lebe die Nation&#8216; w&#228;hlen muss, entscheide ich mich ohne zu z&#246;gern f&#252;r die Nation!&#8220; Perrine Poupin, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend des Ersten Weltkrieges alles andere als verstaubt sind; sie sind im Gegenteil besonders aktuell. Siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://quatre.zone/2022/04/01/les-anarchistes-contre-la-guerre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les anarchistes contre la guerre, de 1914 &#224; 2022&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta erw&#228;hnen und begr&#252;ssen, eine Gruppe, die Fl&#252;chtlinge, Deserteure und Pazifisten unterst&#252;tzt, egal, ob sie aus Russland, Weissrussland oder der Ukraine kommen. Mehr Infos auf ihrer &lt;a href=&#034;https://nowar.solidarite.online/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das Lager des Guten w&#228;hlen, es meistens jenes ist, welches von den herrschenden b&#252;rgerlichen Medien als solches designiert wird (Pal&#228;stina ist hierf&#252;r die Ausnahme); siehe diesbez&#252;glich Claude Guillon, &lt;a href=&#034;http://www.insomniaqueediteur.com/publications/dommages-de-guerre&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Dommages de guerre : Paris-Pristina-Belgrade 1999&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, L'Insomniaque, 2000. Man entscheidet sich in der Regel nicht f&#252;r ein Lager, wenn der Konflikt nicht prominent in den Medien vertreten ist; die Kriege, die seit Jahren im Jemen, im Kongo oder im Sudan w&#252;ten, sind gute Beispiele daf&#252;r.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen Arbeiterbewegung im Sommer 1914 sollte man unbedingt das Werk von Jean-Claude Lamoureux lesen: &lt;a href=&#034;https://lesnuitsrouges.com/produit/les-nuits-rouges/disponibles/les-10-derniers-jours/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les Dix Derniers Jours&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Les Nuits rouges, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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<item xml:lang="de">
		<title>Jean-Yves B&#233;riou - Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen</title>
		<link>http://kommunisierung.net/Revolutionare-Theorie-und</link>
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		<dc:date>2015-11-29T00:01:00Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
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		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Theorie</dc:subject>
		<dc:subject>Bruch in der Theorie 1965-1980</dc:subject>
		<dc:subject>Anarchismus</dc:subject>
		<dc:subject>Jean-Yves B&#233;riou</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Dieser Text wurde urspr&#252;nglich 1975 als Nachwort zum bei den &#201;ditions Payot in der Buchreihe &#8222;Critique de la politique&#8220; erschienenen Buch von F. Domela Nieuwenhuis, Le socialisme en danger, ver&#246;ffentlicht. &lt;br class='autobr' /&gt;
Damals erlaubte die Lekt&#252;re dieses Texts gewissen Genossen, die dabei waren, mit dem traditionellen Anarchismus und dem dogmatischen &#8222;Marxismus&#8220; der verschiedenen damals angesagten Gr&#252;ppchen zu brechen, sich der Problematik Kommunismus/Anarchismus mit sch&#228;rferen Sinnen zu stellen und (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Bruch-in-der-Theorie-1965-1980" rel="tag"&gt;Bruch in der Theorie 1965-1980&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Anarchismus" rel="tag"&gt;Anarchismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Jean-Yves-Beriou" rel="tag"&gt;Jean-Yves B&#233;riou&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/revolutionaere_theorie_historische_zyklen_cover.jpg?1689461732' class='spip_logo spip_logo_right' width='90' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieser Text wurde urspr&#252;nglich 1975 als Nachwort zum bei den &#201;ditions Payot in der Buchreihe &#8222;Critique de la politique&#8220; erschienenen Buch von F. Domela Nieuwenhuis, &lt;i&gt;Le socialisme en danger&lt;/i&gt;, ver&#246;ffentlicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damals erlaubte die Lekt&#252;re dieses Texts gewissen Genossen, die dabei waren, mit dem traditionellen Anarchismus und dem dogmatischen &#8222;Marxismus&#8220; der verschiedenen damals angesagten Gr&#252;ppchen zu brechen, sich der Problematik Kommunismus/Anarchismus mit sch&#228;rferen Sinnen zu stellen und einen Kl&#228;rungsprozess der &#8222;revolution&#228;ren Theorie&#8220; im Verh&#228;ltnis zu den &#8222;historischen Zyklen&#8220; einzuleiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil wir diese &#220;berlegungen heute immer noch f&#252;r dringend und treffend halten, haben wir diesen Text dem Vergessen entrissen, um ihn zur Diskussion zu stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A. 1848-1871&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;I. &#8222;Nach den Revolten (Lyon, Manchester), die den zuk&#252;nftigen Auftritt des Proletariats auf der gesellschaftlichen und politischen B&#252;hne als &lt;i&gt;historische Klasse&lt;/i&gt; voraussehen liessen, kam es zur Revolte der Weber von Schlesien, die erste proletarische Handlung, die auf der Ebene des &lt;i&gt;theoretischen&lt;/i&gt; Beitrages pr&#228;ziser war. Mit diesem Aufstand zeichnete sich die grundlegende Richtung der kommenden proletarischen K&#228;mpfe ab.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;La Perspective du communisme, 1971.&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinem ber&#252;hmten Text &#252;ber den schlesischen Aufstand [&#8230;] definiert Marx auf klare Art und Weise das kommunistische Programm des europ&#228;ischen Proletariats zwischen 1844 und 1848:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. Er zeigt, dass &#8222;die &lt;i&gt;klassische&lt;/i&gt; Periode des politischen Verstandes&#8220;, jene der &#8222;franz&#246;sische[n] Revolution&#8220;, vorbei ist;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. Er zeigt, dass das, wovon das Proletariat getrennt ist, und dies &lt;i&gt;durch seine Arbeit selbst&lt;/i&gt;, nicht der politische Staat, d.h. die b&#252;rgerliche Ordnung, sondern &#8222;das &lt;i&gt;Leben&lt;/i&gt; selbst, das physische und geistige Leben, die menschliche Sittlichkeit, die menschliche T&#228;tigkeit, der menschliche Genu&#223;, das &lt;i&gt;menschliche&lt;/i&gt; Wesen&#8220; ist;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. Am Schluss zeigt er, wie die Revolution eine politische Revolution mit einem gesellschaftlichen Geist sein wird, d.h. wie der politische Akt der Zerst&#246;rung der b&#252;rgerlichen Macht und der damit verwachsenen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse Teil eines &lt;i&gt;Moments&lt;/i&gt; in einer breiteren gesellschaftlichen Bewegung ist, die gleichbedeutend mit der (Wieder-)Erschaffung der &lt;i&gt;menschlichen Gemeinschaft&lt;/i&gt; und damit &lt;i&gt;dem Ende der Politik&lt;/i&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon ausgehend kann das Proletariat nicht mehr nach der Beseitigung seiner Isolation gegen&#252;ber dem Staat und der Macht, d.h. nach der Reorganisation einer herrschenden Schicht streben, sondern muss auf eine Zerst&#246;rung der Trennung der Gesellschaft in Klassen abzielen, da es &#8222;&lt;i&gt;kein besondres&lt;/i&gt; Recht in Anspruch nimmt, weil kein &lt;i&gt;besondres Unrecht&lt;/i&gt;, sondern das &lt;i&gt;Unrecht schlechthin&lt;/i&gt; an ih[m] ver&#252;bt wird&#8220;.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung.&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die verschiedenen theoretischen und programmatischen Beitr&#228;ge von Marx und Engels (&lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Das kommunistische Manifest&lt;/i&gt;, um nur die wichtigsten zu nennen) liefern der entstehenden proletarischen Bewegung eine historisch situierte theoretische Grundlage, obwohl sie nur von wenigen Arbeitern, und h&#228;ufig von jenen, welche bez&#252;glich der Klasse in einer peripheren Situation sind (Handwerker, proletarisierte Handwerker), gelesen und diskutiert werden, gleichzeitig gehen sie &lt;i&gt;definitiv&lt;/i&gt; &#252;ber den utopischen Sozialismus, den utopischen Kommunismus, den Proudhonschen Sozialismus und den blanquistischen Radikalismus hinaus. Obwohl diese Sekten weiterhin aktiv innerhalb des Proletariats existieren und h&#228;ufig dessen wirkliche Vertreter sind (siehe die Situation in Frankreich in den &lt;i&gt;M&#233;moires d'un r&#233;volutionnaire&lt;/i&gt; von Gustave Lefran&#231;ais), existierte &lt;i&gt;formell&lt;/i&gt; eine Sekte, die &#252;ber die Sekten hinausging, und deren &lt;i&gt;wirklicher&lt;/i&gt; Inhalt die &#220;berschreitung einer Vorhersage des Kommunismus war, sie war der Ausdruck des revolution&#228;ren Wesens in seiner Bewegung: Diese Sekte war der Bund der Kommunisten. Diese Grundlage dr&#252;ckte die theoretische/praktische Verbindung mit der revolution&#228;ren Gegenwart der Bewegung selbst in ihrer konkreten und unmittelbaren Perspektive aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daher erschien die kommunistische Perspektive als direkt verbunden mit der b&#252;rgerlichen demokratischen-nationalen Revolution von 1848, die vom Kleinb&#252;rgertum und der Arbeiterklasse angef&#252;hrt wurde. Die Theorie erlaubte somit ausgehend von der wirklichen Situation, die Strategie und die Taktik des europ&#228;ischen &lt;i&gt;Proletariats&lt;/i&gt; zu erstellen, die ihm durch sein Wesen selbst auferlegt worden waren. Wir werden nicht weiter auf diese Taktik und diese Strategie zur Zeit der progressiven b&#252;rgerlichen Revolutionen eingehen und k&#246;nnen einfach beil&#228;ufig zwei Dinge festhalten: a) Der Kommunismus wird gleichzeitig als &lt;i&gt;Produkt&lt;/i&gt; des Kapitals ab einem gewissen Stadium der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, &lt;i&gt;doch auch, und zugleich&lt;/i&gt;, als Best&#228;tigung und Austreten seiner globalen Natur verstanden, und dies &lt;i&gt;von Anfang an&lt;/i&gt;, d.h. dass die Notwendigkeit, sich zwischen 1844 und 1848 als politische Partei zu konstituieren, eben genau mit der Verweigerung der rein politischen Praxis verbunden ist, ein dialektischer Gegensatz, der sich im Verlauf der revolution&#228;ren Krise von 1848 aufl&#246;st. b) Das Proletariat wird aktiv als eine aus der Arbeiterklasse kommende, autonome Klasse im Verh&#228;ltnis zur Demokratie erfasst, eben genau und v.a., weil es auf &lt;i&gt;lebendige Art und Weise&lt;/i&gt; gr&#246;sstenteils unter Nicht-Arbeitern existiert. &lt;i&gt;Das Proletariat ist also historisches Verh&#228;ltnis und Sinn f&#252;r dieses Verh&#228;ltnis&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Bewegung ist somit genau der Widerschein der historischen T&#228;tigkeit des Proletariats von 1848, das damals Arbeiterklasse war. Der Bund der Kommunisten ist sowohl Tr&#228;ger der zentralen Perspektive, als auch ihrer wirklichen Grenzen. Seine T&#228;tigkeit verlor sich unmittelbar im Wutausbruch, und dann in der Niederlage, doch &#8222;die proletarische Bewegung taucht im Verlauf eines Prozesses auf, dessen einheitlicher und eindeutiger Charakter die Vereinigung der historischen und formellen Ausdr&#252;cke der Bewegung andeuten, welche die zuk&#252;nftige kommunistische Revolution aufzeigen wird&#8220;.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;La Perspective du communisme.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1848 ist also die erste einheitliche Erscheinung des Proletariats/der Arbeiterklasse. Aufgrund des Entwicklungsstadiums der damaligen Produktiv- und der historischen Kr&#228;fte k&#246;nnen die Arbeiter nur der Bourgeoisie helfen und sich danach &lt;i&gt;verteidigen&lt;/i&gt; (Juni 1848); doch in dieser &#8222;Verteidigung&#8220; selbst &#8211; die es nur erlaubte, das kommunistische Programm auf negative Art und Weise zu bekr&#228;ftigen, die Zerst&#246;rung eines Mechanismus wie des Tausches konnte nicht in die Problemstellung eingehen, da materiell nicht l&#246;sbar &#8211; in dieser &#8222;Verteidigung&#8220; also ist das, was wichtig ist, die Tatsache, dass die Bourgeoisie (und ihre verschiedenen provisorischen Verb&#252;ndeten) &lt;i&gt;gezwungen&lt;/i&gt; war, die Arbeiter anzugreifen, die in den Strassen von Paris ein Gespenst spazieren f&#252;hrten, das sofort in den Gehirnen der Herrschenden zu spuken begann, und jene, dass sie unter dem Risiko der R&#252;ckkehr der Ketten der feudalen Macht bevorzugte, sie anzugreifen. In Deutschland warf sie sich in die liebenden Arme der Feudalisten; in Frankreich, wo die Situation &lt;i&gt;politisch&lt;/i&gt; weiter fortgeschritten war, tanzte sie den Reigen der B&#252;ndnisse bis 1871. Die Verbindung Kommunisten/Proletarier als andere Lektion der proletarischen Verteidigung von Juni 1848 erscheint allerdings nicht als Verh&#228;ltnis F&#252;hrer/Gef&#252;hrte, sondern als praktische Organisation des theoretischen und programmatischen Ausdrucks, als wirkliche Bewegung. Die durch die praktischen Grenzen der Epoche (u.a. die Abwesenheit der bewussten Koordination zwischen proletarischen Elementen verschiedener Nationen aufgrund der Abwesenheit einer Perspektive, die &#252;ber die Verteidigung hinausgeht) eingeschr&#228;nkte Verbindung zwischen dem Proletariat und der kommunistischen Theorie liess schon etwas qualitativ h&#246;her stehendes erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;II. Gleichzeitig erlitt das Proletariat seine erste Niederlage als autonome Klasse; der konterrevolution&#228;re Zyklus beginnt. Es kam somit nicht mehr in Frage, eine formelle Organisation weiterzuf&#252;hren, die f&#228;hig war, das revolution&#228;re Programm zu h&#252;ten und zu verwirklichen. Nach kurzen Illusionen (zwischen 1850 und 1852) verstehen Marx und Engels, dass es ihre Aufgabe ist, Lehren aus dieser Revolution von 1848 zu ziehen, ihre Grenzen und ihre m&#246;gliche &#220;berschreitung zu verstehen. Sie entscheiden sich, den Bund der Kommunisten aufzul&#246;sen, um besser auf der kommunistischen Linie zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Bei dieser allgemeinen Prosperit&#228;t, worin die Produktivkr&#228;fte der b&#252;rgerlichen Gesellschaft sich so &#252;ppig entwickeln, wie dies innerhalb der b&#252;rgerlichen Verh&#228;ltnisse &#252;berhaupt m&#246;glich ist, kann von einer wirklichen Revolution keine Rede sein. Eine solche Revolution ist nur in den Perioden m&#246;glich, wo diese &lt;i&gt;beiden Faktoren&lt;/i&gt;, die &lt;i&gt;modernen Produktivkr&#228;fte&lt;/i&gt; und die &lt;i&gt;b&#252;rgerlichen Produktionsformen&lt;/i&gt;, miteinander &lt;i&gt;in Widerspruch&lt;/i&gt; geraten. Die verschiedenen Z&#228;nkereien, in denen sich jetzt die Repr&#228;sentanten der einzelnen Fraktionen der kontinentalen Ordnungspartei ergehn und gegenseitig kompromittieren, weit entfernt zu neuen Revolutionen Anla&#223; zu geben, sind im Gegenteil nur m&#246;glich, weil die Grundlage der Verh&#228;ltnisse momentan so sicher und, was die Reaktion nicht wei&#223;, so &lt;i&gt;b&#252;rgerlich&lt;/i&gt; ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx und Engels, &#8222;Revue, Mai bis Oktober 1850&#8220; in Neue Rheinische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie weigern sich, auf die Verschw&#246;rung (siehe &lt;i&gt;Enth&#252;llungen &#252;ber den Kommunistenprozess zu K&#246;ln&lt;/i&gt; von Marx), die milit&#228;rische gewaltt&#228;tige Aktion einer Minderheit, die Propaganda und die Agitation zur&#252;ckzugreifen. Es geht n&#228;mlich darum, sich nicht von den Formen der Revolution und/oder ihrer Niederlage beeinflussen und/oder sich nicht vom Realismus der konterrevolution&#228;ren Wirklichkeit anstecken zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich habe ferner das Mi&#223;verst&#228;ndnis zu beseitigen gesucht, als ob ich unter 'Partei' einen seit 8 Jahren verstorbnen 'Bund' oder eine seit 12 Jahren aufgel&#246;ste Zeitungsredaktion verstehe. Unter Partei verstand ich die Partei im gro&#223;en historischen Sinn.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx an Freiligrath, Brief vom 29. Februar 1860, MEW, Bd. 30, 1974, S. 495.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die einzige Arbeit ist also die theoretische Arbeit, v.a. die Kritik der politischen &#214;konomie und die Pr&#228;zisierung des Wesens der kommunistischen Produktion. In dieser Zeit der Konterrevolution (1850-1864) verweigert Marx jegliche andere Organisation als jene seiner theoretischen und praktischen Arbeit (sofern es praktische T&#228;tigkeit gibt). Dieser Anti-Formalismus erlaubt ihm gleichzeitig, die hier und dort handelnden &#8222;Sozialisten&#8220; radikal zu kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;III. Die 1864 gegr&#252;ndete Erste Internationale (IAA: Internationale Arbeiter-Assoziation) ist mit dem Wiederaufkommen proletarischer K&#228;mpfe, dem revolution&#228;ren Aufschwung und der Wirtschaftskrise verbunden. Die Erste Internationale vereinigt alle Fraktionen des Proletariats, die das theoretische Bewusstseins des Kampfes erlangt haben, wenn auch und v.a. nur partiell. Die Erste Internationale ist &lt;i&gt;tats&#228;chlich&lt;/i&gt; ein verbindendes Element zwischen den verschiedenen Schichten des Proletariats und seinen verschiedenen gesellschaftlichen Situationen in Europa. Sie ist ein Moment des Vereinigungsprozesses und beschleunigt ihn gleichzeitig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegen&#252;ber dem Proudhonismus des reaktion&#228;ren Kleinb&#252;rgertums und dem Lasallismus, der zugleich der Vorg&#228;nger der Sozialdemokratie als auch schon Insolvenzverwalter ist, sind die Revolution&#228;re in zwei Lager geteilt: die Kollektivisten mit Bakunin und die um Marx gruppierten Kommunisten. Diese Teilung &#252;berschnitt sich damals fast perfekt mit der Teilung zwischen entwickelten und wenig entwickelten kapitalistischen Zonen; diese These ist durchaus bekannt, doch sie hilft nur, einen Aspekt des Problems zu verstehen: Ausser der Tatsache, dass England n&#228;her bei einem Proudhonschen Sozialismus als bei einem marxistischen Kommunismus ist, &#252;berschneidet (und kaschiert) diese Teilung eine andere Trennung &lt;i&gt;innerhalb des Proletariats selbst&lt;/i&gt;. Einerseits geht es auf der Marxschen Seite darum, &#8222;den Bed&#252;rfnissen des Klassenkampfes und der Organisation der Arbeiter zur Klasse unmittelbar Nahrung und Ansto&#223; [zu] geben&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx an Kugelmann, Brief vom 9. Oktober 1866, MEW, Bd. 31, 1965, S. 529.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und damit alle Arbeiter auf der Grundlage eines f&#252;r das europ&#228;ische Proletariat in seiner Gesamtheit unmittelbar realisierbaren Programms zu vereinigen. Diese Konzeption der Internationale entsprang einer realistischen Konzeption des historischen Zyklus des Proletariats: Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, jeweilige Bedeutungen der k&#228;mpfenden gesellschaftlichen Klassen, wirkliche Reformm&#246;glichkeiten, die das politische Feld der Emanzipation des Proletariats &#246;ffnen, doch dabei &#8222;das Endziel klar hindurchsehn&#8220; usw. Andererseits ging die anti-autorit&#228;re Konzeption vom Auftauchen der proletarischen Autonomie selbst aus, ihrer historischen Emergenz, ihrer Forderung von Beginn an nach der unmittelbaren kommunistischen Revolution und somit von der Verweigerung, den wirklichen Zustand der Kr&#228;fte, die Notwendigkeit der Vermittlungen usw. in Betracht zu ziehen. Auf der einen Seite, im Namen einer klaren Definition des Kommunismus, der Durchmarsch durch das politische Feld unter dem Risiko, sich darin zu verlieren (siehe Marx, der urspr&#252;nglich die Kommune im Namen einer schon sozialdemokratischen Taktik- und Strategieanalyse missbilligt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die anf&#228;nglichen Positionen von Marx bez&#252;glich der Kommune k&#246;nnen sehr gut (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und auf der anderen Seite die naive D&#252;rftigkeit, die freie Gesellschaft unmittelbar durch einfachen Willen (siehe Bakunin in Lyon&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Am Abend des 14. September verl&#228;sst Michail Bakunin Genf in Richtung Lyon. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) im Namen einer noch sehr schmalen Definition dieser Gesellschaft zu verwirklichen: der Kollektivismus. Diese beiden Konzeptionen, wovon eine zum Kult der &#8222;politischen&#8220; Aktion, die andere zum Kult der wirtschaftlichen Aktion f&#252;hren konnte und die in zwei verschiedenen Zonen der historischen Entwicklung entstanden sind, dr&#252;cken eigentlich ein tieferes Ph&#228;nomen aus: die tragische Dualit&#228;t der Praxis des damaligen Proletariats selbst. Einerseits konnten die wirklichen M&#246;glichkeiten der K&#228;mpfe nicht die kommunistische Revolution bringen und zwangen das Proletariat, mit anderen Schichten Kompromisse zu schliessen; andererseits taucht die unmittelbare Bekr&#228;ftigung der Revolution auf, obschon unm&#246;glich. Diese beiden Konzeptionen waren eine Spaltung des Wesens des Proletariats selbst; losgel&#246;st von ihrem Kontext des revolution&#228;ren Aufschwungs f&#252;hrte die eine zur Aufopferung des revolution&#228;ren Ziels zu Gunsten eines immediatistischen Kampfes &lt;i&gt;im Namen selbst der notwendigen historischen Verkettung der unmittelbaren K&#228;mpfe, die zum revolution&#228;ren Endkampf f&#252;hren sollten&lt;/i&gt;, die andere zur Aufopferung des wirklichen Verst&#228;ndnisses der Entwicklung der K&#228;mpfe zu Gunsten einer Bekr&#228;ftigung des revolution&#228;ren Ziels &lt;i&gt;im Namen selbst des revolution&#228;ren Endkampfes, von dem behauptet wurde, er sei in jedem unmittelbaren Moment des Kampfes gegenw&#228;rtig&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Offensichtlich repr&#228;sentiert das Marxsche Lager die Theorie des fortgeschrittenen Industrieproletariats und ist somit auf theoretischer Ebene Tr&#228;ger davon, d.h. Tr&#228;ger der Theorie des Proletariats als gesellschaftliches Verh&#228;ltnis und als historisches Werden. Es ist eine &lt;i&gt;Zeugungslinie&lt;/i&gt;, denn verschiedene Str&#246;mungen, vom Proudhonismus bis zum Blanquismus, existieren und sind sogar quantitativ bedeutender als jene um Marx und Bakunin. Doch wichtig ist die Tatsache, dass das Lager von Marx (die &#8222;Partei&#8220; Marx) das Korpus des kommunistischen Programms (Beseitigung der Lohnarbeit und des Handels) selbst entwirren konnte, w&#228;hrend jenes von Bakunin beim Kollektivismus stecken geblieben ist, einer Art hybriden Mischung, auf halbem Weg zwischen dem korporatistischen Proudhonschen Mutualismus und dem Kommunismus, ein Abbild der Situation selbst dieser neuen Proletarier, welche gerade erst das Handwerk oder das Landleben verlassen haben, von einer Produktionsweise in die n&#228;chste wechseln und in Richtung Kommunismus gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Wesentliche der kommunistischen Theorie (1867, Buch 1 des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;, &#252;brigens von Bakunin ins Russische &#252;bersetzt) mit der Entwicklung der IAA verbunden. Die IAA vereinigt alle Fraktionen des Proletariats und ihre Teilungen &#8222;Marxisten/Bakuninisten&#8220; werden erst nach der Niederlage der Revolution, nach der Kommune wirklich &lt;i&gt;wirksam&lt;/i&gt;. Die Erste Internationale ist somit eine der Fraktionen der Partei, die sich ab 1868, v.a. in Paris, innerhalb des Proletariats manifestiert; sie ist die Fraktion des Bewusstseins davon genau wie die Blanquisten die milit&#228;rische Fraktion davon sind (diese Teilung in organische &#8222;Fraktionen&#8220; ist Zeichen der Grenzen). F&#252;r Marx war es damals unn&#246;tig, die anderen Str&#246;mungen aus der formellen Organisation Erste Internationale ausschliessen zu wollen, da er diese nicht mit der historischen Partei identifizierte und bemerkenswert klar verstand, dass die Zw&#228;nge des revolution&#228;ren Kampfes die Fraktionen innerhalb der Organisation und &lt;i&gt;ausserhalb&lt;/i&gt; davon vereinigen werden. Und wenn sich auch die Spannungen zwischen der &#8222;Partei Marx&#8220; und der &#8222;Partei Bakunin&#8220; ab 1868 klar abzeichnen, war doch die Kommune und ihre Niederlage der Ort und der Zeitpunkt der progressiven Spaltung. Eigentlich ist die Erste Internationale sowohl &lt;i&gt;formelle Partei, als auch wirtschaftliches und programmatisches Organ&lt;/i&gt;. Die Einheit des Proletariats und &lt;i&gt;seiner revolution&#228;ren Fraktionen&lt;/i&gt; werden darin trotz den grundlegenden Gegens&#228;tzen (die hier nicht diskutiert werden, &lt;i&gt;jedoch stets ohne Verh&#228;ltnis zum Zyklus analysiert wurden&lt;/i&gt;) aufrechterhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;IV. Die Vermittlungen zwischen der Klasse und ihrem Programm, wenn sie auch sehr wichtig sein m&#246;gen, sind mit ihrer wirklichen Entwicklung verbunden. Sie sind sogar ein Ausdruck davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die parlamentarische Politik bis 1871 kann z.B. durch den Grad der Entwicklung des Kapitalismus als spezifische Produktionsweise erkl&#228;rt werden. Die schwache Entwicklung des Proletariats, die mit der schwachen Entwicklung des Kapitals zusammenh&#228;ngt, &lt;i&gt;zwingt&lt;/i&gt; es dazu, zu versuchen, seine entstehende Kraft und seine Momente der Revolte in der parlamentarischen Sph&#228;re zu &lt;i&gt;konkretisieren&lt;/i&gt;. Umgekehrt wird seine Intervention auf diesem Terrain durch die Tatsache &lt;i&gt;m&#246;glich&lt;/i&gt; gemacht, dass keine Klasse f&#228;hig ist, ihre Forderungen diskussionslos zu diktieren. Das Parlament ist alternativ und &lt;i&gt;effizient&lt;/i&gt; der Ort der Absprache und der Konfrontation zwischen der Handelsbourgeoisie, der Finanzaristokratie und unter gewissen Bedingungen dem Proletariat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In England z.B., siehe &#8222;Du rackett politique au cirque &#233;lectoral&#8220; in Le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist die Bl&#252;tezeit der &lt;i&gt;demokratischen&lt;/i&gt; Epoche der Bewegung; obwohl die Marxisten die Demokratie ablehnen, akzeptieren sie diese, um daran als politische Partei teilzunehmen, und die Anti-Autorit&#228;ren hingegen nehmen nicht daran teil, doch beanspruchen sie wahr und rein, nicht b&#252;rgerlich, nicht parlamentarisch usw. Diese Eigenschaft zeigt gut den ambivalenten Charakter der damaligen Diskussion Marxisten/Bakuninisten innerhalb der IAA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;V. Die Kommune ist der H&#246;hepunkt der wirklichen Bewegung, deren Ausdruck die Erste Internationale ist. Das dialektische Verh&#228;ltnis zwischen der historischen Partei und der revolution&#228;ren Machtergreifung in Verbindung mit den formellen Organen ist klar. Marx erkl&#228;rt in einem Brief an Kugelmann (vom 12. April 1871), dass die Kommune &#8222;die glorreichste Tat unserer Partei seit der Pariser Juni-Insurrektion&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;MEW, Bd. 33, 1976, S. 206.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist; was klar die absolute Einheit und Kontinuit&#228;t in seiner Konzeption der Handlung der Klasse und &lt;i&gt;der Klassenorganisation&lt;/i&gt; (d.h. ihrer praktischen Aufgaben) zeigt, ausserhalb jeglichem &lt;i&gt;Formalismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausserdem ist die Kommune die Verwirklichung der ihr vorhergehenden Bewegung. Innerhalb der Kommune &lt;i&gt;sind die ideologischen Gegens&#228;tze &#252;berwunden: Die Spaltung Mehrheit/Minderheit geht durch jede Fraktion und die direkte Demokratie ist in ihr verwirklicht&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit ihrer glorreichen Niederlage schliesst sich ein Zyklus proletarischer K&#228;mpfe (eigentlich dauert er bis 1873-1874: Auswirkungen in Belgien, Skandinavien, Spanien usw.). Die formelle Organisation des Proletariats ist an einen neuen Wendepunkt gelangt: 1848 ging es darum, sich an der b&#252;rgerlichen Revolution zu beteiligen und auf &lt;i&gt;virtuelle&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;geheime&lt;/i&gt; Art und Weise als politische Partei organisiert zu sein; 1871 ging es darum, die politische Demokratie zu organisieren, um &lt;i&gt;die Grundlagen&lt;/i&gt; des Terrains der gesellschaftlichen Emanzipation des Proletariats zu legen, und somit als &lt;i&gt;wirkliche politische Partei&lt;/i&gt; organisiert zu sein. Nach 1871 kommt all das nicht mehr in Frage: Mehrere programmatische Errungenschaften erweisen sich als prinzipielle Lehren der Kommune:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Die &#196;ra der progressiven b&#252;rgerlichen, nationalen Revolutionen ist vorbei, das Proletariat braucht keine Kompromisse mehr mit anderen gesellschaftlichen Schichten zu schliessen, es muss entweder Teil von ihnen werden, sie zerst&#246;ren oder von ihnen zerst&#246;rt werden. Es muss seine &lt;i&gt;Diktatur&lt;/i&gt; bekr&#228;ftigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Das Proletariat kann sich nicht mehr in der politischen (und erst recht parlamentarischen) Sph&#228;re entwickeln; die einzige &#252;brig bleibende &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; Frage ist der Inhalt seiner Diktatur und diese Frage bleibt &lt;i&gt;politisch&lt;/i&gt;, denn es ist noch nicht &lt;i&gt;gesellschaftlich vorherrschend&lt;/i&gt; (die Frage des Staates ist die Folge dieser Lehre).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Das Proletariat tr&#228;gt von nun an, in seiner eigenen Existenz, den unmittelbaren Inhalt seiner Aufgaben und braucht keine &lt;i&gt;formelle Partei&lt;/i&gt; mehr. Es kann nur als seine eigene &lt;i&gt;historische Partei&lt;/i&gt; &#8222;sein&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Das kommunistische Programm erscheint klar als autonomes Programm des Proletariats, als &lt;i&gt;Zerst&#246;rung des Tausches&lt;/i&gt;, wenn auch negativ (in Anbetracht des Entwicklungsniveaus der Produktivkr&#228;fte).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;VI. &#8222;1871 war das Proletariat zu isoliert, um auf einen Sieg hoffen zu k&#246;nnen. H&#228;tte es Versailles &lt;i&gt;milit&#228;risch&lt;/i&gt; besiegt, w&#228;re es, einerseits, unmittelbar mit der europ&#228;ischen Konterrevolution, wovon die preussische Armee ein blosser Vorposten war, konfrontiert gewesen, andererseits, und v.a., mit den Problemen der kommunistischen Transformation des Produktions- und Verteilungsapparats, w&#228;hrend der Kapitalismus erst mit der Vergesellschaftung der Produktion begonnen hatte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fran&#231;ois Martin, Quelques le&#231;ons d'une insurrection pass&#233;e pour une (&#8230;)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die revolution&#228;re Organisation dr&#252;ckte die besiegte Kommune aus und die IAA musste sich aufl&#246;sen. Es war die Zeit der heftigen Spaltungen zwischen Fraktionen, die Partei Marx und die Partei Bakunin wollten die F&#252;hrung &#252;bernehmen: So dr&#252;ckte die Apparatspolitik die Konterrevolution aus. Die verschiedenen und partiellen Zonen und Aspekte der Totalit&#228;t der Klasse, die im revolution&#228;ren Angriff vereinigt waren, stehen dieses Mal im Gegensatz zueinander. Die Konterrevolution l&#246;ste die Einheit der Klasse auf, spaltete sie, sowie auch ihren theoretischen und programmatischen Ausdruck. Mit dem Schwung der Kommune und ihren Auswirkungen konnten Marx und Engels, obwohl sie sich der Politik hingaben (Kampf um den Generalrat), die grundlegende Errungenschaft der Kommune bis ungef&#228;hr 1875 theoretisieren (&lt;i&gt;B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt;). Nach 1875 &lt;i&gt;waren sie alleine&lt;/i&gt;. Die historische Partei lebte bei ihnen dank der Wiederaufnahme der theoretischen Arbeit weiter, die durch den revolution&#228;ren Sturm unterbrochen worden war (&lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt; usw.), doch diese Arbeit war nicht direkt mit der &lt;i&gt;Praxis&lt;/i&gt; des Proletariats verbunden, das auf den Zustand des variablen Kapitals beschr&#228;nkt worden war. Das zeigt, bis zu welchem Punkt die &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; Positionen von Marx, und dann v.a. von Engels, nicht revolution&#228;r waren; und bez&#252;glich Engels konterrevolution&#228;r. Die Dichotomie zwischen der Aussage der kommunistischen Theorie, die sie verfeinerten (es ging nur darum, auf eine zuvor formulierte und ausgearbeitete Theorie zur&#252;ckzukommen), und ihrer Praxis &lt;i&gt;im Zeitalter&lt;/i&gt; war absolut geworden, das Zeitalter war konterrevolution&#228;r und das Zeitalter und ihre Praxis korrumpierten sogar die Aussage der kommunistischen Theorie, bei Engels in mehreren Texten wie &lt;i&gt;Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft&lt;/i&gt;, welche klar den sozialdemokratischen und &lt;i&gt;undialektischen&lt;/i&gt; Inhalt zeigen. Nach 1875 bleiben also zwei M&#228;nner &#252;brig, die eine grundlegende theoretische Arbeit weiter f&#252;hren (v.a. Kritik der &#214;konomie und der Wissenschaften), sich der Situation aber gleichzeitig nur halbwegs bewusst sind (Marx etwas mehr, siehe den Brief an Nieuwenhuis, &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt;). Nach 1883, dem Todesjahr von Marx, bleibt ein Mann &#252;brig, der das Werk der &#8222;Partei Marx&#8220; &#8222;treu&#8220;, d.h. &lt;i&gt;ideologisch&lt;/i&gt; weiterf&#252;hrt, doch ein f&#252;r alle Mal in der Konterrevolution versinkt und Anf&#252;hrer des &lt;i&gt;Marxismus&lt;/i&gt; wird, der Theorie der Sozialdemokratie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;VII. Zwar ist die Niederlage der Kommune &lt;i&gt;historisch&lt;/i&gt; gehaltvoll, doch sie besiegelt die Teilung der proletarischen Bewegung in:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;- politische Fraktionen&lt;/i&gt;: die beiden rivalisierenden IAA, jene von Marx/Engels bis 1874 und jene der Bakuninisten, die in Genf, Spanien und Italien weiter besteht; dann die Gruppen, Gruppierungen, Sekten, Parteien usw.;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;- wirtschaftliche Fraktionen&lt;/i&gt;: die berufsst&#228;ndischen und gewerkschaftlichen Organisationen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;- programmatische Fraktionen&lt;/i&gt;: Marx/Engels alleine gegen ihre Sch&#252;ler bis ungef&#228;hr 1880 (&#8222;Was Du &#252;ber die Deutschen schreibst, verwundert mich in keiner Weise. Hier ganz ebenso. Engels und ich haben uns daher ganz von dem Pack zur&#252;ckgezogen [&#8230;].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Brief an Sorge vom 27. September 1877, MEW 34, S. 295.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;); dann der kleine informelle und internationale Zusammenschluss von Anarchisten rund um Malatesta, usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der soziale Frieden ist gesichert und die intensive freie Entwicklung des Kapitals hat auch freien Lauf. Die b&#252;rgerliche nationale Revolution vollendet sich (Deutschland, Italien) und vereinigt ihre Ausbeutungsbedingungen. Der &#220;bergang zur reellen Herrschaft des Werts steht auf der Tagesordnung und die Zerst&#246;rung der sich ihm entgegenstellenden Hindernisse ist im Gang. Die Arbeit wird allm&#228;hlich von der Mehrarbeit aufgezehrt. Der Maschinenbetrieb entwickelt sich. Die Sozialdemokratie als koh&#228;renter Ausdruck dieser Entwicklung wird zur gesellschaftlichen H&#252;lle des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;VIII. Als Paraphrase und Berichtigung der Einsch&#228;tzung von Karl Korsch in &lt;i&gt;Krise des Marxismus&lt;/i&gt; (1931) k&#246;nnen wir bekr&#228;ftigen, dass sich mit den Jahren 1871 bis 1875 der erste grosse historische Zyklus der kapitalistischen Entwicklung vollendet. Im Verlauf desselben hat der Kapitalismus auf der damaligen &lt;i&gt;begrenzten&lt;/i&gt; Grundlage schon alle Phasen seiner Entwicklung bis zu jenem Punkt durchlaufen, wo der bewusste Teil des Proletariats die soziale Revolution der Arbeiterklasse selbst auf die Tagesordnung setzen kann, jener Arbeiterklasse, die damals das Proletariat war. Folglich hat die Klassenbewegung des Proletariats &#8211; auf dieser &lt;i&gt;begrenzten&lt;/i&gt; Grundlage &#8211; schon ein &lt;i&gt;ziemlich hohes&lt;/i&gt; Entwicklungsstadium erreicht: Die revolution&#228;ren K&#228;mpfe, welche zu dieser Zeit von isolierten Fraktionen der Arbeiterklasse gef&#252;hrt wurden, sind der praktische Ausdruck davon und die Mitglieder der Internationale die historische Verbindung gewesen; jene, welche die &#8222;Partei Marx&#8220; formten, indem sie damals den definitiven (momentanen und zuk&#252;nftigen) Inhalt der bewussten Praxis der proletarischen Klasse formulierten, haben den theoretischen Ausdruck daf&#252;r geliefert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B. Sozialdemokratie und Bewegung des Kapitals&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;I. Die Entstehung der Zweiten Internationale ist mehr oder weniger erzwungen und der Epoche zuwiderlaufend. Ihre prinzipielle Basis ist die deutsche Sozialdemokratie; man kann sogar sagen, dass die Zweite Internationale ironischerweise die Ausdehnung des &#8222;deutschen Sozialismus&#8220; ist, wovon Marx sprach und sich 1871 den Sieg zusammen mit jenem von Bismarck w&#252;nschte! Die deutsche Sozialdemokratie, deren Konstitution kurz nach der proletarischen Niederlage (Gothaer Kongress, 1875) nur eine Vereinigung des Lassallianismus mit einigen marxistischen Prinzipien war, die man zur wissenschaftlichen Dekoration behielt, stellte die Basis der gesamten europ&#228;ischen sozialistischen Bewegung dar. Der instruktivste Text &#252;ber die Entstehung der Zweiten Internationale ist diese Passage von Engels in seinem Brief an Sorge vom 8. Juni 1889: &#8222;Sonst hat der Kongre&#223; wenig zu bedeuten. Ich gehe nat&#252;rlich nicht hin, ich kann mich dauernd nicht wieder in die Agitation st&#252;rzen. Aber die Leute &lt;i&gt;wollen&lt;/i&gt; nun einmal wieder Kongresse spielen, und da ist es besser, diese werden nicht von Brousse&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paul Brousse (1843-1912) ist zu dieser Zeit der Anf&#252;hrer des franz&#246;sischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und Hyndman dirigiert. Es war grade noch Zeit, ihnen das Handwerk zu legen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;MEW, Bd. 37, S. 232.&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es ist klar, dass die Position von Engels, ein Bef&#252;rworter des Beitritts der aus Gotha entstandenen deutschen Partei zu dieser Internationale des Opportunismus, und zwar nur, um zu verhindern, dass die Possibilisten und die Engl&#228;nder die F&#252;hrung davon &#252;bernehmen, nicht im Geringsten ambivalent ist: Sie ist zutiefst manipulativ und konterrevolution&#228;r. Als ob die Revolution&#228;re sich an einer konterrevolution&#228;ren Institution beteiligen m&#252;ssten, um zu verhindern, dass sie von Konterrevolution&#228;ren angef&#252;hrt wird! Indem er das tat, gab er sich mit gefesselten H&#228;nden dem internationalen Reformismus hin, und von diesem Moment an bleiben alle Kritiken &#8222;privat&#8220; (beispielsweise in Briefen) oder werden von der Bebel-Gruppe zensiert. Doch es kommt noch besser: Neben der Tatsache, dass er seinem bemerkenswerten Satz zur Bewegung des Proletariats 1884 [Ad&#220;: 1885] widersprach (&#8222;Die internationale Bewegung des europ&#228;ischen und amerikanischen Proletariats ist jetzt so erstarkt, da&#223; nicht nur ihre erste enge Form - der geheime Bund -, sondern selbst ihre zweite, unendlich umfassendere Form - die &#246;ffentliche Internationale Arbeiterassoziation - eine Fessel f&#252;r sie geworden und da&#223; das einfache, auf der Einsicht in die Dieselbigkeit der Klassenlage beruhende Gef&#252;hl der Solidarit&#228;t hinreicht, unter den Arbeitern aller L&#228;nder und Zungen eine und dieselbe gro&#223;e Partei des Proletariats zu schaffen und zusammenzuhalten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten&#8220;, MEW Bd. 21, S. 223.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), einem Satz, in dem ein richtiges Verst&#228;ndnis der historischen Partei gegen&#252;ber der formellen Partei unter Beweis gestellt wird, hiess er auch die internationale Sozialdemokratie gut, indem er ihr ideologische Waffen lieferte; der &#8222;Marxismus&#8220; wurde somit zu einer Ideologie mit einer &lt;i&gt;unmittelbaren praktischen Funktion in der kapitalistischen Gesellschaft&lt;/i&gt;. Die Entstehung des Marxismus (siehe Marx: &#8222;Ich bin kein Marxist&#8220;) ist ein Kind der Niederlage des Proletariats und des b&#252;rgerlichen Sieges.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf diese Art und Weise gab Engels w&#228;hrend der in der Sozialdemokratie ausbrechenden Krise den &#8222;Stimmton&#8220; f&#252;r den Ausschluss der linken Fraktionen an. Er wurde nicht nur von den Deutschen benutzt, indem sie ihn zensierten, sondern er half auch den gleichen Leuten, innere Konflikte der Partei im Interesse der fundamental opportunistischen F&#252;hrung zu regeln. Seine Haltung erlaubte es der Zweiten Internationale, alle revolution&#228;ren Elemente auszuschliessen und sie umso monolithischer zu machen. Tats&#228;chlich manifestierte sich von Anfang an eine &lt;i&gt;m&#228;chtige&lt;/i&gt; internationale Bewegung der Kritik der Sozialdemokratie und sie wurde jedes Mal mit dem Segen von Engels ausgeschlossen; ihre Geschichte wurde aus offensichtlichen Gr&#252;nden von allen Historikern der Arbeiterbewegung vernachl&#228;ssigt: in Deutschland die Opposition der &#8222;Jungen&#8220;, welche zwischen 1889 und 1892 in Berlin konzentriert waren, obwohl unf&#228;hig, ihrer Position eine tiefe theoretische Perspektive zu geben, stellte besonders ihr Anti-Parlamentarismus eine gesunde und revolution&#228;re Reaktion dar; in D&#228;nemark die antifrontistische d&#228;nische Linke von Trier, welche ein B&#252;ndnis mit den Parteien der b&#252;rgerlichen, liberalen und b&#228;uerlichen Opposition ablehnte und 1889 aus der d&#228;nischen Partei ausgeschlossen wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In D&#228;nemark wird 1889 die linke oppositionelle Minderheit, die von Gerson (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; in Schweden die um Bergregen versammelte Gruppe, die sich dem Reformismus und dem Parlamentarismus heftig widersetzte, in Verbindung mit den deutschen &#8222;Jungen&#8220; stand und 1891 aus der Partei ausgeschlossen wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine Bewegung zwischen der d&#228;nischen und der holl&#228;ndischen entwickelte sich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die revolution&#228;ren Sozialisten in England rund um William Morris und auch die in den revolution&#228;ren Gewerkschaften organisierten Sozialisten wie Tom Mann; die Holl&#228;nder mit F. D. Nieuwenhuis usw., und es gab, obwohl weniger zahlreich, Gruppen und Individuen mit &#228;hnlichen Positionen in Frankreich, Italien, Spanien, den USA und Japan.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zweite Internationale wurde zum aktiven Zentrum der gesellschaftlichen b&#252;rgerlichen Entwicklung nach einem internationalen Kampf gegen 1) die revolution&#228;ren Elemente, wie jene linken Fraktionen, welche sie kritisierten, 2) und &lt;i&gt;die anarcho-kommunistische Bewegung, die mit &lt;/i&gt;&lt;i&gt;Gewalt von den Kongressen 1891, 1893 und 1894 ausgeschlossen wurde&lt;/i&gt;. Die Zweite Internationale ist nie degeneriert; sie wurde zu einem Zeitpunkt erschaffen, wo es &#252;berhaupt keine revolution&#228;re Perspektive gab, und deshalb beteiligte sie sich &lt;i&gt;von Anfang an&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;total&lt;/i&gt; am politischen System der Bourgeoisie. Einer der grossen Schw&#228;chen der wieder erstehenden kommunistischen Bewegung gegen 1905 (Trotzki, Rosa Luxemburg, Pannekoek usw.) war das Unverst&#228;ndnis des Wesens der Sozialdemokratie. Doch die Gr&#252;nde, weswegen die Zweite Internationale am b&#252;rgerlichen politischen Spiel teilnehmen &lt;i&gt;und es konsolidieren&lt;/i&gt; konnte, sind sehr tief.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;II. Nach der Niederlage der Pariser Kommune und ihren verschiedenen Auswirkungen &#8222;war die Arbeiterklasse geschlagen, die Konterrevolution triumphierte. &lt;i&gt;Die Zweite Internationale entsprach den konterrevolution&#228;ren Bedingungen, der kapitalistischen Entwicklung&lt;/i&gt;&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;La Perspective du communisme.&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Deshalb muss von einer Charakterisierung der Periode ausgegangen werden: &lt;i&gt;die Periode der formellen Herrschaft des Werts&lt;/i&gt;. W&#228;hrend dieser Periode gibt es eine Dichotomie zwischen der Besonderheit der kapitalistischen Produktionsweise: &lt;i&gt;die Lohnarbeit&lt;/i&gt; und die &#196;hnlichkeit des kapitalistischen Produktionsprozesses mit den vorhergehenden: a) der unmittelbare Arbeitsprozess ist, wenn auch nicht vorherrschend, zumindest sehr wichtig und hat den Mann als Grundlage (&#8222;der Arbeiter&#8220; [&#8222;l'ouvrier&#8220;, wortw&#246;rtlich &#8222;der Werker&#8220;]), die Bezeichnung ist vielsagend, vollbringt die &lt;i&gt;Totalit&#228;t&lt;/i&gt; des Produktionsprozesses, oder zumindest ann&#228;hernd, und die notwendige Arbeitszeit entspricht ungef&#228;hr der Mehrarbeitszeit; b) weite Gebiete haben nur eine pr&#228;kapitalistische Produktion, sowohl ausserhalb als auch &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; der kapitalistischen L&#228;nder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In Folge hat der Proletarier im Produktionsprozess einen doppelten Charakter &#8211; sagen wir halb halb &#8211; als Produzent von Gebrauchswert (Arbeiter) und Produzent von Tauschwert (Proletarier). &lt;i&gt;Daraus entsteht eine &#8222;Dichotomie&#8220; innerhalb des Proletariers selbst&lt;/i&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;als potentielle Ware (Ware Arbeitskraft) &#8211; enteignet &#8211; ist er vollst&#228;ndig Proletarier;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;als besondere, im Produktionsprozess operierende Ware (Arbeits- und Verwertungsprozess) ist er &#8222;sowohl Proletarier als auch Arbeiter, aber allen voran Arbeiter.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;N&#233;gation I, 'Le Prol&#233;tariat comme destructeur du travail'.&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat erscheint also zu dieser Zeit als &lt;i&gt;Klasse der Arbeit&lt;/i&gt;, was eben der Entwicklung des Produktionsprozesses entspricht. Die Arbeiterklasse erschafft sich also die Verteidigungsorgane ihrer unmittelbaren Interessen, die Verteidigung des Preises ihrer Arbeitskraft: die Gewerkschaften. Sie treten als die Repr&#228;sentanten des menschlichen Arbeitsprozesses gegen den wissenschaftlichen und mechanisierten Arbeitsprozess, gegen den Verwertungsprozess zutage. Es ist jedoch hier, wo sich das Verh&#228;ltnis zwischen Arbeit und Kapital als invariable Gr&#246;sse zeigt, diese Verteidigung der Interessen der Arbeitskraft innerhalb jenes kapitalistischen Verh&#228;ltnisses der Lohnarbeit, welches zum Triumph des Verwertungsprozesses tendiert. &#8222;Betr&#228;chtliche Lohnerh&#246;hungen zwingen das Kapital tats&#228;chlich immer dazu, sich zu mechanisieren, lang- oder kurzfristig, und immer mehr; das gleiche gilt f&#252;r die Verk&#252;rzung des Arbeitstages; es ist somit der &#220;bergang von einer extensiven zu einer intensiven Ausbeutungsweise, vom absoluten zum relativen Mehrwert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Tat und Wahrheit &lt;i&gt;ist die &#8222;Arbeiterbewegung&#8220; der ad&#228;quate Ausdruck der Wertbewegung selbst&lt;/i&gt;, denn sie tendiert dazu, den Verwertungsprozess im Sinne der reellen Herrschaft des Werts voranzutreiben. Die Arbeiterbewegung ist die wirkliche Lenkerin der Proletarisierungsbewegung. Im Paar Kapital-Arbeit ist es die Arbeit, die aktiv ist und, durch ihre eigenen Forderungen, ihrem mit ihr verbundenen Feind &#8211; dem Kapital &#8211; die Reproduktion erm&#246;glicht. &lt;i&gt;Die Arbeiterbewegung ist der Ausdruck der Bewegung des variablen Kapitals, des Proletariats als &#246;konomische Kategorie des Kapitalismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter diesen Bedingungen fiel die Entwicklung der gewaltigen deutschen (und anderen) sozialdemokratischen Gewerkschaften mit den Interessen der progressiven, industriellen Bourgeoisie zusammen; es war eben eine Notwendigkeit f&#252;r die Entwicklung des Kapitals, zum offensichtlichen Nachteil der reaktion&#228;ren Landbourgeoisie. Die wesentlichen Probleme der Geschichte waren die nationale Einigung und die Planungsorganisation des Kapitals. Die sich intensiv entwickelnden Gewerkschaften wurden schnell von der radikalen Bourgeoisie unterst&#252;tzt: Die Organisation des variablen Kapitals war eine Voraussetzung f&#252;r die Entwicklung der nationalen kapitalistischen Akkumulation. Die Sozialdemokratie war der politische Ausdruck dieses Ph&#228;nomens. Die nationale Planung der Arbeitskraft machte aus den Sozialdemokraten die Makler und die Organisatoren dieser Arbeitskraft und die Verteidiger der National&#246;konomie, der Verstaatlichung der Produktion. Der Mythos der Verstaatlichung der Produktion als Sozialismus war von Engels im &lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt; gut analysiert worden: &#8222;Aber weder die Verwandlung in Aktiengesellschaften noch die in Staatseigentum, hebt die Kapitaleigenschaft der Produktivkr&#228;fte auf. Bei den Aktiengesellschaften liegt dies auf der Hand. Und der moderne Staat ist wieder nur die Organisation, welche sich die b&#252;rgerliche Gesellschaft gibt, um die allgemeinen &#228;u&#223;ern Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise aufrechtzuerhalten gegen &#220;bergriffe, sowohl der Arbeiter wie der einzelnen Kapitalisten. Der moderne Staat, was auch seine Form, ist eine wesentlich kapitalistische Maschine, Staat der Kapitalisten, der ideelle Gesamtkapitalist. Je mehr Produktivkr&#228;fte er in sein Eigentum &#252;bernimmt, desto mehr wird er wirklicher Gesamtkapitalist, desto mehr Staatsb&#252;rger beutet er aus. Die Arbeiter bleiben Lohnarbeiter, Proletarier. Das Kapitalverh&#228;ltnis wird nicht aufgehoben, es wird vielmehr auf die Spitze getrieben.&#8220; &#8222;Das Konzept der Arbeiterklasse war eine Antwort auf die Wirklichkeit der kapitalistischen &#214;konomie; es war eine pazifistische, gradualistische, demokratische und reformistische &#246;konomische Konzeption.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;La Perspective du communisme.&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Arbeiter mussten sich als Konsumenten (deswegen die Genossenschaften) und als Produzenten (deswegen die Gewerkschaften), als W&#228;hler (deswegen die parlamentarischen Gruppen), als Quartierbewohner (deswegen die Gemeindegruppen) und als Teilnehmer am ideologischen und kulturellen Leben (deswegen die Ch&#246;re, die Schulen, die kulturellen Gruppen usw.) organisieren. &lt;i&gt;Die Partei war der all diese Teile verbindende Organismus, die organisatorische und ideologische Koh&#228;sion der Arbeiterbewegung&lt;/i&gt;. Das Proletariat, die revolution&#228;re Klasse war verschwunden, um den kapitalistischen Kategorien Platz zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;III. Das Proletariat/variable Kapital fand also seinen Ausdruck in der sozialdemokratischen Partei. Die gew&#246;hnlichen Erkl&#228;rungen bez&#252;glich des Wesens der Sozialdemokratie, entweder anhand der Existenz der Arbeiteraristokratie, oder dem Wirken einer reformistischen F&#252;hrung, sind besonders unzutreffend. Doch noch weniger real ist die Erkl&#228;rung der Sozialdemokratie als Repr&#228;sentantin der Mittelschichten der Bourgeoisie: Professoren usw. &lt;i&gt;Sie war die Repr&#228;sentantin des Proletariats als variables Kapital, nicht weniger und nicht mehr&lt;/i&gt;. Sie war die Repr&#228;sentantin der modernen Entwicklung des Kapitals: nationale Einigung, &#220;bergang zur reellen Herrschaft, Konzentration der Produktivkr&#228;fte, &#8222;Vergesellschaftung&#8220;, Laizisierung der Schule, Organisation der Arbeitskraft, Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung, progressive Fusion der Wirtschaft und der Politik, Staatsverehrung usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Lassalle und Bismarck, dann Bebel, Liebknecht, Kautsky, Volmar und Bernstein zu tun versuchten, wird 1919 von Ebert, Noske und Scheidemann verwirklicht. Das Wirtschaftsprogramm der Sozialdemokratie wird vom Nationalsozialismus verwirklicht: Die unmittelbaren Forderungen des Proletariats werden gegen dasselbe verwirklicht. Die Sozialdemokratie war die politische Bewegung der Tendenz des Proletariats, gesellschaftlich vorherrschende Klasse zu werden (innerhalb des Kapitalismus, da Klasse und Proletariat/Arbeiterbewegung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Analyse der sozialdemokratischen Praxis ist nicht das Ziel dieses Textes, diese w&#228;re sehr langwierig und w&#252;rde eine vertiefte Studie erfordern, die &#252;brigens nie unternommen worden ist; doch wir k&#246;nnen auf der Ebene der allt&#228;glichen Existenz der deutschen Gesellschaft gewisse Z&#252;ge skizzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sozialdemokratie stellte die unglaublichste Einbettungs- und Disziplinierungskraft der Arbeiterklasse dar, im Austausch gegen ein Feilschen um den Preis der Arbeitskraft; ihre Kontrolle &#252;ber die Gewerkschaften war absolut. &#8222;Die personelle Vereinigung, wovon wir weiter oben sprachen, ist umso mehr garantiert, als dass es vereinbart ist, dass die Gewerkschaften nur permanente Sekret&#228;re, und gewissermassen Funktion&#228;re w&#228;hlen, welche Mitglieder der Partei sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Encyclop&#233;die socialiste syndicale et coop&#233;rative de l'Internationale (&#8230;)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Sie war eine wahrhaftige Gesellschaft in der Gesellschaft, ein Staat im Staate mit ihren Gewerkschaften, Funktion&#228;ren, Abgeordneten, Frauenb&#252;nden, Jugendorganisationen, Journalisten und ihrer Presse (zu der bis zu 89 &lt;i&gt;Tageszeitungen&lt;/i&gt; gez&#228;hlt werden k&#246;nnen!), Parteischule, einer wahrhaftigen Universit&#228;t, ihren Gemeindeabgeordneten, Kultur-, Turn- oder Musikgesellschaften, Sanatorien, ihrem Geld, ihren Aktien usw. Ihre Organisation diente daher als Grundlage f&#252;r den deutschen Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg. Diese enorme Maschine sonderte selbstverst&#228;ndlich eine Masse an Berufst&#228;tigen, Gewerkschaftsbonzen und politischen Funktion&#228;ren, Journalisten und &#214;konomen ab, die sehr schnell zu einer wirklichen gesellschaftlichen Schicht mit ihren materiellen Interessen, ihrer Mentalit&#228;t, ihrem Gewicht in der politischen Waage wurden. Diese Fraktion des Kleinb&#252;rgertums, welche wortw&#246;rtlich durch die Entwicklung der Sozialdemokratie &lt;i&gt;erschaffen&lt;/i&gt; wurde, wurde durch den Einschluss eines betr&#228;chtlichen Teils des deutschen Klein- und Mittelb&#252;rgertums gest&#228;rkt; alle &#8222;treibenden Kr&#228;fte&#8220; der deutschen Gesellschaft schlossen sich der Organisation an: Professoren, Intellektuelle, Akademiker, Doktoren, Schriftsteller, Juristen, &#214;konomen usw. Und selbstverst&#228;ndlich wurde das B&#252;ndnis dieser verschiedenen Elemente sehr schnell zur Grundlage der F&#252;hrung der Partei selbst. Das B&#252;ndnis zwischen der Arbeiterklasse (durch die Vermittlung der &#8222;Arbeiteraristokratie&#8220; und ihren verschiedenen gewerkschaftlichen und politischen Repr&#228;sentanten) und der sozialdemokratischen Intelligenzija &lt;i&gt;kam im Sinne einer absoluten Unterordnung des deutschen Proletariats unter das Mittelb&#252;rgertum der Partei, unter ihre Anf&#252;hrer zu Stande&lt;/i&gt;. Der Burgfrieden von 1914 war darin schon vorgezeichnet. Und die Wurzeln der marxistischen (d.h. kautskystischen, dann leninistischen) Ideologie waren darin getr&#228;nkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;IV. Die &#8222;marxistische&#8220; Theorie, die allen voran von Engels, und dann Bernstein und Kautsky ausgearbeitet und formuliert wurde, geht von dieser historischen Grundlage aus. Wir wiederholen hier die allseits bekannte Analyse dieser ideologischen Wende nicht, die von Karl Korsch ausf&#252;hrlich analysiert wurde und wozu sich auch Jean Barrot [Gilles Dauv&#233;] und Pierre Guillaume in ihren Nachworten zu &lt;i&gt;Trois sources du marxisme&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Die historische Leistung von Karl Marx&lt;/i&gt;] in den Cahiers Spartacus &#228;usserten, sondern wir wollen nur die Basis dieser ideologischen Wende verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das B&#252;ndnis/Herrschaftsverh&#228;ltnis zwischen den Arbeitern und den Intellektuellen innerhalb der Partei musste zwangsl&#228;ufig zur daraufhin in &lt;i&gt;Was tun?&lt;/i&gt; von Lenin entwickelten Theorie f&#252;hren. Kautsky schrieb: &#8222;Das moderne sozialistische Bewu&#223;tsein kann nur erstehen auf Grund tiefer wissenschaftlicher Einsicht. [&#8230;] Der Tr&#228;ger der Wissenschaft ist aber nicht das Proletariat, sondern die &lt;i&gt;b&#252;rgerliche Intelligenz&lt;/i&gt; [&#8230;] Das sozialistische Bewu&#223;tsein ist also etwas in den Klassenkampf des Proletariats von au&#223;en Hineingetragenes, nicht etwas aus ihm urw&#252;chsig Entstandenes.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Kautsky, zitiert gem&#228;ss Lenin, Was tun?&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Diese These ist freilich die Negation der Marxschen Hauptthese: &#8222;Es ist nicht das Bewu&#223;tsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewu&#223;tsein bestimmt.&#8220; Von da an war und wurde alles m&#246;glich. Die Trennung zwischen Sein und Bewusstsein auf der Ebene der Theorie reflektierte die Trennung zwischen konterrevolution&#228;rer Praxis und revolution&#228;rer Theorie. Die von Marx formulierte Theorie des Proletariats wurde zur &#8222;marxistischen&#8220; Theorie. Die Kritik der politischen &#214;konomie, der Bedingungen, die das Proletariat unweigerlich dazu bringen, sie zu zerst&#246;ren, wurde zur Wissenschaft der &#214;konomie und ihrer Gesetze. Die Dialektik wurde zu einer Technik der formellen Logik. Die Kategorien des Denkens wurden autonom. Der historische Materialismus wurde zu einer Methode f&#252;r die Wissenschaften (zu einem Moment des b&#252;rgerlichen Denkens). Die Theorie verwandelte sich in Soziologie, &#214;konomie, Rechtswissenschaft, Rezeptbuch f&#252;r die politische Aktion usw. Sie wurden zu einer Wissenschaft unter anderen, zur h&#246;chsten Wissenschaft, zur Wissenschaft der Synthese. Denn eine Sache ging in all dem vergessen: &lt;i&gt;Die von Marx ausgearbeitete Theorie war eine Theorie des Proletariats, eine Theorie der Bewegung der praktischen Subversion der Gesellschaft&lt;/i&gt;, und nicht eine Wissenschaft, der Begriff &#8222;wissenschaftlicher&#8220; Sozialismus war nur eine Antwort auf den &#8222;utopischen&#8220; Sozialismus. Diese &#8222;Ideologisierung&#8220; der Theorie musste zwangsl&#228;ufig mit der Trennung des Proletariats von seiner Theorie einhergehen; sie wurde zur Theorie der Trennung, zur theoretischen Grundlage der gesellschaftlichen Trennung. Sie tendierte dazu, die gesellschaftliche Trennung als ewig zu theoretisieren, und somit, sich in eine Theorie der gesellschaftlichen Bewegung als ewige Bewegung zu verwandeln, zur Theorie der kapitalistischen Dynamik des Werts, und &lt;i&gt;v.a. dazu, das Endziel in der Versenkung verschwinden zu lassen: den Kommunismus&lt;/i&gt; (siehe Bernstein: &#8222;Die Bewegung ist alles&#8220;). Die Trennung zwischen der &#214;konomie und dem Sozialismus wurde als historische Wahrheit beansprucht, w&#228;hrend der &#214;konomismus w&#252;tete. Dieses Verschwinden des &#8222;Endziels&#8220; in der Versenkung ging mit einer Unkenntnis grundlegender Marxscher Schriften (die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;) oder ihrer Bewertung als relativ nebens&#228;chlich (Jugendschriften) einher, was die Str&#246;mung der Ablehnung der unmittelbaren Bewegung selbst w&#228;hrend punktuellen Momenten des Bruchs nur st&#228;rkte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sozialdemokratie war das konterrevolution&#228;rste Organ dieser Zeit: Da sie intern die kapitalistische Gesellschaft neu erschuf, konnte sie diese nur verewigen. Der Marxismus war die Musik dieser Symphonie und wurde deshalb von allen &#8222;Revolution&#228;ren&#8220; der Zeit kritisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;C. Anarchismus und kommunistische Bewegung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;I. Um die qualitative Bedeutung der anarchistischen Bewegung zwischen 1875 und 1905 zu verstehen, m&#252;ssen wir von zwei durch die Niederlage des revolution&#228;ren Angriffs ausgel&#246;sten ideologischen Wenden ausgehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allen voran verwandelte sich die &#8222;Partei Marx&#8220; nach dem Tod von Marx bekannterweise in die marxistische Partei, doch der Prozess begann schon als er noch lebte; die letzte revolution&#228;re Intervention, die &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt;, blieb &lt;i&gt;privat&lt;/i&gt;, Marx und Engels begannen, gegen&#252;ber den Sozialdemokraten &lt;i&gt;&#246;ffentlich&lt;/i&gt; nachzugeben, obwohl Marx in etlichen Briefen die Marxisten hart kritisiert, bleibt das sorgf&#228;ltig kaschiert. In Tat und Wahrheit bevorzugt er es, sich mehr oder weniger abseits all dieser Agitation zu halten und unerm&#252;dlich seine 1871 unterbrochene Kritik der politischen &#214;konomie weiterzuf&#252;hren, worin er so weit geht &#8211; ein Zeichen, dass er sich auf der H&#246;he der Zeit und der kommenden Revolutionen platzierte &#8211; sich dem Studium der russischen Wirtschaft und Gesellschaft zu widmen. In dieser T&#228;tigkeit repr&#228;sentierte er die revolution&#228;re Bewegung inmitten eines konterrevolution&#228;ren Zyklus, und nicht in seiner &#246;ffentlichen T&#228;tigkeit, so mager sie auch gewesen sein mag (was sie willentlich war), innerhalb der Sozialdemokratie, eine T&#228;tigkeit, welche ihn hin zu ambivalenten Positionen abgleiten liess, statt mit all diesen Leuten zu brechen. Nach seinem Tod diente Engels, wie wir gesehen haben, dem internationalen, d.h. sozialdemokratischen Marxismus als Feigenblatt &lt;i&gt;und all seine politische T&#228;tigkeit war in ihrer Gesamtheit konterrevolution&#228;r&lt;/i&gt;, obwohl er weiterhin die Arbeit der ehemaligen Partei Marx theoretisierte und der zuk&#252;nftigen Bewegung einen wichtigen Beitrag lieferte (&lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Dialektik der Natur&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Ursprung der Familie&lt;/i&gt; usw.), wobei er der Radikalit&#228;t der revolution&#228;ren Kritik in einigen Punkten in seinen Werken eine gewisse W&#252;rze nahm. Die Wende ist vollbracht: Die von der &#8222;Partei Marx&#8220; formulierte Theorie, welche der Ausdruck der revolution&#228;ren T&#228;tigkeit des Proletariats bis 1874 und der kommunistischen Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer Verwirklichung war, ist zu einem ideologischen System mit wissenschaftlichen Anspr&#252;chen geworden, das mehrere Sektionen enth&#228;lt: &#214;konomie, Soziologie, Geschichte, Politik usw. Die Kategorie der Totalit&#228;t wird zu ihrem Gegenteil: anstatt Subversion der Gesellschaft wird sie zur Gesellschaft selbst. Die Annahme dieses ideologischen Systems durch die konterrevolution&#228;re Arbeiterbewegung verl&#228;uft &#252;brigens nicht ohne die Beseitigung oder Entstellung gewisser Aspekte. Die Transformation der von Marx formulierten Theorie und der Organisationen, welche sie beanspruchen, &lt;i&gt;in organisatorische und ideologische Verl&#228;ngerungen&lt;/i&gt; des Systems geht mit dem Vergessen des Wesens des Kommunismus und der kommunistischen Revolution einher. Die Franzosen (Jules Guesde und seine Freunde) gehen sogar so weit, zum &lt;i&gt;Kollektivismus&lt;/i&gt; zur&#252;ckzukehren: Der Kreis ist geschlossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die anti-autorit&#228;re Partei hat sich &#252;brigens auch ver&#228;ndert. Zuvor Sekte innerhalb der Ersten Internationale und bis etwa 1875 &#8211; was einerseits einer gewissen Unvollst&#228;ndigkeit des Verst&#228;ndnisses der wirklichen Bewegung und des Wesens der proletarischen Revolution, andererseits der &lt;i&gt;unmittelbaren&lt;/i&gt; Kritik der Politik durch die Arbeiterklasse entsprach &#8211; wurde sie mit dem Ankommen der vielen ihr beitretenden Kommunarden nach der Niederlage zum Refugium von Arbeitergruppen, die sich hier und dort gegen die Repression zur Wehr setzen, von einigen Revolution&#228;ren, die sich der Niederlage verweigern. Alles in allem ist die anti-autorit&#228;re Partei die Fahne, rund um welche sich die &#220;berlebenden verb&#252;nden. Doch es kommt zu einem viel tieferen Ph&#228;nomen; in unterschiedlichem Ausmass, je nach Ort mehr oder weniger schnell, verj&#252;ngt neues Blut die Bewegung: Viele Revolution&#228;re, man k&#246;nnte gar sagen &lt;i&gt;fast alle Revolution&#228;re&lt;/i&gt;, wurden Teil davon, entweder um Anarchisten zu werden oder mit ihnen zu arbeiten. Ein grosses zentrales Thema vereinigt sie alle: &lt;i&gt;die Verweigerung der Sozialdemokratie, der offiziellen sozialistischen, etatistischen, parlamentarischen Bewegung&lt;/i&gt; usw., und somit des &#8222;Marxismus&#8220;. Seien es Pindy&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Louis Pindy (oder Pendy) (1840-1917) war ein Schreiner, der 1867 der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder Lefran&#231;ais&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gustave Lefran&#231;ais (1825-1901) ist sicher einer der bemerkenswertesten und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche die radikalste Fraktion der Kommune repr&#228;sentieren, William Morris 1884 oder Nieuwenhuis 1893, es handelt sich um eine zeitlich und r&#228;umlich vielf&#228;ltige Bewegung. In Deutschland und in Schweden entsteht die anarchistische Bewegung auf der Grundlage einer Spaltung innerhalb der Sozialdemokratie. Ob die einen, wie Pindy oder Nieuwenhuis, Anarchisten werden; die anderen, wie Morris oder Lefran&#231;ais, nicht, &#228;ndert nichts am Problem. Es handelt sich hier um eine unumkehrbare Bewegung. Und w&#228;hrend die Marxisten aus &#8222;Realismus&#8220; zu &lt;i&gt;Kollektivisten&lt;/i&gt; werden, werden die Anti-Autorit&#228;ren zu &lt;i&gt;Kommunisten&lt;/i&gt;; ein Ph&#228;nomen, das ungef&#228;hr mit dem Tod Bakunins einsetzt, was nicht ohne Bedeutung ist &#8211; die bakuninistische (kollektivistische) anarchistische Bewegung war mit der Ersten Internationale, der Kommune und ihren Folgen verbunden; es geht hier also nicht um den Versuch, diese Epoche der anti-autorit&#228;ren Bewegung zu erfassen, eine &#252;brigens sehr interessante Epoche, die jedoch nicht das Thema dieser Arbeit ist. Folgendes sollte hingegen gesagt sein, es ist sehr wichtig, um diese &lt;i&gt;globale Epoche&lt;/i&gt; der Arbeiterbewegung (in ihrer Gesamtheit) zu verstehen und es bleibt h&#228;ufig im Dunkeln: Genau wie sich die Sozialdemokratie in der &lt;i&gt;ideologischen&lt;/i&gt; Kontinuit&#228;t der von Marx und Engels formulierten Theorie des Proletariats organisiert hat, gr&#252;ndete der kommunistische Anarchismus auf der von Bakunin zwischen 1866 und 1873 formulierten Kritik des Staates. Auf beiden Seiten handelt es sich um einen Wechsel der Perspektive, doch in unterschiedliche Richtungen: R&#252;ckschritt auf einer Seite, &#220;berwindung auf der anderen (die Theorie von Bakunin wird als Grundlage f&#252;r eine zur Radikalit&#228;t tendierenden Kritik benutzt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;II. In Tat und Wahrheit findet man alle grundlegenden Diskussionen der kommunistischen Bewegung und Theorie, &lt;i&gt;geschminkt mit einem anarchistischen Vokabular und Apparat&lt;/i&gt;, in der anti-autorit&#228;ren Bewegung zwischen 1875 und 1905 wieder. Der Anarchismus ist w&#228;hrend dieser konterrevolution&#228;ren Periode das Refugium der &#8222;kommunistischen&#8220; Leute und Ideen. Dieses Ph&#228;nomen einer proletarischen und revolution&#228;ren Sekte, die das Wesentlichste des &lt;i&gt;verknoteten&lt;/i&gt; Erbes des kommunistischen Projekts bewahrt, um es den k&#252;nftigen Generationen, &lt;i&gt;wenn auch auf eine partielle und mystifizierte Art und Weise&lt;/i&gt;, zu &#252;bermitteln, steht &#252;brigens in einem direkten Zusammenhang mit der Verweigerung einer &lt;i&gt;formellen&lt;/i&gt; Organisation. Es ist eben genau die Verweigerung einer Organisation als politische Partei, die es den Anarchisten erlaubte, &lt;i&gt;dem Laufe der Zeit&lt;/i&gt; zwischen zwei revolution&#228;ren Angriffen zu widerstehen, da jeglicher Aufbau einer formellen Organisation oder Gruppierung w&#228;hrend einer konterrevolution&#228;ren Periode nur diese Periode organisch best&#228;tigen und entwickeln kann. W&#228;hrend dem Ersten Weltkrieg bilden sich die kommunistischen Gruppen oder Kerne auf der Grundlage der Kritik &lt;i&gt;der Zweiten Internationale, nicht nur als theoretisches Korpus, sondern auch als Institution des Kapitals&lt;/i&gt;, und des Bruches damit, und die Anarchisten konnten in umgekehrtem Verh&#228;ltnis zu ihrem Grad der Organisation die revolution&#228;re Theorie w&#228;hrend der Periode, die uns interessiert, mehr oder weniger bekr&#228;ftigen. Der Platz fehlt hier f&#252;r eine geschichtliche Abhandlung oder eine vertieftes Studium dieses Ph&#228;nomens, doch wir k&#246;nnen dessen Manifestation aufgrund eines unserer Meinung nach grundlegenden Beispiels veranschaulichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;III. Die erste Diskussion betrifft den Gegensatz &#8222;kollektivistische Anarchisten&#8220; und &#8222;kommunistische Anarchisten&#8220; und den &#220;bergang von einer Konzeption zur anderen. Es ist &#252;beraus klar, dass sich diese Diskussion und alles, was sie begleitet (Problem des &#220;berflusses, des Nehmens von einem Haufen, der Berechnung der Arbeitszeit usw.), mit der &lt;i&gt;wesentlichen&lt;/i&gt;, von Marx formulierten Problematik deckt (v.a. die &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; und die &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt;), &lt;i&gt;die von allen Marxisten aufgegeben worden war&lt;/i&gt; (erst mit Pannekoek und den holl&#228;ndischen Tribunisten und Bordiga wird die Frage des &lt;i&gt;Wesens&lt;/i&gt; der kommunistischen Produktion wieder gestellt). Diese Problematik wurde offenkundig auf diese absolute Art und Weise beiseite gelegt, weil die historische Wirklichkeit nicht die kommunistische Revolution, sondern die Entwicklung des Kapitals trug; die Arbeiterbewegung, eben bestehend aus Arbeiter der Kapitalbewegung, konnte sich nicht theoretisch mit einem Problem auseinandersetzen, das sie nicht einmal versuchen konnte, zu l&#246;sen; nur einige Individuen und Gruppen, welche trotz der Zeit die Perspektive des Kommunismus behielten, konnten sich mit dem Problem auf kaum bewusste Art und Weise auseinandersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden die Entwicklung dieser Diskussion schlicht und einfach durch eine Montage von Texten zeigen, welche wir mit einem &#8222;Marxschen&#8220; Text vergleichen (jedoch ohne diese Diskussion historisch aufzuarbeiten, eine Studie, die mehr als einige Seiten verdienen w&#252;rde und der wir uns als n&#228;chstes widmen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der erste Text, welcher den anarchistischen Kommunismus erw&#228;hnt, erscheint im Februar 1876 in Genf in der Brosch&#252;re &lt;i&gt;Travailleurs manuels partisans de l'action politique&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Handarbeiter als Anh&#228;nger der politischen Aktion&lt;/i&gt;] und stammt von Dumartheray, Teil einer Gruppe von Fl&#252;chtlingen aus Lyon und den Savoyen, &#8222;L'Avenir&#8220; [&#8222;Die Zukunft&#8220;].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich ist bis dahin der von Bakunin und v.a. James Guillaume verteidigte Kollektivismus das unangefochtene Prinzip.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Internationale, wie sie aus ihrem Basler Kongre&#223; 1869 hervorging, war kollektivistisch, aber sie war &#8211; auch in ihren fortschrittlichsten Sektionen &#8211; nur wenig anarchistisch. Sie war &lt;i&gt;kollektivistisch&lt;/i&gt; im damaligen Sinne des Wortes, was bedeutete, da&#223; der Boden, die Arbeitswerkzeuge, kurz, alle Produktionsmittel Kollektiveigentum sein w&#252;rden und da&#223; jeder Arbeiter, ob allein oder assoziiert, ein Recht auf das vollst&#228;ndige Produkt seiner Arbeit haben w&#252;rde. Doch hatte sie keine klaren und bestimmten Vorstellungen &#252;ber die Art und Weise, wie jedem Individuum oder jeder Assoziation der jeweilige Bodenanteil, die Rohstoffe und die Werkzeuge zugewiesen werden sollten, wie die Arbeit eines jeden gemessen und wie ein Wertma&#223;stab f&#252;r den Tausch festgesetzt werden sollte. All dies sollte von der &#8222;Kollektivit&#228;t' besorgt werden, und man achtete nicht allzusehr auf die Gefahr, da&#223; diese &#8222;Kollektivit&#228;t' in Wirklichkeit dann nichts anderes als eine Regierung sein k&#246;nnte, das hei&#223;t einige Personen, die die Macht ergriffen und den anderen ihren Willen aufgezwungen h&#228;tten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Errico Malatesta, &#8222;Kollektivistische Internationale und anarchistischer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;DAS EIGENTUM: Wir haben bereits gesagt, da&#223; das individuelle Eigentum aufgehoben wird, besser noch, da&#223; seine Aufhebung und die Beseitigung s&#228;mtlicher sich vorgeblich aus ihm ergebender Rechte (Erbschaft usw.) notwendige Voraussetzung f&#252;r den Sieg der Solidarit&#228;t in den menschlichen Beziehungen darstellt. Wir m&#246;chten jetzt einige Worte zu dem organisatorischen System sagen, das an die Stelle des Systems des Privateigentums treten wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Internationale war lange Zeit &lt;i&gt;kollektivistisch&lt;/i&gt;, das hei&#223;t sie wollte, da&#223; der Boden, Rohstoffe, Arbeitswerkzeuge, kurz, alles, was der Mensch f&#252;r seine &#8211; produktive &#8211; T&#228;tigkeit braucht, Kollektiveigentum w&#252;rde, dessen ein jeder sich f&#252;r seine Arbeit bedienen d&#252;rfe; sie wollte, da&#223; das Produkt der Arbeit voll und ganz dem Arbeiter geh&#246;re, sei dieser nun allein oder assoziiert, mit Ausnahme des proportionellen Anteils f&#252;r die allgemeinen Ausgaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus folgten die Formeln: &lt;i&gt;einem jeden nach seiner Arbeit&lt;/i&gt;, oder, was das gleiche ist: &lt;i&gt;dem Arbeiter das vollst&#228;ndige Produkt seiner Arbeit &#8211; wer arbeitet, i&#223;t, wer nicht arbeitet, i&#223;t nicht&lt;/i&gt; - es sei denn, es best&#252;nde Arbeitsunf&#228;higkeit: in diesem Fall h&#228;tte der Arbeitsunf&#228;hige das Recht, von der Gesellschaft die zur Befriedigung seiner Bed&#252;rfnisse erforderlichen Mittel zu erhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ist der Kollektivismus Gegenstand zahlreicher, schwerwiegender Einw&#228;nde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In &#246;konomischer Hinsicht beruht er voll und ganz auf dem Prinzip, da&#223; sich der Wert des Produkts nach der zu seiner Herstellung erforderlichen Arbeitszeit bemi&#223;t. Nun ist es aber unm&#246;glich, den so definierten Wert festzusetzen, wenn man nicht nur die Dauer oder andere der Arbeit &#228;u&#223;erliche Elemente ber&#252;cksichtigen will, sondern auch die gesamte mechanische und intellektuelle Anstrengung, die diese erfordert. Da au&#223;erdem die verschiedenen Bodenanteile mehr oder weniger produktiv und die Arbeitswerkzeuge nicht alle von der gleichen Qualit&#228;t sind, w&#252;rde jeder versuchen, den besten Boden oder die besten Werkzeuge zu erhalten, ebenso wie er versuchen w&#252;rde, den eigenen Produkten den gr&#246;&#223;ten Wert und den Produkten der anderen den kleinstm&#246;glichen Wert zuzumessen, so da&#223; die Verteilung der Werkzeuge und der Austausch der Produkte schlie&#223;lich nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage erfolgen w&#252;rden, was einen R&#252;ckfall in die Konkurrenz, in die b&#252;rgerliche Welt bedeuten w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor allem jedoch ist der Kollektivismus mangelhaft in Bezug auf seine sittliche Grundlage. Er gr&#252;ndet sich, genau wie die b&#252;rgerliche Ideologie, auf das Prinzip des Kampfes, nur versucht er, zwischen den K&#228;mpfern von Beginn an Gleichheit herzustellen. L&#228;&#223;t man das Prinzip des Kampfes gelten, dann gibt es zwangsl&#228;ufig Sieger und Besiegte, und wer den ersten Sieg davontr&#228;gt, erwirbt sich Vorteile, die ihm fast immer noch gr&#246;&#223;ere Siege sichern. Der Kollektivismus ist unf&#228;hig, jene Revolution, jene tiefgreifende sittliche Ver&#228;nderung des Menschen herbeizuf&#252;hren, in deren Folge niemand mehr etwas tun wird und tun wollen wird, das anderen schaden k&#246;nnte: deshalb ist er unf&#228;hig, sich zu halten. Er ist unvereinbar mit der &lt;i&gt;Anarchie&lt;/i&gt;; er bed&#252;rfte einer regulierenden und m&#228;&#223;igenden Macht, die jedoch unterdr&#252;ckerisch und ausbeuterisch werden und den Weg zuerst zum korporativen und dann zum individuellen Eigentum bereiten w&#252;rde.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Errico Malatesta, &#8222;Programm und Organisation der internationalen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In Italien waren wir nur einige wenige (Cafiero, Covelli, Costa, ich selbst und ein oder zwei andere, an die ich mich nicht mehr erinnern kann), welche zum Entschluss kamen, den Kollektivismus aufzugeben, der bis anhin in der Internationale propagiert wurde, und die Delegierten am Kongress von Florenz (1876) dazu zu bringen, den Kommunismus zu akzeptieren, was somit f&#252;r die gesamte italienische F&#246;deration der Internationale galt...&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Errico Malatesta, &#8222;Wille&#8220;, nachgedruckt im R&#233;veil, Genf, M&#228;rz 1914.&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Eine wichtige Thatsache ist der Beitritt des italienischen Sozialismus zur Gemeinschaftlichkeit des Arbeitsertrages...&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paul Brousse, Arbeiter-Zeitung, Bern, 28. Oktober 1876, S. 4.&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die italienische F&#246;deration betrachtet das kollektive Eigentum der Produkte der Arbeit als notwendige Erg&#228;nzung zum kollektiven Fortschritt; der Einsatz aller zur Befriedigung eines jeden ist die einzige Regel der Produktion und des Konsums, welche dem Prinzip der Solidarit&#228;t entspricht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der f&#246;derale Kongress von Florenz hat auf redegewandte Art und Weise die Meinung der Italienischen Internationale zu diesem und dem vorhergehenden Punkt aufgezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gruss und Solidarit&#228;t,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die f&#246;deralen italienischen Abgeordneten am Kongress von Florenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Errico Malatesta, Carlo Cafiero.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bulletin jurassien, Dezember 1876.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In Italien haben wir uns viel mit diesen Fragen besch&#228;ftigt. Einig mit den Internationalisten aller L&#228;nder hinsichtlich des Prinzips, da&#223; alle Arbeiter sein m&#252;&#223;ten, da&#223; niemand die M&#246;glichkeit haben d&#252;rfte, durch die Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung der anderen zu leben und da&#223; Br&#252;derlichkeit und Solidarit&#228;t unter allen Menschen an die Stelle von Kampf und Konkurrenz f&#252;r einen Wohlstand auf Kosten anderer treten m&#252;ssen, waren wir allerdings der Auffassung, da&#223; im Kollektivismus weiterhin ein Grund zum Kampf um die Zuteilung der vorteilhaftesten Produktionsmittel und um den Wert, den ein jeder seinen eigenen Produkten im Vergleich zu den anderen w&#252;rde geben wollen, vorhanden war.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Errico Malatesta, &#8222;Kollektivistische Internationale und anarchistischer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im April oder Mai 1877 erscheint in Bern in der Schweiz eine Brosch&#252;re, &lt;i&gt;Statuten der anarchistisch-kommunistischen Partei der Leute deutscher Sprache&lt;/i&gt;, welche unter den Einfluss von Brousse, Costa und Kropotkin von deutschen Arbeitern geschrieben wurde, welche der Gruppe mit Emil Werner, Rinke und Reinsdorf angeh&#246;rten, jene Leute, welche sp&#228;ter die Gruppe rund um &lt;i&gt;Freiheit&lt;/i&gt; von Johann Most bildeten. Im September 1877 am Kongress von Verviers der Internationale entsteht eine grosse Debatte zwischen Costa und Brousse einerseits, die den Kommunismus unterst&#252;tzten, gegen die Spanier Morago und Vinas andererseits, die den Kollektivismus verteidigten. Doch ab 1879 wird der Kommunismus &#8211; ausser von den Spaniern der F&#246;deration der Arbeiter, die Vorg&#228;ngerorganisation der zuk&#252;nftigen CNT und einigen Ausnahmen wie die Anarchosyndikalisten &lt;i&gt;avant la lettre&lt;/i&gt; James Guillaume und Adh&#233;mar Schwitzgu&#233;bel, die den Bakuninschen Kollektivismus der alten Jurassischen F&#246;deration repr&#228;sentieren &#8211; von der gesamten revolution&#228;ren anarchistischen Bewegung ins Programm aufgenommen (wir sprechen nat&#252;rlich nicht von den Individualisten, den Proudhonianern, Mutualisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Anarchisten wollen f&#252;r die Zukunft:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) den &lt;i&gt;anarchistischen Kommunismus&lt;/i&gt; als Ziel, mit dem &lt;i&gt;Kollektivismus&lt;/i&gt; als &#220;bergangsform des Eigentums...&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;'Allgemeine Sitzung der Jurassischen F&#246;deration am 12. Oktober in La (&#8230;)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;An den ersten Kongressen der Internationale des franz&#246;sischen Proletariats gab es nur einige Arbeiter, welche die Idee des kollektiven Eigentums &lt;i&gt;akzeptierten&lt;/i&gt;. Es brauchte die Beleuchtung der ganzen Welt durch die Br&#228;nde der Kommune, um die revolution&#228;re Idee zu pr&#252;fen und zu verbreiten, was uns zum Kongress von Le Havre f&#252;hrt, der durch die Stimme von 48 franz&#246;sischen Arbeitern den &lt;i&gt;libert&#228;ren Kommunismus&lt;/i&gt; als Ziel anerkennt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Cafiero, Le R&#233;volt&#233;, Genf, Dezember 1880.&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;JEDEM NACH SEINEN BED&#220;RFNISSEN, JEDEM NACH SEINEN F&#196;HIGKEITEN:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;...Wir f&#252;gen an, dass das Eingest&#228;ndnis, dass jeder nur das Recht auf den Konsum seiner Produktion hat, die Erschaffung der deutlichsten Ungleichheit darstellt, es bedeutet, gegen die nat&#252;rlichen Gesetze in den Aufstand zu treten, die einzigen, welche unver&#228;nderlich sind. Kurz, es bedeutet die Rekonstitution dieses individuellen Eigentums in k&#252;rzester Zeit, jenes individuellen Eigentums, gegen welches wir uns heute erheben und welches die Ursache all unserer &#220;bel und all unseres Elends ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir jedem Arbeiter das Recht anerkennen, die Frucht seiner Produktion sein eigen zu nennen, wird wohl tats&#228;chlich einger&#228;umt werden m&#252;ssen, dass er frei sein wird, sie zu konsumieren oder nicht, oder zumindest davon nur so viel zu konsumieren, wie er m&#246;chte, um den Mehrertrag zu sparen und eines Tages von den Aufw&#228;nden der Produktion befreit zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Mitglieder der Gesellschaft frei sind, das Produkt zu konsumieren oder nicht, wie werdet ihr dieses jeder gut organisierten Gesellschaft notwendige Gleichgewicht erstellen, d.h. das Gleichgewicht zwischen der Produktion und dem Konsum...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gehen wir von zwei zusammenlebenden Wesen aus, jedoch unter gegenteiligen nat&#252;rlichen Bedingungen; der eine ist zur Produktion unf&#228;hig mit einem Temperament, das einen ausgiebigen Konsum braucht; der andere hingegen ist voller Intelligenz, doch hat ein Wesen, das sich mit guten Lebensmitteln zur Garantie seiner Existenz begn&#252;gen kann; diese zwei Wesen sind gleich, die Gesellschaft folgt ihnen, gibt ihnen alles, was sie brauchen bis ins Mannesalter, doch ab diesem Alter sind sie auf sich allein gestellt. Was wird geschehen? Der eine wird nicht einmal genug produzieren k&#246;nnen, um satt zu werden, w&#228;hrend der andere nie wenig genug arbeiten k&#246;nnen wird, um nur das zu produzieren, was er braucht... Wenn der Zweite nicht sein gesamtes Produkt konsumieren kann, warum nicht eingestehen, dass der Erste davon profitieren kann?&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;La R&#233;volution sociale, August 1881.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sieht in diesen paar Ausz&#252;gen sehr klar, wie die kommunistische Produktion durch ihre grundlegenden Prinzipien eingegrenzt ist:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die gesellschaftliche Produktion ist unmittelbar,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der Tausch ist abgeschafft,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Arbeitszeit ist nicht mehr der Massstab der menschlichen T&#228;tigkeit und somit ist der Wert abgeschafft,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Produktion orientiert sich an der Befriedigung der menschlichen Bed&#252;rfnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und das kommunistische Programm des 19. Jahrhunderts, unter der formellen Herrschaft, ist klar skizziert: &lt;i&gt;Die Arbeit wird auf alle ausgeweitet, da ihre Abschaffung damals nicht m&#246;glich war&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch schon sehr schnell entstehen Probleme, die Anh&#228;nger des Kollektivismus machen den Einwand geltend, dass es den &#220;berfluss auf der Erde brauche, um dieses Ideal zu verwirklichen, und dass dieser nicht existiere. Zu diesem Zeitpunkt entwickelt sich eine simplistische und dogmatische kommunistisch-anarchistische Str&#246;mung, die behauptet, die Verwirklichung des Kommunismus sei in Anbetracht des in der kapitalistischen Gesellschaft bereits vorherrschenden &#220;berflusses unmittelbar ohne &#220;bergangsphase m&#246;glich. Diese &#8222;amorphe&#8220; Str&#246;mung begn&#252;gt sich danach mit der Beschreibung eines subutopischen Systems der idealen Gesellschaft, ohne sich mit der wirklichen Bewegung zu befassen, die dorthin f&#252;hrt, und dies sogar w&#228;hrend die b&#252;rgerliche Gesellschaft zerst&#246;rt wird. Auf diese Ideologie des &#8222;Nehmens von einem Haufen&#8220; antwortet Malatesta mit einer Pr&#228;zisierung des Inhalts des Kommunismus, indem er ihn als zu erreichendes Ziel und sich entwickelnde menschliche Bewegung pr&#228;sentiert, er macht nach der Revolution den Umweg &#252;ber die kollektivistische Organisation mit allem, was sie an &#8222;b&#252;rgerlichem Recht&#8220; voraussetzt, diese Etappe wird als notwendig betrachtet. Malatesta muss sehr lange gegen den simplistischen und dogmatischen Anarchismus-Kommunismus k&#228;mpfen, er war sehr schnell vorherrschend und wurde gegen das Ende des Jahrhunderts unter der Schirmherrschaft von Kropotkin die Norm. Merlino steht ihm in seiner Kritik w&#228;hrend den 1880er Jahren bei. Zitieren wir noch zweimal Malatesta:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Alles geh&#246;rt allen, alles wird zum Vorteil aller genutzt; jeder mu&#223; f&#252;r die Gesellschaft alles in seinen Kr&#228;ften Stehende tun und hat das Recht, von der Gesellschaft die Befriedigung seiner s&#228;mtlichen Bed&#252;rfnisse entsprechend dem Stand der Produktion und der gesellschaftlichen Kr&#228;fte zu fordern.&lt;/i&gt; (Malatesta f&#228;hrt fort, dass es daf&#252;r notwendige Bedingungen gibt: 1) moralische, 2) materielle: ein &#220;berfluss der Produktion, damit jeder konsumieren kann, ohne seine Arbeitszeit zu z&#228;hlen, und eine Organisation der Arbeit, welche weder f&#252;r irgendjemanden abstossend, noch m&#252;hsam ist.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann diesen Widerspr&#252;chen abhelfen, indem man den Kommunismus sofort nur an den Orten und in den Grenzen verwirklicht, wie sie die Umst&#228;nde gestatten und im &#252;brigen, jedoch nur &lt;i&gt;vor&#252;bergehend&lt;/i&gt;, den Kollektivismus akzeptiert. In den ersten Zeiten wird der Kollektivismus, von der Begeisterung des zu neuem Leben erwachten Volkes korrigiert und vom m&#228;chtigen revolution&#228;ren Impuls gedr&#228;ngt, keine Zeit haben, seine schlechten Auswirkungen hervorzubringen. Um jedoch sp&#228;ter einen R&#252;ckfall in die b&#252;rgerliche Ideologie zu vermeiden, wird er sich rasch zum Kommunismus hin entwickeln m&#252;ssen. Und dabei wird die Aktion einer bewu&#223;t kommunistischen Partei, die Aktion der Internationale, von lebenswichtiger Bedeutung sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Internationale mu&#223; den Kommunismus &#252;berall vertreten; sie mu&#223; auf die Vorteile verweisen, die sich dort ergeben haben, wo er praktiziert wurde; sie mu&#223; zu veranlassen suchen, da&#223; so viele Dinge wie m&#246;glich in Gemeinbesitz &#252;berf&#252;hrt werden. Vor allem mu&#223; sie fordern, da&#223; der Kommunismus sofort und vollst&#228;ndig &#252;ber die Dinge hinaus, wo er schon jetzt Anwendung findet, wie Wasser, gew&#246;hnliche Stra&#223;en, Beleuchtung, &#246;ffentliche Hygiene usw. auf Wohnungen, Bildung, Krankenpflege, Kinderversorgung und die notwendigsten Lebensmittel angewandt wird, bevor er sich allm&#228;hlich auf s&#228;mtliche Produktionszweige ausdehnt. (Danach greift Malatesta die Ideologie des Nehmens von einem Haufen heftig an.)&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Errico Malatesta, &#8222;Kollektivistische Internationale und anarchistischer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mit Ausnahme der extremen Fragen haben wir keine Gr&#252;nde, uns, im Fieber der Entscheidung, was die k&#252;nftige Gesellschaft, mit &#220;bertreibungen und Details, verschieden je nach Ort und Zeit, genau sein m&#246;ge, in kleine Kommissionen zu spalten, obwohl wir weit davon entfernt sind, alle Ressourcen und m&#246;glichen Kombinationen davon vorherzusehen. Es gibt z.B. keinen Grund, uns &#252;ber Fragen wie diese zu spalten: ob die Produktion ein tieferes oder h&#246;heres Niveau haben wird; ob die Landwirtschaft komplett mit der Industrie verbunden sein wird; ob es &#252;ber grosse Distanzen m&#246;glich sein wird, den Tausch auf der Grundlage der Gegenseitigkeit zu organisieren; ob alle Dinge gemeinschaftlich oder gem&#228;ss einer Norm genutzt sein werden; oder ob der Gebrauch von einem davon mehr oder weniger besonders sein wird. Schliesslich werden die Modalit&#228;ten und Besonderheiten der Vereinigungen und der B&#252;ndnisse, der Organisation der Arbeit und des gesellschaftlichen Lebens weder einheitlich sein, noch k&#246;nnen sie im Vornhinein vorhergesehen oder bestimmt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen die Ver&#228;nderungen der Industrie, der Sitten, der Produktionsmechanismen, des Aussehens der St&#228;dte, der Besch&#228;ftigungen, der Gef&#252;hle der Menschen und der Beziehungen und gesellschaftlichen Verbindungen nicht planen, oder nur sehr vage. Es ist zumindest absurd, uns aufgrund einfacher Hypothesen zu spalten. Die Unterscheidung zwischen dem anarchistischen Kollektivismus und dem Kommunismus ist auch eine Frage der Modalit&#228;ten und der &#220;bereink&#252;nfte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist gewiss, dass die 'Verg&#252;tung gem&#228;ss ausgef&#252;hrten Arbeiten', die von den Kollektivisten bef&#252;rwortet wird, zu einer ungleichen Akkumulation der Produkte und einer R&#252;ckkehr des Wuchers f&#252;hren kann; ausser die Akkumulation und der Wucher w&#228;ren aufgrund von Verboten und Besteuerungen unm&#246;glich, die nur despotisch und hassenswert sein k&#246;nnten. Andererseits k&#246;nnte das 'Nehmen nach Belieben' der reichlich vorhandenen Produkte und die Beschaffung weniger reichlich vorhandener Produkte auch zu Willk&#252;r und erniedrigenden Pflichten f&#252;hren. Das kommunistische System ist also nicht frei von jeglichen Nachteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind entschlossen kommunistisch. Doch darin muss das wissenschaftlich Bewiesene von dem unterschieden werden, was sich noch im Zustand von Hypothesen und Prognosen pr&#228;sentiert; man muss zwischen dem entscheiden, was auf revolution&#228;re Art und Weise gemacht werden wird, d.h. durch Zwang und unmittelbar, und dem, was das Resultat der zuk&#252;nftigen Entwicklung sein soll, vertrauen wir also auf die freien Energien aller, welche spontan und schrittweise harmonisiert werden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Aufruf&#8220; und &#8222;Programm&#8220;, L'Azzociazione, Nizza-London, 1890.&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vergleichen wir das mit Marx selbst, in seiner Kritik des Gothaer Programms schreibt er 1875:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Um zu wissen, was man sich bei dieser Gelegenheit unter der Phrase 'gerechte Verteilung' vorzustellen hat, m&#252;ssen wir den ersten Paragraphen mit diesem zusammenhalten. Letzterer unterstellt eine Gesellschaft, worin 'die Arbeitsmittel Gemeingut sind und die Gesamtarbeit genossenschaftlich geregelt ist', und aus dem ersten Paragraphen ersehn wir, da&#223; 'der Ertrag der Arbeit unverk&#252;rzt, nach gleichem Rechte, allen Gesellschaftsmitgliedern geh&#246;rt'. 'Allen Gesellschaftsgliedern'? Auch den nicht arbeitenden? Wo bleibt da 'der unverk&#252;rzte Arbeitsertrag'? Nur den arbeitenden Gesellschaftsgliedern? Wo bleibt da 'das gleiche Recht' aller Gesellschaftsglieder? [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nehmen wir zun&#228;chst das Wort 'Arbeitsertrag' im Sinne des Produkts der Arbeit, so ist der genossenschaftliche Arbeitsertrag &lt;i&gt;das gesellschaftliche Gesamtprodukt&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon ist nun abzuziehen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Erstens&lt;/i&gt;: Deckung zum Ersatz der verbrauchten &lt;i&gt;Produktionsmittel&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Zweitens&lt;/i&gt;: zus&#228;tzlicher Teil f&#252;r Ausdehnung der Produktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Drittens&lt;/i&gt;: Reserve- oder Assekuranzfonds gegen Mi&#223;f&#228;lle, St&#246;rungen durch Naturereignisse etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Abz&#252;ge vom 'unverk&#252;rzten Arbeitsertrag' sind eine &#246;konomische Notwendigkeit, und ihre Gr&#246;&#223;e ist zu bestimmen nach vorhandenen Mitteln und Kr&#228;ften, zum Teil durch Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber sie sind in keiner Weise aus der Gerechtigkeit kalkulierbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bleibt der andere Teil des Gesamtprodukts, bestimmt, als Konsumtionsmittel zu dienen. Bevor es zur individuellen Teilung kommt, geht hiervon wieder ab:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens: die allgemeine, nicht direkt zur Produktion geh&#246;rigen Verwaltungskosten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Teil wird von vornherein aufs bedeutenste beschr&#228;nkt im Vergleich zur jetzigen Gesellschaft und vermindert sich im selben Ma&#223;, als die neue Gesellschaft sich entwickelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Zweitens: was zur gemeinschaftlichen Befriedigung von Bed&#252;rfnissen bestimmt ist&lt;/i&gt;, wie Schulen, Gesundheitsvorrichtungen etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Teil w&#228;chst von vornherein bedeutend im Vergleich zur jetzigen Gesellschaft und nimmt im selben Ma&#223; zu, wie die neue Gesellschaft sich entwickelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Drittens: Fonds f&#252;r Arbeitsunf&#228;hige&lt;/i&gt; etc., kurz, f&#252;r, was heute zur sog. offiziellen Armenpflege geh&#246;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erst jetzt kommen wir zu der 'Verteilung', die das Programm, unter Lassalleschem Einflu&#223;, bornierterweise allein ins Auge fa&#223;t, n&#228;mlich an den Teil der Konsumtionsmittel, der unter die individuellen Produzenten der Genossenschaft verteilt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der 'unverk&#252;rzte Arbeitsertrag' hat sich unterderhand bereits in den 'verk&#252;rzten' verwandelt, obgleich, was dem Produzenten in seiner Eigenschaft als Privatindividuum entgeht, ihm direkt oder indirekt in seiner Eigenschaft als Gesellschaftsglied zugut kommt. [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Womit wir es hier zu tun haben, ist eine kommunistische Gesellschaft, nicht wie sie sich auf ihrer eignen Grundlage &lt;i&gt;entwickelt&lt;/i&gt; hat, sondern umgekehrt, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft &lt;i&gt;hervorgeht&lt;/i&gt;, also in jeder Beziehung, &#246;konomisch, sittlich, geistig, noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft, aus deren Scho&#223; sie herkommt. Demgem&#228;&#223; erh&#228;lt der einzelne Produzent - nach den Abz&#252;gen - exakt zur&#252;ck, was er ihr gibt. Was er ihr gegeben hat, ist sein individuelles Arbeitsquantum. Z.B. der gesellschaftliche Arbeitstag besteht aus der Summe der individuellen Arbeitsstunden. Die individuelle Arbeitszeit des einzelnen Produzenten ist der von ihm gelieferte Teil des gesellschaftlichen Arbeitstags, sein Anteil daran. Er erh&#228;lt von der Gesellschaft einen Schein, da&#223; er soundso viel Arbeit geliefert (nach Abzug seiner Arbeit f&#252;r die gemeinschaftlichen Fonds), und zieht mit diesem Schein aus dem gesellschaftlichen Vorrat von Konsumtionsmitteln soviel heraus, als gleich viel Arbeit kostet. Dasselbe Quantum Arbeit, das er der Gesellschaft in einer Form gegeben hat, erh&#228;lt er in der andern zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es herrscht hier offenbar dasselbe Prinzip, das den Warenaustausch regelt, soweit er Austausch Gleichwertiger ist. Inhalt und Form sind ver&#228;ndert, weil unter den ver&#228;nderten Umst&#228;nden niemand etwas geben kann au&#223;er seiner Arbeit und weil andrerseits nichts in das Eigentum der einzelnen &#252;bergehn kann au&#223;er individuellen Konsumtionsmitteln. Was aber die Verteilung der letzteren unter die einzelnen Produzenten betrifft, herrscht dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Waren&#228;quivalenten, es wird gleich viel Arbeit in einer Form gegen gleich viel Arbeit in einer andern ausgetauscht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &lt;i&gt;gleiche Recht&lt;/i&gt; ist hier daher immer noch - dem Prinzip nach - das &lt;i&gt;b&#252;rgerliche Recht&lt;/i&gt;, obgleich Prinzip und Praxis sich nicht mehr in den Haaren liegen, w&#228;hrend der Austausch von &#196;quivalenten beim Warenaustausch nur &lt;i&gt;im Durchschnitt&lt;/i&gt;, nicht f&#252;r den einzelnen Fall existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz dieses Fortschritts ist dieses &lt;i&gt;gleiche Recht&lt;/i&gt; stets noch mit einer b&#252;rgerlichen Schranke behaftet. Das Recht der Produzenten ist ihren Arbeitslieferungen &lt;i&gt;proportionell&lt;/i&gt;; die Gleichheit besteht darin, da&#223; an &lt;i&gt;gleichem Ma&#223;stab&lt;/i&gt;, der Arbeit, gemessen wird. Der eine ist aber physisch oder geistig dem andern &#252;berlegen, liefert also in derselben Zeit mehr Arbeit oder kann w&#228;hrend mehr Zeit arbeiten; und die Arbeit, um als Ma&#223; zu dienen, mu&#223; der Ausdehnung oder der Intensit&#228;t nach bestimmt werden, sonst h&#246;rte sie auf, Ma&#223;stab zu sein. Dies &lt;i&gt;gleiche&lt;/i&gt; Recht ist ungleiches Recht f&#252;r ungleiche Arbeit. Es erkennt keine Klassenunterschiede an, weil jeder nur Arbeiter ist wie der andre; aber es erkennt stillschweigend die ungleiche individuelle Begabung und daher Leistungsf&#228;higkeit der Arbeiter als nat&#252;rliche Privilegien an. &lt;i&gt;Es ist daher ein Recht der Ungleichheit, seinem Inhalt nach, wie alles Recht.&lt;/i&gt; Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Ma&#223;stab bestehn; aber die ungleichen Individuen (und sie w&#228;ren nicht verschiedne Individuen, wenn sie nicht ungleiche w&#228;ren) sind nur an gleichem Ma&#223;stab me&#223;bar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer &lt;i&gt;bestimmten&lt;/i&gt; Seite fa&#223;t, z.B. im gegebnen Fall sie &lt;i&gt;nur als Arbeiter&lt;/i&gt; betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem andern absieht. Ferner: Ein Arbeiter ist verheiratet, der andre nicht; einer hat mehr Kinder als der andre etc. etc. Bei gleicher Arbeitsleistung und daher gleichem Anteil an dem gesellschaftlichen Konsumtionsfonds erh&#228;lt also der eine faktisch mehr als der andre, ist der eine reicher als der andre etc. Um alle diese Mi&#223;st&#228;nde zu vermeiden, m&#252;&#223;te das Recht, statt gleich, vielmehr ungleich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber diese Mi&#223;st&#228;nde sind unvermeidbar in der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft nach langen Geburtswehen hervorgegangen ist. Das Recht kann nie h&#246;her sein als die &#246;konomische Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer h&#246;heren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und k&#246;rperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbed&#252;rfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkr&#228;fte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller flie&#223;en - erst dann kann der enge b&#252;rgerliche Rechtshorizont ganz &#252;berschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen F&#228;higkeiten, jedem nach seinen Bed&#252;rfnissen!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie man sehen kann, ist diese Demonstration schl&#252;ssig und wir k&#246;nnten sie mit anderen Beispielen fortsetzen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;- zum Problem der Gewerkschaft und des Syndikalismus&lt;/i&gt;: ein sehr heftiger Widerstand gegen den revolution&#228;ren Syndikalismus oder den Anarchosyndikalismus (v.a. Malatesta, aber auch Nieuwenhuis), oder sogar gegen die gewerkschaftliche Aktion selbst (Paraf-Javal&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paraf-Javal (1888-1942), ein sehr ambivalenter individualistischer (&#8230;)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; z.B.) trat in der anarchistischen Bewegung zutage, &lt;i&gt;er ging der praktischen Kritik des deutschen Proletariats w&#228;hrend der Bewegung der Arbeiterr&#228;te voraus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zitieren wir einfach einige sehr charakteristische S&#228;tze:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kurz, die Gewerkschaften sind ihrer Natur nach reformistisch, niemals revolution&#228;r. [&#8230;] Die Gewerkschaft kann mit einem sozialistischen, revolution&#228;ren oder anarchistischen Programm aus der Taufe gehoben werden, und das war bei vielen Gewerkschaften tats&#228;chlich der Fall. Aber treu bleiben sie diesem Programm nur, solange sie schwach und ohnm&#228;chtig sind, d. h. solange sie von ein paar Enthusiasten und Idealisten initiierte und am Leben erhaltene Propagandagruppen, nicht aber zu effektiver Aktion f&#228;hige Organismen sind. Wenn sie erst einmal die Massen anzuziehen wissen und damit die Macht erlangen, Verbesserungen zu fordern und zu erzwingen, wird das urspr&#252;ngliche Programm zu einer hohlen Phrase, um die sich niemand mehr k&#252;mmert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Errico Malatesta, &#8222;Anarchismus und Gewerkschaften&#8220;, Pensiero e Volont&#225;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind die schlimmsten Feinde der Revolution.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Henri Dhorr, Le Libertaire, Juni 1897.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Was ist eine Gewerkschaft? Es ist eine Gruppierung, in welcher sich Idioten nach Berufen sortieren, um zu versuchen, die Verh&#228;ltnisse zwischen Bossen und Arbeitern etwas weniger unertr&#228;glich zu machen. Entweder, oder: Entweder haben sie keinen Erfolg, dann ist die gewerkschaftliche Arbeit nutzlos, oder sie haben Erfolg, dann ist die gewerkschaftliche Arbeit sch&#228;dlich, denn eine Gruppe von Menschen wird ihre Situation ertr&#228;glicher gemacht haben und somit &lt;i&gt;die gegenw&#228;rtige Gesellschaft l&#228;nger fortbestehen lassen&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paraf-Javal, Le Libertaire, April 1904.&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;- zum Problem der politischen Aktion&lt;/i&gt;, dessen zwei Achsen der &lt;i&gt;Parlamentarismus&lt;/i&gt; und die &lt;i&gt;Eroberung des Staates&lt;/i&gt; sind. Auch hier schaffen es die Anarchisten, da sie die Lektion der Kommune gelernt und sich eigentlich die Demonstration des jungen Marx &lt;i&gt;zur Politik&lt;/i&gt; angeeignet haben, das wirkliche Wesen der proletarischen Bewegung hervorzuheben. W&#228;hrend die Teilnahme am politischen Spiel anfangs (1848-1850, 1864-1873) noch akzeptabel war aufgrund von einer gewissen Anzahl an historischen Bedingungen, die man &#252;brigens in Frage stellen k&#246;nnte, was hier jedoch nicht unsere Absicht ist, kommt sie nach 1871 nicht mehr in Frage und die Beteiligung der Sozialdemokraten an der schrecklichen parlamentarischen Farce erlaubt den Anarchisten, daraus alle n&#246;tigen theoretischen Konsequenzen zu ziehen. Was die Eroberung des Staates betrifft, sind die Anarchisten mit der Praxis eben dieser Sozialdemokraten konfrontiert, &lt;i&gt;mit ihrem Eindringen in die Regierungsgesellschaft&lt;/i&gt;; sie brauchen nur noch die Konsequenzen daraus zu ziehen, womit sie zur gleichen Schlussfolgerung bez&#252;glich der Notwendigkeit der Zerst&#246;rung der Staatsmaschine kommen wie Marx in &lt;i&gt;Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt; von 1871. Wir werden diesen Punkt nicht vertiefen, da der Text von Nieuwenhuis [&lt;i&gt;Le Socialisme en danger&lt;/i&gt;] die hierf&#252;r passende Argumentation darstellt; obwohl sich andererseits auch eine umgekehrte Str&#246;mung manifestiert, welche auf Bakunin zur&#252;ckgeht und zum Anarchosyndikalismus f&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;IV. Offenkundig hindern die Grenzen des Anarchismus selbst ihn daran, &lt;i&gt;zur Analyse der wirklichen Bewegung &#252;berzugehen&lt;/i&gt;, obwohl er es geschafft hat, die Kritik der Sozialdemokratie, der Politik und des Syndikalismus und das Wesen der kommunistischen Produktion auszudr&#252;cken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kritik des Staates liegt die Illusion einer f&#246;derativen Gesellschaft zugrunde, die auf der Autonomie der Kommunen basiert, ein historischer und pr&#228;kapitalistischer R&#252;ckschritt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kritik der politischen Aktion liegt der Kult der putschistischen oder illegalen Aktion und der Propaganda zugrunde und sie bleibt auf einer ideologischen Ebene.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik des Syndikalismus bei einigen wird vom Kult der &#8222;wirtschaftlichen&#8220; Aktion bei anderen und, bei vielen davon, jenem des Syndikalismus begleitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik des Parlamentarismus wird mit dem Glauben an seine vollendete Form und seine Verwirklichung kompensiert, die direkte Demokratie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich haben sie &#252;berhaupt keine Theorie &#252;ber die herrschenden Bedingungen in der Entwicklung des Kapitals, die zur Entstehung vom Kommunismus als Bewegung und als Gesellschaft f&#252;hren; ihr Weltbild ist ideologisch, es &#252;bernimmt die b&#252;rgerliche Dichotomie: Individuum/Gesellschaft, Wirtschaft/Politik usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Humanismus, Wissenschaftsgl&#228;ubigkeit, Idealismus und Demokratismus begleiten eine utopische Vision einer neuen Welt, die der Welt bloss gezeigt werden muss und durch einfachen Willen verwirklicht werden kann. Das Buch von Nieuwenhuis stellt den lebendigen Beweis daf&#252;r dar, v.a. die beiden letzten Texte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All diese Eigent&#252;mlichkeiten sind die Gr&#252;nde, welche aus dem Anarchismus eine &lt;i&gt;revolution&#228;re Ideologie in einer konterrevolution&#228;ren Periode&lt;/i&gt; gemacht haben, aber &lt;i&gt;keine Grundlage f&#252;r eine revolution&#228;re Theorie in Perioden des revolution&#228;ren Aufschwungs&lt;/i&gt;. F&#252;r eine solche Theorie wird Marx die Grundlage sein (Trotzki, Rosa Luxemburg, J. Knieff, A. Pannekoek usw.), obwohl die Anarchisten in &lt;i&gt;praktischer&lt;/i&gt; Hinsicht im revolution&#228;ren Aufschwung, und dann im revolution&#228;ren Angriff von 1919 bis 1921 eine wichtige Rolle spielen werden, entweder direkt (Italien, Russland), oder durch auf die &#8222;Arbeiterfrage&#8220; fokussierte Organisationen wie die IWW oder FAUD (USA und Deutschland).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wiedergeburt der proletarischen Bewegung gegen 1905 wird ziemlich &#252;berall einen R&#252;ckgang des revolution&#228;ren Anarchismus bringen (ausser vielleicht in Italien und Spanien) und die Bl&#252;tezeit der besonderen Anarchismen, mehr oder weniger bedeutender Sekten: &#8222;Illegalismus&#8220;, &#8222;Anarchosyndikalismus&#8220;, Anarchismus mit kulturellen Anspr&#252;chen (freie Bildung, Freik&#246;rperkultur, Nomadismus, Vegetarismus usw.), die seine historische Dekadenz bedeuten werden, welche Kropotkin w&#228;hrend seinem Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten best&#228;tigen wird. Der Lauf der Zeit war jedoch verknotet worden, gut verknotet. Die jungen &#8222;marxistischen&#8220; revolution&#228;ren Theoretiker werden &#8211; &lt;i&gt;sogar ohne es zu wissen und entgegen ihren Erkl&#228;rungen&lt;/i&gt; &#8211; das Wesentliche des anarcho-kommunistischen Inhalts (Anti-Parlamentarismus, Anti-Etatismus) wieder aufnehmen, ohne allerdings auf der Ebene der Vision der zuk&#252;nftigen Gesellschaft gleich weit zu gehen, denn das Problem der kommunistischen Produktion wird bis zur Arbeit der holl&#228;ndischen R&#228;tekommunisten und danach der italienischen Linken, schon lange nach der Niederlage, fast nie in irgendeiner Debatte der Bewegung erw&#228;hnt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;D. Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;I. Die kommunistische Bewegung ist mit der offiziellen Errichtung der b&#252;rgerlichen Zivilgesellschaft geboren worden. Sie schmiedet ihre ersten Waffen im Laufe der b&#252;rgerlichen Revolution, von Beginn weg der kapitalistischen Gesellschaft spricht sie ihre erste Bekr&#228;ftigung aus. Der Kapitalismus tr&#228;gt seit seiner historischen Gr&#252;ndung den Kommunismus in sich und die kommunistische Bewegung, welche durch die Dynamik des Werts hervorgebracht worden ist, b&#252;rdet dem Kapital und der Bourgeoisie die Notwendigkeit auf, von ihrer eigenen Revolution ausgehend die Konterrevolution zu organisieren. Die erste Niederlage des Proletariats ereignete sich w&#228;hrend der b&#252;rgerlichen Revolution selbst (Enrag&#233;s, Sansculotten, Babeuf usw.). Was bedeutet, dass das kommunistische Programm im Innern der kapitalistischen Entwicklung selbst eingraviert ist und dass es sie wie ein feindlicher Doppelg&#228;nger, ein b&#246;ser Schatten begleitet. Die kommunistische Bewegung existiert also w&#228;hrend der ganzen kapitalistischen Epoche, von Anfang an bis zu ihrem Ende; es handelt sich um eine Bewegung, die revolution&#228;re und konterrevolution&#228;re Zyklen durchquert, was ein Ausdruck des grundlegenden Widerspruchs des Kapitals ist, das sich schlichtweg entwickelt. Die wirkliche Bewegung des Proletariats, die revolution&#228;re Bewegung entsteht nur in revolution&#228;ren Zyklen, bestimmt werden sie von der Wirtschaftskrise, die sich teilweise mit der konstanten Krise des Werts deckt, sie bis zur Endkrise reproduziert und durch sie zyklisch reproduziert wird. Nach jedem besiegten revolution&#228;ren Angriff liquidiert die sich ausbreitende Konterrevolution ein bisschen mehr die Vermittlungen zwischen der kommunistischen Bewegung und dem kommunistischen Programm. Die kommunistische Theorie wird sich also w&#228;hrend dem n&#228;chsten Angriff neu formieren k&#246;nnen, sie integriert das Programm und die wirkliche Bewegung und befruchtet sie getragen von der Praxis der revolution&#228;ren Klasse. Die Unterscheidung zwischen dem Programm und der Theorie ist also sehr wichtig, um die &lt;i&gt;praktische&lt;/i&gt; Verbindung zwischen den Momenten des Bruchs zu erfassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;II. Die Momente des revolution&#228;ren Aufschwungs sind gleichbedeutend mit der Wiederaufnahme der revolution&#228;ren Theoretisierung. Das Wiedererscheinen der kommunistischen Bewegung als gesellschaftliche Bewegung, und nicht mehr einfach als objektive Bewegung des Werts (Erschaffung der Bedingungen des revolution&#228;ren Angriffs selbst), erlaubt es der Theorie, zur Theorie der gesellschaftlichen Bewegung, Theorie der Praktiken des Bruchs der Klasse zu werden. &#8222;Hier ist der &#220;bergang von der 'Theorie des Endziels', welche gewissermassen die Zukunft verdinglichte, indem sie das Ziel (den Kommunismus) von seiner Bewegung abstrahierte, da dieses nicht existierte, zur kommunistischen Theorie, welche sich als Theorie einer gesellschaftlichen Bewegung, einer wirklichen Tendenz der Gesellschaft hin zum Kommunismus entwickelt.'&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Bulletin communiste, &#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht also nicht um eine Umsetzung in die Tat, eine irdische Verwirklichung der Theorie, die w&#228;hrend dem ganzen konterrevolution&#228;ren Zyklus wie eine Reliquie aufbewahrt worden w&#228;re und auf die wirklichen M&#246;glichkeiten angewendet werden m&#252;sste. Es geht um eine &lt;i&gt;verallgemeinerte Aneignung der Theorie durch die Kommunisten&lt;/i&gt;, d.h. eine Hervorbringung der Theorie der wirklichen Bewegung selbst, eine Hervorbringung der Theorie durch die wirkliche Bewegung, unter dem Zwang der Krise. Diese &lt;i&gt;Aneignung/Hervorbringung&lt;/i&gt; der Theorie des Kommunismus als revolution&#228;re Bewegung entsteht nicht nur gegen das in Form von versteinerten &#8222;Prinzipien&#8220; &#252;bermittelte kommunistische Programm, welches entstellt und erstarrt und aufgrund der Wirkung der Konterrevolution und &lt;i&gt;der Niederlage&lt;/i&gt; des letzten revolution&#228;ren Angriffs partiell und auf abstrakte Weise doktrin&#228;r geworden ist, sondern auch von diesem Programm ausgehend, durch die unter dem Druck der Ereignisse kritische Verdauung davon. Die Revolution&#228;re korrigieren, komplettieren und vervollst&#228;ndigen das Programm angesichts der wirklichen M&#246;glichkeiten der gesellschaftlichen Bewegung, genau wie sie umgekehrt das Programm mit dem Verst&#228;ndnis der Bewegung, ihrer Momente des Bruchs und ihrer organischen Richtung verbinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie des Proletariats, die kommunistische Theorie ist somit sowohl Kommunikation des Programms, &lt;i&gt;als auch Aneignung&lt;/i&gt; des theoretischen Verst&#228;ndnisses, &lt;i&gt;Synthese der Theorie und der Praxis in der Praxis&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der revolution&#228;re Aufschwung ist gleichbedeutend mit &#8222;dem Ende der theoretischen T&#228;tigkeit als getrennte T&#228;tigkeit aufgrund &lt;i&gt;der zwingenden Notwendigkeit der praktischen Aneignung der Theorie durch das Proletariat&lt;/i&gt;&#8220;.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Eine Klasse, worin sich die revolution&#228;ren Interessen der Gesellschaft konzentrieren, sobald sie sich erhoben hat, findet unmittelbar in ihrer eigenen Lage den Inhalt und das Material ihrer revolution&#228;ren T&#228;tigkeit: Feinde niederzuschlagen, durch das Bed&#252;rfnis des Kampfes gegebene Ma&#223;regeln zu ergreifen; die Konsequenzen ihrer eigenen Taten treiben sie weiter. Sie stellt keine theoretischen Untersuchungen &#252;ber ihre eigene Aufgabe an.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Die Klassenk&#228;mpfe in Frankreich 1848-1850, MEW 7, S. 19-20.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie ist somit keine theoretische &#8222;Forschung&#8220;, keine von der Praxis getrennte T&#228;tigkeit mehr; sie ist keine Theorie mehr &#252;ber die Praxis, sie stellt die Verbindung wieder her mit jenen F&#228;den, die sie mit dem vorhergehenden Angriff und dem Programm verbinden, indem sie die vorhergehenden Errungenschaften dieser Theorie benutzt und &#252;berwindet. Das Ende der Trennung Theorie/Praxis ist mit dem Ende anderer Trennungen verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst verschwindet die Trennung Proletariat/Theoretiker. Die Revolution&#228;re sind schlichtweg eine Hervorbringung der Bewegung, sind Proletarier unter anderen, welche auf diese Art und Weise gleichbedeutend mit der Bewegung der Klasse selbst sind. Die Theorie steht in Zusammenhang mit ihrer gesellschaftlichen Bedingung, mit ihrem Leben selbst. Die Theorie ist zu einem Synonym eines Prozesses der gesellschaftlichen Vereinigung geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die andere Trennung ist jene zwischen den verschiedenen Urspr&#252;ngen der Revolution&#228;re. Leute verschiedener Urspr&#252;nge nehmen an der Periode des revolution&#228;ren Aufschwungs teil, sie haben mit verschiedenen ideologischen Gruppen gebrochen und davon die Kritik gemacht (heutzutage haben die Kommunisten sehr verschiedene Vergangenheiten: ehemalige Bordigisten, ehemalige Anarchisten, ehemalige Trotzkisten, Ehemalige von &lt;i&gt;Socialisme ou Barbarie&lt;/i&gt;, ehemalige R&#228;tekommunisten usw.), sie benutzen also verschiedene Sprachen und haben nicht eine absolut gemeinsame Einsch&#228;tzung der Bewegung. Dies, in Verbindung mit der Herkunft von verschiedenen Bereichen der gesellschaftlichen Entwicklung, der besonderen historischen Situationen, wird langsam aber sicher vom revolution&#228;ren Aufschwung negiert und &#252;berwunden: &lt;i&gt;Der Vereinigungsprozess macht die Theorie einheitlich&lt;/i&gt;, was nicht bedeutet, dass es keine Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten mehr gibt; ganz im Gegenteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Periode des revolution&#228;ren Aufschwungs (z.B. die Erste Internationale) hat die Theorie aufgrund des sie auf dr&#252;ckende Art und Weise vereinenden historischen Zwangs einen einheitlichen Charakter. Hier liegt ihre Verbindung zur zentralen Perspektive des Kommunismus, &lt;i&gt;die Totalit&#228;t der Situation, welche die &#196;usserlichkeit des Programms zerst&#246;rt&lt;/i&gt;. Die Welt zeigt (erneut) ihre versteckte Fratze als ihr &#246;ffentliches Gesicht und die Revolution&#228;re vereinen sich auf praktische Art und Weise, die Theorie ist der Kreislauf dieser Vereinigung und ihrer praktischen Bedingungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;III. In einer konterrevolution&#228;ren Periode ist die Errungenschaft des kommunistischen Programms und der kommunistischen Theorie der vorhergehenden Revolution innerhalb der Gruppen, harten Kerne und Sekten zerstreut, die somit zur k&#246;rperlichen und geistigen Verbindung zwischen den revolution&#228;ren Angriffen werden. Die Abwesenheit wirklich kommunistischer K&#228;mpfe des Proletariats verwandelt die Theorie in Dogmen, Prinzipien, Programme, Probleme, Hypothesen usw., genauso zahlreich wie die Gruppen, harten Kerne oder Sekten. Die kommunistische Theorie wird jedoch von jenen Leuten bewahrt, welche versuchen, der Epoche zu widerstehen, sich nicht an ihr zu beteiligen. Der Ausschluss vom &#8222;&#246;ffentlichen Leben&#8220; ist die unerl&#228;ssliche Bedingung f&#252;r die M&#246;glichkeit, die kommunistische Theorie und das kommunistische Programm den folgenden Generationen zu &#252;bermitteln. Eben gerade &lt;i&gt;weil&lt;/i&gt; sie isoliert, vom &#246;ffentlichen Leben, der somit konterrevolution&#228;ren historischen T&#228;tigkeit getrennt sind, k&#246;nnen die Revolution&#228;re den programmatischen Lauf der Bewegung weiterf&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte gewiss nicht glauben, dass es m&#246;glich ist, der wirklichen Welt zu entkommen. Der Idealismus, welcher im Glauben besteht, es sei m&#246;glich, das kommunistische Programm w&#228;hrend eines vollst&#228;ndigen konterrevolution&#228;ren Zyklus ohne Abweichungen, Entartungen oder Amputationen zu bewahren, geht zwingend mit einer zeitlosen Konzeption des ewigen Revolution&#228;rs, einem &#8222;Battilocchio&#8220; der Theorie einher. Die Theorie, welche immer Theorie einer historischen Bewegung ist, kann, wenn diese historische Bewegung unmittelbar konterrevolution&#228;r ist, nur durch verschiedene Vermittlungen und Ideologisierungen revolution&#228;r sein. Sie lebt nicht durch die Gnade der Geschichte, von der konterrevolution&#228;ren Wirklichkeit verschont, sie geht sogar so weit, dass sie diese in gewissen Aspekten ausdr&#252;ckt; als &#220;berlebende eines konterrevolution&#228;ren Zyklus wird sie &#252;brigens zum Ausdruck der Konterrevolution w&#228;hrend dem erneuten revolution&#228;ren Aufschwung: So wurden der Bordigismus oder der R&#228;tekommunismus zu konterrevolution&#228;ren Ausdr&#252;cken der gegenw&#228;rtigen wirklichen Bewegung und sie werden sich schon bald &lt;i&gt;aktiv&lt;/i&gt; an der praktischen Konterrevolution beteiligen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die kommunistische Theorie &#252;berlebt die Niederlagen der revolution&#228;ren Angriffe, weil sie die Theorie einer Bewegung ist, welche die gesamte kapitalistische Periode, all ihre Zyklen durchdringt. Sie ist keine unmittelbare Hervorbringung. Sie ist &#8211; &lt;i&gt;und das ist ihre grundlegende Eigenschaft&lt;/i&gt; &#8211; immer ein bisschen weiter als der historische Moment, denn sie dr&#252;ckt seinen Sinn, seine Richtung, seine M&#246;glichkeiten und seine Notwendigkeiten aus. Die kommunistische Theorie ist nicht nur dem ganzen kapitalistischen Zyklus innewohnend, d.h., dass sie sich als grundlegendes Programm von Beginn weg des Zyklus herausbildet, sondern sie ist auch zu jedem Zeitpunkt &lt;i&gt;Prophezeiung&lt;/i&gt;. Die immediatistische Konzeption der Theorie ist eine Pforte, hinter welcher es von &#8222;theoretisierten&#8220; Empirismen wimmelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das hindert die revolution&#228;re Bewegung nicht daran, w&#228;hrend konterrevolution&#228;rer Perioden unter verschiedenen Erscheinungen, Sprachen, Kost&#252;men, Masken zu &lt;i&gt;&#252;berleben&lt;/i&gt; (z.B. der Anarchismus zwischen 1875 und 1905, die bordigistischen, r&#228;tekommunistischen, surrealistischen usw. Sekten nach 1921 und bis Mai 1968). Diese Bewegung ist so m&#228;chtig, so stark, dass sie manchmal gar die Konterrevolution dazu zwingt, mit ihren offiziellen Stimmen in ihrem Namen zu sprechen (Beispiele von Rassinier, Rossi usw.). Doch diese verschiedenen Masken kleben ihr zwangsl&#228;ufig an der Haut und ver&#228;ndern sie, setzen sich darin fest. W&#228;hrend einer konterrevolution&#228;ren Periode hat die Theorie einen disparaten Charakter: Sie ist auf die Kritik partieller Aspekte der Totalit&#228;t fixiert (die Kritik des Stalinismus z.B., oder die Kritik der Arbeit im Namen des Spiels, ein anderes Beispiel), ohne alle Aspekte zu sehen. Sie versteht in der Regel den zeitgen&#246;ssischen Zyklus nicht als konterrevolution&#228;r und jeder gesellschaftliche Zwischenfall oder jede Rationalisierung des Systems wird zum unmittelbaren Bevorstehen der kommunistischen Revolution (Anarchisten) oder dem Weltkrieg (&lt;i&gt;Socialisme ou Barbarie&lt;/i&gt;). Die Bewegung verf&#228;llt dem Aktivismus (Programme communiste), w&#228;hrend sie gleichzeitig von A bis Z eine pers&#246;nliche Geschichte bastelt, in welcher sie immer vollst&#228;ndig eine reine und feste Doktrin verteidigt hat. Sie ist unf&#228;hig, eine Bilanz zu erstellen, und das ist gar eine ihrer Eigenschaften. Keine Theorie der wirklichen Bewegung existiert, die ihr erlauben k&#246;nnte, sich als besonderen Moment zu erfassen. Man theoretisiert den Rat wie man die Partei theoretisiert, doch man erfasst ihren historischen Inhalt nicht. Kurz, die Bewegung befasst sich w&#228;hrend einer konterrevolution&#228;ren Periode nicht mit kommunistischer Theorie, sondern mit Versatzst&#252;cken und Ann&#228;herungen. Zudem gibt es genauso viele Systeme zum Verst&#228;ndnis der vergangenen Niederlage wie es Anspr&#252;che daf&#252;r gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eigentlich folgt die Theoretisierung w&#228;hrend einer konterrevolution&#228;ren Periode vier Hauptachsen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;a) &lt;i&gt;die Unf&#228;higkeit, eine Lehre aus der besiegten Revolution zu ziehen&lt;/i&gt;, daraus eine theoretische Bilanz zu erstellen, die nicht nur partiell ist. Deshalb h&#228;lt sie sich in der Regel zu lange mit ideologischen Fixierungen, mit den Formen der revolution&#228;ren Bewegung auf (R&#228;te f&#252;r die deutsch-holl&#228;ndische Linke nach 1921, die Kommune f&#252;r die Kommunarden wie Lefran&#231;ais und sogar f&#252;r die Anarcho-Kommunisten wie Kropotkin nach 1871) und befasst sich nicht mit dem kommunistischen Inhalt der Bewegung. Oder aber sie geht nicht weiter als eine negative Bekr&#228;ftigung dieses Inhalts: Kritik von allen unmittelbaren und formellen Gegnern der Bewegung (Parteien, Gewerkschaften, Bolschewismus usw. f&#252;r die deutsch-holl&#228;ndische Linke), ohne f&#228;hig zu sein, die Bewegung als aktive Negation zu sehen, welche den Kommunismus oder die Bedingungen seiner Umsetzung bekr&#228;ftigt, und zu verstehen, was &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; den kommunistischen Sieg verhinderte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese F&#228;higkeit/M&#246;glichkeit, die wirkliche Bewegung zu erfassen und sie auszudr&#252;cken, existiert nur w&#228;hrend einer Periode des revolution&#228;ren Aufschwungs und des Zur&#252;ckgehens davon, wenn die Revolution, auf ihren angeh&#228;uften Leichen sitzend, noch mit ihrem Blut den Sinn des Moments und seine Lehren skizziert (z.B. Marx, welcher &lt;i&gt;B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt; gegen das Ende der Bewegung schrieb). Die kommunistische Theorie, welche die Theorie einer zum Kommunismus gehenden Bewegung ist, ist dann Theorie der historischen Bedingungen, ihres Ausgangs &lt;i&gt;in facto&lt;/i&gt;. Dazwischen ist sie nur der unwirkliche Schatten oder, im besten Fall, das Spiel der Wellen vor dem Sturm. &lt;i&gt;Es ist der gegenw&#228;rtige revolution&#228;re Aufschwung, welcher es erlaubt, die vergangene Revolution zu verstehen, Lehren daraus zu ziehen, sie zu theoretisieren.&lt;/i&gt; Genau wie man vom Menschen ausgehen muss, um den Affen zu verstehen, muss man vom aktuellen Sturm, inmitten seiner Irrwege und Verbrechen, ausgehen, um den vergangenen Sturm zu verstehen, in dem wir &#8211; und wenn es nicht wir sind, sind es unsere vorherigen Br&#252;der &#8211; untergegangen sind und aus dem wir rauskommen m&#252;ssen. Die Theorie ist wohl Prophezeiung, aber auch &lt;i&gt;Neuerschaffung der Vergangenheit&lt;/i&gt;, erhellende und erkl&#228;rende Erfassung unserer Geschichte als Sinn, welcher unsere gegenw&#228;rtige Praxis der vergangenen Geschichte gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;b) &lt;i&gt;die Vorherrschaft der theoretischen Arbeit, welche darin besteht, die Formulierung und die Definition des kommunistischen &#8222;Programms&#8220; zu pr&#228;zisieren und zu vervollst&#228;ndigen.&lt;/i&gt; Diese Arbeit kann nur dogmatisch, rigid und doktrin&#228;r sein. Sie ist gleichbedeutend mit der Theoretisierung des Endziels als abstrakte Wesenheit, doch erlaubt seine Transkription und v.a. das &lt;i&gt;Verst&#228;ndnis seines wirtschaftlichen Aspekts&lt;/i&gt;. Diese Arbeit der Klassifizierung und der Bekr&#228;ftigung des kommunistischen Programms kann die Gestalt der Konstitution eines doktrin&#228;ren Korpus annehmen, das den Kommunismus als absolute Opposition gegen die Wirklichkeit und die sie verteidigenden Bewegungen pr&#228;sentiert (italienische, sogenannt bordigistische Linke), indem speziell auf die Definition seines &lt;i&gt;Wesens&lt;/i&gt; beharrt wird (Abschaffung der Lohnarbeit, Zerst&#246;rung des Tausches und des Werts, Abschaffung der Produktion durch Unternehmen), wobei einige Aspekte vergessen gehen und &lt;i&gt;zudem absolut konterrevolution&#228;re Positionen in Bezug auf den ganzen Rest gewahrt werden&lt;/i&gt;. Sie kann die Gestalt eines Versuchs der Beschreibung &lt;i&gt;der wirtschaftlichen Mechanismen&lt;/i&gt; annehmen, welche die kommunistische Transformation der Gesellschaft, die Zerst&#246;rung der Lohnarbeit und des Tausches in einer Periode der formellen Herrschaft konstituieren, wobei sie schnell der &lt;i&gt;Konstruktion&lt;/i&gt; eines Systems organisatorischer Rezepte verf&#228;llt (holl&#228;ndische Linke, Arbeit der GIK &#252;ber die kommunistische Wirtschaft). Schliesslich kann sie in selteneren F&#228;llen die Gestalt eines Versuchs der &lt;i&gt;Systematisierung des zentralen Kerns der materialistischen Theorie&lt;/i&gt; annehmen: Dialektik und Geschichte, Bewusstsein und Praxis, Marxismus und Arbeiterbewegung, mit dem Risiko, schnell der getrennten philosophischen Forschung zu verfallen (z.B. Korsch).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;c) &lt;i&gt;die Ansicht und Beschreibung der &#8222;neuen&#8220;, mit der Entwicklung des Kapitals w&#228;hrend des konterrevolution&#228;ren Zyklus erschienenen Ph&#228;nomene der Gesellschaft.&lt;/i&gt; Diese Praxis, den Finger auf die modernen Aspekte der Gesellschaft zu legen, ist in der Regel Teil der Gr&#252;ndung von ideologischen Systemen, welche komplett auf diesen Ph&#228;nomenen basieren, ohne dass sie versuchen, sie mit dem kommunistischen Programm in Verbindung zu bringen oder sie innerhalb der Theorie des Proletariats und davon ausgehend zu verstehen. Beispiele daf&#252;r sind u.a. die &#8222;sexuelle Befreiung&#8220;, die &#8222;Kritik der Arbeit&#8220;, das &#8222;Spiel&#8220;, das &#8222;Spektakel&#8220;, die &#8222;Ware&#8220; usw. Diese Gruppen haben in den meisten F&#228;llen nicht die geringste (oder nur eine sehr schwache) Verbindung mit dem zuvor niedergeschlagenen revolution&#228;ren Angriff und sind g&#228;nzlich ein Produkt der konterrevolution&#228;ren Periode (&lt;i&gt;Socialisme ou Barbarie&lt;/i&gt;, die Situationistische Internationale z.B.). Sie sind auf ambivalente Weise der genauste Ausdruck davon; sie gehen mit der ganzen Ideologie, dem ganzen Modernismus und den falschen, mit der Konterrevolution verbundenen Problemen hausieren; doch andererseits &lt;i&gt;legen sie mit Gewalt den Finger&lt;/i&gt; auf die neuen Bedingungen der kommenden Revolution und erlauben sich, eine heftige Kritik aller Theorien vor ihnen auszuarbeiten, und dies vom offensichtlichen Standpunkt der modernsten Konterrevolution aus, jene, welche am n&#228;chsten bei der Revolution liegt. (Man muss z.B. festhalten, dass, w&#228;hrend dem sich aktuell vollendenden konterrevolution&#228;ren Zyklus, nur die &#8222;R&#228;tekommunisten&#8220; direkt der revolution&#228;ren Bewegung der 1920er Jahre entstammen; die Bordigisten waren bis ungef&#228;hr 1930 eine extremistische Fraktion der Sozialdemokratie nach bolschewistischer Spielart, welche w&#228;hrend der Bewegung der Fabrikbesetzungen keine andere Rolle als eine politische gegen die italienischen Proletarier spielte.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;d) &lt;i&gt;die Kritik der konterrevolution&#228;ren Gesellschaft&lt;/i&gt;, d.h. v.a. die Kritik dessen, was diese Gesellschaft vereinigt, ausdr&#252;ckt und symbolisiert. Diese Kritik der &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; haben fast alle theoretischen Manifestationen des Kommunismus w&#228;hrend einer konterrevolution&#228;ren Periode gemeinsam. Sie ist eine Frontalopposition gegen die schlichte Existenz in dieser Gesellschaft. Zu einem Zeitpunkt, wo die &#8222;Arbeiterbewegung&#8220; in ihrer staatlichen oder privaten Form eines der Organe des Kapitals und die &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; jenes T&#228;tigkeitsfeld ist, wo die gesellschaftlichen Kategorien ihre Stellung innerhalb verschiedener taktischer B&#252;ndnisse regulieren, ist es unm&#246;glich, die Politik und alles, was sie umgibt, nicht zu kritisieren (Parlamentarismus, Staatsgl&#228;ubigkeit, Klassenb&#252;ndnisse, Gr&#252;ndung formeller Organisationen usw.). Nat&#252;rlich ist diese Kritik je nach Gruppen und Perioden mehr oder weniger lebendig (die Kritik der Politik durch die Anarchisten zwischen 1875 und 1905 war einiges st&#228;rker als jene der &#8222;Linken&#8220; seit 1929, das h&#228;ngt auch mit der unterschiedlichen Situation im Kontext einer Epoche des &#8222;nationalen&#8220; Wiederaufbaus zusammen usw.) und v.a. &lt;i&gt;mehr oder weniger&lt;/i&gt; bewusst anti-politisch. Was jedoch die Kraft dieser Kritik ausmacht, &lt;i&gt;ist ihr tief kommunistischer Charakter&lt;/i&gt;: die einfache Bekr&#228;ftigung, dass die Revolution ein gesellschaftlicher Prozess ist und dass das entl&#246;hnte Elend sehr wohl eine Trennung der menschlichen Gemeinschaft, und nicht des politischen Lebens ist; die Bekr&#228;ftigung, dass die Klassenbewegung des Proletariats nur gleichbedeutend mit der Zerst&#246;rung der Trennung zwischen produktiver und menschlicher T&#228;tigkeit sein kann; die Bekr&#228;ftigung des autonomen Projekts des Proletariats, zwar innerhalb der Dynamik des Kapitals, aber dagegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn es die Revolution&#228;re so schaffen, die Prinzipien des Kommunismus in den H&#228;nden zu behalten, wenn alles auf ihr Vergessen durch die Menschen hindeutet, wenn diese Revolution&#228;re das allen Hindernissen zum Trotz tun, obwohl sie diese entstellen und den folgenden Generationen entstellt weitergeben, indem sie ihnen &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; Prinzipien weitergeben, &lt;i&gt;indem sie auf diese Art und Weise den Faden der Zeit weben&lt;/i&gt;, braucht man sich trotzdem keine Illusionen zu machen. Neben der Tatsache, dass dieser Faden rot ist, rot jedoch aufgrund vom w&#228;hrend seinem Weben erduldeten Leiden wie die Abg&#228;nge, die Selbstmorde, die St&#252;rze in den Wahnsinn, &lt;i&gt;was der Trag&#246;die des Kommunismus&lt;/i&gt; (seine unm&#246;gliche Verwirklichung, die Abwesenheit einer wirklichen gesellschaftlichen Basis) &lt;i&gt;in dieser Periode entspricht&lt;/i&gt;, sollte einem bewusst sein, dass die fortbestehenden Revolution&#228;re nicht Verk&#246;rperungen ihres Willens sind, sondern auch von der Geschichte hervorgebracht werden. Es gibt keine so totale Konterrevolution, dass sie nicht &lt;i&gt;kontinuierlich&lt;/i&gt; gegen (zukunftslose) Revolten, Widerst&#228;nde (gegen die Rationalisierung des Kapitals), proletarische K&#228;mpfe (ohne organische Richtung) k&#228;mpfen m&#252;sste. Zudem erleben gewisse geographische Zonen die Entwicklung des revolution&#228;ren Prozesses mit Versp&#228;tung (das Beispiel von Nieuwenhuis und Holland) oder sind im Gegenteil dem Aufschwung voraus usw. &lt;i&gt;Sogar zu diesem Preis bestehen die Revolution&#228;re fort. Es gibt wirklich keinen Ausweg.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;IV. Der &#8222;Marxismus&#8220; ist eine Ideologisierung der von der &#8222;Partei Marx&#8220; formulierten Theorie. Dieser beteiligte sich selbst an dieser Versteinerung, v.a. durch seine &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; Schriften und Positionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Widerspruch von Marx ist die Tatsache, das Leben eines Wesens, des Kapitals, von seiner Geburt bis zu seinem Tod zu beschreiben, obwohl er zu einer Zeit lebte, wo dieses Wesen sich erst am Entwickeln war, der Wert beherrschte noch nicht &lt;i&gt;reell&lt;/i&gt;, sondern nur &lt;i&gt;formell&lt;/i&gt; die Arbeit und die Gesellschaft, daher kommt die Verherrlichung der &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt;, da die &#8222;Partei Marx&#8220;, welche somit &#8222;marxistisch&#8220; wurde, ihre Analyse der kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse in die unmittelbare und aktive Wirklichkeit umsetzen wollte. Die &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; ist die unumg&#228;ngliche T&#228;tigkeit, welche mit der formellen Herrschaftsweise des Werts verbunden ist, zu einem Zeitpunkt, wo nicht nur die kapitalistische Produktionsweise existiert, sondern auch &#228;ussere und innere, immer noch pr&#228;kapitalistische Zonen. &lt;i&gt;Taktik. Demokratie.&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Voyou, Nr. 1.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein &lt;i&gt;schrecklicher&lt;/i&gt; Widerspruch existierte zwischen den praktischen M&#246;glichkeiten der Bewegung, welche zu diesem Zeitpunkt nur eine Bewegung der Arbeiter war und h&#246;chst politische Aufgaben zu erf&#252;llen hatte (Einf&#252;hrung der b&#252;rgerlichen Demokratie 1848, Einf&#252;hrung der direkten Volksdemokratie 1871, Verallgemeinerung der Lohnarbeit und des Proletariats w&#228;hrend der Zweiten Internationale, dann politische Diktatur des Proletariats 1919), ein Widerspruch zwischen dem und ihren eigenen Schlussfolgerungen, die &#252;ber den Rahmen ihrer &lt;i&gt;bestimmten&lt;/i&gt; Epoche hinausgingen und Marx aus seiner Analyse des Kapitals und seiner wirklichen Bewegung, sowie den &lt;i&gt;grundlegend kommunistischen&lt;/i&gt; Charakter der K&#228;mpfe des Proletariats zwischen 1848 und 1871 gezogen hatte, trotz ihrer Grenzen. Was Marx bez&#252;glich des Programms und des Verst&#228;ndnisses der wirklichen Bewegung zwischen 1848 und 1871 sagte, war eine &lt;i&gt;radikale&lt;/i&gt; Kritik dessen, was er zwischen diesen Zeitpunkten und danach, und sogar teilweise &lt;i&gt;dessen, was er w&#228;hrend dieser Zeit tun konnte&lt;/i&gt;. Marx konnte den Einfluss seines theoretischen Werks in der unmittelbaren Bewegung nur &lt;i&gt;qualitativ&lt;/i&gt; begrenzen. Engels beschr&#228;nkte sich hingegen nach dem Tod von Marx darauf, ihn zu schw&#228;chen und zum Verschwinden zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Nichts zeigt den revolution&#228;ren Charakter von Marx&#180; Theorien deutlicher als die Schwierigkeit, sie in nichtrevolution&#228;ren Zeiten zu verteidigen. [&#8230;] Aber es ist schwieriger, 'au&#223;erhalb dieser Welt' zu stehen, denn niemand kann wissen, wann sich die Dinge &#228;ndern [&#8230;] man kann jedoch sagen, da&#223; Marx selbst nicht von Widerspr&#252;chen frei war, d.h., da&#223; auch er einer sich &#228;ndernden Wirklichkeit Achtung erweisen und, um &#252;berhaupt reagieren zu k&#246;nnen, in nichtrevolution&#228;ren Zeiten auf eine nichtrevolution&#228;re Weise reagieren mu&#223;te. [&#8230;] Da der Marxismus w&#228;hrend der Aufschwungphase des Kapitalismus nicht stumm bleiben wollte, konnte er sich nur in einer Weise &#228;u&#223;ern, die einer Theorie widersprach, die aus der Erkenntnis eines realen und immer existierenden Klassenkampfes resultierte. Die Theorie eines immerw&#228;hrenden Klassenkampfes ist nicht gerechtfertigter, als das b&#252;rgerliche Konzept des Fortschritts. Zwei Alternativen [boten] sich ihm: Er konnte sich entweder au&#223;erhalb der aktuellen Entwicklung stellen und sich auf ein praxisfernes radikales Denken zur&#252;ckziehen oder unter den gegebenen Umst&#228;nden an den aktuellen K&#228;mpfen teilnehmen und die revolution&#228;ren Theorien f&#252;r 'bessere Zeiten' aufheben. Diese letzte Alternative wurde umgesetzt in das 'richtige Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis' und Niederlage oder Erfolg proletarischer Aktivit&#228;ten wurde damit wieder einmal das Ergebnis von 'richtiger' oder 'falscher' Taktik, der Frage der richtigen Organisation und der korrekten F&#252;hrung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paul Mattick, &#8222;Karl Kautsky: Von Marx zu Hitler&#8220; in Jahrbuch (&#8230;)&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und dann Engels waren also die ersten B&#252;rokraten und Ideologen der Arbeiterbewegung. Ihre grundlegenden Schriften (&lt;i&gt;&#214;konomisch-philosophische Manuskripte&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats&lt;/i&gt;) machen erst heute wirklich Sinn; denn erst heute hat sich der von Marx beschriebene Kapitalismus vollst&#228;ndig verwirklicht und erst heute steht die Frage des Kommunismus vollst&#228;ndig auf der Tagesordnung, ohne Vermittlungen oder &#220;bergangsphase.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Marxschen Werke konnten also nur der ideologischen Ausbildung der sozialdemokratischen B&#252;rokratie dienen, welche aus im Umgang mit der Dialektik und der &#214;konomie, allerdings als getrennte Sph&#228;ren, spezialisierten Intellektuellen und einem Teil der Arbeiteraristokratie zusammengesetzt war. Die &#8222;Marxsche&#8220; Theorie diente nur noch dazu, die Notwendigkeit des Kapitalismus durch die wissenschaftliche Kenntnis seiner Gesetze und Strukturen zu beweisen (siehe aktuell Althusser) und damit die kapitalistischen Verh&#228;ltnisse unter der seelsorgerischen F&#252;hrung der kleinen und grossen politischen und gewerkschaftlichen Chefs zu verewigen. Die Kritik der politischen &#214;konomie verwandelte sich von einem Zentrum der Theorie innerhalb der kommunistischen Praxis des Proletariats &#8211; da Studie jener Widerspr&#252;che, welche den Kapitalismus niederringen sollten &#8211; in eine Wissenschaft der &#214;konomie, eine b&#252;rgerliche wissenschaftliche Kategorie. Dieser &#214;konomismus hatte die Notwendigkeit als Grundlage, die kapitalistische Wirtschaft zu verstehen, um die Lohnarbeit innerhalb des kapitalistischen Verh&#228;ltnisses gegen das Kapital, d.h. die Entwicklung des Kapitalismus (Deutschland) zu &lt;i&gt;verteidigen&lt;/i&gt; oder die Akkumulation des nationalen Kapitals zu erschaffen (Russland). &lt;i&gt;Der &#8222;Marxismus&#8220; wurde somit zur Theorie des variablen Kapitals, und ist es geblieben.&lt;/i&gt; Diesbez&#252;glich ist er eines der solidesten Aush&#228;ngeschilder der Konterrevolution. Er wurde auch zum Diskurs der herrschenden Klasse des &#246;stlichen Kapitalismus (UdSSR, China, Kuba usw.) und zum im Westen tendenziell vorherrschenden akademischen Diskurs. &lt;i&gt;Die kommunistische Theorie bildet sich durch die Zerst&#246;rung des Marxismus und nur die Apostel der Konterrevolution werden sich noch &#252;ber seine durch etliche kapitalistische Diskurse zersetzte Leiche beugen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;V. Die Anarchisten hatten im 19. Jahrhundert mit ihrer Behauptung Recht, &lt;i&gt;dass der proletarische Staat ein Ding der Unm&#246;glichkeit sei&lt;/i&gt;. Sie lagen auch in ihrer Verweigerung der Politik richtig, sie zeigten und bekr&#228;ftigten damit das besondere Wesen der proletarischen Revolution, welche aus menschlichen, und nicht politischen Gr&#252;nden gemacht wird. Sie dr&#252;ckten das aus, was Marx seit 1844 geschrieben, jedoch beiseite gelegt hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Bekr&#228;ftigungen waren jedoch ambivalent: &lt;i&gt;Die Ideologie der (Lohn-)Arbeit&lt;/i&gt; war bei ihnen besonders &#252;bersteigert und somit kam die Politik auf &#8222;Umwegen&#8220; zur&#252;ck. Tats&#228;chlich wurde die Richtigkeit ihrer Konzeption auf einen &lt;i&gt;subutopischen&lt;/i&gt;, humanistischen und religi&#246;sen Zustand reduziert, &lt;i&gt;der Ausdruck der formellen Herrschaft des Werts &#252;ber die Arbeit war&lt;/i&gt;, denn die Politik und die formelle Herrschaft des Werts sind miteinander verbunden.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der anarchistische F&#246;deralismus war nicht im geringsten kommunistisch, &lt;i&gt;d.h. &#252;berhaupt nicht staatszerst&#246;rerisch&lt;/i&gt;, er war eine reaktion&#228;re Konzeption des historischen R&#252;ckschritts: Gruppen von Produzenten sind in einem durch die Regularisierung des Anti-Staats &#8222;gerecht&#8220; gemachten &lt;i&gt;Markt&lt;/i&gt; miteinander konfrontiert. &lt;i&gt;Die menschliche Gemeinschaft wird gleichzeitig anarchisch und zentralisiert&lt;/i&gt;, auf dem gesellschaftlichen Menschen und seinem Bewusstsein basierend sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was diesen Punkt (die Kritik der Entfremdung) betrifft, haben die Anarchisten &lt;i&gt;betr&#228;chtlich viel&lt;/i&gt; beigetragen, obwohl es die meiste Zeit nur eine &lt;i&gt;humanistische&lt;/i&gt; Bekr&#228;ftigung sein konnte, welche die Gestalt des Mystizismus annahm und somit selber &lt;i&gt;mystifizierend&lt;/i&gt; wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie als Sammelbecken f&#252;r die Revolution&#228;re zwischen 1875 und 1905 gedient hatte, kompromittierte sich die anarchistische Ideologie, wie alle sozialistischen Str&#246;mungen damals, w&#228;hrend des Ersten Weltkrieges und verwirklichte sich, fand ihre &lt;i&gt;Wirklichkeit&lt;/i&gt; im Spanien von 1936, wo der &lt;i&gt;Skandal&lt;/i&gt; nicht nur die Beteiligung der CNT-AIT an der &lt;i&gt;republikanischen, konterrevolution&#228;ren&lt;/i&gt; Regierung war, welche Arbeiter erschoss (und kritische K&#228;mpfer wie Berneri ermordete), sondern auch der &lt;i&gt;Grund&lt;/i&gt; dieser Beteiligung: Die &lt;i&gt;Kollektivierungen&lt;/i&gt;, welche von ihnen als Zerst&#246;rung der kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse betrachtet wurden, wurden dort auch sehr schnell nur zu einem Potenzial der Verallgemeinerung, trotz den vielversprechenden Pr&#228;missen des fabelhaften Kampfes der spanischen Proletarier und Kleinbauern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;VI. Die Theorie ist einheitlich w&#228;hrend einer revolution&#228;ren Periode; sie wird disparat und partiell w&#228;hrend einer konterrevolution&#228;ren Periode.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder &#8222;marxistisch&#8220; noch &#8222;anarchistisch&#8220;. Obwohl uns Marx &lt;i&gt;alle&lt;/i&gt; (oder fast alle) Grundlagen der kommunistischen Theorie &#252;berlassen hat, muss man sich der Wichtigkeit und der Funktion der anarchistischen Bewegung bis etwa 1905 (und sogar danach, in einigen F&#228;llen), deren &lt;i&gt;explosiven&lt;/i&gt;, mit dem Entstehen des proletarischen Bewusstseins bis zum Ende des kapitalistischen Prozesses verbundenen &lt;i&gt;Inhalts&lt;/i&gt; (konstante Bekr&#228;ftigung des kommunistischen Endziels, auch wenn es nicht m&#246;glich ist, es zu verwirklichen, und sei es nur negativ) bewusst sein, welcher mit dem Auftauchen &lt;i&gt;des proletarischen Bewusstseins&lt;/i&gt; bis zum Ende des kapitalistischen Prozesses verbunden ist. Diese vom Anarchismus unternommene &#8222;Kritik der Politik&#8220;, welche der Marxismus verpasste, m&#252;ssen und k&#246;nnen wir uns zu einem historischen Zeitpunkt wiederaneignen, wo der revolution&#228;re Prozess der kommunistischen Transformation der Welt die Kritik der Politik und der (Lohn-)Arbeit, die Erschaffung des &#8222;Gemeinwesens&#8220;, d.h. der menschlichen Gemeinschaft bekr&#228;ftigt. &lt;i&gt;Der Text von Nieuwenhuis ist ein Beispiel f&#252;r die Wiederaneignung der Theorie durch die wirkliche Bewegung.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Zeitpunkt, wo das Kapital die Politik dank der sich allen ideologischen Voraussetzungen entledigenden reellen Herrschaft des Werts liquidiert, wird die anarchistische Kritik wieder in die kommunistische Theorie integriert, auf schon fast &lt;i&gt;teleskopische&lt;/i&gt; Art und Weise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Zeitpunkt, wo die gesamte gesellschaftliche T&#228;tigkeit eigentlicher Prozess des Kapitals ist, wo der Gebrauchswert zu einem einfachen Grenztr&#228;ger der Wertbewegung geworden ist, wo jede gesellschaftliche Kategorie eine Funktion f&#252;r das Kapital im Tausch gegen die verallgemeinerte Lohnarbeit darstellt, &#8222;braucht das Kapital keine Kr&#252;cken mehr, um sich zu bewegen, es entledigt sich der alten ideologischen Vermittlungen wie z.B. der politischen Ideologie und kann von nun an direkt das Leben der Menschheit durch die T&#228;tigkeit des Werts organisieren&#8220;. Zu diesem Zeitpunkt gibt es f&#252;r uns keinen Gegensatz mehr zwischen der von den Anarchisten formulierten Kritik der Politik und der von Marx formulierten materialistischen Theorie des proletarischen Kampfes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Proletariat kann keine Vermittlung zwischen ihm und seiner Revolution mehr zulassen, d.h. keine andere Partei ausser seine eigene Bewegung des Bruchs mit dem Kapital und seiner eigenen Zerst&#246;rung. Die Selbstaufhebung des Proletariats wird gleichzeitig die Zerst&#246;rung der politischen Erpressung verwirklichen, welche gegen&#252;ber dem sich rekonstituierenden Proletariat gezwungen sein wird, sich objektiv in einer Bewegung zu vereinigen: in jener der universellen Konterrevolution des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ende des Kapitals ist gleichbedeutend mit dem Ende der Demokratie, &lt;i&gt;dem Ende der Politik&lt;/i&gt; und ihres &#228;ussersten Inhalts: des Spektakels.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Voyou, Nr. 1.&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;August 1973&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Quelle: Jean-Yves B&#233;riou, &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;http://tempscritiques.free.fr/spip.php?article368&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Th&#233;orie r&#233;volutionnaire et cycles historiques&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;, La Sociale, Montreal, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.bahoebooks.net/buch/revolutionaere-theorie-und-historische-zyklen/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Buchausgabe&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;La Perspective du communisme&lt;/i&gt;, 1971.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;La Perspective du communisme&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx und Engels, &#8222;Revue, Mai bis Oktober 1850&#8220; in &lt;i&gt;Neue Rheinische Zeitung&lt;/i&gt;, F&#252;nftes und Sechstes Heft, MEW, Bd. 7, 5. Aufl., 1973, S. 440.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx an Freiligrath, Brief vom 29. Februar 1860, MEW, Bd. 30, 1974, S. 495.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx an Kugelmann, Brief vom 9. Oktober 1866, MEW, Bd. 31, 1965, S. 529.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die anf&#228;nglichen Positionen von Marx bez&#252;glich der Kommune k&#246;nnen sehr gut mit seiner &lt;i&gt;strategischen&lt;/i&gt; Analyse der &#8222;progressiven&#8220; nationalen K&#228;mpfe erkl&#228;rt werden, v.a. in Deutschland.&lt;br class='manualbr' /&gt;F&#252;r Marx war der franz&#246;sisch-preussische Krieg auf Seiten Preussens ein &lt;i&gt;progressiver&lt;/i&gt; Krieg, denn er sei nicht gegen das franz&#246;sische Volk, sondern gegen das &lt;i&gt;imperialistische&lt;/i&gt; franz&#246;sische Regime von Napoleon III. gerichtet gewesen. Diese Konzeption der Ereignisse war Teil einer Sichtweise, welche den Anspruch hatte, eine globale der sozialen Revolution zu sein. Tats&#228;chlich sah er das Epizentrum der Konterrevolution im zaristischen Russland, das mit dem kapitalistischen England und dem imperialistischen Frankreich verb&#252;ndet war; diese Konterrevolution verhinderte die Entwicklung der nationalen Einheit Deutschlands, somit der dazugeh&#246;rigen Industrialisierung und gleichzeitig des deutschen Proletariats. F&#252;r ihn war das deutsche Proletariat das Epizentrum der europ&#228;ischen sozialen Revolution, man musste also die deutsche Bourgeoisie in ihrer historischen Aufgabe und somit im franz&#246;sisch-preussischen Krieg unterst&#252;tzen, womit zudem das franz&#246;sische Proletariat vom bonapartistischen Regime befreit w&#252;rde.&lt;br class='manualbr' /&gt;Nat&#252;rlich endete diese Theoretisierung in dieser unglaublichen Idee, welche er in einem Brief an Engels erw&#228;hnt:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Die Franzosen brauchen Pr&#252;gel. Siegen die Preu&#223;en, so die Zentralisation der &lt;i&gt;state power&lt;/i&gt; n&#252;tzlich der Zentralisation der deutschen Arbeiterklasse. Das deutsche &#220;bergewicht w&#252;rde ferner den Schwerpunkt der westeurop&#228;ischen Arbeiterbewegung von Frankreich nach Deutschland verlegen, und man hat blo&#223; die Bewegung von 1866 bis jetzt in beiden L&#228;ndern zu vergleichen, um zu sehn, da&#223; die deutsche Arbeiterklasse theoretisch und organisatorisch der franz&#246;sischen &#252;berlegen ist. Ihr &#220;bergewicht auf dem Welttheater &#252;ber die franz&#246;sische w&#228;re zugleich das &#220;bergewicht unsrer Theorie &#252;ber die Proudhons etc.&#8220; (Marx an Engels, 20. Juli 1870, MEW 33, S. 5.)&lt;br class='manualbr' /&gt;Nat&#252;rlich f&#252;hrte diese ganze Sichtweise, welche selbst von der noch unvollendeten Konterrevolution hervorgebracht wurde, zu Positionen, die sp&#228;ter zu den politischen Grundlagen der sozialdemokratischen Doktrin wurden. Das Verh&#228;ltnis zwischen Marx und der Sozialdemokratie ist nicht nur negativ, sondern auch positiv. Dieser Wille, das gem&#228;ss den Gesetzen der historischen und &#246;konomischen Entwicklung notwendige Voranschreiten der Ausweitung der Klassenk&#228;mpfe und ihrer Folgen durch eine Epoche reich an besonderen Situationen und bedeutenden historischen Vermittlungen auf einer universellen Ebene (Zeit und Raum) global zu betrachten, brachte ihn dazu, mit gesenktem Kopf in diese Vermittlungen hineinzufallen. Nat&#252;rlich geht es hier nicht um das Individuum &#8222;Marx&#8220;, sondern um das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis.&lt;br class='manualbr' /&gt;Die Unterst&#252;tzung des deutschen Kapitalismus zur Zerst&#246;rung des Bonapartismus und zur Erschaffung eines gr&#246;sseren Handlungsspielraumes f&#252;r das franz&#246;sische Proletariat und gleichzeitig zur Erschaffung der Grundlagen einer Verst&#228;rkung der Proletarisierung in Deutschland usw., dieses ganze taktische Kalk&#252;l im Namen der grossen &#8222;wissenschaftlichen&#8220; Strategie f&#252;hrte dazu, die wirkliche Bewegung, die Bewegung der revolution&#228;ren Klasse zu opfern. Zwei Punkte sind klar:&lt;br class='manualbr' /&gt;1) &lt;i&gt;Das Epizentrum der Revolution war eindeutig das franz&#246;sische Proletariat&lt;/i&gt;, das w&#228;hrend der Kommune der ganzen Welt als Tr&#228;ger des Inhalts der historischen Bewegung erschien.&lt;br class='manualbr' /&gt;2) Diese Haltung war gleichbedeutend mit der Unterst&#252;tzung Bismarcks in Deutschland und der Entwaffnung der deutschen Proletarier im Namen der f&#252;r ihren k&#252;nftigen Kampf notwendigen, b&#252;rgerlichen nationalen Revolution, &lt;i&gt;obwohl ihr Kampf schon existierte&lt;/i&gt;. Wenn Dangeville in den von ihm herausgegebenen &lt;i&gt;&#201;crits militaires&lt;/i&gt; von Marx und Engels versucht, dies durch eine pseudodialektische Gymnastik zu rechtfertigen, enth&#252;llt er seine teleologischen R&#252;ckst&#228;nde: &#8222;Tats&#228;chlich waren die franz&#246;sischen Arbeiter unf&#228;hig, ihre Bourgeoisie zu st&#252;rzen (und Bismarck &#252;bernahm diese Aufgabe).&#8220; Denn es ist &lt;i&gt;absolut&lt;/i&gt; klar, dass Bismarck den Aufstieg der franz&#246;sischen Bourgeoisie einleitete, indem er Thiers und Versailles, ihre wahren Repr&#228;sentanten, an die Macht brachte. Die Art und Weise, um jeden Preis die taktischen Positionen der Meister rechtfertigen zu wollen, eine morbide und l&#228;cherliche Manie der Bordigisten, erreicht hier ihren H&#246;hepunkt: die Anfertigung einer unwirklichen Geschichte, die f&#252;r die gute Sache der ideologischen Geschichte des &#8222;invariablen&#8220; Programms agiert. Dieser schlechte, von Dangeville &#252;bernommene Witz von Marx und Engels findet ihre wirkliche Vollendung in der Sozialdemokratie. Unmittelbar f&#252;hren einige F&#228;den direkt zu Bernstein und anderen: die metaphysischen Subtilit&#228;ten zwischen defensiven und offensiven Kriegen (man kennt den Weg, welchem sie folgen werden); die Unterst&#252;tzung Bismarcks, die sich kaum von jener Lassalles unterschied: &#8222;Darum aber den Antibismarckismus zum alleinleitenden Prinzip erheben, w&#228;re absurd. Erstens tut B[ismarck] jetzt, wie 1866, immer &lt;i&gt;ein St&#252;ck von unsrer Arbeit&lt;/i&gt;, in seiner Weise und ohne es zu wollen, &lt;i&gt;aber er tut's doch&lt;/i&gt;. Er schafft uns reineren Bord als vorher.&#8220; (Engels an Marx, 15. August 1870, MEW 33, S. 40); die Beteiligung an der Kriegsf&#252;hrung und am Aufruf zur Konsolidierung einer nationalen Armee gegen das Prinzip der Arbeitermilizen, all das verbunden mit der Forderung nach heftiger Repression des preussischen Staates gegen alle Arbeiter und Kleinbauern, die sich dem Milit&#228;reinsatz zu entziehen suchten (siehe den abstossenden Text von Engels &lt;i&gt;Die preussische Milit&#228;rfrage und die deutsche Arbeiterpartei&lt;/i&gt;, 1865); und wir k&#246;nnten diese Liste weiterf&#252;hren, welche beweist, dass Marx und Engels die Sozialdemokratie &lt;i&gt;im Vornhinein&lt;/i&gt; gr&#252;ndeten.&lt;br class='manualbr' /&gt;Es geht jedoch nicht darum, wie in der Schiessbude den Ball auf die beiden Herren zu werfen, sondern auch darum, zu erkennen, inwieweit Marx und Engels all diese Linie taktischer Positionen als &lt;i&gt;Notwendigkeiten des Moments&lt;/i&gt; konzipierten. Obwohl ihre Analyse &lt;i&gt;absolut falsch&lt;/i&gt; war, bezog sie sich auf eine kommunistische Sichtweise der Bewegung des Proletariats; sie kann sehr gut durch die blendenden Vermittlungen der Epoche erkl&#228;rt werden, obwohl die Sozialdemokraten und ihre &#8222;sozialistischen&#8220; oder &#8222;stalinistischen&#8220; Nachfolger diese ganze Analyse &#252;bernehmen werden, als ob sie nichts mit ihrem Kontext zu tun h&#228;tte, als ob sie absolut, ewig, f&#252;r immer und seit jeher g&#252;ltig w&#228;re (&#8222;Die Armee von Valmy&#8220;). Marx war ein Materialist und konnte sich t&#228;uschen, da materiell durch die Epoche beschr&#228;nkt, doch diese Schmierenkom&#246;dianten und Politiker wenden bloss &lt;i&gt;ad aeternum&lt;/i&gt; &#8222;marxistisch&#8220; genannte Prinzipien auf die L&#246;sung materieller Probleme an, was etwas ganz anderes ist. Marx rief zwar dazu auf, Bismarck zu unterst&#252;tzen, doch das war nur provisorisch usw. Zwei Tatsachen k&#246;nnen f&#252;r diese von der gegenw&#228;rtigen wirklichen Bewegung leider noch nicht gef&#252;hrte Diskussion &lt;i&gt;hier&lt;/i&gt; provisorisch als Schlussfolgerung dienen:&lt;br class='manualbr' /&gt;1) Marx &lt;i&gt;korrigierte&lt;/i&gt; sein Urteil &#252;ber die Kommune, Deutschland und die Sozialdemokratie und Russland (siehe den &lt;i&gt;Briefwechsel mit Vera Sassulitsch&lt;/i&gt;); und zwar korrigierte er sein Urteil auf eine Art und Weise, die &lt;i&gt;&#252;berhaupt keinen Raum f&#252;r Zweifel&lt;/i&gt; l&#228;sst.&lt;br class='manualbr' /&gt;2) Er bevorzugte die m&#228;chtige Entwicklung der deutschen Industrie gegen&#252;ber ihrer Stagnation, weil die Widerspr&#252;che sich desto st&#228;rker verschlimmern, je mehr eine Wirtschaft aufbl&#252;ht, was schlussendlich die f&#252;r die Revolution notwendigen, tiefen Krisen hervorbringt; er hatte diese Position also nicht, weil er an eine harmonische Entwicklung des gesellschaftlichen Prozesses glaubte, wie seine deutschen Sch&#252;ler; sondern weil eben die Theorie des Proletariats nur eine &lt;i&gt;Theorie der Katastrophe&lt;/i&gt; sein kann; eben genau aus dem umgekehrten Grund. &lt;br class='manualbr' /&gt;Die Positionen von Marx zum franz&#246;sisch-preussischen Krieg und der Entstehung der Kommune sind, obwohl sie hier nur kurz behandelt werden k&#246;nnen, von grundlegender Bedeutung f&#252;r das Verst&#228;ndnis der gegenw&#228;rtigen historischen Bewegung (milit&#228;rische Frage, nationale Frage usw.), doch diese Arbeit wurde bis anhin nur von &#8222;orthodoxen Sch&#252;lern&#8220;, von Ver&#228;chtern ohne Intelligenz realisiert, f&#252;r welche diese Intelligenz auch nicht notwendig war, weil es ihre wirkliche Situation nicht erforderte. Wir denken besonders, dass der Vergleich mit den Schriften Bakunins zur gleichen Zeit (&lt;i&gt;Briefe an einen Franzosen zur aktuellen Krise&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Das Knuto-germanische Kaiserreich&lt;/i&gt;) und ihre wirkliche Konfrontation es erlauben w&#252;rde, diesbez&#252;glich etwas klarer zu sehen und gleichzeitig die Erste Internationale unter dem Aspekt der organischen Verbindung zwischen den verschiedenen Entwicklungsphasen, sowie das existierende dialektische Verh&#228;ltnis zwischen diesem Aspekt und der Totalit&#228;t der Klassenk&#228;mpfe zwischen 1870 und 1871 zum Vorschein bringen w&#252;rde, eine Totalit&#228;t, die Marx und Bakunin, auf bestimmte Phasen des gesellschaftlichen Prozesses fixiert, erst im Nachhinein verstanden haben. Die Schriften Bakunins sind zur Analyse dieses entscheidenden historischen Moments unumg&#228;nglich: In Bezug auf den franz&#246;sisch-preussischen Krieg benutzt der Russe die gleichen Argumente wie Marx, jedoch zur Verteidigung der franz&#246;sischen Seite (Aufruf zur Volksarmee usw.), wobei er genau wie Marx die sogenannte Unf&#228;higkeit des franz&#246;sischen Proletariats verachtet, sich ihrer Bourgeoisie zu entledigen, es jedoch als Epizentrum der europ&#228;ischen Revolution betrachtet, und er auch in Bezug auf Bismarck und Deutschland einen treffenderen Standpunkt hat.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Am Abend des 14. September verl&#228;sst Michail Bakunin Genf in Richtung Lyon. Dort will er versuchen, sein Programm zu verwirklichen, die Schlussfolgerung der &lt;i&gt;Briefe an einen Franzosen&lt;/i&gt;, in welchen er erkl&#228;rt, Frankreich sei nur durch die Anarchie und die Revolte in den &lt;i&gt;Provinzen&lt;/i&gt; zu retten, indem &#8222;die Regierungsmaschine zerst&#246;rt&#8220; wird (das wird auch die wichtige Lehre der Niederlage der Kommune sein, auch wenn sie das w&#228;hrend ihrer Existenz, aufgrund ihrer Isolation von der Provinz, wo die Erhebungen unbedeutend waren oder sogleich niedergeschlagen wurden, nicht realisieren konnte).&lt;br class='manualbr' /&gt;Am 4. September hatte sich ein &lt;i&gt;Komitee zur Rettung&lt;/i&gt; im Rathaus eingerichtet, es war jedoch am 15. durch einen gew&#228;hlten, aus gem&#228;ssigten Tendenzen bestehenden Gemeinderat ersetzt worden. Am 17. und 18. wird im Verlauf von politischen Sitzungen, auf Anregung des russischen Revolution&#228;rs, ein &lt;i&gt;Komitee zur Rettung von Frankreich&lt;/i&gt; eingesetzt. Am 25. verfassen Bakunin und seine Freunde ein grosses Plakat, das einen Aufruf zum Aufstand darstellt und folgendes dekretiert: die Abschaffung der Verwaltungs- und Regierungsmaschine des Staates; Volksgerichtsbarkeit; die Bezahlung der Steuern und Hypotheken ist unterbrochen; in jeder Gemeinde &#252;bernimmt ein Komitee zur Rettung von Frankreich die Macht; die Gr&#252;ndung einer revolution&#228;ren Konvention zur Rettung von Frankreich in Lyon, das aus Delegierten aus den Komitees in den Departementen zusammengesetzt ist. Das Plakat schloss ab mit: &#8222;Zu den Waffen!!!&#8220; Die Unterzeichnenden kamen aus Lyon und der Region (Albert Richard, Palix, Blanc u.a.), aus Marseille (Bastelica) und aus Saint-&#201;tienne (Dupin). Am 26. findet eine &#246;ffentliche Sitzung statt, wo der Text des Plakats vorgelesen wird. Am 28. bricht der Aufstand aus, Cluseret wird als General der revolution&#228;ren Armee bejubelt, die Nationalgarden werden entwaffnet und das &lt;i&gt;Komitee zur Rettung von Frankreich&lt;/i&gt; richtet sich im Rathaus ein. Doch der Mangel einer ernsthaften Basis (einige Gruppen bewaffneter Arbeiter) und die Unentschlossenheit der von einem Opera-buffa-General (Cluseret, der sich, man weiss es, in Paris noch brillanter hervortut) angef&#252;hrten Operettenaufst&#228;ndischen zwingen die meisten Gef&#228;hrten Bakunins zur Flucht und bringen den Gemeinderat sogleich wieder zur&#252;ck. Der kurz in Gewahrsam genommene, und dann von seinem Freund Ozaroff gerettete Bakunin ist gezwungen, nach Marseille zu gehen.&lt;br class='manualbr' /&gt;Diese &#8222;verr&#252;ckte Eskapade&#8220; Bakunins, der zu ihrer Verwirklichung mit radikalen und jakobinischen, kleinb&#252;rgerlichen Phrasendreschern oder schlichtweg Verr&#228;tern (einige flogen als Agenten von Napoleon III. auf) zusammengearbeitet hatte, erlaubte es Marx auf etwas zu einfache Art und Weise, sich dar&#252;ber lustig zu machen, denn all das war voluntaristisch, putschistisch und &#8222;komiteebezogen&#8220; (die Komitees zur Rettung sind eine besonders &lt;i&gt;b&#252;rokratische&lt;/i&gt; Konzeption des revolution&#228;ren Aufstands); gleichzeitig war es ein ehrlicher Versuch, der Isolation von Paris vorzubeugen, ein praktischer Versuch, Thiers und seiner Bourgeoisie vorauszugehen, verbunden mit einer tiefen Angst in Anbetracht der entscheidenden Situation f&#252;r das franz&#246;sische Proletariat. Dieser Versuch war nicht dermassen absurd und die Niederlage war gleichbedeutend mit einer tieferen Niederlage: der unvermeidbaren Niederlage der Pariser Kommune. Zu jener Zeit, wo Marx die franz&#246;sische Arbeiterklasse &lt;i&gt;auf mehr als nur ambivalente und unrealistische Art und Weise&lt;/i&gt; mit Ratschl&#228;gen zur M&#228;ssigung &#252;bersch&#252;ttete, versuchten Leute mit ihren Mitteln und ihrer Energie den Aufstand auf ganz Frankreich auszuweiten. Doch Marx traf den Kern der Sache bez&#252;glich der Bedeutung des Problems in Bezug auf die Anmassung, den Staat per Dekret abschaffen zu wollen, Bakunin masste sich das an und diese Anmassung enth&#228;lt alle Ambivalenz und Ahistorizit&#228;t der anarchistischen Ideologie:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Am 28. September, dem Tage seiner Ankunft, hatte das Volk sich des Stadthauses bem&#228;chtigt. Bakunin nahm Posto darin: der kritische, der lange Jahre hindurch erwartete Moment war endlich da, an welchem Bakunin den revolution&#228;rsten Akt vollziehen konnte, den die Welt jemals gesehen &#8211; er dekretierte die &lt;i&gt;Abschaffung des Staates&lt;/i&gt;. Aber der Staat, in der Form und Gestalt von zwei Kompanien Bourgeois-Nationalgarden, drang ein durch einen Eingang, den zu besetzen man vergessen hatte, fegte den Saal aus und schickte Bakunin eiligst auf den Weg nach Genf.&#8220; (Karl Marx, &lt;i&gt;Ein Komplott gegen die Internationale Arbeiter-Assoziation&lt;/i&gt;, 1873, MEW 18, S. 351.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In England z.B., siehe &#8222;Du rackett politique au cirque &#233;lectoral&#8220; in &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt;, Nr. 1.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;MEW, Bd. 33, 1976, S. 206.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fran&#231;ois Martin, &lt;i&gt;Quelques le&#231;ons d'une insurrection pass&#233;e pour une insurrection future&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, Brief an Sorge vom 27. September 1877, MEW 34, S. 295.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paul Brousse (1843-1912) ist zu dieser Zeit der Anf&#252;hrer des franz&#246;sischen Possibilismus. Brousse ist ein typischer Repr&#228;sentant des politischen Arbeiterkarrierismus, der politischen Tendenz, proletarische K&#228;mpfe auf &#214;konomismus, auf &#8222;praktische&#8220; Reformen, auf die emp&#246;rte Verweigerung jeglicher Theorie zu reduzieren. Was die verschiedenen Lebensabschnitte von Brousse miteinander verbindet, ist sein Anti-Marxismus einer ausgesprochen bornierten und reaktion&#228;ren Pr&#228;gung, der nicht vergleichbar ist mit seinem Pol der radikalen Kritik wie bei Malatesta, Nieuwenhuis usw. Paul Brousse oder &#8222;von der Bombe zu den Gemeinderatswahlen&#8220;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Tats&#228;chlich war Paul Brousse zuerst Anarchist, und sogar einer dieser aktiven M&#228;nner zwischen 1872 und 1878. Er gr&#252;ndete mit Alerini und Camet im Fr&#252;hling 1873 das &lt;i&gt;Sozialistische revolution&#228;re Propagandakomitee S&#252;dfrankreichs&lt;/i&gt;, das seinen Sitz in Barcelona hatte und dort die Zeitung &lt;i&gt;La Solidarit&#233; r&#233;volutionnaire&lt;/i&gt; herausgab, eine anarchistische Zeitung, deren Artikel gr&#246;sstenteils von ihm selbst geschrieben waren und die klandestin nach Frankreich gebracht und dort verteilt wurde. Er ging danach in die Schweiz, um sich dort den Anti-Autorit&#228;ren anzuschliessen, nachdem er mehrere Monate in Lyon verbracht hatte, w&#228;hrend welchen er Kontakte zur bedeutenden revolution&#228;ren Gruppe im Quartier Croix-Rousse gekn&#252;pft hatte, jene Gruppe, welche sp&#228;ter im fl&#252;chtigen Wiederauftauchen subversiver Tendenzen innerhalb der franz&#246;sischen proletarischen Bewegung eine derart grosse Rolle spielt. Als Delegierter einer franz&#246;sischen Sektion und der spanischen F&#246;deration nahm er 1878 am ersten Kongress der anti-autorit&#228;ren IAA [Ad&#220;: gemeinhin bekannt als Juraf&#246;deration] teil, danach organisierte er in Bern das Treffen zwischen Bakunin, Alerini, Pindy und den Spaniern Farga und Vinas. Er war eine bedeutende Figur in der Westschweiz, v.a. innerhalb der Redaktion des &lt;i&gt;Bulletin de la F&#233;d&#233;ration jurassienne&lt;/i&gt;. Er gr&#252;ndete eine Sektion in Bern und war dort auch an der Gr&#252;ndung einer deutschsprachigen Sektion beteiligt, deren Zeitung die &lt;i&gt;Arbeiter-Zeitung&lt;/i&gt; (1876-1877) war und welche die Grundlage des Beginns der anarchistischen revolution&#228;ren Bewegung im deutschsprachigen Raum darstellt. Er war auch einer der Mitglieder dieser franz&#246;sischen, von Pindy gegr&#252;ndeten F&#246;deration und ihrer Verwaltungskommission (mit Pindy, Alerini, Dumartheray und Montels); im Juni 1877 gr&#252;ndete er mit der Hilfe von Kropotkin die Zeitung der F&#246;deration, &lt;i&gt;L'Avant-Garde&lt;/i&gt;, die klandestin in Frankreich verteilt wurde; schliesslich redigierte er das abstentionistische Manifest im Oktober 1877. W&#228;hrend er all diesen T&#228;tigkeiten nachging, war Brousse Teil der kleinen &#8222;revolution&#228;ren Gemeinschaft&#8220;, die mehr oder weniger geheim rund um Kropotkin organisiert war und parallel zur Organisation der IAA [Ad&#220;: Juraf&#246;deration] internationale Kontakte pflegte. Ausserdem war er zusammen mit Costa der Repr&#228;sentant des extremistischsten Fl&#252;gels der Bewegung im Februar 1877, er organisierte, obwohl die &#8222;Gem&#228;ssigten&#8220; rund um James Guillaume dagegen waren, eine Strassendemonstration in Bern, die betr&#228;chtliche Unruhen und, f&#252;r ihn, Gef&#228;ngnis und Verbannung zur Folge hatte; doch v.a. war er einer jener, welche offen die Notwendigkeit der &#8222;Propaganda der Tat&#8220; verteidigten: Mit Costa hielt er mehrere Konferenzen und &#228;usserte mehrere Erkl&#228;rungen, welche die Bombe und das Dynamit priesen. Und diese gleiche &lt;i&gt;Ungeduld&lt;/i&gt;, etwas zu erhalten, nicht auf die Revolution zu warten, f&#252;hrte ihn auf den Weg des Reformismus, der &lt;i&gt;dieser gleichen Ungeduld entspringt&lt;/i&gt;, denn Reformen erh&#228;lt man &#8222;w&#228;hrend man wartet&#8220;, &#8222;mangels besserer Alternativen&#8220;. Die italienische Linke sah immer die Bedeutung dieses Verh&#228;ltnisses, als sie bekr&#228;ftigte, dass &lt;i&gt;die Ungeduld die Quelle des Opportunismus ist&lt;/i&gt;. Und diese gleiche Ungeduld, die Brousse auf diese Weise zum Reformismus f&#252;hrte, f&#252;hrte ihn sogar sehr schnell dazu, denn er schlug 1878 am Kongress der Juraf&#246;deration die Teilnahme an den Gemeindewahlen und die Unterst&#252;tzung der Kandidatur Blanquis vor. Der Wille, die Geschichte durch Bomben oder den Putsch zu beschleunigen, hat die gleichen Wurzeln, wie die Tatsache, ihr kleine Dinge entreissen zu wollen, die trotz allem die Anf&#228;nge der grossen Revolution darstellen sollen. Als Brousse 1879 aus der Schweiz verwiesen wird, tritt er in die Reihe, indem er sich Guesde und seinen Freunden anschliesst.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;MEW, Bd. 37, S. 232.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten&#8220;, MEW Bd. 21, S. 223.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In D&#228;nemark wird 1889 die linke oppositionelle Minderheit, die von Gerson Trier und Nicola&#239; Petersen angef&#252;hrt wird und die Wochenzeitung &lt;i&gt;Arbedjeren&lt;/i&gt; (&#8222;Der Arbeiter&#8220;) herausgibt, mit nur 2700 von 40000 Stimmen auf Anregung des Exekutivkomitees der d&#228;nischen sozialdemokratischen Partei nach verschiedenen b&#252;rokratischen Man&#246;vern, Wahlmanipulationen und einer heftigen, zur Personalisierung tendierenden Polemik, um der wirklichen Bedeutung und den theoretischen Grundlagen besser Einhalt zu gebieten, ausgeschlossen. Engels gibt in dieser Aff&#228;re, obwohl er ein pers&#246;nlicher Freund von Trier und mit ihnen einverstanden war, dem Ausschluss seine p&#228;pstliche Segnung, womit er einmal mehr die klare und deutliche Entwicklung der Zweiten Internationale hin zu einem eindeutig b&#252;rgerlichen Organismus beg&#252;nstigt, der nicht einmal mehr reformistisch ist.&lt;br class='manualbr' /&gt;Um sich bewusst zu machen, dass man es in diesem Fall genau wie in Holland oder Schweden nicht mit einem zuf&#228;lligen, mit einem &#8222;Fehler&#8220; oder einer &#8222;taktischen&#8220; Uneinigkeit zwischen verschiedenen Fraktionen zusammenh&#228;ngenden Ph&#228;nomen, sondern mit einem allgemeinen Ph&#228;nomen in einem bestimmten historisch-geographischen Bereich (die Zweite Internationale in den angels&#228;chsischen und n&#246;rdlichen L&#228;ndern) zu tun hat, ist es n&#252;tzlich, etwas zur&#252;ckzugehen und die Geschichte der sozialen Bewegung in D&#228;nemark bis 1889 zu skizzieren. &lt;br class='manualbr' /&gt;Es existierte 1871 eine Sektion der Zweiten Internationale, haupts&#228;chlich in Kopenhagen, deren F&#252;hrung &#8211; eine bemerkenswerte Tatsache &#8211; in den H&#228;nden von Arbeitern und intellektuellen Proletariern, und nicht in den H&#228;nden von Klein- oder Grossb&#252;rgerlichen wie in Deutschland (Doktoren, Professoren usw.) war. Sie hatte eine Zeitung, &lt;i&gt;Socialisten&lt;/i&gt;, die von Harald Brix herausgegeben wurde, ab April 1872 eine Tageszeitung war und mehrmals von der Zensur und der Polizei konfisziert wurde, was der Grund war, dass sie manchmal im Ausland, wie z.B. in Hamburg oder Malm&#246; (Schweden), erschien; um diese Zeitung war die gesamte aktive Fraktion des d&#228;nischen Proletariats gruppiert, die in den h&#228;ufig von Gewalt begleiteten, fast immer in physischen Konfrontationen mit der Polizei endenden Streiks intervenierte.&lt;br class='manualbr' /&gt;Dieser Prozess erreichte seinen H&#246;hepunkt am 5. Mai 1872. An diesem Tag streikten die Maurer und &lt;i&gt;Socialisten&lt;/i&gt; hatte alle Arbeiter Kopenhagens zu einem grossen, entscheidenden Treffen eingeladen. Selbstverst&#228;ndlich wurde es von der Regierung verboten, die Polizei lancierte einen Angriff gegen den &#246;ffentlichen Platz, wo das Treffen abgehalten werden sollte, und besetzte ihn; es kam zu einem heftigen Zusammenstoss und mehrere Anf&#252;hrer wurden verhaftet: Louis Piot, Paul Gellef, Harald Brix u.a. Angeklagt wegen Aufruf zu Mord und Pl&#252;nderung (damals schon!) wurden sie zu mehreren Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Trotzdem vergr&#246;sserte und vertiefte sich die Bewegung und im August 1873 wurde die Arbeiter-Assoziation von der Regierung verboten und aufgel&#246;st. &lt;i&gt;Daraufhin wurde die Sozialdemokratische Partei gegr&#252;ndet und alles begann langsam zu verfaulen&lt;/i&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Zwischen 1870 und 1873 ging Europa durch eine bedeutende wirtschaftliche und politisch-milit&#228;rische Krise, die es dem industriellen Proletariat erlaubte, ziemlich &#252;berall zu intervenieren, doch v.a. in Paris, und zum revolution&#228;ren Angriff und der Kommune f&#252;hrte. Nach der Niederlage der franz&#246;sischen Arbeiterklasse konnte die Konterrevolution die Ordnung mit Hilfe der Staaten wiederherstellen, die vor allen anderen Funktionen zu anti-proletarischen Waffen geworden waren.&lt;br class='manualbr' /&gt;Der Zyklus der Konterrevolution dauerte danach ungef&#228;hr 45 Jahre, charakterisiert war er haupts&#228;chlich durch den Aufstieg der Sozialdemokratie auf fast schon totalit&#228;re Art und Weise. Alles, was innerhalb der sozialistischen Bewegung theoretisch zum Kommunismus tendierte, wurde m&#252;hevoll und systematisch ausgehobelt und/oder aus der von den Sozialdemokraten komplett politisch monopolisierten Arbeiterbewegung ausgeschlossen; G-W-G' konnte ungest&#246;rt seinen Walzer tanzen: Innerhalb der Gleichung war ' gleichbedeutend mit dem Recht auf die demokratische Existenz f&#252;r das Proletariat. Dieses Schema wird umso &lt;i&gt;unbestreitbarer&lt;/i&gt;, je weiter man der d&#228;nischen Odyssee mit all ihren Unw&#228;gbarkeiten folgt.&lt;br class='manualbr' /&gt;Im August 1877 retteten sich Piot und Geleff durch die Ausreise nach Amerika, mit der Kasse, was gar nicht so dumm war. Darum erschien &lt;i&gt;Socialisten&lt;/i&gt; immer unregelm&#228;ssiger und der Skandal erreichte die sozialistische Bewegung. Dort geh&#246;rt die moralische Emp&#246;rung im allgemeinen und grossz&#252;gigerweise zum guten Ton, doch kritische H&#228;rte hat nichts mit Moral zu tun. Warum, und das ist die wahre Frage, die in sich selbst ihre Antwort enth&#228;lt, fl&#252;chten zwei Revolution&#228;re mit der Kasse, die das Beste (und das Schlimmste) ihres Lebens gegeben, das Gef&#228;ngnis riskiert und in die Strafkolonie verbannt worden waren und die radikale Str&#246;mung des d&#228;nischen Proletariats w&#228;hrend diesen Jahren intensiver K&#228;mpfe repr&#228;sentiert hatten? &lt;i&gt;Der Grund daf&#252;r war, dass es keine revolution&#228;re mehr, sondern eine konterrevolution&#228;re Bewegung war und sie darin nichts verloren hatten&lt;/i&gt;; Harald Brix hatte sein Zuhause in einem d&#228;nischen Gef&#228;ngnis aufgrund politischer Agitation; er starb 1881. Die Politiker hatten nun freie H&#228;nde.&lt;br class='manualbr' /&gt;Ende 1877 fand der erste Sozialistenkongress in D&#228;nemark statt. Er nahm das Gothaer Fusionsprogramm an und repr&#228;sentierte 7000 Mitglieder, w&#228;hrend die Assoziation auf dem H&#246;hepunkt der K&#228;mpfe 1872 kaum 700 hatte; was das &lt;i&gt;zwingend&lt;/i&gt; konterrevolution&#228;re Wesen einer solchen Partei mit 7000 Mitgliedern 1877 beweist, zu einer Zeit der gesellschaftlichen Ruhe und in einem kleinen Land wie D&#228;nemark. Es gen&#252;gt, die gew&#228;hlten Motionen zu lesen, um zu realisieren, inwieweit die revolution&#228;re Tendenz verschwunden war, um der &#8222;politischen&#8220; und &#8222;gewerkschaftlichen&#8220; Agitation Platz zu machen. Ihre beiden St&#252;tzpfeiler waren der Parlamentarismus und die gewerkschaftliche T&#228;tigkeit. Im Jahr 1884 verb&#252;ndete sich die d&#228;nische SP mit der b&#252;rgerlichen Opposition, um den Minister Estrup zu st&#252;rzen, was ihre Mitgliederzahl und ihre Popularit&#228;t auf beeindruckende Art und Weise anwachsen liess: Sie hatte ihr Eintrittsticket in die demokratische Arena erlangt. Und wir gehen &#252;ber den Rest hinweg.&lt;br class='manualbr' /&gt;In einem internen Rundschreiben zur Vorbereitung des Kongresses 1888 kann man folgendes lesen: &#8222;Wir m&#252;ssen alles versuchen, um praktische Reformen zu erreichen, welche dazu beitragen, die Situation des Kleinb&#252;rgertums zu verbessern.&#8220; Das gleiche stand auch in einer &#246;ffentlichen Erkl&#228;rung: &#8222;Der Staat muss den Bauern mit Landbesitz die notwendigen Kapitale g&#252;nstig zur Verf&#252;gung stellen.&#8220; W&#228;hrend den Gemeindewahlen 1888 in Kopenhagen erkl&#228;rte die d&#228;nische SP offen, dass sie die Interessen des Kleinb&#252;rgertums repr&#228;sentiere, und schlug die Vers&#246;hnung zwischen Arbeitern und Kleinb&#252;rgerlichen vor. Es geht hier nicht einmal mehr um taktische Klassenb&#252;ndnisse und das &#252;bliche Geschw&#228;tz bez&#252;glich dieser Fragen, sondern um einen &lt;i&gt;unverbl&#252;mten&lt;/i&gt; Seitenwechsel hinsichtlich der gesellschaftlichen Schranke. Und zu diesem Zeitpunkt gruppiert sich die anti-parlamentarische marxistische Minderheit um die Zeitung &lt;i&gt;Arbedjeren&lt;/i&gt;, um auf den Bruch hinzuarbeiten, von dem wir weiter oben gesprochen haben (zu diesem Thema muss angemerkt werden, dass es von Anfang eine um Sophus Phill gruppierte Opposition gab). Die Ausgeschlossenen, die von ihren Gegnern zu Unrecht als &#8222;Anarchisten&#8220; bezeichnet wurden, gr&#252;ndeten die &lt;i&gt;Revolution&#228;re sozialistische Partei&lt;/i&gt; und behielten &lt;i&gt;Arbedjeren&lt;/i&gt; als Parteizeitung. Sie k&#228;mpfen an drei Fronten: gleichzeitig gegen den Staat und die Polizei (Petersen ist immer mal wieder im Gef&#228;ngnis), gegen die Arbeitgeberschaft und gegen die Sozialdemokratie. Sie weigern sich, gem&#228;ss ihren eigenen Worten, &#8222;Politik zu machen&#8220; und setzen den politischen Kampf mit dem b&#252;rgerlichen Streben nach Reformen gleich, das sie ebenfalls bek&#228;mpfen. Am skandinavischen Kongress in Christiania (102 Delegierte) im August 1890 ist die Diskussion zwischen Sozialdemokraten und revolution&#228;ren Sozialisten heftig, letztere werfen ersteren ihre Weigerung vor, den Kampf der Arbeitslosen zu unterst&#252;tzen, eine Weigerung, die mit der Verteidigung der Interessen der Bauern mit Landeigentum, der Handwerker und der wohlhabenden Arbeiter und der organisierten Sabotage des unmittelbaren Kampfes f&#252;r den Acht-Stunden-Tag zu tun hat. Die d&#228;nische SP endet &#252;brigens ziemlich b&#246;se; nachdem sie im Parlament f&#252;nf Sitze gewonnen hat, verb&#252;ndet sie sich mit den radikalen B&#252;rgerlichen und wird zu einem europ&#228;ischen Mitglied des &#8222;Possibilismus&#8220;.&lt;br class='manualbr' /&gt;Petersen muss ein Jahr (1892-1893) aufgrund eines Artikels im &lt;i&gt;Arbeiter&lt;/i&gt; ins Gef&#228;ngnis, der sich zum Aufstand und der Zerst&#246;rung des Staats bekennt. W&#228;hrend seinem Gef&#228;ngnisaufenthalt &#252;bernimmt eine andere, eher anarchistische Tendenz die F&#252;hrung in der Redaktion des &lt;i&gt;Arbeiter&lt;/i&gt; und beginnt, Artikel der von Landauer angef&#252;hrten Zeitung &lt;i&gt;Der Sozialist&lt;/i&gt; aus Berlin zu reproduzieren; nach einem Jahr kann der Arbeiter nicht mehr erscheinen (alles gem&#228;ss einem Brief von Petersen an Engels vom 8. Juli 1893). Um nicht zwischen Engels und den &#8222;Jungen&#8220; Position beziehen zu m&#252;ssen, behauptet Petersen, die d&#228;nische Opposition sei eine Opposition hinsichtlich taktischer Prinzipien, w&#228;hrend es zwischen der deutschen Opposition und der F&#252;hrung der deutschen SP nur &#8222;Nuancen&#8220; gebe (gem&#228;ss einem Artikel von Petersen im &lt;i&gt;Arbeiter&lt;/i&gt; am 8. November 1891). Die Ambivalenz ist tief und 1901 (u.a.) bringt der Druck der F&#252;hrung der Zweiten Internationale (Bebel, die &#214;sterreicher) die F&#252;hrung der d&#228;nischen SP dazu, die Ausschl&#252;sse von 1889 r&#252;ckg&#228;ngig zu machen.&lt;br class='manualbr' /&gt;W&#228;hrend der Periode zwischen 1889 und 1901 erreicht die Radikalit&#228;t der d&#228;nischen Linken der Zweiten Internationale ihren H&#246;hepunkt, Trier spricht sogar positiv vom Anarchismus in den 1894 ver&#246;ffentlichten Artikeln und proklamiert, er habe mehr mit Bakunin und Kropotkin gemeinsam als mit dem &#8222;Sozialdemokratismus&#8220;. Ausser 1916, wo Trier die SP aus Protest gegen ihren Ministerialismus verl&#228;sst, manifestiert sich die Opposition &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; der Sozialdemokratie (1901-1916). Trier starb 1918, w&#228;hrend er seine Sympathie f&#252;r die neue &lt;i&gt;Sozialistische&lt;/i&gt; (sp&#228;ter Kommunistische) &lt;i&gt;Arbeiterpartei&lt;/i&gt; ausdr&#252;ckte, ihr jedoch nicht beitreten wollte, weil die Partei parlamentaristisch blieb.&lt;br class='manualbr' /&gt;Die eher anarchistische Tendenz der Redaktion nach 1892 ist kaum artikuliert; und erst in der ersten Dekade dieses [des 20.] Jahrhunderts entsteht mit der Tageszeitung &lt;i&gt;Die sozialistische Arbeiterzeitung&lt;/i&gt; (1908) von Chr. Christensen, ein Sch&#252;ler von Trier und Petersen, eine nicht-marxistische revolution&#228;re Tendenz (bis 1915 schreibt auch Petersen von Zeit zu Zeit in dieser Zeitung, danach wird er nach einem Selbstmordversuch mehr oder weniger verr&#252;ckt). Diese Tendenz, welche zwischen 1905 und 1908 einen anti-parlamentaristischen Text von Herman Teistler von ungef&#228;hr 1890 mit dem Titel &#8222;Wacht auf&#8220; ver&#246;ffentlicht, wird sp&#228;ter auch f&#252;r den Import der &#8222;revolution&#228;r syndikalistischen&#8220; Ideen nach D&#228;nemark verantwortlich sein. Im Jahr 1908 gr&#252;nden Chr. Christensen und andere die &lt;i&gt;Syndikalistische F&#246;deration&lt;/i&gt; und 1910 die &lt;i&gt;Union der gewerkschaftlichen Opposition&lt;/i&gt;, wovon eine Tendenz gegen 1920 versucht, sich mit der nicht-anarcho-syndikalistischen kommunistischen Linken zu vereinen (der Haupttext von Christensen datiert von 1921 und tr&#228;gt den Titel &#8222;Moskau und der Syndikalismus&#8220; &#8211; im gleichen Jahr zerst&#246;rt der vereinigende und spaltungsfeindliche Sinowjewismus diesen Versuch).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine Bewegung zwischen der d&#228;nischen und der holl&#228;ndischen entwickelte sich in Schweden, jedoch auf weniger radikalen Grundlagen und quantitativ unbedeutender. Besonders degenerierte die Bewegung nach einer terroristischen Phase schneller als woanders hin zu ihrer arbeiterorientierten Achse und war der Beginn der schwedischen anarchosyndikalistischen Bewegung, die heute noch existiert und sogar die einzige Bewegung dieser Art mit einer gewissen gewerkschaftlichen Bedeutung bleibt, nachdem die CNT in Wirklichkeit verschwunden ist. Die SAC ist ein Beispiel daf&#252;r, was die Grenzentwicklung des syndikalistisch-revolution&#228;ren Inhalts in der modernen Gesellschaft hervorbringen kann: &#8222;Apolitismus&#8220;, sozialer B&#252;rgersinn, sozialer Pazifismus, Mitbestimmung, Verherrlichung der Demokratie, Unterst&#252;tzung des Wohlfahrtsstaates usw. Bei Nettlau findet man einige Informationen zur Bergregen-Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;La Perspective du communisme&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt; I, 'Le Prol&#233;tariat comme destructeur du travail'.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;La Perspective du communisme&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Encyclop&#233;die socialiste syndicale et coop&#233;rative de l'Internationale ouvri&#232;re&lt;/i&gt;, herausgegeben von Comp&#232;re-Morel.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Kautsky, zitiert gem&#228;ss Lenin, &lt;i&gt;Was tun?&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Louis Pindy (oder Pendy) (1840-1917) war ein Schreiner, der 1867 der Internationale beitrat und deren Sektion in Brest gr&#252;ndete; im gleichen Jahr verlegte er seinen Wohnsitz nach Paris, wo er sich sehr schnell aktiv am Leben der IAA beteiligte. Pindy war damals in der von Tolain angef&#252;hrten proudhonianischen Fraktion, die am Basler Kongress (dritter Kongress der IAA) gegen das Kollektiveigentum des Bodens gestimmt und wo er als Repr&#228;sentant der Gewerkschaftskammer der Schreiner von Paris teilgenommen hatte. Pindy wurde, nachdem er aufgrund der gegen die IAA gerichteten Prozesse im Gef&#228;ngnis war, einer der Repr&#228;sentanten des revolution&#228;ren Proletariats, einer der agierenden Mitglieder der Partei des Proletariats w&#228;hrend der Agitation in den Jahren vor der Kommune. Er war einer der Gr&#252;nder des &lt;i&gt;Zentralkomitees der 20 Kreise&lt;/i&gt;; er signierte das &lt;i&gt;Rote Plakat&lt;/i&gt; vom 6. Januar 1871, das den Verrat der Regierung des 4. September verurteilte und radikale Massnahmen zur F&#252;hrung des &#8222;Volkskrieges&#8220; vorschlug und dessen letzten S&#228;tze lauteten &#8222;Platz dem Volk! Platz der Kommune!&#8220;; er beteiligte sich gleichzeitig an den Arbeiten des F&#246;deralrats der IAA und der Redaktionskommission derer neuen Zeitung, &lt;i&gt;La Lutte &#224; outrance&lt;/i&gt;; er tritt am 6. September 1870 in die Nationalgarde ein und wird Anfang M&#228;rz 1871 Mitglied des Zentralkomitees; und am 18. M&#228;rz geh&#246;rt er zu jenen, welche das Rathaus besetzen.&lt;br class='manualbr' /&gt;W&#228;hrend der Kommune, an welcher er sich beteiligte, war er Mitglied der Milit&#228;rkommission, dann folgte er auf Assi als Gouverneur des Rathauses und unterschrieb am 15. Mai die Erkl&#228;rung der &#8222;Minderheit&#8220; gegen den Wohlfahrtsausschuss.&lt;br class='manualbr' /&gt;Nachdem er es geschafft hatte, sich eine gewisse Zeit in Paris zu verstecken, fl&#252;chtete er in die Schweiz, wo er danach Gold- und Silberpunzer wurde. Er war sehr engagiert in der Juraf&#246;deration als Sekret&#228;r und Korrespondent des F&#246;deralkomitees, und das w&#228;hrend sehr langer Zeit, sein Wohnsitz war in La Chaux-de-Fonds, wo das Zentrum der Bewegung war.&lt;br class='manualbr' /&gt;Er gr&#252;ndete 1872 mit Dumartheray die franz&#246;sische F&#246;deration der IAA, die v.a. aus in die Schweiz gefl&#252;chteten Kommunarden bestand und versuchte, durch Kontakte mit einigen zerstreuten Individuen und Gruppen v.a. in der Region Rh&#244;ne-Alpes (Lyon, Saint-&#201;tienne usw.) und eine mehr oder weniger illegale Existenz, den durch die Niederschlagung der Kommune zerrissenen Faden wieder weiterzuspinnen. Die franz&#246;sische F&#246;deration blieb lange schattenhaft, doch durch die unaufh&#246;rliche Arbeit von Mitgliedern wie Camet, Gillet, Alerini usw., die zwischen Barcelona, der Schweiz und Lyon-Saint-&#201;tienne hin- und herreisten, schaffte sie es, die &#8222;revolution&#228;re&#8220; Fraktion des franz&#246;sischen Proletariats neu aufzubauen: Im Sommer 1877 gaben Paul Brousse und Pindy mit der Hilfe von Kropotkin die erste Nummer der &lt;i&gt;L'Avant-Garde&lt;/i&gt; heraus, die Zeitung der franz&#246;sischen F&#246;deration, deren Handlungsfeld die Propaganda in Frankreich war, wo sie klandestin verteilt wurde; einen Monat sp&#228;ter fand der erste Kongress der franz&#246;sischen F&#246;deration statt, er war eindeutig anarchistisch und kollektivistisch, die Organisatoren waren Montels und Brousse: Der Kongress nominierte eine Verwaltungskommission, die nur aus Verbannten bestand, Alerini, Brousse, Dumartheray, Montels und Pindy.&lt;br class='manualbr' /&gt;Im Oktober 1877 unterschrieb er das Plakat mit dem von Brousse verfassten und die Arbeiter zur Stimmenthaltung aufrufenden Manifest; diese fast &#252;berall in Frankreich plakatierte Erkl&#228;rung, die eine Antwort auf die Verleumdungen der Radikalen von Lyon war, welche sich die revolution&#228;ren Arbeiter zunutze machen wollten, um sich im Kontext der Krise des 16. Mai geschickt aus der Aff&#228;re zu ziehen, wurde mit einer zweiten fortgesetzt, die sie best&#228;tigte und von Jeallot, Ferr&#233;, Dumartheray, Alerini und Pindy unterschrieben war.&lt;br class='manualbr' /&gt;Pindy war einer der Unterzeichner und der Hauptredakteur des von der franz&#246;sischen F&#246;deration der anti-autorit&#228;ren IAA pr&#228;sentierten Berichts am zweiten Nationalkongress in Lyon, der, wenn er auch v.a. eine Versammlung von gewerkschaftlichen und Berufsdelegierten war, einer gem&#228;ssigter und &#8222;apolitischer&#8220; als der andere, so doch die Manifestation einer &#8222;revolution&#228;ren&#8220; Opposition bestehend aus etwa zehn Delegierten wie Ballivet und Dupiren erlebte, die ausserdem Mitglieder der IAA waren.&lt;br class='manualbr' /&gt;Er beteiligte sich auch am Leben der anti-autorit&#228;ren Internationale; am Kongress von Saint-Imier von 1872 war er Delegierter als Repr&#228;sentant mehrerer franz&#246;sischer Sektionen mit Montels, dann am sechsten Kongress der IAA in Genf, der eigentlich der erste Kongress der anti-autorit&#228;ren Internationale war, als Repr&#228;sentant des jurassischen F&#246;deralkomitees, danach wird er einer der Anf&#252;hrer der Organisation und nimmt an allen Kongressen bis zum letzten 1877 teil.&lt;br class='manualbr' /&gt;Im Jahr 1914 zeigt er sich wie so viele andere (wie sein Freund Montels, der das &lt;i&gt;Manifest der Sechzehn&lt;/i&gt; unterschrieb) sehr &#8222;Union sacr&#233;e&#8220; und erlangte schliesslich einen Geruch der patriotischen Heiligkeit, was f&#252;r einen Anarchisten nicht so schlecht war.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gustave Lefran&#231;ais (1825-1901) ist sicher einer der bemerkenswertesten und eigent&#252;mlichsten franz&#246;sischen Revolution&#228;re der zweiten H&#228;lfte des letzten Jahrhunderts. Lefran&#231;ais erlebte 1848, das Exil in England, die Vorbereitung der Kommune, die Erste Internationale und die Kommune, die anti-autorit&#228;re Internationale in der Schweiz usw., ohne je in den politischen S&#252;mpfen auf dieser Strecke den Boden unter den F&#252;ssen zu verlieren.&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Unser Leben ist eine Reise&lt;br class='manualbr' /&gt;Durch den Winter und die Nacht.&lt;br class='manualbr' /&gt;Wir suchen, was den Weg uns weise,&lt;br class='manualbr' /&gt;Am Himmel, wo kein Stern uns lacht.&#8220;&lt;br class='manualbr' /&gt;(&lt;i&gt;Lied der Schweizer Garden&lt;/i&gt;, 1793, das C&#233;line seinem Buch &lt;i&gt;Reise ans Ende der Nacht&lt;/i&gt; vorangestellt hat.)&lt;br class='manualbr' /&gt;Er stellt das seltene Beispiel eines Mannes dar, der den Kommunismus durch zwei Konterrevolutionen hindurch repr&#228;sentierte und der &lt;i&gt;trotz&lt;/i&gt; seiner Epoche &lt;i&gt;und gegen&lt;/i&gt; sie Kommunist blieb.&lt;br class='manualbr' /&gt;Lefran&#231;ais ist laizistischer, atheistischer und sozialistischer Lehrer, wird 1847 entlassen und wird Kanzleischreiber; er beteiligt sich an der Revolution 1848; 1849 beteiligt er sich am &lt;i&gt;Br&#252;derlichen Verein der sozialistischen Lehrer, Lehrerinnen und Professoren&lt;/i&gt; und an der Niederschrift seines Unterrichtsprogramms, aus diesem Grund findet im April 1850 ein Strafprozess gegen ihn statt und er wird zu Hausarrest in Dijon verurteilt.&lt;br class='manualbr' /&gt;Im Mai 1852 gelingt ihm die Ausreise nach London; dort lebt er im Elend und muss sich gegen die durchaus lebendige politische Erpressung verteidigen; Lefran&#231;ais, der seine Situation mit seinen Freunden wie Joseph D&#233;jacques teilt, macht sich Gedanken und nach eineinhalb Jahren in London kehrt ein kommunistischer Revolution&#228;r nach Paris zur&#252;ck, der die Kritik des Proudhonismus, des Mutualismus, des Blanquismus gemacht und v.a. verstanden hat, dass das Proletariat mit den kleinb&#252;rgerlichen Demokraten oder Jakobinern wie Ledru-Rollin nichts zu tun hat. Zwischen 1853 und 1868 trifft er sowohl alle revolution&#228;ren als auch die anderen Oppositionellen.&lt;br class='manualbr' /&gt;W&#228;hrend der Periode zwischen 1868 und 1871, die gleichbedeutend mit dem Erstarken des revolution&#228;ren Prozesses ist, bringt die noch unsichere Klasse Leute wie Pindy, Lefran&#231;ais, Leverdays, Vermorel usw. hervor, die sie, ohne &#8222;Theoretiker&#8220; oder &#8222;Zauberer&#8220; zu sein, &#252;ber ihre eigene geschichtliche Bewegung aufkl&#228;ren. Lefran&#231;ais wird schnell zu einem der popul&#228;rsten Redner in all den &#246;ffentlichen, in der Vauxhall, im Pr&#233;-aux-Clercs, in der Redoute abgehaltenen revolution&#228;ren Versammlungen, wo sich all die sich wirklich in Bewegung befindenden Randgruppen auf der Suche nach sich selbst hineindr&#228;ngen; Lefran&#231;ais ist dort einer der wichtigsten Vertreter und Verteidiger des Kommunismus, der freien Vereinigung usw. Er ist Mitglied des Komitees der Wachsamkeit im vierten Kreis, dann des Zentralkomitees der 20 Kreise, fordert vergeblich dringende Massnahmen. Nachdem er im Gef&#228;ngnis Mazas gewesen ist, wird er als Mitglied der Kommune, dann der Exekutivkommission gew&#228;hlt; er ist Teil der &#8222;Minderheit&#8220; gegen den Wohlfahrtsausschuss.&lt;br class='manualbr' /&gt;Nachdem er nach Genf gefl&#252;chtet ist, gr&#252;ndet er mit M&#226;lon und Ostyn die &lt;i&gt;Revolution&#228;re Genfer Propaganda- und Aktionssektion&lt;/i&gt;, deren f&#252;hrender Kopf er ist, und nimmt an den internationalen Kongressen der anti-autorit&#228;ren IAA teil.&lt;br class='manualbr' /&gt;Er arbeitet bis etwa 1878 bei vielen &#8222;anti-autorit&#228;ren&#8220; Zeitungen seiner Zeit mit; er ver&#246;ffentlicht auch Brosch&#252;ren (&lt;i&gt;R&#233;publique et r&#233;volution&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;De l'attitude &#224; prendre par le prol&#233;tariat en pr&#233;sence des partis politiques&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;De la dictature&lt;/i&gt; usw.), in welchen er versucht, den autonomen Kampf des Proletariats und die Verweigerung der Politik zu theoretisieren. Er will nicht mit den Anarchisten verbunden oder identifiziert werden: Er geh&#246;rt keiner Partei, keiner Sekte an.&lt;br class='manualbr' /&gt;Der &#8222;Kommunalismus&#8220; ist, mit Ausnahme des in ihm enthaltenen Fourierismus, ein Versuch, den Inhalt der proletarischen Bewegung der Epoche zu studieren und zu verstehen, er ist auf die von der Bewegung angenommene Form &#8222;Kommune&#8220; fixiert, genau wie der &#8222;R&#228;tekommunismus&#8220; sp&#228;ter die Bewegung auf ihre Form &#8222;Rat&#8220; reduzierte, nat&#252;rlich nach ihrer Niederlage.&lt;br class='manualbr' /&gt;Nachdem er die Lausanner Sektion neu organisiert hat und sich mit Vermeerch duellierte, kommt Lefran&#231;ais 1887 nach Paris zur&#252;ck; am Ende seines Leben hielt er sich fern &#8211; fern zwar, doch fern von der Politik.&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Ich sterbe immer &#252;berzeugter, dass die sozialen Ideen, welche ich mein ganzes Leben kundgetan und f&#252;r welche ich, so gut ich konnte, gek&#228;mpft habe, richtig und rein sind.&lt;br class='manualbr' /&gt;Ich sterbe immer &#252;berzeugter, dass die Gesellschaft, inmitten welcher ich gelebt habe, nur die zynischste und ungeheuerlichste aller R&#228;ubereien ist.&lt;br class='manualbr' /&gt;Ich sterbe, w&#228;hrend ich die tiefste Verachtung aller politischen Parteien kundtue, m&#246;gen sie sozialistisch sein, ich habe diese Parteien immer nur als Gruppierungen einfacher Naiver betrachtet, welche von scham- und skrupellosen Karrieristen angef&#252;hrt werden.&#8220; (Testament von Lefran&#231;ais.)&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Ihr Verr&#252;ckten seid noch jene Menschen, welche ich am meisten liebe. Mit Euch kann man arbeiten und sich selber bleiben.&#8220; (An Kropotkin.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Errico Malatesta, &#8222;Kollektivistische Internationale und anarchistischer Kommunismus&#8220;, &lt;i&gt;Pensiero e Volont&#224;&lt;/i&gt;, Rom, 25. August 1926 in &lt;i&gt;Gesammelte Schriften&lt;/i&gt;, Bd. 2, S. 42.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Errico Malatesta, &#8222;Programm und Organisation der internationalen Arbeiterassoziation&#8220;, &lt;i&gt;La Questione sociale&lt;/i&gt;, Florenz, Juni 1884 in &lt;i&gt;Gesammelte Schriften&lt;/i&gt;, Bd. 2, S. 43-44.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Errico Malatesta, &#8222;Wille&#8220;, nachgedruckt im &lt;i&gt;R&#233;veil&lt;/i&gt;, Genf, M&#228;rz 1914.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paul Brousse, &lt;i&gt;Arbeiter-Zeitung&lt;/i&gt;, Bern, 28. Oktober 1876, S. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Bulletin jurassien&lt;/i&gt;, Dezember 1876.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Errico Malatesta, &#8222;Kollektivistische Internationale und anarchistischer Kommunismus&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 42.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;'Allgemeine Sitzung der Jurassischen F&#246;deration am 12. Oktober in La Chaux-de-Fonds', &lt;i&gt;Le R&#233;volt&#233;&lt;/i&gt;, Genf, Oktober 1879.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Cafiero, &lt;i&gt;Le R&#233;volt&#233;&lt;/i&gt;, Genf, Dezember 1880.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;La R&#233;volution sociale&lt;/i&gt;, August 1881.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Errico Malatesta, &#8222;Kollektivistische Internationale und anarchistischer Kommunismus&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 44-45.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Aufruf&#8220; und &#8222;Programm&#8220;, &lt;i&gt;L'Azzociazione&lt;/i&gt;, Nizza-London, 1890.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paraf-Javal (1888-1942), ein sehr ambivalenter individualistischer Anarchist, d.h. einerseits sehr interessant in gewisser Hinsicht (Kritik der Gewerkschaften, der Politik) und andererseits beteiligt an jeglichem Schwachsinn wie die &#8222;freien Milieus&#8220;, &#8222;Freimaurer&#8220; usw. Er ist ein Freund des ber&#252;hmten &#8222;Libertad&#8220; (1875-1908) und gr&#252;ndet zusammen mit ihm und anderen Anarchisten wie Lorulot, der zuk&#252;nftige Kopf der Libre pens&#233;e, oder Kibaltschitsch (alias Victor Serge) 1905 die Zeitschrift &lt;i&gt;L'Anarchie&lt;/i&gt;. Diese Zeitschrift repr&#228;sentierte in der anarchistischen Bewegung die rein individualistische Str&#246;mung, sowie den Illegalismus (sie wird Bonnot beeinflussen) und die Kritik des gesellschaftlichen Lebens des Kapitals. Die letzte Nummer erscheint im Juli 1914.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Errico Malatesta, &#8222;Anarchismus und Gewerkschaften&#8220;, &lt;i&gt;Pensiero e Volont&#225;&lt;/i&gt;, 1925. Dieser Artikel ist zwar 1925 erschienen, er beschreibt jedoch sehr gut Malatestas Position von Anfang an.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Henri Dhorr, &lt;i&gt;Le Libertaire&lt;/i&gt;, Juni 1897.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paraf-Javal, &lt;i&gt;Le Libertaire&lt;/i&gt;, April 1904.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Bulletin communiste&lt;/i&gt;, &#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Die Klassenk&#228;mpfe in Frankreich 1848-1850&lt;/i&gt;, MEW 7, S. 19-20.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt;, Nr. 1.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paul Mattick, &#8222;Karl Kautsky: Von Marx zu Hitler&#8220; in &lt;i&gt;Jahrbuch Arbeiterbewegung. Theorie und Geschichte&lt;/i&gt; 2, 1974.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt;, Nr. 1.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Ich bin nicht Charlie und du kannst mich mal</title>
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&lt;p&gt;Die Pariser erwachten heute morgen, und durch sie die ganze Welt, mit einem makaberen Pulvergeruch in der Nase. Einige religi&#246;se Fanatiker, es sind nicht die ersten, es werden nicht die letzten sein, er&#246;ffneten w&#228;hrend der w&#246;chentlichen Sitzung der Satirezeitschrift Charlie Hebdo das Feuer. Ein Dutzend Toter und einige Verletzte, wovon die Mehrheit allseits bekannte und an die Massenmedien gew&#246;hnte Journalisten und Karikaturisten sind, sowie zwei Bullen, die im Gegensatz zu den anderen ihren (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton4149-c6d4e.jpg?1689512023' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='97' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die Pariser erwachten heute morgen, und durch sie die ganze Welt, mit einem makaberen Pulvergeruch in der Nase. Einige religi&#246;se Fanatiker, es sind nicht die ersten, es werden nicht die letzten sein, er&#246;ffneten w&#228;hrend der w&#246;chentlichen Sitzung der Satirezeitschrift Charlie Hebdo das Feuer. Ein Dutzend Toter und einige Verletzte, wovon die Mehrheit allseits bekannte und an die Massenmedien gew&#246;hnte Journalisten und Karikaturisten sind, sowie zwei Bullen, die im Gegensatz zu den anderen ihren Lohn daf&#252;r erhielten, beschossen zu werden. Ausser vielleicht unter einigen alten Kriegsw&#246;lfen war die erste Reaktion auf dieses Ereignis Empathie gegen&#252;ber dem Schrecken dieses Angriffs. Tats&#228;chlich kann dieses Attentat, welches das t&#246;dlichste seit jenem faschistischen gegen den Zug Strassburg-Paris am 18. Juni 1961 w&#228;hrend des Algerienkrieges war, nur Entsetzen ausl&#246;sen in Anbetracht der Bestimmtheit und der Flucht nach vorne der Angreifer. Entsetzen auch in Anbetracht der religi&#246;sen Niedertracht, welche mehr als je zuvor einen grossen Teil der Menschheit davon abh&#228;lt, sich wirklich &#252;ber die Welt um sie herum Gedanken zu machen. Dazu kommt f&#252;r uns Anarchisten und Revolution&#228;re das Entsetzen &#252;ber die immerw&#228;hrende &lt;i&gt;nationale Einheit&lt;/i&gt;. Jene nationale Einheit, die man uns immer dann wieder serviert, wenn die Staaten proletarisches Kanonenfutter brauchen. Denn es sind immer die gleichen, von welchen man verlangt, sich auf den Wegen zum Ruhm zu opfern f&#252;r Interessen, welche nicht ihre eigenen sind, wie die Nation, der &#8222;Friede&#8220; oder die Republik, w&#228;hrend die Entscheidungstr&#228;ger sich unter den Goldverzierungen ihrer Pal&#228;ste am R&#252;cken kratzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gleiche Spiel spielte man schon 1914 mit uns, indem man uns zur Einheit gegen die &#8222;boches&#8220; [abwertende Bezeichnung f&#252;r Deutsche] ermahnte, oder vor einigen Jahren w&#228;hrend der &lt;a href=&#034;http://www.non-fides.fr/?Terreur-et-union-nationale&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Aff&#228;re Merah&#8220;&lt;/a&gt;, und es ist auch heute wieder das gleiche. Chefs und Arbeiter, Gefangene und Aufseher, Bullen und &#8222;Straft&#228;ter&#8220;, Reiche und Arme, alle Hand in Hand vereint f&#252;r die nationale Trauer. Heute gibt es keine Klassen mehr, keine Schranken zwischen den Leuten, und auch keine Barrikaden, obwohl Hunderttausende auf den Strassen von ganz Frankreich (und sogar woanders) marschieren. Doch wem n&#252;tzt das eigentlich? Sicher nicht den Unerw&#252;nschten, welche die Strassen von Paris und der Welt bewohnen. Pl&#246;tzlich vergiessen der Staatsterrorismus, der republikanische und demokratische Terrorismus, die Terroristen des Geldes ihre Krokodilstr&#228;nen und tun so, als ob sie die Guten w&#228;ren, da die Jihadisten ihnen die Gelegenheit auf einem Silbertablett servieren, welches die Proportionen des Universums annimmt, bis zu einem Punkt, wo heute nur noch der Marschall zuoberst im Organigramm fehlt. Doch heute geht es nicht mehr darum, Elsass-Lothringen zur&#252;ckzugewinnen, es geht darum, &#8222;die Werte der Laizit&#228;t und der Meinungs&#228;usserungsfreiheit zu verteidigen&#8220;. Alles in allem nur Scheisse f&#252;r uns, wir, die wir alle Religionen zerst&#246;ren wollen und die Meinungs&#228;usserungsfreiheit all jenen verweigern, welche eine Krawatte, einen Priesterrock oder jegliche andere Uniform oder Adelstitel tragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jeder dr&#252;ckt auf seine Tr&#228;nendr&#252;se, jede Partei, jede Organisation, von allen vorstellbaren und m&#246;glichen Str&#246;mungen, Libert&#228;re eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kleines Ratespiel, sind diese Aussagen aus dem Communiqu&#233; der Gruppe J.B. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, spuckt uns den vorgekauten Diskurs der &#8222;Barbaren&#8220; aus, welche das &#8222;Zusammenleben&#8220; angreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was ist eigentlich ein &lt;i&gt;Barbar&lt;/i&gt;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verweilen wir einen Moment beim Begriff. Vom griechischen &lt;i&gt;b&#225;rbaros&lt;/i&gt; (&#8222;Fremder&#8220;) kommend, wurde das Wort von den alten Griechen f&#252;r jene Bev&#246;lkerungen benutzt, welche nicht Teil ihrer durch die griechische Sprache und Religion definierten Zivilisation waren. Der Barbar ist also &lt;i&gt;der Andere&lt;/i&gt;, jener, welcher nicht die gleiche Suppe teilt, oder eben jener, der nicht am gleichen Tisch isst. Montaigne sagte: &#8222;Wir nennen Barbarei, was nicht mit den heimischen Verh&#228;ltnissen &#252;bereinstimmt.&#8220; Wie wir es schon woanders gesagt hatten, kennen wir keine Barbaren, wir kennen nur Individuen, welche innerhalb dieser morbiden Zivilisation &#252;berleben. Wir kennen kein ausserhalb, wir kennen Ausgeschlossene, ja, doch sie k&#246;nnten nicht mehr &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; sein, als sie es schon sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die heutigen &#8222;Barbaren&#8220; sind weit davon entfernt, ausserhalb der Zivilisation zu stehen, obwohl es f&#252;r die Verfechter dieser These beruhigend sein mag, dies zu glauben. Genau wie die ber&#252;hmte &#8222;Gang der Barbaren&#8220; damals sind sie reine Produkte der Zivilisation. Sie kennen deren Codes, benutzen deren Werkzeuge und sind nicht so weit von jenen entfernt, welche sie heuchlerisch anprangern. Denn es macht grunds&#228;tzlich nur einen geringen Unterschied, ob die M&#246;rder gr&#252;ne oder schwarze Uniformen tragen, ob sie &#8222;es lebe die Demokratie&#8220; oder &#8222;Allahu akbar&#8220; schreien, ob sie eine dreifarbige oder jihadistische Fahne tragen, ob sie von der &#246;ffentlichen Meinung gebilligt werden oder nicht, ob ihre Massaker legal oder illegal sind, ob sie uns massakrieren, um uns die Aufkl&#228;rung oder die Dunkelheit zu bringen. Indem sie ihre makaberen &#220;bergriffe begehen, begeben sie sich alle auf das gleiche Niveau, von jenem Moment an, wo sie dem Individuum verweigern, sich zu verwirklichen, wie es will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Terrorismus ist keine barbarische Praxis, sondern eine h&#246;chst zivilisierte, ist die Demokratie nicht ein Kind des Terrors? Deshalb muss der Terror genauso bek&#228;mpft werden wie die Zivilisation, welche ihn hervorbringt und braucht, von den &#8222;septembriseurs&#8220; 1792 bis zu den zerst&#246;rerischen Gef&#228;ngnisstrafen oder &lt;i&gt;Daesh&lt;/i&gt; heute. Wer sind sie, diese Schweine mit Krawatte, welche ihre Armeen zum Angriff auf die Bev&#246;lkerungen von Zentralafrika, Afghanistan oder woanders losschicken, und die uns heute Lektionen des Pazifismus erteilen, wenn in Paris zw&#246;lf Personen ermordet werden? Es sind genau die gleichen, wie jene, welche im Moment im Fernsehen erscheinen, um einige billige Tr&#228;nen zu vergiessen, um einige elende Punkte in ihren genauso elenden Meinungsumfragen zu gewinnen oder nicht zu verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind heute genauso wenig Charlie wie gestern und der Tod verwandelt unsere Gegner oder Feinde von gestern nicht in Freunde von heute, wir &#252;berlassen dieses Verh&#228;ltnis zur Welt den Hy&#228;nen und den Geiern. Es ist nicht eine unserer Gewohnheiten, vor den Gr&#228;bern der (sogar vage alternativen oder libert&#228;ren) Journalisten und der Bullen zu weinen, denn wir haben die Medien und die Polizei schon lange als wesentliche Waffen dieses Zivilisationsterrorismus erkannt, basierend auf der Konsensfabrik einerseits, der Repression und Einsperrung andererseits. Deshalb weigern wir uns, W&#246;lfe mit anderen W&#246;lfen zu beweinen, oder sogar mit Schafen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene R&#228;uber, welche uns heute ermahnen, herzhaft mit ihnen zu weinen, zu deklarieren &#8222;Ich bin Charlie&#8220;, diese gleichen R&#228;uber in Anz&#252;gen sind verantwortlich f&#252;r das Aufkommen von schrecklichen Gruppen und Bewegungen wie &lt;i&gt;Al-Qaida&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;Daesh&lt;/i&gt;, ehemalige Verb&#252;ndete der westlichen Demokratien gegen die vorhergehenden Gefahren, bevor sie einen zentralen Platz auf dem Podium der geostrategischen Gefahren von heute einnahmen. Diese gleichen Drecks&#228;cke, welche jeden Tag in ihren Gerichten, ihren Kommissariaten, ihren Gef&#228;ngnissen jene ermorden, einsperren, verst&#252;mmeln und in Beschlag nehmen, welche nicht den klar aufgezeichneten Weg verfolgen, welchen man uns durch Kn&#252;ppelschl&#228;ge und Bildung auferlegt. Diese gleichen zivilisierten Wesen, welche jeden Tag jene an ihren Grenzen krepieren lassen, welche versuchen, dem durch sie oder ihren Feinden des Tages, Salafisten und Konsorten, ausgel&#246;sten Elend und den Kriegen zu entfliehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben &#252;berhaupt keine Lust, dass genau diese Drecks&#228;cke uns weiterhin zivilisieren und beseitigen, und noch weniger, mit ihnen Schulter an Schulter zu stehen. Denn wir wollen gegen sie Schulter an Schulter stehen, gegen sie und gegen all jene, welche uns unter diversen religi&#246;sen, politischen, kommunitaristischen, interklassistischen, zivilisierenden und nationalistischen Vorw&#228;nden nur als zu platzierende Bauern betrachten, zur Aufopferung auf einem ekelhaften und absurden Schachbrett. Es ist angebracht, heute wie morgen, sich an diese Worte von Rudolf Rocker zu erinnern, als er sagte, dass &#8222;nationale Staaten politische Kirchengebilde [sind]. Das sogenannte Nationalbewu&#223;tsein, das dem Menschen nicht angeboren, sondern anerzogen wird, ist eine religi&#246;se Vorstellung; man ist Deutscher, Franzose oder Italiener, wie man Katholik, Protestant oder Jude ist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht jedoch nicht darum, die Gefahr zu minimieren, welche diese Verr&#252;ckten von Allah, diese Liebhaber der Selbst-Unterwerfung und des moralischen Masochismus repr&#228;sentieren. Und obwohl wir heutzutage von ihrer F&#228;higkeit komplett &#252;berfordert sind, &#252;berall zu rekrutieren, um sich hier und da in die Luft zu jagen, werden wir uns diesbez&#252;glich Fragen stellen m&#252;ssen, um aus dem Unverst&#228;ndnis herauszukommen. Dabei sollten wir uns allerdings nicht den Sirenen jener ergeben, welche uns nur noch ein bisschen mehr spalten m&#246;chten, indem sie aufgrund eines verschwindend kleinen Teils der Muslime die Stigmatisierung auf eine ganze Bev&#246;lkerung ausdehnen m&#246;chten, um den angeblichen &#8222;Kampf der Kulturen&#8220; zu erreichen, von dem sie so sehr tr&#228;umen, was eigentlich B&#252;rgerkrieg bedeutet, dessen Konsequenzen f&#252;r uns alle sie sich wohl nicht bewusst sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und was soll man von diesem Angeh&#246;rigen des Reinigungspersonals sagen, der von Kugeln zerfetzt, kaltbl&#252;tig exekutiert wurde, ohne dass er irgendwas verlangt h&#228;tte? Wer k&#252;mmert sich darum? Er hatte wahrscheinlich kein Twitterkonto, kein Eintrittsticket zum modernen Spektakel, keinen Namen, kein Gesicht, keinen Freund, der im Fernsehen weinen gehen kann. Er war nicht Charlie. Er war nur ein Kollateralschaden einiger Gottesverr&#252;ckter mit einem erleuchteten Abzug, genau wie so viele im Moment, genau wie die Millionen von Kollateralopfern der Staaten auf der ganzen Welt. Unsere Gedanken sind heute Abend bei ihm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Etwas ist sicher, es gibt nichts zu w&#228;hlen zwischen der Pest und der Cholera, zwischen irgendeinem Gott mit seinen schlachtenden, kreuzigenden oder massakrierenden Propheten oder irgendeinem Scheissstaat mit seinen mordenden Bullen und Soldaten. Wir verweigern immer noch die Aufforderung, zwischen verschiedenen Formen der Sklaverei und der Unterwerfung zu w&#228;hlen. Unsere Wahl kann nur von uns selbst kommen, es ist jene der Freiheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser hoffnungslosen Epoche, gegen&#252;ber der vermeintlichen &#8222;nationalen Einheit&#8220;, dem B&#252;rgerkrieg, dem Jihad der Fanatiker und den &#8222;sauberen Kriegen&#8220; der Staaten, m&#252;ssen wir den sozialen Krieg wieder in den Vordergrund stellen, und zwar bis es brennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige AnarchistInnen,&lt;br class='autobr' /&gt;
am 7. Januar 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.non-fides.fr/?Je-ne-suis-pas-Charlie-et-je-t&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kleines Ratespiel, sind diese Aussagen aus dem Communiqu&#233; der Gruppe J.B. Botul der &lt;a href=&#034;https://ravageeditions.noblogs.org/post/2013/03/01/pour-en-finir-avec-la-federation-anarchiste-une-necrologie/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;anarchistischen F&#246;deration&lt;/a&gt; oder aus der Rede von Fran&#231;ois Hollande? &#8222;Unsere Genossen von Charlie Hebdo haben ein schweres Tribut f&#252;r die Meinungs&#228;usserungsfreiheit gezahlt. Mehrere Polizisten sind auch unter den Opfern. Wir erweisen all diesen Opfern die letzte Ehre. [&#8230;] die Anarchisten respektieren die Glaubensfreiheit im Rahmen einer laizistischen Republik.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Miguel Amor&#243;s - Professionelle Anarchie und theoretische Abr&#252;stung: Zum Insurrektionalismus (2007)</title>
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&lt;p&gt;Wir sind sicher, dass aus unserem Kampf hier und jetzt die Gemeinschaften der Freude hervorgehen werden. &lt;br class='autobr' /&gt;
Alfredo Bonanno, Die bewaffnete Freude &lt;br class='autobr' /&gt;
W&#228;hrend den letzten zehn Jahren ungef&#228;hr wurde das &#252;berholte spanische libert&#228;re Milieu von einer anarchistischen Str&#246;mung ersch&#252;ttert, deren T&#228;tigkeiten bez&#252;glich des Ansatzes zur revolution&#228;ren Aktion zu einem Wechsel der Perspektive gef&#252;hrt haben. Da sie ihre Kritik auf Fragen der Taktik beschr&#228;nkt und alles andere ignoriert, waren ihre (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/anarquiaprofesional-01.webp?1689285573' class='spip_logo spip_logo_right' width='99' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Wir sind sicher, dass aus unserem Kampf hier und jetzt die Gemeinschaften der Freude hervorgehen werden.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Alfredo Bonanno, &lt;i&gt;Die bewaffnete Freude&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend den letzten zehn Jahren ungef&#228;hr wurde das &#252;berholte spanische libert&#228;re Milieu von einer anarchistischen Str&#246;mung ersch&#252;ttert, deren T&#228;tigkeiten bez&#252;glich des Ansatzes zur revolution&#228;ren Aktion zu einem Wechsel der Perspektive gef&#252;hrt haben. Da sie ihre Kritik auf Fragen der Taktik beschr&#228;nkt und alles andere ignoriert, waren ihre Beitr&#228;ge nicht zahlreich. Die wirklichen Bedingungen der gegenw&#228;rtigen Zeit, beginnend mit der Abwesenheit grosser K&#228;mpfe, der Nichtexistenz einer Arbeiterbewegung und einem im Niedergang begriffenen anarchistischen Milieu, waren nicht die besten Umst&#228;nde, unter welchen die insurrektionalistischen Aktionsvorschl&#228;ge mit dem pazifistischen Spektakel der sozialen Pseudo-Bewegungen brechen k&#246;nnte, welche vor kurzem aufgekommen sind. Die Sabotageaktionen der &#8222;Insus&#8220; wurden von den unbewussten Massen als etwas ihnen fremdes wahrgenommen, was die Repression gegen sie erleichterte. Doch wir w&#252;rden uns auf der Seite der Unnachsichtigkeit verirren, w&#252;rden wir nicht im Antrieb hinter diesen Aktionen einen authentischen Willen zum Kampf und eine Intelligenz erkennen, welche effizienter in Richtung einer radikalen Kritik der bestehenden Bedingungen deutet als jene anderer moderner libert&#228;rer Str&#246;mungen, wie die primitivistische, gr&#252;ne, kommunalistische, munizipalistische usw. Das ist Grund genug, um sich mit der Frage der insurrektionalistischen Str&#246;mung auseinanderzusetzen und ihre zentralen Postulate kritisch zu w&#252;rdigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst muss gesagt werden, dass der insurrektionalistische Anarchismus sehr stark mit der Figur Bonannos verbunden scheint, er ist sein Hauptvertreter, auch wenn er keine offizielle Position in der Bewegung inne hat und auch keine F&#252;hrungsrolle spielt; er ist einfach durch die St&#228;rke seiner Pers&#246;nlichkeit in der Bewegung repr&#228;sentiert. Obwohl es wahr ist, dass seine Meinungen und Aktionen auch feindliche Kritik und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gruppen provoziert haben und dass es auch andere bedeutende &#8222;Theoretiker&#8220; wie Constantino Cavallieri gegeben hat, ist seine Rolle in der Entstehung jener Taktik unbestreitbar, welche den Insurrektionalismus charakterisiert. Bonanno ist ein anarchistischer Veteran mit sehr viel Erfahrung und ein &#246;ffentlicher Feind der Herrschaft, was er dem Staat mit etlichen Prozessen und Haftstrafen bezahlte. Er hat etliche Texte ver&#246;ffentlicht, die uns erlauben, ein klares Bild seiner Ideen zu bekommen, welche alles andere als kompliziert oder originell sind; aufgrund seines Hintergrunds und seines Charakters hat er seit jeher jegliches bedeutende philosophische Nachdenken als &#8222;Metaphysik&#8220; abgetan, was keine &#220;berraschung darstellen sollte, denn der wirkliche Bonanno ist zuerst ein Agitator und ein Mann der Aktion und erst danach ein analytischer und klarer Denker. Das Ziel dieses Texts ist es, das Auftauchen insurrektionalistischer Ideen zu verorten und seiner Entwicklung durch eine Zusammenfassung seiner Erfahrungen und seinem pers&#246;nlichen Werdegang zu folgen, allerdings mit methodischer Vorsicht und auf der Tatsache bestehend, dass Insurrektionalismus nicht nur aus Bonnanismus besteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alfredo Maria Bonanno wurde 1937 in Catania (Sizilien) geboren und war der Sohn einer relativ wohlhabenden Familie. Wir wissen nichts &#252;ber seine ersten dreissig Jahre; seine ersten bekannten Schriften entstanden Ende der 1970er Jahre und handeln vom Atheismus und der &#8222;Autonomie der Basis der produktiven Kerne&#8220;. Ein Text von 1971 spricht von &#8222;Gegenmacht&#8220;, was auf &#8222;operaistische&#8220; Einfl&#252;sse deutet, welche vermutlich entweder von Negri oder von der spontaneistischen maoistischen Organisation &#8222;Potere Operaio&#8220; kamen. Der &#8222;Operaismus&#8220; war eine kritische marxistische Str&#246;mung, welche in den 1960er Jahren ungef&#228;hr die gleiche Rolle spielte in Italien wie &#8222;Socialisme ou Barbarie&#8220; in Frankreich und theoretische Erneuerung in die Reihen der libert&#228;ren Milieus brachte. Bonanno &#252;bersetzte auch Klassiker wie Rudolf Rocker und weniger klassische Theoretiker wie Gast&#243;n Leval. Als die Wasser des italienischen Anarchismus sich zu bewegen begannen als Resultat von Mai 68 und den Streiks des &#8222;heissen Herbsts&#8220; 1969, war unser Protagonist schon genug vertraut mit anarchistischer Ideologie, um sich in der Generationendebatte eindeutig &#8222;links&#8220; zu positionieren. Die jungen Libert&#228;ren wollten ihre Aktionen nicht auf Propaganda und Bekehrung beschr&#228;nken; sie wollten tats&#228;chlich an wirklichen K&#228;mpfen teilnehmen, um &#8222;zur Ausbreitung eines revolution&#228;ren anarchistischen Bewusstseins in den Massen beizutragen&#8220;. Die Organisation der glorreichen &#196;lteren und ihrer Anh&#228;nger war mehr mit Sitzungen und Kongressen als mit K&#228;mpfen besch&#228;ftigt und hatte einzig zum Ziel, &#8222;so viele Leute wie m&#246;glich unter einem K&#252;rzel oder einer Fahne zu versammeln&#8220; und interessierte sich kaum f&#252;r &#8222;den Angriff auf die Macht, sondern eher daf&#252;r, sie so wenig wie m&#246;glich zu st&#246;ren, um die winzigen R&#228;ume zu ben&#252;tzen, wo ihre K&#228;mpfe stattfanden oder wo sie den Illusionen &#252;ber ihre K&#228;mpfe fr&#246;nt&#8220;. Es war also &#8222;eine Bewegung, welche als H&#252;terin eines Erbguts an Ideen, Analysen und besonderen Erlebnissen dient, doch sie hat keine direkte Beziehung zu den K&#228;mpfen, welche gegenw&#228;rtig stattfinden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bonanno, &#8220;Fictitious Movement and Real Movement&#8221;: .&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein Morast von impliziten Abmachungen und Prozeduren erlaubte einer kleinen B&#252;rokratie von Offiziellen, jede Initiative zu l&#228;hmen, welche nicht mit der offiziellen Linie &#252;bereinstimmte, genau deshalb ist es jenes implizite Vorgehen, welches den zentralen &lt;i&gt;casus belli&lt;/i&gt; in der Auseinandersetzung zwischen den alten bewegungslosen Aktivisten und der neuen Generation darstellte. Die italienische anarchistische F&#246;deration war auf der Grundlage eines &#8222;assoziativen Pakts&#8220; organisiert, welcher von Malatesta selbst ausgearbeitet worden war. Als eine &#8222;synthetische&#8220; Organisation hatte es Platz f&#252;r Anarchisten aller Str&#246;mungen, doch nicht f&#252;r alle Taktiken, denn diese wurden bequem an den Kongressen bestimmt, wo &#8222;kleine geistlose Machtzentren&#8220; Minderheitsmeinungen kontrollierten, beurteilten, verurteilten oder ihnen die Absolution erteilten. Die jungen Anarchisten verteidigten eine flexible Struktur von &#8222;Affinit&#228;tsgruppen&#8220;, ohne Programm, Regeln oder Komitees und ohne vereinendes Band ausser individueller Autonomie und pers&#246;nlicher Verantwortung. Sie waren kritisch gegen&#252;ber den Gewerkschaften und verteidigten die Idee kleiner Basisorganisationen, unabh&#228;ngig von jeglicher politischen oder gewerkschaftlichen Struktur, wie z.B. die autonome Bewegung der Eisenbahnarbeiter Turins, als optimales Mittel zur Intervention in K&#228;mpfen f&#252;r die Anarchisten. Bonanno proklamierte: &#8222;Wir sind Anh&#228;nger der Organisation [&#8230;] doch Organisation soll nicht zum Selbstzweck verkommen, soll nicht vom Kampf isoliert sein und kein Hindernis darstellen, das &#252;berwunden werden muss, um Zugang zur Arena des Klassenkrieges zu haben.&#8220; Die wichtigste Frage, welche alte und junge Libert&#228;re spaltete, war allerdings die Frage der revolution&#228;ren Gewalt. Zu dieser Zeit experimentierte die italienische Bourgeoisie mit dem Terror und das Problem einer gewaltt&#228;tigen Antwort darauf kam auf, die bewaffneten K&#228;mpfe oder die gewaltt&#228;tigen Angriffe waren blosse Aspekte dieses Problems, welche man unm&#246;glich ignorieren konnte. Die tonangebenden Aktivisten der FAI vermieden es nicht nur, an solchen Debatten teilzunehmen; sie versuchten auch all jene durch Verleumdungen und hinterh&#228;ltige Machenschaften zu isolieren, welche sie f&#252;r n&#246;tig hielten. Schliesslich wurde jener Punkt erreicht, wo das, was die jungen Libert&#228;ren mit der FAI verband, komplett von dem &#252;berdeckt wurde, was sie von ihr entfremdete, womit es schon bald zu den ersten Spaltungen kam. Sie begannen 1969; es gab ungeduldige Aktivisten, welche Lotta continua oder Potere operaio beitraten, w&#228;hrend andere die F&#246;derierten anarchistischen Gruppen gr&#252;ndeten und &lt;i&gt;A Rivista anarchica&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlichten, w&#228;hrend Jahren die Trib&#252;ne der &#8222;alternativen&#8220; Anarchisten. Ein interessanter Beitrag dieser Str&#246;mung war ihre Kritik der &#8222;Technob&#252;rokratie&#8220; und des neuen &#8222;Managementkapitalismus&#8220;, der Begriff wurde James Burnhams &lt;i&gt;Das Regime der Manager&lt;/i&gt; entlehnt, ein Buch, zu dem sich Bonanno Notizen machte und diese in sp&#228;teren Texten wiederk&#228;ute. Eine dritte Str&#246;mung wurde von jenen geformt, welche von der Plattform Arschinows und Makhnos inspiriert waren, wie die franz&#246;sische ORA verteidigten sie eine noch strengere und besonders avantgardistischere Organisation, welche die H&#252;terin der Prinzipien eines eifrig verteidigten Anarchismus sein sollte. Abgesehen von den Spaltungen schien allerdings der Einfluss der situationistischen Ideen seit 1968 das Hauptproblem der FAI, es war das wahrhafte L&#246;sungsmittel der stereotypen Aktivistenparolen und der l&#228;hmenden Ideologie, welche unf&#228;hig war, sich in einer einheitlichen und radikalen Kritik der neuen Klassengesellschaft zu beteiligen, innerhalb welcher sich die K&#228;mpfe gegen eine erneuerte Macht orientieren mussten. Die Situationistische Internationale, welche eine italienische Sektion hatte, verk&#246;rperte in ihren letzten Jahren die Figur des &#8222;historischen B&#246;sen&#8220; f&#252;r die alte Garde der FAI, jene Ideologen einer besonderen Art des Anarchismus, welcher durchwegs kompatibel mit der modernisierten Klassengesellschaft war. Die Spannung zwischen dieser alten Garde und einem dissidenten Sektor im Zustand konstanter Unruhe, welcher erstere des B&#252;rokratismus und der Ideologie bezichtigte, eine Kritik des allt&#228;glichen Lebens verteidigte, von Arbeiterr&#228;ten sprach, gewaltt&#228;tige Methoden proklamierte, provozierte bei der alten Garde der FAI einen paranoiden Verteidigungsreflex. Die B&#252;rokraten der FAI dachten, sie seien von mysteri&#246;sen situationistischen Agenten infiltriert worden und reagierten, indem sie einen Kongress einberiefen, den zehnten der FAI, welcher am 10. April 1971 in Carrara gehalten wurde und besonders dem Kampf gegen das Phantom der SI gewidmet war. Der Kongress stimmte f&#252;r den Ausschluss der &#8222;Anarcho-Situationisten&#8220;, um zu verhindern, dass ihrem Beispiel in den lokalen Gruppen und F&#246;derationen gefolgt wird. Die unbedeutende FAI, besessen mit etwas, das nicht mehr war, als die antib&#252;rokratischen Effekte der ersten Stufe der proletarischen Autonomie, blieb blind f&#252;r die wirkliche Gefahr, jene der Manipulation der libert&#228;ren Bewegung durch die Geheimdienste des italienischen Staates. So schob die Polizei die faschistischen Bombenanschl&#228;ge am 29. April 1969 in Mailand und auf der Piazza Fontana am 12. Dezember 1969 den Anarchisten in die Schuhe. Ein Anarchist, Giuseppe Pinelli, wurde aus dem Fenster einer Polizeistation geworfen und ein anderer, Pietro Valpreda, wurde als S&#252;ndenbock auserkoren, um f&#252;r die Bombenanschl&#228;ge zu bezahlen. Die Aff&#228;re ging &#252;ber den Bereich des libert&#228;ren Milieus hinaus und ersch&#252;tterte die gesamte Gesellschaft. Die Stimmung wurde im Mai 1972 weiter angeheizt als der Anarchist Franco Serantini von der Polizei an einer Demonstration totgeschlagen und der daf&#252;r verantwortliche Polizeiverantwortliche Calabresi ein paar Tage sp&#228;ter von einem Kommando erschossen wurde. Die durch die Ereignisse aufgeschreckte FAI z&#246;gerte nicht, sich von den gewaltt&#228;tigen Antworten auf die Repression zu distanzieren, indem sie die Angriffe und die Bombenanschl&#228;ge gegen die Polizei und die Justiz verurteilte. Bonanno, der die Bombenanschl&#228;ge in Mailand ein Jahr zuvor verurteilt hatte, nahm eine diametral entgegengesetzte Position ein, zeigte in einem Artikel f&#252;r die von ihm herausgegebene Publikation &lt;i&gt;Sinistra libertaria&lt;/i&gt; mit dem Titel &#8222;I Know Who Killed Chief Superintendent Luigi Calabresi&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe .&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; einen gewissen Sinn f&#252;r Humor und war mutig genug, um daf&#252;r mit zwei Jahren und zwei Monaten Gef&#228;ngnis f&#252;r &#8222;Anstachelung zu Verbrechen&#8220; zu bezahlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles deutet darauf hin, dass er im Knast viel las, denn er ver&#246;ffentlichte 1974 einige Pamphlete &#252;ber den Staat, die Stimmenthaltung und die Revolution. Auf dieser Stufe seiner Laufbahn glaubte er, er habe in seinem Denken eine Schwelle &#252;berschritten und ver&#246;ffentlichte in Eigenregie eine dicke Anthologie mit dem Titel &lt;i&gt;Selbstverwaltung und Anarchie&lt;/i&gt;. W&#228;hrend den n&#228;chsten Jahren druckte er weiterhin Exemplare des Buches, welches gem&#228;ss einer Copypaste-Methode zusammengestellt war [&#8230;] und schrieb weiterhin Artikel f&#252;r die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift Anarchismo, welche er in Catania gegr&#252;ndet hatte. Er rechtfertigte die Ablehnung der dialektischen Methode mit dem Argument, sie gehe Hand in Hand mit &#8222;autorit&#228;ren&#8220; Denkformen, welche autorit&#228;ren Aktionsformen entsprechen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Economic Crisis and Revolutionary Opportunity&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gem&#228;ss Bonanno ist Marx nicht einmal f&#252;r die Kritik der &#214;konomie n&#252;tzlich, denn sein Denken sei philosophisch, hegelianisch und somit &#8222;metaphysischer Rauch&#8220;. Allergisch auf die Begrifflichkeit der Philosophie geht er so weit, das Marxsche Werk als &#8222;ein Programm&#8220; zu definieren, &#8222;das seine Wurzeln im protestantischen Mystizismus des Mittelalters hat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;After Marx, Autonomy&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, ein Standpunkt, den man so akzeptieren k&#246;nnte, h&#228;tte der Protestantismus irgendwas mit Mystizismus zu tun und v.a. im Mittelalter bereits existiert. Bonanno wird immer das Problem haben, zu allem irgendwas sagen zu k&#246;nnen, ob er etwas davon versteht oder nicht, und h&#228;ufig tauchen im weiten Katalog seiner Werke l&#228;cherliche Fehler auf. Durch das Beispiel Bakunins, eine unvergleichliche Figur des Hegelschen Einflusses, h&#228;tte er leicht die Rolle der klassischen deutschen Philosophie in der Entwicklung des revolution&#228;ren Denkens erkennen k&#246;nnen. Bonannos Kritik der Gewerkschaften wiederholte, was man bereits seit Mai 68 wusste: &#8222;Der alte Kapitalismus wurde durch eine neue Version des Managements ersetzt. Dieser neue Kapitalismus weiss sehr gut, dass sein bester Freund und B&#252;ndnispartner die Gewerkschaft ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;A Critique of Syndicalist Methods&#8221;, 1975: .&#034; id=&#034;nh3-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Soweit sagt er das selbe wie die r&#228;tekommunistischen Marxisten (er zitiert Pannekoek), doch er richtet seine Kritik einzig und allein gegen die libert&#228;ren Gewerkschaften. Er legt den Fokus allerdings nicht auf Arbeiterr&#228;te, Versammlungen, Komitees und andere Formen horizontaler Koordination, schliesslich interessiert sich Bonanno nicht f&#252;r die Arbeiterklasse &#8222;an sich&#8220;, sondern nur f&#252;r die Art und Weise, wie in ihrer Selbstorganisation der Anarchismus artikuliert werden kann. Die Anarchisten m&#252;ssen ihre Ideen nicht von aussen durch Propaganda in die Massen injizieren: &#8222;Das revolution&#228;re anarchistische Projekt beginnt beim besonderen Kontext aktueller K&#228;mpfe, [es] kann nicht das Produkt einer Minderheit sein. Es wird nicht von letzterer innerhalb ihres Theoriegeb&#228;udes ausgearbeitet und dann ganz oder teilweise in die Bewegung exportiert [&#8230;] es ist notwendig, vom aktuellen Niveau der K&#228;mpfe zu beginnen, vom konkreten, materiellen Niveau des Klassenkampfes, indem kleine autonome Basisorganisationen aufgebaut werden, die f&#228;hig sind, den Konvergenzpunkt zwischen der totalen Vision der Befreiung und die f&#252;r eine revolution&#228;re Zusammenarbeit unvermeidliche teilweise strategische Sichtweise zu besetzen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;Fictitious Movement and Real Movement&#8221;: .&#034; id=&#034;nh3-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Bonanno dachte 1975 (richtigerweise), dass die italienische Gesellschaft sich in einer vorrevolution&#228;ren Phase befand und dass die Grundlage davon die autonome Organisation der Arbeiter war, f&#252;r welche sie &#8222;autonome Basisgruppen&#8220; oder &#8222;autonome Arbeitergruppen brauchten&#8220;, die nichts anderes waren als &#8222;kleine autonome Basisorganisationen, welche sich dem radikalen Kampf gegen die bestehenden Produktionsbedingungen verschrieben&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;A Critique of Syndicalist Methods&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese Gruppen wurden als Schnittpunkt zwischen Anarchisten und dem Proletariat betrachtet. Er hatte kein Vertrauen mehr in breitere Strukturen wie Arbeiterversammlungen, weil sie die Autonomie der Gruppen einschr&#228;nkten und leicht von B&#252;rokraten und Demagogen manipuliert werden konnten. Er war nicht sehr konkret bez&#252;glich den Zwischenschritten hin zu einem qualitativen Sprung des gesellschaftlichen Konflikts hin zu einem Punkt, wo der bewaffnete Kampf auf dem Programm stand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mitte der 1970er Jahre war der italienische Staat ernsthaft geschw&#228;cht worden und diese Schw&#228;che hatte er durch seinen von den Medien und den Stalinisten unterst&#252;tzten R&#252;ckgriff auf inszenierten, fiktive Feinde erschaffenden Terrorismus entbl&#246;sst. Versuche, die Industrie zu restrukturieren, verschlimmerten die soziale Revolte, welche sich von den Fabriken auf die Strassen ausdehnte. In den Worten Bonannos: &#8222;Die revolution&#228;re Bewegung und in ihrem Inneren auch die anarchistische befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer Entwicklungsphase und alles schien m&#246;glich, auch die Verbreiterung des revolution&#228;ren Kampfes.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die bewaffnete Freude,&#034; id=&#034;nh3-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Existenz einer militarisierten Partei wie die Roten Brigaden erzeugte bei den Leuten aus dem anti-autorit&#228;ren Milieus die Angst, die Roten Brigaden w&#252;rden die F&#252;hrung &#252;ber die K&#228;mpfe &#252;bernehmen. Die Debatte um bewaffnete libert&#228;re Alternativen f&#252;hrte 1977 zur Entstehung von Azione rivoluzionaria, &#8222;eine Kampfstruktur, die so offen wie m&#246;glich f&#252;r die Basis ist&#8220;. Die Kritik der Waffen, &#8222;die einzige Kraft, welche einem Projekt Glaubw&#252;rdigkeit geben kann&#8220; gem&#228;ss Azione rivoluzionaria, erreichte nun ein derart hohes Niveau, dass sich die Konfrontationen nicht mehr nur auf die FAI beschr&#228;nkten (die, da interessierter an Gewerkschaftsarbeit, denn an der Revolution, den bewaffneten Kampf nat&#252;rlich verurteilte), sondern auch unter Revolution&#228;ren aufkamen. F&#252;r einige war das ganze eine getrennte Gewalt, welche nicht der Klassenkonfrontation, sondern dem Spektakel der Konfrontation n&#252;tzte und zur Kriminalisierung der &#8222;Autonomiebewegung&#8220; beitrug und Repression gegen sie provozierte. F&#252;r Azione rivoluzionaria w&#228;re die Bewegung ohne die bewaffneten Gruppen nie ernst genommen und gef&#252;rchtet worden. Es war logisch, dass die Repression die revolution&#228;re Offensive treffen w&#252;rde, bewaffnete Gruppen hin oder her, doch dank der Tatsache, dass diese zum Blitzableiter gegen den repressiven Apparat wurden, hatte die Bewegung immer noch ihre R&#228;ume, Zeitungen und Radiostationen. Bonannos Antwort nahm zuerst die Form eines Textes namens &#8222;Movement and Revolutionary Project&#8220; und dann eines Buches namens &lt;i&gt;Die bewaffnete Freude&lt;/i&gt; an, letzteres hatte eine grosse Wirkung zu dieser Zeit, nicht nur weil es die Tabus des aktivistischen Lebensstils brach, sondern auch weil es schnell verboten wurde (im Raum Bologna wurden ungef&#228;hr dreitausend Exemplare verkauft oder verteilt). Es wurde auch in diverse Sprachen &#252;bersetzt. Das Buch enth&#228;lt keine bedeutende Analysen und er&#246;rtert auch das Thema des bewaffneten Kampfes nicht ernsthaft: Es ist nicht ein Strategiebuch, sondern ein Buch der Prinzipien. Seine Neuartigkeit lag nicht im Inhalt, der dem Werk der Gruppe &#8222;Comontismo&#8220; (1972-1974) und von den Schriften &#8222;Terrorismus und Revolution&#8220; (1972) und &lt;i&gt;Vom wilden Streik zur generalisierten Selbstverwaltung&lt;/i&gt; (1974) des ehemaligen, in Italien einflussreichen Situationisten Raoul Vaneigem entlehnt wurde, sondern in der Tatsache, dass es auf einfache, einem breiten Publikum angepasste Art und Weise alle Themen zusammenfasst und er&#246;rtert, welche jene Rebellen interessieren k&#246;nnten, welche nicht gerne zu viel lesen und jene, f&#252;r welche die Revolution nicht un&#228;hnlich einer Art generalisierten Bar ist. Trotz einigen ver&#228;chtlichen Worten gegen&#252;ber Mai 68 ist die Sprache pro-situationistisch: Die Revolution ist ein Fest, du wirst nie mehr arbeiten m&#252;ssen, Selbstverwaltung ist die Selbstverwaltung der Ausbeutung, der Kampf ist Vergn&#252;gen, das Spiel ist eine Waffe, Zerst&#246;rung der Ware usw. Das Wort Spektakel wird Dutzende Male wiederholt, der Text enth&#228;lt hingegen, was f&#252;r einen anarchistischen Text ungew&#246;hnlich ist, kaum Anspielungen auf den Staat. In einer Vaneigemschen Sprache fordert Bonanno: &#8222;Der Ethik der Arbeit muss die &#196;sthetik des Nichtstuns entgegengesetzt werden.&#8220; Obwohl er kurz zuvor noch f&#252;r die &#8222;autonome Organisation der Produktion&#8220; agitierte, schreibt er nun: &#8222;Um dem Globalisierungsprojekt des Kapitals zu entkommen, gibt es f&#252;r die Ausgebeuteten nur einen Weg: Die Verweigerung der Arbeit, der Produktion und der politischen Wirtschaft [&#8230;] Die Revolution kann sich nicht darauf beschr&#228;nken, die Organisation der Arbeit zu ver&#228;ndern [&#8230;] Die Revolution wird immer und ausschliesslich die Negation der Arbeit und die Bejahung der Freude sein.&#8220; Trotz der Tatsache, dass er ein ganzes Buch der Idee gewidmet hat, dass die Enteigneten sich die Totalit&#228;t des Produktionsprozesses wieder aneignen sollten, d.h. Selbstverwaltung, verurteilt er sie nun als Mystifkation: &#8222;Wird der Kampf erfolgreich verwirklicht, wird die Selbstverwaltung der Produktion &#252;berfl&#252;ssig, denn nach der Revolution ist die Organisation der Produktion &#252;berfl&#252;ssig und konterrevolution&#228;r.&#8220; Falls man nach einem Ansatz von Strategie oder schlicht einigen praktischen Ideen zum Umgang mit den unmittelbaren Problemen der Revolution sucht, welche 1977 einen kritischen Punkt erreichten, wird man in diesem Buch nicht f&#252;ndig; es ist ein langer Ausdruck der Mystifikation, sogar in Bezug auf den bewaffneten Kampf. Neben dem Ausdruck von Befriedigung mit der gegen die Polizei, Arbeitgeber und b&#252;rgerlichen Journalisten gerichtete Gewalt und dem Aufruf &#8222;beeile dich, dich zu bewaffnen&#8220;, warnt er vor der Heiligsprechung der Maschinenpistole, denn der bewaffnete Kampf kann &#8222;nicht die revolution&#228;re Dimension repr&#228;sentieren&#8220;. Auf jeden Fall konnte der bewaffnete Kampf nicht hinterfragt werden, denn jegliche gegen ihn gerichtete Kritik w&#252;rde nur &#8222;den Folterknechten&#8220; zum Vorteil gereichen: &#8222;Indem wir sagen: Es ist nicht der richtige Moment f&#252;r einen bewaffneten Angriff gegen den Staat, &#246;ffnen wir die T&#252;ren der Irrenanstalten weit f&#252;r die Genossinnen, die diesen Angriff durchf&#252;hren.&#8220; Nichts mehr als das: Ein Aufruf, das Leben zu geniessen und die bewaffneten Gruppen in Frieden zu lassen, w&#228;hrend das italienische Proletariat mit dem Dilemma konfrontiert ist, die Arbeit abzuschaffen oder weiter zu arbeiten. Bonanno bemerkte in den Spalten von &lt;i&gt;Anarchismo&lt;/i&gt; die Verallgemeinerung illegaler Verhaltensweisen und die vorrevolution&#228;re Tendenz der Zeit, doch die Guerillaorganisation Azione rivoluzionaria ver&#246;ffentlichte ironische Kommentare &#252;ber den rein literarischen Charakter der Haltung des &#8222;kritischen Kritikers von Catania&#8220;, der &#8222;letztendlich die genaue Natur der revolution&#228;ren Aufgaben der Anarchisten pr&#228;zisieren will. Aufgrund seiner Pr&#228;missen w&#252;rden wir eine Antwort dieser Art erwarten: Die Anarchisten m&#252;ssen beginnen zu rebellieren. Doch das ist &#252;berhaupt nicht, was er sagt: Die Anarchisten m&#252;ssen die Ausgebeuteten dazu ermutigen, zu rebellieren. M&#246;chte man das b&#246;sartig interpretieren, k&#246;nnte das bedeuten: Die alte Leier der Leninisten, der Stalinisten und der Arbeiterrebellen; doch wieso sollten sich die Anarchisten darauf beschr&#228;nken, andere zur Rebellion zu ermutigen? Doch wer ermutigt dann die Ermutiger? Werden sie sich nicht einmal mehr ausserhalb der Geschichte befinden? Oder eine wohlwollendere Interpretation: Die Ausgebeuteten auf die einzig m&#246;gliche Art und Weise zur Rebellion ermutigen, n&#228;mlich durch Rebellion, und nicht durch Fl&#252;sse von Tinte...&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Azione Rivoluzionaria, &#8220;The Movement of 1977 and the Guerrilla&#8221;.&#034; id=&#034;nh3-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es gab keinen Generalstreik, was die bewaffneten Gruppen und unrealistische Elemente wie Bonanno zunehmend isolierte. Obwohl aufgrund des R&#252;ckgangs der Bewegung von 1977 f&#252;r viele Rebellen der bewaffnete Kampf der einzige Ausweg war, bildeten sie nicht zehn, hundert oder tausend bewaffnete Zellen wie es die Azione rivoluzionaria in ihrem Gr&#252;ndungsmanifest ank&#252;ndigte. Die Gewerkschaften setzten die Ordnung in den Fabriken, die Polizei auf der Strasse durch. Der Staat war gest&#228;rkt und illegales Verhalten sah sich heftiger Repression gegen&#252;ber. Es folgten Wellen von Verhaftungen; der bewaffnete Kampf l&#246;ste sich auf wie ein Zuckerw&#252;rfel im Wasser. Ab 1979 waren die meisten Mitglieder von Azione rivoluzionaria im Gef&#228;ngnis und sie versetzten von ihren Zellen aus der Guerillabewegung den Gnadenstoss, einige davon schlossen sich der leninistischen Organisation Prima Linea an, was Zweifel bez&#252;glich der ideologischen Stabilit&#228;t von Azione rivoluzionaria aufkommen liess, obwohl sie so lautstark in den Flugbl&#228;ttern und Pressemitteilungen der Gruppe proklamiert wurde. Ende 1977 wurde Bonanno aufgrund seines Buches &lt;i&gt;Die bewaffnete Freude&lt;/i&gt; verhaftet und am 30. November 1979 daf&#252;r zu eineinhalb Jahren Gef&#228;ngnis verurteilt. Statt allerdings Angst zu haben oder zu bereuen, verbr&#252;derte er sich mit den anderen gefangenen Aktivisten, sogar mit jenen der Roten Brigaden und von P38 und denunzierte &#246;ffentlich Amadeo Bertolo und Paolo Finzi, welche, in den Spalten von &lt;i&gt;A Rivista anarchica&lt;/i&gt;, seine Rezension eines Buches &#252;ber Emile Henry entschieden verurteilten. Es war das erste Mal, dass er in den Spalten einer anarchistischen Zeitschrift &#246;ffentlich angegriffen worden war und es wurde daf&#252;r gesorgt, ihn an seinen Exhibitionismus zu erinnern, wenn er an Treffen sprach. Bonanno nutzte die Situation, um die Frage der Klassengewalt zu diskutieren ohne sich verd&#228;chtigem Moralismus hinzugeben: &#8222;Der Terrorist ist nicht jener, welcher die Konfrontation mit der Macht durch Gewalt sucht, um sie zu zerst&#246;ren, sondern jener, welcher gewaltt&#228;tige und grausame Mittel benutzt, um den Fortbestand der Ausbeutung zu sichern. Aus diesem Grund, da es nur eine kleine Minderheit ist, welche ein Interesse an diesem Fortbestand hat (Arbeitgeber, Faschisten, Politiker jeglicher Couleur, Gewerkschafter usw.), kann daraus logisch gefolgert werden, dass letztere die &#8222;wirklichen&#8220; Terroristen sind, insofern als dass sie gewaltt&#228;tige Mittel einsetzen, um Ausbeutung aufrechtzuerhalten. Und die Gewalt jener Leute wird durch Gesetze, in den Gef&#228;ngnissen, im Arbeitszwang, im automatischen Mechanismus der Ausbeutung ausge&#252;bt. Die Rebellion der Ausgebeuteten ist nie Terrorismus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;On the Terrorism of Certain Imbeciles and Other Matters&#8221;, 1979.&#034; id=&#034;nh3-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Durch die Identifikation der bestimmenden Faktoren mit der extremen Form von Herrschaft, identifizierte er letztere schlicht und einfach mit Terrorismus: &#8222;Wir sollten betonen, dass der Terrorist jene Person sein muss, welche eine andere terrorisiert und versucht, etwas zu erhalten durch die Durchsetzung ihres Standpunkts mit Handlungen, welche Schrecken verbreiten. Es ist somit klar, dass die Macht die Ausgebeuteten auf hundert verschiedene Arten terrorisiert. Die Ausgebeuteten haben Angst, keine Arbeit zu finden, haben Angst vor Armut, vor den Gesetzen, der Polizei, der &#246;ffentlichen Meinung; sie erdulden eine konzentrierte Form von psychologischem Terrorismus, welche sie auf eine Situation fast vollst&#228;ndiger Unterwerfung im Kampf gegen die Macht reduziert. Das ist Terrorismus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh3-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Bonanno verteidigte allerdings nicht den bewaffneten Kampf, der auf strategischer Ebene immer noch diskutabel war, und noch weniger die Notwendigkeit einer &#8222;bewaffneten Partei&#8220;. Was er, weil er sie als manich&#228;isch betrachtete, ablehnte, war die absolute Gegen&#252;berstellung des bewaffneten Kampfes und jenes der Massen, weil sie zur Delegitimierung und Kriminalisierung jener f&#252;hrt, welche sich in ersterem engagieren. Er stellte die Frage, beantwortete sie jedoch nicht. Der bewaffnete Kampf war somit eine respektable Option, mit welcher man einverstanden sein kann oder nicht, doch wegen welcher kein H&#252;ter der Anarchie jemanden aufgrund der Unterst&#252;tzung exkommunizieren kann. Er ist nicht wirklich gut und auch nicht wirklich schlecht, doch stets ethisch zu rechtfertigen. Dieses Thema wurde zu seiner Spezialit&#228;t, doch er beliess es nicht dabei. Von diesem Zeitpunkt an zeigte sein Denken eine irritierende stilistische Diskontinuit&#228;t und Verwirrung. Bonanno litt an Graphomanie und nahm selbstbewusst jedes Problem mit einem geschwollenen Ton in Angriff, welcher einen Versuch widerspiegelte, einen Eindruck von Tiefe zu produzieren, und mit etlichen Anspielungen, um den Eindruck zu vermitteln, dass er nicht alles sagte, was er wusste; die &#252;blichen D&#252;nkel, um den durchschnittlichen Leser in Erstaunen zu versetzen. Fakten wurden selten erw&#228;hnt und er griff fast nie auf sie zur&#252;ck, um seine entschiedenen Behauptungen zu untermauern. Wenn er die &#8222;gegenw&#228;rtige Bewegung&#8220; erw&#228;hnte, war es bloss ein Klischee f&#252;r seine gezierte Rhetorik. Inmitten von Ausbr&#252;chen, unpassenden Themen, unbegr&#252;ndeten Behauptungen und, zwischendurch, einer Wahrheit, die zwischen so vielen S&#228;tzen fast versch&#252;ttet war, mischt er alles ohne die geringste logische Verbindung und geht von diesem zu jenem. Die Schlussfolgerung war das Prinzip: aufst&#228;ndische Aktion. Wir k&#246;nnen Dutzende Beispiele seiner Irrationalit&#228;t erw&#228;hnen; doch es wird reichen, einen Blick auf &#8222;The Baby and the Bathwater&#8220; zu werfen, in diesem Text versucht er u.a. seinen armselig aufgenommenen Situationismus, die &#8222;Bewegung&#8220;, die Dialektik und den Marxismus ineinander aufzul&#246;sen. Die Tatsache, dass Bonanno theoretische T&#228;tigkeit verachtete, wenn sie nicht zu unmittelbarer und kraftvoller Aktion f&#252;hrt, bewahrte ihn nicht davor, zu einem dieser, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, &#8222;Liebhaber der Feder&#8220; zu werden, &#8222;welcher Analysen produziert wie FIAT Autos&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Mai 1980 f&#252;hrte die Polizei eine Razzia gegen mit der Zeitschrift &lt;i&gt;Anarchismo&lt;/i&gt; assoziierte Anarchisten durch. Bonanno und seine Genossen wurden beschuldigt, Mitglieder von Azione rivoluzionaria zu sein, doch schon w&#228;hrend die Beweise pr&#228;sentiert wurden, war die Show zu Ende. Die letzten Tage der revolution&#228;ren Bewegung entfalteten sich in Gegenwart von etlichen Informanten und Reum&#252;tigen. Toni Negri h&#246;chstpers&#246;nlich war der Anf&#252;hrer der &#8222;Spalter&#8220;, jene, welche im Austausch f&#252;r eine bevorzugte Behandlung im Gef&#228;ngnis versprachen, nie wieder gegen den Staat zu k&#228;mpfen, und f&#252;gte seinen Aufruf in den Chor jener ein, welche eine Amnestie forderten. Bonanno griff sie in einem kleinen Buch mit dem Titel &lt;i&gt;And We Will Still Be Ready to Storm the Heavens another Time: Against Amnesty&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe .&#034; id=&#034;nh3-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; richtigerweise alle an, was ihm einen weiteren Prozess bescherte. Aufgrund der Tatsache, dass die Revolution&#228;re leicht besiegt wurden, zog er Schlussfolgerungen, die jenen der &#252;berlebenden anarchistischen Organisationen diametral widersprachen, denn seine Schlussfolgerungen wiesen in Richtung von gewaltt&#228;tiger Aktion gegen die Personen und Dinge, welche die Repression verk&#246;rperten, die b&#252;rgerliche Justiz, die Technob&#252;rokratie, Gewerkschaften und der Kapitalismus, all das muss sich &#8222;in konkrete Akte, Akte des Angriffs verwandeln, nicht nur verbal, sondern in Form von Taten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;The Illogical Revolution&#8221;, 1984.&#034; id=&#034;nh3-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Echte Anarchisten m&#252;ssen in einem Zustand permanenter Revolte sein und in die Offensive &#252;bergehen: &#8222;Wir bestehen beharrlich auf unserer &#220;berzeugung, dass der Gebrauch von organisierter Gewalt gegen die Ausbeuter, auch wenn er die Form isolierter Aktionen von Minderheiten annimmt, ein unverzichtbares Instrument des anarchistischen Kampfes gegen die Ausbeutung darstellt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;And Us, Etc.&#8221;.&#034; id=&#034;nh3-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Nachdem er jahrelang um den heissen Brei herum redete, wagte er schliesslich den Sprung. Die Diskussionen im Gef&#228;ngnis und das besch&#228;mende Spektakel der Reum&#252;tigen und Spalter trugen zu seiner Entscheidung bei. Bonanno, dem wir dankbar sein k&#246;nnen, dass er sich nicht mehr an Spinoza und den &#8222;diffusen Arbeiter&#8220; erinnerte, dr&#252;ckte offensichtliche Wahrheiten aus, die gl&#252;cklicherweise nicht hinter seinem &#252;berst&#252;rztem Redefluss versteckt waren: &#8222;Sie werden uns keine Amnestie geben. Wir werden daf&#252;r bezahlen m&#252;ssen.&#8220; Der Preis werden der revolution&#228;re Geist, die Ideen, die W&#252;rde, der Mut sein: &#8222;Indem wir das Abkommen heute akzeptieren, werden wir morgen im besten Fall vielleicht innerhalb jenes Ghettos k&#228;mpfen, wo die Macht uns eingepfercht hat [&#8230;] Kollaboration bedeutet bedingungslose Kapitulation vor dem Feind.&#8220; An die extremistischen Stalinisten gerichtet: &#8222;Die Reduzierung des Klassenkrieges auf eine blosse milit&#228;rische Konfrontation tr&#228;gt in sich die logische Schlussfolgerung, dass eine milit&#228;rische Niederlage auf diesem Terrain bedeutet, dass der Klassenkrieg als solches aufh&#246;rt zu existieren. Von dort kommen wir zur sowohl theoretischen als auch praktischen Absurdit&#228;t, dass es heute in Italien, nach der Niederlage der Kampforganisationen, keinen gegenw&#228;rtigen Klassenkrieg mehr gibt und das ist im Interesse aller (allen voran im Interesse des Staates), zur Verhandlung einer Kapitulation, um die Entwicklung, oder die kontinuierliche Entwicklung eines Kampfprozesses zu verhindern, der f&#252;r uns absolut inexistent und komplett nutzlos und auch gef&#228;hrlich ist.&#8220;(15)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;And We Will Still Be Ready To Storm The Heavens Another Time: Against (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Der Verrat von Negri und den Kollaborateuren liegt in deren Leninismus, welcher alles in Begriffen getrennter Macht analysiert: Als selbsternannte Repr&#228;sentanten der Arbeiterklasse waren sie die privilegierten Ansprechpartner des Staates und ihre Rettung war die Besch&#246;nigung der zentralen Frage; die besiegte Partei w&#252;rde nicht f&#252;r ihre Befreiung k&#228;mpfen, sondern stattdessen versuchen, ihre Freiheit zu verhandeln, um den Kampf mit anderen Mitteln weiterzuf&#252;hren. Welche Art des Kampfes kann es mit der Zukunft als Staatshypothek sein? Bonanno stellte scharfsinnig fest, dass es nicht das gleiche ist, seine Waffe aufgrund einer Meinungs&#228;nderung niederzulegen oder weil die herrschende Macht es verlangt: &#8222;Sie fordern uns auf, nicht mehr jene unartigen Jungen zu sein, die wir immer waren, und die Situation zu verstehen. Sie fordern uns zur Kollaboration auf.&#8220; F&#252;r den Staat ist niemand unschuldig: &#8222;Wir k&#246;nnen uns jetzt nicht in Zwerge verwandeln, nachdem wir Seite an Seite vom Angriff auf die G&#246;tter und deren Sturz getr&#228;umt haben, w&#228;hrend jeder das Herzklopfen des n&#228;chsten f&#252;hlte. Das ist der Traum, welcher der Macht Angst einfl&#246;sst [&#8230;] Niemand kann neutral sein; wir sind der Planung und Vorbereitung dieses Klimas schuldig, das uns mit Enthusiasmus erf&#252;llte und uns weiterkommen liess. Sogar der kritischste von uns kann sich nicht auf vollst&#228;ndige Unschuld berufen. In den Augen des Staates ist es genau dieses Klima, das schuldig ist. Wir m&#252;ssen daf&#252;r Verantwortung tragen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh3-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Doch diese Anfl&#252;ge von Klarheit gen&#252;gten nicht, um Aufschluss zu geben &#252;ber das neue Panorama der 1980er Jahre mit einer besiegten Arbeiterklasse und Tausenden im Knast. In seinem Werk sucht man vergeblich nach einer Bilanz dieses Prozesses, welcher zur Katastrophe gef&#252;hrt hat. Bonanno offeriert uns nur eine Beteuerung: &#8222;In diesen Zeiten der Aufl&#246;sung und der Stagnation beteuern wir, dass unser Kampf ein Kampf f&#252;r totale Befreiung ist, jetzt und sofort.&#8220; Er benutzt einen umgekehrten Manich&#228;ismus und stellt dem Massenkampf den aufst&#228;ndischen Kampf gegen&#252;ber, denn er betrachtet ersteren nicht als Moment der Entwicklung letzteren, sondern als Instrument davon: &#8222;F&#252;r uns sind Teilk&#228;mpfe kein Ziel, sondern ein Mittel, das wir (sogar ziemlich oft) ben&#252;tzen, um ein anderes Ziel zu erreichen: die Leute zur Revolte anzuspornen [&#8230;] Wichtig ist, dass Teilk&#228;mpfe einen gewaltt&#228;tigen Ausgang haben, einen Punkt des Bruches, eine wesentliche Linie erreichen, ausserhalb welcher die Vereinnahmung unm&#246;glich wird...&#8220; Um diesen Punkt zu erreichen, brauchen wir ein Bewusstsein f&#252;r die Notwendigkeit der Verallgemeinerung der Gewalt und das war die Funktion der &#8222;spezifischen Bewegung&#8220;: &#8222;Wir m&#252;ssen die M&#246;glichkeit einer spezifischen Bewegung erschaffen, die f&#228;hig ist, die wirkliche Bewegung in jenen Pl&#228;tzen und Stimmungen zu treffen, wo der Puls letzterer f&#252;r erstere sp&#252;rbar wird.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh3-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Falls dieser &#252;berst&#252;rzte Redefluss irgendwelchen Sinn hat, t&#246;nt er schlecht: Die Massen waren unf&#228;hig, revolution&#228;re Ziele ohne die Existenz einer Elite &#8211; nennen wir sie &#8222;spezifische Bewegung&#8220; &#8211; zu erreichen, sonst werden ihre &#8222;Teilk&#228;mpfe&#8220; nie das notwendige aufst&#228;ndische Niveau erreichen. Bonannistischer Anarchismus verkam zu einer vulg&#228;ren Abenteuer- und Avantgardeideologie, in ihrer theoretischen Grundlage dem militaristischen Extremismus der &#8222;bewaffneten Partei&#8220; nicht un&#228;hnlich. In den folgenden Jahren erarbeitet Bonanno die wesentlichen Konzepte der insurrektionalistischen Ideologie auf der Grundlage der Trennung zwischen dem Kampf der Massen und dem aufst&#228;ndischen Kampf, eine Trennung, die nur mit Hilfe einer ausgew&#228;hlten, &#8222;spezifischen&#8220; Minderheit &#252;berwunden werden kann. Sein Werk wurde ausserhalb Italiens bekannt und er wurde zu einer notorischen Figur des internationalen Anarchismus. Seine grosse theoretische Entdeckung &#8211; dass jede Art von Aktion, wie minorit&#228;r sie auch sein mag, jederzeit m&#246;glich und erstrebenswert ist &#8211; zeigte ihm unfehlbar den zu gehenden Weg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Anfang war die Tat. Die Trennung zwischen Theorie und Praxis reduziert erstere zu einer einfachen Begleiterscheinung und letztere zu einer blossen Technik. F&#252;r Bonanno erfordert die von den &#8222;spezifischen&#8220; anarchistischen Organisation vertretene &#8222;Verweigerung des Wartens&#8220; und ihr &#8222;&#220;bergang zur Aktion&#8220; eine andere Art der Organisation, die nicht permanent ist, als &#8222;informell&#8220; definiert wird und er glaubte, er habe in den Affinit&#228;tsgruppen eine solche Organisation gefunden. Diese Gruppen werden ein &#8222;Projekt&#8220; ausarbeiten m&#252;ssen, welches das Produkt ihrer Analysen und Diskussionen ist und den Gruppen Orientierung und einen Impuls zur Aktion gibt. Im technischen Jargon des Gesch&#228;ftsmarketings beschrieb er dieses Projekt in &lt;i&gt;Anarchismo&lt;/i&gt; als &#8222;jenen Ort, wo Theorie zu Praxis konvertiert wird&#8220; und pr&#228;zisierte die vier notwendigen Vorbedingungen f&#252;r seine Ausarbeitung, welche im Revolution&#228;r vereint sein m&#252;ssen, n&#228;mlich Mut, Beharrlichkeit, Kreativit&#228;t und &#8222;Materialit&#228;t&#8220; (eine Art &#8222;praktischer Sinn&#8220;). Ein rund um das Thema &#8222;Anarchismus und das aufst&#228;ndische Projekt&#8220; organisiertes Treffen in Mailand 1985 erlaubte es Bonanno, in groben Linien seine Sichtweise der im Kapitalismus stattgefundenen Transformationen darzulegen. Die oberfl&#228;chliche Art und Weise, wie er Plattheiten ausbreitete, welche dank der amerikanischen Soziologie in Mode waren (z.B. die Definition der Gesellschaft als &#8222;postindustriell&#8220;) und sein professorenhafter Ton, der schnell seinen Charme verlor, waren ziemlich schockierend. In der Niederschrift seiner Rede kann man folgende Ungeheuerlichkeit lesen: &#8222;Die F&#228;higkeit des Kapitals vom produktiven Standpunkt aus gr&#252;ndet heute nicht mehr auf den Ressourcen des Finanzkapitals, d.h. auf Investitionen und Geld, sondern im wesentlichen und fast in seiner Totalit&#228;t auf intellektuellem Kapital.&#8220; Auch wenn es nach einer L&#252;ge t&#246;nen mag, Bonanno wiederholte, was Professor Negri gesagt hatte. &#8222;Das Kapital muss nicht mehr auf Arbeiter zur&#252;ckgreifen, um zu produzieren&#8220;, denn &#8222;der zentrale Fokus der Arbeiterklasse liegt nun woanders. Zuerst, sch&#252;chtern, im Sinne einer Ausbreitung der Fabriken im Territorium [wieder Negri]. Dann entschiedener im Sinne einer graduellen Abl&#246;sung der sekund&#228;ren Produktionsprozesse durch terti&#228;re.&#8220; Man muss sich fragen, ob er weiss, was er sagt, denn die Prozesse des terti&#228;ren Sektors haben nichts mit Produktion zu tun, doch bonannistische Prosa war schon immer eine gequ&#228;lte Prosa, besonders wenn sie f&#252;r theoretische Zwecke gebraucht wird. Seiner Meinung nach wird die Arbeiterklasse zunehmend von der Produktion verdr&#228;ngt, womit sie ihre f&#252;hrende Rolle verliert und schliesslich kann die Revolution genauso gut stattfinden wie nicht stattfinden, weil in der postindustriellen Gesellschaft das Verh&#228;ltnis von Ursache und Wirkung zwischen K&#228;mpfen und ihren Konsequenzen verschwunden ist. Er sagt jedoch ohne Angabe von Gr&#252;nden, dass &#8222;genau aus diesem Grund die Revolution m&#246;glich wird&#8220;. Bonanno hatte von den Revolten in den marginalen Quartieren der englischen St&#228;dte geh&#246;rt und redete hochtrabend von der Aufgabe der Anarchisten: &#8222;Die Transformation der irrationalen Situationen der Erhebung in eine aufst&#228;ndische und revolution&#228;re Realit&#228;t.&#8220; Die Angelegenheit wurde auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verlegt, doch wir haben schon gesagt, dass Theorie nicht seine St&#228;rke ist und weil er regelm&#228;ssig Texte f&#252;r zwei Publikationen verfasste, nutzte er raubkopiertes Material ohne Skrupel. 1987 kopierte er das Format und typographische Merkmale der Zeitschrift &lt;i&gt;Encyclop&#233;die des Nuisances&lt;/i&gt; f&#252;r die neue Serie von &lt;i&gt;Anarchismo&lt;/i&gt;, was eine unschuldige Anekdote w&#228;re, h&#228;tte er nicht drei Artikel der &lt;i&gt;Encyclop&#233;die des Nuisances&lt;/i&gt; in seinen Publikationen mit ungenannten Streichungen, missbr&#228;uchlichen Einschiebungen, willk&#252;rlichen Korrekturen und etlichen scheinbar zwecklosen Fehlern ver&#246;ffentlicht, was die &lt;i&gt;Encyclop&#233;die des Nuisances&lt;/i&gt; zwang, ein Communiqu&#233; mit folgender Schlussfolgerung zu schreiben: &#8222;Jene, welche, wenn sie eine Kritik zur Schau stellen, die nicht ihre eigene ist, damit beginnen, ihre Herkunft so gut wie m&#246;glich zu verstecken, sowie die K&#228;mpfe, aus welchen diese Kritik entsteht, und die mit ihnen verbundenen Beziehungen zu verschleiern, zeigen somit, dass sie unf&#228;hig sind, sie zu benutzen und die Geheimnisse ihrer Epoche zu entdecken oder die diversen Spezialoperationen der spektakul&#228;ren Demokratie zu verstehen. Wo die Fiktion das grosse Bild beherrscht, k&#246;nnen kleine F&#228;lschungen keine Bedeutung haben. Wir nutzen allerdings die Gelegenheit, um unsere bescheidene &#220;berzeugung auszudr&#252;cken, dass diese F&#228;lschungen den Sieg der Fiktion in grossem Umfang erkl&#228;ren und dass die &#220;berwindung letzterer vom Ende ersterer abh&#228;ngt.&#8220; Solche Trivialit&#228;ten interessierten Bonanno nicht. Sein Problem war, einerseits, der &#8222;Angriff&#8220; und andererseits die Versuche von Teilen der Polizei, ihn in etliche terroristische Zwischenf&#228;lle einzubeziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bonanno war der erste Agitator seit Blanqui, welcher die M&#246;glichkeit einer Offensive gegen die Macht w&#228;hrend einer Periode proklamiert, wo die Arbeiterklasse sich vollst&#228;ndig im R&#252;ckzug befindet. Das bedingt nat&#252;rlich einen Versuch, historischen Bestimmungen durch entschiedene Handlungen von Minderheiten zu entkommen. Gem&#228;ss Bonanno haben die informellen Gruppen die f&#252;hrende Rolle, sie sind die einzigen, welche zu ernsthaften Aktionen f&#228;hig sind. Solche revolution&#228;ren Feste waren nicht f&#252;r die Massen. Er verurteilte Massendemonstrationen als nutzlosen Pazifismus und schlug stattdessen &#8222;die Notwendigkeit von zerst&#246;rerischen Aktionen des direkten Angriffs auf kleinem Niveau gegen die Strukturen des Kapitals&#8220; vor, zusammen mit &#8222;aufst&#228;ndisch organisierten&#8220; Demonstrationen. Die Gruppen m&#252;ssen f&#252;r diese Angriffe die volle Verantwortung tragen und nicht von g&#252;nstigen oder ung&#252;nstigen Umst&#228;nden oder vom allgemeinen Niveau des Bewusstseins abh&#228;ngen. Die Entscheidung des direkten Angriffs auf das Kapital und den Staat bezieht nur die Revolution&#228;re ein, sie sind die H&#252;ter der aufst&#228;ndischen Essenz des Konflikts: &#8222;Entweder greifen wir an oder ziehen uns zur&#252;ck. Entweder akzeptieren wir die Klassenlogik der Konfrontation als unaufl&#246;slichen und unzerlegbaren Kontrast oder sonst schreiten wir zur&#252;ck, zur&#252;ck zu Verhandlungen, Details, sprachlicher und moralischer Verwirrung.&#8220; Sie wollen ihre Leben leben, ihre Instinkte befreien, b&#252;rgerliche Ideale negieren, ihre authentischen Bed&#252;rfnisse befriedigen oder jede andere Lappalie des befreiten Vokabulars von unzufriedenen Rebellen, doch Worte gen&#252;gen nicht. Jeder Anarchist muss die politischen und moralischen Hemmnisse &#252;berwinden, welche ihn daran hindern, zur Aktion &#252;berzugehen. Bonanno charakterisierte diese Bem&#252;hungen als &#8222;das grosse Projekt der Befreiung des neuen Menschen von der Ethik&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;The Moral Breaking Point&#8221; in: Provocazione, eine von ihm herausgegebene (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Er verachtete Versammlungsmethoden, weil sie entschlossenere Aktionen verz&#246;gern oder verhindern, und auch Initiativen, die versuchen, so viele Unterst&#252;tzer wie m&#246;glich zu gewinnen, und die er als &#8222;Manie der Quantit&#228;t&#8220; bezeichnet. Deshalb beachtete er die auf dem Arbeitsplatz gr&#252;ndenden Forderungen solcher Basisbewegungen wie die im November 1987 gegr&#252;ndete COBAS nicht. Dem bonannistischen Modell entsprachen die &#8222;selbstverwalteten Ligen&#8220;, welche Anfang der 1980er Jahre von den Einwohnern von Comiso (Sizilien) gegr&#252;ndet wurden, um gegen den Bau einer amerikanischen Raketenbasis zu protestieren. Diese Gruppen bestanden aus informellen &#8222;Kernen&#8220; unter der F&#252;hrung von Anarchisten, deren einziges Ziel die Zerst&#246;rung der milit&#228;rischen Basis war, ohne jegliches Programm, autonom (unabh&#228;ngig von Parteien, Gewerkschaften oder anderen Formierungen), in &#8222;permanentem Konflikt&#8220; mit der Herrschaft und in einer &#8222;permanenten Offensive&#8220; engagiert, ohne Bereitschaft f&#252;r Dialog, Verhandlungen oder Abkommen. Zweifellos um diese K&#228;mpfe von K&#228;mpfen zu unterscheiden, die sich nicht unmittelbar in Richtung Zerst&#246;rung orientierten, nannte er letztere Art von Konflikt &#8222;Teilk&#228;mpfe&#8220;, w&#228;hrend die anderen weitgehendere Ziele hatten, welche vom &#8222;Werk des Aufstands&#8220; wie dem &#8222;Kampf gegen Technologie&#8220; angetrieben waren, was dazu f&#252;hrte, dass mehr als Hundert Hochspannungsmasten zwischen 1986 und 1988 mit Dynamit angegriffen wurden. Die &#220;bersetzung eines deutschen Pamphlets, welches die Details lieferte, wie ein solcher Masten zerst&#246;rt werden muss, bescherte Bonanno einen erneuten Aufenthalt im Gef&#228;ngnis. In dieser Kampagne gegen den Bau von Hochspannungsleitungen, an welcher sich Rebellen aus diversen L&#228;ndern beteiligten, kam die Manie der Quantit&#228;t durch die Hintert&#252;r wieder zur&#252;ck: Die Gewerkschafter z&#228;hlen Mitgliederkarten und die Aktivisten Angriffe. Der quantitative Geist beherrschte alles. Doch die Effizienz eines Angriffs h&#228;ngt nicht von der Anzahl Explosionen oder vom Ausmass der verursachten Zerst&#246;rung ab. Es gibt keine &#8222;Teilk&#228;mpfe&#8220;, welche wirklichen K&#228;mpfen entgegengesetzt sind; es gibt praktische und nutzlose K&#228;mpfe, K&#228;mpfe, welche das Bewusstsein f&#252;r die Herrschaft erwecken, und andere, welche es einschl&#228;fern. Die Polizei war unf&#228;hig, Bonanno in jegliche gewaltt&#228;tige Handlungen hineinzuziehen, doch sie haben es mit List geschafft, ihn in einen Raub&#252;berfall auf ein Juweliergesch&#228;ft hineinzuziehen. Er wurde am 2. Februar 1989 verhaftet und zwei Jahre sp&#228;ter entlassen, ohne dass irgendwelche Anschuldigungen den Weg in sein Dossier gefunden h&#228;tten. Als er entlassen wurde, nutzte er die Gelegenheit, um nach Spanien zu reisen und dem Insurrektionalismus den letzten Schliff zu verpassen, eine Ideologie, die in anarchistischen Szenen diverser L&#228;nder einflussreich gewesen ist, wo der Anarchismus stagnierte, schlief oder von Cliquen kontrolliert war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1992 schlugen Bonanno und einige seiner Genossen vor, einen qualitativen Sprung vorw&#228;rts in der Offensive durch den Aufbau einer &#8222;organisatorischen Gelegenheit&#8220; zu machen. Daf&#252;r gr&#252;ndeten sie eine Gruppe, um f&#252;r den Aufbau einer anti-autorit&#228;ren aufst&#228;ndischen Internationalen zu werben. Das Wort &#8222;aufst&#228;ndisch&#8220; wurde zu dieser Zeit gepr&#228;gt. Im Januar 1993 ging er nach Griechenland und sprach an zwei Konferenzen an den Universit&#228;ten von Athen und Thessaloniki, w&#228;hrend welchen er erkl&#228;rte, &#8222;wieso wir aufst&#228;ndische Anarchisten sind&#8220;. Was folgt, ist die aufst&#228;ndische Ideologie in sechs Punkten zusammengefasst:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Weil wir es als m&#246;glich erachten, die Entwicklung der Revolten zu f&#246;rdern, die &#252;berall spontan entstehen, und aus ihnen Massenaufst&#228;nde, das heisst eigentliche Revolutionen, zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil wir einen kapitalistischen Zustand der Welt, der dank der informatischen Restrukturation ausschliesslich den Verwaltern der Klassenherrschaft technologisch n&#252;tzlich ist, zerst&#246;ren wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil wir f&#252;r den unmittelbaren und zerst&#246;rerischen Angriff gegen einzelne Strukturen, Personen und Organisationen von Kapital und Staat sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil wir all jene konstruktiv kritisieren, die sich immer noch mit Kompromissen mit der Macht abgeben oder meinen, revolution&#228;rer Kampf sei jetzt nicht mehr m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil wir, anstatt abzuwarten, entschlossen sind, zur Tat zu schreiten, auch wenn die Zeiten noch nicht reif sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil wir diesem Zustand der Dinge sofort ein Ende bereiten wollen, und nicht erst sobald externe Bedingungen seine Ver&#228;nderung erm&#246;glichen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das aufst&#228;ndische Projekt, .&#034; id=&#034;nh3-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die organisatorische Konzeption, deren Elemente allm&#228;hlich im Verlauf der letzten 25 Jahre formuliert worden waren, komplettiert die Ideologie. Bonanno beschr&#228;nkte sich darauf, sie in ein beschreibendes Label einzubauen, mit dem viele nicht einverstanden w&#228;ren. &#8222;Die aufst&#228;ndische anarchistische Organisation&#8220; besteht aus Affinit&#228;tsgruppen, welche w&#228;hrend K&#228;mpfen &#8222;zum Zweck von pr&#228;zisen Aktionen gegen den Feind&#8220; und &#8222;um die besten Bedingungen f&#252;r eine massenhafte aufst&#228;ndische Erhebung zu erschaffen&#8220; gegr&#252;ndet werden. Der aufst&#228;ndische Charakter wird durch den &#8222;permanenten Konfliktzustand&#8220; gew&#228;hrt, d.h. durch das Wissen, gegen die Unterdr&#252;ckung von Kapital und Staat im Krieg zu sein. Diese Gruppen basieren auf &#8222;Basiskernen&#8220;, eine alte bonannistische Idee, deren Funktion es ist, &#8222;innerhalb der Arena der Teilk&#228;mpfe die alten Gewerkschaftsorganisationen des Widerstands zu ersetzen&#8220;, das alles auf einem Terrain, das &#8222;aus allem&#8220; besteht, &#8222;was von den Fabriken, Quartieren, Schulen, gesellschaftlichen Ghettos und all jenen Situationen &#252;brigbleibt, wo sich Klassenausschluss manifestiert&#8220;. F&#252;r Bonanno war es der zerst&#246;rerische Aspekt und nicht das Ausmass an Bewusstsein, welches eine Aktion in den Massen hervorruft, der den Standard zur Beurteilung der Effizienz einer Aktion ausmacht. Es muss nicht gesagt werden, dass die bevorzugte Aktionsform die Sabotage ist, &#8222;die klassische Waffe aller Ausgeschlossenen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;Another Turn of the Screw for Capitalism&#8221;.&#034; id=&#034;nh3-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sie ist in allen Situationen stichhaltig und f&#252;r alle Zeiten angemessen. Sabotage ist wie die Lust, sie hat weder Zeitplan oder noch Termine auf dem Kalender.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Analyse der gesellschaftlichen Realit&#228;t ist nach wie vor Bonannos Schwachpunkt. Er versichert die Inexistenz der &#8222;Fabrikmentalit&#228;t&#8220; und bezieht sich auf den &#8222;F&#228;higkeitsverlust&#8220; des Individuums, sowie die &#8222;Pulverisierung&#8220; der Arbeitsklasse, was der Grund ist, weshalb er jegliche Referenzen zu &#8222;l&#228;cherlichen Dichotomien wie jene zwischen Bourgeoisie und Proletariat&#8220; als unbegr&#252;ndet betrachtet, nur um sofort &#228;hnliche, von der Vulg&#228;rsoziologie abgeleitete Dichotomien zu gebrauchen: &#8222;Die spezifische gesellschaftliche Wirklichkeit [&#8230;] hat immer eine Konstante: die Klassentrennung zwischen Herrschenden und Beherrschten, zwischen Eingeschlossenen und Ausgeschlossenen.&#8220; Die Dichotomien h&#246;ren hier auch nicht auf, denn er bezieht sich auf &#8222;den Konflikt zwischen reichen und armen L&#228;ndern&#8220;, welche die Form von nationalen Befreiungsk&#228;mpfen oder Religionskriegen annimmt oder dazu tendiert. Diese Konfrontation, deren Ursache die Unf&#228;higkeit des Kapitalismus ist, &#8222;das wirtschaftliche Problem der armen L&#228;nder zu l&#246;sen&#8220;, f&#252;hrt ihn zur Entdeckung positiver Aspekte des Nationalismus und des islamischen Fundamentalismus, deren Manifestationen rund um das Mittelmeer ihn zur Schlussfolgerung dr&#228;ngen, dass diese Region die &#8222;B&#252;hne gesellschaftlicher Konfrontationen&#8220; sein wird, &#8222;welche sich schnell verallgemeinern werden&#8220;. Durch das Lesen der Zeitungen kam er zur &#220;berzeugung, er sei ein Experte f&#252;r Geopolitik, denn er behauptet unersch&#252;tterlich aufzuzeigen, dass in den Mittelmeerl&#228;ndern &#8222;Konflik[e], welche die gegenw&#228;rtigen Spannungen verschlimmern [&#8230;] in den n&#228;chsten Jahren [ausbrechen werden]&#8220;; er pr&#228;zisiert nicht, ob es sich um Klassen- oder Staatskonflikte handelt, vermutlich beides, doch auf jeden Fall kann nur die angemessenste Praxis zur Konfrontation mit diesen Konflikten dienen, n&#228;mlich der Insurrektionalismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;For an Anti-Authoritarian Insurrectionist International: Proposal for a (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Wirklichkeit bezieht sich Bonanno auf den Pal&#228;stinakonflikt, in welchen er grosse Hoffnungen setzt. Wie immer bleibt der bewaffnete Kampf, welcher intensiv genug ist, um einen globalen Standpunkt zu erlangen, in den Wolken des Dritte-Welt-Fetischismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sagen, dass die Revolution in auf dem Klassenantagonismus basierenden Gesellschaften von den unterdr&#252;ckten Massen realisiert wird, und nicht von formellen oder informellen Minderheiten. Die Organisation wird ein Produkt der gesellschaftlichen K&#228;mpfe sein und nicht des aktivistischen Voluntarismus oder der aktivistischen Propaganda. Die Zeit ist nicht reif, weil es keine bewussten Massenbewegungen gibt. Mangels besseren Alternativen tut man, was man kann, doch die Abwesenheit massiver K&#228;mpfe kann nie mit Aktivismus von einer Handvoll Gruppen kompensiert werden. Eine strategische Verteidigung muss darin bestehen, die B&#252;hne des sozialen Kriegs zur Bek&#228;mpfung des Klassenfeindes zu organisieren. Das bedeutet die Befreiung von R&#228;umen f&#252;r die Entwicklung von Bewusstsein in den Massen; in anderen Worten, f&#252;r das Aufkommen autonomer K&#228;mpfe. Im gegenteiligen Sinn ersetzt der Aktivismus nicht nur diese K&#228;mpfe, sondern erhebt sich selbst zu deren radikalem Spektakel, was der Grund ist, weshalb er das Fundament f&#252;r deren Verkn&#246;cherung legt, statt dass er zum Wiederaufleben revolution&#228;ren Protests beitr&#228;gt. Die unglaubliche Verwirrung der insurrektionalistischen Thesen war nicht akzeptabel, doch die Widerspr&#252;chlichkeit und Oberfl&#228;chlichkeit dieser Analysen st&#246;rte Bonanno nie, er war besessen von einem Wunsch nach Aktion und er wusste, wie er ihn jenen Anarchisten vermitteln kann, welche von der Unt&#228;tigkeit der traditionellen Organisationen desillusioniert sind. Diese Anarchisten wurden zu Anh&#228;ngern seiner Ideen trotz aller Logik, denn Logik war nicht gerade sein bevorzugtes Mittel um Anh&#228;nger anzulocken. Der Insurrektionalismus breitete sich nicht aufgrund seiner Klarheit oder theoretischen &#220;berlegenheit in gewissen jugendlichen Milieus aus. Sein Einfluss in diesen Milieus war auch nicht das Resultat der Effizienz seiner Aktionen, welche h&#228;ufig den bitteren Geschmack von Gef&#228;ngnis und pers&#246;nlichen Trag&#246;dien hatten; auch die Verwirklichung von Bonannos Mittelmeerprophezeiung trat nicht ein. Die Gr&#252;nde f&#252;r deren relativen Erfolg sind psychologisch: Jene, welche Aktion wollen, bekommen Aktion. Aktion war eine Art emotionales Ventil. Bonanno hatte bemerkt, dass &#8222;Anarchismus eine Spannung [&#8230;] und keine Realisierung&#8220; ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die anarchistische Spannung, .&#034; id=&#034;nh3-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und beharrte auf dieser Tatsache. Bonanno beschrieb die Erreichung eines anarchistischen Bewusstseins als einen &#8222;pers&#246;nlichen Aufstand [&#8230;] jene Erleuchtung, welche eine kraftvolle Idee in uns hervorbringt&#8220;, eine Art Offenbarung, die einen Lebensstil bestimmt, nicht einfach eine Art und Weise, die Dinge zu sehen. Es bringt eine intime Befreiung hervor, die Erhebung zu einem Zustand der Anarcho-Gnade, welche einem hilft, sich von den Fesseln der Umwelt eines Individuums zu befreien: &#8222;Insurrektionalismus ist etwas pers&#246;nliches; jede Person muss den Aufstand in sich selbst tragen, ihre eigenen Ideen modifizieren, die sie umgebende Wirklichkeit ver&#228;ndern, wobei man mit der Familie und der Schule beginnen sollte, jene Strukturen, welche unser Gef&#228;ngnis darstellen...&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Bonanno auf Radio Onda Rossa, 20. November, 1997.&#034; id=&#034;nh3-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Anarchisten, sofern sie wirklich Anarchisten sein wollen, m&#252;ssen alles, was sie tun und denken, t&#228;glicher Pr&#252;fung aussetzen, denn was sie tun und was sie denken, kann nicht voneinander getrennt werden. Entweder &#8222;Metaphysik&#8220; oder Anarchismus, d.h. Aktion. Aktion erlangt also eine existentielle Dimension. Ein Anarchist ohne Aktion ist wie ein Garten ohne Blumen oder ein Soldat ohne Uniform. Wie k&#246;nnte man stoppen, wenn man sich in einem Zustand des &#8222;permanente Konflikts&#8220; befindet? Aktion ist zu einem moralischen Kriterium geworden: Man ist ein guter oder schlechter Anarchist, je nachdem, ob man sich in Aktionen engagiert oder nicht. Bonannismus ist eine besondere Version der amerikanischen &#8222;Do It Yourself&#8220;- Haltung in revolution&#228;ren Begriffen und bietet alle Freuden eines sektiererischen Aktivistenlebensstils ohne dessen organische Knechtschaften. Die Abwesenheit wirklicher sozialer Bewegungen war nicht ein Nachteil, sondern eine Vorbedingung f&#252;r den Insurrektionalismus: Das illegale Wesen seiner Agitation f&#252;hrte dazu, dass es aus offensichtlichen Sicherheitsgr&#252;nden ratsam war, eine gewisse Distanz zur prosaischen Arbeit innerhalb der Massen zu halten. Ein extremer Individualismus, der &#8222;Autonomie&#8220; genannt und von einigen Passagen Stirners gest&#252;tzt wird, besch&#252;tzt den professionellen Anarchisten vor jeglicher Kritik. Der Insurrektionalist kann somit an die Salbung glauben, unabh&#228;ngig von der Irrelevanz oder der Sinnlosigkeit seiner Aktionen, denn da ihm die Massen gleichg&#252;ltig sind, muss er sich vor niemandem rechtfertigen. Er ist der einzige Richter seiner selbst. Durch eine Ironie der Geschichte &#252;berlebte der &#228;ltere Bonanno seine Widerspr&#252;che und Defizite dank Akne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die insurrektionalistische Internationale traf sich in Athen im Herbst 1996, kurz bevor oder nach dem Gef&#228;ngnisaufenthalt Bonannos aufgrund der Mitgliedschaft in einer bewaffneten Bande. Auch die Repressionskr&#228;fte machten sich 1994 die Sache der Aktion zu eigen und es gab viele Verhaftungen und mediale Prozesse. &lt;i&gt;Anarchismo&lt;/i&gt; wurde eingestellt, doch in &lt;i&gt;Canenero&lt;/i&gt;, einer in Florenz publizierten Zeitschrift, kamen die diversen informellen Fraktionen der Internationalen f&#252;r kurze Zeit wieder zusammen. Die Insurrektionalisten hatten die revolution&#228;ren M&#246;glichkeiten der Mittelmeerl&#228;nder &#252;ber- und die repressiven F&#228;higkeiten des bis an die Z&#228;hne bewaffneten Staates untersch&#228;tzt. Die elementarste Strategie h&#228;tte allen voran dazu aufgerufen, folgende Frage zu stellen: Kann die insurrektionalistische Praxis jene Repression &#252;berleben, welche unmittelbar gegen sie entfesselt w&#252;rde? Nat&#252;rlich nicht. Der Mariniprozess war die Antwort des italienischen Staates gegen den Stich der insurrektionalistischen Fliege. Es gab &#228;hnliche Antworten in Griechenland und Spanien (Bonanno war kein Fanelli: Der Insurrektionalismus feierte 1996 in Spanien mit dem Fiasko des &#220;berfalls in Cordoba Premiere). Bonanno wurde im Oktober 1997 aus dem Gef&#228;ngnis entlassen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den diversen Gruppen wurden durch den Ausbruch der vorhersehbaren Repressionswelle verst&#228;rkt. Die Internationale traf sich zum zweiten Mal irgendwo in Italien und l&#246;ste sich offiziell auf. Vier Jahre sp&#228;ter gab es im Mariniprozess harte Urteile gegen die meisten Angeklagten. Die Insurrektionalisten haben allerdings nicht aufgegeben und ihre Gefangenen nicht vergessen. &#8222;Gebt Blumen den unterlegenen Rebellen&#8220;, wie Vanzetti sagte. Unsere Kritik hindert uns nicht daran, ihren Mut anzuerkennen und unsere Meinungsverschiedenheiten nicht daran, ihre Freiheit zu fordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Miguel Amor&#243;s&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;M&#228;rz-August 2007&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Geschrieben auf Wunsch mehrerer Genossen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/professional-anarchy-theoretical-disarmament-insurrectionism-miguel-amor%C3%B3s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://bibliotecasantecaserio.wordpress.com/2019/06/24/recomendacion-del-mes-anarquia-profesional-y-desarme-teorico/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bonanno, &#8220;Fictitious Movement and Real Movement&#8221;: &lt;a href=&#034;http://theanarchistlibrary.org/library/alfredo-m-bonanno-fictitious-movement-and-real-movement&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://theanarchistlibrary.org/library/alfredo-m-bonanno-fictitious-movement-and-real-movement&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Economic Crisis and Revolutionary Opportunity&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;After Marx, Autonomy&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;A Critique of Syndicalist Methods&#8221;, 1975: &lt;a href=&#034;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;Fictitious Movement and Real Movement&#8221;: &lt;a href=&#034;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;A Critique of Syndicalist Methods&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Die bewaffnete Freude&lt;/i&gt;, &lt;a href=&#034;http://www.abc-berlin.net/wp-content/uploads/hefte/Alfredo_Bonanno_-_Die_bewaffnete_Freude.pdf&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://www.abc-berlin.net/wp-content/uploads/hefte/Alfredo_Bonanno_-_Die_bewaffnete_Freude.pdf&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Azione Rivoluzionaria, &#8220;The Movement of 1977 and the Guerrilla&#8221;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;On the Terrorism of Certain Imbeciles and Other Matters&#8221;, 1979.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;The Illogical Revolution&#8221;, 1984.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;And Us, Etc.&#8221;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;And We Will Still Be Ready To Storm The Heavens Another Time: Against Amnesty&#8221;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;The Moral Breaking Point&#8221; in: &lt;i&gt;Provocazione&lt;/i&gt;, eine von ihm herausgegebene Publikation, M&#228;rz 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Das aufst&#228;ndische Projekt&lt;/i&gt;, &lt;a href=&#034;http://www.abc-berlin.net/wp-content/uploads/hefte/Alfredo_Bonanno_-_Das_aufstaendische_Projekt.pdf&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://www.abc-berlin.net/wp-content/uploads/hefte/Alfredo_Bonanno_-_Das_aufstaendische_Projekt.pdf&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;Another Turn of the Screw for Capitalism&#8221;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;For an Anti-Authoritarian Insurrectionist International: Proposal for a Debate&#8221;, 1993: &lt;a href=&#034;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://theanarchistlibrary.org/authors/alfredo-m-bonanno&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Die anarchistische Spannung&lt;/i&gt;, &lt;a href=&#034;http://www.abc-berlin.net/wp-content/uploads/hefte/Alfredo_Bonanno_-_Die_anarchistische_Spannung_-_print.pdf&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://www.abc-berlin.net/wp-content/uploads/hefte/Alfredo_Bonanno_-_Die_anarchistische_Spannung_-_print.pdf&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Bonanno auf Radio Onda Rossa, 20. November, 1997.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Robert Ferro - Vom Anarchismus zur Kommunisierung</title>
		<link>http://kommunisierung.net/Vom-Anarchismus-zur-Kommunisierung</link>
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		<dc:date>2013-04-22T23:48:00Z</dc:date>
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		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
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		<dc:subject>Robert Ferro</dc:subject>

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&lt;p&gt;Dieser im Sommer 2010 geschriebene Text zirkulierte in den darauf folgenden Monaten und dr&#252;ckt einen Bruch aus mit der insurrektionalistischen &#8222;anarchistischen&#8220; Str&#246;mung. Bei weitem nicht fehlerlos versucht dieser Brief, einer Szene von Aktivisten einige grundlegende Fragen zu stellen, ohne den Anspruch zu erheben, diese klar zu formulieren. Die Vorhersagen zum Verlauf des Kapitalismus und zum Schicksal des radikalen Demokratismus haben sich unter anderem als falsch erwiesen, das beweist die (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/anarchy-symbol.svg.png?1689551295' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieser im Sommer 2010 geschriebene Text zirkulierte in den darauf folgenden Monaten und dr&#252;ckt einen Bruch aus mit der insurrektionalistischen &#8222;anarchistischen&#8220; Str&#246;mung. Bei weitem nicht fehlerlos versucht dieser Brief, einer Szene von Aktivisten einige grundlegende Fragen zu stellen, ohne den Anspruch zu erheben, diese klar zu formulieren. Die Vorhersagen zum Verlauf des Kapitalismus und zum Schicksal des radikalen Demokratismus haben sich unter anderem als falsch erwiesen, das beweist die Vertiefung der Krise und die globale Verbreitung der Bewegung der &#8222;Emp&#246;rten&#8220;. Andere Punkte &#8211; die Wichtigkeit des Bruchs der 70er Jahre, die Kritik der aktivistischen T&#228;tigkeit usw. &#8211; bleiben abzukl&#228;ren. Trotz dieser M&#228;ngel besch&#228;ftigte sich der Autor dieses Briefes mit dem Verst&#228;ndnis des revolution&#228;ren Prozesses als Kommunisierung: In diesem Sinne hat er seine N&#252;tzlichkeit. (Januar 2010)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von der Bescheidenheit, die einen sozialen K&#228;mpfer ausmacht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Liebe Genossen, ich schreibe euch diesen Brief, weil ich den Drang versp&#252;re, einige meiner Zweifel klar auszudr&#252;cken bez&#252;glich der T&#228;tigkeit, welche ihr im Moment hervorhebt, gr&#246;sstenteils ohne meine Beteiligung. Ich habe mich w&#228;hrend diversen Gelegenheiten seit ich letzten Winter nach Bologna zur&#252;ckgekommen bin etwas distanziert, diese Distanz wird immer gr&#246;sser. Seither versuche ich das f&#252;r mich zu kl&#228;ren. Ich bin heute zu einigen provisorischen Gewissheiten gekommen, die ich in den folgenden Zeilen offen lege.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich versichere euch, dass es nicht meine Absicht ist, euch zu meiner &#8222;Schule&#8220; zu konvertieren und auch nicht, euch von irgendwas zu &#252;berzeugen: Der sokratische Dialog, durch welchen die Beteiligten auf der Suche nach der Wahrheit zusammenarbeiten, ist nichts mehr als ein rationalistischer Mythos. Die allt&#228;gliche Erfahrung zeigt uns hingegen, wie der Dialog, die Argumentationen, die Weisheit und der sogenannte &#8222;gesunde Menschenverstand&#8220; unwirksam sind, sobald man sich nicht zum Vornhinein in gewissen Punkten einig ist. Ich habe also &#252;berhaupt nicht den Drang, euch &#8222;das neue Wort&#8220; zu verk&#252;nden. Ich suche nach jenen, welche wie ich denken (zumindest in gewissem Masse), um gewisse Wege gemeinsam zu gehen. Andererseits ist es nicht mein Ziel, ein esoterisches Wissen f&#252;r mich zu behalten, und deshalb teile ich diese kritischen Reflexionen; doch da deren Ausarbeitung f&#252;r mich keinen anderen Nutzen hat als zu klareren Positionen zu kommen, kann ihre Zirkulation keinen anderen Zweck haben als Verh&#228;ltnisse auf der Grundlage konvergenter Orientierungen zu kreieren oder jene abzubrechen, welche durch eine tiefe Meinungsverschiedenheit gepr&#228;gt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand wird bezweifeln, dass der gr&#246;sste Teil der Aktivit&#228;ten, welche wir zusammen in den letzten Jahren an den Tag legten stark durch den Willen charakterisiert waren (und es immer noch sind), &#8222;auf der Strasse&#8220; zu sein: Besetzungen, Flugbl&#228;tter, Demonstrationen usw. Was bezweckte diese organisierte Pr&#228;senz? Was erhofft man sich zum Beispiel vom Schreiben und vom Verteilen eines Flugblatts an die &#8222;Leute&#8220;? Ich denke, dass ihr mir antworten werdet, dass jede &#8222;kommunikative&#8220; &#246;ffentliche Pr&#228;senz bezweckt, eine Perspektive des Kampfes zu verteidigen, auszuweiten und zu verst&#228;rken, in einem Wort die &#8222;Leute&#8220; zu &#252;berzeugen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube auch nicht, dass mein Vorgehen dies bezwecken kann oder muss: Um zur Sache zu kommen, das bedeutet, aus der Propaganda &#8211; dem Wort oder der exemplarischen Aktion &#8211; den Motor der sozialen Ver&#228;nderung zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem ganzen liegt eine Konzeption zu Grunde, gem&#228;ss welcher &#8211; ich w&#252;rde nicht mal sagen &#8222;den Proletariern&#8220;, denn dorthin m&#252;ssten wir erst noch kommen &#8211; doch den &#8222;Leuten&#8220; etwas fehlen w&#252;rde und diese fehlende Sache k&#246;nnte und m&#252;sste ihnen vom Revolution&#228;r gegeben werden (das Bewusstsein, die Konterinformation usw.).Es ist eine Art Vermittlung zwischen den &#8222;Leuten&#8220; &#8211; die sp&#228;ter die Proletarier sein werden &#8211; und der Revolution, zwischen dem Sein und dem Bewusstsein, da zwischen ihnen eine totale Z&#228;sur existiert, ein Graben. Die angeblichen &#8222;Revolution&#228;re&#8220; wollen eine Br&#252;cke &#252;ber diesen Graben sein. Daher die Sisyphusarbeit der Gruppen und Gr&#252;ppchen, die sich wirklich an der &#8222;Peripherie&#8220; des Seins (also der Klasse) befinden und ihr Wille, sich als Zauberer und Vermittler dieser Schnittstelle mit dem Bewusstsein zu zeigen. Einerseits verlangt die Abwesenheit dieser unmittelbaren Schnittstelle die kontinuierliche Rechtfertigung: &#8222;Wir sind die einzigen, die...&#8220;, &#8222;Wir sind anders als die anderen...&#8220; usw.; andererseits muss dieses &#228;ussere Bewusstsein &#252;bermittelbar sein, um den Sein der Klasse eingeimpft zu werden, was eine Verst&#252;mmelung der Theorie bedingt, falls diese ihre Best&#228;tigung nicht findet: &#8222;Die Leute verstehen die komplizierten Diskurse nicht, usw.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke nicht, dass dieser Gedankengang haltbar ist, noch weniger vom Standpunkt der praktischen Effizienz. Und auch wegen der widerlichen P&#228;dagogik, mit der er getr&#228;nkt ist. Ich sprach von einer Diskontinuit&#228;t zwischen dem Sein und dem Bewusstsein, die eine Vermittlung erfordert; doch wie ist es m&#246;glich, dass eine derartige Z&#228;sur f&#252;r die anderen gilt, aber nicht f&#252;r sich selbst? Entweder existiert ein solcher Bruch, un&#252;berwindbar f&#252;r alle und das Bewusstsein ist also unm&#246;glich oder der Bruch hat nicht a priori radikale Ursachen und gilt nicht mehr f&#252;r die anderen als f&#252;r mich selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die materialistische Lehre, dass die Menschen Produkte der Umst&#228;nde und der Erziehung, ver&#228;nderte Menschen also Produkte anderer Umst&#228;nde und ge&#228;nderter Erziehung sind, vergisst, dass die Umst&#228;nde eben von den Menschen ver&#228;ndert werden und dass der Erzieher selbst erzogen werden muss. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern, von denen der eine &#252;ber der Gesellschaft erhaben ist. (Z.B. bei Robert Owen.)&#8220; Marx, Thesen &#252;ber Feuerbach, 1845.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Diskurs, g&#252;ltig f&#252;r alle vergeblichen Versuche, ein Bewusstsein &#8222;einzuf&#252;hren&#8220;, gilt auch f&#252;r die sogenannte Konterinformation. Man kommuniziert wirklich in Hinblick auf das, was man gemeinsam hat. Ausserhalb einer effektiv erfassten gemeinsamen Lage, einer schon bestehenden Kampfgemeinschaft ist jegliche Verbreitung (&#8222;Dieser oder jener Kampf da und dort&#8220;, &#8222;Sie haben diesen oder jenen aus irgendeinem Grund festgenommen&#8220; usw.) komplett nutzlos: Es wird nur ein zus&#228;tzliches Ereignis sein in der unbezwinglichen und &#252;berfl&#252;ssigen Flut, die uns jeden Tag &#252;berschwemmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Begriffe selbst der &#8222;Intervention&#8220; oder der &#8222;&#246;ffentlichen Pr&#228;senz&#8220; t&#228;uschen die Wahrnehmung, indem sie eine &#196;usserlichkeit suggerieren zum Raum und zur Zeit, wo sich der Klassenwiderspruch entwickelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wollen wir andere zwingen, etwas zu tun, das sie nicht tun? Doch das ist genau die Essenz der Politik. Ungeachtet der Absichtsbekundungen jagt man zur T&#252;r hinaus, was man zum Fenster hineinkommen lassen will. Sich um das, was wir die &#8222;Politik&#8220; nennen, zu k&#252;mmern, ist nicht etwas, wovon man sich m&#252;helos befreit, einfach eine subjektive Wahlm&#246;glichkeit, eine Denkgewohnheit, gegen welche es reichen w&#252;rde, sie moralisch zu verwerfen: Es ist eine Form, in welcher die gesamte menschliche T&#228;tigkeit historisch gespalten ist. Die Politik als Beruf wird geboren und wuchert ab einem gewissen Grad der gesellschaftlichen Arbeitsteilung: Das Gewerbe, das daraus besteht, die Menschen zu sammeln zum Zweck bestimmter Ziele kann nur dort gedeihen, wo sie in ihren aufgesplitterten T&#228;tigkeiten getrennt und dazu gezwungen sind. Daraus ergibt sich das politische Denken, entweder die (aktive) Neigung, die anderen zu organisieren, oder die (passive) Neigung, sich organisieren zu lassen. Man kann eine Analogie machen mit dem, was wir &#8222;Religion&#8220; nennen: Ph&#228;nomene wie New Age oder andere aktuelle Synkretismen, anf&#228;llig f&#252;r etliche individuelle Deklinationen (die sogenannten Individualreligionen), zeigen, dass der Wunsch, Zugang zum &#220;bersinnlichen zu haben, Formen annehmen kann, die sich stark von den grossen historischen Glaubensformen wie dem Christentum, dem Islam usw. unterscheiden k&#246;nnen. Doch was ist die Grundstruktur, die sie zusammenh&#228;lt? Immer der Bezug auf eine notwendigerweise vorherbestimmte Ordnung des Seins, an welche man sich anpassen muss: alles in allem ein &#8222;Sein-M&#252;ssen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich stelle mir nun folgende Fragen: Wie kann man eine individuelle oder kollektive Ethik begr&#252;nden, ohne eine Transzendenz einzuf&#252;hren? Und wie oft, ohne dass man sich dessen bewusst w&#228;re, wurde an eine solche von der Geschichte losgel&#246;ste Ethik appelliert? Die Revolution l&#246;st die Frage des &#8222;Sollens&#8220; und des &#8222;K&#246;nnens&#8220;, denn sie tritt den Ursachen entgegen. Der Kommunismus bedeutet eine Welt jenseits von Gut und B&#246;se. Eine Welt, in welcher die menschliche T&#228;tigkeit nicht mehr getrennt ist, da alle Bedingungen, welche diese Trennung determinieren, nicht mehr wirken; es ist nicht die Realisierung guter Gef&#252;hle, der Kommunismus tr&#228;gt ein strukturell anderes gesellschaftliches Verh&#228;ltnis in sich als der Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx kritisierte die Religion, die Politik und die Philosophie in ein und derselben Bewegung, nicht von Fall zu Fall. In seinen Texten setzt er sich h&#228;ufig mit der Wissenschafts- und Fortschrittsgl&#228;ubigkeit auseinander; trotzdem war seine Polemik gegen die &#8222;utopischen Sozialisten&#8220; seiner Zeit angetrieben von zutiefst richtigen Motiven: Sich unter diesen Umst&#228;nden auf die Wissenschaft zu berufen, bedeutet, den Kommunismus nicht als eine in den K&#246;pfen isolierter Denker geborene &#8222;sch&#246;ne Idee&#8220; zu begreifen, sondern als eine materielle Kraft, die die Realit&#228;t durchdringt. Doch er war auch f&#228;hig, die g&#252;ltigen Beitr&#228;ge dieser Denker zu integrieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kommunismus ist f&#252;r uns nicht ein &lt;i&gt;Zustand&lt;/i&gt;, der hergestellt werden soll, ein &lt;i&gt;Ideal&lt;/i&gt;, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die &lt;i&gt;wirkliche&lt;/i&gt; Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.&#8220; (K. Marx, Die deutsche Ideologie, 1846).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie als normativen Diskurs &#252;ber die Realit&#228;t zu verstehen (was man tun und nicht tun sollte, was die anderen tun sollten), ist die schlimmste Vorgehensweise: Es ist wieder der Anspruch eines &#8222;Sein-M&#252;ssens&#8220;. Es ist nicht die Funktion der Theorie, ein Rezeptbuch zu sein: Sie ist immer das Produkt von etwas, das schon im Gange ist und die selbst-reflexive Bewegung eines Wandels im Gange.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun, wie verh&#228;lt sich der politische Aktivist? Welches Verh&#228;ltnis unterh&#228;lt er zum Beispiel mit der Theorie? Er erwartet von ihr, dass sie ihm sagt, was zu tun ist und wenn er glaubt, verstanden zu haben, beginnt er damit, die Seele der anderen zu zerreissen, damit sie ihn imitieren. In alledem handelt er immer mittels einer Sichtweise, die ausserhalb von ihm bleibt und die sich in seinem Leben kaum ver&#228;ndert; er glaubt, mit einer Bewegung verbunden zu sein, im Zentrum der gesellschaftlichen Realit&#228;t zu stehen, doch in Wirklichkeit trennt er sich von ihr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch eine Aktion, sagen wir eine Aktion des &#8222;Angriffs&#8220;, bar jeglicher symbolischen Funktion, nur durch wirtschaftliche Probleme motiviert, bleibt eine aktivistische Aktion, wenn derjenige, welcher daran teilnimmt, als Verteidiger der ungl&#252;cklichen Anderen handelt, historisch betrachtet hat diese Art von Verhaltensweise eher die Passivit&#228;t der prinzipiell Betroffenen verst&#228;rkt, als dass sie sie dazu gebracht h&#228;tte, selbst zu handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Solange die Sekten berechtigt sind (historisch), ist die Arbeiterklasse noch unreif zu einer selbst&#228;ndigen geschichtlichen Bewegung. Sobald sie zu dieser Reife gelangt, sind alle Sekten wesentlich reaktion&#228;r.&#8220; (Karl Marx, Brief an Bolte, 29.11.1871)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits scheint es mir widerspr&#252;chlich, die Relevanz und die Notwendigkeit der Rolle der Revolution&#228;re f&#252;r das Aufkommen eines ad&#228;quaten Bewusstseins durch die Zirkulation gewisser Informationen und die Ausf&#252;hrung exemplarischer Aktionen zu beteuern und sich gleichzeitig nicht an einen gewissen gesellschaftlichen Sektor zu richten. Das Proletariat erziehen zu wollen ist gerade noch so akzeptabel (ja, echt...), doch diese interklassistische Scheisse namens &#8222;die Leute&#8220; erziehen zu wollen, geht mir doch etwas zu weit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die unter euch am meisten verbreitete Position, so scheint mir, &#8211; wie ich sie heute verstehe &#8211; kann in zwei Postulaten zusammengefasst werden:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Die Revolution bleibt m&#246;glich, doch sie wird das Werk von Gattungsindividuen sein, die Klassenunterschiede sind (zumindest teilweise) &#252;berwunden durch die Entwicklung des Kapitals;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2) es gibt M&#246;glichkeiten und Wege, um diese Gattungsindividuen zu subversiven Aktionen zu veranlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin vom Gegenteil &#252;berzeugt: Einerseits existiert weiterhin eine Teilung der Gesellschaft in Klassen und der Widerspruch zwischen ihnen ist der Motor jeder zuk&#252;nftigen Revolution. Aufgrund der Verwertung des Wertes &#8211; und somit die Erpressung des Mehrwerts &#8211; ist die grundlegende T&#228;tigkeit, welche diese Welt vorw&#228;rts treibt immer noch und stets die Arbeit &#8211; die produktive Arbeit nicht weniger als in der Vergangenheit &#8211; die zwangsl&#228;ufige Vermittlung, durch welche sich die Verwertung man&#246;vrieren muss, erzeugt weiterhin den grundlegenden Widerspruch, der dieser Gesellschaft zugrunde liegt. Das Proletariat bleibt also aufgrund seiner internen Position in der Reproduktion des Kapitalismus &#8211; da es sie m&#246;glich macht und sie aus dem gleichen Grund zerst&#246;ren kann &#8211; das historische Subjekt der Revolution und des Klassenkampfes und die einzige wirkliche und m&#246;gliche Dynamik desselben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits glaube ich nicht mehr an irgendeine &#228;ussere Vermittlung zwischen Proletariat und Revolution: &#8222;Es gibt keine autonomen Organisationen des Proletariats, welche nicht gleichzeitig T&#228;tigkeit des Proletariats sind, die die Welt und, mit der Welt, es selbst kommunisiert. Folglich existiert die Frage nicht, ob die Revolution&#228;re gegen&#252;ber dem Proletariat inner- oder ausserhalb stehen.&#8220; (La Banquise, Le roman de nos origines, 1983)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letztendlich erscheinen alle Probleme in Verbindung zum Verh&#228;ltnis mit den &#8222;Massen&#8220; sobald man eine Position ausserhalb sucht. Die Unterscheidung zwischen &#8222;Arbeiterbewegung&#8220; und &#8222;sozialistischem Bewusstsein&#8220;, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkam und seitdem von fast allen reformistischen und revolution&#228;ren Str&#246;mungen im kommenden Jahrhundert verst&#228;rkt wurde, materialisierte sich in der historischen Trennung zwischen wirtschaftlichem Kampf (die Gewerkschaft, die Taktik usw.) und politischem Kampf (die Partei, die F&#246;deration, die Strategie usw.) mit dem Ziel, ein Programm zu verwirklichen; diese Unterscheidung wurde, nicht in der Welt der Ideen, sondern in der Praxis von der radikalen Minderheit der 1970er Jahre &#252;berwunden. Sie schloss aus dieser Erfahrung &#8222;die historisch noch nie da gewesene Gewissheit: die M&#246;glichkeit eines Kommunismus, der ohne '&#220;bergangsphase' verwirklicht werden kann&#8220; (Giorgio Cesarano, Piero Coppo, Joe Fallisi, Cronaca di un ballo mascherato, 1974), &#8222;der Aufbau einer neuen Ordnung durch die Zerst&#246;rung der alten&#8220; (&#171; Ludd. Bollettino d'informazione &#187;, Nr. 1, Oktober 1969). Vergessen wir nicht, dass sich aus der Frage der &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; (die auch im offiziellen Anarchismus fr&#252;her wie auch heute durchaus pr&#228;sent ist) Problematiken ergeben wie die Machtergreifung, das B&#252;ndnis mit anderen gesellschaftlichen Klassen usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In den etwa 15 Jahren, welche das Datum &#8222;68&#8220; symbolisiert, taucht eine andere Perspektive auf, die mit diesen drei Str&#246;mungen verbunden ist und sie gleichzeitig &#252;berwindet: die Verweigerung gewerkschaftlicher und parteilicher Organisation; die Ablehnung jeglicher &#220;bergangsphase, um die Grundlagen des Kommunismus aufzubauen, obwohl sie schon existieren; die Forderung einer Ver&#228;nderung des allt&#228;glichen Lebens, unserer Art zu essen, zu wohnen, zu reisen, zu lieben...; die Verweigerung der Trennung zwischen &#8222;politischer&#8220; und &#8222;sozialer&#8220; oder &#8222;wirtschaftlicher&#8220; Revolution und jener zwischen der Zerst&#246;rung des Staates und der Erschaffung neuer T&#228;tigkeiten, welche andere gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse in sich tragen; die &#220;berzeugung, dass jeglicher Widerstand gegen die alte Welt, der sie nicht entscheidend angreift, indem er zum Unumkehrbaren tendiert, sie letztendlich reproduzieren wird. All das kann mit einem unbefriedigenden Begriff, den wir trotzdem provisorisch &#252;bernehmen, zusammengefasst werden: die Revolution als Kommunisierung.&#8220; (Karl Nesic, L'appel du vide, 2003)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Meine theoretische Hypothese &#8211; die wie alle anderen das Risiko eingeht, dass ihr die Tatsachen widersprechen &#8211; ist, dass diese Perspektive der Kommunisierung, die ausgehend von einer Minderheit in den 1970er Jahren in den Europa und den USA aufgekommen ist, erheblich aufgegriffen und ausgebreitet werden wird, wenn das Proletariat in der Lage sein wird, sich gegen&#252;ber dem Kapital offensiv zu positionieren (was im Moment nicht wirklich auf der Tagesordnung steht).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube nicht, dass darin die sogenannten &#8222;Revolution&#228;re&#8220; eine dermassen andere Position und dermassen andere &#8222;Aufgaben&#8220; haben k&#246;nnen als die anderen Proletarier, Angestellten oder Arbeitslosen. Ich denke nicht, dass man pr&#228;zise sagen kann, was sie tun &#8222;m&#252;ssen&#8220;. Der einzige Wink, den ich geben kann, ist, dass sie sich ausgehend von einem nicht-aktivistischen und durch und durch antipolitischen Ansatz und ihren eigenen individuellen und gesellschaftlichen Bed&#252;rfnissen selbst organisieren k&#246;nnen wie alle anderen Proletarier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage geht es der sozialen Kritik schlecht. Kann man sagen, dass sie an einer mangelnden Verbreitung leidet? Man k&#246;nnte auch behaupten, dass sie an &#220;berbelichtung leidet: Sie ist zu einem Gemeinplatz geworden, der glaubt, alles auswendig zu kennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Annahme zum Beispiel, dass &#8222;der Kapitalismus seine eigenen Totengr&#228;ber erzeugt&#8220; wird vielen als archaisches marxistisches Dogma erscheinen, ohne dass das Verst&#228;ndnis dar&#252;ber hinaus ginge. Doch im Licht der Tatsachen kann nur der Widerspruch zwischen Kapital und Proletariat seine &#220;berwindung produzieren: Abschaffung des Werts, des Eigentums, des Staates usw. Das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als etwas homogenes und steriles zu konzipieren f&#252;hrt dazu, dass man ausserhalb davon dessen Opposition sucht, in gewisser Weise etwas, das vorher schon da gewesen w&#228;re oder daneben existierte. Doch die Opposition ist innerhalb des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses als solches: Sie befindet sich innerhalb des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, solange das &#220;berleben des Kapitals von der T&#228;tigkeit des Proletariats abh&#228;ngt. Es ist dieser widerspr&#252;chliche Charakter des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, der eine M&#246;glichkeit zum Ausstieg bietet. Die Individuen sind weder vom gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis &#8222;beeinflusst&#8220;, noch &#8222;korrompiert&#8220;. Die L&#246;sung befindet sich in ihnen insofern, dass sie dieses gesellschaftliche Verh&#228;ltnis sind und den Widerspruch, der sie strukturiert, leben. Sonst, ich wiederhole es, muss man suchen und herausfinden gehen, was dem Widerspruch vorausgeht: Etwas notwendiges wie &#8222;wiederentdecken&#8220;, &#8222;wiedererlangen&#8220;; es ist so oder so eine willk&#252;rliche Spekulation, egal welche Z&#252;ge diese nach und nach annimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe, welche sich seit den 1960er Jahren am Rande der Lohnarbeit (gegen die Verschmutzung, die Psychiatrie, die Gef&#228;ngnisse) entwickelt haben, bezogen ihre Kraft von der Tatsache, dass sie den Klassenkampf als unmittelbares Substrat hatten: Asbest, die Psychiatrie, die Schinderei der Gef&#228;ngnisse wurden als Waffen der Bosse wahrgenommen. Das hatte eine doppelte Bedeutung: Einerseits war die proletarische Bewegung von damals, oder zumindest ein Teil davon, auch f&#252;r jene, welche von der Lohnarbeit ausgeschlossen waren (von den Studenten bis zu den Kleinkriminellen und Gefangenen), zum zentralen Bezugspunkt geworden; andererseits wurde diese Minderheit nun zur Tr&#228;gerin einer totalen Kritik des Systems. Was geschieht, wenn der Klassenkampf an Intensit&#228;t verliert, gar fast vollst&#228;ndig verschwindet, wie in allen Perioden der Konterrevolution? Entfernt von ihrem Bezugspunkt tendieren diese K&#228;mpfe dazu, sich einzurollen. Ohne eine Wiederaufnahme des Klassenkampfes ist es unm&#246;glich, dass sie, insofern sie wirklich existieren (wie seit Jahren im Val Susa gegen den TAV zum Beispiel), es schaffen, den gesellschaftlichen Kontext zu dynamisieren, die Situation zu &#8222;deblockieren&#8220;; fr&#252;her oder sp&#228;ter kommen sie in eine Sackgasse. Es soll gesagt sein, dass das Niveau der Konfrontation mit dem Staat und seinen Ordnungskr&#228;ften nie ein verl&#228;sslicher Gradmesser f&#252;r die Reife eines Kampfes sein und auch nicht aufdecken kann, wovon er der Tr&#228;ger ist: Sozialdemokraten und Konservative aller Art befanden sich auch schon einige Male in Konfrontation mit dem Staat und seiner Polizei, ohne dass ihre Gewalt irgendeinen revolution&#228;ren Gehalt gehabt h&#228;tte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt kein revolution&#228;res Erbe, das f&#252;r sich die Reinheit in Anspruch nehmen kann und es erlaubt, alles ganz einfach und unbeschwert zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verschiedene Str&#246;mungen, welche zumindest mit einer praktischen Kritik, die nicht immer m&#246;glich ist, in Kontakt waren, haben einige tiefsinnige Wahrheiten ausgedr&#252;ckt. Es reicht, an die heute verkannte italienische kommunistische Linke (&#8222;Bordigisten&#8220;) zu denken, welche, wenn auch im Rahmen eines rigiden Marxismus, h&#228;ufig sehr respektable Positionen verteidigt hat: gegen die antifaschistischen Volksfronten, gegen den P&#228;dagogismus, gegen den Mythos der Wissenschaft und der Technik. Dann die deutsche Linke (&#8222;R&#228;tekommunisten&#8220;), die situationistische Internationale und nat&#252;rlich sowohl der kollektivistische als auch der individualistische Anarchismus sowie noch andere. Diese Str&#246;mungen waren und bleiben alle gleich einseitig. Man kann von ihnen nur Elemente zur&#252;ckbehalten, die eine m&#246;gliche Synthese erlauben, welche ausserdem immer wieder neu erstellt werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Anarchisten haben ein Ideal zu verwirklichen. Der Anarchismus ist die noch ideologische Negation des Staates und der Klassen, d.h. der gesellschaftlichen Bedingungen selbst der abgesonderten Ideologie. Er ist die Ideologie der reinen Freiheit, die alles gleichmacht und jede Idee des geschichtlichen &#220;bels beseitigt. Dieser Gesichtspunkt der Fusion aller Teilforderungen hat dem Anarchismus das Verdienst eingebracht, die Ablehnung aller bestehenden Verh&#228;ltnisse f&#252;r die Gesamtheit des Lebens zu repr&#228;sentieren und nicht hinsichtlich einer privilegierten kritischen Spezialisierung, aber da diese Fusion im Absoluten, nach der individuellen Laune, vor ihrer tats&#228;chlichen Verwirklichung, betrachtet wird, hat sie den Anarchismus auch zu einer allzu leicht merklichen Zusammenhangslosigkeit verdammt. Der Anarchismus hat nur in jedem Kampf seine gleiche einfache totale Schlu&#223;folgerung zu wiederholen und wieder aufs Spiel zu setzen, denn diese erste Schlu&#223;folgerung war von Anfang an mit der vollst&#228;ndigen Vollendung der Bewegung gleichgesetzt worden. [&#8230;] Ohne Zweifel beh&#228;lt diese Auffassung vom geschichtlichen Denken des Proletariats diese Gewi&#223;heit, da&#223; die Ideen praktisch werden m&#252;ssen, aber sie verl&#228;&#223;t den geschichtlichen Boden, wenn sie voraussetzt, da&#223; die ad&#228;quaten Formen f&#252;r diesen &#220;bergang zur Praxis schon gefunden sind und nicht mehr ver&#228;ndert werden. [&#8230;] Die im echten Anarchismus mehr oder weniger ausdr&#252;cklich unterhaltene Illusion ist das st&#228;ndige nahe Bevorstehen einer Revolution, die der Ideologie und der aus ihr abgeleiteten praktischen Organisationsform durch ihre augenblickliche Vollendung Recht geben soll.&#8220; Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Kritik des Anarchismus bleibt auch nach vierzig Jahren sowohl erbarmungslos als auch wahrheitsgetreu und ausgeglichen. Man sollte &#8222;Unmittelbarkeit des Kommunismus&#8220; nicht mit &#8222;Augenblicklichkeit&#8220; verwechseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die anarchistische Theorie und Praxis, wie sie heutzutage in Erscheinung tritt, tendiert dazu, die Grenzen der K&#228;mpfe als etwas &#228;usseres, auferlegtes zu sehen. Daher die vergebliche Praxis des &#8222;Stossens&#8220; w&#228;hrend Demonstrationen: Man glaubt, etwas &#8222;befreien&#8220; zu k&#246;nnen, das existiert, jedoch blockiert bleibt (von den B&#252;rokratien der Bewegung, den sogenannten &#8222;Feuerwehrm&#228;nnern&#8220; usw.). In Wirklichkeit sind diese Grenzen ausnahmslos innere Grenzen und das Produkt der K&#228;mpfe selbst. Schauen wir noch einmal die Vergangenheit an, die Geschichte der alten Arbeiterbewegung. Die Gewerkschaftsb&#252;rokratien und die Parteien sind nicht vom Himmel gefallen, sie wurden schlichtweg nicht &#8222;auferlegt&#8220;. Sie sind das Produkt der T&#228;tigkeit des Proletariats, der Probleme, mit welchen es auf dem Weg seiner Organisation konfrontiert war, da es zu einem gewissen Moment seiner Geschichte Probleme nur l&#246;sen konnte, indem es F&#252;hrungsfunktionen an eine spezifische Kategorie von Anf&#252;hrern delegierte. Was geschah in Russland nach 1917? Wie schaffte es die bolschewistische Partei, die Sowjets zu &#8222;monopolisieren&#8220;, ihnen jegliche Funktion zu entziehen und sie danach verschwinden zu lassen? In Wirklichkeit waren die Mitglieder der Partei Lenins die einzigen, welche konkrete Vorschl&#228;ge machten und es waren Vorschl&#228;ge, die &#8222;passten&#8220;. Alles andere war nur folgenloses Geschw&#228;tz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits sind alle Versuche gescheitert, die Basis eines Dispositivs gegen die Anf&#252;hrer zu legen. Heute noch hat die (zunehmend l&#228;cherliche) Basis des radikalen Demokratismus, das was &#252;brig bleibt zwischen &lt;a href=&#034;https://de.wikipedia.org/wiki/Nichi_Vendola&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Nichi Vendola&lt;/a&gt; und den Resten der Autonomie, die Anf&#252;hrer, die sie verdient.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keinen Willen, der sich behauptet. Wenn der Wille zum h&#246;chsten Wert wird, l&#228;sst sich der Wahn blicken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bedingungen der Unterordnung unter die Schicksale des radikalen Demokratismus, welche die Bewegung der direkten Aktion erdulden musste, versetzt sie in die gleiche Position wie der alte Linkskommunismus (Lotta Continua, Potere Opera&#239;o usw.) im Verh&#228;ltnis zum PCI: Es ist der Versuch, den &#8222;wahren&#8220; Antikapitalismus, den &#8222;wahren&#8220; Antifaschismus zu verk&#246;rpern, um die &#8222;Massenbasis&#8220; des Reformismus zu gewinnen. Doch ohne einen Raum autonomer Mobilit&#228;t lohnt sich das Spiel nicht: Als der PCI sich aufl&#246;st, existiert Lotta Continua bereits nicht mehr. Im Wettbewerb mit dem PCI werden sich einige vom besten Willen getriebene Pers&#246;nlichkeiten in eine Bande von Gangstern, in Schutzgelderpresser verwandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jeder, der behauptet zu intervenieren mit dem Ziel, die aktuellen K&#228;mpfe von ihren eigenen Grenzen zu befreien, kann nur ebendiese Grenzen reproduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der radikale Demokratismus ist jene T&#228;tigkeit, welche die Grenzen des Klassenkampfes dieses Zyklus als un&#252;berwindbaren Horizont formalisiert; die Bewegung der direkten Aktion sieht sich selber als Formalisierung der Dynamik dieses abstrakten Zyklus des unmittelbaren Ganges des Klassenkampfes, er verwandelt den Klassenkampf in einen Kampf zwischen zwei abstrakten individuellen Situationen: die Subversion und die Unterwerfung. F&#252;r die Bewegung der direkten Aktion und den radikalen Demokratismus geht es nur noch um einen Kampf um die Vergesellschaftung freier Individuen: die gute, subversive und freie gegen die schlechte, zwingende und entfremdete.&#8220; (Th&#233;orie Communiste Nr. 17, S. 73)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sagt: &#8222;Die Normalit&#228;t unterbrechen&#8220;, &#8222;Momente des Bruches erschaffen&#8220;, spricht man nur von den Modalit&#228;ten des Kampfes innerhalb eines Klassenkampfes (und sogar die Revolte ist eine dieser Modalit&#228;ten): Es geht um ein anderes gesellschaftliches Verh&#228;ltnis als jenes des Kapitalismus, das sich augenblicklich in solchen Momenten zeigte. Es w&#228;re nicht mehr ein Kampf innerhalb eines widerspr&#252;chlichen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, sondern zweier verschiedener Verh&#228;ltnisse, die sich in direkter Konfrontation gegen&#252;ber stehen. Man verliert damit den Sinn f&#252;r den totalen Bruch, wenn das neue gesellschaftliche Verh&#228;ltnis faktisch schon im individuellen Lebensstil (von der Ern&#228;hrung bis zu den musikalischen Vorlieben) sowie in der kollektiven Bewegung (die ber&#252;hmte nie bezeugte &#8222;Art des Zusammenlebens&#8220;) pr&#228;sent ist, wird es reichen, dass all das sich ausbreitet. Ich sage das, um zu zeigen, in welcher Hinsicht der radikale Demokratismus und die Bewegung der direkten Aktion einige Sachen gemein haben, einige mehr als sie denken; sie praktizieren auf &#228;hnliche Art und Weise ihre respektiven T&#228;tigkeiten auf einer materiellen Grundlage, von welcher sie sich autonomisieren: der Klassenkampf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mittlerweile ist der radikale Demokratismus auf dem absteigenden Ast. Sein moralischer Reformismus hat keine Perspektive, die &#252;ber &#246;ko-solidarischen Handel hinausgeht und war unf&#228;hig, sich gesellschaftlich durchzusetzen. Er k&#246;nnte in den n&#228;chsten Jahren die letzten Bastionen verlieren, die ihm bleiben. Und was wird mit der &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220; geschehen? Es zeigen sich umgekehrte Tendenzen. Ein Teil davon wird gewiss zum Klassenkampf &#252;bergehen. Dieser Beitrag ist ein Zeugnis dieser Tendenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Versteht nach all dem, dass ich nicht das geringste Interesse habe, den bis anhin gegangenen Weg weiterzugehen, ohne ihn jedoch a posteriori in Abrede zu stellen oder herabzuw&#252;rdigen, was wirklich absurd w&#228;re. Ihr bleibt selbstverst&#228;ndlich (beinahe) die einzigen, mit welchen es Sinn macht, ein politisches Verh&#228;ltnis zu haben, die problematischen Punkte, die ich etwas zusammenfassend angegangen bin, hindern mich jedoch heute, an einer Aktion mit euch teilzunehmen: Es w&#228;re Selbstverst&#252;mmelung und ausserdem eine ziemlich unehrliche Haltung euren K&#228;mpfen gegen&#252;ber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch keine Angst, ihr werdet mich noch lange antreffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;la vanit&#224; tua e mia&lt;br class='autobr' /&gt;
all'espressione timida&lt;br class='autobr' /&gt;
d'un timido confronto,&lt;br class='autobr' /&gt;
lo stesso andremo fieri:&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore dico.&lt;br class='autobr' /&gt;
Come l'amore non sappiamo dove e perch&#233;&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore non possiamo forzare o sfuggire&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore spesso noi piangiamo&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore raramente rispettiamo&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Wystan Hugh Auden, Un'altro tempo, 1940)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Robert Ferro,&lt;br class='autobr' /&gt;
Passo Principe sul Catinaccio, Juli 2010&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=12118&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Incendo - Kapitalismus, Gender und Kommunismus</title>
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&lt;p&gt;Das Vorwort und der Text sind der Zeitschrift Incendo entnommen, eine Zeitschrift aus Avignon. Letztes Jahr erschien eine Sondernummer zum Thema Gender und Klassen. &lt;br class='autobr' /&gt;
Vorwort &lt;br class='autobr' /&gt;
Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat* zuerst!&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus* k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Gesehen auf der Mauer im Klo eines (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/incendo-genresclasses-238x300.jpg?1689552088' class='spip_logo spip_logo_right' width='119' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Das Vorwort und der Text sind der Zeitschrift &lt;i&gt;Incendo&lt;/i&gt; entnommen, eine Zeitschrift aus Avignon. Letztes Jahr erschien eine Sondernummer zum Thema Gender und Klassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vorwort&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat* zuerst!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus* k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gesehen auf der Mauer im Klo eines Squats in Avignon 2007.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige werden sich fragen, was uns dazu brachte, eine Spezialnummer den Verbindungen zwischen dem Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen* (oder Genderfragen*&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Sterne verweisen auf die Begriffserkl&#228;rungen.&#034; id=&#034;nh4-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, oder geschlechtliche Differenzierung*) und den Klassenverh&#228;ltnissen, zwischen M&#228;nnerherrschaft* und Kapitalismus zu widmen, ein eher kniffliges Thema. Die Erkl&#228;rung liegt in den lebendigen und konfliktreichen Diskussionen &#252;ber die Unterdr&#252;ckung der Frauen, welche eine Zeit lang die Gruppe der Zeitschrift (wo die Frauen zur Zeit in der Minderheit sind) besch&#228;ftigten. Vereinfacht k&#246;nnte man sagen, dass jene, f&#252;r welche der Klassenkampf* priorit&#228;r ist gegen jene stehen, welche denken, dass die Genderfragen sichtbar gemacht und somit voran gestellt werden m&#252;ssen. Diese Spaltung, welche manchmal in gegenseitiger Ignoranz gipfelt, haben wir in etlichen anderen Umst&#228;nden angetroffen und sie scheint ziemlich verbreitet zu sein. Einerseits klammern viele &#8222;klassenk&#228;mpferische&#8220; Theoretiker, Aktivisten und andere Engagierte Genderfragen und Probleme der M&#228;nnerherrschaft aus, betrachten sie &lt;i&gt;im besten Fall&lt;/i&gt; als sekund&#228;r und als automatisch gel&#246;st in einer unvermeidlich rosigen Zukunft. Andererseits interessieren sich viele Feministinnen* kaum, nur formell oder &#252;berhaupt nicht f&#252;r den Klassenkampf. Wir waren grunds&#228;tzlich nicht zufrieden mit den uns bekannten Positionen (die relevanten Texte und Analysen, mehrheitlich aus den 1970er Jahren, schienen uns etwas veraltet) und unsere Unkenntnis der gegenw&#228;rtigen M&#228;nnerherrschaft, jenseits von Aktivistenklischees, war offenkundig. Aus unseren ersten Fragen folgte eine beeindruckende Serie weiterer Fragen zum Verh&#228;ltnis zur kapitalistischen Produktionsweise: Welche Verbindungen zwischen Gender und Klassen*? Zwischen Patriarchat und Kapitalismus? Handelt es sich um zwei unterschiedliche Systeme? Hat das eine das andere hervorgebracht? Hat das eine das andere &lt;i&gt;absorbiert&lt;/i&gt; (integriert)? Sind die Geschlechterrollen Klassen? Kann der Kapitalismus die Geschlechterrollen aufheben? Usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wichtig f&#252;r uns war es, eine Analyse des Verh&#228;ltnisses zwischen Gender und Klassen in der heutigen Zeit zu wagen, insbesondere zu analysieren, wie sich dieses Verh&#228;ltnis seit den 1970er Jahren entwickelt hat und was diese Entwicklung bedeutet. Es ist offensichtlich, dass die M&#228;nnerherrschaft immer noch pr&#228;sent ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir erstellen keine Bilanz der &#8222;Ungleichheiten&#8220; zwischen M&#228;nnern und Frauen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was weniger offensichtlich ist, ist ihr eventuelles Verschwinden. Kann man sie zerst&#246;ren? Wie? Was k&#246;nnen die Rolle und der Einfluss der &#8222;Revolution&#228;re&#8220; in diesem Verschwinden sein? Ist eine spezifische &#8222;antipatriarchale&#8220; Aktion notwendig? Frauen unter sich? Usw. Es handelt sich f&#252;r uns nicht um ein kleines intellektuelles Spiel, denn, wenn diese Fragen in einer revolution&#228;ren Perspektive von Bedeutung sind, dann haben sie auch einen Einfluss auf unsere allt&#228;gliche Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind schnell zum Schluss gekommen, dass es unm&#246;glich ist (jenseits einer ethischen Position, die sich gegen jegliche Unterdr&#252;ckung richtet), die Genderfrage in einer revolution&#228;ren Perspektive auszuklammern. Einerseits weil die geschlechtliche Differenzierung (d.h. die Aufteilung der Aufgaben nach Geschlecht oder Geschlechterrolle, die erste Arbeitsteilung), die einiges &#228;lter ist als der Kapitalismus, mit diesem unzertrennbar verbunden ist. Andererseits weil eine Gesellschaft, in welcher Formen der Hierarchie oder der gesellschaftlichen Herrschaft fortbestehen, wohl kaum als Kommunismus qualifiziert werden k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dieser Spezialnummer &#8222;Gender und Klassen&#8220; geht es f&#252;r uns darum, am Ende einer ersten Etappe der (stets lebendigen und konfliktreichen) Diskussionen unsere &#220;berlegungen im jetzigen Zustand zu pr&#228;sentieren. Da wir uns ihrer Bescheidenheit und ihres unvollendeten Charakters bewusst sind, liefern wir sie als Sammlung von Notizen und Denkanst&#246;ssen, um zur Debatte beizutragen. Wir h&#228;tten gerne auch andere Aspekte dieser Frage ber&#252;cksichtigt, wie die Familie, die Arbeiterinnenstreiks und der Platz der Frauen w&#228;hrend K&#228;mpfen, die geschlechtliche Differenzierung in anderen Regionen der Welt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir sind uns bewusst, dass unsere &#220;berlegungen nur die westliche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Sexualit&#228;t und die sexuellen Identit&#228;ten (ein zentrales Problem), das Verh&#228;ltnis zum K&#246;rper, seine Aneignung* durch die Medizin, Feminismus und Islam, das Verh&#228;ltnis zum Recht, usw. Was uns nat&#252;rlich antreibt, weiter zu machen, unsere &#220;berlegungen weiter zu entwickeln und eure Reaktionen, Kritiken und Beitr&#228;ge, die ihr uns sicher zukommen lassen werdet, zu ber&#252;cksichtigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In maximal 140 Zeichen.&#034; id=&#034;nh4-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bande von Incendo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kapitalismus, Gender und Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Text pr&#228;sentiert den aktuellen Stand unserer Reflexionen &#252;ber die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen Gender und Klassen. Er ist auch ein Versuch der Synthese der anderen Artikel und Texte dieser Nummer von &lt;i&gt;Incendo&lt;/i&gt;. Er ist also weder starr, noch definitiv und als Beitrag zu einer notwendigen Debatte zu betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einige geschichtliche Anhaltspunkte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Urspr&#252;nge&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r dieses Kapitel, siehe Christophe Darmangeat, Le communisme primitif (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die geschlechtliche Differenzierung charakterisiert, so scheint es, alle Gesellschaften, welche existieren oder existierten. Sie impliziert notwendigerweise eine Zuweisung der Individuen an eine bestimmte gesellschaftliche Rolle, doch mit variablen &#8222;Graden&#8220; der M&#228;nnerherrschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist kaum m&#246;glich, die Erscheinung dieser geschlechtlichen Differenzierung genau historisch zu situieren oder zu erkl&#228;ren, vermutlich geht sie auf die Urgeschichte zur&#252;ck. Die Mutterschaft und ihre Zw&#228;nge werden allgemein als Erkl&#228;rung f&#252;r den Ursprung der geschlechtlichen Differenzierung vorgebracht. Gem&#228;ss diesen Hypothesen hinderte die Schwangerschaft und das Stillen die &#8222;Frauen&#8220; daran, voll an den anderen Aktivit&#228;ten der Gruppe teilzunehmen, beispielsweise an der Jagd. Der Schutz der schwangeren Frauen (der f&#252;r das &#220;berleben der Gruppe lebensnotwendig ist) soll sich zu einem &#8222;Schutz&#8220; der Frauen aufgrund ihrer &lt;i&gt;potentiellen&lt;/i&gt; reproduktiven* F&#228;higkeit entwickelt haben. Doch das erkl&#228;rt uns nicht das Aufkommen der Gruppe der Frauen, was bedeutet, diese Gruppe als eine nat&#252;rliche Einheit zu betrachten. Ebenso wird die Schwangerschaft als nat&#252;rliches Ph&#228;nomen betrachtet, und nicht als gesellschaftlich organisierter Prozess. Die geschlechtliche Differenzierung, welche in allen bekannten Gesellschaften existiert, hat in den Urgesellschaften diverse Formen angenommen. Obwohl die M&#228;nner in allen F&#228;llen das Monopol auf die Waffen und die politische Macht inne haben, bedeutet das nicht automatisch eine totale M&#228;nnerherrschaft (diese wird manchmal durch die wirtschaftliche Macht der Frauen ausgeglichen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Friedrich Engels, dessen Thesen einen grossen Einfluss auf die sozialistische Bewegung hatten, hat die M&#228;nnerherrschaft ihren Ursprung im Aufkommen des Privateigentums (die Sesshaftigkeit und die Landwirtschaft erlauben die Bildung von aneigenbaren Mehrertr&#228;gen). Die Entdeckungen der Ethnologie stellen diese Sichtweise jedoch in Frage, denn man findet Formen der M&#228;nnerherrschaft in gewissen Urgesellschaften (einschliesslich bei den J&#228;gern und Sammlern), die allerdings wirtschaftlich egalit&#228;r sind (d.h. sie kennen keinen Reichtum und keine Armut).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem bewirkt das Aufkommen (wirtschaftlich) nicht-egalit&#228;rer Gesellschaften eine Verst&#228;rkung der M&#228;nnerherrschaft. In gewissen Gesellschaften, wo die Macht (mehr oder weniger) geteilt wurde, sind die M&#228;nner danach bevorteilt. Durch das Aufkommen des Privateigentums entsteht das Bed&#252;rfnis, das Erbe und die Abstammung abzusichern; daher die Notwendigkeit, die Reproduktion durch die Kontrolle des Bauches der Frau zu organisieren. Das &#228;ussert sich durch ihre Aneignung (wie Vieh) durch den Vater oder den Ehemann, durch die Familie und die Heirat. Wenn auch die Hierarchie zwischen M&#228;nnern und Frauen je nach Organisation der Gesellschaft variabel ist, so wird jedoch die M&#228;nnerherrschaft sehr klar mit dem Aufkommen der Klassengesellschaften.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf der Jahrtausende und in der Mehrheit der Gesellschaften institutionalisiert sich (Staat, Recht, Religion, Politik etc.) diese M&#228;nnerherrschaft in verschiedenen Formen, um den Fortbestand und die Stabilit&#228;t zu garantieren. Die Familie ist ein wesentliches Element, denn sie erlaubt die Abstammung/Nachkommenschaft und die Weitergabe des Erbes (welches lange prinzipiell aus Grundbesitz bestand) und somit, eine gewisse gesellschaftliche Stabilit&#228;t zu garantieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Sabine Melchior-Bonnet et Catherine Salles (Hg.), (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Sinne kann man von Patriarchat oder patriarchaler Gesellschaft sprechen (&lt;i&gt;institutionalisierte&lt;/i&gt; Macht des Mannes als Familienoberhaupt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mittelalter und fr&#252;he Neuzeit&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe in dieser Nummer den Artikel zur Hausarbeit, S. 47.&#034; id=&#034;nh4-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend dieser Periode ist die Bev&#246;lkerung mehrheitlich l&#228;ndlich und b&#228;uerlich. Der Haushalt (welcher der Familie entspricht) ist zu dieser Zeit eine Einheit der Produktion &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; der Reproduktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen nehmen an den landwirtschaftlichen T&#228;tigkeiten teil, entweder alleine (zum Beispiel im Gem&#252;segarten) oder mit den M&#228;nnern. Ihre Aufgaben werden nicht notwendigerweise abgewertet, denn sie sind genauso wichtig f&#252;r das &#220;berleben und die Produktion (prinzipiell f&#252;r den Familienkonsum und den Unterhalt des Adels und der Geistlichkeit bestimmt). Die von den Frauen realisierten Aufgaben, welche man heute als &#8222;Haushaltsaufgaben&#8220; (K&#252;che, Waschen, Putzen) qualifizieren w&#252;rde, sind noch sehr beschr&#228;nkt und nicht getrennt von den anderen T&#228;tigkeiten. Die Kindererziehung (ein Begriff, der erst am Ende des 18. Jahrhunderts aufkommt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Philippe Ari&#232;s, L'Enfant et la vie familiale sous l'Ancien R&#233;gime, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) war ebenfalls sehr d&#252;rftig. Obwohl die Frauen die Meisterinnen im Haus sind, sind die M&#228;nner die Familienoberh&#228;upter (einer meistens sehr grossen Familie) mit sehr viel Macht. Die Sicht einer sehr d&#252;steren Zeit, die besonders durch eine tief frauenfeindliche Religion gekennzeichnet ist (die Frauen als teuflische, seelenlose Wesen; Hexenjagd etc.), muss scheinbar nuanciert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Jacques Le Goff, &#171; Le christianisme a lib&#233;r&#233; les femmes &#187; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss auch gesagt werden, dass die Frauen sehr aktiv sind (h&#228;ufig in den ersten Reihen) in den K&#228;mpfen, den Hungeraufst&#228;nden, den Brotk&#228;mpfen, welche die fr&#252;hneuzeitliche Periode kennzeichnen und in den Jahren 1789-1795 ihren H&#246;hepunkt erreichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;19. Jahrhundert&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Thema siehe den Artikel zur Reproduktion der Arbeitskraft im 19. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Machtergreifung der Bourgeoisie bedeutet zuerst einmal eine Verschlechterung der Situation der Frauen. Etwas sp&#228;ter f&#252;hrt der Code Napol&#233;on (1804) ihre Minderwertigkeit sowie eine veritable Segregation ein: die Frauen haben fast kein Recht, ausser jenes, den M&#228;nnern (ihrem Vater oder ihrem Mann) zu gehorchen, und sie werden als minderj&#228;hrig betrachtet (und das bis 1965!)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Literatur und die Wissenschaft jener Zeit pr&#228;sentieren sie mehrheitlich als minderwertige Wesen, die intellektuell und k&#246;rperlich unf&#228;hig sind, etwas anderes zu tun als sich um Kinder und den Haushalt zu k&#252;mmern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichwohl erlaubt die neue egalitaristische b&#252;rgerliche Ideologie (besonders mit der Menschen- und B&#252;rgerrechtserkl&#228;rung) die &lt;i&gt;Vorstellung&lt;/i&gt; einer formellen Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen, eine zuvor unm&#246;gliche Hypothese. Die Ideologie der kapitalistischen Klasse (die sich entwickeln wird) wird logischerweise die vorherrschende Ideologie, was ihr die Absicherung ihrer Position und die Verewigung des Systems erlaubt: Freiheit, Demokratismus, Arbeitswert, Erfolg, Wettbewerb, Individualismus etc. Der kapitalistische Wurm steckt in der patriarchalen Frucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts erschafft, indem sie den Arbeitern die Produktions- und Selbsterhaltungsmittel entwendet, eine wirkliche Trennung zwischen dem Ort der Produktion (Lohnarbeit/Fabrik/M&#228;nner) und dem Ort der Reproduktion (Haushalt/Frau). Die &#246;ffentliche (m&#228;nnliche) und die private (weibliche) Sph&#228;re* entstehen. Das ist eine grosse Neuheit, welche das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen komplett neu organisieren wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gilt zu beachten, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re nicht nur was mit der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der expandierende Kapitalismus* st&#252;tzt sich auf existierende Strukturen, besonders auf das Patriarchat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist nur der Einfachheit oder der Faulheit halber, dass wir manchmal (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einer ersten Phase wird die billige (maximal 50% eines M&#228;nnerlohns) weibliche und kindliche Arbeitskraft von den Ausbeutern massiv eingesetzt. Doch in der Mitte des Jahrhunderts sahen die hellsichtigsten Elemente der kapitalistischen Klasse darin das Risiko einer k&#246;rperlichen und moralischen &#8222;Degeneration&#8220; der zuk&#252;nftigen Proletarier* (die Arbeits- und Lebensbedingungen sind so hart, dass die Mehrheit der jungen Arbeiter vom Milit&#228;rdienst dispensiert werden wegen zu geringer Gr&#246;sse, Missbildungen, Krankheiten usw.). Ein Teil der Arbeiterinnen wird also in die Haushalte zur&#252;ckgeschickt, um eine wirkliche Reproduktion der Arbeitskraft*&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet die allt&#228;gliche Reproduktion (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu garantieren (Gesetz zur Regelung der Frauen- und Kinderarbeit): Das bedeutet die Geburt der Hausarbeit. Es ist nicht &#252;berraschend, dass diese Rolle den Frauen zuf&#228;llt, denn der Kapitalismus hat sich auf pr&#228;existierende Organisations- und Herrschaftsweisen gest&#252;tzt, in diesem Fall das Patriarchat, nicht ohne diese jedoch zu ver&#228;ndern. Nachdem die traditionelle Familie auf den Kopf gestellt und die Vaterfigur entstellt wurde (bei den Proletariern durch die Arbeit in der Fabrik), wird das b&#252;rgerliche Familienmodell gepriesen: Entstehung der privaten Sph&#228;re (welche mit den Frauen assoziiert wird), also der Intimit&#228;t, St&#228;rkung des Begriffs des Kindes (und der Mutterliebe), sogenannte Liebesheirat, Autorit&#228;t des Familienoberhaupts, wachsendes Eindringen des Staates in den Prozess der Reproduktion der Arbeitskraft (Bildung, Medizin) usw. Diverse Elemente neuer sozialer Normen, die damals aufkamen und sich w&#228;hrend des gesamten 20. Jahrhunderts entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zweite H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel &#252;ber den MLF, S. 93.&#034; id=&#034;nh4-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend des gesamten 20. Jahrhunderts ver&#228;ndert der Kapitalismus immer schneller die Gesellschaft und alle Aspekte des Lebens. Die zweite H&#228;lfte des Jahrhunderts, welche dem massiven Eintritt der Frauen in den Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Konsumgesellschaft entspricht, ist die Zeit der wichtigsten Ver&#228;nderungen in den Verh&#228;ltnissen zwischen M&#228;nnern und Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der massive und direkte Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit erlaubt ihnen, eine gewisse wirtschaftliche Unabh&#228;ngigkeit zu erlangen (gegen&#252;ber dem Ehemann oder dem Vater) w&#228;hrend sich progressiv die formelle Gleichheit aufdr&#228;ngt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;1944, Frauenstimmrecht; 1945, Abschaffung des Begriffs Frauenlohn; 1965, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Autorit&#228;t des Familienoberhaupts wird (einmal mehr) geschw&#228;cht, doch bleibt (immer noch) sehr pr&#228;gnant und die Frauen haben (immer noch) die Last der Hausarbeit, d.h. der Reproduktion der Arbeitskraft. Ihr Lohn, einiges tiefer als jener der M&#228;nner, ist nur ein Unterst&#252;tzungslohn. Diese Situation erscheint vielen als inakzeptabel und das &#246;ffnet den Weg f&#252;r die Frauenk&#228;mpfe der 1970er Jahre: Bewegung zur Frauenbefreiung (MLF&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der MLF entstand zwischen 1967 und 1970 und bestand grosso modo aus (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), Bewegung f&#252;r die Freiheit zur Abtreibung und Verh&#252;tung (MLAC&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der MLAC (Mouvement pour la libert&#233; de l'avortement et de la (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) usw. Wie Engels sagte: &#8222;&lt;i&gt;[D]ie Art der Herstellung einer wirklichen gesellschaftlichen Gleichstellung beider [wird] erst dann in grelles Tageslicht treten, sobald beide juristisch vollkommen gleichberechtigt sind.&lt;/i&gt;&#8220; Die materiellen Existenzbedingungen der Frauen ver&#228;ndern sich drastisch; die Gesetze zur Verh&#252;tung und zur Abtreibung sind Zeichen daf&#252;r und Konsequenz davon. Diese Massnahmen versetzten dem Patriarchat fatale Schl&#228;ge, sie sind Teil (wie auch die feministischen K&#228;mpfe) eines Modernisierungsprozesses der kapitalistischen Produktionsweise in Frankreich, aber auch in anderen westlichen L&#228;ndern, wo &#228;hnliche Reformen umgesetzt werden. &lt;i&gt;Der Kapitalismus &#8222;befreit&#8220; die Frauen nicht umsonst.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser massive Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit bedeutet auch ihre direkte und massive Beteiligung am Klassenkampf, in den Fabriken, aber auch im terti&#228;ren Sektor (Superm&#228;rkte, Banken), nicht mehr als Frauen von Proletariern, sondern als proletarische Frauen. Es ist ungen&#252;gend, sie in der kapitalistischen Produktionsweise als proletarisch zu situieren, es muss auch pr&#228;zisiert werden, dass sie Frauen sind. Die Modalit&#228;ten der Ausbeutung definieren die Modalit&#228;ten des Kampfes: Die &#8222;Brotaufst&#228;nde&#8220;, in welchen die &lt;i&gt;Hausfrauen&lt;/i&gt; eine zentrale Rolle spielen, machen den Streiks um Lohnerh&#246;hungen Platz (oder heute, euphemistisch, zur &#8222;Erh&#246;hung der Kaufkraft&#8220;), oder gar f&#252;r die Lohngleichheit, was nat&#252;rlich in beiden F&#228;llen die Bosse nicht freut&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel den Film von Nigel Cole, We Want Sex Equality, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Aufkommen der Frauenstreiks (manchmal mit Besetzungen), w&#228;hrend welchen Genderfragen (Kinderbetreuung, Essenszubereitung usw.) auf den Tisch kommen, die in der Regel in gemischten K&#228;mpfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den Artikel zu den Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&#034; id=&#034;nh4-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; unter den Teppich gekehrt werden, sind bezeichnend f&#252;r die 1970er Jahre; die private Sph&#228;re ist davon ersch&#252;ttert worden. Unter dem Einfluss des allgemeinen Abflachens der Aktivit&#228;t der Proletarier w&#228;hrend dieser Periode (Krise, Arbeitslosigkeit, Restrukturierung) leiden danach auch die Frauenk&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Beginn der 1980er Jahre beg&#252;nstigen die Regierungen die Entwicklung der prek&#228;ren Teilzeitarbeit, welche besonders die Frauen betrifft, da sie eher an die Kinderbetreuung gew&#246;hnt sind (und einmal mehr handelt es sich nicht um Altruismus, sondern um Zwangsarbeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sie erlaubt dem Staat unter anderem, die Kosten f&#252;r die kollektive (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Diese Teilzeitvertr&#228;ge verbreiten sich im darauf folgenden Jahrzehnt immer mehr und betreffen immer h&#228;ufiger M&#228;nner (was erlaubt, die L&#246;hne zu senken, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern und Flexibilit&#228;t und Prekarit&#228;t einzurichten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Jobs, welche mehrheitlich den Frauen vorbehalten sind, sind &#252;brigens sehr spezifisch und stehen in der Kontinuit&#228;t der Genderkonstruktionen (zum Beispiel in den Putzunternehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sehr bezeichnendes Beispiel. In diesem Sektor wird den Frauen der Unterhalt (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, in der Pflege, in der Kinderbetreuung &#8211; wenig anerkannte, und somit schlecht bezahlte Berufe).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neue Probleme nehmen gr&#246;ssere Ausmasse an: doppelter Arbeitstag, Lohnunterschiede, Sexismus* und Unterdr&#252;ckung der Frauen am Arbeitsplatz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die egalitaristische Ideologie hatte der Idee der Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen die T&#252;r ge&#246;ffnet. Es wird in dieser Periode zu einer &#8222;M&#246;glichkeit&#8220;, denn f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise &#228;ndert theoretisch die Geschlechterrolle der Person, welche die Ware produziert, nichts an deren Wert (anonymer Arbeiter, abstrakte, geschlechtlich undifferenzierte menschliche Arbeit). Die Aufrechterhaltung einer (neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung erlaubt es jedoch ebenfalls, die unmittelbaren Interessen der Kapitalisten zu befriedigen (gr&#246;ssere Spaltung der Proletarier, Konkurrenz, Lohnunterschiede usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese &#8222;Befreiung&#8220; der Frauen durch die Lohnarbeit ist n&#228;mlich vor allem eine Antwort auf die Nachfrage an billiger Arbeitskraft und eine Methode, um den Konsum wieder anzukurbeln. Der Kapitalismus befreit die Frauen nur vom Patriarchat, um sie besser ausbeuten zu k&#246;nnen. Die feministischen K&#228;mpfe haben sicher auch dazu beigetragen, doch sie sind Teil dieses Prozesses; es ist nicht nur ein Kr&#228;fteverh&#228;ltnis, welches zu diesen Umw&#228;lzungen f&#252;hrte: Es ist das Kapital, welches die Formen der geschlechtlichen Differenzierung modifiziert hat, um sie dem Bedarf anzupassen. Die Ketten &#228;ndern ihre Form und kommen in andere H&#228;nde, von jenen der M&#228;nner zu jenen des Staates, und somit des Kapitalismus, eine strukturierende individuelle Aneignung wird zu einer kollektiven Aneignung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zur Aneignung siehe Paola Tabet, La Construction sociale de l'in&#233;galit&#233; des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Heute&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel zur Familie heute, S. 59.&#034; id=&#034;nh4-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir erleben seit einigen Jahren schon einen Niedergang der klassischen Kernfamilie, welche nicht mehr das einzige Dispositiv zur Reproduktion der Arbeitskraft ist (mehr Scheidungen, alleinerziehende Eltern, Partnerwechsel, gesellschaftliche Akzeptanz homosexueller Paare, Adoption, In-vitro-Fertilisation usw.). Die traditionelle Heirat ist obsolet geworden. Doch das &lt;i&gt;Modell&lt;/i&gt; besteht fort und das Paar, welches das unerl&#228;ssliche Dispositiv zur Geburtenkontrolle bleibt, ist keine erstarrte Struktur mehr, es hat sich liberalisiert. Der Partnerwechsel in den Beziehungen ist viel h&#228;ufiger (die Monogamie wird in der Regel durch eine serielle Monogamie ersetzt). Die Fortdauer der Paarbeziehung kann haupts&#228;chlich mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten erkl&#228;rt werden, welche dazu dr&#228;ngen, sich zusammen zu tun, um ein Kind gross zu ziehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein einziger Lohn reicht kaum mit einem Kind. Im Vergleich zu den 1960er und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Soziologen k&#246;nnen versuchen diese Situation zu erkl&#228;ren, es ist jedoch klar, dass die traditionelle Familie heute den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht mehr gerecht wird; sie bremst zum Beispiel die Mobilit&#228;t der Arbeiter. Gleichwohl braucht der Staat immer noch eine Referenzstruktur zur Reproduktion der Arbeitskraft und, w&#228;hrend der Phase der Kindererziehung, zur Reproduktion der herrschenden Ideologie (es geht nicht darum Kinder zu machen, sondern zuk&#252;nftige Proletarier).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz den Entwicklungen seit den 1970er Jahren sind es prinzipiell immer noch die Frauen, welche f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft verantwortlich sind: D.h. f&#252;r die Ausf&#252;hrung der Hausarbeit und somit vor allem f&#252;r die Kindererziehung. Die Anzahl alleinerziehender Eltern (mehrheitlich M&#252;tter, welche ihre Kinder allein erziehen) zeigt, dass der Mann nicht mehr unerl&#228;sslich ist f&#252;r diese Aufgabe&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;1970 f&#252;hrte der Staat die ersten finanziellen Unterst&#252;tzungen f&#252;r (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der massiven Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit verschwindet auch die Figur der Hausfrau, sie wird ersetzt durch die Figur der Arbeiterin oder der Arbeitslosen (die jedoch nach wie vor, doch auf unterschiedliche Art und Weise, die Hausarbeit ausf&#252;hren muss).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Fortbestand der Lohnungleichheit (weniger flagrant als im 19. Jahrhundert oder in den 1970er Jahren) kann unter anderem mit der Tatsache erkl&#228;rt werden, dass die Arbeitsstellen der Frauen immer noch mehrheitlich prek&#228;re, unqualifizierte Teilzeitjobs sind, die sich h&#228;ufig auf quasi-weibliche Sektoren (Unterhalt, Soziales, Gesundheit, Kinderbetreuung usw.) beschr&#228;nken und mit jener, dass die Mutterschaft die Entwicklung der Karriere bremst. Einige Sektoren sind heute mehr durchmischt als noch vor vierzig Jahren, w&#228;hrend in anderen dieser Prozess erst beginnt, manchmal nicht ohne Schwierigkeiten, auch in den ehemaligen M&#228;nnerbastionen der Polizei und der Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Frankreich ist diesbez&#252;glich noch nicht sehr weit. Die amerikanischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir erleben auch eine langsame, aber scheinbar unabwendbare Feminisierung der Macht- oder Prestigestellungen (es sei angemerkt, dass die Universit&#228;ten und Hochschulen sich seit den 1970er Jahren nur sehr langsam durchmischt haben)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die (vollst&#228;ndig) m&#228;nnlichen Sektoren tendieren dazu, sich auf einige (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere Erscheinungsformen der M&#228;nnerherrschaft dauern fort: Gewalt an Frauen, Vergewaltigung, Sexismus usw. Man kann sogar die Frage stellen, ob wir nicht, aufgrund all dieser Ver&#228;nderungen und der Transformation der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, einen R&#252;ckzug (eine St&#228;rkung) der M&#228;nnerherrschaft in die (der) privaten Sph&#228;re und in die (den) interindividuellen Beziehungen (auf der Strasse zum Beispiel) erleben. Diese Realit&#228;t scheint die Frauen aller Klassen (auf gleiche Art und Weise?) zu betreffen. Es ist diese Realit&#228;t, welche eine klassenunabh&#228;ngige Lesart erlauben kann, &lt;i&gt;w&#228;hrend jedoch die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft klar einen gewissen Nutzen haben f&#252;r jede Klassengesellschaft&lt;/i&gt; und die Gewalt und die Vergewaltigungen wohl eher eine Konsequenz dieser Herrschaft, denn eine Ursache davon sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine bezeichnende Tendenz dieses Beginns des 21. Jahrhunderts ist die wachsende Durchmischung der kapitalistischen Klasse im strikten Sinn des Begriffs. Die b&#252;rgerliche Frau ist nicht mehr, wie in den 1970er Jahren, die Ehefrau des b&#252;rgerlichen Mannes, sondern sie hat direkte kapitalistische Interessen: Unternehmensleiterin, Verantwortliche f&#252;r Humanressourcen, h&#246;here Kader usw. Diese Tendenz scheint sich seit einigen Jahren zu verst&#228;rken, als Folge der Ver&#246;ffentlichung etlicher Studien, Analysen und Empfehlungen, welche zeigen, dass diese Durchmischung den Unternehmen viele Vorteile bringt (besonders seit der Krise von 2008, w&#228;hrend welcher von Frauen gef&#252;hrte Unternehmen scheinbar weniger litten als die anderen)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel &#171; Plus de femmes, plus de profits &#187;, Lib&#233;ration, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es geht nat&#252;rlich darum, nicht auf sichere Kompetenzen und wirtschaftliche Vorteile zu verzichten. Die &#8222;aufgekl&#228;rteste&#8220; Fraktion der kapitalistischen Klasse ist mittlerweile vom positiven Charakter dieser Durchmischung &#252;berzeugt und viele grosse Unternehmen verfolgen seit einigen Jahren eine Politik der Feminisierung der Gesch&#228;ftsleitung und der Kaderstellen. Dies hat nichts mit ethischen Betrachtungen zu tun, wenn auch das Image eines Unternehmens davon profitieren kann und die Mentalit&#228;ten der Bosse sich entwickeln k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Was die Chefs von Unternehmen f&#252;r ihre Frauen akzeptierten, tolerieren sie (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Tatsache, von einer Frau ausgebeutet zu werden, macht die Ausbeutung logischerweise nicht angenehmer...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demokratische und egalit&#228;re Ideologie verpflichtet und somit gelangen Frauen auch zu politischen Machtpositionen in etlichen L&#228;ndern, wobei es sich nicht mehr um &#252;berraschende Ausnahmen handelt. Das ist eine grosse Neuheit, denn, seit die geschlechtliche Differenzierung existiert, war die politische Macht immer das Monopol der M&#228;nner. Wenn man das Bild mit der massiven Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit komplettiert, wird klar, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re im Wandel ist und dass sie den m&#228;nnlichen Charakter verloren hat, welcher f&#252;r sie bezeichnend war (diese Ver&#228;nderung hat nur f&#252;r die b&#252;rgerlichen Frauen eine wirkliche Bedeutung). Man kann das gleiche nicht von der privaten Sph&#228;re sagen, welche eine weibliche Dom&#228;ne bleibt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn es auch Beispiele von Ehem&#228;nnern gibt, die zu Hause bleiben, um sich um (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn es geht auch darum, die Reproduktion aller Klassen, der ganzen Bev&#246;lkerung, und somit der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse zu garantieren. Die b&#252;rgerlichen wie auch die proletarischen Frauen bleiben von ihrer reproduktiven Funktion bestimmt (auch wenn sie, je h&#246;her sie aufsteigen in der sozialen Hierarchie, desto weniger Kinder zeugen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie eine Studie gezeigt hat, gibt es auch extreme F&#228;lle wie die Deutschen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die kapitalistische Klasse muss auch ihre Reproduktion garantieren (und sei es nur, um die Abstammung und das Erbe zu gew&#228;hrleisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Entwicklung versetzt der patriarchalen &#8222;Ideologie&#8220; einen harten Schlag, ohne allerdings die geschlechtliche Differenzierung in Frage zu stellen, von welcher Politikerinnen und weibliche Bosse profitieren: tiefere L&#246;hne f&#252;r Frauen, Teilzeitarbeit und auch Reproduktion der Arbeitskraft. Ihre Interessen sind definitionsgem&#228;ss im Widerspruch zu jenen der Proletarier, M&#228;nner wie auch Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese wachsende Durchmischung der herrschenden Klasse (M&#228;nner, Frauen, Heteros, Homos&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den 1970er Jahren proklamierte der FHAR (Front homosexuel d'action (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Schwarze, Weisse, Gelbe usw.) hat freilich zur Konsequenz, die genderbezogenen Unterdr&#252;ckungsformen teilweise zu kaschieren, doch sie ist vor allem die Widerspiegelung einer Realit&#228;t: Der Ware ist die Geschlechterrolle des Proletariers und noch mehr jene des Kapitalisten scheissegal. Wie wir gesehen haben, k&#246;nnen diese Entwicklungen auf keinen Fall einen Fortschritt f&#252;r die Gruppe der Frauen bedeuten, sie n&#252;tzen nur den b&#252;rgerlichen Frauen und zeigen uns, dass man sich vor einer klassenunabh&#228;ngigen Lesart der geschlechtlichen Differenzierung h&#252;ten sollte. Vorerst erh&#228;lt diese Tendenz der Durchmischung die genderbezogenen Identit&#228;ten aufrecht (oder st&#228;rkt sie gar?); doch man kann sich fragen, ob sie l&#228;ngerfristig, wenn auch nicht zu einer Aufl&#246;sung, so doch zu einer Restrukturierung der genderbezogenen Identit&#228;ten und der geschlechtlichen Differenzierung f&#252;hren k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entwicklungen der Genderverh&#228;ltnisse seit dem 19. Jahrhundert und der kapitalistischen Produktionsweise stellen zwangsl&#228;ufig die Verwendung des Begriffes &#8222;Patriarchat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gibt keine Definition dieses Begriffs. Jede feministische Gruppe braucht (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur Benennung der M&#228;nnerherrschaft in Frage. Wenn man dieser Tatsache nicht Rechnung tr&#228;gt, geht man das Risiko ein, in eine ahistorische Vision des Patriarchats abzugleiten, in welcher dieses immer existierte (und somit immer existieren wird). Da das Patriarchat eine Form der gesellschaftlichen, politischen und juristischen Organisation ist, welche auf der Aufrechterhaltung der Macht der M&#228;nner (zu Lasten der Frauen) basiert, scheint uns dieser Begriff nicht angemessen, um eine Gesellschaft zu benennen, in welcher es &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; M&#228;nner sind, welche die Macht innehaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Paola Tabet 1998 &#252;ber diese Ver&#228;nderungen sprach, stellte sie die Hypothese einer (kapitalistischen) Befreiung der Frauen auf, vergleichbar mit jener der Leibeigenen (welche Umw&#228;lzungen zur Folge hatte, insbesondere die Umstellung auf eine neue Produktionsweise). Mit dem Ende des Patriarchats (jedoch nicht der M&#228;nnerherrschaft) in einigen L&#228;ndern, der Umstellung einer strukturell individuellen Aneignung zu einer kollektiven, der Entwicklung der Familie, der Integration der Frauen in die &#246;ffentliche Sph&#228;re und der Ver&#228;nderung derselben kann man sich fragen, ob wir nicht einer Restrukturierung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen beiwohnen. Diese Herrschaft/Integration dieses Verh&#228;ltnisses durch das Kapital, welches seit den Anf&#228;ngen des Kapitalismus zu beobachten ist, hat sich betr&#228;chtlich verst&#228;rkt und beschleunigt in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts und diese Entwicklung geht bis heute immer noch weiter. Man kann diesen Prozess mit der Umstellung von einer formellen zu einer reellen Herrschaft des Kapitals* &#252;ber die Arbeit vergleichen: Die Umstellung zu einer reellen Herrschaft des Kapitals &#252;ber das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen (andauernde, jedoch restrukturierte geschlechtliche Differenzierung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 1&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was k&#246;nnen die Konsequenzen der aktuellen wirtschaftlichen Krise sein? Der gesamteurop&#228;ische Sparkurs und die Budgetk&#252;rzungen im Bereich der &#246;ffentlichen Dienste und im Sozialbereich betreffen h&#228;ufig die Frauen (Gesundheit, Schliessung von Spit&#228;lern, ihre Entfernung aus dem Arbeitsmarkt durch familiaristische Massnahmen usw.), und vor allem die proletarischen Frauen (die anderen haben die Mittel, um auf den privaten Sektor zur&#252;ckzugreifen). Dennoch hat die Krise von 1973 gezeigt, dass die Massnahmen, welche zum Ziel haben, die Frauen in den Haushalt zur&#252;ckzuschicken, kaum Wirkung zeigen. Im Gegenteil, die Experten der OECD meinen, dass die Weiterverfolgung und die Verst&#228;rkung der Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit der Schl&#252;ssel zum Wachstum von morgen ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;OECD, Assurer le bien-&#234;tre des familles, 2011.&#034; id=&#034;nh4-34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 2&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie steht es wirklich um die K&#228;mpfe der proletarischen Frauen in Frankreich heute? In den 1970er Jahren waren Streiks proletarischer Frauen noch ungew&#246;hnlich. Ihre Forderungen waren h&#228;ufig feministischen Typs (Lohngleichheit), hatten Konsequenzen im Haushalt (Kinderbetreuung, &#8222;&lt;i&gt;Und wer wird meine Socken waschen?&lt;/i&gt;&#8220; usw.) und standen in ihrem Ablauf in flagranter Opposition zu den M&#228;nnern. Heutzutage sind Frauenstreiks nichts aussergew&#246;hnliches mehr. Sie scheinen nicht mehr den Charakter einer flagranten Opposition zwischen M&#228;nnern und Frauen zu haben (verst&#228;rkte Durchmischung in der Chefetage, den Gewerkschaften sowie auch der Arbeitskraft; Unterschiede zwischen M&#228;nner- und Frauenl&#246;hnen existieren immer noch, sind jedoch nicht mehr gleich immens&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die proletarischen Frauen k&#246;nnen allerdings streiken f&#252;r Arbeitsbedingungen, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die Auswirkungen auf den Haushalt sind immer noch aktuell. Das Problem des doppelten Arbeitstages ist eine Realit&#228;t f&#252;r jede proletarische Frau und die Frage der Hausarbeit stellt sich, sobald sie streikt. Zudem ist das Niveau der proletarischen Kampfbereitschaft relativ tief, man hat h&#228;ufig wenig Informationen zu den Streiks und noch weniger zu deren Auswirkung auf die Genderverh&#228;ltnisse (besonders im Haushalt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;WAS TUN?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was die Feministinnen dazu denken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Einige Feministinnen sind vulg&#228;r, unehrlich und voller Hass.&#8220;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Und ich suche vergeblich nach Gr&#252;nden, um ihnen unrecht zu geben.&#8220;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tag und Antwort darauf auf einer Mauer in Valence 2006&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche K&#228;mpfe f&#252;hren feministische Gruppen heute? Wenn es auch keine breite Bewegung mehr gibt wie in den 1970er Jahren, so gibt es doch noch einige feministische Organisationen, Gruppen und Str&#246;mungen...Man kann von Feminismus nicht im Singular sprechen. Wie schon vor vierzig Jahren handelt es sich eher um ein Gewimmel von Ideen, Praktiken und widerspr&#252;chlichen Debatten, die sich gegenseitig bereichern und im Wege stehen. Etliche Tendenzen existieren, sie scheinen ziemlich unklar, sehr durchl&#228;ssig. Es w&#228;re unm&#246;glich, sie vollst&#228;ndig zusammenzufassen (die folgende Darstellung kann also durchaus etwas karikaturartig erscheinen). Folgend also einige ihrer Positionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein weit verbreiteter Ansatz ist der Aktivismus zur Verteidigung der Frauenrechte: Ligen aller Art zur Verteidigung der Frauenrechte, Chiennes de garde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Chiennes de garde (Wachh&#252;ndinnen) wurden 1999 von Florence (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Ni putes ni soumises&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Ni putes ni soumises (Weder Huren noch gef&#252;gig) ist eine reformistische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Marche mondiale des femmes&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Marche mondiale des femmes (Weltmarsch der Frauen) entstand 1995 in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und Konsorten. Die M&#228;nnerherrschaft wird als eine Reihe von Makel wahrgenommen, die man einfach nur korrigieren m&#252;sste. Man muss sich also auf den Staat beziehen und Druck auf die Gesetzgebung aus&#252;ben (insbesondere durch Lobbyingkampagnen gegen&#252;ber den Institutionen), um die &#8222;Bedingung der Frauen&#8220; zu verbessern. Die zentralen Achsen des Kampfes sind folgende: die Gleichstellung, die Formen der Diskriminierung bez&#252;glich der Anstellung, die Lohngleichheit, der Schleier, die Verteidigung des Rechts auf Abtreibung, Adoption und homosexuelle Heirat usw. Diese Kampagnen haben &lt;i&gt;im besten Falle&lt;/i&gt; einen oberfl&#228;chlichen Effekt auf die M&#228;nnerherrschaft und die geschlechtliche Differenzierung, und auch in diesem Fall sind sie Teil der Entwicklungen des Kapitalismus. Sie st&#228;rken ihn, indem sie in ihm die &#8222;Bedingung der Frau&#8220; einrichten und indem sie die Demokratie und die Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen predigen, was offensichtlich keine Perspektive der Aufhebung der Geschlechterrollen &#246;ffnet. Man kann es f&#252;r eine Feministin auch f&#252;r eine Widersinnigkeit halten, sich auf jenen Staat zu berufen, welcher die M&#228;nnerherrschaft organisiert und best&#228;tigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewisse Gruppe f&#252;hren auch Sensibilisierungskampagnen &#8222;f&#252;r eine breite &#214;ffentlichkeit&#8220;, die darauf abzielen, die Mentalit&#228;ten zu ver&#228;ndern: gegen sexistisches Spielzeug, gegen Sexismus in der Werbung, gegen Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen, f&#252;r die Verh&#252;tung...(h&#228;ufig gef&#252;hrt von Organisationen wie die Bewegung f&#252;r Familienplanung und anderen, weniger institutionalisierten). Wenn auch der informative Charakter beachtlich ist und zum Nachdenken (oder gar mehr) einl&#228;dt, so kann man doch nur deren Grenzen bedauern: Diese Kampagnen ber&#252;hren nur eine kleine Minderheit von Leuten und haben sehr wenig Wirkung. Man findet in ihnen die These, der Sexismus habe seine Wurzel in der Bildung, den Medien, der Werbung, diese werden somit zu den Streitobjekten: Der Sexismus kann aufgehoben werden durch die Ver&#228;nderung der Bildung, die S&#228;uberung der Medien und der Werbung. Doch die Unterdr&#252;ckung der Frauen hat wesentlich tiefere Grundlagen, wovon die Bildung nur ein Tr&#228;ger ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Strukturen, welche diese Kampagnen organisieren, wird manchmal vorgeworfen &#8222;den Kampf&#8220; zu vernachl&#228;ssigen, um im Notfall zu handeln, oder gar &#8222;mit den M&#228;nnern und dem Staat gemeinsam die Misere der Frauen zu verwalten&#8220;. Diese Kampagnen &#8211; und die Strukturen, welche sie organisieren &#8211; sind indessen mehr als ein Pflaster auf einem Holzbein. Sicher sind die Familienplanung (Zugang zu Verh&#252;tungsmittel, Abtreibung, gyn&#228;kologische Pflege), die Frauenh&#228;user, die Beratungsstrukturen nicht immer Allheilmittel. Doch es existieren im Moment ziemlich wenig andere L&#246;sungen und sie erlauben vielen Frauen, im Alltag zu &#252;berleben oder aus Scheisssituationen herauszukommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausser diesem Feld- oder B&#252;roaktivismus erstellen etliche nicht-institutionelle Gruppen oder Personen (vom Anarchafeminismus bis zu radikalen, materialistischen Lesben und Feministinnen usw.) sowie auch ein wichtiger Sektor universit&#228;rer Forschung h&#228;ufig stichhaltige Analysen, welche die Notwendigkeit der Abschaffung der &#8222;patriarchalen Gesellschaft&#8220; und der Geschlechterrollen hervorheben; und h&#228;ufig auch die Abschaffung aller Formen der Unterdr&#252;ckung (zu welchen manchmal die kapitalistische Ausbeutung gez&#228;hlt wird).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese radikaleren Thesen (welche nicht immer die gleichen Mittel zur Verbreitung zur Verf&#252;gung haben) sind weniger sichtbar f&#252;r die breite &#214;ffentlichkeit und weniger oder gar nicht in den Medien pr&#228;sent. Diese Ideen und Praktiken werden durch Zeitungen, Brosch&#252;ren, Radiosendungen, B&#252;chern, Filme, Poster und Flyer u.&#228;. in Umlauf gebracht. Die Thesen von Christine Delphy in den 1970er Jahren sowie jene von Paola Tabet, Colette Guillaumin, Monique Wittig und vielen anderen haben einen grossen Einfluss. Man trifft h&#228;ufig die Idee an, dass das Patriarchat die Wurzel des Kapitalismus' (ein System weisser heterosexueller M&#228;nner) ist und dass die Zerst&#246;rung ersteres (der Hauptfeind) notwendigerweise das Ende letzteres bedeutet. Die Sichtweise, das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wie &#8222;die Ausbeutung einer Klasse durch die andere&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist Euch &#252;berlassen, zu erraten, wer wen ausbeutet.&#034; id=&#034;nh4-39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu betrachten, ist ziemlich verbreitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Reflexionen besch&#228;ftigen sich genauso mit sozialen Bewegungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zum Beispiel die Sendung Le Complot des cagoles &#252;ber den Streik der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wie mit dem Alltag der Frauen. Doch h&#228;ufig bemerkt man ein Durcheinander aller Unterdr&#252;ckungsformen (Sexismus, Rassismus, Kapitalismus, Speziesmus, Ableismus, Altersdiskriminierung usw.), sie werden gleichgesetzt und nicht unter dem Gesichtspunkt ihrer Urspr&#252;nge und ihrer Funktionen in der aktuellen Epoche betrachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den Reflexionsans&#228;tzen findet man auch die Kritik der Heterosexualit&#228;t, welche als Norm zur Organisation der Reproduktion definiert wird. Der Druck zur Heterosexualit&#228;t wurde in den 1970er Jahren vom MLR oder von homosexuellen Gruppen wie der homosexuellen revolution&#228;ren Aktionsfront (FHAR&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der FHAR war eine revolution&#228;re Organisation feministischer Lesben und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) heftig kritisiert. Obwohl die Homosexualit&#228;t immer mehr dazu tendiert, vom Kapital integriert zu werden, ist die Kritik der Heteronormativit&#228;t und ihr Pendant, der Druck zur Mutterschaft, heute immer noch begr&#252;ndet. Diese Kritik kann zur Theorie des Lesbianismus als politische Strategie f&#252;hren. Man kann nur bedauern, dass diese manchmal in separatistischen m&#228;nnerfeindlichen Tendenzen gipfelt, welche die Heterosexualit&#228;t als eine Form der Kollaboration mit dem Feind und der freiwilligen Unterordnung denunzieren. Durch diese Haltung verweigert man zwar die M&#228;nnerherrschaft, aber sicher nicht den Sexismus und noch weniger die Geschlechterrollen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem kann man auch in den radikaleren Milieus eine R&#252;ckkehr essentialistischer Thesen* beobachten. Eine ganze Palette feministischer Reflexionen laufen auf eine Valorisierung des &#8222;Frauseins&#8220; hinaus, auf eine angebliche &#8222;weibliche&#8220; Natur*, die vom Patriarchat und dem Kapitalismus entw&#252;rdigt wird und die man wiederfinden m&#252;sste (um wieder an die &#8222;weibliche&#8220; Art zu leben und zu handeln anzukn&#252;pfen). Die amerikanische Neopaganistin Starhawk, die von sich behauptet, eine Hexe zu sein, ist die extreme Karikatur davon. Diese Theorien predigen ein &#8222;Zur&#252;ck zum Nat&#252;rlichen&#8220; und verteidigen die (&#252;brigens sehr sexistische) Idee, die Frauen seien der Natur (&#8222;&lt;i&gt;den B&#228;umen&lt;/i&gt;&#8220;, oder gar &#8222;&lt;i&gt;den Sternen&lt;/i&gt;&#8220;, und wieso nicht den Tieren?) viel n&#228;her als die M&#228;nner. Die als &#8222;&#252;beraus nat&#252;rlich&#8220; betrachtete Mutterschaft wird manchmal als &#8222;St&#228;rke&#8220; verstanden, die also eingesetzt werden muss. Diese Thesen gehen h&#228;ufig Hand in Hand mit einer Idealisierung pr&#228;kapitalistischer Gesellschaften und mit dem Bed&#252;rfnis, sich alte Techniken und Kenntnisse wieder anzueignen (z.B. das Stillen, die pflanzliche Abtreibung, die Wickeln, &lt;i&gt;welche dermassen umweltschonender seien als die Windeln&lt;/i&gt;!)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir kritisieren den ideologischen Charakter und nicht die Tatsache, diese (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee, sich von der sozialen Norm zu entfernen, um wieder an die &#8222;Frauennatur&#8220; anzukn&#252;pfen, ist ein Zur&#252;ck zum Essentialismus. Unter diesen Feministinnen werden die Geschlechterrollen als etwas wahrgenommen und kritisiert, das uns als soziale Rollen aufgezwungen wird, jedoch zugunsten einer angeblich &#8222;wahrhaftigen&#8220;, &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Identit&#228;t. Man findet darin den Einfluss der Theorien der 1970er Jahre, im speziellen jene von Antoinette Fouque und der Zeitschrift &lt;i&gt;Sorci&#232;res&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Hexen&lt;/i&gt;]. Diese Sichtweise beinhaltet offensichtlich weder die geringste Perspektive der &#220;berwindung der Geschlechterrollen, ganz im Gegenteil, noch die geringste Perspektive der &#220;berwindung &#252;berhaupt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige dieser Diskurse sind gekennzeichnet durch eine Ablehnung (eine Verschleierung?) des Konflikts, welcher spezifisch m&#228;nnlich sei. Dies ist verbunden mit der Idee der Schwesterlichkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Konzept haben die Feministinnen als Gegenpart zur m&#228;nnlichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, denn es geht darum, trotz den Uneinigkeiten eine Front gegen den Unterdr&#252;cker zu bilden. Auffallend ist der Wille, die Erinnerung feministischer Bewegungen lebendig zu halten und aufzuwerten, eine Vorgehensweise die manchmal in der Negation jeglicher Konflikte, Fehler und Widerspr&#252;chen gipfelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schlachtruf der Wiederaneignung des K&#246;rpers ist sehr pr&#228;sent in den feministischen Reflexionen. Seit den 1970er Jahren ist der Slogan &#8222;&lt;i&gt;mein K&#246;rper geh&#246;rt mir&lt;/i&gt;&#8220; ein Credo geblieben. Das kann ebenso gut die &#8222;Wahl&#8220; betreffen, Mutter zu sein oder nicht, die Vergewaltigung, &#228;sthetische Normen oder die Medizin. Dieser Schlachtruf ist eine Antwort auf die Aneignung der Frauen durch die M&#228;nner. Einen Aspekt, den gewisse ultralinke* Theoretiker unf&#228;hig waren, zu erfassen, sie warfen den Feministinnen vor, damit den Begriff des Privateigentums zu verteidigen und auszuweiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den verschiedenen Praktiken der Feministinnen sind Anl&#228;sse nur f&#252;r Frauen immer noch aktuell und provozieren immer noch Polemiken, ob sie nun als Mittel oder als Ziel betrachtet werden. Da die Frauen voneinander isoliert sind (jede in ihrem Haushalt zum Beispiel), sind Momente, wo man Erfahrungen und Reflexionen austauschen und sich organisieren kann, fundamental. Was ist logischer als sich unter Unterdr&#252;ckten zu organisieren? Was ist logischer als sich ohne das Lager der Unterdr&#252;cker zu versammeln? Anl&#228;sse nur f&#252;r Frauen k&#246;nnen aber logischerweise auch dazu f&#252;hren, dass Proletarierinnen und B&#252;rgerliche sich gemeinsam organisieren, was wieder andere Probleme aufwirft...Der Genderkonflikt kann jedoch nur durch die Aufl&#246;sung der Kategorien M&#228;nner und Frauen gel&#246;st werden. Es ist somit notwendig, dass Thema auch an allgemeinen Anl&#228;ssen anzusprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Feminismus mangelt es oft an einer globalen Analyse, die versucht, die Verbindungen zwischen dem Klassen- und dem Genderverh&#228;ltnis zu verstehen. Eine historische Sichtweise zeigt uns ein fluktuierendes patriarchales System, das ewigen Entwicklungen ausgesetzt gewesen ist und immer noch ist, die durch die aufeinanderfolgenden Produktionsweisen modelliert werden (heute das Kapital, auch stets in Bewegung). Eine aktuelle Tendenz gr&#252;ndet ihre Reflexionen jedoch auf einer ahistorischen Sichtweise. Das f&#252;hrt zu einem Durcheinander in der Analyse des Problems, in den Perspektiven und in den Praktiken (als ob es gen&#252;gen w&#252;rde, die Parolen und Methoden der MLF vor vierzig Jahren wieder aufzugreifen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Notiz 1: Die Dekonstruktion&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion ist eine Idee (und eine Praxis), die man aktuell in einem Teil der feministischen Bewegung antrifft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Idee wird h&#228;ufig auch von Pro-Feministen* vertreten.&#034; id=&#034;nh4-44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ihr Ausgangspunkt ist die Idee, dass die Geschlechterrollen soziale Konstruktionen sind und dass &#8222;das Private politisch ist&#8220;. Es geht darum, von einer individuellen Bewusstseinsbildung (oder in kleinen Gruppen) ausgehend, sein Verhalten zu &#228;ndern, um seine sexistischen Konstruktionen zu korrigieren und langfristig den Sexismus zu beseitigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit nimmt das Pers&#246;nliche einen &#252;bergrossen Platz ein im Verh&#228;ltnis zum Strukturellen, manchmal wird es gar zum einzigen Handlungsfeld. &#8222;&lt;i&gt;Wegen der &#252;berm&#228;ssigen Wichtigkeit, welche der subjektiven Erfahrung gegeben wird, wird die Politik der Subjektivit&#228;t eine &#8222;Innerlichkeit&#8220;, d.h. eine pers&#246;nliche Ver&#228;nderung ohne Ver&#228;nderung der Gesellschaft&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rote Zora, &#8222;Jedes Herz ist eine Zeitbombe&#8220; in: Anonym, En Catimini&#8230; histoire (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;i&gt;.&lt;/i&gt;&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Argument, dass &#8222;das Private politisch ist&#8220; erkennt man, dass die private Sph&#228;re sozial organisiert ist, dass sie nicht ausserhalb der Gesellschaft steht und dass unsere pers&#246;nlichen Verh&#228;ltnisse Teil davon sind. Das Private ist also auch ein Ort der Widerspr&#252;che, der Konflikte oder gar der K&#228;mpfe. Die Streiks und sozialen Bewegungen in der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, wo die Frauen beteiligt sind, haben notwendigerweise eine Wirkung auf die private Sph&#228;re (der Haushalt, die Familie: &#8222;&lt;i&gt;Wer wird mein Steak kochen?&lt;/i&gt;&#8220;, &#8222;&lt;i&gt;Schatz, wo ist die Bettw&#228;sche?&lt;/i&gt;&#8220;) Falls keine solche Bewegung vorhanden ist, zieht sich die T&#228;tigkeit der Aktivistinnen in die private Sph&#228;re zur&#252;ck und beschr&#228;nkt sich darauf. Der Schlachtruf wird neu interpretiert : &#8222;Das Politische ist das Private&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion l&#228;uft auf eine individuelle und pers&#246;nliche Infragestellung der Geschlechterrollen hinaus und betrachtet diese als starre Identit&#228;ten, als ein Kleid, das man bloss auszuziehen braucht, wenn man es denn &lt;i&gt;will&lt;/i&gt;. Zwar sind die Geschlechterrollen eine soziale Konstruktion, doch es ist nicht m&#246;glich, sich den sozialen Verh&#228;ltnissen zu entziehen, deren Manifestierung sie sind. Man kann nicht &lt;i&gt;w&#228;hlen&lt;/i&gt;, kein Mann oder keine Frau mehr zu sein, denn in dieser Gesellschaft existieren nur zwei Felder. Auf dem Sozialamt wird man immer entweder 1 oder 2 sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt, um es anders auszudr&#252;cken, keinen Zusammenhang zwischen dem Erkennen &lt;i&gt;sozialer Strukturen und Verh&#228;ltnissen&lt;/i&gt; und dem Willen, sich durch eine &lt;i&gt;individuelle&lt;/i&gt; Handlung davon zu befreien. W&#228;hrend man sich anstrengt, sich zu dekonstruieren, wirkt diese soziale Konstruktion weiterhin auf Milliarden von Menschen, sich selbst eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sogar wenn der dekonstruierte Mann in seinen Kreisen nicht mehr Unterdr&#252;cker (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion wirft das Problem der Wahlm&#246;glichkeiten in unserer Gesellschaft auf: Kann man sich &lt;i&gt;daf&#252;r entscheiden&lt;/i&gt;, sich zu dekonstruieren? Wer kann dies tun? Eine ledige Frau ohne Kinder wird &lt;i&gt;vielleicht&lt;/i&gt; mehr Energie ihrer Dekonstruktion widmen k&#246;nnen als eine Mutter von drei Kindern, genau wie eine b&#252;rgerliche Frau mehr Freizeit daf&#252;r haben wird als eine Angestellte im Mindestlohn usw. Trotz einem explizit subversiven Ziel (das Verschwinden der Geschlechterrollen) beschr&#228;nkt sich die Dekonstruktion, wie jede Alternative, auf die Suche des individuellen Gl&#252;cks in der kapitalistischen Gesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Praxis f&#252;hrt diese durchaus sympathische Einsicht zu elitistischen Ausw&#252;chsen, zu einer Abwertung und zu einer Beschuldigung jener, welche sich nicht dekonstruieren, und somit zu einer neuen Norm, per Definition erstarrt und verpflichtend. Wir haben es mit einer neuen Ideologie zu tun&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man ist versucht, diese Ideologie mit dem politischen Lesbianismus &#224; la (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht hier nicht darum, jemanden davon abzubringen, sein eigenes Verhalten in Frage zu stellen. Alles in allem leben wir im Hier und Jetzt und es ist nichts als normal, dass man versucht, so wenig Scheisse wie m&#246;glich zu bauen und sich nicht wie ein Schweinehund zu verhalten...Genauso wie es auch logisch ist, dass die Unterdr&#252;ckten ihre Bedingung verweigern, individuell oder kollektiv. Das sind &#220;berlebenspraktiken. Es ist wichtig, unsere sozialen Konstruktionen zu hinterfragen, doch man sollte die Tatsache nicht aus dem Auge verlieren, dass jeglicher Versuch, sich total davon zu befreien, vergebens ist solange diese Gesellschaft fortbesteht. Die Dekonstruktion wird die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft nie aufheben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Notiz 2: Queer*&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; geht es darum, die Geschlechterrollen, und somit die Gesellschaft, zu subvertieren, wodurch letztere ersch&#252;ttert werde. Diese Bewegung entstand nicht zuletzt als Reaktion auf die Integration und die Institutionalisierung der Schwulen- und Lesbenbewegungen. Die K&#228;mpfe der Homosexuellen hatten einen revolution&#228;ren Charakter solange sie nicht vom Kapital als Identit&#228;t integriert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Grenzen sind im pers&#246;nlichen Charakter der Ver&#228;nderung zu suchen, das Kapital kann sich damit sehr gut abfinden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann sehr gut Queer sein und an einer grossen Universit&#228;t unterrichten (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie &#252;bergeht &#252;brigens die Klassenverh&#228;ltnisse). Die Dissidenz bleibt innerhalb der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und ist somit keine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Anhang.&#034; id=&#034;nh4-49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; ist als Experiment interessant (jedoch notwendigerweise begrenzt, da es innerhalb und durch diese Gesellschaft erfolgt). Die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorien zeigen, dass man &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; die Aufhebung der Geschlechterrollen &lt;i&gt;denken&lt;/i&gt; kann. Doch in Bezug auf Praktiken, Perspektiven oder eine Strategie gelten f&#252;r sie alle Kritiken, welche wir an die Dekonstruktion gerichtet haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marxisten, Anarchisten usw.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend Genderfragen und M&#228;nnerherrschaft ist die &lt;i&gt;Verweigerung&lt;/i&gt; am weitesten verbreitet. D.h. man weigert sich, das Thema anzugehen. In dieser sowohl praktischen wie auch theoretischen W&#252;ste gibt es trotzdem einige Oasen...und viele Fata Morganas. Eine kleine historische Rekapitulierung ist notwendig, denn die Konzeptionen der Marxisten und der Anarchisten haben sich alles in allem kaum weiter entwickelt, obwohl das Aufkommen und die Verbreitung der Gendertheorie eine Neubelebung der Reflexion h&#228;tte bewirken sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Marxisten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht interessierten sich Marx, Engels und einige marxistische Theoretiker (Lafargue, Bebel) f&#252;r die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nner und Frauen und bestreiten die Unterdr&#252;ckung letzterer nicht, besonders wenn sie sich mit dem Problem der Familie besch&#228;ftigen. F&#252;r sie ist diese Unterdr&#252;ckung eine Konsequenz der Entstehung der Klassengesellschaften; wenn der Kapitalismus, welcher das letzte Stadium der Klassengesellschaften ist, verschwindet, verschwindet diese notwendigerweise auch. Die Ver&#228;nderung der Existenzbedingungen wird in diesem Prozess als entscheidend betrachtet und die Rolle des sozialistischen Staates ist fundamental. Er sollte Massnahmen ergreifen, um der Hausarbeit ein Ende zu setzen: Die Sozialisierung der Gesamtheit der von den Frauen erbrachten Hausarbeit durch die Bereitstellung von kollektiven Kantinen, Tagesst&#228;tten usw. Diese Sichtweise wird auch von den marxistischen Feministinnen des 20. Jahrhunderts (wie z.B. Alexandra Kollonta&#239; oder Angela Davis) geteilt. Die russische Revolution best&#228;tigt diese These teilweise: Die Verh&#228;ltnisse zwischen M&#228;nnern und Frauen sind durch den Zusammenbruch des alten Systems, das Chaos und die Revolution ersch&#252;ttert worden. Die Kollektivisierung gewisser Aspekte des Lebens (Kantinen) scheinen eine Rolle zu spielen; doch die Ursache daf&#252;r sind die katastrophalen &#220;berlebensbedingungen, und nicht der Staat. Es geht &#252;brigens schnell wieder normal zu und her als der revolution&#228;re Prozess unterbrochen wird und der Staat sich neu organisiert und die Verwaltung der Gesellschaft wieder in die Hand nimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Ver&#228;nderung der Verhaltensweisen und der Beziehungen zwischen M&#228;nnern (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In der Regel wird diese Frage w&#228;hrend des ganzen 20. Jahrhunderts als sekund&#228;r (als &lt;i&gt;nach&lt;/i&gt; der Revolution zu l&#246;sendes Problem) betrachtet. Umso mehr, da sie das Risiko birgt, &#8222;das Proletariat zu spalten&#8220;&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Anarchisten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Anarchisten gibt es in der Regel keine Frauenfrage an sich, denn diese ist Teil des allgemeinen Problems der menschlichen Befreiung. Definitionsgem&#228;ss sind sie gegen alle Formen von Herrschaft, mehr oder weniger als ein Ganzes wahrgenommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anarchisten unternehmen eine strenge theoretische Kritik von Institutionen wie der Familie oder der Heirat und setzen sich f&#252;r die Gleichheit von M&#228;nnern und Frauen ein. In diesem Sinne wird die Wichtigkeit der Bildung und der Propaganda unterstrichen (z.B. die neo-malthusianische Propaganda und besonders die Empf&#228;ngnisverh&#252;tung zu Beginn des 20. Jahrhunderts). Es handelt sich um eine Vorgehensweise der individuellen Ver&#228;nderung, welche der Unterdr&#252;ckung der Frauen ein Ende setzen soll, als ob es reichen w&#252;rde, dass alle Leute anarchistische Brosch&#252;ren lesen oder anarchistischen Rednern zuh&#246;ren...(man kann diese Vorgehensweise mit der Dekonstruktion vergleichen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gegensatz zwischen der Theorie und den Praktiken der anarchistischen Aktivisten ist jedoch besonders frappant (von den Milieux libres&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Milieux libres (Freie Milieus) sind ein &#220;berbegriff f&#252;r diverse (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bis zur spanischen Revolution); die explizite Frauenfeindlichkeit gewisser Theoretiker (allen voran Proudhon) hat damit wahrscheinlich auch etwas zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Heute&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist immer noch eine sehr verbreitete Position, zu sagen, die Genderfrage sei sekund&#228;r und verdiene keinen spezifischen Kampf: Nach der Revolution wird die Unterdr&#252;ckung der Frauen wie durch Zauberei von alleine verschwinden (ein guter Trick, um sich die Frage nicht von heute an stellen zu m&#252;ssen - und um den Kindern nicht den Hintern abwischen zu m&#252;ssen, ihr faules Pack!)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Antisexismus ist auch eine der Facetten linker Gruppen, zusammen mit dem Antirassismus, der &#214;kologie, der Tierbefreiung - man scheint zwar gewillt, alle Unterdr&#252;ckungsformen zu ber&#252;cksichtigen, doch indem man sich darauf beschr&#228;nkt, sie aneinanderzureihen, unf&#228;hig, das Ganze und Verbindungen zu denken und Perspektiven zu erkennen. Die Reflexionen begn&#252;gen sich h&#228;ufig mit einer Bilanz und Verurteilung der Situation der Frauen heute. Dennoch ist die steigende Anzahl von Zeitungen, Gruppen, Zeitschriften&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sogar Barricata ! (Kulturmagazin der Pariser Redskins). Spezielle Widmung (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche sich mit diesem Thema befassen, nicht zwingend uninteressant&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie zum Beispiel die &#8222;antipatriarchale Motion&#8220;, welche von der Koordination (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint, dass die Frage in den letzten Jahren wieder mehr Leute interessiert und es gibt auch den Versuch einer theoretischen &#220;berwindung in ultralinken Gruppen (oder dar&#252;ber hinaus), die lange allergisch auf diese Frage waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie zum Beispiel die Gruppen/Zeitschriften Th&#233;orie communiste und SIC (siehe (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Hoffen wir, dass sich das verallgemeinert...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Woher dieses Interesse? Oder eher, wieso kann die Frage heute in diesen Milieus gestellt werden, w&#228;hrend die Feministinnen sich schon lange damit besch&#228;ftigen? Es gibt wohl einige L&#246;sungsans&#228;tze, &#252;ber die es nachzudenken gilt, wie die Entwicklung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen in den letzten vierzig Jahren (Ende des Patriarchats, immer noch relative, doch wachsende Durchmischung der kapitalistischen Klasse, aber Andauern der geschlechtlichen Differenzierung und der M&#228;nnerherrschaft, etc.) oder die Entwicklung der Klassenverh&#228;ltnisse (Ende der Arbeiteridentit&#228;t, Restrukturierung, Atomisierung des Proletariats, etc.) Die materiellen Bedingungen ver&#228;ndern sich und es ist in einer kommunistischen Perspektive notwendig, dieser Tatsache Rechnung zu tragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die K&#228;mpfe der proletarischen Frauen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits des Aktivismus bringen sich proletarische Frauen ohne explizite feministische Forderungen in K&#228;mpfe ein, z.B. w&#228;hrend Streiks. Vergessen wir nicht, dass der massive Einstieg in die Lohnarbeit und direkt in den Klassenkampf dazu f&#252;hrten, dass Problematiken auftauchten, welchen ihnen eigen sind, was auch zu neuen Konflikten in der privaten Sph&#228;re (Haushalt, Reproduktion) f&#252;hrt. Diese sind jedoch allgemein unsichtbar wegen dem &#8222;Vorrang&#8220; des Kampfes gegen die Ausbeutung und werden somit selten als &#8222;Frauenk&#228;mpfe&#8220; analysiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die auf wahren Tatsachen beruhende Dokufiktion von Martin Karmitz &lt;i&gt;Coup pour coup&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marin Karmitz, Coup pour coup, Frankreich, 1972.&#034; id=&#034;nh4-55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zeigt es gut. In den 1970er Jahren beginnen Arbeiterinnen einer Textilfabrik zu streiken und besetzen die Fabrik. Somit k&#252;mmern sie sich nicht mehr um die Arbeit im Haushalt und die Auswirkungen sind unmittelbar. Die Reaktionen der M&#228;nner sind vielsagend: Verloren, gezwungen, ganz alleine den Haushalt, die Kinder und ihre eigene Reproduktion zu verwalten, hemmen sie &lt;i&gt;de facto&lt;/i&gt; den Kampf. Einige von ihnen werden sogar so weit gehen, ihren Widerspruch gegen den Streik ihrer Partnerinnen zu zeigen. Die Papas, welche unf&#228;hig sind, sich um ihre Kinder zu k&#252;mmern, deponieren sie in der Fabrik, die immer mehr einer Krippe gleicht. Die Arbeiterinnen sind am Schluss trotzdem die Siegerinnen gegen&#252;ber den Bossen und (provisorisch) gest&#228;rkt gegen&#252;ber ihren M&#228;nnern. Es mangelt in der Realit&#228;t nicht an Beispielen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den Artikel &#252;ber die Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&#034; id=&#034;nh4-56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann annehmen, dass ein Arbeiterinnenstreik genauso viel oder gar mehr Einfluss auf den Haushalt hat als die feministische Propaganda. Die Frauenstreiks machen die privaten Fragen zu &#246;ffentlichen Fragen (z.b. stellen die Fabrikkrippen die Trennung zwischen &#246;ffentlicher und privater Sph&#228;re praktisch doch provisorisch in Frage). Am Ende des Streiks ist h&#228;ufig alles wieder so wie fr&#252;her, mit allen Entt&#228;uschungen und Frustrationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauenk&#228;mpfe stellen eine faktische Verbindung her zwischen dem Kapitalismus und der M&#228;nnerherrschaft, in ihnen wird die Genderfrage offensichtlich. Doch sie werden (in der Praxis) nicht als solche gestellt. Das erkl&#228;rt die Absenz von Informationen (und somit Analysen) &#252;ber die unvermeidbaren Auswirkungen dieser K&#228;mpfe auf das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen, speziell in der privaten Sph&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerungen und Hypothesen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kapitalismus vs. Patriarchat&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom 19. Jahrhundert an koexistieren zwei unterschiedliche, doch miteinander verbundene Systeme, das Patriarchat (soziale Organisation) und der Kapitalismus (Produktionsweise). Verbundenheit bedeutet nicht zwingend Harmonie (jedes System benutzt und st&#228;rkt das andere) und kann auch Gegensatz oder Widerspruch, ja sogar Bruch bedeuten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die M&#228;nnerherrschaft, prinzipiell in der patriarchalen Form, war immer &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; und charakterisierte alle Klassengesellschaften. Sie war speziell angepasst an die pr&#228;kapitalistischen Gesellschaften, charakterisiert durch ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilit&#228;t (mit der Familienzelle als Basis, Einheit der Produktion und der Reproduktion).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die geschlechtliche Differenzierung ist der Hintergrund vor welchem die verschiedenen Produktionsweisen aufeinander folgten; ihre Entwicklung ist nicht eine historische Dynamik. Im Gegenteil, das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wird zwar durch jede Produktionsweise modifiziert, beh&#228;lt jedoch seine prinzipiellen Eigenschaften (der Frau wird die Erziehung zugewiesen, Macht der M&#228;nner).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus hat seine Wurzeln in der feudalen Produktionsweise, doch vergessen wir nicht, dass in ihr die geschlechtliche Differenzierung strukturell war, massgebend sowohl in wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Hinsicht. Das Patriarchat war f&#252;r die Entwicklung des Kapitalismus notwendig, besonders um die Reproduktion der Arbeitskraft zu garantieren (wobei es immer noch die Gesellschaft strukturierte). Doch aufgrund seines revolution&#228;ren Charakters (wie Marx es formulierte) ver&#228;ndert der Kapitalismus permanent dessen Ausgangssituation und dabei auch die ganze Gesellschaft. Er hat alle Produktions- und Organisationsweisen, die vor ihm existierten, entweder zerst&#246;rt oder ver&#228;ndert, auch das Patriarchat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seiner Entwicklung ist der Kapitalismus mit dem Patriarchat zusammengestossen, einige Aspekte davon waren ihm nicht mehr angemessen (der Bedarf an weiblicher Arbeitskraft steht beispielsweise im Widerspruch zur Tatsache, dass die Frauen zu Hause eingeschlossen sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Je nach Land und seinem Entwicklungsstadium organisiert sich das Kapital (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Das Patriarchat ist entstellt worden. Der Kapitalismus ist somit die erste Produktionsweise, welche ein Problem mit den Frauen hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend langer Zeit waren die Z&#252;gel des Kapitalismus in den H&#228;nden weisser heterosexueller M&#228;nner (was zu Verwirrung f&#252;hren konnte, besonders zum Glauben, dass die zwei Systeme eins seien oder dass der Kapitalismus &lt;i&gt;in seiner Essenz&lt;/i&gt; m&#228;nnlich sei), was heute nicht mehr der Fall ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was nat&#252;rlich nicht bedeutet, dass die schwarzen, arabischen oder weiblichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kapitalismus ist also nicht an sich patriarchal, doch er ist notwendigerweise geschlechtlich differenziert. Geschlechtliche Differenzierung und M&#228;nnerherrschaft sind f&#252;r ihn unerl&#228;sslich und er kann die Geschlechterrollen &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; nicht aufheben. Sogar langfristig w&#252;rde die Realisierung dieser Hypothese enorme Umw&#228;lzungen bedingen; die aktuellen Tendenzen gehen nicht in diese Richtung, eher in Richtung einer Restrukturierung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Geburtenkontrolle&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geburten sind ein Streitobjekt in allen Gesellschaften. Die Kontrolle dar&#252;ber war eine Notwendigkeit f&#252;r alle Klassengesellschaften, speziell f&#252;r den Kapitalismus, f&#252;r welchen die Zunahme (oder zumindest die Erneuerung) der Anzahl Arbeiter die Bedingung f&#252;r die wirtschaftliche Expansion darstellt. Dies impliziert die Kontrolle der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr noch als f&#252;r die vorherigen Produktionsweisen ist die Expansion der Anzahl Arbeiter f&#252;r den Kapitalismus fundamental, speziell in seiner Phase der formellen Herrschaft. Das erkl&#228;rt (unter anderem) wichtige Ver&#228;nderungen in der Organisation der geschlechtlichen Differenzierung. Heutzutage ist es unerl&#228;sslich f&#252;r das Kapital, eine rationelle Kontrolle &#252;ber die Vermehrung der Arbeitskraft (oder zumindest ihre Erneuerung) zu haben. In jenen Zonen allerdings, wo es in der Phase der reellen Herrschaft angekommen ist, ist eine &#252;berm&#228;ssige Vermehrung der Arbeitskraft weniger notwendig als eine durchdachte Verwaltung der Anzahl Arbeiter, besonders der qualifizierten Arbeiter (wobei ein Teil der unqualifizierten Arbeiter durch die Einwanderung garantiert wird). Das manifestiert sich in gewissen L&#228;ndern durch eine geburtenf&#246;rdernde Politik und in anderen durch gegenteilige Massnahmen (welche bis zur Sterilisierung und zur mehr oder weniger erzwungenen Abtreibung der Frauen gehen k&#246;nnen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Individuelle und kollektive Aneignung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kontrolle &#252;ber die Frauen bedingt die Aneignung des gesamten K&#246;rpers und des gesamten Geistes (unter anderem durch die Bildung). Bis zum 20. Jahrhundert war diese Aneignung individuell, prinzipiell durch die Heirat und die Familie. Die Heirat erlaubte die Kontrolle und platzierte die Frauen in eine Situation der sexuellen Verf&#252;gbarkeit und des maximalen Schwangerschaftsrisikos (der Ehemann spielt die Rolle des Mittelsmannes in dieser Kontrolle, was ihm gewisse Vorteile verschafft). Es ist eine direkte, pers&#246;nliche Herrschaft (die man mit der Sklaverei oder der Leibeigenschaft vergleichen kann).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute ist diese Aneignung mehrheitlich kollektiv, die Herrschaft wird indirekt, unpers&#246;nlich. Das f&#252;hrt, wie bei der Lohnarbeit, zu einem &lt;i&gt;Eindruck von Freiheit&lt;/i&gt; (der dem Kapitalismus eigen ist).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rolle des Staates in diesem Dispositiv ist seit dem 19. Jahrhundert wichtig und wird immer wichtiger&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Staat kann sich jedoch nicht vollst&#228;ndig um die Reproduktion der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er garantiert, durch die Medizin, die Kontrolle des K&#246;rpers der Frauen (Verh&#252;tung, Abtreibung usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er &#252;bernimmt einen Teil der Arbeiten zur Reproduktion der Arbeitskraft (Kinderkrippen, Bildung, Ausbildung, Gesundheit usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er setzt die juristische Gleichheit zwischen Mann und Frau durch;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er garantiert eine Kontrolle &#252;ber die Familie, indem er sozial und juristisch durch verschiedene Dispositive der sozialen Kontrolle (Familienhilfe, Kindergeld) in die private Sph&#228;re eindringt (was einen Machtverlust f&#252;r den Ehemann bedeutet). Er erstellt verschiedene Regelungen, die z.B. die Scheidung, die Adoption, die Kinderbetreuung, die h&#228;usliche Gewalt oder die eheliche Vergewaltigung (&lt;i&gt;die zumindest auf dem Papier anerkannt ist&lt;/i&gt;) betreffen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er beteiligt sich an der gesamten Reproduktion der Arbeitskraft (soziale Sicherheit, Familiengeld, Sozialhilfe usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wegen der Entwicklung der Gesellschaft ist das traditionelle Paar heutzutage nicht mehr notwendig zur Erneuerung der Arbeitskraft; eine Frau kann sich mit Hilfe und mit der Kontrolle des Staates ganz alleine darum k&#252;mmern. Die Funktion des Vaters ist zwar nicht mehr unerl&#228;sslich (sein Bild ist seit dem 19. Jahrhundert &lt;i&gt;herabgew&#252;rdigt&lt;/i&gt; worden, aber nicht verschwunden), jene der Mutter ist hingegen konstant und wesentlich geblieben (mit Variationen bez&#252;glich der Form, besonders bez&#252;glich der Zentralit&#228;t der Mutterschaft im Leben der Frauen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir fragen uns, ob die individuelle Aneignung deswegen vollst&#228;ndig verschwunden ist. Ist sie immer noch strukturell in der geschlechtlichen Differenzierung und der M&#228;nnerherrschaft? Ist sie zu einem Element unter vielen im Dienst dieser Struktur geworden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Paar ist immer noch das dominante Modell der Reproduktion, wenn es heute auch durch einen &lt;i&gt;Turnover&lt;/i&gt; charakterisiert und nicht mehr hegemonisch ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Hausarbeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Hausarbeit ist die von den Frauen ausgef&#252;hrte &#8222;unentgeltliche&#8220; Arbeit in der privaten Sph&#228;re zu Gunsten des Haushalts zu verstehen. Sie ist im 19. Jahrhundert aufgekommen mit der Trennung zwischen dem Ort der Produktion und jenem der Reproduktion (welchem die Frauen zugewiesen sind). Doch seit dieser Epoche hat sich die Hausarbeit betr&#228;chtlich entwickelt. Sie ist jene Aktivit&#228;t, welche die Frauen definiert und sie charakterisiert ihren Platz im gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie hat zwei wesentliche Funktionen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die &#8222;generationsbezogene&#8220; Reproduktion der Arbeitskraft (neue Proletarier kreieren) und in geringerem Masse der kapitalistischen Klasse. Die Reproduktion der &#8222;Rasse der Arbeiter&#8220; ist das zentrale Element der Hausarbeit;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die &#8222;allt&#228;gliche&#8220; Reproduktion der Arbeitskraft (Unterhalt der existierenden Proletarier).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann anf&#252;gen, dass:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Hausarbeit unerl&#228;ssliche Aufgaben zur Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet (Aufgaben, die ausgef&#252;hrt werden m&#252;ssen wie die Zubereitung des Essens und die Kindererziehung);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; eine grosse Anzahl von Aufgaben sind w&#228;hrend des 20. Jahrhunderts vom Staat &#252;bernommen oder sozialisiert worden (Einnahme von Mahlzeiten ausserhalb des Haushalts, Kinderkrippen usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Hausarbeit ist unendlich. Wenn eine technologische Innovation (oder die Sozialisierung) es erlaubt, Zeit zu gewinnen, erscheint eine neue Aufgabe (was die betr&#228;chtliche Entwicklung nur schon seit den 1950er Jahren erkl&#228;rt). Die proletarischen Frauen haben immer etwas zu tun. F&#252;r eine arbeitende oder arbeitslose Frau ist die Anzahl Stunden Hausarbeit jedoch viel geringer als f&#252;r eine Hausfrau. Das zeigt den &#252;berfl&#252;ssigen Charakter etlicher Hausarbeiten. Die Hausarbeit ist also etwas anderes als eine Liste von Aufgaben. Sie ist die T&#228;tigkeit der Frauen im Haushalt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie wird als &#8222;gratis&#8220; wahrgenommen. Im Grunde genommen ist ihre Bezahlung Teil des Lohns des Proletariers, welcher nicht die Bezahlung f&#252;r die ausgef&#252;hrte Arbeit, sondern der Preis f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft (des Arbeiters und seiner Familie) ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie ist nicht gesellschaftlich anerkannt, sie ist unsichtbar;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie wird nicht von b&#252;rgerlichen Frauen ausgef&#252;hrt (welche proletarische Frauen im Tausch gegen einen Lohn damit beauftragen);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie ist ein Trumpf f&#252;r das Kapital, denn der t&#228;gliche Unterhalt der Arbeiter erlaubt auch eine Reduktion der notwendigen Arbeitszeit und somit eine Reduktion des Werts der Arbeitskraft. Das erlaubt auch innerhalb eines Tages den Anteil der Mehrarbeit (des Rests der Arbeitszeit) zu vergr&#246;ssern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe, f&#252;r jene, die mutig genug sind, &#8222;Distinction de genres, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn z.B. die Hausarbeit nicht von den Frauen gemacht wird, muss der Lohnarbeiter in die Reinigung gehen und Sandwichs essen. Der Wert seiner Arbeitskraft erh&#246;ht sich also;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die (aufgezwungene) Teilzeitarbeit der Frauen erlaubt es (mehr oder weniger gut), Produktion und Reproduktion unter einen Hut zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 1: Kann man einen Vergleich mit der Lohnarbeit anstellen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vorhergehenden Punkte zeigen, dass es gewagt ist, einen Vergleich zwischen Haus- und Lohnarbeit anzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem ist eine der Eigenschaften der Lohnarbeit die angebliche Freiheit des Individuums, welches seine Arbeitskraft verkauft. Die Situation ist anders f&#252;r die Frauen, welche trotz der kapitalistischen Freiheit ihrer selbst enteignet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits ist die Hausarbeit eben nicht entlohnt, sondern &lt;i&gt;indirekt bezahlt&lt;/i&gt;. Sie produziert auch keinen Mehrwert* und keine ihrer Produktionen wird auf den Markt gebracht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die jungen Proletarier, welche in den Arbeitsmarkt eintreten, haben nicht (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn einige Aufgaben des Haushalts nicht mehr von der Mutter/der Ehefrau, sondern von einer entlohnten Frau ausgef&#252;hrt werden, handelt es sich nicht mehr um Hausarbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lohn- und Hausarbeit gehorchen also nicht den selben Regeln und werden unterschiedlich organisiert. Letztere hat zwar einen direkten Nutzen f&#252;r den Ehemann, doch sie n&#252;tzt vor allem indirekt dem Kapital&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von der Hausarbeit der alleinstehenden M&#252;tter profitiert einzig und allein (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 2: Eine ausgeglichene Aufteilung der Hausarbeit?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein neuer Bericht der OECD&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;OECD, op. cit.&#034; id=&#034;nh4-63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ermutigt die Staaten zu Massnahmen, denn die Arbeit der Frauen sei der Schl&#252;ssel zum Wachstum von morgen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; (finanzielle) Unterst&#252;tzung f&#252;r die Kinderbetreuung;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Bereitstellung oder Entwicklung von Betreuungseinrichtungen (Kinderkrippen usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Anpassung der Arbeitszeit f&#252;r Eltern von Kleinkindern;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Ansporn der M&#228;nner, den Elternurlaub zu nehmen oder zu teilen, sich mehr an der Kindererziehung und an den &#8222;&lt;i&gt;h&#228;uslichen Verantwortlichkeiten&lt;/i&gt;&#8220; zu beteiligen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, die Quote der Wiederaufnahme der Arbeit der Frauen nach einem Mutterschaftsurlaub zu verbessern (Hindernis f&#252;r die Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt und ihre beruflichen Karrieren)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Frankreich sind die Frauen zum Beispiel besser ausgebildet als die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#252;rde eine ausgeglichene Aufteilung der Aufgaben die Definition der Hausarbeit in Frage stellen? Eine egalit&#228;re Aufteilung in Bezug auf die Anzahl Stunden ist vorstellbar, das Ende der geschlechtlichen Differenzierung der Aufgaben jedoch kaum. Die Statistiken zeigen, dass nat&#252;rlich die Aufgaben verbunden mit der Kindererziehung im Zentrum des Problems stehen. Die von den Frauen ausgef&#252;hrte Hausarbeitszeit w&#228;chst rapide an sobald ein Kind Teil des Haushalts wird (w&#228;hrend sie vorher der Hausarbeitszeit von Singles entspricht).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 3: Kann man von einer Klasse der Frauen sprechen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Feministinnen versuchten, die Kritik am Kapitalismus mit jener am Patriarchat zu vermischen. F&#252;r einige ist der Kapitalismus eine Frucht des Patriarchats. Der Sexismus ist eine der Grundlagen des Kapitalismus; man kann das eine nicht ohne das andere zerst&#246;ren (doch das Patriarchat bleibt der Hauptfeind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die radikalen Feministinnen (Delphy) denken, dass das Patriarchat eine autonome Produktionsweise ist (mit zwei Klassen, die M&#228;nner und die Frauen, wobei erstere letztere ausbeuten), welche sie &#8222;patriarchale&#8220; oder &#8222;Haushaltsproduktionsweise&#8220; nennen. Sie benutzen den Begriff &#8222;Klasse&#8220;, denn f&#252;r sie haben die Frauen einen spezifischen gemeinsamen Platz in einer spezifischen Produktionsweise, in welcher sie durch die Hausarbeit ausgebeutet werden. Es scheint uns indessen falsch, die Hausarbeit als &#8222;Produktionsweise&#8220; zu qualifizieren. Die Frauen sind eine beherrschte Gruppe, wegen ihren mutmasslichen reproduktiven F&#228;higkeiten. Obwohl alle, B&#252;rgerliche sowohl als Proletarierinnen, gegenw&#228;rtig die M&#228;nnerherrschaft erdulden, sind sie nicht alle den gleichen materiellen Bedingungen unterworfen und haben widerspr&#252;chliche Interessen (es gibt keine &#220;bereinstimmung zwischen der Gender- und der Klassenzugeh&#246;rigkeit). Die Geschlechterrollen geh&#246;ren spezifisch zum Reproduktionsprozess, die Klassen spezifisch zum Produktionsprozess. Man kann also nicht von einer Klasse der Frauen sprechen, sondern von einer Gruppe, deren Mitglieder ein spezifischer gemeinsamer Platz zugewiesen wird. Die Geschlechterrollen sind keine Klassen - sondern Geschlechterrollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GENDER UND REVOLUTION&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von dem, was die Proletarier &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; sind und denken, ist es nicht m&#246;glich, zu wissen, was die Revolution und der Kommunismus sein werden (unsere gegenw&#228;rtigen Mentalit&#228;ten sind von der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft gepr&#228;gt). Wenn man jedoch die vergangenen revolution&#228;ren Perioden, den aktuellen Gang des Klassenkampfes und den gegenw&#228;rtigen Zustand des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen untersucht, kann man versuchen, einige Hypothesen aufzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die kommunistische Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere Sichtweise hat selbstverst&#228;ndlich nichts zu tun mit den (leninistischen oder anderen) programmatischen Konzeptionen der Revolution, in welchen das Proletariat aufsteigen, die Macht ergreifen, den Staat, die Fabriken und anderen Mist kontrollieren muss, um &lt;i&gt;danach&lt;/i&gt;, w&#228;hrend einer &#220;bergangsphase, die Bedingungen f&#252;r den Kommunismus aufzubauen. Es geht uns nicht darum, die Art und Weise, wie die Wirtschaft verwaltet wird, radikal zu ver&#228;ndern (und auch nicht darum, sich die Unternehmen anzueignen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass die Phase der Zerst&#246;rung der alten Welt &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; Phase des Aufbaus des Kommunismus ist (Beseitigung des Staates, des Eigentums, des Werts, des Geldes, des Tausches, der Lohnarbeit und der Klassen durch die T&#228;tigkeit des Proletariats&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da ihre Interessen im Widerspruch zu jenen der Kapitalisten sind, k&#246;nnen nur (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und somit dessen Selbstnegation usw.). Dieser Prozess wurde in den 1970er Jahren von mehreren ultralinken Gruppen theoretisiert und als &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt;* bezeichnet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Konzept der Kommunisierung st&#246;sst seit einigen Jahre international auf (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Aufstand und Kommunisierung bedingen einander. Es wird nicht zuerst einen Aufstand und danach eine durch den Aufstand erm&#246;glichte Transformation der sozialen Realit&#228;t geben. Der aufst&#228;ndische Prozess bezieht seine Kraft aus der Kommunisierung selbst.&lt;/i&gt;&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Quatre millions de jeunes travailleurs, Pour un monde sans argent : le (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Prozess wird unvermeidlich Genderfragen ebenfalls betreffen und f&#252;hrt, unserer Meinung nach, schliesslich zu deren Aufhebung (andernfalls versinkt er in der Konterrevolution).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r braucht es keine Dekrete zu verfassen und dann anzuwenden, nur viele Freudenfeuer und vor allem kommunistische &#8222;Massnahmen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Laufe des revolution&#228;ren Kampfes sind die Aufhebung des Staates, des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche das System niederreissen, jegliches Zur&#252;ck verunm&#246;glichen, mit der Vergangenheit Tabula rasa machen und gleichzeitig den Tisch f&#252;r die neue Welt anrichten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus basiert unter anderem auf einem gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis, der Lohnarbeit, dessen es sich zu entledigen gilt und welches im Moment der Revolution blockiert sein wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Revolution kann nicht &#8222;antikapitalistisch&#8220; sein. Der Staat ist zum (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese Krise hat als Ursache und Konsequenz den Ausbruch des Proletariats, welcher die Form von Generalstreiks, Ausschreitungen, Generalaufstand, Aneignung gewisser der Revolution n&#252;tzlichen Produktionsmittel (und Abschaltung/Zerst&#246;rung der anderen) annimmt. Als brutaler Bruch wird die Kommunsierung aus Fortschritten und R&#252;ckschl&#228;gen bestehen und Gewalt und Konfrontationen werden leider unvermeidlich sein (gegen&#252;ber Bullen aller Art, der Armee, privaten Milit&#228;runternehmen usw.). Die physischen Elemente des Kapitals (nicht nur die Fabriken), welche seinen Fortbestand erlauben, werden nutzlos und unbrauchbar gemacht oder zerst&#246;rt: Geld, Banken, Goldreserven, Eigentumstitel, notarielle Gutachten, Verwaltungen, Unternehmenssitze, &#8222;&lt;i&gt;Kasernen und Kathedralen, welche f&#252;r uns gleich absurd sind&lt;/i&gt;&#8220; usw., alles mehr oder weniger traditionelle Ziele der proletarischen Wut&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Gruppe Rage Against the Kebab singt es melodi&#246;s: &#8222;Kommunisieren bedeutet (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Revolution wird sich selbstverst&#228;ndlich nicht auf den Angriff einiger Geb&#228;ude beschr&#228;nken; die Hauptwaffen der Aufst&#228;ndischen werden die eingeleiteten kommunistischen &#8222;Massnahmen&#8220; und die Erschaffung neuer gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Bewegung hebt die existierende Ordnung der Dinge endg&#252;ltig auf, d.h. die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dieser beschissenen Welt (Staat, Eigentum, Kapitalismus, Ausbeutung, Wert, Geld, Lohnarbeit, Tausch, Klassen usw.) und beseitigt gleichzeitig die &lt;i&gt;Notwendigkeit&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft, die Familie und die Geschlechterrollen zu reproduzieren. Die Aufhebung der Lohnarbeit und die revolution&#228;re T&#228;tigkeit beenden die Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher und individueller T&#228;tigkeit, zwischen diversen Trennungen (Arbeits-, Ruhe-, Freizeit usw.), welche die Grundlagen der Hausarbeit sind (die Trennung zwischen privater/reproduktiver und &#246;ffentlicher/produktiver Sph&#228;re). Neue Verh&#228;ltnisse zwischen unmittelbar gesellschaftlichen Individuen* entstehen, gegen jegliche Vermittlung, Klassenzugeh&#246;rigkeit und &#228;hnliches gerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die transformierende Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;klassischen&#8220; K&#228;mpfe (Streiks, Besetzungen, Ausschreitungen, Aufst&#228;nde usw.) transformieren jene, welche daran teilnehmen; die Proletarier f&#252;hren Aktionen durch und kommen zu &#220;berlegungen, die sie sich oft vorher nie h&#228;tten vorstellen k&#246;nnen. Das alles wird m&#246;glich, weil der beschissene Alltag, die entfremdende und abstumpfende allt&#228;gliche T&#228;tigkeit, die gew&#246;hnlichen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ersch&#252;ttert und/oder unterbrochen werden. Neue Verh&#228;ltnisse entstehen; man hat Zeit, sich zu treffen, zu diskutieren, zu &#252;berlegen usw. Einige werden sagen, dass &#8222;&lt;i&gt;das Klassenbewusstsein sich im Kampf formt&lt;/i&gt;&#8220; (Otto R&#252;hle). Und je intensiver der Kampf ist, desto tiefer ist diese Transformation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In einen Kampf k&#246;nnen sich der spiessigste Prolet und der idiotischste (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-71&#034;&gt;71&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis jetzt waren diese Art von Situationen immer zeitlich und r&#228;umlich begrenzt und haben somit jedes Mal nur eine begrenzte Anzahl Leute ber&#252;hrt. Wenn ein Kampf vorbei ist, beginnt der Alltag, und insbesondere die Arbeit wieder von vorne, die Normalit&#228;t kehrt zur&#252;ck (manchmal nicht ganz bis in die &#8222;Geister&#8220;). Dank der Revolution wird diese Situation gl&#252;cklicherweise keine r&#228;umlichen und zeitlichen Grenzen mehr haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Selbstnegation der proletarischen Frauen - und der M&#228;nner&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Streiks der proletarischen Frauen (besonders in den 1970er Jahren) machen die M&#228;nnerherrschaft offensichtlich und stellen sie manchmal gar in Frage&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es w&#228;re notwendig, die Teilnahme von Frauen an den zeitgen&#246;ssischen K&#228;mpfen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-72&#034;&gt;72&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kampf bringt sie weg vom Haushalt und zusammen, geteilte Momente, die Ideen geben und die Praktiken ver&#228;ndern. Die Ausf&#252;hrung oder Unterlassung der Hausarbeit wird zum Problem (entweder wird sie nicht mehr ausgef&#252;hrt oder die sie wird den Frauen zugewiesen zu Lasten des Kampfes). Dies hat einen direkten Einfluss auf das Leben im Haushalt, im Paar, in der Familie: Sie sind nicht mehr verf&#252;gbar, um die Mahlzeiten zuzubereiten, die W&#228;sche zu machen, sich um die Kinder zu k&#252;mmern...Das damit konfrontierte Paar erlebt eine Krise und die geschlechtliche Differenzierung wird davon ersch&#252;ttert. Die Probleme der Reproduktion (nicht der Arbeitskraft, sondern des allt&#228;glichen &#220;berlebens) werden notwendigerweise und direkt in den Kampf integriert (welcher somit nicht mehr nur Lohnfragen betreffen). Aber auch hier kommt das allt&#228;gliche Leben zur&#252;ck und alles wird wieder mehr oder weniger normal sobald der Kampf vorbei ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von den Beispielen dieser Streiks k&#246;nnen wir uns die Intensit&#228;t &lt;i&gt;vorstellen&lt;/i&gt;, welche diese Umw&#228;lzungen haben werden, wenn eine revolution&#228;re Periode eintritt. Die Beteiligung der Frauen am Aufstand wird unumg&#228;nglich und massiv sein. Dies wird einen bedeutenden Einfluss auf die private Sph&#228;re (die, wie die &#246;ffentliche auch, verschwinden wird) und das allt&#228;gliche Leben haben. Sie werden nicht mehr als Frauen von Proletariern oder Hausfrauen intervenieren, was in den vergangenen &#8222;revolution&#228;ren&#8220; Episoden mehrheitlich der Fall war. Sie werden als Proletarierinnen handeln (Infragestellung der Klassen) &lt;i&gt;und auch als Frauen&lt;/i&gt; (Aufkommen von Fragen, die mit der Reproduktion und den Geschlechterrollen zusammenh&#228;ngen)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das wirft eine wohl grundlegende Frage auf, auf die wir nicht wirklich (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-73&#034;&gt;73&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Historische Beispiele zeigen, dass in einer ersten Phase einer revolution&#228;ren Periode die Frauen sehr h&#228;ufig aktiv sind, zu den Waffen greifen und die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Geschlechterteilung werden davon ersch&#252;ttert (Paris 1871, Russland 1917&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kollontai zeigt zum Beispiel, dass die neuen wirtschaftlichen und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-74&#034;&gt;74&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Spanien 1936). Man k&#246;nnte jedoch einwenden, dass sie schnell wieder auf die weiblichen Aufgaben (Pflege, K&#252;che, Waschen usw.) beschr&#228;nkt wurden, was stimmt. Es ist weniger so, dass der revolution&#228;re Prozess die geschlechtliche Differenzierung wieder einrichtet, sondern eher, dass er gebremst worden ist. Die Grundlagen der alten Welt bleiben erhalten (speziell die Lohnarbeit), die Verwaltung einer mehr oder weniger normalen gesellschaftlichen Ordnung wird zu einer Notwendigkeit und die B&#252;rokraten (bolschewistische Partei oder CNT&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Brosch&#252;re von Michael Seidman L'Individualisme subversif des femmes &#224; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-75&#034;&gt;75&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) erscheinen oder ergreifen die Macht. Die Frauen in den Haushalt oder die K&#252;che zur&#252;ckzuschicken ist nicht schwer, denn es ist damals mehrheitlich ihr Platz in der Gesellschaft (Frauen von Proletariern). Dies ist heute nicht mehr der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im revolution&#228;ren Prozess werden die von den Frauen getragenen Fragen offen gelegt werden, herausbrechen und unvermeidlich Konflikte provozieren (Wer k&#252;mmert sich um die Kinder? Die Pflege? Die Kantine? usw.) Ihre L&#246;sung wird wahrscheinlich Formen der Selbstorganisation der Frauen herbeif&#252;hren (gegen&#252;ber den M&#228;nnern?)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die M&#228;nner werden also ihre &#196;rmel hochkrempeln m&#252;ssen (und somit faktisch (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-76&#034;&gt;76&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, nicht um das Herrschaftsverh&#228;ltnis umzukehren, sondern um die geschlechtliche Differenzierung aufzul&#246;sen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein von einigen vorgebrachtes Beispiel ist die Gr&#252;ndung des Movimiento de (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-77&#034;&gt;77&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ist dies nur eine M&#246;glichkeit oder eine Notwendigkeit? Die Frage bleibt offen, wie auch jene des Risikos, damit die Geschlechterteilung zu best&#228;tigen. Wenn in dieser Hypothese die Selbstorganisation der Frauen eine Etappe im Prozess der Kommunisierung darstellt, so wird sich doch der Rest (die Aufhebung der Geschlechterrollen) gegen sie (die Selbstorganisation) richten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Untergrabung der Tr&#228;ger der sozialen Konstruktion&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe und Zerst&#246;rungen, die Aufhebung des Eigentums, des Geldes, des Werts, des Staats usw. werden &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; im allt&#228;glichen Leben etliche &lt;i&gt;Tr&#228;ger&lt;/i&gt; der sozialen Konstruktion der Geschlechterrollen ersch&#252;ttern, sie unwirksam, unbrauchbar, hinf&#228;llig machen oder ihr Verschwinden verursachen. Es ist unm&#246;glich, davon eine vollst&#228;ndige Liste zu erstellen (denn das ganze Leben wird transformiert, ersch&#252;ttert werden), doch man kann einige Beispiele geben: die Pornoindustrie, die Werbung, die Medien (Fernsehen, Zeitungen), die religi&#246;sen Institutionen, die staatliche Bildung, das Standesamt (Schluss mit Heiraten, Scheidungen, Heiratsvertr&#228;gen, Abstammung, Erbe usw.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es wird wohl immer noch einige Hinterw&#228;ldler geben, die heiraten m&#246;chten, um (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-78&#034;&gt;78&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), die Prostitution, die Modeindustrie, die Sch&#246;nheitswettbewerbe, die Nachtlokale, Walt Disney usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu diesen Ersch&#252;tterungen des allt&#228;glichen Lebens sollte man die Wirkung der neuen Funktionsweisen hinzuf&#252;gen, welche im Kampf aufgebaut werden, um etliche Schwierigkeiten zu bew&#228;ltigen (wie z.B. die Versorgung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Vergleich zu kapitalistischen Kriterien wird der kommunistische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-79&#034;&gt;79&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;): diverse Versammlungen und Orte der Diskussion, kollektive Kantinen, kollektives Wohnen, kollektive Kindererziehung und Bildung (Schluss der Kernfamilie), wahrhafte sexuelle Befreiung (Verschwinden der verkn&#246;cherten gesellschaftlichen und moralischen Rahmenbedingungen) usw. (wir gestehen hier die Schw&#228;che unserer Vorstellungskraft ein).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage der Zeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird m&#246;glich sein, sich von der alten Welt zu befreien nach einigen Jahren entsetzlichen, blutigen und vielleicht ein wenig freudigen Kampfes, doch, obwohl der Kampf jene, welche daran teilnehmen, ver&#228;ndert, wird das vielleicht nicht f&#252;r die etlichen sch&#228;dlichen Einwirkungen ideologischen Charakters gelten. Insbesondere alles, was, als Frucht einer Bildung und einer Umwelt, die wir unser ganzes Leben erduldet haben, in jedem und jeder von uns tiefst verankert ist: der Sexismus, der Rassismus, der Individualismus, der Drang/die Lust nach Ordnung, Disziplin, Hierarchie, das Paar (welches wohl eine der letzten Widerstandsbastionen der M&#228;nnerherrschaft sein wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den russischen und spanischen Episoden findet man h&#228;ufig die Figur des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-80&#034;&gt;80&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), die Aneignung der Kinder usw. All das hinter uns zu lassen mag &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; schwierig erscheinen, doch erinnern wir noch einmal daran, dass der Prozess der Kommunisierung die Probleme der geschlechtlichen Differenzierung auf den Tisch legen wird und die Entwicklung der Mentalit&#228;ten wird wahrscheinlich viel schneller sein als man sich vorstellen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufhebung der Geschlechterrollen bedeutet nicht Vereinheitlichung, Gleichmacherei und Traurigkeit. Es ist &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; unm&#246;glich, sich vorzustellen, was in einer kommunistischen Welt die Schwangerschaft, die (wahrscheinlich kollektive) Kindererziehung, emotionale, k&#246;rperliche und/oder sexuelle Beziehungen, der K&#246;rper usw. sein werden (der uns zu Verf&#252;gung stehende Wortschatz eignet sich &#252;brigens nicht dazu).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Revolution werden die geschlechtliche Differenzierung und die Geschlechterrollen faktisch von unmittelbar gesellschaftlichen Individuen aufgehoben. Doch der Kommunismus wird selbstverst&#228;ndlich nicht die Unterscheidung aufheben zwischen jenen, welche schwanger werden k&#246;nnen und jenen, welche es nicht k&#246;nnen. Die Schwangerschaft ist jedoch kein nat&#252;rliches Ph&#228;nomen, sie wird gesellschaftlich organisiert (auf unterschiedliche Art und Weise je nach Epochen, Gesellschaft und Regionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Paola Tabet, op. cit.: Um die niedrige Fruchtbarkeit der menschlichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-81&#034;&gt;81&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Heute bedingt sie die Bildung der Gruppe der Frauen und die M&#228;nnerherrschaft. Wie die Frage der Organisation der Schwangerschaft behandelt und gel&#246;st wird w&#228;hrend der Kommunisierung ist wesentlich und sehr problematisch. Es ist besonders diese Frage, die Mutterschaft, &#252;ber welche die Aufhebung der Geschlechterrollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Genosse denkt, dass wir im Kommunismus &#8222;keine Kinder mehr haben, doch (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-82&#034;&gt;82&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und somit die Kommunisierung, zu stolpern droht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus kann nicht zusammen mit irgendeiner gesellschaftlichen Hierarchie (und somit der Aufrechterhaltung der M&#228;nnerherrschaft) oder Bestimmungen gedacht werden. Doch man kann auch nicht sagen, obwohl wir die Idee der &#220;bergangsphase ablehnen (welche die Grundlagen des Kommunismus aufbauen soll), dass die Menschheit wirklich gl&#252;cklich sein wird, wenn der letzte Kapitalist geh&#228;ngt werden wird. Anders gesagt: Obwohl es bei der Kommunisierung darum geht, &lt;i&gt;kommunistische Verh&#228;ltnisse&lt;/i&gt; (welche die Hauptwaffe der Revolution&#228;re sein werden) aufzubauen, wird man noch nicht von Kommunismus sprechen k&#246;nnen, wenn die letzte bewaffnete Konfrontation beendet sein wird...Trotz den Umw&#228;lzungen werden die &#8222;Mentalit&#228;ten&#8220; (eine Frucht der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) noch nicht kommunistisch sein. W&#228;re der Begriff historisch nicht dermassen beladen, k&#246;nnte man von einer Art &lt;i&gt;&#220;bergangsphase&lt;/i&gt; (nicht des Absterbens des Staates, sondern der kapitalistischen Mentalit&#228;ten) zum Kommunismus sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus wird nicht das Paradies sein, er wird nicht alle Konfliktm&#246;glichkeiten aufheben, aber diese werden nicht mehr durch das Kapital oder andere Herrschaftsformen vermittelt; die Konflikte werden wahrscheinlich auf noch nie dagewesene Art und Weise gel&#246;st werden. Die Bedingungen, welche die M&#228;nnerherrschaft und alle Formen der Herrschaft und der Unterdr&#252;ckung erkl&#228;ren und erlauben, werden verschwunden sein, was ein guter Anfang ist. Die unmittelbar gesellschaftlichen (schon w&#228;hrend der Kommunisierung transformierten) Individuen werden Existenzbedingungen kennen, welche f&#252;r eine &#8222;positive&#8220; Entwicklung besonders g&#252;nstig sein werden. Die folgende Generation (welche nur den Kommunismus gekannt haben wird, in ihrer Bildung jedoch noch den Einfluss der &#8222;&#220;berbleibsel&#8220; der Erwachsenen erdulden werden) wird den Makel der alten Welt wesentlich weniger ergeben sein - und vielleicht &#252;berhaupt nicht mehr. Man wagt sich nicht vorzustellen, wie es zehn Generationen sp&#228;ter aussehen wird...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SCHLUSSFOLGERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Etliche Proletarier revoltieren heutzutage, brechen aus, weigern sich, sich der Ausbeutung und der Herrschaft zu f&#252;gen und sind somit faktisch Teil der wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufheben wird. Diese K&#228;mpfe stossen an die Grenzen ihrer Epoche und k&#246;nnen, in dieser Periode relativer sozialer Ruhe (solange alles funktioniert), nur partiell, reformistisch usw. sein. Doch eine Periode der Krise/des Aufstands, welche nicht mit den aktuellen K&#228;mpfen vergleichbar ist, wird M&#246;glichkeiten zu einem radikalen und qualitativen Bruch erschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, auf diese Momente kollektiver Ausbr&#252;che zu warten, doch es sind nicht wir (die mehr oder weniger selbst ernannten &#8222;Revolution&#228;re&#8220;), welche diese K&#228;mpfe ausl&#246;sen, wir entscheiden auch nicht die Ziele oder die Art der Angriffe. Wir nehmen daran teil wie alle Proletarier. Obwohl pers&#246;nliche Vorgehensweisen (oder in kleinen Gruppen) selbstverst&#228;ndlich nicht abzulehnen sind, sollte man sich jedoch bewusst sein, dass nur ein kollektiver Kampf in einem gewissen Ausmass (die Revolution) in einem notwendigerweise einmaligen Akt die Klassen und die Geschlechterrollen wird aufheben k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn uns etwas bewusst werden sollte, so sind es vor allem unsere Grenzen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-83&#034;&gt;83&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beteiligung der Frauen an Bewegungen der Revolte in der Vergangenheit wurde oft als Gradmesser der Radikalit&#228;t wahrgenommen. Aber seit ihrem massiven und direkten Eintritt in die Lohnarbeit und somit in die Streiks f&#252;hrt allein ihre Involvierung dazu, dass die Fragen der Reproduktion auftauchen. Die Revolution wird mit den proletarischen Frauen stattfinden und es ist diese Involvierung, welche einen bis anhin unm&#246;glichen qualitativen Sprung erlaubt. Von diesem Moment an wird sich die Frage der Aufhebung der &#246;ffentlichen und privaten Sph&#228;re in der Praxis stellen; genauso wie das Ende der Geschlechterrollen und der geschlechtlichen Differenzierung. In diesem konfliktreichen und problematischen Prozess wird die Rolle der Frauen also bestimmend sein - sowie als Reaktion jene der M&#228;nner. Wenn man sich die Genderfrage in einer revolution&#228;ren Perspektive nicht ersparen kann, so gilt das gleiche f&#252;r die allt&#228;glichen K&#228;mpfe und das allt&#228;gliche &#220;berleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seien wir optimistisch, denn chronologisch betrachtet waren wir der kommunistischen Revolution noch nie so nah!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nieder mit dem Proletariat! Nieder mit den M&#228;nnern! Nieder mit den Frauen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es lebe die Anarchie, es lebe der Kommunismus!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bande von Incendo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anhang:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Va te faire queer un &#339;uf*&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegen die Gleichheit und die Altbackenheit des Feminismus, welcher im Problem des kollektiven Kampfes verankert ist, entstand in den 1990er Jahren eine neue Art und Weise, Gender zu denken, die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie. Sie positioniert sich gegen jeglichen Essentialismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch mit der vorherrschenden Forderung nach Gleichheit geht die Kritik des Essentialismus in der Regel vergessen. Da die Naturalisierung effizient ist und dem &#8222;spontanen&#8220; Denken entspricht, kommt sie stets zur&#252;ck, wenn sie nicht kritisiert und bek&#228;mpft wird. Die Schwulen- und Lesbenbewegung ist auch Teil dieser allgemeinen Bewegung, welche in einer Welt der Beherrscher und Beherrschten Gleichheit fordert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit erscheint &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; als eine Erneuerung essentialistischer Kritik. Sie unterscheidet sich jedoch grunds&#228;tzlich von jener des Feminismus der 1970er Jahre, indem sie die Minderheiten in eine Strategie der Kritik des herrschenden Denkens einbettet, die das Streben nach Gleichheit beinhaltet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht also nicht mehr darum, zu zeigen, dass es gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse und eine gesellschaftliche Struktur gibt, die die Individuen aus materiellen Gr&#252;nden unter Zwang setzt, sondern zu zeigen, dass es Dissidenz gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Minderheiten, insbesondere die sexuellen, sind also das bevorzugte Experimentierfeld eines von allen gesellschaftlichen Zw&#228;ngen losgel&#246;sten Individuums, das die Freiheit hat, zu subvertieren, gegen die herrschende Norm zu verstossen und ihr abzuschw&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jeder wird in gewisser Weise zum kleinen Unternehmer seiner Identit&#228;t, einer Identit&#228;t in Bewegung, nicht beeintr&#228;chtigt von der Norm und konstituierend durch die einfache Tatsache ihrer Art der Existenz, als etwas betrachtet, das man &#8222;w&#228;hlen&#8220; k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist somit nicht mehr eine Sichtweise eines Systems gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse, in welchem die Leute k&#228;mpfen und debattieren, sondern von individuellen Identit&#228;ten, von welchen man sich befreien, zu welchen man in ein Verh&#228;ltnis der Dissidenz eintreten und von welchen man sich abspalten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sackgasse von &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; liegt also in der Tatsache, dass die Theorie nicht erkl&#228;ren kann, warum die Individuen diese &#8222;Rollen&#8220; dermassen &#252;berzeugend und manchmal unter Lebens- oder Verletzungsgefahr &#8222;spielen&#8220;. Es ist ebenfalls unverst&#228;ndlich, warum nur ganz wenige diese F&#228;higkeit zur Subversion haben sollten, w&#228;hrend alle anderen nur als Schafe, Entfremdete, Unfreie qualifiziert werden k&#246;nnen. Butler mit ihrer Theatermetapher zeigt, dass die Schw&#228;che von &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; ist, in Identit&#228;tsfragen nur eine Haltung, eine Rolle, gek&#252;nstelt und ideologisch, zu sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ginge somit darum, sich individuell eine andere gesellschaftliche Performance zu konstruieren, indem man auf der B&#252;hne der Gesellschaft eine andere Rolle spielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der mit Ach und Krach vertriebene Naturalismus ist also im Handumdrehen wieder da: Es ginge also darum, sich von jeglicher definierten und stabilen Identit&#228;t zu l&#246;sen, doch wozu? Es kann nur darum gehen, eine Essenz, eine Natur wieder zu finden: jene des freien, von allen Normen befreiten Individuums &#8211; historisch eine sehr zeitgen&#246;ssische Idee. Man kann davon ableiten, dass die Dissidenz entweder in den herrschenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen enthalten und von ihnen konstruiert ist, und somit keine ist, oder dass wir es mit einem Individuum zu tun haben, dessen Identit&#228;t sich anders als durch die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, wovon es Teil ist, definieren kann, womit wir beim Naturalismus angekommen w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tarona&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Auszug eines unver&#246;ffentlichten Textes)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* &#8222;Geh dir ein Ei kochen&#8220;. Wortspiel zwischen &#8222;cuire&#8220; (&#8222;kochen&#8220;) und &#8222;queer&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Begriffserkl&#228;rungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Begriffe, die Geschlechterrollen und Klassen betreffen, haben keine strikte und noch weniger eine konsensuelle Definition. Das erste Vorkommen jedes Begriffs ist in den Artikeln mit einem * markiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ANEIGNUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verh&#228;ltnis, innerhalb welchem eine (beherrschte) Kategorie von einer anderen (herrschenden) angeeignet wird. Colette Guillaumin, auf welche diese Reflexionen zur&#252;ckgehen, bezieht sie auf die Aneignung, welche die Sklaverei (Meister/Sklave) oder die Leibeigenschaft (Feudalherr/Leibeigener) darstellen. Sie bezeichnet das Verh&#228;ltnis der Aneignung der Frauen als &lt;i&gt;sexage&lt;/i&gt; [&#252;bersetzt Sexerei oder Geschlechterei]. Die Individuen der beherrschten Gruppe sind das Eigentum anderer Individuen (sie geh&#246;ren ihnen mit K&#246;rper und Seele, schulden ihnen Gehorsam usw.). Die Frauen werden kollektiv (als Gruppe, im Rahmen der allgemeinen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) und individuell (im Rahmen der Familienverh&#228;ltnisse, durch die Heirat) angeeignet. Einige denken, dass letztere Aneignung heutzutage in den westlichen L&#228;ndern fakultativ geworden ist, zumal das schrittweise juristische und soziale Eindringen des Staates in den Haushalt sie geschw&#228;cht hat (die Frauen werden nicht mehr als Minderj&#228;hrige unter der Autorit&#228;t ihres Ehemannes betrachtet, die eheliche Vergewaltigung ist juristisch anerkannt usw.). F&#252;r andere wiederum ist die individuelle Aneignung immer noch notwendig zur Kontrolle der Frauen, jedoch komplexer als noch vor f&#252;nfzig Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ESSENTIALISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um es kurz zu machen, kann man sagen, dass die Eigenheit der essentialistischen feministischen Str&#246;mungen ist, dass sie denken, es gebe einen &lt;i&gt;Wesens&lt;/i&gt;unterschied zwischen M&#228;nnern und Frauen, der die geschlechtliche Differenzierung erkl&#228;rt und best&#228;tigt. Was dazu f&#252;hrt, dass sich die Kritik h&#228;ufig auf die Ungleichheit von M&#228;nnern und Frauen beschr&#228;nkt, ohne die Organisation der Gesellschaft in zwei Geschlechterrollen in Frage zu stellen, d.h. diese Kategorien nicht als Frucht gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse zu betrachten und ihre Funktion nicht zu erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kurz, der Essentialismus ist zusammen mit dem Pro-Feminismus das schlimmste Produkt des Sexismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FEMINISMEN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Feminismus, als kollektive Bewegung der Frauenk&#228;mpfe, kommt als solcher erst in der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts auf. Er basiert auf der Erkenntnis der Frauen ihrer spezifischen und systematischen Unterdr&#252;ckung (die nicht durch die Natur bedingt ist). Diese Forderung entsteht aus der Diskrepanz zwischen der Behauptung universeller Gleichheit und der Realit&#228;t (Erkl&#228;rung der Menschenrechte, b&#252;rgerliche Demokratie). Er ist zu unterscheiden von Massenbewegungen der Frauen, die nicht direkt die Forderung nach solchen Rechten hervorheben. Der Begriff wird von sozialistischen Frauen der zweiten und dritten Internationalen (wegen seiner b&#252;rgerlichen Konnotation) abgelehnt, obwohl diese als Vorreiter desselben betrachtet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zur g&#228;ngigen Meinung ist es schwierig, den Begriff im Singular zu gebrauchen, denn die Positionen und Ziele der Feministinnen sind zu verschieden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FORMELLE/REELLE HERRSCHAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zwei historischen Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung der kapitalistischen Produktion. In der ersten Phase, &#8222;formelle Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit&#8220; genannt, dominiert das Kapital, doch der konkrete Modus der Arbeit wird nicht modifiziert und bleibt global jener der vorhergehenden Produktionsweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Phase der reellen Herrschaft werden diese konkrete Arbeit, sowie das ganze Leben, komplett transformiert und der kapitalistischen Produktionsweise angepasst. Die Herrschaft ist effektiv und reell.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die genaue Datierung dieser beiden Perioden ist unm&#246;glich (das &#220;bergehen der einen zur anderen ist progressiv und in jedem Land verschieden) und wird kontrovers diskutiert. Man kann dennoch f&#252;r die westlichen L&#228;nder sagen, dass die Herrschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts formell und in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts reell ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu diesem Thema siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;, 1863-1865.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FRAU&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Individuum, das in erster Linie durch seinen Platz in der Reproduktion der Bev&#246;lkerung definiert ist (und somit in der privaten Sph&#228;re) und stets in diesen Zustand zur&#252;ck verwiesen wird (wenn n&#246;tig mit Gewalt). In allen Gesellschaften f&#252;hrt ihre &lt;i&gt;mutmassliche&lt;/i&gt; reproduktive F&#228;higkeit dazu, dass ihr K&#246;rper kontrolliert und sie von den M&#228;nnern angeeignet/beherrscht wird. In der kapitalistischen Produktionsweise ger&#228;t diese reproduktive Funktion in Widerspruch zu ihrer Rolle als Proletarierin (oder sogar als B&#252;rgerliche). Die Frauen sind nichts nat&#252;rliches.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GENDER&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff kommt in Grossbritannien in den 1970er Jahren in den feministischen Milieus auf, um das gesellschaftliche (gesellschaftlich konstruierte) Geschlecht zu bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er basiert auf anatomischen Eigenschaften, ohne diese jedoch exakt abzudecken. Abh&#228;ngig von anatomischen Variablen (welche insbesondere eventuelle Zeugungsf&#228;higkeiten gewisser Individuen bestimmen) erlaubt er die Kreation/Unterscheidung der Gruppe der M&#228;nner und jener der Frauen, die als &#8222;nat&#252;rlich&#8220; wahrgenommen werden (und wenn n&#246;tig chirurgisch durchgesetzt werden bei mindestens 2% der Geburten). &#8222;&lt;i&gt;Die Geschlechterrolle konstruiert das Geschlecht.&lt;/i&gt;&#8220; (Christine Delphy)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von dieser vermeintlichen Dichotomie konstruieren die menschlichen Gesellschaften zwei gesellschaftliche Gruppen und weisen ihnen verschiedene Funktionen und Rollen zu (die meistens hierarchiesiert sind), die die Gesamtheit der Gesellschaft abdecken (geschlechtliche Differenzierung): Hierarchie, Arbeitsteilung, gesellschaftliche Organisation der Zeugung/Mutterschaft (notwendige Kontrolle der Reproduktion und somit der Frauen), Heterosexualit&#228;t und Familie als Norm usw. Die t&#228;gliche Konstruktion und der Fortbestand dieser Gruppen (dieses Unterschieds/dieser Ungleichheit) erfordert die Einrichtung und das Funktionieren etlicher Dispositive (insbesondere kulturelle, Bildung, Kleidung, Verhalten usw.), welche die Gesellschaft, in welcher wir leben, ausmachen/sind. Diese Bestimmungen variieren je nach Epoche und Gesellschaft, was aufzeigt, dass es sich um eine gesellschaftliche Konstruktion handelt (die nichts nat&#252;rliches an sich hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Siehe insbesondere Paola Tabet, Colette Guillaumin, Christine Delphy und Fran&#231;oise H&#233;ritier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GESCHLECHTLICHE DIFFERENZIERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist die Teilung der Aufgaben/Zuweisungen/Machtbefugnisse abh&#228;ngig vom Geschlecht (die erste Arbeitsteilung). Die geschlechtliche Differenzierung existiert in allen bekannten Gesellschaften (in gewissen Urgesellschaften implizierte sie nicht unbedingt eine klare Hierarchiesierung zwischen den Gruppen). Mit dem Aufkommen der Klassengesellschaften hat sich die Herrschaft &#252;ber die Frauen best&#228;tigt, versch&#228;rft und vor allem institutionalisiert, um dem Patriarchat Gestalt zu geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KAPITALISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise entsteht aus der Aufl&#246;sung der europ&#228;ischen feudalen Ordnung. Ihre prinzipielle Eigenschaft ist das Monopol der Bourgeoisie auf die Produktionsmittel und die Mittel zum Lebensunterhalt (Trennung zwischen Produzenten und Produktionsmittel). Der mittellose Proletarier ist zur Lohnarbeit und zur Produktion von Mehrwert gezwungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus passt sich an, entwickelt sich, ver&#228;ndert sich andauernd (was ihn charakterisiert): &#8222;&lt;i&gt;Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverh&#228;ltnisse, also s&#228;mtliche gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse fortw&#228;hrend zu revolutionieren.&lt;/i&gt;&#8220; (Marx und Engels, &lt;i&gt;Manifest der Kommunistischen Partei&lt;/i&gt;, 1848). Er kann funktionieren, indem er sich auf ein diktatorisches oder demokratisches Regime st&#252;tzt, auf liberale Art und Weise oder staatlich geplant, ohne Bosse (UdSSR), ohne Hierarchie (Selbstverwaltung) usw. Um seine Expansion und seine Herrschaft &#252;ber die Jahrhunderte hinweg zu garantieren, hat er sich diverser gesellschaftlichen, politischen, moralischen, wirtschaftlichen und Wertsystemen entledigt, welche f&#252;r ihn zum Hindernis geworden sind. Da kein wirtschaftliches oder gesellschaftliches System unsterblich ist, wird der Kapitalismus auf irgendeine Weise ein Ende haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KLASSE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Klassenzugeh&#246;rigkeit (einer Gruppe oder eines Individuums) ist definiert in Bezug auf den Platz, welche man in einer gegebenen Produktionsweise einnimmt &#8211; f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise: kapitalistische Klasse/Proletariat (das ist die klassische marxistische Definition, die wir so benutzen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab den 1970er Jahren wird dieser Begriff benutzt, um die Gruppe der Frauen zu bezeichnen. Sie haben diesen Begriff nicht zuf&#228;llig gew&#228;hlt, sondern weil sie im allgemeinen einen marxistischen Hintergrund haben. Von einer &#8222;Frauenklasse&#8220; zu sprechen bedeutet, dass alle Frauen einen identischen Platz in einer Produktionsweise einnehmen: Die Haushalts- oder patriarchale Produktionsweise wie sie von Christine Delphy theoretisiert wurde. Ihr Platz ist selbstverst&#228;ndlich jener der Ausgebeuteten, im Gegensatz zur &#8222;M&#228;nnerklasse&#8220;, welche jene der Ausbeuter ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute benutzen Feministinnen und andere diesen Begriff ohne Bezug zu dieser Theorie, um die Gruppe der Frauen oder jede andere unterdr&#252;ckte, beherrschte oder Minderheitsgruppe zu bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KLASSENKAMPF&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Klassenkampf stehen sich Klassen mit widerspr&#252;chlichen Interessen gegen&#252;ber: In der kapitalistischen Produktionsweise die kapitalistische Klasse, welche die Produktionsmittel besitzt, und das Proletariat, welches von ihr ausgebeutet und beherrscht wird. Dieser Kampf ist allt&#228;glich, h&#228;ufig kaum sichtbar (Ausbeutung, Widerstand gegen die Arbeit, Sabotage, Fernbleiben von der Arbeit usw.) oder manchmal sehr greifbar (Restrukturierungen, Streiks, Aufruhr usw.). Von hoher oder tiefer Intensit&#228;t je nach Periode wird er erst mit der Aufhebung der Klassen aufh&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KOMMUNISIERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1970er Jahren haben aus der ultralinken Tradition kommende Gruppen den Begriff &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; zur Beschreibung des revolution&#228;ren Prozesses gepr&#228;gt. Zuvor wurde die Revolution gem&#228;ss dem klassischen Schema definiert (das, obwohl in verschiedenen Varianten, f&#252;r die alten Sozialdemokraten, die Leninisten und etliche Anarchisten G&#252;ltigkeit hatte): Aufstieg der Klasse, Machtergreifung, &#220;bergangsphase/Diktatur des Proletariats, Aufbau der Bedingungen des Kommunismus und dann schliesslich der Kommunismus. Aufgrund der Entwicklung des Klassenkampfes haben diese Gruppen dieses Schema f&#252;r inad&#228;quat, um nicht zu sagen f&#252;r komplett hinf&#228;llig befunden. Es geht nicht darum die Revolution &lt;i&gt;f&#252;r&lt;/i&gt; den Kommunismus, sondern &lt;i&gt;durch&lt;/i&gt; den Kommunismus zu machen, daher der Begriff der Kommunisierung. Sollte es eine Revolution geben, m&#252;sste sie &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; eine Phase der Zerst&#246;rung der alten Welt und eine Phase des Aufbaus des Kommunismus sein: Beseitigung des Staates, des Eigentums, des Werts, des Geldes, des Tausches, der Lohnarbeit und der Klassen durch die T&#228;tigkeit des Proletariats, und somit Selbstnegation desselben usw. (das hat selbstverst&#228;ndlich nicht viel mit dem Aufbau von Alternativen, &#8222;kleine Inseln&#8220; des Kommunismus mit eingeschlossen, in der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft zu tun).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass der Prozess der Kommunisierung unvermeidlich die Genderfrage einbeziehen wird und sie wird l&#246;sen m&#252;ssen oder andernfalls in der Konterrevolution versinkt: Die einzige vern&#252;nftige Antwort, die er darauf geben wird, ist zweifellos die Aufhebung dieser widerlichen Kategorien (Selbstnegation der Frauen und der M&#228;nner).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KOMMUNISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus hat selbstverst&#228;ndlich nichts zu tun mit den ungerechtfertigterweise &#8222;kommunistisch&#8220; genannten Diktaturen des 20. Jahrhunderts, welche in Tat und Wahrheit autorit&#228;re Formen von Staatskapitalismus waren. Negativ kann man sagen, dass der Kommunismus das Ende (die Aufhebung, &#220;berwindung) von allen Formen menschlicher Entfremdung, Vermittlung, Herrschaft, die Aufhebung des Staates, der Klassen (und somit des Proletariats), der Geschlechterrollen, der Lohnarbeit, des Geldes, des Werts, des Eigentums, des Rechts, der Moral usw. sein wird, was nicht ohne eine totale und internationale Revolution erreicht werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;MANN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gesellschaftlich konstruierte Kategorie. Im Gegensatz zur Frau ist der Mann in erster Linie durch seinen Platz in der &#246;ffentlichen Sph&#228;re definiert. Die Gruppe der M&#228;nner eignet sich die Gruppe der Frauen an und beherrscht sie. So wird die Kontrolle der K&#246;rper der Frauen und der Reproduktion organisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;M&#196;NNERHERRSCHAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff wird allgemein als weniger konzeptuell oder theoretisch betrachtet als &#8222;Patriarchat&#8220; (obwohl h&#228;ufig als Synonym gebraucht); denn er beschr&#228;nkt sich auf eine simple Feststellung (die allerdings nicht neutral ist). Wir bevorzugen den Gebrauch dieses Begriffs anstelle jenes des Patriarchats, um eine Gesellschaft zu beschreiben, in welcher die M&#228;nner &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; und global die Macht inne haben, die jedoch nicht mehr zu diesem Zweck &lt;i&gt;strukturiert&lt;/i&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Herrschaftsverh&#228;ltnis kann total, totalisierend sein, sich aber auch entwickeln, erodieren, umgest&#252;rzt oder aufgehoben werden. Es ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das es erlaubt, Ziele zu erreichen (die Herrschaft &#252;ber die Frauen erlaubt die Kontrolle der Reproduktion; die Herrschaft &#252;ber die Proletarier erlaubt ihre Ausbeutung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;NATUR&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das existiert nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;NOTWENDIGE ARBEIT/MEHRARBEIT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die notwendige Arbeit ist jene Arbeit, welche die Proletarier ausf&#252;hren, um die Reproduktion ihrer Arbeitskraft zu garantieren (Nahrung, Wohnung, Kleidung usw., sie entspricht dem Lohn). Die Mehrarbeit ist die zus&#228;tzlich zur notwendigen Arbeit ausgef&#252;hrte Arbeit (sie wird umsonst f&#252;r die Bosse ausgef&#252;hrt und verwandelt sich in Mehrwert).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#214;FFENTLICHE/PRIVATE, PRODUKTIVE/REPRODUKTIVE SPH&#196;RE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Begriffe, die die begrenzten Bereiche bezeichnen, in welchen sich die jeweiligen T&#228;tigkeiten, Zuweisungen und Einfl&#252;sse manifestieren und in welchen sie ausge&#252;bt werden. Die private Sph&#228;re besteht global aus dem Haushalt/dem Paar/der Familie, die reproduktiven T&#228;tigkeiten stehen in ihr im Zentrum. Die Frauen sind in erster Linie durch ihre Funktion in dieser Sph&#228;re definiert (der Reproduktion zugewiesen). Die &#246;ffentliche Sph&#228;re umfasst alles, was ausserhalb des Haushalts ist, sie ist der Ort der Produktion, des Politischen, Kulturellen, Milit&#228;rischen usw. Diese Sph&#228;re, die lange als Ort der T&#228;tigkeit der M&#228;nner definiert war, tendiert seit der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts dazu, sich progressiv zu durchmischen (im Gegensatz zur privaten Sph&#228;re).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die kapitalistische Produktionsweise, welche diese nie dagewesene Teilung zwischen Ort der Produktion und Ort der Reproduktion produziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PATRIARCHAT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im engeren Sinne handelt es sich um die Macht des Familienoberhaupts. Das Patriarchat wird allgemein als eine Art der gesellschaftlichen Organisation definiert, in welcher die famili&#228;re und politische Autorit&#228;t von den M&#228;nnern ausge&#252;bt wird. Es organisiert durch Gesetze, Institutionen und Br&#228;uche die geschlechtliche Trennung der Arbeit und den Ausschluss der Frauen von T&#228;tigkeiten, durch welche man Macht bekommt (Monopol der Politik, des Gebrauchs von Waffen und den effizientesten Werkzeugen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff wird von den Feministinnen (seit den 1970er Jahren) meistens als Synonym f&#252;r &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; gebraucht, als ob diese seit Tausenden von Jahren gleich geblieben w&#228;re (mit Christine Delphy als erw&#228;hnenswerte Ausnahme, die den Begriff nur gebraucht, um die M&#228;nnerherrschaft in den zeitgen&#246;ssischen industriellen Gesellschaften zu bezeichnen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass dieser Begriff nicht mehr ad&#228;quat ist, um heutzutage unsere (westliche) Gesellschaft zu bezeichnen, die, obwohl die M&#228;nner &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; die Macht innehaben, nicht mehr in diesem Sinne (juristisch, politisch) organisiert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PRO-FEMINIST&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pro-feministische Definition: Ein Mann, welcher sich seiner Rolle als Unterdr&#252;cker in der Gesellschaft und gegen&#252;ber den Frauen bewusst geworden ist und sich die feministische Sache zu eigen macht. Er muss faktisch stets auf seine Dekonstruktion achten und weigert sich, eine Frau in irgendeiner Weise zu kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Feministische Definition: Krebsartiger Auswuchs des Feminismus, ein Mann, der den Sexismus besser verstanden hat als die Frauen und der vor allem verstanden hat, dass er sich besser (in der Gesellschaft) etwas klein macht, um Feministinnen zu erobern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entomologische Notiz: Der Pro-Feminist kann bis zu einer Verehrung/Verherrlichung des Weiblichen gehen, die im Essentialismus endet (oder zumindest in der Dummheit).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PROLETARIAT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat ist die Klasse jener, welche, da sie keine andere Mittel zum &#220;berleben haben, zur Lohnarbeit (zum Verkauf ihrer Arbeitskraft an die Klasse jener, welche die Produktionsmittel besitzen) &lt;i&gt;gezwungen&lt;/i&gt; sind; daher die Ausbeutung und die widerspr&#252;chlichen Interessen dieser beiden Klassen. Es beinhaltet sowohl die Arbeiter, wie auch die Angestellten und die Arbeitslosen und war, da in permanenter Expansion, noch nie so massiv wie heute. Es war nie einheitlich und ist heute gespaltener denn je. Der einzige Moment, wo es sich selbst erkennen und sich als Klasse vereinen k&#246;nnen wird, wird die Revolution sein, w&#228;hrend welcher es sich als solches aufheben wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QUEER&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urspr&#252;nglich eine Beleidigung (&#8222;komisch, dubios&#8220;), die die Homosexuellen in den USA bezeichnet und sp&#228;ter beansprucht wird, um &lt;i&gt;anormale&lt;/i&gt; (nicht-heterosexuelle) Verhaltensweisen zu bezeichnen. Die Anfang der 1990er Jahre aufgekommene &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie kritisiert die feministischen und homosexuellen Bewegungen, die zu stark auf Fragen kollektiv konstituierter Identit&#228;ten fixiert sei, welche sie f&#252;r &#252;berholt, normiert, gar essentialistisch h&#228;lt. Es geht also darum, die Geschlechterrolle und die geschlechtlichen Identit&#228;ten zu &#252;berwinden (zu st&#246;ren). &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; geht einher mit einem Versuch, beide Geschlechterrollen zu &#252;berwinden, doch dieses Konzept scheint eine Vervielfachung der Geschlechterrollen durch die Verweigerung der herrschenden Normen zu beanspruchen, was nicht die Zerst&#246;rung des Rahmens der Unterdr&#252;ckung bedeutet, sondern nur dessen Vergr&#246;sserung: Auferlegte Normen zu verweigern, um andere zu &lt;i&gt;w&#228;hlen&lt;/i&gt;, wie viele es auch immer sein m&#246;gen, bedeutet an die M&#246;glichkeit der Selbstverwaltung seiner eigenen Unterdr&#252;ckung zu glauben oder die Kreation von sehr &#228;sthetischen alternativen Nischen im System zu wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RELATIVER MEHRWERT/ABSOLUTER MEHRWERT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Mehrwert ist die Differenz zwischen dem vom Arbeiter der urspr&#252;nglichen Ware (durch seine Arbeit) zugef&#252;gten Wert und dem Wert seiner notwendigen Arbeitskraft (&#196;quivalent seines Lohnes). Er repr&#228;sentiert den Wert der Mehrarbeit (des unbezahlten Anteils der Arbeit). Der Mehrwert wird im wesentlichen reinvestiert in den Prozess der Produktion/Verwertung (es ist die Akkumulation von Kapital). Er ist auch das Einkommen der Bosse, individuell sowie kollektiv (Staat, Polizei usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bosse, welche stets den Mehrwert vergr&#246;ssern m&#252;ssen, haben zwei Arten, dies zu tun. Die absolute Art: Indem sie die Arbeitszeit verl&#228;ngern, wie zum Beispiel im 19. Jahrhundert (die zur Reproduktion notwendige Arbeitszeit bleibt gleich, es ist also die Mehrarbeitszeit*, und somit der Mehrwert, die gr&#246;sser werden). Die relative Art: Indem sie den Wert des zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensunterhalts durch die Produktivit&#228;tssteigerung verringern (zum Beispiel neue Maschinen, Erh&#246;hung der Tagesleistung usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;REPRODUKTION&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie hat nichts nat&#252;rliches an sich, obwohl sie so wahrgenommen wird. Die Reproduktion ist ein gesellschaftlich organisiertes Ph&#228;nomen (um sich davon zu &#252;berzeugen, reicht es, die sehr variablen Fruchtbarkeitsraten und die verschiedenen dazugeh&#246;rigen Organisationsweisen historisch und geographisch miteinander zu vergleichen). Die Ph&#228;nomene, welche mit ihr assoziiert werden (und sie erlauben) und gesellschaftlich in jedem Moment organisiert und aktualisiert werden, werden ebenfalls als nat&#252;rlich betrachtet: M&#228;nner und Frauen, sexuelle Verh&#228;ltnisse (&lt;i&gt;normalerweise&lt;/i&gt; die Heterosexualit&#228;t, eindringende Sexualit&#228;t (vaginaler Koitus), welche mit der m&#228;nnlichen Ejakulation abgeschlossen wird), die Schwangerschaft, die Mutterschaft...Andere, welche nicht als nat&#252;rlich betrachtet werden k&#246;nnen, werden unter dem Aspekt der staatlichen/medizinischen Begleitung eines nat&#252;rlichen Ph&#228;nomens betrachtet (Verh&#252;tung, Abtreibung, Familienpolitik usw.). Zu diesem Thema siehe insbesondere die Arbeiten von Paola Tabet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;REPRODUKTION DER ARBEITSKRAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;T&#228;gliche&lt;/i&gt; Reproduktion der Arbeitskraft: Die Tatsache, dass der Proletarier f&#228;hig ist, zu &#252;berleben und am n&#228;chsten Tag wieder zur Arbeit zu kommen. Sie bedingt die Befriedigung gewisser Bed&#252;rfnisse (die je nach Epoche und Land variieren), insbesondere Ern&#228;hrung, Kleidung usw. Die Aufgaben, die mit ihr verbunden sind, werden im allgemeinen von den Frauen ausgef&#252;hrt (Hausarbeit) oder manchmal sozialisiert (Kantinen, Schnellimbisse usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Generationsbezogene&lt;/i&gt; Reproduktion: Die Tatsache, dass die Proletarier Kinder &#8222;machen&#8220; und sie grossziehen, d.h. neue Proletarier, die f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahre sp&#228;ter ausgebeutet werden k&#246;nnen. Die Aufgaben, die mit ihr verbunden sind werde im allgemeinen ebenfalls von den Frauen ausgef&#252;hrt (Hausarbeit) oder manchmal sozialisiert (Kinderkrippen, Schulen usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SEXISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#196;hnlich dem Rassismus eine diskriminierende Haltung gegen&#252;ber einem Geschlecht (in der &#252;blichen Bedeutung und in Wirklichkeit gegen&#252;ber den Frauen). Dieser Begriff verweist auf eine individuelle Haltung, eine geistige Verfassung (die es zu korrigieren g&#228;lte) oder allenfalls auf eine Ideologie. Dennoch umgeht der Begriff jegliche Strukturierung der Gesellschaft, die jedoch seine Existenz erkl&#228;rt, deswegen brauchen wir ihn nur selten (der Sexismus ist f&#252;r uns ein R&#228;dchen und die Konsequenz der M&#228;nnerherrschaft).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewisse M&#228;nner werden sich der Existenz des Sexismus bewusst, wenn Feministinnen ihnen m&#228;nnerfeindliche Witze erz&#228;hlen, die sie im allgemeinen &#252;berhaupt nicht lustig finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ULTRALINKE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff bezeichnet historisch die &#8222;Linkskommunisten&#8220;, welche Lenin in seiner Brosch&#252;re &lt;i&gt;Der &#8222;Linke Radikalismus&#8220;, die Kinderkrankheit im Kommunismus&lt;/i&gt; (1920) kritisiert: Die deutsch-holl&#228;ndische (Pannekoek, Gorter, R&#252;hle usw.) und die italienische Linke (Bordiga). Man kann global sagen, dass die Gruppen und Theoretiker dieser marxistischen Str&#246;mung den Staat, den Parlamentarismus, die Organisationen (Parteien und Gewerkschaften), die Demokratie, die Diktatur des Proletariats, den Antifaschismus, den Frontismus, die Arbeiterverwaltung usw. in diversen Varianten abgelehnt und kritisiert haben. Im Frankreich der Nachkriegszeit k&#246;nnen Gruppen wie Socialisme ou Barbarie, Informations et Correspondances Ouvri&#232;res (ICO), sowie die situationistische Internationale zu dieser Str&#246;mung gez&#228;hlt werden. In den 1970er Jahren brechen verschiedene kleine Gruppen und Zeitschriften (&lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;La Guerre sociale&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt; usw.) mit der ultralinken &#8222;Ideologie&#8220; (insbesondere mit dem R&#228;tekommunismus); dies geht einher mit der Entwicklung der Thesen zur Kommunisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit einigen Jahren wird dieser Begriff in Blaue hinein von den Journalisten und den Bullen gebraucht, um Gruppen zu bezeichnen, die ausserhalb ihres Verst&#228;ndnisbereiches agieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;UNMITTELBAR GESELLSCHAFTLICHE INDIVIDUEN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Individuen, welche durch die Revolution und neue (kommunistische) materielle Existenzbedingungen transformiert werden. Sie werden faktisch neue Verh&#228;ltnisse pflegen, befreit von allen Vermittlungen, durch welche wir konstruiert und definiert sind in der kapitalistischen Produktionsweise und durch sie: Klassen, Geschlechterrollen, Ethnien, Herkunft, gesellschaftliche Rollen, Arbeitsstellen, kulturelle Niveaus usw. Sie werden also das Gegenteil der getrennten/atomisierten Individuen sein, die wir heute sind, jenseits von sympathischen Erfahrungen in einem Squat, in einer l&#228;ndlichen Gemeinschaft oder einer Besetzung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage von Incendo&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/editorial/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Vorwort&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/capitalisme-genres-et-communisme/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Text&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/petit-lexique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Begriffserkl&#228;rungen&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb4-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Sterne verweisen auf die Begriffserkl&#228;rungen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir erstellen keine Bilanz der &#8222;Ungleichheiten&#8220; zwischen M&#228;nnern und Frauen in dieser Gesellschaft, eine solche findet man leicht, besonders in der aktivistischen oder b&#252;rgerlichen Presse jedes Jahr im M&#228;rz.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir sind uns bewusst, dass unsere &#220;berlegungen nur die westliche Gesellschaft, und spezifischer Frankreich, zum Gegenstand haben und dass das ein Problem ist. Unsere Analyse ist also partiell, doch die Revolution wird sowieso nicht auf der ganzen Welt gleich ablaufen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In maximal 140 Zeichen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r dieses Kapitel, siehe Christophe Darmangeat, &lt;i&gt;Le communisme primitif n'est plus ce qu'il &#233;tait&#8230; Aux origines de l'oppression des femmes&lt;/i&gt;, Toulouse, Smolny, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Sabine Melchior-Bonnet et Catherine Salles (Hg.), &lt;i&gt;Histoire du mariage, Paris&lt;/i&gt;, Robert Laffont, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe in dieser Nummer den Artikel zur Hausarbeit, S. 47.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Philippe Ari&#232;s, &lt;i&gt;L'Enfant et la vie familiale sous l'Ancien R&#233;gime&lt;/i&gt;, Paris, Seuil, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Jacques Le Goff, &#171; Le christianisme a lib&#233;r&#233; les femmes &#187; [sic], &lt;i&gt;L'Histoire&lt;/i&gt;, Nr. 245, Juli-August 2000, S. 34-38.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Thema siehe den Artikel zur Reproduktion der Arbeitskraft im 19. Jahrhundert, S. 73.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gilt zu beachten, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re nicht nur was mit der Produktion zu tun hat abdeckt (zum Beispiel die Politik). Die noch nie zuvor da gewesene Trennung in zwei Sph&#228;ren ist eine notwendige Bedingung f&#252;r den Kapitalismus, der einen &#8222;freien&#8220; Arbeiter braucht (im Gegensatz zum Sklaven).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist nur der Einfachheit oder der Faulheit halber, dass wir manchmal schreiben, dass &#8222;der Kapitalismus dies oder das macht&#8220;. Er ist weder ein Monster, das perverse Entscheidungen trifft, noch eine kalte Maschine, die von einem geheimen Komitee gelenkt wird, sondern ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis. Es muss also verstanden werden als &#8222;die Entwicklung des Kapitalismus' f&#252;hrt zu...&#8220; oder &#8222;hat zur Konsequenz&#8220; usw. Dennoch ist der Staat da, um die grunds&#228;tzliche Ausrichtung vorzugeben, die notwendig ist f&#252;r die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise (manchmal den spezifischen Interessen der Kapitalisten zuwiderlaufend, aber oft den Hinweisen der scharfsinnigsten unter ihnen folgend).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet die allt&#228;gliche Reproduktion des Arbeiters (Nahrung, Kleidung, Heizung usw.) und die &#8222;generationsbezogene&#8220; Reproduktion der Arbeiterklasse (Kinder erzeugen und sie grossziehen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel &#252;ber den MLF, S. 93.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;1944, Frauenstimmrecht; 1945, Abschaffung des Begriffs Frauenlohn; 1965, verheiratete Frauen k&#246;nnen beruflich aktiv sein oder ein Bankkonto er&#246;ffnen ohne die Erlaubnis ihres Mannes, usw.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der MLF entstand zwischen 1967 und 1970 und bestand grosso modo aus drei Tendenzen: einer klassenk&#228;mpferischen, einer klassisch-feministischen (die ihrerseits eher radikale und eher reformistische Ans&#228;tze beinhaltete) und einer psychoanalytischen Tendenz. Die Hauptfigur letzterer, Antoinette Fouque, liess 1979 ohne das Einverst&#228;ndnis des Rests der Bewegung das Siegel des MLF auf ihren Namen patentieren, was das Ende desselben bedeutete.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der MLAC (Mouvement pour la libert&#233; de l'avortement et de la contraception &#8211; Bewegung f&#252;r die freie Abtreibung und Verh&#252;tung) war eine autonome Gruppe, die 1973 gegr&#252;ndet wurde und sich 1975, als die Abreibung in Frankreich legalisiert wurde, aufl&#246;ste. Der MLAC war zusammengesetzt aus Mitgliedern des MLF und anderer feministischer Gruppen, unterst&#252;tzte Frauen, die illegal oder im Ausland abtreiben wollten und setzte sich f&#252;r einen freien Zugang zu Verh&#252;tungsmitteln ein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel den Film von Nigel Cole, &lt;i&gt;We Want Sex Equality&lt;/i&gt;, Grossbritannien, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den Artikel zu den Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sie erlaubt dem Staat unter anderem, die Kosten f&#252;r die kollektive Ausstattung zu beschr&#228;nken, indem sie f&#252;r einen Teil der Reproduktion der Arbeitskraft sorgt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sehr bezeichnendes Beispiel. In diesem Sektor wird den Frauen der Unterhalt des Inneren der Geb&#228;ude zugewiesen, w&#228;hrend die M&#228;nner draussen arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zur Aneignung siehe Paola Tabet, &lt;i&gt;La Construction sociale de l'in&#233;galit&#233; des sexes. Des outils et des corps&lt;/i&gt;, Paris-Montr&#233;al, L'Harmattan, 1998.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel zur Familie heute, S. 59.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein einziger Lohn reicht kaum mit einem Kind. Im Vergleich zu den 1960er und 1970er Jahren ist der Lohn der Frauen nicht mehr ein Unterst&#252;tzungslohn, sondern der n&#246;tige zweite Lohn, im allgemeinen niedriger als jener der M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;1970 f&#252;hrte der Staat die ersten finanziellen Unterst&#252;tzungen f&#252;r alleinerziehende Frauen ein. Diese Massnahmen haben sich nachher mit dem Anwachsen alleinerziehender Eltern entwickelt. Der Staat nimmt gewissermassen teilweise den Platz des fehlenden Elternteils ein (im allgemeinen des Vaters).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Frankreich ist diesbez&#252;glich noch nicht sehr weit. Die amerikanischen Truppen in Irak und Afghanistan z&#228;hlten 12 % Frauen. In diesen beiden L&#228;ndern testen die Marines seit einigen Jahren eine Kampfeinheit, welche nur aus Frauen besteht, deren Resultate werden von ihrem Oberkommando sehr gesch&#228;tzt. Die geschlechtliche Differenzierung ist noch nicht verschwunden...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die (vollst&#228;ndig) m&#228;nnlichen Sektoren tendieren dazu, sich auf einige Bastionen von Posten mit sehr hoher Verantwortung zu beschr&#228;nken, was durch die Kooptation und die Furcht vor der Konkurrenz erkl&#228;rt werden kann (die Anzahl Pl&#228;tze sind nicht erweiterbar, die alten Haie der Hochfinanz sehen es nicht gerne, wenn junge weibliche Haie neben ihnen schwimmen...) Die Langsamkeit der Feminisierung der Macht- oder Prestigeposten kann auch mit einem Prozess des Generationenwechsels erkl&#228;rt werden: Die Frauen sind heute in etlichen Schulen in der Mehrheit und das ber&#252;hmte Beispiel vom Antagonismus zwischen m&#228;nnlichen Chirurgen und weiblichen Krankenschwestern wird bald nicht mehr aktuell sein. Die Frauen repr&#228;sentierten n&#228;mlich 1995 16 % der unter 35-j&#228;hrigen Chirurgen, 36.6 % 2006, doch auch 60 % der Abschl&#252;sse in Chirurgie 2006. Bei den Richtern wurde die Parit&#228;t 2001 erreicht, doch 2005 waren 82 % aller zuk&#252;nftigen Richter Frauen. Zu diesen Fragen siehe besonders Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;Femmes de pouvoir. Une histoire de l'&#233;galit&#233; professionnelle en Europe (XIXe-XXIe si&#232;cle)&lt;/i&gt;, Paris, Payot, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel &#171; Plus de femmes, plus de profits &#187;, &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, 04/03/2004. Das Quotengesetz von 2010 f&#252;r die Verwaltungsr&#228;te grosser Unternehmen hat nicht ethische sondern wirtschaftliche Gr&#252;nde. Um F&#252;hrungsstellen zu erreichen m&#252;ssen die Frauen viel mehr Kompetenzen zeigen als die M&#228;nner. Das eine erkl&#228;rt vielleicht das andere.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Was die Chefs von Unternehmen f&#252;r ihre Frauen akzeptierten, tolerieren sie nicht mehr f&#252;r ihre T&#246;chter&#8220;, siehe Christine Ducros, Marie-Am&#233;lie Lombard, &#171; Ces femmes &#224; la conqu&#234;te des conseils d'administration &#187;, 14/10/2010, lefigaro.fr.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn es auch Beispiele von Ehem&#228;nnern gibt, die zu Hause bleiben, um sich um die Kinder zu k&#252;mmern, da sie weniger als ihre Frau verdienen, so bleibt es doch eine seltene Ausnahme. Wie die soziale Durchmischung eben so ist, sieht man h&#228;ufiger ein Paar hoher Kader aus Paris eine afrikanische Tagesmutter die Arbeit machen zu lassen (das Gleiche gilt f&#252;r das b&#252;rgerliche Paar aus Shanghai und ihr philippinisches Dienstm&#228;dchen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie eine Studie gezeigt hat, gibt es auch extreme F&#228;lle wie die Deutschen mit Universit&#228;tsabschluss, die sich entscheiden, keine Kinder mehr zu zeugen; zwischen 60 bis 80 %, je nach Bundesland. Siehe Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 170. Wollen die kapitalistischen Frauen ihre reproduktive Funktion nicht mehr wahrnehmen?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den 1970er Jahren proklamierte der FHAR (Front homosexuel d'action r&#233;volutionnaire &#8211; Homosexuelle Front der revolution&#228;ren Aktion), die Homosexuellen erhalten das Verm&#246;gen der Bourgeoisie nicht (&#8222;das Erbe kannst mit uns vergessen, das gibt es nicht mehr!&#8220;) und sind somit revolution&#228;r. Heute sind die Schwulen und Lesben der b&#252;rgerlichen Klasse mit diesem Problem konfrontiert, was die aktuellen Entwicklungen der Gesetze zur Adoption und Heirat f&#252;r Homosexuelle erkl&#228;rt. In den b&#252;rgerlichen Klassen sind die M&#246;glichkeiten gegen die gesellschaftlichen Normen zu verstossen gr&#246;sser.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gibt keine Definition dieses Begriffs. Jede feministische Gruppe braucht ihn ein bisschen nach ihrem Belieben, h&#228;ufig als Pendant f&#252;r &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;. Daher die Notwendigkeit, ihn zu definieren, wenn man ihn verwendet (siehe Begriffserkl&#228;rungen, S. 197).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;OECD, Assurer le bien-&#234;tre des familles, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die proletarischen Frauen k&#246;nnen allerdings streiken f&#252;r Arbeitsbedingungen, die mit ihrer Funktion als Mutter vereinbar sind (zum Beispiel k&#252;rzere Arbeitszeiten).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Chiennes de garde (Wachh&#252;ndinnen) wurden 1999 von Florence Montreynaud und Isabelle Alonso gegr&#252;ndent. Es handelt sich um eine reformistische feministische Organisation, die gegen &#8222;symbolische sexistische Gewalt im &#246;ffentlichen Raum&#8220; k&#228;mpft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Ni putes ni soumises (Weder Huren noch gef&#252;gig) ist eine reformistische feministische Organisation, die 2003 von Fadela Amara gegr&#252;ndet wurde. Sie hat den Anspruch, die Frauen aus den armen Quartieren zu vertreten. Amara ist Mitglied des Parti socialiste und war zwischen 2007 und 2010 Staatssekret&#228;rin unter Sarkozy.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Marche mondiale des femmes (Weltmarsch der Frauen) entstand 1995 in Qu&#233;bec. Sie k&#228;mpft gegen &#8222;die Armut und Gewalt an Frauen&#8220; und steht der Anti-Globalisierungs-Bewegung nahe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist Euch &#252;berlassen, zu erraten, wer wen ausbeutet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zum Beispiel die Sendung Le Complot des cagoles &#252;ber den Streik der Kassiererinnen von Carrefour in Marseille 2008, die man auf der Homepage von Basse intensit&#233; anh&#246;ren kann.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der FHAR war eine revolution&#228;re Organisation feministischer Lesben und schwuler Aktivisten, die von 1970 bis 1974 existierte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir kritisieren den ideologischen Charakter und nicht die Tatsache, diese alten Techniken zu erkunden, die in unserem allt&#228;glichen Leben durchaus n&#252;tzlich sein k&#246;nnen (und die uns nach der Revolution sehr n&#252;tzlich sein werden).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Konzept haben die Feministinnen als Gegenpart zur m&#228;nnlichen Br&#252;derlichkeit entwickelt. Alle Frauen sind Schwestern und m&#252;ssen Verh&#228;ltnisse tiefer Solidarit&#228;t entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Idee wird h&#228;ufig auch von Pro-Feministen* vertreten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rote Zora, &#8222;Jedes Herz ist eine Zeitbombe&#8220; in: Anonym, &lt;i&gt;En Catimini&#8230; histoire et communiqu&#233;s des Rote Zora&lt;/i&gt;, 2009, S. 72. Der Text ist urspr&#252;nglich in &lt;i&gt;Revolution&#228;rer Zorn&lt;/i&gt;, Nr. 6, Januar 1981 erschienen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sogar wenn der dekonstruierte Mann in seinen Kreisen nicht mehr Unterdr&#252;cker w&#228;re, so w&#252;rde er vom System doch immer noch als solcher betrachtet und diese Position als 'Standardeinstellung' ihn weiterhin im Verh&#228;ltnis zu anderen bestimmen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man ist versucht, diese Ideologie mit dem politischen Lesbianismus &#224; la Wittig zu vergleichen. Sie sagt, dass 'die Lesben keine Frauen sind', denn sie entwischen der M&#228;nnerherrschaft in der privaten Sph&#228;re ('La pens&#233;e straight', Monique Wittig, &lt;i&gt;Questions f&#233;ministes&lt;/i&gt;, Nr. 7, Februar 1980). In Wirklichkeit k&#246;nnen die Lesben der individuellen Aneignung entwischen, doch nicht der kollektiven.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann sehr gut Queer sein und an einer grossen Universit&#228;t unterrichten oder das Odeon leiten usw., ohne dass die Institutionen davon ersch&#252;ttert werden. Es ist jedoch schwieriger, Queer und Maurer zu sein...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Anhang.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Ver&#228;nderung der Verhaltensweisen und der Beziehungen zwischen M&#228;nnern und Frauen w&#228;hrend der ersten Zeit der russischen Revolution wird zum Beispiel von Alexandra Kollontai (&lt;i&gt;Marxisme et r&#233;volution sexuelle&lt;/i&gt;, Paris, Masp&#233;ro, 1973) und Clara Zetkin (&lt;i&gt;Batailles pour les femmes&lt;/i&gt;, Paris, Editions sociales, 1980) betont.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Milieux libres (Freie Milieus) sind ein &#220;berbegriff f&#252;r diverse Formen kollektiven libert&#228;ren Zusammenlebens w&#228;hrend der Belle &#201;poque (Ende des 19. Jahrhunderts bis 1914).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sogar &lt;i&gt;Barricata !&lt;/i&gt; (Kulturmagazin der Pariser Redskins). Spezielle Widmung f&#252;r ihre Nr. 21 im Sommer 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie zum Beispiel die &#8222;antipatriarchale Motion&#8220;, welche von der Koordination der anarchistischen Gruppen [Ad&#220;: CGA &#8211; Abspaltung der F&#233;d&#233;ration anarchiste 2002] im November 2011 (zum Preis von Spaltungen) angenommen worden ist, die Geschlechterrollen als System gesellschaftlicher Kategorien pr&#228;sentiert und den Essentialismus deutlich kritisiert. Die Feststellung ist zwar treffend, die vorgeschlagenen L&#246;sungen jedoch etwas gar brav.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie zum Beispiel die Gruppen/Zeitschriften &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;SIC&lt;/i&gt; (siehe Bibliographie, S. 202). In der ultralinken Szene sind sie beinahe die einzigen, welche eine Analyse der Geschlechterrollen wagen und vor allem bekr&#228;ftigen, dass diese notwendig ist (man muss sich selbstverst&#228;ndlich zuerst an ihren sehr speziellen literarischen Stil gew&#246;hnen). Wir sprechen hier von Frankreich, denn die Reflexionen &#252;ber Genderfragen scheinen in anderen L&#228;ndern weniger tabu zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marin Karmitz, &lt;i&gt;Coup pour coup&lt;/i&gt;, Frankreich, 1972.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den Artikel &#252;ber die Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Je nach Land und seinem Entwicklungsstadium organisiert sich das Kapital anders. Gesellschaften, welche man zurecht als &#8222;patriarchal&#8220; qualifizieren kann, gibt es immer noch viele (Maghreb, Asien usw.). Dennoch f&#252;hrt die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise (speziell durch den Eintritt der Frauen in den Arbeitsmarkt) zu einer unvermeidlichen Entwicklung der geschlechtlichen Differenzierung und zum Auftauchen des &#8222;Frauenproblems&#8220; (siehe in China, Nahost, Argentinien usw.). Der Westen kann nicht geographisch abgegrenzt werden; seine Kategorien werden dem Planeten durch die Ausbreitung und Vertiefung der kapitalistischen Produktionsweise aufgedr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was nat&#252;rlich nicht bedeutet, dass die schwarzen, arabischen oder weiblichen Proletarier nicht mehr Diskriminierung und Ausbeutung erdulden m&#252;ssen. Jedes Land braucht &#252;berausgebeutete und unterbezahlte Arbeiter, sie variieren je nach Region.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Staat kann sich jedoch nicht vollst&#228;ndig um die Reproduktion der Arbeitskraft k&#252;mmern, denn das w&#252;rde bedeuten, dass der Arbeiter nicht mehr arbeiten gehen m&#252;sste.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe, f&#252;r jene, die mutig genug sind, &#8222;Distinction de genres, programmatisme et communisation&#8220;, &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 23, Mai 2010, S. 99-128.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die jungen Proletarier, welche in den Arbeitsmarkt eintreten, haben nicht alle den gleichen &#8222;Wert&#8220;, er ist abh&#228;ngig vom Studium und der Ausbildung, welche vom Staat zur Verf&#252;gung gestellt werden (und auch vom kulturellen Kapital der Eltern, das nicht viel mit der Hausarbeit zu tun hat). Der Haushalt ist keine Arbeitskraftfabrik.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von der Hausarbeit der alleinstehenden M&#252;tter profitiert einzig und allein das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;OECD, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Frankreich sind die Frauen zum Beispiel besser ausgebildet als die M&#228;nner. Bildung und Weiterbildung sind eine Investition. Die Mutterschaft schm&#228;lert also die Rendite - f&#252;r die Oberschicht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da ihre Interessen im Widerspruch zu jenen der Kapitalisten sind, k&#246;nnen nur die Proletarier die Revolution &#8222;ausl&#246;sen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Konzept der Kommunisierung st&#246;sst seit einigen Jahre international auf ein gewisses Echo. Siehe Bibliographie, S. 193.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Quatre millions de jeunes travailleurs, &lt;i&gt;Pour un monde sans argent : le communisme&lt;/i&gt;, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Laufe des revolution&#228;ren Kampfes sind die Aufhebung des Staates, des Tausches, der Arbeitsteilung, jeglicher Form des Eigentums, die Ausdehnung der Unentgeltlichkeit zur Vereinigung der menschlichen T&#228;tigkeit, d.h. die Aufhebung der Klassen, der privaten und &#246;ffentlichen Sph&#228;re, &#8222;Massnahmen&#8220;, welche das Kapital aufheben und uns von den Notwendigkeiten selbst des Kampfes gegen die kapitalistische Klasse aufgezwungen werden. Die Revolution ist Kommunisierung, der Kommunismus ist nicht ihr Projekt und Resultat. Man hebt den Kapitalismus nicht f&#252;r, sondern durch den Kommunismus auf, pr&#228;ziser ausgedr&#252;ckt durch seine Hervorbringung.&#8220; &#8222;Editorial&#8220;, &lt;i&gt;SIC&lt;/i&gt;, Nr. 1, November 2011, S. 6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Revolution kann nicht &#8222;antikapitalistisch&#8220; sein. Der Staat ist zum Beispiel nicht an sich kapitalistisch, er ist nur ein Werkzeug im Dienste der herrschenden Klasse. Siehe Bernard Lyon, &#8222;Nous ne sommes pas Anti&#8220;, &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt;, Nr. 2, September 2005, S. 4-6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Gruppe Rage Against the Kebab singt es melodi&#246;s: &#8222;Kommunisieren bedeutet zerst&#246;ren&#8220;, doch nicht nur.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-71&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-71&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;71&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In einen Kampf k&#246;nnen sich der spiessigste Prolet und der idiotischste sozialdemokratische Student ver&#228;ndern. Jene, welche aktiv an K&#228;mpfen mit einem gewissen Ausmass (Mai 68 bis zum CPE) teilgenommen haben, haben das wahrscheinlich gemerkt. Sonst gibt es Hunderte von B&#252;chern zur Geschichte der Klassenk&#228;mpfe, die das zeigen. Selbstverst&#228;ndlich haben die Kapitalisten, die nicht im gleichen Lager sind, nicht den Vorteil dieser Ver&#228;nderung...Was die Spezialbehandlung erkl&#228;rt, welche sie haben werden. Jene, welche in den Proletariern nur unverbesserliche (von Natur aus?) niedertr&#228;chtige, individualistische und egoistische Wesen sehen, verweisen wir auf die vielen Studien zu den Reaktionen der Opfer grosser &#8222;Natur&#8220;katastrophen, wenn der Staat sich nicht einmischt. Sie zum Beispiel in Echanges Nr. 134 (Herbst 2010, S. 70-73) eine Lesenotiz zum Buch von Rebecca Solnit, &lt;i&gt;A Paradise Built in Hell : The Extraordinary Communities That Arise in Disaster&lt;/i&gt; (Penguin Group, 2009).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-72&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-72&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;72&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es w&#228;re notwendig, die Teilnahme von Frauen an den zeitgen&#246;ssischen K&#228;mpfen spezifisch zu analysieren (2001 in Argentinien oder heute an den Streiks in Bangladesch, China, Frankreich usw.).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-73&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-73&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;73&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das wirft eine wohl grundlegende Frage auf, auf die wir nicht wirklich eingegangen sind: Was wird die Reaktion der b&#252;rgerlichen Frauen w&#228;hrend der Revolution sein? Werden sie nur als B&#252;rgerliche intervenieren (Verteidigung ihrer Klasseninteressen) oder ist es vorstellbar, dass sie auch als Frauen intervenieren w&#252;rden? Welche Formen k&#246;nnte dies annehmen? Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, ist Solidarit&#228;t zwischen Frauen jenseits der Klassen vorstellbar? In beide Richtungen? Das wirft eine nicht minder knifflige und genauso grundlegende Frage auf: Gibt es einen Genderwiderspruch? Anders gesagt, gibt es einen doppelten Widerspruch (Klassen- und Genderwiderspruch)? Eine grosse Debatte innerhalb unseres kleinen Teams...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-74&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-74&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;74&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kollontai zeigt zum Beispiel, dass die neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen zu Beginn der Revolution zu einer Aufl&#246;sung der Kernfamilie f&#252;hren (kollektive Kantinen usw.) und dass &#8222;der kommunistische Staat darauf keinen Einfluss hat&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 211.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-75&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-75&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;75&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Brosch&#252;re von Michael Seidman &lt;i&gt;L'Individualisme subversif des femmes &#224; Barcelone dans les ann&#233;es 1930&lt;/i&gt; zeigt den Widerstand der Frauen (Streiks, Ablehnung der Arbeit) gegen das Andauern der alten Welt (in diesem Fall die Beh&#246;rden der CNT-UGT, welche versuchen, die Ausbeutung zu rationalisieren und welche &#252;brigens die Fragen der Reproduktion &#252;berhaupt nicht ber&#252;cksichtigen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-76&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-76&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;76&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die M&#228;nner werden also ihre &#196;rmel hochkrempeln m&#252;ssen (und somit faktisch einen Beitrag zum Ende der geschlechtlichen Differenzierung leisten) oder sie werden es nicht tun (und somit faktisch den revolution&#228;ren Prozess hemmen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-77&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-77&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;77&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein von einigen vorgebrachtes Beispiel ist die Gr&#252;ndung des Movimiento de Mujeres Desocupadas 2005, eine Abspaltung der dominanten Bewegung der &lt;i&gt;piqueteros&lt;/i&gt;. Siehe Bruno Astarian, &lt;i&gt;Le Mouvement des piqueteros. Argentine 1994-2006&lt;/i&gt;, Paris, Echanges et Mouvement, 2007, S. 42-43.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-78&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-78&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;78&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es wird wohl immer noch einige Hinterw&#228;ldler geben, die heiraten m&#246;chten, um zum Beispiel &#8222;ihre Liebe zu beweisen&#8220;, doch es wird keinen B&#252;rgermeister mehr geben, um es zu tun, kein Zivilstandsregister, um ihn einzutragen, kein Gesetz, um die Rahmenbedingungen zu definieren usw. (schade f&#252;r die Homosexuellen, die ihr neues Recht verlieren werden!) Es wird wohl auch einige andere geben, die Autorit&#228;t, Disziplin &#8222;brauchen&#8220; oder Machtgel&#252;ste haben - doch es wird, im Gegensatz zur aktuellen Welt, nichts mehr geben, um derartige &#8222;Macken&#8220; auszuleben...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-79&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-79&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;79&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Vergleich zu kapitalistischen Kriterien wird der kommunistische &#220;berfluss wom&#246;glich ziemlich einfach und d&#252;rftig sein.&#8220; Collectif, &lt;i&gt;Histoire critique de l'ultragauche&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2009, S. 205.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-80&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-80&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;80&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den russischen und spanischen Episoden findet man h&#228;ufig die Figur des Revolution&#228;rs, der nach seinem Tag der Militanz nach Hause geht, wo die M&#228;nnerherrschaft weitergeht und wo er sich also als Ehemann und seine Frau als M&#228;dchen f&#252;r alles verh&#228;lt...Doch in diesem Fall nehmen die Frauen nicht am Kampf teil und der revolution&#228;re Prozess ist schon gehemmt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-81&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-81&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;81&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Paola Tabet, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.: Um die niedrige Fruchtbarkeit der menschlichen Spezies zu kompensieren, ist es n&#246;tig, dass die Frauen auf optimale Art und Weise dem Koitus, und somit dem Schwangerschaftsrisiko ausgesetzt sind. Die beste Technik ist die Heirat (oder das Paar). Dadurch sind die Frauen zwar nicht &#8222;immer empf&#228;nglich&#8220;, doch sie sind &#8222;immer begattbar&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-82&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-82&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;82&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Genosse denkt, dass wir im Kommunismus &#8222;keine Kinder mehr haben, doch &#252;berall Kinder sein werden&#8220;. Ein anderer denkt, dass &#8222;wir &#252;berhaupt keine mehr machen werden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-83&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-83&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;83&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn uns etwas bewusst werden sollte, so sind es vor allem unsere Grenzen und die Bescheidenheit unserer Aktionen und F&#228;higkeiten. Wie es der Volksmund so sch&#246;n sagt: &#8222;Es sind nicht die Revolution&#228;re, welche die Revolution machen werden, sondern die Revolution, welche die Revolution&#228;re machen wird&#8220;. Wir sind eben ziemlich unbedeutend...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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