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		<title>Il lato cattivo - Noch mal zu Covid-19 und dar&#252;ber hinaus</title>
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&lt;p&gt;Eine Aktualisierung &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929, die man richtiger den Weltwirtschaftszusammenbruch oder die Weltniederlage des liberalen Kapitalismus nennen m&#252;&#223;te, trat der Ernstfall f&#252;r die gesamte kapitalistische Welt ein. [&#8230;] Die pers&#246;nliche Erfahrung verband sich mit der kollektiven der politisch-ideologischen Lagerbildung. Was der einzelne auch dachte oder tat, es blieb nicht seine pers&#246;nliche Sache, sondern geriet, mit oder ohne sein Zutun, ins Gravitationsfeld der (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton72.png?1689271625' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='106' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine Aktualisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929, die man richtiger den Weltwirtschaftszusammenbruch oder die Weltniederlage des liberalen Kapitalismus nennen m&#252;&#223;te, trat der Ernstfall f&#252;r die gesamte kapitalistische Welt ein. [&#8230;] Die pers&#246;nliche Erfahrung verband sich mit der kollektiven der politisch-ideologischen Lagerbildung. Was der einzelne auch dachte oder tat, es blieb nicht seine pers&#246;nliche Sache, sondern geriet, mit oder ohne sein Zutun, ins Gravitationsfeld der nunmehr herrschenden materiellen Not und der &#252;ber ihr sich erhebenden politischen Ideologien.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wolfgang Schivelbusch, &lt;i&gt;Entfernte Verwandtschaft. Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal 1933-1939&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einleitung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zehn Monate nach der Ver&#246;ffentlichung von &#8222;Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hier verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist der Moment gekommen, die Gesamtheit dieser Analysen und Hypothesen, die mehr oder weniger &#8222;als Momentaufnahme&#8220; formuliert worden waren, noch einmal kurz zu &#252;berpr&#252;fen, um zu erkennen, wo wir Recht hatten und wo es, in Anbetracht des zwischenzeitlichen Verlaufs, notwendig ist, das Visier anzupassen. In einer zweiten Phase werden wir &lt;i&gt;einige&lt;/i&gt; bedeutende Momente dieser &lt;i&gt;ersten Phase&lt;/i&gt; der globalen Krise isolieren und eine Analyse daf&#252;r bieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rekapitulieren wir zuerst jene Elemente unserer Diagnose, von welchen uns scheint, dass sie vom Verlauf der Ereignisse best&#228;tigt worden sind. Die Pandemie der Covid-19 stand dort f&#252;r eine Vielzahl an objektiven Bedeutungen und Funktionen, deren Zusammenfassung wir hier versuchen werden. Sie symbolisierte dort gleichzeitig (und ohne besondere Reihenfolge):&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;eine &lt;i&gt;Tatsache&lt;/i&gt; einer erwiesenen Schwere von einem medizinisch-gesundheitlichen Standpunkt aus (das scheint offensichtlich, aber zur Vermeidung von Missverst&#228;ndnissen&#8230;), somit daf&#252;r bestimmt, w&#228;hrend einer gewissen Zeit anzudauern;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;St&#246;rfaktor&lt;/i&gt; der interkapitalistischen Konkurrenz, der dazu imstande ist, gewisse Gleichgewichte und Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse davon zu modifizieren;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;Ausl&#246;ser&lt;/i&gt; einer gigantischen Wirtschaftskrise, die schon seit einiger Zeit unter der Asche schwelte;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;Indikator&lt;/i&gt; f&#252;r die von der Globalisierung des Kapitals und der ihr zur Erf&#252;llung der Funktion der Gesamtverwaltung der interkapitalistischen Konkurrenz (&#8222;ideeller Gesamtkapitalist&#8220;) inh&#228;renten Multi-Level-Governance erreichten Grenzen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;ein &lt;i&gt;Moment&lt;/i&gt; eines breiteren, noch in den Kinderschuhen steckenden &#220;bergangs hin zu einer &#220;berwindung-Demontage der Globalisierung (und der Multi-Level-Governance selbst).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Zu den vorhergehenden Punkten k&#246;nnen wir folgende zugrundeliegenden Orientierungen der Analyse hinzuf&#252;gen:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;die Kritik jeglicher Theorie des automatischen Zusammenbruchs &#8211; sei sie &lt;i&gt;sub specie pestilentiae&lt;/i&gt; &#8211; der kapitalistischen Produktionsweise und jeglicher Sichtweise, die eine lineare Entwicklung vom gesundheitlichen Notstand zur Wirtschaftskrise und von dort zu einer unmittelbar antikapitalistischen und internationalen Massenpraxis postuliert;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die erneute Bekr&#228;ftigung der Kategorie der &lt;i&gt;ungleichm&#228;ssigen Entwicklung&lt;/i&gt; im breiten Sinne, unumg&#228;nglich zur Erfassung der Wirkung der Pandemie auf die verschiedenen nationalen und regionalen Zonen, die verschiedenen Branchen der Produktion und der Zirkulation des Mehrwerts, die verschiedenen Einzelkapitale usw. &#8211; eine Wirkungsverschiedenheit, die sich auch, wenn auch gewiss nicht auf mechanische Art und Weise, in der Heterogenit&#228;t der politischen und gesellschaftlichen Reaktionen in Anbetracht des gesundheitlichen Notstands ausdr&#252;ckt (und auch in Anbetracht der Wirtschaftskrise, f&#252;gen wir hier an, wir werden sp&#228;ter darauf zur&#252;ckkommen);&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die &#220;berzeugung, dass das Niveau des Drucks auf die Gesundheitssysteme &#8211; eher als die absolute Zahl der Todesf&#228;lle oder Ansteckungen &#8211; der entscheidende Faktor f&#252;r die Ergreifung der auf eine Begrenzung der Mobilit&#228;t der Individuen und, mit ihnen, der Ausbreitung des Virus abzielenden Massnahmen durch die Nationalstaaten sein w&#252;rde (wir beziehen uns hier auf den uns naheliegendsten Kontext, jenen des kontinentalen Westeuropas).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Umgekehrt kann man, unter den zweifelhaften oder nur teilweise durch die Tatsachen best&#228;tigten Elementen, deren Auswertung langfristig neu aufgegriffen werden muss, folgende kurz aufz&#228;hlen und kommentieren:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese, gem&#228;ss welcher die momentane Abtrennung der globalisierten Wertsch&#246;pfungsketten zu einer allgemeinen Infragestellung der Externalisierung &#252;ber grosse Distanzen hinweg f&#252;hren w&#252;rde. Zu diesem Punkt ist es bis jetzt nicht m&#246;glich, eindeutige Aussagen zu formulieren. Es jedoch sicher, dass diese Ketten durch die Coronakrise auf eine harte Probe gestellt worden sind und gegenw&#228;rtig noch neu definiert werden. Gem&#228;ss den besten globalistisch orientierten Kommentatoren scheinen die Befehlsgeber bis jetzt eine Diversifizierung der Versorgungsl&#246;sungen gegen&#252;ber einem brutalen Bruch mit den g&#228;ngigen Wirtschaftsmodellen zu bevorzugen. Dies h&#228;ngt mit dem Fortbestand, dank &#246;ffentlichen Zusch&#252;ssen und erleichterten Kreditbedingungen, eines immer noch sehr breiten N&#228;hrbodens an Zulieferern zusammen. Eine Vertiefung der Krise w&#252;rde notwendigerweise mit einer Schwindung dieses N&#228;hrbodens einhergehen, aber es ist unm&#246;glich, den Zeitrahmen davon zu formulieren.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die &#220;berzeugung, dass der gesundheitliche Notstand, auf Gedeih und Verderb, die Gesellschaft wieder zusammengeschweisst h&#228;tte (das Proletariat eingeschlossen), zumindest kurzfristig. Das schien sich in der allerersten Phase der Ausbreitung der Pandemie zu best&#228;tigen, doch es ist heutzutage immer weniger der Fall, da der gesundheitliche Notstand endemisch und Teil einer neuen Definition der allt&#228;glichen Normalit&#228;t zu werden scheint &#8211; eine neue Normalit&#228;t, die Reaktionen hervorruft, die ebenfalls hinsichtlich der Einkommensquellen und der Stellung in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung verschieden sind. Die Tatsache, dass die verschiedenen Einkommensquellen und Stellungen sehr ungleichm&#228;ssig von der Wirtschaftskrise betroffen sind, &lt;i&gt;tendiert&lt;/i&gt; dazu, einen vertikalen, &lt;i&gt;alle&lt;/i&gt; Klassen durchdringenden Bruch zwischen &#8222;Gesicherten&#8220; und &#8222;Ungesicherten&#8220; zu &#246;ffnen (&#246;ffentlicher Sektor vs. privater Sektor, stabile Jobs vs. prek&#228;re Jobs, wesentliche Sektoren vs. verzichtbare Sektoren, Grossunternehmen vs. Familienunternehmen, formelle Wirtschaft vs. informelle Wirtschaft, Junge vs. Alte usw.); die Staaten versuchen, ihn mit Ad-hoc-Massnahmen notd&#252;rftig zu flicken, um die Unzufriedenheiten auf einem tolerierbaren Niveau zu halten, doch das werden sie nicht ewig tun k&#246;nnen, umso weniger, als dass die Eliminierung der Nachz&#252;gler und der nicht rentablen Subjekte und Sektoren (Zombieunternehmen, zur&#252;ckgebliebene Elemente im terti&#228;ren Sektor usw.) eine Notwendigkeit ist, die zumindest einem Teil der Funktion&#228;re des grossen Kapitals bewusst ist.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese, dass die in den verschiedenen nationalen Kontexten getroffenen Massnahmen gegen die Krise den Weg f&#252;r Formen der gemischten Wirtschaft oder gar des Staatskapitalismus geebnet haben. Man sollte hier darauf achten, sich nicht von den Erscheinungen und den banalsten Gemeinpl&#228;tzen t&#228;uschen zu lassen: Massnahmen (stets partiell) kapitalistischer Planung k&#246;nnen auf verschiedene Art und Weise umgesetzt werden. Die verschiedenen Deklinationen kapitalistischer Politik nach der Krise von 1929 und besonders das Beispiel des Nationalsozialismus &#8211; der Privatisierungen und eine strenge politische Kontrolle des Kredits kombinierte &#8211; zeigen es ausf&#252;hrlich. Wird eine Zentralbank (sagen wir die Fed oder die EZB), die damit beginnt, Schuldscheine gewisser industrieller Unternehmen gem&#228;ss sehr pr&#228;zisen wirtschaftlichen oder politischen Kriterien zu kaufen, nicht somit zu einem Planungsorgan? An diesem Punkt sind wir noch nicht angelangt, aber wom&#246;glich nicht weit davon entfernt. Es sei nebenbei erw&#228;hnt, dass es oberfl&#228;chlich w&#228;re, im Vornhinein auszuschliessen, dass die Modern Monetary Theory (MMT) und ihre Vorschl&#228;ge bez&#252;glich Wirtschaftspolitik in dieser Handlung eine Rolle spielen k&#246;nnten, wenn sie auch begrenzt sein mag. Vergessen wir nicht, dass die theoretischen und praktischen Grenzen des Keynesianismus ihn nicht daran gehindert haben, in der zweiten Nachkriegszeit &lt;i&gt;auf beiden Seiten&lt;/i&gt; zum vorherrschenden wirtschaftlichen Glaubensbekenntnis zu werden. Die grossen Wendepunkte in der Geschichte der Wirtschaftspolitik des Kapitals gehorchen keiner abstrakten Rationalit&#228;t, sondern dem pragmatischen Imperativ, punktuelle L&#246;sungen f&#252;r punktuelle Probleme zu finden &#8211; L&#246;sungen, die sich mit der Zeit in neue Probleme verwandeln und neue L&#246;sungen erfordern. Als der junge Bucharin 1915 bekr&#228;ftigte, dass &#8222;der Staatskapitalismus das Grenzkonzept unserer Epoche ist&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nikolai Bucharin, &#8222;Zur Theorie des imperialistischen Staates&#8220;, 1915. Hier (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, war die Verstaatlichung der miteinander im Krieg stehenden Kapitalismen, auf welche er den Fokus richtete, viel beschr&#228;nkter als einige Jahrzehnte sp&#228;ter und Bucharin selbst konnte sich nicht ausmalen, inwiefern die Geschichte ihm Recht geben w&#252;rde. Trotzdem ist die von einigen Staatschefs (nicht allen) benutzte Metapher des Krieges &#8211; jenseits der Anforderungen der medialen Kommunikation &#8211; weit davon entfernt, die Wahrheit des gegenw&#228;rtigen Moments angemessen auszudr&#252;cken. Es scheint uns offensichtlich, dass die meisten westlichen Staaten sich durch eine besonders improvisierte und kurzsichtige Verwaltung der Pandemie (Impfungen eingeschlossen) auszeichnen. Wie es in &#8222;Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&#8220; angesprochen wurde, steht die Schwierigkeit der am meisten von der Globalisierung des Kapitals formatierten staatlichen Verb&#252;nde, auf ad&#228;quate Art und Weise die Funktion des &#8222;ideellen Gesamtkapitalisten&#8220; zu erf&#252;llen, im Zentrum dieser Krise. Es w&#228;re passender, von einer Etappe im Marsch in Richtung Krieg zu sprechen (pr&#228;ziser: in Richtung einer Wiederaufnahme der milit&#228;rischen Konflikte zwischen zentralen Akkumulationszonen). Doch inmitten von Bev&#246;lkerungen, die den unumkehrbaren Charakter der zahlreichen laufenden Transformationen weitgehend nicht verstehen und nur das Leben &#8222;zuvor&#8220; zur&#252;ckverlangen &#8211; was man verstehen kann &#8211;, ist es schwierig, erkl&#228;ren zu m&#252;ssen, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht. Es ist auch nicht sicher, dass ihre politischen Repr&#228;sentanten, kollektiv genommen, sich dessen besser bewusst sind. Auch hier wird die Selektion der F&#228;higsten f&#252;r das neue Szenario die Regel sein und man sieht schon die ersten Scharm&#252;tzel (siehe das Resultat der Man&#246;ver von Matteo Renzi in Italien).&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese einer Verschlimmerung der handelspolitischen und milit&#228;rischen Spannungen zwischen den USA und China bis hin zu einer M&#246;glichkeit direkter milit&#228;rischer Konfrontationen. Wir verweisen hier auf die in der Fortsetzung des Texts verstreuten Betrachtungen, in welchen solche Spannungen &#8211; nicht nur zwischen den beiden globalen Favoriten, USA und China &#8211; eine gewisse Bedeutung als indirekter Indikator der produktiven &#220;berkapazit&#228;t, Tr&#228;gerin von wachsenden Spannungen rund um die Kontrolle und die Eroberung von M&#228;rkten, auf einem globalen Niveau erlangen; unter der Gefahr, in den Vulg&#228;rmarxismus zur&#252;ckzufallen, kann man sagen, dass diese Spannungen nichts anderes sind als ein Effekt des Zwanges, der die kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse aktuell &#252;ber die schon entwickelten Produktivkr&#228;fte aus&#252;ben. Beschr&#228;nken wir uns vorerst darauf, den j&#252;ngsten Bericht NATO 2030 zu zitieren, er wurde letzten Dezember ver&#246;ffentlicht und dr&#252;ckt die klare Absicht aus, die westliche Einheit rund um das Containment Chinas wieder zu erreichen, das priorit&#228;re Anliegen des Atlantischen B&#252;ndnisses. Die Frage, ob die NATO f&#228;hig ist, sich den andauernden internen Zentrifugalkr&#228;ften zu widersetzen, ist eine andere Geschichte.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Dieser kurze &#220;berblick wird n&#252;tzlich sein, um sich in den folgenden Analysen zu orientieren. Wie wir es schon vorweggenommen haben, haben sie nicht den Anspruch, die laufenden Entwicklungen seit dem Beginn der Coronakrise vollst&#228;ndig zusammenzufassen. Viele dieser Entwicklungen &#8211; Geldpolitik, Gesundheitspolitik (Impfungen), technologischer Sprung usw. &#8211; w&#252;rden eine eigenst&#228;ndige Behandlung verdienen. Es sind eher &#8222;Momentaufnahmen&#8220;, Bruchst&#252;cke, die &#8211; wenn auch kein Verst&#228;ndnis des Gesamtbildes &#8211; zumindest eine Intuition daf&#252;r erlauben sollten. Wir sind nach wie vor &#252;berzeugt, dass es mithilfe einer brauchbaren Einf&#252;hrung in die Kritik der politischen &#214;konomie und die materialistische Konzeption der Geschichte sowie einigen Begriffen der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Geschichte immer noch m&#246;glich ist, erfolgreich zwei oder drei &#220;berlegungen oder sogar Vorhersagen zu machen, die solider sind, als jene, welche von den Denkorganen der kapitalistischen Klasse produziert werden (trotzdem muss man wissen, wie man sie nutzen kann). Die &#8222;epistemische&#8220; Position ist untrennbar mit der &#8222;politischen&#8220; (oder, wenn man es bevorzugt, antipolitischen) Position verbunden: &#8222;Soweit solche Kritik [der politischen &#214;konomie] &#252;berhaupt eine Klasse vertritt, kann sie nur die Klasse vertreten, deren geschichtlicher Beruf die Umw&#228;lzung der kapitalistischen Produktionsweise und die schlie&#223;liche Abschaffung der Klassen ist - das Proletariat.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, &#8222;Nachwort zur zweiten Auflage&#8220; in MEW, Bd. 23, S. 22.&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Auch hier wird uns nur die Zeit zeigen, ob diese Vorannahmen ihre Richtigkeit behalten. Aber, wie wir es soeben gesagt haben, der kognitive Aspekt impliziert das Axiom der Klassendeterminierung, ihres entscheidenden Charakters bez&#252;glich dem Verlauf der gegenw&#228;rtigen und vor allem der k&#252;nftigen Ereignisse. Wenn das eine Element f&#228;llt, f&#228;llt auch das andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;***&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;USA&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berlassen wir den Historikern die Aufgabe, die (unserer Meinung nach total unrealistische) Hypothese zu widerlegen oder zu best&#228;tigen, gem&#228;ss welcher die USA am 6. Januar 2021 knapp einem Staatsstreich entgangen seien. Wie dem auch sei, die Ereignisse dieses Tages repr&#228;sentieren f&#252;r die &#8222;Figur&#8220; Trump das De Profundis am Ende eines Niedergangs, der zwischen Ende 2019 und Anfang 2020 mit den ersten klaren Symptomen der durch die Pandemie bloss beschleunigten Ersch&#246;pfung des industriellen und finanziellen Zyklus begonnen hatte. Bis dahin schien seine Wiederwahl wahrscheinlich, umso mehr weil die Kandidatur von Joe Biden im gegnerischen Lager nicht im Geringsten Enthusiasmus ausl&#246;ste und die Umfragen (in welchen Trumps Vorsprung wenig markant war) schon ihre mangelnde Verl&#228;sslichkeit unter Beweis gestellt hatten. Es sollte hier betont werden, dass, trotz der Neutralisierung eines betr&#228;chtlichen Teils des Wahlprogramms von Trump durch seine eigene Administration, besonders betreffend der Wiederbelebung der amerikanischen Industrie, die Pr&#228;sidentschaft von Trump f&#252;r die amerikanische Wirtschaft eine relativ florierende Periode war, gepr&#228;gt vom Wachstum der Reall&#246;hne (siehe die Graphik weiter unten), einer Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der besten Erwerbst&#228;tigenquote der schwarzen und lateinamerikanischen Minderheiten in der Geschichte der USA (was uns nat&#252;rlich nichts &#252;ber die Qualit&#228;t ihrer Jobs sagt, aber trotzdem&#8230;). Die Tatsache, dass Trump nicht oder kaum f&#252;r diese Zahlen verantwortlich ist, &#228;ndert an der Sache nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graphik 1: Entwicklung der Reall&#246;hne in den USA (1960-2020)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_32 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L439xH287/10000000000002c8000001d255fbc079edaf2455-f3f9d.jpg?1784181573' width='439' height='287' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;F&#252;gen wir hinzu, dass die Ablehnung des Multilateralismus in der Aussenpolitik &#8211; die schon vor Trump vorbereitet worden war, aber wovon er, sogar ungewollt, das international anerkannte Symbol geworden ist &#8211; unleugbar an mehreren Fronten ihre Effizienz (Handels- und Zollpolitik vor allem) gezeigt hat, dazu kommt die &lt;i&gt;innenpolitische&lt;/i&gt; Popularit&#228;t des milit&#228;rischen R&#252;ckzugs aus dem Mittleren Osten und Nordafrika nach den Missgeschicken in Afghanistan, im Irak, in Syrien und in Libyen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Coronakrise hat dieses Szenario grundlegend modifiziert, indem sie zutiefst in der Geschichte der amerikanischen Gesellschaft verankerte Probleme sichtbar gemacht hat: Allen voran die Funktionsst&#246;rungen eines halbprivaten Gesundheitssystems, in welchem die Krankenversicherung grosser Teile der Bev&#246;lkerung durch die Erwerbst&#228;tigkeit konditioniert ist &#8211; die eigene oder jene des Ehepartners &#8211; und somit durch die M&#246;glichkeit, erwerbst&#228;tig zu sein; daher kommt die explosive Kombination der Wirtschaftskrise und des gesundheitlichen Notstands f&#252;r die Afroamerikaner, unter welchen die Arbeitslosenzahlen h&#246;her sind als in der allgemeinen Bev&#246;lkerung und unter den anderen Minderheiten. Aber auch die Heftigkeit der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, wovon das Niveau der Polizeibrutalit&#228;t nur ein Widerschein ist, und die Zerbrechlichkeit einer institutionellen Architektur, in welcher die subnationalen &#8211; ethnischen, &lt;i&gt;aber auch religi&#246;sen&lt;/i&gt; &#8211; Gemeinschaften als &lt;i&gt;Ersatz&lt;/i&gt; f&#252;r die Interessenvertreter, als Vermittlungsinstanz zwischen der Zivilgesellschaft und der politischen Macht funktionieren. In diesem Rahmen erlangt die &lt;i&gt;schwarze Frage&lt;/i&gt; eine besondere Bedeutung, die weder durch die universit&#228;re Intersektionalit&#228;t, noch die grunds&#228;tzliche Ablehnung nationaler Fragen angemessen erfasst werden kann. Obwohl es wahr ist, dass die Ungleichheiten in den USA und der gesamten angels&#228;chsischen Welt im Verlauf der letzten 40 Jahre wortw&#246;rtlich explodiert sind, sind die Ungleichheiten &lt;i&gt;auf ethnischer Grundlage&lt;/i&gt; hingegen reduziert worden, sowohl aufgrund der relativen Verarmung der &#8222;kaukasisch&#8220; genannten Bev&#246;lkerungen, die in der geringeren Lebenserwartung klar sichtbar wird, als auch der Verbesserung der Bedingung der Einwanderer, gem&#228;ssigt f&#252;r die Lateinamerikaner, aber betr&#228;chtlich f&#252;r die Asiaten, die aktuell das bedeutendste Kontingent der Migrationsfl&#252;sse in Richtung USA sind und einen beeindruckenden sozio&#246;konomischen Aufstieg verzeichnen. Die Afroamerikaner, die ungef&#228;hr 15% der amerikanischen Bev&#246;lkerung ausmachen und die &#8211; im Gegensatz zu den Asiaten und den Lateinamerikanern &#8211; nicht als &#8222;Einwanderer&#8220; betrachtet werden k&#246;nnen (das ist eine Binsenwahrheit, aber es muss pr&#228;zisiert werden), sind weniger als die anderen an dieser relativen Angleichung beteiligt. Das wird offensichtlich, wenn man die ethnischen Statistiken betreffend des Niveaus der Schulabschl&#252;sse und des Abschlusses h&#246;herer Studien untersucht (siehe die untenstehende Tabelle).&lt;/p&gt;
&lt;table class=&#034;table spip&#034;&gt;
&lt;thead&gt;&lt;tr class='row_first'&gt;&lt;th id='id6e35_c0'&gt;Ethnizit&#228;t&lt;/th&gt;&lt;th id='id6e35_c1' colspan='2'&gt;% Bachelor auf dem Niveau der High School (oder dar&#252;ber)&lt;/th&gt;&lt;th id='id6e35_c3' colspan='2'&gt;% Diplomierte auf dem Niveau College (oder dar&#252;ber)&lt;/th&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/thead&gt;
&lt;tbody&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;2000&lt;/td&gt;
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&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Weisse&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;83.3&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;90.2&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;24.6&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;35.2&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Afroamerikaner&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;72.1&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;87.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;13.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;25.2&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Lateinamerikaner&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;52.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;71.6&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;8.4&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;18.3&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Asiaten (+ pazifische Inseln)&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;79.7&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;90.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;37&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;56.5&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Total&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;78.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;89.8&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;21.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;35&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;a href=&#034;https://www.statista.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;U.S. Census Bureau&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man wird &#228;hnliche Daten finden, wenn man die Arbeitslosenquote, die Lebenserwartung und die Lebenserwartung in guter Gesundheit, sowie den Inzidenzwert von Krankheiten wie Diabetes und Krebs untersucht. Noch klarere Diskrepanzen zwischen Afroamerikanern und dem nationalen Durchschnitt findet man bei der Kindersterblichkeit, der Fertilit&#228;tsrate und dem Anteil der gemischten Ehen, diese sind klar r&#252;ckl&#228;ufig (die Ehen zwischen Schwarzen und Weissen sind wieder zu einem Tabu geworden). In ihrer Gesamtheit legen diese Indikatoren nahe, dass ein betr&#228;chtlicher Anteil der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung sich zunehmend als eine Enklave innerhalb der amerikanischen Gesellschaft reproduziert, sogar hinsichtlich der Kultur und des demographischen Verhaltens. In anderen Worten stellt sich die schwarze Frage &#8211; wovon die Black Power der 1960er und 1970er Jahre in ihren vielf&#228;ltigen und konfliktreichen (auch unternehmerischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;In Opelousas im Bundesstaat Louisiana wurde eine Genossenschaft f&#252;r den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) Auspr&#228;gungen der letzte massenhaft organisierte Ausdruck war &#8211; in einem wahrscheinlich ver&#228;nderten Kontext, in welchem jedoch jene Bedingungen fortbestehen, welche ihre L&#246;sung in der Vergangenheit verunm&#246;glichten: Einerseits die Unm&#246;glichkeit jeglicher territorialen Sezession der Afroamerikaner, andererseits der gesellschaftlich zugleich gemischte und &lt;i&gt;nicht genug&lt;/i&gt; gemischte Charakter der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung &#8211; im Klartext, die Abwesenheit einer dem Nationalismus verpflichteten Grossbourgeoisie, die nicht mit der Pr&#228;senz einer schwarzen Kleinbourgeoisie und (besonders heutzutage) einer schwarzen lohnabh&#228;ngigen Mittelklasse kompensiert werden kann und die gleichzeitig nicht ausreicht, um die schwarze Frage als einfache Klassenfrage (die Afroamerikaner als eine Fraktion unter anderen des amerikanischen Proletariats) zu behandeln. In diesem Sinne kann man vielleicht das von Abraham L&#233;on in seiner Abhandlung &#252;ber die j&#252;dische Frage ausgearbeitete Konzept der &lt;i&gt;Volksklasse&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Abraham L&#233;on, Die j&#252;dische Frage. Eine marxistische Analyse, Essen, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; einsetzen, nicht ohne zu betonen, dass eine Minderheit zwar, aber ein konsequenter Teil der Afroamerikaner davon ausgenommen ist, da er perfekt ins wirtschaftliche, politische und kulturelle Establishment integriert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall kamen diese Determinierungen in der nach dem Mord an George Floyd entstandenen sozialen Bewegung voll zum Tragen und es ist falsch, sie als multiethnische und rein proletarische Bewegung zu analysieren. Es handelte sich eher um eine Explosion der Krawalle und Pl&#252;nderungen von gewissen Randgruppen des amerikanischen (tats&#228;chlich nicht nur schwarzen) Proletariats, die sich schnell in eine antirassistische &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; Bewegung verwandelte &#8211; sie war wesentlich von den am meisten politisierten Fraktionen der afroamerikanischen Mittelklassen (Black Lives Matter) und einer radikalen Fraktion der &lt;i&gt;white liberals&lt;/i&gt; angetrieben &#8211; begleitet von episodischen Wiedererscheinungen der urspr&#252;nglichen sozialen Zusammensetzung. Nach Ferguson (2014) und Baltimore (2015) war die Ausbreitung einer solchen Bewegung auf nationaler Ebene als Reaktion auf irgendeine Untat absolut vorhersehbar&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Jahr 2017 bekr&#228;ftigten wir, dass &#8222;die M&#246;glichkeit neuer &#8218;Verwachsungen&#8216; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was ihre Bedeutung ausmacht, ist die Tatsache, dass sie &#8211; im durch den Arabischen Fr&#252;hling begonnenen Zyklus der interklassistischen Bewegungen &#8211; die erste dieser Bewegungen im nordamerikanischen Raum ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie die durch die &#8222;friedliche&#8220; Komponente der Bewegung in breiten Schichten der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;ste Sympathie (ein Indiz f&#252;r die Wahrnehmung der schwarzen Frage) und die eventuellen Auswirkungen auf den Wahlausgang untersch&#228;tzte oder nicht ber&#252;cksichtigte, war die Antwort der Administration Trumps eine reine Law-and-Order-Politik. Eine Antwort, die den &lt;i&gt;deep &lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt;&lt;i&gt;tate&lt;/i&gt; nicht &#252;berzeugte (siehe die Weigerung des Chefs des Pentagons, die Armee zu mobilisieren) und die, kombiniert mit einer unheilvollen Kommunikation an der Front der Pandemie&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Betreffend der tats&#228;chlichen Verwaltung der Pandemie, die in den USA, wie in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, einerseits zum Fortbestand der sozialen Bewegung und der Radikalisierung gewisser ihrer Komponenten, andererseits zur Ersch&#252;tterung der kontroversesten Sektoren von Trumps Wahlbasis (Qanon usw.) beitrug. Die Wichtigkeit dieser Sektoren sollte nicht &#252;bertrieben werden: Verglichen mit der Gesamtheit von Trumps W&#228;hlern 2020 sind sie unbedeutend. Wie es schon zahlreiche Kommentatoren betonten, deutet die Analyse des Wahlresultats trotz der Niederlage nicht nur die absolute Zunahme der Stimmen f&#252;r Trump gegen&#252;ber 2016 (ungef&#228;hr 10 Millionen Stimmen mehr) und seinen Vorteil gegen&#252;ber Biden nach der Abrechnung der Stimmen aus der Briefwahl&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Trotz dem in absoluten Zahlen offensichtlichen Vorteil (ungef&#228;hr 7 Millionen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (wovon uns die Frage ihrer Legitimit&#228;t nicht interessiert) an, sondern auch auf der Ebene fast aller ethnischen und sozioprofessionellen Kategorien mit Ausnahme jener der &#8222;kaukasischen&#8220; F&#252;hrungskr&#228;fte. Die Entzifferung der Wahldaten ist im &#220;brigen alles andere als eine einfache Aufgabe. Die Kriterien der ethnischen Zugeh&#246;rigkeit, der Altersgruppe und des Geschlechts erweisen sich als am lesbarsten: W&#228;hrend 89% der schwarzen W&#228;hler und 63% der Latinos f&#252;r Biden optierten (gegen&#252;ber 7 bzw. 34% f&#252;r Trump &#8211; Prozentzahlen, die trotz allem h&#246;her sind als 2016), bevorzugten 53% der weissen W&#228;hler Trump (gegen&#252;ber 45% f&#252;r Biden); w&#228;hrend 61% der W&#228;hler zwischen 18 und 29 Biden bevorzugten (gegen&#252;ber 36% f&#252;r Trump), stimmten 51% der W&#228;hler zwischen 45 und 64 f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 47% f&#252;r Biden); w&#228;hrend sich 54% der W&#228;hlerinnen f&#252;r Biden entschieden (gegen&#252;ber 45% f&#252;r Trump), stimmten 52% der W&#228;hler f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 46% f&#252;r Biden). Die Analyse der Wahl hinsichtlich der Einkommen und der Bildungsniveaus zeigt ein entschieden weniger eindeutiges Bild. Obwohl Leute mit niederem und mittlerem Einkommen, niedriger als 50&#8216;000 Dollar pro Jahr, scheinbar Biden bevorzugen (53% gegen&#252;ber 45% f&#252;r Trump), ist die Situation umgekehrt, wenn man die Polarisierung innerhalb dieser Einkommensschicht ber&#252;cksichtigt, das Bildungsniveau erweist sich als determinierend: W&#228;hrend 56% der W&#228;hler mit einem Doktortitel f&#252;r Biden optierten (gegen&#252;ber 41% f&#252;r Trump), stimmten 53% ohne Hochschulabschluss f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 46% f&#252;r Biden). Es ist &#252;brigens ziemlich nutzlos, sich auf die Stimmenthaltung zu berufen, um die Fremdheit des amerikanischen Proletariats gegen&#252;ber der Wahlschlacht zu bekr&#228;ftigen, da wir die gr&#246;sste Stimmbeteiligung an den Pr&#228;sidentschaftswahlen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verzeichneten und sich die h&#246;chsten Stimmenthaltungen auf variable Art und Weise zwischen den zuvor zitierten gesellschaftlichen Klassen und Gruppen verteilen, diese Zahl ist h&#246;her unter den Jungen, den Schwarzen und den Spanischsprachigen, aber auch unter jenen mit dem &lt;i&gt;h&#246;chsten&lt;/i&gt; Bildungsniveau (Doktorat oder Postdoc) und dem &lt;i&gt;h&#246;chsten&lt;/i&gt; Einkommen (h&#246;her als 100&#8216;000 Dollar pro Jahr). Sich um die Wahlen zu foutieren, ist eine obligate Entscheidung f&#252;r einige, ein Luxus f&#252;r andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist auf jeden Fall schwierig, einen &#8222;Bierkeller-Putsch&#8220; in der &lt;i&gt;unentbehrlichen Nation&lt;/i&gt; zu konzipieren, die einzige, deren Wahlen 24 Stunden am Tag in der ganzen Welt ausgestrahlt werden: &lt;i&gt;The show must go on&lt;/i&gt;! Es ist wahrscheinlicher, dass Trump in eine Falle geraten ist, die man ihm von verschiedenen Seiten stellte: F&#252;r eine Pseudobedrohung des milit&#228;rischen Umsturzes der Wahl sorgen, indem die Inbrunst einer Handvoll Bewegter gesch&#252;rt wird &#8211; zur Verst&#228;rkung des demokratischen Sieges. Nach dem 20. Januar, als die Amtseinf&#252;hrung Bidens ohne Krawalle oder &#220;berraschungen ablief, verstanden die Anh&#228;nger von QAnon und Co. letztendlich, f&#252;r welches Spiel sie die n&#252;tzlichen Idioten waren. Eher als ein 18. Brumaire Trumps war es ein &lt;i&gt;kleiner&lt;/i&gt; Reichstagsbrand zugunsten des gew&#228;hlten Pr&#228;sidenten. Trump macht sich davon wie ein verwirrter Boxer, der seine Unterst&#252;tzer im &lt;i&gt;big business&lt;/i&gt; verloren hat und von einem medialen Standpunkt aus marginalisiert worden ist &#8211; aber nicht als Toter: Eine j&#252;ngste Umfrage sieht ihn erneut auf dem aufsteigenden Ast unter der republikanischen Basis nach dem 6. Januar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#228;ndert aber nichts an der Tatsache, dass der wesentliche Faktor der Niederlage Trumps die teilweise Wiedereroberung der Arbeiterstimmen durch die Demokraten in den &lt;i&gt;swing states&lt;/i&gt; im Midwest war, sie wurde ausgel&#246;st durch die Entt&#228;uschung &#252;ber die Trumpschen Versprechen betreffend der Relokalisierung und Biden und Co. sicherten sie sich durch &#228;hnliche Parolen (&#8222;amerikanisch produzieren und kaufen&#8220;). Ob die Trumpsche Bewegung ihren Chef wiederfindet oder einen anderen suchen muss, ob sie im republikanischen Lager bleiben kann oder eine &lt;i&gt;third party&lt;/i&gt; gr&#252;nden muss, all das wird unter anderem vom Ausgang der zweiten Prozedur des &lt;i&gt;impeachment&lt;/i&gt; und absehbaren Abrechnungen innerhalb des republikanischen Lagers abh&#228;ngen. Aber um zu &#252;berleben, wird diese Bewegung allen voran einen interklassistischen Block neu aufbauen m&#252;ssen, Arbeiterbasis eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Raffaele Sciortino, &#8222;Dopo Trump?&#8220;, 7. Dezember 2020, hier verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Weg ist trotz allem voller Hindernisse f&#252;r die neue Administration: Bis jetzt konnte sie von den Fehlern und Grenzen ihres Gegners profitieren, aber sie wird nun zeigen m&#252;ssen, dass sie es besser kann, sowohl betreffend der Antwort auf den gesundheitlichen Notstand (w&#228;hrend die offizielle Covid-Bilanz in den USA 400&#8216;000 Tote &#252;bersteigt), als auch betreffend der Verwaltung einer Wirtschaftskrise, die noch lange nicht all ihr zerst&#246;rerisches Potenzial entfaltet hat. All das mit einer sehr schwachen Mehrheit im Senat und einer betr&#228;chtlich schw&#228;cheren Mehrheit (im Verh&#228;ltnis zu den Resultaten der Zwischenwahlen 2018) im Repr&#228;sentantenhaus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit haben die inneren Unruhen rund um die Bildung der neuen &lt;i&gt;Regierung&lt;/i&gt; den amerikanischen &lt;i&gt;Staat&lt;/i&gt; nicht daran gehindert, sein eigenes Programm weiterzuverfolgen. Die j&#252;ngsten von den USA gemeinsam mit Kanada und Grossbritannien eingef&#252;hrten Sanktionen gegen Importe chinesischer Produkte, f&#252;r welche der Verdacht besteht, dass sie auf Zwangsarbeit der uigurischen Minderheit beruhen, best&#228;tigen &#8211; falls notwendig &#8211;, dass die chinesisch-amerikanischen Spannungen nicht nachlassen werden. Eine Tatsache, der es, einmal mehr, nicht an Dialektik mangelt: USA gegen China, das heisst die j&#252;ngste der grossen Nationen gegen die &#228;lteste &#8211; aufgefrischt durch den j&#252;ngsten der grossen Kapitalismen. Indem sie die Illusion einer R&#252;ckkehr des Multilateralismus evoziert, wird die Administration Bidens wahrscheinlich versuchen, die EU f&#252;r den antichinesischen Kreuzzug anzuheuern. Wie wir weiter unten sehen werden, h&#228;ngt der Erfolg der Operation gr&#246;sstenteils von der F&#228;higkeit Deutschlands ab, seine L&#228;hmung zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;China&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;China und der Ferne Osten im Allgemeinen verlieren provisorisch weniger und gehen relativ gest&#228;rkt aus der ersten Phase der Krise hervor. Die Unterzeichnung am 15. November 2020 der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), ein Vertrag zwischen China, Japan, S&#252;dkorea, den zehn L&#228;ndern des ASEAN, Australien und Neuseeland f&#252;r eine weitr&#228;umige Freihandelszone, die 30% des weltweiten BIP, 28% des Welthandels und ungef&#228;hr 2.2 Milliarden Einwohner von einem demographischen Standpunkt aus repr&#228;sentiert, symbolisiert gewissermassen diesen Zwischenstand. Obwohl es keine Garantien betreffend seiner Einhaltung und seinen langfristigen Effekten gibt, ist er trotzdem ein sch&#246;ner Erfolg f&#252;r die chinesische Diplomatie, der im Gegensatz zur Blockierung der letzten Versuche hin zum Freihandel steht, vom TAFTA &#252;ber das CETA (letzteres ist durch eine Sonderprozedur angenommen worden, aber immer noch nicht ratifiziert) bis zum von Frankreich blockierten Abkommen zwischen der EU und Mercosur (ohne von der Trumpschen Neuverhandlung &#252;ber das NAFTA zu sprechen). China hat eine gute Partie gespielt, indem das Land die durch den R&#252;ckzug der USA aus der Trans-Pacific Partnership (TPP) best&#228;tigte Einfrierung auf strikt wirtschaftlicher Ebene des &lt;i&gt;pivot to Asia&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Milit&#228;risch betrachtet ist die amerikanische Aussenpolitik weit davon (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; seitens der Administration Trumps zu seinen Gunsten gewendet hat. Doch der RCEP ist auch das Resultat unterirdischer Schubwirkungen hin zur regionalen Integration des Fernen Ostens und S&#252;dostasiens, die mindestens seit einem Jahrzehnt am Werk sind. Es gen&#252;gt, an die erfolglose Initiative Chinas w&#228;hrend dem 19. Gipfel des ASEAN 2011 und die &#8211; scheuen aber regelm&#228;ssigen &#8211; Initiativen Japans f&#252;r eine Umorientierung hin zu Kontinentalasien, stets gescheitert wegen amerikanischem Druck, zu erinnern. Mit dem RCEP schafft China konkrete Grundlagen, um den wirtschaftlichen und politischen Einfluss des amerikanischen Kapitals in allen anderen Unterzeichnerstaaten zu erodieren. Falls es in einer nahen Zukunft zu keinen Eskalationen kommt, k&#246;nnte das Abkommen auch die Bedingungen f&#252;r eine Beruhigung der heftigen Territorialstreitigkeiten mit Vietnam, den Philippinen und Malaysia im S&#252;dchinesischen Meer rund um die Spratly- und Paracel-Inseln (mit den lauernden und zu einer milit&#228;rischen Intervention bereiten USA) schaffen. Die wahrscheinliche Wiederaufnahme in grossem Stil des von Obama geerbten &lt;i&gt;pivot to Asia&lt;/i&gt; durch die Administration Bidens wird ein Versuch sein, verlorenes Terrain zur&#252;ckzuerobern, aber vielleicht wird es schon zu sp&#228;t sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 1: Unterzeichnerstaaten des RCEP&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_33 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L428xH282/10000000000005dc000003dc90817e3aec8c3215-dc058.jpg?1784181573' width='428' height='282' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu hat der chinesische Staat in den vergangenen Monaten vermehrt Initiativen gegen die BHATX (Baidu, Huawei, Alibaba, Tencent, Xiaomi), die technologischen Meister des chinesischen Handelswachstums und nationalen &#196;quivalente der GAFAM, ergriffen und sich mit ihnen gerieben. Neben den von der Wettbewerbsbeh&#246;rde ausgesprochenen Bussen gegen Alibaba und Tencent und der Er&#246;ffnung eines &#220;berpr&#252;fungsverfahren hinsichtlich der Fusion von DouYu und Huya waren das Verbot f&#252;r die Ant Group (finanztechnologische Tochtergesellschaft von Alibaba), an den B&#246;rsen in Hongkong und Shanghai zu starten, und das tempor&#228;re Verschwinden ihres Magnaten Jack Ma aus dem &#246;ffentlichen Leben eine Sensation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund ihrer F&#252;hrungsrolle im Bereich der Innovation spielen die BHATX eine zentrale Rolle in der Strategie der technologischen Unabh&#228;ngigkeit des chinesischen Staates. Gleichzeitig versucht der chinesische Staat, jegliche Entwicklung zu verhindern, die den BHATX nach dem Vorbild der GAFAM im Westen mehr Autonomie und Einfluss verschaffen k&#246;nnte als der KPC und dem chinesischen Staat. Die dem Sektor der Staatsunternehmen inh&#228;renten Rentabilit&#228;ts- und Korruptionsprobleme sprechen hingegen f&#252;r eine gr&#246;ssere Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft. Aber eine solche Liberalisierung w&#252;rde eben genau den BHATX freie Hand lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend der Reglementierung der Finanzm&#228;rkte ist der chinesische Staat ebenfalls mit teilweise widerspr&#252;chlichen Anforderungen konfrontiert. W&#228;hrend der politische Schutz und die stets offenen Kreditlinien f&#252;r die Staatsunternehmen zweifelhafte Investitionen und Korruption alimentierten, wandten sich die chinesischen KMUs &#8211; die von diesen Privilegien ausgeschlossen sind &#8211; zu ihrer Finanzierung massiv an die Schattenbanken. Unter diesen KMUs haben wahrscheinlich viele eine geringe Rentabilit&#228;t und sind nicht von strategischem Interesse, aber einige sind auch sehr fortgeschrittene Hightechunternehmen (k&#252;nstliche Intelligenz z.B.), die sich legitimerweise Hoffnungen auf eine bedeutendere Unterst&#252;tzung seitens des Staates machen k&#246;nnten. Ausserdem repr&#228;sentiert die Tatsache, dass die chinesischen KMUs den Schattenbanken ausgesetzt sind, ein grosses wirtschaftliches Risiko. Dieser Sektor der Schattenbanken ist 2018 50&#8216;900 Milliarden Dollar schwer, das ist gleichbedeutend mit 13.6% der weltweiten Finanzanlagen, und zu 70% durch die Aktivit&#228;t spekulativer Fonds konstituiert. Schon vor der Coronakrise erlebte dieser Sektor einen starken Einbruch: Trotz einem durchschnittlichen j&#228;hrlichen Wachstum von 8.5% von 2012 bis 2017 sank die Zahl von 14% 2017 auf magere 1.7% 2018. Obwohl es wahr ist, dass die amerikanischen Anlagen gesamthaft immer noch ungef&#228;hr 30% repr&#228;sentieren (15.2 Milliarden Dollar), sind sie seit 2014 immer weiter zur&#252;ckgegangen, w&#228;hrend die chinesischen Anlagen ein starkes Wachstum verzeichneten und gleich dahinter mit 15.4% (7.8 Milliarden Dollar) folgen. Gem&#228;ss vielen Analysten stellen die Hebelprodukte und CLO, Derivate, die in einem Produkt eine grosse Anzahl an Obligationen von schlechter Qualit&#228;t kombinieren, ein bedeutendes Risiko dar. Daraus folgt, dass es f&#252;r den chinesischen Staat imperativ ist, zumindest einen Teil der im Schattenbankwesen involvierten KMUs ins Trockene zu bringen (besonders die strategisch interessanten), um sich vor den Auswirkungen einer weltweiten Krise in diesem Sektor und allgemeiner des globalen Zyklus der Unternehmensverschuldung zu sch&#252;tzen (das w&#228;re alles in allem nur ein zus&#228;tzlicher Effekt des vollst&#228;ndig durchgezogenen chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist schwer absehbar, wie der interne Klassenkampf diese Abrechnung zwischen chinesischen und/oder in China aktiven kapitalistischen Fraktionen tangieren kann. F&#252;r lange Zeit betrachtete man es als selbstverst&#228;ndlich, dass die zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen zu einem zweiten Tiananmen f&#252;hren w&#252;rden, mit allem, was idealerweise dazu geh&#246;rt: Demokratisierung der Institutionen, Gewerkschaften usw. Doch der nationale und internationale Kontext hat sich ge&#228;ndert, genau wie der chinesische Kapitalismus selbst. Es ist zu fr&#252;h, um sagen zu k&#246;nnen, ob letzterer sich wirklich hin zum Binnenmarkt umorientieren k&#246;nnen wird &#8211; die Agrarfrage bleibt daf&#252;r ein grundlegendes Hindernis &#8211;, aber es ist klar, dass die unmittelbaren Interessen der grossen Masse der Arbeiter sowie der Mittelklasse in Richtung einer solchen Umorientierung gehen. Und es scheint zumindest bis jetzt so, dass nur eine rund um Xi Jinping kompakte KPC f&#228;hig ist, deren Pilot zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Indien&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zahlreiche Umst&#228;nde m&#252;ssen erw&#228;hnt werden, um ein minimales Verst&#228;ndnis f&#252;r den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kontext im Hintergrund der andauernden sozialen Krise in Indien zu haben. Auf &#228;usserst allgemeine Art und Weise kann man die offensichtliche produktive &#220;berkapazit&#228;t in den grossen Sektoren der Weltwirtschaft (Automobile, Erd&#246;l usw.) erw&#228;hnen, innerhalb derselben ist die Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe wahrscheinlich keine Ausnahme (obwohl die Daten nicht eindeutig sind). Das bezeugt die f&#252;r die lokalen M&#228;rkte sehr sch&#228;dliche Einf&#252;hrung der europ&#228;ischen &#220;bersch&#252;sse (besonders Milch) in die afrikanischen M&#228;rkte die letzten Jahre und die j&#252;ngsten &#8211; ziemlich pessimistischen &#8211; Prognosen des amerikanischen Ministeriums f&#252;r Landwirtschaft bez&#252;glich der Nachfrage nach amerikanischem Getreide, Mais und Soja. Daher kommt der steigende Druck auf die landwirtschaftliche Rohstoffe produzierenden Schwellen- und Entwicklungsl&#228;nder, damit sie ihre die lokalen Kleinbauern sch&#252;tzenden &#246;ffentlichen M&#228;rkte aufgeben. Diesbez&#252;glich ist der indische Markt ein gutes Beispiel, denn ein betr&#228;chtlicher Teil davon wird durch den Staat mit festgelegten Preisen verwaltet. Die Produzenten verkaufen an den Staat, der einen &#252;ber dem Marktpreis liegenden Minimalpreis garantiert und diesen Teil des landwirtschaftlichen Produkt direkt an die Bev&#246;lkerung durch ein von Einkommenskriterien abh&#228;ngiges Rationierungssystem umverteilt (zwischen 25 und 35 kg Getreide pro Monat und Haushalt). Dieses System ist ein charakteristisches Erbe des &#8222;indischen Weges zum Sozialismus&#8220;, d.h. der auf die Bauern fokussierten nationalen Befreiungsbewegung, die formgebend f&#252;r Indiens Unabh&#228;ngigkeit war, und es wurde durch staatliche Initiative aufrechterhalten, um sie als Klasse zu erhalten und ihnen ein Mindesteinkommen zu garantieren. Diese mit der Entstehung der modernen indischen Nation verbundene Spezifit&#228;t erkl&#228;rt die relative Langsamkeit der Landflucht, ungeachtet der Entwicklung der Industrie- und Finanzenklaven. Diesbez&#252;glich sollte daran erinnert werden, dass die USA 2018 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Indien innerhalb der WTO lanciert hatten, ihrer Meinung nach waren dort die Landwirtschaftssubventionen h&#246;her als 10% (Schwellenwert f&#252;r die Mitglieder). Zu diesen allgemeinen Elementen kann man die Entwertung der Rupie ab 2016 hinzuf&#252;gen, sie f&#252;hrte zu zunehmenden Schwierigkeiten f&#252;r die Landwirte bez&#252;glich dem Kauf von Saatgut, D&#252;nger und Pestiziden und zu einer Binnenmarktkontraktion nach der Coronakrise mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit usw. Die Kombination dieser Umst&#228;nde erlaubt es, den Sinn dieser Reform zur Liberalisierung des landwirtschaftlichen Marktes in Indien zu verstehen, die von der Regierung Modi vorgeschlagen und von beiden Kammern Mitte September 2020 angenommen worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die darauf folgende soziale Bewegung erreichte ihren H&#246;hepunkt zwischen Ende November 2020 und Anfang Januar 2021. Sie kann als interklassistische Bewegung definiert werden, dominiert nat&#252;rlich von der Bauernschaft, was jedoch die Beteiligung und Unterst&#252;tzung weiter Teile der restlichen Gesellschaft nicht ausschliesst. Besonders die F&#252;hrungen der Gewerkschaften &#8211; Ausdr&#252;cke (die freilich indirekt und pervers sind) der Sektoren des &#246;ffentlichen Dienstes und der Arbeiterklasse &#8211; unterst&#252;tzten die Bewegung phasenweise und beteiligten sich an einigen nationalen Tagen des &#8222;Generalstreiks&#8220; (die Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen sind nicht unwesentlich), wobei sie die spezifisch b&#228;uerlichen mit ihren eigenen Forderungen erg&#228;nzten, mal getrieben von der Basis, mal aus rein politischen Gr&#252;nden. Auch die heterogene und segmentierte Zusammensetzung der b&#228;uerlichen Komponente selbst muss betont werden. Gem&#228;ss offiziellen Zahlen gibt es in Indien ungef&#228;hr 140 Millionen Landwirte, davon besitzen 86% 2 Hektaren oder weniger Land; von letzteren besitzen 30% praktisch kein Land und ungef&#228;hr 20 Millionen sind ausschliesslich Wanderbauern. Tats&#228;chlich arbeiten die meisten dieser Landwirte, ob Eigent&#252;mer oder nicht, auch auf dem Land von anderen, f&#252;r reiche Bauern oder nationale Landwirtschaftsunternehmen, aber immer im Rahmen eines ziemlich archaischen Systems der Halbpacht. Dazu kommen 150 Millionen blosse landwirtschaftliche Arbeiter, ein Teil davon wird von den Kleinbauern angestellt und die sind wahrscheinlich die letzten Monate an ihrer Seite mobilisiert gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit letztem Herbst organisierte die Bewegung vermehrt Demonstrationen, Bauernm&#228;rsche, Sit-ins und Blockaden von Strassen und Autobahnen (dazu geh&#246;rt die permanente Besetzung der Autobahn Delhis), hinzu kamen Streiks der Arbeiter im &#246;ffentlichen und in einem geringeren Ausmass im privaten Sektor. Ihr Inhalt, sowohl hinsichtlich der elementaren Verteidigung der aktuellen Bedingungen der indischen Landwirtschaft, als auch des Strebens nach einer R&#252;ckkehr des interventionistischen Staats der Vergangenheit, ist ein Kampf &lt;i&gt;gegen die Proletarisierung&lt;/i&gt;. Die F&#228;higkeit der Bewegung zur Eingliederung der Sektoren der Lohnarbeit ist nur verst&#228;ndlich, wenn man an die katastrophalen Konsequenzen denkt, welche der Ruin der Kleinbauernschaft und die Beschleunigung der Landflucht mit der Explosion einer jetzt schon stetig expandierenden Reservearmee f&#252;r den indischen Arbeitsmarkt h&#228;tte. Daneben ist die Aufrechterhaltung der Reste des Verwaltungssystems nicht frei von perversen Auswirkungen (man sch&#228;tzt, dass 50% des vom Staat gekauften landwirtschaftlichen Produkts im Schwarzmarkt und klandestinen Verkaufsnetzwerken verschwindet). Zudem sind viele Landwirte faktisch davon ausgeschlossen, denn die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten sind betr&#228;chtlich und in gewissen ist die Landwirtschaft schon fast vollst&#228;ndig liberalisiert (in Bihar ist sie es seit 2006) &#8211; was die davon ausgeschlossenen Landwirte nat&#252;rlich nicht daran hindert, ihren Einschluss ins System in seinem aktuellen Zustand zu fordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am heutigen Tag (15. Januar) befindet sich der Konflikt in einer Sackgasse. Das Oberste Gericht hat sich dem Dossier angenommen, vielleicht in der Hoffnung, die Proteste zu entsch&#228;rfen, oder vielleicht mit der Absicht, es im Kontext einer Abrechnung innerhalb der Institutionen (gegen Modi?) zu benutzen. Das von der Bewegung gegen&#252;ber der Regierung festgelegte Ultimatum f&#252;r den R&#252;ckzug der Reform endet am 26. Januar. Wir werden sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in Indien im letzten Herbst ausgebrochene gesellschaftliche Krise rund um die Liberalisierung des landwirtschaftlichen Marktes ist, wie weiter oben bez&#252;glich China suggeriert, ein Zeichen f&#252;r den Fortbestand der landwirtschaftlichen und b&#228;uerlichen Frage weltweit. Dieser Fortbestand wird sich gewiss w&#228;hrend anderer Gelegenheiten und anderen geographischen Kontexten manifestieren. Im Falle Indiens, genau wie in jenem Chinas, w&#228;re eine Ad-hoc-Studie notwendig, um das Wesen der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse auf dem Land besser zu verstehen. Betreffend Indien sind die vorkapitalistischen &#220;berbleibsel wahrscheinlich eher feudalistischer denn &#8222;asiatischer&#8220; Natur&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Brendan O&#8216;Leary, The Asiatic Mode of Production. Oriental Despotism, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Europ&#228;ische Union und Eurozone&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit und dem offiziellen Diskurs &#252;ber den Gesundheitszustand der Europ&#228;ischen Union war nie ausgepr&#228;gter als heutzutage. Die Verantwortlichkeiten der proeurop&#228;ischen Eliten und der grossen Medien wiegen diesbez&#252;glich sehr schwer, insofern als dass die Halbl&#228;hmung der europ&#228;ischen Institutionen &#8211; und die vom Aufbauplan Next Generation EU, besser bekannt in Italien unter dem Namen Recovery Plan, nicht gel&#246;st wird (wir werden darauf zur&#252;ckkommen) &#8211; stets als ein garantierter Marsch hin zu einer heilenden Integration erz&#228;hlt wird. Die Verunsicherung der europ&#228;ischen Bev&#246;lkerungen in Anbetracht der eventuellen Liquidierung dieser Institutionen wird umso brutaler sein. Im aktuellen Zustand bleibt die EU f&#252;r die supranationalen Institutionen, was Salerno-Reggio Calabria f&#252;r die Autobahnen ist: eine mit dem Schein der Utopie umgebene ewige Baustelle. Dieser Schein begleitet die Perspektive der europ&#228;ischen Einheit seit jeher. Vor mehr als einem Jahrhundert kritisierte Rosa Luxemburg Kautskys Schlagwort der Vereinigten Staaten von Europa&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Daf&#252;r gibt es heute nur einen Weg: die Vereinigung der Staaten der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und verurteilte den Europ&#228;ismus als &#8222;imperialistische Mi&#223;geburt&#8220;, sie notierte folgendes:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Utopische des Standpunkts, der eine Friedens&#228;ra und die R&#252;ckbildung des Militarismus in der heutigen Gesellschaft erwartet, kommt deutlich darin zum Ausdruck, das er zur Projektemacherei Zuflucht nimmt. Es ist ja typisch f&#252;r utopische Bestrebungen, das sie, um ihre Realisierbarkeit zu beweisen, m&#246;glichst detaillierte &#8218;praktische&#8216; Rezepte aushecken.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was ist heutzutage genau das Projekt? Europa der Nationen oder Europa der Regionen? F&#246;derales Europa oder Staatenbund Europa? Budgetdisziplin oder Transferunion? Niemand weiss es mehr. Das ber&#252;hmte &#8222;Projekt&#8220; Europa ist mittlerweile kurzfristig, indem es versucht, sich selbst zu &#252;berleben. Die EZB ist ihm dabei sehr behilflich, aber das monet&#228;re &lt;i&gt;whatever it takes&lt;/i&gt; vermag nicht alles und es kann vor allem einen Zustand der Unentschlossenheit nicht ausl&#246;schen, er erweist sich als schlimmer als die Alternativen, die er vermeiden wollte, denn er l&#246;st kein einziges jener Probleme, von welchen man stets wiederholt, dass sie nur auf europ&#228;ischer Ebene geregelt werden k&#246;nnen: Einwanderung, Klima, Steuerflucht und -dumping, ruinierte Banken usw. An der Einwanderungsfront machte die so sehr erwartete Reform der Dublin-Verordnung &#8211; die als Priorit&#228;t der Pr&#228;sidentschaft Von der Leyens in der Europ&#228;ischen Kommission angek&#252;ndigt worden war &#8211; bis anhin keine bedeutenden Fortschritte. An der Front des Kampfes gegen die Steueroptimierung der grossen Unternehmen war die Leistung des Gerichts der EU (sozusagen) bemerkenswert, es erkl&#228;rte am 15. Juli 2020 die Entscheidung der Kommission f&#252;r ung&#252;ltig, Apple dazu zu verpflichten, 13 Milliarden Euro Steuererleichterungen zur&#252;ckzuzahlen, welche die Firma unrechtm&#228;ssigerweise von der irischen Regierung erhalten hatte, w&#228;hrend das Projekt einer europ&#228;ischen Steuer f&#252;r die GAFAM inmitten der Unstimmigkeiten untergegangen ist (und einzig Frankreich hat sie sich zu eigen gemacht, wenn auch in einer abgeschw&#228;chten Version). An der umweltpolitischen Front m&#252;ssten die Mitgliedsstaaten gem&#228;ss der Europ&#228;ischen Umweltagentur ihre Anstrengungen im Bereich der Reduzierung der Emissionen und der erneuerbaren Energien verst&#228;rken, wenn sie jene Ziele erreichen wollen, die sie sich selbst f&#252;r 2030 festgelegt haben. Was die Bankenunion betrifft, welche die Homogenisierung der Reglementierung und der Rechnungspr&#252;fung des Bankensektors zum Ziel hat, ohne die zerbrechlichsten Banken (dazu geh&#246;rt die Deutsche Bank) auszusondern, kann sie nur dazu f&#252;hren, dass sie den nationalen M&#228;rkten und ihren Aufsichtsorganen das Privileg &#252;berl&#228;sst, die Scherben aufzuwischen &#8211; ausser man glaubt, die Finnen oder die Esten k&#246;nnten es akzeptieren, in ihre Taschen zu greifen, um die &#8222;betrogenen&#8220; Sparer der Banken Venetiens oder der Toskana zu entsch&#228;digen. F&#252;gen wir an, dass das Streben nach einer &#8222;freien und unverf&#228;lschten Konkurrenz&#8220;, besonders im Bereich der Antitrust-Gesetzgebung, die Entstehung von europ&#228;ischen Marktf&#252;hrern in strategischen Sektoren wie der Technologie, der Energie oder dem Transport gehemmt hat, was als Resultat eine zunehmende technologische Abh&#228;ngigkeit von den USA und China zur Folge hatte. Es gen&#252;gt, die Entscheidung der Europ&#228;ischen Kommission im Februar 2019 betreffend der Fusion von Alstom und Siemens zu erw&#228;hnen, sie entspricht gewiss wortw&#246;rtlich dem europ&#228;ischen Konkurrenzrecht, doch sie erscheint in Anbetracht der harten weltweiten wirtschaftlichen und geostrategischen Schlacht als unglaublich naiv. Nur zwei Monate zuvor liess das amerikanische Aussenministerium Meng Wanzhou, die Supermanagerin von Huawei, in Kanada verhaften. Aber keiner ist so taub, wie der, der nicht h&#246;ren will. Die gleiche strenge Interpretation der Doktrin beeinflusste das unumg&#228;ngliche Gericht der EU in der Ausarbeitung des Urteils &#252;ber die Rolle von Gazprom im Rahmen des Projekts Nord Stream 2, eine zu 95% fertiggestellte Gaspipeline, deren &#252;brige 5% imstande sind, zu einem wahrhaften Leidensweg &#8211; oder einem Casus Belli &#8211; zu werden. Gem&#228;ss den Regeln des europ&#228;ischen Gasmarktes kann ein Unternehmen nicht gleichzeitig Produzent und Lieferant sein. Die Entscheidung des Gerichts hat dieses Kriterium auf das aussereurop&#228;ische Unternehmen Gazprom ausgeweitet. Somit wird die russische Firma &#8211; die f&#252;r den Baubeginn der Gaspipeline verschiedene mittlerweile in der Schusslinie der amerikanischen Sanktionen stehende europ&#228;ische Firmen (Wintershall, Uniper, Shell, Engie, OMV) integrieren musste &#8211; die Pipeline alleine fertigstellen und gleichzeitig ein Mittel finden m&#252;ssen, den Formalismus der europ&#228;ischen Gesetzgeber zu umgehen. Es gibt nur zwei denkbare M&#246;glichkeiten: Entweder leben diese Herren hinter dem Mond &#8211; womit man leicht erkl&#228;ren k&#246;nnte, wieso sie die ohnehin schon enormen Schwierigkeiten eines f&#252;r seine Initiatoren sehr wichtiges Projekt zu ignorieren scheinen, dermassen, dass sie alles tun, um weitere hinzuzuf&#252;gen &#8211; oder sie stehen im Sold seiner Gegner (jenseits des Atlantiks?). Es steht freilich nicht heute auf der Tagesordnung, dass &#8222;die grosse Moral des gemeinsamen Marktes gleichbedeutend mit der Wiederentdeckung einer &#8218;wahren&#8216; und &#8218;loyalen&#8216; Konkurrenz ist, in welcher alle die gleichen Erfolgschancen h&#228;tten, von der grossen bis zur kleinen Bourgeoisie, von den Grosskonzernen bis zu den kleinen Handwerkern oder H&#228;ndlern&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220; in Il Programma comunista, Nr. 11-12, 1962, hier (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Eine Moral, die gut sein kann, solange es am Tisch des Mehrwerts f&#252;r alle Platz hat; aber wenn das nicht mehr der Fall ist, muss man zwingend &lt;i&gt;schnell&lt;/i&gt; etwas anderes erfinden, sonst wird man zum globalen Dorfidioten. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist &#8211; man weiss es &#8211; nicht wirklich die erste Qualit&#228;t der europ&#228;ischen Institutionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf das Konjunkturpaket Next Generation EU jenseits der medialen Aufmerksamkeit zur&#252;ckzukommen, muss &#8211; falls es bei der Ratifizierung des Abkommens in den 27 nationalen Parlamenten, wo &#220;berraschungen nicht ausgeschlossen sind, zu keinem Unfall kommt (Niederlande?) &#8211; festgehalten werden, dass die aus dem deutschen Druck entstandene Vorzugsbehandlung Italiens nur m&#246;glich wurde dank einem Kompromiss mit den sogenannt &#8222;frugalen&#8220; L&#228;ndern (die im Gegenzug eine budget&#228;re Entlastung erhalten) und einem bedeutenderen Engagement Frankreichs, das dort von der &#246;ffentlichen Meinung wenig gesch&#228;tzt wird. Wie es auch immer sein mag, wird der Saldo Italiens f&#252;r die Periode 2021-2027, unter Abzug der Beitr&#228;ge f&#252;r das gew&#246;hnliche Budget der Union, deren wirklichen Beg&#252;nstigte die j&#252;ngst beigetretenen L&#228;nder Osteuropas und des Balkans sind, nur um 10 Milliarden positiv f&#252;r den Teil &#8222;Subventionen&#8220; sein, w&#228;hrend die Vorteile bez&#252;glich der Zinss&#228;tze f&#252;r den Teil &#8222;Schulden&#8220; (die so oder so zur&#252;ckbezahlt werden m&#252;ssen) noch g&#228;nzlich unbest&#228;tigt sind. All das, um Zugang zu alles anderen als enormen und auf jeden Fall nicht unmittelbar verf&#252;gbaren Ressourcen eines Konjunkturpakets zu haben, das &#8211; abgesehen von den magischen Worten der &#8222;Informationstechnologie&#8220; und der gr&#252;nen Wirtschaft &#8211; &#252;berhaupt keine klare Vision der Industriepolitik ausdr&#252;ckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass die Ausgabe angeblich gemeinsamer Anleihen (in Wirklichkeit ist die Sache viel un&#252;bersichtlicher) von den Finanzm&#228;rkten sehr gesch&#228;tzt wurde, unter anderem, weil sie als Zeichen f&#252;r die Unumkehrbarkeit der Eurozone interpretiert wurde. Doch ohne eine starke und geteilte politische Agenda wird keine technokratische Konstruktion reichen, seien es die europ&#228;ischen Abkommen oder die europ&#228;ische Verfassung oder sogar die Pseudo-Eurobonds, um das zusammenzuhalten, was aufgrund seines Wesens immer mehr gespalten ist. Die EU und die Eurozone k&#246;nnen der Stunde der Wahrheit nicht entkommen, die deutsch-franz&#246;sische Freundschaft wird sich wandeln oder enden m&#252;ssen. Deutschland gegen Frankreich, Frankreich gegen Deutschland: Es ist die Geschichte der Herausbildung des modernen Europas so wie wir es kennen, die wieder in den Vordergrund tritt, der Fortbestand der &lt;i&gt;deutschen Frage&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Grunde genommen wurde die gesamte Geschichte Europas durch die deutsche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; im Rahmen eines allgemeinen &lt;i&gt;Fortbestands der Nationen&lt;/i&gt; &#8211; der verschlimmert wird durch einen Aufbau Europas, der die Konzentration der Produktionskapazit&#228;ten im deutschen Raum beg&#252;nstigt und die Verteilungskonflikte um die Eink&#252;nfte &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; der Mitgliedsstaaten in Verteilungskonflikte um die Eink&#252;nfte &lt;i&gt;zwischen&lt;/i&gt; den Mitgliedsstaaten verwandelt. Die Geschichte der &lt;i&gt;sozialen Frage&lt;/i&gt; in Europa ist untrennbar damit verbunden: Die Kommune w&#228;re ohne die Schlappe von Napoleon III. gegen Bismarck undenkbar; Spartakus und der Ruhraufstand w&#228;ren undenkbar ohne die antideutsche Neigung Clemenceaus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Revitalisierung des Projekts Europa ist auf dem Papier nicht unm&#246;glich, doch sie w&#252;rde eine Entscheidung Deutschlands zugunsten einer &lt;i&gt;expliziten und direkten&lt;/i&gt; Machtpolitik implizieren, sie w&#228;re sowohl f&#252;r die USA als auch f&#252;r den franz&#246;sischen Partner schwer verdaulich und die deutsche politische Elite selbst ist im Moment nicht bereit, sie umzusetzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Trotzdem zeigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Gr&#252;nde f&#252;r diese Zur&#252;ckhaltung sind wirtschaftlich (die Vorteile f&#252;r Deutschland ergeben sich aus der Eurozone im gegenw&#228;rtigen Zustand), aber auch historisch. Wenn die Gewalt &#8211; gem&#228;ss der ber&#252;hmten Formel &#8211; die Hebamme der Geschichte ist, so ist die deutsche Erfahrung des 20. Jahrhunderts&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Um diese Erfahrung wirklich zu verstehen, muss man sich jeglichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; mit den ver&#252;bten &lt;i&gt;und erduldeten&lt;/i&gt; Grausamkeiten eine schwere Belastung bez&#252;glich der F&#228;higkeit, sich darum zu k&#252;mmern. Mit minimalen Eigenmitteln und ohne direktes Zwangsorgan zur Durchsetzung ihrer Beschl&#252;sse &#8222;[&#8230;] kann sich die Europ&#228;ische Union aber einer Herrschaftsform r&#252;hmen, f&#252;r die es kein historisches Vorbild gibt. Ihre Originalit&#228;t besteht darin, da&#223; sie gewaltlos vorgeht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hans Magnus Enzensberger, Sanftes Monster Br&#252;ssel oder Die Entm&#252;ndigung (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Der einzigartige Charakter der EU &#8211; die Aus&#252;bung der Oberhoheit in einer indirekten Form durch das wirtschaftlich vorherrschende europ&#228;ische Land, anders gesagt die Entfremdung dieser Oberhoheit in etwas &#8222;anderem als sie selbst&#8220; &#8211; ist auch ihre gr&#246;sste Schw&#228;che. Um sie zu verstehen, braucht es einen Schritt zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im weiter oben zitierten Artikel betonte Luxemburg, dass &#8222;[wir als] Anh&#228;nger der materialistischen Geschichtsauffassung [&#8230;] bis jetzt immer den Standpunkt [vertraten], dass die modernen Staaten als politische Gebilde nicht k&#252;nstliche Produkte einer sch&#246;pferischen Phantasie, wie z.B. das Herzogtum Warschau napoleonischen Angedenkens, sondern historische Produkte der wirtschaftlichen Entwicklung sind&#8220;. Grundlegender muss in der Entstehung der staatlichen Gebilde das, was Luxemburg die &#8222;wirtschaftliche Entwicklung&#8220; nennt, von schmerzhaften aber unvermeidlichen politischen Passagen vollendet werden. Man baut keine Staaten oder Nationen nach Belieben auf, aus dem einfachen Grund, dass sie durch Feuer und Schwert aufgebaut werden &#8211; obwohl die manchmal nicht reichen, wenn sie nicht von einem gen&#252;gendem wirtschaftlichem Aufschwung begleitet werden. Napoleon I. wusste es, doch Hitler, dessen Ziel es war, Europa zu vereinigen, so wie Bismarck Deutschland vereinigt hatte (1871), wusste es noch besser.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 2: Der Deutsche Bund (1815-1866)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_34 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L308xH308/1000000100000280000002803c859ff9dec6e350-8c434.png?1784181573' width='308' height='308' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Hitlerdeutschland hatte &#252;brigens eine strategische Vision, welche die Vereinigung der damals am meisten industrialisierten Gebiete Europas (Tschechoslowakei, Norditalien, Luxemburg, Belgien, Lothringen, Saarland, Ruhrgebiet) mit den landwirtschaftlichen Regionen Osteuropas zum Ziel hatte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn der preussische Despotismus als &#8222;Eingriff in das ererbte Anrecht Frankreichs auf die deutsche Uneinigkeit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich, 1871.&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; interpretiert wurde, so f&#252;hrte der Hitlersche Despotismus zum ererbten Anrecht der USA auf die kontinentaleurop&#228;ische Uneinigkeit. Die deutsche Wiedervereinigung 1989-1990 f&#252;hrte nur zwei der f&#252;nf Teile zusammen, in welche Deutschland zersplittert worden war. Bis zur Krise zu Beginn der 1970er Jahre waren Initiativen wie die EGKS und die EWG, woraus die ganze Mythologie der Gr&#252;nderv&#228;ter (Monnet, Schuman usw.) entstanden ist, gewiss keine ernsthafte Infragestellung dieses russisch-amerikanischen Kondominiums. Die BRD wagte es auch nie, es anzuprangern, erst sehr sp&#228;t und nur zulasten der F&#252;hrungsschicht der DDR (die der Wiedervereinigung am feindlichsten gesinnte Komponente, im Gegensatz zu Gorbatschow). Es war eher die allm&#228;hliche Schw&#228;chung dieses Kondominiums, welche die BRD, und allgemeiner die L&#228;nder Westeuropas, zu einer Reaktion dr&#228;ngten. Die wesentlichen Etappen dieses Prozesses waren die Krise zu Beginn der 1970er Jahre und das Ende des Ostblocks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1971 erschuf die durch die amerikanische Aufl&#246;sung des Bretton-Woods-Abkommens ausgel&#246;ste monet&#228;re Instabilit&#228;t die Notwendigkeit, den Wechselkurs mit dem Dollar zu st&#252;tzen, um die Wertsteigerung der &#246;ffentlichen Schulden und die Erh&#246;hung der damit assoziierten Zinss&#228;tze zu vermeiden: Daher kamen die halbherzigen &#8211; durch auferlegte fixe Beschr&#228;nkungen der W&#228;hrungsfluktuation charakterisierten &#8211; Experimente der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsschlange (1972-1978) zuerst, des EWS (1979-1998) danach, die beide zu kompetitiven Entwertungsphasen und einem st&#228;ndigen Kommen und Gehen zwischen Ausstieg und Neubeitritten verschiedener L&#228;nder rund um den Kern BRD-Benelux f&#252;hrten. Die dem Wechselkurs der verschiedenen nationalen W&#228;hrungen auferlegte Bandbreite erwies sich jedes Mal als zu restriktiv: 2.25% in der W&#228;hrungsschlange, 2.5% im EWS (ausser f&#252;r Italien, Grossbritannien, Portugal und Spanien, die bis Ende der 1980er Jahre ein Recht auf eine Bandbreite von 6% hatten). Im Falle des EWS waren die von dieser Bandbreite auferlegten Beschr&#228;nkungen durch den Mechanismus des &#8222;Realignments&#8220; abgeschw&#228;cht; doch der wurde gegen Ende der 1980er Jahre in Frage gestellt, in Verbindung mit der vorhersehbaren deutschen Wiedervereinigung und dem Willen der F&#252;hrungsfiguren der EWG, die monet&#228;re Integration zu beschleunigen. Die Verengung der Bandbreite ohne die Realignments, kombiniert mit der Abschaffung der Restriktionen f&#252;r die Kapitalmobilit&#228;t, f&#252;hrte 1992, kurz nach der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht, zur Krise des EWS: Die schw&#228;chsten W&#228;hrungen &#8211; allen voran die italienische Lira und das britische Pfund, aber auch die spanische Peseta und der portugiesische Escudo &#8211; waren den Angriffen von spekulativen Fonds ausgesetzt, die sie als Leerverkauf verkauften und auf ihren Ausstieg aus dem System setzten (der auch tats&#228;chlich eintrat). Schlussendlich gab es keine andere M&#246;glichkeit, als die Bandbreite auf 15% auszuweiten. Diese scheinbar weit entfernten Ereignisse erlauben uns eine bessere Einordnung der Eurokrise 2012, die ohne die ber&#252;hmte Bazooka von Draghi und Co. gleich ausgegangen w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Ausgang war wahrscheinlich entscheidend f&#252;r die Definition der aktuellen Eigenschaften des Euros, besonders f&#252;r die Unver&#228;nderlichkeit der Wechselkurse. Die Krise des EWS war trotzdem das Resultat rein nationaler Dynamiken mit Deutschland und, in geringerem Ausmass, Frankreich als Protagonisten. Frankreich unternahm bez&#252;glich monet&#228;rer Integration eine Flucht nach vorne und ging so weit, Deutschland seinen Willen aufzuzwingen, das dreifache Ziel davon war, die Gesellschaft zu disziplinieren, die letzten Nachhalle des Kampfzyklus von 1968 zum Verstummen zu bringen und ein Kontrollrecht &#252;ber die stets als latente Bedrohungen wahrgenommenen deutschen Angelegenheiten zu erlangen. Eine alles in allem lineare Logik f&#252;hrt vom Wendepunkt der restriktiven Haushaltspolitik im M&#228;rz 1983 zum Verbot der kompetitiven Entwertungen (Politik des starken Franc ab 1989) und der Verweigerung &#8211; insbesondere gegen Italien &#8211; einer Revision des EWS mithilfe einer Neubeurteilung der deutschen Mark (1992)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe das Interview des Corriere della Sera mit Giuliano Amato, dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf der deutschen Seite war es die &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt;, welche die Exekutivgewalt Kohls der Wiedervereinigung gab, die entscheidend war f&#252;r die Verkettung der Ereignisse. Der Imperativ der deutschen Wiedervereinigung selbst ergab sich eher aus politischen Motivationen, verbunden mit der nationalen deutschen Frage, denn aus der gegenseitigen wirtschaftlichen Abh&#228;ngigkeit der beiden deutschen Staaten, die in der zweiten H&#228;lfte der 1980er Jahre mit Ausnahme der westdeutschen Exporte von Werkzeugmaschinen in die DDR (siehe untenstehende Tabelle) n&#228;mlich zur&#252;ckging.&lt;/p&gt;
&lt;table class=&#034;table spip&#034;&gt;
&lt;tbody&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;{{}}&lt;/td&gt;
&lt;td colspan='2'&gt;&lt;strong&gt;Exporte der BRD in die DDR (in Millionen Mark)&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td colspan='2'&gt;&lt;strong&gt;Exporte der DDR in die BRD (in Millionen Mark)&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1986&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1987&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1986&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1987&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Rohstoffe und Halbfabrikate&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3615&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3333&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3292&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3179&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;Maschinen und Investitionsg&#252;ter&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;2089&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;2669&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;978&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;981&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Konsumg&#252;ter&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;862&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;647&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1867&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1768&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;Landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;782&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;641&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;655&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;651&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Total&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;7454&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;7406&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;6844&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;6650&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;i&gt;Les Deux Allemagne 1984-1989&lt;/i&gt;, Paris, La Documentation fran&#231;aise, 1990, S. 198.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Fall wurde der spekulative Angriff auf die schwachen W&#228;hrungen durch die Einf&#252;hrung einer Parit&#228;t 1:1 zwischen der Mark der BRD und der Ostmark der DDR beg&#252;nstigt (w&#228;hrend gleichzeitig die Bundesbank vorgeschlagen hatte, den Wechselkurs von 1:8 auf maximal 1:4 zu erh&#246;hen). Darauf folgte eine Explosion der Inflation (ungef&#228;hr 2.5% im August 1990 und 6.5% im M&#228;rz 1992), danach logischerweise eine pl&#246;tzliche Erh&#246;hung der Zinss&#228;tze der Bundesbank, die zur Folge hatte, dass die Investoren von den deutschen Obligationen angezogen waren. Zudem konnte das durch die Erh&#246;hung der &#246;ffentlichen Ausgaben ausgel&#246;ste Wachstum des deutschen BIP in Anbetracht der Rezession im fast ganzen Rest des Kontinents das Misstrauen der Investoren gegen&#252;ber den &#8222;Grundprinzipien&#8220; der anderen L&#228;nder nur verst&#228;rken. Das erlaubt uns, eine andere grosse Besonderheit des Euros zu erw&#228;hnen: die Abwesenheit eines Mechanismus zur Kompensierung von &#8222;asymmetrischen Schocks&#8220; (z.B. einem wirtschaftlichen Einbruch in einem Gebiet und nicht im anderen). In den nationalen Zusammenh&#228;ngen wird dieser Mechanismus normalerweise durch die steuerliche Umverteilung garantiert. Aber jenseits der sprichw&#246;rtlichen deutschen Obsession f&#252;r budget&#228;re Zw&#228;nge einerseits und der brutalen Liquidierung des (zumindest veralteten) Produktionsapparats der DDR andererseits sollte die Bedeutung der budget&#228;ren Anstrengung der ehemaligen BRD zur Kompensation ihres eigenen grundlegenden &#8222;asymmetrischen Schocks&#8220; (der Wiedervereinigung) betont werden. Diese Anstrengung geht auch heute noch weiter, sie entspricht einer j&#228;hrlichen Gesamtsumme, die etwa 4% des deutschen BIP repr&#228;sentiert und von der ehemaligen BRD in die neuen L&#228;nder umverteilt wird, sie repr&#228;sentiert 7% des BIP, wenn man das demographische Gef&#228;lle ber&#252;cksichtigt (nur 20% der deutschen Bev&#246;lkerung lebt heute in der ehemaligen DDR). Und das, obwohl die Resultate hinsichtlich der Wiederbelebung des wirtschaftlichen Wachstums in den unterentwickelten Gebieten der ehemaligen DDR schwach oder inexistent sind (der italienische Mezzogiorno ist keine Ausnahme!), &lt;i&gt;wie es fast physiologisch ist in jedem W&#228;hrungsraum mit grossen Entwicklungsgef&#228;llen&lt;/i&gt;. Aber es ist eben genau die steuerliche Umverteilung, die solche Gef&#228;lle innerhalb nationaler W&#228;hrungsr&#228;ume haltbar macht &#8211; und das ist es, was dem Euro, sogar mit einem, wie es einige vorschlagen, auf 1.5-2% des nationalen Bruttoeinkommen der Mitgliedsstaaten erh&#246;hten europ&#228;ischen Budget (gegenw&#228;rtig ist es kaum mehr als 1%) fehlt und immer fehlen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr zusammengefasst kann gesagt werden, dass die inh&#228;renten inneren Dynamiken des Prozesses der deutschen Wiedervereinigung &lt;i&gt;die Gesamtheit des wirtschaftlichen und monet&#228;ren europ&#228;ischen Integrationsprozesses &#252;berdeterminiert haben&lt;/i&gt;. Dieser wahrscheinlich l&#252;ckenhafte Exkurs war notwendig, um einmal mehr zu bekr&#228;ftigen, dass einerseits der europ&#228;ische Aufbau in seiner aktuellen Form nicht andauern und andererseits jegliche Rekonfiguration davon nur ausgehend von Deutschland selbst geschehen kann &#8211; nicht ohne die Intervention eines &#228;usseren Anreizes und einer Ver&#228;nderung der politischen Klasse, auf der einen und/oder auf der anderen Seite des Rheins. Die Wahlen in Deutschland im September 2021 und in Frankreich im April 2022 werden Etappen sein, die es aufmerksam zu verfolgen gilt. Man wird dann sehen, ob und in welchem Ausmass die eventuell vertiefte Krise die jeweiligen W&#228;hlerschaften polarisiert haben wird. Auch wenn sich in Deutschland eine gem&#228;ssigte Koalition durchsetzen w&#252;rde, w&#228;re sie vermutlich mit einem ungez&#252;gelten Neogaullismus oder Neobonapartismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Uns fehlt hier der Platz, um mehr zum Bonapartismus zu sagen. Es gen&#252;gt, zu (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; auf der anderen Seite der Grenze konfrontiert. Unter anderen Dossiers ist das von der EU und China Ende Dezember 2020 unterzeichnete und den europ&#228;ischen Multinationalen den Zugang zum chinesischen Markt erleichternde Investitionsabkommen imstande, Deutschland die Geduld verlieren zu lassen. Dieses Abkommen ist zur Stimulierung der deutschen Exporte wesentlich, aber es wird dem Joch der Ratifizierung in den Parlamenten der 27 Mitgliedsstaaten der EU auch nicht entkommen. Andere unmittelbarere Reibungsfl&#228;chen werden w&#228;hrend der Impfkampagne auftauchen, wenn die Lieferungen von Pfizer und AstraZeneca dem von den Exekutivgewalten vorgesehenen intensiven Rhythmus nicht nachkommen (Merkel hat sich schon gegen&#252;ber der Importm&#246;glichkeit von Sputnik V offen gezeigt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T&#252;rkei, Bergkarabach usw.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach den Kriegen in Libyen, im Jemen, in Syrien und in der Ukraine stellt der Krieg um Bergkarabach, der am 27. September 2020 ausbrach, eine neue kriegerische Episode dar, die k&#252;nftige Konfrontationen zwischen sich noch konfus bildenden Bl&#246;cken vorbereitet. Das Element der Vorwegnahme ergibt sich hier allen voran aus der &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt; selbst, welche die T&#252;rkei, mithilfe ihres aserbaidschanischen Verb&#252;ndeten, ihrer indirekten Intervention auf dem Bergkarabach gegeben hat, eine mehrheitlich armenische Enklave, die auf dem Territorium Aserbaidschans liegt und 1991 eine von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannte unabh&#228;ngige Republik proklamierte. Der massive Einsatz von Drohnen mit klar offensivem Zweck gegen die mehrheitlich zivile Bev&#246;lkerung der Hochebene gibt einen Vorgeschmack auf einen Aspekt unter anderen der Kriege von morgen. Gleichzeitig bringt die Episode die harte Konkurrenz im Energiesektor (und haupts&#228;chlich im Gassektor) an den Tag, sie betrifft ein weites Gebiet, das sich vom Schwarzen Meer bis zum Kaukasus, vom &#246;stlichen Mittelmeer bis Nordafrika (Libyen), S&#252;deuropa und zum Balkan erstreckt &#8211; eine Konkurrenz, die dazu tendieren wird, die Karte der Kan&#228;le der Energieversorgung in diesem Gebiet neu zu zeichnen und die Gelegenheiten diplomatischer Reibungsfl&#228;chen zu multiplizieren. Die T&#252;rkei ist &#8211; zwangsl&#228;ufig und aufgrund geopolitischer Gegebenheiten &#8211; im Zentrum dieser Dynamik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In j&#252;ngster Zeit basierten die russisch-t&#252;rkischen Beziehungen auf einer Realpolitik, in welcher weder die N&#228;he zwischen Washington und Ankara, noch die Konkurrenz bez&#252;glich den &#214;lpipelines (siehe das Projekt Burgas-Alexandroupolis, um Baku-Tiflis-Ceyhan zu kontern) oder das Auftauchen scharfer Kontraste in der Ukraine und in Syrien den Fortbestand einer gewissen gesch&#228;ftlichen Synergie an anderen Fronten verhinderten. Die T&#252;rkei &#8211; die fast die Gesamtheit ihres Gasbedarfs importiert &#8211; verf&#252;gt mit der russischen Gaspipeline Blue Stream immer noch &#252;ber eine wesentliche Versorgungsquelle. Vergessen wir auch nicht, dass die T&#252;rkei 2017 das russische Raketenabwehrsystem S-400 &#252;bernommen hat und 2020 weltweit zum zweiten Importeur russischer agrarindustrieller Produkte geworden ist. Zu guter Letzt wird aktuell das von der russischen Firma Rosatom gef&#246;rderte Bauprojekt eines Atomkraftwerks im S&#252;den der T&#252;rkei, in Akkuyu, realisiert. Russland braucht seinerseits gute Beziehungen zur T&#252;rkei, um den Balkan und &#214;sterreich via TurkStream mit Gas versorgen zu k&#246;nnen, eine seit Januar 2020 aktive Gaspipeline, die das Schwarze Meer durchquert und an der griechisch-t&#252;rkischen Grenze auf eine andere Gaspipeline trifft, welche durch die Balkanhalbinsel in Richtung Norden f&#252;hrt. Trotzdem steht die t&#252;rkische Strategie der &lt;i&gt;Blauen Heimat&lt;/i&gt; der Entwicklung dieser russisch-t&#252;rkischen Synergie im Weg. Hinsichtlich der Energieversorgung hat sie zum Ziel, zugleich die Abh&#228;ngigkeit gegen&#252;ber Russland und die Zukunftsf&#228;higkeit der russischen Versorgungskan&#228;le in S&#252;deuropa zu reduzieren. In diesem allgemeinen Rahmen sind zwei Initiativen objektiv in Konkurrenz zu Blue Stream und TurkStream:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Die im November 2019 eingeweihte Gaspipeline TANAP, welche die Felder Bakus via Tiflis und Ankara mit Griechenland verbindet; mit der TANAP ist die im Oktober 2020 vollendete TAP verbunden, sie verl&#228;ngert die Gaspipeline von Kipoi in Richtung Albanien und Italien; f&#252;r die T&#252;rkei entspricht die TANAP sechs Milliarden Kubikmeter an zus&#228;tzlichem Gas pro Jahr;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die im Januar 2020 lancierte milit&#228;rische Intervention in Libyen zur Unterst&#252;tzung des Pr&#228;sidenten Al-Sarraj gegen die Offensive des Generals Haftar gegen Tripolis; jenseits der Unterst&#252;tzung f&#252;r die eine oder die andere Fraktion ist der wahrhafte Zankapfel hier die Unterzeichnung (am 26. November 2019) des t&#252;rkisch-libyschen Memorandums &#252;ber die ausschliesslichen maritimen Wirtschaftszonen, das den t&#252;rkischen Unternehmen die Erkundungs- und Ausbeutungserlaubnis f&#252;r Gas in den libyschen Hoheitsgew&#228;ssern garantiert; beil&#228;ufig kann erw&#228;hnt werden, dass die T&#252;rkei hier verschiedenen Akteuren auf die F&#252;sse tritt, dazu geh&#246;rt Italien (ENI muss sich langsam in Acht nehmen), aber auch Israel (siehe die Gaspipeline East-Med, die bis 2025 fertiggestellt werden soll).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Illustration 3: Die Gaspipelines TANAP und TAP&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_35 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L350xH206/100000000000015e000000ce25820ba7859762ab-608f7.jpg?1784181573' width='350' height='206' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die T&#252;rkei &#252;bt eine mittlerweile &#8211; wie wir es mehrmals gesehen haben &#8211; hemmungslose regionale Machtpolitik aus, beg&#252;nstigt durch die neue Europa- und Nahostpolitik der USA (erstere war schon unter Obama an der Tagesordnung, letztere war betonter unter Trump). Erdogan st&#252;rzt sich in alle erreichbaren Schlachtfelder, ohne sich allzu sehr weder um seine Feinde, &lt;i&gt;noch um seine wirklichen oder vermeintlichen Verb&#252;ndeten&lt;/i&gt; zu sorgen; er spielt die Rolle des Unruhestifters innerhalb der NATO (wovon die T&#252;rkei Mitglied ist) und gegen&#252;ber der Europ&#228;ischen Union (welche den vom deutschen Kanzler Kohl 1997 ge&#228;usserten Beitrittsvorschlag betreffend der T&#252;rkei nie komplett ad acta gelegt hat); er setzt auf die unentwirrbare Interessenverflechtung, welche das Mittelmeer darstellt, um ohne Repressalien Positionsgewinne zu erzielen. Und er handelt als zus&#228;tzlicher Trennungsfaktor der deutsch-franz&#246;sischen Beziehungen. Die offen einger&#228;umten Haltungsunterschiede von Merkel und Macron bez&#252;glich der Spannungen zwischen der T&#252;rkei und Griechenland letzten Sommer zeigen es einmal mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg um Bergkarabach &#8211; in welchem Russland unauff&#228;lliges Verhalten bevorzugte und von seiner Einbringung absah, ausser als vermittelnde und friedenswahrende Kraft &#8211; macht die Zerbrechlichkeit der russisch-t&#252;rkischen Beziehungen und die m&#246;gliche Eskalation auf bekannten oder noch unbekannten Schlachtfeldern offensichtlich. Der Konflikt ist durch ein prek&#228;res Abkommen zur Einstellung der Feindseligkeiten beendet worden, es sieht f&#252;r Armenien den Verlust der Territorialgewinne nach dem j&#252;ngsten Konflikt mit Aserbaidschan (1988) vor. Man kann wetten, dass die Geschichte hiermit nicht zu Ende ist. Russland ist sich dessen bewusst und sieht nicht tatenlos zu. Als der Krieg um den Bergkarabach ausbrach, fand im Kaspischen Meer die See&#252;bung Kaukasus 2020 statt, an ihr beteiligten sich auch iranische Kriegsschiffe. Zudem fanden gemeinsame russisch-&#228;gyptische Seeman&#246;ver letzten November im Schwarzen Meer statt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Igor Delano&#235;, &#8222;Erdogans Drohnen, Putins Raketen&#8220; in Le Monde (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung: Das Abrutschen der Kontinente, und &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;von einem&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; davon im Besonderen&#8230;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nichts wirklich Entscheidendes, weder im Bereich der Konfrontation zwischen entgegengesetzten Fraktionen des Kapitals, noch zwischen Klassen, geschah bis anhin in dieser &lt;i&gt;ersten Phase&lt;/i&gt; der Krise. Die schon existierenden Linien der Abgrenzungen zwischen Klassen und Klassenfraktionen vertiefen sich jedoch, w&#228;hrend andere sich sichtbarer abzeichnen. Ausserdem gelangen nicht aufgel&#246;ste Knoten eines ganzen sich aufzehrenden Akkumulationszyklus (siehe weiter oben, die schwarze Frage in den USA, die deutsche Frage in Europa, die Bauernfrage in Indien und China) an die Oberfl&#228;che, sie machen das Gesamtbild komplexer und zerkl&#252;fteter. Es &lt;i&gt;wird&lt;/i&gt; zu einer Verschlimmerung der Krise &lt;i&gt;kommen&lt;/i&gt;, obwohl deren Form und Antriebe schwer vorhersehbar sind. Nachdem die Globalisierung nach den Krisen von 2008 und 2020 in den Stand-By-Modus gesetzt worden ist, sollten wir uns &#8211; sei es nur &#8222;intellektuell&#8220; &#8211; auf eine Phase des Zerfalls des globalen Zyklus des Kapitals mit dem Auftauchen verschiedener eiserner Vorh&#228;nge vorbereiten. Das bedeutet nicht, dass die gegenw&#228;rtig im Entstehen begriffenen Bl&#246;cke und internen Fragmentierungen von heute auf morgen zu dichten R&#228;umen werden. Die Entglobalisierung ist ein &lt;i&gt;Prozess&lt;/i&gt; und jeder Prozess dieser Gr&#246;sse setzt Beschleunigungen, Zwischenhalte und R&#252;ckschritte gefolgt von neuen Beschleunigungen voraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein zentraler Punkt, der betont werden muss, ist die aktuelle Polarisierung zwischen gesellschaftlich und politisch stabilen Gebieten, die &#8211; und das ist kein Zufall &#8211; mit bedeutenden produktiven Kapazit&#228;ten assoziiert werden, und instabilen Gebieten, Schaupl&#228;tzen von manchmal starken gesellschaftlichen Spannungen, die keine oder fast keine bedeutenden Produktionskapazit&#228;ten haben &#8211; und somit gleichzeitig &#252;ber kein industrielles Proletariat verf&#252;gen. Einige Beispiele reichen nicht, um dieser Feststellung zu widersprechen. Wir haben tats&#228;chlich &#8211; von Beirut bis Neapel, aber auch in gewissen Regionen der USA, die besonderes Interesse f&#252;r die antirassistische Bewegung zeigen &#8211;, unabh&#228;ngig vom auf der Strasse kontextuell erreichten Niveau der Gewalt, klar gesehen: Wenn die Polizei, die Gesch&#228;fte und das urbane Mobiliar einmal geb&#252;hrend angegriffen worden sind, was tun? Wohin gehen? Wenn es nichts anderes anzugreifen gibt, drehen wir uns im Kreis. Der &#8211; f&#252;r eine ganze philosophische und literarische zeitgen&#246;ssische Str&#246;mung &#8211; sakrosankte Riot mit einem grossen R zeigt darin seine grundlegende Schw&#228;che.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf dem alten Kontinent zu bleiben, ist es interessant, eine Passage Bordigas, geschrieben Ende der 1950er Jahre, zu zitieren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kann man es wagen, die Umrisse der zuk&#252;nftigen internationalen Revolution zu skizzieren? Das Zentrum dieses Gebietes wird in den L&#228;ndern liegen, die auf die Verw&#252;stungen des zweiten Weltkriegs mit einem m&#228;chtigen Wiederaufschwung der Produktivkr&#228;fte reagierten: in erster Linie Deutschland, Ostdeutschland eingeschlossen, Polen und die Tschechoslowakei. Die erbarmungslose Enteignung aller Besitzer &#8218;volkskapitalistischen&#8216; Verm&#246;gens [d.h. innerhalb der damaligen &#8218;Volksdemokratien&#8216;, AdA] wird einem proletarischen Aufstand folgen, dessen Kerngebiet zwischen Berlin und dem Rhein liegen wird. Norditalien und der Nordosten Frankreichs werden rasch in die Bewegung einbegriffen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine derartige Perspektive wird den geistig Umnebelten nicht zug&#228;nglich sein, die keinem der kapitalistischen L&#228;nder auch nur eine Stunde des &#220;berlebens zugestehen wollen. F&#252;r sie sind alle kapitalistischen L&#228;nder gleich und reihenweise zu exekutieren, selbst wenn sie daf&#252;r nur &#252;ber Hinterladerspritzen anstelle von Atomraketen verf&#252;gen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Der Marxismus und Russland&#8220;, 1976 [1957].&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr als 60 Jahre sp&#228;ter kann man kurioserweise feststellen, dass sich die Welt kaum ver&#228;ndert hat, zumindest hinsichtlich der Verteilung der Produktionskapazit&#228;ten. F&#252;gen wir Bordigas Panorama vor 60 Jahren Ungarn hinzu, geben wir Berlin (verwahrlost im Zustand des Kindergartens des mond&#228;nen Partylebens&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Obsession f&#252;r Partys hat &#252;brigens den Vorteil, dass sie die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und das weitgehend desindustrialisierte Ostdeutschland auf, ersetzen wir sie mit dem Industrieg&#252;rtel, der von Bremen bis nach M&#252;nchen reicht und Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-W&#252;rttemberg durchquert und wir haben die Karte des Industriekerns Europas und der haupts&#228;chlichen Arbeiterkonzentrationen (siehe weiter unten) erstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 4: Arbeitsstellen in der Industrie in Europa (in %, Daten von 2015)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_36 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L327xH331/10000000000001d6000001dba673f5a6aee33dac-cf593.png?1784181573' width='327' height='331' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Wir haben somit ebenfalls die Umrisse eines Grossdeutschlands skizziert, das, obwohl es keine politische Konsistenz hat, objektiv in der tentakelartigen Ausdehnung der deutschen Auslagerung in Richtung Osten (L&#228;nder der Visegr&#225;d-Gruppe) und S&#252;den (Lombardei-Venetien) existiert. Wagen wir es also, die leidige Frage zu stellen: Und falls es dieses in der &#220;berst&#252;rztheit der Ereignisse schaffen w&#252;rde, politisch zu existieren? Wenn man mal die sowohl positiven als auch negativen vorhersehbaren Folgen abgewogen hat &#8211; wozu die Balkanisierung Italiens geh&#246;rt, davon haben wir in einem anderen Text gesprochen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Il Lato Cattivo, &#8222;Il demos, il Duce e la crisi&#8220;, Dezember 2018.&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; kann man dann legitimerweise behaupten, dass ein solcher Ausgang grunds&#228;tzlich schlimmer w&#228;re als &lt;i&gt;dieses&lt;/i&gt; Europa?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entgegen weit von jeglichem Realit&#228;tsprinzip entfernten hypersubjektivistischen Sichtweisen ist keine Konkretisierung der kommunistischen Perspektive in Europa ohne Bruch der gesellschaftlichen Gleichgewichte in seinem produktiven Kern m&#246;glich. Genossinnen und Genossen, die noch ein Hirn und ein Minimum an Scharfsinn besitzen, wird es nicht im Geringsten schwerfallen, uns bis hierher zu folgen. Was schwieriger zugestanden werden kann &#8211; vor allem f&#252;r jene, welche, wie wir, von einem reinen proletarischen Internationalismus kommen &#8211; und man jedoch den Mut haben muss, es zu tun, ist die Tatsache, dass die Bedingungen eines solchen Bruchs gleichwesentlich jene eines definitiven Bruchs der nationalen Gleichgewichte in Europa oder gar der R&#252;ckkehr des Krieges auf seinem Territorium sind. Das ist der Preis einer &lt;i&gt;Wiederkehr des Verdr&#228;ngten&lt;/i&gt;, das gleichbedeutend ist mit der Weltgeschichte, die &#8211; wie es schon Hegel wusste &#8211; kein &#8222;Boden des Gl&#252;cks&#8220; ist. Nach dem Mauerfall wurde ihr angebliches &#8222;Ende&#8220; &#252;berall gefeiert, in West- und Zentraleuropa ausgerechnet begleitet von der &lt;i&gt;Ode an die Freude&lt;/i&gt; von Beethoven und Schiller (geschrieben &#8211; und das ist kein Zufall &#8211; als die deutsche Einheit noch nicht vollendet war). Nach der &lt;i&gt;Marseillaise&lt;/i&gt;, die von den Gelbwesten lauthals unter dem Triumphbogen gesungen wurde, w&#252;rden wir wetten, dass ihre definitive R&#252;ckkehr vom Lied der Deutschen begleitet sein &#8211; oder nicht sein wird. Wie ging es schon wieder? Ach ja&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;center&gt;&#8222;Deutschland, Deutschland, &#252;ber alles,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;&#252;ber alles in der Welt,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;Wenn es stets zu Schutz und Trutze,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;br&#252;derlich zusammenh&#228;lt, von der Maas bis an die Memel,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;von der Etsch bis an den Belt...&#8220;&lt;/center&gt;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2021/02/ancora-su-covid-19-e-oltre.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italiano&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=19391&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Fran&#231;ais&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Covid-19-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nikolai Bucharin, &#8222;Zur Theorie des imperialistischen Staates&#8220;, 1915. &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/archive/bukharin/works/1915/state.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar auf Englisch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &#8222;Nachwort zur zweiten Auflage&#8220; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;In Opelousas im Bundesstaat Louisiana wurde eine Genossenschaft f&#252;r den Handel mit S&#252;sskartoffeln gegr&#252;ndet. Eine Gruppe von Landwirten hat das Land gekauft, bebaut es gemeinsam und verkauft das Produkt zu ihrem eigenen Vorteil. Die Genossenschaft [&#8230;] z&#228;hlt momentan 375 schwarze Landwirte. Der Erfolg des Unternehmens hat 15 weisse Kleinbauern ermutigt, sich ihm anzuschliessen. Die Spezialmethoden und die Markttechniken, die dort gelernt worden sind, werden in anderen Regionen des Landes angewandt werden. Es ist ein Beispiel von Black Power im wirtschaftlichen Bereich.&#8220; (Floyd B. McKissick, &#8222;Programs for Black Power&#8220; in Floyd B. Barbour [Hg.], &lt;i&gt;The Black Power Revolt&lt;/i&gt;, New York, Collier Books, 1968.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Abraham L&#233;on, &lt;i&gt;Die j&#252;dische Frage. Eine marxistische Analyse&lt;/i&gt;, Essen, Arbeiterpresse-Verlag, 1995 [1946].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Jahr 2017 bekr&#228;ftigten wir, dass &#8222;die M&#246;glichkeit neuer &#8218;Verwachsungen&#8216; zwischen Proletariat und Mittelklassen &#252;berhaupt nicht ausgeschlossen ist, sowohl in den zentralen Zonen (beispielsweise in Form einer schwarzen Bewegung gegen den Rassismus in den USA), als auch in den halbperipheren (beispielsweise in Form von Bewegungen gegen die Regierung, die f&#228;hig sind, alle Beg&#252;nstigten der Umverteilung der &#214;lrente in den heute leidenden schw&#228;chsten Produktionsl&#228;ndern zusammenzubringen)&#8220;. (Il lato cattivo, &#8222;Della difficolt&#224; ad intendersi&#8220;, Januar 2017, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2017/01/della-difficolta-ad-intendersi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Betreffend der tats&#228;chlichen Verwaltung der Pandemie, die in den USA, wie in vielen anderen L&#228;ndern, alles andere als brillant war, muss man die Aufteilung der Kompetenzen zwischen der Bundesregierung und den Bundesstaaten ber&#252;cksichtigen. Letztere wandten verschiedene Modalit&#228;ten der Verwaltung der Pandemie an, die nicht notwendigerweise durch ihre politische Couleur determiniert waren. Nur Arkansas, Iowa, Nebraska, Nord- und S&#252;ddakota, Utah und Wyoming &#8211; Staaten, wo die Bev&#246;lkerung zahlenm&#228;ssig schwach und wenig konzentriert ist &#8211; waren gegen &lt;i&gt;jegliche&lt;/i&gt; Begrenzung der Mobilit&#228;t f&#252;r die Einwohner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Trotz dem in absoluten Zahlen offensichtlichen Vorteil (ungef&#228;hr 7 Millionen Stimmen) war die Marge von Bidens Wahl &#8211; aufgrund der Besonderheiten des indirekten amerikanischen Wahlsystems &#8211; viel geringer: 50&#8216;000 &#252;bergelaufene demokratische Stimmen f&#252;r Trump h&#228;tten gereicht, um das Resultat zu &#228;ndern. Wenn man das nicht ber&#252;cksichtigt, erscheint die juristische Schlacht Trumps gegen den angeblichen Betrug schlichtweg als unverst&#228;ndlich.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Raffaele Sciortino, &#8222;Dopo Trump?&#8220;, 7. Dezember 2020, &lt;a href=&#034;https://www.infoaut.org/global-crisis/dopo-trump&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Milit&#228;risch betrachtet ist die amerikanische Aussenpolitik weit davon entfernt, sich aus S&#252;dostasien zur&#252;ckgezogen zu haben. 60% der amerikanischen Kriegsschiffe und 70% der Infanterie der amerikanischen Marine sind gegenw&#228;rtig im Indopazifik konzentriert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Brendan O&#8216;Leary, &lt;i&gt;The Asiatic Mode of Production. Oriental Despotism, Historical Materialism, and Indian History&lt;/i&gt;, Oxford, Basil Blackwell, 1989.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Daf&#252;r gibt es heute nur einen Weg: die Vereinigung der Staaten der europ&#228;ischen Zivilisation in einem Bunde mit gemeinsamer Handelspolitik, einem Bundesparlament, einer Bundesregierung und einem Bundesheer &#8211; die Herstellung der Vereinigten Staaten von Europa.&#8220; (Karl Kautsky, &lt;i&gt;Die Neue Zeit&lt;/i&gt;, 28. April 1911; zitiert von Rosa Luxemburg, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1911/05/utopien.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Friedensutopien&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 1911.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220; in &lt;i&gt;Il Programma comunista&lt;/i&gt;, Nr. 11-12, 1962, &lt;a href=&#034;https://www.quinterna.org/archivio/1952_1970/mito_europa.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Grunde genommen wurde die gesamte Geschichte Europas durch die deutsche Frage determiniert. Die Balkanisierung Europas und Deutschlands ergibt sich aus der Niederlage der den gesamten Kontinent am Anfang des 16. Jahrhunderts heimsuchenden revolution&#228;ren Welle (Niederlage von 1525). Mit dem Dreissigj&#228;hrigen Krieg wird Deutschland geteilt und macht hinsichtlich der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse R&#252;ckschritte. Indem sie Holland verlor, verlor die deutsche Nation die erste grosse Gelegenheit einer schnellen Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise; es geschieht letztendlich erst nach 1870. Somit stellt sich zwischen dem Beginn des 16. Jahrhunderts und der gegenw&#228;rtigen Epoche die Frage der deutschen Einheit. Die Tatsache, dass die &#8218;Alliierten&#8216; es nach dem Zweiten Weltkrieg f&#252;r notwendig hielten, nicht den deutschen Militarismus zu zerst&#246;ren, denn ab 1950 war die BRD wieder bewaffnet, sondern die Macht des Proletariats, indem es in die verschiedenen Konzentrationslager fragmentiert wurde, welche die kapitalistischen Nationen ihrem Wesen nach sind, beweist, dass die kapitalistische Klasse die Lehren aus der Vergangenheit verstanden hatte. Die Repression 1953 gegen die aufst&#228;ndischen Bewegungen in Ostberlin und in Posen, dann 1956 in Posen und in Ungarn, schliesslich jene in Polen 1970-1971 (in einem geringeren Ausmass jene in der Tschechoslowakei 1968) beweist, dass das globale Kapital auf keinen Fall eine gewaltt&#228;tige Wiederaufnahme des Klassenkampfes in diesen L&#228;ndern tolerieren kann. Die Diktatur wird dort immer entschlossen sein. Einzig die Lockerung der durch die EG und die UdSSR aufrechterhaltene Schlinge wird eine Wiederaufnahme erlauben k&#246;nnen, doch sie wird auf keinen Fall jener nach dem Ersten Weltkrieg &#228;hneln.&#8220; (Jacques Camatte, &lt;a href=&#034;https://revueinvariance.pagesperso-orange.fr/kapd.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le KAPD et le mouvement prol&#233;tarien&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt;, Reihe II, Nr. 1, November 1971, S. 51, Fussnote 43.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Trotzdem zeigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe im Mai 2020 &#252;ber die Verfassungswidrigkeit der expansionistischen Geldpolitik der EZB zumindest die Zur&#252;ckhaltung einflussreicher Teile des deutschen Staatsapparats gegen&#252;ber der Rettung des Euros um jeden Preis.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Um diese Erfahrung wirklich zu verstehen, muss man sich jeglichen Deutschenhass verbieten. Die Lekt&#252;re eines Autors wie W.G. Sebald kann diesbez&#252;glich hilfreich sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hans Magnus Enzensberger, &lt;i&gt;Sanftes Monster Br&#252;ssel oder Die Entm&#252;ndigung Europas&lt;/i&gt;, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2011. Es w&#228;re korrekter, von direkter Gewalt zu sprechen im Gegensatz zu indirekter oder potenzieller Gewalt. Es ist klar, dass der Griechenland auferlegte Rettungsplan z.B. ein enormer Akt der Gewalt war. Trotzdem ist auf formeller Ebene gewissermassen auch grunds&#228;tzlich die Troika (EZB, IWF und Europ&#228;ische Kommission) direkt daf&#252;r verantwortlich, nicht Deutschland.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt;, 1871.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe das Interview des &lt;i&gt;Corriere della Sera&lt;/i&gt; mit Giuliano Amato, dem damaligen Premierminister Italiens: &#8222;Ich schlug es den Franzosen vor. Der Druck auf die Lira war dramatisch, wir k&#228;mpften f&#252;r den Verbleib innerhalb der Bandbreite des EWS und wir setzten auf ein Realignment aller W&#228;hrungen gegen&#252;ber der Mark. Das w&#228;re gleichbedeutend gewesen mit der Entwertung der deutschen W&#228;hrung statt der alleinigen Entwertung unserer W&#228;hrung. An einem Sonntagnachmittag Ende August ging ich nach Paris und schlug es Pierre B&#233;r&#233;govoy vor. [&#8230;] Er sagte mir: &#8218;Giuliano, ich werde es nicht tun.&#8216; Er zeigte mir die Zahlen. Am 20. September sollte das Referendum &#252;ber die Ratifizierung des Vertrags von Maastricht in Frankreich stattfinden: Der Ja-Anteil ging zur&#252;ck. Wenn sie die Parit&#228;t mit der Mark verloren h&#228;tten, h&#228;tte der franz&#246;sische Stolz das &#8218;Nein&#8216; unbesiegbar gemacht und das Projekt der W&#228;hrungsunion w&#228;re den Bach runtergegangen.&#8220; (Federico Fubini, &#8222;Giuliano Amato: 25 anni dopo la notte della lira&#8220;, Homepage des &lt;i&gt;Corriere della Sera&lt;/i&gt;, 15. September 2017.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Uns fehlt hier der Platz, um mehr zum Bonapartismus zu sagen. Es gen&#252;gt, zu pr&#228;zisieren, dass es sich um ein typisches Ph&#228;nomen der Geschichte der franz&#246;sischen Politik handelt, das periodisch wiederkehrt. Einige Aspekte sind von Sergio Bologna in &#8222;Karl Marx als Korrespondent der &lt;i&gt;New York Daily Tribune&lt;/i&gt;&#8220; in Beilage zu &lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt; Nr. 85 und Maximilien Rubel in &lt;i&gt;Karl Marx devant le bonapartisme&lt;/i&gt;, Paris, Mouton &amp; Co., 1950 behandelt worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Igor Delano&#235;, &lt;a href=&#034;https://monde-diplomatique.de/artikel/!5731775&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Erdogans Drohnen, Putins Raketen&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, Dezember 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/upt/kompro/art/cidmarurud.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Der Marxismus und Russland&#8220;&lt;/a&gt;, 1976 [1957].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Obsession f&#252;r Partys hat &#252;brigens den Vorteil, dass sie die Verdauungsst&#246;rung einer Welt aufdeckt, die sich bet&#228;uben muss, um zu vergessen: Die Hauptstadt des b&#252;rgerlichen Europas hat an einer zu belastenden Vergangenheit schwer zu schlucken.&#8220; (Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1325&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Dyspepsie berlinoise&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2017.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Il Lato Cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2018/12/il-demos-il-duce-e-la-crisi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il demos, il Duce e la crisi&#8220;&lt;/a&gt;, Dezember 2018.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Il lato cattivo &#8211; Covid-19 und dar&#252;ber hinaus</title>
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&lt;p&gt;Nichts f&#252;rchtet der Mensch mehr als die Ber&#252;hrung durch Unbekanntes. &lt;br class='autobr' /&gt;
In einer wirtschaftlich besch&#228;digten, doch politisch stagnierenden Welt muss der Schock manchmal &#8222;von aussen&#8220; kommen, von Faktoren oder Ereignissen, die urspr&#252;nglich weder strikt wirtschaftlich noch politisch sind, und, im gegenw&#228;rtigen Fall, nicht einmal strikt menschlich. Nicht dass Epidemien als rein biologisches Ph&#228;nomen qualifiziert werden k&#246;nnten, doch es scheint uns offensichtlich, dass diese Episode des ewigen (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Covid-19" rel="tag"&gt;Covid-19&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton68.png?1689273855' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='90' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Nichts f&#252;rchtet der Mensch mehr als die Ber&#252;hrung durch Unbekanntes.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Elias Canetti.&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;In einer wirtschaftlich besch&#228;digten, doch politisch stagnierenden Welt muss der Schock manchmal &#8222;von aussen&#8220; kommen, von Faktoren oder Ereignissen, die urspr&#252;nglich weder strikt wirtschaftlich noch politisch sind, und, im gegenw&#228;rtigen Fall, nicht einmal strikt &lt;i&gt;menschlich&lt;/i&gt;. Nicht dass Epidemien als rein biologisches Ph&#228;nomen qualifiziert werden k&#246;nnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Ausl&#246;sung der gegenw&#228;rtigen Pandemie selbst &#8211; genau wie jene der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch es scheint uns offensichtlich, dass diese Episode des ewigen Kampfes zwischen dem Menschen und den Krankheitserregern, der heute den Namen Covid-19 tr&#228;gt, deswegen eine so dramatische Wende nimmt, weil er mit jener besonderen Umwelt verbunden ist &#8211; die ihrerseits rein gesellschaftlich ist &#8211; in welcher er sich abspielt. Dass auf wirtschaftlicher Ebene ein &#8222;perfekter Sturm&#8220; aufziehen w&#252;rde, das wussten wir schon lange&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vor mehr als einem Jahr machten wir eine Bestandesaufnahme der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dass er mit einer grossfl&#228;chigen Pandemie einhergehen w&#252;rde, war schwer vorauszusehen. Diese Tatsache ist definitiv ein neues Element im Szenario, das vorsichtig und n&#252;chtern analysiert werden muss: Zu h&#228;ufig ist gesagt worden, dass &lt;i&gt;nichts mehr wie zuvor sein w&#252;rde&lt;/i&gt; aufgrund irgendwelcher absolut unbedeutender Verschiebungen. Trotzdem ist die konkrete Lebensweise eines steigenden Teils der Weltbev&#246;lkerung schon stark davon betroffen (&lt;i&gt;auf dem Papier&lt;/i&gt; etwa drei Milliarden in Quarant&#228;ne am 25. M&#228;rz) und die Tendenz wird wahrscheinlich weiter in diese Richtung gehen. Die wenigen Leute, die glauben, dass sie nach drei Wochen &lt;i&gt;leichter&lt;/i&gt; Quarant&#228;ne in Begleitung von Netflix ihren grauen Alltag wiederfinden werden, d&#252;rften letztendlich entt&#228;uscht sein. Nicht nur und nicht wirklich, weil der ber&#252;hmte H&#246;hepunkt der Epidemie auf sich warten l&#228;sst, sowohl in Italien, als auch anderswo (Frankreich, Spanien usw.), sondern vor allem, weil die R&#252;ckkehr zu einer &lt;i&gt;scheinbaren&lt;/i&gt; Normalit&#228;t in der wirtschaftlichen Aktivit&#228;t und der t&#228;glichen Mobilit&#228;t zu einem Zeitpunkt erfolgen wird, wo die Epidemie immer noch andauern und betr&#228;chtliche Kontrollmassnahmen und Sicherheitsdispositive zur Folge haben wird, um eine zweite Welle der Ansteckung und des Todes zu verhindern. Das gilt allen voran f&#252;r jene L&#228;nder, wo die neomalthusianische Versuchung der &#8222;Herdenimmunit&#228;t&#8220; mehr oder weniger abgelehnt worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit bleibt der Gegenstand der kommunistischen Theorie immer der gleiche: Das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als Tr&#228;ger seiner eigenen &#220;berwindung &lt;i&gt;oder&lt;/i&gt; seiner Reproduktion auf einer h&#246;heren Ebene &#8211; ein Ausbeutungsverh&#228;ltnis zwischen antagonistischen Klassen, das, unter all jenen, die historisch existierten, zum widerspr&#252;chlichsten und &lt;i&gt;somit zum dynamischsten&lt;/i&gt; geh&#246;rt. Inmitten eines Gew&#252;hls der Tatsachen und der Diskurse &#252;ber die Tatsachen geht es darum, die in dieses Verh&#228;ltnis eingebrachten Auswirkungen der gegenw&#228;rtigen Entwicklungen zu erfassen, sowohl kurz- als auch langfristig. Was, es sei nur nebenbei gesagt, das Gegenteil der Leichtigkeit darstellt, mit welcher einige den &#8222;Zusammenbruch des Kapitalismus&#8220; heraufbeschw&#246;ren &#8211; ein Ausweg, dank welchem alles einfach wird, weil man &lt;i&gt;die Wirklichkeit&lt;/i&gt; einfach verschwinden l&#228;sst, obwohl sie ungleiche sozio&#246;konomische und institutionelle Deklinationen, Temporalit&#228;ten der Ausbreitung des Virus und der Ansteckung und verschiedene Strategien der Reaktion auf den Gesundheitsnotstand hervorbringt. Dar&#252;ber hinaus sollte man die ungleiche Verteilung der Verluste zwischen den verschiedenen individuellen Kapitalfraktionen im Kontext der Wirtschaftskrise nicht vergessen. Die Ungleichm&#228;ssigkeit der Entwicklung ist immer noch die Regel im historischen Prozess. Die folgenden Anmerkungen &#8211; kaum mehr als ein Patchwork &#8211; sind nur eine leichte Anpassung im Fokus, zu unserem Gebrauch und f&#252;r jene, die mitlesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es soll zuerst gesagt werden, dass die von der internationalen Ausbreitung der Pandemie determinierte Situation definitiv eine gewisse Anzahl dem generell als &#8222;Globalisierung&#8220; definierten Akkumulationszyklus inh&#228;renter Grenzen entbl&#246;sst und gleichzeitig von den betroffenen Akteuren (Unternehmen und Machtzentren auf jeder Ebene) verlangt, sich diesen Grenzen zu stellen, indem sie &lt;i&gt;dringend&lt;/i&gt; unmittelbare Antworten vorbereiten m&#252;ssen, wovon sich einige (die wenigsten) &#8211; wie immer im Rahmen der Konkurrenz &#8211; als angemessen und zur Verallgemeinerung geeignet herausstellen, w&#228;hrend andere (die meisten) im M&#252;lleimer der Geschichte landen werden. Um eine Formel wieder aufzugreifen, auf welcher wir oft beharrt haben, &#8222;das geheime Labor der Produktion&#8220; ist genau das: Ein Labor, wo sich die Agenten der Akkumulation unabl&#228;ssig bewegen &#8211; sogar in den hoffnungslosesten Situationen &#8211; um sich den jedes Mal neu gegebenen Bedingungen anzupassen und sie zu ihrem Vorteil zu modifizieren, sobald sich dazu die Gelegenheit bietet. Nehmen wir als eine kurze Untersuchung der erw&#228;hnten Grenzen vor, nicht ohne einige Hypothesen bez&#252;glich der Antworten aufzustellen, welche sie ausl&#246;sen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allen voran bringt die aktuelle Notsituation die Zerbrechlichkeit der globalisierten &lt;i&gt;supply chains&lt;/i&gt; und der Option &lt;i&gt;zero stock&lt;/i&gt; ans Licht. In den USA hat man feststellen k&#246;nnen, inwieweit die Versorgung mit Medikamenten und medizinischem Material von den Pazifik &#252;berquerenden Lieferungen abh&#228;ngt. Es ist allgemein bekannt, dass sich die Ausbreitung von Covid-19 in China deutlich verlangsamt hat und die Produktion wieder aufgenommen wird. Der H&#246;hepunkt der Epidemie in den USA d&#252;rfte hingegen im April oder im Mai mit einer voraussichtlichen Inzidenzrate von 30 bis 40% der Bev&#246;lkerung erreicht sein. Die Erh&#246;hung der Nachfrage wird massiv sein. Es ist also wahrscheinlich, dass die USA gezwungen sein werden, Massnahmen zur Relokalisierung der Produktion in diesem Sektor zu ergreifen, sei es nur teilweise, f&#252;r gewisse pharmazeutische Produkte oder medizinische Ger&#228;te. Die durch den Defense Production Act erlaubte Requisition von General Motors zur Fabrikation von Beatmungsger&#228;ten ist ein erster Schritt in diese Richtung. Falls sich diese Tendenz verst&#228;rkt, w&#228;re es eine betr&#228;chtliche Beschleunigung des chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt;, das in anderen Sektoren schon begonnen hat (allen voran in der Milit&#228;rindustrie). Im Vereinigten K&#246;nigreich haben die durch den Ansturm auf die Superm&#228;rkte ausgel&#246;sten Verknappungen die Abh&#228;ngigkeit bez&#252;glich Nahrungsmittel eines Landes deutlich hervorgehoben, welches 50% seiner Nachfrage nach Grundnahrungsmittel mit Importen abdeckt (haupts&#228;chlich aus der EU) und in welchem der sprunghafte Anstieg der st&#228;dtischen Bodenrente die Lagerkapazit&#228;ten betr&#228;chtlich reduziert hat, gleichzeitig hat er zum Niedergang der lokalen Landwirtschaft beigetragen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Heute ist [in Grossbritannien] ein Hektar Land hundertmal rentabler, wenn (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Frankreich hat der Wirtschaftsminister Bruno Le Maire w&#228;hrend einer Pressekonferenz am 9. M&#228;rz die zutage tretenden Szenarien zur Kenntnis genommen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich bin &#252;berzeugt, dass es ein Zuvor und Danach bez&#252;glich dieser Epidemie des Coronavirus und der Organisation der globalen Wirtschaft geben wird. Es ist klar, inwieweit es in gewissen Bereichen wichtig ist, &#252;ber eine bessere Organisation der Verwertungsketten, die Relokalisierung gewisser strategischer Aktivit&#228;ten, besonders im Gesundheitssektor, und den Aufbau einer Globalisierung nachdenken zu m&#252;ssen, wo die Verwertungsketten besser gesch&#252;tzt und unabh&#228;ngiger sind, damit auf diese Art und Weise manchmal nutzlose Bewegungen vermieden werden, wenn gewisse Produkte in der N&#228;he hergestellt werden k&#246;nnen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass man eine solche Rede halten und sich dabei immer noch auf die Globalisierung beziehen kann, obwohl man in Wirklichkeit von ihrer Demontage spricht, ist nur ein f&#252;r einen Politiker typisches Oxymoron: Die W&#252;rfel sind gefallen. Man k&#246;nnte unendlich viele &#228;hnliche Beispiele, Hinweise und Vorschl&#228;ge aufz&#228;hlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens bringt die aktuelle Notsituation jene Risiken ans Licht, welchen die kapitalistische Akkumulation in einem Kontext der Unterfinanzierung der &#246;ffentlichen Gesundheitssysteme und der Infrastrukturen im Allgemeinen ausgesetzt ist. Vergessen wir nicht, dass die Notwendigkeit und die Strenge der Massnahmen der Ausgangsbeschr&#228;nkung haupts&#228;chlich von der F&#228;higkeit des Gesundheitssystems abh&#228;ngen, die wirklichen Ansteckungen innerhalb der Bev&#246;lkerung ausfindig zu machen und sich um sie zu k&#252;mmern. In einem hypothetischen Szenario einer &#220;berf&#252;lle an Spitalbetten und einer massiven und unmittelbaren Verf&#252;gbarkeit der Tests w&#228;re die Ausgangssperre alles andere als unumg&#228;nglich und k&#246;nnte vermieden werden. Ohne sich Illusionen zu machen &#252;ber den Weitblick oder die edle Gesinnung der Entscheidungstr&#228;ger und Regierenden dort, war das klar ersichtlich in S&#252;dkorea, ein Land, das nicht so gross ist wie China, aber auch nicht so klein wie San Marino (50 Millionen Einwohner), und obwohl das Durchschnittsalter zweifellos niedriger ist als jenes Italiens (42.1 gegen 46.3), hatte es Anfang M&#228;rz zweimal mehr offizielle Ansteckungsf&#228;lle. Man wird nicht erstaunt sein, dass in S&#252;dkorea die Anzahl Spitalbetten pro 1&#8216;000 Einwohner 12.27 betr&#228;gt, gegen&#252;ber 3.18 in Italien (Zahlen von 2017). Was Italien betrifft, hat unl&#228;ngst ein Bericht des Observatoriums GIMBE&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Observatorium GIMBE, &#8222;Il definanziamento 2010-2019 del Sistema sanitario (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; die Budgetk&#252;rzungen im Bereich der &#246;ffentlichen Gesundheit zwischen 2010 und 2019 auf 37 Milliarden gesch&#228;tzt, etwa die H&#228;lfte davon betraf die Infrastrukturen, die Ger&#228;te und das Material und die andere H&#228;lfte die Neuanstellungen und die Lohnerh&#246;hungen (besonders &#196;rzte, Verwaltungs- und F&#252;hrungspersonal). Wir werden freilich nicht jene beklagen, welche Marx als Mitzehrer der &lt;i&gt;Surplusvalue&lt;/i&gt; anprangerte, doch es soll gesagt sein, dass die hohen L&#246;hne gewisser Berufskategorien nicht nur die Ausl&#246;sung von Prestige oder Ehrfurcht seitens der Benutzer oder des untergeordneten Personals zum Ziel haben, sondern auch &lt;i&gt;den Korpsgeist und die Bereitschaft zur individuellen Aufopferung&lt;/i&gt; unter den Betroffenen &#8211; ausser man glaubt, es w&#228;re w&#252;nschenswert, dass ein Chirurg den Operationssaal mit der gleichen Haltung betritt wie ein spezialisierter Arbeiter sich ans Fliessband begibt. Insoweit als dass diese Einkommensniveaus in sich zusammenfallen, geschieht das selbe mit ihrer subjektiven Konsequenz. Was soll man sagen &#252;ber die pensionierten &#196;rzte in der Lombardei, wovon sich nur 10% bereit erkl&#228;rt haben, wieder zum Dienst anzutreten? Was soll man sagen &#252;ber die Region Lombardei, die gezwungen war, &#196;rzte und Virologen aus China, Kuba, Venezuela und Russland zu importieren? Die Tatsache, dass der &lt;i&gt;Ostwind&lt;/i&gt; angefangen hat, &#252;ber der Hauptstadt des eurokompatiblen Autonomismus der Liga des Nordens und der linken Movida zu wehen, deren Forderung der Aperitif um jeden Preis ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gleichzeitig scheint es in Venetien, als ob der Pr&#228;sident der Region Luca Zaia von der koreanischen Schule bekehrt worden ist: massive Fr&#252;herkennung mit mehr als 20&#8216;000 Tests pro Tag &#252;ber drei Wochen hinweg. Es ist auf jeden Fall klar, dass die drastischsten Massnahmen der Ausgangsbeschr&#228;nkung, die eingef&#252;hrt worden sind, um die Implosion eines h&#228;ufig sowieso schon atemlosen Gesundheitssystems zu verhindern, bez&#252;glich der Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivit&#228;t extrem schmerzhaft sind. Der daraus hervorgehende Widerspruch ist also, dass die st&#228;ndige Bem&#252;hung um die Verschonung des Gesundheitssystems zeigt, dass ein etwas aggressiveres und t&#246;dlicheres Virus reicht, damit das BIP zehn Punkte verliert. Ausser man entscheidet sich, die Leute einfach krepieren zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drittens bringt die aktuelle Notsituation &#8211; besonders innerhalb der Europ&#228;ischen Union &#8211; die Defekte einer &lt;i&gt;multilevel governance&lt;/i&gt; zutage, welche nunmehr zwangsl&#228;ufig, aufgrund der &#8222;Subsidiarit&#228;t&#8220; und der Umverteilung der Kompetenzen des Nationalstaates gegen unten und oben (Regionen und internationale Organismen), unf&#228;hig ist, irgendwelche Ordnung hervorzubringen. Das ist nicht neu: Man konnte es schon w&#228;hrend der Migrationskrise 2015 beobachten. Aber heutzutage ist die Sache viel schlimmer, zumindest in Italien, besonders weil die Regionen direkt betroffen sind, sie sind verantwortlich f&#252;r die Planung und die Organisation der Gesundheitsdienste. Und wir haben gesehen, wie in diesem Bereich jeder tut, was er f&#252;r richtig h&#228;lt. Die verschiedenen L&#228;nder der EU halten das &#252;brigens ebenfalls so. In einem in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; am 23. M&#228;rz erschienenen Interview hat der Vorstehende der Nationalbank Italiens, Ignazio Visco, einmal mehr den den Umst&#228;nden entsprechenden Wunsch nach einer &lt;i&gt;ever closer Union&lt;/i&gt; wiederholt: &#8222;Die Krise des Coronavirus muss es uns erlauben, in Richtung eines vereinigten Europas zu gehen.&#8220; Aber wer glaubt noch daran? Ob uns das gefallen mag oder nicht, Marine Le Pen ist unvergleichbar mehr im Einklang mit der Wirklichkeit, als sie vor den Mikrophonen von RT France (25. M&#228;rz) verk&#252;ndet, dass &#8222;die Europ&#228;ische Union das erste Opfer des Coronavirus ist&#8220;. Es ist eine neue Tatsache, dass das Diktat einer strengen Haushaltspolitik nun auch in Deutschland gefallen ist, was die Gefahr einer allgemeinen Lockerung der Sparzw&#228;nge mit sich bringt. Macron hat von der Gelegenheit profitiert, indem er schon am 25. M&#228;rz einen &#8222;massiven&#8220; Investitionsplan f&#252;r das Gesundheitssystem angek&#252;ndigt hat. Jenseits der sch&#246;nen Worte wird sich zeigen, wie viel Geld wirklich auf den Tisch gelegt werden wird. Doch wenn die EU nicht mehr f&#228;hig ist, ihre Mitglieder (PIIGS oder auch nicht) zu disziplinieren, wird sie f&#252;r diese (oder ihre k&#252;nftigen Mitglieder) zu einer Melkkuh verkommen und wird somit komplett nutzlos, sogar f&#252;r jene, welche bis anhin in ihrem Schatten fett geworden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Thema der &lt;i&gt;governance&lt;/i&gt; schrieben wir vor fast drei Jahren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Integration zwischen Staat und privater Unternehmung [&#8230;] ist zu gross geworden, sogar vom rein kapitalistischen Standpunkt ihrer optimalen Funktionsweise aus betrachtet. [D]iese Koexistenz/Kombination des Managements und der parasit&#228;ren Verwaltung der staatlichen Sph&#228;re mit all ihren Verflechtungen beschr&#228;nkt die Effizienz und die Reaktivit&#228;t des staatlichen Handelns in seinem Verh&#228;ltnis gegen&#252;ber der Gesellschaft betr&#228;chtlich, vor allem in einer Situation der Verknappung des Mehrwerts. [&#8230;] Vom Standpunkt der heute zerstreuten &#8218;Partei der Subversion&#8216; aus betrachtet, ist der aktuelle Zerfall des getrennten Staates eine gute Neuigkeit, denn sie verk&#252;ndet die M&#246;glichkeit einer kompletten institutionellen L&#228;hmung in Anbetracht eines eventuellen aufst&#228;ndischen Bruches. Doch h&#252;ten wir uns vor einem einfachen Optimismus: Ein revolution&#228;rer Aufschwung, oder wom&#246;glich einfach eine starke fordernde Dynamik, k&#246;nnte dieser Tendenz entgegenwirken, statt sie zu verst&#228;rken.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il lato cattivo, &#8222;Foto dal finestrino&#8220;, September 2017.&#034; id=&#034;nh3-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der prinzipielle Mangel dieser Analyse ist, dass sie die Funktionsst&#246;rung des Nationalstaates nur vom Standpunkt des &#8222;Endziels&#8220; bewertet und ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die &#8222;Bewegung&#8220; vernachl&#228;ssigt. Ist eine institutionelle L&#228;hmung in Abwesenheit einer unmittelbaren revolution&#228;ren Perspektive w&#252;nschenswert, wenn dazu &#8211; hypothetisch &#8211; noch eine schlimme Gesundheitskrise kommen w&#252;rde? Es steht jedem frei, in seinem tiefsten Inneren das Chaos oder die Apokalypse herbeizusehnen, aber es soll sich dann niemand beklagen dar&#252;ber, dass seine Eltern und Grosseltern letztendlich wie Hunde krepieren, zu Hause oder in G&#228;ngen von ausser Kontrolle geratenen Spit&#228;lern. Zudem ist der Inhalt der gesellschaftlichen Instanzen und Forderungen, insoweit als die Funktionsst&#246;rungen des &lt;i&gt;Operettenstaates&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Behelfsm&#228;ssige &#220;bersetzung des Begriffs lo stato coglione, den Bordiga (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, mit welchen wir heute konfrontiert sind, heftige Auswirkungen auf das allt&#228;gliche Leben jener haben, welche keine Alternative zum &#246;ffentlichen Dienst haben &#8211; nicht nur auf die Arbeiter und Angestellten, d.h. den wesentlichen Teil der aktiven proletarischen Armee, sondern auch immer mehr auf die niederen Mittelkassen, entlohnt oder nicht &#8211; von dieser Sachlage &#252;berdeterminiert. Zusammengefasst kann man sagen, dass, je weniger der Staat funktioniert, die Frage der Reform in einem souver&#228;nistischen Sinn desto mehr den allt&#228;glichen Klassenkampf und die politischen Launen der sogenannt &#8222;subalternen&#8220; Klassen kontaminiert und in verschiedener Auspr&#228;gung mit der direkten Konfrontation mit diesem oder jenem anderen Kapital oder Chef kombiniert wird. Wenn man nicht den Bauchredner der K&#228;mpfe der anderen spielen und ihnen in den Mund legen will, was uns passt, ist es unm&#246;glich, die Tatsache zu verschweigen, dass w&#228;hrend der immer noch andauernden Streikwelle in Italien die Forderungen &#252;ber die Arbeitsbedingungen (Sicherheitsmassnahmen) und die Unterbrechung der unwesentlichen Sektoren gleichzeitig an die Arbeitgeber und den Staat gerichtet sind und letzteren verpflichten, sich gegen&#252;ber Confindustria und Co. weniger gef&#228;llig zu verhalten, d.h. eine relative Autonomie gegen&#252;ber der dominanten Fraktion der Arbeitgeberschaft an den Tag zu legen. Ging die latente Bedrohung der Pl&#252;nderungen, welche Giuseppe Conte dazu bewegt hat, die Einf&#252;hrung von Lebensmittelgutscheinen anzuk&#252;ndigen, nicht in die gleiche Richtung &#8211; objektiv, oder gar subjektiv betrachtet? Werden diese Massnahmen, zusammen mit anderen, die schon ergriffen worden sind oder noch ergriffen werden, nicht endlich die europ&#228;ische Zwangsjacke zerreissen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug zum vorhergehenden Punkt heben die Ausbreitung und die Folgen von Covid-19 die Grenzen der liberalen Subjektivit&#228;t, des souver&#228;nen Individuums mit seinem freien Willen und Inhaber seines eigenen K&#246;rpers hervor. In Anbetracht der Ansteckung oder der Gefahr der Ansteckung f&#252;r sich selbst &lt;i&gt;und die anderen&lt;/i&gt; zeigen die Prinzipien &#8222;ich mache, was ich will&#8220; oder &#8222;mein K&#246;rper geh&#246;rt mir&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pr&#228;zisieren wir, falls es notwendig ist, dass das Recht auf Abtreibung oder (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; all ihre Relativit&#228;t auf, dies aus dem einfachen Grund, dass die Verbindung des Individuums mit der Gesellschaft, sowie seine &lt;i&gt;Abh&#228;ngigkeit&lt;/i&gt; von ihr, ihre Anspr&#252;che geltend machen. Man muss eine erfolgreiche Schriftstellerin sein und sich dar&#252;ber emp&#246;ren, nicht ins Schuhgesch&#228;ft gehen zu k&#246;nnen, oder ein Philosoph der Biopolitik mit einem Heiligenstatus innerhalb der radikal-schicken Intelligenzia, um das nicht zu erkennen. Muss man noch erstaunt dar&#252;ber sein, dass Liberale und Libert&#228;re sich in der Verurteilung vermeintlich &#8222;freiheitsbedrohender&#8220; Massnahmen Seite an Seite wiederfinden?&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_43 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L486xH163/100002010000031e0000010c0ad73d9ebce6de17-a211f.png?1784175850' width='486' height='163' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;(Fuani Marino: &#8222;Wir sind dabei, wesentliche Dinge wie das Recht auf Bildung, die Sozialit&#228;t und schliesslich die Wirtschaft im Namen jener Leute zu opfern, welche &#228;lter als 75 Jahre sind.&#8220;; Giorgio Agamben: &#8222;Der Ausnahmezustand ausgel&#246;st von einer ungerechtfertigten Dringlichkeit.&#8220;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowohl von einem theoretischen als auch von einem praktischen Standpunkt stellt die Notsituation von Covid-19 ein viel tiefergehendes Problem dar als die individuelle Moral oder die Solidarit&#228;t zwischen Generationen, das &#8211; wenn man genau hinschaut &#8211; die Grundlage sowohl der einen als auch der anderen ist: Was ist die &lt;i&gt;Gesellschaft&lt;/i&gt;? Diese Frage ist alles andere als unerheblich und zwingt uns, die Wurzel der Dinge zu betrachten. In dieser Hinsicht hat der gute alte Karl einige aufschlussreiche Passagen hinterlassen. Hier einige davon:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Da&#223; der gesellschaftliche Zusammenhang, der durch den Zusammensto&#223; der unabh&#228;ngigen Individuen entsteht, zugleich als sachliche Notwendigkeit, und zugleich als ein &#228;u&#223;erliches Band gegen&#252;ber ihnen erscheint, stellt &lt;i&gt;eben ihre Unabh&#228;ngigkeit&lt;/i&gt; dar, f&#252;r &lt;i&gt;die das gesellschaftliche Dasein zwar Notwendigkeit&lt;/i&gt;, aber nur &lt;i&gt;Mittel ist, also den Individuen selbst als ein &#196;u&#223;erliches erscheint, im Geld sogar als ein handgreifliches Ding&lt;/i&gt;. Sie produzieren in und f&#252;r die Gesellschaft, als gesellschaftliche, aber zugleich erscheint dies als blo&#223;es Mittel ihre Individualit&#228;t zu vergegenst&#228;ndlichen. Da sie weder subsumiert sind unter ein naturw&#252;chsiges Gemeinwesen, noch andrerseits als bewu&#223;t Gemeinschaftliche das Gemeinwesen unter sich subsumieren, mu&#223; es ihnen als den Unabh&#228;ngigen Subjekten gegen&#252;ber als ein ebenfalls unabh&#228;ngiges, &#228;u&#223;erliches, zuf&#228;lliges, Sachliches ihnen gegen&#252;ber existieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Urtext von &#8222;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&#8220; in Grundrisse der Kritik (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Je tiefer wir in der Geschichte zur&#252;ckgehen, je mehr erscheint das Individuum, daher auch das produzierende Individuum, als unselbst&#228;ndig, einem gr&#246;&#223;ren Ganzen angeh&#246;rig: erst noch in ganz nat&#252;rlicher Weise in der Familie und in der zum Stamm erweiterten Familie; sp&#228;ter in dem aus dem Gegensatz und Verschmelzung der Stamme hervorgehenden Gemeinwesen in seinen verschiednen Formen. Erst in dem 18. Jahrhundert, in der &#8218;b&#252;rgerlichen Gesellschaft&#8216;, treten die verschiednen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhangs dem Einzelnen als blo&#223;es Mittel f&#252;r seine Privatzwecke entgegen, als &#228;u&#223;erliche Notwendigkeit. Aber die Epoche, die diesen Standpunkt erzeugt, den des vereinzelten Einzelnen, ist gerade die der bisher entwickeltsten gesellschaftlichen (allgemeinen von diesem Standpunkt aus) Verh&#228;ltnisse. Der Mensch ist im w&#246;rtlichsten Sinn ein &lt;i&gt;&#950;&#8183;&#959;&#957; &#960;&#959;&#955;&#953;&#964;&#953;&#954;&#972;&#957;&lt;/i&gt;, nicht nur ein geselliges Tier, sondern ein Tier, das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einleitung von 1857 in MEW, Bd. 13, S. 615.&#034; id=&#034;nh3-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir &#8222;Gesellschaft&#8220; nennen, ist nichts anderes als &lt;i&gt;der gegenseitige Zusammenhang zwischen Individuen als von den Individuen selbst autonomer Zusammenhang&lt;/i&gt;, es ist ihre eigene Gemeinschaft, die &lt;i&gt;ausserhalb von ihnen selbst&lt;/i&gt; hervorgebracht und reproduziert wird und die f&#228;hig ist, sich jedem als &#228;ussere Zwangsmacht aufzudr&#228;ngen. Diese von den Individuen unabh&#228;ngige Gesellschaft findet ihre Verl&#228;ngerung im Staat, ohne sich auf denselben zu beschr&#228;nken. Letzterer artikuliert sich nicht gegen&#252;ber der Gesellschaft als &#228;usserer K&#246;rper, als Parasit: Er macht nichts anderes, als &lt;i&gt;die Entfremdung&lt;/i&gt; zu vergegenst&#228;ndlichen &#8211; hier verstanden ohne jegliche humanistische, essentialistische oder psychologische Konnotation &#8211; d.h. die Diskrepanz zwischen individueller und global gesellschaftlicher T&#228;tigkeit. Eine Diskrepanz, welche die grossen modernen b&#252;rgerlichen Denker unaufh&#246;rlich thematisierten, von Mandeville bis Max Weber, und dazwischen Hobbes, Vico, Smith und Hegel, einerseits in ihrer optimistischen Form der privaten Laster, die zu &#246;ffentlichen Tugenden werden, andererseits in der pessimistischen Form der guten Vors&#228;tze, welche den Weg zur H&#246;lle pflastern.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_44 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L302xH181/100002010000012e000000b51a03916105f5d1e0-0c5ad.png?1784175850' width='302' height='181' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zum Verh&#228;ltnis zwischen Proletariat und Kapital ist der Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft kein Widerspruch, er ist der Motor von nichts und untergr&#228;bt nicht die Grundlagen seiner eigenen Reproduktion; doch das bedeutet nicht, dass er nicht konkrete &lt;i&gt;Auswirkungen&lt;/i&gt; hervorbringt. Bez&#252;glich diesem die Individuen transzendierenden Zusammenhang zwischen Individuen muss allen voran der unabwendbare Druck unterstrichen werden, welche er unmittelbar auf die Individuen selbst aus&#252;bt. Der verbindliche Zwang der Gesellschaft k&#246;nnte nicht besser dargestellt werden als im ber&#252;hmten Bild des Leviathans, dessen K&#246;rper eben genau aus einer Vielzahl von Individuen besteht. Gem&#228;ss Hobbes ist der Leviathan der gr&#246;sste Zwang, denn er &#8222;kommt von allen&#8220;, und niemand kann sich ihm entziehen, denn jeder ist ungewollt daran beteiligt. Im Gegensatz zu den verworrenen Konzeptionen der Vertragstheorie, die auf ihn folgen, ist der (komplett fiktive) Gesellschaftsvertrag von Hobbes nicht ein Vertrag zwischen dem Staat und den Individuen, sondern ein Vertrag &lt;i&gt;zwischen den Individuen&lt;/i&gt;, der &lt;i&gt;logischerweise&lt;/i&gt; dem Staat &lt;i&gt;vorausgeht&lt;/i&gt; und seine Existenz gr&#252;ndet. Was ist dieser imagin&#228;re Vertrag, wenn nicht die ideologische &#220;bertragung &#8211; der Vertrag als Resultat einer &#8222;freien Entscheidung&#8220; &#8211; eines objektiven Zusammenhanges, den das Individuum als immer schon vorhanden vorfindet? Obwohl letzteres ihn &#8211; wie es Marx formuliert &#8211; als reines Mittel benutzen kann, um seine eigene Individualit&#228;t zu vergegenst&#228;ndlichen, erweist sich dieser instrumentale Gebrauch jenseits einer gewissen Schwelle als konterproduktiv. Das ist der wahre Kern, der im an uns als Teenager von unseren Eltern gerichteten Vorwurf enthalten ist: &#8222;...und wenn es alle so machen w&#252;rden wie du?&#8220; Wir zuckten nat&#252;rlich mit den Schultern und sahen &#8211; unter Androhung von lauten Ohrfeigen &#8211; von der einzigen Antwort ab, die uns in den Sinn kam (&#8222;Das ist uns scheissegal!&#8220;). Aber wenn man die Frage ernst nehmen m&#246;chte, m&#252;sste man antworten, dass &lt;i&gt;die Gesellschaft f&#228;hig ist, sich zu verteidigen&lt;/i&gt;. Dort, wo sich der gesellschaftliche Druck auf das Individuum (durch Verbote, Br&#228;uche, Normen usw.) lockert, verkehrt sich der anf&#228;ngliche Gewinn an individueller Autonomie, wenn er dazu tendiert, sich zu verallgemeinern, in sein Gegenteil, denn das Zusammenleben verschlechtert sich dermassen, dass die privaten Ziele aller kompromittiert sind. Und zu diesem Zeitpunkt wird ein Verteidigungsmechanismus aktiviert, der zum Ziel hat, ein Umfeld wieder herzustellen, in welchem die Erm&#228;chtigung des Individuums wieder m&#246;glich wird. Diesbez&#252;glich geht es selbstverst&#228;ndlich nur um die Grenzen, innerhalb welcher sich die &#8211; stets partielle &#8211; Hervorbringung des gesellschaftlichen Individuums innerhalb gesellschaftlicher und besonders kapitalistischer Klassenformationen in einem Kontext des relativen zivilen Friedens bewegt. Dieser Diskurs stellt weder die Unterteilung der Gesellschaft in Klassen, noch den Klassencharakter des Staates in Frage. Doch er erkl&#228;rt, weshalb sich die Individuen und besonders die proletarischen Individuen unter gewissen Bedingungen veranlasst sehen, &lt;i&gt;den gesellschaftlichen Druck zu verst&#228;rken&lt;/i&gt;, d.h. den Spielraum der individuellen (gesellschaftlich akzeptierten und/oder juristisch erlaubten) Autonomie als Anerkennung der Effizienz ihres gegenseitigen Zusammenhanges zu reduzieren. Gibt es f&#252;r die Schw&#228;chsten eine andere Art und Weise, gegen den Neomalthusianismus zu k&#228;mpfen, wenn die pers&#246;nliche Freiheit die Freiheit des Virus im freien H&#252;hnerstall ist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend dieser Verbindung muss die aussergew&#246;hnliche Widerstandsf&#228;higkeit unterstrichen werden. Die Anh&#228;nger &#8222;des Zusammenbruches des Kapitalismus&#8220; und andere &lt;i&gt;Kollapsologen&lt;/i&gt; haben nicht nur ein kurzes Ged&#228;chtnis, sondern auch eine total verdinglichte Sichtweise der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. In China hat der Zusammenbruch der industriellen Produktion 1961 fast 40% erreicht; in Russland 1992 25%. In den USA betrug er zwischen Juli 1929 und M&#228;rz 1933 insgesamt 52%. Wieso haben solche Katastrophen, die allenfalls Hungersn&#246;te oder demographischen Zusammenbruch zur Folge haben, nie gereicht, um zum Verfall der bestehenden Produktionsverh&#228;ltnisse zu f&#252;hren? Schlicht und einfach, weil die Gesellschaft nicht eine Addition von Individuen und/oder Gegenst&#228;nden (seien es Fabriken) ist. Das d&#252;rfte reichen, um sich von zwei alles in allem ziemlich banalen Dingen zu &#252;berzeugen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Erstens sind die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse etwas vom unergr&#252;ndlichsten und unentzifferbarsten und die Reproduktion der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse erfordert manchmal immense Opfer unter ihren materiellen Tr&#228;gern (Dinge und Personen);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; zweitens und aus dem gleichen Grund k&#246;nnen diese Verh&#228;ltnisse weder absichtlich modifiziert, noch von einem Automatismus der Geschichte (einem &#8222;Zusammenbruch&#8220; zum Beispiel) aufgel&#246;st werden. Das bedeutet nicht, dass die kapitalistische Produktionsweise ewig ist, aber dass die Frage, wie sie &#252;berwunden werden kann, eine &lt;i&gt;theoretische&lt;/i&gt; Frage im wahrsten Sinne des Wortes ist, die ernst genommen und systematisch behandelt werden muss. Jene, welche sich damit begn&#252;gen, Parolen zu br&#252;llen, machen sich nicht nur l&#228;cherlich, sondern umgehen auch die Frage, statt sie zu beantworten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollte schliesslich angemerkt werden, dass die Demontage der Globalisierung sehr wahrscheinlich einen Widerruf jener Postulate implizieren wird, bez&#252;glich welchen sich die heftigsten Kritiker des Kapitalismus und seine Apologeten eine Zeit lang einig sein konnten, besonders der antidialektischen &#220;berzeugung, die &#196;ra des Staatskapitalismus und der damit verbundenen Problematiken sei &lt;i&gt;definitiv&lt;/i&gt; &#252;berwunden. Die &#220;berwindung der Globalisierung, sollte sie gelingen, wird gewiss keine R&#252;ckkehr zum alten Keynesianismus sein. Sind wir allerdings nicht schon dabei, ein &lt;i&gt;neues Ende des laisser-faire&lt;/i&gt; zu erleben? In diesem Sinne sollte angemerkt werden, dass, entgegen unserer eigenen Prognosen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Il lato cattivo, &#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh3-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die &lt;i&gt;big bazooka&lt;/i&gt; weiterhin schiesst. Und nicht nur ein bisschen! Man kann jedoch jetzt schon bekr&#228;ftigen, dass ihre zuk&#252;nftigen Auswirkungen und Modalit&#228;ten im Verlauf der Monate immer weniger jenen der vorhergehenden Sch&#252;sse &#228;hneln werden. Trotz den wiederholten Versuchen, eine Kettenreaktion der Konkurse zu verhindern und verfaulte Banken durch eine massive Injektion von Geldfl&#252;ssigkeit und einfachen Krediten zu retten, besteht der Graben zwischen rentablen Unternehmen mit wirklichen Kapazit&#228;ten der Selbstfinanzierung und Investition &#8211; die nicht zahlreich sind, aber sie existieren sehr wohl &#8211; und den untergehenden Unternehmen fort und vertieft sich. Nur erstere werden sich auf autonome Art und Weise dem aus dem aktuellen Schlamassel hervorgehenden wirtschaftlichen und produktiven &#214;kosystem anpassen k&#246;nnen. Wahrscheinlich werden viele andere gerettet und eventuell verstaatlicht werden m&#252;ssen, doch das wird nur unter gewissen Bedingungen geschehen und nur wenn sie als strategisch betrachtet werden. Donald Trump hat schon seine Unterst&#252;tzung f&#252;r die Idee eines Verbots der &lt;i&gt;buybacks&lt;/i&gt; &#8211; d.h. des Kaufs der eigenen Titel, um ihren Wert an der B&#246;rse zu steigern &#8211; f&#252;r die geretteten Unternehmen ausgedr&#252;ckt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Trump Says He Wants Stock Buybacks Prohibited in Virus Stimulus&#8220; in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Dies w&#252;rde schon ein erstes Kriterium der Konditionalit&#228;t (die Wiederbelebung der Investitionen) f&#252;r den &lt;i&gt;bailout&lt;/i&gt; setzen. Zudem drohen die Entwicklungen der n&#228;chsten Monate, in Anbetracht des von den amerikanischen Unternehmen Ende 2019 erreichten Verschuldungsgrades (15.5 Billionen Dollar sowohl grosser als auch kleiner und mittlerer Unternehmen), die alte Frage des Beginns des letzten Jahrhunderts zum Verschwinden zu bringen: &lt;i&gt;Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus?&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Werner Sombart.&#034; id=&#034;nh3-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es versteht sich von selbst, dass das nicht ohne eine Umstellung einer betr&#228;chtlichen Fraktion der amerikanischen und &#8211; indirekt &#8211; internationalen kapitalistischen Klasse weg von der Verteidigung des ultraliberalen Status Quo hin zu einer offenen Haltung gegen&#252;ber hohen Dosen an gelenkter Volkswirtschaft und Dirigismus geschehen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auf der anderen Seite des Pazifiks? China ist selbstverst&#228;ndlich weder in keiner Weise gesch&#252;tzt vor der ausbrechenden allgemeinen Krise, noch unbeteiligt an den wirtschaftlichen Pathologien, die den Rest der Welt heimsuchen (besonders die &#220;berverschuldung). Die von der Wirtschaftspresse ver&#246;ffentlichten Zahlen sprechen von einer Senkung von 13.5% der industriellen Produktion Chinas zwischen Januar und Februar. Das ist kein Pappenstiel und es ist auch m&#246;glich, dass die Zahl zu tief gesch&#228;tzt ist, doch f&#252;hren wir uns vor Augen, dass es sich in diesem Fall nur um zwei Monate handelt, w&#228;hrend die Daten sich in den weiter oben zitierten Beispielen auf viel l&#228;ngere Zeitr&#228;ume beziehen. Fortsetzung folgt. Die grundlegende Unbekannte ergibt sich aus der auf chinesischem Boden g&#252;ltigen Dreiteilung der Kapitale (Staatsunternehmen, chinesische Privatunternehmen, ausl&#228;ndische oder hybride Unternehmen), die in den Auslegungen in Begriffen der nationalen Buchhaltung (BIP usw.) regelm&#228;ssig verschleiert werden: Wie werden die Verluste unter diesen drei Fraktionen aufgeteilt werden? Die chinesische Wirtschaft ist nicht im Block gegossen, sie ist eine Cremeschnitte. Kann man dennoch die Tatsache vernachl&#228;ssigen, dass der chinesische &lt;i&gt;Staat&lt;/i&gt; im Moment bez&#252;glich internationaler Beziehungen die einzige Macht ist, die eine Anziehung, eine Zentripetalkraft aus&#252;bt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Verlauf der letzten Wochen hat China die Erz&#228;hlung der Epidemie neu geschrieben und sie von einer Geschichte der Skandale, der Verschleierung und der schlechten Verwaltung der chinesischen Regierung in eine Geschichte des Triumphs, der Kraft und der Grossz&#252;gigkeit der Chinesen, oder gar der &#220;berlegenheit ihres Regierungssystems verwandelt. Die Funktionsst&#246;rungen des Weissen Hauses, und vielleicht bis zu einem gewissen Grad auch jene von Downing Street, haben der chinesischen Regierung gewiss geholfen, diese Erz&#228;hlung zu konsolidieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Yangyang Cheng, Cornell University.&#034; id=&#034;nh3-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt keine Solidarit&#228;t Europas. Es ist ein M&#228;rchen auf Papier. Ich glaube an meinen Bruder und Freund Xi Jinping und an die Hilfe Chinas. Was alle anderen betrifft, danke, dass ihr nichts getan habt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aleksandar Vu&#269;i&#263;, Pr&#228;sident der Republik Serbiens, 17. M&#228;rz 2020.&#034; id=&#034;nh3-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Afrikanische Union hat schon 2&#8216;000 Test-Kits von der chinesischen Regierung bekommen und rechnet mit 10&#8216;000 weiteren sowie anderen dringend notwendigen medizinischen Lieferungen, die gebraucht werden, um die Ausbreitung von Covid-19 auf dem Kontinent zu bek&#228;mpfen. Die Verteilung der gespendeten medizinischen Ausr&#252;stung ist von den Afrikanischen Zentren f&#252;r Krankheitsbek&#228;mpfung und Schutzmassnahmen der Afrikanischen Union in &#196;thiopien zentralisiert worden. Jack Ma, ein chinesischer Tech-Milliard&#228;r und Mitgr&#252;nder der Online Shopping Plattform Alibaba, versprach, mithilfe seiner Stiftungen 20&#8216;000 Test-Kits, 100&#8216;000 Masken und 1&#8216;000 Schutzanz&#252;ge an jeden der 54 afrikanischen Staaten zu spenden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zeenat Hansrod, &#8222;China Makes Massive Donations of Medical Supplies to Fight (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im letzten Zitat erw&#228;hnten Spenden m&#246;gen &lt;i&gt;peanuts&lt;/i&gt; sein, doch was taten die anderen Riesen der Welt in der Zwischenzeit? Nichts. Grossbritannien, Frankreich und Japan schickten im Januar einige Masken nach China, um den Schein zu wahren, sie hofften tief im Herzen, dass die Epidemie der Welt alle Probleme und R&#252;ckst&#228;nde dessen ans Licht bringen w&#252;rde, was in ihren Augen grunds&#228;tzlich nie aufgeh&#246;rt hat, &lt;i&gt;the sick man of Asia&lt;/i&gt; zu sein. Jetzt zeigt sich: Wer anderen eine Grube gr&#228;bt, f&#228;llt selbst hinein. Dies bringt uns zum chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt; und zur Thukydides-Falle zur&#252;ck. Vor genau 160 Jahren prophezeite Marx:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dann wird der Stille Ozean dieselbe Rolle spielen wie jetzt das Atlantische und im Altertum und Mittelalter das Mittell&#228;ndische Meer &#8211; die Rolle der gro&#223;en Wasserstra&#223;e des Weltverkehrs; und der Atlantische Ozean wird herabsinken zu der Rolle eines Binnensees, wie sie jetzt das Mittelmeer spielt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Friedrich Engels, &#8222;Revue&#8220; in Neue Rheinische Zeitung, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist unsere j&#252;ngste Vergangenheit und unsere Gegenwart. Vielleicht nicht mehr lange. Es ist unm&#246;glich, zu wissen, was darauf folgen wird. Um einen anderen ber&#252;hmten und kontroversen Deutschen zu paraphrasieren: Das Schicksal der Weltgeschichte wird einmal mehr eine Geschichte des Kampfes von Seem&#228;chten gegen Landm&#228;chte und von Landm&#228;chten gegen Seem&#228;chte sein &#8211; ein Kampf, wovon der kriegerische Ausgang immer noch der wahrscheinlichste ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eben genau betreffend der milit&#228;rischen Frage zeigt die j&#252;ngste Exhumierung des Themas der &#8222;Aufstandsbek&#228;mpfung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Chuang, &#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China&#8220;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; einmal mehr die Kluft zwischen einem gewissen aktivistischen oder &#8222;radikalen&#8220; &lt;i&gt;storytelling&lt;/i&gt; und der Wirklichkeit. Dass die Doktrinen und die Praktiken der Aufstandsbek&#228;mpfung zum Ziel haben, Massenbewegungen niederzuschlagen oder in Schach zu halten, ist schlicht und einfach absurd. In Wirklichkeit betreffen sie Kontexte der milit&#228;rischen Intervention im Ausland, in welchen die Feinde minorit&#228;re kriegf&#252;hrende Subjekte sind, die jedoch un&#252;bersichtlich und innerhalb einer bunt gemischten, mehrheitlich feindlichen Zivilgesellschaft zerstreut sind, welche von der Besatzungsmacht so gut wie m&#246;glich kooptiert werden muss. Die &lt;i&gt;insurgency&lt;/i&gt; gegen die &lt;i&gt;counterinsurgency&lt;/i&gt; ist der Bandenkrieg, die Guerilla, die Handlung der Partisanen. Es handelt sich nicht um &lt;i&gt;riot&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;insurrection&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;uprising&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;upheaval&lt;/i&gt;. Es ist nat&#252;rlich m&#246;glich, dass diese Doktrinen und Praktiken gegen Bev&#246;lkerungen des gleichen Staates benutzt werden k&#246;nnen wie jener, welchem die sie anwendende Armee angeh&#246;rt &#8211; obwohl es nicht ihr urspr&#252;nglicher oder vorherrschender Zweck ist. Doch das setzt einen &#228;hnlichen Kontext voraus wie jener einer Intervention im Ausland, so wie wir sie eben beschrieben haben, zum Beispiel ein Sezessionsversuch nationaler Minderheiten. Was den Rest betrifft, kann der &#8211; wie auch immer geartete &#8211; Einsatz der Armee nie etwas anderes als erg&#228;nzend zu jenem der Polizei sein, aus dem einfachen Grund, dass der Kontext nicht undurchsichtig ist und die Funktionen der &lt;i&gt;intelligence&lt;/i&gt; und der Kontrolle des Territoriums &#8211; auf eine &lt;i&gt;mit den verf&#252;gbaren Mitteln&lt;/i&gt; kompatible Art und Weise &#8211; schon abgedeckt sind. Somit kommt Zweifel auf: War die ber&#252;hmte &#8222;Militarisierung der Territorien&#8220; &#8211; in Italien und anderswo &#8211; nur ein Projektionsschirm, hinter welchem sich die Unterfinanzierung der Bullen versteckte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das ist nicht alles. Wenn es, wie es der Fall ist, wahr ist, dass die Doktrinen der Aufstandsbek&#228;mpfung Gegenstand zahlreicher, vom Ort ihrer Herkunft selbst (der amerikanischen Armee) kommender Kritiken waren und eine &#8211; freilich nicht einheitliche &#8211; Gegenbewegung der &#8222;R&#252;ckkehr zu den Grundlagen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r jene, welche das Thema vertiefen m&#246;chten, gibt es eine ausschweifende (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ausl&#246;sten, so h&#228;ngt das nicht nur mit den ungl&#252;cklichen Resultaten der Missionen im Irak, in Afghanistan usw. zusammen &#8211; vor allem, wenn man sie mit den Kosten und der banalen Feststellung vergleicht, dass &#8222;vollst&#228;ndig regul&#228;re bewaffnete Kr&#228;fte, ohne Doktrin der Aufstandsbek&#228;mpfung oder besonderem Training, in der Vergangenheit regelm&#228;ssig Aufst&#228;ndische besiegten, indem sie einige bew&#228;hrte Methoden benutzten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Edward N. Luttwak, &#8222;Modern War: Counterinsurgency as Malpractise&#8220; in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn der Ansatz der Aufstandsbek&#228;mpfung ist gleichwesentlich mit dem &lt;i&gt;unipolaren amerikanischen Moment&lt;/i&gt;: Eine Welt, in welcher die milit&#228;rische Intervention und Besatzung als etwas konzipiert werden konnten, das losgel&#246;st von einem konsequenten Einsatz von Bodentruppen und der Einsetzung einer Regierung oder Verwaltung im besetzten Territorium war; eine Welt, in welcher man glauben konnte, dass es keine grossen Kriege mehr geben w&#252;rde, ausser gegen das Proletariat oder die &#8222;Verdammten dieser Erde&#8220; in den peripheren L&#228;ndern. Das Problem ist, dass sich diese Welt in Benghasi und Aleppo in Schall und Rauch verwandelt hat. Jene, welche beim Bericht der NATO von 2003 (&#8222;Urban Operations in the Year 2020&#8220;) stehen geblieben sind, haben wom&#246;glich einige Episoden im Verlauf der letzten 17 Jahre verpasst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Vorhergehende &#228;ndert nichts oder fast nichts an der Gesamtlage: Das Eintreten in eine besonders krampfhafte und entscheidende historische Phase, deren Ausgang offen ist und in letzter Instanz vom Klassenkampf abh&#228;ngen wird (und dies vor allem auf beiden Seiten des Pazifiks). Je weiter wir im Unwetter fortschreiten, desto geringer wird die &#8222;Sichtweite&#8220;. Und insoweit als akkumulierte/&#252;bermittelte &#8222;revolution&#228;re&#8220; Gewissheiten der allt&#228;glichen Erkundung Platz machen werden m&#252;ssen, werden &#220;berlegungen wie diese und die Existenz theoretischer &#8222;Pole&#8220; selbst wie unserem ihre Daseinsberechtigung verlieren. Es ist weniger eine Frage der Wahl, denn eine Frage einer allgemeinen &#196;nderung der &#8222;Atmosph&#228;re&#8220;: &lt;i&gt;Die ruhigen Zeiten sind vorbei&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/http://illatocattivo.blogspot.com/2020/04/covid-19-e-oltre.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/http://dndf.org/?p=18437&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Franz&#246;sische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/https://rentry.co/covid19ymasalla&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Elias Canetti.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Ausl&#246;sung der gegenw&#228;rtigen Pandemie selbst &#8211; genau wie jene der notorischsten Epidemien der j&#252;ngsten Vergangenheit (Ebola, SARS, MERS, Zika usw.) &#8211; kann nicht als ein strikt &#8222;nat&#252;rliches&#8220; Ereignis betrachtet werden, da der sogenannte &lt;i&gt;spillover&lt;/i&gt;, d.h. die &#220;bertragung &#8222;neuer&#8220; Virenarten von den Tieren auf die Menschen, durch den Druck der kapitalistischen Produktionsweise auf die Umwelt beg&#252;nstigt wird. Siehe Laura Scillitani, &lt;a href=&#034;https://www.scienzainrete.it/articolo/aids-hendra-nipah-ebola-lyme-sars-mers-covid%E2%80%A6/laura-scillitani/2020-03-18&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Aids, Hendra, Nipah, Ebola, Lyme, Sars, Mers, Covid&#8230;&#8220;&lt;/a&gt;, 18. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vor mehr als einem Jahr machten wir eine Bestandesaufnahme der &#220;berverschuldung, sowohl &lt;i&gt;corporate&lt;/i&gt; als auch &lt;i&gt;non-financial&lt;/i&gt;. Siehe Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2018/12/il-demos-il-duce-e-la-crisi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;&lt;/a&gt;, Januar 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Heute ist [in Grossbritannien] ein Hektar Land hundertmal rentabler, wenn auf ihm gebaut, als wenn er f&#252;r die Landwirtschaft genutzt wird.&#8220; Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2019/12/15/land-and-the-rentier-economy/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Land and the Rentier Economy&#8220;&lt;/a&gt;, 15. Dezember 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Observatorium GIMBE, &lt;a href=&#034;https://www.gimbe.org/osservatorio/Report_Osservatorio_GIMBE_2019.07_Definanziamento_SSN.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il definanziamento 2010-2019 del Sistema sanitario nazionale&#8220;&lt;/a&gt;, September 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2017/09/foto-dal-finestrino.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Foto dal finestrino&#8220;&lt;/a&gt;, September 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Behelfsm&#228;ssige &#220;bersetzung des Begriffs &lt;i&gt;lo stato coglione&lt;/i&gt;, den Bordiga im Text &#8222;Struttura economica e sociale della Russia d&#8216;oggi&#8220; verwendete. Eine deutsche &#220;bersetzung davon scheint nicht zu existieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pr&#228;zisieren wir, falls es notwendig ist, dass das Recht auf Abtreibung oder die Verh&#252;tungspille &#8211; die wir ohne zu z&#246;gern als aussergew&#246;hnliche Errungenschaften hinsichtlich der bewussten Regulierung seiner eigenen Reproduktion durch das menschliche Geschlecht definieren &#8211; hier nicht in Frage gestellt werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Urtext von &#8222;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&#8220;&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;Grundrisse der Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, Berlin, Dietz Verlag, 1953, S. 909.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Einleitung von 1857&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 13, S. 615.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Il lato cattivo, &#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-20/trump-says-he-wants-stock-buybacks-prohibited-in-virus-stimulus&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Trump Says He Wants Stock Buybacks Prohibited in Virus Stimulus&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Bloomberg&lt;/i&gt;, 20. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Werner Sombart.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Yangyang Cheng, Cornell University.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aleksandar Vu&#269;i&#263;, Pr&#228;sident der Republik Serbiens, 17. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zeenat Hansrod, &lt;a href=&#034;http://www.rfi.fr/en/international/20200323-china-africa-coronavirus-alibaba-health-medical-equipment&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;China Makes Massive Donations of Medical Supplies to Fight Coronavirus in Africa&#8220;&lt;/a&gt;, RFI, 23. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, Friedrich Engels, &#8222;Revue&#8220; in &lt;i&gt;Neue Rheinische Zeitung&lt;/i&gt;, Januar/Februar 1850 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 7, S. 221.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/aktuell/a112_socialcontagion.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2020, mehrere &#220;bersetzungen davon zirkulieren online. Ein freilich sehr interessanter Text, der jedoch mit Vorbehalt gelesen werden muss. Abgesehen von einigen mehr als zweifelhaften Irrungen bez&#252;glich der Aufstandsbek&#228;mpfung und einer gewissen Ambivalenz &#252;ber das gesellschaftliche Wesen des maoistischen Chinas, ist die Einsch&#228;tzung der Massnahmen gegen Covid-19 in der Region Hubei klar durch eine Untersch&#228;tzung der Reaktionsf&#228;higkeit des Zentralstaats verzerrt. Der gewiss stimulierendste Vorschlag des Textes, der am ehesten geteilt werden kann, ist folgender: &#8222;Auf theoretischer Ebene bedeutet dies, zu verstehen, dass die Kapitalismuskritik verarmt, wenn sie von den harten Wissenschaften abgetrennt wird.&#8220; (Ad&#220;: Der letzte Teil des Textes wurde in der &#220;bersetzung von &lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt; kommentarlos weggelassen, w&#228;hrend die Passage in einer &lt;a href=&#034;https://barrikade.info/article/3274&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;anderen &#220;bersetzung&lt;/a&gt; f&#228;lschlicherweise als eine &#8222;Kritik an den &#8218;harten Wissenschaften&#8216;&#8220; dargestellt wird. Wer des Englischen m&#228;chtig ist, liest am besten die &lt;a href=&#034;http://chuangcn.org/2020/02/social-contagion/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion&lt;/a&gt;.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r jene, welche das Thema vertiefen m&#246;chten, gibt es eine ausschweifende Bibliographie. Der heftigste Kritiker der Aufstandsbek&#228;mpfung innerhalb der amerikanischen Armee ist der Oberst Gentile. Siehe Gian P. Gentile, &#8222;A Strategy of Tactics: Population-Centric COIN and the Army&#8220; in &lt;i&gt;Parameters&lt;/i&gt;, Nr. 39, Herbst 2009; Gian P. Gentile, &#8222;Les mythes de la contre-insurrection et leurs dangers: une vision critique de l&#8216;US Army&#8220; in &lt;i&gt;S&#233;curit&#233; globale&lt;/i&gt;, Nr. 10, 2009, S. 21-34; Gian P. Gentile, &lt;i&gt;Wrong Turn: America&#8216;s Deadly Embrace of Counterinsurgency&lt;/i&gt;, The New Press, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Edward N. Luttwak, &#8222;Modern War: Counterinsurgency as Malpractise&#8220; in &lt;i&gt;Politique &#233;trang&#232;re&lt;/i&gt;, 2006/4, S. 859-861.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Il lato cattivo - Die &#8222;kurdische Frage&#8220;, ISIS, USA und vieles mehr</title>
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&lt;p&gt;Der folgende Text wurde urspr&#252;nglich f&#252;r ein &#246;ffentliches Treffen mit Daniele Pepino, Autor von &#034;Kurdistan. In the Eye of the Cyclone&#034; (in Nunatak Nr. 35, Sommer 2014), geschrieben, welches Anfang September 2014 in Bologna stattfand. Da wir am Treffen nicht teilnehmen konnten, ver&#228;nderten wir schliesslich den urspr&#252;nglichen Entwurf; das Resultat davon kann entweder als Reihe knapper Anmerkungen zu diesem Artikel oder als allein stehender Text gelesen werden. &lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Kurdistan. In the Eye of the (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Jihadismus" rel="tag"&gt;Jihadismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Irak" rel="tag"&gt;Irak&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Rojava" rel="tag"&gt;Rojava&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/copertina_immagine_.jpg?1689521800' class='spip_logo spip_logo_right' width='106' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der folgende Text wurde urspr&#252;nglich f&#252;r ein &#246;ffentliches Treffen mit Daniele Pepino, Autor von &#034;Kurdistan. In the Eye of the Cyclone&#034; (in &lt;i&gt;Nunatak&lt;/i&gt; Nr. 35, Sommer 2014), geschrieben, welches Anfang September 2014 in Bologna stattfand. Da wir am Treffen nicht teilnehmen konnten, ver&#228;nderten wir schliesslich den urspr&#252;nglichen Entwurf; das Resultat davon kann entweder als Reihe knapper Anmerkungen zu diesem Artikel oder als allein stehender Text gelesen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Kurdistan. In the Eye of the Cyclone&#034; gibt ein klares Bild der handelnden politischen Kr&#228;fte in der kurdischen Region; doch der Artikel wirft eine Reihe von Fragen auf, auf welche wir eingehen m&#246;chten. Der Autor geht weit &#252;ber eine W&#252;rdigung der Intervention der PKK-Milizen zur Unterst&#252;tzung der vom IS bedrohten Jesiden im Nordirak hinaus, es ist eine wahrhaftige Lobrede auf diese Organisation und ihre angebliche &#8222;libert&#228;re&#8220; Wende (der sogenannte demokratische Konf&#246;deralismus). Zudem stellt die Abwesenheit jeglicher Analyse der gesellschaftlichen Kr&#228;fte und Klassen, wovon die diversen Organisationen ein Ausdruck sind, ihr Wirken als Produkt simpler subjektiver Entscheidungen unbestimmter Individuen dar. Und schliesslich werden einige Fragen, von der Finanzierung der PKK bis zum Netzwerk von B&#252;ndnissen, welches in eine Definition des Nahen Ostens zumindest eingehen muss, zu nachl&#228;ssig behandelt. Nat&#252;rlich m&#252;sste man mehrere B&#252;cher schreiben, um all diese Punkte eingehend abzuhandeln; die folgenden Notizen bleiben somit im Stadium eines Entwurfs. Auf diese Art und Weise k&#246;nnen wir jedoch sowohl die j&#252;ngste Entwicklung der &#8222;kurdischen Frage&#8220;, als auch die einmal mehr auftretenden Konflikte im Nahen Osten aus einem anderen Blickwinkel beleuchten. Wenn das irgendeinen Nutzen f&#252;r uns oder f&#252;r andere haben soll, so liegt dieser in der Tatsache, nicht die Frage der &lt;i&gt;Autonomie&lt;/i&gt; (was immer das bedeuten mag), sondern jene des &lt;i&gt;Kommunismus&lt;/i&gt; zu stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die kurdische Frage: ein historischer Exkurs&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Aufkommen einer spezifisch &#8222;kurdischen Frage&#8220; gegen Ende des Ersten Weltkrieges ist Teil des chaotischen Prozesses der Formation von Nationalstaaten im Nahen und Mittleren Osten. Die Formation eines modernen Nationalstaates bedingt &#252;berall, dass die Grenzen eines administrativen Staates mit jenen einer &lt;i&gt;einzigen&lt;/i&gt; nationalen Bev&#246;lkerung zusammenfallen. Multinationale Staaten sind in der Regel problematisch oder Ausnahmef&#228;lle. Der Nationalstaat, d.h. der Staat des Kapitals, ist mononational, denn in der Beziehung zwischen dem Individuum und dem Staat kann Loyalit&#228;t zu intermedi&#228;ren Gemeinschaften nicht toleriert werden &#8211; Staat und Nation m&#252;ssen zusammenfallen. Dieser Prozess ist nichts &#8222;Nat&#252;rliches&#8220;, es ist ein Prozess der Homogenisierung, der jegliche Art der &lt;i&gt;Bastelei&lt;/i&gt; enth&#228;lt und sich sowohl Formen weicher Assimilation als auch die brutalste ethnische S&#228;uberung zunutze machen kann. Es ist wahr, dass das Bev&#246;lkerungs&lt;i&gt;puzzle&lt;/i&gt; in Westeuropa ein weniger grosses Hindernis war als im Balkan oder im Mittleren Osten, der Grund daf&#252;r liegt weniger in einer gr&#246;sseren oder kleineren Komplexit&#228;t oder Unl&#246;sbarkeit des Puzzles selbst, sondern eher in der Tatsache, dass die Formation von Nationalstaaten unter dem Impuls einer endogenen kapitalistischen Entwicklung realisiert und durch eine pr&#228;zise Sequenz von vorhergehenden Produktionsweisen m&#246;glich gemacht wurde, w&#228;hrend sie im Balkan und im Mittleren Osten aus einer Entwicklung des Kapitalismus woanders und den daraus entstandenen interkapitalistischen Rivalit&#228;ten erfolgte. Die Fragmentierung des Osmanischen Reichs, oder eher seine Aufteilung zwischen den Siegerm&#228;chten Grossbritannien und Frankreich, f&#252;hrte einerseits zur Gr&#252;ndung von Irak und Syrien unter den jeweiligen Mandaten und andererseits zu jener der T&#252;rkei durch den Aufstieg der nationalistischen Bewegung von Mustafa Kemal (Atat&#252;rk). Letzterer war sofort mit dem multinationalen Charakter des zuk&#252;nftigen t&#252;rkischen Staates konfrontiert (T&#252;rken, Kurden, Griechen Anatoliens), obwohl die Situation schon durch die Ausl&#246;schung der Armenier 1915-16 durch die Jungt&#252;rken (1.2 Mio. Tote) &#8222;vereinfacht&#8220; worden war. Was die Kurden betrifft, garantierte der Vertrag von S&#232;vres (10. August 1920) die M&#246;glichkeit, ein kleines unabh&#228;ngiges Kurdistan zu erschaffen, unter der Bedingung, dass dies dem kollektiven Willen des kurdischen Volkes entspricht und dass in gewissen ostanatolischen Provinzen auch ein armenischer Staat entsteht. Diese Bedingungen wurden von Stammesf&#252;hrern und Scheichen (Landeigent&#252;mern) abgelehnt, weil das Territorium des vorgeschlagenen kurdischen Staates im Vergleich zu den tats&#228;chlich von Kurden bev&#246;lkerten Regionen klein war und durch die Entstehung eines armenischen Staates noch kleiner geworden w&#228;re. Ein embryonaler kurdischer Nationalismus versuchte daraufhin, sich den Kemalisten anzuschliessen, doch nach deren Konsolidierung war ihre Antwort die Niederschlagung der kurdischen Abweichung zusammen mit dem marxistischen Element in Ko&#231;giri (1921) und schliesslich die Auferlegung einer Revision des drei Jahre zuvor abgeschlossenen Abkommens von S&#232;vres durch den Vertrag von Lausanne (1923), welcher die Grenzen der heutigen T&#252;rkei festlegte und dadurch auch S&#252;dkurdistan dem britischen Mandatsgebiet &#252;berliess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte der kurdischen Bewegung besteht aus zwei bedeutenden Perioden: Die erste, von 1919 bis 1990, mit einem scharfen Bruch 1946 (Republik von Mahabad), ist die nationalistische Periode an und f&#252;r sich; die zweite, von 1990 bis heute, ist jene, welche wir nach Hamit Bozarslan die &#8222;Krise des Nationalismus&#8220; nennen wollen. Wenn auch weniger ausgepr&#228;gt als im Rest des Mittleren Ostens, so folgen diese historischen Wenden doch der Abfolge innerhalb des kurdischen Siedlungsraums von drei verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie in der F&#252;hrungsposition der Gesellschaft: die Landbourgeoisie, das intellektuelle Kleinb&#252;rgertum und die &#214;lbourgeoisie. Die erste Periode &#8211; welche durch die Hegemonie der Landbourgeoisie gepr&#228;gt war &#8211; war durch eine Reihe von heftigen Ausschreitungen charakterisiert. Im iranischen Kurdistan f&#252;hrte die Stammeskonf&#246;deration von Shikak &#8211; welche zuerst von den Kemalisten unterst&#252;tzt dann bek&#228;mpft wurde &#8211; die Erhebungen von 1919 bis 1930 an. Im Irak setzte sich der Scheich Mahmoud Barzandji &#8211; der selbsternannte K&#246;nig von Kurdistan &#8211; als erster an die Spitze der Bewegung, danach folgte die Barzani-Familie. In der T&#252;rkei kam es zu 18 Aufst&#228;nden in weniger als 15 Jahren (1927-1930 in Ararat, 1936-1938 in Dersim). Die syrischen Kurden beteiligten sich an den meisten dieser Revolten. Das letzte wichtige Ereignis dieser Periode war die Ausrufung einer autonomen Republik im Iran am 22. Januar 1946 in einem durch die sowjetische Besatzung eines Teils des Landes ge&#246;ffneten Raum. Die Republik von Mahabad war nicht f&#228;hig, die Gesamtheit der durch Stammeskonflikte gespaltenen iranischen Kurden zu mobilisieren (obwohl viele Kurden aus der T&#252;rkei und dem Irak zu ihrer Verteidigung herbeieilten) und wurde am 15. Dezember 1946 durch die iranische Armee mit der Exekution von Pr&#228;sident Mohammed liquidiert. Die Peschmerga der DPK von Mustafa Barzani, welche aus dem Irak zur Unterst&#252;tzung der Republik herbeieilten, fl&#252;chteten in die UdSSR und blieben dort bis 1958.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Aufst&#228;nde waren &#252;berall dem Vorwurf ausgesetzt, mit ausl&#228;ndischen M&#228;chten einen Komplott zu schmieden, h&#228;ufig &#252;ber Grenzen hinweg, und wurden gemeinsam von den betroffenen L&#228;ndern niedergeschlagen:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Keine davon [die jeweilige entstehende nationale Bourgeoisie in der T&#252;rkei, in Syrien, im Iran und im Irak] hatte die geringsten Skrupel, die dreckige Arbeit vollst&#228;ndig zu erledigen. Die erste davon, welche sich mit heftiger Repression gegen die Kurden profilierte, war die &#8222;progressive&#8220; t&#252;rkische, von Kemal Atat&#252;rk angef&#252;hrte Bourgeoisie, bez&#252;glich welcher die Dritte Internationale vielleicht [sic!] einmal &#252;bertriebene Illusionen hatte. [&#8230;] Durch Befriedungskampagnen, in welchen die t&#252;rkische Regierung (besonders 1925) aktiv von Frankreich unterst&#252;tzt wurde, minderte sie die Kurden zu &#8222;Bergt&#252;rken&#8220; herab und beschr&#228;nkte Kurdistan auf die &#246;stliche Region der T&#252;rkei. Die arabisch-irakische Bourgeoisie, welche die auferlegte Arabisierung der &#246;lreichen Region rund um Kirkuk begonnen hatte und weiterf&#252;hrte, zuerst mit britischer Hilfe (1943-1945), sp&#228;ter mit der ausschliesslich milit&#228;rischen Unterst&#252;tzung der UdSSR (1961-1975), schlug einen weitfl&#228;chigen Guerillakrieg nieder. Die iranische Bourgeoisie, welche, sogar unter dem falschen Revolution&#228;r Dr. Mossadegh, die Existenz einer nationalen kurdischen Frage im Iran nie anerkannte, zeichnete sich nicht nur durch ununterbrochene Repression und in gewissen Regionen durch die Anwendung der &#8222;Endl&#246;sung&#8220; gegen das iranische Kurdistan aus, sondern auch durch aktive Partnerschaft in der Repression gegen die Aufst&#228;nde der t&#252;rkischen Kurden (1930), sowie durch den schmutzigen Zynismus, mit welchem sie, zusammen mit der CIA und Kissinger, die irakischen Kurden 1975 &#8222;unterst&#252;tzte&#8220;. Die syrische Bourgeoisie schliesslich, die progressivste von allen (wie die pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlinge in den Lagern von Damaskus wissen), vertrieb trotz der Abwesenheit einer realen inneren &#8222;kurdischen Gefahr&#8220; 140 000 arme kurdische Bauern von ihrem urspr&#252;nglichen Territorium, um sie mit arabischer Bev&#246;lkerung zu ersetzen, und hat gegen die Kurden routinem&#228;ssig administrative Willk&#252;r, Polizeirazzien, Entlassungen als Vergeltungsmassnahmen und andere Erfindungen des Fortschritts eingesetzt.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan&#8220;, Beilage zu (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Periode von 1946 bis 1958 ist als die &#8222;&#196;ra der Stille&#8220; bekannt. Ausser einigen lokal isolierten Ausschreitungen und dem Wahlerfolg der lokalen DPK (80% der Stimmen) im Iran unter Mossadegh schien die kurdische Bewegung erledigt. Trotzdem reicht die Heftigkeit der Repression als Erkl&#228;rung nicht aus. Vielmehr bedeuteten die 1950er Jahre den Beginn eines massiven Exodus aus l&#228;ndlichen Regionen, besonders in der T&#252;rkei und im irakischen Kurdistan, wo die St&#228;dte von Diyarbakir, Erbil und Sulaymaniyah die Schwelle von 100 000 Einwohnern &#252;berschritten. Durch die Intensivierung von Transportnetzwerken und Bildung im t&#252;rkischen Kurdistan &#8211; ausgel&#246;st durch die Entwicklung der t&#252;rkischen Industrie &#8211; entstand ein v.a. aus Lehrern und Mitgliedern der liberalen Berufe, doch auch aus autodidaktischen Handwerkern bestehendes Kleinb&#252;rgertum. Viele junge Leute aus armen Familien konnten an die Universit&#228;t gehen. Diese kleine gebildete Mittelklasse &#8211; welche in der Westt&#252;rkei, in Istanbul und Ankara, die einzigen Universit&#228;tsst&#228;dte im Land in den 1950er Jahren, ausgebildet worden war &#8211; wird den kurdischen Nationalismus in den 1960er und 1970er Jahren neu beleben &#8211; beginnend mit dem ersten Staatsstreich in der T&#252;rkei 1960 &#8211; und der Bewegung einen ausgepr&#228;gteren nationalen und volksnahen Charakter geben:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Den Patrioten der Linken gelang es, die Massen zu mobilisieren. Ihr Erfolg war abh&#228;ngig von der F&#228;higkeit, &#8222;von gewissen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu profitieren&#8220; und gewisse Ungleichheiten zu betonen (die Unterentwicklung des Ostens, die Unangemessenheit der im F&#252;nfjahresplan bewilligten Unterst&#252;tzungsbeitr&#228;ge). Er war auch verbunden mit ihrer F&#228;higkeit, sich mit jenen Leuten zu verb&#252;nden, welche von der Enteignung von landwirtschaftlichen Fl&#228;chen zum Vorteil der &#214;lindustrie in der Region von Batman betroffen waren. Sie verteidigten auch die Arbeiter und Bauern dieser Region, welche eine Anstellung in der &#214;lgewinnung forderten. Sie wurden zu den Anw&#228;lten der landlosen Bauern und meist l&#228;ndlicher Bev&#246;lkerungen, welche Opfer der Gewalt der Spezialeinheiten der Armee wurden.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#214;zcan Yilmaz, La Formation de la nation kurde en Turquie, PUF, Paris, 2013, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die sogenannte &#8222;Generation von 1949&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der t&#252;rkische Putsch am 12. M&#228;rz 1971 provozierte eine heftige Reaktion, welche auch eine Folge der wirtschaftlichen Situation war. Es waren &#8222;die Jahre der Unregierbarkeit&#8220;, w&#228;hrend welchen eine Reihe von Regierungen bis zum erneuten Milit&#228;rputsch 1980 unf&#228;hig waren, die Situation zu kontrollieren. In dieser Phase entstanden etliche illegale kurdische Organisationen. Ihre gesellschaftliche Zusammensetzung war praktisch gleich wie unmittelbar vor dieser Periode: Studenten und Angeh&#246;rige der freien Berufe. Doch das Durchschnittsalter der Beteiligten war tiefer und die politische Zugeh&#246;rigkeit wendete sich in Richtung Marxismus-Leninismus, der damals unter europ&#228;ischen Intellektuellen sehr in Mode war. Nach der Generalamnestie am 26. April 1974 wurden die nach dem Putsch 1971 f&#252;r politische Delikte verhafteten Kurden befreit und jene, welche ins Ausland geflohen waren, konnten zur&#252;ckkehren. Formationen wie die PSKT (Sozialistische Partei des t&#252;rkischen Kurdistans &#8211; welche ein autonomes Kurdistan innerhalb einer sozialistischen T&#252;rkei zum Ziel hat) und die PKK (Kurdische Arbeiterpartei, separatistisch) entstanden zu diesem Zeitpunkt. Die damals entstandenen kurdischen Organisationen gerieten daraufhin heftig aneinander und keine ausser der PKK und (in geringerem Masse) die PSKT &#252;berlebten den folgenden Staatsstreich 1980.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urspr&#252;nglich war die PKK nicht viel mehr als ein Kult sehr junger Studenten, inspiriert von einem &#228;usserst undeutlichen Marxismus und allen voran von der Pers&#246;nlichkeit Abdullah &#214;calans (von der &#8222;Generation von 1949&#8220;). Der durch den Namen der Organisation implizierte Klassencharakter blieb rein verbal oder auf ein Bestreben beschr&#228;nkt. Eine protoparteiliche Struktur existierte schon 1974, doch die Partei wurde erst 1978 offiziell gegr&#252;ndet. Sie berief sich auf die Befreiung Kurdistans von einem &#8222;vom Imperialismus ausserhalb und von Kompradoren innerhalb unterst&#252;tzten&#8220; t&#252;rkischen Kolonialismus. Traditionelle Anf&#252;hrer und &#8222;feudale&#8220; Kurden (d.h. die Landbourgeoisie) wurden als &#8222;zentrales Hindernis f&#252;r die nationale kurdische Entwicklung&#8220; ausgemacht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Kurdistan Devriminin Yolu, politisches Manifest der Organisation.&#034; id=&#034;nh4-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die PKK folgte dem Muster &#228;hnlich orientierter (marxistisch-leninistischer, guevaristischer, maoistischer usw.) Organisationen, welche, gl&#252;cklicherweise oder auch nicht, bis dahin in Lateinamerika, Asien und Afrika wucherten, es war jedoch ein etwas sp&#228;ter Auftritt, denn sie befanden sich schon im freien Fall, besonders im Nahen und Mittleren Osten: &#8222;Die klare Niederlage der arabischen Armeen gegen Israel ist zweifellos das zentrale Ereignis, welches schliesslich die Reihe von Erfolgen des revolution&#228;ren arabischen Nationalismus unterbrach und jener anti-imperialistischen Einheit ein Ende setzte, deren Avantgarde das Nassersche &#196;gypten [als Staat] nach der Nationalisierung des Suezkanals 1956 war.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Georges Corm, Le Proche-Orient &#233;clat&#233; 1956-2010, Gallimard, Paris 2010.&#034; id=&#034;nh4-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Obwohl dieser R&#252;ckstand mit der Zeit an Bedeutung gewann, war sie nicht von Anfang an offensichtlich. Zu Beginn, 1978, war die Organisation stark genug, um den &#8222;revolution&#228;ren Krieg gegen den Feudalismus&#8220; auszurufen. Zu diesem Zeitpunkt bestanden ihre Aktionen am Anfang aus (versuchten oder erfolgreichen) Morden an Stammesf&#252;hrern, was sie allerdings nicht an einer Teilnahme an Gemeindewahlen hinderte (der erste PKK-Anh&#228;nger wurde 1979 in Batman gew&#228;hlt). Gleichzeitig war der &#8222;revolution&#228;re Krieg&#8220; auch gegen Konkurrenzorganisationen gerichtet: Zusammenst&#246;sse zwischen der PKK und der KUK (Nationale Befreiungsorganisation Kurdistans) in den Regionen Mardin und Hakkari geh&#246;rten mit Dutzenden von Toten zu den blutigsten. Nach dem Putsch 1980 wurde die Mehrheit jener PKK-Mitglieder verhaftet, welche es nicht schafften, die T&#252;rkei zu verlassen (offizielle Quellen sprechen von 1800 Verhaftungen, doch allein im Milit&#228;rgef&#228;ngnis von Diyarbakir befanden sich ungef&#228;hr 5000 Kurden, welche der Mitgliedschaft in der PKK beschuldigt wurden). Dutzende Gefangene sterben w&#228;hrend den Hungerstreiks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Organisation der PKK im Ausland begann eigentlich 1981, doch was den internationalen Kontext betrifft, war 1979 das entscheidende Jahr: &#196;gyptens Sadat anerkannte Israel (Camp David), womit der Bankrott des panarabischen Sozialismus best&#228;tigt wurde; die iranische Revolution, welche in Fabriken und Quartieren begann, brachte Ayatollah Khomeini an die Macht; die Sowjetunion besetzte Afghanistan. In dieser finsteren Landschaft, in welcher die Koh&#228;renz einer anti-imperialistischen Front, welche bis dahin noch eine gewisse Einheit vorgeben konnte, schmolz wie Schnee an der Sonne (vollst&#228;ndig zu Gunsten des Islams), entwickelte sich die kurdische Frage innerhalb der Konflikte jener Staaten, welche sich das kurdische Gebiet teilen; von Spannungen zwischen der T&#252;rkei und Syrien bis zum iranisch-irakischen Krieg. Die Ayatollahs antworteten mit wenig Raffinesse auf die Forderungen nach Autonomie und die anti-islamische Orientierung der iranischen Kurden (45 000 Tote gem&#228;ss einigen Sch&#228;tzungen); was zur Verschmelzung der iranischen DPK&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Iranisch-kurdische politische Organisation (siehe unten).&#034; id=&#034;nh4-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und Komala im Irak f&#252;hrte. Auf der anderen Seite der Grenze akzeptierten die irakischen Kurden &#8211; welche der von Saddam Hussein angeordneten Arabisierung der Region um Kirkuk zur &#8222;Wahrung der arabischen Nation&#8220; ausgeliefert waren &#8211; die Unterst&#252;tzung des Irans. Ab 1988 (die letzten Phasen des iranisch-irakischen Krieges) begann das irakische Regime mit systematischer Vernichtung durch chemische Waffen (180 000 Tote). Die anti-kurdische Verfolgung wurde vom Westen bis zum Ersten Golfkrieg ohne reale Sanktionen verurteilt. An einer anderen Front wurde Hafez al-Assad&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mitglied der religi&#246;sen Gruppe der Alawiten, Parteisekret&#228;r der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit dem Irak, Spannungen mit der T&#252;rkei und der Konsolidierung der alawitischen Hegemonie gegen die Schiiten 1979 dazu gedr&#228;ngt, sich als Besch&#252;tzer der Kurden in der Region zu pr&#228;sentieren. Die in dieser Strategie kooptierte F&#252;hrung der PKK fl&#252;chtete im gleichen Jahr nach Syrien, um der Repression des t&#252;rkischen Staates zu entfliehen. Die Rekrutierung war vom Regime genehmigt und die PKK zeigte sich als n&#252;tzliches Werkzeug zur Kontrolle des syrischen Kurdistans. Im Libanon, wo der B&#252;rgerkrieg gerade begann (1975-1990), erhielt die PKK, nat&#252;rlich dank der Unterst&#252;tzung von Damaskus, St&#252;tzpunkte im Bekaatal, wo sie ihre erste Milit&#228;rakademie gr&#252;ndete. Im Juli 1983 unterzeichnete die irakische DPK ein Abkommen mit der PKK, um die T&#252;rkei zu entmutigen, mit dem Irak zu kooperieren, und erlaubte ihr, Guerillas in der N&#228;he der t&#252;rkischen Grenze zu organisieren. Am 15. August 1984 nahm die PKK durch einen Angriff auf zwei t&#252;rkische Milit&#228;rposten den bewaffneten Kampf auf. Zu dieser Zeit ver&#228;nderte sich die gesellschaftliche Basis der Organisation:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die Guerillakampagne der PKK erregte schnell die Aufmerksamkeit der jungen Kurden, welche k&#252;nftig ihre R&#228;nge f&#252;llen werden. Sie rekrutierte fleissig auf dem Land, doch auch in den kurdischen St&#228;dten und auch kurdische Arbeiter und Jugendliche aus den grossen t&#252;rkischen St&#228;dten, gewissen europ&#228;ischen L&#228;ndern, Syrien und Libyen. Die PKK erlangte dadurch einen vorwiegend l&#228;ndlichen Charakter.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#214;zcan Yilmaz, op. cit., S. 144.&#034; id=&#034;nh4-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich ist es auch interessant, das Interview mit Abdullah &#214;calan von Paul White von 1992 zu analysieren:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#214;calan: Die arbeitenden Leute, die Bauern, das Kleinb&#252;rgertum, die st&#228;dtische Bourgeoisie unterst&#252;tzen die PKK. Die patriotischen Armen und die Mittelklasse unterst&#252;tzen die PKK.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ White: Doch was ist die wesentlichste Gruppe? Sie erw&#228;hnten verschiedene gesellschaftliche Gruppen. Ich denke, die Hauptgruppe, die wesentlichste sind die armen Bauern, richtig?&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ &#214;calan: Gut, ja, sie sind die Hauptunterst&#252;tzer des Kampfes. Besonders im Moment sind es jene, welche den Kampf am st&#228;rksten unterst&#252;tzen. Vor dem 15. August [1984], vor den 1980er Jahren, als alles begann, waren es eher die jungen Leute aus der Stadt, Intellektuelle, die st&#228;dtische Mittelklasse.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paul White, Primitive Rebels or Revolutionary Modernizers? The Kurdish (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;1985 begann die t&#252;rkische Regierung, systematisch die Aufstandsbek&#228;mpfung zu organisieren, zuerst mit der Erschaffung von Dorfmilizen oder bewaffneten St&#228;mmen gegen die PKK. Diese Massnahmen hinderten die PKK nicht daran, von 1987 an in der ganzen Bergregion des t&#252;rkischen Kurdistans zu operieren. 1987 verh&#228;ngte die t&#252;rkische Regierung den Ausnahmezustand in den kurdischen St&#228;dten. Die PKK antwortete im Fr&#252;hling 1989 mit einer Reihe von Aufrufen zu Massenaktionen. Die Antwort der &#8222;Massen&#8220; war wohlwollend: 1989 verwandelte sich die Beerdigung eines Guerillak&#228;mpfers der PKK in Silopi in einen Protest. Einige Monate sp&#228;ter geschah das gleiche in umliegenden St&#228;dten. Im M&#228;rz 1990 f&#252;hrte eine erneute Beerdigung eines Guerillak&#228;mpfers zur Revolte. Es beteiligten sich Tausende an dieser Welle von Unruhen und viele wurden w&#228;hrend den Demonstrationen get&#246;tet. Am 20. M&#228;rz 1990 versammelten sich Zehntausende gegen die Repression der Polizei von Nusayib. Ende 1990 war kein Teil des &#8222;S&#252;dostens&#8220; nicht von den Massendemonstrationen betroffen. 1991 hatte sich die Bewegung auf fast alle kurdischen D&#246;rfer und viele t&#252;rkische St&#228;dte (Ankara, Istanbul, Adana, Izmir, Denizli) ausgebreitet. W&#228;hrend dieser ganzen Periode entstand parallel zu den Ausschreitungen in den Strassen eine eigentliche kurdische Diaspora &#252;berall in Europa; die Hauptdestinationen waren Frankreich, Westdeutschland und Schweden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Guerillas wuchsen also in den 1990er Jahren &#8211; trotz der Repression in der T&#252;rkei und dem erbitterten subnationalen Konflikt zwischen der PKK und den irakischen Kurden (DPK) &#8211; jenseits jeglicher vern&#252;nftiger Erwartungen, die Grundlage davon war die Forderung nach einem unabh&#228;ngigen kurdischen Staat. 1995 entstand ein kurdisches Exilparlament (mit Sitz in Europa) und obwohl das Ziel der Erschaffung einer Lokalregierung nicht erreicht wurde, &#252;bernahm die PKK zunehmend diverse staatliche Funktionen wie die Eintreibung von Steuern oder die Justizverwaltung. In der gleichen Periode kamen auch die &#8222;kurdischen Legalisten&#8220; auf, der Ausdruck einer Mittelklasse (62.5 % haben einen h&#246;heren Schulabschluss), welche zwischen den Guerillas und einem Wunsch nach Dialog mit dem t&#252;rkischen Staat und der &#8222;Zivilgesellschaft&#8220; gespalten war. Die Existenz einer legalistischen Str&#246;mung, deren Einfluss nicht unerheblich war (auch wenn sie nicht direkt mit der Perspektive der Guerilla in Konflikt trat), zusammen mit dem negativen Ausgang der milit&#228;rischen Offensive, welche die Mobilisierung aufrechterhielt, doch nicht zu irgendwelchen bedeutenden &#8222;Siegen&#8220; f&#252;hrte, dr&#228;ngte die PKK dazu, andere Wege zu finden (was weiter unten ausf&#252;hrlicher diskutiert wird). Doch Ende der 1990er Jahre kam die kalte Dusche der Verhaftung von Abdullah &#214;calan. Nach diesem Ereignis war die Periode zwischen 1999 und 2005 relativ ruhig. Die Perspektive einer Integration der T&#252;rkei in die Europ&#228;ische Union versetzte die PKK in eine delikate Position: Sie hatte nat&#252;rlich kein Interesse, den Integrationsprozess zu behindern, aufgrund realer oder vermeintlicher Vorteile, welche die Kurden der T&#252;rkei bez&#252;glich Anerkennung erlangen w&#252;rden. Die PKK rief dann eine unilaterale &#8222;Feuerpause&#8220; aus, welche auch zum Ziel hatte, die Exekution &#214;calans zu verhindern. Die &#8222;lange Waffenruhe&#8220; war eine Phase der Entspannung f&#252;r die kurdische Zivilbev&#246;lkerung, doch auch der Unzufriedenheit f&#252;r viele PKK-K&#228;mpfer und der internen Konflikte innerhalb der Organisation, welche durch Zwang gel&#246;st wurden. Die t&#252;rkische Regierung gab in ihrer milit&#228;rischen Offensive allerdings nicht nach, was langfristig nur zur Wiederaufnahme bewaffneter Aktionen seitens der PKK f&#252;hren konnte. Nach 2005 gab es fast ununterbrochen Zusammenst&#246;sse zwischen der t&#252;rkischen Armee und der PKK. Einige Aktionen der PKK trafen auch Zivilisten (Diyarbakir, 3. Januar 2008: 5 Tote, 68 Verletzte). Der Druck der t&#252;rkischen Regierung auf die USA erlaubten es ihr schliesslich, milit&#228;rische Operationen zur Ausmerzung der PKK-St&#252;tzpunkte in den Kandilbergen im Irak auszuf&#252;hren. Am 1. Dezember 2007 fand der erste Luftangriff statt; am 22. Februar waren die Bodentruppen an der Reihe. Die &#8222;Operation Sonne&#8220; endete mit der T&#246;tung von 240 &#8222;Terroristen&#8220; und auch von 28 t&#252;rkischen Soldaten. Die USA &#228;nderten daraufhin ihre Meinung und zogen ihr Einverst&#228;ndnis zur&#252;ck, was zu den ehrenvollen Erw&#228;hnungen der Schlachten der PKK beitrug. Im Mai 2009 verk&#252;ndete Yasar Buyukanit &#8211; kurz zuvor zur&#252;ckgetretener t&#252;rkischer Stabschef &#8211; den Medien, dass die T&#252;rkei nicht f&#228;hig sein werde, die PKK aus ihren St&#252;tzpunkten im Kandil zu vertreiben, auch wenn die gesamte t&#252;rkische Armee dorthin geschickt werde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis heute bleibt die Bedingung der Bewohner des t&#252;rkischen Kurdistans in den meisten F&#228;llen durch Armut charakterisiert: Ende 1990 versprach der t&#252;rkische Premierminister Ecevit &#8222;heftige Investitionen&#8220;, doch solche Bemerkungen blieben weitgehend leere Worte. Trotz dem wirtschaftlichen Aufstieg der T&#252;rkei bleibt die von Kurden bewohnte Zone die &#228;rmste des Landes: &#8222;Wir m&#252;ssen betonen, dass die Ungleichheit zwischen den kurdischen Regionen der T&#252;rkei und dem Rest des Landes nach wie vor sehr gross ist, obwohl es gewisse Ver&#228;nderungen gegeben hat. Der Konflikt zwischen den Guerillas der PKK und der t&#252;rkischen Armee, welcher die wirtschaftliche Aktivit&#228;t in den l&#228;ndlichen kurdischen Regionen zerst&#246;rte, besonders die Landwirtschaft, hat die Situation zus&#228;tzlich verschlimmert. [&#8230;] Zurzeit liegt der Armutsanteil in der Bev&#246;lkerung des S&#252;dostens (t&#252;rkisches Kurdistan) zwischen 85 und 90% und die Arbeitslosenrate ist viel h&#246;her (18%) als im Rest der T&#252;rkei (11.8%). Im Jahr 2006 flossen nur 8% der staatlichen Zusch&#252;sse zur Stimulierung der Investitionen in die kurdische Region. Im Juni 2010 lagen nur 5% der Firmen des Vereins industrieller und t&#252;rkischer Gesch&#228;ftsleute (TUSIAD), welcher 65% der t&#252;rkischen industriellen Produktion repr&#228;sentiert, in kurdischen Gebieten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#214;zcan Yilmaz, op. cit., S. 178.&#034; id=&#034;nh4-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Innere Migration f&#252;hrte dazu, dass viele Kurden in den grossen Zentren der westlichen T&#252;rkei Arbeit suchen. Obwohl es diesbez&#252;glich keine eindeutigen Daten gibt, darf vermutet werden, dass die L&#246;hne kurdischer Arbeiter in der Regel tiefer sind als jene der t&#252;rkischen Arbeiter. In den letzten Jahren (besonders 2010), v.a. als es zu Zusammenst&#246;ssen zwischen der PKK und der t&#252;rkischen Armee kam, gab es anti-kurdische Pogrome in den grossen St&#228;dten der T&#252;rkei, welche wahrscheinlich &#8211; falls unsere Vermutung stimmt &#8211; einen Zusammenhang haben mit dem durch die Existenz dieser billigen Arbeitskraft ausgel&#246;sten Lohndruck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits der t&#252;rkischen Grenzen, im Iran nach der &#196;ra von Khatami, welcher grosse Hoffnungen (und viele Entt&#228;uschungen) bez&#252;glich eines autonomen Status ausl&#246;ste, hatte die Wahl von Mahmud Ahmadinejad 2005 schon einige Ausschreitungen in mehreren St&#228;dten im iranischen Kurdistan ausgel&#246;st, begleitet von bewaffneten Aktionen der PJAK (Partei f&#252;r ein Freies Leben in Kurdistan, gegr&#252;ndet 2003 von einigen ehemaligen K&#228;mpfern der iranischen DPK). Der im Gedenken an einen 1989 get&#246;teten K&#228;mpfer ausgerufene Generalstreik 2008 wurde in den wichtigsten kurdischen St&#228;dten rege unterst&#252;tzt; 2009 kam es zu massiven Protesten gegen die Wiederwahl Ahmadinejads und 2010 wurden vier kurdische Aktivisten strafrechtlich verfolgt und exekutiert. Die Wahl des moderaten Hassan Rohani 2013 hat den Radikalismus der Ahmadinejad-&#196;ra entsch&#228;rft, sowohl in Bezug auf den der iranischen Wirtschaft besonders abtr&#228;glichen Antiamerikanismus auf geopolitischer Ebene, als auch in Bezug auf die &#8222;eiserne Hand&#8220; gegen&#252;ber der kurdischen Minderheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Syrien markierte die von Hafez al-Assad angeordnete Ausschaffung &#214;calans 1998 das Ende der syrisch-kurdischen Idylle und der Tod eben dieses (&#228;lteren) al-Assad machte es unumkehrbar. Von diesem Zeitpunkt an zeigte sich die Unzufriedenheit und der Wunsch nach &#8222;Demokratisierung&#8220; (wie auch die proamerikanischen Sympathien) der syrischen Kurden w&#228;hrend mehrerer Gelegenheiten bis zu den Ereignissen 2011 und dem Ausbruch des B&#252;rgerkriegs im Jahr danach, w&#228;hrend welchem die kurdische Opposition eine eher passive Rolle spielte (die Gr&#252;nde hierf&#252;r werden wir analysieren). Im Jahr 2004 z.B. f&#252;hrte eine Polizeiintervention w&#228;hrend einem Fussballspiel zwischen Qamischli (die gr&#246;sste kurdische Stadt in Syrien) und Der-ez-Zor aufgrund einem weitgehend verbalen heftigen Streit zwischen arabischen und kurdischen Fans zu sieben Toten und l&#246;ste eine Welle von Ausschreitungen aus, welche die St&#228;dte Qamischli, Afrin, Aleppo und Damaskus betraf; die Aufst&#228;ndischen verbrannten Bilder von Vater und Sohn al-Assad, schwenkten kurdische &lt;i&gt;und amerikanische&lt;/i&gt; Fahnen und br&#252;llten einstimmig: &#8222;Freies Kurdistan&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Irak sind die glorreichen Tage der Guerilla-Autonomie von Mustafa Barzanis DPK weiter weg denn je: &#8222;[&#8230;] der Golfkrieg 1991 ver&#228;nderte die Konfiguration der kurdischen Frage radikal. Er resultierte in der Erschaffung einer Schutzzone, innerhalb welcher die irakischen Kurden selbstverwaltete Institutionen aufbauen konnten. [&#8230;] Schliesslich f&#252;hrte der Irakkrieg 2003, welcher Saddam Hussein entthronte, zu einer Neuzusammensetzung des Iraks und der Region und best&#228;tigte die irakischen Kurden in ihrer Rolle als strategische B&#252;ndnispartner der USA. Die irakischen Kurden schafften es, auf die Kurden in der T&#252;rkei, in Syrien und im Iran Einfluss zu gewinnen. Die Erfahrung der irakischen Kurden beeinflusste auch die t&#252;rkischen Beh&#246;rden, welche die neue politische und wirtschaftliche Position der irakischen Kurden in Bezug auf ihre Grenze nicht l&#228;nger ignorieren k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sabri Cigerli und Didier Le Saout, &#214;calan et le PKK, Maisonneuve Larose, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Nachdem der Krieg 1991 vorbei war, erlaubte der Kontrollverlust der irakischen Regierung &#252;ber ihr Territorium der PKK sowohl Nachschub an Waffen und Munition, als auch einen grossen Handlungsspielraum im Irak. Doch der gegenw&#228;rtige Aufstieg der DPK von Masud Barzani (ein Verb&#252;ndeter von Ankara und der USA) und mit ihm jener der von den &#214;leinnahmen abh&#228;ngigen Bourgeoisie hat das Leben f&#252;r die PKK sehr schwierig gemacht; nicht nur wegen dem dadurch ausgel&#246;sten innerkurdischen Konflikt, sondern auch durch das regelm&#228;ssige Wiederaufkommen einer &#8222;liquidationistischen&#8220; Fraktion innerhalb der PKK (wir werden darauf zur&#252;ckkommen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So viel zur Vergangenheit. Gegenw&#228;rtig ist die kurdische Frage zur&#252;ck auf den Titelseiten der Zeitungen, besonders seit der infame Islamische Staat (IS) begonnen hat, an Boden zu gewinnen. Die internationale Presse feierte die rettende Intervention der &#8222;Kurden&#8220; zu Gunsten der Jesiden im Nordirak. Die Tatsache, dass die Presse nicht erw&#228;hnte, dass diese Kurden die sogenannten &#8222;Terroristen&#8220; der PKK oder der PYD waren und nicht die Peschmerga von Masud Barzanis DPK, welche stattdessen davon rannten, &#228;ndert nichts an der Ordnung des Diskurses, jene eines banalen Anti-IS-Frontismus. K&#246;nnen wir diesen Diskurs als unseren eigenen betrachten? Die Antwort lautet nein. Schauen wir uns an weshalb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Restrukturierung des Kapitals und die Entnationalisierung des Staates&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann weder die gegenw&#228;rtige Wende der kurdischen Frage, noch die Entwicklung ihrer politischen Ausdr&#252;cke &#8211; allen voran der PKK &#8211; verstehen, ohne sich mit dem Ende des goldenen Zeitalters eines sozialistischen oder &#8222;progressiven&#8220; &#8222;Nationalismus von unten&#8220; in der Peripherie und Semi-Peripherie des kapitalistischen Systems und seinen Ursachen zu befassen. Eine solche soziopolitische Perspektive fand ihren Daseinszweck in der Struktur des kapitalistischen Weltsystems zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Krise 1973. Die Grundlage davon war die Trennung zwischen &#8222;Zentrum&#8220; und &#8222;Peripherie&#8220; &#8211; und besonders &lt;i&gt;die rigide, auf einer nationalen Ebene auferlegte Beziehung zwischen ersterem und letzterer&lt;/i&gt; &#8211; diese Struktur wies ersterem die Ehre und die Last zu, die Akkumulation durch intensive industrielle Entwicklung voranzutreiben, und letzterer die untergeordnete Rolle als Lieferanten billiger Rohstoffe. Der &#8222;sozialistische Block&#8220; mit all seinen inneren Konflikten (UdSSR vs. China usw.) war eine geschlossene Zone der Akkumulation, vom Weltmarkt ausgeschlossen und als Anziehungspunkt f&#252;r alle Versuche der Peripherien dienend, sich von der ihnen zugewiesenen Rolle &#8222;abzukoppeln&#8220; (Samir Amin). Die Diversifikation auf der Ebene der gesellschaftlichen Formation erlangte ihren Sinn &#8211; wie es in jeder &#196;ra der kapitalistischen Produktionsweise geschieht &#8211; einzig und allein in den gegenseitigen Beziehungen innerhalb der internationalen Arbeitsteilung (der &#8222;Weltwirtschaft&#8220;), deren allgemeine Konsistenz die M&#246;glichkeit eines inneren Konflikts nicht verhinderte: &#8222;Die Koexistenz dieser Varianten wurde durch das internationale Geldsystem m&#246;glich gemacht, was den nationalen Regulationsmodellen eine gewisse Unabh&#228;ngigkeit liess. Tats&#228;chlich erlaubten der nach wie vor geringe Anteil des Aussenhandels am BIP, der niedere Grad finanzieller Integration aufgrund der Kontrolle internationaler Kapitalbewegungen und die F&#228;higkeit zur Entwertung in einem System fixer, aber regulierbarer Wechselkurse einen gewissen Grad an Freiheit bez&#252;glich der Wirtschaftspolitik.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michel Aglietta, Nachwort zu R&#233;gulation et crises du capitalisme, Odile (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Sowohl in den kapitalistischen Zentren als auch, obwohl auf eine umgekehrte und symmetrische Art und Weise, in den Peripherien &#8222;hatte die Entfaltung der vermittelnden Institutionen somit eine nationale F&#228;rbung und erlaubte ihnen die Entwicklung nationaler Anpassungen des fordistischen Wachstumsregimes [oder Unterentwicklung]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh4-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise der 1970er Jahre, welche mit dem ersten &#214;lschock begann, war gleichbedeutend mit der Krise dieser Struktur; mit der relativen Entindustrialisierung Europas und der USA, dem Ende des &#8222;sozialistischen Blockes&#8220; und dem Zerfall der Dritten Welt in &#8222;Abgetauchte&#8220; (Vierte und F&#252;nfte Welt) und &#8222;Gerettete&#8220; (die aufkommenden M&#228;rkte: Brasilien, China, Indien, T&#252;rkei usw.) erneuerte sich ihre Konfiguration, ohne dass die Polarisierung Zentrum/Peripherie (oder die sogenannte ungleiche Entwicklung) abgeschafft oder abgeschw&#228;cht worden w&#228;re, doch sie wurde komplexer und &lt;i&gt;entnationalisiert&lt;/i&gt;. Eine andere dreigeteilte, hierarchisch strukturierte Zoneneinteilung setzte sich durch: zuoberst hyperkapitalistische, mit der Finanz und dem Hi-Tech-Sektor verbundene Zentren; in der Mitte eine Zwischenzone, welche geteilt ist zwischen Logistik und kommerzieller Verteilung einerseits und h&#228;ufig ausgelagerten Fertigungsoperationen andererseits; zuunterst Zonen der Krise und der &#8222;gesellschaftlichen M&#252;llhalde&#8220;, welche durch die Ausbreitung aller Arten der informellen Wirtschaft charakterisiert sind. Diese Dreiteilung wird auf jeder Ebene, von der Welt bis zum Quartier, auf fraktale Art und Weise reproduziert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Th&#233;orie Communiste und Alcuni fautori della comunizzazione, &#034;A Fair (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Finanzkapital als eine Art &#8222;ideeller Gesamtkapitalist&#8220; der neuen Welt wird zum Haupttr&#228;ger dieser Umgestaltung und seine Expansion (geb&#252;hrend vermittelt durch die Explosion der etlichen &#8222;Blasen&#8220;) ist der zu bezahlende Preis f&#252;r einen neuen Akkumulationszyklus, der f&#228;hig sein muss, Mehrwert &#252;berall, wo immer mehr Profit in Sicht ist, hineinzuzw&#228;ngen, zu transferieren und zu reinvestieren:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Das Grosskapital platziert sich nun oberhalb des Nationalstaates, gegen&#252;ber welchem es zu einer instrumentellen und zwiesp&#228;ltigen Haltung tendiert &#8211; &#8222;instrumentell&#8220;, weil es versucht, den Staat seinen Interessen gef&#252;gig zu machen, sowohl durch die direkte Handlung der Lobbys als auch durch die Disziplin der &#8222;M&#228;rkte&#8220;; &#8222;zwiesp&#228;ltig&#8220;, weil die Verschiebung seiner Interessen in Richtung eines globalen Raumes zu Schwierigkeiten in den National&#246;konomien f&#252;hrt, besonders in entwickelten, welche die zuvor von Staaten &#252;bernommene Funktion des &#8222;nationalen Gesamtkapitalisten&#8220; bedrohen.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ernesto Screpanti, Global Imperialism and the Great Crisis, Monthly Review (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der Niedergang des &#8222;nationalen Sozialismus&#8220; in der Peripherie und Semi-Peripherie und die Restrukturierung des Kapitals sind auf jeden Fall identisch, insofern, als dass Globalisierung &#8211; von den Hyperzentren bis zu den Schuttzonen, von der Entstehung der Europ&#228;ischen Union bis zur Ausbreitung &#8222;balkanisierter&#8220; Zonen &#8211; selbst als Prozess der &lt;i&gt;Entnationalisierung des Staates&lt;/i&gt; fungiert. Diese sollte allerdings nicht in einer teleologischen Art und Weise konzipiert werden, denn es ist nicht die definitive &#220;berwindung des Nationalstaates durch die &#8222;Globalisierung&#8220; und auch nicht die schliessliche Erreichung des wahren h&#246;chsten Stadiums des Kapitalismus; der Nationalstaat ist ein funktionales Element eines Systems geworden, das &#252;ber ihn hinausgeht:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Eigentlich war das Ziel von Bretton Woods, die Nationalstaaten tats&#228;chlich gegen exzessive Fluktuationen im internationalen System zu sch&#252;tzen. Das Ziel der gegenw&#228;rtigen globalen &#196;ra ist ein total anderes: Globale Systeme und funktionale Modelle m&#252;ssen in den Nationalstaaten eingef&#252;hrt werden, unabh&#228;ngig von den Risiken f&#252;r ihre &#214;konomien. Weiter zeigt diese Dynamik auch, wie Nationalstaaten an diesem Prozess teilnehmen mussten: Die Einf&#252;hrung globaler Systeme und Operationsweisen im Kontext von stark institutionalisierten Nationalstaaten ist keine einfache Aufgabe.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Saskia Sassen, Territory, Authority, Rights. From the Medieval to (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Entnationalisierung des Staates stellt ein koh&#228;rentes System dar, welches die politische Formalisierung des Klassenkampfes &#252;berbestimmt: Aus diesem Grund kann sich die Erhebung gewisser proletarisierter Bev&#246;lkerungen Zentral- und S&#252;damerikas ideologisch mit dem Indigenismus identifizieren; in Pal&#228;stina ist es unm&#246;glich, die Verbindung zwischen der zweiten Intifada und dem Aufstieg der Hamas nicht zu erkennen; ganz allgemein findet der politische Islam im Mittleren Osten seine gesellschaftliche Basis in den &#228;rmeren Schichten der Gesellschaft und geht, im Gegensatz zum goldenen Zeitalter des arabischen Nationalismus, soweit, sich von ihren K&#228;mpfen zu n&#228;hren; in Europa kommt die Rettung des Nationalen gegen das Globale jedes Mal klar auf, wenn Unternehmen schliessen oder dorthin gehen, wo die Arbeit billiger ist, das &#8222;Einwanderungsproblem&#8220; und das &#8222;Europaproblem&#8220; dr&#228;ngen die &#8222;einheimischen&#8220; Fraktionen der Arbeiterklasse in Richtung Stimmenthaltung oder mehr oder weniger rechtem Populismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#034;Why the Working Class Goes to Heaven (and to the Right)&#034;, Il (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das hat nichts mit einem vermeintlichen Zerfall der kapitalistischen Produktionsweise zu tun, welche uns f&#252;r sich allein genommen mutmasslich in die &#8222;Barbarei&#8220; f&#252;hren w&#252;rde. Der Islamische Staat ist nicht eine archaische Wiedererweckung, keine Frucht gesellschaftlicher Beziehungen im Zerfall, sondern eine politische Einheit, welche jener Zeit und jener Umwelt entspricht, welche sie hervorbringt: Es ist der &lt;i&gt;entnationalisierte Staat in Fleisch und Blut&lt;/i&gt;, welcher im Nahen Osten, aus den gleichen Gr&#252;nden, welche zum Niedergang des panarabischen Nationalismus f&#252;hrten, wortw&#246;rtlich nur islamischer Staat bedeuten kann. Vom ideologischen Standpunkt aus wird die Restauration des Kalifats und die Wiedereroberung Jerusalems als glaubw&#252;rdige Antwort pr&#228;sentiert, als ein in jeder Hinsicht w&#252;rdiger Nachfolger der &#8222;arabischen Nation&#8220; als gesellschaftlicher und geopolitischer Akteur. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass das alles nicht aus dem Nichts kommt: Sogar der allt&#228;gliche Klassenkampf, insofern (und solange) er auf &lt;i&gt;Distributionsverh&#228;ltnisse&lt;/i&gt; beschr&#228;nkt bleibt, findet seine nat&#252;rliche politische Ausweitung in der Forderung nach Umverteilung des Einkommens, was im Mittleren Osten nur Aneignung und Umverteilung von Rente bedeuten kann. Die Existenz des Proletariats innerhalb der Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise findet immer irgendeine Form der politischen &#8222;&#220;bersetzung&#8220; in einem gegebenen Kontext, doch &lt;i&gt;es gibt keinen zwingenden Grund&lt;/i&gt;, weshalb dies notwendigerweise in einem klar erkennbaren (s&#228;kularen) Reformismus der Arbeiterklasse resultieren soll, wie das im westlichen Kontext der Fall war (sozialdemokratische und stalinistische Massenparteien). Die &lt;i&gt;Distributionssph&#228;re&lt;/i&gt; ist dieser r&#252;pelhafte Ort, wo wirtschaftliche Forderungen der Proletarier je nach Umst&#228;nden zweigeteilt werden k&#246;nnen: Einerseits die politische Forderung nach totaler Demokratie (das &#8222;wahre Paradies der Menschenrechte&#8220; und des B&#252;rgers, im Gegensatz zur gegenw&#228;rtig existierenden Demokratie) und andererseits die Forderung nach einer &lt;i&gt;gerechten&lt;/i&gt; Ordnung, frei von Korruption &lt;i&gt;da auf dem g&#246;ttlichen Gesetz gr&#252;ndend&lt;/i&gt;. Weiter ist die Tatsache, dass die politische Formalisierung des Klassenkampfes in Religion &#252;bergehen kann &#8211; wie man es schon in Polen im Falle von Solidarno&#347;&#263; (1980) beobachten konnte &#8211; keine Besonderheit der arabischen Welt. Sicher, &#8222;Religion ist das Opium des Volks&#8220;, doch nur insofern, als dass sie die K&#228;mpfe des Proletariats innerhalb des Fetischismus (Produktionsverh&#228;ltnisse werden zu Distributionsverh&#228;ltnissen) best&#228;tigt. Es ist nach wie vor eine Tatsache, dass die Religion innerhalb des Fetischismus auch &#8222;der Seufzer der bedr&#228;ngten Kreatur, das Gem&#252;t einer herzlosen Welt&#8220; sein kann. Die Tatsache, dass all das auf Kosten der Frauen, allen voran der proletarischen Frauen geschieht, ist untrennbar mit der Art und Weise verbunden, wie der Klassenkampf (wann immer er die Frauen dazu aufruft, sich als Ehefrauen oder direkt als Arbeiterinnen zu beteiligen) die Frage der (erneuten) Zuweisung der Frauen zum h&#228;uslichen Raum oder pr&#228;ziser zur Rolle der Reproduktion der Arbeitskraft stellt. Es sollte nebenbei auch gesagt werden, dass das auch mit der &#8222;f&#252;hrenden Rolle&#8220; der Frauen im milit&#228;rischen Fl&#252;gel der PKK zu tun hat: Die Guerillaorganisation beseitigt den Genderantagonismus nicht, sondern verlegt ihn auf ein anderes Terrain, was den Frauen h&#228;ufig einen gr&#246;sseren Handlungsspielraum gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Islamische Staat ist bez&#252;glich oben erw&#228;hnter Ph&#228;nomene keine Ausnahme: &#8222;In Syrien gibt der IS den Anschein, eine effiziente bewaffnete Gruppe zu sein, welche ihre K&#228;mpfer bezahlt, ihnen etwas zu essen gibt und &lt;i&gt;eine lokale Umverteilung f&#252;r die Hungernden und die Armen garantiert. Sie interessiert sich f&#252;r einen Neuaufbau des Bildungssystems f&#252;r mehr junge Leute.&lt;/i&gt; Sie akkumuliert bedeutende Ressourcen (Steuern, Schmuggel, L&#246;segeld, &#214;l).&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#034;Comment faire la guerre &#224; l'Etat Islamique?&#034;, Homepage von Le Monde, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Sogar Valeria Poletti &#8211; eine unabh&#228;ngige Forscherin, welche vor kurzem eine sehr detaillierte, doch von panarabischer Nostalgie durchdrungene Studie zum zeitgen&#246;ssischen Mittleren Osten ver&#246;ffentlicht hat, wo sie als Grund f&#252;r den Aufstieg des politischen Islam eine mutmassliche amerikanische Strategie angibt, welche zum Ziel habe, sektiererische Spaltungen innerhalb der &#8222;arabischen Nation&#8220; zu entfesseln &#8211; kann sich ein paar Versprecher nicht verkneifen:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die Islamisten des &lt;i&gt;Islamischen Staats des Iraks und Syriens&lt;/i&gt; (ISIS), ein direkter Ableger des irakischen IS, behaupten, gegen die Armee von al-Assad zu k&#228;mpfen, doch ihr tats&#228;chlicher Zweck ist es, ein kurzlebiges Ersatzkalifat in jenen Zonen zu errichten, welche von ihren Milizen erobert wurden. Daf&#252;r benutzen sie Terror gegen Zivilisten und greifen zu den Waffen gegen laizistische oder jihadistische K&#228;mpfer, welche nicht ihrer Fraktion, der revolution&#228;ren Front angeh&#246;ren. [&#8230;] Obwohl er die internationale und extremistische Sichtweise der absoluten Herrschaft und der vollst&#228;ndigen Durchsetzung der Sharia von Al-Qaida teilt, hat [der IS] die Anerkennung des Vorg&#228;ngers [Al-Qaida] nicht bekommen, nicht nur wegen seiner angek&#252;ndigten Absicht, einen Kalifatsstaat in den von ihnen beherrschten Gebieten zu errichten, sondern auch wegen ideologischen Differenzen. Weiter werden die terroristischen Methoden seines Systems der Machtverwaltung (Entf&#252;hrungen, Folter, Enthauptungen, sektiererische Morde gegen Schiiten), welche im Volk tiefe Feindschaft ausl&#246;sen, sogar von den Anf&#252;hrern von Al-Qaida verurteilt. &lt;strong&gt;Trotzdem hat ISIS, eben genau weil es nicht nur eine Bewegung jihadistischer K&#228;mpfer ist, sondern sich um die Verwaltung k&#252;mmert und das Funktionieren gesellschaftlicher Strukturen garantiert, die Unterst&#252;tzung eines Teils der Bev&#246;lkerung erlangt.&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Valeria Poletti, The Fire in the Middle East, the Unexpected Connections, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Auf geopolitischer Ebene spiegelt sich die Entnationalisierung des Staates im Ende des Systems starrer B&#252;ndnisse, wie es in der zweigeteilten Welt nach 1945 typisch war, es wurde ersetzt mit einem System flexibler B&#252;ndnisse jener Art, wie wir sie gegenw&#228;rtig im Mittleren Osten am Werk sehen.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Seit seinem Auftauchen im April hat ISIS den Verlauf des Krieges in Syrien ver&#228;ndert. Es zwang die syrische Opposition zu heftigen K&#228;mpfen an zwei Fronten. Der Eingang von Hilfslieferungen und der Ausgang von Informationen aus Syrien sind blockiert. Und mit jeder Eroberung werden die Regierung der Vereinigten Staaten und ihre europ&#228;ischen Verb&#252;ndeten dazu gezwungen, ihre Strategie der sporadischen Unterst&#252;tzung der gem&#228;ssigten Opposition und die rhetorischen Aufrufe zum Sturz Bashar al-Assads zu &#252;berdenken. [&#8230;] Derweil haben gewisse Geheimdienste, z.B. jener Deutschlands, wieder Kontakte zur syrischen Regierung gekn&#252;pft. Eine weitere Rehabilitation des Assad-Regimes ist mit der wachsenden Bedrohung von Al-Qaida durchaus denkbar.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Valeria Poletti, op. cit., S. 114.&#034; id=&#034;nh4-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;In einem solchen Gewirr sind wechselnde B&#252;ndnisse und Seitenwechsel die Regel und folglich ist Vorsicht geboten. Doch &#252;ber die PYD, den B&#252;ndnispartner der PKK in Syrien, schreibt der Autor von &#034;Kurdistan: Eye of the Cyclone&#034;: &#8222;Hier, in der Erhebung gegen das syrische Regime, verb&#252;ndete sich [die PYD] weder mit dem Assad-Regime, noch mit den &#8222;syrischen Rebellen&#8220;, sie praktizierte einen &#8222;dritten Weg&#8220;: die Befreiung, Verteidigung und Verwaltung ihres Territoriums, zusammen mit anderen &#8211; nicht nur kurdischen &#8211; Parteien und Institutionen der Zivilgesellschaft, in einer Art kantonaler Demokratie von unten.&#8220; Was der Autor nicht erw&#228;hnt, ist die Tatsache, dass dieser angebliche &#8222;dritte Weg&#8220; keiner ist, da er von al-Assad selbst in einer Art ungeschriebenem Abkommen akzeptiert wurde, wodurch das syrische Regime Rojava eine gewisse Autonomie einr&#228;umt gegen die Neutralit&#228;t der syrischen Kurden im laufenden B&#252;rgerkrieg. Es kann gewiss argumentiert werden &#8211; wie dies die fr&#246;hliche Bande von Wu Ming in &#034;The ISIS War, the Role of the PKK and the Autonomous Zone of the Rojava&#034; tut &#8211; dass die Autonomie der Kurden in Rojava zum von der PKK geforderten demokratischen Konf&#246;deralismus tendiert, doch es scheint uns, dass sie eher zum Aufbau von proto-staatlichen Strukturen tendiert, welche, unter besonderen Umst&#228;nden, k&#252;nftig die Grundlage eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates sein k&#246;nnten. Zudem bleibt, wenn wir davon ausgehen, dass die PKK, die PYD und ihre Milizen g&#228;nzlich eigenst&#228;ndig finanziert sind (Steuern, Rimessen, Migranten usw.)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Anmerkung der englischen &#220;bersetzer: Ein Bericht der ICG zeigt, dass das (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Frage, wer ihnen Waffen verkauft, durch welche Kan&#228;le usw. Z.B.: Ist es m&#246;glich, dass die Kan&#228;le, durch welche die Waffen in die von der PKK und ihren Verb&#252;ndeten kontrollierten Zonen kommen, offen bleiben k&#246;nnen, ohne den mehr oder weniger diskreten Schutz einer der grossen Staaten der Region? Einige behaupten, dass die PKK und die PYD ihren Nachschub auf dem Schwarzmarkt in Syrien von Deserteuren der syrischen Armee bekommen; das mag vielleicht stimmen, doch werden diese Waffen allein reichen, damit die kurdischen Milizen ihre Stellung gegen&#252;ber dem IS verteidigen k&#246;nnen, schliesslich hat letzterer nun eine reale Staatsstruktur, kontrolliert &#214;lfelder und, was noch wichtiger ist, hat eine grosse Menge an Waffen von der irakischen Armee erbeutet? Derweil, gem&#228;ss den j&#252;ngsten Informationen (vom 7.10.14), wehen die Flaggen des IS auf den D&#228;chern von Kobane, Syrien, und die PYD hat ausdr&#252;cklich vom t&#252;rkischen Kurdistan kommende Verst&#228;rkung verlangt. &#8222;Die Mobilisierung von Kobane reicht nicht&#8220;, warnte Redur Xelil, der Sprecher der YPG (milit&#228;rischer Fl&#252;gel der PYD), am Donnerstag auf Twitter, &#8222;sonst wird es einen weiteren V&#246;lkermord wie in Sindschar geben, dieses Mal in Kobane&#8220;, womit er sich auf die Massenflucht zehntausender Jesiden aus der Sindscharregion im angrenzenden Irak bezieht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Homepage der Financial Times, 18/9/2014.&#034; id=&#034;nh4-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wer Ohren hat, m&#246;ge h&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig sind die amerikanischen Interessen f&#252;r die Erschaffung eines Lagers, das als Bollwerk gegen ISIS dienen kann, sehr real und die Verschw&#246;rungstheorien aller M&#246;chtegern-Michael-Moores &#252;ber die amerikanische Unterst&#252;tzung des Aufstiegs des radikalen Islams und Al-Qaida&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. &#034;Operation Isis, the Target Is China&#034;, Il Manifesto, 16-9-2014.&#034; id=&#034;nh4-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; erkl&#228;ren nichts: Sogar abgesehen von der Frage der Kontrolle &#252;ber &#214;l und Gas gehen die theatralischen Exekutionen westlicher Gefangenen in &#8222;Guantanamo&#8220;-Anz&#252;gen durch den IS weiter, was Obama nicht &#252;bersehen hat. Nat&#252;rlich ist die Zeit des 11. Septembers und George W. Bush schon lange hinter uns, doch das gegenw&#228;rtige Niveau an Verwirrung in internationalen Beziehungen gen&#252;gt selbstverst&#228;ndlich nicht, um die milit&#228;rische Intervention einer von den USA angef&#252;hrten Koalition zu verhindern &#8211; mit viel &#8222;Menschenrecht&#8220; als Legitimation. Versteht man erst mal, dass die prinzipiellen s&#228;kularen Kr&#228;fte in der Region das syrische Regime und die &#8222;Kurden&#8220; sind, k&#246;nnten zuk&#252;nftige Szenarien trotz ihrer gegenseitigen Feindschaft &#252;berraschend sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#034;USA with Iran Turkey and the Kurds, the Strange Alliances against the (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es muss klar gesagt werden, dass das, was bl&#252;ht, ein &#8222;jugoslawisches&#8220; Szenario eines grausamen B&#252;rgerkriegs mit vom Himmel fallenden &#8222;Menschenrechten&#8220; ist. Wenn so etwas Realit&#228;t wird, ist die Frage, was daraus resultieren k&#246;nnte: eine Umgestaltung der Staatsgrenzen im Mittleren Osten (mit der m&#246;glichen Erschaffung eines kurdischen Staates) oder zunehmendes Chaos ohne den Horizont (zumindest bis jetzt) eines revolution&#228;ren Auswegs? Die blosse Existenz der PKK und die energische Opposition der T&#252;rkei gegen die Autonomie der Kurden gelten als wichtigste Gegentendenzen zur ersten der beiden M&#246;glichkeiten. Doch ist es tats&#228;chlich so? Und falls ja, weshalb? Einmal mehr ist unsere Antwort negativ; wir werden die Gr&#252;nde daf&#252;r in der n&#228;chsten Sektion erkl&#228;ren. Jegliche &#8222;L&#246;sung&#8220; &#8211; sei sie revolution&#228;r oder konterrevolution&#228;r &#8211; wird auf jeden Fall strikt endogen geographisch auf den Kontext des Mittleren Ostens beschr&#228;nkt sein, w&#228;hrend neue und andauernde Grenzverschiebungen nur in einem Kontext einer weiteren Expansion der Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise geschehen k&#246;nnen, wof&#252;r es im Moment nur einige vage Hinweise gibt. Doch diese andere Alternative h&#228;ngt nicht weniger von Ereignissen woanders ab (wir werden darauf zur&#252;ckkommen). Einige glauben, dass dieser Krieg, der erst angefangen hat, m&#246;glicherweise viele Jahre dauern wird. Unserer Meinung nach wird er, in der Kontinuit&#228;t des instabilen oder d&#252;steren Ausgangs des Arabischen Fr&#252;hlings (&#196;gypten, Tunesien und, etwas weniger, Libyen), eine Periode &lt;i&gt;systemischen Langzeitchaos&lt;/i&gt; definieren:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Die drei langfristigen geopolitischen Prognosen von Giovanni Arrighi, welche er in &lt;i&gt;The Long Twentieth Century&lt;/i&gt; skizzierte, bestehen darin, dass die Flucht nach vorne in einen finanzialisierten Neoliberalismus nur eine kurze Verl&#228;ngerung der amerikanischen Hegemonie bringen wird und dass sich dann entweder ein vom Westen verwaltetes globales Imperium, eine in den Osten neigende weltweite Marktgesellschaft oder langfristiges systemisches Chaos ergibt. Eine vollst&#228;ndige Version der ersten M&#246;glichkeit kann wahrscheinlich ausgeschlossen werden. [&#8230;] Die Entstehung eines neuen hegemonischen Zentrums scheint ebenfalls unwahrscheinlich. [&#8230;] Der wahrscheinlichste Ausgang ist eine Kombination der ersten und der dritten M&#246;glichkeit: ein Konzert der M&#228;chte zur Aufschiebung von Finanzkollapsen, welches jedoch unf&#228;hig ist, einen &#220;bergang zu einer neuen Phase nachhaltiger kapitalistischer Entwicklung zu orchestrieren. Wir treten in eine Periode ergebnisloser K&#228;mpfe zwischen einem geschw&#228;chten Kapitalismus und zerstreuten Oppositionskr&#228;ften innerhalb delegitimierter und bankrotter politischer Ordnungen ein.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gopal Balakrishnan, &#034;Speculations on the Stationary State&#034; in New Left (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die &#8222;libert&#228;re&#8220; Wende der PKK&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hamit Bozarslan beschreibt folgendermassen die entstandene Verwirrung im Milieu der pro-kurdischen Militanz in den letzten zehn Jahren mit den Ver&#228;nderungen, welche wir in der letzten Sektion zu beschreiben versuchten:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Alles deutet darauf hin, dass der kurdische Konflikt erneut das Ende eines historischen Zyklus erreicht, welches durch seine eigenen Formen der Vergesellschaftung, des Ausdrucks, der Militanz und sogar seine eigenen Formen der Gewalt charakterisiert ist. Das Ph&#228;nomen ist nicht neu. In den 1960er Jahren machte eine ganze Generation von vom Westen inspirierten K&#228;mpfern, von welchen einige schon seit den 1920er Jahren aktiv gewesen waren, einer neuen Generation von K&#228;mpfern Platz, welche sich in ihrer &#252;berw&#228;ltigenden Mehrheit mit der Linken identifizierte. Das Scheitern der Revolte von Mustafa Barzani im Irak (1961-1975) &#8211; sowohl ein Moment des Bruches, als auch der &#220;bermittlung zwischen Generationen &#8211; gab hingegen den Anstoss f&#252;r neue Akteure, die PUK (Patriotische Union Kurdistans) im Irak, Komala (Gruppierung) im Iran und die Speerspitze des bewaffneten Kampfes, die PKK, in der T&#252;rkei. [&#8230;] Gegenw&#228;rtig halten diese alten K&#228;mpfer, bewaffnet mit einer im Verlauf vergangener K&#228;mpfe erlangten Legitimit&#228;t, welche nun an ihr Ende kommt, immer noch Schl&#252;sselpositionen im irakischen Kurdistan, doch sie tragen nun die Kleider von Politikern oder Politikerinnen, B&#252;rokraten oder B&#252;rokratinnen oder sogar jene von Unternehmern oder Unternehmerinnen. [&#8230;] Trotz Unterschieden je nach Situation in den jeweiligen L&#228;ndern blieb alle kurdische Militanz des vorhergehenden Zyklus in der Linken verankert, im Gegensatz zu anderen Protesterfahrungen im Mittleren Osten nach 1979, welche weitgehend mit dem Islamismus verbunden waren. Mittlerweile wirkt sich der Fall der Berliner Mauer auch auf Kurdistan aus, wenn auch mit einer Versp&#228;tung von zwei Jahrzehnten, und kreiert ein eigenartiges Gef&#252;hl der Leere. Wenn auch der Konflikt weiterhin von einem kurdischen Nationalismus gen&#228;hrt wird, der immer noch f&#228;hig ist, durch seine Symbole und seine historischen und geographischen Repr&#228;sentationen zu mobilisieren, sind sie doch nicht mehr l&#228;nger f&#228;hig, einen partikularistischen Kampf mit einem Diskurs und einer universalen Symbolik zu rechtfertigen, welche f&#228;hig sind, &#252;ber ihn hinauszugehen und ihm Sinn zu geben.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hamit Bozarslan, Conflit kurde. Le brasier oubli&#233; du Moyen-Orient, Ed. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Wende der PKK &#8211; d.h. die Absage an die Perspektive eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates, welche eindeutig im von Bozarslan skizzierten Kontext zu sehen ist &#8211; ist eine Reaktion auf drei verschiedene Bed&#252;rfnisse: 1) die Anerkennung einer Sachlage: die Obsoleszenz eines &#8222;Nationalismus von unten&#8220;; 2) der negative Ausgang der Guerilla-Strategie, symbolisiert durch die Verhaftung von Abdullah &#214;calan in Nairobi 1999; 3) die gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen im historischen Kurdistan in den letzten 25 Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was den ersten Punkt betrifft, kann die Obsoleszenz des &#8222;Nationalismus von unten&#8220; angesichts der kapitalistischen Restrukturierung (wie weiter oben suggeriert) erkl&#228;rt werden, doch noch prosaischer kann gesagt werden, dass es eine Tatsache ist, dass mit dem Ende der UdSSR der Hauptsponsor dieser Nationalismen nicht mehr existierte. In der zweigeteilten Welt nach 1945 konnten &#8211; auf unterschiedliche, aber koh&#228;rente Art und Weise &#8211; das Verlangen nach Unabh&#228;ngigkeit der &#8222;beherrschten Nationen&#8220; und Versuche, einen auf sich selbst bezogenen Kapitalismus in schon formell unabh&#228;ngigen Drittweltstaaten zu entwickeln, welche jedoch an der &#8222;Entwicklung der Unterentwicklung&#8220; litten (im Rahmen welcher eine mit dem Westen zusammenarbeitende Bourgeoisie den imperialistischen M&#228;chten billiges Rohmaterial verkauft, um ihren Konsum zu finanzieren, statt in die Industrie zu investieren und eine sie unterst&#252;tzende Binnennachfrage zu kreieren), nicht realisiert (oder nur schon aufgebaut) werden ausser unter der &#196;gide irgendeines sozialistischen Mutterlandes und mit Hilfe seiner langfristigen Kredite mit sehr tiefen Zinss&#228;tzen. Das Ungl&#252;ck (und auch die Dynamik) des kurdischen Nationalismus ist die Tatsache, ohne &#8222;Heilige im Himmel&#8220; da zu stehen, denn die Forderung nach einem unabh&#228;ngigen Kurdistan war gleichbedeutend mit der Tatsache, dem Star des von der UdSSR gesponserten Anti-Imperialismus auf die F&#252;sse zu treten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was den zweiten Punkt betrifft, lohnt es sich, sich zu erinnern wie &#214;calan, lange vor seiner Verhaftung 1999, eine &#8222;politische L&#246;sung&#8220; suchen wollte, welche schon damals einer Relativierung der historischen Forderung der Unabh&#228;ngigkeit gleichkam. Damit hoffte er, sich den &#8222;Imperialisten&#8220; der Europ&#228;ischen Union anbiedern zu k&#246;nnen, doch diese wiesen seine Avancen zur&#252;ck und erlaubten schliesslich seine Verhaftung. Der Ausgang von &#214;calans europ&#228;ischer Pilgerfahrt wurde von der ganzen kurdischen nationalistischen Bewegung als historische Niederlage wahrgenommen und verursachte u.a. einen substantiellen Verlust an K&#228;mpfern. Man muss hinzuf&#252;gen, dass die &#8222;spirituelle Krise&#8220; der PKK verbunden ist mit der Kooption der DPK von Masud Barzani in einen pro-amerikanischen Dunstkreis, und nicht wenige hoffen, dass ein solches B&#252;ndnis schliesslich mit diplomatischen Mitteln erreicht, was die PKK durch Guerillakampf und &#8222;Marxismus&#8220; nie erlangen konnte. Die durch die amerikanische Gunst ausgel&#246;sten Hoffnungen sind allerdings alles andere als ungerechtfertigt. Obwohl die Erschaffung eines kurdischen Staates nicht auf der Tagesordnung zu stehen scheint, gibt es im Kontext der Strategiestudien der amerikanischen Armee eine ausf&#252;hrliche Debatte &#252;ber die Perspektive, den Kurden einen unabh&#228;ngigen Staat zu geben (siehe Anhang).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die rein gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen &#252;berall im historischen Kurdistan betrifft, eignet sich der Kontext der 2000er Jahre, obwohl es in Mode ist, die Dynamiken des kurdischen Raums so darzustellen, als ob sie in einer Art exotischem, bergigem Mikroklima geschehen w&#252;rden, denkbar schlecht zu einem Vergleich mit fr&#252;heren Perioden.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Kurdischer Protest spielt sich mittlerweile in einer weitgehend urbanisierten Zone ab. Die l&#228;ndliche Landschaft, mit welcher die Kurden sowohl in ihrer allt&#228;glichen Realit&#228;t als auch in der orientalistischen Vorstellung stark assoziiert wurden, ist so gut wie verschwunden [&#8230;]. Im irakischen Kurdistan, wo kurdische D&#246;rfer w&#228;hrend den 1980er Jahren massenweise vom Regime von Saddam Hussein zerst&#246;rt wurden, leben nun drei Viertel der Bev&#246;lkerung in den drei gr&#246;ssten St&#228;dten, Erbil &#8211; die Hauptstadt &#8211;, Dohul und Sulaymaniyah. [&#8230;] In Syrien hat sich der Kern der kurdischen Politik schon immer auf die St&#228;dte konzentriert und die Intelligenzia und die Jugend stehen mehr denn je im Rampenlicht. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich im Iran, obwohl die Macht niemals eine Politik vors&#228;tzlicher Zerst&#246;rung der l&#228;ndlichen kurdischen Zonen angewendet hat, hat sich das demographische und politische Gewicht l&#228;ndlicher Zonen zu Gunsten von einem Dutzend von St&#228;dten verringert, welche in wirtschaftlicher Hinsicht zu den am wenigsten entwickelten geh&#246;ren, doch durch eine grosse Vitalit&#228;t charakterisiert sind. W&#228;hrend die meisten kurdischen St&#228;dte im Iran zwischen 100 000 und 150 000 Einwohner haben, hat Urmia fast 600 000. Die selbe Dynamik kann in der T&#252;rkei beobachtet werden, wo das Stammesph&#228;nomen des fr&#252;heren kurdischen Widerstands derart offensichtlich war. [&#8230;] Ein anderes Element, das viel klarer ist als in der Vergangenheit, betrifft das Gewicht innerer Diasporas in jedem dieser L&#228;nder. Obwohl Bagdad aus offensichtlichen Gr&#252;nden kein Ort kurdischer Konzentration mehr ist, dehnen andere Haupt- oder grosse St&#228;dte den kurdischen Raum weit &#252;ber das historische Kurdistan aus: Istanbul &#8211; die Heimat von Millionen von Kurden &#8211; und ein halbes Dutzend anderer t&#252;rkischer St&#228;dte, Aleppo und Damaskus, wo ungef&#228;hr 600 000 leben, oder einmal mehr Teheran. [&#8230;] Schliesslich, wenn auch die Pr&#228;senz von mehr als einer Million Kurden in Europa nichts Neues ist, so hat sich diese andere Diaspora, die sich stark von dem unterschied, was in der Sowjetunion oder in der arabischen Welt und speziell im Libanon existierte, stark ver&#228;ndert [&#8230;], Pops&#228;nger oder Ingenieure, Restaurantbesitzer oder unqualifizierte Arbeiter pflegen nach wie vor eine pro-kurdische Loyalit&#228;t, die Kontrolle einer politischen Organisation &#252;ber ihr allt&#228;gliches Leben akzeptieren sie jedoch nicht mehr.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd. S. 20-22.&#034; id=&#034;nh4-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der zunehmende Erfolg der T&#252;rkei als &#8222;aufstrebende&#8220; Wirtschaft einerseits und der &#214;lrausch des Mittleren Ostens andererseits kreieren eine Diskrepanz zwischen einem armen, aber sich entwickelnden st&#228;dtischen Kurdistan und einem verfallenden l&#228;ndlichen und bergigen Kurdistan. W&#228;hrend den 1990er Jahren f&#252;hrte das die PKK dazu, immer mehr ein Ausdruck und Vermittler letzteres zu sein und ersteres anderen Kr&#228;ften zu &#252;berlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Hinsicht ist es klar, dass die angebliche &#8222;libert&#228;re&#8220; Wende der PKK nicht die &lt;i&gt;endlich offenbarte Wahrheit&lt;/i&gt; ist, welche sich jede soziale Bewegung aneignen sollte. Viel mehr ist sie eine Antwort auf spezifische Probleme, n&#228;mlich: 1) ein Problem der &#8222;historischen Legitimit&#228;t&#8220;, verbunden mit dem Niedergang traditioneller marxistisch-leninistischer Guerillas oder Modelle f&#252;r die Dritte Welt; 2) eine Frage der &#8222;ideologischen Rechtfertigung&#8220; in Anbetracht einer eindeutigen historischen Niederlage; 3) eine Frage der &#8222;kulturellen Anpassung&#8220; an einen neuen gesellschaftlichen Kontext. &lt;i&gt;Deshalb versuchte die PKK, an der Bewegung gegen die &lt;/i&gt;&lt;i&gt;Globalisierung anzuschliessen&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In einem k&#252;rzlich erschienenen Artikel mit dem Titel &#034;Is Kobane alone?&#034; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die &#8222;Bewegung der Bewegungen&#8220;, das &#8222;Volk von Seattle&#8220; gab &#214;calan und seinen Gef&#228;hrten alles notwendige R&#252;stzeug zur Durchf&#252;hrung der durch die Situation auferlegten theoretischen und organisatorischen Erneuerung, nicht zuletzt in Begriffen, welche eine &lt;i&gt;nach wie vor an der nationalen Befreiung orientierte&lt;/i&gt; Perspektive artikulieren, obwohl sie auf die Aussicht eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates verzichtet. Von ihrer neuen theoretischen Inspirationsquelle &#252;bernimmt die PKK sowohl St&#228;rken, wie auch Schw&#228;chen. Zu ersteren geh&#246;ren: die tats&#228;chlich mobilisierende Rhetorik, welche die hier und jetzt zu verwirklichenden Ver&#228;nderungen hervorhebt, die Berufung auf die Ethik, die Hierarchiekritik, das Lob der Horizontalit&#228;t, einen theoretischen Eklektizismus (&#214;kologie, Feminismus usw.), welcher einheitliche, zu stark nach &#8222;Marxismus&#8220; riechende Synthesen ablehnt; zu letzteren ein Beharren auf Selbstverwaltung und Autonomie, welches eine programmatische Leere kaschiert: Die j&#252;ngsten Schriften von &#214;calan, welche ins Englische &#252;bersetzt wurden, &#034;Democratic Confederalism&#034; und &#034;War and Peace in Kurdistan&#034;, enthalten allgemeine Aufrufe f&#252;r eine gerechtere Verteilung des Wohlstands, doch abgesehen davon sucht man die sozialen Massnahmen vergeblich, welche die PKK ergreifen will, wenn die hypothetische demokratische Konf&#246;deration tats&#228;chlich davor steht, das Licht der Welt zu erblicken. In ihrer gesellschaftlichen Basis, dem Handlungskontext und den theoretischen Bez&#252;gen &#228;hnelt die PKK immer mehr einer Art EZLN des Mittleren Ostens. Doch einmal mehr ist die PKK sp&#228;t dran: Der Wendepunkt zum demokratischen Konf&#246;deralismus war offiziell 2002; die sich in Revolten verwandelnden Proteste in Genua 2001 markierten schon den Beginn eines langsamen Niedergangs der Bewegung gegen die Globalisierung. Woran sollte man sich nun orientieren? Wem sich zuwenden? Eine marginale, von Osman &#214;calan (dem Bruder von Abdullah) angef&#252;hrte Fraktion hatte die Antwort: den USA. Ihrerseits hielt es die USA f&#252;r wichtig genug, einen kurdischen Bauern auf dem irakischen Schachbrett zu haben, um die &#214;ffnung eines Kommunikationskanals mit der PKK in Betracht zu ziehen. Es war ein potenziell fruchtbarer Austausch f&#252;r beide: Einerseits w&#252;rde die PKK sich den Anstrengungen f&#252;r die &#8222;Demokratisierung&#8220; der Region anschliessen und den innerkurdischen Konflikt beenden, andererseits w&#252;rden die USA alles tun, um die Restriktionen gegen die internationale Aktivit&#228;t der PKK aufzuheben, und Druck machen zur Verbesserung der Haftbedingungen von Abdullah &#214;calan. Osman &#214;calan best&#228;tigte die Existenz von Kontakten zwischen der PKK und den USA &#8222;auf lokaler Ebene&#8220;: &#8222;Dank unserer Organisation nahestehenden Vermittlern wurden inoffizielle Treffen mit einigen amerikanischen Beamten hergestellt. Es gab einige Formen gegenseitiger Anerkennung. Die Amerikaner wollen die Sympathie der Kurden gewinnen; unsererseits m&#246;chten wir zusammen mit den USA eine L&#246;sung finden. Wir haben nicht mit dem Regime von Saddam Hussein kollaboriert und standen amerikanischen Interessen nie im Wege, w&#228;hrend die Amerikaner den Kurden viel B&#246;ses angetan haben; wir kennen ihre Rolle in der Verhaftung von &#214;calan.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Courrier International, 23.-29. Oktober 2003.&#034; id=&#034;nh4-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die notwendige Haltung gegen&#252;ber den USA f&#252;hrte 2004 zu einer regelrechten Spaltung: Die Fraktion von Osman &#214;calan spaltete sich ab und gr&#252;ndete die offen proamerikanische PWD (Popul&#228;r-Demokratische Partei): &#8222;Die Organisation betrachtet die USA nicht als eine Kolonialmacht, sondern als jenes Land, welches die Kurden rettete. [&#8230;] Um ihre Unterst&#252;tzung f&#252;r die USA klarer zu betonen, wird die PWD am 7. November 2004 einen Brief an Pr&#228;sident George W. Bush senden, um ihm zu seiner Wiederwahl zu gratulieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sabri Cigerli &amp; Didier Le Saout, op. cit., S. 381.&#034; id=&#034;nh4-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Wir erw&#228;hnen solche Anekdoten nicht, um zu suggerieren, es gebe einen Masterplan oder eine Verschw&#246;rung, welche aus der PKK nur einen weiteren geheimen B&#252;ndnispartner der USA machen w&#252;rde. Doch es ist unbedingt notwendig, folgendes zu unterstreichen: 1) die Ambivalenz und die tastende Entwicklung, welche die PKK schon immer charakterisiert haben; 2) die Tatsache, dass, falls sich die Hypothese eines unabh&#228;ngigen Kurdistans materialisiert, die PKK in der misslichen Position w&#228;re, zwischen der Beteiligung an der Operation gegen ihren Willen oder dem Risiko weiterer Marginalisierung und dem Beginn einer neuen Folge blutiger innerkurdischer Konflikte w&#228;hlen zu m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir schliessen diese Sektion mit einer &#220;berlegung zu den &lt;i&gt;Hintergr&#252;nden&lt;/i&gt;. Zumindest seit den Staatsstreichen der Baath-Partei in Syrien (1966) und im Irak (1968) liegt die subversive Seite der kurdischen Frage in ihrem Charakter als lebendiger Protest gegen die imperialistische Zerst&#252;ckelung des Mittleren Ostens und gleichzeitig gegen den pro-sowjetischen Anti-Imperialismus, der behauptete, sich dieser entgegenzustellen. Was gegenw&#228;rtig geschieht, zeigt uns einmal mehr, dass ein vollst&#228;ndiger historischer Zyklus zu seinem Ende gekommen ist und alle seine inneren M&#246;glichkeiten ausgesch&#246;pft hat, jene der &#8222;vollen Unterst&#252;tzung des Rechts auf Selbstbestimmung der unterdr&#252;ckten V&#246;lker (bis hin zum Recht auf Abtrennung und die Niederlage seines &#8222;eigenen&#8220; Landes) &lt;i&gt;f&#252;r einen spezifisch proletarischen Zweck und mit einer spezifisch proletarischen Strategie&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan, op. cit.&#034; id=&#034;nh4-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Keine sozio-historische Bestimmung oder kommunitaristische Pr&#228;misse stellt ein Hindernis f&#252;r die Entwicklung an sich mehr dar. Die nationale Frage besteht weiterhin, doch allen voran als Problem f&#252;r das Kapital: Die kommunistische Revolution wird sie nur &lt;i&gt;auf ihrer eigenen Grundlage&lt;/i&gt; l&#246;sen. Sonst wird es die Konterrevolution auf ihre Art und Weise tun und schliesslich auf nationale Forderungen eingehen oder die gewaltsame Umsiedlung oder Vernichtung der betreffenden Bev&#246;lkerung organisieren. &#8222;Das kurdische Volk ist weitgehend &#8222;internationalisiert&#8220; [&#8230;] Millionen von kurdischen Arbeitern arbeiten in Fabriken und Feldern der entwickelten westlichen L&#228;nder. Sie haben mit dem westlichen Proletariat gek&#228;mpft und die meisten davon heftig, da sie nichts zu verlieren hatten. F&#252;r diese Millionen, welche Bedingungen erlebt haben, welche reif waren f&#252;r die proletarische Revolution, w&#228;re eine R&#252;ckkehr zu den Bedingungen eines &#8222;b&#252;rgerlichen nationalen Befreiungskampfes&#8220; ein gigantischer Schritt zur&#252;ck.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Quaderni internazionalisti, &#034;What Revolution for Kurdistan?&#034;, Flyer, 1999, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das ist wahr, und es ist auch wahr f&#252;r jene kurdischen Proletarier, welche nicht &#8222;internationalisiert&#8220; sind, doch nur vom Standpunkt der Aufhebung der Klassen aus, d.h. &#8222;der Bewegung, welche aufhebt&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Die Bewegung, welche aufhebt...&#8220;: das Lokale, das Nationale, das Globale&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein breites Mosaik an Bewegungen &#8211; welche bewaffnet oder unbewaffnet sind und von sozialem Banditentum bis zur organisierten Guerilla-Aktivit&#228;t reichen &#8211; agieren in den elendsten Zonen der globalen kapitalistischen M&#252;llhalde und haben &#228;hnliche Z&#252;ge wie die gegenw&#228;rtige PKK. Auf die eine oder andere Art versuchen sie, gegen die Zerst&#246;rung ohnehin schon marginaler Subsistenzwirtschaften, die Pl&#252;nderung nat&#252;rlicher Rohstoffe, die lokale Bergbauindustrie oder die Aufzwingung kapitalistischen Landeigentums, welches Zugang und/oder Gebrauch begrenzt oder verhindert, Widerstand zu leisten. Als Beispiele k&#246;nnen wir wahllos F&#228;lle von Piraterie im Meer von Somalia, MEND in Nigeria, die Naxaliten in Indien, die Mapuche in Chile erw&#228;hnen. Obwohl die Diskurse und Kampfformen dieser Bewegungen nicht blosse Epiph&#228;nomene sind, ist es wesentlich, ihren gemeinsamen Inhalt zu erfassen: &lt;i&gt;Selbstverteidigung&lt;/i&gt;. Eine Selbstverteidigung, die wom&#246;glich auch als lebensnotwendig betrachtet werden k&#246;nnte, wobei sie sich &lt;i&gt;in ihrem Wesen&lt;/i&gt; nicht von dem &lt;i&gt;unterscheidet&lt;/i&gt;, was in jedem Arbeitskampf ausgedr&#252;ckt wird, welche zum Ziel hat, die L&#246;hne oder Arbeitsbedingungen der dort Arbeitenden zu sch&#252;tzen. Genau wie es ein Taschenspielertrick w&#228;re, einen wenn auch sehr heftigen und breiten Lohnkampf als &#8222;revolution&#228;re Bewegung&#8220; darzustellen, so ist es genauso abwegig, dieser Art von Selbstverteidigung, welche von solchen ersch&#246;pften Bev&#246;lkerungen praktiziert wird, einen inh&#228;renten revolution&#228;ren Sinn zu geben. Diese Art von Zaubertrick kann nat&#252;rlich gut funktionieren, wenn man sich auf &lt;i&gt;Moral&lt;/i&gt; beruft, d.h. indem man den &#8222;privilegierten Abendl&#228;nder&#8220; einerseits die zur Revolution bereiten &#8222;Verdammten der Erde&#8220; andererseits entgegenstellt. Doch solch gebrauchter Anti-Imperialismus zeigt sich schon sehr schnell als abgenutzt. Ob es uns gef&#228;llt oder nicht, wir k&#246;nnen nicht vergessen, dass diese nicht in einem mutmasslichen aber inexistenten Raum &lt;i&gt;ausserhalb&lt;/i&gt; der Wertproduktion und -zirkulation situiert sind, sondern &lt;i&gt;an ihren R&#228;ndern&lt;/i&gt;, und manchmal verteidigen sie &lt;i&gt;kleine alte Welten&lt;/i&gt; (angestammte Br&#228;uche usw.), welche von kapitalistischen gesellschaftlichen Beziehungen zerst&#246;rt werden oder schon lange umgestaltet worden sind. Doch man kann nicht gleichzeitig die kommunistische Revolution und die Erhaltung kleiner alter Welten bef&#252;rworten; denn, wenn es auch stimmen mag, dass der Kapitalismus sie destabilisiert, so w&#252;rde seine revolution&#228;re Zerst&#246;rung dies bestimmt auch tun. Gleichzeitig hat es keinen Sinn, sich auf die Seite der kapitalistischen Zerst&#246;rung zu stellen: Wir denken, dass diese Bewegungen von der praktischen Bewegung der Zerst&#246;rung des Kapitals (nicht ohne Konflikt) einbezogen und/oder absorbiert werden m&#252;ssen und dass das weder durch politische Intrigen (leninistische oder demokratische B&#252;ndnisse), noch durch zwischenstufliche Massnahmen geschehen kann, die zum Ziel haben, die vom Kapital vorangetriebene erzwungene Proletarisierung zu vertiefen. Dennoch kann dieser Prozess nur vom &lt;i&gt;Herz der Produktionsweise&lt;/i&gt; ausgehen (was nicht notwendigerweise &#8222;vom Westen&#8220; bedeutet). Wir k&#246;nnen die &lt;i&gt;stets&lt;/i&gt; globale Ausbreitung des kapitalistischen Systems und seine Hierarchie nicht ignorieren: Genau wie ein Verk&#228;ufer, ein Lehrer und ein Fabrikarbeiter &#8211; obwohl sie alle Lohnarbeiter sind &#8211; nicht die gleiche F&#228;higkeit haben, die Mehrwertproduktion zu beeintr&#228;chtigen, so hat auch eine aufst&#228;ndische Krise nicht die gleichen Entfaltungsm&#246;glichkeiten und Konsequenzen auf der Weltb&#252;hne, wenn sie in Kasachstan oder Deutschland stattfindet (die Frage, wo sich das &#8222;schw&#228;chste Glied&#8220; befindet, ist nach wie vor sehr pr&#228;sent).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzige lokale soziale Krise, welche tats&#228;chlich &lt;i&gt;ank&#252;ndigte&lt;/i&gt;, was ein revolution&#228;rer Prozess &lt;i&gt;heutzutage&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;die Unm&#246;glichkeit der Reproduktion kapitalistischer Verh&#228;ltnisse&lt;/i&gt; sein k&#246;nnten, war Argentinien 2001: ein grosses Land (nicht wie Griechenland 2008), industrialisiert, relativ &#8222;entwickelt&#8220;, welches sich von einem Tag auf den anderen als Resultat einer monet&#228;ren Krise auf der Schwelle des Kollapses wiederfand. Dort, in der Bewegung, welche auf den Zusammenbruch folgte, enth&#252;llten alle Formen der Selbstbestimmung (Selbstorganisation, Autonomie, Selbstverwaltung) ihren rein defensiven Charakter, denn man organisiert sich stets &lt;i&gt;selbst&lt;/i&gt; auf der Grundlage dessen, was man ist in der kapitalistischen Produktionsweise (Arbeiter dieser oder jener Firma, Bewohner dieses oder jenes Quartiers usw.), w&#228;hrend das Verlassen des defensiven Terrains (&#8222;Forderungen&#8220;) mit der Tatsache zusammenf&#228;llt, dass sich all diese Subjekte gegenseitig durchdringen und dass die Unterscheidungen nicht mehr weiter existieren, da das sie strukturierende Kapital-Lohnarbeits-Verh&#228;ltnis zu zerfallen beginnt. Dies gilt auf allen Ebenen, auch auf einer globalen: Eine allgemeine soziale Krise ist nicht die Summe lokaler Krisen, welche parallel verlaufen, ohne sich zu ber&#252;hren. Wenn die aufst&#228;ndische oder vor-aufst&#228;ndische Krise einen gewissen Grad der Ausbreitung erreicht, sind die Aufst&#228;ndischen in einem gegebenen Land gezwungen &#8211; durch die blosse Notwendigkeit, den Kampf weiterzuf&#252;hren &#8211; Unterst&#252;tzung jenseits nationaler Grenzen zu suchen oder sich in Massen ausserhalb dieser Grenzen zu bewegen (oder zu zerstreuen...), um den Aufstand woanders zu unterst&#252;tzen. Auf diese Art und Weise &#8211; &lt;i&gt;materiell&lt;/i&gt;, und nicht auf der Grundlage abstrakter Berufungen auf den Internationalismus &#8211; zerst&#246;rt die kommunistische Revolution Trennungen und vereinigt die Menschheit. Kommunismus kann nicht eine auf den ganzen Planeten ausgeweitete &#8222;demokratische Konf&#246;deration&#8220; sein, aus dem einfachen Grund, dass die Konf&#246;deration nach wie vor die Nation als f&#246;derierendes Subjekt voraussetzt. &lt;i&gt;Unsere Heimat ist die ganze Welt&lt;/i&gt;, nat&#252;rlich, doch auch dort bleibt ein Kurde ein Kurde und ein Typ aus den S&#252;dstaaten ein Redneck. Es bleibt eine simple Nebeneinanderstellung von Unterschieden &lt;i&gt;und das ist immer noch nicht genug&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht des Bankrotts des Marxismus und des realen Sozialismus ist es ausser Mode geraten, die Entwicklung der Produktivkr&#228;fte zu zelebrieren, w&#228;hrend eine Art anti-produktivistische Ideologie &#8211; das Spiegelbild davon &#8211; die Oberhand in der Arena der &#8222;antikapitalistischen Kritik&#8220; gewonnen hat. Doch die Zelebration von partikularistischen Bewegungen dr&#252;ckt einen begrifflichen Widerspruch aus, wenn man die Perspektive des zelebrierenden Beobachters ber&#252;cksichtigt, welcher hingegen &#8211; da er sie im allgemeinen am anderen Ende der Welt suchen muss &#8211; alles andere als partikularistisch ist. Es ist der Widerspruch des Anthropologen, welcher sich aufmacht, die Bewohner der Trobriand-Inseln zu studieren und behauptet, es sei nicht der Imperialismus, welcher ihn dorthin gebracht habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die historische Bedeutung des Kapitals liegt nicht in der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, sondern in der Erschaffung einer &lt;i&gt;verflochtenen Welt&lt;/i&gt;. In der ber&#252;hmten Passage in &lt;i&gt;Die deutsche Ideologie&lt;/i&gt; &#252;ber &#8222;die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt&#8220; zelebriert Marx den Anbruch einer von der kapitalistischen Produktionsweise hervorgebrachten &lt;i&gt;Weltgeschichte&lt;/i&gt; und f&#252;gt hinzu: &#8222;Ohne dies k&#246;nnte 1. der Kommunismus nur als eine Lokalit&#228;t existieren, 2. die M&#228;chte des Verkehrs selbst h&#228;tten sich als &lt;i&gt;universelle&lt;/i&gt; [...] M&#228;chte nicht entwickeln k&#246;nnen, [...] und 3. w&#252;rde jede Erweiterung des Verkehrs den lokalen Kommunismus aufheben. Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden V&#246;lker &#034;auf einmal und gleichzeitig m&#246;glich&#8220;. In diesem Sinn ist die Frage &#8211; ausser man glaubt, &#8222;Anarchie in einem Land&#8220; sei m&#246;glich, so wie einige Sozialismus in einem Land machen wollten &#8211; ob die PKK, die EZLN oder jede andere Organisation &#8222;revolution&#228;r&#8220; ist oder nicht, ein falsches Problem. Keine organisatorische Kontinuit&#228;t zwischen gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfen und der Revolution ist vorstellbar, aus dem einfachen Grund, dass &lt;i&gt;das zu organisierende Subjekt nicht gleich sein wird&lt;/i&gt;. Das Problem ist ein ganz anderes, n&#228;mlich zu verstehen, welche widerspr&#252;chlichen Dynamiken eine gegebene gesellschaftliche Realit&#228;t oder ein gegebener Kampf beinhalten k&#246;nnte &#8211; wovon diese oder jene Organisation am besten eine &lt;i&gt;Formalisierung&lt;/i&gt; sein kann &#8211; und welche Br&#252;che daraus entstehen k&#246;nnten. Das sind die Bedingungen des Problems. &lt;i&gt;Hic Rhodus, hic salta!&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anhang&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zukunft des Mittleren Ostens gem&#228;ss Lt. Col. Ralph Peters&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die deutlichste Ungerechtigkeit in den notorisch ungerechten L&#228;ndern zwischen dem Balkangebirge und dem Himalaja ist die Abwesenheit eines unabh&#228;ngigen kurdischen Staates. Es leben zwischen 27 und 36 Millionen Kurden in benachbarten Regionen des Mittleren Ostens (die Zahlen sind nicht pr&#228;zis, weil kein Staat je eine ehrliche Z&#228;hlung erlaubte). Das ist mehr als die Bev&#246;lkerung des gegenw&#228;rtigen Iraks, sogar die geringere Zahl macht aus den Kurden die gr&#246;sste ethnische Gruppe ohne eigenen Staat. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die Kurden von jeder Regierung unterdr&#252;ckt wurden, welche die H&#252;gel und Berge kontrolliert, wo sie seit Xenophons Tagen leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA und ihre Koalitionspartner verpassten eine pr&#228;chtige Gelegenheit, um damit zu beginnen, diese Ungerechtigkeit nach dem Fall von Bagdad zu korrigieren. Als Frankenstein-Monster eines Staates, das aus schlecht zusammenpassenden Teilen zusammen gen&#228;ht ist, h&#228;tte der Irak sofort in drei kleinere Staaten geteilt werden m&#252;ssen. Wir scheiterten aus Feigheit und mangelnder Weitsicht, schikanierten die Kurden, indem wir sie zwangen, die neue irakische Regierung zu unterst&#252;tzen &#8211; was sie wehm&#252;tig tun als Gegenleistung f&#252;r unseren guten Willen. Doch g&#228;be es eine freie Abstimmung, w&#228;re das Ergebnis klar: Fast 100 Prozent der irakischen Kurden w&#252;rden f&#252;r die Unabh&#228;ngigkeit stimmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gleiche gilt f&#252;r die seit jeher leidenden Kurden der T&#252;rkei, welche Jahrzehnte heftiger milit&#228;rischer Unterdr&#252;ckung und die Abwertung zu &#8222;Bergt&#252;rken&#8220; zur Zerst&#246;rung ihrer Identit&#228;t erduldeten. Obwohl die kurdische Bedr&#228;ngnis durch Ankara im letzten Jahrzehnt etwas nachgelassen hat, intensivierte sich die Repression vor kurzem erneut und der &#246;stliche F&#252;nftel der T&#252;rkei sollte als besetztes Territorium betrachtet werden. Was die Kurden in Syrien und im Iran betrifft, so w&#252;rden sie dem unabh&#228;ngigen kurdischen Staat ebenfalls sofort beitreten, falls sie k&#246;nnten. Die Verweigerung der legitimen Demokratien dieser Welt, sich f&#252;r die kurdische Unabh&#228;ngigkeit einzusetzen ist eine Menschenrechtss&#252;nde, die weit schlimmer ist als die g&#228;ngigen unbeholfenen, geringf&#252;gigen S&#252;nden, welche regelm&#228;ssig unsere Medien in Erregung versetzen. Und &#252;brigens: Ein freies Kurdistan, das von Diyarbakir bis Tabriz reichen w&#252;rde, w&#228;re der pro-westlichste Staat zwischen Bulgarien und Japan.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auszug aus: Ralph Peters, &#034;Blood Borders&#034;, in Armed Force Journal, Juni 2006.&#034; id=&#034;nh4-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://illatocattivo.blogspot.ch/2014/10/questione-curda-stato-islamico-usa-e.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/posts/il-lato-cattivo-the-kurdish-question&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=13854&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Franz&#246;sische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb4-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan&#8220;, Beilage zu den &lt;i&gt;Quaderni marxisti&lt;/i&gt;, Nr. 3, 1984.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#214;zcan Yilmaz, &lt;i&gt;La Formation de la nation kurde en Turquie&lt;/i&gt;, PUF, Paris, 2013, S. 114.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Kurdistan Devriminin Yolu&lt;/i&gt;, politisches Manifest der Organisation.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Georges Corm, &lt;i&gt;Le Proche-Orient &#233;clat&#233; 1956-2010&lt;/i&gt;, Gallimard, Paris 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Iranisch-kurdische politische Organisation (siehe unten).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mitglied der religi&#246;sen Gruppe der Alawiten, Parteisekret&#228;r der arabisch-sozialistischen (nationalistischen) Baath-Partei und Pr&#228;sident Syriens von 1971 bis 2000; Vater des gegenw&#228;rtigen Pr&#228;sidenten Bashar al-Assad.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#214;zcan Yilmaz, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 144.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paul White, &lt;i&gt;Primitive Rebels or Revolutionary Modernizers? The Kurdish National Movement in Turkey&lt;/i&gt; (Zed Books, 2000), S. 156.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#214;zcan Yilmaz, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 178.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sabri Cigerli und Didier Le Saout, &lt;i&gt;&#214;calan et le PKK&lt;/i&gt;, Maisonneuve Larose, Paris 2005, S. 385-386.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michel Aglietta, Nachwort zu &lt;i&gt;R&#233;gulation et crises du capitalisme&lt;/i&gt;, Odile Jacob 1997, S. 434.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Th&#233;orie Communiste und Alcuni fautori della comunizzazione, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/fair-amount-killing-middle-east-communiste&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;A Fair Amount of Killing&#034;&lt;/a&gt;, 2004.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ernesto Screpanti, &lt;i&gt;Global Imperialism and the Great Crisis&lt;/i&gt;, Monthly Review Press, 2014, S. 9-10.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Saskia Sassen, &lt;i&gt;Territory, Authority, Rights. From the Medieval to Global Assemblages&lt;/i&gt;, Princeton University Press 2006.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#034;Why the Working Class Goes to Heaven (and to the Right)&#034;, &lt;i&gt;Il Giornale&lt;/i&gt;, 25/4/2012; &#034;Grillo: the Working Class in Heaven along with the Self-Employed&#034;, &lt;i&gt;La Stampa&lt;/i&gt;, 30/01/2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#034;Comment faire la guerre &#224; l'Etat Islamique?&#034;, Homepage von &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;, 21/09/2014, die kursiven Stellen sind von uns.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Valeria Poletti, &lt;i&gt;The Fire in the Middle East, the Unexpected Connections&lt;/i&gt;, 2014, online verf&#252;gbar, S. 113-114, von uns unterstrichen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Valeria Poletti, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 114.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Anmerkung der englischen &#220;bersetzer: Ein &lt;a href=&#034;https://www.crisisgroup.org/%7E/media/Files/Middle%20East%20North%20Africa/Iraq%20Syria%20Lebanon/Syria/151-flight-of-icarus-the-pyd-s-precarious-rise-in-syria.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Bericht der ICG&lt;/a&gt; zeigt, dass das Anfang Jahr &#252;berhaupt nicht der Fall war. Die Kantone der PYD waren abh&#228;ngig vom syrischen Staat f&#252;r finanzielle Unterst&#252;tzung, w&#228;hrend die PKK zwischenzeitlich materielle Unterst&#252;tzung vom Iran bekommen hatte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Homepage der &lt;i&gt;Financial Times&lt;/i&gt;, 18/9/2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. &#034;Operation Isis, the Target Is China&#034;, &lt;i&gt;Il Manifesto&lt;/i&gt;, 16-9-2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#034;USA with Iran Turkey and the Kurds, the Strange Alliances against the Caliph&#034;, &lt;i&gt;La Repubblica&lt;/i&gt;, 2. September 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gopal Balakrishnan, &#034;Speculations on the Stationary State&#034; in &lt;i&gt;New Left Review&lt;/i&gt;, Nr. 59, September-Oktober 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hamit Bozarslan, &lt;i&gt;Conflit kurde. Le brasier oubli&#233; du Moyen-Orient&lt;/i&gt;, Ed. Autrement, Paris 2009, S. 22-24.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd. S. 20-22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In einem k&#252;rzlich erschienenen Artikel mit dem Titel &#034;Is Kobane alone?&#034; zeigt Sandro Mezzadra, dass der Rest der Bewegung gegen die Globalisierung nun die PKK und die YPG n&#252;tzlich finden kann, da sie versuchen, ihren eigenen Phantasien eines Kapitalismus mit menschlichem Antlitz neues Leben einzuhauchen. Dieser ber&#252;hmte Professor aus Bologna erkl&#228;rt, was wir in der Erfahrung der Autonomie in Rojava erkennen m&#252;ssen: &#8222;In Rojava m&#252;ssen wir die Verbindungen mit unserer j&#252;ngsten Geschichte erkennen; wir m&#252;ssen bereit sein, die Echos von Seattle, von Genua, der Zapatisten zu h&#246;ren. Denn diese Echos existieren. Und noch viel mehr m&#252;ssen wir den roten Faden erkennen, der die Aufst&#228;nde 2011 im Maghreb und im Maschrek verbindet und verl&#228;ngert, sich durch die spanische 15M und Occupy, den brasilianischen und t&#252;rkischen Erhebungen letztes Jahr hindurchzieht.&#8220; Es ist somit notwendig, &#8222;diese Form des Kommunismus zu verteidigen, auf die Strasse zu gehen und Seite an Seite mit Kobane und Rojava zu stehen &#8211; und von diesem Punkt aus, auf eine konkrete Art und Weise unseren Widerstand gegen den Krieg neu zu erfinden&#8220;. Den Widerstand gegen den Krieg neu erfinden, nat&#252;rlich, aber nicht ohne Bedauern, dass die Intervention der internationalen Koalition &#8222;sporadisch und total ineffizient&#8220; gewesen ist. Wann werden die Rufe nach Bodentruppen folgen? Denn &#8222;Polizeiaktion durch Luftangriffe ist ein Witz. Eine Polizeiaktion, die zur Preisgabe des Territoriums und der wehrlosen Leute f&#252;hren, welche vor kriminellen Banden besch&#252;tzt werden sollten, ist verr&#252;ckt, wenn nicht ein ernsthaftes Verbrechen&#8220;. (Adriano Sofri, &#034;Do not Call It War&#034;, &lt;i&gt;La Repubblica&lt;/i&gt;, 7. Mai 1999.) [Anmerkung der englischen &#220;bersetzer: Adriano Sofri ist ein gut bekannter ehemaliger Anf&#252;hrer der linken italienischen Organisation Lotta Continua; er wurde zu 22 Jahren Gef&#228;ngnis verurteilt aufgrund der T&#246;tung des infamen Polizeiinspekteurs Luigi Calabresi (1972), Ende der 1990er provozierte er viele Kontroversen Jahren aufgrund seiner Unterst&#252;tzung der NATO w&#228;hrend dem Balkankrieg.]&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Courrier International&lt;/i&gt;, 23.-29. Oktober 2003.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sabri Cigerli &amp; Didier Le Saout, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 381.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;With the Proletariat and Revolutionary Workers of Kurdistan&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Quaderni internazionalisti&lt;/i&gt;, &#034;What Revolution for Kurdistan?&#034;, Flyer, 1999, online verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auszug aus: Ralph Peters, &#034;Blood Borders&#034;, in &lt;i&gt;Armed Force Journal&lt;/i&gt;, Juni 2006.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Il lato cattivo - Auf unmarkierten Strassen</title>
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&lt;p&gt;Dieser Text ist die deutsche &#220;bersetzung der Selbstvorstellung der italienischen Genossen von Il lato cattivo. &lt;br class='autobr' /&gt;
Wer wird sind &lt;br class='autobr' /&gt;
Die schlechte Seite: ein Ort der Begegnung, eine N&#228;he. Vor allen Dingen eine T&#228;tigkeit. All das auf informelle und konjunkturelle Weise. Doch notwendig. Bis wir sie als &#252;berfl&#252;ssig betrachten werden. Diese T&#228;tigkeit ist das Produkt des Zusammenfliessens diverser Erfahrungen, einer Konvergenz und einer auf die Gegenwart gerichteten Perspektive. &lt;br class='autobr' /&gt;
Was uns (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/copertina_immagine_-2.jpg?1689550695' class='spip_logo spip_logo_right' width='106' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieser Text ist die deutsche &#220;bersetzung der Selbstvorstellung der italienischen Genossen von &lt;i&gt;Il lato cattivo&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer wird sind&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Die schlechte Seite: ein Ort der Begegnung, eine N&#228;he. Vor allen Dingen eine T&#228;tigkeit. All das auf informelle und konjunkturelle Weise. Doch notwendig. Bis wir sie als &#252;berfl&#252;ssig betrachten werden. Diese T&#228;tigkeit ist das Produkt des Zusammenfliessens diverser Erfahrungen, einer Konvergenz und einer auf die Gegenwart gerichteten Perspektive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was uns interessiert: die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. D.h. die &#8222;Banalit&#228;t&#8220; des allt&#228;glichen Verlaufs des Klassenkampfes. D.h. der Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital als Tr&#228;ger einer positiven &#220;berwindung: die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise und die Produktion des Kommunismus. Einen Weg, den wir nur kennen k&#246;nnen, wenn wir ihn gehen. Schritt f&#252;r Schritt. Einen Weg, von dem wir nur etwas sicher wissen: Er wird zu einem Bruch f&#252;hren m&#252;ssen. &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Keine &#8222;Str&#246;mung&#8220;. Einerseits das, was das Proletariat &#8222;ist&#8220; &#8211; in der kapitalistischen Produktionsweise. Der Widerspruch, wie er sich &lt;i&gt;normal&lt;/i&gt; jeden Tag reproduziert. Andererseits die Aufhebung der Klassen &#8211; auch des Proletariats. Welche letzteres als Handlung der Klasse produzieren kann. Ein Verh&#228;ltnis, das nicht progressiv ist. Nicht evolution&#228;r. Ein Verh&#228;ltnis des Bruches.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere Priorit&#228;t: eine Kritik entwickeln. Sie unumg&#228;nglich machen. Die Kritik einer ganzen Periode des Klassenkampfes: Wachstum der K&#228;mpfe um Forderungen, Errichtung einer &#220;bergangsphase, Anwendung des revolution&#228;ren Programms. Die R&#228;te. Die Partei. Die Selbstverwaltung. Sowie alle m&#246;glichen Kombinationen davon. Die Arbeiterbewegung als Tr&#228;gerin. Die verschiedenen Formen. Der Inhalt. Die produktive Arbeit befreien. Zur herrschenden Klasse werden. Die Bedingungen des Kommunismus erschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Grundlage der internen Diversifikation der fr&#252;heren revolution&#228;ren Perspektive dekonstruieren. Die Einheit, welche eine derartige Diversifikation grunds&#228;tzlich m&#246;glich machte. &lt;i&gt;Auf ihrer Ruine eine andere Problematik rekonstruieren.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr noch: die vertiefte Analyse einer Epoche. Das Ende der Arbeiteridentit&#228;t. Eine andere Struktur des Klassenwiderspruchs. Der molekulare Charakter der Konflikte am Arbeitsplatz. Ihre Unstetigkeit. Die Unm&#246;glichkeit eines kumulativen Wachstums. Die Klassenzugeh&#246;rigkeit als Grenze und als Zwang. Als das, was es zu &#252;berwinden gilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Worauf wir bestehen: auf den theoretischen Charakter der K&#228;mpfe. Der aktuellen K&#228;mpfe vor allen Dingen. Jener, welche sich &#8211; manchmal &#8211; engagieren. Und auch anderer K&#228;mpfe. F&#252;r uns der Anspruch einer permanenten Spannung zu einem konkreten Verst&#228;ndnis. Es ist m&#246;glich, wenn wir durch die W&#252;sten der Abstraktion gehen. Imstande Effekte zu produzieren. Ohne vorgemachte Rezepte. Jenseits von jeglichem Warten und von jeglichem Aktivismus. Jenseits von der Intervention selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sich der Unstetigkeit verschreiben. Mit einem Konzept. Einem Kompass. Gezwungenermassen provisorisch. Um sich zu orientieren. Kommunisierung. Aufhebung des Kapitals. Und als Folge davon die Aufhebung der Klassen, des Staates, des Geldes, des Tausches. Das Verh&#228;ltnis zwischen Individuen. Jenseits vom Wert und vom Mehrwert. Nicht als fernes Ziel. Auch nicht als Wunder des Himmels. Nichts mehr als als Mittel. Konkret vergegenst&#228;ndlicht als Massnahme der K&#228;mpfe. Welche durch die Situation bedingt sein werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles, was existiert, verdient es, unterzugehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://illatocattivo.blogspot.it/search/label/Chi siamo&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=11964&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Franz&#246;sische und englische Version&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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