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		<title>Roland Simon &#8211; Zur Kommunisierung</title>
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&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel. &lt;br class='autobr' /&gt;
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Mein Ausgangspunkt ist das Konzept des Programmatismus. Der Programmatismus beruht auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes, wonach eine der Klassen, das Proletariat, in ihrer Situation die Grundlage der &#220;berwindung des Widerspruchs und der (&#8230;)&lt;/p&gt;


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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Programmatismus ist hinf&#228;llig&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mein Ausgangspunkt ist das Konzept des Programmatismus. Der Programmatismus beruht auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes, wonach eine der Klassen, das Proletariat, in ihrer Situation die Grundlage der &#220;berwindung des Widerspruchs und der gesellschaftlichen Organisation der k&#252;nftigen Gesellschaft findet. Ihre Aktivit&#228;t im Klassenkampf und diese Organisation werden also zu einem zu verwirklichenden &lt;i&gt;Programm&lt;/i&gt;. Im Klassenkampf zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist das Proletariat das positive Element, das den Widerspruch aufbrechen l&#228;sst, die Revolution ist also &lt;i&gt;die Affirmation des Proletariats&lt;/i&gt;: Diktatur des Proletariats, Arbeiterr&#228;te, &#220;bergangsphase, absterbender Staat, verallgemeinerte Selbstverwaltung, &#8222;Gesellschaft der assoziierten Produzenten&#8220; usw. Die Aufl&#246;sung des Widerspruchs wird durch einen der Begriffe desselben dargestellt. Das Proletariat ist von einem &lt;i&gt;revolution&#228;ren Wesen&lt;/i&gt; beseelt, das es widerspr&#252;chlich zum Kapital macht, sich je nach mehr oder weniger reifen historischen Bedingungen anpassend und als Elemente eines Programms dekliniert. Der Widerspruch ist also nicht mehr das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis selbst, zu deren Abschaffung das Proletariat, aufgrund seiner Situation darin, veranlasst ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Programmatismus ist nicht nur eine Theorie, sondern vor allem die Praxis des Proletariats, die darin besteht, dass die Erstarkung der Klasse in der kapitalistischen Produktionsweise (von der Sozialdemokratie bis zur Ultralinken) auf positive Art und Weise das Trittbrett der Revolution und des Kommunismus ist, letztere sind bloss das Hinauswachsen &#252;ber sich selbst und die Vollendung derselben. Er ist die Praxis des Proletariats vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1960er Jahre. Da er jedoch auf essenzielle Art und Weise mit der formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital verbunden ist, &#8222;zerf&#228;llt&#8220; er in der ersten Phase der reellen Subsumtion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in den 1970er Jahren begonnene Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise beendet diese Situation und eine neue Struktur sowie ein neuer Inhalt des Widerspruchs, der Ausbeutung, definieren nun den neuen Kampfzyklus. Ich werde also nicht ausgehend von einem unver&#228;nderlichen Wesen der Revolution und des Kommunismus, dem man sich mehr oder weniger kurz und total im Verlauf der Geschichte angen&#228;hert habe, von der Kommunisierung sprechen, sondern ausgehend von dieser neuen Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Restrukturierung und neuer Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf die knappstm&#246;gliche Weise definiere ich das Resultat der Restrukturierung als den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital als sich auf der Ebene der Reproduktion der Produktionsweise und somit der Reproduktion der Klassen und ihres Verh&#228;ltnisses verknotend. Folglich bringt das Proletariat, im Rahmen der Ausbeutung im Widerspruch zum Kapital stehend, in diesem Verh&#228;ltnis keine Best&#228;tigung seiner selbst gegen&#252;ber dem Kapital mehr hervor. Das &lt;i&gt;Problem&lt;/i&gt; in seinem Kampf als Klasse ist, in seinem Widerspruch zum Kapital, seine eigene Infragestellung, seine eigene Abschaffung. Daraus resultiert eine wahrhaft unglaubliche Situation. Einerseits k&#228;mpft das Proletariat nur t&#228;glich und ist nur eine revolution&#228;re Klasse in seiner strikten Definition als Klasse dieser Produktionsweise; andererseits l&#228;uft die Grenze all seiner gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe immer darauf hinaus, eine Klasse zu sein und als solche zu handeln. Das ist die Dynamik und gleichzeitig die Grenze dieses Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Dezember 1995 im Kampf der Papierlosen, der Arbeitslosen, der Hafenarbeiter Liverpools, bei Cellatex, Alstom, Lu, Marks and Spencer usw. erscheint diese oder jene Eigenschaft des Kampfes im Verlauf des Kampfes selbst insofern als Grenze, als diese besondere Eigenschaft (&#246;ffentlicher Dienst, Nachfrage nach Arbeit, Verteidigung des Arbeitswerkzeuges, Verweigerung der Delokalisierung, der rein finanziellen Verwaltung usw.), mit welcher die Bewegung zusammenprallt, h&#228;ufig begleitet von Spannungen und inneren Konfrontationen im Rahmen ihres R&#252;ckgangs, immer auf die Tatsache hinausl&#228;uft, eine Klasse zu sein. Wenn in diesem Zyklus die Grenze jedes Kampfes grundlegend die Tatsache ist, als Klasse zu handeln, ist sie somit inh&#228;rent und wird immer notwendigerweise auf je nach Kampf spezifische Weise und gem&#228;ss den Modalit&#228;ten der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise, dessen Klasse das Proletariat ist, existieren (es verhielt sich nicht so, solange das Proletariat dem Kapital eine Reorganisation der Gesellschaft auf der Grundlage dessen, was es in der Gesellschaft war, entgegensetzen konnte).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir t&#228;glich feststellen k&#246;nnen, dass jeder Kampf gegen das st&#246;sst, was ihn als Handlung der Klasse konstituiert, verh&#228;lt es sich anders betreffend der Transformation dieses zur Grenze gewordenen &#8222;Handelns als Klasse&#8220; in die &lt;i&gt;Infragestellung&lt;/i&gt; durch das Proletariat seines eigenen Verh&#228;ltnisses zum Kapital: die Kommunisierung. Das heisst die Transformation von etwas, das sich bis anhin in der Reproduktion des Kapitals aufl&#246;st, in etwas, das aktiv im Kampf der Klasse eine Infragestellung durch das Proletariat seiner eigenen Situation als Klasse ist. Fl&#252;chtige Einblicke gaben uns die &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220;, der Kampf der Arbeitslosen und Prek&#228;ren, ein Indiz daf&#252;r zeigt sich in den Transformationen der Klassenzusammensetzung des Proletariats, aber die &#8222;Infragestellung&#8220; ist noch weitgehend eine &lt;i&gt;theoretische Ableitung&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ableitung erfolgt auf folgender Grundlage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Zusammenbruchs jeglicher Perspektive der Erstarkung, Affirmation und Befreiung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der gegenw&#228;rtigen Grenze aller K&#228;mpfe in der Tatsache selbst, ein Kampf der Klasse zu sein, eine Grenze, welche die Dynamik dieser K&#228;mpfe darstellt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der Neuzusammensetzung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Inhalts und der Struktur des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem restrukturierten Kapital (Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion: Im Widerspruch zum Kapital zu stehen, ist gleichbedeutend mit der Tatsache, im Widerspruch zu seiner eigenen Reproduktion als Klasse zu stehen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald der Klassenkampf auf der Ebene der Reproduktion situiert ist, kann und will das Proletariat in keinem Kampf mehr bleiben, was es ist. Es handelt sich nicht zwingend um aufsehenerregende Aussagen oder &#8222;radikale&#8220; Aktionen, sondern um alle Praktiken der &#8222;Flucht&#8220; oder Verneinung der Proletarier gegen&#252;ber ihrer eigenen Bedingung, in den selbstm&#246;rderischen K&#228;mpfen der Firma Cellatex, im Streik von Vilvoorde oder vielen anderen, wo sich herausstellt, dass das Proletariat getrennt vom Kapital nichts ist und dass es nicht dieses Nichts bleiben kann (dass es seine Vereinigung mit dem Kapital fordert, bringt den Graben, ge&#246;ffnet durch den Kampf, die Anerkennung und die Verweigerung des Proletariats seiner selbst als diesen Graben, nicht zum Verschwinden). Im gegenw&#228;rtigen Verlauf der K&#228;mpfe ist zwar die Infragestellung nur eine theoretische Ableitung, aber sie ist auch viel mehr als das.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige Kampfzyklus ist die Aufl&#246;sung des R&#228;tsels des Kampfes der Klasse: Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Abschaffung aller Klassen sein? Diese Aufl&#246;sung ist die Kommunisierung, abgeleitet von diesem Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Revolution ist Unmittelbarkeit des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kern des Konzepts der Kommunisierung ist ein einziger Punkt: Die Revolution als Abschaffung des Kapitals ist nicht eine Vorbedingung f&#252;r den Aufbau des Kommunismus, sie kann nur als unmittelbarer Aufbau des Kommunismus erfolgreich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass es Probleme gibt, die nicht &#8222;von heute auf morgen&#8220; gel&#246;st werden k&#246;nnen, sie sind sehr wohl real. Die Tatsache jedoch, dass der Kommunismus anfangs Probleme l&#246;sen muss, die er vom Kapitalismus geerbt hat (Ungleichheiten in der Entwicklung, qualitative Transformation der Produktionsinstrumente, Eliminierung gef&#228;hrlicher Anlagen, Dekonzentration der Bev&#246;lkerung, Beseitigung in seinen materiellen &#8211; im Raum eingeschriebenen &#8211; Formen des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, &#8222;Rehabilitierung&#8220; ehemals landwirtschaftlicher oder &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Fl&#228;chen), erschafft deswegen nicht eine Periode oder Aktivit&#228;ten, im Rahmen welcher er nicht gem&#228;ss dem, was er ist, gem&#228;ss seinem eigenen Wesen &#8222;funktionieren&#8220; k&#246;nnte, bis ein gewisses Entwicklungsstadium erreicht sein w&#252;rde, das ohnehin nicht festgelegt werden kann. Der Kommunismus ist nicht das Ende der Geschichte, er muss Probleme l&#246;sen, die er von der kapitalistischen Produktionsweise, und vielleicht sogar, w&#228;hrend dieses Moments des Bruches mit der ganzen vorhergehenden Geschichte der Entfremdung, solche, die er von vorhergehenden Produktionsweisen geerbt hat (die Frage w&#252;rde es verdienen, gestellt zu werden). Er wird selbst seine eigenen Probleme festlegen, Gegens&#228;tze und Dynamiken erzeugen, diese Probleme und diese Dynamik sind Teil der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft insoweit, als die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums eine Gesamtheit an Verh&#228;ltnissen und nicht eine jedem Individuum inh&#228;rente Essenz ist. Es ist in diesem Verh&#228;ltnis zwischen der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft und der Diversit&#228;t, in welchem der Kommunismus existiert und sich als Geschichte abzeichnet. Der Kommunismus ist die menschliche Gemeinschaft in permanentem Aufbau und permanenter Spannung zwischen der Universalit&#228;t und der Diversit&#228;t, denn es gibt f&#252;r sie kein abstraktes Richtmass zwischen den verschiedenen Aktivit&#228;ten (auch diesbez&#252;glich ist der Kommunismus nicht eine x-te Version der &#8222;transparenten Gesellschaft&#8220;). Aber was auch immer diese Probleme sein m&#246;gen, die geerbten oder die eigenen, wird er von Anfang an auf seinen eigenen Grundlagen funktionieren, sonst wird er nicht bestehen k&#246;nnen. Mit der Revolution werden jegliche vorhergehende gesellschaftliche Determinierung als zu reproduzierender Zwang (die Klassenzugeh&#246;rigkeit), jegliche fr&#252;here zu reproduzierende Voraussetzung, den Verh&#228;ltnissen vorausgehend, welche die Individuen als Individuen zwischen ihnen bei gleichzeitiger Definition ihrer Bed&#252;rfnisse definieren, deren Befriedigung und die Modalit&#228;ten derselben abgeschafft. Die Abschaffung der Klassen ist sowohl gleichbedeutend mit der Abschaffung der Aktivit&#228;t als Subjektivit&#228;t als auch ihres Ergebnisses als Objektivit&#228;t ihr gegen&#252;ber, in diesem Zusammenhang ist die Abschaffung der Lohnarbeit jene der Arbeit. Der von der kommunistischen Revolution erschaffene &#220;berfluss ist nicht auf der Ebene des Habens, sondern auf jener des Zusammenseins, der Gemeinschaft. All das wird in der Bewegung der Revolution selbst hervorgebracht, es ist geradezu ihr Inhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man Probleme mit den ersten Etappen des Kommunismus hat und anf&#228;ngt, den &#8222;&#228;ngstlichen Realisten&#8220; mit Ausdr&#252;cken wie &#8222;es geschieht nicht von heute auf morgen&#8220; zu spielen, dann bedeutet das, dass man Probleme hat mit der Konzeption der Revolution, die weiterhin auf der von der objektiven Entwicklung der Produktivkr&#228;fte gelieferten Grundlage, wovon das Proletariat Teil ist, und ihrer Befreiung von der kapitalistischen Kleinlichkeit basiert. Was man meistens als &lt;i&gt;in den ersten Etappen des Kommunismus&lt;/i&gt; zu l&#246;sende Fragen betrachtet, sind in Wirklichkeit in den h&#228;ufigsten F&#228;llen nur kommunistische Massnahmen, welche die Proletarier &lt;i&gt;im Verlauf der Revolution&lt;/i&gt; ergreifen werden m&#252;ssen, dies, weil letztere nicht auf einen Kampf des Kommunismus gegen das Kapital hinausl&#228;uft, sondern &lt;i&gt;die Hervorbringung des Kommunismus vermittelt durch seinen reellen Gegensatz zum Kapital&lt;/i&gt; ist. Pragmatische und taktische Massnahmen im Verlauf der Revolution. Die Abschaffung des Werts oder des Staates, die Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse, deren Inhalt die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums ist, d.h. die Beziehung zwischen Individuen in ihrer Singularit&#228;t, sind taktische Kampfmassnahmen der Proletarier in der Revolution gegen das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Unmittelbarkeit ist kein Immediatismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber Obacht, wenn wir mit dem Finger auf der Karte den zu gehenden Weg vorzeichnen, sind wir deswegen noch lange nicht am Ziel angekommen; es ist im Klassenkampf dieses Kampfzyklus, worin das R&#228;tsel auftaucht und gel&#246;st werden muss. Die &lt;i&gt;Unmittelbarkeit&lt;/i&gt; des Kommunismus ist nicht sein &lt;i&gt;Immediatismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Immediatismus des Alternativismus oder der &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220; weiss sehr wohl, dass der Klassenkampf entscheidend ist, aber er erwartet davon, dass die Arbeiter nicht mehr als solche, sondern als Revolution&#228;re handeln. Doch die Kommunisierung der Gesellschaft wird gleichbedeutend sein mit kommunistischen Massnahmen, die von Arbeitern ergriffen werden, weil sie Arbeiter sind, weil sie als solche definiert in allen Determinierungen des Kapitals und gegen sie existieren. Der Immediatismus setzt voraus, dass die Transformation der Gesellschaft nur m&#246;glich w&#228;re, wenn die Proletarier sich einmal ihrer alten proletarischen Kleider entledigt h&#228;tten. Er betrachtet die Kommunisierung als &#8222;langen Marsch&#8220; in der kapitalistischen Produktionsweise. Der Immediatismus kann nur auf die Alternative hinauslaufen. Man entfernt sich vom Konzept der Kommunisierung selbst, wenn man nicht davon ausgeht, dass die Hervorbringung des Kommunismus erfolgt, weil sich die Proletarier, im Kampf gegen das Kapital als solche, in diesem Kampf ihrer alten proletarischen Kleidung entledigen, weil sie eingetaucht sind in die Widerspr&#252;che des Kapitals, die sie als Proletarier konstituieren. Die Abschaffung der proletarischen Bedingung ist die Selbsttransformation des Proletariats in unmittelbar gesellschaftliche Individuen, es ist der Kampf gegen das Kapital, die uns zu solchen machen wird, denn dieser Kampf ist ein Verh&#228;ltnis, das uns mit ihm verstrickt. Die Kommunisierung konstituiert sich nicht als Lebensweise gegen&#252;ber dem Kapital, sondern wird die &#220;berwindung der fordernden K&#228;mpfe im unmittelbaren Rahmen der Arbeit oder der Reproduktion der Arbeitskraft, d.h. im Rahmen der Ausbeutung sein. Die Revolution ist weder die Enth&#252;llung eines immer schon dagewesenen revolution&#228;ren Wesens des Proletariats, noch das Resultat eines Zusammenstosses zweier Welten: jene des Kapitals und jene der sich ihm gegen&#252;ber konstituierenden kommunistischen Alternative. Da die Revolution die &#220;berwindung der kapitalistischen Produktionsweise ist, hervorgebracht durch die historische Entwicklung des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, bedeutet das, dass sie &lt;i&gt;der Entwicklung der Klassenwiderspr&#252;che dieser Gesellschaft, ihrer Geschichte unterworfen&lt;/i&gt; ist. Die Frage der Kommunisierung ist in ihrer absolut konkreten Form jene des Verh&#228;ltnisses zwischen diesem Kampfzyklus und der Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vom gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus zur Kommunisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jedem Kampfzyklus ist der hervorgebrachte allt&#228;gliche Verlauf des Kampfes der Klasse auf spezifische Weise mit der Revolution verbunden, entweder als Hinauswachsen &#252;ber sich selbst (im Rahmen des Programmatismus) oder als hervorgebrachte &#220;berwindung im gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kampfzyklus formt der allt&#228;gliche Verlauf des Klassenkampfes den Widerspruch, so wie er sich in der Krise und der Revolution entwickelt und strukturiert. Dieser neue Zyklus hat grundlegende Eigenschaften, die ihn radikal vom Programmatismus unterscheiden: das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t, die Tatsache, dass jeder Kampf in dem, was ihn definiert, mit seiner eigenen Grenze als Reproduktion des Kapitals konfrontiert ist (Grenzen, die diese Reproduktion ihm immer auf spezifische Weise aufzeigt, gem&#228;ss ihren eigenen Eigenschaften), jene, dass die Konfrontation mit dem Kapital gleichbedeutend mit jener mit seiner eigenen Konstitution als Klasse ist. Es ist aufgrund dieser Eigenschaften des allt&#228;glichen Verlaufs selbst, dass die Krise dieses widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen dem Proletariat und dem Kapital zur Kommunisierung werden kann. Die Kommunisierung ist die Vollendung/&#220;berwindung dieses neuen Kampfzyklus, determiniert durch den Inhalt desselben: dem Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion des Verh&#228;ltnisses, dem Zusammenwachsen der Konstitution des Proletariats als Klasse und seines Widerspruchs mit dem Kapital, dem damit einhergehenden Verschwinden jeglicher Arbeiteridentit&#228;t. &lt;i&gt;Der Widerspruch zwischen den Klassen ist zur &#8222;Bedingung&#8220; seiner eigenen Aufl&#246;sung als gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums geworden&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es jedoch nicht mit einem revolution&#228;ren Wesen zu tun, sondern mit dem Verlauf des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, so wie er sich als allt&#228;glicher Verlauf des Klassenkampfs und dynamischer Verlauf der Widerspr&#252;che des Kapitals zeigt. Er konstituiert und ben&#246;tigt die Krise der kapitalistischen Reproduktion als Vermittlung f&#252;r seine &#220;berwindung. Das, weil &lt;i&gt;der Widerspruch notwendigerweise in seinem Prozess &#214;konomie wird&lt;/i&gt;, in einer jedes Mal spezifisch ausgedr&#252;ckten historischen Form. Das Kapital reproduziert sich und somit existiert die &#214;konomie, seine Krise wird nichts anderes als die Wirtschaftskrise sein, aber die Wirtschaftskrise ist gleichbedeutend mit der Krise des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, einer &lt;i&gt;Krise des Verh&#228;ltnisses der gegenseitigen Verstrickung&lt;/i&gt;. Das hat nichts mit der Bekr&#228;ftigung zu tun, die Krise w&#252;rde nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich, politisch usw. sein. Die Krise dieses Kampfzyklus als Krise des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses beinhaltet eine Klassenaktivit&#228;t, die zur Kommunisierung werden kann. Es handelt sich nicht um etwas, das von Anfang an gegeben w&#228;re und der Krise ihr Wesen auferlegen w&#252;rde, sondern um die Praxis des Proletariats in dieser Krise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Verh&#228;ltnis zwischen den gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfen und der Revolution muss man sich allerdings &lt;i&gt;innerhalb der Klassenaktivit&#228;t&lt;/i&gt; ann&#228;hern. Wir wissen, dass es sich nicht um ein Hinauswachsen &#252;ber sich selbst handelt, aber wenn wir an diese Frage nicht als Klassenaktivit&#228;t herangehen, verleihen wir der Krise eine demiurgische Rolle, indem wir sie nur als die Klassenaktivit&#228;t modifizierende Krise des Kapitals konzipieren, eine Modifikation, die sie also einfach hinnehmen m&#252;sste. Was ist vom Standpunkt aus der Klassenaktivit&#228;t der Inhalt dieses &#220;bergangs, dieser &#220;berwindung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Kommunisierung ist die hervorgebrachte &#220;berwindung dieses Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution ist ein Konflikt zwischen Klassen, sie ist die &#228;usserste Determinierung des widerspr&#252;chlichen Prozesses des Kapitals als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital. Der &#220;berwindungsprozess des fordernden Kampfes zeichnet sich im fordernden Kampf selbst ab, wenn letzterer innerhalb seiner selbst seine Anforderungen stellt, ohne die Reproduktionslogik des Systems zu ber&#252;cksichtigen und dadurch dazu tendiert, die Existenzbedingungen der Ausbeutung selbst infrage zu stellen. Wenn er also schlichtweg im Verlauf des fordernden Kampfes zu allem entschlossen wird, wodurch er seine Koh&#228;renz als fordernder Kampf &#252;berwindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich in einer Situation befindet, in welcher die Abschaffung jener Gesellschaft, wovon wir selbst Teil sind, zum Ziel der Bewegung wird, zudem in einer gesellschaftlichen Situation, in welcher man sich selbst, sei es als Lohnabh&#228;ngige, Proletarier oder Arbeiter, keine zu befreiende Identit&#228;t gegen diese Gesellschaft, kein Projekt der Reorganisation derselben auf der Grundlage der Lohnarbeit oder der wertschaffenden Arbeit verleihen kann, wenn man sich in dieser Situation befindet und dementsprechend handelt, dann zeichnet sich die Kommunisierung ab. Das bedeutet, dass die Klassenzugeh&#246;rigkeit, die Notwendigkeit, vorherige zu reproduzierende gesellschaftliche Definition war, da sie ihre Reproduktion impliziert, kontingent wird. Jeglicher Streik oder Kampf ist nicht potenziell die Revolution, aber wir werden nie im Vornhinein den Moment definieren k&#246;nnen, wo ein fordernder Kampf seine eigene &#220;berwindung hervorbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Diese &#220;berwindung des Widerspruchs zwischen den Klassen ist der Moment, wo der Kampf gegen das Kapital im Verlauf desselben zur Infragestellung &lt;/i&gt;&lt;i&gt;der&lt;/i&gt;&lt;i&gt; eigenen Bedingung als Proletarier wird, diese Bedingung wird im Verlauf des Konflikts als &#228;usserer Zwang hervorgebracht, man k&#228;mpft gleichzeitig als Proletarier gegen das Kapital und bringt simultan dazu neue Verh&#228;ltnisse hervor&lt;/i&gt;. Man kommunisiert die Gesellschaft, d.h. man schafft sie als autonome Substanz des Verh&#228;ltnisses zwischen Individuen ab, letztere beziehen sich daraufhin in ihrer Singularit&#228;t aufeinander. Die vorherigen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse l&#246;sen sich, ohne dass es in einem (inexistenten und unm&#246;glichen) Gesamtplan begr&#252;ndet w&#228;re, in dieser gesellschaftlichen Aktivit&#228;t auf, in ihr kann man nicht unterscheiden zwischen der Aktivit&#228;t der Streikenden und Aufst&#228;ndischen und der Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse zwischen den Individuen, neue Verh&#228;ltnisse, in welchen die Individuen das, was ist, bloss als Moment eines ununterbrochenen Flusses der Hervorbringung menschlichen Lebens betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon ausgehend ist diese &#220;berwindung kein innerer Prozess der Klasse, sondern ihr Konflikt mit dem Kapital und die Entwicklung der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse, also der Ziele und des theoretischen Bewusstseins, die im Kampf bestimmt werden. Die Kommunisierung ist der Geschichte der Kapitalakkumulation und ihrer Krise unterworfen. Was kann aus dieser Krise eine Endkrise machen? Nichts anderes als ihr Verlauf, und nicht die Vollendung einer Bedeutung oder Tendenz. Es ist die Krise der kapitalistischen Produktionsweise in den Begriffen derselben, resultierend aus dem tendenziellen Fall der Profitrate, Widerspruch zwischen den Klassen (diesbez&#252;glich ist die h&#228;ufig gestellte Frage &#8222;Wie tief muss sie fallen?&#8220; sinnlos). Es ist nicht die Irreproduzierbarkeit dieses Widerspruchs, der die Ausbeutung ist, wodurch die Kommunisierung hervorgebracht wird. Es ist die &#220;berwindung dieses spezifischen Kampfzyklus und die daraus resultierende Praxis des Proletariats als Praxis in dieser Krise, die als Kommunisierung definiert werden, was den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital irreproduzierbar macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die &#220;berwindung der Situation des Proletariats ist die Definition des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums bedeutet grundlegend die Abschaffung der Teilung der Gesellschaft in Klassen, eine Spaltung, aufgrund welcher die Gemeinschaft dem Individuum fremd ist. Man kann sich also positiv dem ann&#228;hern, was die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen sind, oder eher, was die Beziehungen zwischen unmittelbar gesellschaftlichen Individuen in ihrer Singularit&#228;t sind. Ihre Selbsthervorbringung in ihren gegenseitigen Beziehungen impliziert nie eine Reproduktion in einem Zustand, der eine Partikularisierung der Gemeinschaft w&#228;re, impliziert durch die Arbeitsteilung, das Eigentum und die Klassen. Die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen behandeln bewusst jedes Objekt als menschliche Aktivit&#228;t und l&#246;sen die Objektivit&#228;t in einem Fluss von Aktivit&#228;ten auf (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Eigentums auf der Grundlage des Eigentums); sie behandeln ihre eigene Aktivit&#228;t als konkrete Partikularisierung der menschlichen Aktivit&#228;t (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Arbeitsteilung auf der Grundlage der Arbeitsteilung); sie betrachten praktisch ihre Produktion und ihr Produkt in ihrem Zusammenfallen als ihren eigenen Zweck an sich und ihre Determinierungen, ihre M&#246;glichkeiten der Durchf&#252;hrung und ihre Finalit&#228;ten beinhaltend (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Tausches und des Werts) und schliesslich setzen sie die Gesellschaft als etwas, das konstant im Verh&#228;ltnis zwischen Individuen hervorgebracht werden muss und jede Beziehung als Voraussetzung ihrer Transformation (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Klassen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In alldem finden wir das Proletariat wieder als Aufl&#246;sung der bestehenden Bedingungen auf der Grundlage, in der Bewegung, derselben. Davon ausgehend, &lt;i&gt;in einem besonderen historischen Moment&lt;/i&gt;, finden wir seine Kapazit&#228;t, seine eigene Definition als Klasse als ver&#228;usserlichten Zwang im Kapital gegen es selbst zu behandeln. Alles, was wir von der Kommunisierung (und dem Kommunismus) sagen k&#246;nnen, leitet sich von dem ab, was das Proletariat &lt;i&gt;in seinem Verh&#228;ltnis zum Kapital&lt;/i&gt; ist, dadurch ist sie ein Moment der Geschichte dieses Verh&#228;ltnisses. Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Klassen abschaffen? Es ist in der Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise, als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, wo wir bruchst&#252;ckhaft die L&#246;sung des R&#228;tsels suchen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/sur-la-communisation-rs&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Federico Corriente - &#220;ber den Durchgang einiger Ultralinker durch eine relativ kurze Zeiteinheit: Die Urspr&#252;nge der Theorie der Kommunisierung</title>
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&lt;p&gt;Der &#8222;Vorwand&#8220; f&#252;r die Niederschrift dieses Artikels war die Ver&#246;ffentlichung der &#220;bersetzung des Buches von Jean-Yves B&#233;riou (Mitglied von N&#233;gation) Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen (1973) auf Spanisch und das Projekt einer &#246;ffentlichen Pr&#228;sentation. Das Thema hat sich allerdings sehr schnell ausgeweitet, zuerst auf die Thesen der Gruppe N&#233;gation im Allgemeinen und dann auf jene der Gesamtheit der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1972-1974. &lt;br class='autobr' /&gt;
Auf diesem Grab m&#252;ssen (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/le-voyou-2.webp?1751798920' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der &#8222;Vorwand&#8220; f&#252;r die Niederschrift dieses Artikels war die Ver&#246;ffentlichung der &#220;bersetzung des Buches von Jean-Yves B&#233;riou (Mitglied von N&#233;gation) &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Revolutionare-Theorie-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (1973) auf Spanisch und das Projekt einer &#246;ffentlichen Pr&#228;sentation. Das Thema hat sich allerdings sehr schnell ausgeweitet, zuerst auf die Thesen der Gruppe N&#233;gation im Allgemeinen und dann auf jene der Gesamtheit der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1972-1974.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Auf diesem Grab m&#252;ssen wir bis zum letzten Stein auft&#252;rmen, denn in Gedanken erstehen die Toten wieder auf.
&lt;p&gt;C.L.R. James, &lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor gut einem Jahrzehnt war in Frankreich die Existenz von Gruppen wie N&#233;gation, Le Mouvement communiste oder Intervention communiste kaum bekannt, geschweige denn ihre Relevanz. Noch weniger h&#228;tte man sich vorstellen k&#246;nnen, dass sie zu einem &#8218;Bruch in der Theorie der Revolution&#8216; beigetragen hatten, wie es der Titel einer Anthologie formuliert, in der sie 2003 erneut ver&#246;ffentlicht wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit diese Gruppen eine bessere Bekanntheit erlangen konnten, brauchte es die Hervorbringung auf internationaler Ebene 2008 einer &#8222;Str&#246;mung der Kommunisierung&#8220;, die sich schon stark von der alten franz&#246;sischen Ultralinken der 1970er Jahre unterschied und ihre Vorfahren und Wegbereiter der Vergessenheit entriss. Und das erkl&#228;rt, wieso ein Text wie &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt; &#8211; wovon eben genau eine der Hauptthesen das Schicksal revolution&#228;rer Theorien hinsichtlich ihrer historischen Periode ist &#8211; heute auf Spanisch ver&#246;ffentlicht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollte mittlerweile eine banale Feststellung sein, dass jeder grosse Schritt nach vorne der wirklichen Bewegung, abgesehen davon, dass er mehr wert ist als ein Dutzend Programme, uns erlaubt, die Gegenwart und die Vergangenheit neu zu betrachten. Die Erkl&#228;rung ist simpel: Jede Periode revolution&#228;rer Erneuerung ist, sei es auch nur auf fl&#252;chtige Art und Weise, durch die Herrschaft der Gegenwart &#252;ber die Vergangenheit, der lebenden &#252;ber die tote Arbeit charakterisiert. Was jedoch weit weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass sie auch immer Anlass f&#252;r eine kr&#228;ftige R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten gibt, n&#228;mlich f&#252;r die Auferweckung &#8211; die an sich genauso legitim wie unvermeidlich ist &#8211; der &#8222;besten Momente&#8220; des unmittelbar vorangehenden revolution&#228;ren Zyklus, deren Erben h&#228;ufig eher gewillt sind, die ihm entsprechenden Lehren und Erkenntnisse zu &#252;bermitteln als jene zu sein, welche zuh&#246;ren und etwas von der neu entstehenden Bewegung lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn ausserdem, wie es bis anhin die Regel war, der revolution&#228;re Aufschwung stecken bleibt oder mit einer Niederlage endet und deswegen &#8222;die vergangne Arbeit selbst&#228;ndig und &#252;berm&#228;chtig der lebendigen gegen&#252;bertritt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie. Dritter Band. Buch (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, wird diese R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten unabwendbar dazu tendieren, zu einer Unterdr&#252;ckungskraft des Bewusstseins zu werden, in w&#252;rdigem Nachgang zu dieser von Marx zu Beginn des Textes &lt;i&gt;Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte&lt;/i&gt; erw&#228;hnten &#8222;Tradition aller toten Geschlechter&#8220;, die &#8222;wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden&#8220; lasten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eben genau in dieser bahnbrechenden Analyse der Konterrevolution nach der Niederlage des proletarischen Aufstands im Juni 1848 in Frankreich f&#252;hrt Marx eiligst, nachdem er daran erinnert hat, wie die Lebenden in einer Periode der revolution&#228;ren Krise &#8222;&#228;ngstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf[beschw&#246;ren]&#8220;, das ein, was in seinen Augen b&#252;rgerliche und proletarische Revolutionen fundamental voneinander unterscheidet: &#8222;Bei Betrachtung jener weltgeschichtlichen Totenbeschw&#246;rungen zeigt sich sofort ein springender Unterschied [&#8230;] Die Totenerweckung in jenen [b&#252;rgerlichen] Revolutionen diente also dazu, die neuen K&#228;mpfe zu verherrlichen, nicht die alten zu parodieren, die gegebene Aufgabe in der Phantasie zu &#252;bertreiben, nicht vor ihrer L&#246;sung in der Wirklichkeit zur&#252;ckzufl&#252;chten, den Geist der Revolution wiederzufinden, nicht ihr Gespenst wieder umgehen zu machen.&#8220; Nachdem er die proletarischen Revolutionen, die &#8222;best&#228;ndig sich selbst [kritisieren]&#8220; und &#8222;grausam-gr&#252;ndlich die Halbheiten, Schw&#228;chen und Erb&#228;rmlichkeiten ihrer ersten Versuche [verh&#246;hnen]&#8220;, den b&#252;rgerlichen, die hingegen &#8222;der weltgeschichtlichen R&#252;ckerinnerungen [bedurften], um &#252;ber ihren eigenen Inhalt zu bet&#228;uben&#8220;, entgegensetzt, erstellt Marx jedoch keinen Kausalzusammenhang zwischen der Niederlage ersterer und den darauffolgenden ideologischen Auswirkungen &#8211; die noch sch&#228;dlicher sind als jene der b&#252;rgerlichen Revolutionen &#8211; was zu seiner Zeit genauso verst&#228;ndlich war, wie dessen Nichtbeachtung heute unverzeihlich w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich haben es, wie wir sp&#228;ter sehen werden und trotz ihrer vergangenen Beitr&#228;ge und ihrer m&#252;hseligen Anstrengungen, um sich nach 1968 auf den neuesten Stand zu bringen, weder die Repr&#228;sentanten der neuen &#8222;autonomen&#8220; Ideologie der &#8222;Selbstverwaltung&#8220;, noch die mehr oder weniger bordigisierten Nutzniesser des Erbes der kommunistischen Linken der Periode 1917-1923 geschafft, sich den Auswirkungen dieses &#8222;Gesetzes&#8220; der historischen Tr&#228;gheit der Konterrevolutionen zu entziehen. Das f&#252;hrte sie nicht nur dazu, sich bez&#252;glich der wahrhaften historischen Bedeutung ihrer Aktivit&#228;t zu t&#228;uschen, sondern auch, jede der durch den erneuten revolution&#228;ren Aufschwung der Periode 1968 aufgeworfenen beunruhigenden Neuheiten energisch zu bek&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Bruch mit dem R&#228;tekommunismus und dem Bordigismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Heute hingegen sind jene Minderheiten, welche ihren konstanten Drang nach Kommunismus erkennen lassen, noch isoliert. Man findet sie haupts&#228;chlich in den Ghettos der &lt;i&gt;lebenslangen Arbeitslosen&lt;/i&gt; in den USA oder den nicht entwickelten Gebieten (Watts oder Madagaskar), unter den Delinquenten, die sich der Arbeit verweigern, aber &lt;i&gt;durch gewaltsames Eindringen&lt;/i&gt; in die materielle Gemeinschaft des Kapitals zur&#252;ckkehren.
&lt;p&gt;&#8222;Le Voyou se pr&#233;sente&#8220; in &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt;, Nr. 1, M&#228;rz 1973.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wenn man die &#8222;vorherrschende alternative Erz&#228;hlung&#8220; der &#8222;autonomen K&#228;mpfe&#8220; der 1960er und 1970er Jahre beim Wort nimmt, k&#246;nnte man leicht zum Schluss kommen, dass der angebliche &#8222;Bruch&#8220;, wovon die franz&#246;sische Ultralinke ein Teil ist, nicht existiert oder h&#246;chstes eine weitere Episode des Bruches mit der &#8222;alten Arbeiterbewegung&#8220; sozialdemokratischer oder leninistischer Pr&#228;gung darstellt. Dieser ab Mitte der 1920er Jahre von der deutsch-holl&#228;ndischen r&#228;tekommunistischen Str&#246;mung theoretisierte Bruch ist danach von aus der Krise des Trotzkismus der Nachkriegszeit entstammenden Splittergruppen wie Socialisme ou barbarie in Frankreich oder der Johnson-Forest Tendency in den USA, sowie, auf mehr oder weniger unabh&#228;ngige und eigene Art und Weise, vom italienischen Operaismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den letzten Jahren haben mehrere Autoren die Intensit&#228;t des Austausches (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wiederaufgenommen worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses friedliche Bild einer Art ununterbrochener Radikalisierungsprozess, wenn es auch nicht total unbegr&#252;ndet sein mag, hat jedoch den grossen Nachteil, dass es die Konfrontation der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1968-1974, nicht nur mit den Repr&#228;sentanten des R&#228;tekommunismus, sondern auch mit jenen der anderen grossen &#252;berdauernden Tradition der kommunistischen Linken, des &#8222;Bordigismus&#8220;, die nach 1968 dank Jacques Camatte und der Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt;, aber auch dank der Aktivit&#228;t &#8222;orthodoxerer&#8220; Gruppen, gewissermassen wiederauflebte, unsichtbar macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise ist zudem h&#228;ufig von einer Banalisierung der Bedeutung der von 1968 eingel&#228;uteten Zeitenwende begleitet, sie wird reduziert auf eine allgemeine &#8222;R&#252;ckkehr der Revolution&#8220; oder, im besten Fall, auf einen &#8222;zweiten proletarischen Angriff gegen die Klassengesellschaft&#8220;, dessen kritischer Inhalt in jedem Fall ausgeblendet wird, n&#228;mlich die Tatsache, dass die R&#252;ckkehr des Proletariats in den Vordergrund der Geschichte mit der Todeskrise seiner Affirmation und somit dem Verschwinden des Monopols &#8222;der Arbeiter&#8220; auf die Revolution zusammenf&#228;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass es sich weder nur um ein &#8222;subjektives&#8220; oder &#8222;Bewusstseinsproblem&#8220; noch um die simple Marcusesche &#8222;Integration&#8220; der Arbeiterklasse durch den Konsum, sondern um den materiellen Ausdruck der Tatsache handelte, dass die kapitalistische Produktionsweise in eine qualitativ neue Phase eingetreten war, erkannten einige in den USA schon seit einer gewissen Zeit. Ab Mitte der 1950er Jahre setzte die amerikanische Automobilindustrie zur Untergrabung der Kapazit&#228;t der Arbeiter, den beschleunigten Arbeitsrhythmen zu trotzen, massiv die Automatisierung ein. Dadurch schaffte sie es nicht nur, eine grosse Anzahl qualifizierter Arbeiter zu entlassen und die &#8222;Streikfreude&#8220; der noch angestellten drastisch zu reduzieren, sondern sie legte gleichzeitig, indem sie gegen 1957-1958 der Absorbierung der urbanen schwarzen Arbeitskraft &#8211; ein Teil der Bev&#246;lkerung, deren Pr&#228;senz in der Industrie seit 1940 kontinuierlich gewachsen war &#8211; ein Ende setzte, die Grundlagen der Konstitution einer Klasse permanenter Arbeitsloser, die kurzfristig die &#8222;schwarze Frage&#8220; in ein wahrhaftes Pulverfass verwandeln wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Brosch&#252;re mit dem Titel &lt;i&gt;Facing Reality&lt;/i&gt; analysiert die Gruppe Correspondence daher den &#8222;objektiven&#8220; Aspekt der Automatisierung 1958 folgendermassen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Stadium der Massenproduktion durch Arbeiter an Fliessb&#228;ndern n&#228;hert sich ihrem Ende. Das Fliessband selbst ist das letzte grosse Hindernis f&#252;r die Automatisierung der Industrie. Das Wesen des Fliessbandes ist, dass es eine Nachfrage nach manueller Geschicklichkeit erschafft, w&#228;hrend es diese gleichzeitig maximal durch das F&#246;rderband organisiert und kontrolliert. Das Wesen der Automatisierung besteht darin, die manuelle Geschicklichkeit komplett durch elektronische Befehle zu ersetzen [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die entscheidende Etappe ist in den 1950er Jahren abgeschlossen worden, als die Automatisierung sich in der Metallindustrie durchgesetzt hat. In den USA handelt es sich allen voran um die Automobilindustrie und dort entsteht der Begriff &#8218;Automatisierung&#8216; zur Beschreibung der Verbindung der Werkzeugmaschinen durch elektronische Befehle [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis anhin initiierte jede neue technologische Etappe eine gr&#246;ssere Nachfrage nach Arbeitskraft. Nach jeder Krise, w&#228;hrend welcher die alten Produktionsmittel ausrangiert worden sind, stieg der Bedarf an Arbeitskraft. Die Automatisierung ist jenes technologische Stadium, welches, unabh&#228;ngig von der Masse der produzierten G&#252;ter und zum ersten Mal im Kapitalismus, keine zus&#228;tzliche Nachfrage nach Arbeitskraft schaffen wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Jahre sp&#228;ter skizzierte James Boggs in &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; (1963) &#8211; ein Buch, das in sechs Sprachen &#252;bersetzt worden ist und zur Spaltung der Gruppe Correspondence gef&#252;hrt hat &#8211; seine eigene Einsch&#228;tzung des &#8222;subjektiven&#8220; Aspekts dieses Prozesses:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist ebenfalls klar, dass die am besten organisierten Arbeiter des Landes, die ehemals gewerkschaftlich organisierten Schichten, die vom Aussterben bedrohte Gattung der in der direkten Produktion angestellten Arbeiter, gelernt haben, dass sie ab jetzt f&#252;r k&#252;nftige oder hypothetisch k&#252;nftige Aktionen die Hilfe anderer Kr&#228;fte ben&#246;tigen werden. Heutzutage muss das Problem der Kontrolle &#252;ber die Produktion oder der Befriedigung konkreter lokaler Forderungen von breiten Schichten der Bev&#246;lkerung in die Hand genommen werden. Mehr als je zuvor sind diese Fragen heutzutage gleichbedeutend mit einer Konfrontation mit der Gewerkschaft, der Gemeinderegierung, der Regierung des Bundesstaates und der nationalen Regierung. Die Frage ist nicht, ob die Arbeiter revoltieren k&#246;nnen oder nicht. Ein isolierter Arbeiter kann auch revoltieren. Aber die Arbeiter sind keine Dummk&#246;pfe. Genau wie die Arbeiter im Rest der Welt, und manchmal vielleicht sogar noch eher, wollen die amerikanischen Arbeiter auch gewinnen. Wenn sie k&#228;mpfen, wollen sie sicher sein, dass sie einen unmittelbaren Erfolg feiern k&#246;nnen. Sie kennen die Struktur der Gesellschaft und wissen, dass sie sich, um gewinnen zu k&#246;nnen, mit anderen vereinen m&#252;ssen [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber seine Analyse bleibt hier nicht stehen und, abgesehen von der Frage, wer diese &#8222;anderen&#8220; sein k&#246;nnten und was sie zum revolution&#228;ren Prozess beitragen werden, zeigt er die einem Aufkommen einer solchen Konjunktur inh&#228;renten H&#252;rden auf:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt schon Millionen junger M&#228;nner und Frauen, die nie Arbeit hatten und von der Hand in den Mund leben, entweder von der Wohlt&#228;tigkeit oder der Kleinkriminalit&#228;t, d.h. auf Kosten jener, welche arbeiten [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben keine Illusionen bez&#252;glich der Leichtigkeit der Verwirklichung der Einheit zwischen diesen Aussenseitern und jenen, welche noch im System sind, weil sie arbeiten. Wie wir es schon betont haben, trennen die gewerkschaftlichen Organisationen selbst die Lohnarbeiter von den Arbeitslosen und k&#246;nnen f&#252;r letztere nichts tun [&#8230;] &lt;i&gt;Das bedeutet, dass wir uns betreffend der notwendigen Ver&#228;nderungen, des Zugangs zum radikalsten, d.h. tiefsten Denken, diesen Aussenseitern zuwenden m&#252;ssen&lt;/i&gt; [&#8230;].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Thesen von Boggs sind nicht unbemerkt geblieben und es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie Gruppen wie N&#233;gation und Invariance, deren Schriften Verweise auf Boggs und sein Buch enthalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Le Mouvement communiste (Champ Libre, 1972) von Jean Barrot (Gilles (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, beeinflusst haben, Gruppen, die 1968 nicht als Signal f&#252;r den Beginn einer neuen &#8222;revolution&#228;ren Epoche&#8220; begreifen, sondern eher als Ende eines langen konterrevolution&#228;ren Zyklus, &#8222;denn die Konterrevolution beginnt selbst, ihre eigenen Grundlagen zu untergraben&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Mouvement communiste, Nr. 3, Juli 1972, hier online verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r den mehr oder weniger orthodoxen R&#228;tekommunismus und Bordigismus &#8211; deren Einsch&#228;tzungen von 1968 sich &#252;brigens radikal voneinander unterscheiden &#8211; beschr&#228;nkten sich die Ereignisse in diesem Jahr im Wesentlichen darauf, die von ihnen seit mehreren Jahrzehnten verteidigten Thesen zu best&#228;tigen, zudem erlaubten sie ihnen, ihr Publikum und die Verbreitung ihrer Ideologie betr&#228;chtlich auszuweiten. Anders gesagt, sie haben f&#252;r sie keine neuen theoretischen Probleme aufgeworfen und ihren &#8222;konzeptionellen Rahmen&#8220; nicht wesentlich ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Ultralinke&#8220; ihrerseits hatte kaum Zeit, die M&#228;ngel und Anachronismen ihrer Vorg&#228;nger hervorzuheben, bevor sie mit jener revolution&#228;ren Erneuerung verschwunden ist, welche ihr Erstehen erst erm&#246;glicht hatte, und hinterliess nur eine Handvoll Texte voller scheinbar extravaganter Behauptungen, in welchen die &#8222;revolution&#228;ren Organisationen&#8220; mit mafi&#246;ser Schutzgelderpressung verglichen und die Politik und der Aktivismus als &#8222;konterrevolution&#228;re&#8220; Aktivit&#228;ten bezeichnet werden&#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die anscheinende Ausnahme, welche die konstant und ununterbrochen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Ultralinke, welche die traditionellen Parteien, Gewerkschaften und Organisationen im Visier hatte, ist so schnell verschwunden und hatte so wenig Einfluss, dass diese Organisationen es nicht einmal f&#252;r n&#246;tig hielten, diese neue &#8222;Kinderkrankheit des Kommunismus&#8220; explizit zu verurteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als aussagekr&#228;ftiges Beispiel und anschauliche Illustration der angesprochenen &#8222;Exzesse&#8220; &#8211; wenn man die konkrete Erfahrung ausser Acht l&#228;sst, auf welche sie sich beziehen &#8211; verdienen es diese Aussagen B&#233;rious, zitiert zu werden:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Theorie, welche immer Theorie einer historischen Bewegung ist, kann, wenn diese historische Bewegung unmittelbar konterrevolution&#228;r ist, nur durch verschiedene Vermittlungen und Ideologisierungen revolution&#228;r sein. Sie lebt nicht durch die Gnade der Geschichte, von der konterrevolution&#228;ren Wirklichkeit verschont, sie geht sogar so weit, dass sie diese in gewissen Aspekten ausdr&#252;ckt; als &#220;berlebende eines konterrevolution&#228;ren Zyklus wird sie &#252;brigens zum Ausdruck der Konterrevolution w&#228;hrend dem erneuten revolution&#228;ren Aufschwung: So wurden der Bordigismus oder der R&#228;tekommunismus zu konterrevolution&#228;ren Ausdr&#252;cken der gegenw&#228;rtigen wirklichen Bewegung und sie werden sich schon bald &lt;i&gt;aktiv&lt;/i&gt; an der praktischen Konterrevolution beteiligen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese konkrete Erfahrung ist nichts anderes als die Krise des R&#228;tekommunismus, die N&#233;gation als Mitglied des Netzwerks der wichtigsten franz&#246;sischen r&#228;tekommunistischen Gruppe Informations et correspondance ouvri&#232;res (ICO) von innen erlebte. Nach 1968 wuchs die Mitgliederzahl von ICO von etwa 20 auf mehrere Hunderte verteilt &#252;ber das ganze Land. Viele von ihnen &#8211; deren Positionen vom eher &#8222;orthodoxen&#8220; Anarchismus bis zum Linkskommunismus oder klar von den Situationisten beeinflussten Ans&#228;tzen reichten &#8211; dr&#252;ckten schnell ihre zunehmende Unzufriedenheit gegen&#252;ber der in diesen Jahren beliebten Ideologie gepr&#228;gt von R&#228;tekommunismus und Selbstverwaltung aus, w&#228;hrend es zu immer mehr wilden Streiks kam und die Arbeiter nicht die geringsten Bestrebungen zeigten, die Verwaltung der Produktion zu &#252;bernehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dinge beschleunigen sich als zu Beginn der 1970er Jahre in den USA immer mehr Presseartikel und soziologische Studien &#252;ber eine unter der neuen Generation der Arbeiter stark zunehmende &#8222;Revolte gegen die Arbeit&#8220; ver&#246;ffentlicht werden. Gruppen wie N&#233;gation und Intervention communiste betonen, dass diese K&#228;mpfe, neben der Tatsache, dass sie die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften untergraben &#8211; was Boggs schon als eine der Auswirkungen der Automatisierung unterstrichen hatte &#8211;, das klassische revolution&#228;re Programm der Arbeit und des Aufbaus einer &#8222;Arbeitermacht&#8220; infrage stellen. So seien diese Praktiken weit davon entfernt, das Auftauchen einer &#8222;neuen Arbeiterbewegung&#8220; anzuk&#252;ndigen, sie k&#252;ndigen stattdessen das Ende sowohl der &#8222;alten&#8220; als auch der &#8222;neuen&#8220; Bewegung an. Von diesem Zeitpunkt an sehen N&#233;gation und ihre Weggenossen in der Verweigerung der Arbeit, den Krawallen und den wilden Streiks die Zeichen einer m&#246;glichen unmittelbaren und bevorstehenden Zerst&#246;rung der kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse, die sie als &#8222;Selbstnegation des Proletariats&#8220; theoretisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[H]eutzutage wieder von Verwaltung zu sprechen, ist eine rein &lt;i&gt;konterrevolution&#228;re&lt;/i&gt; Ideologie, und in den USA mehr als sonst irgendwo, denn in diesem Land sind die Produktivkr&#228;fte auf einem Niveau angekommen, wo die neuen, im Text &#8218;Contre-planning&#8216; beschriebenen Kampfformen erscheinen und sie f&#252;hlen sich &lt;i&gt;offensichtlich&lt;/i&gt; nicht zur Verwaltung berufen; sie dr&#252;cken die Kritik der total dem Kapitel unterworfenen Arbeit aus, genau wie die R&#228;te die Verherrlichung einer Arbeit ausdr&#252;ckten, welche damals noch eine &lt;i&gt;relative Autonomie&lt;/i&gt; in ihrer Entwicklung hatte [&#8230;] Auf das Bewusstsein des Produzenten (des gesellschaftlichen Reichtums) folgte das Bewusstsein des Proletariers (als Produzent des Mehrwerts) und der Inhalt der K&#228;mpfe, jenseits ihrer &#228;hnlichen Ursachen, hat sich ver&#228;ndert: fr&#252;her strebten sie nach Verwaltung und waren &lt;i&gt;positiv&lt;/i&gt;, sie sind nun immer zerst&#246;rerischer, rein &lt;i&gt;negativ&lt;/i&gt; geworden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220; in ICO, Nr. 118, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die simultane Existenz von wilden Streiks &#8211; manchmal ohne Forderungen &#8211; und Krawallen von vom unmittelbaren Produktionsprozess ausgeschlossenen Proletariern, ohne dass man ein Zusammenfliessen der beiden Kampfformen sehen k&#246;nnte, wirft das dringende Problem der konkreten &lt;i&gt;Grenzen&lt;/i&gt; der laufenden Revolte auf, diese weitet sich immer mehr auf die ausserberufliche Sph&#228;re aus &#8211; wie die Schule, das Gef&#228;ngnis, die Familie oder die psychiatrische Klinik &#8211;, ohne jedoch die Reproduktion des Systems zu gef&#228;hrden. Insbesondere betreffend der Krawalle sieht N&#233;gation eine unbestreitbare Manifestation des &#8222;Drangs nach Kommunismus&#8220; und zeigt sowohl die Neuheit dieser Bewegungen als auch ihre Grenzen auf:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sofern es nicht zu einer verallgemeinerten Krise kommt, [&#8230;] stellen diese Proletarier aufgrund des Lohndrucks die f&#252;r die allgemeine kapitalistische Expansion notwendige industrielle Reservearmee dar; der &lt;i&gt;grundlegende&lt;/i&gt; Unterschied betreffend diese gleiche Armee im 19. Jahrhundert ist allerdings die Tatsache, dass sie sich aufgrund des wegen der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte in den Produktionsverh&#228;ltnissen erreichten Grenzpunkts in den meisten entwickelten kapitalistischen Metropolen als Gemeinschaften relativ stabiler &lt;i&gt;lebenslanger Arbeitsloser&lt;/i&gt; akkumulieren kann. So bestehen und entwickeln sich seit etwa 20 Jahren in den USA die Ghettos schwarzer Proletarier, die wie in den Jahren ab 1965 ihren Drang nach menschlicher Gemeinschaft manifestieren k&#246;nnen, indem sie sich erheben, aber diese Revolten sind unmittelbar mit ihrer Grenze und ihrem Scheitern konfrontiert aufgrund der Unm&#246;glichkeit [&#8230;], im Herz des Kapitalismus zuzuschlagen: den Produktionsverh&#228;ltnissen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;N&#233;gation kn&#252;pft hier auf ihre Art und Weise an das gleiche, schon von Boggs in &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; angesprochene Anliegen an, letzterer hatte davon schon die grundlegenden Entwicklungslinien antizipiert:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Je mehr sich die Automatisierung ausbreitet, desto mehr wird sie die Krisen des Kapitalismus intensivieren und die Konflikte zwischen verschiedenen Sektoren der Bev&#246;lkerung versch&#228;rfen, besonders zwischen jenen, welche arbeiten, und jenen, welche nicht arbeiten, zwischen jenen, welche Steuern zahlen, und jenen, welche keine zahlen. Dieser Konflikt wird eine konterrevolution&#228;re Bewegung hervorbringen, die aus jenen gesellschaftlichen Schichten bestehen wird, welche von den permanenten Kosten f&#252;r den Unterhalt dieser &#252;berfl&#252;ssigen Elemente erdr&#252;ckt werden, aber entschlossen sind, jenes System aufrechtzuerhalten, welches sie erschafft und vermehrt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;James Boggs, The American Revolution, 1963.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu bildet sich eine diffuse Ideologie der &#8222;Selbstverwaltung der Arbeiterk&#228;mpfe&#8220; innerhalb der ICO heraus, sie ist begleitet von einer anderen, welche die Selbstverwaltung der verschiedenen K&#228;mpfe rund um Fragen wie die Sexualit&#228;t, die Familie, die &#214;kologie oder die Antipsychiatrie propagiert, doch die &#8222;nicht nur die gegenw&#228;rtigen Trennungen respektiert, sondern auch die Kategorien (Arbeit, Freizeit, Sexualit&#228;t, Familie), die von diesen Trennungen determiniert werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220;, op. cit., S. 28.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser Entwicklung, die N&#233;gation als &#8222;Konterrevolution der Selbstverwaltung&#8220; in ihrem Text zum Bruch mit ICO&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;ICO, Nr. 121, November 1972.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bezeichnet, hielt es die Gruppe f&#252;r angebracht, zu pr&#228;zisieren, was sie unter Konterrevolution versteht: &#8222;Die Konterrevolution platziert sich immer auf dem Terrain der Revolution. Sie ist der extremste Punkt, wohin die revolution&#228;re Bewegung gehen kann, ohne mit dem Kapitalismus zu brechen. Umgekehrt ist es der extremste Punkt, wohin der Kapitalismus gehen kann, ohne zerst&#246;rt zu werden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 29.&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Anders gesagt, es sind die Grenzen der Revolution selbst, die notwendigerweise eine m&#228;chtige Konterrevolution entstehen lassen &#8211; sie ist nichts anderes als der Reproduktionsprozess der Kategorien des Kapitals auf einer h&#246;heren Ebene &#8211; und ihr einen Inhalt geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist mit der R&#252;ckkehr der Krise Ende 1973 nicht nur die so sehr gepriesene Macht der informellen Basisorganisationen, auf welche die R&#228;tekommunisten und &#8222;Autonomen&#8220; spekuliert hatten, von einem Tag auf den anderen verpufft, sondern die mit der &#8222;Verweigerung der Arbeit&#8220; verbundenen Praktiken wurden auch br&#252;sk von einem verallgemeinerten R&#252;ckzug auf das Terrain der Arbeitsplatzsicherheit und der Aufrechterhaltung der bestehenden Lohnniveaus unterbrochen: Die Offensive der organisierten Arbeiterklasse hat sich als unf&#228;hig erwiesen, aus ihrer gegenseitigen Verstrickung mit dem Kapital herauszutreten, und ist gel&#228;hmt worden. Ab 1974-1975 ist es klar geworden, dass eine kapitalistische Restrukturierung im Gange war, sie zeigte sich im Angriff gegen die &#8222;Inflexibilit&#228;t&#8220; der Arbeiterklasse in den grossen Fabriken, der Dezentralisierung und der Reorganisation der Arbeitsprozesse, den massiven Entlassungen, den Fr&#252;hrenten und der Delokalisierung eines grossen Teils der Produktion in die &#8222;Schwellenl&#228;nder&#8220; einerseits und der Verbreitung der Marginalisierung, Prekarit&#228;t, Teilzeitarbeit und Flexibilit&#228;t andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht eines solchen Umschwungs ist die Theorie der Selbstnegation des Proletariats (der symptomatisch eine Herausbildung einer &#8222;universellen Klasse&#8220; als Resultat der Fusion der proletarisierten Schichten der Mittelklassen und der aus dem Produktionsprozess ausgeschlossenen Proletarier mit der eigentlichen Arbeiterklasse vorausging) nicht mehr haltbar und tritt schnell in eine Krise ein. Die unmittelbare Folge davon ist das Verschwinden der ultralinken Gruppen (oder, wie im Fall von Invariance, die Ver&#228;nderung ihrer Positionen). Paradoxerweise haben die Krise von 1973 und die darauffolgende Flaute, die sowohl f&#252;r die Ultralinke als auch den aus 1968 entstandenen Neoleninismus fatal waren, die Neugliederung der &#8222;wiederauferstandenen kommunistischen Linken&#8220; und der &#8222;neuen&#8220; autonom-r&#228;tekommunistischen &#8222;Bewegung&#8220; beg&#252;nstigt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist kein Zufall, dass das 1974 von Henri Simon verfasste &#8222;Gr&#252;ndungsmanifest&#8220;&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und es ihnen erlaubt, bez&#252;glich des tieferen Prozesses im Gange weiterhin die Augen zu verschliessen, n&#228;mlich der Todeskrise der Affirmation des Proletariats, welche die Ultralinke ihrerseits &#252;bereilt mit seiner unmittelbar bevorstehenden &#8222;Selbstnegation&#8220; verwechselt hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich ist die vom amerikanischen Linkskommunisten Loren Goldner in seinem Artikel von 1981 &#8222;The Remaking of the American Working Class&#8220; aufgestellte Bilanz sehr aufschlussreich. Der urspr&#252;nglich auf Franz&#246;sisch verfasste und somit f&#252;r das &#8222;postr&#228;tekommunistische&#8220; Milieu Frankreichs bestimmte Texte fasst die laufenden Debatten im Land damals zusammen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Aber trotz ihrer Reichhaltigkeit (wir denken an die Texte von &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; von 1968-1972, jene von Le Mouvement communiste, N&#233;gation, der Internationalen kommunistischen Str&#246;mung w&#228;hrend der gleichen Periode) ist die Debatte im Allgemeinen in lange Er&#246;rterungen &#252;ber den Wert und die Selbstaufl&#246;sung des Proletariats abgeschweift [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie dem auch sei, es ist schade, dass sich Goldner, nachdem er die &#8222;Reichhaltigkeit&#8220; dieser Debatte gew&#252;rdigt hat, nicht ein bisschen mehr mit ihren Themen befasst und seinen Lesern nichts &#252;ber die wirklichen und konkreten Alternativen zu diesen &#8222;langen[n] Er&#246;rterungen&#8220; gesagt hat, nicht minder schade ist es, dass die Ultralinke schon klar die Grenzen der Zeit nach 1968 aufgezeigt hatte. Somit k&#246;nnte die Schlussfolgerung, mit welcher er die ganze Sache abfertigt, unbefriedigender nicht sein und sie sagt uns, jenseits der allgemeinen Berufung auf den &#8222;Mangel an Bewusstsein&#8220;, nichts &#252;ber die konkreten Gr&#252;nde des Verschwindens der Ultralinken:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die franz&#246;sische Ultralinke wusste also kaum mehr &#252;ber das spezifische Wesen der Krise nach 1973 als der Linksradikalismus; nachdem sie manchmal auf brillante Art und Weise die Dummheiten letzteres angeprangert hatte, ist sie von der gleichen historischen Bewegung mitgerissen worden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was in der Bilanz Goldners am st&#228;rksten hervorsticht, ist die Tatsache, dass er nie darauf hinweist, dass in dieser von ihm begutachteten Periode der Flaute und Reorganisation des Kapitals, w&#228;hrend die Ultralinke &#8222;mitgerissen&#8220; worden war, viele andere Protagonisten der &#8222;Krise des R&#228;tekommunismus&#8220; auf der Grundlage des Erbes der kommunistischen Linken oder rund um das neue Evangelium der &#8222;Autonomie&#8220; neue Organisationen gr&#252;ndeten &#8211; was ihm wahrscheinlich bewusst war. Zum Gl&#252;ck f&#252;r uns, und obwohl er mehrere Jahrzehnte sp&#228;ter geschrieben worden ist &#8211; im Zusammenhang mit einer Abrechnung mit der Situationistischen Internationalen &#8211; verf&#252;gen wir &#252;ber den wertvollen Erlebnisbericht eines bedeutenden Protagonisten: Henri Simon, der Gr&#252;nder von ICO und sp&#228;ter Initiator von &#201;changes et Mouvement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;W&#228;hrend dieser Flaute, die in Wirklichkeit das Scheitern eines revolution&#228;ren Aufschwungs war, tauchten die traditionellen D&#228;monen wieder auf: Man musste sich politisch und gewerkschaftlich organisieren, um den Kampf fortzusetzen [&#8230;] In verschiedenen Formen florierten politische Gruppen rund um einen neu bekr&#228;ftigten und wieder eingef&#252;hrten Leninismus mit einem Zentralismus einer starken Partei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es sei bemerkt, mit welcher Leichtigkeit Henri Simon die &#8222;aktivistische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Weigerung einer Fraktion von ICO, sich mit einer &#8218;revolution&#228;ren Perspektive&#8216; zu engagieren, was den Aufbau einer wahrhaften Organisation voraussetzte, f&#252;hrte zum Zerfall der Gruppe mit einer Polarisierung rund um alte politische Str&#246;mungen: einerseits jene Elemente, welche sich auf den Marxismus bezogen und die IKS [Internationale kommunistische Str&#246;mung] gr&#252;ndeten, eine sehr zentralistische Organisation leninistischer Art, andererseits die anarchistischen Elemente, welche sich nach mehreren Anl&#228;ufen in einer Organisation wiederfanden, der OCL [Organisation communiste libertaire; die erste, von 1971 bis 1976].&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;ICO et l'IS &#8211; Retour sur les relations entre Informations correspondance (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angesichts dieser Zeilen scheint es also angebracht, zum Schluss zu kommen, dass Goldner einerseits, und sei es implizit, der Tatsache, auf &#8222;organisierte&#8220; Art und Weise die Flaute zu &#252;berstehen, einen stillschweigenden Wert beimisst, und dass andererseits jene, welche sich darum gek&#252;mmert haben &#8211; dazu geh&#246;ren Dauv&#233; und Goldner selbst &#8211;, die aktualisierte &#8222;autonome&#8220; Ideologie oder das wiederverwertete Erbe der kommunistischen Linken den folgenden Generationen zu &#252;bermitteln, auch dazu beitragen haben, einige der wichtigsten Beitr&#228;ge der auff&#228;lligsten Protagonisten des letzten Bruches der kommunistischen Bewegung unter den Teppich zu kehren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bruch in der Kritik der politischen &#214;konomie: formelle und reelle Herrschaft des Kapitals&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Nach jedem besiegten revolution&#228;ren Angriff liquidiert die sich ausbreitende Konterrevolution ein bisschen mehr die Vermittlungen zwischen der kommunistischen Bewegung und dem kommunistischen Programm.
&lt;p&gt;J.-Y. B&#233;riou, &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ab Mitte der 1930er Jahre (nach der Krise von 1929) und w&#228;hrend der gesamten Periode der &#8222;boomenden&#8220; Wirtschaft der Nachkriegszeit bis 1968 waren die Krisentheorie und sogar die schlichte Betrachtung des Kapitalismus in Begriffen des &#8222;selbstverwertenden Werts&#8220; in der theoretischen Debatte der radikalen Minderheiten fast vollst&#228;ndig inexistent, sie konzentrierte sich fast ausschliesslich auf die unterschwelligen und informellen Organisationsformen der Arbeiter und den Kampf gegen die gewerkschaftliche und politische B&#252;rokratie der &#8222;Arbeiterorganisationen&#8220;. Es mangelte nicht an Theoretikern, die, wie Castoriadis, sogar zu beweisen suchten, dass der Kapitalismus seine Krisen definitiv &#252;berwunden habe. Andere, wie die Situationisten, waren der Ansicht, dass die Kritik der politischen &#214;konomie sich darauf beschr&#228;nken sollte, die Allgegenwart des Warenfetischs auf der Ebene der Gesamtheit der kapitalistischen Gesellschaft anzuprangern, aber ohne die Schl&#252;ssel zur Transformation der Klassenverh&#228;ltnisse in der Nachkriegszeit n&#228;her zu er&#246;rtern. Das hat sie dazu gebracht, eine &#8222;klassische&#8220; Definition des Proletariats, basierend auf der Stellung des &#8222;variablen Kapitals&#8220; in den Produktionsverh&#228;ltnissen, einer anderen, abstrakten und humanistischen, die das Proletariat mit jedem empirischen Subjekt gleichsetzte, das Tr&#228;ger eines Widerstands gegen die Entfremdung war, gegen&#252;berzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1968 und dem italienischen heissen Herbst haben die massive R&#252;ckkehr der Arbeiterk&#228;mpfe und ihre neuen Eigenschaften die Vertiefung der Krisentheorie notwendig gemacht &#8211; die Symptome der Krise, wie die Aufhebung des Goldstandards des Dollars (M&#228;rz 1968) oder die Rezession 1969-1971 in den USA, summierten sich schnell &#8211; sowie die Analyse der kapitalistischen Entwicklung in ihrer Gesamtheit, um diese neuen K&#228;mpfe, die pl&#246;tzlich nicht mehr nur in den Fabriken ausbrachen, sondern auch ausserhalb davon, richtig verstehen zu k&#246;nnen. Die Epoche, w&#228;hrend welcher es gen&#252;gte, die Arbeiterklasse vom &#8222;immediatistischen&#8220; Standpunkt des unmittelbaren Produktionsprozesses aus zu studieren, wie es Socialisme ou barbarie oder &#8211; in einem gewissen Masse &#8211; der italienische Operaismus jahrelang taten, war hinter uns.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jacques Camatte und die Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; haben diesbez&#252;glich durch die Festlegung einer neuen Periodisierung der kapitalistischen Entwicklung &#8211; in einer auf 1964-1966 datierten Arbeit, die aber erst 1968 in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; Nr. 2 ver&#246;ffentlicht worden ist &#8211; eine bedeutende Rolle gespielt, sie wurde daraufhin von fast allen ultralinken Gruppen damals &#252;bernommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Barrot/Dauv&#233; damals eingeschlossen, er benutzte den Begriff in der Mehrheit (&#8230;)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: die Unterscheidung zwischen formeller und reeller Herrschaft des Kapitals. Schauen wir uns an, worum es sich handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die prinzipielle Eigenschaft der formellen Herrschaft ist die Tatsache, dass, da der Verwertungsprozess des Kapitals den unmittelbaren Produktionsprozess noch nicht vollst&#228;ndig beherrscht, das &lt;i&gt;vorherrschende&lt;/i&gt; Element dieses Prozesses, dessen Herzst&#252;ck in den H&#228;nden der qualifizierten Arbeiter liegt, das &lt;i&gt;variable Kapital&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft ist. Diese Situation entspricht der Vorherrschaft der absoluten Mehrwertextraktion, d.h. der Verl&#228;ngerung des Arbeitstages und seiner Intensivierung durch Mittel &lt;i&gt;ausserhalb&lt;/i&gt; des Arbeitsprozesses selbst, sowie der Anstellung einer zus&#228;tzlichen Arbeitskraft, h&#228;ufig Frauen und Kindern, das alles begleitet von so tiefen L&#246;hnen wie m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die formelle Herrschaft ist auch durch das Fortbestehen vorkapitalistischer Produktionsweisen (wie die kleine Warenproduktion oder die halbfeudale Landwirtschaft) gekennzeichnet, was die Existenz von Klassen, mit welchen das Kapital zwingend seine Herrschaft teilen muss, und gewisse, nicht direkt unter seinem Einfluss stehende Elemente des Verwertungsprozesses &#8211; wie die f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Waren &#8211; impliziert. Zu Beginn dieses Entwicklungsstadiums des Kapitals hat die Arbeiterklasse keine politischen Rechte und nachdem sie sie erhalten hat, &lt;i&gt;zwingt&lt;/i&gt; sie ihre Schw&#228;che &lt;i&gt;dazu&lt;/i&gt;, Verb&#252;ndete zu suchen, &#8222;zu versuchen, seine entstehende Kraft und seine Momente der Revolte in der parlamentarischen Sph&#228;re zu &lt;i&gt;konkretisieren&lt;/i&gt;&#8220;, wo &#8211; wie es B&#233;riou unterstreicht &#8211; &#8222;keine Klasse f&#228;hig ist, ihre Forderungen diskussionslos zu diktieren&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine andere grundlegende Eigenschaft der formellen Herrschaft &#8211; eine direkte Folge der Tatsache, dass die Arbeit der massgebliche Faktor im unmittelbaren Produktionsprozess und die Reproduktion der Arbeiterklasse nicht in den Zyklus des Kapitals selbst integriert ist &#8211; ist die Autonomie des Proletariats und seiner Organisationen. Die nat&#252;rliche Konsequenz daraus ist, dass die Revolution &#8211; nachdem die Illusionen &#252;ber die M&#246;glichkeit der Emanzipation innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft einmal &#252;berwunden worden sind &#8211; als Kampf der Arbeit gegen das Kapital, als &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; der Arbeiterklasse und ihre Transformation in die &lt;i&gt;herrschende Klasse&lt;/i&gt; konzipiert ist. Der Begriff der &#8222;Diktatur des Proletariats&#8220; ist eine direkte Folge der Unm&#246;glichkeit f&#252;r das Proletariat, seiner Bedingung direkt ein Ende zu setzen; seine &#8222;Diktatur&#8220; stellt also einen Kompromiss dar, die Konsequenz der Notwendigkeit einer &#220;bergangsphase, w&#228;hrend welcher das Proletariat seine Bedingung auf den Rest der nicht ausbeutenden Schichten ausweitet, bevor es Zugang zur &#8222;h&#246;heren Stufe&#8220; des Kommunismus hat. Anders gesagt, unter der formellen Herrschaft ist die Existenz einer totalen Diskontinuit&#228;t zwischen Kapitalismus und Kommunismus nicht konzipierbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss der Ultralinken ist also das, was jederzeit die historische T&#228;tigkeit des Proletariats diktiert &#8211; und somit seine Aufgaben, seine Organisationsformen und die konkreten Modalit&#228;ten seiner &#8222;Diktatur&#8220; &#8211; der Entwicklungsgrad des Kapitals (und somit die entsprechende &#8222;Klassenzusammensetzung&#8220;). So war das Ziel des Pariser Proletariats 1848, sich als &lt;i&gt;virtuelle&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;geheime&lt;/i&gt; Partei zu organisieren, um die Republik gegen&#252;ber der provisorischen Regierung durchzusetzen und sich danach gegen den unvermeidlichen Gegenangriff der Bourgeoisie zu verteidigen, und w&#228;hrend der Kommune 1871 wurde daraus die Zerst&#246;rung des R&#228;derwerks des Staates und die gleichzeitige Organisation der direkten Demokratie als Verst&#228;ndigungswerkzeug der anderen Unterklassen. Aber in keinem dieser F&#228;lle kam es zu einem Versuch, die Wertproduktion zu l&#228;hmen oder die Macht ausgehend von den wertproduzierenden Zentren auszu&#252;ben (die Wahlbasis der Kommune war das Quartier, nicht die Fabrik): Alles drehte sich &#8211; manchmal auch auf negative Art und Weise, wie im Falle der Anarchisten und ihrem Beharren auf der Frage der &#8222;Autorit&#228;t&#8220; und des Staates &#8211; rund um die &lt;i&gt;politische Herrschaft&lt;/i&gt;, den Sturz der bestehenden politischen Macht, sei es um sie durch eine andere zu ersetzen oder sofort abzuschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1871 beginnt eine neue &#196;ra. Die &#8222;B&#252;ndnispolitik&#8220; nimmt ein Ende und es beginnt eine Periode, w&#228;hrend welcher, in den &#8222;fortgeschrittenen&#8220; L&#228;ndern, &#8222;das Proletariat [&#8230;] keine Kompromisse mehr mit anderen gesellschaftlichen Schichten zu schliessen [braucht], es muss entweder Teil von ihnen werden, sie zerst&#246;ren oder von ihnen zerst&#246;rt werden. Es muss seine &lt;i&gt;Diktatur&lt;/i&gt; bekr&#228;ftigen [&#8230;] die einzige &#252;brig bleibende &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; Frage ist der Inhalt seiner Diktatur und diese Frage bleibt &lt;i&gt;politisch&lt;/i&gt;, denn es ist noch nicht &lt;i&gt;gesellschaftlich vorherrschend&lt;/i&gt; [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen, op. cit.&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem es jedoch das Kapital dazu zwang, zwischen 1890 und 1945 seine Produktivit&#228;t zu erh&#246;hen &#8211; was es erlaubte, die Forderungen nach Lohnerh&#246;hungen und reduzierter Arbeitszeit zu befriedigen &#8211;, hat die Arbeiterbewegung nicht nur zur &lt;i&gt;Verallgemeinerung des Proletariats&lt;/i&gt; und seiner Transformation in eine &lt;i&gt;gesellschaftlich vorherrschende&lt;/i&gt; Klasse beigetragen, sondern ist auch zu einem &lt;i&gt;objektiven Verb&#252;ndeten&lt;/i&gt; des Kapitals im &#220;bergang zu reellen Herrschaft geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die reelle Herrschaft ist gekennzeichnet durch die komplette Absorption des Arbeitsprozesses durch den Verwertungsprozess des Kapitals, der die Ware Arbeitskraft auf eine g&#228;nzlich &lt;i&gt;austauschbare&lt;/i&gt; abstrakte Form reduziert, deren einzige relevante Kapazit&#228;t jene ist, auf &lt;i&gt;produktive Art und Weise&lt;/i&gt; w&#228;hrend der Arbeitszeit &lt;i&gt;konsumiert&lt;/i&gt; zu werden und eine maximale Mehrwertextraktion zu erlauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So ist das &lt;i&gt;vorherrschende&lt;/i&gt; Element des unmittelbaren Produktionsprozesses nunmehr das &lt;i&gt;fixe Kapital&lt;/i&gt;, das die Arbeitsdisziplin innerhalb des Produktionsprozesses selbst durchsetzt und zunehmend die technischen Kenntnisse und die Geschicklichkeit des Arbeiters in das Maschinensystem einbezieht, an dessen st&#228;ndige Verbesserung er sich anpassen muss. Das immer abstraktere Verh&#228;ltnis des Arbeiters zum Produktionsprozess, dessen konkreter Inhalt ihm gleichg&#252;ltig ist, f&#252;hrt dazu, dass er darin nur einen Verwertungsprozess sieht, der ihm erlaubt, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Infolgedessen kann sich sein Bewusstsein in Bezug auf die Transformation seiner Situation und die Organisation der Arbeit nur durch &lt;i&gt;direkten&lt;/i&gt; Widerstand gegen die Mehrwerterpressung ausdr&#252;cken und das geschieht in Form einer Revolte gegen die Arbeit:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dieses Bewusstsein zeigt sich schon auf &lt;i&gt;unmittelbare Art und Weise&lt;/i&gt; in den zahlreichen &lt;i&gt;organisierten Sabotageakten&lt;/i&gt;, welche die Mehrheit der modernsten Fabriken in Europa betreffen (Fiat, Turin, 1969), und vor allem in den USA, wo sie immer mehr Teil durch die Arbeiter organisierter Kampfbewegungen sind und von den Gewerkschaften nicht verteidigt werden k&#246;nnen [&#8230;] &lt;i&gt;Es ist eine Kritik der Mehrarbeit&lt;/i&gt; [&#8230;] Diese Bewegungen haben nicht zum Ziel, die Produktion &lt;i&gt;durch&lt;/i&gt; den bestehenden Produktionsprozess und &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; desselben zu reorganisieren; sie zeigen nicht die geringste Affirmation gegen&#252;ber der Verwaltung; die materiellen Grundlagen der Arbeiterselbstverwaltung sind mit dem unmittelbaren Produzenten verschwunden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220; in N&#233;gation, Nr. 1, S. 15.&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon 1947 bemerkte der Mitbegr&#252;nder der Johnson-Forest-Tendenz C. L. R. James &#8211; nachdem er mehr als ein Jahrzehnt in den USA gelebt hatte &#8211; dass, obwohl er seine &#220;berzeugungen bez&#252;glich der Notwendigkeit einer Reorganisation des Produktionsprozesses als integraler Aspekt der Arbeiterk&#228;mpfe nicht abgelegt und nachdem er die neue &#8222;strategische Achse&#8220; dieses Kampfes identifiziert hatte, dieser qualitative Sprung unweigerlich alle der vom revolution&#228;ren Prozess geerbten Konzeption bis anhin zugrundeliegenden Begriffe umst&#252;rzen w&#252;rde:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[G]egenw&#228;rtig ist das Proletariat, das eine neue Stufe erreicht hat, zur finalen Erkenntnis gelangt. Seine Revolte ist nicht mehr gegen die Politik und die Art der Aufteilung des Mehrwerts gerichtet, sondern &lt;i&gt;gegen die Wertproduktion selbst&lt;/i&gt;. Es hat nun seine eigene Lesart des Dreh- und Angelpunkts, um welchen sich das Verst&#228;ndnis der politischen &#214;konomie dreht [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat strebt nicht mehr, wie w&#228;hrend der Kommune, nach einer einfachen politischen Form zur Verwirklichung der Emanzipation der Arbeit und auch nicht mehr, wie in den Jahren 1917-1923, nach Sowjets als Mittel der revolution&#228;ren Politik, des Umsturzes des Privateigentums [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die Kommune &#252;ber die Ebene der europ&#228;ischen Gesellschaft hinausreichte und die Sowjets 1905 eine politische Form erschufen, von welcher Lenin nicht einmal zu tr&#228;umen gewagt h&#228;tte, &lt;i&gt;ist das Proletariat noch nicht in seine neue Schaffensperiode bez&#252;glich politisch-&#246;konomischer Organisation eingetreten&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Produktionsverh&#228;ltnisse und die politischen Probleme von 1947 haben ein Bed&#252;rfnis nach L&#246;sungen geschaffen, die weit &#252;ber jene der bescheidenen Anf&#228;nge zu Marx' Zeiten hinausgehen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C. L. R. James, F. Forest, Ria Stone, The Invading Socialist Society, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Einerseits kam es eben genau wegen der vollst&#228;ndigen Absorption des unmittelbaren Arbeitsprozesses durch das Kapital und der Tatsache, dass die zunehmende Subsumtion des Reproduktionsprozesses der Arbeitskraft in den eigentlichen Kreislauf des Kapitals gleichbedeutend mit einer faktischen &#8218;Integration&#8216; der Arbeiterklasse ist, zu diesem qualitativen Sprung. Der andere Aspekt dieses Prozesses ist, dass seine F&#228;higkeit zur autonomen Affirmation &#8211; die paradoxerweise und von einem gewissen Standpunkt aus scheinbar ihren H&#246;hepunkt erreicht und sogar ideologisch formalisiert wird &#8211; zunehmend in eine Krise eintritt. Diese &#8218;Integration&#8216; hat allerdings nicht mit dem &#8218;Bewusstsein&#8216; der Arbeiter oder ihren Konsumniveaus zu tun, genauso wenig wie sie eine Schw&#228;chung des konfliktreichen und antagonistischen Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit zur Folge hat.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Problem war &#252;berhaupt nicht (wie es alle angesagten Ideologien damals (&#8230;)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Eigenschaft der reellen Herrschaft &#8211; eine direkte Folge der Tatsache, dass das gesellschaftliche Leben in seiner Gesamtheit rund um die Verwertung des Werts organisiert ist &#8211; verdammt auch jede Organisation, die f&#252;r den Verwertungsprozess nicht funktional ist, schnell zu verschwinden oder an den R&#228;ndern dahinzuvegetieren. Die Tatsache, dass die autonomen Organismen, welche die sozialen K&#228;mpfe initiiert haben, kurzlebig sind oder schnell vom Ausbeutungssystem integriert werden, kommt also nicht daher, dass sie sich &#8222;korrumpieren&#8220; oder &#8222;b&#252;rokratisieren&#8220;; diese Entwicklung ist in Wirklichkeit schlichtweg die logische Folge ihrer notwendigen Unterordnung unter den Verwertungsprozess&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C. L. R. James und Konsorten hatten es verstanden, indem sie zum Beispiel (&#8230;)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus resultiert, dass der Kampf sich unter der reellen Herrschaft in eine Revolte sowohl gegen die Arbeit als auch gegen das Kapital transformiert und dass die Revolution immer weniger ein &#8222;Organisationsproblem&#8220; als solches hat, denn &#8211; genau wie das Absterben des Staates in der klassischen marxistischen Theorie &#8211; kann die Abschaffung des Werts nicht &#8222;organisiert&#8220;, sondern nur vollbracht oder nicht vollbracht werden; die &#8222;revolution&#228;re Organisation&#8220; ist also eine Schim&#228;re. C.L.R. James war auch hinsichtlich dieser Frage &#8211; ab 1948 &#8211; sehr nahe daran, sie in ihren wirklichen Begriffen zu formulieren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Es gibt nicht&lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt;&lt;i&gt; mehr zu organisieren&lt;/i&gt;. Die Arbeiter k&#246;nnen organisiert werden. Eine spezielle Organisation f&#252;r revolution&#228;re Arbeiter kann gegr&#252;ndet werden. Aber wenn wir diese beiden Elemente einmal haben, sind wir am Ende. Die Organisation, so wie wir sie gekannt haben, ist an ihr Ende gekommen. Die Aufgabe besteht nun darin, die Organisation abzuschaffen [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Organisation, so wie wir sie gekannt haben, hat ihre Mission erf&#252;llt. Ein Ziel, welches das Proletariat innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft widerspiegelte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich behaupte nicht, dass diese Zitate die &#8222;Organisationskonzeptionen&#8220; C. L. (&#8230;)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zehn Jahre sp&#228;ter lieferte James auch eine perfekte Beschreibung f&#252;r die durch den &#220;bergang von der formellen zur reellen Herrschaft diesbez&#252;glich herbeigef&#252;hrten Wende:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Was stellen wir heute, ein halbes Jahrhundert sp&#228;ter, fest? Der professionelle Agitator, der revolution&#228;re Sozialist zu Zeiten Lenins ist heute die Grundlage der b&#252;rokratischen Maschine der Gewerkschaften, politischen Parteien und Regierungen geworden [&#8230;] Das ist die marxistische Dialektik in ihrem tiefsten Inhalt. Der gesellschaftliche Typus, die spezifische Pers&#246;nlichkeit, die Speerspitze der Arbeiterbewegung und des Sozialismus zu Beginn des Jahrhunderts stellt heute den harten Kern der b&#252;rokratischen Reaktion in allen Sektionen der Arbeiterbewegung dar.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Facing Reality, 1958, S. 89.&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jenem Masse, wie sich die reelle Herrschaft konsolidiert und fortschreitet (zum Beispiel durch die Verallgemeinerung der Automatisierung), wird die gesamte Problematik der &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; zwischen Kapitalismus und Kommunismus ebenso komplett ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bevor diese Fragen von Jacques Camatte und N&#233;gation er&#246;rtert wurden, gab James Boggs zum Thema die wahrscheinlich konkretesten und innovativsten Anregungen. In &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; behauptete er, dass die Automatisierung der Industrie eine gen&#252;gende Produktion und Verteilung von G&#252;tern und Dienstleistungen f&#252;r die Gesamtheit der Bev&#246;lkerung erlauben w&#252;rde und dass deswegen die Vorbedingungen f&#252;r den Aufbau einer &#8222;klassenlosen&#8220; Gesellschaft &#8222;ohne Arbeit&#8220; schon erf&#252;llt seien&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist angebracht, diesbez&#252;glich zu anerkennen, dass die Gruppe (&#8230;)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im 19. Jahrhundert erkl&#228;rte Marx, es solle eine &#220;bergangsgesellschaft zwischen der &lt;i&gt;kapitalistischen&lt;/i&gt; Klassengesellschaft und der klassenlosen &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Gesellschaft geben. Diese &#220;bergangsgesellschaft, die er Sozialismus nannte, w&#252;rde immer noch eine Klassengesellschaft sein, doch statt der Kapitalisten w&#252;rden die Arbeiter die herrschende Klasse sein [&#8230;] Als herrschende Klasse w&#252;rden die Arbeiter die Produktivkr&#228;fte bis zu jener Stufe entwickeln, auf welcher die uneingeschr&#228;nkte Entwicklung jedes Individuums m&#246;glich sein und das Prinzip &#8218;jeder nach seinen F&#228;higkeiten, jedem nach seinen Bed&#252;rfnissen&#8216; verwirklicht werden w&#252;rde. Auf dieser Stufe k&#246;nne eine klassenlose Gesellschaft, d.h. der Kommunismus, erreicht werden. In den USA sind die Produktivkr&#228;fte schon so weit entwickelt, dass sie die Verwirklichung jener klassenlosen Gesellschaft erlauben, welche gem&#228;ss Marx nur durch den Kommunismus erreicht werden kann.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Boggs hatte jedoch gezeigt, dass diese Fortschritte im Bereich der Automatisierung und der kybernetischen Kontrolle auch die Macht der Gewerkschaft und der Organisation der Arbeit auf der Ebene der Werkstatt geschw&#228;cht hatten und dass die Schattenseite dieses Prozesses die zunehmende Akkumulation &#8211; in den USA &#8211; einer Bev&#246;lkerung von haupts&#228;chlich in den schwarzen urbanen Gemeinschaften konzentrierten &#8222;lebenslangen Arbeitslosen&#8220; war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber f&#252;r Boggs platzieren die diesen ausgeschlossenen Proletariern auferlegten Bedingungen sie nicht nur jenseits der Ideologie der Arbeit, sondern erm&#228;chtigen sie potenziell auch dazu, heterogene Kr&#228;fte des sozialen Protests miteinander zu einer universellen Bewegung zu verb&#252;nden, nicht nur, weil &#8222;sie die M&#246;glichkeiten der Gesellschaft, in welcher sie leben, in ihrer Tiefe kennengelernt haben und auch wissen, dass sie zahlreich genug sind, um eine Bedrohung darzustellen&#8220;, sondern auch, weil &#8222;das Auftauchen dieser neuen Gruppe radikale Konzepte hervorbringen wird, welche die Vorstellung von uns allen &#252;bersteigen&#8220;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Derart radikale Konzepte k&#246;nnen nicht von der organisierten gewerkschaftlichen Bewegung hervorgebracht werden. Der Klassenkampf der amerikanischen Arbeiter &#8211; vereinigt, organisiert und diszipliniert durch den Produktionsprozess &#8211; hat seinen H&#246;hepunkt mit der Gr&#252;ndung des CIO [Congress of Industrial Organizations] in den 1930er Jahren erreicht. Heutzutage, in den 1960er Jahren, ist die amerikanische Arbeiterbewegung am Ende ihres Weges angelangt. In Anbetracht der gegen&#252;ber den stattgefundenen revolution&#228;ren technologischen Ver&#228;nderungen notwendigen gesellschaftlichen und ideologischen Anpassungen ist die organisierte Arbeit heutzutage genauso reaktion&#228;r geworden wie es das organisierte Kapital vor 30 Jahren war. Der fundamentale Grund hierf&#252;r ist die Tatsache, dass sie sich immer noch an der Idee festklammert, dass der Mensch arbeiten muss, um zu leben, in einer Epoche, in welcher es technisch m&#246;glich w&#228;re f&#252;r den Menschen, sich damit zu begn&#252;gen, die Hand auszustrecken, um zu bekommen, was er braucht.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu Boggs, der die Illusion aufrechterhielt, dass die ausgeschlossenen Proletarier sich &#8222;organisieren werden m&#252;ssen&#8220; und dass sie schon bald dazu gezwungen sein w&#252;rden, haben N&#233;gation &#8211; und schon zuvor Jacques Camatte &#8211; verstanden, dass, aufgrund ihres rein zerst&#246;rerischen Charakters und weil &#8222;der Feind, dessen Opfer sie sind, nicht dieser oder jener spezifische Kapitalist ist, sondern die kapitalistische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, diese K&#228;mpfe als potenzielle Negation der kapitalistischen Ordnung politisch &lt;i&gt;unorganisierbar&lt;/i&gt; seien und dass genau darin ihre zutiefst revolution&#228;re Bedeutung liege:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese Bewegungen sind nie verwertbar oder &#8218;flankierbar&#8216;; sie kommen und gehen, und wenn sie wieder auftauchen, dann nur, um sich auf eine f&#252;r das Kapital immer verheerendere Art und Weise zu verallgemeinern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Transition&#8220;, 1969.&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Formelle Partei, historische Partei und &#8222;Notwendigkeit&#8220; des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Wozu sollte man heutzutage den Arbeitern sagen, dass sie ein Korps an Berufsrevolution&#228;ren brauchen, die sich ganz dem politischen Kampf hingeben, auf internationaler Ebene vereint und Todesfeinde des traditionellen Reformismus und so weiter sind? Die Arbeiter wissen es. Die kommunistischen Parteien sind eben genau solche Korps. Ihre Politik ist verdorben. Doch die Organisation, ihr grundlegender Typus, ist das, was Lenin wollte. Wer sich auf dieser Stufe daf&#252;r entscheidet, das nicht zu verstehen, soll zur H&#246;lle fahren [&#8230;] Dieser ganze Diskurs &#252;ber die Transformation kleiner Abspaltungen in Parteien, die sich nach und nach in Parteien verwandeln werden, welchen die Arbeiter sich werden anschliessen k&#246;nnen, ist der Inbegriff der Torheit. Wir haben keine Illusionen mehr, Gott sei Dank.
&lt;p&gt;C.L.R. James, Notes on Dialectics.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der letzte theoretische Fortschritt von N&#233;gation und anderer betrifft die &#8222;Parteifrage&#8220;, und genauer die Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei. Diese Unterscheidung geht auf diese Passage in einem Brief von Marx im Februar 1860 an seinen Freund, den Dichter Ferdinand Freiligrath, zur&#252;ck:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich bemerke d'abord, da&#223;, nachdem der &#8218;Bund&#8216; auf &lt;i&gt;meinen Antrag&lt;/i&gt; im November 1852 aufgel&#246;st wurde, ich &lt;i&gt;nie&lt;/i&gt; mehr irgendeiner &lt;i&gt;geheimen&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;&#246;ffentlichen&lt;/i&gt; Gesellschaft angeh&#246;rt habe oder angeh&#246;re; da&#223; also die &lt;i&gt;Partei&lt;/i&gt; in diesem ganz ephemeren Sinne f&#252;r mich seit 8 Jahren zu existieren aufgeh&#246;rt hat [&#8230;] Ich habe ferner das Mi&#223;verst&#228;ndnis zu beseitigen gesucht, als ob ich unter &#8218;Partei&#8216; einen seit 8 Jahren verstorbnen &#8218;Bund&#8216; oder eine seit 12 Jahren aufgel&#246;ste Zeitungsredaktion verstehe. Unter Partei verstand ich die Partei im gro&#223;en historischen Sinn.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;zisieren wir zuerst, dass der theoretische Bruch der franz&#246;sischen Ultralinken mit der Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei die &#8222;bordigistische&#8220; Konzeption dieser Unterscheidung betrifft. Es w&#228;re &#252;brigens falsch, zu denken, die italienische kommunistische Linke sei die einzige Tendenz der kommunistischen Linken gewesen, welche die Metaphysik der Partei kultivierte, obwohl sie wahrscheinlich die einzige war, welche die These vertrat, dass die Partei &#8222;ein f&#252;r allemal ausgehend von einer historischen Erleuchtung &#8211; jener der grossen Propheten der offenbarten Religionen &#228;hnelnd &#8211; etabliert&#8220; worden war, &#8222;was zwischen 1844 (&lt;i&gt;&#214;konomisch-philosophische Manuskripte&lt;/i&gt;) und 1848 (Revolution) eine auf alle darauffolgenden Kampfperioden anwendbare Perspektive erschaffen hatte&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F. Santini, Apocalipsis y supervivencia, S. 43.&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;C.L.R. James befasste sich zum Beispiel in den &lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt; (1948) eingehend mit dieser Frage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Proletariat erschafft diese Organisationen [&#8230;] Der kapitalistische Widerspruch dr&#252;ckt sich jedoch innerhalb des Proletariats durch die Konzeption dieser Organisationen aus. Denn das Proletariat, ausser wenn es sich ausdr&#252;ckt, indem es sich erhebt, d.h. wenn es sich aktiv revolution&#228;r zeigt, enth&#228;lt in sich selbst das Konzept und sein Gegenteil, was so sein muss. Das ist wie wir gesehen haben die Form, in welche jede Partei entartet [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Anfang und das Ende des unabh&#228;ngigen Wissens des Proletariats ist seine &lt;i&gt;politische Partei&lt;/i&gt;, durch sie studiert es, was es ausschliesslich betrifft: die &lt;i&gt;Wirklichkeit und Transformation seiner Stellung innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft&lt;/i&gt; [&#8230;]&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch wenn die Partei das Wissen des Proletariats ist, ist das Auftauchen des Proletariats gleichbedeutend mit der Abschaffung der Partei. Die Partei, so wie wir sie gekannt haben, muss verschwinden. Sie wird verschwinden. Sie ist bereits im Verschwinden begriffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Notes on Dialectics, op. cit., S. 172-176.&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r James sind also das Proletariat und seine Organisationen die organischen Tr&#228;ger des &#8222;kapitalistischen Widerspruchs&#8220;, der sich kontinuierlich weiterentwickelt und zuspitzt, w&#228;hrend er gleichzeitig die Begriffe seines Auftauchens transformiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne sie explizit als Gegensatz zwischen formeller und historischer Partei zu formulieren, hat Jacques Camatte die von Marx gemachte Unterscheidung in &#8222;Origine et fonction de la forme-parti&#8220; (1961) wieder aufgegriffen, dieser Text l&#246;ste eine derartige Kontroverse innerhalb des PCInt aus, dass seine Ver&#246;ffentlichung von Amadeo Bordiga selbst durchgesetzt werden musste. Es war jedoch nicht Camatte, sondern Bordiga, der 1965 die Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei im Rahmen einer internen Polemik, w&#228;hrend welcher er sich eben genau von Camatte abheben wollte, indem er die &#8222;formelle Partei&#8220; verteidigte, klar formulierte. Vier Jahre sp&#228;ter, nun ausserhalb des PCInt, &#252;bernimmt Camatte seinerseits diese Unterscheidung in einem Text mit dem Titel &#8222;La r&#233;volution communiste : th&#232;se de travail&#8220; (1969). Allerdings bricht Camatte im selben Jahr in einem zusammen mit Gianni Collu verfassten Text (&#8222;Transition&#8220;), nachdem er die Unterscheidung formelle/historische Partei auf die Periodisierung formelle/reelle Herrschaft und die daraus folgende Transformation der &#8222;Aufgaben&#8220; des Proletariats gest&#252;tzt hatte, mit Bordigas Konzeption:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Theorie der Partei &#8211; Theorie des Proletariats &#8211; kann nicht nur in den sogenannt politischen Texten von Marx und Engels wahrgenommen werden [&#8230;], denn diese Werke betrachten das Proletariat vor allem in seiner unmittelbaren Wirklichkeit und halten &lt;i&gt;die formelle Partei, damals, f&#252;r m&#246;glich. Das Proletariat musste also seine Existenz verallgemeinern, das Kapital zur Entwicklung dr&#228;ngen und h&#228;tte, falls es die Macht ergriffen h&#228;tte und herrschende Klasse geworden w&#228;re, Aufgaben erf&#252;llen m&#252;ssen, die danach vom Kapital erf&#252;llt worden waren&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Heutzutage ist nur noch die historische Partei m&#246;glich. Jegliche formelle Partei ist nur eine Organisation, die sich schnell auf die Form der &lt;i&gt;Schutzgeld&lt;/i&gt;e&lt;i&gt;rpressung&lt;/i&gt; beschr&#228;nkt: Das Gleiche gilt &#252;brigens f&#252;r jegliche strukturierte oder unstrukturierte Gruppe, die glaubt, auf die Neugr&#252;ndung der Partei oder die Erschaffung von R&#228;ten hinzuwirken.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Theorie, gem&#228;ss welcher es unter der reellen Herrschaft des Kapitals keinen Platz f&#252;r eine &lt;i&gt;formelle Partei&lt;/i&gt; habe, da sie historisch keine andere Funktion hatte &#8211; und haben konnte &#8211; als eine &lt;i&gt;Vermittlung&lt;/i&gt; f&#252;r die &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; des Proletariats darzustellen, ist praktisch von der Gesamtheit der Ultralinken &#252;bernommen worden. Die Tatsache, dass diese historische Vermittlungsfunktion von einer reformistischen Massenpartei oder einer angeblichen &#8222;revolution&#228;ren Avantgarde&#8220;, oder sogar von einer ausserhalb der sozialistischen Tradition stehenden Organisation erf&#252;llt wurde, war letztendlich nur ein Indikator f&#252;r die von jeder gesellschaftlichen Formation erreichten kapitalistischen Entwicklungsstufe. Und in der einen oder anderen Form blieb die Aufgabe die gleiche: die Gew&#228;hrleistung der &#8222;Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; und des Fortbestands der Arbeiterklasse als Kategorie des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist diese These, welche die Ultralinke von allen Formen der kommunistischen Linken unterscheidet, seien sie klassische oder &#8222;wiederbelebte&#8220;: Da das Proletariat unter der reellen Herrschaft keine &lt;i&gt;vermittelnden Aufgaben&lt;/i&gt; mehr zu erf&#252;llen hat und den Inhalt seiner unmittelbaren Aufgabe &#8211; seine Aufhebung &#8211; in sich tr&#228;gt, ist nunmehr nur noch die historische Partei m&#246;glich, d.h. die wirkliche Bewegung der Selbstnegation des Proletariats und die unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den ersten Blick k&#246;nnte man meinen, es handle sich hier schlichtweg um eine rein &#8222;anti-organisatorische&#8220; Position, eine abstrakte Negation der Organisationsfrage, und nicht um einen Versuch, sie zu &#252;berwinden, wie es in der sp&#228;teren Entwicklung von Camatte der Fall sein wird. Was hingegen gewiss ist, ist die Tatsache, dass die einhellige Verurteilung jeglicher &#8222;formellen Partei&#8220; durch N&#233;gation/Le Voyou, Intervention communiste und Le Mouvement communiste (relativ im Falle letzterer Gruppe, wie wir sp&#228;ter sehen werden) sie nicht dazu f&#252;hrte, jegliche M&#246;glichkeit der &#8222;Gruppierung von Revolution&#228;ren&#8220; schlichtweg zu verurteilen, sondern zu einer neuen Definition des Inhalts und der Formen der kommunistischen Revolution, festgelegt als das Werk einer vom Kapital hervorgebrachten Klasse, die nur innerhalb desselben existieren kann &#8211; das Proletariat, verstanden als &#8222;kommunisierende Klasse&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Proletariat ist ein politisches Konzept. Alle Wirtschaftswissenschaftler&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; und die Materie seiner T&#228;tigkeit &#8211; die historische Vernichtung des Werts &#8211; im Prozess seiner Herausbildung selbst findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Existenz einer &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Bewegung selbst setzt also die unmittelbare &#220;berwindung der kapitalistischen Kategorien voraus. Deshalb, mangels einer konkret die Kategorien des Werts angreifenden Bewegung, ist jede &#8211; formelle oder informelle &#8211; Organisation, die von sich behauptet, einen &lt;i&gt;reellen Einfluss&lt;/i&gt; zu haben, dazu gezwungen, Linksradikalismus zu betreiben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, S. 7.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, d.h. innerhalb dieser Kategorien zu verbleiben (das Unternehmen, das Quartier, die Schule usw.). Intervention communiste hat das Problem folgendermassen gel&#246;st:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]ie Praktizierung anderer Interventionen l&#228;uft nicht nur darauf hinaus, den Prozess der b&#252;rgerlichen Revolution nachzu&#228;ffen, aus der kommunistischen Bewegung eine Schutzgelderpressung zu machen, dem Proletariat eine Positivit&#228;t zuzugestehen, ein Programm zu pr&#228;sentieren, zu versuchen, Ideen durchzusetzen, zu sagen, der Kommunismus sei nicht dieses oder jenes, sondern auch, trotz aller sch&#246;ner Reden, &lt;i&gt;die formelle Partei fortbestehen zu lassen&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220; in Bulletin communiste, Beilage zur Nr. 1 von (&#8230;)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus folgt, dass die M&#246;glichkeit der Gruppierung sowie die anderen Aufgaben der Kommunisten allen voran von der klaren Einordnung ihrer Periode als konterrevolution&#228;r, revolution&#228;r oder sich im revolution&#228;ren Aufbruch befindend abh&#228;ngen. Die Revolution&#228;re &#8222;entscheiden&#8220; also nicht, ob sie den revolution&#228;ren Prozess vereinheitlichen oder beschleunigen oder &#252;ber seinen Grad der Zentralisierung, deshalb, wie es &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt; betonte, &#8222;kann die kommunistische Bewegung weder durch eine formelle Zentralisierung noch durch einen f&#246;deralistischen oder unionistischen Autonomismus ausgedr&#252;ckt werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Bilan critique du Voyou&#8220;, Paris, September 1973.&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Zentralisierung ist nicht eine Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Les classes&#8220; in Intervention communiste, Nr. 2, Dezember 1973, reproduziert (&#8230;)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gibt somit auch keine Aufgaben, welche die kommunistische Bewegung als priorit&#228;r betrachten oder auf welche sie ihre Ressourcen konzentrieren muss, aber sie wird dazu gebracht, gewisse Aufgaben zu erf&#252;llen und sie kann sie nur erf&#252;llen, indem sie sie b&#252;ndelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Haupteigenschaft der revolution&#228;ren Erneuerung von 1968 war, gem&#228;ss der Ultralinken, die &#8222;Wieder-Erkennung&#8220; der kommunistischen Theorie und ihre Reaktivierung, denn in der vorhergehenden Periode hatte sie nur als Gesamtheit versteinerter Prinzipien, als &lt;i&gt;Programm&lt;/i&gt; existiert:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[I]n einer Periode der &#8218;totalen&#8216; Konterrevolution ist im besten Falle nur die Konservierung eines &lt;i&gt;Programms&lt;/i&gt; m&#246;glich, das seinerseits von der Periode entsch&#228;rft worden ist. Seit etwa 1968 gibt es sehr wohl &#8211; wenn auch nat&#252;rlich noch bruchst&#252;ckhaft &#8211; &lt;i&gt;eine Hervorbringung der kommunistischen Theorie&lt;/i&gt;, welche die &lt;i&gt;Tendenzen&lt;/i&gt; der wirklichen Bewegung widerspiegelt. Diese Hervorbringung ist in sich selbst Praxis durch die durch sie &lt;i&gt;erzwungenen&lt;/i&gt; Verkn&#252;pfungen, insoweit als dieser Zwang durch die wirkliche soziale Bewegung ausge&#252;bt wird, und nicht durch die &#228;usseren Mahnrufe irgendeines Individuums, irgendeiner Gruppe oder Zeitschrift.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, op. cit., S. 16-17.&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der zweite charakteristische Zug der Erneuerung war &#8222;das Ende der theoretischen T&#228;tigkeit als getrennte Praxis aufgrund der zwingenden Notwendigkeit der praktischen Aneignung der Theorie durch das Proletariat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;, op. cit., S. 442.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Daher &#8222;empf&#228;ngt&#8220; das Proletariat &#8222;nicht Prinzipien oder Analysen, die ihnen die Kommunisten kommunizieren &#8211; das ist das Verh&#228;ltnis Arbeiterklasse/Aktivist &#8211;, sondern es eignet sich die Theorie seiner eigenen Bewegung an, weil es aufgrund seiner konkreten Situation dazu gezwungen ist, andernfalls wird es besiegt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 441.&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In anderen Worten, die nat&#252;rliche Konsequenz aus dem Ende der Trennung Theorie/Praxis ist das Verschwinden der Trennung Proletarier/Theoretiker, da die Theorie Teil der gesellschaftlichen Bedingung letzterer ist, denn sie sind nur Proletarier unter anderen. Anders gesagt: Vor der tats&#228;chlichen kommunistischen Bewegung gibt es keine Revolution&#228;re, sie sind eine Hervorbringung dieser Bewegung selbst und Teil der widerspr&#252;chlichen Bewegung des Kapitals. Schliesslich, wie es B&#233;riou betont:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese &lt;i&gt;Aneignung/Hervorbringung&lt;/i&gt; der Theorie des Kommunismus als revolution&#228;re Bewegung entsteht nicht nur gegen das in Form von versteinerten &#8218;Prinzipien&#8216; &#252;bermittelte kommunistische Programm, welches entstellt und erstarrt und aufgrund der Wirkung der Konterrevolution und &lt;i&gt;der Niederlage&lt;/i&gt; des letzten revolution&#228;ren Angriffs partiell und auf abstrakte Weise doktrin&#228;r geworden ist, sondern auch von diesem Programm ausgehend, durch die unter dem Druck der Ereignisse kritische Verdauung davon.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, op. cit.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald sie erkannt hat, dass die durch 1968 er&#246;ffnete Periode eine eines revolution&#228;ren Aufschwungs war, war die Ultralinke unmittelbar dazu gezwungen, sich den &lt;i&gt;Grenzen&lt;/i&gt; dieses Aufschwungs zu stellen und sie zu pr&#228;zisieren. Obwohl sie mit der &lt;i&gt;absoluten&lt;/i&gt; Herrschaft der Konterrevolution gebrochen hatte, war die &#8222;Notwendigkeit des Kommunismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die italienische Bewegung von 1977 hatte eine besondere Lesart des &#8222;Drangs (&#8230;)&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nicht insoweit verallgemeinert, als sie ihre ersten Manifestationen &lt;i&gt;praktisch&lt;/i&gt; h&#228;tte &lt;i&gt;&#252;berwinden&lt;/i&gt; k&#246;nnen und sich f&#228;hig zeigen, die Transformation der Produktionsverh&#228;ltnisse in Angriff zu nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Grenzen waren die Ursache einer bedeutenden Polemik im ultralinken Milieu zwischen N&#233;gation/Le Voyou und Intervention communiste auf der einen und Mouvement communiste auf der anderen Seite (ohne dass erstere absolut gleicher Meinung gewesen w&#228;ren). Die aus dem Aufschwung entstandenen Verbindungen konnten nicht unmittelbar konkret sein, nichts garantierte, dass die darauffolgenden Gruppierungen nicht rein formell waren. In Anbetracht der Wirklichkeit der Grenzen des Aufschwungs &#8211; d.h. des unmittelbar bevorstehenden erneuten Abschwungs &#8211; begann Le Mouvement communiste damit, die Notwendigkeit eines stabilen Systems permanenter Kontakte zwischen den verschiedenen Gruppen der Ultralinken zu verteidigen, sie behaupteten, dass, &#8222;obwohl es nicht infrage kommt, erneut eine formelle Organisation zu gr&#252;nden, die aus den Umst&#228;nden entstandenen Gruppierungen nicht mehr gen&#252;gen&#8220;, sie st&#252;tzten diese Anrufung der &#8222;objektiven Notwendigkeit&#8220; mit dem &#8222;subjektiven&#8220; Argument, gem&#228;ss welchem &#8222;die Nichtbeachtung, oder schlimmer, die Unterdr&#252;ckung, die Selbstzensur des individuellen Drangs nach Kommunismus als Teil der Konterrevolution zu betrachten sind&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;R&#233;volutionnaire ? (notes sur la subversion)&#8220; in Le Mouvement communiste, Nr. 4.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort des Voyou war kategorisch:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ihr gebt vor, die formelle Partei zu aktualisieren, indem ihr ihre Existenz nicht mehr auf die &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt;, sondern auf den (menschlichen) &lt;i&gt;Drang&lt;/i&gt; st&#252;tzt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, op. cit., S. 4.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich taten, insoweit als sie versuchten, die praktische Dringlichkeit der Krise des Klassenverh&#228;ltnisses und des historischen Prozesses der Herausbildung des Proletariats durch die gemeinsame Arbeit und die systematische Verst&#228;rkung der Verbindungen, w&#228;hrend sie gleichzeitig die &lt;i&gt;pers&#246;nliche&lt;/i&gt; Notwendigkeit des Kommunismus idealisierten, die Positionen von Mouvement communiste nichts anderes, als den programmatischen Kommunismus in neuer Gestalt erneut zu bekr&#228;ftigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Intervention communiste ihrerseits, obwohl sie sich davor h&#252;teten, der abstrakten Verweigerung der Argumentation ihrer Gespr&#228;chspartner zu verfallen, waren nicht minder energisch:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kommunismus ist nicht das Produkt der Handlung der &#8218;Leute&#8216;, welche all jene Situationen, in die sie das Kapital hineinversetzt, als unertr&#228;glich empfinden; auf dieser Stufe w&#228;re die Abh&#228;ngigkeit zwischen Revolution und Kapital beseitigt, erstere w&#252;rde sich einem Wesen entgegenstellen, das ein anderes als es selbst ist, in diesem Moment ist die Abschaffung des Tausches Strategie des &#8218;Revolution&#228;rs&#8216; und nicht vom Kapital selbst hervorgebracht. Die Herausbildung des Proletariats ist ein Moment des Zyklus des Kapitals [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berwindung des individuellen Drangs ist nicht die Eingliederung in irgendeine kollektive Praxis, sondern der Prozess der Herausbildung des Proletariats, der aus ihm wirklicher Drang nach Kommunismus macht und, indem es ihn nicht Teil einer (allzu vagen) kollektiven Praxis, sondern einer Klasse macht, die gesamte, unter Umst&#228;nden mit diesem individuellen Drang verbundene Problematik der Entscheidung beseitigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist notwendig, den pers&#246;nlichen, unmittelbaren Drang nach Kommunismus zu ber&#252;cksichtigen; doch dieser Drang als Drang nach Revolution wird als pers&#246;nlicher Drang negiert und konserviert, wenn man versteht, dass keine individuelle L&#246;sung m&#246;glich, dass keine Lockerung tragf&#228;hig ist. Was erfasst werden muss, ist die Tatsache, dass dieser pers&#246;nliche unmittelbare Drang nach Kommunismus ein Moment der Herausbildung des Proletariats ist, ein Moment seiner Existenz als kollektiver Drang nach Kommunismus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Les classes&#8220;, op. cit, S. 453 und 461.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Abschliessend&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So n&#228;hert sich diese kurze Einf&#252;hrung in die franz&#246;sische Ultralinke zwischen 1968 und 1974 ihrem Ende. Ich bem&#252;hte mich darin, zus&#228;tzlich zur Darstellung ihrer historischen Wurzeln &#8211; die schon in gewissen embryonalen &#8222;autonom-r&#228;tekommunistischen&#8220; Tendenzen der Nachkriegszeit pr&#228;sent waren &#8211; und der konkreten Inspirationsquellen dieser Str&#246;mung, gewisse Sophismen und Halbwahrheiten zu widerlegen, mithilfe welcher die Pseudokritik der &#8222;Theorie der Kommunisierung&#8220; diese in der Regel er&#246;rtert, besonders hinsichtlich ihrer angeblichen &#8222;anti-organisatorischen&#8220; Phobie, &#8222;modernistischen&#8220; Wurzeln und ihres daraus hergeleiteten angeblichen &#8222;kleinb&#252;rgerlichen&#8220; Charakters. Ich habe hingegen bewusst einen Aspekt aussen vor gelassen, jenen der mehr oder weniger tendenzi&#246;sen Widerlegungen und verk&#252;rzten und restriktiven Aneignungen der Periodisierung formelle/reelle Herrschaft, nicht weil die Frage nicht interessant oder bedeutend w&#228;re &#8211; ganz im Gegenteil &#8211;, sondern aus dem einfachen Grund, dass sie alleine einen monographischen Artikel verdienen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe hier auch auf eine Kritik der Thesen der Ultralinken verzichtet, denn es ging darum, eine vollst&#228;ndige Darstellung davon vorzulegen. Doch es ist offensichtlich &#8211; oder sollte es zumindest sein &#8211;, dass eine Theorie, die ihren Zenit &#252;berschritten hat, nicht auf unbestimmte Zeit &#8222;aktuell&#8220; bleiben kann, auch wenn sie sich als f&#228;hig erweist, den Vergleich mit noch &#228;lteren Theorien, die problemlos weiter zirkulieren und ihre eigene &#8222;G&#252;ltigkeit&#8220; einfordern k&#246;nnen, weil sie zu zeitlosen &#8222;Klassikern&#8220; geworden sind, nicht scheuen zu m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall hoffe ich, dass es verst&#228;ndlich geworden ist, dass der gemeinsame Nenner der durch die Ultralinke unternommenen Br&#252;che nichts anderes war als eine konstante &lt;i&gt;Historisierung&lt;/i&gt; &#8211; ausgehend von der Gegenwart, die ihr Los war &#8211; des Werdegangs der kommunistischen Bewegung, stets verbunden mit der entsprechenden kapitalistischen Entwicklungsstufe und einer konstanten kritischen Pr&#252;fung der G&#252;ltigkeit und des Inhalts ihres theoretischen Arsenals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich m&#246;chte ich pr&#228;zisieren, dass ich hier das Konzept der Ultralinken in einem engen Sinne benutzt habe &#8211; im Gegensatz zum Beispiel zur Art und Weise, wie es h&#228;ufig von der Gruppe Th&#233;orie communiste benutzt wird &#8211; und mich auschliesslich auf &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; (1. Serie), N&#233;gation, Le Voyou, Intervention communiste und Le Mouvement communiste bezogen habe. Wie die Mehrheit jener, welche &#252;ber die Ultralinke geschrieben haben, denke ich jedoch, dass es wichtig ist, zu betonen, dass die Situationistische Internationale (die einen starken Einfluss auf die Ultralinke w&#228;hrend der Periode 1972-1974 hatte) sozusagen einen Fuss in der T&#252;r und einen draussen hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;12. November 2023&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Federico Corriente&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21186&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie. Dritter Band. Buch III: Gesamtproze&#223; der kapitalistischen Produktion&lt;/i&gt; (1894) in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, 1964, S. 412.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den letzten Jahren haben mehrere Autoren die Intensit&#228;t des Austausches von Ideen, Texten und Kampferfahrungen zwischen den radikalen Milieus in Detroit und Italien w&#228;hrend den 1960er Jahre hervorgehoben. Die Gruppe Correspondence &#8211; den Namen, der sich ab 1951 die Johnson-Forest-Tendenz, wovon zahlreiche Mitglieder in Detroit lebten, gegeben hatte &#8211; hatte einen betr&#228;chtlichen Einfluss auf den Operaismus durch den Text von 1947 &#8222;The American Worker&#8220; von Paul Romano und Grace Lee, den Danilo Montaldi ausgehend von der in &lt;i&gt;Socialisme ou barbarie&lt;/i&gt; erschienenen franz&#246;sischen Version zwei Jahre sp&#228;ter &#252;bersetzte und der einer der Inspirationsquellen f&#252;r die operaistische &#8222;militante Untersuchung&#8220; Romano Alquatis war. Der Operaist Ferrucio Gambino (der 1967 eine Reise nach Detroit und in andere Teile der USA unternahm) seinerseits erm&#246;glichte den Besuch des Automobilarbeiters und ehemaligen Mitglieds von Correspondence James Boggs &#8211; der mit der Ver&#246;ffentlichung der italienischen &#220;bersetzung von The American Revolution. Pages from a Negro Worker's Notebook (1963) zusammenfiel &#8211; f&#252;r zahlreiche Konferenzen in ganz Italien zusammen mit seiner Frau Grace Lee-Boggs, Mitbegr&#252;nderin der Johnson-Forest-Tendenz.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt; (Champ Libre, 1972) von Jean Barrot (Gilles Dauv&#233;) kann man Folgendes lesen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Entwicklung der USA liess sehr bedeutende &#8218;Inseln&#8216; der Unterentwicklung entstehen und unterhielt sie. Diverse Gruppen und Minderheiten sind nicht in die amerikanische Gesellschaft integriert und leben am Rande der eigentlichen Arbeiterklasse, entweder im Elend als fast permanente Arbeitslose oder besch&#228;ftigt mit wenig produktiven und schlecht bezahlten T&#228;tigkeiten (Kleinbauern, Landwirtschaftsarbeiter). Aber seit dem Krieg ver&#228;ndert die wirtschaftliche Entwicklung das Problem und vor allem seit einigen Jahren mit der Automatisierung, die hunderte von Millionen Arbeiter in der Produktion &#252;berfl&#252;ssig macht [&#8230;] Ihre Auswirkungen sind allerdings bereits sp&#252;rbar, besonders unter den schwarzen Arbeitern, die zuvorderst vom Ausschluss der Produktion bedroht sind.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Fussnote zitiert Dauv&#233; explizit das Buch von Boggs als Quelle und betont im &#220;brigen, dass das Problem &#8222;von den &#8218;Revolution&#228;ren&#8216; nicht ernsthaft dargestellt worden ist, ausser von der italienischen Linken in ihrer Studie der Manuskripte von 1857-1858&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, Nr. 3, Juli 1972, &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article572&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; online verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die anscheinende Ausnahme, welche die konstant und ununterbrochen zirkulierenden Texte von Barrot/Dauv&#233; darstellen, ist es nicht wirklich. Mit Ausnahme seiner Schriften in der Periode 1972-1973, in welchen der &#8222;Bruch&#8220; sehr sichtbar ist, widmete er sich nach dem Debakel von 1973 Projekten wie La Gauche communiste en Allemagne 1918-1921 (1976) oder &lt;i&gt;&#8222;Bilan&#8220;&lt;/i&gt;. Contre-r&#233;volution en Espagne 1936-1939 (1979), welche die Neolinkskommunisten nicht pauschal zur&#252;ckweisen konnten, ohne sich ins eigene Knie zu schiessen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Revolutionare-Theorie-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220; in &lt;i&gt;ICO&lt;/i&gt;, Nr. 118, Juni 1972, S. 3, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2003, S. 318.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/spip.php?article438&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;James Boggs, &lt;a href=&#034;https://www.historyisaweapon.com/defcon1/amreboggs.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1963.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 28.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;ICO&lt;/i&gt;, Nr. 121, November 1972.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 29.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist kein Zufall, dass das 1974 von Henri Simon verfasste &lt;a href=&#034;http://cras31.info/IMG/pdf/nouveau_mouvement_liaison-no26.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Gr&#252;ndungsmanifest&#8220; der Gruppe &#201;changes et mouvement&lt;/a&gt; &#8211; eine direkte Erbin ihrer Vorg&#228;ngerorganisation, der r&#228;tekommunistisch-arbeiterorientierten Gruppierung ICO &#8211; den Titel &#8222;neue Bewegung&#8220; und nicht &#8222;neue &lt;i&gt;Arbeiterbewegung&lt;/i&gt;&#8220; tr&#228;gt. Daneben bietet der Text eine hervorragende Zusammenfassung der &#8222;neuen&#8220; Ideen der Gruppe, die der Autor auf heimt&#252;ckische Art und Weise jenen der Ultralinken entgegenstellt, letztere unterscheidet er kaum vom Rest der &#8222;avantgardistischen&#8220; Tendenzen, die &#8222;versuchen&#8220;, sich der neuen Welt &#8222;der Autonomie anzupassen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es sei bemerkt, mit welcher Leichtigkeit Henri Simon die &#8222;aktivistische Str&#246;mung&#8220; der Ultralinken und von ihm &#8222;sowohl in den Analysen als auch in den Konzeptionen der Organisation&#8220; traditionalistisch genannte Gruppen unter dem Vorwand vermischt, es handle sich um &#8222;Gruppen, die Teil der avantgardistischen Ideologie sind&#8220;. Die &#8222;wiederauferstandenen Bolschewisten&#8220; wie R&#233;volution internationale/IKS z&#246;gern ihrerseits auch nicht, die (als &#8222;modernistische&#8220; Str&#246;mung bezeichnete) Ultralinke und die R&#228;tekommunisten auf der Grundlage einer angeblichen gemeinsamen Organisationsfeindlichkeit zu vermischen (siehe zu diesem Thema &lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/IMG/pdf/ico/supplement/ico-unpointdevue.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;ICO : un point de vue&#8220;&lt;/a&gt; von Henri Simon; Internationale kommunistische Tendenz, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/disappointed-1968-seeking-refuge-utopia&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Dissappointed of 1968: Seeking Refuge in Utopia&#8220;&lt;/a&gt;, &#8222;Critique des soi-disant &#8218;communisateurs&#8216;&#8220; Teil &lt;a href=&#034;https://fr.internationalism.org/content/10877/critiques-des-soi-disant-communisateurs-i-introduction-a-serie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;1&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://fr.internationalism.org/content/10878/critique-des-soi-disant-communisateurs-ii-du-gauchisme-au-modernisme-mesaventures&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;2&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.mondialisme.org/spip.php?article1025&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;ICO et l'IS &#8211; Retour sur les relations entre Informations correspondance ouvri&#232;res et l'Internationale situationniste&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Barrot/Dauv&#233; damals eingeschlossen, er benutzte den Begriff in der Mehrheit seiner Schriften dieser Zeit, bevor er ihn ohne Erkl&#228;rung aufgab. Zur &#8222;Abrechnung&#8220; &#8211; wenn man es so nennen kann &#8211; Dauv&#233;s mit der Unterscheidung formelle/reelle Herrschaft kam es erst 2004 in einer &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/correspondence-between-parts-riff-raff-collective-and-gilles-dauve-aka-jean-barrot&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Antwort auf einen Brief der schwedischen Zeitschrift Riff-Raff zur Frage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220; in &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/negation/negation-n01.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt;, Nr. 1&lt;/a&gt;, S. 15.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C. L. R. James, F. Forest, Ria Stone, The Invading Socialist Society, Bewick/Ed, Detroit 1972, S. 13-15.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Problem war &#252;berhaupt nicht (wie es alle angesagten Ideologien damals behaupteten), dass diese Arbeiterklasse integriert war: Diese Arbeiterklasse war schlichtweg unterworfen und beherrscht durch extrem heftige Formen der Repression, Formen, die [&#8230;] nicht ausserhalb der Arbeitsweise standen, sondern sie waren vollst&#228;ndig Teil des Produktionsprozesses.&#8220; Toni Negri, Del obrero-masa al obrero social, Anagrama, Barcelona, 1980.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C. L. R. James und Konsorten hatten es verstanden, indem sie zum Beispiel zeigten, dass nichts am stalinistischen Ph&#228;nomen besonders &#8222;russisch&#8220; war, sondern es Teil eines breiteren Prozesses war, der sich weltweit abspielte:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die beste Art und Weise, diese Parteien zu verstehen, ist die Erkenntnis, dass, auch wenn das stalinistische Russland nie existiert h&#228;tte und die proletarische Revolution verschoben worden w&#228;re, eine &#228;hnliche politische Formation wie die stalinistischen Parteien entstanden w&#228;re.&#8220; The Invading Socialist Society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit anderen Worten, diese Parteien waren weder &#8222;Werkzeuge des Kremls&#8220; noch eine Neuauflage der klassischen Sozialdemokratie, sondern allen voran &#8222;ein Produkt der Arbeit und des Kapitals auf dieser Stufe&#8220; (&lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;). Und obwohl, gem&#228;ss James, ihre Rolle hinsichtlich der Arbeiterklassen der entwickeltesten L&#228;nder schon obsolet geworden ist, beh&#228;lt sie ihre G&#252;ltigkeit f&#252;r L&#228;nder, wo die Dekolonialisierung und der Zugang zu einer &#8222;normalen&#8220; kapitalistischen Entwicklung noch ausstehend sind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich behaupte nicht, dass diese Zitate die &#8222;Organisationskonzeptionen&#8220; C. L. R. James' zusammenfassen, und noch weniger, dass seine Praxis ein genauer Widerschein seiner Konzeptionen war, aber ich zeige auf, dass er in seinen &#220;berlegungen zur Frage zu Grenzen gedr&#228;ngt worden ist, die sp&#228;ter von der franz&#246;sischen Ultralinken er&#246;rtert worden sind. Gest&#252;tzt auf eine zus&#228;tzliche Erfahrung von mehr als einem halben Jahrhundert hat Roland Simon ein viel klarere und abschliessendere Antwort auf die Frage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]as Auftauchen der Klasse, die Bewegung der Revolution als Affirmation der Klasse, kann gegen&#252;ber dem Kapital &#8218;kapitalisiert&#8216;, formalisiert; in einem Wort, organisiert werden [&#8230;] [D]ie Negation des Proletariats kann nie eine stabile Form erlangen [...]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann revolution&#228;re Arbeiter gruppieren, vereinen und radikalisieren, wenn es unmittelbar die Tatsache ist, ein produktiver Arbeiter zu sein, d.h. seine eigene Existenz in der kapitalistischen Produktionsweise, die unmittelbar als revolution&#228;res Wesen gesetzt wird; man kann hingegen weder nach einem Krawall eine Organisation der Krawallmacher gruppieren noch wilde Streikende, welche die Arbeit verweigern als &#8218;wilde Streikende, welche die Arbeit verweigern&#8216;. Eine Organisation der Saboteure von Lordstown kann nicht existieren. Wenn Pl&#252;nderer der amerikanischen Ghettos Organisationen bilden, dann tun sie das, um &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; zu machen oder eine grundlegende &#8218;Wohlfahrt&#8216; zu organisieren; wenn die Saboteure von Lordstown sich ausserhalb ihrer Praxis selbst organisieren, dann tun sie es, um &lt;i&gt;gewerkschaftlich&lt;/i&gt; aktiv zu sein.&#8220; Siehe Fondements critiques d'une th&#233;orie de la r&#233;volution, Marseille, Senonevero, 2001, S. 566.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Facing Reality, 1958, S. 89.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist angebracht, diesbez&#252;glich zu anerkennen, dass die Gruppe Correspondence &#8211; deren Mitglied Boggs bis 1962 war &#8211; schon vor ihm zu diesem Schluss gekommen war: &#8222;Das Konzept einer &#220;bergangsphase hin zum Sozialismus von Marx und Lenin hat ebenfalls heutzutage in den fortgeschrittenen L&#228;ndern keinen Sinn mehr.&#8220; &lt;i&gt;Facing Reality&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 98.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/invariance/1re-serie/invariance-serie1-n08.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Transition&#8220;&lt;/a&gt;, 1969.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F. Santini, &lt;a href=&#034;https://www.pdf-archive.com/2017/09/29/francesco-santini-apocalipsis-y-supervivencia-1994/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Apocalipsis y supervivencia&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, S. 43.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;, op. cit., S. 172-176.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Proletariat ist ein &lt;i&gt;politisches&lt;/i&gt; Konzept. Alle Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen k&#246;nnen dar&#252;ber debattieren, was die kapitalistische Produktionsweise, die produktive Arbeit oder sogar die Arbeiterklasse ist. Das Konzept des Proletariats ist etwas anderes. Man kann zurecht die Widerspr&#252;che der kapitalistischen Produktionsweise als Tr&#228;ger seiner &#220;berwindung betrachten, aber diese Aussage bedeutet sogleich eine besondere gesellschaftliche und politische Positionierung innerhalb dieser Widerspr&#252;che, und nicht ihre einfache Anerkennung. Deshalb ist das Konzept immer intuitiv benutzt worden und kein einfaches Synonym der Arbeiterklasse, was auch immer die Vorbehalte gegen&#252;ber letzterem Begriff sein m&#246;gen.&#8220; &#8222;Contribution &#224; la th&#233;orie des classes&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 27, S. 288.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/negation/verre-eau-de-vichy.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;&lt;/a&gt;, S. 7.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220; in &lt;i&gt;Bulletin communiste&lt;/i&gt;, Beilage zur Nr. 1 von &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt;, Februar 1973, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 439-450.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article1077&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Bilan critique du Voyou&#8220;&lt;/a&gt;, Paris, September 1973.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Les classes&#8220; in &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt;, Nr. 2, Dezember 1973, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 451-462.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 16-17.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 442.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 441.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die italienische Bewegung von 1977 hatte eine besondere Lesart des &#8222;Drangs nach Kommunismus&#8220; (schon latent in den Texten von Le Mouvement communiste), gem&#228;ss welcher der &#8222;Motor&#8220; dieses Drangs nicht das Elend (im weitesten Sinne des Begriffs) sei, sondern die Entwicklung des Drangs nach &#8222;gr&#246;sster Produktivkraft&#8220;, und zwar die revolution&#228;re Klasse, die zu &#8222;reich&#8220; sei, um ins Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit zur&#252;ckgef&#252;hrt zu werden, und deshalb dazu tendiere, dieses Verh&#228;ltnis explodieren zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article574&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;R&#233;volutionnaire ? (notes sur la subversion)&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, Nr. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Les classes&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;, S. 453 und 461.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Interview mit Roland Simon von Th&#233;orie communiste (2005)</title>
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&lt;p&gt;Ein Interview mit Roland Simon von Th&#233;orie communiste. Erschienen in riff-raff Nr. 8. &lt;br class='autobr' /&gt;
Das Interview wurde in Posen, Polen am 18. August 2005 auf Franz&#246;sisch mit Hilfe von englischen Dolmetschern gef&#252;hrt. &lt;br class='autobr' /&gt;
RR: Roland, du bist Teil der Gruppe Th&#233;orie communiste in Frankreich, die seit Anfang der 1970er Jahre existiert. K&#246;nntest du uns kurz zusammenfassen, was die wesentlichen Gr&#252;nde f&#252;r die Gr&#252;ndung der Gruppe damals waren und wie sie sich allgemein &#252;ber die Jahre entwickelt hat? &lt;br class='autobr' /&gt;
RS: (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;, 
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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton74.jpg?1689268812' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ein Interview mit Roland Simon von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;. Erschienen in &lt;a href=&#034;http://libcom.org/library/riff-raff-no-8-communist-theory-beyond-ultra-left&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;riff-raff&lt;/i&gt; Nr. 8&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Interview wurde in Posen, Polen am 18. August 2005 auf Franz&#246;sisch mit Hilfe von englischen Dolmetschern gef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Roland, du bist Teil der Gruppe &lt;a href=&#034;https://sites.google.com/site/theoriecommuniste/home&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; in Frankreich, die seit Anfang der 1970er Jahre existiert. K&#246;nntest du uns kurz zusammenfassen, was die wesentlichen Gr&#252;nde f&#252;r die Gr&#252;ndung der Gruppe damals waren und wie sie sich allgemein &#252;ber die Jahre entwickelt hat?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Diese Frage wird am besten im Text &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/beyond-ultra-left-aufheben-11&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Th&#233;orie Communiste: Background and Perspective&#8220;&lt;/a&gt; beantwortet, er wurde in &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; Nr. 11 ver&#246;ffentlicht. Es ist sinnlos, zu wiederholen, was in diesem Text gesagt worden war, ausser jenen Moment zu pr&#228;zisieren, wo die Problematik von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ihren Fokus auf die Frage der Restrukturierung richtete, d.h.: eine zu Ende gehende Periode des Kapitals, der Abschluss eines Kampfzyklus und ein anderes Verh&#228;ltnis zwischen den Klassen, das entsteht. All dies erschien 1979 in der Nr. 3 von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;, wo wir uns unmittelbar mit der Schwierigkeit konfrontierten, zu versuchen, die Restrukturierung zu definieren; wir verwendeten verschiedene Ans&#228;tze, verschiedene Arten der Definition.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der erste Ansatz war allzu stark ausschliesslich auf den Arbeitsprozess fokussiert. Das war Ende der 1970er Jahre, als die Computerisierung und die Automatisierung in den Arbeitsprozess eingef&#252;hrt wurden. Wir waren also stark auf diese Transformation fokussiert und wir definierten die Restrukturierung als eine Aneignung gesellschaftlicher Produktivkraft der Arbeit in fixem Kapital, d.h. Arbeitsteilung, Kooperation. Wir sprachen danach von der Restrukturierung in eher formalistischer Art und Weise als Verwertungsprozess, der die Gesamtheit seiner eigenen Bedingungen durchdringt. Wir kamen somit zu etwas, das zunehmend die Gesamtheit des Reproduktionsprozesses umfasste. Wir unterstrichen besonders die Transformation der Modalit&#228;ten der Reproduktion von Arbeitskraft und das Verh&#228;ltnis zwischen dem Produktionsprozess und dem Markt. Die Schwierigkeit, mit welcher wir konfrontiert waren, war die Tatsache, dass wir die Gefahr erkannten, die Besonderheit des Arbeitsprozesses aufzul&#246;sen und alles durcheinanderzubringen. Wir standen an der Schwelle zur Ketzerei...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun kamen wir schliesslich zur Definition der Restrukturierung als Abschaffung von allem, was ein Hindernis f&#252;r die Selbstvoraussetzung des Kapitals, seiner Fluidit&#228;t, darstellen k&#246;nnte. Mit diesem Ansatz erhielten wir eine Besonderheit des Reproduktionsprozesses der produktiven Arbeitskraft aufrecht, w&#228;hrend wir gleichzeitig die Transformation des gesamten Reproduktionsprozesses im Blick behielten. Ich werde hier nicht im Detail auf die Restrukturierung eingehen, aber sie impliziert, zum Beispiel, die Aufl&#246;sung der Opposition zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit durch die Flexibilisierung; in Bezug auf den Markt gibt es die Theorie der Fl&#252;sse; dazu kommt das Verschwinden der Trennung der Akkumulation in nationale Zonen, das Ende der Unterscheidung zwischen Zentrum und Peripherie, das Verschwinden des Ostblocks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die haupts&#228;chliche Folge dieser Restrukturierung ist somit die &#220;berwindung des Widerspruchs, welcher den gesamten vorhergehenden Zyklus charakterisiert hatte. Das bedeutet, den Widerspruch zwischen einerseits einer Produktivkraft der Arbeit, die vom Kapital auf immer gesellschaftlichere und kollektivere Art und Weise erschaffen, reproduziert und zum Arbeiten gebracht wird. Und gleichzeitig die Form der Aneignung durch das Kapital dieser gesellschaftlichen/kollektiven Produktivkraft der Arbeit, die ab einem gewissen Punkt als begrenzt erscheint. Sie erscheint zum Beispiel als Hindernis auf der Ebene des Arbeitsprozesses in den Problemen, die in den Produktionslinien entstehen, und auf der Ebene der Reproduktion in der Krise des Wohlfahrtsstaates. Somit hat das Kapital gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit erschaffen, die zu einem Hindernis f&#252;r die Verwertung geworden ist. Das bedeutet, dass, da die Formen dieser gesellschaftlichen Macht starr werden (das k&#246;nnten die Widerstandsformen in der Produktionslinie, die Probleme des Wohlfahrtsstaates sein), die vergesellschaftlichte Reproduktion der Arbeitskraft durch das Kapital ab einem gewissen Punkt zu einem Hindernis f&#252;r seine Verwertung wird. Im vorhergehenden Kampfzyklus manifestierte sich diese antagonistische Situation als eine Arbeiteridentit&#228;t, welche die Grundlage aller Determinierungen des vorhergehenden Zyklus war. Eine Arbeiteridentit&#228;t, die dar&#252;ber hinaus durch die Reproduktion des Kapitals in der Kluft zwischen der vom Kapital erschaffenen gesellschaftlichen Kraft und den Formen, durch welche es sie sich aneignete, best&#228;tigt wurde. Es war diese Situation, welche die Restrukturierung abschaffte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Gibt es andere theoretische Traditionen, abgesehen von der deutsch-holl&#228;ndischen Linken, die euch inspiriert haben, wie der Operaismus/autonome Marxismus oder vielleicht die Regulationsschule? Und was konnte (oder nicht) bei Bordiga und der italienischen Linken gefunden werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Die haupts&#228;chliche Zugeh&#246;rigkeit von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ist die deutsch-holl&#228;ndische Linke. Um noch einmal auf die erste Frage Bezug zu nehmen, die Leute, welche &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; gr&#252;ndeten, kamen von einer r&#228;tekommunistischen Tradition. Wir erkl&#228;rten in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; Nr. 14 unser Verh&#228;ltnis zur Ultralinken und ich kann die Definition der Ultralinken geben, die wir formulierten:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir k&#246;nnen als ultralinks jegliche Praxis, Organisation und Theorie bezeichnen, welche die Revolution als Affirmation des Proletariats setzt. Gleichzeitig wird diese Affirmation als eine Kritik und Negation von allem betrachtet, was das Proletariat in seiner Verstrickung mit dem Kapital und dem Staat definiert, letztere werden nur als integrierende Vermittlungen gesehen. In diesem Sinn ist die Ultralinke ein prozessierender Widerspruch. Weshalb? Weil die Revolution sich mit der St&#228;rke der Klasse selbst als Klasse der kapitalistischen Produktionsweise konfrontieren muss. Als Illustration daf&#252;r: Das ist die Trag&#246;die der deutschen Revolution. Weil diese Affirmation einerseits ihre St&#228;rke in ihrer eigenen Rechtfertigung und Daseinsberechtigung findet. Andererseits ist es dieses gleiche Wesen innerhalb des Kapitals, das ein Wesen f&#252;r das Kapital ist, das seine Autonomie verlangen muss, zu einem Wesen f&#252;r sich werden muss. Das ist der extreme Punkt, wo wir fast die M&#246;glichkeit finden k&#246;nnen, die Revolution als Selbstnegation des Proletariats zu formulieren. Doch auf ihrer eigenen Grundlage kann sie nicht weitergehen. Es ist wie Moses vor dem versprochenen Land.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die italienische Linke betrifft, dieser Punkt, fast f&#228;hig zu sein, die Revolution als Verschwinden der Klassen zu sehen, ist etwas, das in der deutsch-holl&#228;ndischen Linken sehr wichtig ist, aber in der italienischen Linken fast nicht existiert &#8211; nur in sehr marginalen Texten, die mehr oder weniger klandestin bleiben. Ihr Ansatz ist unf&#228;hig, zu diesem Punkt zu gelangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Operaismus: Wir haben manchmal gewisse Formulierungen des Operaismus wie zum Beispiel die zentrale Arbeiterfigur und die Klassenzusammensetzung &#252;bernommen. Doch wir brauchen sie als bedeutsame Bilder, nicht als strikte theoretische Kategorien. Vor &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;, zu Beginn der 1970er Jahre, hatten wir eine Zeitschrift namens &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt; und einer der ersten Texte war eine Kritik des Konzepts des politischen Lohnes. Somit will ich sagen, dass m.E. der Operaismus nie &#252;ber seine Wurzeln in der italienischen Linken hinausgegangen ist [Linke des Mainstreams, z.B. KP, CGT, Anmerkung von Roland]. Auf polemische Art und Weise k&#246;nnte man den Operaismus als radikalen Syndikalismus definieren, der auf ein politisches Wunder hofft. Ich denke, dass die von ihnen erstrebte &#8222;Entgegenst&#228;ndlichung&#8220; nichts anderes als eine Ver&#228;nderung des Standpunktes war. Nur weil wir etwas nicht mehr von der gleichen Seite betrachten, bedeutet das nicht, dass die Sache selbst sich &#228;ndert. In Bezug auf die gegenseitige Verstrickung des Proletariats und des Kapitals sahen sie diese nie als Totalit&#228;t. F&#252;r sie blieb sie immer eine Interaktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug auf die Regulationsschule: Auch hier &#252;bernehmen wir gewisse Begriffe und sogar gewisse Analysen, zum Beispiel den Fordismus, die Krise des Fordismus. Aber obwohl wir den Begriff &#8222;Fordismus&#8220; aufgreifen, sind wir gegen die Idee der Verteilung/des Teilens der Produktivit&#228;tsgewinne. Es geht nicht um ein Teilen der Produktivit&#228;tsgewinne, sondern um eine Transformation innerhalb des Werts der Arbeitskraft, der Wert der Arbeit wird auch historisch definiert und die Transformationen des Kapitals transformieren ihrerseits diesen historischen Charakter des Werts. In der Regulationstheorie gibt es eine methodische Falle: Ein Prinzip des Verst&#228;ndnisses der Wirklichkeit, das im Nachhinein konstruiert wird, wird in ein Prinzip zum Vornhinein verwandelt. Die Regulationstheorie ist nicht auf ein Prinzip der Interpretation der wirtschaftlichen Prozesse beschr&#228;nkt; doch diese Koh&#228;renz, welche ein Prinzip des Verst&#228;ndnisses ist, wird der kapitalistischen Produktionsweise als immanente Wirklichkeit gew&#228;hrt. Diese Kritik der Regulationsschule w&#228;re nicht sehr interessant, wenn sie bloss eine Kritik bliebe, doch wir sehen in zeitgen&#246;ssischen Ausdr&#252;cken die Reproduktion dieser Falle. Anstatt die Restrukturierung als real existierenden Kapitalismus und als konstituierend f&#252;r ihn als System zu betrachten, liegt der Fehler darin, in der Definition der Restrukturierung die bestm&#246;gliche Koh&#228;renz (zwischen den wirtschaftlichen Prozessen) zu suchen. Um es geradeheraus zu sagen, ich denke, dass das der Fehler Dauv&#233;s ist, wenn er die Frage der Restrukturierung aufnimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der andere wichtige Einfluss f&#252;r uns war die Situationistische Internationale. Sie geh&#246;rten zu den Ersten, die f&#228;hig waren, von Revolution als Abschaffung aller Klassen zu sprechen. Aber sie taten es inmitten einer ganzen Reihe von Widerspr&#252;chen. Zuerst, indem sie gleichzeitig von Arbeiterr&#228;ten sprachen, aber auch, indem sie durch den Diskurs &#252;ber die Aufhebung und Verwirklichung der Kunst nach einem Ausweg suchten. Ich denke, dass die SI den Programmatismus zu seinem Explosionspunkt gebracht hat. Zum Beispiel in der doppelten Definition, welche die Situationisten vom Proletariat hatten: Sie sahen sich selber tief in der &#8222;alten Arbeiterbewegung&#8220; verwurzelt und waren sogar stolz darauf, dieses Erbe zu beanspruchen, doch gleichzeitig offerierten sie einen alternativen Aspekt der Definition des Proletariats als all jene, welche keine Kontrolle &#252;ber ihr Leben haben und es wissen. Und mit der Theorie des Proletariats und seiner Repr&#228;sentation, die es ihnen erlaubt, alles, was die Existenz der Klasse innerhalb des Kapitals sein k&#246;nnte, in der Kategorie der Repr&#228;sentation zu platzieren, und damit eine Art innerer Widerspruch innerhalb des Proletariats zu kreieren, der erkl&#228;rt, dass es sich selbst als Klasse &#252;berwinden kann. Es ist der am weitesten entfernte Punkt, wohin man innerhalb des Programmatismus der SI gelangen konnte. Dieser Explosionspunkt zeigt sich in der Unm&#246;glichkeit f&#252;r Debord, seine Theorie des Spektakels zusammenzuschn&#252;ren. Er versucht immer, zu sagen, dass das Spektakel keine Maske, keine Illusion ist, es ist Realit&#228;t. Doch woher kann ab diesem Punkt die &#220;berwindung (die Revolution) kommen? Meiner Meinung nach ist das das Problem, mit welchem Debord in der &lt;i&gt;Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt; durchgehend ringt. Denn innerhalb der Theorie des Spektakels der SI gibt es eine Theorie, die wir vulg&#228;r nennen k&#246;nnen, die Theorie der Illusion. Es ist der von Vaneigem, Theo Frey und Jean Garneau repr&#228;sentierte Ansatz und er entspricht nicht der Theorie des Spektakels, die wir in Debords Buch finden k&#246;nnen. Das ist sein ganzes Problem: Debord will aus dem Spektakel nicht eine Maske oder eine Illusion machen. Aber tats&#228;chlich war die Theorie, mit welcher die SI praktisch funktionierte, die vulg&#228;re Theorie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und im Verh&#228;ltnis zur italienischen Linken&#8230; Wie ich gesagt habe, wir nahmen nicht sehr viel. Ihre Kritik der deutschen Linken nat&#252;rlich; die Kritik der Revolution als Selbstverwaltung und ihr Beharren auf den Inhalt der Revolution als Abschaffung des Werts und der Lohnarbeit. Aber es ist eine Kritik, die leninistisch bleibt in dem Sinne, dass man weiterhin von staatlicher Planung und von einer &#220;bergangsphase spricht. Eine andere wichtige Sache ist die Kritik der Demokratie. Doch es ist eine Kritik, die formal und abstrakt bleibt, d.h. sie kritisiert den B&#252;rger bloss als eine Form, die auf der Existenz des Werts und der Ware gegr&#252;ndet ist &#8211; sie geht nicht bis zum Punkt des Kapitalfetischismus selbst. Denn im Kapitalfetischismus wird dieser Fetischismus des Individuums des Handels, des Werts, der Ware, welches das demokratische Individuum ist, im Fetischismus der Elemente des Produktionsprozesses aufgegriffen, d.h. im Kapitalfetischismus selbst, was erkl&#228;rt, wie wir innerhalb der Demokratie, der Funktionsweise der Demokratie, unter diese fetischisierten Formen, die Klasse wiederentdecken k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der andere Punkt der italienischen Linken w&#228;re die Kritik des Antifaschismus, doch das finden wir auch in der deutschen Linken und auf die fast gleiche Art und Weise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich die Theoretiker, die f&#252;r uns wichtig sind:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Luk&#225;cs: Die Theorie der Verdinglichung, die wir manchmal benutzen, um die Selbstvoraussetzung des Kapitals zu definieren, es besteht ein Verh&#228;ltnis zwischen den beiden Konzepten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Korsch: Besonders wenn er den &#220;berblick verliert und Fehltritte macht, dann ist er am interessantesten &#8211; zum Beispiel in den &#8222;Zehn Thesen &#252;ber den Marxismus heute&#8220;. Denn dort sieht er wie einige andere Theoretiker die Grenzen, die Sackgasse des Programmatismus, doch ist gleichzeitig an der Schwelle dazu, jegliche Klassentheorie aufzugeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann ist da noch Mattick mit seinen &#246;konomischen Texten. Sonst, in seinen politischen Texten, bleibt er auf der absolut klassischen Ebene der Ultralinken. Doch seine &#246;konomischen Texte sind wesentlich, allen voran seine Kritik von Rosa Luxemburgs &lt;i&gt;Die Akkumulation des Kapitals&lt;/i&gt;: Dort argumentiert er, dass die Krise gleichbedeutend mit dem tendenziellen Fall der Profitrate ist &#8211; es ist nicht eine Frage der M&#228;rkte; es ist nicht eine Frage der Realisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und schliesslich mit viel Vorsicht Althusser mit seiner Kritik des hegelianischen Marxismus und des Humanismus. Ich denke, dass diesbez&#252;glich Althusser, Balibar und manchmal Ranci&#232;re wesentlich sind. Deswegen werden wir nicht seine Theorie des epistemologischen Bruches aufgreifen oder den Marxismus als Wissenschaft behandeln. Aber man kann viel lernen von der Kritik des Humanismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Wie siehst du das Verh&#228;ltnis zwischen einerseits &#8222;Revolution&#228;ren&#8220;/theoretischen Gruppen, wie eurer, und andererseits der Arbeiterklasse und ihren K&#228;mpfen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Wir denken, dass Klassenkampf notwendigerweise theoretisch ist. Jeder Kampf produziert Theorie. Nat&#252;rlich m&#252;ssen wir unterscheiden zwischen Theorie im weiten Sinne, wovon ich hier spreche, und Theorie im engen Sinne, die das Produkt von einigen Leuten in einer Gruppe irgendwo ist. Im weiten Sinne ist der Punkt, dass das Proletariat sich immer bewusst ist, was es tut, und ich nenne dieses Bewusstsein theoretisch, denn es kann kein Selbstbewusstsein sein. Und dieses Bewusstsein verl&#228;uft immer &#252;ber eine Kenntnis des Kapitals, die Vermittlung des Kapitals. Eben weil es &#252;ber ein Anderes verl&#228;uft, kann ich es nicht Selbstbewusstsein nennen, deshalb nenne ich es theoretisches Bewusstsein. Dieses theoretische Bewusstsein, das innerhalb der globalen Oppositionsbewegung gegen das Kapital existiert, endet in der Reproduktion des Kapitals. Und zu diesem Zeitpunkt wird Theorie in einem engen Sinn artikuliert. Diese enge Theorie wird zur Kritik der Tatsache, dass das Bewusstsein der Opposition in der Reproduktion, in der Selbstvoraussetzung des Kapitals endet. In diesem Sinne ist Theorieproduktion in all ihrer Vielfalt und in all ihren Verschiedenheiten genauso Teil des Klassenkampfes wie jede andere T&#228;tigkeit, die ihn konstituiert. An diesem Punkt hat die Frage &#8222;Was tun?&#8220; &#252;berhaupt keinen Sinn mehr; wir versuchen nicht mehr, als Theoretiker oder Aktivisten mit einer konstituierten Theorie in K&#228;mpfe zu intervenieren. Das bedeutet, dass, wenn wir selber in einen Konflikt verwickelt sind, wir auf der gleichen Ebene handeln wie alle anderen; und obwohl wir nicht vergessen, was wir sonst tun, ist die Art und Weise, wie wir es nicht vergessen, indem wir anerkennen, dass der Kampf, in den wir verwickelt sind, selbst Theorie neu bearbeitet, umformuliert und produziert. Ich denke, dass wir auf diese Art und Weise in einen Kampf verwickelt sein k&#246;nnen, ohne zu vergessen, was wir sonst tun: F&#228;hig sein, den Kampf selbst als etwas zu sehen, das Theorie produziert. Dazu muss gesagt werden, dass Theorie nie pr&#228;existent als Projekt oder fertiges Verst&#228;ndnis sein kann. Zum Beispiel, w&#228;hrend den Streiks 2003 war ich ziemlich aktiv involviert in einem Streikkomitee an meinem damaligen Arbeitsplatz. Und das gab mir die Gelegenheit, zu sehen, wie die Positionen des B&#252;rgersinns und des radikalen Demokratismus eine notwendige Form war, die der Kampf annahm, und nur wenn man diese Notwendigkeit versteht, kann man sie kritisieren und sich ihr nicht einfach als etwas schlichtweg Falsches entgegensetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um zum vorhergehenden Punkt zur&#252;ckzukommen: Was ich damit meine, dass das Proletariat nicht ein unmittelbares Selbstbewusstsein ist &#8211; dass es sich selber nicht einfach auf seiner eigenen Grundlage kennt, sondern nur in der Vermittlung des Kapitals und durch sie &#8211;, das k&#246;nnte man von der Bourgeoisie auch sagen. Der Unterschied ist, dass das Kapital Arbeit subsumiert und nicht umgekehrt, was bedeutet, dass in diesem Gegensatz das Selbstbewusstsein der Bourgeoisie wirklich zu einem Selbstbewusstsein werden kann, weil es den Anderen in seinen Pol integriert hat, was in Bezug auf das Proletariat nie geschehen k&#246;nnte und nicht der Fall ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: In den Diskussionen zwischen &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; kann man sehen, dass eure historische Periodisierung des Kapitalismus auf der Grundlage der Konzepte formelle/reelle Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit &#8211; besonders die Idee einer zweiten Phase der reellen Subsumtion &#8211; scheinbar ein Hindernis war. Kannst du kurz erkl&#228;ren, auf welchen Grundlagen ihr die verschiedenen Phasen unterteilt und auch welche Kontinuit&#228;ten und Unterschiede zwischen eurem und dem Marxschen Gebrauch dieser Terminologie bestehen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Diese Frage enth&#228;lt drei Punkte. Der erste ist die Frage der Periodisierung. Der zweite ist, weshalb diese Periodisierung im Verh&#228;ltnis zu &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; zu einem Hindernis geworden ist. Der dritte Punkt ist die Frage des Verh&#228;ltnisses zu den kanonischen Texten von Marx und den Definitionen von formeller und reeller Subsumtion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. Betreffend der Frage der Periodisierung kann ich auf die Diskussion mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; verweisen, wo die Restrukturierung, die Ver&#228;nderungen und ihre Gr&#252;nde diskutiert werden. Und ich kann auch auf meine Antwort auf die erste Frage verweisen, wo ich erkl&#228;rte, wie die Restrukturierung zuerst definiert worden war und die Schwierigkeiten, die wir hatten, um sie zu definieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. Die Frage der Periodisierung war nicht ein Hindernis; sie war sogar der zentrale Punkt der Diskussion im Verh&#228;ltnis mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt;. Was, so denke ich, mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; geschah, war, dass der zentrale Punkt der Periodisierung einen anderen Punkt traf und das wurde zu einem Hindernis. Dieser versteckte Punkt, dieser andere Punkt war die Definition des laufenden Kampfzyklus, der Autonomie, der Selbstorganisation, um das ging es in Wirklichkeit. Zuzugeben, dass die von uns vorgeschlagene Periodisierung diese politischen Punkte in Frage stellte und nicht nur einige theoretische, allgemeine und abstrakte Fragen zur Periodisierung des Kapitals. Sie stellte auch eine gewisse Konzeption der Revolution als ein zu sich selbst zur&#252;ckkehrendes Subjekt in Frage, als eine gewisse humanistische Konzeption der Revolution. Sie wurde zu einem Hindernis, weil die Frage der Periodisierung alle Fragen der Autonomie auf den Tisch brachte, das zu sich selbst zur&#252;ckkehrende Subjekt, die Selbstorganisation und das kam letztendlich bei den j&#252;ngsten Diskussionen mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; heraus und das war der eigentliche Ursprung unserer Austausches.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. Es scheint mir, dass die Diskussionen der reellen Subsumtion bei Marx stets ambivalent sind. Reelle Subsumtion basiert auf der Theorie der relativen Mehrwertextraktion. Somit auf der Entwicklung des Maschinenbetriebs, der Steigerung der Produktivit&#228;t. Gleichzeitig kann relativer Mehrwert nur existieren, wenn die Waren, welche f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft notwendig sind, selbst auf kapitalistische Art und Weise produziert werden. Somit kann in diesem Sinn reelle Subsumtion nicht einfach auf der Grundlage der Transformation des Produktionsprozesses definiert werden. In diesem Sinne, dass der Begriff der reellen Subsumtion das impliziert, was ich eine kapitalistische Gesellschaft nenne (es ist nicht eine exzellente Formulierung); was die Integration der Reproduktion der Arbeitskraft in den Kapitalzyklus selbst und sogar die Transformation des Konflikts zwischen Kapital und Arbeit als Dynamik des Kapitals bedeutet. Und das war nicht historisch mit dem Erscheinen der Maschine gegeben und deshalb scheint es, dass die Definition der reellen Subsumtion in den Texten von Marx h&#246;chst ambivalent ist. Marx war ein Kind seiner Zeit, die Tatsache, dass er diese Ambivalenz schon wahrgenommen hat, ist schon als solche aussergew&#246;hnlich, aber wir k&#246;nnen nicht mehr verlangen. Man kann nicht mehr als sein Letztes geben&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: F&#252;r dieses Sommercamp habt ihr einen Text f&#252;r einen Workshop vorbereitet, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/self-organisation-is-the-first-act-of-the-revolution-it-then-becomes-an-obstacle-which-the-revolution-has-to-overcome&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kommunisierung vs. Selbstorganisation&#8220;&lt;/a&gt;. Kannst du uns ein bisschen mehr &#252;ber diesen Text und &#252;ber deine Erwartungen an die Diskussionen des Workshops erz&#228;hlen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Dieser Text ist etwas ziemlich Neues in der Problematik von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;. In diesem Text, durch diese Diskussionen hier, ist &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; dabei, ein bisschen optimistisch zu werden. Das heisst, bis vor kurzem betrachteten wir das, was als Dynamik dieses Kampfzyklus definiert werden kann &#8211; dass das Proletariat sich selbst in seinem Verh&#228;ltnis mit dem Kapital in Frage stellt &#8211;, komplett mit der Frage des Handelns als Klasse, das die Grenze dieses Kampfzyklus ist, verstrickt war. Somit sahen wir das Konzept der Grenze und jenes der Dynamik als fast identisch in unserer Sichtweise auf die K&#228;mpfe bis jetzt. In diesem Text erscheint eine Trennung zwischen dem Konzept der Grenze und jenem der Dynamik. Sie wird in verschiedenen Beispielen unter dem Titel &#8222;Angek&#252;ndigter Bruch&#8220; entwickelt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dieser Bruch k&#252;ndigt sich mit der zunehmenden Trennung innerhalb des Klassenkampfes an. Als Klasse zu handeln, als Klasse zu k&#228;mpfen, ist die heutige Grenze des Klassenkampfes, doch diese Handlung ist einerseits die Reproduktion des Kapitals und die Lohnk&#228;mpfe innerhalb der Kategorien des Kapitals und andererseits die Infragestellung seiner eigenen Existenz als Klasse innerhalb des Widerspruchs mit dem Kapital durch das Proletariat. Diese Trennung zwischen den beiden Seiten ist die Trennung zwischen Grenze und Dynamik.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, &#034;Self-Organisation Is the First Act of the Revolution; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Die letzte Frage betrifft das Verh&#228;ltnis zwischen deiner Gruppe und Gilles Dauv&#233;. Wir ver&#246;ffentlichten 2004 ein Buch mit schwedischen &#220;bersetzungen von verschiedenen Texten Dauv&#233;s, u.a. &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/capitalism-communism-gilles-dauve&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kapitalismus und Kommunismus&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/3-leninism-ultra-left&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Leninismus und die Ultralinke&#8220;&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/zirkular/50/z50dauve.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;&lt;/a&gt;. Zuvor hatten wir auch den Text &lt;a href=&#034;http://troploin0.free.fr/biblio/lovlabuk/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Arbeiten oder nicht arbeiten? Ist das die Frage?&#8220;&lt;/a&gt; &#252;bersetzt, er ist eine implizite Kritik von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;. Und in der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift ver&#246;ffentlichten wir eine Korrespondenz zwischen Mitgliedern unserer Redaktion und Dauv&#233;, die sich viel um &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; drehte. Nun denken wir, dass es nichts als fair ist, dich &#252;ber deine Sicht zu den Meinungsverschiedenheiten zwischen deiner Gruppe und Dauv&#233; zu befragen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Zuerst, wenn wir so viel mit Dauv&#233; streiten, dann weil wir schon so viel gemeinsam haben, z.B. den Begriff Kommunisierung und das Bed&#252;rfnis, zu einem synthetischen Verst&#228;ndnis der Periode zu gelangen, die Frage nach dem Verh&#228;ltnis zwischen der Transformation des Kapitals und dem Klassenkampf zu stellen usw. Es ist, weil wir beide einen Ansatz haben, den ich als theoretisch bezeichnen w&#252;rde, dass wir so viel streiten k&#246;nnen. Nachdem das gesagt ist, die haupts&#228;chliche Meinungsverschiedenheit mit Dauv&#233; ist seine Konzeption der Invarianz des Kommunismus als Streben nach der menschlichen Gemeinschaft. Ich denke, dass diese Konzeption Dauv&#233;s, die Invarianz des Strebens nach der menschlichen Gemeinschaft, in Wirklichkeit das ist, was ich eine Arbeiterrevolution mit menschlichem Antlitz der Periode von Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre nennen w&#252;rde. Es ist eine Sichtweise, die einer spezifischen historischen Periode entspricht und die Dauv&#233; als Invarianz des Kommunismus auffasst. Verbunden mit dieser Problematik ist die Frage des Determinismus und die Frage der Revolution als freie T&#228;tigkeit. Wenn Dauv&#233; z.B. sagt, der Kommunismus sei, dass wir unsere Leben in unsere eigenen H&#228;nde nehmen, was w&#228;re eine Revolution wert, zu welcher wir trotz uns selbst gedr&#228;ngt werden? Es ist diese Art von Satz, die f&#252;r mich keinen Sinn hat und mit der Problematik des Kommunismus als mehr oder weniger ewiges Streben nach der menschlichen Gemeinschaft verbunden ist, denn wenn ich als Proletarier gedr&#228;ngt werde, dann nicht trotz mir selbst. Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; und Dauv&#233; lassen sich von diesem grundlegenden Punkt ableiten, denn vom Moment an, wo man das als Streben nach Kommunismus definiert, hat die Periodisierung der kapitalistischen Produktionsweise keinen Sinn mehr. Wir k&#246;nnen also sagen, dass gegenw&#228;rtig das Kapital das gleiche ist wie 1860, das ist es, was Dauv&#233; sagt, und es ist m.E. absolut wahr, aber absolut nutzlos, denn von diesem Punkt an wird jegliche Periodisierung des Kapitals zu einer einfachen Aff&#228;re der Verkn&#252;pfung gegebener Momente und jegliche Versuche der Periodisierung des Kapitals werden somit als deterministisch verurteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein andere Konsequenz dieser Sichtweise des Kommunismus, die in Wirklichkeit jene des Endes der 1960er und des Anfangs der 1970er Jahre ist, ist die Unm&#246;glichkeit, das Kapital jenseits des Fordismus zu verstehen. Somit, wie ich es in Bezug auf die Regulationsschule gesagt habe, die Unm&#246;glichkeit, die real existierende Restrukturierung als Restrukturierung zu sehen. Es gibt kein Modell der Restrukturierung. Da &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; alle Theorien des Kommunismus als revolution&#228;res Wesen des Proletariats oder als menschliches Streben nach Gemeinschaft aufgeben hat, wird die Frage &#8222;Wie kann es geschehen?&#8220; nur an &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; gerichtet. Es scheint, dass alle anderen Theorieproduktionen davon dispensiert sind, diese Frage zu beantworten. Wir fragen sie nicht, weil sie, ob sie nun an das revolution&#228;re Wesen, das Streben nach der menschlichen Gemeinschaft oder eine Form der eines Tages triumphierenden Selbstorganisation glauben, die L&#246;sung schon haben und somit davon dispensiert sind, die Frage &#8222;Wie kann es geschehen?&#8220;, zu beantworten. Weil sie in ihrem revolution&#228;ren Wesen, in ihrem Streben nach der menschlichen Gemeinschaft oder in ihrem grossen historischen Bogen der Entfremdung, in ihrer Formulierung schon ihre Antwort gegeben haben. Es ist, weil &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; nicht die Antwort schon innerhalb der Frage platziert hat, dass wir uns tats&#228;chlich diese Frage stellen k&#246;nnen und wie immer wir sie auch beantworten m&#246;gen, werden wir immer des Determinismus bezichtigt, weil wir Geschichte ber&#252;cksichtigen. Somit haben wir uns, indem wir all diese Formulierungen aufgegeben haben, das Leben kompliziert gemacht, denn wir haben nichts mehr ausser die Ausbeutung als den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, ihre gegenseitige Verstrickung und die Geschichte des Kapitals als Geschichte dieses Widerspruchs. Und nur damit k&#246;nnen wir arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit kann es im Verh&#228;ltnis zur Revolution keine normative Haltung mehr geben. Kommunismus und Revolution sind historische Hervorbringungen. Wenn du eine normative Haltung hast, kannst du in Bezug auf den Prozess des Klassenkampfes sagen, dass da oder dort etwas fehlt &#8211; all die &#8222;sie h&#228;tten das tun sollen&#8220; oder &#8222;sie taten das nicht&#8220;, die man im Text &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220; findet. Was bedeutet, dass du weisst, was die Revolution sein muss. Und das, was du weisst, dass die Revolution sein muss, ist auf jede Epoche anwendbar. Du wirst sagen, dass die Aufst&#228;ndischen im Juni 1848 dieses oder jenes nicht tun konnten, die deutschen Arbeiter 1919/1920 dieses oder jenes h&#228;tten tun sollen, und wenn du versuchst, zu verstehen, was sie unter den gegebenen Bedingungen taten, an und f&#252;r sich, wird du unmittelbar des Determinismus bezichtigt. Ab diesem Punkt scheint das Problem des Determinismus gel&#246;st zu sein, denn wir haben alles getan, um zu verhindern, dass das Problem der Geschichte auf den Tisch gebracht wird. Was bedeutet, dass das Werden, die Geschichte selbst eliminiert wird. Und m.E. ist das der Punkt, wo man zu einer wahrhaft deterministischen Position kommt. Denn wir warten auf nichts anderes, als darauf, dass ein Zufall geschieht. Aller Determinismus wird im revolution&#228;ren Wesen des Proletariats platziert und Geschichte ist von da an nur noch da, um von Zeit zu Zeit eine Trennung zwischen der Wirklichkeit, eines Zeitpunkts oder einer Bewegung und dem Modell zu zeigen. Dann kann man nat&#252;rlich, wie dies Dauv&#233; und Nesic tun, viele Beispiele auff&#252;hren, aber was bemerkenswert ist, wenn man z.B. &#8222;Arbeiten oder nicht arbeiten?&#8220; liest, ist die Tatsache, dass diese Beispiele klar chronologisch geordnet sind, aber wenn sie irgendwie anders geordnet w&#228;ren, w&#252;rde das an der Demonstration &#252;berhaupt nichts &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur um die Frage zu beenden, es gibt auch ein grosses Missverst&#228;ndnis &#252;ber die Art und Weise, wie wir die M&#246;glichkeit der Kommunisierung pr&#228;sentieren: Wenn wir sagen &#8222;Jetzt zeigt sich die Revolution auf diese Art und Weise&#8220;, sagen wir gewiss nicht &#8222;Schliesslich zeigt sie sich, wie sie sich immer h&#228;tte zeigen sollen&#8220;, wir sagen auch nicht, dass das Kapital die Probleme an Stelle der Proletarier gel&#246;st hat, denn um sich das vorstellen zu k&#246;nnen, w&#228;re es notwendig, dass diese Probleme schon vor der Restrukturierung existierten und die vorhergehende Periode determinierten. Aber z.B. das Problem der Unm&#246;glichkeit des Programmatismus, das von der letzten Restrukturierung auf den Tisch gebracht worden ist, war kein Problem w&#228;hrend der Periode des Programmatismus selbst, wo er der eigentliche Kurs der Revolution war, und wenn das Kapital das Problem des Programmatismus gel&#246;st hat, dann sollte man nicht vergessen, dass es durch eine Restrukturierung geschah, d.h. durch eine Konterrevolution, die L&#246;sung ist gegen die Proletarier hervorgebracht worden und nicht als Geschenk des Kapitals. Und heutzutage impliziert die Problematik der Revolution als Kommunisierung Probleme, die nicht minder furchtbar sind als jene des Programmatismus, denn wenn das Handeln der Klasse zur eigentlichen Grenze des Klassenkampfes wird, und du kannst die Revolution nur mit diesem Handeln und durch dieses Handeln machen, dann hast du einige beschissene Probleme.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/interview-roland-simon&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/self-organisation-is-the-first-act-of-the-revolution-it-then-becomes-an-obstacle-which-the-revolution-has-to-overcome&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Self-Organisation Is the First Act of the Revolution; It then Becomes an Obstacle which the Revolution Has to Overcome&#034;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Eine Welt ohne Geld: Kommunismus (1975-1976)</title>
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		<dc:subject>Bruch in der Theorie 1965-1980</dc:subject>

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&lt;p&gt;I. Was ist der Kommunismus? &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Kommunismus ist die Negation des Kapitalismus. Eine durch die Entwicklung und den Erfolg der kapitalistischen Produktionsweise selbst hervorgebrachte Bewegung, die sie schliesslich zerst&#246;ren und eine neue Art der Gesellschaft erschaffen wird. Dort, wo eine Welt basierend auf der Lohnarbeit und der Ware existiert, muss eine Welt entstehen, wo die menschliche T&#228;tigkeit nie mehr Lohnarbeit sein wird und die Produkte derselben nie mehr Handelsobjekte sein (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Bruch-in-der-Theorie-1965-1980" rel="tag"&gt;Bruch in der Theorie 1965-1980&lt;/a&gt;

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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;I. Was ist der Kommunismus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist die Negation des Kapitalismus. Eine durch die Entwicklung und den Erfolg der kapitalistischen Produktionsweise selbst hervorgebrachte Bewegung, die sie schliesslich zerst&#246;ren und eine neue Art der Gesellschaft erschaffen wird. Dort, wo eine Welt basierend auf der Lohnarbeit und der Ware existiert, muss eine Welt entstehen, wo die menschliche T&#228;tigkeit nie mehr Lohnarbeit sein wird und die Produkte derselben nie mehr Handelsobjekte sein werden. Unsere Epoche ist jene dieser Transformation. Sie vereinigt die Elemente der Krise des Kapitalismus und die notwendigen Materialien f&#252;r die kommunistische L&#246;sung dieser Krise. Wir werden versuchen, die Prinzipien des Kommunismus zu beschreiben, zu untersuchen, wie sie k&#252;nftig das Leben der Menschheit garantieren k&#246;nnen, und zu zeigen, dass sie vor unseren Augen schon am Werk sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Science-Fiction?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wollen die Welt von morgen skizzieren, die kommunistische Gesellschaft, wovon wir tr&#228;umen. Es geht nicht darum, mit der Science-Fiction oder dem Journalismus zu rivalisieren, indem wir eine Reportage &#252;ber das Leben der Leute und der Tiere in der Zukunft schreiben. Wir verf&#252;gen &#252;ber keine Zeitmaschine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz der Bedeutung der Frage k&#246;nnen wir nicht vorhersehen, wer gewinnen wird im sie entgegensetzenden Krieg, die Hose oder das Kleid, die Gem&#252;sebouillon oder die Schwalbennestersuppe. Im schlimmsten Fall k&#246;nnen wir nicht einmal garantieren, dass die Menschheit eine Zukunft haben wird. Wer garantiert uns, dass wir nicht von einem Atomkrieg oder einer kosmischen Katastrophe hinweggefegt werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz allem bleibt die Voraussicht w&#252;nschbar und m&#246;glich. Wir versuchen, die kommunistische Gesellschaft auf der Grundlage ihrer allgemeinen Funktionsregeln zu beschreiben, indem wir konstant auf ihre Differenzen in Bezug auf die bestehende Gesellschaft verweisen. Es gilt, zu zeigen, dass die Zukunft besser sein kann als eine verbesserte oder &#252;berarbeitete Gegenwart.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um nicht allzu fad zu sein, werden wir manchmal auf die Details eingehen, Beispiele vorbringen. Das soll nicht allzu ernst genommen werden. Jeder kann sich andere vorstellen. Man kann unsere durchaus verwerfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zukunft ist kein neutrales Terrain. Das Kapital versucht, jeglichen gesellschaftlichen Raum zu besetzen und zu unterwerfen. Es kann seinen Handel jedoch nicht, wie es sich die Autoren von Science-Fiction vorstellen, zwischen der Vergangenheit und der Zukunft organisieren. Es r&#228;cht sich im Bereich der Werbung und der Ideologie. Man l&#228;dt uns ein, die Gegenwart als Zukunft zu leben, schon jetzt die Uhr oder das Auto von morgen zu kaufen. Die aufeinanderfolgenden, konkurrierenden und manchmal &#8222;antikapitalistischen&#8220; Konzeptionen einer kapitalistischen Zukunft vernebeln unsere Gegenwart.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Debatte &#252;ber die kommunistische Organisation der Gesellschaft ist, trotz der Gefahr, sich zu irren, gleichbedeutend mit dem Schnappen nach etwas Luft in diesem stickigen Leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf die alte Frage der Reaktion&#228;re &#8222;Doch was f&#252;r eine Alternative schlagt ihr vor?&#8220; darf nicht eingegangen werden. Wir sind keine Ideenh&#228;ndler. Wir werfen nicht eine Ersatzgesellschaft auf den Markt so wie man eine neue Seife lanciert. Der Kommunismus ist weder ein Objekt des Handels noch der Politik. Er ist die radikale Kritik davon. Er ist nicht ein den W&#228;hlern oder den Konsumenten offeriertes Programm, nicht einmal auf demokratische Art und Weise. Er ist die Hoffnung f&#252;r die proletarisierten Massen, nicht mehr auf den Zustand von W&#228;hlern oder Konsumenten reduziert zu werden. Wer sich in die Situation eines Zuschauers platziert, beurteilen k&#246;nnen will, ohne sich zu engagieren, ist von der Debatte ausgeschlossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist m&#246;glich von der revolution&#228;ren Gesellschaft zu sprechen, weil sie in der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft im Entstehen begriffen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige werden unsere Thesen als verr&#252;ckt und naiv betrachten. Wir rechnen nicht damit, alle &#252;berzeugen zu k&#246;nnen. Wenn es m&#246;glich w&#228;re, w&#228;re das beunruhigend! Einige w&#252;rden sich sowieso lieber die Augen ausstechen, als die Wahrheit unserer Positionen anzuerkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die proletarische Revolution wird der Sieg der Naivit&#228;t &#252;ber eine devote und ausgetrocknete Wissenschaft sein. Jene, welche Demonstrationen verlangen, sollen auf sich achtgeben. Es ist durchaus m&#246;glich, dass sie nicht in der Ruhe der Laboratorien stattfinden, sondern heftig und in ihrer Gegenwart.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bevor wir sagen, was der Kommunismus ist, muss zuerst das Terrain ger&#228;umt werden. Die L&#252;gen in seiner Hinsicht m&#252;ssen verurteilt und es muss gesagt werden, was der Kommunismus nicht ist. Denn es haben sich, obwohl der Kommunismus eine sehr einfache Wirklichkeit ist, so verbunden mit der allt&#228;glichen Erfahrung, dass er davon ausgehend fast greifbar wird, in Bezug auf ihn enorme Unwahrheiten entwickelt. Das ist nur f&#252;r jene ein Widerspruch, welche nicht wissen, dass in der &#8222;Gesellschaft des Spektakels&#8220; eben genau die Bedeutung dessen, was allt&#228;glich und vertraut ist, verdr&#228;ngt werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;II. Kommunismus oder Kapitalismus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die g&#228;ngige Meinung ist der Kommunismus allen voran eine im 19. Jahrhundert von den beiden ber&#252;hmten siamesischen Zwillingen Karl Marx und Friedrich Engels ausgearbeitete Doktrin, die dann etwas sp&#228;ter vom Gr&#252;nder des sowjetischen Staates Lenin perfektioniert worden sei. Sie sei mehr oder weniger gl&#252;cklich in einer gewissen Anzahl L&#228;nder angewandt worden: UdSSR, Osteuropa, China, Kuba&#8230; In diesem Sinne debattiert man dar&#252;ber, um herauszufinden, ob Jugoslawien oder Algerien sozialistische, kapitalistische oder gemischte Regime haben. Man m&#246;ge beruhigt sein &#8211; oder dar&#252;ber klagen, wir werden nicht die Verdienste dieser Art von Sozialismus oder Kommunismus anpreisen. Man wird uns kein X f&#252;r ein U vormachen und auch nicht die triste Eint&#246;nigkeit oder den Wahn f&#252;r den Personenkult f&#252;r die strahlende Zukunft der Menschheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Erfindung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist weder von Marx oder Engels noch von Ramses II. begr&#252;ndet worden. Es gibt wom&#246;glich einen genialen Erfinder, dem wir das Rad oder das Pulver verdanken. Es gibt keinen, dem wir den Kommunismus verdanken k&#246;nnen, das gleiche gilt &#252;brigens f&#252;r den Kapitalismus. Gesellschaftliche Bewegungen sind nicht eine Sache des Erfindergeistes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Engels und dann Marx beteiligten sich an einer Bewegung, die sich ihrer Existenz schon sehr wohl bewusst war. Sie behaupteten nie, weder die Sache noch das Wort erfunden zu haben. &#220;ber die eigentliche kommunistische Gesellschaft haben sie nicht viel geschrieben. Sie halfen der kommunistischen Bewegung und Theorie, sich des Nebels der Religion, des Rationalismus und des Utopismus zu entledigen. Sie regten die Proletarier dazu an, sich nicht auf die Pl&#228;ne dieses oder jenes Reformisten oder die Enth&#252;llungen dieses oder jenes Erleuchteten zu verlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die wahrhaften Revolution&#228;re fetischisieren die Ideen von Marx und Engels nicht. Sie wissen, dass sie Produkte einer bestimmten Epoche sind und ihre Grenzen haben. Die beiden M&#228;nner entwickelten sich und widersprachen sich manchmal. Man kann sagen, dass man bei Marx alles findet. Doch man muss f&#228;hig sein, auszusortieren!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir behaupten nicht, wir seien Marxisten. Doch wir verweigern jenen, welche behaupten, sie seien es, das Recht, sich die Ideen ihrer Idole anzueignen und sie zu verf&#228;lschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Beweis der Machtlosigkeit grosser M&#228;nner gegen&#252;ber den Bewegungen der Geschichte liegt in der sch&#228;ndlichen Art und Weise, wie das Werk von Marx und Engels deformiert worden ist, um gegen den Kommunismus benutzt zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt Individuen, die talentierter und weitsichtiger sind als ihre Zeitgenossenschaft. Die Klassengesellschaft kultiviert diese Unterschiede. Sie haben Auswirkungen innerhalb der kommunistischen Bewegung. Wir diskutieren nicht die Frage, ob die Chefs die Geschichte machen oder ob das Volk sie macht. Wir sagen, dass das Werk von Marx, genau wie jenes von Fourier, Bordiga oder von jeglichen F&#252;rsprechern des Kommunismus den einfachen Standpunkt eines Individuums &#252;bersteigt. Der Kommunismus bestreitet die unterschiedlichen F&#228;higkeiten nicht, macht die Theoretiker nicht zu einfachen Lautsprechern der Massen, doch er ist hingegen ein erbitterter und permanenter Feind jeglichen Karrierismus oder Starkultes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist weder eine Ideologie noch eine Doktrin. Genau wie es kommunistische Handlungen gibt, gibt es auch Worte, Schriften, eine kommunistische Theorie, doch die Aktion ist nicht die Anwendung der Idee. Die Theorie ist nicht ein vorgefertigter Plan eines Kampfes oder einer Gesellschaft, der so gut wie m&#246;glich angewandt werden muss. Der Kommunismus ist nicht ein Ideal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene L&#228;nder, welche verk&#252;nden, sie seien marxistisch-leninistisch, sind nicht Gebiete, wo die Prinzipien aus diesem oder jenem Grund falsch angewandt worden w&#228;ren. Es sind kapitalistische L&#228;nder. Ihr Regime hat spezielle Eigenschaften, doch es ist genauso kapitalistisch wie jedes liberale Regime. Man kann sogar sagen, dass L&#228;nder wie Polen oder die DDR viel kapitalistischer sind als viele kaum industrialisierte L&#228;nder der &#8222;freien Welt&#8220;. In diesen &#8222;kommunistischen&#8220; L&#228;ndern bek&#228;mpft man einige spontane Tendenzen des Kapitals. Das geschieht f&#252;r das Wohl der allgemeinen Entwicklung des Kapitalismus und ist &#252;berhaupt keine Besonderheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zwingende Planung, das kollektive Eigentum an den Produktionsmitteln oder die proletarische Ideologie sind alles andere als kommunistisch. Es sind Z&#252;ge des Kapitalismus, die hier hervorgehoben worden sind. Allen grundlegenden Eigenschaften des Systems und der Logik der Kapitalakkumulation, die nun &#8222;sozialistische Akkumulation&#8220; genannt wird, geht es dort bestens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die kapitalistische Produktionsweise&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man in den marxistisch-leninistischen Regimes Sozialismus oder Kommunismus sieht, verkennt man ihre Realit&#228;t und man zeigt v.a., dass man nicht weiss, was der Kapitalismus ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man glaubt, er beruhe auf der Macht einer besonderen Klasse, der Bourgeoisie, auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln, auf dem frenetischen Streben nach Profit. Keiner dieser Aspekte ist fundamental.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie ist die Nachfolgerin der antiken Klasse der H&#228;ndler. Nachdem sie lange eine bedeutende, aber begrenzte Rolle innerhalb auf der Landwirtschaft beruhenden Gesellschaften gespielt hatte, konnte die Handelsbourgeoisie im Verlauf des europ&#228;ischen Mittelalters, statt wie bis anhin die Kontrolle &#252;ber einfache Waren, die Kontrolle &#252;ber Produktionsinstrumente erlangen. Unter ihnen die menschliche Arbeitskraft, aus welcher sie durch die Lohnarbeit eine Ware gemacht hat. Das ist der Ursprung des Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie ist ab jenem Moment an der Macht, wo sie dank der Schlagkraft der sie tragenden und die alten Arten der Produktion obsolet machenden wirtschaftlichen und industriellen Kr&#228;fte zur herrschenden Klasse geworden ist. Doch sie kann nichts anderes tun, als sich den Gesetzen ihrer &#214;konomie unterzuordnen. Als Kapitaleigent&#252;merin muss sie dieser Kraft gehorchen, welche sie mitreisst, anst&#246;sst und einige Konkurs gehen l&#228;sst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das spezifische Individuum oder Unternehmen verf&#252;gt &#252;ber einen Spielraum, doch man kann nicht lange gegen den Strom schwimmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Keine Klasse der Vergangenheit konnte all ihre Launen befriedigen durch den Gebrauch der ihr scheinbar zur Verf&#252;gung stehenden Macht. Der unumstrittenste Tyrann kann sich nur an der Macht halten, wenn er die engen Grenzen seiner wirklichen Souver&#228;nit&#228;t kennt. Es ist ein Fehler, gesellschaftliche Ph&#228;nomene in den Begriffen der Macht erkl&#228;ren zu wollen. Das gilt noch mehr f&#252;r den Kapitalismus als f&#252;r die vorhergehenden Systeme.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Klasse der Kapitalverwalter wurde von der Aktion des Kapitals selbst stets umgestaltet. Was haben der reiche H&#228;ndler des Mittelalters und der moderne Manager gemeinsam? Ihre Motivationen und ihre Geschm&#228;cker sind verschieden. Das ist notwendig, damit sie die gleiche Funktion w&#228;hrend zwei verschiedenen Momenten der Entwicklung des Kapitals aus&#252;ben k&#246;nnen. Die Klasse der Feudalherren orientierte sich an der Tradition und der Vererbbarkeit. Das gilt nicht mehr f&#252;r eine Bourgeoisie, die sich aufl&#246;st und neu gestaltet durch Erfolg, Heirat und Konkurs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verh&#228;ltnisse, welche den Sklaven und den Meister, den Leibeigenen und den Feudalherren miteinander verbinden, sind pers&#246;nliche Verh&#228;ltnisse. Der moderne Proletarier ist hingegen eher mit einem System denn mit einem Chef verbunden. Was ihn ankettet, ist nicht ein pers&#246;nlicher Treueeid oder ein besonderer Zwang, sondern direkt die Notwendigkeit des &#220;berlebens, die Diktatur seiner eigenen Bed&#252;rfnisse. Der seiner Scholle entrissene und von den Produktionsmittel getrennte Proletarier hat keine andere L&#246;sung mehr, als sich zu prostituieren. Er ist frei, so wunderbar frei. Er kann sich sogar, falls ihm das gef&#228;llt, seinem Verkauf verweigern und verhungern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Bourgeois oder ein Politiker kann auf pers&#246;nlicher Ebene in Konkurs gehen. In Russland oder China wurde eine ganze Fraktion der internationalen b&#252;rgerlichen Klasse ausser Gefecht gesetzt. Sie ist durch eine B&#252;rokratie ersetzt worden. Man m&#246;ge in ihr keine radikal unterschiedliche Klasse sehen! Ein &#8222;kommunistischer&#8220; Bankier oder Industriekapit&#228;n &#228;hnelt mehr seinem kapitalistischen Widersacher, als dass dieser seinem Vorfahren &#228;hnelt, nicht jenem des 15. oder 16. Jahrhunderts, sondern jenem vor 50 Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn der Kapitalismus, sei er westlich oder &#246;stlich, nicht durch die Macht der Bourgeoisie erkl&#228;rt werden kann, so kann der Kommunismus noch weniger mit der Macht des Proletariats gleichgesetzt werden. Seine Einf&#252;hrung ist gleichbedeutend mit der Selbstzerst&#246;rung dieser Klasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Privateigentum&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Privateigentum der Produktionsmittel ist nicht ein konstituierender Zug der kapitalistischen Produktionsweise. Sie ist in der juristischen Sph&#228;re verortet. Sie besteht im Osten mit dem Landeigentum der Bauern weiter. Im Westen wird es vom &#246;ffentlichen Eigentum ausgeh&#246;hlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Staat ist h&#228;ufig Eigent&#252;mer von grossen Industriekomplexen. Indem sie nationalisiert worden sind, haben die Post oder die Eisenbahn nicht ihr kapitalistisches Wesen verloren. Friedrich Engels sah in dieser Tendenz des Staates, Eigent&#252;mer von Produktivkr&#228;ften zu werden, eine allgemeine Entwicklung, welche den privaten Kapitalismus in den Antiquit&#228;tenhandel verbannen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entwicklung des modernen Kapitalismus tendiert dazu, immer mehr das Eigentum und die Verwaltung der Produktivkr&#228;fte voneinander zu trennen. Nicht nur die Manager der nationalisierten Unternehmen, sondern sogar jene der grossen privaten Unternehmen sind nicht Eigent&#252;mer des von ihnen kontrollierten Kapitals oder nur eines geringen Anteils davon. Der Bedarf an Kapital der Industrieriesen &#252;bersteigt bei weitem das, was ein pers&#246;nliches oder famili&#228;res Verm&#246;gen ihnen bieten k&#246;nnte. Diese Komplexe funktionieren mit dem Geld, das ihnen eine Masse an fast machtlosen Kleinaktion&#228;ren und Anlegern liefert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation der L&#228;nder des Ostens muss in Bezug auf diese allgemeine Entwicklung des Kapitals verstanden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Profit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalist sei von einem Streben nach maximalem Profit angetrieben. Der Ausdruck &#8222;maximaler Profit&#8220; ist nicht sehr aussagekr&#228;ftig. Ein Chef kann an einem Tag, in einer Woche, in einem Monat versuchen, Menschen und Maschinen auf Hochtouren laufen zu lassen, falls er sicher ist, dass er Absatzm&#246;glichkeiten findet. Er l&#228;uft Gefahr, ziemlich schnell zu bereuen, dass er sein Kapital aufgebraucht hat. Das Scheitern eines solchen Versuches fand in China mit dem &#8222;grossen Sprung nach vorne&#8220; statt. Die Bedeutung des herausgeholten Profits und somit die Bestimmung des Einkommens der Aktion&#228;re und Manager, die wirtschaftliche Wachstumsrate werden nicht frei von allm&#228;chtigen Kapitalisten entschieden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Geld zu machen, das ist es, was den Kapitalisten dazu dr&#228;ngt, entweder sich zu bereichern oder zu investieren. Wenn er es nicht tut, sei es aus Nachl&#228;ssigkeit oder Gutm&#252;tigkeit oder weil es objektiv nicht m&#246;glich ist, wird sein Unternehmen eliminiert werden. F&#252;r den B&#252;rokraten kommt die Furcht vor administrativen Sanktionen hinzu. Man proklamiert &#252;brigens weder in der UdSSR noch in China, der Profit sei verschwunden. Im Gegenteil, man strebt nach Profit, zum Wohle des Volkes, um den Kommunismus aufzubauen. Er sei ein &#246;konomisches Messinstrument im Dienste der Planung geworden!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Osten wie im Westen, und wie es Marx gezeigt hat, kann die Entwicklung des Kapitalismus nicht mit dem Streben nach Profit erkl&#228;rt werden. Das Gegenteil ist wahr. Die Begriffe des Profits oder der Grundrente k&#246;nnen die Funktionsweise des Systems nicht erkl&#228;ren. Es sind Kategorien, dank welcher den herrschenden Klassen die wirtschaftlichen Notwendigkeiten bewusst werden und welche sie zum Handeln dr&#228;ngen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu den linken Humanisten, die im Profit ihren grossen Feind sehen oder es vorgeben, machen sich die Revolution&#228;re keine Illusionen. Wir werfen dem System nicht seine Morallosigkeit vor. Wir halten nicht an archaischen Sektoren fest, die nicht mehr rentabel sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Profit wird mit der Revolution verschwinden. Und zwar fristlos! Bis dahin spielt er gewissermassen eine sch&#252;tzende Rolle f&#252;r die Arbeiter. Er erlegt der Tyrannei der Bosse Grenzen auf. Er verpflichtet sie, schonend mit dem Menschenmaterial umzugehen. Wenn es m&#246;glich w&#228;re, den Profit abzuschaffen bei gleichzeitiger Erhaltung des Kapitals, w&#252;rde sich die durchschnittliche Unternehmung in ein Konzentrationslager verwandeln und die Gesellschaft w&#252;rde in die totale Barbarei abrutschen. Der Nazismus ist kein Unfall der Geschichte. Er ist der Ausbruch der Kr&#228;fte, welche weiterhin in den Untiefen der Zivilisation des Kapitals verkrochen sind. Der Profit setzt dem Autoritarismus, dem Herrschafts- und Zerst&#246;rungswillen, ausgel&#246;st von einem unmenschlichen System, Grenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man greife den Profit an! Doch man greife auch die Gesamtheit einer Gesellschaft an, wo das Leben des Menschen selbst zu einer Ware geworden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lohnarbeit und Industrialisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise gr&#252;ndet auf zwei miteinander solidarischen S&#228;ulen, welche sie von vorhergehenden Produktionsweisen unterscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste dieser S&#228;ulen ist die Lohnarbeit. Menschen hatten schon anderen Menschen ihre Liebesdienste, ihre politische Verbundenheit, ihre milit&#228;rische F&#228;higkeit und sogar ihre Arbeitskraft vermietet. Doch all das blieb marginal in gesellschaftlichen Strukturen, die aus kleinen Gruppen bestanden, innerhalb welcher das Geld und die Waren nicht viel zirkulierten. Die Entwicklung des Kapitalismus ist gleichbedeutend mit der wahrhaftigen Einf&#252;hrung der Lohnarbeit in der Produktionssph&#228;re. Sie wird daraus die allgemeine Form der Ausbeutung machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zweite S&#228;ule ist die Industrialisierung oder allgemeiner eine Transformation der Beziehungen des Menschen zur Natur und zu seiner eigenen T&#228;tigkeit. Der Mensch begn&#252;gt sich nicht mehr damit, zur Sicherung des Lebensunterhalts im Boden zu scharren. Von nun an wird er die Natur systematisch und in immer gr&#246;sserem Massstab transformieren. Der Kapitalismus ist eine ununterbrochene Revolution der produktiven Methoden. Er ist gleichbedeutend mit dem Fortschritt der Wissenschaft und der Vernunft in Anbetracht des Fatalismus und des Obskurantismus. Er ist die Bewegung, welche auf die Immobilit&#228;t der landwirtschaftlichen Gesellschaften folgt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus wird kein Schritt zur&#252;ck sein. Das Ende der Lohnarbeit ist nicht gleichbedeutend mit der R&#252;ckkehr der Sklaverei oder der Leibeigenschaft. Die &#220;berwindung des Prozesses der &#8222;Eroberung der Natur&#8220; und der industriellen Organisation der Arbeit ist nicht gleichbedeutend mit der R&#252;ckkehr zur vergangenen Immobilit&#228;t. Der Kommunismus wird den aggressiven und chaotischen Charakter der Aktion des Kapitals abschaffen. Sein Ziel ist nicht die Zerst&#246;rung, die Zerst&#252;ckelung und die Unterwerfung, sondern global das Weltgeschehen zu beeinflussen, um die Welt menschlich und bewohnbar zu machen. Jenseits der Industrie wird er das N&#252;tzliche und das Angenehme miteinander vers&#246;hnen. Er wird die verlorene Vertraulichkeit, welche das menschliche Wesen mit seiner Umwelt verband, auf einer h&#246;heren Ebene wiedererlangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus ist nicht eines sch&#246;nen Tages aufgebl&#252;ht, weil man pl&#246;tzlich seine Effizienz erkannt h&#228;tte. Er ist nicht ein Sieg des Verst&#228;ndnisses. Er hat sich an Ort und Stelle mithilfe grausamer und irrationaler gesellschaftlicher Umw&#228;lzungen durchgesetzt. Er hat als Reaktionen Revolten ausgel&#246;st. Er musste einige Schritte zur&#252;ckgehen, um besser vorw&#228;rtszukommen. Seine Lohnarbeiter hat er aus einer Masse an Bauern gefischt, die er zuvor aus ihrem Heim verjagt und zu Bettlern gemacht hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewegung des Kapitals hat einen doppelten Aspekt. Einerseits ist sie Entwicklung der menschlichen und materiellen Produktivkr&#228;fte, d.h. des Gebrauchswerts, der N&#252;tzlichkeit. Andererseits ist sie Entwicklung von Marktwert. Die Ware hatte schon dieses doppelte Gesicht. Das Kapital bleibt Ware, aber es ist dar&#252;ber hinaus Wert, der permanent versucht, sich zu vergr&#246;ssern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital ist schon lange unter der Ware hervorgebrochen. Der H&#228;ndler kann dank seiner Erfindungsgabe oder Gerissenheit eine stets wachsende Masse an Produkten besitzen und antreiben. Das gleiche gilt f&#252;r den Wucherer, obwohl er sich nur um Geld zu k&#252;mmern braucht. Doch diese Urformen des Kapitals k&#246;nnen sich nicht unbestimmt ausbreiten. Der Wert bleibt parasit&#228;r und erschafft nicht die notwendigen Mittel f&#252;r seine Akkumulation. Nur indem es sich der Produktionsmittel bem&#228;chtigt und ihnen einen stets wachsenden Wert gibt, hat das Kapital wirklich aufbl&#252;hen k&#246;nnen. Als ein Vampir, der sich von Wert ern&#228;hrt, d.h. von menschlicher Arbeit, um zu seinen Zielen zu gelangen, muss es den Maschinenbetrieb und die Produktivit&#228;t entwickeln. Es sind f&#252;r es nur Mittel. F&#252;r uns sind eben genau sie wichtig. Diese technische Entwicklung nimmt h&#228;ufig unangenehme Formen an: Arbeitslosigkeit, t&#246;dliche Waffen, Zerst&#246;rung der Natur, doch sie wird die menschliche T&#228;tigkeit revolutionieren und uns den Weg heraus aus der barbarischen &#196;ra der Klassengesellschaften weisen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus erledigt nicht das Kapital, um die Urware wiederzuerlangen. Der Warenhandel ist eine Verbindung und ein Fortschritt. Doch es ist eine Verbindung zwischen antagonistischen Parteien. Sie wird verschwinden, ohne dass wir zum Tausch, dieser Urform des Handels, zur&#252;ckkehren w&#252;rden. Die Menschheit wird nicht mehr in einander entgegengesetzte Gruppen und Unternehmen unterteilt sein. Sie wird sich organisieren, um ihre gemeinsames Erbe zu pflegen und zu benutzen, um Fronarbeiten und Gen&#252;sse zu verteilen. Die Logik des Teilens wird jene des Handels ersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld wird verschwinden. Es ist kein neutrales Messinstrument. Es ist die Ware, in welcher sich alle anderen Waren widerspiegeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gold, Silber und Diamanten werden keinen anderen Wert mehr haben als ihre eigentliche N&#252;tzlichkeit. Gem&#228;ss dem Wunsch Lenins k&#246;nnten wir Gold zum Bau von Pissoirs benutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Staat und der Kapitalismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im &#8222;kommunistischen&#8220; Lager zirkuliert das Geld weiterhin in aller Ruhe. Der Unterteilung durch Grenzen und innerhalb dieser Grenzen, jener der Wirtschaft in Unternehmen, geht es blendend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rolle, welche der Staat in der Wirtschaft spielt und juristisch auf dem &#246;ffentlichen Eigentum an den Unternehmen basiert, kann mit der Natur des Kapitalismus erkl&#228;rt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Staat und die Ware sind alte Freunde. Die H&#228;ndler wollen, dass die Gesellschaft vereinigt ist, die Diebe verfolgt werden und das Geld garantiert ist. Der Staat und die B&#252;rokratie finden mit der Zirkulation der G&#252;ter und der Personen ein Mittel, um sich von der b&#228;uerlichen Welt abzunabeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der moderne Staat, k&#246;niglich oder republikanisch, ist das Produkt der durch das Kapital ausgel&#246;sten Aufl&#246;sung der feudalen Strukturen. Er widersetzt sich den besonderen Interessen als Repr&#228;sentant des allgemeinen Interesses. Er ist notwendig f&#252;r das Kapital, denn er hilft ihm, Widerspr&#252;che und Widerst&#228;nde zu &#252;berwinden, welche es notwendigerweise ausl&#246;st. Die Monarchie und die Bourgeoisie haben sich trotz schwieriger Momente gegenseitig gegen&#252;ber dem Adel unterst&#252;tzt. Die politische Vereinigung war notwendig f&#252;r die Entwicklung der Unternehmen des Gewerbes und der Industrie. Das Verm&#246;gen und der Reichtum erlaubten die St&#228;rkung und die Autonomie der Staatsmacht. Der Staat hat sogar h&#228;ufig selbst interveniert, um diesem oder jenem Sektor der Industrie Kapital zur Verf&#252;gung zu stellen oder es aufzutreiben. Er hat ein juristisches Arsenal entwickelt, das f&#252;r die Entwicklung einer freien Arbeitskraft notwendig ist. Er hat die alten Br&#228;uche und Fesseln liquidiert. Als die Bourgeoisie direkt die politische B&#252;hne betritt, ist sie schon seit langem eine vorherrschende Kraft und der monarchische Staat stand schon lange in ihrem Dienst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Russland und Japan, zwei L&#228;nder, die in einem Zustand der Unterindustrialisierung auf die internationale B&#252;hne geworfen worden sind, war es der Staat selbst, der die Entwicklung des Kapitalismus ausl&#246;ste und organisierte. Er tat es, um die Grundlagen seiner eigenen Macht zu erhalten, um sich moderne Waffen zu beschaffen. Indem er das Kapital in seinen Dienst stellte, verneigte er sich vor seiner &#220;berlegenheit. Die Monarchie l&#246;ste einen Prozess aus, der sie letztendlich zerst&#246;ren w&#252;rde. Die notwendigen Bedingungen f&#252;r diese Transplantation existierten nicht &#252;berall. Wenn sie in Japan erfolgreich war, so war sie das, weil der Staat dort schon autonom und der Handel entwickelt war. China scheiterte einstweilen, genau wie die meisten anderen vorkapitalistischen L&#228;nder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Staat muss oft intervenieren, um ein Kapital zu korrigieren, das sich gerne launisch zeigt und es bevorzugt, sich eher dort als anderswo anzusiedeln. Die b&#252;rokratischen Regime versch&#228;rfen nur diese Tendenz, damit sie einen Punkt erreicht, den sie nie erreicht hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erlaubt der &#246;stliche Kapitalismus ein harmonischeres und vern&#252;nftigeres Wachstum als der westliche Kapitalismus? Die Frage ist ziemlich sinnlos. Er hat die B&#252;hne aufgrund der Schw&#228;chen des traditionellen Kapitalismus betreten. Wenn der traditionelle Kapitalismus heute in Moskau oder Leningrad reimportiert wird, so geschieht das aufgrund der Schw&#228;chen des &#246;stlichen Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort, wo sich die Bourgeoisie durch die Wirtschaft langsam entwickelt hatte, eroberte die B&#252;rokratie die politische Macht, indem sie sich auf gesellschaftliche Kr&#228;fte wie das Proletariat und die Bauernklasse st&#252;tzte. Sie ist trotzdem die Frucht des Zerfalls der traditionellen Gesellschaft aufgrund des internationalen Kapitals. Die B&#252;rokratie hatte keine Wahl. Sie konnte nicht den Sozialismus oder den Kommunismus einf&#252;hren, wie sie es behauptete. Sie konnte auch nicht den traditionellen Kapitalismus restaurieren und befruchten. Das ist so aufgrund ihres gesellschaftlichen R&#252;ckhalts und ihres Bedarfs an Kapital. Empirisch fand sie einen Weg, der ihrem Wesen entsprach und der es ihr erlaubte, auf dem R&#252;cken der Bauernklasse industrielles Kapital zu akkumulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die B&#252;rokratie ist eine vereinigende Kraft, der den autorit&#228;ren Transfer von Reichtum von einem Sektor der Gesellschaft in einen anderen erlaubt hat. Sie modifiziert die spontane Entwicklung des Kapitals zugunsten ihrer Ziele des Machterhalts. Doch das Kapital ist keine neutrale Kraft, die man auf irgendeine Art und Weise benutzen kann. Die B&#252;rokratie plant, herrscht. Doch was plant sie, &#252;ber was herrscht sie? Die Kapitalakkumulation. Sie beschr&#228;nkt den freien Markt, sie k&#228;mpft gegen einen immer wieder neu entstehenden Schwarzmarkt. Das ist nicht der Beweis ihres Antikapitalismus, sondern das Zeichen, dass die nat&#252;rliche Grundlage des Kapitals sehr wohl lebendig ist. Was w&#252;rde man vom G&#228;rtner sagen, der, weil er das Unkraut ausreissen muss, behaupten w&#252;rde, die Pflanzen, die er anpflanzt, seien keine?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die westlichen L&#228;nder sind selbst dazu gezwungen, vermehrt direkt ins Spiel der wirtschaftlichen Kr&#228;fte zu intervenieren. Sie m&#252;ssen eine Sozialpolitik haben und sich um Planung k&#252;mmern. Die B&#252;rokratisierung ist nicht ein Ph&#228;nomen, das auf die &#246;stlichen L&#228;nder beschr&#228;nkt ist. Sie betrifft sowohl die demokratischen und faschistischen Staaten als auch die grossen privaten Unternehmen. Sie ist das Produkt der zunehmenden Atomisierung der Gesellschaft und die traurige Medizin dagegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem gewissen Sinn ist es ungenau, im Fall der L&#228;nder des Ostens von b&#252;rokratischem oder Staatskapitalismus zu sprechen. Alle modernen Kapitalismen sind b&#252;rokratisch und staatlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Staat als Eigent&#252;mer der Gesamtheit der Industrie hat nicht notwendigerweise die absolute Kontrolle dar&#252;ber. Wirkliche und juristische Macht sind nicht das gleiche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im liberalen Kapitalismus kann der Staat, indem er sich auf popul&#228;re, milit&#228;rische oder gar b&#252;rgerliche Kr&#228;fte st&#252;tzt, dieses oder jenes grosse Unternehmen angreifen; er ist die Macht. Das erlaubt ihm jedoch nicht, sich &#252;ber die wirtschaftlichen Gesetze hinwegzusetzen. Man will sich gegen die Macht der Monopole erheben, aber man kann nicht zu den kleinen Unternehmen der Vergangenheit zur&#252;ckkehren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im &#246;stlichen Kapitalismus kann der b&#252;rokratische Staat, so gross sein Streben nach Kontrolle auch sein mag, die Handelskategorien und die Konkurrenz zwischen Unternehmen nicht abschaffen. Solange es unterschiedliche Unternehmen geben wird, werden sie in Konkurrenz zueinanderstehen, auch wenn die Preise nicht frei sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese mangelnde Einheit beschr&#228;nkt sich nicht auf die wirtschaftliche Sph&#228;re. Die B&#252;rokratie selbst ist permanent von Fraktionsk&#228;mpfen oder Konflikten zwischen Personen gespalten. Da es keine Einheit geben kann, muss das Bild der Einheit aufrechterhalten werden. Der Feind ist nicht die Konkurrenz innerhalb der Partei, sondern die Antipartei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was einerseits die Effizienz der Wirtschaft steigert, verringert sie andererseits jedoch auch. Die L&#252;ge, der Realit&#228;tsverlust durchtr&#228;nken die Gesellschaft. Der versteckte Kampf ersetzt die offene Konkurrenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie ist zwar f&#228;hig, den wirtschaftlichen Aufschwung unter ung&#252;nstigen Bedingungen zu organisieren, doch die B&#252;rokratie ist, was den technologischen Fortschritt betrifft, klar im R&#252;ckstand gegen&#252;ber den liberalen Gesellschaften.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vereinnahmung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welches Interesse haben Kapitalisten, sich Kommunisten zu nennen? Es ist eine allgemeine Regel, dass es den Kapitalisten nicht gef&#228;llt, Kapitalisten genannt zu werden!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Bezeichnung hat eine genaue, mit der russischen Revolution verbundene Herkunft. Sich kommunistisch zu nennen, bedeutet, dass man so tut, als ob man sich f&#252;r die Arbeiterklasse aufopfern w&#252;rde, statt dass man anerkennt, dass man sie ausbeutet. Somit kann der unmenschlichen Entwicklung des Systems ein menschlicher Sinn gegeben werden: der Aufbau des Kommunismus. Anderweitig wird er h&#228;ufig aufgeschoben, schliesslich hat man eine Masse an Projekten wie die &#8222;neue Grenze&#8220; oder die &#8222;neue Gesellschaft&#8220;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das Kapital proklamiert, es sei Kommunist, wenn es das Denken von Marx vereinnahmt, um es in seinen Universit&#228;ten den Intellektuellen zu verabreichen oder um die Arbeiter in seinen Fabriken zu verdummen, &#228;fft es nur eine Bewegung nach, die es woanders wirklich vollendet. Das Kapital erschafft nicht, es vereinnahmt. Es ern&#228;hrt sich von der Leidenschaft und der Initiative der Proletarier, d.h. es ern&#228;hrt sich vom Kommunismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nicht viel vom Kommunismus verstehen, wenn man nicht das kapitalistische Wesen der L&#228;nder des Ostens verstanden hat. Der revolution&#228;re Kampf ist nicht kompatibel mit dem Stalinismus, der ein grundlegend antikommunistisches System und eine grundlegend antikommunistische Ideologie ist. Die Tatsache, dass er sogar innerhalb der Arbeiterklasse &#252;ber Hochburgen verf&#252;gt, darf uns nicht erweichen, sondern muss uns im Gegenteil dazu bewegen, keine Kompromisse einzugehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man hat dem Stalinismus einen riesigen Dienst erwiesen, indem man ihn nicht als kapitalistisches System kritisierte. Revolution&#228;re, insbesondere Anarchisten, haben ihn als kommunistisch anerkannt unter der Bedingung, den Kommunismus als autorit&#228;r etikettieren zu k&#246;nnen. Die Autorit&#228;t, das sei das wahrhaftige Monster! Anstelle einer Erkl&#228;rung verweist man auf den Charakter von Karl Marx.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Trotzkisten haben nach Trotzki, dem ungl&#252;cklichen Gegenspieler Stalins, nicht minder komplizierte denn bescheuerte Interpretationen entwickelt. Sozialistische Basis und kapitalistischer &#220;berbau w&#252;rden zumindest in der UdSSR koexistieren. Was die anderen L&#228;nder betrifft, diskutiert man weiterhin. Sie haben sowieso nie nichts vom Kommunismus verstanden. Genau wie Trotzki, der die Zwangsarbeit als ein kommunistisches Prinzip betrachtete. Sie sind nicht revolution&#228;r, Trotzki war es hingegen. Doch er war nie etwas anderes als ein b&#252;rgerlicher Revolution&#228;r und ein gl&#252;ckloser B&#252;rokrat. &#220;berlassen wir diese gesamte kleine Welt ihrem Intellektualismus, ihren byzantinischen Streitigkeiten und ihrem l&#228;cherlichen Fetischismus der Organisation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Maoisten, diese &#8222;mystischen Stalinisten&#8220;, f&#252;hren die ganze Sache auf ein Problem der Politik und der Moral zur&#252;ck. Die UdSSR ist sozialimperialistisch und vielleicht gar kapitalistisch geworden. Zum Gl&#252;ck sind China und Albanien unter der weisen proletarischen F&#252;hrung von Mao, Hoxha und Bibi Fricotin nicht kontaminiert worden. Der Kommunismus ist der Profit und die Politik in den Dienst des Volkes gestellt!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr sich kommunistische Ideen ausbreiten, auch in der UdSSR und in China, um die Bed&#252;rfnisse eines erneut revolution&#228;r gewordenen Proletariats zu befriedigen, umso mehr werden diese Sekten als eigenartig erscheinen! Sie versuchen, auf der B&#252;hne der Politik die Rolle der Revolution zu spielen. Sie sind die Avantgarde, allerdings die Avantgarde des Kapitals. Denn in einer Periode der Revolution werden all diese Kasperles der Politik versuchen, revolution&#228;r auszusehen, um nicht im Abseits zu stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zu einer Tradition geworden, dass die Revolution im Namen der Revolution bek&#228;mpft wird. Die stalinistischen oder linken Aktivisten, die sich get&#228;uscht haben, werden sich der wahrhaftigen kommunistischen Partei anschliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige, die weniger blind sind, haben im &#246;stlichen Kapitalismus die Unterteilung in gesellschaftliche Klassen erkannt. Leider glaubten sie auch, darin eine neue und &#252;berlegene Produktionsweise zu erkennen. Das war zu viel der Ehre f&#252;r Stalin und Konsorten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Wilden&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sehen nichts kommunistisches in den Regimes, die sich so bezeichnen. Wir sehen es hingegen dort, wo man es gew&#246;hnlich nicht sieht. Jene Urgesellschaften, welche von der &#8222;Zivilisation&#8220; verdr&#228;ngt werden und weiterhin in kargen oder schwer zug&#228;nglichen Gegenden existieren, sind kommunistisch, unabh&#228;ngig von der Tatsache, ob ihre Mitglieder von der Jagd und vom Sammeln oder von einer wenig entwickelten Landwirtschaft leben. Somit ist die UdSSR nicht kommunistisch, doch die Vereinigten Staaten von Amerika waren es noch vor ein paar Jahrhunderten!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wollen nicht die Menschheit in dieses Stadium zur&#252;ckf&#252;hren. Das w&#228;re ohnehin sehr schwierig, denn ein solcher Zustand verlangt eine niedrige Bev&#246;lkerungsdichte. Es ist jedoch wichtig, die urspr&#252;ngliche und pr&#228;historische Menschheit zu rehabilitieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Indianer war gl&#252;cklicher und gewissermassen zivilisierter als der moderne amerikanische B&#252;rger. Der H&#246;hlenmensch starb nicht an Hunger. Heute hingegen haben Hunderte Millionen Menschen einen leeren Magen. Der urspr&#252;ngliche Mensch lebt, wie es Marshall Sahlins gezeigt hat, im &#220;berfluss. Er ist nicht reich, weil er Reicht&#252;mer akkumuliert hat, sondern weil er so lebt, wie er will. Seine scheinbare Armut, seine Mittellosigkeit l&#246;ste das Mitleid des westlichen Reisenden aus, der sich manchmal paradoxerweise &#252;ber seine gute Gesundheit wundert, bevor er ihn mit der Syphilis ansteckt. Die urspr&#252;nglichen Menschen besitzen fast nichts. Doch f&#252;r jene, welche von der Jagd und dem Sammeln leben, ist das keine Unannehmlichkeit. Ihre Mittellosigkeit erlaubt es ihnen, sich frei zu bewegen und von den Reicht&#252;mern der Natur zu profitieren. Ihre Sicherheit basiert nicht auf ihren Ersparnissen, sondern auf ihrer Kenntnis und ihrer F&#228;higkeit, zu benutzen, was das Milieu ihrer Existenz ihnen gibt. Sie brauchen weniger Zeit als ein zivilisierter Mensch, um ihr &#220;berleben zu sichern. Ihre &#8222;produktive&#8220; T&#228;tigkeit hat nichts zu tun mit der vom B&#252;ro oder der Fabrik ausgel&#246;sten Langeweile. Welch Gl&#252;ck haben die Yir-Yoront Australiens, die das gleiche Wort haben f&#252;r Arbeit und Spiel!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der vergangene und der kommende Kommunismus unterscheiden sich zutiefst. Wir haben einerseits eine Gesellschaft, die ihre Umwelt benutzt und weiss, wie sie sich ihr anpassen kann, andererseits eine Gesellschaft, die auf der kontinuierlichen und tiefgreifenden Transformation dieser Umwelt basiert. Zwischen diesen beiden Kommunismen wird die Periode der Klassengesellschaften mit etwas Abstand als schmerzhafte, aber relativ kurze Periode der menschlichen Geschichte erscheinen. Ein geringer Trost, f&#252;r jene, welche weiterhin darin eingetaucht sind!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marx und Engels&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und Engels bem&#252;hten sich, die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft zu verstehen. Sie sorgten sich kaum um die Beschreibung der k&#252;nftigen Welt, sie verbanden diese Beschreibung mit den Bem&#252;hungen der utopischen Sozialisten. Doch man kann die Kritik des Kapitalismus und die Affirmation des Kommunismus nicht komplett voneinander trennen. Das wirkliche Verst&#228;ndnis der historischen Rolle des Geldes oder des Staates kann man nur vom Standpunkt ihres Verschwindens erlangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn Marx und Engels nicht mehr von der kommunistischen Gesellschaft sprachen, so ist das paradoxerweise wohl auch so, weil diese Gesellschaft schwieriger zu erfassen war, da sie weniger in Reichweite erschien, doch auch weil sie in den revolution&#228;ren Geistern pr&#228;senter war. Als sie im &lt;i&gt;Kommunistischen Manifest&lt;/i&gt; von der Abschaffung der Lohnarbeit sprachen, wurden sie von jenen verstanden, an welche sie ankn&#252;pften. Heute ist es schwieriger, sich eine Welt ohne Staat und Waren vorzustellen, da sie allgegenw&#228;rtig geworden sind. Doch aufgrund dieser Allgegenwart haben sie auch ihre historische Notwendigkeit verloren. Die theoretische Bem&#252;hung muss das spontane Bewusstsein abl&#246;sen, bevor sie nutzlos wird, weil das, was sie behauptet, zu einer Banalit&#228;t geworden sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und Engels haben das Wesen des Kommunismus vielleicht weniger gut als Fourier als Befreiung und Harmonisierung der Leidenschaften erfasst. Letzterer schaffte es jedoch nicht, sich der Lohnarbeit zu entledigen, er wollte u.a., dass die &#196;rzte nicht mehr gem&#228;ss den Krankheiten ihrer Kunden bezahlt werden, sondern gem&#228;ss dem Gesundheitszustand der Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und Engels waren allerdings klar genug, als dass man sie verantwortlich machen k&#246;nnte f&#252;r das Gewicht der B&#252;rokratie und der Finanzen der &#8222;kommunistischen&#8220; L&#228;nder. Gem&#228;ss Marx verschwindet das Geld sofort mit der Einf&#252;hrung des Kommunismus und die Produzenten h&#246;ren auf, mit ihren Produkten zu handeln. Engels spricht vom Verschwinden der Warenproduktion mit der Einf&#252;hrung des Sozialismus. Man schwadroniere uns nicht von Jugends&#252;nden, wie es die Gewohnheit des gesamten marxologischen Gesindels ist. Wir beziehen uns auf die &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt; und den &lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Stalinisten aller Art werden von M&#228;ngeln im Werk der Meister sprechen. Sie werden ein Liedchen singen, um uns mitzuteilen, dass sie marxistisch und nicht dogmatisch sind. F&#252;r sie haben das Geld, das Kapital, der Staat ihren b&#252;rgerlichen Charakter verloren, um proletarisch zu werden. Die tollk&#252;hnsten unter ihnen gehen so weit, zu sagen, dass, wenn der Kommunismus einmal aufgebaut ist, man sich vielleicht all dieses Ramsches entledigen kann. F&#252;r die anderen ist der Kommunismus schlicht und einfach eine Gesellschaft, wo der Lebensstandard sehr, sehr hoch sein wird. Auf jeden Fall verliert sich der Kommunismus in den Wolken und die Leiter, die dorthin f&#252;hrt, besteht aus einer Vielzahl an Stufen, die genau so viele &#220;bergangsphasen bilden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist exakt, dass man in den L&#228;ndern des Ostens den Kommunismus aufbaut. Man baut ihn nicht besser oder bewusster auf als anderswo. Eine Revolution wird notwendig sein, um ihm Leben einzuhauchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Konzeption des Aufbaus des Kommunismus mithilfe von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Instrumenten ist typisch b&#252;rgerlich. Sie konzipiert die Sache wie die Produktion eines verfertigten Gegenstandes. Sie betrachtet die Gesellschaft als eine grosse Fabrik. Sie glaubt, das Ganze funktioniere wie die einzelnen Teile. Es handelt sich um Willen, ein Projekt, eine politische Linie...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Irrtum der Stalinisten in Bezug auf die Entwicklung wirkt sich auf das Resultat aus. Es geht nicht darum, die Wirtschaft der Unternehmen zum Verschwinden zu bringen, sondern aus der Wirtschaft ein einziges Unternehmen zu machen. Die von der Existenz der Polizei repr&#228;sentierte Verschwendung wird verschwinden. Die St&#228;rkung des moralischen Sinnes durch die &#8222;kommunistische&#8220; Bildung wird gen&#252;gen, um den Diebstahl und die Subversion zum Verschwinden zu bringen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die beste L&#246;sung ist freilich jene, welche Josef Stalin selbst vorgeschlagen hat. Wenn man die Dinge nicht &#228;ndern kann, &#228;ndert man die W&#246;rter. Wie sollen, erkl&#228;rt uns der Vater der V&#246;lker, jene, welche einen Lohn erhalten, Lohnarbeiter sein, schliesslich sind die durch den Staat Eigent&#252;mer an jenen Unternehmen, welche sie anstellen. Man kann nicht selbst sein eigener Lohnarbeiter sein! Die Lohnarbeit ist also in der Sowjetunion abgeschafft worden. Wenn ihr den Eindruck habt, einen Lohn zu erhalten, oder Angst, entlassen zu werden, dann habt ihr Wahnvorstellungen. Gl&#252;cklicherweise verf&#252;gt unsere sozialistische Heimat &#252;ber Erziehungslager und psychiatrische Spit&#228;ler!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stalin r&#228;umt ein, dass die Warenproduktion und die Unterteilung in Unternehmen fortbestehen, doch es kann sich nicht um Kapitalismus handeln, denn was den Kapitalismus definiert, ist die Tatsache, dass Private die Produktionsmittel kontrollieren. Es l&#228;uft alles auf ein Problem juristischer Definitionen hinaus. Es gen&#252;gt, dass der Staat proklamiert, er sei kommunistisch, damit er es ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit uns Stalin all das im Text &lt;i&gt;Die &#246;konomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR&lt;/i&gt; erkl&#228;rt hat, haben jene, welche sich mit der Frage befasst haben, nicht viel Neues hinzugef&#252;gt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann in Mao Zedong oder Fidel Castro mutige Partisanen, geschickte Politiker sehen. Man kann davon ausgehen, dass die Chinesen besser gen&#228;hrt sind als die Inder und weniger politische Freiheiten haben als die Japaner. Doch all das geh&#246;rt zum Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;III. Ende des Eigentums&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommunismus bedeutet das Ende des Eigentums. Die Sache ist bekannt und ruft viel Besorgnis hervor. Einige sind absolut gerechtfertigt. Die Besitzer von grossen Landg&#252;tern, vielen und prunkvollen Residenzen werden gezwungen werden, ihren Lebensstil zu &#228;ndern. Die industriellen und kaufm&#228;nnischen Verm&#246;gen werden verschwinden. Jene, welche enteignet werden, bilden, obwohl sie heute einen grossen Anteil der Reicht&#252;mer der Gesellschaft kontrollieren, eine beschr&#228;nkte und sehr abgegrenzte Kaste. Wir werden &#252;brigens im Allgemeinen nicht Leute angreifen, wir werden gem&#228;ss dem Wesen der G&#252;ter handeln. Wir werden uns die Schl&#246;sser nehmen und die H&#252;tten lassen, m&#246;gen sie den Armen oder den Reichen geh&#246;ren! Die Besorgnis in den K&#246;pfen der Proletarier und v.a. der Bauern sind nicht gerechtfertigt. Kommunismus bedeutet nicht, dem Unterdr&#252;ckten das letzte Hemd wegzunehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist das Eigentum?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Die Polemik zwischen Marx und Proudhon bezeugt das. &#8222;Eigentum ist Diebstahl&#8220;, hatte letzterer gesetzt. Proudhon erfasst sehr wohl, dass die Herkunft des Eigentums nicht nat&#252;rlich ist. Es ist das Produkt einer Gesellschaft, wo Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse, Gewalt und die Aneignung der Bem&#252;hung durch andere vorherrschen. Doch wenn man sagt, Eigentum sei Diebstahl, obwohl sich Diebstahl nur im Verh&#228;ltnis zu Eigentum definieren l&#228;sst, dreht man sich im Kreis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem ist noch komplizierter geworden, als man vom Eigentum zur Abschaffung des Eigentums gekommen ist. Sollte man alles Eigentum abschaffen, egal ob es die Produktionsmittel oder die pers&#246;nlichen G&#252;ter betrifft? Soll selektiv gehandelt werden? Geht es darum, das Privateigentum durch kollektives oder staatliches Eigentum zu ersetzen? Geht es darum, radikal alles Eigentum abzuschaffen und wie k&#246;nnte das ausschauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus w&#228;hlt den letzten Vorschlag. Es geht nicht um einen Transfer von Eigentumsurkunden, sondern um das g&#228;nzliche Verschwinden des Eigentums. In der revolution&#228;ren Gesellschaft wird man nicht ein Gut aus dem Grund, dass man der Eigent&#252;mer davon ist, &#8222;gebrauchen und missbrauchen&#8220; k&#246;nnen. Diese Regel wird keine Ausnahme kennen. Ein Geb&#228;ude, eine Nadel, ein Grundst&#252;ck wird niemandem mehr oder, wenn man so will, allen geh&#246;ren. Die Idee des Eigentums selbst wird schnell als eine Absurdit&#228;t betrachtet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wird also auch alles allen geh&#246;ren? Kann jeder Dahergelaufene mich obdachlos machen, meine Kleider oder mir das Brot aus dem Mund nehmen, weil ich ja nicht mehr Eigent&#252;mer meines Hauses, meiner Kleidung oder meiner Nahrung bin? Sicher nicht, die materielle und affektive Sicherheit von allen wird im Gegenteil verst&#228;rkt werden. Man wird sich schlicht und einfach nicht auf das Eigentum als Schutz beziehen, sondern direkt auf das Interesse der betroffenen Person. Jeder soll genug und gem&#228;ss seinen W&#252;nschen zu essen, ein Dach &#252;ber dem Kopf und Kleidung haben. Alle sollen gem&#228;chlich leben k&#246;nnen. Einige Ideologen wollen im Eigentum nur die menschliche Verl&#228;ngerung des tierischen Territoriums sehen. Somit ist das Eigentum nicht mehr die Eigenschaft einer gegebenen Epoche, nicht mal mehr einer besonderen Spezies, sondern eines gesamten zoologischen Zweiges. Man hat jedoch noch nie einen Fuchs oder einen B&#228;r dabei erwischt, ein Territorium zu vermieten, dessen Eigent&#252;mer er w&#228;re, oder einen Bau zu bewohnen, wovon er nur Mieter w&#228;re! In unserer Gesellschaft kommt das allerdings h&#228;ufig vor. Es ist eben genau das Eigentum, das es erlaubt, Gebrauch und Besitz voneinander zu trennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass ein Gut kein Eigentum mehr ist, gibt keinen Hinweis darauf, wie man es gebraucht. Doch der Gebrauch wird eben genau auf den Gebrauch reduziert. Ein Fahrrad wird dazu dienen, sich fortzubewegen, und nicht mehr, dass Herr Dupont, sein legitimer Eigent&#252;mer, sich fortbewegt. Ob die menschlichen Wesen oder gewisse menschliche Wesen aus sentimentalen oder affektiven Gr&#252;nden ein fixes Territorium oder gewisse Gegenst&#228;nde brauchen, an welchen sie sich festhalten k&#246;nnen, ist nicht eine Frage des Eigentums. Die Hygieniker k&#246;nnen beruhigt sein: Wir schlagen nicht vor, die Zahnb&#252;rsten zu vergemeinschaften.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entgegensetzung von Individualismus und Kollektivismus, von pers&#246;nlichem und gesellschaftlichem Gebrauch, um zu versuchen, daraus einen &#8222;gesellschaftspolitischen Entscheid&#8220; zu machen, ist gleichbedeutend mit b&#252;rgerlicher Dummheit. Von diesem Standpunkt aus sollte man die Eisenbahn bedingungslos gegen das individuelle Fahrzeug verteidigen. Die Kommunisten seien f&#252;r die kollektive Orgie und die B&#252;rgerlichen f&#252;r die Masturbation! Uns sind solche Debatten egal, sie k&#246;nnen nur in Bezug auf praktische Umst&#228;nde geregelt werden. Auf jeden Fall sind es nicht wir, die zusammenpferchen und entpersonalisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der gegenw&#228;rtigen Situation stellt das Recht auf Eigentum eine Garantie in Anbetracht der Zerst&#246;rung des pers&#246;nlichen Lebens dar. Es ist eine sehr l&#228;cherliche Garantie. Sie hindert den L&#228;rm in schlecht isolierten Geb&#228;uden nicht daran, &#252;berall geh&#246;rt zu werden. Sie kann nicht viel gegen eine Enteignung machen. Der Bauer ist vielleicht Eigent&#252;mer seines Landes. Das hat die l&#228;ndlichen Gebiete nicht daran gehindert, sich zu leeren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage sind B&#246;den brachliegend, H&#228;user unbewohnt, Reicht&#252;mer aller Art werden beseitegelassen. All das werden wir sehr wohl brauchen. Leider wollen oder k&#246;nnen die Eigent&#252;mer sie nicht benutzen oder aufgeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff des Eigentums beschreibt eine Realit&#228;t, doch er ist auch eine Mystifizierung. Man kann Eigent&#252;mer sein, ohne wirklich die Kontrolle zu haben. Die L&#252;ge ist doppelt. Sie ist gesellschaftlich und wirtschaftlich. Sie betrifft auch die Beziehungen zwischen den Menschen und der Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Recht auf Eigentum ist notwendig f&#252;r den Kapitalismus. Der Handel verlangt, dass die Dinge klar sind. Wenn man handelt, muss man wissen, wer wirklich &#252;ber eine Ware verf&#252;gt und wer nicht. Der lokale Brauch kann die Frage regeln, wie wir uns arrangieren und wie wir die Sachen benutzen. Sobald die Sachen im Verh&#228;ltnis zum Menschen eine Unabh&#228;ngigkeit erlangen und weitergereicht werden k&#246;nnen, reicht der Brauch nicht mehr. Nur Fetzen davon sind in l&#228;ndlichen Gebieten &#252;briggeblieben: Wegrecht, Wasserversorgung, Recht auf Nachlese&#8230; Die Ware und das Kapital brauchen eine Gesamtheit an g&#252;ltigen Regeln unabh&#228;ngig vom besonderen Charakter einer Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Mittelalter existierte das Grundeigentum im modernen Sinne nicht. Auf einem gegebenen Gebiet gab es die Rechte der Leibeigenen, der Feudalherren, der Lehnsherren, der Kirche&#8230; Bis hinein ins 19. Jahrhundert besteht eine gewisse Anzahl an Regeln fort, welche die Macht des Besitzenden einschr&#228;nken, er kommt nur in den Genuss des ersten Schnittes einer Weide, hat nicht das Recht, sie einzuz&#228;unen, muss die Nachlese und das Weiderecht erlauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Welt der b&#252;rgerlichen Gleichheit sind alle freie Eigent&#252;mer. Der Bauer ist es von seinem Feld, der Chef von seiner Fabrik, der Arbeiter von seiner Arbeitskraft. Es gibt keinen Diebstahl, einer bereichert sich jedoch und akkumuliert ohne Verh&#228;ltnis zu dem, was ihm seine eigene Arbeit erlauben sollte. Das Eigentum kaschiert die Ausbeutungsverh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl der zum &#8222;Landwirt&#8220; gewordene Bauer die Parzelle besitzt, welche er bebaut, ist er trotzdem Preisen ausgesetzt, deren Bildung seinen Handlungsspielraum &#252;bersteigt. Zwar arbeitet er pausenlos, doch er schafft es nicht, reich zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Eigentum erkl&#228;rt nicht die Macht der kapitalistischen Unternehmung. Sie ist Eigent&#252;merin des fixen Kapitals: Geb&#228;ude, Maschinen. Das veranschaulicht die Bedeutung der Reicht&#252;mer nicht, welche durch ihre H&#228;nde gehen und ihren Umsatz darstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verflechtung der Wirtschaft zwingt zu einer Beschr&#228;nkung des Rechts auf Eigentum. Was man n&#228;mlich bei sich tut, l&#228;uft Gefahr, unangenehme Folgen f&#252;r die Nachbarin zu haben. Man kann sich nicht ungestraft seines M&#252;lls in einem Fluss entledigen, nur weil man Eigent&#252;mer eines Teils einer Uferb&#246;schung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der absolute Charakter des Rechts auf Eigentum, es ist &#8222;unverletzlich und heilig&#8220; gem&#228;ss der Erkl&#228;rung der Menschenrechte, rechnet nicht mit der Macht und den Launen der Natur. Auch der hartn&#228;ckigste Eigent&#252;mer wird machtlos sein, wenn ein Vulkan bei ihm ausbricht. Er kann die Polizei zur Hilfe rufen, doch deshalb wird der Eindringling nicht verschwinden. Es ist eine allgemeine Regel, dass die Gegenst&#228;nde und Ph&#228;nomene der Natur uns nicht gehorchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie es Ni&#241;o Cochise, der Enkel des grossen Cochise, anmerkt, ist das Dasein der weissen M&#228;nner durch den Streit um Land gepr&#228;gt. Es sind jedoch nicht die Menschen, welche die Erde besitzen k&#246;nnen, sondern im Gegenteil die Erde, welche die Menschen besitzt und ern&#228;hrt. Sie wird sie alle eines Tages begraben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die landwirtschaftliche Frage&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die landwirtschaftliche Frage ist eng mit der L&#246;sung des Problems des Eigentums verbunden. Es ist eine vitale Frage f&#252;r die Revolution. In der Vergangenheit wurden Aufst&#228;nde der Arbeiter von Bauernarmeen bek&#228;mpft. Das Gegenteil gab es &#252;brigens auch, wie in Mexiko. Der Kleinbauer war im Namen der Verteidigung seines heiligen Rechts als Eigent&#252;mer stets leicht mobilisierbar f&#252;r die Konterrevolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den industrialisierten L&#228;ndern hat das Kapital jene Arbeit gemacht, welche es den &#8222;Roten&#8220; vorwarf, tun zu wollen: Es hat den grossen Teil der Bauern aus ihrem Zuhause verjagt. Es kann also zur Formation der Armee der Konterrevolution nicht mehr auf ihre ver&#228;ngstigte Masse z&#228;hlen. Der Nachschub an Lebensmittel in den St&#228;dten basiert allerdings weiterhin auf den l&#228;ndlichen Gebieten. Die Partei der Ordnung wird sich immer gl&#252;cklich sch&#228;tzen, aus dieser Situation eine Waffe gegen die Revolution zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die landwirtschaftlichen Arbeiter nicht Eigent&#252;mer des Bodens sind, welchen sie bebauen, sondern einfache Bauern oder Lohnarbeiter grosser Betriebe, werden sie sich organisieren, um sich um die Produktion zu k&#252;mmern. Sie werden ihren ehemaligen Chefs nichts mehr schuldig sein. Die Erde wird jenen geh&#246;ren, welche sie bebauen! Wenn ihr ehemaliger Chef oder Eigent&#252;mer sich ihnen anschliessen will, um ihnen mit seinen Kenntnissen und Kr&#228;ften zu helfen, wird das eine gute Sache sein. Er wird es nur unter der Bedingung der Gleichheit tun k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort, wo Landbesitz und Landbebauung zusammenfallen, wenn der Bauer sehr wenig Lohnangestellte oder &#252;berhaupt keine hat, muss das Problem aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Das zum Wohl der Gesamtheit der Gesellschaft, die nur schwer die unzufriedenen Landwirte entbehren kann. Das zum Wohl des Bauern, dessen Bedingung sich proletarisiert hat, der f&#252;r seinen Nachschub und seinen Absatz vom kapitalistischen System abh&#228;ngt und der verstehen muss, dass er mit der kommunistischen Revolution nur gewinnen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entwicklung des Kapitals geschah auf dem R&#252;cken der Landwirtschaft. Daraus kamen die Arbeitskraft und die Rohstoffe f&#252;r die Industrie. Der Kommunismus wird das Steuer herumreissen. Die Landwirtschaft ist sein bevorzugtes Kind, denn sie betrifft unmittelbar die Produktion der Nahrungsmittel und den Erhalt einer lebenswerten Umwelt. Zwei Dinge, die das Kapital besonders vernachl&#228;ssigt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Eigentum, auf Familienbasis oder auch nicht, wird verschwinden, zusammen mit dem Staat und dem juristischen System, die es garantierten. Die Nutzung und die Gewohnheit der Bebauung von Land wird bleiben und sollte sogar von den revolution&#228;ren Beh&#246;rden garantiert werden. Auf dieser Grundlage werden sich die Bauern vereinen oder, falls sie das bevorzugen, sich isoliert um ihre Parzelle k&#252;mmern k&#246;nnen. Es ist wahrscheinlich, dass sie zumindest w&#228;hrend einer gewissen Zeit die beiden Methoden kombinieren werden. Jeder wird mit seinem St&#252;ck Land verbunden bleiben, doch sie werden sich mehr denn heute f&#252;r gewisse Arbeiten und die Verteilung ihrer Produkte gegenseitig helfen. Das Erbe im engen Sinn wird verschwinden, doch wer hat gr&#246;ssere Chancen, qualifiziert zu sein, der Nachfolger eines Landwirts zu sein und daran Interesse zu haben, als sein Sohn!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die allgemeine Regel wird sein, dass die Bauern die landwirtschaftliche Produktion so organisieren, wie sie es m&#246;chten. Der Zwang wird die schlechteste und teuerste aller L&#246;sungen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vom &#246;stlichen Kapitalismus praktizierte Kollektivierung der Landwirtschaft hat nichts mit dem Kommunismus zu tun. Man kollektivierte nicht aus ideologischen Gr&#252;nden, sondern aus wirtschaftlichen und ausgehend von Klasseninteressen. Es war notwendig, gegen die spontane Wiedergeburt der Bourgeoisie in den l&#228;ndlichen Gebieten zu k&#228;mpfen. Die reichen Bauern bereicherten sich auf dem R&#252;cken der armen Bauern, indem sie Wucherkredite praktizierten. Somit entstand ein Pol der Akkumulation von Wucherkapital, das den industriellen Pol konkurrenzierte, auf welchen sich die B&#252;rokratie st&#252;tzte. Deshalb war es notwendig, die Kollektivierung der Landwirtschaft durchzusetzen und den Preis daf&#252;r zu bezahlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Preis war hoch. Anf&#228;nglich leisteten die Bauern in der Sowjetunion Widerstand, sie gingen sogar so weit, ihren Viehbestand zu dezimieren. Langfristig waren die Konsequenzen eine Stagnation der landwirtschaftlichen Produktivit&#228;t aufgrund des geringen Interesses in den Kolchosen. Daher kommt eine wechselhafte Politik betreffend famili&#228;ren Landbesitzes. Die Kollektivierung hat dazu beigetragen, die Bauern in den l&#228;ndlichen Gebieten zu belassen, indem sie einem direkten wirtschaftlichen Druck entzogen wurden. Das f&#252;hrte zu einem geringeren Druck und einer geringeren Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Die UdSSR hat, in Anbetracht ihres industriellen Niveaus, eine aussergew&#246;hnlich bedeutende Masse an Bauern konserviert. Sie tr&#228;gt sie wie eine B&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem wir uns weigern, zu kollektivieren, weigern wir uns, die Revolution in die l&#228;ndlichen Gebiete zu tragen und sie zu kommunisieren? &#220;berhaupt nicht! Ganz im Gegenteil! Die kommunistische Revolution ist gleichbedeutend mit der Beseitigung der Warenwirtschaft. Das betrifft auch die l&#228;ndlichen Gebiete.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Landwirt wird im Austausch f&#252;r seine Bem&#252;hungen kein Geld mehr erhalten, falls er Lohnarbeiter ist, oder f&#252;r seine Waren, falls er unabh&#228;ngiger Produzent ist. Er wird der Gesellschaft unentgeltlich den &#220;berschuss seiner Produktion liefern. Im Gegenzug wird er nichts bezahlen m&#252;ssen f&#252;r jene G&#252;ter, welche f&#252;r seinen Lebenserhalt und seine T&#228;tigkeit notwendig sind. Er wird nicht mehr vom Streben oder vom Bedarf nach Geld getrieben sein. Er wird direkt getrieben sein vom Interesse f&#252;r die Arbeit, der Liebe f&#252;r seine Art der Existenz oder dem Wunsch, n&#252;tzlich zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Leben als Bauer wird weniger aufw&#228;ndig sein. Er wird &#228;ussere Arbeitskraft zur Hilfe rufen k&#246;nnen. Das wird m&#246;glich gemacht werden durch die Schliessung vieler mehr oder weniger parasit&#228;rer Unternehmen und eine Reduzierung der Arbeitskraft in der Industrie und dem terti&#228;ren Sektor. Es wird m&#246;glich sein, gewisse Produktionen w&#228;hrend der Periode grosser landwirtschaftlicher Arbeiten auszusetzen, um Arbeitskr&#228;fte verf&#252;gbar zu machen. Das ist heutzutage unvorstellbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht nur einfach die Produktion wird transformiert werden, sondern auch die Distribution. Der Weg vom Landwirt zum Konsument wird so gut wie m&#246;glich reduziert werden. Der Transport der Produkte wird direkt von einer landwirtschaftlichen Siedlung in die Stadt erfolgen und die betroffenen Leute werden sich selbst darum k&#252;mmern. Wenn man den Preisunterschied zwischen dem Produktionspreis und dem vom Konsumenten bezahlten betrachtet, versteht man das Interesse einer solchen Vereinfachung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bauern werden selbst oder unter Einbezug von Hilfskr&#228;ften das Land bebauen und Vieh z&#252;chten. Sie werden es nicht unabh&#228;ngig vom Rest der Gesellschaft tun. Wir versprechen ihnen nicht die absolute Freiheit. Die Landwirtschaft h&#228;ngt heute von anderen Sektoren ab und das wird auch so bleiben. Vor ihr stehen ihre Lieferanten von D&#252;nger und landwirtschaftlichem Material. Ihre Unabh&#228;ngigkeit ist also diesbez&#252;glich notwendigerweise beschr&#228;nkt. Sonst nimmt sie aber einen zu bedeutenden Platz ein, als dass alle, die von ihr abh&#228;ngen, sich weigern w&#252;rden, sie sich mal anzuschauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nehmen wir einen Extremfall: W&#252;rden die Landwirte ihr Land und ihr Vieh vernachl&#228;ssigen, da sie es nicht mehr n&#246;tig haben, Geld zu verdienen, so w&#228;re es naiv zu glauben, dass die Anderen einfach in Ruhe verhungern. In einer solchen Situation w&#228;re es m&#246;glich, im Gegenzug den Faulen weniger Lebensmittel zu geben. Die Landwirte m&#252;ssen ihr Land behalten und darauf angenehm leben k&#246;nnen. Doch wir k&#246;nnen nicht zulassen, dass sie zu Parasiten werden und v.a. dass sie sich G&#252;ter aneignen, die Andere an ihrer Stelle nutzen k&#246;nnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berwindung der Spaltung zwischen Stadt und Land ist Teil des Programms der Revolution. Das wird nur sehr progressiv geschehen k&#246;nnen, da sie in Stein und Beton gemeisselt ist. Man kann mit dem Zauberstab keine Wolkenkratzer oder W&#228;lder umsiedeln. Massnahmen in diesem Sinne werden aber schnell umgesetzt werden k&#246;nnen. So z.B. die provisorische oder definitive Umsiedlung der st&#228;dtischen Bev&#246;lkerungen in die l&#228;ndlichen Regionen, wo man zus&#228;tzlich kleine Industriezentren, wom&#246;glich in Verbindung mit den landwirtschaftlichen T&#228;tigkeiten, installieren k&#246;nnen wird. Viele Leute, welche die l&#228;ndlichen Regionen nur widerwillig verlassen haben oder die Stadt nicht m&#246;gen, werden gl&#252;cklich sein, dorthin zur&#252;ckzukehren. Die individuellen und kollektiven G&#228;rten werden spriessen und die Vorst&#228;dte und sogar die Stadtzentren beleben. Dazu werden wir Strassen wieder zu fruchtbarem Land machen, da sie aufgrund der Reduzierung des motorisierten Verkehrs nutzlos geworden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das wird die nachhaltige Entsorgung eines Teils des M&#252;lls erleichtern, die Transportkosten verringern und der Bev&#246;lkerung frisches Gem&#252;se verschaffen. Einer der Nachteile der kapitalistischen Landwirtschaft ist die Tatsache, dass sie das aufgrund ihrer Entfernung vom Konsumenten und seiner Abf&#228;lle hervorgebrachte Ungleichgewicht durch stets wachsende chemische oder biologische Unterst&#252;tzung kompensieren muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesen G&#228;rten werden die Kinder, die Alten, die Kranken, die heute h&#228;ufig von der Produktion ausgeschlossen und der Langeweile &#252;berlassen werden, sich besch&#228;ftigen und n&#252;tzlich f&#252;hlen. Das wird eine hervorragende Bildungsgrundlage f&#252;r eine ausgeschulte Jugend sein. Letztendlich wird es auch eine verschmutzte Luft reinigen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vom Mangel zur F&#252;lle&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Recht und das Gef&#252;hl f&#252;r Eigentum werden in der kommunistischen Gesellschaft erl&#246;schen, da der Mangel verschwinden wird. Es wird nicht mehr n&#246;tig sein, sich aus Angst an einen Gegenstand zu klammern, weil man nicht mehr in seinen Genuss k&#228;me, w&#252;rde man ihn auch nur einen Moment loslassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Durch welche Zauberei glaubt ihr, diese wundersame &#196;ra des &#220;berflusses hervorbringen zu k&#246;nnen?&#8220;, wird der Bourgeois ironisch fragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es besteht nicht die geringste Zauberei in all dem. Wir werden den &#220;berfluss hervorbringen k&#246;nnen, weil er vor unseren Augen schon da ist. Es geht nicht darum, ihn zu erschaffen, nur darum, ihn zu befreien. Es ist eben genau das Kapital, das die Menschen und die Natur w&#228;hrend Jahrhunderten unterjocht hat, das ihn m&#246;glich gemacht hat. Es ist nicht der Kommunismus, der pl&#246;tzlich den &#220;berfluss hervorbringen wird, sondern der Kapitalismus, der k&#252;nstlich den Mangel unterh&#228;lt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die riesige Steigerung der Produktivit&#228;t der Arbeit hat bis jetzt am Schicksal des Proletariats nicht viel ge&#228;ndert. Sie hatte sogar sch&#228;dliche Auswirkungen. Die Macht des Kapitals hat die traditionellen Gesellschaften der Dritten Welt zerst&#246;rt, ohne ihren Bev&#246;lkerungen den Zugang zur industriellen Welt zu erlauben. Diese Tatsache, verbunden mit einem monstr&#246;sen demographischen Wachstum, hat einen grossen Teil der Menschheit zu totalem Elend verdammt. Der Status als Lohnsklave wird zu einem wahrhaftigen Aufstieg in Vergleich zu jenem als Obdachlosen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Atomkraft und die Elektronik wirkten zuerst als Waffen. Zum Gl&#252;ck haben uns die Fortschritte der Wissenschaft von diesen barbarischen Zeiten entfernt, wo man gezwungen war, jene zu sehen, welche man t&#246;tete, und wo man manchmal sogar mit ihrem Blut bespritzt wurde. Wow!!!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar die Bewohner der &#8222;reichen&#8220; L&#228;nder, welche von dieser Steigerung der Produktivit&#228;t profitieren, werden &#252;bers Ohr gehauen. Die Lohnerh&#246;hungen und die Steigerung des Konsums dienen nur dazu, die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen wettzumachen. Der Besitz von mehr Gegenst&#228;nden oder perfektionierteren Gegenst&#228;nden als in einer vergangenen Zeit bedeutet nicht, dass wir besser leben. Der Arbeiter hat ein Auto, was sein Vater nicht hatte. Doch sein Arbeitsort und die l&#228;ndliche Region des Wochenendes sind weit voneinander entfernt. In den Staus verliert er erneut, was der Arbeitszeit entrissen worden ist, und die nerv&#246;se M&#252;digkeit kompensiert den geringeren k&#246;rperlichen Aufwand. Was die Industrie mit einer Hand zugesteht, haben sich die Bedingungen ihrer Entwicklung schon mit der anderen zur&#252;ckgeholt. Sie preist die Qualit&#228;t ihrer Hausmittel, aber vergisst, zu sagen, dass sie die Krankheit &#252;bertr&#228;gt. Das ist kein Zufall. Die Logik der Warenproduktion setzt voraus, dass die Bedingungen der Unzufriedenheit unterhalten werden. Das Medikament braucht die Krankheit. Wie es Fourier bemerkt hatte: In der Zivilisation entsteht der Mangel aus dem &#220;berfluss selbst und die Gesellschaft dreht sich in einem Teufelskreis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das menschliche Wesen wird immer mehr auf die passive Rolle des Konsumenten reduziert. Sein untoter Zustand n&#228;hrt sich vom k&#252;nstlichen Leben der Waren. Sein Elend wird zur farbigen Widerspiegelung des in den Schaufenstern ausgestellten und zum besten Preis angebotenen Gl&#252;ckes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der kommunistischen Gesellschaft werden die G&#252;ter frei und gratis sein. Die gesellschaftliche Organisation wird sich in ihren Grundlagen des Geldes entledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie kann verhindert werden, dass die Reicht&#252;mer von gewissen zu Lasten von anderen in Beschlag genommen werden? L&#228;uft unsere Gesellschaft nicht Gefahr, nach einem Moment der Euphorie, wo wir die existierenden Reserven unserer Gesellschaft nutzen werden, in die Verschwendung und die Ungleichheit abzugleiten, bevor sie in der Unordnung und in der Schreckensherrschaft versinkt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Bef&#252;rchtungen haben nicht einfach eine Handvoll Privilegierter, die ein direktes Interesse an der Erhaltung des Systems haben. Sie dr&#252;cken auch den Standpunkt der Unterdr&#252;ckten aus, die Angst haben, dass ein gesellschaftlicher Umsturz ihre Lage verschlimmert. Werden im Sturm die Grossen nicht besser bewaffnet sein, um davonzukommen, als die Kleinen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der entwickelten kommunistischen Gesellschaft werden die Produktivkr&#228;fte zur Befriedigung der Bed&#252;rfnisse gen&#252;gend sein. Das frenetische und neurotische Verlangen nach Konsum und Beanspruchung wird verschwinden. Es wird absurd sein, akkumulieren zu wollen: Es wird kein Geld mehr geben, das man einstecken, und keine Lohnarbeiter, die man anstellen k&#246;nnte. Wozu sollte man Bohnenb&#252;chsen oder Zahnprothesen akkumulieren, die einem nichts n&#252;tzen? Wenn in diesem Stadium eine Form des Zwangs weiterbesteht, so wird es nicht jener der Distribution der Produkte sein, sondern in ihrem Wesen selbst, in den durch besondere Gebrauchswerten auferlegten Verbindlichkeiten. Es wird notwendigerweise M&#246;glichkeiten auf der Ebene der Fabrikation geben, f&#252;r welche man sich entscheidet, und andere, welche man ablehnt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die revolution&#228;re Gesellschaft die Wege der alten Welt verlassen wird, wird die Situation eine andere sein. Die revolution&#228;ren Beh&#246;rden, die Arbeiterr&#228;te, werden eine gewisse Anzahl an Regeln definieren und anwenden m&#252;ssen, um vor der R&#252;ckkehr der Gewohnheiten und Mechanismen der Warenwelt gesch&#252;tzt zu sein. Es wird vielleicht notwendig sein, die Anzahl Bohnenb&#252;chsen oder Zuckers&#228;cke, die jeder bei sich zu Hause aufbewahren k&#246;nnen wird, zu beschr&#228;nken. Mann kann die Dauer dieser Phase nicht pr&#228;zis definieren. Sie wird aufgrund der gr&#246;sseren oder kleineren Armut der Regionen variieren. Sie wird von der Macht und der Entschlossenheit der revolution&#228;ren Partei abh&#228;ngen. Ein von der Partei des Kapitals ausgel&#246;ster Krieg, der zu Sch&#228;den in der Produktion und im Transport f&#252;hren w&#252;rde, w&#252;rde diese &#220;bergangsphase gezwungenermassen verl&#228;ngern. Wenn man nur von der notwendigen Periode zur kommunistischen Umwandlung der Produktivkr&#228;fte ausginge, k&#246;nnte sie sehr kurz sein. Man schaue sich nur an, wie schnell die amerikanische Wirtschaft sich w&#228;hrend dem Zweiten Weltkrieg in eine Kriegswirtschaft verwandeln konnte!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Kommunismus werden der Charakter der Gesamtheit der Produktion und das Wesen der produzierten Gegenst&#228;nde eine radikale Transformation erfahren. Das Verschwinden des Tauschwerts wirkt sich auf den Gebrauchswert aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Transformation der Produkte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die auf dem Markt angebotenen Waren stellen ein extrem hierarchisiertes Ensemble dar. Es gibt nicht eine Ware oder einige Waren f&#252;r ein gegebenes Bed&#252;rfnis, sondern eine Vielzahl von der gleichen Marke oder konkurrierenden Marken. Es geht nat&#252;rlich darum, die &#214;ffentlichkeit zu befriedigen und eine Antwort auf die Mannigfaltigkeit ihrer Bed&#252;rfnisse zu bieten. Der Kunde muss die Wahl haben! In Tat und Wahrheit hat er nur jene Wahl, welche ihm seine finanziellen Mittel und seine gesellschaftliche Funktion erlauben. Etliche Waren stellen eine Antwort auf das gleiche Bed&#252;rfnis dar, doch sie unterscheiden sich durch ihre Qualit&#228;t und ihren privaten Charakter. Das gilt z.B. f&#252;r Kocht&#246;pfe. Verschiedene Produkte k&#246;nnen verschiedenen Nutzungen entsprechen. Nur sind diese verschiedenen Nutzungen nicht f&#252;r die gleichen Individuen erschwinglich. Es sind nicht die gleichen, welche ihre Gesch&#228;fte mit dem &#220;berschallflugzeug oder mit dem Fahrrad erledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Hierarchisierung und Unterscheidung der Waren ist die Widerspiegelung der Konkurrenz der Gruppen und der extremen Ungleichheit der L&#246;hne und der Existenzbedingungen in der kapitalistischen Welt. Sie pr&#228;gen die industrielle Entwicklung. Die Bed&#252;rfnisse der Reichen stellen den Leitfaden dar. G&#252;ter wie das Auto verlieren einen grossen Anteil ihrer Gebrauchsqualit&#228;t, wenn sie nicht mehr das Privileg einer Minderheit sind, um von allen angeeignet zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus schl&#228;gt nicht vor, allen Individuen die gleiche Uniform anzuziehen und sie mit der gleichen Br&#252;he zu ern&#228;hren. Doch er wird Schluss machen mit dieser verh&#228;ngnisvollen Diversifizierung und Hierarchisierung der Produkte. Die neuen und noch seltenen G&#252;ter werden anfangs kollektiv oder von den Erstgekommenen genutzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Bereich der Bekleidung kann man sich vorstellen, dass wir einerseits eine beschr&#228;nkte aber gen&#252;gende Anzahl Qualit&#228;tsbekleidung zur Abdeckung aller Gr&#246;ssen und gew&#246;hnlicher Gebr&#228;uche produzieren. Sie werden massiv und auf so automatische Art und Weise wie m&#246;glich produziert werden. Andererseits k&#246;nnten wir Ateliers er&#246;ffnen, wo Maschinen und Stoff f&#252;r alle jene zur Verf&#252;gung stehen werden, welche f&#252;r sich selbst oder ihre Freunde andere Kleider fabrizieren m&#246;chten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ber&#252;hmte Freiheit des Konsumenten ist nicht nur durch die Anzahl seiner Taler beschr&#228;nkt. Man kann teuer bezahlen und bez&#252;glich der Qualit&#228;t reingelegt werden. Wenn man nicht viel Geld hat, kann man praktisch sicher sein, dass man Schund bekommen wird. Betrug und die Ware bedingen sich gegenseitig. Es ist kein weiter Weg vom H&#228;ndler zum Gauner. Es ist wichtig, dass man scheinbar einen Vorteil hat, und es ist relativ unbedeutend, dass dieser nur scheinbar ist. Was vorher von der Bosheit des H&#228;ndlers abhing, ist unter dem Kapital praktisch zu einer permanenten Regel geworden. Das Kapital selbst produziert die Ware. Es kann also den Schwerpunkt auf ihr Bild statt auf ihre wirkliche Qualit&#228;t legen. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo Ingenieure den notwendigen Verfall der Gegenst&#228;nde berechnen und bestimmen. Der Markt darf nicht mit Produkten behindert werden, welche zu lange halten w&#252;rden!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je schneller ein Kapital &#252;brigens zirkuliert, je schneller es wieder die Geldform annimmt, um sie wieder zu verlieren und zu einer konkreten Ware zu werden, desto mehr bringt es ein. Es kann mit einem zus&#228;tzlichen Profit neu investiert werden. Diese Tendenz des Kapitals f&#252;hrt dazu, dass es unergiebige Reserven verwirft. Alles muss schnell zirkulieren. Sogar Investitionen in Geb&#228;ude und Maschinen m&#252;ssen so schnell wie m&#246;glich amortisiert sein: Sie repr&#228;sentieren immobilisiertes Geld. Der Kapitalist opfert die M&#246;glichkeiten der Technik auf dem Altar der Finanz. Er investiert eher kurz- denn langfristig. Man schr&#228;nkt die Qualit&#228;t ein und man erh&#246;ht den Preis der Produkte, weil man die Investitionen in Produktionsmittel eingeschr&#228;nkt hat. Man bevorzugt eine schnelle Erneuerung und eine oberfl&#228;chliche Ver&#228;nderung einer Produktpalette gegen&#252;ber tiefgehenden technologischen Modifikationen des Produktionsapparats. Der technische Fortschritt wird sehr wohl verwirklicht, die Geschichte des Kapitalismus bezeugt es, doch es geschieht begleitet von wirtschaftlichen Kr&#228;mpfen und einer enormen Verschwendung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Produkte der menschlichen T&#228;tigkeit nicht mehr die Form von Kapital annehmen werden, wird es keinen Grund mehr geben, keine Reserven anzulegen. Sie werden unsere Sicherheit garantieren und die Imperative der Produktion und der Transporte lockern, indem sie eine Pufferfunktion spielen werden. Ausser, wenn die Natur der Produkte selbst es verlangen wird, wird die Notwendigkeit zur st&#228;ndigen Eile verschwinden. Es wird m&#246;glich sein, langfristige Projekte aufzugleisen und die Kr&#228;fte f&#252;r bedeutende und langfristige Investitionen zu b&#252;ndeln. Die Technik wird dahingehend orientiert werden, dass sie die Fabrikation von nachhaltigen Gegenst&#228;nden erlauben wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage sind die Zirkulationskosten der Waren immer betr&#228;chtlicher geworden, oft sind sie h&#246;her als die eigentlichen Produktionskosten. Zu den Zirkulationskosten geh&#246;rt nicht nur der Preis des Transports, sondern auch jener der Verpackung, des Marketings, der Werbung&#8230; Ein grosser Anteil dieser Kosten h&#228;ngt nicht von der Natur des Produkts oder des Ortes ab, wo es gebraucht wird. Sie stellen eine F&#246;rderung der Ware als Ware dar. Sie werden verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar bez&#252;glich der eigentlichen Transportkosten werden betr&#228;chtliche Ersparnisse m&#246;glich sein. Die zunehmende Trennung zwischen Orten der Produktion und des Konsums hat viel mit der kapitalistischen Natur des Systems zu tun. Die Zustellung der Waren wird vereinfacht werden. Die vielen Unternehmen und Zwischenh&#228;ndler werden verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die mit der Notwendigkeit der Kontrolle und der &#220;berwachung zur Verhinderung von Diebstahl verbundenen Kosten werden, genau wie alles, was mit Bezahlung zu tun hat, keine Daseinsberechtigung mehr haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser neuen Welt wird der Mensch nicht pausenlos bezahlen und sich rechtfertigen m&#252;ssen, um sich zu ern&#228;hren, fortzubewegen, zu am&#252;sieren. Diese Gewohnheit wird er schnell verlieren. Daraus wird das Gef&#252;hl entstehen, wirklich frei zu sein. Er wird sich &#252;berall zu Hause f&#252;hlen. Da er nicht pausenlos kontrolliert wird, wird er nicht in Versuchung kommen, etwas zu missbrauchen. Weshalb sollte man versuchen, zu l&#252;gen oder geheime Reserven anzulegen, wenn man sicher ist, dass man satt werden wird?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Gef&#252;hl des Eigentums wird allm&#228;hlich verschwinden. R&#252;ckblickend wird es als komisch und kleinlich erscheinen. Wieso sollte man sich an einen Gegenstand oder eine Person festklammern, wenn das gesamte Universum einem geh&#246;rt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der neue Mensch wird seinem Vorfahren &#228;hneln, der J&#228;ger und Sammler war und der einer Natur vertraute, die gratis und h&#228;ufig im &#220;berfluss liefert, was man zum Leben braucht, der sich nicht um den n&#228;chsten Tag sorgte, da er darauf ohnehin keinen Einfluss hatte. Der Mensch von morgen wird als Natur die von ihm gestaltete Welt haben, der &#220;berfluss wird durch seine eigenen H&#228;nde entstehen. Er wird selbstbewusst sein, da er seiner Kraft vertraut und ihre Grenzen kennt. Er wird sorgenfrei sein, weil er weiss, dass die Zukunft ihm geh&#246;rt. Der Tod? Er existiert. Doch es ist nicht angemessen, &#252;ber etwas zu weinen, das notwendig ist. Was wichtig ist, ist, dass man den Moment geniessen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;IV. Jenseits der Arbeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus hat die Produktionsmittel ohne Unterbruch revolutioniert, doch er war unf&#228;hig, die produktive T&#228;tigkeit wirklich zu befreien und zu transformieren. Die industrielle Arbeit ist gleichbedeutend mit der extremsten Entfremdung. Der Proletarier im Blaumann oder im weissen Hemd ist an seine Maschine oder seine Arbeitsorganisation gekettet. Er nahm die Ermessensfreiheit und den Spielraum wahr, welche dem Handwerker oder gar dem Leibeigenen und dem Sklaven blieben. Der unpers&#246;nliche Charakter dieser Herrschaft macht sie nicht ertr&#228;glicher.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeit hat sich vom Rest des Lebens abgespalten. Sie beherrscht es durch die von ihr ausgel&#246;ste M&#252;digkeit und Verdummung und den durch sie verschafften Lohn.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Kontrolle des modernen Kapitals &#252;ber die Gesamtheit des gesellschaftlichen Lebens wird letztendlich die ganze Existenz von den Prinzipien der Arbeit bestimmt. Die Logik der Ergiebigkeit und der Produktion beherrscht die &#8222;freie&#8220; Zeit. Alles muss rationalisiert und rentabel gemacht werden, auch das Vergn&#252;gen und die Verschwendung! Jeder wird herzlich dazu eingeladen, die Nachfolge des Systems in seiner eigenen Selbstdisziplinierung anzutreten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist allen voran eine radikale Transformation der menschlichen T&#228;tigkeit. Diesbez&#252;glich kann man von der Abschaffung der Arbeit sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Arbeit und Folter&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn es ein Wort gibt, das nicht neutral ist, so ist es das Wort Arbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf Franz&#246;sisch und Spanisch kommt das Wort vom lateinischen Wort &lt;i&gt;trepalium&lt;/i&gt;, es beschrieb ein Folterinstrument, das auf das Kreuz folgte. Bevor es seine moderne Bedeutung annimmt, beschreibt es zuerst besonders m&#252;hsame Arbeiten, dann die Arbeit in den Minen. Heute hat sich seine Bedeutung betr&#228;chtlich ausgeweitet, doch die Grenzen davon bleiben vage. Die Arbeit, als ob es darum ginge, ihr eine nat&#252;rliche Rechtfertigung zu geben, beschreibt letztendlich k&#246;rperliche Ph&#228;nomene.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf Englisch verweist der Ursprung auf eine konkrete b&#228;uerliche T&#228;tigkeit. Was den Begriff der Arbeit auszeichnet, ist eben genau sein abstrakter Charakter. Er beschreibt nicht mehr diese oder jene besondere T&#228;tigkeit, sondern die T&#228;tigkeit und die Anstrengung an sich. Man pflanzt keinen Kohl mehr an, man webt nicht mehr, man passt nicht mehr auf die Schafe auf, man arbeitet. Jede Arbeit ist einer anderen gleichwertig. Was z&#228;hlt, ist die Zeit, die man daf&#252;r aufwendet, und der Lohn, den man daf&#252;r bekommt. Wie Marx es formulierte: &#8222;Die Zeit ist alles, der Mensch ist nichts mehr, er ist h&#246;chstens noch die Verk&#246;rperung der Zeit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir greifen nicht das Wort Arbeit an, sondern die sch&#228;ndliche Wirklichkeit, die es beschreibt. Es ist von geringer Bedeutung, ob der Begriff bleibt oder verschwindet. Wenn er bleiben soll, dann wird er seinen Sinn zutiefst &#228;ndern m&#252;ssen. Vielleicht wird er letztendlich den Gipfel des Genusses beschreiben!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der kommunistischen Gesellschaft wird die produktive T&#228;tigkeit ihren strikt produktiven Charakter verlieren. Die Obsession der Ergiebigkeit und der verlorenen Zeit wird verschwinden. Die Arbeit wird Teil der Gesamtheit eines transformierten Lebens sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine solche Ver&#228;nderung ist gleichbedeutend mit dem Ende der Hierarchie, der Teilung zwischen Anf&#252;hrern und Angef&#252;hrten, der Trennung zwischen Entscheidung und Ausf&#252;hrung, des Gegensatzes zwischen geistiger und k&#246;rperlicher Arbeit. Der Mensch wird nicht mehr von den Produkten seiner T&#228;tigkeit und seinen Werkzeugen beherrscht sein. Die Unterwerfung der Natur unter den Produktionsprozess und ihre Aneignung durch Gruppen oder Individuen werden verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Revolution wird von einer technologischen Mutation begleitet sein. Das Wesen der industriellen Entwicklung selbst wird in Frage gestellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der parasit&#228;re Charakter des Kapitalismus zeigt sich in der Tatsache, dass man das gesellschaftliche Leben garantieren kann, auch wenn ein grosser Teil der Unternehmen geschlossen werden. Ein Beweis f&#252;r die Ressourcen eines entwickelten Landes hat der Streik im Mai 68 in Frankreich geliefert. Die Gesamtheit der Industrie konnte w&#228;hrend einem Monat geschlossen sein, ohne dass die Folgen davon allzu f&#252;hlbar waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht werden wir w&#228;hrend der Periode der Revolution zu wenig Brot haben. Doch daf&#252;r wird nicht eine Schw&#228;che der Produktionskapazit&#228;t verantwortlich gemacht werden k&#246;nnen. Es wird die Folge von besonderen Ursachen sein. Das w&#252;rde uns nicht daran hindern, parasit&#228;re Industrien zu schliessen. Im Gegenteil, das w&#252;rde umso notwendiger werden, um die Kr&#228;fte hin zu den vitalen Sektoren zu orientieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen nicht im Vornhinein und detailliert entscheiden, was abgeschafft werden wird und was nicht. Wir sind &#252;berzeugt von der dreckigen Rolle der Kriegsindustrie. Sie wird keine Daseinsberechtigung in einer entwickelten kommunistischen Gesellschaft mehr haben. Wir k&#246;nnen jedoch nicht entscheiden, ob sie in einer &#220;bergangsphase nicht entwickelt werden muss!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entscheidungen werden sowieso nicht mehr von einem Komitee von Technokraten getroffen, sondern direkt von den betroffenen Arbeitern. Die Bedrohung eines Lohnverlustes wird in ihrer Entscheidung nicht mehr ins Gewicht fallen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sich einige aus Korporatismus oder aus weniger redlichen Gr&#252;nden an nutzlosen oder gar sch&#228;dlichen Aufgaben festklammern, werden sie vor der Gesamtheit des kommunistischen Proletariats daf&#252;r verantwortlich sein. Das Recht auf Eigentum oder auf freie Bestimmung wird keine Entschuldigung sein f&#252;r die Polizisten oder die Finanzangestellten, die m&#246;chten, dass die Routine ihrer kleinen Gewohnheitsarbeit weitergeht!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles, was der Finanz und der Staatsmaschinerie dient, was anstrengende und bedeutende Bem&#252;hungen zur Befriedigung sekund&#228;rer Bed&#252;rfnisse verlangt, wird eliminiert oder zumindest zutiefst transformiert werden. Produkte oder &#8222;Dienstleistungen&#8220; wie das Telefon, die elektrische Energie, die heutzutage von den Unternehmen genutzt werden, k&#246;nnen grossmehrheitlich direkt hin zum individuellen Konsum umorientiert werden. Geb&#228;ude und Maschinen werden anders genutzt werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zahlreiche Bed&#252;rfnisse werden mit viel geringeren gesellschaftlichen Ausgaben befriedigt werden k&#246;nnen. Der Transport z.B. wird auf einer viel vern&#252;nftigeren Nutzung der individuellen und kollektiven Fahrzeuge basieren. Die zeitlichen Imperative werden viel flexibler sein. Es wird viel weniger h&#228;ufig notwendig sein, zu verreisen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;T&#228;tigkeiten werden nicht wirklich verschwinden, sondern zutiefst transformiert werden. Die Bildung wird so gut es geht frei vom Handeln der Spezialisten sein. Das Druckwesen wird nicht mehr im Dienst grosser Tageszeitungen stehen, sondern in jenem einer Vielzahl kleiner Druckerzeugnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Produktion f&#252;r die Produktion und der Kampf um die Kunden werden keine g&#252;ltigen Prinzipien mehr sein, es wird darum gehen, die m&#252;hsame und uninteressante industrielle Arbeit so stark wie m&#246;glich zu beschr&#228;nken. Die Schliessung nutzloser Sektoren wird es erlauben, die notwendig gebliebenen produktiven Aufgaben zu erleichtern und zu variieren. Die befreiten gesellschaftlichen Kr&#228;fte werden sich um neue T&#228;tigkeiten k&#252;mmern k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kinder, die Studenten, die alten Leute und die Hausfrauen werden gem&#228;ss ihren F&#228;higkeiten an den gesellschaftlichen T&#228;tigkeiten teilnehmen k&#246;nnen, ohne auf dem Arbeitsmarkt eine konkurrierende Arbeitskraft darzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Transformationen sind nicht ein Luxus, der die Revolution sich erlauben sollte, um die Z&#246;gernden anzuziehen. Sie sind unmittelbar notwendig, um die Partei des Kapitals zu bek&#228;mpfen und die Kr&#228;fte gegen sie zu konzentrieren, denn es besteht das Risiko, dass sie eine gewisse Zeit &#252;berlebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wissenschaft und Automatisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All diese Massnahmen geben uns nur ein vages Bild dessen, was folgen wird. Der Kommunismus wird die materielle Grundlage benutzen, welche ihm die alte Welt vererben wird. Er wird v.a. technische und wissenschaftliche Errungenschaften entwickeln. Er wird es schneller und besser als das Kapital tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geh&#246;rt zum guten Ton, &#252;ber die vollendeten technischen Fortschritte seit dem Zweiten Weltkrieg zu schw&#228;rmen. In Wirklichkeit sollten wir uns eher &#252;ber die Langsamkeit wundern, mit welcher die wissenschaftlichen Entdeckungen in die Industrie vorstossen. Diese zeichnet sich allen voran durch ihre Tr&#228;gheit aus. Sie macht Fortschritte, wenn historische &#8222;Unf&#228;lle&#8220; sie dazu zwingen, ihre Lieferanten oder ihren Absatzmarkt zu ver&#228;ndern, sie modifiziert ihre technischen Grundlagen, wenn die Zinss&#228;tze zusammengefallen sind, um dem wirtschaftlichen Stillstand zu entfliehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Industrie lebt von der Perfektionierung von Erfindungen und Entdeckungen, die mehrere Jahrzehnte alt sind. Fahrzeuge z.B., die auf dem Verbrennungsmotor und fossiler Energie basieren, wie unsere Avantgarde-Autos, sind wahrhafte Fossile in Hinsicht auf die wissenschaftlichen M&#246;glichkeiten. Die Industrie hat es weder geschafft, wirklich die Automatisierung, noch neue Energiequellen zu entwickeln. Sie kann es nur tun, wenn es von ihrem engstirnigen Standpunkt aus rentabel wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus wird es sich erlauben k&#246;nnen, Maschinen oder Industriekomplexe zu bauen, die vom Standpunkt einer kapitalistischen Unternehmung oder gar eines Staates nicht rentabel gewesen w&#228;ren. Er wird davon ausgehen, dass der vollendete Fortschritt sich lohnt, wenn auch nicht unbedingt hinsichtlich eines unmittelbaren Vorteils. Obwohl er h&#228;ufig dort diesen unmittelbaren Vorteil finden k&#246;nnte, wo ihn der Kapitalismus nicht sehen w&#252;rde: verbesserte Qualit&#228;t der Produkte, Interesse der Forschung, Verbesserung der Arbeitsbedingungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Standpunkt des Kapitalismus aus ist es nicht rentabel, einen stillen Presslufthammer zu entwickeln, solange der Preis nicht gleich oder geringer ist als jener eines lauten Presslufthammers. Es ist kaum von Bedeutung, ob die Kosteneinsparung durch offensichtliche Unannehmlichkeiten bezahlt wird. Die Tatsache, dass sich seine Produktion entwickeln wird und der stille Presslufthammer g&#252;nstiger werden kann als der laute, kann zum Zeitpunkt seiner Lancierung nicht ber&#252;cksichtigt werden. Wieso w&#252;rde ein Unternehmen das Risiko eingehen, im Namen des technischen Fortschrittes oder aus Humanismus Konkurs zu gehen oder zumindest Opfer zu erbringen? Der Kommunismus wird sich nicht damit begn&#252;gen, den Kapitalismus abzul&#246;sen. Er wird die Wissenschaft und die Technik transformieren. Aus bewussten oder unbewussten Dienern der industriellen H&#246;lle werden Werkzeuge der Befreiung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wissenschaft wird kein von der Produktion getrennter Sektor mehr sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital hat ein vitales Bed&#252;rfnis nach Innovation. Es kann sie nicht direkt aus dem Produktionssektor entstehen lassen. Dieser muss ruhig bleiben und die Vorstellungskraft darf sich darin nicht entfesseln. Die Wissenschaft hat sich also ihrerseits entwickelt. Sie ist lange marginal geblieben, das Werk von Amateuren. Da das Kapital ihre Dienste dringender braucht, musste es sie in die Hand nehmen. Unter der Schirmherrschaft des Staates und der Unternehmen wird die Wissenschaft zu einer Investition. Sie b&#252;rokratisiert sich, sie f&#228;llt unter das Joch der Berater und Verwalter. Die Schaffensfreiheit wird an der Leine gehalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Augen der &#246;ffentlichen Meinung ist die Wissenschaft eine gute oder b&#246;se Fee. Der Gelehrte ist der zum Lohnarbeiter gewordene Zauberer. Was das Resultat des kritischen Geistes ist, erscheint als ein Werk der Magie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ideologie der Produktion greift das wieder auf, was sie der Forschung zugestehen musste. Die Wissenschaft erscheint als der Sektor, wo eine besondere Ware produziert wird: das Wissen. Die Erkenntnis ist nicht mehr das prek&#228;re Resultat einer gegebenen Forschung, sondern wird zu einem als heilig verehrten Produkt, das einer Masse geistig Behinderter zur Kontemplation angeboten wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, die Initiative und die Forschung zu befreien, um sie allen zur&#252;ckzugeben. Die Wissenschaft darf nicht mehr im Besitz einer Kaste von Spezialisten sein, um wieder zu einer Vorliebe f&#252;r das Risiko und das Spiel, zum Vergn&#252;gen der Entdeckung zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Eroberung&#8220; des Weltraumes illustrierte die M&#246;glichkeiten der Automatisierung und der Elektronik. Es geht darum, all diese Technologie zur Transformation unseres allt&#228;glichen Lebens anzuwenden. Die Automatisierung erlaubt es, die Menschen von langweiligen Besch&#228;ftigungen zu entlasten und den Maschinen das zu &#252;berlassen, was sie verdienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ersten Schritte automatischer Systeme, die, einmal installiert, ohne Intervention funktionieren und sich regulieren, gehen auf die Zeiten der Pharaonen zur&#252;ck. Sie dienten zur Regulierung des Nils. Mit dem Beginn der modernen Zeit sieht man sie aufbl&#252;hen. Man sieht erstmals automatische &#8222;Fabriken&#8220;. So z.B. diese M&#252;hle in der N&#228;he von Philadelphia, die 1874 ohne manuelle Intervention das Getreide empfing und in Mehl verwandelte. Neben den automatischen Produktionsmaschinen haben sich die Rechenmaschinen entwickelt. Im Jahr 1881 wird das automatische Telefon pr&#228;sentiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Automatismus existiert schon sehr lange. Er ist nur eine extreme Form des Maschinenbetriebes. Es ist die Elektronik, die es erlauben wird, daraus eine g&#228;ngige, wenn nicht die gew&#246;hnlichste Form des Maschinenbetriebes zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Elektronik, verbunden mit der Kontrolle bedeutender Energiequellen, erlaubt es, aus der Distanz zu agieren und eine grosse Anzahl Operationen zu zentralisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Automatisierung ist nicht einfach die M&#246;glichkeit, den Maschinen jene Aufgaben anzuvertrauen, welche der Mensch nur widerwillig erledigt. Es ist auch, und vielleicht allen voran, die M&#246;glichkeit, Dinge zu unternehmen, die anders nie m&#246;glich gewesen w&#228;ren. Sie macht Operationen m&#246;glich, die schnellere Reaktionen und komplexere Berechnungen als jene der Menschen verlangen. Die Maschinen k&#246;nnen unter Bedingungen agieren, die zum Leben ungeeignet sind. Ohne die Automatisierung w&#228;ren die Entwicklung der Atomkraft oder die Entdeckung des Weltraumes unm&#246;gliche Unternehmungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche die Revolution wollen, aber ohne daf&#252;r die Wissenschaft und die fluchbeladene Technologie zu nutzen, sind in einer Sackgasse. Die massive Zerst&#246;rung unserer Umwelt ist freilich nicht unabh&#228;ngig von den technischen M&#246;glichkeiten, doch wir k&#246;nnen nicht sie daf&#252;r verantwortlich machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Atomenergie oder die Informatik k&#246;nnen sehr gef&#228;hrliche Eigenschaften haben. Es ist der Widerschein ihrer Macht. Doch das ist nur ein Problem f&#252;r die gegenw&#228;rtige Gesellschaft, welche sie auf leichtsinnige Art und Weise oder zur St&#228;rkung ihrer Kontrolle &#252;ber die Leute benutzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis anhin hat das Kapital nur das Detail automatisiert. Das bedeutet nicht, dass es sich damit begn&#252;gen kann. Seine Logik, die Notwendigkeit, eine angemessene Profitrate aufrechtzuerhalten oder wiederzufinden, muss es dazu zwingen, weiter zu gehen. Das bedeutet nicht, dass die Verallgemeinerung der Automatisierung kompatibel mit der Aufrechterhaltung des aktuellen Systems ist. Ihr Prinzip selbst ist unvereinbar mit dem &#220;berleben einer Klassengesellschaft: Sie macht den Proletarier nutzlos. &#8222;Wir sollten uns daran erinnern, dass die automatische Maschine [&#8230;] das exakte &#246;konomische &#196;quivalent zur Sklavenarbeit darstellt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;N. Wiener.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das extreme Entwicklungsstadium des Maschinenbetriebes macht die menschlichen Maschinen nutzlos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die L&#246;sung ist also die kommunistische Revolution, sonst droht dem Proletariat die Zerst&#246;rung, es wird auf eine Schicht von F&#252;rsorgeempf&#228;ngern reduziert oder schlichtweg eliminiert. Propheten des Ungl&#252;cks sagen uns die zweite M&#246;glichkeit vorher. Unser Optimismus basiert nicht auf dem Humanismus unserer Anf&#252;hrer: Die Geschichte hat gezeigt, dass sie nicht vor einem V&#246;lkermord zur&#252;ckschrecken. Wir halten sie schlicht f&#252;r unf&#228;hig, die Situation im Griff zu haben und eine wahrhaftige Politik zu steuern. In guten wie in schlechten Zeiten werden wir nicht von &#220;bermenschen mit m&#228;chtigem Weitblick regiert, sondern von Dummk&#246;pfen, die geschickt sind in R&#228;nkespielen, aber unf&#228;hig, eine historische Vision der Ereignisse zu haben. Sie werden selbst teilweise vom Produktionsprozess verworfen. Das einzige, was es braucht in der Geschichte, ist ein Proletariat, das sich nicht allzu dumm anstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Macht der Proletarier ist immens. Das Bewusstsein &#252;ber diese Macht ist extrem beschr&#228;nkt. Die Arbeiterklasse hat immer ihre Macht dank ihrer Stellung im Produktionsapparat erlangt. Die Beginne der Automatisierung dieses Apparats haben diese Macht noch verst&#228;rkt. Kleine Fraktionen an Arbeitern und Technikern halten eine enorme Macht in ihren H&#228;nden. Wirtschaftliche Schwankungen bergen das Risiko, sie auf den Geschmack zu bringen, sie zu benutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie oder die B&#252;rokratie k&#246;nnen nicht das Proletariat negieren, ohne sich selbst zu negieren. Sie sind an den Wert gekettet, d.h. an die menschliche Arbeit, welche die Grundlage dieses Werts ist. Sie wollen nicht den Fortschritt um des Fortschritts willen, sondern um des Geldes willen. Wenn sie den Maschinenbetrieb entwickeln, so ist das nicht mit dem Hintergedanken, sich zu turbulenter Arbeiter zu entledigen. Das Proletariat ist nicht einfach ein Werkzeug f&#252;r die Bourgeoisie. Es ist auch ihre Daseinsberechtigung. Das Kapital (oder die Arbeit) setzt den Menschen auf den Rang einer Maschine herab, doch es kann nichts anderes als ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis zwischen Klassen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Klassengesellschaft und Robotisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Klassengesellschaft tendiert dazu, aus dem menschlichen Wesen einen Roboter zu machen, es auf einen Gegenstand zu reduzieren, dessen K&#246;rper und Intelligenz man benutzt. Wenn ein Teil der Gesellschaft nicht mehr f&#252;r sich selbst arbeitet, sondern sich abqu&#228;lt, um eine andere Fraktion der Gesellschaft zu n&#228;hren, bedeutet das, dass er sich zus&#228;tzlich bem&#252;hen muss, aber v.a. auch, dass das Wesen seiner T&#228;tigkeit sich ver&#228;ndert. Was den Meister interessiert, ist nicht das Vergn&#252;gen oder der Verdruss, die Freude oder das Leid des Sklaven, es ist seine Produktion. Die Klassengesellschaft basiert auf der menschlichen M&#246;glichkeit, G&#252;ter herzustellen, die vom Produzenten getrennt werden und von anderen benutzt werden k&#246;nnen. Das menschliche Wesen ist kein menschliches Wesen mehr, sondern ein Werkzeug. Die typisch menschliche F&#228;higkeit, Werkzeuge zu bauen und die Produktion im Vornhinein zu denken, wendet sich gegen es, um aus ihm selbst ein Werkzeug zu machen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Ausbeuter kann sich gegen&#252;ber dem Ausgebeuteten als gutm&#252;tig oder b&#246;sartig zeigen. Gef&#252;hle sind nicht ausgeschlossen. Noch besser, die Gef&#252;hle sind notwendig, um die Zahnr&#228;der des Systems zu &#246;len. Doch sie sind ein sekund&#228;res und begrenztes Produkt. Der Ausbeuter kann gutm&#252;tig sein, doch er kann nicht mit der Ausbeutung aufh&#246;ren. Er kann sadistisch sein, doch er kann nicht sein Menschenmaterial zerst&#246;ren. Wenn der Kapitalismus jedoch diesen Punkt der Barbarei erreicht, dann wird er von der wirtschaftlichen Notwendigkeit dazu gedr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vergangenen herrschenden Klassen st&#252;tzten sich auf b&#228;uerliche Gemeinschaften. Das Kapital hat diese Gemeinschaften zerst&#246;rt, um ein verst&#252;mmeltes und atomisiertes Menschenmaterial zu unterwerfen. Als Ware unter den Waren ist der Proletarier auf dem Markt der &#8222;Produktionsfaktoren&#8220; mit seinen mechanischen Konkurrenten konfrontiert. In diesem Kampf gewinnt die Maschine allm&#228;hlich und reduziert seine Stellung im Produktionsprozess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus stellt den Charakter dieser Entwicklung auf den Kopf. Der Mensch st&#252;nde darin nicht mehr in Konkurrenz zur Maschine, weil er kein Produktionsfaktor mehr sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Nutzung des Maschinenbetriebes ist gleichbedeutend mit der M&#246;glichkeit, eine grosse Anzahl T&#228;tigkeiten zu automatisieren. Das bedeutet nicht, dass die verallgemeinerte Automatisierung der Schl&#252;ssel f&#252;r die soziale Frage ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Abschaffung der Lohnarbeit bedeutet nicht die Ersetzung des Menschen durch die Maschine, sondern die menschliche Transformation der menschlichen T&#228;tigkeit mithilfe der Maschinen. Es geht nicht darum, die w&#246;chentliche Arbeitszeit allm&#228;hlich oder sofort von 40 auf null Stunden zu reduzieren, wie es uns gewisse Pseudo-Revolution&#228;re vorschlagen. Eine Welt, wo eine vollst&#228;ndig automatische Industrie eine unersch&#246;pfliche Materie bearbeitet und sofort jede w&#252;nschenswerte und vorstellbare Sache liefern w&#252;rde, w&#252;rde den Menschen in ein Pflanzenstadium zur&#252;ckwerfen. Es w&#228;re ein starres Universum ohne Abenteuer, denn alles was geschehen w&#252;rde, h&#228;tte im Vornhinein programmiert werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unabh&#228;ngig von seinem Glauben an die Wissenschaft ist dieser Mythos zutiefst kapitalistisch. Er betrachtet die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit als vollendet und nat&#252;rlich. Er will die H&#246;lle der Produktion den Maschinen &#252;berlassen und das Paradies des Konsums den menschlichen Wesen. Je nachdem, wie genau die Grenze festgelegt w&#252;rde, w&#252;rde das zu einem permanenten Ferienlager oder zur Verallgemeinerung des F&#246;tuszustandes f&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus bedeutet das Ende der Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit, zwischen Produktion und Konsum, zwischen Erlebtem und Experimentiertem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Entlohnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Verschwinden der Lohnarbeit gen&#252;gt, um die Fundamente der alten Gesellschaft zu ersch&#252;ttern. Die Verpflichtung zur Arbeit um des &#220;berlebens willens verschwindet. Die Arbeit wird kein Mittel mehr sein, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sie wird nicht mehr zwischen dem Menschen und seinen Bed&#252;rfnissen vermitteln. Sie ist direkt Befriedigung eines Bed&#252;rfnisses. Dadurch ist sie keine Arbeit mehr. Was zum Handeln dr&#228;ngt, wird dem Individuum nicht mehr als &#228;ussere Notwendigkeit erscheinen und wird zu einer inneren Notwendigkeit: Wunsch nach Besch&#228;ftigung, Wille zur N&#252;tzlichkeit. Die Trennung von T&#228;tigkeit und Entlohnung, wenn man darunter nicht die Entlohnung durch das durch diese Arbeit konkret ausgel&#246;ste Vergn&#252;gen versteht, muss einhergehen mit einer tiefen Transformation des Menschen. Sie verlangt Individuen, die Verantwortung tragen f&#252;r das, was sie unternehmen. Sie verlangt, dass sich die Initiative und die Intelligenz entwickeln und dass der Egoismus und die Kleinlichkeit verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist normal geworden, alle &#220;bel der Menschheit mit der unver&#228;nderlichen menschlichen Natur zu erkl&#228;ren. Es ist bekannt: Der Mensch ist ein Wolf f&#252;r den Menschen. Das erkl&#228;rt nichts, aber es zeigt, inwiefern die menschlichen Wesen sich in Selbstverachtung suhlen. Es ist der Widerschein des vom Kapital entwickelten Fatalismus, der das menschliche Wesen auf die Rolle des Zuschauers seiner eigenen Entwicklung reduziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufrechterhaltung irgendeiner Art der Entlohnung w&#228;hrend einer &#220;bergangsphase, wie Marx es vorschlug, in der Form einer Verteilung von Arbeitsgutscheinen proportional zu den geleisteten Arbeitsstunden, ist nicht w&#252;nschenswert. Wenn die Entwicklung der Produktivkr&#228;fte die kommunistische Revolution erlaubt, sie heute erlaubt, so darf diese nicht die vollst&#228;ndige Anwendung ihrer Prinzipien aufschieben. Ein System von Arbeitsgutscheinen, um damit f&#252;r die Arbeit zu bezahlen und somit zur Arbeit zu zwingen, w&#252;rde der spontanen Revolte der Unterdr&#252;ckten, all jenen, welche sich erheben, ohne dass sie Macht, Geld oder eine Belohnung erwarten, nicht gerecht. Es h&#228;tte die Sympathie der B&#252;rokraten, der Verwalter, all jener, welche lieber kontrollieren und die anderen handeln lassen. Ein solches System w&#252;rde nur die Partisanen der Aktion im Zaum halten und w&#252;rde nicht reichen, um ihre Gegner anzutreiben. Wenn jemand gezwungen werden muss, etwas zu tun, bevorzugen wir die Methode des Trittes in den Arsch. Sie ist ehrlicher und effizienter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht bedingungslose Gegner der Nutzung der Arbeitsgutscheine. Es w&#228;re absurd, Diamanten frei zu verteilen! Die Gutscheine w&#252;rden in solchen F&#228;llen von den erm&#228;chtigten Beh&#246;rden ausgestellt. Wenn es sich um G&#252;ter mit einem Bezug zur Produktion handelt, wird der Gutschein von einem Fabrikrat ausgestellt werden. Wenn es sich um seltene oder gef&#228;hrliche Medikamente handelt, wird er von Spit&#228;lern oder &#196;rzten ausgestellt&#8230; Diese Gutscheine werden nicht der Bezahlung dienen. Sie werden die gleiche Rolle spielen wie heutzutage eine &#228;rztliche Verordnung. Ihr Gebrauch wird von der Natur oder der Seltenheit der G&#252;ter, gegen welche man sie &#8222;austauschen&#8220; wird, bestimmt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gr&#246;sstm&#246;gliche Anzahl G&#252;ter, besonders die Nahrung, muss frei und gratis sein, unter der Schirmherrschaft von revolution&#228;ren Komitees und R&#228;ten in den von der Partei der Revolution kontrollierten Gebieten oder durch Zwangsmassnahmen in den nicht befreiten Gebieten. Es ist die einfachste, g&#252;nstigste und angenehmste Methode der Verteilung. Sie eignet sich am besten daf&#252;r, den Kommunismus popul&#228;r zu machen. Es ist gescheiter, diese allgemeine Regel anzuwenden und daf&#252;r die Missbr&#228;uche sehr streng zu bestrafen, statt sich w&#228;hrend der Verteilung in pedantische und unangenehme Kontrollen festzufahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Faulheit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wird ein solches Programm nicht zur Entwicklung der Faulheit anregen? Wenn man das Prinzip der Entlohnung der Arbeit abschaffen k&#246;nnte und die Welt gleichzeitig so bleiben w&#252;rde, wie sie ist, dann freilich. Doch der Kommunismus ver&#228;ndert alle Lebens- und Arbeitsbedingungen vollst&#228;ndig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der revolution&#228;re Geist ist nicht der Geist der Aufopferung: Jeder vergisst sich selbst, um der Gemeinschaft zu dienen. Das ist Maoismus! Der Kommunismus setzt einen gewissen Altruismus, aber auch einen gewissen Egoismus voraus. Und v.a. setzt er nicht die N&#228;chsten- und die Selbstliebe einander entgegen, indem er verlangt, dass die eine im Dienste der anderen sei. Wir lieben die Pfaffen genauso wenig wie die Profiteure. Es ist der Kapitalismus, der verantwortlich daf&#252;r ist, dass das Interesse des Individuums und jenes der Kollektivit&#228;t einander stets entgegengesetzt sind: Geben ist Verzicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der kommunistische Mensch wird weder der verzichtende noch der fatalistische Mensch sein. Die Transformation der Mentalit&#228;ten h&#228;ngt nicht von der P&#228;dagogik ab. Es wird kein Idealbild geben, welchem man sich anpassen sollte. Die Transformation der gesellschaftlichen Strukturen wird nicht dort und jene der Individuen da stattfinden. Der Kapitalismus trennt die Dinge auf diese Art und Weise. Das Proletariat wird nicht mehr entfremdet sein, doch das kann nur geschehen, wenn es die Welt und seine Existenzbedingungen ver&#228;ndert. Einige Wochen Revolution werden Jahrzehnte der Konditionierung aufheben. Die Niedertr&#228;chtigkeit, der Geiz und die Dummheit sind Resultate eines gewissen gesellschaftlichen Zustandes. Das Zuckerbrot, die Peitsche oder die Bildung k&#246;nnten nur dazu dienen, sie zu verdr&#228;ngen, wenn jene Situation, welche sie ausl&#246;st und ihnen eine gewisse N&#252;tzlichkeit gibt, nicht verschwindet. Mit dem Kommunismus werden diese Makel verschwinden, denn sie werden nutzlos geworden sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn es Egoisten, unheilbar Faule und unrettbar Unf&#228;hige g&#228;be, so w&#228;re das nicht unbedingt sehr schlimm. Der m&#228;chtigste Feind dieser Leute ist nicht die Repression, sondern die Langeweile. Sie wird viele schlechte Willen brechen. Die Menschen sind Gesellschaftstiere. Sie brauchen viel Mut, um es auszuhalten, in der Gemeinschaft, in welcher sie leben, nutzlos zu sein. Schon heutzutage m&#252;ssen der Parasit und der Egoist so tun, als ob, sowohl f&#252;r die anderen, als auch f&#252;r sie selbst. Wenn die Lohnarbeit abgeschafft ist, wird es sehr schwierig sein, Illusionen bez&#252;glich seiner T&#228;tigkeit zu n&#228;hren. Jeder wird nach dem beurteilt werden, was er wirklich machen wird, und nicht nach der investierten Zeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus schliesst Zusammenst&#246;sse zwischen Leuten oder Gruppen nicht aus. Die Profiteure laufen Gefahr, dass man von ihnen verlangt, sich zu rechtfertigen. Wenn wir sie aushalten und n&#228;hren, dann, weil wir es wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisten haben nichts gegen eine gesunde Faulheit. Die revolution&#228;re Gesellschaft ist nicht daf&#252;r gemacht, dass man sich in ihr aufreibt. Die Faulen sind nur verwerflich, wenn sie von anderen verlangen, was sie sich selbst weigern, zu tun. Von den Mutigen wird nicht verlangt, dass sie alles mit Engelsgeduld ertragen, sondern dass sie nicht allen ihren pers&#246;nlichen Geschmack aufzwingen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Ersetzung der Zwangsarbeit durch die leidenschaftliche T&#228;tigkeit werden der gr&#246;sste Teil der Ursachen f&#252;r eine systematische Faulheit verschwinden. Auch diese Irritation, die das Arbeitstier gegen&#252;ber dem Nichtstuer versp&#252;rt und die h&#228;ufig nur kaschierter Neid ist, wird verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Faulen von heute werden nicht unbedingt die Faulen von morgen sein. Gewisse, welche sich vom Streben nach Gewinn betrieben abm&#252;hen und ersch&#246;pfen, werden unser Wohlwollen brauchen. Andere, welche unf&#228;hig schienen, sich zu r&#252;hren, werden erwachen und sich entfesseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der entwickelten kommunistischen Gesellschaft wird der Maschinenbetrieb dem Menschen viel Macht verleihen. Jeder wird seinen Lebensrhythmus w&#228;hlen k&#246;nnen. Der eine wird sich in aufw&#228;ndigen Abenteuern ersch&#246;pfen und mehr ausgeben, als er der Gesellschaft im Gegenzug liefern wird. Der andere wird nicht viel tun und es wird jedoch die Gesellschaft sein, die in seiner Schuld stehen wird. Wir werden keine Milchb&#252;chleinrechnung erstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das finanzielle Interesse mal verschwunden ist, wird dann nicht auch der Forschungs- und Erfindergeist verpuffen? Wird nicht jeder auf routinierte Art und Weise seinen kleinen Aufgaben nachgehen und nicht mehr? Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass das Streben nach Gewinn und der Forschungsgeist einhergehen. Der H&#228;ndler paktiert mit der L&#252;ge und der Illusion. Der Wissenschaftler muss sie stets zur&#252;ckdr&#228;ngen. Die Wissenschaft bringt etwas ein und die Erfindung lohnt sich, doch h&#228;ufig sind es nicht die gleichen, welche entdecken und einstecken. Sogar in der kapitalistischen Welt ist der Beweggrund f&#252;r die wissenschaftliche Leidenschaft nicht das Geld. Man vereinnahmt die Kreativit&#228;t und die Vorstellungskraft, um Geld zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Verteilung der Aufgaben&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sie nicht an der Faulheit scheitert, l&#228;uft unsere Gesellschaft nicht Gefahr, im Chaos zu versinken? Wenn der gute Wille auch allgemein ist, wird das reichen, um die Frage der Koordination der Gesamtheit der T&#228;tigkeiten zu regeln? Werden sich nicht alle auf die angenehme Arbeit st&#252;rzen und die andere vernachl&#228;ssigen, bevor die Maschinen Zeit gehabt h&#228;tten, sie zu &#252;bernehmen? Kurz, jeder tut, was er will, und alle steuern auf die Katastrophe zu!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee, gem&#228;ss welcher die moderne Gesellschaft sehr komplex und dass diese Komplexit&#228;t unvermeidlich ist, ist sehr verbreitet. Sie ist nicht einfach eine Illusion. Das Individuum f&#252;hlt sich verloren im kapitalistischen Dschungel. Es schafft es nicht, sich selbst zurechtzufinden, und noch weniger, zu verstehen, wie die Gesamtheit funktioniert. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass dieser Eindruck in jeder modernen Gesellschaft g&#252;ltig ist. Sie entsteht nicht notwendigerweise aufgrund einer Vielzahl die gesellschaftliche Gesamtheit konstituierender Operationen und Situationen. Sie entsteht aufgrund der Entfernung zwischen Entscheidung und Koordination einerseits, der Ausf&#252;hrung andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Eindruck der Komplexit&#228;t und der permanenten Verirrung, welcher die kapitalistische Gesellschaft ausl&#246;st, hat sich auch auf die Beschreibungen einer sozialistischen Welt ausgewirkt. Man glaubt mittlerweile, dass das haupts&#228;chlich zu l&#246;sende Problem in der k&#252;nftigen Gesellschaft jenes der Planung und der Koordination sei. Man hat sich eine &#8222;Fabrik des Plans&#8220; vorgestellt, die daf&#252;r verantwortlich w&#228;re, den Zustand der Wirtschaft zahlenm&#228;ssig zu erfassen, die technischen Koeffizienten zu bestimmen, welche die Produktion eines Produkts mit der Produktion eines anderen Produkts verbinden: die notwendige Menge Kohle, um eine Tonne Stahl zu produzieren z.B. Diese Fabrik w&#252;rde realisierbare Ziele festlegen und sich um die im Verlauf der Ausf&#252;hrung notwendigen &#220;berpr&#252;fungen k&#252;mmern. Die Probleme der k&#252;nftigen Gesellschaft werden haupts&#228;chlich unter dem Gesichtspunkt der Verwaltung betrachtet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Chaulie, Socialisme ou barbarie, Nr. 22.&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Gesellschaft wird sehr wohl komplexe technische Probleme zu l&#246;sen haben. Nur werden diese Fragen nicht von einer besonderen Instanz abh&#228;ngig sein. Es ist sinnlos, versuchen zu wollen, die Formen, welche die menschliche T&#228;tigkeit annehmen wird, vorherzusagen, es geht darum, ihren Inhalt zu bestimmen. Es wird nicht n&#246;tig sein, das zu vereinen oder zu verwalten, was nicht getrennt ist. Der spezifische Produzent wird sich sowohl um seine T&#228;tigkeit k&#252;mmern, als auch um ihre Verbindung mit der Gesamtheit der allgemeinen Bed&#252;rfnisse und M&#246;glichkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der revolution&#228;ren Gesellschaft werden die Beziehungen zwischen den Menschen und Gruppen der Produzenten simpel und transparent sein. Die zur Geheimhaltung verpflichtende Angst vor der Konkurrenz wird verschwunden sein. Es ist unbedeutend, ob jeder Zugang zur universellen Wissenschaft haben und ob jedes Gehirn eine &#8222;Fabrik des Plans&#8220; in Miniaturform sein wird. Was n&#252;tzt es schon, dass ich weiss, woher das Erz kommt, aus welchem man meine Gabel gemacht hat? Was z&#228;hlt, ist die Tatsache, dass die notwendigen Informationen zirkulieren und verf&#252;gbar sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer fl&#252;ssigen Gesellschaft, wo der Lokal- und Wirtschaftspatriotismus verschwunden sein wird, wo die Leute vielseitig sein werden, werden sich die Individuen und die Gruppen an den Bed&#252;rfnissen der Gesellschaft orientieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftlichen Notwendigkeiten werden nicht von aussen durch ein zentrales B&#252;ro festgelegt werden, weder von einem diktatorischen Komitee noch von einer demokratischen Versammlung. Das Individuum oder die Gruppe wird sich nicht dem Bewusstsein &#252;ber die Situation f&#252;gen, wenn man sich dieses Bewusstsein als einfachen Widerschein &#228;usserer Imperative vorstellt. Wir werden nat&#252;rlich gem&#228;ss unserem Bewusstsein betreffend der gesellschaftlichen Bed&#252;rfnisse und M&#246;glichkeiten handeln, aber nicht unabh&#228;ngig von unserem eigenen Geschmack. H&#228;ufig werden Kompromisse nicht n&#246;tig sein. Man empfindet als gesellschaftliches Bed&#252;rfnis allen voran seine eigenen Bestrebungen. Man ist eher versucht, das zu l&#246;sen, was man als einen Makel wahrnimmt. Wenn ich M&#252;he habe, mir Wein zu beschaffen und er mir fehlt, werde ich mich nicht unbedingt &#252;ber die Produktionskurve mithilfe eines Computers informieren m&#252;ssen, um herauszufinden, dass man sich vielleicht um die Weinberge k&#252;mmern sollte!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der kommunistische Mensch wird die Befriedigung seines Geschmacks nicht von ihrer gesellschaftlichen Wirkung trennen. Er wird sich nicht auf Aufgaben st&#252;rzen, wenn sich schon jemand darum k&#252;mmert. Es w&#228;re sowieso dumm, zu glauben, dass alle gleich sein und je nach Mode den gleichen Besch&#228;ftigungen nachgehen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Bewusstsein dar&#252;ber, was f&#252;r die Gesellschaft notwendig sein wird, wird viel sch&#228;rfer sein als jetzt. Alle werden sich informieren k&#246;nnen und f&#228;hig sein, zu verstehen, was funktioniert und was nicht funktioniert, auch wenn das nicht direkte Auswirkungen auf jeden hat. Die Computer werden wesentliche Werkzeuge f&#252;r die Zirkulation und die Interpretation der Informationen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die allgemeine Organisation der Gesellschaft ben&#246;tigt weder ein leitendes Zentrum noch mehrere davon. Es wird vielleicht Leute geben, die sich besonders darum k&#252;mmern werden, Informationen zu sammeln, vorherzusehen, doch sie werden keinen Plan im imperativen Sinne des Begriffes ausarbeiten m&#252;ssen. Planen bedeutet, die Zukunft in die Ketten der Gegenwart zu legen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Koordination darf nicht von einer gegebenen Kaste &#252;bernommen werden. Sie wird kontinuierlich und auf allen Ebenen der Gesellschaft erfolgen. Da die Menschen nicht mehr von tausend Schranken getrennt sein werden, werden sie sich spontan absprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles wird nicht unbedingt reibungslos ablaufen. Konflikte werden unvermeidlich sein. Doch das Problem der Revolution ist es nicht, die Gesellschaft jeglicher Konflikte zu entledigen und eine Gesellschaft aufzubauen, wo alles im Vornhinein harmonisiert ist. Gewisse Konfliktformen werden nat&#252;rlich verschwinden, jene zwischen den Klassen, den Nationen&#8230; In der Welt, die wir wollen, haben die Gegens&#228;tze gleich viel Platz wie das Einvernehmen. Die Harmonisierung und das Gleichgewicht werden mithilfe von Debatten und Streiten erarbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der grundlegende Unterschied im Vergleich zur gegenw&#228;rtigen Situation ist die Tatsache, dass jeder sich nur mit seinen eigenen Kr&#228;ften in die Schlacht einbringen wird. Es wird nicht m&#246;glich sein, irgendwelche abstrakten Rechte zu erw&#228;hnen, die von den konkreten Gegens&#228;tzen und Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen losgel&#246;st sind. Das Zur&#252;ckgreifen auf ein Spezialkorps wie die Armee oder die Polizei zur Durchsetzung des Rechts wird nicht mehr m&#246;glich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus wird aus dem Konflikt eine normale und gar notwendige Sache machen, unter der Bedingung nat&#252;rlich, dass die Bedeutung des Streitgegenstandes auf der H&#246;he der damit ausgel&#246;sten Sch&#228;den ist. Der Kapitalismus ist zutiefst konfliktreich. Er basiert auf dem Gegensatz der Klassen, Nationen und Individuen. Alle stehen im Gegensatz zu allen. Um diese Realit&#228;t zu bannen, predigt man die selige Liebe und die Br&#252;derlichkeit. &#220;berall versteckte Aggressivit&#228;t, doch das Bild des Friedens muss vorherrschen. Sollte es vorkommen, dass man sich gegenseitig abschlachtet, so ist es nicht im Namen besonderer Interessen, sondern im Namen der Zivilisation, der universellen Werte usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Laufen wir nicht Gefahr, viel Zeit mit Geschw&#228;tz und Konflikten zu verlieren? Indem wir die Koordinations- und Anpassungsprobleme auf jene Ebene zur&#252;ckf&#252;hren, wo sie sich befinden, w&#252;rden wir wohl eher Zeit gewinnen. Die Idee, dass Zeit eine Sache ist, die verloren oder gewonnen werden kann, ist an sich ziemlich erstaunlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom kommunistischen Standpunkt aus kann das Problem nicht mit der Tatsache zusammengefasst werden, welche Methode am meisten Zeit spart. Was wichtig ist, ist die Art und Weise, wie wir diese Zeit ausf&#252;llen werden. Werden wir Freude und Interesse haben an der Diskussion und der Harmonisierung oder werden wir es bevorzugen, uns damit zu begn&#252;gen, ohne Diskussion die Entscheide eines leitenden Komitees anzuwenden, das die Abwesenheit von Zusammenst&#246;ssen programmiert haben wird? Die Menschen werden wieder lernen, auf vergn&#252;gliche Art und Weise miteinander zu sprechen und zu polemisieren. Die langatmigen Diskussionen werden durch die Langeweile der Diskussionsteilnehmer, aber auch durch die einfache Tatsache begrenzt werden, dass alles nicht immer wieder neu diskutiert werden muss. Wir werden uns auf vergangene Erfahrung st&#252;tzen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die m&#252;hsamen Arbeiten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt wirklich m&#252;hsame und unangenehme Aufgaben. Wir k&#246;nnen hoffen, dass wir sie dank dem Maschinenbetrieb beschr&#228;nken k&#246;nnen, doch wir werden uns sehr wohl zuvor darum k&#252;mmern m&#252;ssen und alles wird nicht unbedingt zum Verschwinden gebracht werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re inakzeptabel und w&#252;rde gewiss von den Betroffenen nicht akzeptiert werden, dass diese undankbaren Arbeiten immer von den gleichen Leuten ausgef&#252;hrt werden. Es wird also n&#246;tig sein, uns zu organisieren, damit eine gr&#246;sstm&#246;gliche Anzahl an Leuten sich abwechselnd darum k&#252;mmert. Es wird sekund&#228;r sein, dass wir damit an Rentabilit&#228;t verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Fabrik oder einem anderen Ort der Produktion wird es einfach sein, sich an den unangenehmen Posten abzuwechseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der Ebene der Gesamtheit der Gesellschaft kann man verlangen, dass diese unangenehmen Aufgaben abwechselnd von verschiedenen Leuten ausgef&#252;hrt werden. Wir werden einen gewissen Teil des Jahres im Dienste der M&#252;llabfuhr stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;M&#252;hsame Arbeiten sind es viel weniger, wenn sie die Verl&#228;ngerung angenehmer T&#228;tigkeiten und ihr Preis sind. Heutzutage sind die Arbeiten extrem parzelliert und die Notwendigkeiten der &#8222;rationalen&#8220; Nutzung der Arbeitskraft verlangen, dass man das tut, wof&#252;r man qualifiziert ist, den Rest &#252;berl&#228;sst man den anderen. In der kommunistischen Gesellschaft wird der Forscher sich auch darum k&#252;mmern k&#246;nnen, seine R&#228;umlichkeiten zu putzen, der Autofahrer wird sich an der Asphaltierung der Strassen beteiligen und die Toten werden am besten geeignet sein, um sich darum zu k&#252;mmern, ihr Grab zu graben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die unangenehmen T&#228;tigkeiten werden es viel weniger sein, wenn jene, welche sich darum k&#252;mmern, ihnen nur eine kurze Zeit ihres Lebens widmen und nicht wie heutzutage den Eindruck haben, ihr ganzes Leben daran angekettet zu sein. Diese T&#228;tigkeiten k&#246;nnen v.a. in einer ganz anderen Atmosph&#228;re ablaufen als heute: keine kleinen Chefs mehr, keine Obsession mehr f&#252;r die Arbeitsleistung. Die M&#252;llabfuhr k&#246;nnte z.B. die Form eines Karnevals annehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele m&#252;hsame T&#228;tigkeiten werden m&#252;hsam, nicht aufgrund ihrer eigentlichen Eigenschaft, sondern aufgrund der Tatsache, dass man sie im Namen der Rationalisierung der Arbeit serienm&#228;ssig von den gleichen Leuten ausf&#252;hren l&#228;sst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Transformationen des Rhythmus, der Aufteilung und des Wesens der Arbeit selbst werden nat&#252;rlich nicht im Vornhinein programmiert werden und einfach vom Himmel fallen. Sie entstehen spontan, je nach den W&#252;nschen der betroffenen Leute. Wenn einer auf einer Baustelle leidenschaftlich gern die Schubkarre f&#228;hrt oder von einer anderen, wenig gesch&#228;tzten Arbeit begeistert ist, w&#228;re es offensichtlich absurd, ihm seine Leidenschaften zu verweigern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht Fanatiker der Gleichheit. Es w&#228;re bescheuert, dass wir, obwohl es an Chirurgen mangelt, sie dazu zu zwingen, die Arbeit der Pflegekr&#228;fte zu verrichten. Diese Art der Ungleichheit kann nur durch die Entwicklung der Vielseitigkeit und der Umschulung der Leute hin zu wahrhaft n&#252;tzlichen Sektoren ausgeglichen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Ende der Trennungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus bedeutet das Ende der Trennungen, die unser Leben unterteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das berufliche und das affektive Leben werden nicht mehr voneinander getrennt sein. Es gibt nicht mehr eine Zeit f&#252;r den Konsum und eine f&#252;r die Produktion. Die Schulen, die Produktionsst&#228;tten, die Freizeitzentren werden nicht mehr unterschiedliche und einander fremde Universen sein. Sie verschwinden allm&#228;hlich mit dem Verschwinden ihrer spezialisierten Funktion. Innerhalb des Produktionsprozesses werden die Hierarchisierung und die Unterteilung der menschlichen T&#228;tigkeit verschwinden. Es wird das Ende dieser Situation sein, wo der Arbeiter der Ausf&#252;hrende des Zeichners, der Zeichner der Ausf&#252;hrende des Ingenieurs, der Ingenieur der Ausf&#252;hrende der Finanz oder der Verwaltung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vollendung dieser Transformationen wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Man kann nicht einfach so den Rahmen unserer Leben, eine gewisse Art der technologischen Entwicklung, menschliche Gewohnheiten und Schw&#228;chen wegwischen. Massnahmen, die in diese Richtung gehen, werden durchgesetzt werden und Wirkung zeigen, sobald die Warenproduktion und die Lohnarbeit abgeschafft sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Trennung zwischen dem beruflichen Leben einerseits und dem eigentlichen und famili&#228;ren Leben andererseits ist mit der Entwicklung der Lohnarbeit verbunden. Der Bauer ist seinem Land und seiner Familie entrissen worden, um ins industrielle Universum integriert zu werden. Fr&#252;her war die Familie die Einheit des Lebens und der Produktion. Der Mann und die Frau, aber auch die Kinder und die Alten beteiligten sich an den Arbeiten im Stall und auf den Feldern. Jeder fand n&#252;tzliche T&#228;tigkeiten, die dem Niveau seiner Kr&#228;fte entsprachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reaktion&#228;re lieben es, sich als die Verteidiger der bedrohten Familie zu inszenieren. Diese Dummk&#246;pfe verweigern sich der Konfrontation mit der Tatsache, dass die Familie eben genau von jener Ordnung auf ihre marginale Rolle reduziert worden ist, welche sie verteidigen. Die Verwandtschaftsbeziehungen waren auf landwirtschaftlicher Ebene Beziehungen der gegenseitigen Hilfe. Sie gingen weit &#252;ber das Paar und seine direkten Nachkommen hinaus. Heutzutage ist die Familie nur noch die Produktionsst&#228;tte f&#252;r Kinder. Noch schlimmer! Ihre wirtschaftliche Rolle ist jene einer Einheit des Konsums, die Zelle der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft ist nicht die Familie, sondern das Unternehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wollen nicht die alte patriarchale Familie neu aufbauen, damit sie die Produktion an Stelle des kapitalistischen Unternehmens garantiert. Die Blutsverwandtschaft mag in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt haben. Sie ist in der modernen Welt ziemlich bedeutungslos geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer kommunistischen Gesellschaft werden die Leute zur Ausf&#252;hrung einer produktiven oder unproduktiven T&#228;tigkeit nicht mehr durch den Zwang des Kapitals zusammengebracht. Sie werden sich aufgrund ihres gemeinsamen Geschmackes oder ihrer Affinit&#228;t zusammenschliessen und vereinen. Die Beziehungen zwischen den Leuten werden nicht minder bedeutend sein als die Produktion selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir behaupten nicht, dass die eigentlichen Liebesbeziehungen einerseits und die beruflichen Beziehungen andererseits zusammenfallen werden. Das wird von Entscheidungen und dem Zufall abh&#228;ngen. Doch es wird viel eher denkbar sein als heutzutage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige wollen im Kommunismus die Kollektivierung der Frauen und Kinder sehen. Das ist eine Dummheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Liebesbeziehungen werden keine andere Garantie mehr haben als die Liebe. Die Kinder werden nicht mehr aufgrund der Notwendigkeit der Ern&#228;hrung von ihren Eltern abh&#228;ngig sein. Das Gef&#252;hl f&#252;r Eigentum gegen&#252;ber Personen wird parallel mit jenem f&#252;r die Dinge verschwinden. Das ist es, was sehr beunruhigend ist f&#252;r jene, welche sich nicht vorstellen k&#246;nnen, ohne die Garantie des Polizisten oder des Priesters zu leben. Die Ehe als staatliches Sakrament wird verschwinden. Die Frage, ob zwei, drei oder zehn Personen zusammenleben und ihre Verbindung gar in einem Pakt formalisieren wollen, geht nur sie etwas an. Wir sollten nicht im Vornhinein die m&#246;glichen und w&#252;nschbaren Formen der sexuellen Beziehungen bestimmen und beschr&#228;nken. Es gibt keinen Grund, die Keuschheit abzulehnen. Sie ist nicht minder eine achtbare Perversion als alle anderen! Was, neben dem Vergn&#252;gen und der Befriedigung der Partner, wichtig ist, ist die Tatsache, dass die Kinder in einem Milieu aufwachsen, das ihr Bed&#252;rfnis nach materieller und affektiver Sicherheit befriedigen kann. Das ist nicht eine Frage der Moral.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Resten einer von der Ware verdorbenen Familie herrscht die Heuchelei vor. Man schreibt der Liebe zu, was eigentlich nur wirtschaftliche, affektive und sexuelle Sicherheit ist. Die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern haben den Punkt des tiefsten Zerfalls erreicht. Unter dem Schleier der Zuneigung ist der Wille zur Ausbeutung ein Echo auf den Wunsch nach Besitz. Das Kind tr&#228;gt die Hoffnungen seiner Eltern, die im Leben gescheitert sind, wie eine B&#252;rde. Es muss so tun, als ob es die Weisheit mit L&#246;ffeln gefressen h&#228;tte, Erfolg haben in der Schule, sich brav und ruhig oder aktiv und voller Initiative zeigen. Im Gegenzug erh&#228;lt es ein bisschen Zuneigung oder Taschengeld.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die Familie, der Hafen der Stabilit&#228;t und der Liebe in einer harten und feindlichen Welt, der Wirklichkeit der Warenwelt nicht entfliehen kann, kann sich auch das Unternehmen nicht der Zuneigung entledigen. Die scheinbare Freundlichkeit und der Handschlag verstecken die Verachtung, die Rivalit&#228;t und die Ausbeutung. Alle sind sch&#246;n und nett, alle f&#252;hren den Dialog, aber allen voran gehen alle allen auf den Keks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Produktion und Konsum&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Trennung zwischen Produktion und Konsum erscheint als eine nat&#252;rliche Unterteilung zwischen zwei sehr verschiedenen Sph&#228;ren des gesellschaftlichen Lebens. Nichts k&#246;nnte falscher sein. Und das in doppelter Hinsicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens ist die Grenze zwischen dem, was man Zeit der Produktion, und dem, was man Zeit des Konsums nennt, von einem historischen Standpunkt aus instabil und von einem ideologischen Standpunkt aus vage. In welche Kategorie geh&#246;ren das Kochen oder der Sport? Es h&#228;ngt davon ab, ob sie von Profis oder Amateuren betrieben werden. Was bestimmend ist, ist nicht das eigentliche Wesen der T&#228;tigkeit: Das Kochen ist insofern produktiver als das Sortieren der Post, als dass es eine Handlung der manuellen Transformation darstellt, und nicht weil es bezahlt ist oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele T&#228;tigkeiten, die Teil des Konsums waren, sind nun Teil der Produktion. Der Astronaut oder der Kranke, die Sauerstoff aus der Flasche einatmen, die Hausfrau, die sich gemahlenen Kaffee oder Konservendosen kauft, sind Teil dieser Grenzverschiebung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Spaltung zwischen Produktion und Konsum kaschiert die Bedeutung, welche die nicht entlohnte Hausarbeit in der modernen Welt immer noch hat. Sie gibt einer Abgrenzung einen festen und nat&#252;rlichen Anschein, obwohl sie beweglich und gesellschaftlich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens ist jeder Akt der Produktion auch und zwingend ein Akt des Konsums. Man transformiert schlichtweg eine Materie auf eine gewisse Weise und f&#252;r ein gewisses Ziel. W&#228;hrend man gewisse Dinge zerst&#246;rt oder, wenn man so will, konsumiert, erh&#228;lt man, oder, wenn man so will, produziert man andere Dinge. Der Konsum ist produktiv, die Produktion konsumiert. Produktion und Konsum sind die beiden unzertrennbaren Seiten einer Medaille.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konzepte der Produktion und des Konsums sind nicht neutral. Man kann nicht sagen, dass sie b&#252;rgerlich sind. Doch die b&#252;rgerliche Gesellschaft benutzt sie auf eine gewisse Art und Weise. Ein Birnbaum ist nicht b&#252;rgerlich, weil er Birnen produziert. Der Begriff der Produktion bekommt einen ideologischen Charakter, weil man die Idee der Erzeugung und der Abspaltung mit jener des Projekts und des Bewusstseins verbindet. Man unterh&#228;lt die Verwirrung zwischen den beiden Dingen. Alles wird letztendlich in den Begriffen der Produktion interpretiert. Ein Huhn wird zu einer Eierfabrik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kaschiert die Kontinuit&#228;t des Zyklus, durch welchen der primitive oder zivilisierte, kapitalistische oder kommunistische Mensch auf einfache oder gelehrte, individuelle oder kollektive, unumkehrbare oder fl&#252;chtige Art und Weise grossfl&#228;chig oder im Detail die Welt um ihn herum modifiziert und dabei unweigerlich sich selbst transformiert. Der totalit&#228;re Gebrauch des Begriffes der Produktion kaschiert die Eingliederung und die radikale Abh&#228;ngigkeit des menschlichen Wesens hinsichtlich seiner Umwelt und der Naturgesetze. Man interpretiert alles in Begriffen der Herrschaft und des Gebrauches. Der produzierende Mensch, selbstbewusst und diszipliniert, bricht auf zur Eroberung der Natur. Die Allmacht, welche die Menschheit dem Bild Gottes verliehen hatte, verleiht sie nun dem Bild ihrer selbst. Der Kommunismus ist nicht der Sieg des Bewusstseins &#252;ber die Unbewusstheit. Er ist nicht das Stadium, wo der Mensch, nachdem er sich der Produktion von Dingen gewidmet hatte, sich endlich selbst hervorbringen und damit gewissermassen den g&#246;ttlichen Sch&#246;pfer abl&#246;sen kann. Der Wille, dass der Mensch sein eigener Herr wird wie er der Herr &#252;ber das Ding ist, das er fabriziert, ist gleichbedeutend mit dem Willen, das Getrennte unter dem Zeichen der Produktion vereinen zu wollen, d.h. unter jenem der Trennung. Der Produzent w&#228;re weiterhin ein Ding, aber er w&#228;re nun sein eigenes Ding.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Spaltung zwischen Produktion und Konsum verschwindet, weil die sehr konkrete aber, vom Standpunkt der Natur und der Physiologie aus, willk&#252;rliche Trennung zwischen jener Zeit verschwindet, w&#228;hrend welcher man Geld verdient, und jener, w&#228;hrend welcher man es ausgibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r den kommunistischen Menschen werden Konsum und Produktion keine Gegens&#228;tze sein, weil es kein Gegensatz mehr sein wird, sich um sich selbst oder um Andere zu k&#252;mmern. Das, weil er, indem er f&#252;r Andere produziert, seine Kr&#228;fte f&#252;r Andere verausgabt, Gebrauchswerte erschafft, die auch ihm n&#252;tzlich sein k&#246;nnen. Wir werden nicht einerseits Schuhe produzieren, damit wir sie andererseits auf dem Markt kaufen gehen m&#252;ssen. Die Produktion wird sich v.a. transformieren und wird Kreation, Poesie, Verausgabung. Die Gruppe oder das Individuum wird sich durch das ausdr&#252;cken, was sie oder es tun wird. Diesbez&#252;glich ist die Revolution gleichbedeutend mit der Verallgemeinerung der Kunst und ihrer &#220;berwindung als wirtschaftlicher und getrennter Sektor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir weiterhin in Begriffen des Gegensatzes zwischen Konsum und Produktion r&#228;sonieren wollen, kann man sagen, dass der Mensch, da er im Verlauf seiner produzierenden T&#228;tigkeit Befriedigung und Vergn&#252;gen (oder im Gegenteil Unzufriedenheit und Verdruss) versp&#252;ren wird, nach der Revolution Konsument sein wird. Der von ihm benutzte Computer oder die von ihm benutzte Kelle wird nicht einen grundlegend unterschiedlichen Wert haben, als das von ihm benutzte Auto oder die von ihm konsumierte Nahrung zu einem anderen Zeitpunkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus bedeutet nicht, dass die Produktion endlich in den Dienst des Konsumenten gestellt wird, genau so wenig wie der Kapitalismus &#252;brigens die Diktatur der Produktion ist. Indem man sich einer T&#228;tigkeit widmet, wird man eine gewisse Macht erlangen. Bis zu einem gewissen Punkt wird man &#252;ber die Fr&#252;chte seiner Bem&#252;hungen verf&#252;gen k&#246;nnen, geben k&#246;nnen, was man produziert hat, oder auch nicht. Indem man v.a. diesen oder jenen Dienst anbietet und sie diese eine besondere Form annehmen, beeinflusst man das Feld der M&#246;glichkeiten der Gesellschaft. Die T&#228;tigkeit der Nutzer wird von jener der Produzenten bestimmt werden. Es gibt keinen Grund, weshalb diese eine Macht missbrauchen sollten, die ohnehin nicht eine politische oder getrennte Macht sein wird, sondern der einfache Ausdruck der N&#252;tzlichkeit ihrer Besch&#228;ftigungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;Konsument&#8220; wird dem Produzenten nicht mehr die Mangelhaftigkeit seines Produkts im Namen jenes Geldes vorwerfen k&#246;nnen, das er ihm im Gegenzug nicht geben wird, sondern ihn einfach von innerhalb kritisieren k&#246;nnen, nicht mehr von ausserhalb. Was auf dem Spiel steht, ist ihr gemeinsames Werk, falls sie an der gleichen Unternehmung beteiligt sind. Wenn jemand nicht zufrieden ist mit dem, was gemacht oder nicht gemacht wird, wird er sich nicht auf sein abstraktes Recht als Konsument berufen k&#246;nnen. Er wird sich nur auf seine eigene F&#228;higkeit berufen k&#246;nnen, es besser zu k&#246;nnen, oder sonst argumentieren, wieso man auf seine Ratschl&#228;ge h&#246;ren sollte. Die Kritik wird leidenschaftlich und positiv sein. Sie wird nicht von jenen kommen k&#246;nnen, welche sich gerne lustig machen, aber sich lieber nicht engagieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Produktion und Bildung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Trennung zwischen produktivem Leben einerseits und Bildung andererseits ist nicht das Produkt einer Notwendigkeit. Sie findet ihre Daseinsberechtigung nicht in einer steigenden Bedeutung des zu paukendem Wissen. Oder eher doch, aber wir m&#252;ssen somit verstehen, wieso es notwendig ist, dass das Wissen nicht mehr das direkte Produkt der Erfahrung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Grundlage dieser Trennung ist die Tatsache, dass der Proletarier sich, w&#228;hrend er produziert, nicht um sich selbst, sein Vergn&#252;gen oder seine Bildung k&#252;mmern darf. Diese f&#252;r das &#220;berleben der Wirtschaftswelt wesentliche Trennung kostet sehr viel. Sie f&#252;hrt zur Immobilisierung eines bedeutenden Teils der Gesellschaft in den Schulen, den Berufsbildungszentren und den Universit&#228;ten, obwohl diese Leute woanders n&#252;tzlich sein und sich besser unterhalten k&#246;nnten. Sie erlaubt keine gute Anpassung der menschlichen F&#228;higkeiten an den Bedarf der auszuf&#252;hrenden T&#228;tigkeiten. Diese isolierte Ausbildung wird h&#228;ufig durch einen spontanen Lernprozess komplettiert, der oft heimlich geschieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Schule wird h&#228;ufig als &#246;ffentlicher Dienst jenseits der gesellschaftlichen Klassen pr&#228;sentiert. Ihre N&#252;tzlichkeit sei unbestreitbar. Wer w&#252;rde es wagen, die Unwissenheit zu predigen? Gebildete Geister wagen es, den Inhalt des Unterrichts zu kritisieren. Sie werfen ihm vor, archaisch, vom Leben getrennt oder ein Faktor der Subversion zu sein. Je nach Geschmack sollten die Kinder lernen, die Heiligen Evangelien, das &lt;i&gt;Kommunistische Manifest&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;Kamasutra&lt;/i&gt; zu lesen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Extremisten greifen nun die Schule selbst an. Nicht im Namen ihrer verh&#228;ngnisvollen Effizienz, sondern im Namen ihrer Ineffizienz. Man greift die Schule an, um die P&#228;dagogik besser retten zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sollen lernen und nicht als lernen. Diesen w&#228;ssrigen Brei gierig verschlingen, den man Kultur nennt. Die Welt ist so komplex! Das versteht ihr nicht? Dann lasst euch umschulen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nie haben die Leute so viel gelernt wie heute, nie waren sie unwissender &#252;ber ihr eigenes Leben. Sie sind &#252;berflutet und bet&#228;ubt von der Masse von der Universit&#228;t, den Zeitungen und dem Fernsehen ausgesch&#252;tteter Informationen. Die Wahrheit wird nie ein Produkt der Akkumulation der Ware Wissen sein. Es ist ein totes Wissen, das unf&#228;hig ist, das Leben zu verstehen, da ihr tiefes Wesen eben gerade darin besteht, sich von der Erfahrung und dem Erleben losgel&#246;st zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Schule ist der Ort, wo man lesen, schreiben und rechnen lernt. Doch die Schule lehrt allen voran den Verzicht. Man lernt, die Langeweile auszuhalten, die Autorit&#228;t zu respektieren, zu Lasten der Freunde Erfolg zu haben, zu heucheln und zu l&#252;gen. Man opfert dort die Gegenwart auf dem Altar der Zukunft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist gleichbedeutend mit der Dekolonisation der Kindheit. Es wird keine besondere Institution mehr brauchen, um die Kinder auszubilden. Ist man beunruhigt dar&#252;ber, wie die Kinder lesen lernen werden? Niemand ist hingegen beunruhigt dar&#252;ber, wie sie sprechen lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Schule trennt die Bem&#252;hung oder das Lernen von ihrer N&#252;tzlichkeit und propagiert diese Trennung. Es ist wichtig, dass das Kind lesen lernt, weil man es lernen muss, nicht um seine Neugierde oder seine Liebe f&#252;r die B&#252;cher zu befriedigen. Das widerspr&#252;chliche Resultat davon ist die Tatsache, dass sie gleichzeitig den Analphabetismus reduziert und jegliche Freude am Lesen und die F&#228;higkeit dazu bei den meisten Leuten abgew&#252;rgt hat. In der kommunistischen Gesellschaft wird das Kind lesen und schreiben lernen, weil es den Drang hat, sich zu bilden und auszudr&#252;cken. Die kindliche Welt wird nicht mehr vom Rest des gesellschaftlichen Lebens getrennt sein, es wird f&#252;r das Kind zwingend notwendig sein, zu lernen. Es wird es genauso nat&#252;rlich tun, wie es laufen oder sprechen lernt. Es wird es nicht nur aus eigener Kraft tun. Eltern oder gebildetere &#228;ltere Leute werden es unterst&#252;tzten. Die dabei auftretenden Schwierigkeiten werden ihm n&#252;tzlich sein. Indem es sie &#252;berwindet, lernt es, zu lernen. Da es das Wissen nicht mehr vorgekaut aus der Hand eines Lehrers erh&#228;lt, wird es die Gewohnheit entwickeln, zu sehen und zu h&#246;ren, es wird f&#228;hig sein, Wissen ausgehend von seiner Erfahrung aufzubauen und daraus Schl&#252;sse zu ziehen. Es wird die Rache des Lebens &#252;ber das schulische oder ausserschulische Programm der menschlichen Wesen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Menschen werden ihre Erfahrungen teilen und einander ihre Kenntnisse kommunizieren. Ort und Zeit werden sie selbst bestimmen. Die Form der Beziehung wird nicht im Vornhinein bestimmt sein. Sie wird vom Inhalt des Austausches und dem gegenseitigen Wissen der interessierten Personen &#252;ber das betroffene Thema abh&#228;ngen. Auch wenn es den Fanatikern der P&#228;dagogik nicht gef&#228;llt, wenn 10 oder 10&#8216;000 Individuen wissen wollen, was ein Individuum weiss, wird es vielleicht am einfachsten sein, das Meisterseminar neu zu erfinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das moderne Interesse f&#252;r die P&#228;dagogik dr&#252;ckt die Tatsache aus, dass sich die Methode nicht ausgehend von einem bestimmten Inhalt durchsetzt. Wenn man sich nichts mehr zu sagen hat, wenn der Inhalt des Unterrichts austauschbar geworden ist, diskutiert man &#252;ber die Art und Weise, es zu sagen. Wenn die Suppe schlecht ist, interessiert man sich f&#252;r den Anschein des Tellers.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was w&#252;rde in der Welt der kapitalistischen Produktion geschehen, wenn die Arbeiter wirklich das Recht h&#228;tten, zu experimentieren, und nicht mehr in Bezug auf ihre unmittelbare Rentabilit&#228;t beurteilt w&#252;rden? Sie w&#252;rden wohl sehr schnell vergessen, wieso man sie angestellt hat. Sie w&#252;rden experimentieren und versuchen, versuchen und experimentieren. Da ihnen die Produktion egal ist, w&#252;rden sie wohl schnell die Effizienz zugunsten ihres Vergn&#252;gens aufgeben. Die Freude der Entdeckung und der Rausch der Freiheit w&#252;rden an die Stelle der Routine und der Wiederholung treten. Die sich entwickelnden Kontakte zwischen den Arbeitern unter dem Vorwand der Verbesserung der Produktion durch den Austausch der Erfahrungen w&#252;rden Gefahr laufen, einen anderen Weg einzuschlagen. Wieso sollten wir nicht der berauschenden Freude der kollektiven Sabotage nachgeben, wieso sollten wir nicht Spiele organisieren, wieso sollten wir die Produktion nicht in Wegen neu organisieren oder umleiten, die direkt zugunsten der Arbeiter sind?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Prinzip der Lohnarbeit verhindert es, dass man den Arbeitern vertrauen kann, sich Notwendigkeiten unterzuordnen, die sie nicht betreffen. Jene Lohnarbeiter, welche am meisten entfremdet sind, am meisten arbeiten, sich am meisten unterordnen, k&#246;nnten in dieser ungem&#252;tlichen Situation vielleicht nicht einmal davon profitieren. Man kann es nicht zulassen, dass ein Arbeiter w&#228;hrend dem Verlauf der Produktion &#252;ber sich selbst verf&#252;gt. Ein Werkzeug muss als Werkzeug behandelt werden. Wenn man ihn um sich selbst k&#252;mmern l&#228;sst, wird er Freude daran finden und sich gegen das ihn als menschliches Wesen negierende Kapital erheben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Trennung zwischen Produktion und Ausbildung hat Grenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist unm&#246;glich, die Produktion, die Bildung und die Experimentierfreude komplett voneinander zu trennen. Die Produktion, die d&#252;mmste Arbeit verlangt eine gewisse Anpassung des Arbeiters und die F&#228;higkeit, einer unvorhersehbaren Situation zu begegnen. Genau wie die abstrakteste Bildung sich hinsichtlich gewisser &#8222;Produkte&#8220; konkretisieren muss, sei es nur die Kopie einer Pr&#252;fung. Die aufgrund &#228;usserer Zw&#228;nge notwendige Kontrolle beeinflusst die Produktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Sch&#252;ler ist nicht weicher Wachs, auf welchem man Wissen drucken kann. Er w&#252;rde nichts lernen, wenn er komplett passiv bliebe. Die Bildung kann nicht komplett von der Experimentierfreude und der Produktion getrennt werden, auch wenn sie von der eigentlichen wirtschaftlichen Sph&#228;re getrennt ist. Die Schule dient dazu, dieser T&#228;tigkeit einen beschr&#228;nkten Rahmen zu geben und sie vom wirklichen Leben zu trennen. Der Unterricht funktioniert und geht weiter dank ebendiesen Prinzipien, welche er verdr&#228;ngt. Das gilt f&#252;r das Lernen das Lesens genau wie f&#252;r jenes der Aufs&#228;tze. Letztere sind selbst die Negation der Kommunikation. Der Sch&#252;ler muss lernen, sich schriftlich auszudr&#252;cken, unabh&#228;ngig von dem, was er zu sagen h&#228;tte, und unabh&#228;ngig von den Adressaten. Es ist eine zutiefst gehaltlose &#220;bung. Wenn es der Sch&#252;ler allerdings schafft, zu schreiben, schliesslich ist er dazu verpflichtet, dann kann er das nur, indem er auf eine gewisse Art und Weise kommuniziert. Genau wie der Arbeiter, der seine Arbeit machen muss, seine Arbeit nur ausf&#252;hren kann, indem er sich daran minimal beteiligt. Er kann nie einfach ein Ausf&#252;hrender sein, eine Maschine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Produktionssystem w&#252;rde zusammenbrechen, falls die Arbeiter nicht mehr experimentieren, sich gegenseitig helfen und Ratschl&#228;ge geben k&#246;nnten. Die hierarchische Organisation der Arbeit kann nur &#252;berleben, wenn die Regeln permanent mit den F&#252;ssen getreten werden. Es erlegt diesen verbotenen Dingen und der spontanen Organisation der Arbeiter einen un&#252;berwindbaren Rahmen auf, um sie daran zu hindern, sich zu entwickeln und wirklich gef&#228;hrlich und subversiv zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;V. Geld und Kosteneinsch&#228;tzung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist gleichbedeutend mit einer Welt ohne Geld. Aber das Verschwinden des Geldes ist nicht gleichbedeutend mit dem Verschwinden aller Kosteneinsch&#228;tzungen. Die gegenw&#228;rtigen, vergangenen und k&#252;nftigen menschlichen Gesellschaften und Handlungen werden notwendigerweise mit diesem Problem konfrontiert sein, unabh&#228;ngig davon, ob sie geldliche Zeichen einsetzen oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Geld&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft, wo die Ware zur allgemeinen Form des Produkts geworden ist, pr&#228;sentiert sich das Geld in den Augen aller als Notwendigkeit, obwohl nicht alle gleich viel davon haben und es nicht gleich gebrauchen. Es ist ein Gut, das f&#252;r das menschliche Leben fast so wichtig ist wie der Sauerstoff. K&#246;nnen wir ohne Geld &#252;berleben? Sowohl der Reiche als auch der Arme m&#252;ssen ihren Geldbeutel &#246;ffnen, um ihre grundlegendsten Bed&#252;rfnisse oder ihre &#252;berfl&#252;ssigsten W&#252;nsche zu befriedigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die objektive jedoch begrenzte Stellung des Geldes kontrastiert mit der subjektiven und phantastischen Stellung, die es im gesellschaftlichen Bewusstsein einnimmt. Jeglicher Reichtum wird letztendlich durch die Diener der Wirtschaft mit Geldreichtum assimiliert. Was nicht bezahlt wird, scheint jeglichen Wert zu verlieren, sogar wenn es sich um die lebensnotwendigsten G&#252;ter handelt: Luft, Wasser, die Sonne, Sperma und Seifenblasen. Paradoxerweise n&#228;hert sich diese Epoche ihrem Ende, aber in jenem Sinn, dass die triumphierende Wirtschaft allem einen Marktwert gibt, sie f&#252;llt Wasser in Flaschen ab und deponiert Sperma in Banken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Laie sich damit begn&#252;gt, die Allgegenwart und Allmacht des Geldes festzustellen und versucht, von den Beg&#252;nstigungen dieser launischen Gottheit zu profitieren, k&#252;mmern sich die Herren &#214;konomen darum, es zu verherrlichen. Das Geld ist nicht nur unerl&#228;sslich in der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft, eine Wahrheit, die sich auf allt&#228;gliche und leider unbestreitbare Erfahrung st&#252;tzt, es ist unerl&#228;sslich f&#252;r ein minimal zivilisiertes gesellschaftliches Leben. Die Geldzirkulation ist f&#252;r den Gesellschaftsk&#246;rper was die Blutzirkulation f&#252;r den menschlichen K&#246;rper ist. Die Geschichte des Fortschritts ist die Geschichte des Fortschritts des Geldes vom Muschelgeld zur Kreditkarte. Ihr wollt die Gesellschaft des Geldes entledigen? Ihr seid bestimmt geisteskrank, Anh&#228;nger einer R&#252;ckkehr zum Tausch. Merken wir nebenbei an, dass der Kapitalismus diesen ach so verschrienen Tausch nicht nur nicht abgeschafft hat, sondern ihn unaufh&#246;rlich neu erfindet, besonders auf der Ebene des internationalen Handels.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld wird zu einem Schleier, der letztendlich die wirtschaftliche Realit&#228;t kaschiert. Es gibt keine Fr&#228;smaschinen, Ingenieure oder Spaghetti mehr, sondern nur noch Dollars oder Rubel. Es setzt sich die Illusion durch, dass die Kontrolle &#252;ber das Geld, seine Schaffung, Zirkulation und Verteilung gleichbedeutend mit einer tiefgehenden Kontrolle &#252;ber diese Zusammenstellung an Gebrauchswerten ist, welche die Wirtschaft immer noch ist. Daher kommt der &#196;rger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld wird h&#228;ufig in Frage gestellt, aber weniger seine Existenz als die &#252;bertriebene Sparsamkeit, mit welcher es in Brieftaschen wandert. Je mehr man es kritisiert, desto mehr will man davon. Wenn man das Goldene Kalb zerst&#246;ren oder die G&#246;tzenverehrung beseitigen will, hat man, um effizient zu sein, besser volle Taschen. Man hat die Wahl zwischen der Verbl&#246;dung bei der Arbeit, dem Risiko des &#220;berfalls, den Unw&#228;gbarkeiten der Lotterie&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn es den &#214;konomen nicht gef&#228;llt, das Geld ist eine sehr merkw&#252;rdige Sache. Das springt ins Auge, sobald man sich nicht mehr um seine unbestreitbare wirtschaftliche N&#252;tzlichkeit k&#252;mmert, sondern sich auf seine menschliche N&#252;tzlichkeit konzentriert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bem&#252;hen wir uns, naiv zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie, durch welch infernale Magie ist es m&#246;glich geworden, dass der Reichtum, die M&#246;glichkeit, Bed&#252;rfnisse zu befriedigen, sich im Geld verk&#246;rpert? Wenn er unbedingt eine besondere Form annehmen musste, um f&#252;r unsere Augen sichtbar zu sein und von uns nie vergessen zu werden, h&#228;tte er, dem Beispiel unseres Herren Jesus Christus folgend, das Brot und den Wein w&#228;hlen k&#246;nnen, n&#252;tzliche und angenehme Dinge. Aber nein! Er hat es vorgezogen, sich in der Form von Gold und Silber zu verk&#246;rpern, extrem seltene und nutzlose Metalle. Noch schlimmer, heute zeigt er sich dem gew&#246;hnlichen Sterblichen nur noch in seiner Papierform.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das einzige vom Geld befriedigte Bed&#252;rfnis ist das Bed&#252;rfnis nach Handel. Es wird mit ihm verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist haarstr&#228;ubend, das Geld bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Handels zu beseitigen oder weil man will, dass er endlich gerecht wird. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schlugen &#8222;ricardianische Sozialisten&#8220; vor, dass Waren direkt je nach notwendiger Menge Arbeit f&#252;r ihre Produktion gehandelt werden. Die Bolschewisten Bucharin und Preobraschenski verbreiteten 1919 &#228;hnliche Illusionen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Geld verliert gleich von Anbeginn der sozialistischen Revolution allm&#228;hlich seine Bedeutung. Alle nationalisierten Unternehmungen f&#252;hren, &#228;hnlich dem Unternehmen eines reichen Besitzers [&#8230;], eine gemeinsame Kasse und haben es nicht n&#246;tig, f&#252;r Geld einen gegenseitigen Kauf und Verkauf zu betreiben. Es wird langsam der bargeldlose Verkehr eingef&#252;hrt. Infolgedessen wird das Geld aus einem gro&#223;en Gebiete der Volkswirtschaft verdr&#228;ngt. Auch in bezug auf die Bauernschaft verliert das Geld ebenfalls langsam seine Bedeutung, und auf den Plan tritt der Warenaustausch. [&#8230;] Das langsame Verschwinden des Geldes wird auch beg&#252;nstigt durch die riesige Papiergeldemission durch den Staat [&#8230;]. Der st&#228;rkste Schlag wird aber dem Geldbestand durch die Einf&#252;hrung der Budgetb&#252;cher und durch Bezahlung der Arbeiter mit Produkten versetzt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bucharin, Preobraschenski, Das ABC des Kommunismus. Popul&#228;re Erl&#228;uterung des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab Versuche, die Wirtschaft zumindest teilweise des Geldes zu entledigen. Die Transaktionen zwischen den Unternehmen wurden nur als buchhalterische Operationen aufgenommen. Das ergab nichts, weder etwas bekanntes, noch etwas sehr kommunistisches.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gl&#252;ckwunsch&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der kommunistischen Welt werden die Produkte zirkulieren, ohne dass Geld im umgekehrten Sinn zirkulieren muss. Der Ausgleich wird nicht auf der Ebene des Haushalts oder der Unternehmung stattfinden: Was als Ware herausgeht, entspricht einem Eingang an Geld und umgekehrt. Er wird direkt global sein und sich direkt an der Befriedigung der Bed&#252;rfnisse messen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ende des Handels bedeutet selbstverst&#228;ndlich nicht, dass die Kinder keine Murmeln oder die Liebenden keine Komplimente mehr austauschen k&#246;nnen. Begrenzte Tauschwirtschaft wird in kleinem Rahmen fortbestehen. Allen voran am Anfang wird sie das allgemeine Verteilungsnetz komplettieren und seiner Starre entgegenwirken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das beste Indiz, um zu zeigen, dass das Geheimnis des Geldes nicht sein materielles Wesen ist, ist die Tatsache, dass die W&#228;hrungsstandards sich je nach Zeit und Ort ver&#228;ndert haben. Salz und das Vieh spielten diese Rolle. Die wertvollen Metalle, besonders das Gold, wurden letztendlich nur wegen eben ihrer Nutzlosigkeit ausgew&#228;hlt. Wenn es an Nahrungsmitteln mangelt, kann das Gold nicht durch Konsum der Zirkulation entzogen werden. Wenn das Gold der Zirkulation entzogen wird, um gehortet zu werden oder als Dekoration zu dienen, dann ist es aufgrund seiner Funktion als wirtschaftlicher Wert. Gewisse Eigenschaften und vor allem seine besondere Seltenheit haben ihm einen gewissen Vorzug in der wirtschaftlichen Entwicklung gegeben. W&#228;hrend der ersten Ersch&#252;tterungen des Handelssystems konnte das Salz eine W&#228;hrung aufgrund seines Nutzens und der Konzentrierung an besonderen Orten sein. Es war der optimale Zirkulationsgegenstand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute tendiert das Geld dazu, sich zu entmaterialisieren. Es ist nicht mehr durch den Wert seiner Grundlage garantiert, sondern durch die Bank und das Finanzsystem, die es manipulieren. Es h&#246;rt nicht auf, ein Mittel zum Handel zu sein, doch es wird allen voran zu einem Instrument im Dienste des Kapitals. Dadurch kann es vereinnahmt und bestens gebraucht werden, um Investitionen zu finanzieren und dem Kapital Kredit zu gew&#228;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zerst&#246;rung des Geldes ist nicht gleichbedeutend mit der Verbrennung der Geldscheine und der Konfiskation oder Schmelzung des Goldes. Solche Massnahmen k&#246;nnen aus symbolischen oder psychologischen Gr&#252;nden notwendig sein, zur Durcheinanderbringung des Systems. Sie werden nicht reichen. Das Geld wird in anderen Formen zur&#252;ckkehren, wenn das Bed&#252;rfnis danach und die M&#246;glichkeit daf&#252;r fortbestehen. Getreide, Sardinenb&#252;chsen, Zucker k&#246;nnen Tauschmittel und sogar Lohn werden. &#8222;Du machst diese Arbeit, wir geben dir zehn Kilogramm Zucker, damit kannst du Fleisch, Alkohol oder einen Strohhut erstehen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das erste Problem ist jenes des Kampfes um die Produktion, die Organisation, gegen den Mangel. Danach die Umsetzung abschreckender und repressiver Massnahmen gegen jene, welche versuchen, die &#220;bergangsphase f&#252;r den Schwarzmarkt zu nutzen. Das Gold und die anderen wertvollen Metalle werden von den revolution&#228;ren Beh&#246;rden beschlagnahmt, um danach eventuell gegen Waffen oder Lebensmittel mit nicht kontrollierten Sektoren getauscht zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld ist der Ausdruck des Reichtums, des Handelsreichtums jedoch. Es ist nicht direkt Befriedigung der Bed&#252;rfnisse, nur Mittel, um sie zu befriedigen. Es ist also auch die Schranke, die das Individuum von seinen Bed&#252;rfnissen trennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bestrebungen der Menschen werden zum Widerschein der Dinge, der Waren, die ihnen gegen&#252;ber stehen. Bed&#252;rfnisse zu haben und sie zu befriedigen, bedeutet, kaufen und konsumieren zu wollen und zu k&#246;nnen. In diesem Spiel kann man nur reingelegt werden. Der Reichtum, das wahrhafte Gl&#252;ck kann und muss durch die Werbung nur eine unerreichbare Fata Morgana bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wertgesetz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld dient zum Handeln. Doch Geld bedeutet auch Masseinheit. Was das Geld beim Handeln misst, den Preis einer Ware, hat seine Wurzel ausserhalb der Tauschsph&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie entsteht im kapitalistischen System das Gleichgewicht zwischen dem, was produziert, und dem, was konsumiert wird? Zwischen der gelieferten Anstrengung und dem erlangten Vorteil? Wie setzt sich eine bestimmte Entscheidung als die vern&#252;nftigere durch?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem steht in Zusammenhang mit jeder besonderen Ware. Sie ist gleichzeitig Gebrauchswert und Tauschwert. Der Gebrauchswert ist gleichbedeutend mit dem Vorteil, den sie einem einbringen soll. Der Konsument soll ihn direkt nutzen. Der durch den Preis ausgedr&#252;ckte Tauschwert entspricht der Auslage, durch welche dieser Vorteil kompensiert wird. Geldausgabe zu seinem Kauf, aber vor allem und urspr&#252;nglich Arbeitsaufwand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Preis eines Gutes wird von den auf der Ebene des Marktes wirkenden Kr&#228;ften bestimmt, des Angebots und der Nachfrage. Doch dar&#252;ber hinaus verweist er auf die Produktionskosten, die aufgeteilt werden in unmittelbar gelieferte Arbeit und in jene Arbeit, welche in den zur Produktion genutzten Materialien enthalten ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jeder Ware dr&#252;ckt sich somit die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen Auslage und gesellschaftlichem Gewinn aus, die sich in der Notwendigkeit des finanziellen Gleichgewichts der Unternehmen und der Haushalte widerspiegelt. Die Notwendigkeit eines Gleichgewichts, aber nicht dieses Gleichgewicht selbst! Der Preis eines Gutes entspricht nur auf sehr verzerrte Art und Weise der effektiv aufgewandten wirklichen Arbeit und sogar der gesellschaftlich notwendigen Menge an Arbeit. Das Gleichgewicht entsteht nicht auf der Ebene der besonderen Ware, sondern auf jener des gesamten Systems. Und dort ist dieses Gleichgewicht eher eine Art Ungleichgewicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wird der Preis einer Ware von der in ihr enthaltenen Menge an Arbeit bestimmt? Ja und nein. Ja, weil der Preis dazu tendiert, entsprechend den Produktivit&#228;tsgewinnen zu variieren, denn ein Produkt, das zweimal mehr Zeit braucht als ein anderes, l&#228;uft Gefahr, zweimal teurer zu sein, da die gesamte Menge an Arbeit den gesamten Wert der Waren bestimmt. Nein, weil man keine zwingende und einfache Verbindung zwischen jeder Ware und der aufgewandten Arbeit erstellen kann. Dies aufgrund der Unw&#228;gbarkeiten des Marktes. Denn wenn der Preis einer Ware wirklich von der konkret aufgewandten Arbeit bestimmt w&#252;rde, dann w&#228;re die Ware umso teurer, je niedriger die Produktivit&#228;t w&#228;re, je fauler die Arbeiter w&#228;ren! In Wirklichkeit sind jene, welche hohe Selbstkostenpreise haben, benachteiligt und nicht beg&#252;nstigt. Die Gewinner sind jene, welche die Produktionskosten und die Arbeit einsparen. Dies, weil die Preisbildung vom tendenziellen Ausgleich der Profitraten betroffen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wird aus dem von den klassischen &#214;konomen geerbten Gesetz der Arbeitswerttheorie, das besagt, dass der Wert der wirtschaftlichen Dinge von der Arbeit bestimmt wird? Dieses Gesetz ist ein allgemeines Gesetz, das durch die Preisbildung die allgemeine Entwicklung des Systems determiniert. Das Kapital entwickelt sich und teilt sich entsprechend den verwirklichbaren Einsparungen an Arbeitszeit auf. Es ist wie ein Fluss, obwohl sein Weg nicht der k&#252;rzeste ist, obwohl er sich in stehendem Wasser verliert, obwohl er Umwege macht, folgt er letztendlich blind seinem nat&#252;rlichen Lauf und tr&#228;gt dabei die Hindernisse ab. Der erwartete Profit, der den Kapitalisten dazu bringt, hier oder dort zu investieren, diese Technik oder jenen Maschinenbetrieb zu w&#228;hlen, widerspricht dieser Tendenz &#252;berhaupt nicht, er ist nur der gewundene Gang, durch welchen es sich ihm auferlegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letztendlich dr&#252;ckt das Wertgesetz nicht wirklich die Verbindung aus, die zwischen der Ware und ihrem Preis einerseits und der sch&#246;pferischen Arbeit andererseits fortbesteht, sondern eher ihre Trennung. Die Arbeit wird zu Wert, das bedeutet, dass das Werk sich von der Arbeit und dem Arbeiter befreit, um in die Umlaufbahn des Wirtschaftsraumes gebracht zu werden und sich dort gem&#228;ss der ihm eigenen Regeln zu bewegen. All die autonom und konkurrierend gewordenen Waren messen sich letztendlich zwischen ihnen durch den Handel und das Geld. Das Wertgesetz, dessen Entwicklung an den Handel und seine Wirkung auf die menschliche T&#228;tigkeit gekoppelt ist, verschwindet mit dem Kommunismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie steht es um das globale Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen innerhalb des Systems? Dieses Gleichgewicht ist ein Ungleichgewicht. Vom Standpunkt des Werts aus betrachtet, produziert die Gesellschaft mehr, als dass sie ausgibt. Der Mehrertrag wird akkumuliert. Ohne diese Tatsache w&#228;re das Kapital nicht das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx hat gezeigt, dass eine besondere Ware existiert, welche die Gabe hat, mehr Wert zu produzieren als ihre Produktion verlangt. Daher vergr&#246;ssert sich das Kapital in Bewegung, statt dass es von Transaktion zu Transaktion immer gleich bleibt. Diese Ware ist die Arbeitskraft, ihr Preis ist niedriger als der durch sie erschaffene Wert, es ist der Lohn. Der Unterschied ist der Mehrwert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Arbeiter verkauft nicht seine Arbeit auf dem schlecht benannten &#8222;Arbeitsmarkt&#8220;, sondern seine F&#228;higkeit zu arbeiten, einen Teil seiner Zeit. Die Arbeit ist keine Ware, sie hat keinen Wert. Sie ist die Grundlage des Werts. Sie selbst, sagt Engels, hat nicht mehr Wert als die Schwerkraft Gewicht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das Kapital die Zirkulationssph&#228;re verl&#228;sst, um beim Kapitalisten Zuflucht zu suchen, w&#228;chst es von der nicht bezahlten Arbeit des Arbeiters, ohne dass das Wertgesetz mit den F&#252;ssen getreten w&#252;rde, ohne dass der Profit aus irgendeiner Gaunerei oder einem Verstoss gegen die Regeln des Handels entst&#252;nde. Jedes Warenkapital kann zerlegt werden in konstantes Kapital, der Amortisierung der benutzten Materialien und Maschinen entsprechend, und in variables Kapital, das den L&#246;hnen oder dem Mehrwert, der nicht bezahlten Arbeit entspricht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld ist Tr&#228;ger einer tiefgehenden Mystifizierung. Es versteckt das urspr&#252;ngliche Wesen des Aufwands, der das Produkt wirklich entstehen liess. Hinter dem Reichtum, auch hinter dem Warenreichtum, steht das menschliche Wesen und die menschliche Anstrengung. Das Geld scheint Zinsen zu produzieren, Junge zu bekommen. Die einzige Quelle jeglichen Werts, mag er noch so sehr Handelswert sein und eben genau, weil er es ist, ist die Arbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich r&#228;umen auch die ergebensten &#214;konomen der Arbeit einen kleinen Platz als Quelle des Reichtums neben dem Kapital und dem Boden ein. Die Mystifizierung wird allerdings nicht einmal teilweise beseitigt. Nicht die Arbeit als solche kommt in den Genuss dieses Gefallens, nur die Arbeit als Gegenleistung f&#252;r den Lohn. Nicht das Geld wird auf die Arbeit reduziert, sondern die Arbeit wird im Gegenteil durch den Lohn auf das Geld reduziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Unentgeltlichkeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man ist h&#228;ufig versucht, aus dem Verschwinden des Geldes in der kommunistischen Gesellschaft darauf zu schliessen, dass keine Kostenfragen mehr geregelt werden m&#252;ssten, dass es nicht mehr notwendig sein w&#252;rde, den Wert der Dinge einzusch&#228;tzen. Das ist ein grundlegender Irrtum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Sache, dass ein Gut oder Dienst gratis ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass das nichts kostet. Die Illusion ist ein direktes Produkt der Funktionsweise des Handelssystems. Man wird dazu gedr&#228;ngt, Kosten und Zahlung zu assimilieren. Man sieht nur noch die Zahlung, die Geldausgabe. Man vergisst den Aufwand an M&#252;he und Materialien, der dem Produkt zugrunde liegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowohl f&#252;r den Kapitalismus als auch f&#252;r den Kommunismus bedeutet Unentgeltlichkeit nicht Aufwandslosigkeit. Der Unterschied zwischen der kommunistischen und der kapitalistischen Unentgeltlichkeit ist die Tatsache, dass letztere nur eine falsche Unentgeltlichkeit ist. Die Zahlung ist nicht inexistent, sie ist nur zeitlich oder &#246;rtlich versetzt. Die Unentgeltlichkeit der Schule oder der Werbung bedeutet nicht, dass sie ausserhalb des Handelssystems sind und dass der Konsument nicht letztendlich daf&#252;r bezahlt. Die unentgeltliche Ware ist sehr verdorben. Sie bedeutet auferlegten oder halb auferlegten Konsum, Schwierigkeit, das, was man einem &#8222;offeriert&#8220;, auszuw&#228;hlen oder abzulehnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der neuen Gesellschaft m&#252;ssen die Kosten der Dinge bekannt sein und, falls n&#246;tig, berechnet werden. Nicht aus buchhalterischer Pedanterie oder um grundlos gewordene Hintergehungen zu verhindern. Es wird darum gehen, den n&#246;tigen Aufwand zu erfassen, um zu wissen, ob er sich lohnt, ihn falls m&#246;glich zu reduzieren. Die auf die menschliche und nat&#252;rliche Umwelt ausgel&#246;ste Wirkung der Befriedigung eines Bed&#252;rfnisses oder des Aufbaus eines Projekts muss evaluiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Uhrzeiger, ein Auto, rechtfertigen sie die ihrer Produktion gewidmete Zeit und M&#252;he und die mit ihrem Gebrauch verbundenen Nachteile? Setzt man eine Produktionseinheit besser an diesem oder jenem Ort ein? Rechtfertigt es eine gewisse Produktion, dass man begrenzte Erzvorr&#228;te reduziert? Wir k&#246;nnen nicht den Zufall oder die Intuition bestimmen lassen. Es ist nicht schwer, zu verstehen, dass all das Einsch&#228;tzung, Berechnung und Voraussicht impliziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir behalten den dermassen mit &#214;konomismus durchsetzten Begriff der Kosten bei, weil es sich nicht nur um eine Wahlm&#246;glichkeit und eine Massregel, einen intellektuellen Prozess handelt, sondern um k&#246;rperlichen Aufwand. Welches technische Niveau auch immer erreicht sein mag, es wird immer kostspielige T&#228;tigkeiten und Aufgaben geben, die m&#252;hsamer sind als andere. Dass alles einfach und unterschiedslos w&#252;rde, w&#228;re eine traurige Sache und einer kommunistischen Gesellschaft fremder als einer anderen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ware hat zwei Seiten: Gebrauchswert und Tauschwert. Sie sind scheinbar von zwei irreduziblen Ordnungen abh&#228;ngig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gebrauchswert, die N&#252;tzlichkeit ist qualitativ. Der Benutzer vergleicht und beurteilt, was ihm am ehesten zusagt, ein Flugzeug oder eine Orange. Die Entscheidung kann nicht unabh&#228;ngig von seiner Lage und seinen konkreten Bed&#252;rfnissen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Tauschwert ist quantitativ. Alle G&#252;ter k&#246;nnen bemessen und objektiv gem&#228;ss einem einheitlichen Normalmass angeordnet werden, egal ob es sich um ein Flugzeug oder eine Orange handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist nicht wirklich eine Welt, wo ein endlich von seinem Parasiten Tauschwert befreiter Gebrauchswert fortbesteht oder der Tauschwert sich selbst negiert und wieder Gebrauchswert wird. Der Vorteil und der Nachteil sind von der gleichen Ordnung der Dinge abh&#228;ngig und nicht mehr angebunden und getrennt. Der Wert ist nicht mehr Wert, um wieder als konkreter und vielgestaltiger Aufwand zu erscheinen. Die Arbeit ist nicht mehr die Grundlage und die Garantie des Werts. Es gibt kein einheitliches Normalmass mehr, das quantitative Vergleiche zwischen allem erlaubt, sondern konkrete Aufw&#228;nde und Arbeiten, die unterschiedlich m&#252;hsam sind und ber&#252;cksichtigt werden sollten. Indem sie nicht mehr die Tr&#228;gerin des Werts und nicht mehr durch den Tauschprozess vereinheitlicht ist, ist die Arbeit nicht mehr die ARBEIT.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die b&#252;rgerliche &#214;konomie ist eine der doppelten Buchf&#252;hrung. Das b&#252;rgerliche Individuum ist kein Mensch, es ist eine Firma. Wir wollen alle Firmen zerst&#246;ren, die &#214;konomie der doppelten Buchf&#252;hrung abschaffen. Und eine einfache Buchf&#252;hrung begr&#252;nden, die es in der Geschichte gibt, seit der Troglodyt losging, um so viele Kokosn&#252;sse zu pfl&#252;cken, wie es Gef&#228;hrten in der H&#246;hle gab und dabei nur seine beiden H&#228;nde bei sich trug.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bordiga, Eigentum und Kapital.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird Unentgeltlichkeit geben, weil die &#8222;Gabe&#8220; den Verkauf ersetzen wird. Jene, welche diese oder jene Aufgabe mit dem Ziel erledigen, ihre eigenen Bed&#252;rfnisse zu befriedigen oder auch f&#252;r andere n&#252;tzlich zu sein, werden direkt mit der gelieferten Anstrengung bezahlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist das sehr neu? Nein, denn sogar heute w&#252;rde es niemandem in den Sinn kommen, f&#252;r eine Diskussion oder einen Streit den Preis des Speichels zu bezahlen. In einer Konversation tauscht man nicht eine gewisse Redezeit oder eine gewisse Anzahl an Dezibel aus, man bem&#252;ht sich, das zu sagen, was man zu sagen hat, weil man findet, dass man es sagen muss. Der Gespr&#228;chspartner oder der Zuh&#246;rer schuldet einem nichts im Austausch f&#252;r seine Aufmerksamkeit. Die Hoffnung auf eine Antwort, das Risiko, nicht verstanden, nicht erwidert oder belogen zu werden, sind Teil des Spiels. Sie sind weder die Erwartung einer Bezahlung noch das Marktrisiko. Im gew&#246;hnlichen Leben ist das Wort keine Ware, Sprechen keine Arbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was noch heute f&#252;r das Wort gilt, wenn es nicht aufgenommen und als Ware verbreitet wird, wird morgen f&#252;r jegliche Produktion gelten. Die Einsch&#228;tzung der Kosten wird nicht mehr vom n&#246;tigen Aufwand getrennt sein. Die Vorbedingung, der erste Schritt der Berechnung wird der Antrieb f&#252;r diese oder jene T&#228;tigkeit sein. Ein Buch oder ein Schuh werden &#8222;offeriert&#8220; werden, wie man es heute mit den Worten tun kann. Die Gabe impliziert bis zu einem gewissen Punkt Gegenseitigkeit, das Wort ruft nach einer Antwort, doch es ist nicht mehr der anonyme und antagonistische Prozess des Handels.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Arbeitszeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der offizielle englische &#214;konom der Bourgeoisie Ricardo hatte anfangs des 19. Jahrhunderts behauptet, dass der Wert eines Produkts von der f&#252;r seine Produktion notwendigen Menge Arbeit abh&#228;nge, es fehlte nicht an Leuten, die forderten, dass der Wert der Gesamtheit seines Produkts an den Arbeiter gehen soll. Der Profit war moralisch als Diebstahl verurteilt. Das Problem des Sozialismus ist jenes der Verg&#252;tung, einer gerechten Verg&#252;tung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein amerikanischer Kommunist, John Francis Bray, sticht heraus. Er sieht im gerechten Tausch nicht die L&#246;sung, sondern ein Mittel zur Vorbereitung derselben, der Gemeinschaft der G&#252;ter. Eine &#220;bergangsphase, w&#228;hrend welcher niemand mehr verdient als den Wert seiner Arbeit und nicht sehr reich werden kann, erweist sich als notwendig. Jeder wird in den L&#228;den das &#196;quivalent in Form diverser Dinge dessen erlangen, was er in einer anderen Form produziert hat. Das Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsum wird aufrechterhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im &lt;i&gt;Elend der Philosophie&lt;/i&gt; w&#252;rdigt Marx Bray, kritisiert ihn aber auch. Entweder endet der gerechte Tausch letztendlich wieder im Kapitalismus: &#8222;Herr Bray ahnt nicht, da&#223; dieses egalit&#228;re Verh&#228;ltnis, dieses &lt;i&gt;Verbesserungsideal,&lt;/i&gt; welches er in die Welt einf&#252;hren will, selbst nichts anderes ist als der Reflex der gegenw&#228;rtigen Welt und da&#223; es infolgedessen total unm&#246;glich ist, die Gesellschaft auf einer Basis rekonstituieren zu wollen, die selbst nur der versch&#246;nerte Schatten dieser Gesellschaft ist. In dem Ma&#223;e, wie der Schatten Gestalt annimmt, bemerkt man, da&#223; diese Gestalt, weit entfernt, ihre ertr&#228;umte Verkl&#228;rung zu sein, just die gegenw&#228;rtige Gestalt der Gesellschaft ist.&#8220; Oder wir entledigen uns des Tausches: &#8222;Was heute durch das Kapital und die Konkurrenz der Arbeiter unter sich bewirkt wird, wird morgen, wenn man das Verh&#228;ltnis von Arbeit und Kapital aufhebt, das Ergebnis einer Vereinbarung sein, die auf dem Verh&#228;ltnis der Summe der Produktivkr&#228;fte zu der Summe der vorhandenen Bed&#252;rfnisse beruht. Aber eine solche Vereinbarung ist die Verurteilung des individuellen Austausches [&#8230;].&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne auf den Tausch zur&#252;ckgreifen zu wollen, haben gewisse Revolution&#228;re, allen voran Marx und Engels, die zwingende Notwendigkeit verstanden, das Problem der Kosten und ihrer Buchhaltung in der zuk&#252;nftigen Gesellschaft zu regeln. Sie suchten ein Normalmass, um die Aufw&#228;nde einzusch&#228;tzen und zu vergleichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Regel war das vorgeschlagene Normalmass die Menge an Arbeit. Diese Menge wird durch die Zeit gemessen und manchmal durch die Intensit&#228;t korrigiert. Jede Investition der Gesellschaft kann somit auf einen gewissen zeitlichen Aufwand zur&#252;ckgef&#252;hrt werden. Die Orange und das Flugzeug entsprechen nicht mehr einer gewissen Menge an Geld, sondern einer gegebenen Anzahl Arbeitsstunden. Trotz ihrem unterschiedlichen Wesen k&#246;nnen sie anhand eines gemeinsamen Massstabs verglichen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Vorgehensweise scheint logisch. Was haben verschiedene G&#252;ter gemeinsam, wenn nicht die in ihr enthaltene Arbeit? Davon ging Marx im Kapital aus, um die Arbeit als Quelle des Werts zu entdecken. Welches andere Normalmass k&#246;nnte man finden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und Engels &#252;bernahmen diese Konzeption, ohne sich in praktischen Details zu verlieren. Andere versuchten, sie detaillierter zu entwickeln, indem sie sich auf eine pr&#228;zise Buchhaltung der Arbeitsstunden st&#252;tzten, die es erlaubt, den Wert jedes Gutes zu evaluieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was uns betrifft, haben wir nicht von einem &#8222;Jenseits der Arbeit&#8220; gesprochen, um uns danach armselig auf das Mass der Arbeitszeit zu st&#252;rzen, sobald es darum geht, die harten praktischen Wirklichkeiten zu behandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie der Messung der G&#252;ter oder der Vorausplanung der Investitionen durch die Menge an Arbeit ist falsch. Sie muss radikal abgelehnt werden. Es geht nicht um eine methodische Streitigkeit, sondern um ein grunds&#228;tzliches Problem, welches das Wesen des Kommunismus selbst betrifft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Messung durch die Arbeit bleibt &#246;konomistisch. Sie will das Ende des Wertgesetzes, aber erkennt nicht, was das impliziert. Die kapitalistische Gesellschaft tendiert dazu, fortzubestehen, obwohl sie der Klassenteilung und des Tauschwertes entledigt ist!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man wollte ein Problem abhaken, das zwei Aspekte hat. Das erste ist jenes der Verg&#252;tung der Arbeiter. Das zweite, allgemeinere, betrifft die Verteilung der Produktivkr&#228;fte in der Gesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie sollen die Konsumg&#252;ter ohne Geld verteilt werden? Wie soll der Arbeiter gerecht f&#252;r seinen gelieferten Aufwand verg&#252;tet werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich &#252;bernimmt Marx in der &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt; den Standpunkt von Bray. Er entledigt ihn seiner st&#246;renden Aspekte. In einer &#220;bergangsphase, w&#228;hrend welcher das Prinzip &#8222;Jedem nach seinen Bed&#252;rfnissen&#8220; noch nicht angewandt werden kann, wird die Verg&#252;tung von der gelieferten Arbeit abh&#228;ngen. Sie wird davon abh&#228;ngen und ihr nicht entsprechen, denn ein Teil dessen, was diese Arbeit repr&#228;sentiert, wird zur Produktion der Produktionsg&#252;ter, zur Unterst&#252;tzung der Gebrechlichen in einen Sozialfonds fliessen&#8230; Der Arbeiter bekommt nicht das gesamte Produkt seiner Arbeit. Da ausserdem die Gutscheine, welche die gelieferte Menge an Arbeit belegen, nicht zirkulieren, ist der Handel im Keim erstickt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was bedeutet und verlangt, dass man eine Buchhaltung f&#252;hrt. &#8222;[D]ie Arbeit, um als Ma&#223; zu dienen, mu&#223; der Ausdehnung oder der Intensit&#228;t nach bestimmt werden, sonst h&#246;rte sie auf, Ma&#223;stab zu sein.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kritik des Gothaer Programms.&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Marx ist das Problem der Verg&#252;tung nebens&#228;chlich und beschr&#228;nkt auf die niedere Phase des Kommunismus. Die Frage der Verteilung der Produktivkr&#228;fte ist hingegen grundlegend und permanent.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer kommunistischen Gesellschaft &#8222;f&#228;llt zun&#228;chst das Geldkapital ganz fort, also auch die Verkleidungen der Transaktion, die durch es hineinkommen. Die Sache reduziert sich einfach darauf, da&#223; die Gesellschaft im voraus berechnen mu&#223;, wieviel Arbeit, Produktionsmittel und Lebensmittel sie ohne irgendwelchen Abbruch auf Gesch&#228;ftszweige verwenden kann, die, wie Bau von Eisenbahnen z.B., f&#252;r l&#228;ngre Zeit, ein Jahr oder mehr, weder Produktionsmittel noch Lebensmittel, noch irgendeinen Nutzeffekt liefern, aber wohl Arbeit, Produktionsmittel und Lebensmittel der j&#228;hrlichen Gesamtproduktion entziehen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Kapital, Buch 2, MEW 24, S. 316-317.&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Berechnung der notwendigen Menge an Arbeit bedeutet jedoch nicht, dass das Wertgesetz fortbestehen kann, w&#228;hrend das Geldkapital verschwindet. Die Menge an Arbeit ist n&#228;mlich hinsichtlich der Bed&#252;rfnisse verteilt. Im&lt;i&gt; Elend der Philosophie&lt;/i&gt; schreibt Marx: &#8222;In einer k&#252;nftigen Gesellschaft, wo der Klassengegensatz verschwunden ist, wo es keine Klassen mehr gibt, w&#252;rde der Gebrauch nicht mehr von dem &lt;i&gt;Minimum &lt;/i&gt;der Produktionszeit abh&#228;ngen, sondern die Produktionszeit, die man den verschiedenen Gegenst&#228;nden widmet, w&#252;rde bestimmt werden durch ihre gesellschaftliche N&#252;tzlichkeit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wertgesetz ist nur ein besonderer merkantiler Ausdruck einer allgemeineren Regel, welche die gesamte Gesellschaft betrifft: &#8222;In der Tat, keine Gesellschaftsform kann verhindern, da&#223; one way or another die disponible Arbeitszeit der Gesellschaft die Produktion regelt. Aber, solange sich diese Reglung nicht durch direkte bewu&#223;te Kontrolle der Gesellschaft &#252;ber ihre Arbeitszeit &#8211; was nur m&#246;glich bei Gemeineigentum &#8211; vollzieht, sondern durch die Bewegung der Preise der Waren, bleibt es bei dem, was Du bereits in den &#8218;Deutsch-Franz&#246;sischen Jahrb&#252;chern&#8216; ganz zutreffend gesagt hast.&#8220; Das schrieb Marx an Engels am 8. Januar 1968. Was war die von ihm dargelegte These? &#8222;Da&#223; obige Abw&#228;gung von Nutzeffekt und Arbeitsaufwand [&#8230;] alles ist, was in einer kommunistischen Gesellschaft vom Wertbegriff der politischen &#214;konomie &#252;brigbleibt, habe ich schon 1844 ausgesprochen. Die wissenschaftliche Begr&#252;ndung dieses Satzes ist aber, wie man sieht, erst durch Marx&#8216; &#8218;Kapital&#8216; m&#246;glich geworden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Anti-D&#252;hring.&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was uns Marx und Engels von der kommunistischen Gesellschaft sagen &#8211; und man sieht, dass sie sehr wohl davon sprechen &#8211; l&#228;sst sich direkt von ihrer Analyse der kapitalistischen Gesellschaft ableiten. Ihre Konzeption entnimmt ihr ihre Vorz&#252;ge, aber auch ihre Makel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Vorz&#252;ge sind, dass sie zeigt, dass die Probleme der Verteilung des Konsums, der Verg&#252;tung f&#252;r die Arbeit nicht fundamental sind. Es ist die Produktionsweise, welche die Distributionsweise determiniert. Die Bekr&#228;ftigung gegen&#252;ber den guten Seelen, dass der Arbeiter nicht in den Genuss der Gesamtheit seines Produkts kommen kann, ist eine direkte Verl&#228;ngerung der Analyse des Kapitalismus, wo gezeigt wird, dass der Wert einer Ware zus&#228;tzlich zum Lohn und Mehrwert auch das konstante Kapital abdeckt. Die Produktionsinstrumente m&#252;ssen produziert werden. Der Kapitalismus und der Kommunismus sind, im Gegensatz zu vorhergehenden Gesellschaften, mit Werkzeugen ausgestattet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus und der Kommunismus sind auch wechselhafte Gesellschaften. Man kann sich nicht auf uralte Erfahrung verlassen. Nicht alles kann durch den eventuell durch den gesunden Menschenverstand korrigierten vergangenen Gebrauch geregelt werden. Die Einsch&#228;tzung der Kosten ist letztendlich nicht so sehr ein Problem der nachtr&#228;glichen Buchhaltung, als ein Problem der Voraussicht. In Bezug auf diesen grundlegenden Punkt machen die Kommunisten nach Marx eher Schritte zur&#252;ck. Einige R&#228;tekommunisten reduzieren die Frage auf jene eines bestm&#246;glichen Abbildes der Wirklichkeit und der &#246;konomischen Bewegungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die folgende Passage zeigt, inwiefern die gegenw&#228;rtige und die kommende Gesellschaft das GLEICHE Problem regeln m&#252;ssen, erstere dank dem Geldkapital, dem Kredit, letztere, indem sie ohne sie auskommt. &#8222;[A]usgedehntere Operationen von l&#228;ngrer Dauer [bedingen] gr&#246;&#223;re Vorsch&#252;sse von Geldkapital f&#252;r l&#228;ngre Zeit. Die Produktion in solchen Sph&#228;ren ist also abh&#228;ngig von den Grenzen, innerhalb deren der einzelne Kapitalist &#252;ber Geldkapital verf&#252;gt. Diese Schranke wird durchbrochen durch Kreditwesen und damit zusammenh&#228;ngende Assoziation, z.B. Aktiengesellschaften. St&#246;rungen im Geldmarkt setzen daher solche Gesch&#228;fte still, w&#228;hrend diese selben Gesch&#228;fte ihrerseits St&#246;rungen im Geldmarkt hervorrufen. Auf Basis gesellschaftlicher Produktion ist zu bestimmen der Ma&#223;stab, worin diese Operationen, die w&#228;hrend l&#228;ngrer Zeit Arbeitskraft und Produktionsmittel entziehn, ohne w&#228;hrend dieser Zeit ein Produkt als Nutzeffekt zu liefern, ausgef&#252;hrt werden k&#246;nnen, ohne die Produktionszweige zu sch&#228;digen, die kontinuierlich oder mehrmals w&#228;hrend des Jahrs nicht nur Arbeitskraft und Produktionsmittel entziehn, sondern auch Lebensmittel und Produktionsmittel liefern. Bei gesellschaftlicher ebenso wie bei kapitalistischer Produktion werden nach wie vor die Arbeiter in Gesch&#228;ftszweigen von k&#252;rzern Arbeitsperioden nur f&#252;r k&#252;rzre Zeit Produkte entziehn, ohne Produkte wieder zu geben; w&#228;hrend die Gesch&#228;ftszweige mit langen Arbeitsperioden f&#252;r l&#228;ngre Zeit fortw&#228;hrend entziehn, bevor sie zur&#252;ckgeben. Dieser Umstand entspringt also aus den sachlichen Bedingungen des betreffenden Arbeitsprozesses, nicht aus seiner gesellschaftlichen Form.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und Engels setzen den Kommunismus zu stark als Verl&#228;ngerung des Kapitalismus. Das ist ihr Makel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie erhalten die b&#252;rgerliche Trennung zwischen Produktionssph&#228;re und Konsumtionssph&#228;re aufrecht. Schon &lt;i&gt;Das kommunistische Manifest&lt;/i&gt; unterscheidet das kollektive Eigentum an den Produktionsmitteln und die pers&#246;nliche Aneignung von Konsumg&#252;tern. Es wird dort hoch und heilig geschworen, dass man nur vergesellschaften will, was schon gemeinschaftliches und gesellschaftliches Eigentum ist: die Instrumente der kapitalistischen Produktion. In der &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt; wird weiterhin der verh&#228;ltnism&#228;ssige individuelle und famili&#228;re Konsum der gelieferten Arbeitszeit und dem produktiven und gesellschaftlichen Konsum entgegengesetzt. Nichts wird &#252;ber die Art und Weise gesagt, wie letzterer organisiert werden wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es herrscht Verwirrung &#252;ber die Verteilungsweise der Produkte und ihr Wesen als &#8222;Konsumg&#252;ter&#8220; oder Produktionsinstrumente. Es gibt einerseits die Individuen und andererseits die Gesellschaft, auf abstrakte Art und Weise konzipiert. Es gibt isolierte Individuen, solche in Gruppen oder in einer Kommune, die sich gegen&#252;berstehen und sich organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit verschwindet die dem Individuum entgegengesetzte Gesellschaft, wenn der Staat oder der Firmenchef als Repr&#228;sentanten des &#8222;allgemeinen Interesses&#8220; verschwinden. Es gibt nur noch isolierte Menschen, solche in Gruppen oder Kommunen, die sich auf die eine oder andere Weise organisieren. Ein Individuum bekommt wom&#246;glich eine Werkzeugmaschine und ein Quartierkomitee einige Tonnen Kartoffeln zugewiesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Trennung zwischen einerseits der Arbeitskraft, den getrennten Individuen, und des gesellschaftlichen und kollektiven Kapitals andererseits verschwindet. Man kann sich zu ihrer Aufrechterhaltung nicht auf die Notwendigkeit der Verg&#252;tung in einer &#220;bergangsphase berufen. Es ist im Gegenteil die Verteidigung dieser Notwendigkeit bei Bray oder Marx, welche die Grenzen einer Epoche, die Unreife des Kommunismus widerspiegeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz kritischen und zutreffenden Bemerkungen bleibt Marx vom Fetischismus der Zeit beherrscht. Entweder macht er daraus einen &#246;konomischen oder einen ausser&#246;konomischen Massstab: &#8222;Denn der wirkliche Reichtum ist die entwickelte Produktivkraft aller Individuen. Es ist dann keineswegs mehr die Arbeitszeit, sondern die disposable time das Ma&#223; des Reichtums.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Grundrisse.&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeitszeit ist die Grundlage der freien Zeit. Die Herrschaft der Freiheit kann nur auf der Herrschaft der Notwendigkeit gr&#252;nden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Irrtum besteht nicht darin, in der k&#252;nftigen Gesellschaft weiterhin Notwendigkeit, Aufopferung und Produktion zu sehen. Er besteht darin, all das zu b&#252;ndeln, das Etikett falls m&#246;glich zu reduzierende &#8222;Arbeitszeit&#8220; darauf zu kleben und es allgemein der freien Zeit entgegenzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx sagt in der &lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt;, dass die Arbeit eines Tages zum ersten der Lebensbed&#252;rfnisse w&#252;rde. Die stalinistischen Anf&#252;hrer vers&#228;umten es nicht, sich die Formulierung in einem abscheulichen Sinn zunutze zu machen. Es ist sowieso ein Widerspruch. Wird die Arbeit in der kommunistischen Gesellschaft zu einem Aufwand oder einer Befriedigung? Ist es somit notwendig, die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren oder, im Gegenteil, soviel Arbeit wie m&#246;glich hervorzubringen, um die Nachfrage zu befriedigen? Die Arbeit kann nur in der kapitalistischen Gesellschaft als erstes der Lebensbed&#252;rfnisse erscheinen, als einziges Mittel, um die anderen zu befriedigen. Nur in ihr kann sie sowohl gehasst, als auch eingefordert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Phantastisch&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Massstab der Arbeitszeit ist eine phantastische Sache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jegliche produzierende T&#228;tigkeit mit der f&#252;r sie notwendigen Zeit messen zu wollen, bedeutet, alle Fl&#252;ssigkeiten einzig durch ihr Volumen messen und vergleichen zu wollen. Nat&#252;rlich braucht jede T&#228;tigkeit eine gewisse Zeit, genau wie jede Fl&#252;ssigkeit ein gewisses Volumen beansprucht. Das ist nicht unbedeutend. Eine einen Liter fassende Wasserflasche kann auch einen Liter Wein enthalten. Doch wer w&#252;rde es wagen, davon abzuleiten, dass eine Flasche Wasser unter jedem Umstand den gleichen Wert wie eine Flasche Wein, Alkohol, Grenadinsirup oder Salzs&#228;ure hat? Das kann allenfalls nur vom bornierten Standpunkt aus von jenem g&#252;ltig sein, der sie lagert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zeit ist die einzige objektive Sprache, in welcher sich die schaffende Bem&#252;hung des Leibeigenen oder des Arbeiters ausdr&#252;cken kann, betrachtet vom Standpunkt des Ausbeuters. Das bedeutet &#228;usserer Massstab, Kontrolle und Antagonismus. Die Dauer und die Intensit&#228;t der T&#228;tigkeit verdr&#228;ngen ihr Wesen und ihre besondere M&#252;hsamkeit, sie tendieren dazu, unterschiedslos zu werden. Die Subjektivit&#228;t des Erduldeten wird auf dem Altar des objektiven Massstabs geopfert. Die Sch&#246;pfung und das Leben sind der Produktion und der Wiederholung unterworfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Messung durch die Zeit ist &#228;lter als das Handelssystem. Statt dass er ihm diese oder jene Menge eines gewissen Produkts liefert, stellt der Ausgebeutete dem Ausbeuter einen Teil seiner Zeit zu Verf&#252;gung. So wie die Fronarbeit zur Zeit des Feudalismus. Das Verfahren ist im System der Inka bemerkenswert entwickelt. Es ist ein Beispiel eines grossen landwirtschaftlichen Reichs, das durch eine B&#252;rokratie vereinigt ist, die das Geld nicht kennt. Die Leistungen werden in Form von auf diesem oder jenem Landgut verbrachten Arbeitstagen erbracht. Das f&#252;hrt zu einer gr&#252;ndlichen Buchhaltung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Bauern- und Dorfgemeinschaften geht man an einem Tag w&#228;hrend der Ernte zur anderen und umgekehrt. Der Bauer und der Schmied tauschen ihre Produkte auf der Grundlage der Produktionszeit. Die T&#228;tigkeit des Kindes wird im Verh&#228;ltnis zu jener des Erwachsenen evaluiert. Man kann in diesen Praktiken den Ursprung des Gebrauches der Zeit als universellen Massstab und der Unterwerfung des Planeten unter die Handels&#246;konomie sehen. Allerdings nur den Ursprung. Diese marginalen Praktiken sind eher gegenseitige Hilfe denn Handel. Die gemessenen T&#228;tigkeiten sind wesensgleich und konkret vergleichbar. Die Messung durch die Zeit ist nicht unabh&#228;ngig vom gemessenen Inhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Messung durch die Zeit hat mit der parallelen Entwicklung des Handelssystems und der Arbeitsteilung ihren phantastischen Charakter erlangt. Sie entkoppelt sich vom Inhalt der T&#228;tigkeit, umso mehr er sich diversifiziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewegung versch&#228;rft sich, als der Tausch in die Produktionssph&#228;re eindringt. Die Messung durch die Zeit entwickelt sich in Verbindung mit der Tendenz zur Einsparung von Arbeitszeit. Es muss so viel wie m&#246;glich so schnell wie m&#246;glich produziert werden. Die M&#246;glichkeit der Messung durch die Zeit ist nicht unabh&#228;ngig von der Komprimierung der menschlichen T&#228;tigkeit in die kleinstm&#246;gliche Zeiteinheit. Die Arbeit bringt nicht nur die Ware hervor, sondern die Ware bringt die Arbeit durch den Despotismus der Fabrik hervor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dadurch erscheint die Messung durch die Zeit nicht mehr in ihrer Naivit&#228;t, sie versteckt sich hinter dem Geld und rechtfertigt sich durch finanzielle Notwendigkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die b&#252;rgerlichen Ideologen, besonders jene, welche sich auf den Heiligen Marx berufen, projizieren diesen Fetischismus der Zeit und der Produktion auf die gesamte menschliche Geschichte. Sie wird reduziert auf einen unaufh&#246;rlichen Kampf, um Zeit zu gewinnen. Die Wilden sind wild geblieben, weil sie aufgrund der Tatsache, dass sie von ihrer schwachen Produktivit&#228;t beherrscht waren, nicht die notwendige Zeit zur Akkumulation eines &#220;berschusses fanden. Die Zeit ist rar, man muss darin die T&#228;tigkeit so dicht wie m&#246;glich komprimieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weit davon entfernt, nur daran zu denken, Zeit zu gewinnen, w&#252;rden sich die Wilden eher darum k&#252;mmern, sie so effizient wie m&#246;glich zu verschwenden. Man findet bei ihnen h&#228;ufig einen gleichg&#252;ltigen Charakter. Abgesehen von einigen Jagdinstrumenten k&#252;mmern sie sich kaum darum, G&#252;ter auf die Seite zu legen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 18. Jahrhundert sieht Adam Smith davon ab, den Wert bez&#252;glich der Neuzeit auf die Arbeitszeit zu gr&#252;nden. Doch er sieht diesen Arbeitswert in jenen Urgesellschaften am Werk, wo die Dinge noch nicht kompliziert geworden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er stellt sich vor, dass die J&#228;ger ihr verschiedenes Wildfleisch austauschen wollen. Auf welcher Grundlage k&#246;nnen sie dies tun, wenn nicht auf jener der Arbeitszeit, auf Grundlage der notwendigen Zeit, um die Tiere zu erwischen? Das setzt eine &#246;konomistische und h&#228;ndlerische Mentalit&#228;t dort voraus, wo die Regeln des Teilens und die gegenseitigen Verbindungen vorherrschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gehen wir jedoch davon aus, dass der Handel bereits existierte oder dass die Wilden rational entschieden, ihre Kr&#228;fte zur g&#252;nstigsten Erwerbung von Fleisch aufzuwenden. Werden sie ihr System auf der notwendigen Arbeitszeit gr&#252;nden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei der Jagd gibt es Freuden und Gefahren, welche die verbrachte Zeit nicht ausdr&#252;ckt. Was ist ein auf die L&#228;nge der Jagd gegr&#252;ndeter Vergleich zwischen L&#246;we und Antilope wert, ohne das unterschiedliche Risiko in Betracht zu ziehen? Einige Arten der Jagd k&#246;nnen l&#228;nger dauern, aber sicherer, weniger erm&#252;dend, weniger gef&#228;hrlich, mehr oder weniger grausam sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sie jedoch darauf beharren w&#252;rden, diese Art der Messung zu praktizieren, k&#246;nnten sie es? Es ist ziemlich schwierig, pr&#228;zise die Zeit zu bestimmen, die es braucht, um dieses oder jenes Wildtier zu erlegen. Wenn man systematisch das von diesem bornierten Standpunkt aus rentabelste Fleisch jagt, l&#228;uft man schnell Gefahr, die Situation und die notwendige Jagdzeit zu modifizieren. Man bricht sowieso h&#228;ufig auf, um den Damhirsch zu jagen, und kommt dann mit Hasen zur&#252;ck. Es ist nutzlos, das zu programmieren, was nicht programmierbar ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wird man uns sagen, dass das nicht mehr f&#252;r unsere zivilisierte Epoche gilt, dass die Jagd eine sehr besondere produktive T&#228;tigkeit ist? Das ist ein Irrtum. Die Allgegenwart des Tausches kaschiert die Realit&#228;t vor uns. Die Messung durch die Arbeitszeit steht nicht &#252;ber den Unw&#228;gbarkeiten, den menschlichen Risiken, der Aufzehrung der Rohstoffe. Diese Probleme sind nicht den Wilden eigen, sie betreffen jede Gesellschaft. Verdr&#228;ngt von der Logik des Kapitals, treten viele davon umso st&#228;rker wieder zutage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Messung durch die Zeit ber&#252;cksichtigt die Auswirkungen auf die Umwelt und die M&#252;hsamkeit der T&#228;tigkeit nur indirekt. Kann man sie mit dem Kommunismus benutzen, indem man die Ver&#228;nderung oder die Zerst&#246;rung einer Landschaft, die Aussch&#246;pfung einer Mine, die Produktion von Sauerstoff eines Waldes in ihre Sprache &#252;bersetzt? Die einer Produktion zugeh&#246;rigen Vor- oder Nachteile w&#252;rden in Bezug auf die virtuell eingesparte oder aufgewandte Arbeitszeit eingesch&#228;tzt. Es w&#252;rde den Kapitalismus an Absurdit&#228;t &#252;bertreffen, wenn man offen und bewusst Gebrauchswerte, Eigenschaften auf Arbeitswert reduziert. Wie soll man den Wert einer Landschaft einsch&#228;tzen, anhand des notwendigen Aufwands, um sie peinlich genau nachzubilden? Zu diesem Preis w&#228;re nicht mehr viel rentabel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um den unterschiedlichen Wert zwei gleicher Arbeitsperioden mit verschiedenen Risiken und ungleicher M&#252;hsamkeit einzusch&#228;tzen, soll man sie anhand des gleichen Massstabs vergleichen? Eine Stunde Mauerbau w&#252;rde gleich viel kosten wie eineinhalb Stunden Schreinerhandwerk. Entweder w&#252;rde man davon ausgehen, dass der Unterschied dem notwendigen Zeitaufwand f&#252;r die Gesundheitsversorgung des Maurers, der W&#228;sche seiner Kleider entspricht, oder man sieht davon ab, alles auf einen Aufwand an Arbeitszeit zu reduzieren, doch wie w&#252;rde man dann die den unterschiedlichen Wert oder die unterschiedliche M&#252;hsamkeit der verschiedenen Arbeiten ausdr&#252;ckenden Koeffizienten erstellen? Wieso sollte man &#252;brigens objektive Koeffizienten erstellen, obwohl diese Unterschiede von den Bedingungen und dem Rhythmus der T&#228;tigkeit und den Vorlieben der Beteiligten abh&#228;ngen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald die Arbeiter loslegen, laufen die Anh&#228;nger der Messung durch die Arbeitszeit oder der Verg&#252;tung entsprechend der Arbeitsstunden Gefahr, die Kontrolle zu verlieren. Wenn die T&#228;tigkeit nicht mehr komprimiert sein wird, wird sich ihr Wesen &#228;ndern und sie wird sich ausweiten. Die Menge und die Art der Produktion werden nicht mehr entsprechend der konsumierten Arbeitsdauer evaluiert werden k&#246;nnen. Einer, der nicht lange bleiben wird, wird trotzdem genug produzieren, ein anderer, der seinen Tag dabei verbringt, wird fast nichts tun. Wenn von der Verg&#252;tung behauptet w&#252;rde, sie st&#252;tze sich auf die Pr&#228;senzzeit, w&#252;rde sie entweder seri&#246;se Aufseher ben&#246;tigen oder schnell zu einer Anstiftung zur Faulheit verkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass Arbeiter sich einigen, um eine gewisse Produktion zu garantieren oder eine gewisse Anzahl Stunden pro Tag produktiven Aufgaben zu widmen, ist eine Frage der praktischen Organisation, die nicht direkt mit der Bestimmung des Preises des Produzierten zusammenh&#228;ngt. In dieser Fabrik wird man zweimal mehr Zeit brauchen als in jener, um Dinge zu produzieren, deren Kosten gleich sein werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann freilich von gesellschaftlicher Aufteilung der Arbeitszeit sprechen, &#252;ber welche die Gemeinschaft verf&#252;gt. Aber man sollte nicht vergessen, dass die Zeit nicht eine Materie ist, die mit dem Sch&#246;pfl&#246;ffel verteilt werden kann. Es werden die Menschen sein, die da- oder dorthin gehen, sich um diese oder jene Aufgabe k&#252;mmern werden. Sobald die verf&#252;gbare Zeit nicht ausserordentlich selten und daf&#252;r bestimmt ist, absolut notwendige Bed&#252;rfnisse zu befriedigen, wird es Aufgaben geben, die dringender sind als andere, Menschen, die es eiliger haben als andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Kapital muss der Preis, der Aufwand an Arbeitskraft von ihrem Resultat entkoppelt werden, von der Arbeit, die keinen Wert hat. Diese Entkoppelung hat im Kommunismus keinen Sinn mehr. Man kann nicht mehr die Arbeitskraft von der Arbeit, den Menschen von seiner T&#228;tigkeit trennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutet allen voran, dass es keinen Mehrwert mehr gibt, nicht einmal mehr f&#252;r die Gemeinschaft beanspruchter Mehrwert in einer neuen Form des gesellschaftlichen &#220;berschusses. Man kann nicht mehr von Akkumulation sprechen, auch nicht von Expansion, ausser als physische Gr&#246;sse. Es ist absurd, von sozialistischer Akkumulation zu sprechen, auch wenn man zu einem gewissen Zeitpunkt mehr Stahl oder Bananen als vorher produziert, auch wenn man mehr gesellschaftliche Zeit der Produktion widmet. Diese Bewegungen &#228;ussern sich nicht mehr als Wert, auch nicht als aufgewandte Zeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter bedeutet es, dass die Arbeit, die im Kapitalismus keinen Wert hat, im Kommunismus einen Wert erlangt. Dieser erlangte Wert ist weder moralisch noch h&#228;ndlerisch. Er ist nicht gleichbedeutend mit einer Lobrede auf die Arbeit, er dr&#252;ckt im Gegenteil ihre &#220;berwindung aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeit, Quelle des Werts, ist eine unver&#228;nderliche Gr&#246;sse. Man spart sie ein, doch ihr Charakter wird nicht in Frage gestellt. Im Kommunismus unterscheidet sich diese oder jene T&#228;tigkeit nicht mehr von der M&#252;he, welche die sie praktizierenden Menschen empfinden. Die Arbeiten haben nicht alle die gleichen menschlichen Kosten. Es geht darum, jene zu entwickeln, welche am wenigsten kosten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich in der kapitalistischen Gesellschaft vom Standpunkt des Kapitals entfernt und jenen des Arbeiters einnimmt, kostet die Arbeit auch. Eine gewisse Stelle ist dieser oder jener vorzuziehen. Am Abend f&#252;hlt man die M&#252;digkeit oder seine Entnervung. Doch letztendlich sind die Unterschiede gering. Die Arbeit wird immer als mehr oder weniger verlorene Zeit betrachtet. Man m&#252;ht sich kaum ab an der Berechnung der Langeweile oder des gesundheitlichen Verfalls. F&#252;r den Arbeiter ist der Lohn der Preis f&#252;r all diese Scheisse. Man weiss, dass es eine Mystifizierung und der Lohn nicht anhand der gelieferten Bem&#252;hung oder der erduldeten Langeweile bestimmt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berlegenheit des Kommunismus liegt in der Tatsache, dass er sich nicht damit begn&#252;gt, die &#8222;Konsumbed&#252;rfnisse&#8220; zu befriedigen. Er widmet sich der Transformation der produktiven T&#228;tigkeiten, der Arbeitsbedingungen, wenn man so will. Die Wahl der Investitionen ist nicht zuerst durch die Einsparung an Arbeitszeit bestimmt, obwohl die Schnelligkeit der Ausf&#252;hrung eine Rolle spielen kann. Es geht darum, dass, indem die Bedingungen hervorgebracht werden, unter welchen die T&#228;tigkeit stattfinden wird, man die angenehmsten unter ihnen beg&#252;nstigt. Die Bestimmung der Bedingungen der T&#228;tigkeit ist nicht gleichbedeutend mit der Bestimmung der T&#228;tigkeit, dem Verhalten der Produzenten selbst. Der Produzent bleibt Meister seiner Tat, doch er handelt aufgrund von gewissen Bedingungen, abh&#228;ngig von gewissen Zw&#228;ngen, die man beeinflussen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hervorbringung der Instrumente und des Rahmens der Produktion erlaubt diese Transformation der menschlichen T&#228;tigkeit. Die Entwicklung der Technologie kann in eine mehr oder weniger g&#252;nstige Richtung f&#252;r die Produzenten orientiert werden. Diese oder jene Art der Maschine oder Kombination an Maschinen erlaubt es den Benutzern, weniger ersch&#246;pft, weniger abh&#228;ngig von einem Produktionsrhythmus zu sein. Man kann die Eigenschaften, welche es den Menschen erlauben, im Produktionsprozess so frei wie m&#246;glich zu sein, systematisch entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man erz&#228;hle uns nicht, dass die pers&#246;nlichen Vorlieben, die Subjektivit&#228;t es verhindern, jede Entscheidung objektiv zu machen. Es existieren allgemeine Konstanten. Zudem behaupten wir nicht, dass die Kriterien eine universelle G&#252;ltigkeit haben sollten. Sie werden je nach Epochen und Situationen variieren. Die Menschen werden sich absprechen, um zu bestimmen, was am ehesten angebracht ist. Die unterschiedlichen Vorlieben und der Wille zum Experiment k&#246;nnen zur Entwicklung von verschiedenen Wegen f&#252;r ein &#228;hnliches Ziel f&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Einsch&#228;tzung der Kosten kann nicht auf die Notwendigkeit des Gleichgewichts der &#8222;Einnahmen und Ausgaben&#8220; reduziert werden. Das Gleichgewicht muss als dynamisches Gleichgewicht konzipiert werden. Ausgehend von den vom Kapitalismus geerbten Bedingungen geht es darum, sich f&#252;r eine gewisse Art der Entwicklung zu entscheiden. Sind die vereinbarten Kosten f&#252;r diese oder jene produktive Struktur, diesen oder jenen Lebensrahmen gerechtfertigt? Rechtfertigt die Automatisierung einer gewissen Produktionseinheit die n&#246;tigen Bem&#252;hungen zur Fabrikation automatischer Maschinen? Die Logik der Einsparung der Arbeitszeit, welche die Konstruktion von Situationen in der kapitalistischen Welt organisiert, &#252;berl&#228;sst ihren Platz einer anderen Logik. Eine Logik, die nicht mehr ausserhalb jener Menschen liegt, welche sie umsetzen. Die Menschheit organisiert und herrscht abh&#228;ngig von ihren Bed&#252;rfnissen, Situationen zu konstruieren. In diesem Sinn wird sie situationistisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lift oder Treppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte hinter dem wirtschaftlichen Begriff der Kosten jene allt&#228;glichere und banale Logik wiederfinden, welche er verschleiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle stellen sich die Frage, ob das, was man unternimmt, sinnvoll ist oder nicht. Rechtfertigt das erwartete Resultat den Aufwand oder das Risiko? Gibt es g&#252;nstigere, d.h. angenehmere Mittel, um ein &#228;hnliches oder genug befriedigendes Resultat zu erhalten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#252;rde diese Art von Frage von der &#214;konomie abh&#228;ngen, g&#228;be es nur noch &#214;konomen oder Manager. Die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme sind in Wirklichkeit ein besonderer und eher merkw&#252;rdiger Fall einer allgemeineren Problematik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die spontane und naive Berechnung der Kosten gab es schon lange vor dem Kapitalismus. Sie besteht neben der &#246;konomischen Sph&#228;re fort, obwohl unsere Entscheidungen kontinuierlich finanzielle Notwendigkeiten ber&#252;cksichtigen m&#252;ssen. Was sie charakterisiert, ist die Tatsache, dass sie ohne monet&#228;ren Umweg auskommen und nicht auf zeitliche Kriterien reduziert sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Grenze der Kosteneinsch&#228;tzung ist vielleicht sogar kein Privileg der menschlichen Gattung. Die z&#246;gernde Taube, bevor sie die offerierten K&#246;rner picken kommt, tut es auf ihre Art. Die Tatsache, dass sie sich t&#228;uschen und im Kochtopf landen kann, &#228;ndert daran nichts. Die Einsch&#228;tzung schliesst den Irrtum nicht notwendigerweise aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entscheidung des Vogels h&#228;ngt mehr vom Instinkt und der Gewohnheit ab als von etwas anderem. Bei den menschlichen Wesen sieht die Sache anders aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Individuum, das sich im Erdgeschoss eines Geb&#228;udes befindet, ein gewisses Stockwerk erreichen muss und die Wahl hat zwischen dem Lift und der Treppe, ist mit einem Kostenproblem konfrontiert. Vielleicht wird es eine Stunde &#252;berlegen, vielleicht mechanisch entscheiden, ohne lange nachzudenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem ist einfach, wenn man es auf die drei angebotenen L&#246;sungen beschr&#228;nkt: der Lift, die Treppe oder die Aufgabe. Es wird komplizierter, wenn man jene Elemente ber&#252;cksichtigt, welche bewusst oder nicht die Entscheidungsfindung beeinflussen. Welches Stockwerk muss erreicht werden? Weiss man es? Ist dieser Mensch in guter Gesundheit? Alt? M&#252;de? Kr&#252;ppel? Wie hoch sind die Stufen? Wie steil ist die Treppe? Wie schnell und effizient der Lift? Wie dringend ist das alles?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die getroffene Entscheidung wird nicht &#246;konomisch sein. Sie wird subjektiv, direkt und mit einer konkreten Situation verbunden sein. Sie ist nicht monet&#228;r. Es geht nicht darum, herauszufinden, welche L&#246;sung kostspieliger ist, unter der Bedingung nat&#252;rlich, dass der Lift nicht, wie es manchmal vorkommt, kostenpflichtig ist und jemand schon f&#252;r sein Funktionieren bezahlt hat. Die Schnelligkeit der Ausf&#252;hrung kann die Entscheidung beeinflussen, sie wird vielleicht bestimmend werden k&#246;nnen, doch das ist nicht mit der Situation verbunden. Die Zeiteinsparung wird &#252;berhand nehmen, wenn wir ungl&#252;cklicherweise auf die Feuerwehr gestossen sind. Sie wird es vielleicht vorziehen, ihre grosse Leiter zu benutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie kann man das auf die Wirtschaft anwenden, was eben genau ausserhalb der &#246;konomischen Sph&#228;re bleibt? Es ist ein falsches Problem. Die wirkliche Frage ist hingegen, herauszufinden, ob wir &#252;ber die Wirtschaft hinausgehen und sie als getrennte Sph&#228;re aufl&#246;sen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, die Wirtschaft aus der Welt zu schaffen. Das wird nicht m&#246;glich, weil wir pl&#246;tzlich entdecken, dass wir die aktuellen Methoden mit einfacheren und direkteren Verfahren ersetzen k&#246;nnen. Paradoxerweise ist es die Entwicklung der Wirtschaft, die Vergesellschaftung der Produktion, die unglaubliche Abh&#228;ngigkeit der Unternehmen voneinander, die Ausarbeitung von Methoden der wirtschaftlichen Prognose und Berechnung, welche diesen Bruch erlauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zukunft werden die unsere Entscheidungen bestimmenden Prinzipien genau so einfach und transparent sein, wie jene, welche wir kontinuierlich praktizieren. Es wird darum gehen, die Bem&#252;hungen, die Anstrengungen und die Aufw&#228;nde zu reduzieren. Es wird nicht an sich das Ziel des gesellschaftlichen Lebens sein, sondern eine Tendenz, abh&#228;ngig von den jeweiligen Projekten. Vielleicht werden wir uns sehr schwierige und gef&#228;hrliche Aufgaben geben, doch wir werden uns bem&#252;hen, sie zu vereinfachen. Ein Team von Bergsteigern kann sich einen schwierigen Gipfel zum Ziel setzen, ohne dass es akzeptieren w&#252;rde, ihn mit nackten H&#228;nden zu besteigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einfache Prinzipien sind nicht immer gleichbedeutend mit leichten Methoden und L&#246;sungen. Die Schwierigkeiten entstehen aus dem Wesen und der Komplexit&#228;t der zu regelnden Probleme selbst. Vielleicht werden sie auch aus der Unangemessenheit der Berechnungsmethoden in Bezug auf die zu berechnende Sache oder aus der Schwierigkeit der Bestimmung der Entscheidungskriterien entstehen. Die Gefahr des Irrtums, die Notwendigkeit, sich mit Ann&#228;herungen zu begn&#252;gen, sind diesbez&#252;glich keine Verurteilung. Es wird ohnehin in Anbetracht des vorhergehenden Stadiums keinen R&#252;ckschritt darstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was heute f&#252;r die Benutzung der Treppe oder des Lifts gilt, wird morgen f&#252;r ihre Produktion und ihre Installation gelten. Die objektiven Zw&#228;nge, zwischen welchen der Benutzer sich bewegt, werden nicht mehr wirtschaftlich bestimmt sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist es besser, eine Treppe, einen Lift, beides oder &#252;berhaupt nichts zu bauen? Diese Fragen implizieren viele andere. Lohnt es sich, hinaufzugehen? Ist dieses Bed&#252;rfnis wichtig und h&#228;ufig genug, dass es den notwendigen Aufwand f&#252;r eine Treppe, einen Lift, ein Seil oder den Arschtritt zur Erreichung des gew&#252;nschten Stockwerkes rechtfertigt? Man kann die Perspektive &#228;ndern. Sollte man in Anbetracht der Kosten eines Lifts hohe Geb&#228;ude bauen? Oder sollte man im Gegenteil, in Anbetracht des Vergn&#252;gens, Lifte zu fabrizieren, etliche Wolkenkratzer bauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Liste der offenen Fragen ist praktisch endlos. Genau das scheint entmutigend zu sein. In Wirklichkeit werden wir uns nur eine beschr&#228;nkte Anzahl davon stellen. Viele werden schlichtweg durch den gesunden Menschenverstand beiseite geschoben. Unsere Bergsteiger werden f&#252;r ihre Expedition keinen Lift verlangen k&#246;nnen. Jede Entscheidung wird anhand einer konkreten Situation getroffen, in welcher etliche Fragen alleine schon durch die Tatsachen geregelt worden sind. Die Gewohnheit spielt uns Streiche, aber erspart uns auch &#196;rger. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Mensch, der sich im Erdgeschoss des Geb&#228;udes befindet, sich auf sie gest&#252;tzt hat. Die Einsch&#228;tzung der Kosten wird bedeutend, wenn man mit einer neuen Situation konfrontiert ist, wenn man einen neuen Produktionsprozess angeht. Das Problem der Fabrikation und der Installation eines Lifts und einer Treppe k&#246;nnte ein g&#228;ngiges Problem sein, das anhand von bekannten Elementen gel&#246;st wird. Ein etwas besonderer oder neuer Fall wird als Modifikation einer klassischeren Situation behandelt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es existiert eine Hierarchisierung der L&#246;sungen. Wenn man &#252;ber die Baustelle eines Geb&#228;udes entscheidet, werden die ungef&#228;hr bekannten Kosten der Aufstiegsmittel wahrscheinlich sekund&#228;r sein. Wenn die Entscheidung einmal getroffen ist, wird die Treppe, der Lift oder beides gebaut werden m&#252;ssen. Die &#252;brigbleibenden Entscheidungen werden die Art und Qualit&#228;t des Materials betreffen. Auch diese Entscheidungen werden nicht absolut getroffen, sondern anhand der wirklich ausgew&#228;hlten und entwickelten Produkte und Techniken in diesem Gebiet. Jede Entscheidung tendiert dazu, die optimale L&#246;sung zu w&#228;hlen, doch jede Entscheidung wird anhand einer gewissen Anzahl von Zw&#228;ngen getroffen. Die optimale L&#246;sung selbst l&#228;uft Gefahr, ein Kompromiss zwischen den Interessen der verschiedenen betroffenen Gruppen zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ende der Aufteilung der Wirtschaft in konkurrierende Unternehmen bedeutet nicht, dass die gesamte gesellschaftliche Produktion nur noch ein einziges koordiniertes Ensemble bildet, wo jede Aktivit&#228;t unmittelbar im Dienst einer anderen steht, wo es nur ein einziges gemeinsames Interesse g&#228;be und die Kosteneinsch&#228;tzung direkt auf einer globalen Ebene gemacht w&#252;rde. Aus menschlichen und technischen Gr&#252;nden werden sich die Produzenten in Gruppen aufteilen, deren Interessen zwar nicht mehr antagonistisch sein werden, aber deren Meinungen verschieden sein k&#246;nnen. Auch wenn die Individuen von einer Besch&#228;ftigung, Werkstatt oder Baustelle zu einer anderen wechseln, auch wenn die Gruppen nicht permanent sind, wird die zeitliche und r&#228;umliche Aufteilung fortbestehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Bau eines Geb&#228;udes impliziert den Einsatz verschiedener Berufsst&#228;nde. Man kann sich vorstellen, dass im Kommunismus der Architekt zum Handlanger, Maurer oder Maler wird. Das wird nicht die Aufteilung der Menschen in verschiedene Teams und verschiedene Phasen der Arbeit verhindern, vor allem wenn der Bau wichtig ist. Die Erbauer werden gezwungen sein, &#228;ussere Unterst&#252;tzung hinzuzuziehen. Sie werden vielleicht Hilfe oder Ratschl&#228;ge brauchen. Allen voran werden sie Maschinen und Materialien besorgen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie sollte man die Kosten dieser von aussen kommenden Produkte kennen und einsch&#228;tzen? Die Erbauer k&#246;nnen versuchen, ihre Aufgabe zu vereinfachen, wenn es um die Aufteilung und den Gebrauch ihrer eigenen Kr&#228;fte und F&#228;higkeiten geht. Doch dies gilt nicht mehr, wenn sie auf Vorr&#228;te zur&#252;ckgreifen m&#252;ssen, die sie nicht selbst angelegt haben. Irgendein Baustoff, deren Erstellung leichter ist oder den Benutzern des Geb&#228;udes mehr Befriedigung bringt, kann jedoch aufgrund seiner Fabrikationskosten abgelehnt werden. In jeder Situation muss der erlangte Vorteil den Aufwand rechtfertigen, um Verschwendung zu vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die angewandten Produkte oder sogar Verfahren werden objektiv bekannte Kosten haben m&#252;ssen. Aufgrund dieser Kosten werden die Benutzer eine rationale Entscheidung treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bedeutet das, dass jedes Produkt eine Etikette haben wird, worauf sein &#8222;Preis&#8220; draufsteht? Wird die Hausfrau, die zum &#8222;Markt&#8220; geht, Kohl und R&#252;ben antreffen, die von einem bezifferten Indiz begleitet sind?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das w&#228;re eine traurige Wiederholung der gegenw&#228;rtigen Situation. Allgemein wird jeder nehmen, was er braucht, solange es verf&#252;gbar sein wird und ihm keine dringendere Nachfrage als seine bekannt ist. Die Berechnung der Kosten ist allen voran eine Prognose und dr&#252;ckt sich direkt im Wesen und der Menge der angebotenen G&#252;ter aus. Es braucht keine bezifferte Etikette, um Druck auszu&#252;ben, wenn auch nicht auf den Geldbeutel, so doch zumindest auf die Absichten des Benutzers.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es existieren verschiedene Sorten von Zement die aktuell, und wohl auch k&#252;nftig, verschiedene Produktionskosten haben. Es w&#228;re dumm, einen zweimal teureren Zement zu benutzen als jenen, der ausreicht. In der Regel reicht die sichtbare Natur des Produkts oder die es begleitende Gebrauchsanleitung zur Bestimmung des gew&#252;nschten Gebrauchs. Falls die Gefahr der Verwechslung besteht, wird es reichen, in den Gebrauchsanleitungen die Kostenunterschiede zwischen den verschiedenen Produkten zu pr&#228;zisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Moment lastet die tote auf der lebendigen Arbeit, die Vergangenheit auf der Gegenwart. Im Kommunismus sind die Kosten eines Produkts nicht der Ausdruck eines zu verwirklichenden Werts oder zu amortisierenden Arbeitsger&#228;ts. Das bedeutet, dass die Kosten einer Sache nicht notwendigerweise den daf&#252;r erforderlichen Aufwand repr&#228;sentieren werden. Nicht einmal einen durchschnittlichen notwendigen Aufwand f&#252;r die Gesamtheit der Produkte ihrer Art.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Produkt wird bestimmt sein durch die Kosten, die zu diesem Zeitpunkt n&#246;tig sind, um es zu ersetzen. Es g&#228;be keinen Grund, dass eine Steigerung oder Senkung der Produktivit&#228;t sich als Unterschied zwischen den Produktionskosten und dem Verkaufspreis ausdr&#252;ckt. Sie w&#252;rde unmittelbar als solche verzeichnet, auch f&#252;r die zuvor fabrizierten Gegenst&#228;nde. Diese Variation k&#246;nnte sich durch die Expansion der betroffenen Produktion ausdr&#252;cken, wenn sie rentabler wird. Die Steigerung der Investitionen h&#228;tte nicht gr&#246;ssere Profite als Grundlage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kann Kostenunterschiede in der Produktion eines gleichen Produkts oder zweier &#228;hnlicher Produkte geben. Diese Unterschiede k&#246;nnen vom fortw&#228;hrenden Gebrauch r&#252;ckst&#228;ndigerer Fabrikationsverfahren als andere herr&#252;hren. H&#228;ufig werden sie von nat&#252;rlichen Bedingungen bestimmt. Die landwirtschaftlichen Ertr&#228;ge sind sehr variabel, alle Minen nicht zwingend einfach nutzbar. Bedeutet das, dass &#228;hnliche Produkte verschiedene Kosten aufweisen oder sich durchschnittliche Kosten f&#252;r alle ergeben werden, genau wie sich heute tendenziell ein durchschnittlicher Marktpreis ergibt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird sehr wichtig sein, dass die Kostenunterschiede bekannt sind. Doch das wird die Benutzer dieser Produkte nicht tangieren. Es werden nicht die einen bestraft und die anderen beg&#252;nstigt sein. Wir werden schlichtweg versuchen, so g&#252;nstige Fabrikationsverfahren wie m&#246;glich zu entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn eine Produktionssteigerung mit einer geringeren Rentabilit&#228;t einhergeht, bedeutet das nicht, dass sie zwingend zu vermeiden ist. Nur schon, weil diese Verringerung der Rentabilit&#228;t ein fl&#252;chtiges und vor&#252;bergehendes Ph&#228;nomen sein kann. Aber auch, weil anhand der Bedeutung der zu befriedigenden Bed&#252;rfnisse beurteilt werden muss. So ist betreffend der Nahrungsproduktion eine Erh&#246;hung h&#228;ufig gleichbedeutend mit einem geringeren Ertrag. Man bebaut weniger fruchtbares Land. Das ist kein Grund, einem Teil der Bev&#246;lkerung die Nahrung zu verweigern und sich in T&#228;tigkeiten zu st&#252;rzen, die eine Steigerung der Rentabilit&#228;t mit sich bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ertr&#228;ge k&#246;nnen &#252;brigens nur kurzfristig geringer sein. Aussaat in der W&#252;ste ist nicht sehr vielversprechend, doch bedeutende Investitionen, die Einrichtung von Bew&#228;sserungsverfahren und neue Anbaumethoden k&#246;nnen viele Dinge &#228;ndern. Diese von der Sonne verbrannte W&#252;ste einmal bew&#228;ssert oder jener Bauernhof mitten im Meer haben das Potenzial, traditionell fruchtbares Land in den Schatten zu stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was heute unausf&#252;hrbar scheint, wird morgen m&#246;glich sein. Die modernen Techniken werden die W&#252;sten fruchtbar machen, statt dem Wettr&#252;sten zu dienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Moment an, wo die Nachfrage nach einem Gut steigt, besteht die Gefahr, dass die Kosten f&#252;r die neu zu produzierenden Einheiten sinken oder steigen. Geringere Kosten werden tendenziell die Nachfrage nach diesem Produkt steigern. Wenn sie hingegen h&#246;her sind, wird man wissen m&#252;ssen, wann die Kosten unerschwinglich werden. In diesem Fall muss bestimmt werden, ob diese Nachfrage beiseite geschoben werden oder sie im Gegenteil befriedigt werden muss, indem man andere Nachfragen aufgibt oder reduziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Berechnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man komplexe Produktionen oder Projekte lanciert, wenn gewisse Entscheidungen eine Reihe anderer Entscheidungen beeinflussen, muss man f&#228;hig sein, vorherzusehen und zu berechnen, um sich f&#252;r die kosteng&#252;nstigsten Verfahren zu entscheiden. Die Kosten werden h&#228;ufig langfristig gesch&#228;tzt werden m&#252;ssen. Ein kurzfristiger Gewinn oder mangelndes Studium k&#246;nnen in der Zukunft sehr kostspielige Folgen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entscheidung f&#252;r diesen oder jenen Gleisabstand f&#252;r die Eisenbahn ist ein schwer umkehrbares Engagement. In diesem Fall wie in vielen anderen kann ein anf&#228;nglicher Mangel an Voraussicht viel weniger vern&#252;nftige Nutzungsbedingungen zur Folge haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht auch darum, die technischen Faktoren zu bestimmen, welche die Produktion verschiedener Produkte miteinander verbinden. Die Produktion eines gewissen Baustoffes oder Gegenstandes impliziert notwendigerweise die Ausgabe anderer G&#252;ter gem&#228;ss einem bestimmten Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, die m&#246;glichen Ausgaben zu antizipieren, die Verwirklichung eines Projekts zu simulieren. Diese Vorausplanungen k&#246;nnen betr&#228;chtliche Projekte betreffen, sei es hinsichtlich der n&#246;tigen Mittel, ihrer Dauer oder der zu erwartenden Unw&#228;gbarkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R&#228;umen wir ein, dass die Menschen die Ambition haben, einen unber&#252;hrten Planeten zu erreichen, zu erforschen und sich eventuell dort anzusiedeln. Eine solche Operation kann man nicht einfach un&#252;berlegt lancieren. Man muss die M&#246;glichkeiten einsch&#228;tzen und die Ausgaben vorausplanen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste Einsch&#228;tzung der G&#252;ltigkeit einer Sache wird von der Anzahl Individuen abh&#228;ngen, die einverstanden sind, sich daran zu beteiligen oder sie zu unterst&#252;tzen. Diese Anzahl wird vom Eindruck der Ernsthaftigkeit bestimmt, der vom Projekt und seinen Anh&#228;ngern ausgeht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist das Projekt einmal aufgegleist, werden wir Entscheidungen treffen und sie miteinander kompatibel machen m&#252;ssen. Sollen automatische Raketen oder bewohnte Raumschiffe im Mittelpunkt der Erforschung stehen? Sollen wir f&#252;r diese Raumschiffe eine Luft- oder Sauerstoffatmosph&#228;re bevorzugen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Fragen sind heute technische Fragen, auf welchen finanzielle oder politische Zw&#228;nge lasten. Im Kommunismus gibt es nur noch technische Fragen, die auch menschliche Fragen sind. Die Debatte &#252;ber die bewohnten oder bewohnbaren automatischen Raketen betrifft das Niveau der Wissenschaft, den Komfort, den man den Kosmonauten geben will, die Baubem&#252;hungen, die Zukunft jedes Projekts&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die getroffenen Entscheidungen beeinflussen sich gegenseitig. Es ist allerdings nicht notwendig, dass alles im Vornhinein entschieden und geplant wird. Die ersten Entscheidungen geben dem, was folgt, eine Richtung, ohne jedoch alles detailliert zu definieren. Was wichtig ist, ist die Tatsache, dass w&#228;hrend jeder Etappe die getroffene Entscheidung falls m&#246;glich die beste ist und dass sie nicht in eine Sackgasse f&#252;hrt. Die Anzahl zu treffender Entscheidungen ist immens, doch sie m&#252;ssen nicht alle gleichzeitig getroffen und k&#246;nnen korrigiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso sollten wir uns das Leben mit all diesen Dingen kompliziert machen? Im Kapitalismus wird all das automatisch geregelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das stimmt &#252;berhaupt nicht. Nur weil die Kosten zu monet&#228;ren Preisen werden und der Markt das Verhalten der Unternehmen sanktioniert, bedeutet das nicht, dass alles automatisch ist. Auf einer allgemeinen Ebene existiert eine Planung und Voraussicht, das gilt auch f&#252;r einigermassen bedeutende Unternehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle Operationen werden nicht unmittelbar vom Markt sanktioniert. Diese Sanktion repr&#228;sentiert die letzte Etappe einer Gesamtheit an Ausgaben und Entscheidungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls m&#246;glich, muss die Entscheidung des Marktes antizipiert werden. Die m&#228;chtigen Unternehmen machen ihre Preise nicht mehr direkt von den Fluktuationen des Marktes abh&#228;ngig, sondern tendieren dazu, einen optimalen Preis zu berechnen und durchzusetzen. Dieser Preis wird es nicht zwingend erlauben, am meisten Waren abzusetzen oder gar die Geldeintr&#228;ge kurzfristig zu erh&#246;hen. Er kann aufgrund einer globalen Strategie festgelegt werden. In den L&#228;ndern des Ostens werden die Preise nun durch mathematische Mittel bestimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Osten wie im Westen tendiert das Unternehmen dazu, sich vom Markt abzusetzen, um seine Strategie durch seine Preise durchzusetzen. Das ist nicht eine grundlegend neue Tendenz. Heutzutage wird sie verst&#228;rkt durch die Macht der Unternehmensgruppen, die technische M&#246;glichkeit, ein Produkt zu individualisieren, und die Entwicklung der Methoden der wirtschaftlichen Berechnung. Die Konkurrenz und der Markt sind nicht abgeschafft worden. Ihre Wirkungen sind schlichtweg zeitversetzt und die Schlacht zwischen den Monopolen dreht sich nicht direkt und einzig um das Niveau der Preise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wichtig, dass sich innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft und Unternehmen selbst Einsch&#228;tzungs- und Berechnungsmethoden entwickeln, die im Kommunismus auf systematischere Art und Weise benutzt werden k&#246;nnen. Die Entwicklung der Computer wurde von einer breiten Forschung in der Mathematik begleitet, welche zum Ziel hat, die Wirklichkeit zu repr&#228;sentieren und zu formalisieren, um Probleme betreffend Entscheidungen, Simulation und wirtschaftlicher Strategie zu behandeln. Sogar wenn es nicht mehr darum gehen wird, so gut wie m&#246;glich finanzielle Kriterien zu ber&#252;cksichtigen und zu befriedigen, wird diese Forschung benutzt und entwickelt werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gemeinhin verlassen sich die Unternehmen nicht auf den Markt, um die Produktion der G&#252;ter so rational wie m&#246;glich zu organisieren. Der Markt ist eine Sanktion f&#252;r ein Verhalten, aber nicht ein pr&#228;ziser technischer Leitfaden f&#252;r dieses Verhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Stellen wir uns also einen Industriellen vor, der aus Blech eine maximale Anzahl an runden Beh&#228;ltern herstellen m&#246;chte. Wenn er mit einem Ingenieur zusammenarbeitet, wird er unmittelbar das Verh&#228;ltnis H&#246;he/Durchmesser berechnen k&#246;nnen, um den bestm&#246;glichen Gebrauch des Metalls zu garantieren: Dieses Verh&#228;ltnis ist 1.103. Sonst w&#252;rde unser Industrieller &#8218;zuf&#228;llige&#8216; Werte w&#228;hlen. Falls es aber zu einer Konkurrenz zwischen mehreren Unternehmen kommt, werden jene ruiniert sein, welche die schlechtesten Werte gew&#228;hlt haben. Die Hersteller werden also auf rein experimentellem Weg dazu gedr&#228;ngt &#8211; ohne zu wissen, warum &#8211; Werte zu benutzen, die sich immer mehr 1.103 ann&#228;hern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le roman de la vie, A. Ducrocq.&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;wissenschaftliche&#8220; Rationalisierung dehnt sich auf die Organisation der Produktion und der Distribution selbst aus. Die Operationsforschung komplettiert die Gewohnheit und den gesunden Menschenverstand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon 1776 machte sich der Mathematiker Monge das systematische Studium der g&#252;nstigsten Organisation der Aushub- und Aufsch&#252;ttungsarbeiten zur Aufgabe. Das Resultat davon waren auch rein mathematische Werkzeuge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die auf die milit&#228;rischen Operationen w&#228;hrend dem Zweiten Weltkrieg angewandte Operationsforschung entwickelte sich dank der Leistung der elektronischen Rechenger&#228;te kontinuierlich weiter. Man benutzt sie f&#252;r Fragen des Wettbewerbs und der Reaktion zwischen Gegnern, Ph&#228;nomene des Wartens, die Materialwirtschaft, die Voraussicht der Abnutzung und der Ersetzung der Arbeitsger&#228;te, die Simulation&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht um einfache Buchhaltung, sondern um Ableitung, ausgehend von der Analyse der Vergangenheit und der Gegenwart, um herauszufinden, was geschehen k&#246;nnte und was w&#252;nschenswert sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vergleiche&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Kommunismus genau wie im Kapitalismus muss man vergleichen k&#246;nnen, um die Kosten einzusch&#228;tzen und sich f&#252;r die besten L&#246;sungen zu entscheiden. Wie soll man vergleichen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solange Geld existiert, d.h. ein universelles &#196;quivalent, ist alles einfach, denn jedes Gut sollte aufgrund dieses Normalmasses eingesch&#228;tzt werden k&#246;nnen. Es existiert ein quantitatives Verh&#228;ltnis zwischen allen Produkten. Wenn man sich aber des Geldes und sogar der Messung der Arbeitszeit entledigen will, auf was soll man dann den Vergleich gr&#252;nden? Was anderes kann man finden, das allen G&#252;tern gemeinsam ist und sie miteinander vergleichbar macht?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt kein anderes einheitliches und universell g&#252;ltiges Normalmass. Wir werden also ohne es auskommen. Das wird Vergleiche nicht verhindern. Diese Vergleiche werden qualitativ sein und auf verschiedenen und variablen Kriterien gr&#252;nden. Sie funktionieren nicht mehr anhand einer abstrakten und universellen Referenz. Sie werden mit konkreten Situationen und Zielen verbunden sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was phantastisch ist, ist die Tatsache, dass verschiedene G&#252;ter miteinander unabh&#228;ngig von ihrem eigenen Wesen &#228;quivalent sein k&#246;nnen. Man kann verstehen, dass Nahrungsmittel aufgrund ihres Proteingehalts, ihres Gewichts, ihrer Frische verglichen werden k&#246;nnen. Doch diese verschiedenen Kriterien erlauben es nicht, eine allgemeine &#196;quivalenz zu definieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Bed&#252;rfnis nach einer allgemeinen &#196;quivalenz kann nicht von jenem nach Handel getrennt werden. Alle Dinge m&#252;ssen von einem universellen Standpunkt aus verglichen werden k&#246;nnen, weil sie zu austauschbaren G&#252;tern, wirtschaftlichen Werten geworden sind. Genau das muss verschwinden und genau das will der Traum oder der Albtraum der Messung durch die Arbeitszeit retten, indem er es verschleiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar unter der Herrschaft des Kapitals k&#246;nnen nicht alle Vergleiche auf Vergleiche des Werts reduziert werden. Die G&#252;ter bleiben Gebrauchswerte. Das Urteil des K&#228;ufers betrifft den Preis, aber auch die N&#252;tzlichkeit und die Qualit&#228;t des Produkts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn eine Hausfrau auf den Markt geht und sich zwischen einem Blattsalat und einem B&#252;ndel Radieschen entscheidet, tut sie das anhand des Geschmacks ihres Schwiegersohnes, des Gerichts am Vortag, des Aussehens des Produkts, des Platzes, den sie in ihrem Korb noch hat&#8230; Der Preis ist nur wirklich bestimmend, wenn zwei identische Produkte verschiedene Werte haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vielzahl an zu ber&#252;cksichtigenden Kriterien hindern die Hausfrau nicht daran, Vergleiche anzustellen und sich zu entscheiden. Ihr Urteil ist subjektiv. Es ist nicht universell g&#252;ltig. Das bedeutet nicht, dass es in Anbetracht der betroffenen Situation irrational ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn es darum gehen wird, sich zwischen verschiedenen Fabrikationsverfahren zu entscheiden, wird es freilich notwendig sein, dass sich ein allgemeineres Einverst&#228;ndnis abzeichnet. Die Entscheidung wird weniger subjektiv sein, da sie unabh&#228;ngig von der Laune des Moments getroffen werden muss und ihre Konsequenzen langfristiger sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig kommt es vor, dass die rein monet&#228;ren Einsch&#228;tzungen nicht entscheidend sind oder durch andere korrigiert werden. Die Gefahr bedeutender Variationen gewisser Preise im Verlauf der Zeit und die politischen Notwendigkeiten wirken den finanziellen Sichtweisen entgegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nehmen wir die Frage der Atomkraftwerke. Neben den wirtschaftlichen Argumenten stehen ihnen &#246;kologische, soziale und politische Standpunkte im Wege. Man spricht, h&#228;ufig unaufrichtig, von Energieeffizienz, Problemen des Transports und der Lagerung der Abf&#228;lle, nationaler Unabh&#228;ngigkeit, Schaffung und Reduzierung von Arbeitspl&#228;tzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der kommunistischen Gesellschaft ist es nicht mehr notwendig, jeden Vergleich auf universeller Ebene anzustellen. Es gen&#252;gt, die sich wirklich anbietenden M&#246;glichkeiten zu bestimmen und jene zu bevorzugen, welche die schnellsten Resultate bringen, am sichersten, am wenigsten gef&#228;hrlich sind&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wichtig, spontan eine Gesamtheit an stichhaltigen Kriterien zu bestimmen und anhand derselben direkt die denkbaren L&#246;sungen miteinander zu konfrontieren. Es geht nicht so sehr darum, die Kriterien und L&#246;sungen zu quantifizieren, sondern sie untereinander anzuordnen. Es herrscht die relative und qualitative Bedeutung vor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir verlassen uns nicht auf die Rechenger&#228;te, um alles zu regeln. Aber sie werden notwendig und brauchbar sein. &#8222;Zuerst konzipiert f&#252;r Operationen der Buchhaltung und die nachg&#228;ngige Verwaltung, auch gebraucht f&#252;r wissenschaftliche Berechnungen, wurden sie lange (zehn Jahre vielleicht&#8230;) als Instrumente betrachtet, die quantitative Resultate liefern sollen. Diese Eigenschaft transformiert sich nun. Dank der Methoden der Operationsforschung und besonders jener der Simulation f&#252;hrt die Akkumulation der Zahlen zu einem qualitativen Resultat: Man interessiert sich nicht mehr f&#252;r die exakten Zahlen, sondern f&#252;r ihre relative Bedeutung, wovon die Orientierung der Entscheidung abh&#228;ngt. Somit werden die Rechenger&#228;te zu Mitteln der Betriebsplanung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Faure, Boss und Le Garff, La Recherche op&#233;rationnelle.&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was vereinfacht und universalisiert werden muss, sind weniger die relevanten Entscheidungsfaktoren, denn die L&#246;sungsverfahren, die Programme, welche es erlauben werden, eine Gesamtheit an Daten zu behandeln. In einem gewissen Sinn d&#252;rfte die Repr&#228;sentation der Wirklichkeit umso pr&#228;ziser sein, je gr&#246;sser die Anzahl an Kriterien ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann sich vorstellen, was eine Debatte &#252;ber die Rolle der verschiedenen Energiequellen ergeben w&#252;rde. Eine bedeutende Anzahl an Daten m&#252;ssten ber&#252;cksichtigt werden. Man k&#246;nnte nur dann ein einziges Kriterium benutzen, wenn man die Verst&#252;mmelung der Wirklichkeit akzeptiert. Die Entscheidungen werden auf globale Art und Weise anhand allgemeiner Faktoren getroffen werden m&#252;ssen, aber auch auf lokale Art und Weise anhand der verschiedenen Ressourcen und Bed&#252;rfnissen der Regionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus schliesst rein quantitative Entscheidungen und Vergleiche nicht aus. Sie bleiben g&#252;ltig, wenn ein einziges Entscheidungskriterium anhand der betroffenen Produkte reicht. Zum Beispiel, wenn es darum geht, eine gegebene Produktion auszuweiten oder zu reduzieren. Auch wenn die Einsparung des Aufwands einer quantitativen Einsparung im Gebrauch eines f&#252;r einen gleichen Gebrauch vorgesehenen Rohstoffs entspricht, wie im Fall der Konservendosen. Doch sogar in diesem Fall sollte diese Einsparung nicht als Einsparung von Arbeitszeit betrachtet werden, sondern schlichtweg als Einsparung an Material. Die Tatsache, dass sie sich als Reduzierung der Dauer der produktiven T&#228;tigkeit &#228;ussert, ist schlichtweg eine m&#246;gliche Folge davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;M&#252;ssen wir uns nicht vor diesem kommunistischen Rationalisierungswahn f&#252;rchten? L&#228;uft er nicht Gefahr, dem kapitalistischen Ausbeutungswahn zu &#228;hneln?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage geh&#246;ren Rationalisierung und Ausbeutung zusammen. Man tendiert dazu, den Menschen als einen Gegenstand zu betrachten, aus dem man so viel rausholen muss wie m&#246;glich. Man entwickelt unmenschliche Methoden, die nicht von technischen Zw&#228;ngen abh&#228;ngig sind: h&#246;llische Arbeitsrhythmen, Arbeit in zwei oder drei Teams. Die kapitalistische Rationalisierung, mag sie brutal oder sanft sein, ist immer mehr oder weniger gegen die Menschen gerichtet. Deshalb bleibt sie immer grundlegend irrational.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Rationalisierung hat nicht die Durchsetzung eines Arbeitsrhythmus zum Ziel. Sie wird ihrem Wesen nach dazu tendieren, die Freiheit und die Befriedigung der Menschen zu vergr&#246;ssern. Die Entscheidungsfindung und die Ausf&#252;hrung werden nicht mehr von den Vorlieben und den Gewohnheiten der betroffenen Leute getrennt sein. Es gibt technische Zw&#228;nge, Notwendigkeiten der Produktion, die einen Einfluss auf die Art und die Dauer der T&#228;tigkeit haben werden. Doch das wird nichts mehr mit der Rentabilisierung des Humankapitals zu tun haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;VI. Jenseits der Politik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist nicht eine politische Bewegung. Er ist die Kritik des Staates und der Politik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Absicht der Revolution&#228;re ist nicht die Eroberung und die Nutzung der Staatsmacht, sondern ihre Zerst&#246;rung. Die Partei des Kommunismus pr&#228;sentiert sich nicht wie eine politische Partei und hat nicht den Anspruch, diese Organismen zu konkurrieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Aufbau der kommunistischen Gemeinschaft verschwindet jegliche politische T&#228;tigkeit als getrennte T&#228;tigkeit und Streben nach Macht um der Macht willen. Es gibt nicht mehr einerseits die Wirtschaft, die Sph&#228;re der Notwendigkeit, und andererseits die Politik, die Sph&#228;re der Freiheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ende des Staates&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Staatskult ist grundlegend antikommunistisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er entsteht aus allen von der kapitalistischen Gesellschaft ausgel&#246;sten Defekten, Schw&#228;chen und Konflikten und wird paradoxerweise davon gest&#228;rkt. Er ist der oberste Retter. Der letzte Ausweg der Witwe und des Waisen. Nebenbei, obwohl er von sich behauptet, er st&#252;nde &#252;ber den Klassen, und sich als Garant des allgemeinen Interesses gegen private Exzesse pr&#228;sentiert, ist er mit der Verteidigung des Eigentums und der Privilegien besch&#228;ftigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab eine Epoche, wo die aufsteigende Bourgeoisie antistaatliche Gef&#252;hle zeigte. Heute schmollt sie nur noch. Die Zeiten sind vorbei, wo die b&#252;rgerlichen Revolution&#228;re behaupteten, dass die gl&#252;cklichsten V&#246;lker jene ohne Staat seien. Der Aufstieg der proletarischen Gefahr, die Entwicklung der konkurrierenden Imperialismen und das Ausmass der Wirtschaftskrisen haben gezeigt, dass es von Interesse ist, &#252;ber eine m&#228;chtige Staatsmaschinerie zu verf&#252;gen und allen voran einen guten Repressionsapparat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politischen Parteien streiten sich um die Eroberung, im Namen des Volkes, dieser Staatsmaschinerie, die sie als neutrales Instrument pr&#228;sentieren. Die konsequenten Leninisten proklamieren den Klassencharakter des Staates und die Unm&#246;glichkeit, ihn durch einen einfachen Wahlsieg zu kontrollieren. Sie leiten davon die Notwendigkeit seiner Zerschlagung ab, aber nur um ihn durch einen &#8222;Arbeiterstaat&#8220; zu ersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist der Verdienst der Anarchisten, eine grundlegende Staatsfeindlichkeit gewahrt zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Noch mehr als &#252;ber das Geld f&#252;hlen sich jedoch alle verpflichtet, &#252;ber den Staat zu fluchen. Man protestiert gegen die Schwerf&#228;lligkeit der Verwaltung, den Steuerdruck, die Arroganz der Polizisten, die Ambition der Politiker, die Dummheit der W&#228;hler&#8230; Doch das Verschwinden des Staates &#252;bersteigt die Grenzen der Vorstellungskraft. Und von letzterer will man, ohne Vorstellungskraft, dass sie die Macht ergreift.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit einigen Jahrzehnten interveniert der Staat immer offener im gesellschaftlichen Leben. Die Entstehung des Stalinismus und des Faschismus waren nur Etappen dieses Prozesses, die sichtbarer markiert waren. Dort, wo einige glaubten, der Staat sei Teil des Volkes geworden, muss man die Verst&#228;rkung der Kontrolle des Staates &#252;ber die Bev&#246;lkerungen sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Besonders die Disziplinierung oder die Integration der Organismen der Verteidigung und der Solidarit&#228;t der Arbeiter in den Staatsapparat muss betont werden. &#220;ber verschiedene Wege haben sich die Sozialversicherungen und die gewerkschaftlichen Apparate dem Staat untergeordnet. Das erlaubt ihnen, mehr oder weniger wie Interessengruppen zu agieren. Ihre Bekenntnisse zur Unabh&#228;ngigkeit und zur Opposition sollten niemandem etwas vormachen. Sie sind Teil ihrer Rolle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich wurden diese Integration des Kampfes und diese offizielle Best&#228;tigung der Sozialpartnerschaft als grosse Siege der Arbeiterklasse pr&#228;sentiert. Eine Schicht von Protestspezialisten profitiert von den K&#228;mpfen der Arbeiter und das &#228;ussert sich in einer zunehmenden Institutionalisierung der &#8222;Arbeiterorganisationen&#8220;. H&#228;ufig haben diese &#8222;Errungenschaften&#8220; nicht einmal eine Umverteilung der Ressourcen hin zu den benachteiligsten Schichten zur Folge, sondern tragen dazu bei, ihnen noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Obwohl Gewerkschaften und Regierungen heuchlerisch das Gegenteil behaupten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zunehmende Verstaatlichung kann aber nicht nur als Schw&#228;chung des Proletariats betrachtet werden. Sie entspricht im Gegenteil der Notwendigkeit, seine zunehmende Macht zu kontrollieren. Diese Verstaatlichung kompensiert die Zerbrechlichkeit der modernen Gesellschaften. Doch sie kann sich selbst dieser Zerbrechlichkeit nicht entziehen. Die staatliche Betreuung der Bev&#246;lkerung ist nur mit ihrer Komplizit&#228;t m&#246;glich. Die antipolitische Revolution wird letztendlich den oberfl&#228;chlichen Charakter dieser Betreuung zeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu den Politikern jeglicher Couleur h&#252;ten sich die Revolution&#228;re davor, an die Verantwortung des Staates zu appellieren, sobald ein Problem auftritt. Sie heben systematisch die Autonomie und die Selbstorganisation der proletarischen Klasse hervor. Die Berufung auf die Schw&#228;che des Proletariats zur Rechtfertigung des Zur&#252;ckgreifens auf den Staat bedeutet, diese Schw&#228;che zu rechtfertigen und sie als ewig zu setzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die revolution&#228;re Gesellschaft wird Koordinations- und Zentralisierungsorgane haben. H&#228;ufig wird sie sogar eine weitergehendere Zentralisierung erlauben, globaler als jene, welche das Kapital erlaubt. Doch sie wird keinen Staat brauchen, wo sich die Macht konzentriert, keine Maschinerie zur Repression, Identifikation, Kontrolle und Bildung. Die Verwaltung der Dinge wird die Regierung &#252;ber die Menschen ersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem ist, in einer aufst&#228;ndischen &#220;bergangsphase nicht den Staat neu zu erschaffen, aber gleichzeitig verwaltende und repressive also staatliche Funktionen zu garantieren. Jene, welche dieses Problem nicht regeln wollen, wie die Anarchisten, k&#246;nnen nur von den Staatsgl&#228;ubigen betrogen oder gezwungen werden, selber staatsgl&#228;ubig zu werden. Die Beteiligung anarchistischer Minister an der regierenden Junta w&#228;hrend der spanischen Revolution zeigte, wohin das f&#252;hren kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die L&#246;sung f&#252;r dieses Problem, diesen Widerspruch ist von den proletarischen Aufst&#228;nden seit der Pariser Kommune skizziert worden. Es ist der Arbeiterrat, die R&#228;teorganisation des gesellschaftlichen Lebens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Arbeiterr&#228;te&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Pariser Kommune vermittelte eine erste Vorstellung dessen, was eine Regierung der Arbeiter sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aufst&#228;ndischen russischen Arbeiter entwarfen 1905 die Form des Sowjets. Dieses aus Fabrikdelegierten bestehende Organ diente anfangs dazu, den Kampf zu koordinieren. Es verwandelte sich allm&#228;hlich in einen Verwaltungsorganismus, der dazu tendierte, die offizielle Verwaltung zu ersetzen. Sogar ein Teil der Polizeikr&#228;fte fiel unter die Kontrolle des Sowjets von Petrograd. Seine Existenz endete mit der Verhaftung der Abgeordneten durch die zaristischen Kr&#228;fte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies wurde 1917 mit einer breiteren Beteiligung der Soldaten wiederholt. Der bolschewistische Staatsstreich im Oktober 1917 geschah im Namen der Macht der Sowjets. Er st&#252;tzte sich auf die Sowjets, in welchen die Bolschewisten die Milit&#228;rkommissionen kontrollierten, sie hatten eine Mehrheit der Stimmen in Petrograd und Moskau erobert. Dieser Sieg war der Anfang des Endes. Mit dem R&#252;ckgang der Revolution, dem B&#252;rgerkrieg, der St&#228;rkung der Partei und der bolschewistischen Verwaltung verloren die Sowjets schrittweise ihren Inhalt. Der letzte Widerstand vom Sowjet des Marinest&#252;tzpunktes Kronstadt wurde 1921 von der Roten Armee niedergeschlagen, sie wurde befehligt von Trotzki, dem ehemaligen Pr&#228;sidenten des Sowjets von Petrograd.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die proletarischen Aufst&#228;nde des 20. Jahrhunderts haben die sowjetische Form regelm&#228;ssig wieder auftauchen lassen. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution bildeten sich Arbeiterr&#228;te in Ungarn, Deutschland, Italien. W&#228;hrend dem Spanienkrieg entstanden &#252;berall Arbeiter- und Bauernkomitees. In Ungarn bildeten die Fabrikdelegierten 1956 den Arbeiterrat von Gross-Budapest. In Polen organisierten sich die aufst&#228;ndischen Hafenarbeiter der Ostsee 1971 wieder auf diese Weise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wort &lt;i&gt;Rat&lt;/i&gt; deckt in Wirklichkeit ziemlich verschiedene Organisationsformen ab, sogar wenn wir die alles andere als revolution&#228;ren Organismen der Mitverwaltung oder der Arbeiterverwaltung aussen vor lassen. Es reicht vom Fabrik- oder Nachbarschaftskomitee bis zum Sowjet, der eine grosse Stadt oder Region verwaltet. Es ist ein Fehler, diese Organismen einander entgegenzusetzen, um nur einigen von ihnen die Etikette &#8222;Arbeiterrat&#8220; zu geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht f&#252;r diese oder jene Form des Rates. Wir sind f&#252;r die R&#228;teorganisation der Gesellschaft. Das impliziert verschiedene Ebenen der Organisation, die sich komplettieren und einander unterst&#252;tzen. Was schlecht ist und regelm&#228;ssig geschah, ist die Tatsache, dass eine Ebene die anderen ausschaltet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Fabrikkomitee kann auf eine einfache Funktion der Arbeiterkontrolle oder der reinen Kontrolle einer Produktionseinheit reduziert werden. Der Mangel an eigentlichen Sowjets in Spanien und in Katalonien liess, trotz den vielen Basiskomitees, dem republikanischen Staat und den Politikern das Feld frei. Daraus entstand das Dilemma der Anarchisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn der Sowjet von seiner Basis getrennt ist, kann er sich in eine Art regionalen Staat oder Arbeiterparlament verwandeln. Er ist kein handelndes und antipolitisches Organ mehr und wird zum Schlachtfeld der politischen Parteien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was den revolution&#228;ren Charakter des Arbeiterrates ausmacht, was ihm einen antipolitischen Inhalt gibt, ist allen voran die Tatsache, dass er direkt von den handelnden Massen ausgeht. Er bildet sich ausgehend von einer Pyramide an Komitees, die sich einander bedingen, ohne dass der Gipfel davon glauben k&#246;nnte, unabh&#228;ngig von der Basis zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Komitees sind nicht einfache Wahlversammlungen, welche die Macht von unten nach oben delegieren. Jede Ebene erf&#252;llt praktische Funktionen. Jedes Komitee ist eine handelnde Gemeinschaft. Es delegiert jene Aufgaben an die obere Ebene, welche es nicht selber regeln kann. Es gibt seine Souver&#228;nit&#228;t nicht auf. Die Delegierten m&#252;ssen sich gegen&#252;ber ihren Auftraggebern rechtfertigen, sie sind verantwortlich und widerrufbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Arbeiterrat werden die Trennungen zwischen legislativer, exekutiver und judikativer Gewalt nicht reproduziert. Er ist damit besch&#228;ftigt, in seinen H&#228;nden diese verschiedenen Funktionen zu vereinheitlichen und zu konzentrieren. Obwohl er Regeln erl&#228;sst, handelt er allen voran gem&#228;ss der Situation, ohne sich hinter einem Arsenal an formellen Gesetzen zu verstecken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Arbeiterrat tritt als Gericht auf, um Konflikte zu regeln, zu richten, zu entscheiden und zu bestrafen. Diese Handlung geschieht anhand einer konkreten Situation. Es wird nicht &#252;ber die Schwere des Fehlers gerichtet, sondern &#252;ber die objektiven Sch&#228;den und Gefahren f&#252;r die Revolution und die Gesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Legitimit&#228;t des Rates wird nicht durch demokratische Wahlen garantiert, die aus ihm die Salbung des Volkes machen w&#252;rden. Er ist nicht der Repr&#228;sentant der Massen. Er ist die organisierten Massen. Die Individuen und Gruppen, die sich um besondere Aufgaben k&#252;mmern, sind nicht notwendigerweise gew&#228;hlt. Doch wenn sie sich gegen&#252;ber der Gesamtheit des Rates engagieren, sind sie vor den Generalversammlungen verantwortlich. Der Rat behauptet nicht, der Ausdruck der gesamten Gesellschaft jenseits der sie durchziehenden Konflikte zu sein. Er ist ein Klassen- und Kampforgan. Das impliziert innerhalb desselben ein Minimum an Einverst&#228;ndnis. Er kann keine Meinungsverschiedenheiten tolerieren, die ihn l&#228;hmen w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann im Arbeiterrat eine ultradiktatorische oder eine ultrademokratische Form sehen. Er ist beides zugleich und was anderes. Er ist in jenem Sinne ultradiktatorisch, als dass er nur sich selbst Rechenschaft ablegt und die unantastbaren Prinzipien der Gewaltenteilung mit F&#252;ssen tritt. Er ist in jenem Sinne ultrademokratisch, als dass er eine Debatte und eine Beteiligung der Massen erlaubt, die im demokratischsten Staat nie erreicht worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Arbeiterrat ist vor allem kein politisches Organ mehr. Er trennt den B&#252;rger nicht mehr vom gesellschaftlichen Individuum. Diesbez&#252;glich ist er jenseits der Diktatur oder der Demokratie, die zwei Seiten der Medaille der Politik. Obwohl er Verfahren oder Formen benutzt, die noch demokratisch oder diktatorisch sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rat ist weder das Werkzeug einer Volksdemokratie, noch das Werkzeug einer Diktatur des Proletariats. Diese Begriffe k&#246;nnen die Phase des Bruches zwischen Kapitalismus und Kommunismus nicht charakterisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeiterr&#228;te der Vergangenheit wurden, von einigen seltenen Ausnahmen abgesehen, unserem Programm nicht gerecht. Sie waren Verwaltungsorgane, b&#252;rokratisch, kleinlich, palavernd, unf&#228;hig, eine Perspektive zu haben, die ihrem Wesen entspricht. Sie starben daran. Das beweist nicht, dass die R&#228;teform nichts wert ist, sondern dass sie auf noch zu kargem Land kultiviert worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Arbeiterrat von Gross-Budapest, der die Gesamtheit der Region verwaltete, verlangte 1956 seinen eigenen Selbstmord mit der Wiedereinsetzung der parlamentarischen Demokratie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeiterr&#228;te der Vergangenheit haben trotzdem den Verdienst, existiert zu haben. Sie haben die F&#228;higkeit der Arbeiter gezeigt, sich um ihre Angelegenheiten zu k&#252;mmern, Fabriken und St&#228;dte in die Hand zu nehmen und zu verwalten. Sie sind mit den grossartigen Bewegungen verbunden, durch welche die Arbeiter, zumindest provisorisch, die B&#252;rgerlichen und die B&#252;rokraten st&#252;rzten. Wenn man diese Erfahrungen verschleiert, will man nicht, dass das Proletariat erneut tut, was es in Katalonien, Polen und China getan hat, es sich der Chefs entledigt und damit gut f&#228;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konterrevolution, auch in der Sowjetunion, konnte sich nie damit abfinden. Es ist eine Sache, dass die R&#228;te sich gem&#228;ssigt zeigen, dass die Konterrevolution sich ihnen gegen&#252;ber gem&#228;ssigt zeigt, eine andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die besten Demonstrationen der Arbeiterr&#228;te fanden statt, wenn sie ihren Feinden schnell, klar und hart antworten mussten. Sie werden direkt als Kampforganisation gebildet. Ihr Programm mag beschr&#228;nkt sein, aber sie kennen es.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend anderer Gelegenheiten verlieren sie sich in der Verwaltung, im Warten. Ihre einzige Daseinsberechtigung scheint die Abwesenheit der b&#252;rgerlichen Macht zu sein. Man sieht die Entwicklung wunderbarer Organisationsstrukturen. Doch es geschieht im Leeren, ausserhalb der Imperative eines Kampfes. Die anscheinende Abwesenheit einer Gefahr l&#228;dt zu den schlimmsten Illusionen ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rat erscheint mehr als Antwort der Arbeiter auf die durch die Bourgeoisie gelassene Leere denn als Organisationsniveau, das durch die Radikalit&#228;t des Kampfes selbst durchgesetzt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind f&#252;r die Arbeiterr&#228;te. Aber wir sind gegen die r&#228;tekommunistische Ideologie. Diese Ideologie sieht in den R&#228;ten nicht ein Moment der Revolution, sondern ihr Ziel. Der Sozialismus ist der Ersatz der Macht der Bourgeoisie durch die Macht der R&#228;te, der kapitalistischen durch die Arbeiterverwaltung. Das Scheitern oder der Sieg der Revolution sind eine Frage der Organisation. Dort, wo die Leninisten alles auf die Partei setzen, setzen die R&#228;tekommunisten alles auf den Rat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeiterr&#228;te werden sein, was sie tun. Ihre einzige Chance zum Sieg wird es sein, die Kommunisierung zu unternehmen und ihre Organisation zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Kommunisten ist die Revolution keine Frage der Organisation. Was die M&#246;glichkeit des Kommunismus determiniert, ist ein gewisses Niveau der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte und der proletarischen Klasse. Es gibt Organisationsprobleme, doch man kann sie nicht unabh&#228;ngig von dem setzen, was man organisiert, der festgelegten Aufgaben. Sind Organisationsregeln neutral? Sind sie rein technische Fragen? Gewiss nicht. Solche Entscheidungen sind von einer grossen Bedeutung. Einige sind passend und beg&#252;nstigen eine kommunistische Aktion. Andere behindern sie. Doch es ist eine grosse Illusion, zu glauben, dass die Hervorhebung gewisser Regeln, besonders bez&#252;glich der Kontrolle der Delegierten, reicht, um die B&#252;rokratisierung, die L&#252;ge und die Spaltung zu verhindern. Die B&#252;rokraten sind die Profis der Organisation als getrennte Organisation. Sie betonen gerne die Vorbedingungen der Aktion, die demokratischen Mechanismen, statt die Aktion selbst. Kleinliche und unangemessene Regeln, wenn sie auch formell antib&#252;rokratisch sein m&#246;gen, laufen Gefahr, ihnen die Aufgabe zu erleichtern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vorausgesetzt, dass die R&#228;te sich entwickeln und nicht mehr einfach liquidiert werden k&#246;nnen, werden die schlimmsten Feinde der Revolution so tun, als ob sie R&#228;tekommunisten seien, um sich der R&#228;te zu entledigen. Sie werden versuchen, aus ihnen das Feld ihrer Mauscheleien zu machen, die Revolution&#228;re davon auszuschliessen. Gegen den Kommunismus werden die Lumpen der alten Welt nicht z&#246;gern, sich als R&#228;tekommunisten wiederzutaufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kann man aus dem h&#228;ufig wenig kommunistischen Charakter der R&#228;te der Vergangenheit schliessen, dass ihre Zeit vorbei ist? Ist jegliche Institutionalisierung nicht konterrevolution&#228;r?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir betrachten die Arbeiterr&#228;te nicht als Institutionen. Die Revolution, ob sie es will oder nicht, wird mit Problemen der Verwaltung, der Aufrechterhaltung der Ordnung, der Einigung verschiedener Tendenzen konfrontiert sein. Es wird n&#246;tig sein, wenn auch nicht &#252;ber die Menschen, so doch &#252;ber gewisse Menschen zu regieren. Man kann davon ausgehen, dass die Pl&#252;nderung eine gesunde Reaktion auf die Provokation der Ware und den Mangel darstellt. Sie kann in einer Phase des Bruchs eine n&#252;tzliche Rolle spielen: Ventil f&#252;r die Wut und Niederschlagung der Ware. Doch man kann die Pl&#252;nderung nicht institutionalisieren, man kann daraus nicht die normale Weise der kommunistischen Verteilung der Produkte machen. Es ist unm&#246;glich, alle Produkte frei zu verteilen. Es muss organisiert, geteilt und beschr&#228;nkt werden. Das ist die Aufgabe der R&#228;te.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je weniger selten die G&#252;ter werden und je st&#228;rker die Konterrevolution zur&#252;ckgeschlagen wird, desto eher werden die R&#228;te ihren staatlichen Charakter verlieren. Sie werden nicht abgeschafft werden. Sie werden mit dem gesellschaftlichen Leben verschmelzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verweigerung der R&#228;te aus Purismus, wenn sie anhand wirklicher Bed&#252;rfnisse erscheinen werden, bedeutet, dass man sich ausserhalb des revolution&#228;ren Prozesses platziert. Es ist gescheiter, sich an ihrer Erschaffung, an ihrer Funktionsweise und an ihrer eventuellen Aufl&#246;sung anhand des Kampfes und des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses zwischen Revolution und Konterrevolution zu beteiligen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beteiligung an den R&#228;ten bedeutet nicht, dass die Revolution&#228;re darauf verzichten m&#252;ssen, zu handeln und sich autonom zu organisieren. Die R&#228;te sind Massenorganisationen. Daher kommt eine gewisse Schwerf&#228;lligkeit, ein langsamerer Rhythmus der Radikalisierung als in anderen Teilen der Bev&#246;lkerung. Die Entwicklung der R&#228;te wird teilweise von dem bestimmt werden, was ausserhalb von ihnen gemacht werden wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was bek&#228;mpft und sabotiert werden muss, sind die korporatistischen R&#228;te, die Verwaltungsorganisationen, die neogewerkschaftlichen oder neopolitischen Gruppen, welche die Organisation des gesellschaftlichen Lebens zugunsten einer Minderheit konfiszieren wollen. Man kann ein Organ nicht als Sowjet betrachten, wenn es die Warenproduktion beibehalten m&#246;chte, eine Polizei aufbaut oder die R&#252;ckkehr der Chefs fordert&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rat ist notwendig, wenn es darum geht, ein Territorium zu verwalten. Er l&#246;st sich auf, wenn diese Notwendigkeit provisorisch verschwindet anhand eines gewissen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses oder definitiv aufgrund der Konsolidierung des Kommunismus. Gruppen k&#246;nnen anhand einer revolution&#228;ren Situation intervenieren und Warenvorr&#228;te kommunisieren, ohne dass sie ihre Produktion und ihre Verteilung permanent in die Hand nehmen k&#246;nnen oder wollen. Es geht darum, herauszufinden, wann man die Mittel hat, von dieser Art punktueller und wilder Aktion zu einer direkten Verwaltung eines Gebietes &#252;berzugehen. Der Vorteil davon ist, dass man besser &#252;ber seine Ressourcen zur Ern&#228;hrung der Bev&#246;lkerung oder zur F&#252;hrung des Kampfes verf&#252;gen kann. Der Nachteil davon ist, dass man sich zum Ziel macht. Vom Moment an, wo man dieses Risiko akzeptiert, stellt sich die Frage der R&#228;teorganisation dieses Gebietes. Das Problem des Aufbaus einer revolution&#228;ren Macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Macht wird, obwohl sie nach der gr&#246;sstm&#246;glichen Zustimmung und Beteiligung der Massen streben muss, nicht danach streben, sich auf die Demokratie zu st&#252;tzen, z.B. indem sie Wahlen organisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Demokratie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was gibt es sch&#246;neres auf Erden als die Demokratie, der Macht des souver&#228;nen Volkes? Genau wie der Begriff Kapitalismus st&#246;rend sein kann, ruft jener der Demokratie Zustimmung hervor. Alle sind f&#252;r die Demokratie, ob sie begleitet von einem K&#246;nigshaus oder republikanisch, b&#252;rgerlich oder eine Volksdemokratie sein mag. Wenn man seinen Gegnern einen Vorwurf macht, so ist es jener, nicht demokratisch genug zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer sich gegen die Demokratie erhebt, kann im besten Fall nur ein Nostalgiker der ehemaligen absoluten Monarchien sein. Im Allgemeinen zieht man es vor, ihn als abstossenden Faschisten zu etikettieren. Die Hartn&#228;ckigsten sind h&#228;ufig die Marxisten und Marxisten-Leninisten, die vergessen, was die Gr&#252;nderv&#228;ter &#252;ber die Demokratie gesagt haben, die ihre Vorliebe f&#252;r die Macht und die Diktatur kaschieren wollen&#8230; Gewisse Nostalgiker des Stalinismus mit schlechtem Gewissen werden uns vorwerfen, wir seien Stalinisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie erscheint als Antithese zum kapitalistischen Despotismus. Dort, wo man weiss, dass in Wirklichkeit eine Minderheit regiert, behauptet man, ihr die aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgegangene Macht entgegenzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit haben der Kapitalismus und die Demokratie gemeinsame Interessen. Die Demokratie ist das Feigenblatt des Kapitals. Die demokratischen Werte, weit davon entfernt, subversiv zu sein, sind der idealisierte Ausdruck der wirklichen und weniger noblen Tendenzen der kapitalistischen Gesellschaft. Die Kommunisten wollen weder die Trilogie &#8222;Freiheit, Gleichheit, Br&#252;derlichkeit&#8220; noch jene &#8222;Arbeit, Familie, Vaterland&#8220; verwirklichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie kommt es, dass, wenn die Demokratie die Tochter des Kapitals ist, Diktatur und Kapitalismus so h&#228;ufig koexistieren? Wie kommt es, dass die Mehrheit der Menschen in autorit&#228;ren Regimes leben? Wie kommt es, dass sogar in den demokratischen L&#228;ndern ihre Funktionsweise kontinuierlich behindert wird?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die demokratischen Werte und Bestrebungen sind die Folge des aufl&#246;senden Charakters des Kapitals. Sie entsprechen dem Ende der Eingliederung des Individuums in eine Gemeinschaft und ein Netzwerk fester Beziehungen. Sie entsprechen auch der Notwendigkeit, eine idealisierte Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, die Konflikte zu regeln, die Zusammenst&#246;sse zum Wohle aller zu begrenzen. Die Minderheit ordnet sich den Entscheidungen der Mehrheit unter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie ist nicht einfach eine L&#252;ge, eine vulg&#228;re Illusion. Sie bezieht ihren Inhalt aus einer zerrissenen gesellschaftlichen Wirklichkeit, wovon sie die Wiedervereinigung scheint. Es existiert in der demokratischen Bestrebung eine Suche nach Gemeinschaft, ein Wille des gegenseitigen Respekts. Doch die Grundlage, auf welcher sie verwurzelt ist und sie behauptet, sich zu entwickeln, hindert sie daran, erfolgreich zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie ist noch h&#228;ufig zu gef&#228;hrlich f&#252;r das Kapital oder zumindest f&#252;r gewisse bestehende Interessen. Deshalb wird sie kontinuierlich begrenzt. Von einigen Ausnahmen abgesehen, werden diese Grenzen und sogar die einfache Diktatur als Siege der Demokratie selbst pr&#228;sentiert. Welcher Tyrann behauptet nicht, durch das Volk oder zumindest f&#252;r das Volk zu regieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie, die in ruhigen Perioden ein gutes Mittel zu sein scheint, um die Arbeiterk&#228;mpfe abzufedern, wird ungeniert aufgegeben, sobald es die Verteidigung des Kapitals verlangt. Es gibt immer ein paar Intellektuelle und Politiker, die ganz &#252;berrascht sind, dass sie so leicht auf dem Altar der Interessen der M&#228;chtigen geopfert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demokratie und Diktatur sind entgegengesetzte Formen, doch sie sind einander nicht fremd. Die Demokratie, da sie die Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit impliziert, ist eine Form der Diktatur. Eine diktatorische Junta muss sich sehr wohl auf demokratische Mechanismen st&#252;tzen, um Entscheidungen zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man vergisst manchmal, dass der Faschismus, der Nazismus und der Stalinismus terroristische Verfahren und regul&#228;re Wahlen miteinander vermischt haben, um sich durchzusetzen. Sie setzen gerne die breiten Massen, die Volksgerichte den wenigen &#8222;Verr&#228;tern&#8220;, &#8222;vaterlandslosen Gesellen&#8220; und &#8222;Feinden der Partei&#8220; entgegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist nicht der Feind der Demokratie, weil er der Freund der Diktatur und des Faschismus w&#228;re. Er ist der Feind der Demokratie, weil er der Feind der Politik ist. Abgesehen davon ist es den Kommunisten nicht gleichg&#252;ltig, in welchem Regime sie leben. Sie bevorzugen es, am Abend ruhig einzuschlafen, ohne sich fragen zu m&#252;ssen, ob es nicht diese Nacht sein wird, wo man sie aus dem Bett holen wird, um sie ins Gef&#228;ngnis zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik des Staates sollte nicht die Kritik der Politik ersetzen. Einige greifen die Staatsmaschinerie an, doch sie tun es, um die Politik besser retten zu k&#246;nnen. Genau wie gewisse P&#228;dagogen die Schule kritisieren, um die P&#228;dagogik auf jede Form gesellschaftlicher Beziehung auszuweiten. F&#252;r die Leninisten ist alles politisch. Hinter jeder Manifestation des Kapitals sehen sie eine Absicht, einen Zweck. Das Kapital wird zu einem Werkzeug eines politischen Projekts, dem man ein anderes politisches Projekt entgegensetzen muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Politik ist die Sph&#228;re der Freiheit, der Aktion, der Bet&#228;tigung gegen&#252;ber der wirtschaftlichen Fatalit&#228;t. Die Wirtschaft ist jene der G&#252;terproduktion und von der Notwendigkeit beherrscht. Die Entwicklung der Wirtschaftskrisen erscheinen als nat&#252;rliche Ph&#228;nomene, die ausserhalb des menschlichen Einflusses liegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Linke betont gew&#246;hnlich die M&#246;glichkeiten der Politik, die Rechte die Notwendigkeiten der Wirtschaft. Das ist eine falsche Debatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Politik erscheint immer mehr als Abbild des wirtschaftlichen Lebens. Sie konnte w&#228;hrend einem gewissen Zeitraum die Rolle des Kompromisses und des B&#252;ndnisses zwischen gesellschaftlichen Schichten spielen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage ist die Bedeutung der Politik als Intervention in die Wirtschaft gr&#246;sser geworden. Doch gleichzeitig hat die politische Sph&#228;re ihre Autonomie verloren. Es gibt nur noch eine einzige Politik des Kapitals, zu deren Umsetzung sowohl die Rechte als auch die Linke gezwungen sind, unabh&#228;ngig von den spezifischen Interessen ihrer gesellschaftlichen Basis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Staat als eine mehr oder weniger abgrenzbare Institution erscheint, wird die Politik aus allen Poren der Gesellschaft wieder und wieder geboren. Obwohl sie sich durch die Aktion einer speziellen Schicht der Aktivisten und Politiker ausdr&#252;ckt, st&#252;tzt sie sich auf die Verhaltensweisen aller und findet in ihnen ein Echo. Das macht ihre St&#228;rke aus und erweckt den Eindruck, dass jegliche gesellschaftliche L&#246;sung nur politisch sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Politik ergibt sich aus der Trennung zwischen Entscheidung und Handlung und den Trennungen, welche die Individuen gegeneinander aufbringen. Die Politik erscheint zuerst als dieses permanente Streben nach Macht, das die Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft antreibt. Die Demokratie und der Despotismus scheinen die einzigen Arten der Regelung von Problemen zwischen den Leuten zu sein. Die Einf&#252;hrung der Demokratie in den Paaren oder den Familien wird als neue Etappe in der menschlichen Entwicklung dargestellt. Sie dr&#252;ckt allen voran, vielleicht auf die am wenigsten schlechte Art und Weise, den Verlust der tiefen Einheit aus, welche die menschlichen Wesen vereinen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus trennt Entscheidung und Ausf&#252;hrung nicht. Es gibt keine Trennung mehr zwischen zwei Gruppen oder gar zwei unterschiedlichen und hierarchisierten Momenten. Man tut, was man tun muss oder was man entschieden hat, zu tun, ohne sich die Frage zu stellen, ob man in der Mehrheit oder in der Minderheit ist. Begriffe, welche die Existenz einer formellen Gemeinschaft voraussetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Prinzip der Einstimmigkeit ist in dem Sinne vorherrschend, als dass jene, welche etwas tun, am Anfang einverstanden sind und dieses Einverst&#228;ndnis die Grundlage und die M&#246;glichkeit der gemeinsamen Handlung liefert. Die Gruppe existiert nicht unabh&#228;ngig von der Handlung und vor ihr. Sie spaltet sich nicht w&#228;hrend der Abstimmung, um sich danach durch die Unterwerfung eines Teils unter den anderen wiederzuvereinigen. Sie bildet sich in der Handlung und durch sie und durch die F&#228;higkeit der Leute, sich miteinander zu identifizieren und den Standpunkt des anderen zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, systematisch jegliche Abstimmung und jegliche Unterwerfung der Minderheit unter die Mehrheit abzulehnen. Es sind technische Formen, denen man nicht einen absoluten Wert geben kann. Es kann sein, dass die Minderheit im Besitz der Wahrheit ist. Es kann sein, dass die Mehrheit gegen&#252;ber der Minderheit in Anbetracht der Bedeutung der Sache f&#252;r letztere nachgibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist der Kommunismus die Einf&#252;hrung der Freiheit? Ja, wenn man darunter versteht, dass die Menschen mehr Wahlm&#246;glichkeiten haben werden als jetzt, dass sie ihren Vorlieben gem&#228;ss werden leben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir ablehnen, ist die Philosophie, die den freien Willen und den Determinismus einander entgegensetzt. Diese Trennung widerspiegelt den Gegensatz zwischen dem Menschen und der Welt, dem Individuum und der Gesellschaft. Sie dr&#252;ckt die Entwurzelung des Individuums aus und seine Unf&#228;higkeit, seine eigenen Bed&#252;rfnisse zu erfassen, um sie zu befriedigen. Es kann zwischen tausend Arbeiten, tausend M&#246;glichkeiten der Freizeitgestaltung, tausend Formen der Liebe w&#228;hlen und auf tausend Arten beeinflusst werden, da es nichts wirklich betrifft. Nichts ist ihm gewiss. Es zweifelt an allem und allen voran an sich selbst. Indem es das tut, ist es bereit, alles &#252;ber sich ergehen zu lassen, und glaubt h&#228;ufig, es habe eine Entscheidung getroffen. Die Freiheit pr&#228;sentiert sich als das philosophische Kleid des Elends. Der Zweifel als Ausdruck der Freiheit des Denkens, wenn er Verirrung, die Unf&#228;higkeit des Menschen bedeutet, sich in dieser Welt zu situieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf der Revolution verliert der Mensch seine Ketten, doch indem er endlich zu sich selbst wird, ist er simultan an seine W&#252;nsche und die Notwendigkeiten des Moments gekettet. Er wird wieder leidenschaftlich und lernt sich wieder kennen. Das aussergew&#246;hnliche Klima der Freude und der Spannung der Aufst&#228;nde ist mit dem Gef&#252;hl verbunden, dass alles m&#246;glich ist und dass gleichzeitig das, was man tut, zwingend getan werden muss. Es gibt keinen Grund mehr, zu z&#246;gern und zwischen unbedeutenden Besch&#228;ftigungen hin- und hergerissen zu sein. Die subjektiven und objektiven Zw&#228;nge fallen zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Wahlzirkus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn ihr die Demokratie angreift, werden uns die subtilen Geister antworten, dann, weil ihr wisst, dass sie euch verurteilen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben keine Illusionen. Es ist gewiss, dass, wenn das System normal funktioniert, wir haushoch besiegt werden w&#252;rden. Unser Programm w&#252;rde vielleicht von den meisten W&#228;hlern nicht als unsympathisch betrachtet, doch es w&#252;rde sicher als unverwirklichbar beurteilt. Nur indem sie sich als W&#228;hler negieren, k&#246;nnten sie anfangen, die M&#246;glichkeit seiner Verwirklichung zu erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Politik die Kunst des M&#246;glichen ist, wie man sagt, dann situieren wir uns ausserhalb dieses M&#246;glichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Herren Wahltaktiker und Demokraten, seid ihr bereit, die Bev&#246;lkerung &#252;ber gewisse Probleme zu befragen und ihre Meinung zu ber&#252;cksichtigen? Ihr, die ihr die Lakaien des Kapitals seid, seid ihr bereit, ein Referendum zu organisieren, um herauszufinden, ob der Kapitalismus fortbestehen soll oder nicht? Es gibt etliche Fragen, bez&#252;glich welchen ihr es so einrichtet, dass sie nie gestellt werden. Sie werden im Vornhinein als unrealistisch eliminiert. Ihr bestimmt, was m&#246;glich ist und was nicht. Das reicht euch noch nicht. Eure realistischen Programme und Vorhersagen d&#252;rfen nie angewandt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Staat lebt dank den Steuern der B&#252;rger. Er wird dank ihrer Stimmabgabe verwaltet. Wenn die Politik direkt durch die Akzeptierung oder die Verweigerung der Bezahlung der Steuern der privaten Personen gutgeheissen und unterst&#252;tzt werden m&#252;sste, w&#252;rde sie Gefahr laufen, viele ihrer Anh&#228;nger zu verlieren. Wenn er bezahlt, hat der B&#252;rger den Eindruck, reingelegt zu werden. Wenn er abstimmt, w&#228;hrend er sonst nur den Mund halten soll, ist er geschmeichelt, dass man ihn nach seiner Meinung fragt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt eine Trennung zwischen der wirklichen Verwaltung des Systems und den sich darum k&#252;mmernden Funktion&#228;rsschichten einerseits und der Politik der Parteien, des Spektakels andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wahldemokratie dient dazu, die Tatsache zu kaschieren, dass sich die wichtigen Entscheidungen den W&#228;hlern und sogar den Politikern entziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politische und demokratische Wirklichkeit wird immer mehr von der Ware durchtr&#228;nkt. Die Demokratie erscheint als direkter Widerschein der wirtschaftlichen Welt. Der W&#228;hler ist nicht mehr der B&#252;rger, sondern der Konsument von Programmen und Ideologien. Das Spektakel der Politik und die Wahlen als ihr privilegiertes Moment m&#252;ssen als das verurteilt werden, was sie sind: eine Art unter anderen, um das Volk vergessen zu lassen, dass es nichts ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Manchmal kommt es vor, dass die Leute die L&#252;gner beim Wort nehmen. F&#252;r eine verweigerte Wahl oder f&#252;r das, was ihnen als Wahlsieg erscheint, beginnen sie, sich zu erheben. Das geh&#246;rt nicht mehr zur Wirklichkeit der Wahlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir bef&#252;rworten die Beteiligung an Wahlen nicht und noch weniger die Stimmenthaltung. Wenn die Proletarier w&#228;hlen, haben sie zwar nicht unbedingt Recht, aber zumindest ihre Gr&#252;nde. Dieses Ritual wird erst als wirklich illusorisch, l&#228;cherlich und j&#228;mmerlich erscheinen, wenn die Gesamtheit der Lebensbedingungen beginnen werden, sich wahrhaftig zu ver&#228;ndern. In der Zwischenzeit hat es im Rest des Arsenals seinen Platz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer kommunistischen Organisation kann es Wahlen geben. Man ernennt Abgeordnete. Doch die Wahl erscheint nicht mehr als besonderer Moment. Der Gew&#228;hlte verf&#252;gt nicht &#252;ber eine Blankovollmacht. Er erf&#252;llt eine Funktion unter anderen, die nicht heiliger ist als andere. Indem diese Person oder jenes Team ernennt oder indem danach ihre Handlung begr&#252;sst wird, tut die Basisgruppe nichts anderes, als zu garantieren, dass ihr Programm angewandt wird. Was z&#228;hlt, ist nicht die Prozedur der Ernennung, sondern die wirklich ausgef&#252;hrte Handlung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bildung der Arbeiterr&#228;te setzt keine allgemeinen Wahlen voraus. Es geht nicht darum, ein Gebiet zu befreien, um darin Wahlen zu organisieren, die nur von den Organisatoren als g&#252;ltig anerkannt werden, wie es gemeinhin geschieht. Zu diesem Thema haben wir das schlechte Beispiel der Pariser Kommune.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn auch in dieser Art von Situation Wahlen ernsthaft organisiert werden k&#246;nnten, w&#252;rde dies nur Entscheidung und Handlung voneinander trennen und w&#228;re gleichbedeutend mit der Wiedergeburt der Berufspolitiker. Wahlen setzen voraus, dass die W&#228;hler erfasst werden und ihre Karte haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Einf&#252;hrung einer Verwaltung durch Wahlen setzt die Existenz eben dieser Verwaltung voraus!Die Macht und der Staat entstehen nicht durch Wahlen, im Gegenteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die revolution&#228;ren Massenorganisationen werden sich anhand der praktischen Aufgaben bilden und st&#228;rken. Sie werden ausgehend von der Handlung einer Minderheit entstehen. Wir werden nicht pl&#246;tzlich 51% der Bev&#246;lkerung nach dem selben Ziel streben sehen. Diese handelnde Minderheit wird sich durch die Tatsache auszeichnen, dass sie nicht den Rest der Bev&#246;lkerung organisieren, sondern dazu tendieren wird, sie zur L&#246;sung der Probleme aller beizuziehen. Ihr Erfolg wird von ihrer F&#228;higkeit abh&#228;ngen, viel mehr als 51% der Bev&#246;lkerung zur Beteiligung zu animieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus kann nicht durch einen Putsch errichtet werden. Da er die Staatsmacht und seine Repressionswerkzeuge gegen sich hat, kann der Kommunismus nur siegen, falls er es schafft, die mehr oder weniger aktive Beteiligung eines grossen Teils der Gesellschaft zu entwickeln und eine kleine Minderheit zu isolieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem sie die Ketten der Lohnarbeit zerbricht, wird die proletarische Revolution eine Beteiligung der Massen erlauben und verlangen, die nicht vergleichbar ist mit den politischen Revolutionen der Bourgeoisie. Sogar wenn diese Revolutionen Volksrevolutionen waren. Diese Volksrevolutionen, auf welche sich die Demokraten berufen, sind nicht demokratisch entschieden worden. H&#228;tte man den Franzosen 1789 die Wahl gegeben, h&#228;tten sie f&#252;r die Revolution gestimmt? In Wirklichkeit hat sich ein Teil der Bev&#246;lkerung ausgehend vom obsoleten Wesen der Privilegien der Adligen erhoben. Getrieben vom Erfolg und den Folgen seiner Handlungen hat er schrittweise ein verfaultes System &#252;berwunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Partei wird nur dann die &#252;berwiegende Mehrheit der Bev&#246;lkerung mit sich reissen, wenn der Kommunismus als das einzige unmittelbare Mittel erscheinen wird, um Probleme des allt&#228;glichen Lebens zu l&#246;sen. Es kommt nicht zur Revolution, weil genug Leute revolution&#228;r geworden sind. Die Leute werden Revolution&#228;re, weil die Revolution ihnen erscheint, weil es m&#246;glich und notwendig erscheint, anders zu leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage, wo alle Elemente des gesellschaftlichen Gew&#246;lbes sich gegenseitig st&#252;tzen, scheint das Verschwinden des Geldes unm&#246;glich. Jene, welche es gutheissen, gelten als naive Tr&#228;umer. Wenn die Mechanismen der Ware rosten, wird es als bescheuerte Akrobatik erscheinen, sich weiterhin f&#252;r seine Versorgung vom Geld abh&#228;ngig zu machen. Man wird sich nicht aufgrund der Ideologie oder sogar des Abscheus vor der mit dem Tode ringenden Gesellschaft dem Kommunismus anschliessen, sondern aus einfachen Gr&#252;nden des &#220;berlebens. Es wird also Verteidigungsmechanismen gegen Opportunisten brauchen, die unf&#228;hig sind, langfristige Perspektiven zu haben, und versuchen werden, eine unmittelbare und pers&#246;nliche Bevorteilung aus der Situation zu erstreben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir davon ausgehen, dass die Revolution sich auf eine m&#246;glichst breite Beteiligung st&#252;tzen muss, weshalb erkl&#228;ren wir uns nicht zu Demokraten? Das w&#252;rde vielleicht einige unserer Gegner verwirren und uns einige neue Freunde verschaffen. Aber genau darum geht es, wir sind nicht Politiker, ein oberfl&#228;chlicher Anschluss ist eher l&#228;stig denn n&#252;tzlich. Wir m&#252;ssen klar sein, um unsere Anh&#228;nger anhand solider Grundlagen zu versammeln und zu orientieren. Was unsere wirklichen Gegner betrifft, wollen wir ihre Aufgabe nicht einfacher machen, aber es interessiert sie ohnehin kaum, was wir wirklich sagen und wollen. Entweder verstehen sie es nicht, oder sie verleumden uns, nicht ohne den Revolution&#228;ren einige Ideen zu klauen, um ihr Programm aufzulockern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie sei die Macht des Volkes, die Macht aller. Die kommunistische Revolution will nicht die Form der Macht ver&#228;ndern oder sie dem Volk geben. Sie will sie allen wegnehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Macht braucht immer eine Legitimierung, die ausserhalb ihrer selbst liegt. Gott f&#252;r die Monarchie, das Volk f&#252;r die von einem K&#246;nigshaus begleitete oder republikanische Demokratie. Ist das Volk realer als Gott? Nein, Gott ist eine Figur, eine mit Menschheit gef&#252;llte Verk&#246;rperung, w&#228;hrend das Volk dazu tendiert, nur eine reine Abstraktion der Menschheit zu sein. Dieses Volk, auf welches man sich beruft, um den Staat gutzuheissen, ist nur sein Abbild. Zwischen diesem Volk als Idee, diesem politischen Volk und dem wirklichen Volk mit all seinen Unterschieden, lebendig, dumm oder intelligent, das sich im allt&#228;glichen Leben manifestiert, liegen Welten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht die Politik, welche die Ideen und W&#252;nsche der Menschen ausdr&#252;ckt und verk&#246;rpert, letztere werden zu Tr&#228;gern politischer Meinungen. Sie werden selbst zu Abstraktionen, wenn sie als W&#228;hler oder Aktivisten ihre Meinungen beichten gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warum verzichten die Kommunisten, welche die Ausbeutung und die Kriege beenden wollen, nicht auf den Zwang und diktatorische Verfahren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kann man davon ausgehen, dass die herrschenden Klassen darauf verzichten werden, diese Mittel zu gebrauchen? Kann man davon ausgehen, dass die demokratischsten Staaten w&#228;hrend einer Periode des Umsturzes ihre Prinzipien nicht ausrangieren werden? Die Besitzenden, die Privilegierten, die Diener der liberalsten Ordnung werden vielleicht behaupten, sie w&#252;rden f&#252;r die Demokratie k&#228;mpfen. Sie werden nicht die Verteidigung ihrer wirklichen Interessen vorbringen. Doch die Chancen sind gering, dass sie demokratisch k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte b&#252;rgerliche und revolution&#228;re Methoden anhand einer Krisensituation miteinander vergleichen. Es ist heuchlerisch, die Verhaltensweise der demokratischsten b&#252;rgerlichen Staaten in Friedenszeiten und die Verhaltensweise der Revolution&#228;re w&#228;hrend unruhigen Zeiten einander entgegenzusetzen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Revolution&#228;re in Krisenzeiten menschlicher und demokratischer zeigen werden als die Verteidiger der Ordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Streik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie wird mit der Entwicklung von wilden Streiks und Erhebungen negiert. Die Einleitung der Aktion ist nicht abh&#228;ngig von einer demokratischen Konsultation der Basis oder ihrer Repr&#228;sentanten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teil der Arbeiter, da er k&#228;mpferischer, weniger entfremdet ist oder bessere Bedingungen hat, erhebt sich. Es gibt keine Trennung zwischen der Entscheidung und der Ausf&#252;hrung, zwischen jenen, welche entscheiden, und jenen, welche die Entscheidung ausf&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht zwingend das grundlegende Problem, alle hinter sich zu haben. Ausgehend von einer Schl&#252;sselposition in der Produktion kann man den Chef zum Einlenken zwingen. Die Arbeitsunterbrechung kann ein Selbstzweck sein, es geht nur darum, etwas Dampf abzulassen oder sich zu weigern, eine gegebene Arbeit auszuf&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist m&#246;glich, dass die Arbeitsniederlegung einiger eine allgemeine Arbeitsniederlegung ausl&#246;st. Das konnten wir landesweit im Mai 68 beobachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Streik breitet sich aus. Er wird von einer grossen Mehrheit der Arbeiter unterst&#252;tzt. Die Unterst&#252;tzung entsteht in der Aktion und es gibt keine vorangehende Konsultation aller Betroffenen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;H&#228;tten sich die Arbeiter demokratisch zur Er&#246;ffnung der Kampfhandlungen &#228;ussern m&#252;ssen, h&#228;tten sie vielleicht davon abgesehen. Das Beispiel einer geringen Anzahl hat ihnen den offenen Riss, die Angst der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung und den m&#246;glichen Erfolg gezeigt. Sie werden angetrieben vom Klima des Kampfes und der Solidarit&#228;t und sind eher geneigt, das durch die allt&#228;gliche Ohnmacht ausgel&#246;ste Gef&#252;hl der Entmutigung und der Resignation zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gehen wir davon aus, dass der Streik im Verlauf einer Konsultation entschieden worden ist. Sein Verlauf w&#228;re wohl anders gewesen. Es w&#228;re das Ende der Unvorhersehbarkeit der Arbeiteroffensive gewesen. Der Gegner w&#228;re &#252;ber das Wesen, die Form, das Ausmass und die Ziele der Bewegung informiert gewesen. Die Organisation w&#228;re der Aktion vorhergegangen und h&#228;tte den Mut zu Initiativen genommen. Die Streikenden w&#228;ren mehr oder weniger passiv und, abgesehen von einer Minderheit an Gewerkschaftern und Organisatoren, ihrem Streik fremd geblieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Arbeiter beginnen, sich zu radikalisieren, wird aus dem demokratischen Moment zunehmend das Moment der Vereinnahmung. Es geht darum, &#252;ber die Wiederaufnahme der Arbeit abzustimmen. Die B&#252;rokraten, Spezialisten der Verhandlung, nehmen &#220;berhand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie wird zum Ausdruck des Verzichts. Sie wird auf sichtbare Weise das, was sie essentiell schon war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Berufung auf die einzig souver&#228;ne Generalversammlung, um gegen die B&#252;rokratisierung zu k&#228;mpfen, gen&#252;gt nicht. Die Versammlung kann zum idealen Ort f&#252;r die Manipulation, die massenhafte Versammlung getrennter und ohnm&#228;chtiger Individuen, zum Tr&#228;ger von verwirrendem und nutzlosem Geschw&#228;tz werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Generalversammlungen sind notwendig. Es ist notwendig, Bilanz zu ziehen, seine Kr&#228;fte einzusch&#228;tzen, Delegierte und spezialisierte Kommissionen zu kontrollieren und von ihnen Rechenschaft zu verlangen. Doch die Versammlung sollte nicht als Moment erscheinen, wo alles ausgesetzt ist oder wof&#252;r der Rest der Wirklichkeit &#252;berpr&#252;ft wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Partei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr sich die Krise des Kapitals vertieft und den illusorischen Charakter der kapitalistischen L&#246;sungen f&#252;r diese Krise sichtbar macht, desto eher bildet sich wieder eine kommunistische Partei innerhalb der Bev&#246;lkerung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bildung der Partei ist nicht die Ursache, welche die Krise determiniert. Sie ist nicht die Voraussetzung f&#252;r den Angriff gegen das Kapital. Ihre quantitative und qualitative Entwicklung ist hingegen extrem abh&#228;ngig von der Verst&#228;rkung dieser Krise. Sie wird versuchen, ihrem Ausgang eine Richtung zu geben und Steine aus dem Weg zu r&#228;umen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Partei ist nicht eine anhand einer Doktrin gebildete Versammlung, die sich vergr&#246;ssert, ohne dass sich ihr Wesen ver&#228;ndern w&#252;rde. Die Partei ist nicht, sie bildet sich. Allm&#228;hlich taucht sie auf, nimmt klarere Formen an und ihr Inhalt wird klarer. Ihr Wesen pr&#228;zisiert sich und die Anzahl der Mitglieder w&#228;chst, je mehr sich die M&#246;glichkeiten des Bruches mit dem System abzeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bildung der Partei ist allerdings nicht ein neues und unbestimmtes Ph&#228;nomen. Die Partei, so wie sie w&#228;hrend einer gegebenen historischen Periode entsteht, ist das Wiedererstehen einer Bewegung, die sich ihren zeitlichen Grenzen entzieht. Die moderne Partei kn&#252;pft wieder an eine Partei an, deren Wirklichkeit und sogar deren Erinnerung von der Konterrevolution ausgel&#246;scht worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausserhalb aufst&#228;ndischer Perioden, wenn der Kommunismus nur scheu und unstetig bekr&#228;ftigt werden kann, ist die Partei im strengen Sinne dazu verurteilt, ein kleiner und vernachl&#228;ssigbarer Teil der Bev&#246;lkerung zu bleiben. Neben den bewussten Kommunisten existieren zahlreiche unbewusste Kommunisten, die durch ihre Verhaltensweise revolution&#228;re Anspr&#252;che zeigen. Die Partei im breiten Sinne jener, welche sich mehr oder weniger bewusst als Kommunisten w&#228;hrend den sich vermehrenden Gelegenheiten zeigen, ist unsichtbar. Ihr Bild nimmt nicht im herrschenden Spektakel Gestalt an. Ihre Macht wird allerdings auf der Ebene dieses Spektakels selbst f&#252;hlbar. Die Publizisten und die Politiker machen sich zum deformierten Echo ihrer Hoffnung, um ihren Ramsch zu vertreiben. Die Bourgeois und B&#252;rokraten zittern vor dieser noch namen- und gesichtslosen Bedrohung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist widerspr&#252;chlich, sich in einer Welt Kommunist zu nennen, welche den Kommunismus mit allen Mitteln verdr&#228;ngt. Die Kommunisten sind keine &#220;bermenschen, die schon anders leben als ihresgleichen. Sie k&#246;nnen sich dem vorherrschenden Elend nicht entziehen. Zur Transformation ihres eigenen Lebens f&#228;llt ihr theoretisches Bewusstsein nicht wirklich ins Gewicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wesentlich und ohnehin unvermeidbar, dass bewusste Kommunisten erscheinen und dass sie sich darum k&#252;mmern, die kommunistische Revolution zu verstehen und vorzubereiten. Doch man sollte nicht bewusste und unbewusste Kommunisten einander entgegensetzen. Man muss allen voran erkennen, wie und weshalb das kommunistische Bewusstsein sich als eine praktische Notwendigkeit entwickelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es existieren freilich Leute, die sich Revolution&#228;re nennen. Die Hervorbringung dieser &#8222;Revolution&#228;re&#8220; ist nicht unabh&#228;ngig von der Verst&#228;rkung der Krise. Die meisten von ihnen sind nicht Kommunisten und wissen nicht einmal, was sie sind und was sie wollen. Der Wunsch nach der Revolution pr&#228;sentiert sich als letzter und inhaltslosester aller m&#246;glichen W&#252;nsche in dieser Gesellschaft. Er ist eine von den konkreten Bed&#252;rfnissen und Hoffnungen getrennte Abstraktion. Der &#8222;Revolution&#228;r&#8220; kann alles ausf&#252;hrlich er&#246;rtern, Leidenschaft f&#252;r strategische Fragen entwickeln, aber er ist unf&#228;hig, das zu definieren, was er anstrebt. Wenn er von den notwendigen Ver&#228;nderungen spricht, ist seine Sichtweise von der Frage der Macht beherrscht. Die aufzubauende Gesellschaft gr&#252;ndet auf einer neuen Machtverteilung. Man &#8222;will&#8220; die Volksmacht, die Arbeitermacht, die Studentenmacht, die Macht der R&#228;te (plus Elektrifizierung oder Automatisierung), die Macht der Leute &#252;ber ihr eigenes Leben, die Macht, k&#246;nnen zu k&#246;nnen&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die meisten hingegen, welche Revolution&#228;re sein werden, wenn die Revolution konkreten Bed&#252;rfnissen und M&#246;glichkeiten entsprechen wird, halten es nicht f&#252;r n&#246;tig, sich Revolution&#228;re zu nennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erst in einer Phase der offenen Konfrontation, wenn die M&#246;glichkeit besteht, die Gesellschaft zu kommunisieren, kann die Partei aufh&#246;ren, eine Versammlung gemeinsamer Meinungen oder das Produkt sporadischer Aktionen zu sein. Sie kann endlich zu einer handelnden Gemeinschaft werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das Proletariat sich in seiner Gesamtheit an der Revolution beteiligt, verschmilzt die Partei nicht mit der Klasse. Sie behauptet nicht, das Proletariat zu sein oder es zu repr&#228;sentieren. Sie ist der scharfsinnigste und entschiedenste Teil davon. Sie koexistiert, kooperiert oder st&#246;sst mit anderen, gem&#228;ssigteren oder von b&#252;rgerlichen Apparaten und Ideologien abh&#228;ngigen Teilen zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann ihre Handlung in einem Satz charakterisieren: Eine Situation erschaffen, die jegliches Zur&#252;ck unm&#246;glich macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist normal, dass sich Gegens&#228;tze zwischen der Handlung der Kommunisten und dem Verhalten der Massen zeigen. Das ist nicht das Zeichen eines grundlegenden Antagonismus. Die Partei braucht die Organisationen und Massenbewegungen nicht zu eliminieren. Die R&#228;te und die anderen Komitees der Basis brauchen die Partei nicht zu eliminieren. Sollte eines der beiden Dinge geschehen, w&#252;rde das zwingend das Ende und die Niederlage der Revolution bedeuten. Diese Sichtweise eines Antagonismus ist ein Erbe der russischen Revolution und der R&#228;tewelle der 1920er Jahre. Sie hat nur einen Makel: Sie betrachtet Organisationen als kommunistisch, die es nicht waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Partei wird f&#252;r die R&#228;te k&#228;mpfen, denn dieser Kampf kann nicht von jenem f&#252;r den Kommunismus getrennt werden. Auch wenn die Kommunisten bez&#252;glich diesem oder jenem Punkt betreffend der Organisationsweise nicht mit den Massen einverstanden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Partei selbst, die nicht eine von oben vereinigte Organisation oder, noch schlimmer, Institution ist, wird sich durch R&#228;te organisieren. Sie ist die Vereinigung jener, welche sich zur Verteidigung der Gesamtheit der Bewegung Ziele setzen, welche &#252;ber die unmittelbaren Aufgaben und Interessen hinausgehen. Sie muss die niederzureissenden Festungen aufzeigen, die Kr&#228;fte an strategischen Punkten konzentrieren, L&#246;sungen vorschlagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keine Organisation, die sagen k&#246;nnen wird, sie sei die Partei. Letztere identifiziert sich nie mit einer Sekte oder irgendeiner Massenorganisation. Die Anh&#228;nger des Kommunismus zeigen sich durch das, was sie tun, und nicht durch die Zugeh&#246;rigkeit zu einer begrenzten Gruppierung. Die Organisationsformen m&#252;ssen nicht erstarrt oder im Vornhinein vereinigt sein. Sie werden im Verlauf der Bewegung entdeckt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;VII. Aufstand und Kommunisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisierung der Gesellschaft wird nicht auf graduelle und ruhige Art und Weise geschehen, sie wird br&#252;sk und aufst&#228;ndisch sein. Es wird nicht ein ruhiger Wandel sein, dem sich allm&#228;hlich gen&#252;gend Kr&#228;fte anschliessen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufstand und Kommunisierung sind eng miteinander verbunden. Es wird nicht zuerst zu einem Aufstand kommen und danach, erm&#246;glicht durch diesen Aufstand, zur Transformation der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Der aufst&#228;ndische Prozess zieht seine Kraft aus der Kommunisierung selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen dem Kapitalismus und dem Kommunismus gibt es nicht eine Art gemischte und dazwischenliegende Produktionsweise. Die &#220;bergangsphase oder eher die Bruchphase ist durch einen Widerspruch zwischen einerseits absolut kommunistischen Methoden und andererseits einer noch von der Warenwelt durchdrungenen Wirklichkeit charakterisiert. In dieser Phase ist eine Gesellschaft des &#220;berflusses und der Freiheit mit Problemen des Mangels und der Macht konfrontiert. Sie muss die menschlichen und materiellen Nachwirkungen einer &#196;ra der Sklaverei liquidieren und jene Kr&#228;fte neutralisieren, die ihr immer noch anh&#228;ngen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Gewalt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Einsatz von Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele, das sei es, was die Revolution&#228;re von den Reformisten unterscheide.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gegensatz zwischen Revolution&#228;ren und Reformisten betrifft nicht so sehr die Strategie und die Methode als das Wesen der herbeizuf&#252;hrenden Transformation. Daraus folgt nat&#252;rlich eine unterschiedliche Methode.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte unterschied zwei Arten von Reformisten: die weichen und die harten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die weichen Reformisten, Sozialdemokraten und Parlamentaristen, denken, dass ihre Anpassungen reibungslos geschehen k&#246;nnen. Sie haben h&#228;ufig in dem Sinne recht, als dass ihre Illusionen die Tiefe der Reformen betreffen, welche sie ausf&#252;hren k&#246;nnen. Jeden Tag und &#252;berall auf der Welt beweisen sie, dass die herrschenden Interessen es akzeptieren, jene nicht niederzuschlagen, welche sie nicht bedrohen. Diese weichen Reformisten werden manchmal hart, aber ihre H&#228;rte ist vor allem gegen das Proletariat gerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben ihnen gibt es die wirklich harten, Stalinisten und &#228;hnliche. Diese glauben, sie seien Revolution&#228;re. Ihr Ziel ist es, den Staat an sich zu reissen, indem sie die herrschenden Anf&#252;hrer ersetzen. Es liegt in ihrem Interesse, die F&#228;higkeit ihrer Gegner, darauf zu antworten, nicht zu untersch&#228;tzen. Es geht um ihren Erfolg und sogar um ihr Leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Revolution&#228;re?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Revolution ist eine grossartige gesellschaftliche Ersch&#252;tterung. Sie impliziert Zusammenst&#246;sse und Gewalt. Doch obwohl die Revolution ein Akt des Zwanges ist, ist ihr wesentliches Problem nicht eines der Gewalt und die Bedingung ihres Erfolgs ist nicht wesentlich eine Frage der milit&#228;rischen Macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies, weil die Revolution nicht eine Machtfrage ist. Wir machen den herrschenden M&#228;chtigen nicht den Staat oder die Wirtschaft streitig. Dank seiner Stellung in der Wirtschaft wird der Kommunismus f&#228;hig sein, die Grundlagen zu untergraben und die Konterrevolution zu entwaffnen, besonders ihren milit&#228;rischen Arm. Er wird so gut es geht eine direkte Konfrontation vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Revolution macht nicht aus der Gewalt das zentrale Problem, denn sie hat zum Ziel, etwas schon bestehendes aufkeimen zu lassen, nicht, ein Projekt in die Wirklichkeit hineinzupressen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie wir gegen die Fanatiker und Fetischisten der Gewalt sind, so sind wir auch gegen die Pazifisten. Zwar kann und muss man gewaltfreie Methoden anwenden, auch gegen das Milit&#228;r, aber wir k&#246;nnen die gewaltfreie Ideologie nicht akzeptieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Ideologie vermittelt p&#228;dagogische Illusionen und st&#252;tzt sich auf sie. Sie geht davon aus, dass die Gesamtheit der Leute zur Gewaltlosigkeit erzogen und gef&#252;hllos mobilisiert werden kann. Sie will Massenaktionen, aber sieht nicht, dass die durch diese Art der Aktion und des Gegenschlages implizierten Informations- und Koordinationsprobleme ohne die M&#246;glichkeit der Gewalt nicht gel&#246;st werden k&#246;nnen. Die systematische Gewaltlosigkeit geht davon aus, dass ein Konsens zwischen Gegnern existiert, gewisse Regeln zu respektieren, und allen voran eine minimale Informationsfreiheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gewaltlosigkeit ist vor allem als defensive Methode effizient. Ihre Grenzen zeigen sich, wenn es darum geht, die Initiative zu ergreifen und seine Feinde zu neutralisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr sich die Revolution mit Kraft und Scharfsinn erhebt, desto mehr werden ihre Optionen respektiert und als unumkehrbar betrachtet werden, desto mehr wird sie f&#228;hig sein, die Z&#246;gernden auf ihre Seite zu bringen und die Gegner zu neutralisieren. Das Verst&#228;ndnis der begrenzten, aber wesentlichen Rolle der Gewalt kann Fehler mit blutigen Resultaten vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat kann nicht davon absehen, sich Waffen zu verschaffen, sie herzustellen und zu benutzen. Wenn auch die Waffen nicht immer in der Gesellschaft verbreitet sind, so sind es die zu ihrer Herstellung n&#246;tigen Bauteile h&#228;ufig und in grosser Anzahl. Es ist wesentlich, sie zu verzeichnen und ihren eventuellen Gebrauch vorzubereiten, sich zu bewaffnen und Fallen aufzustellen, die unseren Feinden ihre Interventionen teuer zu stehen kommen lassen werden. Was l&#228;cherlich und sch&#228;ndlich ist, ist die Leute dazu dr&#228;ngen, Gruppen der Selbstverteidigung zu bilden und sich mit Revolvern und Messern auszur&#252;sten, um ihre Fabriken und Quartiere gegen Kampfpanzer oder Flugzeuge zu verteidigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen den Ablauf der k&#252;nftigen Aufst&#228;nde nicht vorhersehen, doch wir k&#246;nnen im Vornhinein und im Verlauf der Bewegung eine Strategie verteidigen. Diese Strategie gr&#252;ndet auf dem Wesen der kommunistischen Revolution selbst und den Kr&#228;ften aller.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeois und B&#252;rokraten z&#228;hlen auf die Armee. Die Macht des Proletariats ist seine wirtschaftliche Position.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee ist verwundbar, aber nicht so sehr vom milit&#228;rischen Standpunkt aus betrachtet als von jenem ihrer Abh&#228;ngigkeit hinsichtlich der Wirtschaft. Sie ist f&#252;r ihre Waffen, ihre Munition, ihre Nahrung, ihre Transporte immer mehr davon abh&#228;ngig. Innerhalb ihr befinden sich Arbeiter und Techniker. Um Krieg zu f&#252;hren, und der moderne Krieg ist teuer, muss der Nachschub garantiert sein und das Land arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die milit&#228;rische Konterrevolution muss wirtschaftlich hinter der Front angegriffen werden. Es ist entscheidend, dass eine nationale Armee nicht woanders einen Aufstand niederschlagen kann, weil bei ihr der soziale Frieden aufrechterhalten w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Milit&#228;rangeh&#246;rigen kennen das Risiko f&#252;r sie, wenn sie den &#8222;Fehlleistungen&#8220; der Arbeiter im Bereich der Produktion abhelfen m&#252;ssten. Die Armee kann nicht die Wirtschaft gegen die Arbeiter organisieren. Sie bevorzugt es, einen klar abgegrenzten Gegner mit gleichem Wesen wie sie zu haben, statt Aufgaben erf&#252;llen zu m&#252;ssen, die ihr fremd sind, sich in ihnen festzufahren und zu zerstreuen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Armee&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist g&#228;ngig, sich die Revolution als Zusammenstoss zwischen zwei Armeen vorzustellen. Die eine den Privilegierten und den Ausbeutern unterstellt, die andere im Dienste der Proletarier. Die Revolution wird auf einen Krieg reduziert. Es geht um die Machtergreifung und die Kontrolle von Territorien. Das ist eine gef&#228;hrlich falsche Sichtweise. Sie st&#252;tzt sich auf die Erinnerungen an die K&#228;mpfe des russischen und spanischen B&#252;rgerkrieges sowie auf die nationalen Befreiungskriege.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn auch die revolution&#228;re Aktion zu diesem oder jenem Zeitpunkt, unter diesem oder jenem Umstand eine milit&#228;rische Wende nimmt, Interventionen von Kommandos, Luftangriffe usw., so wird das nichts am tiefen Wesen und dem globalen Charakter des Konflikts &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution als eine Konfrontation zwischen einer roten und einer weissen Armee zu betrachten, w&#228;re nicht kommunistisch, zudem w&#228;re es in Anbetracht des Missverh&#228;ltnisses der streitenden milit&#228;rischen Kr&#228;fte idiotisch. Dem Kapital einen Krieg anzubieten, w&#252;rde bedeuten, sein Spiel zu spielen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee und die Polizei bilden das letzte Bollwerk des Kapitals. Ihre Handlung kann sich direkt durch die Zerst&#246;rung von Menschen und Dingen ausdr&#252;cken, aber auch, indem sie eine Situation des Mangels erschafft und aufrechterh&#228;lt, die dazu geeignet ist, Egoismus, Angst und die anderen alten Reflexe auszul&#246;sen. Das w&#252;rde die bed&#252;rftigen Bev&#246;lkerungen gegen die unruhestiftenden Revolution&#228;re aufbringen und dazu tendieren, die Marktmechanismen wiederzubeleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee kann benutzt werden, um gewisse strategische Sektoren der Wirtschaft am Laufen zu erhalten und zu kontrollieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch ihr hierarchisiertes Wesen, das die Diskussion und den Protest zugunsten des Gehorsams und der Disziplin eliminiert, durch ihre Funktion und ihre patriotische Ideologie tendiert die Armee dazu, ein konservatives Korps zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die milit&#228;rische Konterrevolution hat L&#252;cken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Eindruck von Sicherheit und das Gef&#252;hl, im Recht zu sein, welche die Milit&#228;rangeh&#246;rigen in ihrem Ghetto und aus ihren Macken entwickeln, laufen Gefahr, schnell getroffen zu sein, wenn sie nicht in der Konfrontation mit einer gegnerischen Armee auf einem klar abgegrenzten Schlachtfeld gerechtfertigt und verst&#228;rkt werden k&#246;nnen. Die Armee muss daran gehindert werden, als Armee zu funktionieren, ihr muss die aufl&#246;sende Fluidit&#228;t des Kommunismus entgegengesetzt werden. Es geht darum, die milit&#228;rischen Kr&#228;fte zu l&#228;hmen, zu verseuchen, zu spalten und aufzul&#246;sen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere bewaffneten Interventionen m&#252;ssen unsere Handlungen der gesellschaftlichen Zerst&#246;rung und des Wiederaufbaus eng begleiten. Der Gebrauch der Gewalt sollte nicht zu einer autonomen T&#228;tigkeit und zum Selbstzweck werden. Sie dient dazu, Situationen direkt im Zusammenhang mit der Kommunisierung, die ihr ihre Rechtfertigung, aber auch ihre Kraft liefert, zu blockieren und zu deblockieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann w&#228;hrend oder vor einer aufst&#228;ndischen Phase nie genug misstrauisch gegen&#252;ber der getrennten Gewalt, dem Terrorismus sein. Die Revolution&#228;re sind darin in einem R&#228;derwerk des Kampfes und der Gegenschl&#228;ge gefangen, wovon der Kommunismus letztendlich abwesend ist. Wenn die Gewalt zu einer Gewalt f&#252;r den Kommunismus wird und nicht mehr den Kommunismus begleitet, wenn sie ihres unmittelbaren Inhalts entleert wird, erlaubt das jegliche Provokationen. Es ist einfach, Morde oder Attentate auszuf&#252;hren und sie den Revolution&#228;ren anzukreiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch die unmittelbare und radikale Transformation der gesellschaftlichen Organisation muss den Milit&#228;rangeh&#246;rigen den Wind aus den Segeln genommen werden, indem man sie einer zu verteidigenden Sache beraubt. Die Armee ist ein Werkzeug, sie kann nicht alles als Organisation der Gewalt durch sich selbst tun. Man kann alles tun mit einem Bajonett, ausser sich darauf setzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb der Linken existiert ein Vorurteil zugunsten der Intellektuellen und zuungunsten der Milit&#228;rangeh&#246;rigen. Wenn es um die Revolution geht, denkt man nat&#252;rlicherweise, dass erstere auf ihrer Seite stehen und letztere ihre Gegner sein werden. Auf der einen Seite die Intelligenz, auf der anderen die blinde Gewalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte hat die Fehlerhaftigkeit dieser Vorurteile gezeigt. Seit der Pariser Kommune, w&#228;hrend welcher sich der Oberst Rossel den Aufst&#228;ndischen anschloss und daf&#252;r erschossen wurde und fortschrittliche Schriftsteller wie George Sand und &#201;mile Zola ebendiese Aufst&#228;ndischen verachteten, hat sich regelm&#228;ssig ein Teil der bewaffneten Streitkr&#228;fte dem Aufstand angeschlossen und ein nicht minder betr&#228;chtlicher Teil der Intelligenzia war gegen ihn gerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So ist die Revolution, wenn sie sich ereignet, erschreckt sie manchmal jene, welche sie herbeisehnten, und freut jene, welche sie f&#252;rchteten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee bildet ein ziemlich autonomes Korps, dessen Werte teilweise jenen der Bourgeoisie und des Handels fremd sind. Die b&#252;rgerliche Klasse ist nicht wie die feudale Klasse f&#228;hig, ihre Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen. Sie &#252;berl&#228;sst diese Arbeit der Armee oder der Polizei. Obwohl ein Teil der Anf&#252;hrer der Armee ihre Interessen komplett mit jenen der herrschenden Klasse identifiziert, existiert trotzdem ein latenter Widerspruch zwischen den Interessen und den Verhaltensweisen der Milit&#228;rangeh&#246;rigen und jenen der Bourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte nicht glauben, dass die Armee oder ein Teil der Armee sich spontan und einfach der Revolution anschliessen wird. Das kann nur anhand der Entwicklung der Revolution selbst und ihrem Eindringen in die Armee geschehen. Die Armee wird insofern revolution&#228;r werden, als dass unter dem Druck der Soldaten und Offiziere die Allmacht der Hierarchie in Frage gestellt und der blinde Gehorsam verurteilt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution&#228;re sollten gegen&#252;ber dem Militarismus &#252;berhaupt keine Konzession machen. Es ist n&#246;tig, den Milit&#228;rangeh&#246;rigen zu zeigen, dass sie nicht f&#252;r sich und noch weniger f&#252;r die Nation k&#228;mpfen. Es muss aufgezeigt werden, dass ihre Ideale von der Kapitalbewegung unterwandert sind. Zudem sollte aufgezeigt werden, dass die Milit&#228;rangeh&#246;rigen als Menschen mit ihren F&#228;higkeiten und Eigenschaften durchaus Platz haben in der kommunistischen Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser Ziel ist die Zerst&#246;rung der Armee. Man muss hoffen, dass dies mit so wenig Konfrontationen wie m&#246;glich mit den Milit&#228;rangeh&#246;rigen geschehen kann. Allm&#228;hlich werden die neu gebildeten oder eingebundenen bewaffneten Gruppen ihren eigentlichen Charakter verlieren, indem sie sich an den produktiven Aufgaben und den Arbeiterr&#228;ten beteiligen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution sollte ihre Macht nicht geringsch&#228;tzen und M&#246;glichkeiten nicht verpassen, Repressionsorgane der alten Gesellschaft in ihre Kr&#228;fte zu integrieren, indem sie sie transformiert. Der Bulle kann vollst&#228;ndig gewillt sein, dem zu dienen, was ihm nicht mehr als die Subversion erscheint, sondern als die neue Autorit&#228;t. Man kann sogar hoffen, dass einige nicht mehr Lakaien sein wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall sollten die Revolution&#228;re und die Proletarier das Monopol der Bewaffnung nicht anderen &#252;berlassen. Diese Frage der Bewaffnung des Proletariats wird ein Test sein, um den Wert des Anschlusses der Milit&#228;rangeh&#246;rigen an die Revolution zu beurteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Rache&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Revolution&#228;ren gel&#252;stet es nicht nach Blut, auch nicht nach Rache. Die Aufst&#228;nde der Vergangenheit zeigen, dass das Blutvergiessen im Allgemeinen nur zu einem geringen Teil die Schuld der Aufst&#228;ndischen ist. Die Hoffnung tilgt den Groll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es war die Konterrevolution, die massakrierte, einsperrte, deportierte. Das Blut floss w&#228;hrend den K&#228;mpfen, aber h&#228;ufig auch danach, wenn der milit&#228;rische Sieg gesichert war. Eine m&#246;rderische Wut, entstanden aus dem Terror der Besitzenden. Die Reaktion muss die gegnerischen Kr&#228;fte niederschlagen. Es scheint ihr, die Revolution sei in den Revolution&#228;ren ans&#228;ssig. Sie m&#252;ssen also zerst&#246;rt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rachsucht konnte in den Arbeiteraufst&#228;nden eine Rolle spielen. Doch was ist sie schon, wenn man ihr Handeln mit der Repression der Versailler, der Kuomingtang 1927, der Franquisten vergleicht&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeiteraufst&#228;nde waren viel weniger rachs&#252;chtig als die b&#228;uerlichen Revolten gegen den Feudalismus. Dies, weil die Revolution nicht ein Akt der Hoffnungslosigkeit ist. Die Zerst&#246;rung von G&#252;tern, die Vergeltungsmassnahmen gegen Personen sind h&#228;ufig ein Akt jener, welche nicht wissen, wie sie dem Elend entfliehen k&#246;nnen, und sich damit begn&#252;gen, das zu vernichten, was die Unterdr&#252;ckung verk&#246;rpert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sich zu r&#228;chen, w&#228;re nicht nur kleinlich, sondern auch dumm. Die Verurteilung im Vornhinein anhand der Vergangenheit ist gleichbedeutend mit der St&#228;rkung unserer Gegner in ihrer Angst und ihrer Entschlossenheit. Es bedeutet, sich unter jenen Feinde zu schaffen, welche zu Recht oder zu Unrecht denken, dass sie sich etwas vorzuwerfen haben. Es bedeutet, pers&#246;nliche Abrechnungen zu ermutigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir m&#252;ssen unseren Gegnern die M&#246;glichkeit bieten, das Lager zu wechseln. Die kommunistischen Prinzipien diktieren nicht per se eine einheitliche Handlungsweise. Im Gegenteil, sie implizieren, dass sich die Diversit&#228;t der Charaktere, der Situationen und der Vergangenheit jener ausdr&#252;cken k&#246;nnen, welche sich an der Revolution beteiligen. Noch besser, sie implizieren, dass wir unsererseits, obwohl unsere Gegner dermassen erblindet sein k&#246;nnen, dass sie uns nur noch als &#8222;rotes Gesindel&#8220; wahrnehmen, weiterhin im schlimmsten unserer Feinde ein menschliches Wesen sehen m&#252;ssen. Dies &#252;brigens ohne Illusion bez&#252;glich des menschlichen Wesens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re dumm, &#196;rzte, Ingenieure, Bauern gegen uns aufzubringen, obwohl etliche von ihnen bereit sein werden, sich uns anzuschliessen, ohne dass wir Zugest&#228;ndnisse machen w&#252;rden bez&#252;glich des Mythos des Spezialisten, der Hierarchie der Arbeit, des Eigentums. Das bedeutet, dass die R&#228;te manchmal gewisse gesicherte Situationen sch&#252;tzen werden m&#252;ssen. Das wird der Gleichheit zuwiderlaufen, doch erlauben, auf einige Druck auszu&#252;ben, indem man ihnen noch etwas l&#228;sst, an das sie sich festklammern k&#246;nnen. Man kann den &#196;rzten den Gebrauch ihres Wohnsitzes und ihrer beruflichen Ausstattung unter der Bedingung garantieren, dass sie nicht auswandern und jene pflegen, welche es n&#246;tig haben. Irgendein Zweitwohnsitz auf dem Land kann seinem legitimen Eigent&#252;mer, einem Familienangeh&#246;rigen oder Freund zur&#252;ckgegeben werden, ohne dass man deswegen zugesteht, dass Leute zwei Wohnsitze haben k&#246;nnen und andere in Bruchbuden bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene hingegen, welche versuchen werden, ihre Privilegien zu sichern oder von der Situation zu profitieren, um sich die Taschen zu f&#252;llen, m&#252;ssen wissen, dass sie nicht in den Genuss des Mitleids ihrer Opfer kommen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr Selbstsicherheit die revolution&#228;ren R&#228;te haben, je f&#228;higer sie sein werden, klare Regeln zu verordnen und die Wirklichkeit schnell zu transformieren, umso weniger wird die Gewalt notwendig sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Umstellung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisierung bedeutet nicht, die Chefs aus den Unternehmen und den Fabriken zu verjagen, um sich daran festzuklammern, sondern damit zu beginnen, einen grossen Teil von ihnen zu schliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Grenze zwischen Konterrevolution und Revolution wird zwischen jenen verlaufen, welche im Namen des Vaterlandes, der Demokratie, der Selbstverwaltung, der Arbeiterr&#228;te, des Christk&#246;nigs oder der Schokoladencreme die Arbeiter-Konsumenten dazu dr&#228;ngen, sich an ihren Strafkolonien oder Drogen festzuklammern, und jenen, welche dazu dr&#228;ngen, die Produktion massiv zu reduzieren und radikal umzustellen. Es wird darum gehen, die Verschmutzung zu reduzieren und so schnell wie m&#246;glich mit der Verbl&#246;dung der Arbeit und dem vermeintlichen &#220;berfluss der Warenwelt zu brechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man in seiner Fabrik bleibt, sogar um sie selbst zu verwalten, bedeutet das, die Situation zugunsten der Konterrevolution einzufrieren. Ob diese Haltung von Arbeitsw&#252;tigen, naiven Gewerkschaftern oder nach Zeitgewinn strebenden, gewieften Kapitalisten verteidigt wird, &#228;ndert am Resultat nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution&#228;re werden wahrscheinlich von all diesen guten Aposteln beschuldigt werden, die Produktion durcheinanderzubringen und das Lebensniveau des Volkes senken zu wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Reduktion der Produktion ist keine Faszination f&#252;r die Sparsamkeit. Die verlangten Opfer werden viel geringer sein als jene, welche eine andere L&#246;sung auferlegen w&#252;rde. Eine falsche L&#246;sung, die nur dazu dienen w&#252;rde, einen entscheidenden Bruch mit der Vergangenheit zu verhindern und f&#252;r den Kampf notwendige Kr&#228;fte zu l&#228;hmen. Eine falsche L&#246;sung, die jene um sich scharen wird, welche Angst haben, dass sich die Grundlagen ihrer Macht in Luft aufl&#246;sen: unverbesserliche Gewerkschafter, kleine und grosse Chefs, Politiker, Verwalter, Arbeitgeber&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur indem wir aufh&#246;ren, eine Unzahl an wenig n&#252;tzlichen, nutzlosen oder sch&#228;dlichen Produkten zu produzieren und indem wir die Trennung zwischen Unternehmen zerschlagen, werden wir die Kr&#228;fte darauf konzentrieren k&#246;nnen, die unerl&#228;sslichen oder notwendigen Produkte im &#220;berfluss zu produzieren. Wir werden forschen und damit beginnen m&#252;ssen, eine neue Produktion in Gang zu setzen. Die Kommunisierung bedeutet also nicht nur Abschaffung des Geldes, sondern auch eine schnelle Transformation der Produktion. Die beiden Dinge sind eng miteinander verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeiter, die Angestellten, die Lehrer werden aufgefordert werden, dorthin zu gehen, wo sie wirklich n&#252;tzlich sein werden. Diese Ver&#228;nderungen werden sich zuerst auf den spontanen Abscheu der Massen f&#252;r ihre Arbeit und die Aufdeckung ihrer F&#228;higkeiten st&#252;tzen. Sie werden nicht unter der Schirmherrschaft eines F&#252;hrungszentrums zustande kommen, sondern aus einer Vielzahl verschiedener Initiativen. Das bedeutet nicht Chaos und Nachl&#228;ssigkeit. Jede Revolution impliziert einen Anteil an Unschl&#252;ssigkeit, Durcheinander und Verschwendung. Es ist bedeutend, ihn auf ein Minimum zu reduzieren. Das ist besonders die Aufgabe der Radikalsten. Wir sind weder gegen die Ordnung oder die Disziplin, noch gegen die Organisation oder sogar die Autorit&#228;t. Jene, welche Revolution und Chaos miteinander verwechseln, werden genauso entschlossen verurteilt und bek&#228;mpft werden m&#252;ssen wie die Staatsgl&#228;ubigen, denen sie in die H&#228;nde spielen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Umstellung wird zuerst die Befriedigung der elementarsten Bed&#252;rfnisse erlauben m&#252;ssen. Danach wird, statt die Erschaffung gewisser Produkte, jene der zu ihrer Fabrikation notwendigen Werkzeuge und Maschinen beg&#252;nstigt werden m&#252;ssen. Dieses Material wird in der Gesellschaft verbreitet sein und jedem erlauben, das zu fabrizieren, was er von anderen h&#228;tte fabrizieren lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das sind einige Indikationen zu den denkbaren Ver&#228;nderungen in Zusammenhang mit den grossen wirtschaftlichen Sektoren. Keine dieser Transformationen hat an sich einen Sinn. Die Gefahr konkreter Vorschl&#228;ge ist, dass sie gegen den Kommunismus vereinnahmt werden k&#246;nnen. Doch man sollte nicht vergessen, dass die Revolution&#228;re sich nicht damit begn&#252;gen k&#246;nnen, allgemeine Prinzipien zu formulieren, und dass sie anhand einer bestimmten Situation konkrete L&#246;sungen vorschlagen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Energie: Es wird zu einer bedeutenden Reduktion der Energieproduktion kommen. Diese Reduktion ergibt sich nat&#252;rlicherweise aus der Schliessung eines Teils der Industrie, die den gr&#246;ssten Teil dieser Energie konsumiert. Sie w&#252;rde vielleicht ohnehin zwingend aufgrund der Schwierigkeit, den Nachschub an Erd&#246;l, Gas und Kohle zu garantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verteilung der Energie wird transformiert werden. Ein Teil davon, der direkt von der Industrie benutzt worden war, wird in den Konsum der Haushalte umgeleitet werden k&#246;nnen: Heizung, Beleuchtung, Versorgung kleiner Maschinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden schrittweise neue Energiequellen erschliessen. Es wird das entwickelt werden m&#252;ssen, was am wenigsten verschmutzt und begrenzte Rohstoffe wie fossile Brennstoffe schont. Wir k&#246;nnten eine dezentralisierte und zeitweilige Produktion zum lokalen Gebrauch beg&#252;nstigen. Das bedeutet jedenfalls nicht, dass der Kommunismus grundlegend gegen die Atomkraft ist. Es braucht schlichtweg ernsthafte Garantien bez&#252;glich den Produktionsbedingungen und den Notwendigkeiten ihres Gebrauchs. Kurzfristig scheinen Wasser, Wind und Sonne die bessere L&#246;sung zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Transportmittel: Die Transportmittel verschwenden Energie, verschmutzen, konkretisieren gesellschaftliche Ungleichheiten&#8230; Auch hier wird es eine bedeutende Reduktion und Rationalisierung geben, m&#246;glich gemacht durch die Neugestaltung des Raums. Die Leute werden sich arrangieren, um keine allzu langen Strecken zur&#252;cklegen zu m&#252;ssen. Sie werden weniger Gelegenheiten haben, sich widerwillig fortbewegen zu m&#252;ssen. Freiere Zeitpl&#228;ne werden es erlauben, nicht zusammengepfercht in den gleichen Fahrzeugen zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Autoproduktion wird allgemein gestoppt werden k&#246;nnen. Die Anzahl der gegenw&#228;rtig zirkulierenden Autos erlaubt es, wenn sie auf vern&#252;nftigere Weise benutzt werden, auf die Entwicklung und Fabrikation weniger elender Ger&#228;te zu warten. Ein Teil der Fahrzeuge werden als Taxis gebraucht werden k&#246;nnen, mit oder ohne Fahrer, oder &#246;ffentlichen Aufgaben dienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die grosse Mehrheit der Autos wird wahrscheinlich weiterhin auf private Art und Weise benutzt werden m&#252;ssen. Das wird es erlauben, die traditionellen Gewohnheiten zu schonen und die Benutzer f&#252;r die gute Verkehrst&#252;chtigkeit dessen zu interessieren, was ihnen weiterhin geh&#246;rt. Dieser Besitz k&#246;nnte durch gewisse Nutzungsbedingungen beschr&#228;nkt werden, sie h&#228;tten zum Ziel, den Verkehr an gewissen Orten zu beschr&#228;nken oder zu eliminieren und den bestm&#246;glichen Gebrauch und die bestm&#246;gliche Nutzung zu erlauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zug und andere gesteuerte Transportmittel werden beg&#252;nstigt und entwickelt werden m&#252;ssen. Denn sie garantieren die gr&#246;sste Sicherheit, die beste Energiebilanz und die geringste Beanspruchung des Bodens. Diese schnellen und bequemen Ger&#228;te k&#246;nnten mit langsameren Fahrzeugen komplettiert werden, deren Gebrauch individueller und flexibler w&#228;re und die mit nicht verschmutzenden Motoren ausgestattet w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit werden wir weiterhin Lastwagen, Fahrr&#228;der, Trottinette und gute Schuhe produzieren k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die Reisebed&#252;rfnisse zu reduzieren, besonders betreffend der schnellen Kontakte &#252;ber weite Distanzen hinweg, werden wir ein gutes Telefon- oder Videotelefonnetz entwickeln m&#252;ssen. Das wird es auf viel g&#252;nstigere Art und Weise viel mehr Leuten als heute erlauben, miteinander in Kontakt zu treten. Das Flugzeug ist l&#228;rmiger und verschmutzender Schnickschnack f&#252;r Gesch&#228;ftsm&#228;nner und eilige Touristen. Sein Gebrauch kann nur schwer auf alle ausgedehnt werden. Wir werden es also eliminieren oder auf einige besondere F&#228;lle beschr&#228;nken m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Reisen &#252;ber weite Distanzen hinweg, wieso beleben wir nicht die Mode der grossen Segelschiffe neu, indem wir sie modernisieren? Ihre Fabrikation w&#252;rde einen gesunden Wettbewerb entstehen lassen. Auf jeden Fall wird es andere Mittel geben, um von einem zu einem anderen Kontinent transportiert zu werden. Daf&#252;r braucht es keine &#220;berschallflugzeuge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verlagswesen: Es ist ein Sektor, dessen revolution&#228;re Bedeutung einfach zu verstehen ist. Wer wird die Presse kontrollieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend aufst&#228;ndischen Perioden kontrollierten die Arbeiter regelm&#228;ssig den Inhalt der von ihnen gedruckten Zeitungen. Das wird wieder so sein, auch wenn es den Predigern der Pressefreiheit, die h&#228;ufig einfach die Anh&#228;nger der Freiheit des Geldes sind, nicht gefallen mag. Doch das reicht nicht. Die Presse wird sich transformieren m&#252;ssen. Sie wird nicht mehr der kontemplative Widerschein der Wirklichkeit sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution wird eine Redefreiheit erlauben, die heutzutage unm&#246;glich ist. Eine grosse Menge an kleinen Druckmaschinen, die den Unternehmen und Verwaltungen geh&#246;ren, werden allen verf&#252;gbar gemacht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Welt von morgen wird ein Buch oder irgendein Schriftst&#252;ck nicht herausgegeben und vertrieben aufgrund des Einverst&#228;ndnisses eines Verlegers. Es wird direkt von jenen betreut und gedruckt werden, welche sich f&#252;r es interessieren. Sein Erfolg wird also vom Mut des Autors und seiner praktischen Unterst&#252;tzung abh&#228;ngen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage ist ein betr&#228;chtlicher Anteil der Kosten eines Buches mit seinem Vertrieb und seiner Verkaufsf&#246;rderung verbunden. Der Vorteil mit dem Kommunismus ist offensichtlich. Man kann zur Schonung der W&#228;lder sogar einr&#228;umen, dass Zeitungen oder Texte zirkulieren oder plakatiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend er die schriftliche, m&#252;ndliche oder audiovisuelle Meinungs&#228;usserung aller beg&#252;nstigt, sollte es der Kommunismus erlauben, der Gesellschaft Ausgaben an Papier und Tinte zu ersparen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wird aus der Literatur werden? Zweifellos wird sie sich transformieren und Romane werden allm&#228;hlich weniger notwendig. Es wird keine Welt der B&#252;cher mehr geben, welche der wirklichen Welt entgegensetzt ist, obwohl wir uns weiterhin um Fiktion k&#252;mmern werden. Vielleicht wird die schriftliche Kommunikation mit der Zeit sogar an Bedeutung verlieren und tendenziell verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bauwesen: Die Bauindustrie wird sich ver&#228;ndern. Das bedeutet nicht, dass die Maurer nichts mehr tun werden. Die Baut&#228;tigkeit ist eine der wenigen T&#228;tigkeiten, die keine R&#252;ckschritte machen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird jedoch notwendig sein, Massnahmen zu ergreifen, um sie in den &#252;berbev&#246;lkerten St&#228;dten und Vorst&#228;dten zu beschr&#228;nken oder, radikaler, zu verbieten. Doch die Leute, welche aus diesen urbanen Zentren umsiedeln, werden eine Unterkunft brauchen. H&#228;user und Geb&#228;ude jeglicher Art m&#252;ssen zwingend Baustellen werden. Es muss auch demoliert und die Wiederverwertung der Materialien organisiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort genau wie anderswo wird der Professionalismus untergraben werden, aber vielleicht noch schneller. Jene, welche ein neues Haus wollen, werden anpacken m&#252;ssen. Sie werden unterst&#252;tzt werden von jenen, welche sich darin aufgrund ihrer Ausbildung oder Erfahrung besser auskennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die notd&#252;rftig Untergebrachten werden in Wohnungen oder Residenzen untergebracht werden, welche aus irgendeinem Grund unbewohnt sind. Die Suspendierung der Bezahlung der Mieten und Rimessen wird nat&#252;rlich eine der ersten Manifestationen der Revolution sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kleidung: Wir werden nicht alles sofort transformieren k&#246;nnen. Es wird n&#246;tig sein, weiterhin anhand der bestehenden Materialien und Maschinen zu produzieren. Es wird gewiss ziemlich schnell zu Transformationen bez&#252;glich der Qualit&#228;t und der Best&#228;ndigkeit kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine gewisse Anzahl von Modellen an Kleidern und Schuhen werden in grosser Anzahl produziert werden k&#246;nnen. Daneben werden wir die Produktion von Stoffen und kleinen Maschinen entwickeln, damit die Leute selber anfertigen, was sie brauchen. Das wird es erlauben, die Produkte den Geschm&#228;ckern der Leute anzupassen. Es wird auch erlauben, dass der Vertrieb der Kleider von den direkt geleisteten Bem&#252;hungen abh&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nahrung: Die Industrialisierung der Ern&#228;hrungsprodukte hatte allgemein eine Verschlechterung ihrer Qualit&#228;t zur Folge. Der Kommunismus wird so schnell wie m&#246;glich die Menge an produzierter Nahrung erh&#246;hen, ihre Verteilung besonders zugunsten der unterern&#228;hrten Bev&#246;lkerungen der Dritten Welt ver&#228;ndern und hinsichtlich der Verbesserung ihrer Qualit&#228;t agieren m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird Modifikationen bez&#252;glich der Zusammensetzung der Produkte geben. Alles, was sch&#228;dlich oder gar nutzlos ist und nur dazu dient, den Konsumenten zu t&#228;uschen, wird ausgeschlossen werden m&#252;ssen. Die Verpackungen werden vereinfacht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend der Landwirtschaft wird es n&#246;tig sein, die Nutzung chemischer Produkte allm&#228;hlich zu beschr&#228;nken und zu reduzieren. Es geht hier nicht um eine Opposition aus Prinzip gegen alles Chemische oder K&#252;nstliche, sondern um eine Opposition gegen eine wirkliche Verschlechterung oder Verf&#228;lschung landwirtschaftlicher Produkte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Monokultur wird der Mischkultur und dem Zusammenschluss des Anbaus und der Zucht Platz machen m&#252;ssen, das erlaubt die Wiederverwertung und die Nutzung des Mists und der Abf&#228;lle. Das erlaubt es, die Wichtigkeit &#228;usserer Zufuhren zu reduzieren, was besonders f&#252;r die nicht industrialisierten L&#228;nder eine zentrale Bedeutung hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist besser, dass die Kr&#228;fte der Gesellschaft direkt in den Anbau des Landes investiert werden, statt in Fabriken f&#252;r D&#252;nger und chemische Produkte. Wenn man der Landwirtschaft Arbeitskraft entziehen muss, ist es besser, das f&#252;r die Fabrikation von Werkzeugen und landwirtschaftlichen Maschinen zu tun. Dieses Material muss besonders in die Landwirtschaft der Dritten Welt eingef&#252;hrt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Forschungen bez&#252;glich der Qualit&#228;t der Nahrungsmittel und der landwirtschaftlichen Methoden, die heutzutage wenig entwickelt sind, werden verst&#228;rkt werden m&#252;ssen. Es wird n&#246;tig sein, die besten Pflanzenarten, die f&#252;r den Boden schonendsten Methoden und die beste Aufteilung des Anbaus f&#252;r den Bedarf an Nahrungsmitteln auszuw&#228;hlen. Genau wie &#252;berall m&#252;ssen in der Landwirtschaft Entscheidungen getroffen werden: Sollen wir die Produktion von tierischen oder pflanzlichen Proteinen bevorzugen? Ist der Ertrag oder die Robustheit wichtiger?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesundheit: Die Gesundheitsprobleme sind zu einem grossen Teil von den Lebens- und Arbeitsbedingungen verursacht. Indem der Kommunismus diese Bedingungen revolutioniert, wird er viel f&#252;r die Gesundheit der Bev&#246;lkerungen tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hygiene- und Pr&#228;ventionsmassnahmen sollten der Schwerpunkt sein. Die Produktion von Medikamenten wird aus diesem Grund reduziert werden. Gewisse Produkte, die nutzlos oder im Moment als n&#252;tzlich erscheinen, werden abgeschafft werden. Genau wie f&#252;r die Marken der Waschmittel existieren verschiedene Waren eines gleichen pharmazeutischen Produkts. Die Kosten der Verpackung und der Werbung sind wichtiger als das wirklich aktive Produkt. All das wird nat&#252;rlich verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, die Medizin den Laien so schnell wie m&#246;glich zug&#228;nglich zu machen. Das bedeutet die Wiedereinf&#252;hrung von in der Gesellschaft verlorenem medizinischem oder hygienischem Wissen. Die Erm&#246;glichung der Nutzung medizinischer Pflanzen. Das bedeutet, einen Teil der Bev&#246;lkerung auszubilden, damit sie medizinisch so schnell wie m&#246;glich intervenieren kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bildung: Die Periode des Aufstands und der Umstellung wird das Bed&#252;rfnis nach Bildung und Lernen entwickeln. Da ein grosser Teil der Bev&#246;lkerung einer anderen T&#228;tigkeit nachgehen muss und da alle ihre F&#228;higkeiten vervielfachen werden m&#252;ssen, wird es n&#246;tig sein, zu lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Lernprozess wird gr&#246;sstenteils spontan geschehen. Alle werden ihren Gef&#228;hrten ihre Kenntnisse vermitteln m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Fernsehen und das Radio werden g&#252;nstige Mittel sein, um das zu &#252;bermitteln, was die Leute brauchen. Es ist einfach, Lehrg&#228;nge in Mechanik, Landwirtschaft oder Mauerbau zu verbreiten, das wird den praktischen Lernprozess komplettieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wird aus den Lehrern? Es geht nicht darum, das Lehren zu verbieten, aber die Tatsache, nur Lehrer zu sein, muss mit allen Mitteln entmutigt werden. Ein grosser Teil der Kultur wird sowieso kein Lehrobjekt im strikten Sinne mehr sein. Betreffend der Kinder geht es nicht darum, ihre Aufsicht den ihren Beruf liebenden Lehrern zu entziehen. Doch sobald die den Kindern angebotenen T&#228;tigkeiten sich vervielf&#228;ltigen und sie keine Last mehr f&#252;r die nicht mehr an berufliche oder h&#228;usliche Arbeiten geketteten Erwachsenen sein werden, wird der Fortbestand der Schule unm&#246;glich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird im Interesse des Lehrerkorps liegen, sich zur Garantie seines Wohlbefindens wie alle um praktische Aufgaben zu k&#252;mmern. Falls es das nicht tut, wird es direkt daf&#252;r bezahlen. Es steht ausser Zweifel, dass der gr&#246;sste Teil der Lehrer, die immer mehr zu Unterrichtsmaschinen verkommen, eine neue Lebensweise sch&#228;tzen werden, die sie ohnehin nicht daran hindern wird, anderen ihre Kenntnisse zu vermitteln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Religion: Einige kleingl&#228;ubige Gl&#228;ubige beteuern mit Vehemenz, die kommunistische Revolution sei das Ende der Religion. Es ist gleichbedeutend mit einem Zweifel an der Macht des Herrn, sich um seine eigenen Gesch&#228;fte zu k&#252;mmern. Was uns betrifft, &#252;berlassen wir ihm das.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bruch&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen dem Kapitalismus und dem Kommunismus gibt es keine &#220;bergangsphase, sondern eine Phase des Bruches, w&#228;hrend welcher die Revolution&#228;re versuchen m&#252;ssen, unumkehrbare Massnahmen zu ergreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige bedauern die Kommodifizierung und die Industrialisierung des gesamten gesellschaftlichen Lebens. Sie m&#246;chten, dass sich das &#228;ndert, jedoch auch vern&#252;nftig bleiben. Sie rufen die bestehenden Beh&#246;rden oder ihre offiziellen Gegenspieler dazu auf, Ver&#228;nderungen zu unterst&#252;tzen. Sie m&#246;chten vor allem, dass sie geordnet ablaufen. F&#252;r sie kann der Einbruch der Massen auf die B&#252;hne der Geschichte nur zu einem unentwirrbaren Chaos f&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie m&#246;chten eine allm&#228;hliche Dekommodifizierung der Wirtschaft durch die Entwicklung &#246;ffentlicher Dienste und unentgeltlicher G&#252;ter. Die Lohnarbeit w&#252;rde reduziert werden und es w&#252;rden sich daneben neue, weniger unmenschliche produktive T&#228;tigkeiten entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die tollk&#252;hnsten unter ihnen planen ein, dass die Ware und die Lohnarbeit fr&#252;her oder sp&#228;ter verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist immer die gleiche Hoffnung, das Kapital benutzen und z&#228;hmen zu k&#246;nnen. Die gleiche Illusion wird von jenen verbreitet, welche die Lohnarbeit beibehalten wollen, w&#228;hrend die Lohnunterschiede eliminiert werden oder aus dem Lohn die gerechte Verg&#252;tung der M&#252;hsamkeit der Arbeit gemacht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital ist grundlegend expansionistisch und imperialistisch. Deshalb versucht es, das gesamte gesellschaftliche Leben an sich zu reissen. Ein anders funktionierender Sektor neben dem Handelssystem w&#228;re schnell wieder kommodifiziert. Entweder bliebe er eine Freizeitaktivit&#228;t oder ein Spiel, komplett abh&#228;ngig vom Kapital, wie heutzutage die Bastelei, oder er w&#252;rde an Bedeutung gewinnen und seine Produktion zirkulieren und er w&#252;rde den Kapitalismus selbst neu erfinden. Es k&#228;me zu einer Zersetzung von innen und einem Angriff von aussen. Die &#8222;freien&#8220; Produzenten, die Wochenendhandwerker, welche weiterhin Gefangene einer b&#252;rgerlichen Lebensweise w&#228;ren, w&#252;rden nat&#252;rlicherweise danach streben, aus ihrer parallelen Produktion einen Ertrag zu generieren, um ihr Budget aufzubessern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollen wir uns auf die politische Macht verlassen, um eine solche &#8222;Revolution&#8220; zu unterst&#252;tzen? Das bedeutet, ihre Abh&#228;ngigkeit von der Wirtschaft zu vergessen. Es l&#228;uft darauf hinaus, den Warentotalitarismus dem Staatstotalitarismus entgegenzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#246;nnen wir auf eine Ver&#228;nderung der Mentalit&#228;ten z&#228;hlen? Es ist gleichbedeutend mit dem Glauben, die Warenwelt sei allen voran eine Perversion des Geistes. Die Mentalit&#228;ten werden das sein, was die Situation ihnen erlauben wird, zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nicht mit einem Fuss in der neuen Welt sein, w&#228;hrend die Hand den Geldbeutel festh&#228;lt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese reformistischen Konzeptionen verstehen nichts von der Notwendigkeit eines globalen Bruches und dem Wesen der revolution&#228;ren proletarischen T&#228;tigkeit. Sie erkennen nicht, dass der wahre Gegner des Handelssystems die Lage und die T&#228;tigkeit der Klasse der Enteigneten ist. Man glaubt, man k&#246;nne Massnahmen gegen das Kapital ergreifen, weil man es als Sache betrachtet, deren Macht begrenzt werden muss, und nicht als gesellschaftliches Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital kann seine Zeit damit vertreiben, die menschliche T&#228;tigkeit zu befreien und sie scheinbar zu dekommodifizieren. Es verkauft ein neues Leben in seinen Ferienressorts, man bezahlt, um nicht bezahlen zu m&#252;ssen. Die neuen Zahlungssysteme tendieren dazu, den direkten und bedr&#252;ckenden Kontakt mit dem Geld zu vermeiden. All das zeigt den Drang nach Kommunismus und seine M&#246;glichkeit, aber auch das vereinnahmende, blutsaugende und verlogene Wesen des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Handelssystem ist ein Ganzes. Es wird als Ganzes niedergeschlagen werden. Wir k&#246;nnen durch den Handel eng miteinander verbundene Sektoren nicht einen nach dem anderen kommunisieren. Glaubt sowieso jemand, dass das Interventionsfeld eines Aufstands beschr&#228;nkt werden k&#246;nnte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Massnahmen &#8222;gegen die Warenwelt&#8220;, die darauf aus sind, die Aktion des Kapitals tempor&#228;r zu beschr&#228;nken oder weniger sichtbar zu machen, k&#246;nnen nur zum Ziel haben, einen Aufstand zu verhindern oder zu hemmen. Unabh&#228;ngig vom guten Willen oder sogar vom ann&#228;hernden Verst&#228;ndnis jener, welche sie vorschlagen, werden sie nur der Konterrevolution dienen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend einer aufst&#228;ndischen Periode werden die Revolution&#228;re sich darum bem&#252;hen m&#252;ssen, falsche radikale Massnahmen zu verurteilen und den Lauf der Dinge zu beschleunigen. Sehr h&#228;ufig werden ihre Aktionen als revolution&#228;re Exzesse denunziert werden, dies von jenen, welche sich als Revolution&#228;re verkleiden, um die Revolution besser bek&#228;mpfen zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die L&#246;sung f&#252;r die wichtigen Probleme, ausgel&#246;st durch den abrupten Bruch mit der Handelswirtschaft, wird allen voran auf der R&#228;teorganisation der Produktion und der Distribution der G&#252;ter beruhen. Die Diskriminierungen aufgrund der Seltenheit der Produkte werden nicht mehr durch das Geld bestimmt, sondern in dieser Zwischenphase durch die R&#228;te und die &#8222;Konsumentenkomitees&#8220;, die darauf achten werden, sie anhand des besten Gebrauchs zu verteilen. Die Gefahr ist, dass man glauben k&#246;nnte, es w&#228;re m&#246;glich, ein gemischtes System aufzubauen, um Schwierigkeiten zu verhindern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die R&#228;te werden schwierige Probleme regeln m&#252;ssen, doch sie sind die einzige Kraft, die f&#228;hig ist, sie zu regeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die R&#228;teorganisation zu erlauben und zu unterst&#252;tzen, wird es n&#246;tig sein, dass der funktionierende Fl&#252;gel der Revolution seine Kr&#228;fte auf gewisse strategische Punkte konzentriert. Sie wird das zerst&#246;ren m&#252;ssen, was das &#220;berleben oder den Neubeginn des alten Systems erlauben k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die materiellen Grundlagen des Bank- und Finanzsystems werden zerst&#246;rt werden m&#252;ssen. Die Einrichtungen werden angegriffen und die Gesch&#228;ftsb&#252;cher, Papiere und Archive verbrannt werden m&#252;ssen. Alles, was einem Zahlungsmittel gleichen kann, wird zerst&#246;rt werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Staatsmaschinerie wird gel&#228;hmt werden m&#252;ssen. Das bedeutet nicht so sehr, das System frontal anzugreifen, sondern seine etlichen Tentakel zu zerst&#246;ren. Der Staat hat &#252;berall Verzweigungen. Es ist seine St&#228;rke und seine Schw&#228;che.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles, was es erlaubt, die Leute zu kontrollieren, wird angegriffen werden m&#252;ssen, allen voran die Ausweispapiere jeglicher Kategorie. Es wird Jagd auf alle staatlichen oder privaten Dateien gemacht werden m&#252;ssen. Von einigen Dokumenten mit revolution&#228;rem oder historischem Interesse abgesehen, werden jegliche Archive und administrative Dokumente zerst&#246;rt werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;bernahme der Gef&#228;ngnisse und die Befreiung der Gefangenen, auch der politischen Gefangenen, wird auf der Tagesordnung stehen. Das wird die anst&#228;ndigen Leute nicht beruhigen. Die ganze Unterwelt von einem Tag auf den anderen auf der Strasse. Sind die Gef&#228;ngnisse nicht voll von schrecklichen Gangstern und abscheulichen M&#246;rdern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit sind die Mehrheit der Gefangenen Proletarier, die durch den Angriff auf die Ware und das Eigentum ihrer Bedingung entkommen wollten. Die meisten von ihnen sind keine kleine Heilige oder grossz&#252;gige Revolution&#228;re. Doch die Gr&#252;nde ihrer Aggressionen verschwinden mit dem gegenw&#228;rtigen System. Sie werden grossmehrheitlich f&#228;hig sein, ihre Talente in den Dienst der Revolution zu stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Unterwelt? Im Allgemeinen sind die Ganoven nicht hinter Schloss und Riegel. Sie treiben manchmal sogar ihr Unwesen mit der Komplizit&#228;t der Polizei. Die M&#246;rder? H&#228;ufig steht das Gesetz auf ihrer Seite. Gewisse sind sogar Staatsoberh&#228;upter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Befreiung der Gefangenen wird die Widerlinge und die notorischen Konterrevolution&#228;re ausschliessen. Das Ende der Ware und die Organisation bewaffneter Milizen wird eine Reduktion der sch&#228;dlichen Elemente erlauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese verschiedenen Massnahmen k&#246;nnen nicht in jedem Zusammenhang und in jedem Kr&#228;fteverh&#228;ltnis ergriffen werden. Doch sie sind eine zwingende Notwendigkeit f&#252;r die Revolution&#228;re und die Feinde des Staates.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die mit der Verteilung der G&#252;ter besch&#228;ftigten Komitees k&#246;nnten versuchen, die kleinen H&#228;ndler und die Betreiber auf ihre Seite zu bringen und ihre Lokale zu benutzen. Wenn diese gesellschaftlichen Kategorien sich zur Anpassung f&#228;hig zeigen, wird das umso besser sein. Falls sie Widerstand leisten und versuchen, Eigent&#252;mer ihrer Vorr&#228;te und ihres Ladens zu bleiben, werden wir ohne sie auskommen m&#252;ssen. Wenn die Waren, die sie besitzen, bedeutend und notwendig sind, werden wir sie beschlagnahmen m&#252;ssen. Ihre Macht ist ohnehin begrenzt, denn es gen&#252;gt, ihren Nachschub an der Quelle zu unterbinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Werbung wird in Antiwerbung umgewandelt werden k&#246;nnen. Es wird darum gehen, &#252;ber die Eigenschaften und die Fabrikation der Produkte, den Zustand der Reserven zu informieren und zur M&#228;ssigung anzuregen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Internationalismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution wird global sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist nicht ein moralischer Imperativ: Alle Menschen sind gleich und Br&#252;der und Schwestern und haben ein Recht darauf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution wird global sein, weil das Kapital selbst eine globale Wirklichkeit ist. Es hat die menschlichen Gemeinschaften zerst&#246;rt, die Individuen voneinander getrennt, aus allen Konkurrenten aller gemacht. Doch in der gleichen Bewegung hat es die menschliche Gattung unter seinem Einfluss versammelt und vereint. Heute und zum ersten Mal seit Adam und Eva &#252;berschneiden sich die genetische und die gesellschaftliche Einheit der Spezies.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entstehung der nationalen Idee und der Nationalstaaten ist das direkte Resultat der kapitalistischen Entwicklung, der Zerst&#246;rung der traditionellen Gruppen, der Standardisierung durch den Handel und der Ungleichheit des Wachstums. Doch obwohl das Kapital hinter Grenzen in Deckung geht, l&#228;sst es sich nicht darin einsperren. Seine imperialistische und anonyme Entwicklung tendierte immer dazu, M&#228;rkte zu erobern und zu vereinigen. Es waren verschiedene L&#228;nder und Gebiete, die aufeinanderfolgend die privilegierten Orte der Kapitalakkumulation waren, bevor sie untergingen, um anderen Platz zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der neuzeitlichen Epoche hat sich diese Bewegung beschleunigt. Es kam zur Globalisierung der Handelsbeziehungen und der Verst&#228;rkung der Ungleichheiten. Die Kolonialisierung, die Weltkriege, die Entwicklung neuer Akkumulationspole, die Bildung neuer, mehr oder weniger marionettenhafter Nationalstaaten waren Etappen dieser Bewegung. Die Vermehrung der Nationen und der Staaten hat die Vereinigung auf der politischen Ebene selbst nicht verhindert. Die kleinen Staaten sind abh&#228;ngig von st&#228;rkeren Staaten. Sie haben sich in milit&#228;rischen Bl&#246;cken und Wirtschaftszonen gruppiert. Sie haben Institutionen und globale Interventionskr&#228;fte erschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Noch bemerkenswerter ist die Internationalisierung der Handelsbeziehungen und die Bildung multinationaler Unternehmen, sie haben sich noch schneller als die politische Vereinigung entwickelt und die Staaten um einen grossen Teil ihrer wirtschaftlichen Macht gebracht. Diese riesigen Firmen sind reicher als viele Nationen. Sie haben eine planetarische Sichtweise der Dinge. Sie versuchen, dort zu produzieren und zu verkaufen, wo es am rentabelsten ist, ohne sich um die Grenzen zu sorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Handel vereinheitlicht das Leben auf der ganzen Welt und man findet &#252;berall die gleichen Arten von Getreide, Geb&#228;uden und Bildungswesen. Der bewahrte oder hinzugef&#252;gte lokale Charakter ist ein Werbeargument f&#252;r Touristen und Traditionalisten. Nichts illustriert diese Banalisierung der nationalen Idee besser als die typischen Kulissen, die durch &#228;hnliche Flugzeuge durch die Welt transportiert werden. Hier isst man auf franz&#246;sische Art und Weise, dort trifft man japanische Geishas &#8211; und so ziemlich &#252;berall pal&#228;stinensische Luftpiraten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht all dessen rufen die Revolution&#228;re nat&#252;rlich nicht zur Verteidigung oder Wiederherstellung des Vaterlandes auf, wie es etliche Idioten und Demagogen tun. Genauso wenig unterst&#252;tzten wir regionalistische oder neonationalistische Bewegungen, die sich die Bildung neuer, legitimerer Vaterl&#228;nder auf die Fahnen schreiben. Indem man sich auf das Recht auf den Unterschied und die Autonomie beruft, setzt man den Nationalismus dem Nationalismus, den Staat dem Staat entgegen. Am Anfang steht h&#228;ufig eine gesunde Reaktion gegen den Staatsglauben, die Vereinheitlichung und die Ungleichm&#228;ssigkeit der Entwicklung der gegenw&#228;rtigen Welt. Die einzig m&#246;gliche L&#246;sung ist das Ende des Kapitals und all seiner Staaten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist nicht der Feind der Vaterl&#228;nder, wenn man darunter die Verbindung der Menschen mit der Region, der Landschaft, den Br&#228;uchen und den lokalen Lebensweisen versteht. Wir wollen nicht den Lokalpatriotismus wiederauferstehen lassen, aber wir sind gegen die Angleichung der L&#228;nder und ihrer Bewohner.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verteidiger des Vaterlandes sind h&#228;ufig bloss Verteidiger des Staates. Ihre Nostalgie will das ignorieren, was die von ihnen verteidigten Werte zerst&#246;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nationalismus hat sich paradoxerweise in gleichem Masse entwickelt, wie sich die Kenntnis und die Verbundenheit des Menschen mit seiner Umwelt verschlechtert hat. Er w&#252;rdigt nicht eine wirkliche Gemeinschaft, sondern das Bild einer Gemeinschaft, abgeleitet vom schwachsinnigen Fetischismus f&#252;r die Fahne oder den Nationalhelden. In unserer Epoche wird dieser Ramsch immer mehr obsolet. Die von ihm ausgel&#246;sten Gef&#252;hle sind immer mehr getrennt von der Wirklichkeit oder heuchlerisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Mehrheit der die nationale Idee preisenden Anf&#252;hrer ist sie scheissegal. Die herrschenden und privilegierten Klassen haben etliche Male bewiesen, wie wenig Wert sie auf den Patriotismus legen. Das nationale Interesse ist nur etwas wert, wenn es dem Interesse des Kapitals entspricht. Sobald eine proletarische Bedrohung erscheint, beeilen sich die herrschenden Klassen der verschiedenen L&#228;nder, sich zu vers&#246;hnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution wird global sein, weil die Probleme, die sie l&#246;sen m&#252;ssen wird, global sein werden. Die Verflechtungen der verschiedenen Volkswirtschaften verhindert es, allein davon zu kommen. Wenn die Revolution sich in einem einzigen Land entwickelt, wird sie ohnehin mit der Aktion der &#228;usseren Konterrevolution konfrontiert sein. Doch diese gegenseitige Abh&#228;ngigkeit, die Entwicklung der Kommunikationsmittel, die Gleichzeitigkeit der wirtschaftlichen und politischen Schwankungen werden die Revolution ansteckender denn je machen. Jeder Staat muss bef&#252;rchten, dass die Dinge sich bei ihm beschleunigen, wenn er woanders Polizei spielt. Je schneller sich der Aufstand verallgemeinern wird, umso schwieriger wird die Repression werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Hunger und die Verschmutzung haben nicht lokale Ursachen, obwohl ihre Wirkungen sehr wohl lokal sind. Die Revolution wird universelle Regeln zum Schutz der Natur aufstellen m&#252;ssen. Die Landwirtschaft wird organisiert werden m&#252;ssen, um die Bed&#252;rfnisse der Gesamtheit der Bev&#246;lkerungen zu befriedigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutet nicht, dass die reichen und industrialisierten L&#228;nder ausgeblutet werden oder dass die armen L&#228;nder von den privilegierten Zonen abh&#228;ngig bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Region wird aufgrund ihrer Probleme und ihrer Rohstoffe und der Bedeutung ihres Proletariats besondere Organisations- und Entwicklungsformen finden m&#252;ssen. Soweit m&#246;glich sollte man mit lokalen Rohstoffen zurechtkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird jedoch besonders zu Beginn notwendig sein, Transfers von Material und Technikern zu organisieren, um den benachteiligsten Regionen zu helfen, so schnell wie m&#246;glich einem infamen Elend zu entkommen. Es wird eventuell n&#246;tig sein, den Konsum von Lebensmitteln in gewissen Regionen zu reduzieren oder zu transformieren, um andere zu unterst&#252;tzen. Die Kommunisten werden immer die Avantgarde im Kampf gegen lokale Egoismen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird m&#246;glich sein, die unterentwickelten L&#228;nder trotz der Schw&#228;che ihrer Entwicklung zu kommunisieren. Die M&#246;glichkeit des Kommunismus wird auf globaler Ebene errichtet. Die quantitative Entwicklung der Produktivkr&#228;fte ist weniger bedeutend als ihre qualitative Entwicklung. Ein gewisses technisches und wissenschaftliches Niveau wird kurzfristig einen quantitativen &#220;berfluss zur Folge haben. Die gegenw&#228;rtige Vorherrschaft der industrialisierten L&#228;nder wird zu Beginn des Kommunismus durch die Unterst&#252;tzung der lokalen proletarischen Kr&#228;fte &#252;berall zur Liquidierung des Kapitals beitragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie k&#246;nnen kommunistische Transformationen in L&#228;ndern bef&#246;rdert werden, wo Agrarbev&#246;lkerungen vorherrschen? Es wird keine Wiederholung der urspr&#252;nglichen Akkumulation geben. Der Kommunismus wird sich nicht wie der Kapitalismus durch den Umsturz der traditionellen gesellschaftlichen Strukturen einrichten. Er wird sich hingegen auf diese Strukturen st&#252;tzen k&#246;nnen, indem er sie ihrer negativsten Aspekte entledigt und unter dem Parasitismus und dem Feudalismus die urspr&#252;nglichen b&#228;uerlichen Gemeinschaften wiederfindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das wird der gleichzeitigen Entwicklung moderner T&#228;tigkeiten nicht im Wege stehen. Innerhalb dieser Gemeinschaften wird die Technik eingef&#252;hrt werden k&#246;nnen: leichtes landwirtschaftliches Material, Sensoren zur Energiemessung, Verh&#252;tungsmethoden, medizinische Versorgung&#8230; Es existiert keine absolute Inkompatibilit&#228;t zwischen einem traditionellen gemeinschaftlichen Gleichgewicht und dem Einsatz einfach zu gebrauchender Techniken. Schon heute gibt es F&#228;lle primitiver Bev&#246;lkerungen, die den Gebrauch moderner Techniken beherrschen. Die wahrhafte Behinderung ist eher der Zerfall dieser Gemeinschaften aufgrund der Aktion des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist ziemlich gewiss, dass die betroffenen Bev&#246;lkerungen und gesellschaftlichen Strukturen sich entwickeln werden. Doch diese Entwicklung wird nicht durch eine Zerst&#246;rung der Menschen und eine Verleugnung der gemeinschaftlichen Werte beginnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kann man f&#252;r die Herstellung einer weltweiten Solidarit&#228;t auf die Arbeiterklasse z&#228;hlen, sind die Arbeiter nicht h&#228;ufig rassistisch?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeiter zeigen sich h&#228;ufig rassistisch. Rassistisch gegen&#252;ber den Ausl&#228;ndern und allen voran gegen&#252;ber den eingewanderten Arbeitern oder den ethnischen Minderheiten. Man sah &#8222;Arbeiterregierungen&#8220;, die sich rassistischer zeigten, besonders hinsichtlich der Einwanderung, als b&#252;rgerliche Regierungen. Es sind h&#228;ufig die Gesch&#228;ftsm&#228;nner, die f&#252;r die Einwanderung und die Abschaffung der diskriminierenden Gesetze sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rassismus der Arbeiter entspricht allen voran einer Haltung eines Unterdr&#252;ckten, der, da er in seiner Bedingung gefangen ist, &#252;beraus gl&#252;cklich ist, dass er sich gegen&#252;ber seinem Hund, einem Bullen oder einem Einwanderer &#252;berlegen f&#252;hlen kann. Er ist der Ausdruck eines wirklichen Klasseninteresses, der Arbeiterklasse als Ware. Der Intellektuelle kann &#252;ber die menschliche Br&#252;derlichkeit schwatzen. Der Arbeiter, besonders der nicht qualifizierte Arbeiter, weiss sehr wohl, dass der Ausl&#228;nder allen voran der Konkurrent auf dem Arbeitsmarkt ist. Der offene oder latente Rassismus entsteht aus der Unf&#228;higkeit, zu erkennen, dass es schlichtweg das Kapital ist, das die Lohnangestellten einander entgegensetzt. Dieses Unverst&#228;ndnis ist nicht der einfache Ausdruck einer intellektuellen Schw&#228;che. Es entspricht einer Ohnmacht. Das Verst&#228;ndnis und die F&#228;higkeit, die Wirklichkeit zu transformieren, gehen Hand in Hand. Wenn das Proletariat sich erhebt und vereint, bricht der Rassismus zusammen. Es ist nicht n&#246;tig, auf den Tag der Revolution zu warten. In Teilk&#228;mpfen verwerfen die Arbeiter verschiedener Herkunft die Vorurteile und das Misstrauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;VIII. Proletariat und Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist die Negation der proletarischen Bedingung durch die Proletarier selbst. Proletariat und Kommunismus sind eng und widerspr&#252;chlich miteinander verbundene Wirklichkeiten. Wenn man sie voneinander trennt, kann man weder die Bewegung der kommunistischen Revolution, noch das, was das Proletariat selbst ist, verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lenin&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lenin sagte nach Kautsky, dass die Proletarier durch ihre eigene Kraft nur f&#228;hig seien, ein tradeunionistisches Bewusstsein zu erreichen. Sie k&#246;nnen nur davon tr&#228;umen, sich teurer zu verkaufen, nicht von einer Revolution der Gesellschaft. Lenin lag falsch. Die Proletarier sind unf&#228;hig, zu einem klaren Bewusstsein ihrer wirtschaftlichen Interessen zu gelangen. Die Proletarier sind Waren, doch sie sind armselige H&#228;ndler. Im Kampf und der Verhandlung zeigen die Proletarier immer wieder, dass sie nicht wissen, was sie wollen, und dass sie verwirrt sind und wirtschaftliche und menschliche Wirklichkeiten miteinander verwechseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist eine Unterlegenheit betreffend der Verteidigung ihrer wirtschaftlichen Interessen, das Proletariat ist viel weniger effizient als die Bourgeoisie. Doch man kann das Proletariat nicht aufgrund eines b&#252;rgerlichen Standards beurteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lenin unterstreicht zurecht die Diskontinuit&#228;t zwischen einem tradeunionistischen und einem revolution&#228;ren Bewusstsein. Letzteres ist nicht die Akzentuierung des ersteren. Sie sind R&#252;cken an R&#252;cken. Aber das revolution&#228;re Bewusstsein, das kommunistische Bewusstsein f&#252;r uns, muss nicht von aussen importiert werden, es ist nicht das Produkt der Intellektuellen als gesellschaftliche Schicht. Der Standpunkt von Lenin ist nicht dumm, wie es einige Verteidiger des Volkes glauben, doch er zeigt nur eine scheinbare Bewegung auf. Eine Bewegung, der unmittelbar eine Periode der Revolution entgegensteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat zeigt t&#228;glich, dass es schon jenseits der Wirtschaft ist. Seine Ineffizienz und naiven Illusionen sind die negative und vor&#252;bergehende Kehrseite seiner Menschlichkeit. Im Kampf und unabh&#228;ngig vom notwendigerweise engstirnigen Charakter seiner Forderungen zeigt es auf etliche Arten und durch seine diversen Entgleisungen seine Menschlichkeit und sein Streben nach Kommunismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht bedeutend, wie das Proletariat ist oder erscheint, wenn es arbeitet, wenn es am 1. Mai marschiert, wenn es bei Meinungsumfragen mitmacht. Seine grundlegende Situation wird es dazu zwingen und zwingt es jetzt schon, kommunistisch zu handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer normalen Zeit muss der Proletarier zum &#220;berleben durch die etlichen ihm angebotenen Mittel versuchen, diese Entbehrung zu kompensieren. Er findet im Spektakel Interessen, Vaterl&#228;nder, Drogen. Er versucht, durch die Macht seines Unternehmens oder seiner Gewerkschaft wieder aufzuleben. Das Kapital kann die verallgemeinerte Prostitution nicht abschaffen, doch es kann jene unterhalten, welche sich prostituieren. Es verstreicht Heilsalben, indem es erlaubt, &#8222;sich zu verwirklichen&#8220; und sich in Waren und Bildern festzufahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat ist nicht die positive Verk&#246;rperung des Kommunismus innerhalb des Kapitalismus. Es ist auch nicht permanent und f&#252;r alle Ewigkeit in jenes System integriert, das ihm seinen Schweiss und sein Leben aussaugt. Seine Wirklichkeit ist grundlegend widerspr&#252;chlich. Es scheint integriert, obwohl es den Kommunismus stammelt. Pl&#246;tzlich &#246;ffnet sich ein Riss. Es dr&#228;ngt sich hinein und vergr&#246;ssert ihn. Die Folgen seiner Handlungen dr&#228;ngt es nach vorne. Es entdeckt seine Macht und tut, was es nie gewagt h&#228;tte, zu tr&#228;umen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bourgeois und Proletarier&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ist das Proletariat? Wo f&#228;ngt es an und wo h&#246;rt es auf? Was ist seine zahlenm&#228;ssige Bedeutung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;ber die zahlenm&#228;ssige Bedeutung der Arbeiterklasse im strengen Sinne sind auf offiziellen Statistiken basierende Erhebungen erstellt worden. Sie repr&#228;sentiert einen geringen Teil der Weltbev&#246;lkerung, ihre Gr&#246;sse liegt zwischen 200 und 250 Millionen Individuen. Nat&#252;rlich ist diese Zahl nicht gleichbedeutend mit der Gesamtheit der Proletarier insofern, als dass sie die Familien dieser Arbeiter nicht einbezieht und ein grosser Teil der proletarisierten Lohnarbeiter, sogar in der Industrie, nicht mitgez&#228;hlt worden sind. Die zahlenm&#228;ssige Bedeutung der Arbeiterklasse, die an sich schon enorm ist, wenn man sie mit jener der Bourgeoisie vergleicht, reicht nicht, um &#252;ber ihre wirkliche Bedeutung Rechenschaft abzulegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;gen wir an, dass diese Bedeutung, im Gegensatz zu den Behauptungen der Soziologen der Avantgarde, steigend ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch genauso wenig wie die Bourgeoisie ist das Proletariat eine Sache, die man ber&#252;hren, begrenzen und pr&#228;zise beziffern k&#246;nnte. Das tut seiner Wirklichkeit keinen Abbruch, auch wenn die Soziologen es nicht schaffen, es in ihrem universit&#228;ren Netz zu erfassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann das Proletariat nicht auf irgendein standardisiertes Bild reduzieren: die Elenden in Lumpen, den Arbeiter im blauen Overall, den Tr&#228;ger der roten Fahne. Nur in pr&#228;zisen Situationen erscheinen seine Grenzen klar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie man die Bourgeoisie durch ihre Privilegien und Macken, durch die Schwierigkeit, Zugang zu ihr zu haben, als Kaste definiert, statt sie durch ihre Funktion in den Produktionsverh&#228;ltnissen als Klasse zu definieren, reduziert man das Proletariat auf eine sozioprofessionelle Kategorie oder eine Addition von sozioprofessionellen Kategorien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon ausgehend ist es einfach, zu zeigen, dass es schwierig wenn nicht unm&#246;glich ist, zu erfassen, was das Proletariat ist. Existiert es wirklich? Haben die Fortschritte der Technik und der sozialen Sicherheit es nicht zum Verschwinden gebracht? Der Klassenkampf, insofern man sich darauf einigt, ihm eine gewisse Bedeutung zu geben, wird auf einen Konflikt unter anderen reduziert. Die Frauen und die M&#228;nner, die Jungen und die Alten, die Stadt- und Landbewohner streiten sich manchmal. Wieso sollte es zwischen Arbeitern und Chefs nicht gleich sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere Soziologen werfen Marx, dem Erfinder des Klassenkampfes, vor, nicht zu wissen, was eine gesellschaftliche Klasse sei. Er widerspricht sich, spricht manchmal von der Bauernschaft als einer Klasse und unterteilt sie manchmal in entgegengesetzte Klassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass die Bauern manchmal als einheitliche Klasse betrachtet werden k&#246;nnen, weil sie gemeinsame Interessen und Illusionen haben, weil ihre Handlungen in die gleiche Richtung gehen, dass dann diese gleichen Bauern in Arme und Reiche, in Landwirte und Landeigent&#252;mer unterteilt werden k&#246;nnen, das &#252;bersteigt das Verst&#228;ndnis eines Soziologen. Er kann nicht wissen, dass eine Klasse sich, von einem intellektuellen wie von einem praktischen Standpunkt aus, nicht unabh&#228;ngig von der T&#228;tigkeit definiert, aufgrund welcher sie sich als Klasse konstituiert. Es gibt keine Klassen, die unabh&#228;ngig vom Klassenkampf sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reduzierung einer Klasse auf eine sozioprofessionelle Kategorie bedeutet, sich der Illusion der Wissenschaft und der Pr&#228;zision hinzugeben. In Wirklichkeit h&#228;ngt alles von den mehr oder weniger willk&#252;rlichen Kriterien ab, die man w&#228;hlt, um die Gesellschaft aufzuteilen. Es ist allen voran eine Verdinglichung der Wirklichkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles wird auf die Stellung reduziert, welche das Kapital den Menschen zuweist. Man erstellt ein Standbild einer gewissen Unterteilung: die Intellektuellen, die Arbeiter, die Bewohner der Slums, die Mindestlohnverdiener. Man sieht weder, wodurch die Situationen ausgel&#246;st werden, noch die M&#246;glichkeit ihrer &#220;berwindung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im besten Fall, wenn die &#8222;Klassen&#8220; die Klassen bleiben, stellt man sich vor, dass eine gegen die andere gewinnt. So herrscht im Westen die Bourgeoisie, w&#228;hrend in den L&#228;ndern des Ostens das Proletariat seine Diktatur errichtet hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r uns kann das Proletariat nicht unabh&#228;ngig von seinem Kampf gegen das Kapital, d.h. nicht unabh&#228;ngig vom Kommunismus definiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutet nicht, dass eine Klasse die Gesamtheit der Leute ist, welche f&#252;r eine gleiche Sache k&#228;mpfen. In diesem Fall w&#252;rde sich der Bourgeois, der mit der Revolution sympathisiert, in einen Proletarier verwandeln und der reaktion&#228;re Strassenreiniger w&#252;rde zu einem Bankier. Der Antikapitalismus, d.h. der Kommunismus, kann f&#252;r einige eine Sache werden, doch aufgrund seines Wesens ist er es nicht. Er ist eine mit einer besonderen gesellschaftlichen Situation verbundene T&#228;tigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat ist dieser Teil der Bev&#246;lkerung, der das Kapital produziert und gleichzeitig von seinem Besitz und seiner Verwaltung getrennt ist. Der Albtraum der Selbstverwaltung bedeutet, die Proletarier die Funktion des Bourgeois ausf&#252;hren lassen zu wollen. Sogar wenn dieses Hirngespinst Wirklichkeit w&#252;rde, w&#228;ren die Klassen deswegen nicht abgeschafft. Die Bourgeoisie und das Proletariat w&#252;rden auf widerspr&#252;chliche Art und Weise in einem einheitlichen Ganzen fortbestehen. Ein und derselbe an der Maschine w&#228;re der Feind seiner selbst im Verwaltungsrat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt von Zeit zu Zeit vor, dass Kinder von Bourgeois sich ihre Gesundheit in der Fabrik ruinieren und dass Arbeiter ihr Verm&#246;gen auf dem R&#252;cken einiger Ungl&#252;cklicher Zinsen abwerfen lassen. Nichts davon ist gleichbedeutend mit einer Abschaffung der Klassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Trennlinie zwischen Verwaltern und Sklaven des Kapitals ist strikt. Es kommt einfach vor, dass einige einen Fuss auf der einen Seite der Grenze und einen auf der anderen haben. Sie werden sehr wohl auf die eine oder die andere Seite kippen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Muss die Trennlinie konkretisiert werden? Man kann sie anhand der Haltung gegen&#252;ber Geld erfassen. Nat&#252;rlich unterscheiden sich Bourgeois und Proletarier durch die Menge des Geldes, die durch ihre Finger geht. Doch das reicht nicht. Grundlegender betrachtet der Proletarier Geld als Geld. F&#252;r ihn repr&#228;sentiert es eine gewisse Menge an G&#252;tern. F&#252;r den Bourgeois ist Geld Geldkapital. Das Geld dient dazu, mehr Geld zu machen. Man investiert und, welch Wunder, es bekommt Junge. Das ist es, was &#252;ber die Epochen hinweg den mittelalterlichen Bourgeois mit dem modernen Manager verbindet. Heutzutage kommt noch die Heuchelei hinzu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die b&#252;rgerliche Klasse zu umgrenzen, muss man die famili&#228;ren Verbindungen und die soziologische Schwerf&#228;lligkeit hinzuf&#252;gen, sie machen aus den Kindern oder den Frauen der Bourgeois Mitglieder der Bourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im wirtschaftlichen Leben und in den Unternehmen verl&#228;uft die Grenze zwischen jenen, welche Zugang zu den finanziellen Kenntnissen und Entscheidungen haben, nicht notwendigerweise die Techniker und die Angestellten des Finanzwesens, und den anderen. Es gibt jene, welche wissen, dass ein Unternehmen gleichbedeutend ist mit momentan immobilisiertem Geld, das dazu dient, Geld zu machen. Es gibt jene, die grosse Masse, welche darin allen voran eine Fabrik und einen Handel mit Gebrauchswerten sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Individuum in Zusammenhang mit einer gegebenen Klasse zu bringen, ist manchmal schwierig. Irgendein h&#246;herer Kader, Ingenieur oder, weshalb nicht, Arbeiter kann durch eine famili&#228;re Herkunft, Aufstiegsm&#246;glichkeiten, Freundschaften, Befehlsfunktionen, Besitz oder Eigentum von der herrschenden Klasse angezapft werden. Kleine Spekulanten h&#228;ngen hingegen durch tausend Verbindungen mit der beherrschten Klasse zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Standpunkt der Revolution aus ist es wichtig, Luxusproletarier nicht von Anfang an ins Lager der Bourgeoisie zu verstossen. Der der Bourgeoisie angegliederte Ingenieur und noch eher seine Kollegen, die nicht seinen Lohn, seine F&#252;hrungsrolle oder seine Beziehungen haben, k&#246;nnen den Widerspruch zwischen ihren beruflichen und menschlichen Interessen und den durch die Finanz auferlegten Grenzen sp&#252;ren. Das kann sie in den Kommunismus abgleiten lassen, in eine Welt, wo die technischen Projekte nicht mehr der Diktatur des Tauschwerts untergeordnet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihr Wissen und ihre Kompetenzen sind notwendig. Es muss hingegen Acht gegeben werden auf jene, welche begehrliche Blicke auf die Revolution werfen, weil sie einer Proletarisierung ihrer Bedingung ausgesetzt sind und naiv darauf hoffen, eine neue Autorit&#228;t zu erlangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer normalen Periode und besonders ausserhalb der Produktionsbedingungen kann die Situation unklar erscheinen. Die Gesellschaft scheint aus individuellen Teilchen zu bestehen, die in die eine oder die andere Richtung irren. Der Arbeiter und der Bourgeois scheinen zu verschwinden, sie sind nur noch gleichberechtigte W&#228;hler oder mehr oder weniger reiche Konsumenten. Sobald ein Konflikt ausbricht und die Revolution erscheint, versammeln sich die Teilchen rund um antagonistische Pole.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat ist nicht eine undifferenzierte Masse. Gewisse gesellschaftliche Schichten und gewisse Individuen spielen anhand ihrer Stellung in der Produktion und ihrer besonderen F&#228;higkeiten eine f&#252;hrende Rolle. Sie helfen der Klasse mehr oder weniger, sich als Klasse zu konstituieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige gesellschaftliche Schichten sind unruhiger als andere oder &#228;ussern ihre Unzufriedenheit lauter. Man sollte dem Anschein misstrauen. Eine Gruppe, die turbulenter ist als andere, kann sich als nicht sehr revolution&#228;r erweisen. Sie bewegt sich aus pers&#246;nlichen Gr&#252;nden. Sie wird rebellisch, weil ihr Status sich verschlechtert. Doch sie schafft es nicht, auf die Grundlagen der Gesellschaft zu zielen. Vielleicht wird sie sich nicht minder vor der Revolution f&#252;rchten als vor dem Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche am meisten integriert und am ruhigsten scheinen, weil sie vom System verw&#246;hnt werden, k&#246;nnen zur Sache kommen, wenn sie aufwachen. Die Macht und die durch ihre Situation verliehene Gewissheit k&#246;nnen ihnen erlauben, das Kapital ohne Konzessionen anzugreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann die Entwicklung der Individuen und der gesellschaftlichen Schichten nicht unabh&#228;ngig von der Tiefe des Konflikts und der Gesamtsituation betrachten. Gewisse gesellschaftliche Schichten wie die Studenten, die Intellektuellen und die Kader k&#246;nnen durch sich selbst nur ein korporatistisches oder, noch schlimmer, pseudorevolution&#228;res Bewusstsein erreichen. Sobald der Kommunismus sich entwickelt, werden sich diese Schichten anhand des sie charakterisierenden Mangels an Autonomie radikalisieren. Da sie keine wirkliche Macht und keine wirklichen Interessen zu verteidigen haben, werden sie diese nur finden k&#246;nnen, indem sie sich den Arbeitern anschliessen und sie unterst&#252;tzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kann sich die enorme Masse der Bauern der Dritten Welt an der kommunistischen Revolution beteiligen? Sind sie Teil des Proletariats? Ja, aber nicht anhand ihres Niveaus an Elend. Sie sind umso mehr Teil des Proletariats, als dass der Einfluss des Kapitals auf ihre Existenz direkter ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar wenn sie nicht lohnabh&#228;ngig sind, tendieren sie dazu, sich der Klasse der Lohnabh&#228;ngigen aufgrund des wachsenden Einflusses der Handelswirtschaft auf die Gesamtheit der Menschen und der Rohstoffe anzuschliessen. Die Offensive der lohnabh&#228;ngigen Proletarier wird ihnen dabei helfen, den Feind und die L&#246;sungen zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Lohnarbeit ist gewissermassen die ideale Ausbeutungssituation des Kapitals. Man kann jedoch Proletarier und Lohnabh&#228;ngige nicht gleichsetzen. Wir haben schon gezeigt, dass die Verh&#228;ltnisse der Sklaverei sich in das kapitalistische Universum integrierten und somit ihren Inhalt &#228;nderten. Etliche kleine Eigent&#252;mer sind der kapitalistischen Ausbeutung direkt ausgesetzt und h&#228;ufig mehr unterdr&#252;ckt als die Lohnabh&#228;ngigen. Die Manager der grossen Firmen erhalten L&#246;hne. Alles macht aus ihnen allerdings Bourgeois. Sie legen ihren Lohn selbst fest und dieser Lohn ist nur ein Teil ihres Realeinkommens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Berufe entwickeln eher revolution&#228;re Haltungen als andere. Die Frage h&#228;ngt besonders vom Identifikationsgrad zwischen dem Arbeiter und seiner Funktion ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige spielen mit. Sie k&#246;nnen keinen Abstand vom von ihnen ausge&#252;bten Beruf nehmen. Entweder macht diese Arbeit, wie f&#252;r die Ausbilder, aus ihnen selbst ihr eigenes Werkzeug. Die Infragestellung ihrer beruflichen Rolle ist gleichbedeutend mit einer Infragestellung ihrer selbst. Oder das Produkt aus ihrer Arbeit ist kein Produkt und tr&#228;gt nicht direkt zum Funktionieren ihres Unternehmens bei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In beiden F&#228;llen besteht die Gefahr, dass sich eine Ideologie entwickelt, die ihre berufliche Funktion und ihre Widerspr&#252;che rechtfertigt. Die Entfremdesten werden letztendlich glauben, dass sie die Gesellschaft aufgrund ihrer eigenen Eigenschaften oder der N&#252;tzlichkeit ihrer Arbeit revolutionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die scharfsinnigsten Arbeiter sind h&#228;ufig jene, welche sich nicht mit dem Unternehmen oder der von ihnen ausgef&#252;hrten Aufgabe verbunden f&#252;hlen. Das gilt f&#252;r die Mehrheit der Arbeiter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch ihre Stellung in der Produktion, der durch sie ausgel&#246;sten Solidarit&#228;t und ihren menschlichen Eigenschaften werden die Arbeiter im Zentrum der kommunistischen Revolution stehen. Der amerikanische oder sowjetische Arbeiter ist, obwohl er einfacher &#252;berlebt als der indische Bettler und korrupter ist, in einer besseren Lage, um das Wesen der ihm auferlegten Unterdr&#252;ckung zu erkennen und sie zu beenden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geh&#246;rt zur Tradition, der Arbeiterklasse ihre zentrale Rolle in der Revolution abzusprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man stellt ihre Abwesenheit in den nationalen Befreiungsk&#228;mpfen ins Zentrum und unterstreicht, dass aus ihnen trotzdem marxistische Staaten entstanden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man beharrt auf dem mangelnden revolution&#228;ren Bewusstsein der grossen Masse der Arbeiter der reichen L&#228;nder und die Vorteile, die ihnen das System gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man hat jene Rolle, welche die Arbeiter unf&#228;hig scheinen, zu spielen, anderen gesellschaftlichen Kategorien anvertraut. Die Revolutionen des 19. Jahrhunderts seien das Werk der Handwerker gewesen. Im 20. Jahrhundert seien sie von leninistischen Intellektuellen abgel&#246;st worden. In den L&#228;ndern der Dritten Welt seien es Bauern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man die Dinge ernsthaft betrachtet, erkennt man, dass die Arbeiter regelm&#228;ssig im Zentrum der Versuche zur radikalen Ver&#228;nderung der Wirklichkeit waren. Man wirft ihnen vor, in Revolutionen nicht interveniert zu haben, die in Wirklichkeit b&#252;rgerlich waren. Wenn sie intervenierten, dr&#228;ngt man ihre Handlung in den Hintergrund, um jene der gesellschaftlichen Gruppen in den Vordergrund zu stellen, welche sich am Anfang oder am Ende wenig kommunistisch zeigten. Man hebt diese oder jene Eigenschaft der revoltierenden Proletarier hervor und &#252;bertreibt sie, um zu zeigen, dass sie zweifelhafte oder marginale Arbeiter, Bauern, Kleinb&#252;rgerliche, Soldaten oder als Arbeiter verkleidete Gauner waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Modernisten ersetzen ein verb&#252;rgerlichtes Proletariat durch neue Kategorien. Die Revolution werde das Werk der Jungen sein, weil sie noch nicht domestiziert seien, der Frauen, weil sie n&#228;her am Leben seien, der Hippies und anderer Randst&#228;ndiger, weil sie ausserhalb des Systems seien, der Schwarzen, weil sie die Musik lieben und den Rhythmus im Blut haben&#8230; Andere erachten es nicht mehr als notwendig, eine besondere Kategorie zu privilegieren. Das Kapital ist eine unmenschliche Kraft, dessen Opfer alle sind, es ist also die Menschheit als Spezies, die sich erheben muss. Es gibt keine Bourgeoisie und kein Proletariat mehr, zumindest kaum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man irgendeine gesellschaftliche Gruppe, Alters- oder Geschlechtskategorie in den Vordergrund stellt, tut man das anhand der Werte, deren Tr&#228;gerinnen diese Gruppen sein sollen. Es ist nicht so sehr eine Ver&#228;nderung in der Wahl des revolution&#228;ren Subjekts, eher eine implizite Anerkennung der Wirklichkeit, so wie sie ist. Die Jungen sind als Junge revolution&#228;r, die Frauen als Frauen, w&#228;hrend das Proletariat, das Junge und Frauen einschliesst, insofern revolution&#228;r ist, als dass es nicht mehr das Proletariat sein kann. Das Proletariat ist nicht eine gesellschaftliche Gruppe. Es ist eine Bewegung. Es ist das, was es wird. Es existiert anhand seiner M&#246;glichkeiten zur Selbstzerst&#246;rung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sagen nicht, dass die Jungen, die Frauen, die Kriegsversehrten keine spezifischen Interessen haben und die Wirklichkeit nicht transformieren k&#246;nnen. Sie k&#246;nnen schlichtweg, ausser sie handeln als Proletarier, nur ihre Interessen als Junge, als Frauen, als Kriegsversehrte innerhalb einer gegebenen Wirklichkeit verteidigen. Die proletarische Revolution gibt ihnen die Mittel, &#252;ber ihre kategoriellen Forderungen hinauszugehen, sie zu &#252;berwinden, ohne sich zu verleugnen. Es sind Junge, Frauen, Versehrte, die handeln, aber sie tun es nicht f&#252;r die Jugend, die Weiblichkeit oder ihr Gegenteil, staatliche Zusch&#252;sse und die Achtung der B&#252;rger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Intellektuellen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewissermassen erfordert die Revolution, dass die Proletarier zu Intellektuellen werden. Sie m&#252;ssen f&#228;hig sein, &#252;ber ihre unmittelbare Situation hinauszugehen. Es ist bekannt, dass w&#228;hrend Aufst&#228;nden Fragen auf der Strasse diskutiert werden, die zuvor das Privileg der Philosophen waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution ist auch gleichbedeutend mit dem Ende der Intellektuellen als getrennte gesellschaftliche Kategorie. Wenn sich die Intellektuellen an der Revolution beteiligen, k&#246;nnen sie das nur, indem sie ihre Bedingung negieren. Indem sie anerkennen, dass sie besch&#228;digt sind. Vielleicht werden Massnahmen ergriffen werden m&#252;ssen, um zu verhindern, dass man weiterhin ein Intellektueller und nichts anderes sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man weist h&#228;ufig den Intellektuellen eine privilegierte Rolle als Tr&#228;ger des Bewusstseins zu. Durch sich selbst ist das Bewusstsein nichts und kann nichts tun. Unsere Intellektuellen, die h&#228;ufig glaubten, sie h&#228;tten Zugang zum allgemeinen und objektiven Verst&#228;ndnis der Dinge, waren in Wirklichkeit regelm&#228;ssig die Anh&#228;ngsel der herrschenden Macht. Sie gaben sich den schlimmsten Illusionen hin und unterst&#252;tzten, nat&#252;rlich mit einem kritischen Geist, die schlimmsten Schweinereien. Sie sind bereit, alles im Namen der Vernunft, der Geschichte und des Fortschritts zu entschuldigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Forderungen der Intellektuellen sind besser geeignet, um die Herzen der Bourgeois zu ber&#252;hren als jene der Arbeiter. Es ist schliesslich viel nobler, die Redefreiheit zu verlangen als Brot. Der Intellektuelle scheint der Verteidiger des Allgemeininteresses zu sein. Der Arbeiter scheint egoistisch und bodenst&#228;ndig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die proletarischen Forderungen sind jedoch tiefer als jene der Intellektuellen. Letztere sind spezialisiert darin, leere Formen zu fordern. Wenn die Arbeiter die Redefreiheit fordern oder eher durchsetzen, dann, weil sie etwas zu sagen haben. In anderen F&#228;llen interessiert es sie kaum. Ihre F&#228;higkeit, die Form und den Inhalt nicht zu trennen, nicht f&#252;r Schall und Rauch zu k&#228;mpfen, ist ein Zeichen des Kommunismus. Das Problem der Intellektuellen besteht darin, dass Schall und Rauch oft die Quelle ihres Einkommens ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Jungen sind in den Revolutionen h&#228;ufig am aktivsten. Es mag daf&#252;r biologische Gr&#252;nde geben, aber ihre gesellschaftliche Situation reicht als Erkl&#228;rung. Sogar jene, welche privilegierten Schichten entstammen, sind weniger mit bestehenden Interessen verbunden. Man muss auf das Erbe warten! Die kapitalistische Gesellschaft fetischisiert die Jugend und die Erneuerung, doch h&#228;lt die Jungen von Verantwortungspositionen und dem Eigentum fern. Sie sind eher verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben den Jungen hebt man manchmal die Randst&#228;ndigen hervor. Sie leben nicht wie alle anderen, vielleicht sind sie die Zukunft? Auch hier findet man die Unf&#228;higkeit, zu verstehen, dass die Revolution innerhalb des Systems entstehen kann und muss. Es gibt eine Unf&#228;higkeit, dialektisch zu verstehen, was das Proletariat ist. Es gibt eine Illusion &#252;ber den Grad der Unabh&#228;ngigkeit der Randst&#228;ndigen gegen&#252;ber dem System.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist das Kapital vielleicht sogar der Revolution zuvorgekommen und hat die gesellschaftlichen Klassen selbst abgeschafft? Seit langem behauptet man, die b&#252;rgerliche Revolution h&#228;tte endlich allen Menschen erlaubt, gleich zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Unterteilung der Gesellschaft in Klassen geht es gut. Sie war vielleicht nie so stark, obwohl nie solche Mittel mobilisiert wurden, um sie zu kaschieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewiss, das Kapital ist eine unpers&#246;nliche Kraft. Gewiss, alle erdulden mehr oder weniger seine Wirkungen. Diese armen Bourgeois, die sich bei der Arbeit ersch&#246;pfen, sich mit ihren Kindern streiten und ungesunde Luft atmen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bez&#252;glich der Wirkungen des Kapitals haben einige mehr M&#246;glichkeiten, ihnen zu begegnen, als andere. Der Unterschied der Lebensbedingungen ist heutzutage ziemlich entwickelt. Die M&#246;glichkeiten zur Diversifizierung der Produkte und die Entwicklung des Handels haben dazu gef&#252;hrt, dass einige Schichten der Bev&#246;lkerung einen Standard und eine Lebensqualit&#228;t haben, die sehr unterschiedlich und h&#246;her sind, als jene ihrer Zeitgenossen. Wom&#246;glich sind die Bourgeois nicht gar so gl&#252;cklich. Sie k&#246;nnen zumindest aufh&#246;ren, Bourgeois zu sein. Das ist im umgekehrten Sinn unm&#246;glich f&#252;r die Strassenarbeiter. Wenn sogar die Bourgeois nicht gl&#252;cklich sind mit ihrer Lebensweise, ist das ein Grund mehr, diese Klasse und ihre Gesellschaft abzuschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie protzt nicht. Sie &#252;berl&#228;sst das einigen Parven&#252;s. Es ist nicht in ihrem Interesse, ihre Lebensweise im Schutz ihrer Wochenendh&#228;user und privaten Str&#228;nden allzu stark zur Schau zu stellen. Die Proletarier &#252;bersch&#228;tzen gew&#246;hnlich die Einkommen der ihr nahestehenden gesellschaftlichen Schichten und untersch&#228;tzen jene der wirklichen Bourgeois.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn die Bourgeois eine entsagende und einfache Lebensweise h&#228;tten, w&#252;rden sie deshalb nicht als Klasse verschwinden. Was z&#228;hlt, ist allen voran ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktion. Ihr Einkommen ist nat&#252;rlich direkt damit verbunden. Ein Teil ihres Konsums, auch in den westlichen L&#228;ndern, sind Gesch&#228;ftsausgaben. Man reist, man isst zu Abend und man fickt f&#252;r sein Unternehmen und auf seine Kosten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital tendiert heutzutage mehr denn je dazu, die Identit&#228;t der gesellschaftlichen Gruppen anzufressen. Das betrifft sowohl die Bourgeoisie als auch die Arbeiterklasse. Der W&#228;hler und der Konsument stehen ausserhalb der Klassen. Der aus einem Kauf entstandene Genuss ist nicht mehr mit einem Status verbunden, sondern mit unpers&#246;nlichem Geld. Diese kapitalistische Negation der Klassen bereitet die klassenlose Gesellschaft vor. Doch sie wird ihrerseits wieder negiert durch die wirtschaftliche Notwendigkeit, die dazu tendiert, die Einkommen zu hierarchisieren und die Funktionen voneinander zu trennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf f&#252;r den Kommunismus ist nicht der Kampf f&#252;r eine bestimmte Klasse, sondern ein Kampf f&#252;r die Menschheit. Aber dieser Kampf ist mit jenen verbunden, welchen man jegliche Menschlichkeit abspricht. Die Revolution wird nicht allgemeine Zustimmung finden und es ist gef&#228;hrlich, es glauben machen zu wollen. Vielleicht werden sich einige Bourgeois der Bewegung anschliessen, das wird nichts an der Tatsache &#228;ndern, dass die Interessen der Bourgeoisie und der Kommunismus einander widersprechen. Der Proletarier wird aus der Revolution unmittelbar Profit schlagen, w&#228;hrend der Bourgeois davon enteignet wird. Der Kommunismus betrifft die menschliche Spezies, doch es gibt Menschen, die ihre unmittelbares Interessen in einer Periode des Bruches mit jenen der Spezies identifizieren k&#246;nnen, andere nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Warten auf Godot&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was schlagen die Revolution&#228;re vor, w&#228;hrend wir auf die Revolution warten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben keinen K&#246;nigsweg, um die Zeit totzuschlagen, oder ein ideales Verhalten, das wir verteidigen w&#252;rden. Die Kommunisten sitzen wie die anderen in der kapitalistischen Tinte und k&#246;nnen keine reine und universelle Strategie umsetzen, die von den besonderen Interessen, F&#228;higkeiten und Bedingungen abstrahieren w&#252;rde. So oder so schlagen wir nichts f&#252;r die &#8222;Massen&#8220; vor, dem wir uns selbst verweigern w&#252;rden, und umgekehrt. Wir k&#246;nnen einzig Verhaltensunterschiede feststellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind keine Puristen und akzeptieren auch beschr&#228;nkte Verbesserungen, wenn sie reell sind. Das ist schon Unerbittlichkeit in einer Zeit, wo man von einem grossen Sieg spricht, wenn man Schall und Rauch erntet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind keine Puristen und akzeptieren Basisaktionen mit Leuten, die unsere Meinungen nicht teilen, aber nur wenn die Aktionsperspektiven klar sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist angemessen, auf praktischer Ebene flexibel zu sein, um von sich &#228;ndernden und unvorhergesehenen Situationen zu profitieren. Man sollte f&#228;hig sein, Kompromisse einzugehen und allen voran die eingegangenen Kompromisse zu erkennen. Wir k&#246;nnen keine Rezepte liefern und haben Mitleid mit jenen, die welche brauchen. Es gibt keine Fernsteuerung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche mit der Obsession der Vereinnahmung agieren, werden von Anfang an und radikal vereinnahmt. Der Sektarismus ist allen voran eine Art und Weise, sich vor seinen eigenen Unsicherheiten zu besch&#252;tzen. Im Gegenteil, wenn man tiefe Gewissheiten hat, die nicht ideologisch sind, kann man erneuern, improvisieren, sich einer Lage anpassen, ohne sich in seiner Reinheit bedroht zu f&#252;hlen. Der Fehler? Die Wahrheit sch&#252;tzt man nicht, indem man sie ganz fest gegen sich dr&#252;ckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese pragmatische Flexibilit&#228;t muss von einer grossen Strenge und, wir k&#246;nnen sogar sagen, um den &#8222;freien Geistern&#8220; Angst zu machen, von einem doktrin&#228;ren Dogmatismus begleitet sein. Theoretische Kl&#228;rung und Gewissheit sind wesentlich. Man muss wissen, wohin man geht, und es die anderen wissen lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir leben in einer Epoche der rigiden Verhaltensweisen und des schwammigen Denkens. Es geht darum, damit zu brechen. Ideen sind nur von Interesse, wenn sie gen&#252;gend sichere Bezugspunkte liefern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Klassische Frage: Soll man sich an Gewerkschaften beteiligen? Alles h&#228;ngt von den Umst&#228;nden und den betroffenen Leuten ab. Aber die Gewerkschaften sind integriert!? Das kann ein Grund sein, sich daran zu beteiligen. Entweder benutzt man die dadurch f&#252;r die Gewerkschaftsorganisationen entstandenen Vorteile. Oder man zeigt die Grenzen davon auf. Vielleicht wird man ausgeschlossen und der Widerspruch zwischen dem revolution&#228;ren Inhalt und der Gewerkschaftsform zeigt sich klar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend die Beteiligung an Gewerkschaften akzeptabel ist, gilt es, die Beteiligung an Apparaten zu ihrer revolution&#228;ren Ausrichtung abzulehnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald im Kampf M&#246;glichkeiten erscheinen, um sich auf breitere und weniger spezialisierte Art und Weise zu organisieren, m&#252;ssen die Gewerkschaften zur&#252;ckgewiesen werden. Die Gewerkschaftsform kann in einer Situation des R&#252;ckzugs benutzt werden, doch sie sollte die Entwicklung und die Vertiefung des Kampfes nicht behindern. Die Handlung durch und f&#252;r eine Organisation der Spezialisten der Forderung und der Verhandlung darf sich der Handlung durch und f&#252;r die Klasse nicht in den Weg stellen. Es ist sowieso sicher, dass, solange die Arbeiter Waren bleiben werden, &#252;ber deren Preis verhandelt werden muss, die Gewerkschaftsapparate weiterhin eine Daseinsberechtigung haben werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem man von begrenzten K&#228;mpfen absieht, bereitet man sich nicht auf den Endkampf vor. Indem man Lohnfragen verachtet, beschleunigt man nicht die Abschaffung der Lohnarbeit. Die wirtschaftliche Unbeugsamkeit zeigt die F&#228;higkeit zum Widerstand und kann f&#252;r das im Kern bedrohte System gef&#228;hrlich werden, dieser Kern ist die Kasse. Wehe jenen, welche die Proletarier mit ideologischem Schall und Rauch von diesen Fragen ablenken wollen. Von einem Kampf abzusehen, weil &#8222;er es nicht wert ist&#8220;, ist h&#228;ufig nur der Ausdruck einer allgemeineren Passivit&#228;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fallen wir in die Falle der Effizienz f&#252;r die Effizienz, gleiten wir in den &#214;konomismus ab? Nein, aber wir glauben, dass tendenziell aus der Klassenhandlung ihr eigener Inhalt entspringt. Genau deshalb versuchen M&#228;chte aller Arten, sie zu knebeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Anh&#228;nger des unmittelbarsten Drucks und der unmittelbarsten Reaktion der Klasse, so unterschiedlich wie m&#246;glich, misstrauen wir den Zielen der Forderungen zutiefst, wenn sie die M&#246;glichkeiten von den unmittelbaren Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen trennen. Sogar und allen voran, wenn es sich um ein trotzkistisches &#220;bergangsprogramm handelt. Diese Darstellungen, deren Ziel es w&#228;re, das Proletariat zu vereinigen und aufzukl&#228;ren, vernebeln ihm bloss die Sicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es richtig ist, zu k&#228;mpfen, um die Arbeitszeit zu reduzieren, und es in Formen zu tun, die so verallgemeinerbar wie m&#246;glich sind, ist es eine schlechte Idee, Ziele &#252;ber die Wochenarbeitszeit oder das Rentenalter festzulegen. Man &#252;bernimmt bloss die kapitalistischen Begrenzungen und Trennungen und verinnerlicht sie. Man muss zwischen Arbeitszeit und freier Zeit, zwischen Gefangenschaft und Betreuung f&#252;r die Alten entscheiden. Man kanalisiert den Kampf. Der latente Kommunismus wird sterilisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzige Perspektive, die es sich lohnt, zu verteidigen, ist der Kommunismus. Er ist nicht eine ferne Abstraktion, sondern die menschliche L&#246;sung f&#252;r alle Probleme. Es geht darum, die Richtung der proletarischen Bewegung offensichtlich werden zu lassen, die ihr zur Verf&#252;gung stehende Macht zu zeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;H&#228;ufig sind K&#228;mpfe ohne Erkl&#228;rung, Arbeitsvers&#228;umnis, Verlangsamung des Arbeitstakts, Sabotage, Arbeit f&#252;r sich und Diebstahl, am effizientesten. Wir fetischisieren sie nicht. Das Kapital kann sie tolerieren und aus ihnen ein Sicherheitsventil machen. Sie k&#246;nnen einen allgemeineren Kampf nicht ersetzen. Doch sie unterhalten eine k&#228;mpferische Moral, entwickeln die Initiative und erlauben gesunde und unmittelbare Befriedigungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, Handlungsmittel popul&#228;r zu machen, die, w&#228;hrend sie unmittelbar die Ausbeuter unter Druck setzen, die kommunistische Welt ank&#252;ndigen. H&#228;ufig ist es sowohl heimlich, als auch massiv und auf offene Art und Weise m&#246;glich, Produkte gratis zu verteilen und daf&#252;r zu sorgen, dass Dienstleistungen funktionieren. Die Arbeiter der Post k&#246;nnten die Briefe ohne Briefmarken verteilen, jene der Eisenbahnen die Billette nicht mehr kontrollieren. Wenn die engagiertesten Arbeiter entlassen werden, gibt es M&#246;glichkeiten der Sabotage, um sie wieder zu integrieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere Strategie k&#246;nnte folgendermassen zusammengefasst werden: Weniger Geschw&#228;tz, weniger Spektakel, stattdessen eine Arbeiterklasse, welche die zahlreichen ihr zur Verf&#252;gung stehenden Mittel n&#252;tzt, um sich Respekt zu sichern und die Zukunft vorzubereiten. Ein bisschen weniger ernsthaftes Fordern und mehr schelmische und befriedigte L&#228;cheln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf historischer Ebene ist die kommunistische Revolution bevorstehend. Wir schreiben nicht f&#252;r die k&#252;nftigen Generationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir das behaupten, wissen wir sehr wohl, dass etliche Revolution&#228;re es schon proklamiert und sich get&#228;uscht haben. Regelm&#228;ssig wurden die Anpassungsm&#246;glichkeiten des Systems untersch&#228;tzt. Es scheint uns, dass man als Reaktion darauf heutzutage das Gegenteil tut. Ist es nicht der letzte Trumpf des Kapitals, das Bild seiner Macht und seiner Unsterblichkeit in allen K&#246;pfen verankert zu haben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem es den Maschinenbetrieb entwickelt hat, an der Schwelle der Automatisierung steht und den Planeten vereinigt hat, ist es auf dem Gipfel seiner Macht, aber hat auch seine historischen Grenzen erreicht. Es hat keine Antwort mehr auf die Zerst&#246;rung des sozialen Netzes und die von ihm ausgel&#246;ste Verschlechterung der Umwelt. Es kann sein &#220;bergewicht nicht mehr eliminieren. Es ist seine eigene Macht, seine Konzentration, die sich in seine Schw&#228;che verwandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise der wirtschaftlichen Gesellschaft pr&#228;zisierte sich allm&#228;hlich als Wirtschaftskrise. Das geschieht ihr Recht! Doch die aktuelle Phase kann nicht auf einen Moment wirtschaftlicher Schwierigkeiten reduziert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die Krise zu &#252;berwinden, muss die Mehrwertrate erh&#246;ht und die mangelnde Rentabilit&#228;t des Kapitals verbessert werden. Es gibt sehr wohl technische, &#246;kologische und menschliche Hindernisse. Es geht nicht ohne Raufereien und enorme Umbr&#252;che. Das Proletariat zeigt schon auf tausend verschiedene Arten, dass es nicht einfach alles mit sich machen l&#228;sst. Es zeigt auch, dass es nicht bereit ist, einer reformistischen L&#246;sung zuzustimmen. Eine L&#246;sung, die nur darin bestehen k&#246;nnte, seine Komplizit&#228;t zu erlangen, um es auf noch schlimmere Weise zu besiegen und zu beerdigen als durch den Stalinismus und den Faschismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;IX. Die Menschwerdung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist kein Gefangener der Zukunft. Er bricht aus dem Kapitalismus selbst hervor. Die von den Proletariern an den Tag gelegte T&#228;tigkeit, wenn sie spontan und meistens unbewusst ihre Bedingung negieren, ist kommunistisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus zeigt sich allen voran sowohl in der Theorie als auch in der Praxis als eine Antizipation. Seit seinem Ursprung pr&#228;sentiert er sich als eine mehr oder weniger realisierbare aber unmittelbare L&#246;sung f&#252;r die Makel der alten Welt. Die Utopie ist nicht ein zu eliminierendes &#220;berbleibsel. Sie ist im Gegenteil das charakteristische Zeichen des Kommunismus. Die Wissenschaft der Zukunft beruhigt uns mehr als jene der Gegenwart. Doch die Zukunft nagt an der Gegenwart.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist nat&#252;rlich eine Etappe der menschlichen Geschichte, eine neue Welt. Doch er ist vor allem nicht eine gegebene gesellschaftliche Form, sondern eine besonders g&#252;nstige Bewegung der Vermenschlichung der Spezies.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Geschichte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf theoretischer Ebene erscheint der Kommunismus mit der Erneuerung der Ideen w&#228;hrend der Renaissance. Der Engl&#228;nder Thomas Morus ver&#246;ffentlicht 1516 in L&#246;wen &lt;i&gt;Utopia&lt;/i&gt;. Der Dominikaner Campanella schreibt 1602 &lt;i&gt;Der Sonnenstaat&lt;/i&gt;. Er ist damals im Gef&#228;ngnis aufgrund einer gegen die Spanier gerichteten Verschw&#246;rung in Kalabrien. Es geht darum, eine Welt zu beschreiben, wo das Geld, das Eigentum und die Trennung in Klassen verschwunden sind und sie als Alternative zur gegenw&#228;rtigen Welt zu setzen. Morus, Campanella und andere, die zum Kommunismus tendieren, sind keine Proletarier, noch nicht einmal Aufr&#252;hrer. Sie sind eher brillante Geister der Avantgarde, die mit den herrschenden M&#228;chten flirten oder aufgrund ihrer Unabh&#228;ngigkeit oder ihrer Unangepasstheit verfolgt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Materialisierung des Kommunismus beginnt jedoch w&#228;hrend der gleichen Epoche mit dem Bauernkrieg und Thomas M&#252;ntzer. Er beunruhigt die F&#252;rsten, die Bourgeois und die religi&#246;sen Reformer wie Luther, der ausruft: &#8222;Ungl&#252;ckliche Schw&#228;rmer, die ihr seid! Die Stimme des Fleisches und des Blutes hat sich eurer Ohren bem&#228;chtigt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sie verwechselten den Glauben mit der Hoffnung: Ist es nicht nat&#252;rlich, dass man glaubt, wenn man nichts besitzt? Was daran aber schlimm war, war die Tatsache, dass sie die sie antreibende heilige Hoffnung nicht in einer anderen Welt, nach dem Tod verwirklichen wollten, sondern hier auf Erden und so schnell wie m&#246;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;La R&#233;volution des Saints 1520-1536, G. D'Aubar&#232;de 1946.&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Doch den T&#228;ufern dieser Zeit ging es nicht nur um Religion. Ihre Doktrin untergrub die Grundlagen jeglicher gesellschaftlicher Ordnung, des Eigentums, der Gesetze, der Richterschaft [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend der privaten H&#228;user hielt es jeder, wie er wollte. Irgendeiner, der zuvor unter einem Strohdach wohnte, quartierte sich in einem Hotel ein. Die Bediensteten der Adligen und der Geistlichkeit eigneten sich skrupellos an, was zuvor ihren Meistern geh&#246;rt hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man pl&#252;nderte den Bischofspalast, die Archive, die Titel, die Privilegien, alle Papiere. Von welchem Nutzen k&#246;nnten solche Bagatellen im neuen Zion sein, dessen Grundlagen die evangelische Freiheit und die br&#252;derliche Gleichheit waren?&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean Bockelson, M. Baston 1824.&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zu viele Leute wissen nicht, dass der Kommunismus schon als praktische Tatsache in den Bereich der Geschichte eingetreten ist, dass er sich bew&#228;hrte, w&#228;hrend einigen Jahren triumphierte und sich mit Gewalt in einigen Provinzen vor weniger als dreihundert Jahren durchsetzte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es waren die gleichen Vorw&#228;nde wie heute, mehr oder weniger die gleichen Tendenzen, die Umsetzung der gleichen Handlungsweisen, doch mit einem m&#228;chtigen Hilfsmittel, einem enorm m&#228;chtigen Hebel, die religi&#246;se und mystische Form, in welche sich die m&#228;chtigen Revolution&#228;re von damals h&#252;llten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#201;tudes historiques sur le communisme et les insurrections au XVIe si&#232;cle, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man findet Spuren der Tendenz hin zum Kommunismus sogar zuvor, vor der Entwicklung des Kapitalismus. Es ist das alte Streben zur Wiederfindung des &#220;berflusses und der verlorenen Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ersten praktischen Versuche des modernen Kommunismus st&#252;tzen sich ebenfalls auf die &#220;berbleibsel des urspr&#252;nglichen Kommunismus, sie haben die Entwicklung der Klassengesellschaften &#252;berlebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der moderne Kommunismus ist von den antiken Anh&#228;ngern der G&#252;tergemeinschaft inspiriert: Platon, der sie auf aristokratische Weise f&#252;r die Mitglieder der oberen Klasse bewarb; die ersten Christen, die ihre G&#252;ter gem&#228;ss dem Geist des Evangeliums zusammenlegten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch, obwohl er sich von der Vergangenheit inspiriert und damit verbunden ist, f&#252;hrt der moderne Kommunismus Neuerungen ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus setzt sich als Gegner der bestehenden Gesellschaft und will sie ersetzen. Thomas Morus widmet den ersten Teil seines Werks der Verurteilung des aktuellen Ungl&#252;cks und der Entdeckung seiner Ursachen. Er stellt die durch die Entwicklung des Kapitals verursachten Verheerungen fest.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus, indem er die Ressourcen zusammenlegt, ist kein geistiger Zustand oder eine Lebensweise mehr. Er ist eine globale und gesellschaftliche L&#246;sung, eine Organisationsweise der Produktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thomas Morus inszeniert einen Seefahrer, Hythlodeus, der die imagin&#228;ren Inseln Utopias besucht hat. Hythlod&#228;us setzt sich mit unserer Gesellschaft auseinander:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ueberhaupt, mein lieber Morus&#8220;, sagt er, &#8222;um dir ganz unumwunden meine wahre Gesinnung zu enth&#252;llen &#8211; d&#252;nkt mich, da&#223;, wo aller Besitz Privatbesitz ist, wo Alles am Ma&#223;stabe des Geldes gemessen wird, da kann es wohl kaum je geschehen, da&#223; der Staat gerecht und gedeihlich verwaltet wird [&#8230;] Denn das hatte die hohe Weisheit dieses Mannes [Platon] leicht vorausgesehen, da&#223; nur dieser eine und einzigste Weg zum Heile des Gemeinwesens f&#252;hre, wenn Gleichheit des Besitzes herrsche; diese kann aber dort nicht bestehen, wo die einzelnen Dinge im Privatbesitz sind. [&#8230;] So habe ich die sichere Ueberzeugung gewonnen, da&#223; die Habe der Menschen einigerma&#223;en nach Gleichheit und Billigkeit nicht vertheilt, noch die irdischen Angelegenheiten gl&#252;cklich gestaltet werden k&#246;nnen, wenn nicht alsbald das Privateigenthum aufgehoben wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Morus verurteilt die durch die Bauern verjagende und sie mit Schafen ersetzende Entwicklung des Grundeigentums und des Bodenkapitalismus verursachten Sch&#228;den: &#8222;Eure Schafe die so sanft zu sein und so wenig zu fressen pflegten, haben angefangen so gefr&#228;&#223;ig und z&#252;gellos zu werden, da&#223; sie die Menschen selbst auffressen [...]&#8220; Er verurteilt die Ohnmacht der Politik und die Distanz, die zwingend die guten Prinzipien von ihrer praktischen Anwendung trennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Utopia sind die Dinge anders. &#8222;Von dort holt jeder Familienvater, was er und die Seinen n&#246;thig haben, und nimmt es ohne Geld und ohne irgendwelche Gegenleistung an sich. Denn warum sollte ihm etwas verweigert werden? Da ja alle Dinge in Ueberflu&#223; vorhanden sind und der Bef&#252;rchtung nicht Raum gegeben wird, da&#223; Jemand mehr als er bedarf, verlangen werde. Denn warum sollte man annehmen, da&#223; Jemand Ueberfl&#252;ssiges fordern werde, wenn er sicher ist, da&#223; er in keinem Augenblicke irgend einer Sache ermangeln werde? Habgierig und raubs&#252;chtig macht alle Lebewesen die Furcht vor k&#252;nftiger Entbehrung [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Denn irgendwo anders&#8220;, schreibt er, &#8222;ist, w&#228;hrend sie Alle vom Allgemeinen Wohl sprechen, doch Jeder nur auf seinen eigenen Nutzen bedacht. Aber da, wo es kein Privateigenthum gibt, wird das &#246;ffentliche Interesse ernstlich wahrgenommen, und zwar auf beiden Seiten mit vollem Rechte. [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Utopien [&#8230;], wo Alles Allen geh&#246;rt, zweifelt Niemand daran (wenn nur daf&#252;r gesorgt ist, da&#223; die &#246;ffentlichen Speicher gef&#252;llt sind) da&#223; ihm je etwas f&#252;r seine Privatbed&#252;rfnisse fehlen werde. Denn dort gibt es keine knickerig-h&#228;mische Vertheilung der G&#252;ter, keine Armen und keine Bettler, und obwohl Keiner etwas besitzt, sind doch Alle reich. [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist das nicht ein ungerechter und undankbarer Staat, der den Adeligen, wie sie hei&#223;en, und den Goldschmieden, und den &#252;brigen Leuten &#228;hnlichen Schlages, oder M&#252;&#223;igg&#228;ngern oder blo&#223;en schmarotzenden Fuchsschw&#228;nzern, oder denen, die nur f&#252;r Herstellung nichtiger Vergn&#252;gungen th&#228;tig sind, das beste Wohlleben verschafft, den Bauern, K&#246;hlern, Tagel&#246;hnern, Fuhrleuten und Schmieden dagegen, ohne welche ein Staat &#252;berhaupt nicht existiren konnte, gar nichts Gutes zu Theil wird? Aber nachdem ein solcher Staat die Arbeitskr&#228;fte im bl&#252;hendsten Lebensalter mi&#223;braucht hat, belohnt er die von der Last der Jahre und Krankheit Gebeugten, von allen Hilfsmitteln Entbl&#246;&#223;ten, so vieler durchwachter N&#228;chte, so vieler und so gro&#223;er Dienste uneingedenk in schn&#246;dester Undankbarkeit mit einem jammervollen Tode, dem man die Leute &#252;berl&#228;&#223;t.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Morus schliesst sein Buch folgendermassen ab: &#8222;[E]s [gibt] im utopischen Staatswesen eine Menge Dinge [&#8230;], die ich in anderen Staaten verwirklicht zu sehen w&#252;nsche. Freilich &lt;i&gt;w&#252;nsche&lt;/i&gt; ich das mehr, als ich es &lt;i&gt;hoffe&lt;/i&gt;.&#8220; Und das Wort Utopie beschreibt im g&#228;ngigen Sprachgebrauch einen unerf&#252;llbaren Traum. Und doch&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und doch spielte sich ein Jahrhundert sp&#228;ter ein Experiment ab, das sich dem Traum von Morus bemerkenswert ann&#228;hert. Es ist sehr selten, dass ein gesellschaftliches Projekt so getreu verwirklicht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Kommunismus der Guaran&#237;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Jahr der Ver&#246;ffentlichung von &lt;i&gt;Utopia&lt;/i&gt; beginnen die Spanier, in Paraguay einzufallen und das Land zu erobern: das Land der Guaran&#237;-Indianer. Der Name Paraguay beschreibt im 16. Jahrhundert ein gr&#246;sseres Territorium als jenes des aktuellen Paraguay und die Heimat der Guaran&#237;, sowie das Experiment, wovon wir sprechen werden, befand sich ausserhalb der Grenzen des modernen Paraguay.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter der Schirmherrschaft der Jesuiten lebten Hunderttausende Indianer, bebauten das Land, f&#246;rderten und schmiedeten Metalle, bauten Schiffswerften, gaben sich den K&#252;nsten hin, ohne dass das Geld, die Lohnarbeit und das Privateigentum sich entwickelten. Die Republik der Guaran&#237; dauerte ungef&#228;hr eineinhalb Jahrhunderte, dann erlebte sie ihren Niedergang mit der Verbannung der Jesuiten und den Angriffen der Spanier und der Portugiesen. Dieses Gebiet formte zu seiner Zeit das industriell fortgeschrittenste Land Lateinamerikas. Die Zeitgenossen debattierten und stritten &#252;ber die Frage und das Ausmass des Experiments inspirierte den europ&#228;ischen Sozialismus. Einige sehen darin einen avantgardistischen Versuch, andere spielen ihn herunter und reduzieren ihn auf ein fragw&#252;rdiges Unternehmen der Jesuiten. Mit der Zeit wurde diese Sache als zu jesuitisch oder zu kommunistisch betrachtet, um Aufmerksamkeit zu erregen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vom Anh&#228;nger des Papstes und Stalins Clovis Lugon zitierten Dokumente erlauben es, sich eine genauere Meinung zu bilden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe La R&#233;publique des Guaranis, &#201;ditions ouvri&#232;res 1970.&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Nichts schien mir sch&#246;ner als die Ordnung und die Art und Weise, wie man die Versorgung f&#252;r alle Bewohner des Volksstammes organisiert. Jene, welche ernten, sind verpflichtet, alles Getreide in die &#246;ffentlichen L&#228;den zu transportieren; es gibt Leute, die verantwortlich sind f&#252;r die Betreuung dieser L&#228;den, sie f&#252;hren Buch &#252;ber alles, was sie erhalten. Am Anfang jeden Monats liefern die Offiziere, die das Getreide verwalten, den Chefs der Quartiere die notwendige Menge f&#252;r alle Familien ihres Distrikts und diese verteilen es dann an die Familien, sie geben mehr oder weniger, je nachdem wie zahlreich sie sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;R. P. Florentin, Voyage aux Indes orientales...&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die meisten Arbeiten wurden gemeinsam erledigt und die Indianer schienen vom Privateigentum nicht in Versuchung gebracht zu sein. Sie hielten nur H&#252;hner oder Pferde eigenh&#228;ndig. Um sie in Richtung Privateigentum zu dr&#228;ngen, wurden private Anteile verteilt, aber als die Indianer sich um diese Parzellen k&#252;mmern mussten, blieben sie &#8222;den ganzen Tag in ihrer H&#228;ngematte liegen [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;P. Sepp.&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Priester Cardiel, der sich, wie es gesagt worden ist, &#252;ber den Fortbestand des kommunistischen Systems beklagt, tut seinerseits alles in seiner Macht stehende, um die Guaran&#237; in Richtung Privateigentum zu dr&#228;ngen, allen voran im Sinne des individuellen Interesses und des Profits, indem er sie dazu ermutigt, auf dem Landanteil wertvolle Produkte anzubauen, um sie zu verkaufen und einen Gewinn zu erzielen. Er gibt ehrlich sein Scheitern zu und erkl&#228;rt, dass er alles in allem nur drei Beispiele gesehen hat, wo Private auf ihrem Landanteil ein bisschen Zucker oder Getreide zum Verkauf anbauten. Zudem war einer dieser drei Privaten ein bekehrter Mulatte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Lugon.&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Und der Priester Cardiel f&#252;gt hinzu: &#8222;W&#228;hrend 18 Jahren bei ihnen als Pfarrer oder Gef&#228;hrte ist mir unter Tausenden Indianern kein anderes solches Beispiel begegnet.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle Indianer waren verpflichtet, sich an den handwerklichen Aufgaben zu beteiligen, und sie verbrachten nur eine begrenzte Zeit damit: einen Drittel oder die H&#228;lfte des Tages.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt &#252;berall Werkst&#228;tten von Vergoldern, Malern, Bildhauern, Goldschmieden, Uhrmachern, Schlossern, Zimmerm&#228;nnern, Schreinern, Webern, Giessern, in einem Wort, alle Handwerke und Berufe, die ihnen von Nutzen sein k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Charlevoix.&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8222;Nur in einer grossen europ&#228;ischen Stadt w&#252;rde man so viele meisterhafte Handwerker und K&#252;nstler finden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Garech.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8222;Sie stellen Uhren her, sie wissen sich zu helfen, sie erstellen geographische Karten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sepp.&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Gem&#228;ss Charlevoix sind die Guaran&#237; &#8222;wie durch Instinkt in allen K&#252;nsten erfolgreich, die sie anwenden [&#8230;] Man hat beobachtet, wie sie h&#246;chst komplexe Orgeln herstellen, nachdem sie sie einmal gesehen hatten, genau wie Armillarsph&#228;ren, Teppiche nach der t&#252;rkischen Art und alles, was handwerklich am schwierigsten ist.&#8220; Und &#8222;sobald die Kinder im arbeitsf&#228;higen Alter sind, bringt man sie in die Werkst&#228;tten und weist sie jenen zu, zu welchen sie am ehesten neigen, da man &#252;berzeugt ist, dass die Kunst von der Natur gelenkt sein muss&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Indianer stellten auch Glocken, ihre Waffen, Kanonen und Munition her. Druckereien erlaubten es, B&#252;cher in mehreren Sprachen zu ver&#246;ffentlichen, besonders Guaran&#237;. Die Indianer waren milit&#228;risch organisiert. &#8222;Wir k&#246;nnten unmittelbar mehr als 30&#8216;000 Indianer mobilisieren, alle beritten&#8220;, und f&#228;hig, &#8222;sowohl eine Muskete zu halten, als auch einen S&#228;bel [&#8230;], offensiv wie auch defensiv zu k&#228;mpfen, wie irgendwelche Europ&#228;er.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Der Priester Aguilar, der allgemeine Vorsteher der Republik, schrieb: &#8222;Was k&#246;nnte man 20&#8216;000 Indianern entgegensetzen, die mit den besten spanischen oder portugiesischen Truppen konfrontiert waren, vor welchen sich die tapfersten Krieger nicht mehr zeigen wollen, welche die Portugiesen zweimal aus der Kolonie Saint-Sacrement verjagten und seit so vielen Jahren alle umliegenden ungl&#228;ubigen Nationen in Schach halten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zitiert von Charlevoix.&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Charlevoix gab es &#8222;weder Gold, noch Silber, nur um die Alt&#228;re zu dekorieren&#8220;. &#8222;Die Bev&#246;lkerung beschaffte sich die Nahrungsmittel ohne Geld oder irgendwelche M&#252;nzen. Diese G&#246;tzenbilder der Habsucht, sagt Muratori, sind ihnen absolut unbekannt [&#8230;] Der Wert der Waren wurde in &#8218;Pesos&#8216; oder &#8218;Real&#8216; ausgedr&#252;ckt, auf rein fiktive Weise. Es diente zur Festlegung des relativen Werts g&#228;ngiger Waren [&#8230;] Abgesehen vom Tausch und der fiktiven W&#228;hrung des &#8218;Pesos&#8216; existierte eine &#8218;wirkliche&#8216; W&#228;hrung, konstituiert aus gewissen allgemein genutzten Waren, die von jedem als Bezahlung akzeptiert wurden, sogar ohne dass man sie unmittelbar brauchte oder nutzen konnte (Tee, Tabak, Honig, Mais) [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Preis entsprach normalerweise dem wirklichen Wert der G&#252;ter, d.h. der f&#252;r ihre Produktion notwendigen Arbeit, ohne Zuschlag f&#252;r nicht existierende Zwischenh&#228;ndler. Der relative Preis einer Ware war selbstverst&#228;ndlich von ihrer Seltenheit oder ihrem &#220;berfluss beeinflusst.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Lugon.&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Transaktionen von &#8222;Reduktion&#8220; zu &#8222;Reduktion&#8220; waren abh&#228;ngig von den Gemeinschaften. &#8222;Die Statistiken zeichneten regelm&#228;ssig die Menge der Reserve und Bed&#252;rfnisse f&#252;r alle Reduktionen auf, es war einfach, den Handel zu planen. Der Pfarrer hielt Rat mit dem &lt;i&gt;corregidor&lt;/i&gt; und dem Majordomus, um die Art und die Menge der zu importierenden oder zu exportierenden Waren zu bestimmen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;War es authentischer Kommunismus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus der Guaran&#237; war kein reiner Kommunismus. Er hatte den klerikalen Geist der Jesuiten, der spanischen Krone wurde ein Tribut gezahlt und die milit&#228;rischen Kr&#228;fte der Guaran&#237; waren in ihrem Dienst, der Tausch existierte weiter usw. Doch wir sind nicht auf der Suche nach Reinheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es waren nicht die Jesuiten, die den Guaran&#237; den Kommunismus brachten. Sie fanden ihn dort und mussten sich damit abfinden. Einige freuten sich dar&#252;ber, fanden, dass er dem Geist des Evangeliums entsprach, andere, aufgrund ihrer Neigung oder &#228;usserem Druck, versuchten, ihn zu beschr&#228;nken. Die Jesuiten erlaubten die &#220;bernahme westlicher Techniken und westlichen Wissens durch einen unausrottbaren urspr&#252;nglichen Kommunismus. Sie erlaubten den Gruppen der Guaran&#237; eine Vereinigung in ein konsequentes Ganzes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Kommunismus war kommunistisch genug, um Misstrauen auszul&#246;sen und angegriffen zu werden. Die Jesuiten spielten, da sie einer ausserhalb der Gemeinschaften der Guaran&#237; stehenden Autorit&#228;t unterworfen waren, eine eher verh&#228;ngnisvolle Rolle, indem sie Verwirrung und Zwietracht unter den Indianern stifteten, als die Spanier und die Portugiesen die &#246;stlichen &#8222;Reduktionen&#8220; 1754-1756 angriffen. &#8222;Die V&#228;ter der Reduktionen hatten vom General der Gesellschaft, Ignazio Visconti, &#8218;den strengen Befehl erhalten, sich der unvermeidbaren Situation zu unterwerfen und unter den Indianern den Gehorsam durchzusetzen&#8216;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die direkt bedrohten Indianer k&#228;mpften, aber sie wurden letztendlich niedergeschlagen. Die Jesuiten wurden 1768 vertrieben. Die Interventionen gegen die Guaran&#237; verl&#228;ngerten sich und ruinierten das Experiment. Die Schw&#228;che des Kommunismus der Guaran&#237; bestand darin, dass er von Anfang an kein revolution&#228;rer Kommunismus war und sich nicht in der Konfrontation konstituiert hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Martin de Moussy schrieb 1852: &#8222;Dieses merkw&#252;rdige Regime, vielleicht mit einem Anschein von Vernunft, dieser so sehr kritisierte Kommunismus, dessen bester Beweis daf&#252;r, dass er den Indianern zusagte, die Tatsache ist, dass sich die Jesuiten gezwungen sahen, ihn fast bis zur heutigen Zeit weiterzuf&#252;hren, und seine Zerst&#246;rung ohne intelligente und v&#228;terliche Massnahmen zur Folge hatte, die Indianer ins Elend zu st&#252;rzen [&#8230;] Heutzutage bereuen ihre letzten Erben dieses Regime bitter, es war freilich nicht perfekt, aber es entsprach ihren Instinkten und Gebr&#228;uchen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lugon, der aus den Jesuiten unbedingt die Importeure des Kommunismus machen will, schreibt weiter: &#8222;Nach der Zerst&#246;rung von Entre R&#237;os organisierten sich die &#220;berlebenden unter der F&#252;hrung von drei Anf&#252;hrern unterst&#252;tzt durch einen Rat neu, vollst&#228;ndig gem&#228;ss den von den Jesuiten &#252;berlieferten Traditionen. Die Bev&#246;lkerung dieser Kolonie wurde zwischen 1820 und 1827 auf 10&#8216;000 Personen gesch&#228;tzt. Die G&#252;tergemeinschaft wurde vollst&#228;ndig wieder eingef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den zerfallenen Reduktionen des modernen Paraguay wurde das kommunistische Regime offiziell 1848 vom Diktator L&#243;pez abgeschafft. Die Guaran&#237;, welche weiter in dieser Region lebten, wurden zu diesem Zeitpunkt auf legale Art und Weise ihrer Geb&#228;ude und ihrer G&#252;ter entledigt. Man liess sie in etablierten Reserven ein Schattendasein fristen wie in Nordamerika.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Republik der Guaran&#237; ist nicht das einzige Beispiel des Zusammentreffens zwischen indianischem Kommunismus und dem Westen. Es gab andere, die weniger bedeutend waren: die Chiquita-Republik im S&#252;dosten Boliviens, die Moxes-Republik im Norden Boliviens, die Gruppe der Pampas&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisten M&#252;ntzers oder in Paraguay sind weitergegangen, indem sie intermedi&#228;re gesellschaftliche Formen zwischen dem urspr&#252;nglichen Kommunismus und dem weitergehenden Kommunismus der Kommunarden und anderer Proletarier der modernen Zeiten kreierten. Gab es mit der Zeit R&#252;ckschritte? Es war die Macht des Kapitals und der dadurch ausgel&#246;ste Verfall des gesellschaftlichen Sinnes, die sich dem Kommunismus entgegenstellten. Es gibt keinen R&#252;ckschritt, sondern einen Zyklus, der sich vollendet und dieses Mal den Kommunismus ins Zentrum der kapitalistischen Welt bringen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das mag wom&#246;glich unverst&#228;ndlich sein f&#252;r jene, welche die Geschichte als linearen und kontinuierlichen Prozess betrachten. Es gibt keinen R&#252;ckschritt und keine Vorwegnahme, sondern einen ewigen Fortschritt vom Niederen zum H&#246;heren. Doch weshalb hat sich denn die moderne Industrie ausgehend von der feudalen R&#252;ckst&#228;ndigkeit Europas und nicht von den grossen Webereimanufakturen der Inkas oder dem Handwerk und den Techniken der Chinesen entwickelt? Weshalb konnte diese Industrie erst nach einer Periode des Niedergangs eingef&#252;hrt werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben und nach dem Kommunismus religi&#246;ser Pr&#228;gung, der zwar bilderst&#252;rmerisch im Falle der deutschen Aufst&#228;ndischen oder Campanellas ist, der das Ende der Familie will, wird sich ein naturalistischer und antireligi&#246;ser Kommunismus im Fahrwasser der b&#252;rgerlichen Revolutionen entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Levellers&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In England entwickelt sich nach der Revolution von 1648 eine Str&#246;mung f&#252;r den Kommunismus innerhalb der Partei der &#8222;Levellers&#8220;. Mehrere kommunistische Werke erscheinen zu dieser Zeit. Darin werden die Arbeitspflicht f&#252;r alle und die unentgeltliche Verteilung der G&#252;ter verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kontakte mit nicht-westlichen Gesellschaften n&#228;hren philosophische &#220;berlegungen. Gueudeville ver&#246;ffentlicht 1704 die &lt;i&gt;Dialogues ou entretiens entre un sauvage et le baron de La Houtan&lt;/i&gt;. Der Indianer sei dem Europ&#228;er &#252;berlegen, weil er die Unterscheidung zwischen Mein und Dein nicht kennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Morelly ver&#246;ffentlicht 1755 seinen &lt;i&gt;Code de la Nature&lt;/i&gt;. Er bekr&#228;ftigt darin, dass der Mensch weder lasterhaft noch b&#246;se sei. Mit der &#8222;Habgier&#8220; und dem Eigentum muss gebrochen werden: &#8222;Entfernt das Eigentum, das sie begleitende blinde und erbarmungslose Interesse, l&#228;sst alle Vorurteile fallen, die sie st&#252;tzenden Irrt&#252;mer, dann gibt es keinen offensiven oder defensiven Widerstand mehr bei den Menschen, keine w&#252;tenden Leidenschaften, keine wilden Handlungen, keine Begriffe oder Ideen des moralischen B&#246;sen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz seinem Vertrauen in die menschliche Natur definiert er schliesslich und paradoxerweise Gesetze, die das Leben der Leute bis in die geringsten Details bestimmen. Die Kleidung, die Ehe, die Scheidung, die Erziehung der Kinder, das Denken und die Tr&#228;umerei sind auf strikte Art und Weise reglementiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus Morellys beeinflusst den Revolution&#228;r Gracchus Babeuf, der 1797 nach dem Scheitern der Verschw&#246;rung der Gleichen hingerichtet wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es war grunds&#228;tzlich richtig, davon auszugehen, dass der Kommunismus der menschlichen Natur entspricht; dass er der nat&#252;rliche Zustand der Spezies ist. Dies nicht, weil der Mensch spontan gut oder moralisch w&#228;re, nicht, weil die Gesellschaften aufeinanderfolgen, ohne eine unver&#228;nderliche menschliche Natur zu modifizieren. Schlicht und einfach, weil die Klassen, das Eigentum, der Handel, der Staat sich als gesellschaftliche Notwendigkeiten aufdr&#228;ngen, doch sie sind nur momentane Notwendigkeiten, die dem &#220;bergang von einer gesellschaftlichen kommunistischen Form zu einer anderen entsprechen. Der Kommunismus dr&#228;ngt sich nicht auf. Er taucht immer wieder auf, auch wenn er sich nur w&#228;hrend gewissen Zeitpunkten entwickeln kann. Wir haben gesehen, dass eine spontane und typische menschliche Manifestierung wie das Wort kommunistisch bleibt, zumindest auf der Ebene der Form. Betreffend des Verst&#228;ndnisses ist der Kommunismus weiterhin viel einfacher und transparenter als der Kapitalismus: die vorherrschende gesellschaftliche Form. Das, weil er sogar heutzutage eine unmittelbarere Wirklichkeit ist. Wenn wir den auf der Aneignung beruhenden und durch das Geld ausgedr&#252;ckten b&#252;rgerlichen Reichtum verh&#246;hnen und so tun, als ob wir naiv w&#228;ren, k&#246;nnen wir uns n&#228;mlich unmittelbar auf eine kommunistische Konzeption des Reichtums st&#252;tzen, die in einem latenten Zustand existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man wird uns vorwerfen, einseitig oder naiv zu sein. Bis zu einem gewissen Punkt sind das Tugenden, die wir kultivieren. Die einfachen Geister m&#246;gen gl&#252;cklich sein, denn das Himmelsreich geh&#246;rt ihnen; und nicht nur dieses. Man wirft dem Kommunismus nicht vor, er sei unverst&#228;ndlich und unm&#246;glich, sondern dass er naiv sei, dass er jene Wirklichkeit nicht ber&#252;cksichtige, welche er zu st&#252;rzen behauptet. Man bek&#228;mpft den Kommunismus, weil man weiss, dass er nicht so naiv ist und dass seine Erfolgsm&#246;glichkeiten durchaus existieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie ist eine Notwendigkeit. Sie ist notwendig in einer Welt, wo sich die menschliche Wirklichkeit den Menschen entzieht. Aber wenn die Theorie nur dazu dient, die Dinge komplizierter zu machen als sie sind, die Schutzabdeckung zu verst&#228;rken, welche die Menschen von ihrer Menschlichkeit trennt, dann sieht man besser davon ab. Die revolution&#228;re Theorie ist nicht wie die Relativit&#228;tstheorie. Sie spricht von einer Wirklichkeit, wovon wir Teil sind. Die Komplexit&#228;t und die Entfernung, die sie in einer Bewegung zu reduzieren versucht, die darum selbst kommunistisch ist, haben nicht physische Ursachen, sondern menschliche, die vom Menschen modifiziert werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man ist versucht, sich mit Theorie zu berauschen und sich somit dem Leben zu verweigern oder sich der Theorie zu verweigern und sich mit Erlebtem zu berauschen. Der Mangel an Leben, die Entfernung der Mechanismen, die das Leben der Menschen organisieren, f&#252;hren nicht zwingend zu einem aktiven Willen, zu verstehen, sondern zu einer z&#252;gellosen Suche nach Bildern und Identifikationsm&#246;glichkeiten. Es ist nicht wichtig, zu verstehen und somit die M&#246;glichkeit zu erlangen, die Wirklichkeit zu ver&#228;ndern, sondern es geht darum, Verantwortliche, Schuldige, Kriegstreiber und Arbeitsdiebe zu finden. Nur aufgrund dieser Suche nach Konkretem und Bildern konnten das System und seine Verwalter den Hass des Volkes auf diese oder jene gesellschaftliche Gruppe konzentrieren. Diesem pervertiertem Bed&#252;rfnis nach Erlebtem muss man Erkl&#228;rungen, aber vor allem das Leben selbst entgegenstellen. Man heilt Drogens&#252;chtige nicht mit Worten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Morelly stellt fest: &#8222;Es ist leider nur allzu wahr, dass es heutzutage unm&#246;glich w&#228;re, eine solche Republik aufzubauen.&#8220; Die Utopisten verstehen die Bewegung nicht, welche zum Kommunismus f&#252;hren kann. W&#228;hrend dieser Epoche erscheint das Proletariat noch sehr selten als autonome Kraft. Doch die utopischen Beschreibungen veranschaulichen schon den historischen Drang nach Kommunismus und machen daraus einen unmittelbaren Anspruch, entsprechend seinem tiefen Wesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zukunft ist kein von der von uns erlebten Wirklichkeit &#228;usserer Punkt. Sie ist diese Wirklichkeit, sie ist diese &#220;berwindung. Der Kommunismus ist hier und dort, heute und morgen, meine Subjektivit&#228;t und die objektive Entwicklung der Produktivkr&#228;fte. Ohne auf Abwege zu geraten, kann man den Kommunismus als Utopie nicht dem Kommunismus als historische Bewegung entgegensetzen. Einer der gr&#246;ssten Verdienste der Utopisten ist die Tatsache, dass sie sich betreffend der historischen M&#246;glichkeit ihres Projekts keinen Illusionen hingaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erst sp&#228;ter tauchten kommunistische Reformer wie Cabet und Owen auf, die versuchten, ihre Ideen in die Wirklichkeit hineinzupressen, indem sie kleine Gemeinschaften oder &#8222;kommunistische&#8220; oder den Kommunismus zum Ziel habende Institutionen gr&#252;ndeten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die St&#228;rke des Utopisten, dass er keine Zeit damit verliert, eine Repr&#228;sentation der Entwicklung zu konstruieren, das, was kommen wird, von dem abzuleiten, was ist. Er antizipiert direkt. Er greift radikal, d.h. auf menschlicher Ebene, jene Probleme an, welche das Kapital aufwirft und ans Licht bringt. Probleme, zu deren L&#246;sung die Menschheit eines Tages gezwungen sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Utopie bekr&#228;ftigt sich der Kommunismus in seiner Diskontinuit&#228;t mit der Gegenwart. Er wird als neuer globaler Ausgleich konzipiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man setzt dem einen sch&#228;bigen Determinismus entgegen, der die Entwicklung auf eine kontinuierlichen Prozess reduziert, in welchem jede Phase die Verl&#228;ngerung oder die Hervorbringung durch die Umformung der vorhergehenden Phase darstellt. Der Utopist wird auf einen Tr&#228;umer oder einen mystischen Rationalisten reduziert. Man erfasst seine Herangehensweise und seine urspr&#252;ngliche Grundlage nicht als Teil der besagten Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist ein historisch zul&#228;ssiger und angeordneter Ausdruck der Entfaltung der F&#228;higkeiten der menschlichen Spezies. Er ist der nat&#252;rliche Zustand der Spezies. Doch dieses Wesen wird historisch hervorgebracht. Die Geschichte selbst ordnet nur die gleichen Materialien und kommt davon nicht los, ohne jedoch voranzukommen oder einem geschlossenen Kreis zu entsprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zwischenphase der Klassengesellschaften, die dazu tendiert, den Menschen zu negieren, indem sie aus ihm ein Werkzeug macht, ist selbst nur m&#246;glich und notwendig geworden aufgrund der der Spezies eigenen Eigenschaften, die genetisch bedingt sind. Es ist die menschliche F&#228;higkeit, sich anzupassen, aber auch zu erdulden, Werkzeuge zu gebrauchen, aber auch als Werkzeug gebraucht zu werden, die sich nun gegen die Menschheit wendet. Diese Phase hat, indem sie den Kapitalismus und den Maschinenbetrieb hervorgebracht hat, ihr eigenes Todesurteil unterschrieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wissenschaftlicher Sozialismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 19. Jahrhundert tritt der Antagonismus zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat in den Vordergrund. Der Kommunismus tendiert weniger dazu, sich auf die Vernunft oder allgemein auf die Philosophie zu berufen. Er will sich eingliedern und praktisch die Wirklichkeit ver&#228;ndern. Die erste auftauchende Tendenz ist jene, welche damit beginnen will, kommunistische Inseln zu erschaffen, die sich, indem sie ein gutes Beispiel abgeben, ausbreiten, eventuell mit dem Einverst&#228;ndnis der M&#228;chtigen dieser Welt. Die zweite Tendenz ist jene des revolution&#228;ren und aufst&#228;ndischen Kommunismus. In Frankreich wird sie besonders mit dem Namen Blanqui verkn&#252;pft: &#8222;Der Kommunismus, welcher die Revolution selbst ist, mu&#223; sich vor den Spuren der Utopie h&#252;ten, er darf sich nicht von der Politik ausschlie&#223;en. Vor kurzem stand er noch au&#223;erhalb derselben, heute findet man ihn mit vollem Herzen bei derselben, und die Politik ist nur mehr seine Dienerin. [&#8230;] Der Tag, wo der Knebel aus dem Mund der Arbeit fallen wird, wird derjenige sein, wo er in den Mund des Kapitals gesteckt werden wird.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auguste Blanqui, &#8222;Der Kommunismus, die Zukunft der Gesellschaft&#8220; in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Blanqui sieht den Kommunismus in der kapitalistischen Welt, obwohl, unserer Meinung nach, ein bisschen zu grossz&#252;gig, schon am Werk: &#8222;Die Steuer, die Regierung selbst ist Kommunismus, gewi&#223; von schlimmerer Sorte und gleichwohl von absoluter Notwendigkeit. [&#8230;] Die Assoziation im Dienst des Kapitals wird eine solche Plage, da&#223; sie nicht lange wird ertragen werden k&#246;nnen. Das ist das herrliche Privilegium dieses Prinzips, da&#223; es nur Gutes hervorbringen kann [...]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 125-127.&#034; id=&#034;nh2-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem der Kommunismus sich offen mit dem Kampf des Proletariats verb&#252;ndet, macht er einen entscheidenden Schritt, doch er pervertiert sich auch. Er ist allm&#228;hlich kein unmittelbarer Anspruch mehr. Er wird zu einem Projekt, einer Mission, einem historischen Stadium, das von der Gegenwart getrennt ist. Von seinem Inhalt geleert f&#252;r die &#8222;Levellers&#8220; und die &#8222;Partageux&#8220;, kann er im 20. Jahrhundert zu einem Kleid f&#252;r das Kapital werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;wissenschaftliche Sozialismus&#8220; war eine Art, das historische Fernsein des Kommunismus zu rationalisieren. Im 19. Jahrhundert kann das Proletariat auf autonome Weise handeln, aber der Kommunismus ist nicht m&#246;glich. Indem sie politische Auswege und &#220;bergangsphasen vorschlugen, machten Bray, Marx und Blanqui alle Vereinnahmungen m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ber&#252;hmte &lt;i&gt;Kommunistische Manifest&lt;/i&gt; enth&#228;lt eben genau keinen Kommunismus. Man findet darin eine Lobrede auf die Bourgeoisie, eine Analyse des Klassenkampfes und &#220;bergangsmassnahmen. Vom Kommunismus wird eher wenig und schlecht gesprochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &lt;i&gt;Manifest&lt;/i&gt; wurde f&#252;r den Bund der Gerechten geschrieben, dieser ist zum Bund der Kommunisten geworden. Vor dem Eintreten von Marx und Engels war die Doktrin dieses deutschen Handwerker- und Arbeitervereins im Exil eher verworren. Weitling, sein Gr&#252;nder und Theoretiker, geh&#246;rte zu den Mystikern. Marx und Engels sorgen zweifellos f&#252;r einen Fortschritt, doch sie l&#246;sen eine R&#252;ckschritt betreffend einer naiven, aber positiveren und gerechteren Bekr&#228;ftigung des Kommunismus aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Juni 1847 definiert der Kongress des Bundes im Artikel 1 seine Absichten: &#8222;Der Bund bezweckt die Entsklavung der Menschen durch die Verbreitung der Theorie der G&#252;tergemeinschaft und die baldm&#246;glichste praktische Einf&#252;hrung derselben.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im November 1846/Februar 1847 schreibt der Vorstand den Sektionen: &#8222;Ihr wi&#223;t, der Kommunismus ist ein System, nach welchem die Erde das Gemeingut aller Menschen sein, nach welchem jeder nach seinen F&#228;higkeiten arbeiten, &#8218;produzieren&#8216;, und jeder nach seinen Kr&#228;ften genie&#223;en, &#8218;konsumieren&#8216;, soll [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Artikel 1 der neuen, von Marx und Engels verfassten Statuten betont die Probleme der Macht und der Herrschaft und definiert den Kommunismus negativ: &#8222;&lt;a id=&#034;anfang&#034;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Zweck des Bundes ist der Sturz der Bourgeoisie, die Herrschaft des Proletariats, die Aufhebung der alten, auf Klassengegens&#228;tzen beruhenden b&#252;rgerlichen Gesellschaft und die Gr&#252;ndung einer neuen Gesellschaft ohne Klassen und ohne Privateigentum.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In &lt;i&gt;Der H&#252;lferuf der deutschen Jugend&lt;/i&gt; (1841) definiert Weitling seinen christlichen Kommunismus folgendermassen: &#8222;Die Aufgabe, die er [Jesus] sich gestellt hatte, war ein Reich &#252;ber der ganzen Erde, Freiheit aller Nationen, Gemeinschaft der G&#252;ter und der Arbeit aller Derer, die sich zum Reich Gottes bekennen. Und das ist es gerade, was die heutigen Kommunisten wieder aufgenommen haben [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber es giebt Kommunisten die es sind ohne es zu wissen: Der flei&#223;ige Landmann der sein St&#252;ckchen schwarzes Brod mit dem Landmann theilt, der ist Kommunist. Der flei&#223;ige Handwerksmann der seine Arbeiter nicht schindet und ihnen von dem Ertrag der gemeinschaftlichen Arbeit verh&#228;ltni&#223;m&#228;&#223;ig lohnt, der ist Kommunist. Der reiche Mann der seinen &#220;berflu&#223; zum Besten der nothleidenden Menschheit verwendet, der ist Kommunist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommunismus und Barmherzigkeit werden praktisch miteinander verwechselt. Marx reagiert zu Recht und entschieden gegen diesen Brei. Das &lt;i&gt;Kommunistische Manifest&lt;/i&gt; definiert jedoch die Kommunisten nicht mehr durch ihren Kommunismus. Sie sind schlichtweg die entschiedensten unter den Proletariern und jene, welche den Vorteil einer klaren Auffassung des Gangs der proletarischen Bewegung auf ihrer Seite haben: die Besitzer der Theorie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich der Kommunismus, trotz der Wut von Marx gegen die Sozialdemokratie, besonders vor dem Gothaer Kongress 1875, seines Inhalts entleert. Er beh&#228;lt nur f&#252;r eine Handvoll Anarchisten seine tiefe Bedeutung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paul Reclus liefert 1891 in &lt;i&gt;La R&#233;volte&lt;/i&gt; zur Rechtfertigung der &#8222;individuellen Wiederaneignung&#8220;, d.h. des Diebstahls, diese kurze und gute Definition des Kommunismus: &#8222;Die T&#228;tigkeit des Lebens, wovon wir tr&#228;umen, ist gleich weit von dem, was man heute Arbeit, und von dem, was man heute Diebstahl nennt, entfernt: Wir werden nehmen, ohne zu fragen, und es wird kein Diebstahl sein, wir werden unsere F&#228;higkeiten einsetzen und t&#228;tig sein und es wird keine Arbeit sein [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der revolution&#228;ren Welle nach dem Ersten Weltkrieg und im Fahrwasser der Russischen Revolution erscheinen wieder marxistische und kommunistische Tendenzen. Es gibt kommunistische Ans&#228;tze bei den Bolschewisten. Ans&#228;tze, die schnell pervertiert und mit dem R&#252;ckgang der Weltrevolution und der Verhaftung in den russischen Problemen verschwinden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zurecht wurde die sehr fr&#252;he konterrevolution&#228;re Rolle der Bolschewisten verurteilt, zurecht wurde der b&#252;rgerliche Charakter des theoretischen und praktischen Werks Lenins aufgezeigt. Doch es ist idiotisch, die Bolschewisten f&#252;r das Scheitern der Arbeiterrevolution in Russland verantwortlich machen zu wollen. Die Bolschewisten sind eher eben genau ein Beispiel f&#252;r eine Handvoll Menschen, die es geschafft haben, dem Gang der Geschichte eine Richtung hin zum Extrem der revolution&#228;ren M&#246;glichkeiten zu geben. Ihre Gegenspieler, sogar links von ihnen, konnten ihnen in der Regel nur humanistische und demokratische Perspektiven entgegensetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kontrast zwischen dem Ausmass der revolution&#228;ren Welle und der Schw&#228;che der kommunistischen Bekr&#228;ftigung ist frappierend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Deutschland und Holland verurteilen besonders die &#8222;Linken&#8220; das russische Regime als Staatskapitalismus. Dem setzen sie einen auf der Arbeiterverwaltung basierenden Kommunismus entgegen. Man muss ihnen dankbar sein, dass sie die autonome Handlung der Massen und die Arbeiterr&#228;te ins Zentrum stellten. Mit dem R&#252;ckgang der Revolution zerf&#228;llt diese Str&#246;mung, ausgedr&#252;ckt besonders durch die KAPD, in kleine Sekten, w&#228;hrend sie zuvor Hunderttausende Arbeiter um sich gruppiert hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Ideologie der Arbeiterverwaltung wird auch von den Anarchisten und den Anarchosyndikalisten benutzt. Der Kommunismus wird auf die Selbstorganisation der Produzenten reduziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist in Italien, wo die Linke von Bordiga, die bei ihrer Gr&#252;ndung in der KPI vorherrschend ist, die kommunistische Doktrin am besten wieder herstellt. Sie lehnt sich gegen die Beteiligung an den Wahlen auf, verweigert die gemeinsamen Fronten mit der Sozialdemokratie und kritisiert die demokratische Illusion. Sie hebt die Abschaffung der Lohnarbeit und der Marktwirtschaft hervor. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt Bordiga seine Analyse der kapitalistischen Konterrevolution in Russland und seine Konzeption des Kommunismus. Man baut nicht den Kommunismus auf, man zerst&#246;rt die Marktwirtschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz seiner Tiefe kann sich der Bordigismus seiner leninistischen Gangart nicht entziehen. Sein Radikalismus und sein Scharfsinn enden in den schlimmsten Sackgassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es nur sehr langsam zu einer Wiedergeburt des theoretischen Kommunismus. Der Wohlstand und die gute Gesundheit des Kapitals sind dabei keine Hilfe. Nachdem er seine Vergangenheit mehr schlecht als recht durchgegangen ist, versucht er, sie zu &#252;berwinden. Er entwickelt sich je mehr die soziale und danach die wirtschaftliche Krise des Kapitals erneut sichtbar wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie die Kritik der L&#228;nder des Ostens und der B&#252;rokratie &#252;bernommen haben, arbeiten die Situationisten eine auf der Ware und dem &#8222;Spektakel&#8220; basierende Theorie aus. Sie verurteilen das moderne Elend. Obwohl ihre Analyse h&#228;ufig zutreffend ist, bleibt sie oberfl&#228;chlich. Sie ist in ihrem Stil und in ihrem Inhalt eine Gefangene der Wirkung des Spektakels, die sie denunziert und widerspiegelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situationisten erstellen eine brillante und aggressive soziale Kritik, aber keine Theorie des Kapitals, der dem Spektakel zugrundeliegenden Maschinerie und der Revolution. Sie gehen nicht auf die Frage der Kommunisierung ein, ausser durch ihren Zuspruch f&#252;r die unmittelbare Negation der Ware, Pl&#252;nderung oder Brandstiftung, oder indem sie sich im R&#228;tekommunismus verlieren: F&#252;r die absolute Macht der Arbeiterr&#228;te, von denen alles abh&#228;ngt. Als erbitterte Feinde des Bolschewismus machen sie wie er aus der Revolution eine Frage der Organisation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Doktrin muss auf die Beschreibung der Zukunft und allen voran des Prozesses der Kommunisierung fokussiert sein. Dar&#252;ber muss debattiert werden, deswegen sollte man sich vereinigen oder im Gegenteil spalten. Es geht nicht darum, der Gegenwart zu entfliehen, sondern sie zu leben und sie im Lichte der Zukunft zu beurteilen. Der Kommunismus ist gegenw&#228;rtig und man kann unmittelbar seine Perspektiven der kapitalistischen Klebefalle entgegensetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Protest, wenn er nicht in positive Perspektiven m&#252;ndet und somit seinen Mangel an Tiefe zeigt, wird zu einem Mittel, um sich im Elend zu suhlen, unter dem Vorwand, es zu verurteilen. Nach den Clowns und den Liedermachern schaffen es die Ideologen, sich vom Zerfall des Systems selbst zu n&#228;hren. Jenen, welche einem zum Lachen bringen, kann man alles verzeihen, aber ihnen nicht. Es ist die ultimative Art, die sich der Menschheit er&#246;ffnenden gigantischen und unerforschten M&#246;glichkeiten zu kaschieren: Die ultimative Art, die Hoffnung in den Herzen der Unterdr&#252;ckten zu vernichten!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf der Zeit tauchen die kommunistische Idee und der kommunistische Kampf immer wieder auf. Sie wandeln sich jedoch allm&#228;hlich, da der Kapitalismus sie durch ihre Vereinnahmung zur &#220;berwindung zwingt. Heutzutage, wo der Kapitalismus das &#246;ffentliche Eigentum und die eingepferchte Arbeit verallgemeinert hat, ist der Kommunismus jenseits des Gegensatzes zwischen individueller und kollektiver Aneignung. Es beruht nicht mehr alles auf der Frage des Eigentums. Der Kommunismus muss nicht mehr zwischen einem asozialen Naturalismus und einem rasenden Moralismus oder Reglementarismus pendeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die marxistische Etappe darf auch nicht verschont werden. Der Kommunismus wurde als eine Produktionsweise betrachtet, die auf den Kapitalismus folgt. Er ist zugleich mehr und etwas anderes als eine gesellschaftliche Form. Er ist die innerhalb des Kapitalismus gegenw&#228;rtige Bewegung, die ihn zur&#252;ckdr&#228;ngt, durch welche die menschliche T&#228;tigkeit sich ihrer Fesseln entledigt und endlich aufbl&#252;hen kann!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die kommunistische T&#228;tigkeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist allen voran eine T&#228;tigkeit. Zun&#228;chst, weil er innerhalb des Kapitalismus auftaucht, bevor er ihn st&#252;rzen kann. Zun&#228;chst, weil die menschliche T&#228;tigkeit und die lebenswichtigen Funktionen in der kommunistischen Welt nicht mehr Gefangene der hervorgebrachten gesellschaftlichen Formen sind. Die Organisation der Aufgaben muss nicht mehr in Institutionen eingefroren werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus entspringt positiv innerhalb des Kapitalismus. Doch er bekr&#228;ftigt sich als Kehrseite der Negation. Der Kommunismus als T&#228;tigkeit ist gleichzeitig Negation und Antizipation. Es gibt nicht zwei aufeinanderfolgende Momente. Je mehr sich die T&#228;tigkeit gegen das Kapital richtet, umso mehr tendiert sie dazu, den Kommunismus zu skizzieren; und umgekehrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht also &#252;berhaupt nicht darum, Inseln des Kommunismus innerhalb des Kapitalismus aufzubauen. Wenn die T&#228;tigkeit zum Aufbau tendiert, zerst&#246;rt sie sich vom kommunistischen Standpunkt aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keine kommunistischen Bed&#252;rfnisse, deren Befriedigung jenseits des Systems notwendig w&#228;re. Auch wenn sich hinter den Bed&#252;rfnissen Kommunismus versteckt, k&#246;nnen sie sich, wenn sie erscheinen, nicht von den M&#246;glichkeiten ihrer Verwirklichung im System trennen, auch wenn diese imagin&#228;r sind. Die Unf&#228;higkeit des Kapitalismus, die W&#252;nsche zu erf&#252;llen, f&#252;hrt zu seiner &#220;berwindung und zur &#220;berwindung der durch ihn erlaubten W&#252;nsche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir betrachten den Kommunismus auch nicht wie Weitling im moralischen Sinne oder wie Blanqui als den Aufstieg des glorreichen Prinzips der Assoziation. Wenn es Kommunismus ist, dann ist es negativer Kommunismus, nicht zu verwechseln mit schlechtem Kommunismus. Es ist der Aufstieg der Bewegung der kapitalistischen Enteignung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Proletarier, enteignet von den Produktionswerkzeugen, entmachtet bei ihrer Arbeit, voneinander getrennt, aber miteinander konfrontiert und getrieben von einer enormen produktiven Macht, als grosse Masse versammelt, betrachten den Kommunismus negativ als Teil ihrer Lage. Auch wenn sie Eigent&#252;mer ihres Werkzeugkastens sind, haben sie keine besonderen Interessen zu verteidigen. Ihre Mittellosigkeit steht der gesellschaftlichen Macht und dem gesellschaftlichen Reichtum entgegen, die von ihnen angetrieben werden. Das macht aus dem Proletariat die Klasse des Kommunismus. Die Proletarier k&#246;nnen sich die Produktionsmittel nicht st&#252;ckweise wieder aneignen. Sie m&#252;ssen sie vergemeinschaftlichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was grundlegend ist, ist nicht so sehr, obwohl die Dinge untrennbar miteinander verbunden sind, die Bewegung der Wiederaneignung und der Vergemeinschaftlichung der G&#252;ter, eher die sich neu entwickelnde T&#228;tigkeit, die Wiederaneignung des Lebens, die Entstehung neuer Verh&#228;ltnisse, der Umsturz des Herrschaftsverh&#228;ltnisses zwischen den Menschen und den Dingen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewiss, der Kommunismus, die menschliche Gemeinschaft ist ein historisches Entwicklungsstadium, eine gegebene Produktionsweise. Die die Gruppen oder menschlichen Interessen einander entgegensetzenden Interessen verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch man kann den Kommunismus nicht verstehen, wenn man aus ihm eine zielgerichtete Bewegung macht, die von der ihn hervorbringenden T&#228;tigkeit getrennt ist. Indem man die T&#228;tigkeit dem Ziel, die Mittel dem Zweck unterordnet, tut man nichts anderes, als die Herrschaft des die menschliche T&#228;tigkeit in der Arbeitsform einsperrenden Warenkapitals auf sie zu projizieren. Das Ziel, das Resultat, die kommunistische gesellschaftliche Form m&#252;ssen als Notwendigkeit der T&#228;tigkeit betrachtet werden, welche versucht, ihre Existenzbedingungen zu garantieren und zu reproduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gemeinschaft ist in der kommenden Gesellschaft, der Vereinigung des Planeten, dem Ende der Trennung der Wirtschaft in Unternehmen, in einer globalen und gesellschaftlichen L&#246;sung. Aber all jene, welche sie in der spontanen Handlung, in der unmittelbaren und spezifischen Negation der Rassismen und der L&#252;gen nicht am Werk sehen, k&#246;nnen nichts davon verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beziehung zwischen unmittelbarer T&#228;tigkeit und der kommenden Welt ist zentral. Die Universalit&#228;t des Kommunismus ist in der Besonderheit der Situationen enthalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Universalit&#228;t kann aus dem Besonderen entspringen, weil dieses Besondere selbst das Produkt der universellen, vereinigenden und entziehenden Logik des Kapitals ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche diese Verbindung nicht erfassen, m&#252;ssen sich auf ein falsches Universales berufen: die Partei (proletarisch!), den Staat (proletarisch!) oder sogar das Proletariat, aber als Abstraktion oder Repr&#228;sentation. Dieses falsche Universale wird selbst als das betrachtet, was das aktive Prinzip in Anbetracht einer reglosen Gesellschaft kaschiert. Das Werkzeug und sein Objekt. Der Geist ver&#228;ndert oder &#252;berdeckt die Materie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das kommunistische Bewusstsein verallgemeinert sich nur, wenn die Gesellschaft in ihren Grundlagen ersch&#252;ttert wird. Aber im wieder auftauchenden Leben ist alles schon da, auch das Bewusstsein, das kein passiver Widerschein von Repr&#228;sentationen und erstarrten Situationen mehr ist. Das ideologische Bewusstsein verwandelt sich in ein praktisches. Damit ist es schon kommunistisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr der Kampf sich vertieft, desto mehr werden die Beteiligten von den ihnen innewohnenden Vorurteilen und Spiessigkeiten gereinigt. Ihr Bewusstsein entspannt sich und sie werfen einen neuen und erstaunten Blick auf die Wirklichkeit und ihr Dasein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Anwesenheit des Kommunismus ist nicht das Monopol des Kampfes im engen Sinne des Begriffs: ein klarer und verk&#252;ndeter Zusammenstoss zwischen Arbeit und Kapital. Sie zeigt sich im gesamten gesellschaftlichen Leben und ist h&#228;ufig abwesend von diesen ritualisierten, erstarrten und langweiligen K&#228;mpfen, die diesen Namen nicht verdienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die wahrhafte menschliche Gemeinschaft impliziert immer einen Widerspruch zum Kapital. Sie tendiert dazu, zu einem offenen Kampf zu werden, oder wird zerst&#246;rt und vereinnahmt, um zu einem Bild zu werden, das man auf die Wirklichkeit kleben kann. Der zunehmende Einfluss des Kapitals auf das Leben verdr&#228;ngt immer mehr jegliche wahrhafte Menschlichkeit, Liebe, Kreation und Forschung und macht sie unm&#246;glich. Die Menschen werden zu leeren H&#252;llen, die leblos im Rhythmus des Kapitals umhergeistern. Die Revolte, die Reaktion darauf muss also umso mehr einen menschlichen Charakter haben. Diese im Widerspruch zum Kapital stehende Menschheit, eine pr&#228;zise Phase in der Entwicklung der Spezies, nennen wir kommunistisch. Diese Etikette bleibt notwendig, solange diese Menschwerdung nicht die M&#246;glichkeit hat, alle menschlichen Manifestationen zu repr&#228;sentieren und anzunehmen, da sie weiterhin antagonistisch zum Kapital ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus ist m&#246;glich, weil das Kapital die Menschen nicht in Roboter verwandeln kann. Auch wenn es ihre Existenzen vollst&#228;ndig automatisiert, kann es nicht ohne ihre Menschlichkeit auskommen. Auch die am meisten integrierte und servile T&#228;tigkeit n&#228;hrt sich von Beteiligung, Kreation, Kommunikation und Initiative, obwohl sie nicht aufbl&#252;hen k&#246;nnen. Die Notwendigkeit und die Erwartung des Lohnes reichen nicht, um den Arbeiter funktionieren zu lassen. Er braucht andere Motivationen, er muss seinen Teil dazu beitragen. Die Arbeitsform kann den generischen und menschlichen Charakter der T&#228;tigkeit des Arbeiters nicht zum Verschwinden bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben gesehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Kap. IV.&#034; id=&#034;nh2-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, dass trotz den Trennungen das Leben weitergeht und seine Einheit fortbesteht: Es ist unm&#246;glich, die Produktion, die Bildung und die Experimentierfreude komplett voneinander zu trennen. Die Produktion, die d&#252;mmste Arbeit verlangen eine gewisse Anpassung vom Arbeiter und die F&#228;higkeit, mit einer unvorhergesehenen Situation fertig zu werden. Genau wie sich auch die abstrakteste Bildung in gewissen &#8222;Produkten&#8220; konkretisieren muss, sei es nur schon eine Pr&#252;fungskopie. Die Notwendigkeiten der &#228;usseren Kontrolle fallen auf die Produktion zur&#252;ck&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Produktionssystem w&#252;rde zusammenfallen, wenn die Arbeiter nicht mehr experimentieren, sich gegenseitig helfen und beraten k&#246;nnten. Die hierarchische Organisation der Arbeit kann nur &#252;berleben, wenn diese Regeln permanent mit den F&#252;ssen getreten werden. Sie setzt einen un&#252;berwindbaren Rahmen f&#252;r diese illegalen und spontanen T&#228;tigkeiten der Arbeiter durch, um sie daran zu hindern, sich zu entwickeln und wirklich gef&#228;hrlich und subversiv zu werden. Wenn sich ein Riss &#246;ffnet oder ein Konflikt ausbricht, versucht diese T&#228;tigkeit autonom zu werden und ihre eigene Logik zu entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem er k&#228;mpft, negiert sich der Proletarier unmittelbar als Lohnarbeiter, als Sklave, als Roboter. Wie beschr&#228;nkt das Wiederauftauchen des Lebens und der Aktion auch sein mag, die kapitalistische Unterdr&#252;ckung wird damit in ihren Grundlagen in Frage gestellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Proletarier, der nur noch ein R&#228;dchen war, f&#228;ngt wieder an, Entscheidungen zu treffen, sich zu engagieren und Risiken einzugehen. Er erlangt wieder die Kontrolle &#252;ber seine Handgriffe. Seine Augen &#246;ffnen sich, seine Intelligenz taut auf. Die unterdr&#252;ckende Ernsthaftigkeit und die Eint&#246;nigkeit, welche die Menschen in die Strafkolonien der Lohnarbeit und in das Polizei- und Warenuniversum einschliesst, fallen zusammen. Alles wird wieder m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolte als Streben nach Vergn&#252;gen und Effizienz ist schon jenseits der Arbeit. Ihr direkter Lohn ist die durch sie ausgel&#246;ste Freude und die durch sie erbrachten Resultate.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die wilde T&#228;tigkeit des Proletariats ist mit Repression konfrontiert, sobald sie eine gewisse Schwelle &#252;berschreitet. Noch h&#228;ufiger wird sie vereinnahmt und als Totgeburt verdaut. So ist nicht nur der Kommunismus das Produkt des Kapitalismus, sondern der Kapitalismus ist auch das Produkt des Kommunismus. Wir bestehen nicht auf diesem latenten oder unsicheren Kommunismus, um ihn zu fetischisieren. Er kann nur sich selbst sein, indem er sich &#252;berwindet und sich aus der kapitalistischen Umlaufbahn entreisst. Die Anerkennung seiner Bedeutung ist nicht gleichbedeutend mit der Verehrung einer Spontaneit&#228;t, die sich der Organisation, der Disziplin und der Offensive verweigert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital vereinnahmt gem&#228;ss seinem tiefen Wesen. Seinem Wesen nach ist es ein Vampir. Man sollte also nicht erstaunt sein &#252;ber diesen oder jenen spektakul&#228;ren Aspekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe der Arbeiter dienten dem System, trotz der durch sie ausgel&#246;sten Opposition, sich zu transformieren und seine Virtualit&#228;ten zu verwirklichen, wobei es immer sich selbst geblieben ist. Die Lohnk&#228;mpfe und die politischen K&#228;mpfe, oder jene, welche darin m&#252;ndeten, ersch&#252;tterten das System und erlaubten ihm, sich zu modernisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf ist h&#228;ufig auf der Ebene der Basis schon sterilisiert. Der Streik, die Demonstration und die Fabrikbesetzung werden zu Geschw&#228;tz. Man versucht nicht mehr, dem Kapital zu schaden, sondern es auf ein Problem aufmerksam zu machen, eine Unzufriedenheit auszudr&#252;cken. Auf dem Gipfel der Entfremdung erscheint der Streik nicht einmal mehr als Druckmittel, sondern als Aufopferung f&#252;r jene, welche die Arbeit niederlegen. Man beweist durch die Wichtigkeit seiner Aufopferung den Ernst seines Protests. Der soziale Krieg wird durch die Zurschaustellung ersetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T&#228;tigkeit und Programm&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Standpunkt der T&#228;tigkeit ist jener des Kommunismus. Es geht nicht darum, die Notwendigkeit f&#252;r die T&#228;tigkeit zu negieren, sich zu verk&#246;rpern, zu vergegenst&#228;ndlichen und auf das zu st&#252;tzen, was sie ausl&#246;st und ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital hingegen betrachtet die T&#228;tigkeit nur vom Standpunkt des produzierten Gegenstandes aus. Das ist der Grund, weshalb es entgegen allen Tatsachen die Arbeit und die spezifisch menschliche T&#228;tigkeit miteinander gleichsetzt. Die T&#228;tigkeit kann nur hinsichtlich ihres unmittelbaren und positiven Resultats ernstgenommen werden. Positiv gem&#228;ss dem Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Wille, nur die unmittelbare Wirkung in Betracht zu ziehen, kaschiert den antizipierenden Charakter des Arbeiterkampfes: &#8222;Statt zu beobachten, was die Arbeiter tun, versuchen die b&#252;rgerlichen Ideologen, sich vorzustellen, was die Arbeiter erhalten m&#246;chten. Man sieht in der proletarischen T&#228;tigkeit im besten Falle einen St&#246;r- oder Modernisierungsfaktor, nie die Skizze ihrer &#220;berwindung.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese T&#228;tigkeit wird nicht ernstgenommen, weil sie nicht produziert. Sie sei rein zerst&#246;rerisch und negativ. Wie kann man davon tr&#228;umen, dass sie eine neue Welt antreiben k&#246;nnte? In Wirklichkeit ist der negative Charakter der kommunistischen T&#228;tigkeit von den unmittelbaren M&#246;glichkeiten und dem kapitalistischen Kontext determiniert. Sie ist nur vom Standpunkt des Kapitals aus negativ, nicht von jenem aus, welcher es ersch&#252;ttert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Man sollte sich keine Illusionen bez&#252;glich des zerst&#246;rerischen Charakters der aus den R&#228;ndern des Kapitalismus hervorgehenden kommunistischen T&#228;tigkeit machen. Sie produziert schon Gebrauchswert. Die Sabotage zerst&#246;rt Handelswert, indem sie den Gebrauch einer Ware angreift, doch sie produziert einen Gebrauchswert f&#252;r den Arbeiter, denn sie erlaubt ihm, freie Zeit zu gewinnen, Druck auf den Chef auszu&#252;ben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Lordstown 72.&#034; id=&#034;nh2-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Dieser zerst&#246;rerische Charakter verpufft sogar, wenn der Arbeiter auf dem R&#252;cken des Unternehmens f&#252;r eigene Zwecke produziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem wir aus der revolution&#228;ren proletarischen T&#228;tigkeit den Angelpunkt unserer Doktrin machen, k&#246;nnen wir die Gleichheit und die Diskontinuit&#228;t zwischen der Revolte gegen das Kapital und der kommenden Welt erfassen. Wir sehen die widerspr&#252;chliche Einheit zwischen der Arbeit und der kommunistischen T&#228;tigkeit. Wir k&#246;nnen bekr&#228;ftigen, dass der Kommunismus allen voran weniger eine Modifikation der gesellschaftlichen Formen als eine radikale Transformation der menschlichen T&#228;tigkeit ist. Das erlaubt es uns, die traditionellen Konzeptionen der Kosteneinsch&#228;tzung in der kommunistischen Welt zu revidieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinen Jugendschriften konzipiert Marx den Kommunismus nicht nur als Bewegung, sondern auch als T&#228;tigkeit. Je mehr er seine Konzeption der historischen Entwicklung ausarbeitet, wird dieser Standpunkt als einheitlicher Standpunkt leider &#252;berdeckt. Marx wird zum kommunistischen Theoretiker des Kapitalismus. Im doppelten Sinne des Ausdrucks. Einerseits analysiert er den Kapitalismus vom Standpunkt seiner Negation aus. Andererseits ist er ein Gefangener des Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich ber&#252;cksichtigt Marx die menschliche T&#228;tigkeit als revolution&#228;re und produktive T&#228;tigkeit; aber getrennt voneinander. Bez&#252;glich der Revolution von 1848 zeigt er, dass sich die proletarische T&#228;tigkeit von der Situation der Klasse n&#228;hrt und eine eigene Logik entwickelt. In seinen &#246;konomischen Werken macht er aus der Arbeit die Grundlage und den Massstab des Werts. Doch da er die produktive T&#228;tigkeit vom Produkt ableitet, f&#228;llt er in die Gleichsetzung der produktiven menschlichen T&#228;tigkeit und der Arbeit zur&#252;ck. Er sieht in der T&#228;tigkeit des revolution&#228;ren Proletariats nicht etwas, das jenseits der Arbeit ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn alles nur unmittelbare T&#228;tigkeit des Proletariats ist, weshalb sollte man sich dann noch mit Theorie und Organisation befassen? Weshalb sollte man dann versuchen, ein Programm neu zu formulieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles ist nicht in der unmittelbaren T&#228;tigkeit des Proletariats, obwohl alles damit in Verbindung gebracht, im Verh&#228;ltnis zu ihr und als ihr Nachhall gesehen werden sollte. Die unmittelbare T&#228;tigkeit ist nur in der F&#228;higkeit zu ihrer &#220;berwindung kommunistisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das kommunistische Programm ist eine Notwendigkeit, obwohl es im Moment von der Gesamtheit des Proletariats getrennt ist. Es steht nicht ausserhalb seiner Bewegung, es ist eine Antizipation, ein Leitfaden. Seine Wahrheit liegt in der F&#228;higkeit zu seiner Aufl&#246;sung, d.h. der Verwirklichung durch die Klasse. Es ist nur das Programm der proletarischen T&#228;tigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Les Amis de 4 Millions de Jeunes Travailleurs, 1975-1976&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://kropot.free.fr/nomonnaie.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/world-without-money-communism-les-amis-de-4-millions-de-jeunes-travailleurs&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;English&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.abertzalekomunista.net/es/biblioteca/marxistas-internacionales/organization-des-jeunes-travailleurs-revolutionnaires/2016-un-mundo-sin-dinero-el-comunismo&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Espa&#241;ol&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/um-mundo-sem-dinheiro-o-comunismo-os-amigos-dos-4-milh&#245;es-de-jovens-trabalhadores&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Portugu&#234;s&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;N. Wiener.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Chaulie, &lt;i&gt;Socialisme ou barbarie&lt;/i&gt;, Nr. 22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bucharin, Preobraschenski, &lt;i&gt;Das ABC des Kommunismus. Popul&#228;re Erl&#228;uterung des Programms der Kommunistischen Partei Ru&#223;lands&lt;/i&gt;, Hamburg, Verlag der Kommunistischen Internationale, 1921 [1919], &#167;121, S. 341-342.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bordiga, &lt;i&gt;Eigentum und Kapital&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Kritik des Gothaer Programms&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Buch 2, &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt; 24, S. 316-317.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le roman de la vie&lt;/i&gt;, A. Ducrocq.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Faure, Boss und Le Garff, &lt;i&gt;La Recherche &lt;/i&gt;&lt;i&gt;o&lt;/i&gt;&lt;i&gt;p&#233;rationnelle&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;La R&#233;volution des Saints&lt;/i&gt;&lt;i&gt; 1520-1536&lt;/i&gt;, G. D'Aubar&#232;de 1946.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Jean Bockelson,&lt;/i&gt; M. Baston 1824.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;&#201;tudes historiques sur le communisme et les insurrections au XVI&lt;/i&gt;&lt;i&gt;e&lt;/i&gt;&lt;i&gt; si&#232;cle,&lt;/i&gt; Arnoul, 1850.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;La R&#233;publique des Guaranis,&lt;/i&gt; &#201;ditions ouvri&#232;res 1970.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;R. P. Florentin, &lt;i&gt;Voyage aux Indes orientales...&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;P. Sepp.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Lugon.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Charlevoix.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Garech.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sepp.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zitiert von Charlevoix.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Lugon.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auguste Blanqui, &#8222;Der Kommunismus, die Zukunft der Gesellschaft&#8220; in &lt;i&gt;Instruktionen f&#252;r den Aufstand. Aufs&#228;tze, Reden, Aufrufe&lt;/i&gt;, Frankfurt/Wien, Europ&#228;ische Verlagsanstalt/Europa Verlag, 1968, S. 141-146.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 125-127.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Kap. IV.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Lordstown 72.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Il lato cattivo - Noch mal zu Covid-19 und dar&#252;ber hinaus</title>
		<link>http://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Noch-mal-zu-Covid-19-und-daruber-hinaus</link>
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		<dc:date>2021-06-23T18:11:00Z</dc:date>
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		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Theorie</dc:subject>
		<dc:subject>Il lato cattivo</dc:subject>
		<dc:subject>Covid-19</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Eine Aktualisierung &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929, die man richtiger den Weltwirtschaftszusammenbruch oder die Weltniederlage des liberalen Kapitalismus nennen m&#252;&#223;te, trat der Ernstfall f&#252;r die gesamte kapitalistische Welt ein. [&#8230;] Die pers&#246;nliche Erfahrung verband sich mit der kollektiven der politisch-ideologischen Lagerbildung. Was der einzelne auch dachte oder tat, es blieb nicht seine pers&#246;nliche Sache, sondern geriet, mit oder ohne sein Zutun, ins Gravitationsfeld der (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo" rel="tag"&gt;Il lato cattivo&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Covid-19" rel="tag"&gt;Covid-19&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton72.png?1689271625' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='106' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine Aktualisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929, die man richtiger den Weltwirtschaftszusammenbruch oder die Weltniederlage des liberalen Kapitalismus nennen m&#252;&#223;te, trat der Ernstfall f&#252;r die gesamte kapitalistische Welt ein. [&#8230;] Die pers&#246;nliche Erfahrung verband sich mit der kollektiven der politisch-ideologischen Lagerbildung. Was der einzelne auch dachte oder tat, es blieb nicht seine pers&#246;nliche Sache, sondern geriet, mit oder ohne sein Zutun, ins Gravitationsfeld der nunmehr herrschenden materiellen Not und der &#252;ber ihr sich erhebenden politischen Ideologien.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wolfgang Schivelbusch, &lt;i&gt;Entfernte Verwandtschaft. Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal 1933-1939&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einleitung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zehn Monate nach der Ver&#246;ffentlichung von &#8222;Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hier verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh4-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist der Moment gekommen, die Gesamtheit dieser Analysen und Hypothesen, die mehr oder weniger &#8222;als Momentaufnahme&#8220; formuliert worden waren, noch einmal kurz zu &#252;berpr&#252;fen, um zu erkennen, wo wir Recht hatten und wo es, in Anbetracht des zwischenzeitlichen Verlaufs, notwendig ist, das Visier anzupassen. In einer zweiten Phase werden wir &lt;i&gt;einige&lt;/i&gt; bedeutende Momente dieser &lt;i&gt;ersten Phase&lt;/i&gt; der globalen Krise isolieren und eine Analyse daf&#252;r bieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rekapitulieren wir zuerst jene Elemente unserer Diagnose, von welchen uns scheint, dass sie vom Verlauf der Ereignisse best&#228;tigt worden sind. Die Pandemie der Covid-19 stand dort f&#252;r eine Vielzahl an objektiven Bedeutungen und Funktionen, deren Zusammenfassung wir hier versuchen werden. Sie symbolisierte dort gleichzeitig (und ohne besondere Reihenfolge):&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;eine &lt;i&gt;Tatsache&lt;/i&gt; einer erwiesenen Schwere von einem medizinisch-gesundheitlichen Standpunkt aus (das scheint offensichtlich, aber zur Vermeidung von Missverst&#228;ndnissen&#8230;), somit daf&#252;r bestimmt, w&#228;hrend einer gewissen Zeit anzudauern;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;St&#246;rfaktor&lt;/i&gt; der interkapitalistischen Konkurrenz, der dazu imstande ist, gewisse Gleichgewichte und Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse davon zu modifizieren;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;Ausl&#246;ser&lt;/i&gt; einer gigantischen Wirtschaftskrise, die schon seit einiger Zeit unter der Asche schwelte;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;einen &lt;i&gt;Indikator&lt;/i&gt; f&#252;r die von der Globalisierung des Kapitals und der ihr zur Erf&#252;llung der Funktion der Gesamtverwaltung der interkapitalistischen Konkurrenz (&#8222;ideeller Gesamtkapitalist&#8220;) inh&#228;renten Multi-Level-Governance erreichten Grenzen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;ein &lt;i&gt;Moment&lt;/i&gt; eines breiteren, noch in den Kinderschuhen steckenden &#220;bergangs hin zu einer &#220;berwindung-Demontage der Globalisierung (und der Multi-Level-Governance selbst).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Zu den vorhergehenden Punkten k&#246;nnen wir folgende zugrundeliegenden Orientierungen der Analyse hinzuf&#252;gen:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;die Kritik jeglicher Theorie des automatischen Zusammenbruchs &#8211; sei sie &lt;i&gt;sub specie pestilentiae&lt;/i&gt; &#8211; der kapitalistischen Produktionsweise und jeglicher Sichtweise, die eine lineare Entwicklung vom gesundheitlichen Notstand zur Wirtschaftskrise und von dort zu einer unmittelbar antikapitalistischen und internationalen Massenpraxis postuliert;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die erneute Bekr&#228;ftigung der Kategorie der &lt;i&gt;ungleichm&#228;ssigen Entwicklung&lt;/i&gt; im breiten Sinne, unumg&#228;nglich zur Erfassung der Wirkung der Pandemie auf die verschiedenen nationalen und regionalen Zonen, die verschiedenen Branchen der Produktion und der Zirkulation des Mehrwerts, die verschiedenen Einzelkapitale usw. &#8211; eine Wirkungsverschiedenheit, die sich auch, wenn auch gewiss nicht auf mechanische Art und Weise, in der Heterogenit&#228;t der politischen und gesellschaftlichen Reaktionen in Anbetracht des gesundheitlichen Notstands ausdr&#252;ckt (und auch in Anbetracht der Wirtschaftskrise, f&#252;gen wir hier an, wir werden sp&#228;ter darauf zur&#252;ckkommen);&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die &#220;berzeugung, dass das Niveau des Drucks auf die Gesundheitssysteme &#8211; eher als die absolute Zahl der Todesf&#228;lle oder Ansteckungen &#8211; der entscheidende Faktor f&#252;r die Ergreifung der auf eine Begrenzung der Mobilit&#228;t der Individuen und, mit ihnen, der Ausbreitung des Virus abzielenden Massnahmen durch die Nationalstaaten sein w&#252;rde (wir beziehen uns hier auf den uns naheliegendsten Kontext, jenen des kontinentalen Westeuropas).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Umgekehrt kann man, unter den zweifelhaften oder nur teilweise durch die Tatsachen best&#228;tigten Elementen, deren Auswertung langfristig neu aufgegriffen werden muss, folgende kurz aufz&#228;hlen und kommentieren:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese, gem&#228;ss welcher die momentane Abtrennung der globalisierten Wertsch&#246;pfungsketten zu einer allgemeinen Infragestellung der Externalisierung &#252;ber grosse Distanzen hinweg f&#252;hren w&#252;rde. Zu diesem Punkt ist es bis jetzt nicht m&#246;glich, eindeutige Aussagen zu formulieren. Es jedoch sicher, dass diese Ketten durch die Coronakrise auf eine harte Probe gestellt worden sind und gegenw&#228;rtig noch neu definiert werden. Gem&#228;ss den besten globalistisch orientierten Kommentatoren scheinen die Befehlsgeber bis jetzt eine Diversifizierung der Versorgungsl&#246;sungen gegen&#252;ber einem brutalen Bruch mit den g&#228;ngigen Wirtschaftsmodellen zu bevorzugen. Dies h&#228;ngt mit dem Fortbestand, dank &#246;ffentlichen Zusch&#252;ssen und erleichterten Kreditbedingungen, eines immer noch sehr breiten N&#228;hrbodens an Zulieferern zusammen. Eine Vertiefung der Krise w&#252;rde notwendigerweise mit einer Schwindung dieses N&#228;hrbodens einhergehen, aber es ist unm&#246;glich, den Zeitrahmen davon zu formulieren.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die &#220;berzeugung, dass der gesundheitliche Notstand, auf Gedeih und Verderb, die Gesellschaft wieder zusammengeschweisst h&#228;tte (das Proletariat eingeschlossen), zumindest kurzfristig. Das schien sich in der allerersten Phase der Ausbreitung der Pandemie zu best&#228;tigen, doch es ist heutzutage immer weniger der Fall, da der gesundheitliche Notstand endemisch und Teil einer neuen Definition der allt&#228;glichen Normalit&#228;t zu werden scheint &#8211; eine neue Normalit&#228;t, die Reaktionen hervorruft, die ebenfalls hinsichtlich der Einkommensquellen und der Stellung in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung verschieden sind. Die Tatsache, dass die verschiedenen Einkommensquellen und Stellungen sehr ungleichm&#228;ssig von der Wirtschaftskrise betroffen sind, &lt;i&gt;tendiert&lt;/i&gt; dazu, einen vertikalen, &lt;i&gt;alle&lt;/i&gt; Klassen durchdringenden Bruch zwischen &#8222;Gesicherten&#8220; und &#8222;Ungesicherten&#8220; zu &#246;ffnen (&#246;ffentlicher Sektor vs. privater Sektor, stabile Jobs vs. prek&#228;re Jobs, wesentliche Sektoren vs. verzichtbare Sektoren, Grossunternehmen vs. Familienunternehmen, formelle Wirtschaft vs. informelle Wirtschaft, Junge vs. Alte usw.); die Staaten versuchen, ihn mit Ad-hoc-Massnahmen notd&#252;rftig zu flicken, um die Unzufriedenheiten auf einem tolerierbaren Niveau zu halten, doch das werden sie nicht ewig tun k&#246;nnen, umso weniger, als dass die Eliminierung der Nachz&#252;gler und der nicht rentablen Subjekte und Sektoren (Zombieunternehmen, zur&#252;ckgebliebene Elemente im terti&#228;ren Sektor usw.) eine Notwendigkeit ist, die zumindest einem Teil der Funktion&#228;re des grossen Kapitals bewusst ist.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese, dass die in den verschiedenen nationalen Kontexten getroffenen Massnahmen gegen die Krise den Weg f&#252;r Formen der gemischten Wirtschaft oder gar des Staatskapitalismus geebnet haben. Man sollte hier darauf achten, sich nicht von den Erscheinungen und den banalsten Gemeinpl&#228;tzen t&#228;uschen zu lassen: Massnahmen (stets partiell) kapitalistischer Planung k&#246;nnen auf verschiedene Art und Weise umgesetzt werden. Die verschiedenen Deklinationen kapitalistischer Politik nach der Krise von 1929 und besonders das Beispiel des Nationalsozialismus &#8211; der Privatisierungen und eine strenge politische Kontrolle des Kredits kombinierte &#8211; zeigen es ausf&#252;hrlich. Wird eine Zentralbank (sagen wir die Fed oder die EZB), die damit beginnt, Schuldscheine gewisser industrieller Unternehmen gem&#228;ss sehr pr&#228;zisen wirtschaftlichen oder politischen Kriterien zu kaufen, nicht somit zu einem Planungsorgan? An diesem Punkt sind wir noch nicht angelangt, aber wom&#246;glich nicht weit davon entfernt. Es sei nebenbei erw&#228;hnt, dass es oberfl&#228;chlich w&#228;re, im Vornhinein auszuschliessen, dass die Modern Monetary Theory (MMT) und ihre Vorschl&#228;ge bez&#252;glich Wirtschaftspolitik in dieser Handlung eine Rolle spielen k&#246;nnten, wenn sie auch begrenzt sein mag. Vergessen wir nicht, dass die theoretischen und praktischen Grenzen des Keynesianismus ihn nicht daran gehindert haben, in der zweiten Nachkriegszeit &lt;i&gt;auf beiden Seiten&lt;/i&gt; zum vorherrschenden wirtschaftlichen Glaubensbekenntnis zu werden. Die grossen Wendepunkte in der Geschichte der Wirtschaftspolitik des Kapitals gehorchen keiner abstrakten Rationalit&#228;t, sondern dem pragmatischen Imperativ, punktuelle L&#246;sungen f&#252;r punktuelle Probleme zu finden &#8211; L&#246;sungen, die sich mit der Zeit in neue Probleme verwandeln und neue L&#246;sungen erfordern. Als der junge Bucharin 1915 bekr&#228;ftigte, dass &#8222;der Staatskapitalismus das Grenzkonzept unserer Epoche ist&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nikolai Bucharin, &#8222;Zur Theorie des imperialistischen Staates&#8220;, 1915. Hier (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, war die Verstaatlichung der miteinander im Krieg stehenden Kapitalismen, auf welche er den Fokus richtete, viel beschr&#228;nkter als einige Jahrzehnte sp&#228;ter und Bucharin selbst konnte sich nicht ausmalen, inwiefern die Geschichte ihm Recht geben w&#252;rde. Trotzdem ist die von einigen Staatschefs (nicht allen) benutzte Metapher des Krieges &#8211; jenseits der Anforderungen der medialen Kommunikation &#8211; weit davon entfernt, die Wahrheit des gegenw&#228;rtigen Moments angemessen auszudr&#252;cken. Es scheint uns offensichtlich, dass die meisten westlichen Staaten sich durch eine besonders improvisierte und kurzsichtige Verwaltung der Pandemie (Impfungen eingeschlossen) auszeichnen. Wie es in &#8222;Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&#8220; angesprochen wurde, steht die Schwierigkeit der am meisten von der Globalisierung des Kapitals formatierten staatlichen Verb&#252;nde, auf ad&#228;quate Art und Weise die Funktion des &#8222;ideellen Gesamtkapitalisten&#8220; zu erf&#252;llen, im Zentrum dieser Krise. Es w&#228;re passender, von einer Etappe im Marsch in Richtung Krieg zu sprechen (pr&#228;ziser: in Richtung einer Wiederaufnahme der milit&#228;rischen Konflikte zwischen zentralen Akkumulationszonen). Doch inmitten von Bev&#246;lkerungen, die den unumkehrbaren Charakter der zahlreichen laufenden Transformationen weitgehend nicht verstehen und nur das Leben &#8222;zuvor&#8220; zur&#252;ckverlangen &#8211; was man verstehen kann &#8211;, ist es schwierig, erkl&#228;ren zu m&#252;ssen, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht. Es ist auch nicht sicher, dass ihre politischen Repr&#228;sentanten, kollektiv genommen, sich dessen besser bewusst sind. Auch hier wird die Selektion der F&#228;higsten f&#252;r das neue Szenario die Regel sein und man sieht schon die ersten Scharm&#252;tzel (siehe das Resultat der Man&#246;ver von Matteo Renzi in Italien).&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Hypothese einer Verschlimmerung der handelspolitischen und milit&#228;rischen Spannungen zwischen den USA und China bis hin zu einer M&#246;glichkeit direkter milit&#228;rischer Konfrontationen. Wir verweisen hier auf die in der Fortsetzung des Texts verstreuten Betrachtungen, in welchen solche Spannungen &#8211; nicht nur zwischen den beiden globalen Favoriten, USA und China &#8211; eine gewisse Bedeutung als indirekter Indikator der produktiven &#220;berkapazit&#228;t, Tr&#228;gerin von wachsenden Spannungen rund um die Kontrolle und die Eroberung von M&#228;rkten, auf einem globalen Niveau erlangen; unter der Gefahr, in den Vulg&#228;rmarxismus zur&#252;ckzufallen, kann man sagen, dass diese Spannungen nichts anderes sind als ein Effekt des Zwanges, der die kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse aktuell &#252;ber die schon entwickelten Produktivkr&#228;fte aus&#252;ben. Beschr&#228;nken wir uns vorerst darauf, den j&#252;ngsten Bericht NATO 2030 zu zitieren, er wurde letzten Dezember ver&#246;ffentlicht und dr&#252;ckt die klare Absicht aus, die westliche Einheit rund um das Containment Chinas wieder zu erreichen, das priorit&#228;re Anliegen des Atlantischen B&#252;ndnisses. Die Frage, ob die NATO f&#228;hig ist, sich den andauernden internen Zentrifugalkr&#228;ften zu widersetzen, ist eine andere Geschichte.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Dieser kurze &#220;berblick wird n&#252;tzlich sein, um sich in den folgenden Analysen zu orientieren. Wie wir es schon vorweggenommen haben, haben sie nicht den Anspruch, die laufenden Entwicklungen seit dem Beginn der Coronakrise vollst&#228;ndig zusammenzufassen. Viele dieser Entwicklungen &#8211; Geldpolitik, Gesundheitspolitik (Impfungen), technologischer Sprung usw. &#8211; w&#252;rden eine eigenst&#228;ndige Behandlung verdienen. Es sind eher &#8222;Momentaufnahmen&#8220;, Bruchst&#252;cke, die &#8211; wenn auch kein Verst&#228;ndnis des Gesamtbildes &#8211; zumindest eine Intuition daf&#252;r erlauben sollten. Wir sind nach wie vor &#252;berzeugt, dass es mithilfe einer brauchbaren Einf&#252;hrung in die Kritik der politischen &#214;konomie und die materialistische Konzeption der Geschichte sowie einigen Begriffen der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Geschichte immer noch m&#246;glich ist, erfolgreich zwei oder drei &#220;berlegungen oder sogar Vorhersagen zu machen, die solider sind, als jene, welche von den Denkorganen der kapitalistischen Klasse produziert werden (trotzdem muss man wissen, wie man sie nutzen kann). Die &#8222;epistemische&#8220; Position ist untrennbar mit der &#8222;politischen&#8220; (oder, wenn man es bevorzugt, antipolitischen) Position verbunden: &#8222;Soweit solche Kritik [der politischen &#214;konomie] &#252;berhaupt eine Klasse vertritt, kann sie nur die Klasse vertreten, deren geschichtlicher Beruf die Umw&#228;lzung der kapitalistischen Produktionsweise und die schlie&#223;liche Abschaffung der Klassen ist - das Proletariat.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, &#8222;Nachwort zur zweiten Auflage&#8220; in MEW, Bd. 23, S. 22.&#034; id=&#034;nh4-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Auch hier wird uns nur die Zeit zeigen, ob diese Vorannahmen ihre Richtigkeit behalten. Aber, wie wir es soeben gesagt haben, der kognitive Aspekt impliziert das Axiom der Klassendeterminierung, ihres entscheidenden Charakters bez&#252;glich dem Verlauf der gegenw&#228;rtigen und vor allem der k&#252;nftigen Ereignisse. Wenn das eine Element f&#228;llt, f&#228;llt auch das andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;***&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;USA&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berlassen wir den Historikern die Aufgabe, die (unserer Meinung nach total unrealistische) Hypothese zu widerlegen oder zu best&#228;tigen, gem&#228;ss welcher die USA am 6. Januar 2021 knapp einem Staatsstreich entgangen seien. Wie dem auch sei, die Ereignisse dieses Tages repr&#228;sentieren f&#252;r die &#8222;Figur&#8220; Trump das De Profundis am Ende eines Niedergangs, der zwischen Ende 2019 und Anfang 2020 mit den ersten klaren Symptomen der durch die Pandemie bloss beschleunigten Ersch&#246;pfung des industriellen und finanziellen Zyklus begonnen hatte. Bis dahin schien seine Wiederwahl wahrscheinlich, umso mehr weil die Kandidatur von Joe Biden im gegnerischen Lager nicht im Geringsten Enthusiasmus ausl&#246;ste und die Umfragen (in welchen Trumps Vorsprung wenig markant war) schon ihre mangelnde Verl&#228;sslichkeit unter Beweis gestellt hatten. Es sollte hier betont werden, dass, trotz der Neutralisierung eines betr&#228;chtlichen Teils des Wahlprogramms von Trump durch seine eigene Administration, besonders betreffend der Wiederbelebung der amerikanischen Industrie, die Pr&#228;sidentschaft von Trump f&#252;r die amerikanische Wirtschaft eine relativ florierende Periode war, gepr&#228;gt vom Wachstum der Reall&#246;hne (siehe die Graphik weiter unten), einer Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der besten Erwerbst&#228;tigenquote der schwarzen und lateinamerikanischen Minderheiten in der Geschichte der USA (was uns nat&#252;rlich nichts &#252;ber die Qualit&#228;t ihrer Jobs sagt, aber trotzdem&#8230;). Die Tatsache, dass Trump nicht oder kaum f&#252;r diese Zahlen verantwortlich ist, &#228;ndert an der Sache nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graphik 1: Entwicklung der Reall&#246;hne in den USA (1960-2020)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_32 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L439xH287/10000000000002c8000001d255fbc079edaf2455-f3f9d.jpg?1784181573' width='439' height='287' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;F&#252;gen wir hinzu, dass die Ablehnung des Multilateralismus in der Aussenpolitik &#8211; die schon vor Trump vorbereitet worden war, aber wovon er, sogar ungewollt, das international anerkannte Symbol geworden ist &#8211; unleugbar an mehreren Fronten ihre Effizienz (Handels- und Zollpolitik vor allem) gezeigt hat, dazu kommt die &lt;i&gt;innenpolitische&lt;/i&gt; Popularit&#228;t des milit&#228;rischen R&#252;ckzugs aus dem Mittleren Osten und Nordafrika nach den Missgeschicken in Afghanistan, im Irak, in Syrien und in Libyen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Coronakrise hat dieses Szenario grundlegend modifiziert, indem sie zutiefst in der Geschichte der amerikanischen Gesellschaft verankerte Probleme sichtbar gemacht hat: Allen voran die Funktionsst&#246;rungen eines halbprivaten Gesundheitssystems, in welchem die Krankenversicherung grosser Teile der Bev&#246;lkerung durch die Erwerbst&#228;tigkeit konditioniert ist &#8211; die eigene oder jene des Ehepartners &#8211; und somit durch die M&#246;glichkeit, erwerbst&#228;tig zu sein; daher kommt die explosive Kombination der Wirtschaftskrise und des gesundheitlichen Notstands f&#252;r die Afroamerikaner, unter welchen die Arbeitslosenzahlen h&#246;her sind als in der allgemeinen Bev&#246;lkerung und unter den anderen Minderheiten. Aber auch die Heftigkeit der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, wovon das Niveau der Polizeibrutalit&#228;t nur ein Widerschein ist, und die Zerbrechlichkeit einer institutionellen Architektur, in welcher die subnationalen &#8211; ethnischen, &lt;i&gt;aber auch religi&#246;sen&lt;/i&gt; &#8211; Gemeinschaften als &lt;i&gt;Ersatz&lt;/i&gt; f&#252;r die Interessenvertreter, als Vermittlungsinstanz zwischen der Zivilgesellschaft und der politischen Macht funktionieren. In diesem Rahmen erlangt die &lt;i&gt;schwarze Frage&lt;/i&gt; eine besondere Bedeutung, die weder durch die universit&#228;re Intersektionalit&#228;t, noch die grunds&#228;tzliche Ablehnung nationaler Fragen angemessen erfasst werden kann. Obwohl es wahr ist, dass die Ungleichheiten in den USA und der gesamten angels&#228;chsischen Welt im Verlauf der letzten 40 Jahre wortw&#246;rtlich explodiert sind, sind die Ungleichheiten &lt;i&gt;auf ethnischer Grundlage&lt;/i&gt; hingegen reduziert worden, sowohl aufgrund der relativen Verarmung der &#8222;kaukasisch&#8220; genannten Bev&#246;lkerungen, die in der geringeren Lebenserwartung klar sichtbar wird, als auch der Verbesserung der Bedingung der Einwanderer, gem&#228;ssigt f&#252;r die Lateinamerikaner, aber betr&#228;chtlich f&#252;r die Asiaten, die aktuell das bedeutendste Kontingent der Migrationsfl&#252;sse in Richtung USA sind und einen beeindruckenden sozio&#246;konomischen Aufstieg verzeichnen. Die Afroamerikaner, die ungef&#228;hr 15% der amerikanischen Bev&#246;lkerung ausmachen und die &#8211; im Gegensatz zu den Asiaten und den Lateinamerikanern &#8211; nicht als &#8222;Einwanderer&#8220; betrachtet werden k&#246;nnen (das ist eine Binsenwahrheit, aber es muss pr&#228;zisiert werden), sind weniger als die anderen an dieser relativen Angleichung beteiligt. Das wird offensichtlich, wenn man die ethnischen Statistiken betreffend des Niveaus der Schulabschl&#252;sse und des Abschlusses h&#246;herer Studien untersucht (siehe die untenstehende Tabelle).&lt;/p&gt;
&lt;table class=&#034;table spip&#034;&gt;
&lt;thead&gt;&lt;tr class='row_first'&gt;&lt;th id='id6e35_c0'&gt;Ethnizit&#228;t&lt;/th&gt;&lt;th id='id6e35_c1' colspan='2'&gt;% Bachelor auf dem Niveau der High School (oder dar&#252;ber)&lt;/th&gt;&lt;th id='id6e35_c3' colspan='2'&gt;% Diplomierte auf dem Niveau College (oder dar&#252;ber)&lt;/th&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/thead&gt;
&lt;tbody&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;2000&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;2018&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;2000&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;2018&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Weisse&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;83.3&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;90.2&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;24.6&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;35.2&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Afroamerikaner&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;72.1&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;87.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;13.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;25.2&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Lateinamerikaner&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;52.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;71.6&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;8.4&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;18.3&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Asiaten (+ pazifische Inseln)&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;79.7&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;90.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;37&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;56.5&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td headers='id6e35_c0'&gt;Total&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c1'&gt;78.5&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;89.8&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point' headers='id6e35_c3'&gt;21.9&lt;/td&gt;
&lt;td class='numeric point'&gt;35&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;a href=&#034;https://www.statista.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;U.S. Census Bureau&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man wird &#228;hnliche Daten finden, wenn man die Arbeitslosenquote, die Lebenserwartung und die Lebenserwartung in guter Gesundheit, sowie den Inzidenzwert von Krankheiten wie Diabetes und Krebs untersucht. Noch klarere Diskrepanzen zwischen Afroamerikanern und dem nationalen Durchschnitt findet man bei der Kindersterblichkeit, der Fertilit&#228;tsrate und dem Anteil der gemischten Ehen, diese sind klar r&#252;ckl&#228;ufig (die Ehen zwischen Schwarzen und Weissen sind wieder zu einem Tabu geworden). In ihrer Gesamtheit legen diese Indikatoren nahe, dass ein betr&#228;chtlicher Anteil der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung sich zunehmend als eine Enklave innerhalb der amerikanischen Gesellschaft reproduziert, sogar hinsichtlich der Kultur und des demographischen Verhaltens. In anderen Worten stellt sich die schwarze Frage &#8211; wovon die Black Power der 1960er und 1970er Jahre in ihren vielf&#228;ltigen und konfliktreichen (auch unternehmerischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;In Opelousas im Bundesstaat Louisiana wurde eine Genossenschaft f&#252;r den (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) Auspr&#228;gungen der letzte massenhaft organisierte Ausdruck war &#8211; in einem wahrscheinlich ver&#228;nderten Kontext, in welchem jedoch jene Bedingungen fortbestehen, welche ihre L&#246;sung in der Vergangenheit verunm&#246;glichten: Einerseits die Unm&#246;glichkeit jeglicher territorialen Sezession der Afroamerikaner, andererseits der gesellschaftlich zugleich gemischte und &lt;i&gt;nicht genug&lt;/i&gt; gemischte Charakter der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung &#8211; im Klartext, die Abwesenheit einer dem Nationalismus verpflichteten Grossbourgeoisie, die nicht mit der Pr&#228;senz einer schwarzen Kleinbourgeoisie und (besonders heutzutage) einer schwarzen lohnabh&#228;ngigen Mittelklasse kompensiert werden kann und die gleichzeitig nicht ausreicht, um die schwarze Frage als einfache Klassenfrage (die Afroamerikaner als eine Fraktion unter anderen des amerikanischen Proletariats) zu behandeln. In diesem Sinne kann man vielleicht das von Abraham L&#233;on in seiner Abhandlung &#252;ber die j&#252;dische Frage ausgearbeitete Konzept der &lt;i&gt;Volksklasse&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Abraham L&#233;on, Die j&#252;dische Frage. Eine marxistische Analyse, Essen, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; einsetzen, nicht ohne zu betonen, dass eine Minderheit zwar, aber ein konsequenter Teil der Afroamerikaner davon ausgenommen ist, da er perfekt ins wirtschaftliche, politische und kulturelle Establishment integriert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall kamen diese Determinierungen in der nach dem Mord an George Floyd entstandenen sozialen Bewegung voll zum Tragen und es ist falsch, sie als multiethnische und rein proletarische Bewegung zu analysieren. Es handelte sich eher um eine Explosion der Krawalle und Pl&#252;nderungen von gewissen Randgruppen des amerikanischen (tats&#228;chlich nicht nur schwarzen) Proletariats, die sich schnell in eine antirassistische &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; Bewegung verwandelte &#8211; sie war wesentlich von den am meisten politisierten Fraktionen der afroamerikanischen Mittelklassen (Black Lives Matter) und einer radikalen Fraktion der &lt;i&gt;white liberals&lt;/i&gt; angetrieben &#8211; begleitet von episodischen Wiedererscheinungen der urspr&#252;nglichen sozialen Zusammensetzung. Nach Ferguson (2014) und Baltimore (2015) war die Ausbreitung einer solchen Bewegung auf nationaler Ebene als Reaktion auf irgendeine Untat absolut vorhersehbar&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Jahr 2017 bekr&#228;ftigten wir, dass &#8222;die M&#246;glichkeit neuer &#8218;Verwachsungen&#8216; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was ihre Bedeutung ausmacht, ist die Tatsache, dass sie &#8211; im durch den Arabischen Fr&#252;hling begonnenen Zyklus der interklassistischen Bewegungen &#8211; die erste dieser Bewegungen im nordamerikanischen Raum ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie die durch die &#8222;friedliche&#8220; Komponente der Bewegung in breiten Schichten der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;ste Sympathie (ein Indiz f&#252;r die Wahrnehmung der schwarzen Frage) und die eventuellen Auswirkungen auf den Wahlausgang untersch&#228;tzte oder nicht ber&#252;cksichtigte, war die Antwort der Administration Trumps eine reine Law-and-Order-Politik. Eine Antwort, die den &lt;i&gt;deep &lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt;&lt;i&gt;tate&lt;/i&gt; nicht &#252;berzeugte (siehe die Weigerung des Chefs des Pentagons, die Armee zu mobilisieren) und die, kombiniert mit einer unheilvollen Kommunikation an der Front der Pandemie&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Betreffend der tats&#228;chlichen Verwaltung der Pandemie, die in den USA, wie in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, einerseits zum Fortbestand der sozialen Bewegung und der Radikalisierung gewisser ihrer Komponenten, andererseits zur Ersch&#252;tterung der kontroversesten Sektoren von Trumps Wahlbasis (Qanon usw.) beitrug. Die Wichtigkeit dieser Sektoren sollte nicht &#252;bertrieben werden: Verglichen mit der Gesamtheit von Trumps W&#228;hlern 2020 sind sie unbedeutend. Wie es schon zahlreiche Kommentatoren betonten, deutet die Analyse des Wahlresultats trotz der Niederlage nicht nur die absolute Zunahme der Stimmen f&#252;r Trump gegen&#252;ber 2016 (ungef&#228;hr 10 Millionen Stimmen mehr) und seinen Vorteil gegen&#252;ber Biden nach der Abrechnung der Stimmen aus der Briefwahl&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Trotz dem in absoluten Zahlen offensichtlichen Vorteil (ungef&#228;hr 7 Millionen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (wovon uns die Frage ihrer Legitimit&#228;t nicht interessiert) an, sondern auch auf der Ebene fast aller ethnischen und sozioprofessionellen Kategorien mit Ausnahme jener der &#8222;kaukasischen&#8220; F&#252;hrungskr&#228;fte. Die Entzifferung der Wahldaten ist im &#220;brigen alles andere als eine einfache Aufgabe. Die Kriterien der ethnischen Zugeh&#246;rigkeit, der Altersgruppe und des Geschlechts erweisen sich als am lesbarsten: W&#228;hrend 89% der schwarzen W&#228;hler und 63% der Latinos f&#252;r Biden optierten (gegen&#252;ber 7 bzw. 34% f&#252;r Trump &#8211; Prozentzahlen, die trotz allem h&#246;her sind als 2016), bevorzugten 53% der weissen W&#228;hler Trump (gegen&#252;ber 45% f&#252;r Biden); w&#228;hrend 61% der W&#228;hler zwischen 18 und 29 Biden bevorzugten (gegen&#252;ber 36% f&#252;r Trump), stimmten 51% der W&#228;hler zwischen 45 und 64 f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 47% f&#252;r Biden); w&#228;hrend sich 54% der W&#228;hlerinnen f&#252;r Biden entschieden (gegen&#252;ber 45% f&#252;r Trump), stimmten 52% der W&#228;hler f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 46% f&#252;r Biden). Die Analyse der Wahl hinsichtlich der Einkommen und der Bildungsniveaus zeigt ein entschieden weniger eindeutiges Bild. Obwohl Leute mit niederem und mittlerem Einkommen, niedriger als 50&#8216;000 Dollar pro Jahr, scheinbar Biden bevorzugen (53% gegen&#252;ber 45% f&#252;r Trump), ist die Situation umgekehrt, wenn man die Polarisierung innerhalb dieser Einkommensschicht ber&#252;cksichtigt, das Bildungsniveau erweist sich als determinierend: W&#228;hrend 56% der W&#228;hler mit einem Doktortitel f&#252;r Biden optierten (gegen&#252;ber 41% f&#252;r Trump), stimmten 53% ohne Hochschulabschluss f&#252;r Trump (gegen&#252;ber 46% f&#252;r Biden). Es ist &#252;brigens ziemlich nutzlos, sich auf die Stimmenthaltung zu berufen, um die Fremdheit des amerikanischen Proletariats gegen&#252;ber der Wahlschlacht zu bekr&#228;ftigen, da wir die gr&#246;sste Stimmbeteiligung an den Pr&#228;sidentschaftswahlen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verzeichneten und sich die h&#246;chsten Stimmenthaltungen auf variable Art und Weise zwischen den zuvor zitierten gesellschaftlichen Klassen und Gruppen verteilen, diese Zahl ist h&#246;her unter den Jungen, den Schwarzen und den Spanischsprachigen, aber auch unter jenen mit dem &lt;i&gt;h&#246;chsten&lt;/i&gt; Bildungsniveau (Doktorat oder Postdoc) und dem &lt;i&gt;h&#246;chsten&lt;/i&gt; Einkommen (h&#246;her als 100&#8216;000 Dollar pro Jahr). Sich um die Wahlen zu foutieren, ist eine obligate Entscheidung f&#252;r einige, ein Luxus f&#252;r andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist auf jeden Fall schwierig, einen &#8222;Bierkeller-Putsch&#8220; in der &lt;i&gt;unentbehrlichen Nation&lt;/i&gt; zu konzipieren, die einzige, deren Wahlen 24 Stunden am Tag in der ganzen Welt ausgestrahlt werden: &lt;i&gt;The show must go on&lt;/i&gt;! Es ist wahrscheinlicher, dass Trump in eine Falle geraten ist, die man ihm von verschiedenen Seiten stellte: F&#252;r eine Pseudobedrohung des milit&#228;rischen Umsturzes der Wahl sorgen, indem die Inbrunst einer Handvoll Bewegter gesch&#252;rt wird &#8211; zur Verst&#228;rkung des demokratischen Sieges. Nach dem 20. Januar, als die Amtseinf&#252;hrung Bidens ohne Krawalle oder &#220;berraschungen ablief, verstanden die Anh&#228;nger von QAnon und Co. letztendlich, f&#252;r welches Spiel sie die n&#252;tzlichen Idioten waren. Eher als ein 18. Brumaire Trumps war es ein &lt;i&gt;kleiner&lt;/i&gt; Reichstagsbrand zugunsten des gew&#228;hlten Pr&#228;sidenten. Trump macht sich davon wie ein verwirrter Boxer, der seine Unterst&#252;tzer im &lt;i&gt;big business&lt;/i&gt; verloren hat und von einem medialen Standpunkt aus marginalisiert worden ist &#8211; aber nicht als Toter: Eine j&#252;ngste Umfrage sieht ihn erneut auf dem aufsteigenden Ast unter der republikanischen Basis nach dem 6. Januar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#228;ndert aber nichts an der Tatsache, dass der wesentliche Faktor der Niederlage Trumps die teilweise Wiedereroberung der Arbeiterstimmen durch die Demokraten in den &lt;i&gt;swing states&lt;/i&gt; im Midwest war, sie wurde ausgel&#246;st durch die Entt&#228;uschung &#252;ber die Trumpschen Versprechen betreffend der Relokalisierung und Biden und Co. sicherten sie sich durch &#228;hnliche Parolen (&#8222;amerikanisch produzieren und kaufen&#8220;). Ob die Trumpsche Bewegung ihren Chef wiederfindet oder einen anderen suchen muss, ob sie im republikanischen Lager bleiben kann oder eine &lt;i&gt;third party&lt;/i&gt; gr&#252;nden muss, all das wird unter anderem vom Ausgang der zweiten Prozedur des &lt;i&gt;impeachment&lt;/i&gt; und absehbaren Abrechnungen innerhalb des republikanischen Lagers abh&#228;ngen. Aber um zu &#252;berleben, wird diese Bewegung allen voran einen interklassistischen Block neu aufbauen m&#252;ssen, Arbeiterbasis eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Raffaele Sciortino, &#8222;Dopo Trump?&#8220;, 7. Dezember 2020, hier verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh4-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Weg ist trotz allem voller Hindernisse f&#252;r die neue Administration: Bis jetzt konnte sie von den Fehlern und Grenzen ihres Gegners profitieren, aber sie wird nun zeigen m&#252;ssen, dass sie es besser kann, sowohl betreffend der Antwort auf den gesundheitlichen Notstand (w&#228;hrend die offizielle Covid-Bilanz in den USA 400&#8216;000 Tote &#252;bersteigt), als auch betreffend der Verwaltung einer Wirtschaftskrise, die noch lange nicht all ihr zerst&#246;rerisches Potenzial entfaltet hat. All das mit einer sehr schwachen Mehrheit im Senat und einer betr&#228;chtlich schw&#228;cheren Mehrheit (im Verh&#228;ltnis zu den Resultaten der Zwischenwahlen 2018) im Repr&#228;sentantenhaus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit haben die inneren Unruhen rund um die Bildung der neuen &lt;i&gt;Regierung&lt;/i&gt; den amerikanischen &lt;i&gt;Staat&lt;/i&gt; nicht daran gehindert, sein eigenes Programm weiterzuverfolgen. Die j&#252;ngsten von den USA gemeinsam mit Kanada und Grossbritannien eingef&#252;hrten Sanktionen gegen Importe chinesischer Produkte, f&#252;r welche der Verdacht besteht, dass sie auf Zwangsarbeit der uigurischen Minderheit beruhen, best&#228;tigen &#8211; falls notwendig &#8211;, dass die chinesisch-amerikanischen Spannungen nicht nachlassen werden. Eine Tatsache, der es, einmal mehr, nicht an Dialektik mangelt: USA gegen China, das heisst die j&#252;ngste der grossen Nationen gegen die &#228;lteste &#8211; aufgefrischt durch den j&#252;ngsten der grossen Kapitalismen. Indem sie die Illusion einer R&#252;ckkehr des Multilateralismus evoziert, wird die Administration Bidens wahrscheinlich versuchen, die EU f&#252;r den antichinesischen Kreuzzug anzuheuern. Wie wir weiter unten sehen werden, h&#228;ngt der Erfolg der Operation gr&#246;sstenteils von der F&#228;higkeit Deutschlands ab, seine L&#228;hmung zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;China&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;China und der Ferne Osten im Allgemeinen verlieren provisorisch weniger und gehen relativ gest&#228;rkt aus der ersten Phase der Krise hervor. Die Unterzeichnung am 15. November 2020 der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), ein Vertrag zwischen China, Japan, S&#252;dkorea, den zehn L&#228;ndern des ASEAN, Australien und Neuseeland f&#252;r eine weitr&#228;umige Freihandelszone, die 30% des weltweiten BIP, 28% des Welthandels und ungef&#228;hr 2.2 Milliarden Einwohner von einem demographischen Standpunkt aus repr&#228;sentiert, symbolisiert gewissermassen diesen Zwischenstand. Obwohl es keine Garantien betreffend seiner Einhaltung und seinen langfristigen Effekten gibt, ist er trotzdem ein sch&#246;ner Erfolg f&#252;r die chinesische Diplomatie, der im Gegensatz zur Blockierung der letzten Versuche hin zum Freihandel steht, vom TAFTA &#252;ber das CETA (letzteres ist durch eine Sonderprozedur angenommen worden, aber immer noch nicht ratifiziert) bis zum von Frankreich blockierten Abkommen zwischen der EU und Mercosur (ohne von der Trumpschen Neuverhandlung &#252;ber das NAFTA zu sprechen). China hat eine gute Partie gespielt, indem das Land die durch den R&#252;ckzug der USA aus der Trans-Pacific Partnership (TPP) best&#228;tigte Einfrierung auf strikt wirtschaftlicher Ebene des &lt;i&gt;pivot to Asia&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Milit&#228;risch betrachtet ist die amerikanische Aussenpolitik weit davon (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; seitens der Administration Trumps zu seinen Gunsten gewendet hat. Doch der RCEP ist auch das Resultat unterirdischer Schubwirkungen hin zur regionalen Integration des Fernen Ostens und S&#252;dostasiens, die mindestens seit einem Jahrzehnt am Werk sind. Es gen&#252;gt, an die erfolglose Initiative Chinas w&#228;hrend dem 19. Gipfel des ASEAN 2011 und die &#8211; scheuen aber regelm&#228;ssigen &#8211; Initiativen Japans f&#252;r eine Umorientierung hin zu Kontinentalasien, stets gescheitert wegen amerikanischem Druck, zu erinnern. Mit dem RCEP schafft China konkrete Grundlagen, um den wirtschaftlichen und politischen Einfluss des amerikanischen Kapitals in allen anderen Unterzeichnerstaaten zu erodieren. Falls es in einer nahen Zukunft zu keinen Eskalationen kommt, k&#246;nnte das Abkommen auch die Bedingungen f&#252;r eine Beruhigung der heftigen Territorialstreitigkeiten mit Vietnam, den Philippinen und Malaysia im S&#252;dchinesischen Meer rund um die Spratly- und Paracel-Inseln (mit den lauernden und zu einer milit&#228;rischen Intervention bereiten USA) schaffen. Die wahrscheinliche Wiederaufnahme in grossem Stil des von Obama geerbten &lt;i&gt;pivot to Asia&lt;/i&gt; durch die Administration Bidens wird ein Versuch sein, verlorenes Terrain zur&#252;ckzuerobern, aber vielleicht wird es schon zu sp&#228;t sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 1: Unterzeichnerstaaten des RCEP&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_33 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L428xH282/10000000000005dc000003dc90817e3aec8c3215-dc058.jpg?1784181573' width='428' height='282' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu hat der chinesische Staat in den vergangenen Monaten vermehrt Initiativen gegen die BHATX (Baidu, Huawei, Alibaba, Tencent, Xiaomi), die technologischen Meister des chinesischen Handelswachstums und nationalen &#196;quivalente der GAFAM, ergriffen und sich mit ihnen gerieben. Neben den von der Wettbewerbsbeh&#246;rde ausgesprochenen Bussen gegen Alibaba und Tencent und der Er&#246;ffnung eines &#220;berpr&#252;fungsverfahren hinsichtlich der Fusion von DouYu und Huya waren das Verbot f&#252;r die Ant Group (finanztechnologische Tochtergesellschaft von Alibaba), an den B&#246;rsen in Hongkong und Shanghai zu starten, und das tempor&#228;re Verschwinden ihres Magnaten Jack Ma aus dem &#246;ffentlichen Leben eine Sensation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund ihrer F&#252;hrungsrolle im Bereich der Innovation spielen die BHATX eine zentrale Rolle in der Strategie der technologischen Unabh&#228;ngigkeit des chinesischen Staates. Gleichzeitig versucht der chinesische Staat, jegliche Entwicklung zu verhindern, die den BHATX nach dem Vorbild der GAFAM im Westen mehr Autonomie und Einfluss verschaffen k&#246;nnte als der KPC und dem chinesischen Staat. Die dem Sektor der Staatsunternehmen inh&#228;renten Rentabilit&#228;ts- und Korruptionsprobleme sprechen hingegen f&#252;r eine gr&#246;ssere Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft. Aber eine solche Liberalisierung w&#252;rde eben genau den BHATX freie Hand lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend der Reglementierung der Finanzm&#228;rkte ist der chinesische Staat ebenfalls mit teilweise widerspr&#252;chlichen Anforderungen konfrontiert. W&#228;hrend der politische Schutz und die stets offenen Kreditlinien f&#252;r die Staatsunternehmen zweifelhafte Investitionen und Korruption alimentierten, wandten sich die chinesischen KMUs &#8211; die von diesen Privilegien ausgeschlossen sind &#8211; zu ihrer Finanzierung massiv an die Schattenbanken. Unter diesen KMUs haben wahrscheinlich viele eine geringe Rentabilit&#228;t und sind nicht von strategischem Interesse, aber einige sind auch sehr fortgeschrittene Hightechunternehmen (k&#252;nstliche Intelligenz z.B.), die sich legitimerweise Hoffnungen auf eine bedeutendere Unterst&#252;tzung seitens des Staates machen k&#246;nnten. Ausserdem repr&#228;sentiert die Tatsache, dass die chinesischen KMUs den Schattenbanken ausgesetzt sind, ein grosses wirtschaftliches Risiko. Dieser Sektor der Schattenbanken ist 2018 50&#8216;900 Milliarden Dollar schwer, das ist gleichbedeutend mit 13.6% der weltweiten Finanzanlagen, und zu 70% durch die Aktivit&#228;t spekulativer Fonds konstituiert. Schon vor der Coronakrise erlebte dieser Sektor einen starken Einbruch: Trotz einem durchschnittlichen j&#228;hrlichen Wachstum von 8.5% von 2012 bis 2017 sank die Zahl von 14% 2017 auf magere 1.7% 2018. Obwohl es wahr ist, dass die amerikanischen Anlagen gesamthaft immer noch ungef&#228;hr 30% repr&#228;sentieren (15.2 Milliarden Dollar), sind sie seit 2014 immer weiter zur&#252;ckgegangen, w&#228;hrend die chinesischen Anlagen ein starkes Wachstum verzeichneten und gleich dahinter mit 15.4% (7.8 Milliarden Dollar) folgen. Gem&#228;ss vielen Analysten stellen die Hebelprodukte und CLO, Derivate, die in einem Produkt eine grosse Anzahl an Obligationen von schlechter Qualit&#228;t kombinieren, ein bedeutendes Risiko dar. Daraus folgt, dass es f&#252;r den chinesischen Staat imperativ ist, zumindest einen Teil der im Schattenbankwesen involvierten KMUs ins Trockene zu bringen (besonders die strategisch interessanten), um sich vor den Auswirkungen einer weltweiten Krise in diesem Sektor und allgemeiner des globalen Zyklus der Unternehmensverschuldung zu sch&#252;tzen (das w&#228;re alles in allem nur ein zus&#228;tzlicher Effekt des vollst&#228;ndig durchgezogenen chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist schwer absehbar, wie der interne Klassenkampf diese Abrechnung zwischen chinesischen und/oder in China aktiven kapitalistischen Fraktionen tangieren kann. F&#252;r lange Zeit betrachtete man es als selbstverst&#228;ndlich, dass die zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen zu einem zweiten Tiananmen f&#252;hren w&#252;rden, mit allem, was idealerweise dazu geh&#246;rt: Demokratisierung der Institutionen, Gewerkschaften usw. Doch der nationale und internationale Kontext hat sich ge&#228;ndert, genau wie der chinesische Kapitalismus selbst. Es ist zu fr&#252;h, um sagen zu k&#246;nnen, ob letzterer sich wirklich hin zum Binnenmarkt umorientieren k&#246;nnen wird &#8211; die Agrarfrage bleibt daf&#252;r ein grundlegendes Hindernis &#8211;, aber es ist klar, dass die unmittelbaren Interessen der grossen Masse der Arbeiter sowie der Mittelklasse in Richtung einer solchen Umorientierung gehen. Und es scheint zumindest bis jetzt so, dass nur eine rund um Xi Jinping kompakte KPC f&#228;hig ist, deren Pilot zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Indien&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zahlreiche Umst&#228;nde m&#252;ssen erw&#228;hnt werden, um ein minimales Verst&#228;ndnis f&#252;r den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kontext im Hintergrund der andauernden sozialen Krise in Indien zu haben. Auf &#228;usserst allgemeine Art und Weise kann man die offensichtliche produktive &#220;berkapazit&#228;t in den grossen Sektoren der Weltwirtschaft (Automobile, Erd&#246;l usw.) erw&#228;hnen, innerhalb derselben ist die Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe wahrscheinlich keine Ausnahme (obwohl die Daten nicht eindeutig sind). Das bezeugt die f&#252;r die lokalen M&#228;rkte sehr sch&#228;dliche Einf&#252;hrung der europ&#228;ischen &#220;bersch&#252;sse (besonders Milch) in die afrikanischen M&#228;rkte die letzten Jahre und die j&#252;ngsten &#8211; ziemlich pessimistischen &#8211; Prognosen des amerikanischen Ministeriums f&#252;r Landwirtschaft bez&#252;glich der Nachfrage nach amerikanischem Getreide, Mais und Soja. Daher kommt der steigende Druck auf die landwirtschaftliche Rohstoffe produzierenden Schwellen- und Entwicklungsl&#228;nder, damit sie ihre die lokalen Kleinbauern sch&#252;tzenden &#246;ffentlichen M&#228;rkte aufgeben. Diesbez&#252;glich ist der indische Markt ein gutes Beispiel, denn ein betr&#228;chtlicher Teil davon wird durch den Staat mit festgelegten Preisen verwaltet. Die Produzenten verkaufen an den Staat, der einen &#252;ber dem Marktpreis liegenden Minimalpreis garantiert und diesen Teil des landwirtschaftlichen Produkt direkt an die Bev&#246;lkerung durch ein von Einkommenskriterien abh&#228;ngiges Rationierungssystem umverteilt (zwischen 25 und 35 kg Getreide pro Monat und Haushalt). Dieses System ist ein charakteristisches Erbe des &#8222;indischen Weges zum Sozialismus&#8220;, d.h. der auf die Bauern fokussierten nationalen Befreiungsbewegung, die formgebend f&#252;r Indiens Unabh&#228;ngigkeit war, und es wurde durch staatliche Initiative aufrechterhalten, um sie als Klasse zu erhalten und ihnen ein Mindesteinkommen zu garantieren. Diese mit der Entstehung der modernen indischen Nation verbundene Spezifit&#228;t erkl&#228;rt die relative Langsamkeit der Landflucht, ungeachtet der Entwicklung der Industrie- und Finanzenklaven. Diesbez&#252;glich sollte daran erinnert werden, dass die USA 2018 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Indien innerhalb der WTO lanciert hatten, ihrer Meinung nach waren dort die Landwirtschaftssubventionen h&#246;her als 10% (Schwellenwert f&#252;r die Mitglieder). Zu diesen allgemeinen Elementen kann man die Entwertung der Rupie ab 2016 hinzuf&#252;gen, sie f&#252;hrte zu zunehmenden Schwierigkeiten f&#252;r die Landwirte bez&#252;glich dem Kauf von Saatgut, D&#252;nger und Pestiziden und zu einer Binnenmarktkontraktion nach der Coronakrise mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit usw. Die Kombination dieser Umst&#228;nde erlaubt es, den Sinn dieser Reform zur Liberalisierung des landwirtschaftlichen Marktes in Indien zu verstehen, die von der Regierung Modi vorgeschlagen und von beiden Kammern Mitte September 2020 angenommen worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die darauf folgende soziale Bewegung erreichte ihren H&#246;hepunkt zwischen Ende November 2020 und Anfang Januar 2021. Sie kann als interklassistische Bewegung definiert werden, dominiert nat&#252;rlich von der Bauernschaft, was jedoch die Beteiligung und Unterst&#252;tzung weiter Teile der restlichen Gesellschaft nicht ausschliesst. Besonders die F&#252;hrungen der Gewerkschaften &#8211; Ausdr&#252;cke (die freilich indirekt und pervers sind) der Sektoren des &#246;ffentlichen Dienstes und der Arbeiterklasse &#8211; unterst&#252;tzten die Bewegung phasenweise und beteiligten sich an einigen nationalen Tagen des &#8222;Generalstreiks&#8220; (die Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen sind nicht unwesentlich), wobei sie die spezifisch b&#228;uerlichen mit ihren eigenen Forderungen erg&#228;nzten, mal getrieben von der Basis, mal aus rein politischen Gr&#252;nden. Auch die heterogene und segmentierte Zusammensetzung der b&#228;uerlichen Komponente selbst muss betont werden. Gem&#228;ss offiziellen Zahlen gibt es in Indien ungef&#228;hr 140 Millionen Landwirte, davon besitzen 86% 2 Hektaren oder weniger Land; von letzteren besitzen 30% praktisch kein Land und ungef&#228;hr 20 Millionen sind ausschliesslich Wanderbauern. Tats&#228;chlich arbeiten die meisten dieser Landwirte, ob Eigent&#252;mer oder nicht, auch auf dem Land von anderen, f&#252;r reiche Bauern oder nationale Landwirtschaftsunternehmen, aber immer im Rahmen eines ziemlich archaischen Systems der Halbpacht. Dazu kommen 150 Millionen blosse landwirtschaftliche Arbeiter, ein Teil davon wird von den Kleinbauern angestellt und die sind wahrscheinlich die letzten Monate an ihrer Seite mobilisiert gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit letztem Herbst organisierte die Bewegung vermehrt Demonstrationen, Bauernm&#228;rsche, Sit-ins und Blockaden von Strassen und Autobahnen (dazu geh&#246;rt die permanente Besetzung der Autobahn Delhis), hinzu kamen Streiks der Arbeiter im &#246;ffentlichen und in einem geringeren Ausmass im privaten Sektor. Ihr Inhalt, sowohl hinsichtlich der elementaren Verteidigung der aktuellen Bedingungen der indischen Landwirtschaft, als auch des Strebens nach einer R&#252;ckkehr des interventionistischen Staats der Vergangenheit, ist ein Kampf &lt;i&gt;gegen die Proletarisierung&lt;/i&gt;. Die F&#228;higkeit der Bewegung zur Eingliederung der Sektoren der Lohnarbeit ist nur verst&#228;ndlich, wenn man an die katastrophalen Konsequenzen denkt, welche der Ruin der Kleinbauernschaft und die Beschleunigung der Landflucht mit der Explosion einer jetzt schon stetig expandierenden Reservearmee f&#252;r den indischen Arbeitsmarkt h&#228;tte. Daneben ist die Aufrechterhaltung der Reste des Verwaltungssystems nicht frei von perversen Auswirkungen (man sch&#228;tzt, dass 50% des vom Staat gekauften landwirtschaftlichen Produkts im Schwarzmarkt und klandestinen Verkaufsnetzwerken verschwindet). Zudem sind viele Landwirte faktisch davon ausgeschlossen, denn die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten sind betr&#228;chtlich und in gewissen ist die Landwirtschaft schon fast vollst&#228;ndig liberalisiert (in Bihar ist sie es seit 2006) &#8211; was die davon ausgeschlossenen Landwirte nat&#252;rlich nicht daran hindert, ihren Einschluss ins System in seinem aktuellen Zustand zu fordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am heutigen Tag (15. Januar) befindet sich der Konflikt in einer Sackgasse. Das Oberste Gericht hat sich dem Dossier angenommen, vielleicht in der Hoffnung, die Proteste zu entsch&#228;rfen, oder vielleicht mit der Absicht, es im Kontext einer Abrechnung innerhalb der Institutionen (gegen Modi?) zu benutzen. Das von der Bewegung gegen&#252;ber der Regierung festgelegte Ultimatum f&#252;r den R&#252;ckzug der Reform endet am 26. Januar. Wir werden sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in Indien im letzten Herbst ausgebrochene gesellschaftliche Krise rund um die Liberalisierung des landwirtschaftlichen Marktes ist, wie weiter oben bez&#252;glich China suggeriert, ein Zeichen f&#252;r den Fortbestand der landwirtschaftlichen und b&#228;uerlichen Frage weltweit. Dieser Fortbestand wird sich gewiss w&#228;hrend anderer Gelegenheiten und anderen geographischen Kontexten manifestieren. Im Falle Indiens, genau wie in jenem Chinas, w&#228;re eine Ad-hoc-Studie notwendig, um das Wesen der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse auf dem Land besser zu verstehen. Betreffend Indien sind die vorkapitalistischen &#220;berbleibsel wahrscheinlich eher feudalistischer denn &#8222;asiatischer&#8220; Natur&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Brendan O&#8216;Leary, The Asiatic Mode of Production. Oriental Despotism, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Europ&#228;ische Union und Eurozone&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit und dem offiziellen Diskurs &#252;ber den Gesundheitszustand der Europ&#228;ischen Union war nie ausgepr&#228;gter als heutzutage. Die Verantwortlichkeiten der proeurop&#228;ischen Eliten und der grossen Medien wiegen diesbez&#252;glich sehr schwer, insofern als dass die Halbl&#228;hmung der europ&#228;ischen Institutionen &#8211; und die vom Aufbauplan Next Generation EU, besser bekannt in Italien unter dem Namen Recovery Plan, nicht gel&#246;st wird (wir werden darauf zur&#252;ckkommen) &#8211; stets als ein garantierter Marsch hin zu einer heilenden Integration erz&#228;hlt wird. Die Verunsicherung der europ&#228;ischen Bev&#246;lkerungen in Anbetracht der eventuellen Liquidierung dieser Institutionen wird umso brutaler sein. Im aktuellen Zustand bleibt die EU f&#252;r die supranationalen Institutionen, was Salerno-Reggio Calabria f&#252;r die Autobahnen ist: eine mit dem Schein der Utopie umgebene ewige Baustelle. Dieser Schein begleitet die Perspektive der europ&#228;ischen Einheit seit jeher. Vor mehr als einem Jahrhundert kritisierte Rosa Luxemburg Kautskys Schlagwort der Vereinigten Staaten von Europa&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Daf&#252;r gibt es heute nur einen Weg: die Vereinigung der Staaten der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und verurteilte den Europ&#228;ismus als &#8222;imperialistische Mi&#223;geburt&#8220;, sie notierte folgendes:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Utopische des Standpunkts, der eine Friedens&#228;ra und die R&#252;ckbildung des Militarismus in der heutigen Gesellschaft erwartet, kommt deutlich darin zum Ausdruck, das er zur Projektemacherei Zuflucht nimmt. Es ist ja typisch f&#252;r utopische Bestrebungen, das sie, um ihre Realisierbarkeit zu beweisen, m&#246;glichst detaillierte &#8218;praktische&#8216; Rezepte aushecken.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh4-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was ist heutzutage genau das Projekt? Europa der Nationen oder Europa der Regionen? F&#246;derales Europa oder Staatenbund Europa? Budgetdisziplin oder Transferunion? Niemand weiss es mehr. Das ber&#252;hmte &#8222;Projekt&#8220; Europa ist mittlerweile kurzfristig, indem es versucht, sich selbst zu &#252;berleben. Die EZB ist ihm dabei sehr behilflich, aber das monet&#228;re &lt;i&gt;whatever it takes&lt;/i&gt; vermag nicht alles und es kann vor allem einen Zustand der Unentschlossenheit nicht ausl&#246;schen, er erweist sich als schlimmer als die Alternativen, die er vermeiden wollte, denn er l&#246;st kein einziges jener Probleme, von welchen man stets wiederholt, dass sie nur auf europ&#228;ischer Ebene geregelt werden k&#246;nnen: Einwanderung, Klima, Steuerflucht und -dumping, ruinierte Banken usw. An der Einwanderungsfront machte die so sehr erwartete Reform der Dublin-Verordnung &#8211; die als Priorit&#228;t der Pr&#228;sidentschaft Von der Leyens in der Europ&#228;ischen Kommission angek&#252;ndigt worden war &#8211; bis anhin keine bedeutenden Fortschritte. An der Front des Kampfes gegen die Steueroptimierung der grossen Unternehmen war die Leistung des Gerichts der EU (sozusagen) bemerkenswert, es erkl&#228;rte am 15. Juli 2020 die Entscheidung der Kommission f&#252;r ung&#252;ltig, Apple dazu zu verpflichten, 13 Milliarden Euro Steuererleichterungen zur&#252;ckzuzahlen, welche die Firma unrechtm&#228;ssigerweise von der irischen Regierung erhalten hatte, w&#228;hrend das Projekt einer europ&#228;ischen Steuer f&#252;r die GAFAM inmitten der Unstimmigkeiten untergegangen ist (und einzig Frankreich hat sie sich zu eigen gemacht, wenn auch in einer abgeschw&#228;chten Version). An der umweltpolitischen Front m&#252;ssten die Mitgliedsstaaten gem&#228;ss der Europ&#228;ischen Umweltagentur ihre Anstrengungen im Bereich der Reduzierung der Emissionen und der erneuerbaren Energien verst&#228;rken, wenn sie jene Ziele erreichen wollen, die sie sich selbst f&#252;r 2030 festgelegt haben. Was die Bankenunion betrifft, welche die Homogenisierung der Reglementierung und der Rechnungspr&#252;fung des Bankensektors zum Ziel hat, ohne die zerbrechlichsten Banken (dazu geh&#246;rt die Deutsche Bank) auszusondern, kann sie nur dazu f&#252;hren, dass sie den nationalen M&#228;rkten und ihren Aufsichtsorganen das Privileg &#252;berl&#228;sst, die Scherben aufzuwischen &#8211; ausser man glaubt, die Finnen oder die Esten k&#246;nnten es akzeptieren, in ihre Taschen zu greifen, um die &#8222;betrogenen&#8220; Sparer der Banken Venetiens oder der Toskana zu entsch&#228;digen. F&#252;gen wir an, dass das Streben nach einer &#8222;freien und unverf&#228;lschten Konkurrenz&#8220;, besonders im Bereich der Antitrust-Gesetzgebung, die Entstehung von europ&#228;ischen Marktf&#252;hrern in strategischen Sektoren wie der Technologie, der Energie oder dem Transport gehemmt hat, was als Resultat eine zunehmende technologische Abh&#228;ngigkeit von den USA und China zur Folge hatte. Es gen&#252;gt, die Entscheidung der Europ&#228;ischen Kommission im Februar 2019 betreffend der Fusion von Alstom und Siemens zu erw&#228;hnen, sie entspricht gewiss wortw&#246;rtlich dem europ&#228;ischen Konkurrenzrecht, doch sie erscheint in Anbetracht der harten weltweiten wirtschaftlichen und geostrategischen Schlacht als unglaublich naiv. Nur zwei Monate zuvor liess das amerikanische Aussenministerium Meng Wanzhou, die Supermanagerin von Huawei, in Kanada verhaften. Aber keiner ist so taub, wie der, der nicht h&#246;ren will. Die gleiche strenge Interpretation der Doktrin beeinflusste das unumg&#228;ngliche Gericht der EU in der Ausarbeitung des Urteils &#252;ber die Rolle von Gazprom im Rahmen des Projekts Nord Stream 2, eine zu 95% fertiggestellte Gaspipeline, deren &#252;brige 5% imstande sind, zu einem wahrhaften Leidensweg &#8211; oder einem Casus Belli &#8211; zu werden. Gem&#228;ss den Regeln des europ&#228;ischen Gasmarktes kann ein Unternehmen nicht gleichzeitig Produzent und Lieferant sein. Die Entscheidung des Gerichts hat dieses Kriterium auf das aussereurop&#228;ische Unternehmen Gazprom ausgeweitet. Somit wird die russische Firma &#8211; die f&#252;r den Baubeginn der Gaspipeline verschiedene mittlerweile in der Schusslinie der amerikanischen Sanktionen stehende europ&#228;ische Firmen (Wintershall, Uniper, Shell, Engie, OMV) integrieren musste &#8211; die Pipeline alleine fertigstellen und gleichzeitig ein Mittel finden m&#252;ssen, den Formalismus der europ&#228;ischen Gesetzgeber zu umgehen. Es gibt nur zwei denkbare M&#246;glichkeiten: Entweder leben diese Herren hinter dem Mond &#8211; womit man leicht erkl&#228;ren k&#246;nnte, wieso sie die ohnehin schon enormen Schwierigkeiten eines f&#252;r seine Initiatoren sehr wichtiges Projekt zu ignorieren scheinen, dermassen, dass sie alles tun, um weitere hinzuzuf&#252;gen &#8211; oder sie stehen im Sold seiner Gegner (jenseits des Atlantiks?). Es steht freilich nicht heute auf der Tagesordnung, dass &#8222;die grosse Moral des gemeinsamen Marktes gleichbedeutend mit der Wiederentdeckung einer &#8218;wahren&#8216; und &#8218;loyalen&#8216; Konkurrenz ist, in welcher alle die gleichen Erfolgschancen h&#228;tten, von der grossen bis zur kleinen Bourgeoisie, von den Grosskonzernen bis zu den kleinen Handwerkern oder H&#228;ndlern&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220; in Il Programma comunista, Nr. 11-12, 1962, hier (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Eine Moral, die gut sein kann, solange es am Tisch des Mehrwerts f&#252;r alle Platz hat; aber wenn das nicht mehr der Fall ist, muss man zwingend &lt;i&gt;schnell&lt;/i&gt; etwas anderes erfinden, sonst wird man zum globalen Dorfidioten. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist &#8211; man weiss es &#8211; nicht wirklich die erste Qualit&#228;t der europ&#228;ischen Institutionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf das Konjunkturpaket Next Generation EU jenseits der medialen Aufmerksamkeit zur&#252;ckzukommen, muss &#8211; falls es bei der Ratifizierung des Abkommens in den 27 nationalen Parlamenten, wo &#220;berraschungen nicht ausgeschlossen sind, zu keinem Unfall kommt (Niederlande?) &#8211; festgehalten werden, dass die aus dem deutschen Druck entstandene Vorzugsbehandlung Italiens nur m&#246;glich wurde dank einem Kompromiss mit den sogenannt &#8222;frugalen&#8220; L&#228;ndern (die im Gegenzug eine budget&#228;re Entlastung erhalten) und einem bedeutenderen Engagement Frankreichs, das dort von der &#246;ffentlichen Meinung wenig gesch&#228;tzt wird. Wie es auch immer sein mag, wird der Saldo Italiens f&#252;r die Periode 2021-2027, unter Abzug der Beitr&#228;ge f&#252;r das gew&#246;hnliche Budget der Union, deren wirklichen Beg&#252;nstigte die j&#252;ngst beigetretenen L&#228;nder Osteuropas und des Balkans sind, nur um 10 Milliarden positiv f&#252;r den Teil &#8222;Subventionen&#8220; sein, w&#228;hrend die Vorteile bez&#252;glich der Zinss&#228;tze f&#252;r den Teil &#8222;Schulden&#8220; (die so oder so zur&#252;ckbezahlt werden m&#252;ssen) noch g&#228;nzlich unbest&#228;tigt sind. All das, um Zugang zu alles anderen als enormen und auf jeden Fall nicht unmittelbar verf&#252;gbaren Ressourcen eines Konjunkturpakets zu haben, das &#8211; abgesehen von den magischen Worten der &#8222;Informationstechnologie&#8220; und der gr&#252;nen Wirtschaft &#8211; &#252;berhaupt keine klare Vision der Industriepolitik ausdr&#252;ckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass die Ausgabe angeblich gemeinsamer Anleihen (in Wirklichkeit ist die Sache viel un&#252;bersichtlicher) von den Finanzm&#228;rkten sehr gesch&#228;tzt wurde, unter anderem, weil sie als Zeichen f&#252;r die Unumkehrbarkeit der Eurozone interpretiert wurde. Doch ohne eine starke und geteilte politische Agenda wird keine technokratische Konstruktion reichen, seien es die europ&#228;ischen Abkommen oder die europ&#228;ische Verfassung oder sogar die Pseudo-Eurobonds, um das zusammenzuhalten, was aufgrund seines Wesens immer mehr gespalten ist. Die EU und die Eurozone k&#246;nnen der Stunde der Wahrheit nicht entkommen, die deutsch-franz&#246;sische Freundschaft wird sich wandeln oder enden m&#252;ssen. Deutschland gegen Frankreich, Frankreich gegen Deutschland: Es ist die Geschichte der Herausbildung des modernen Europas so wie wir es kennen, die wieder in den Vordergrund tritt, der Fortbestand der &lt;i&gt;deutschen Frage&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Grunde genommen wurde die gesamte Geschichte Europas durch die deutsche (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; im Rahmen eines allgemeinen &lt;i&gt;Fortbestands der Nationen&lt;/i&gt; &#8211; der verschlimmert wird durch einen Aufbau Europas, der die Konzentration der Produktionskapazit&#228;ten im deutschen Raum beg&#252;nstigt und die Verteilungskonflikte um die Eink&#252;nfte &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; der Mitgliedsstaaten in Verteilungskonflikte um die Eink&#252;nfte &lt;i&gt;zwischen&lt;/i&gt; den Mitgliedsstaaten verwandelt. Die Geschichte der &lt;i&gt;sozialen Frage&lt;/i&gt; in Europa ist untrennbar damit verbunden: Die Kommune w&#228;re ohne die Schlappe von Napoleon III. gegen Bismarck undenkbar; Spartakus und der Ruhraufstand w&#228;ren undenkbar ohne die antideutsche Neigung Clemenceaus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Revitalisierung des Projekts Europa ist auf dem Papier nicht unm&#246;glich, doch sie w&#252;rde eine Entscheidung Deutschlands zugunsten einer &lt;i&gt;expliziten und direkten&lt;/i&gt; Machtpolitik implizieren, sie w&#228;re sowohl f&#252;r die USA als auch f&#252;r den franz&#246;sischen Partner schwer verdaulich und die deutsche politische Elite selbst ist im Moment nicht bereit, sie umzusetzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Trotzdem zeigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Gr&#252;nde f&#252;r diese Zur&#252;ckhaltung sind wirtschaftlich (die Vorteile f&#252;r Deutschland ergeben sich aus der Eurozone im gegenw&#228;rtigen Zustand), aber auch historisch. Wenn die Gewalt &#8211; gem&#228;ss der ber&#252;hmten Formel &#8211; die Hebamme der Geschichte ist, so ist die deutsche Erfahrung des 20. Jahrhunderts&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Um diese Erfahrung wirklich zu verstehen, muss man sich jeglichen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; mit den ver&#252;bten &lt;i&gt;und erduldeten&lt;/i&gt; Grausamkeiten eine schwere Belastung bez&#252;glich der F&#228;higkeit, sich darum zu k&#252;mmern. Mit minimalen Eigenmitteln und ohne direktes Zwangsorgan zur Durchsetzung ihrer Beschl&#252;sse &#8222;[&#8230;] kann sich die Europ&#228;ische Union aber einer Herrschaftsform r&#252;hmen, f&#252;r die es kein historisches Vorbild gibt. Ihre Originalit&#228;t besteht darin, da&#223; sie gewaltlos vorgeht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hans Magnus Enzensberger, Sanftes Monster Br&#252;ssel oder Die Entm&#252;ndigung (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Der einzigartige Charakter der EU &#8211; die Aus&#252;bung der Oberhoheit in einer indirekten Form durch das wirtschaftlich vorherrschende europ&#228;ische Land, anders gesagt die Entfremdung dieser Oberhoheit in etwas &#8222;anderem als sie selbst&#8220; &#8211; ist auch ihre gr&#246;sste Schw&#228;che. Um sie zu verstehen, braucht es einen Schritt zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im weiter oben zitierten Artikel betonte Luxemburg, dass &#8222;[wir als] Anh&#228;nger der materialistischen Geschichtsauffassung [&#8230;] bis jetzt immer den Standpunkt [vertraten], dass die modernen Staaten als politische Gebilde nicht k&#252;nstliche Produkte einer sch&#246;pferischen Phantasie, wie z.B. das Herzogtum Warschau napoleonischen Angedenkens, sondern historische Produkte der wirtschaftlichen Entwicklung sind&#8220;. Grundlegender muss in der Entstehung der staatlichen Gebilde das, was Luxemburg die &#8222;wirtschaftliche Entwicklung&#8220; nennt, von schmerzhaften aber unvermeidlichen politischen Passagen vollendet werden. Man baut keine Staaten oder Nationen nach Belieben auf, aus dem einfachen Grund, dass sie durch Feuer und Schwert aufgebaut werden &#8211; obwohl die manchmal nicht reichen, wenn sie nicht von einem gen&#252;gendem wirtschaftlichem Aufschwung begleitet werden. Napoleon I. wusste es, doch Hitler, dessen Ziel es war, Europa zu vereinigen, so wie Bismarck Deutschland vereinigt hatte (1871), wusste es noch besser.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 2: Der Deutsche Bund (1815-1866)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_34 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L308xH308/1000000100000280000002803c859ff9dec6e350-8c434.png?1784181573' width='308' height='308' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Hitlerdeutschland hatte &#252;brigens eine strategische Vision, welche die Vereinigung der damals am meisten industrialisierten Gebiete Europas (Tschechoslowakei, Norditalien, Luxemburg, Belgien, Lothringen, Saarland, Ruhrgebiet) mit den landwirtschaftlichen Regionen Osteuropas zum Ziel hatte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh4-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn der preussische Despotismus als &#8222;Eingriff in das ererbte Anrecht Frankreichs auf die deutsche Uneinigkeit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich, 1871.&#034; id=&#034;nh4-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; interpretiert wurde, so f&#252;hrte der Hitlersche Despotismus zum ererbten Anrecht der USA auf die kontinentaleurop&#228;ische Uneinigkeit. Die deutsche Wiedervereinigung 1989-1990 f&#252;hrte nur zwei der f&#252;nf Teile zusammen, in welche Deutschland zersplittert worden war. Bis zur Krise zu Beginn der 1970er Jahre waren Initiativen wie die EGKS und die EWG, woraus die ganze Mythologie der Gr&#252;nderv&#228;ter (Monnet, Schuman usw.) entstanden ist, gewiss keine ernsthafte Infragestellung dieses russisch-amerikanischen Kondominiums. Die BRD wagte es auch nie, es anzuprangern, erst sehr sp&#228;t und nur zulasten der F&#252;hrungsschicht der DDR (die der Wiedervereinigung am feindlichsten gesinnte Komponente, im Gegensatz zu Gorbatschow). Es war eher die allm&#228;hliche Schw&#228;chung dieses Kondominiums, welche die BRD, und allgemeiner die L&#228;nder Westeuropas, zu einer Reaktion dr&#228;ngten. Die wesentlichen Etappen dieses Prozesses waren die Krise zu Beginn der 1970er Jahre und das Ende des Ostblocks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1971 erschuf die durch die amerikanische Aufl&#246;sung des Bretton-Woods-Abkommens ausgel&#246;ste monet&#228;re Instabilit&#228;t die Notwendigkeit, den Wechselkurs mit dem Dollar zu st&#252;tzen, um die Wertsteigerung der &#246;ffentlichen Schulden und die Erh&#246;hung der damit assoziierten Zinss&#228;tze zu vermeiden: Daher kamen die halbherzigen &#8211; durch auferlegte fixe Beschr&#228;nkungen der W&#228;hrungsfluktuation charakterisierten &#8211; Experimente der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsschlange (1972-1978) zuerst, des EWS (1979-1998) danach, die beide zu kompetitiven Entwertungsphasen und einem st&#228;ndigen Kommen und Gehen zwischen Ausstieg und Neubeitritten verschiedener L&#228;nder rund um den Kern BRD-Benelux f&#252;hrten. Die dem Wechselkurs der verschiedenen nationalen W&#228;hrungen auferlegte Bandbreite erwies sich jedes Mal als zu restriktiv: 2.25% in der W&#228;hrungsschlange, 2.5% im EWS (ausser f&#252;r Italien, Grossbritannien, Portugal und Spanien, die bis Ende der 1980er Jahre ein Recht auf eine Bandbreite von 6% hatten). Im Falle des EWS waren die von dieser Bandbreite auferlegten Beschr&#228;nkungen durch den Mechanismus des &#8222;Realignments&#8220; abgeschw&#228;cht; doch der wurde gegen Ende der 1980er Jahre in Frage gestellt, in Verbindung mit der vorhersehbaren deutschen Wiedervereinigung und dem Willen der F&#252;hrungsfiguren der EWG, die monet&#228;re Integration zu beschleunigen. Die Verengung der Bandbreite ohne die Realignments, kombiniert mit der Abschaffung der Restriktionen f&#252;r die Kapitalmobilit&#228;t, f&#252;hrte 1992, kurz nach der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht, zur Krise des EWS: Die schw&#228;chsten W&#228;hrungen &#8211; allen voran die italienische Lira und das britische Pfund, aber auch die spanische Peseta und der portugiesische Escudo &#8211; waren den Angriffen von spekulativen Fonds ausgesetzt, die sie als Leerverkauf verkauften und auf ihren Ausstieg aus dem System setzten (der auch tats&#228;chlich eintrat). Schlussendlich gab es keine andere M&#246;glichkeit, als die Bandbreite auf 15% auszuweiten. Diese scheinbar weit entfernten Ereignisse erlauben uns eine bessere Einordnung der Eurokrise 2012, die ohne die ber&#252;hmte Bazooka von Draghi und Co. gleich ausgegangen w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Ausgang war wahrscheinlich entscheidend f&#252;r die Definition der aktuellen Eigenschaften des Euros, besonders f&#252;r die Unver&#228;nderlichkeit der Wechselkurse. Die Krise des EWS war trotzdem das Resultat rein nationaler Dynamiken mit Deutschland und, in geringerem Ausmass, Frankreich als Protagonisten. Frankreich unternahm bez&#252;glich monet&#228;rer Integration eine Flucht nach vorne und ging so weit, Deutschland seinen Willen aufzuzwingen, das dreifache Ziel davon war, die Gesellschaft zu disziplinieren, die letzten Nachhalle des Kampfzyklus von 1968 zum Verstummen zu bringen und ein Kontrollrecht &#252;ber die stets als latente Bedrohungen wahrgenommenen deutschen Angelegenheiten zu erlangen. Eine alles in allem lineare Logik f&#252;hrt vom Wendepunkt der restriktiven Haushaltspolitik im M&#228;rz 1983 zum Verbot der kompetitiven Entwertungen (Politik des starken Franc ab 1989) und der Verweigerung &#8211; insbesondere gegen Italien &#8211; einer Revision des EWS mithilfe einer Neubeurteilung der deutschen Mark (1992)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe das Interview des Corriere della Sera mit Giuliano Amato, dem (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf der deutschen Seite war es die &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt;, welche die Exekutivgewalt Kohls der Wiedervereinigung gab, die entscheidend war f&#252;r die Verkettung der Ereignisse. Der Imperativ der deutschen Wiedervereinigung selbst ergab sich eher aus politischen Motivationen, verbunden mit der nationalen deutschen Frage, denn aus der gegenseitigen wirtschaftlichen Abh&#228;ngigkeit der beiden deutschen Staaten, die in der zweiten H&#228;lfte der 1980er Jahre mit Ausnahme der westdeutschen Exporte von Werkzeugmaschinen in die DDR (siehe untenstehende Tabelle) n&#228;mlich zur&#252;ckging.&lt;/p&gt;
&lt;table class=&#034;table spip&#034;&gt;
&lt;tbody&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;{{}}&lt;/td&gt;
&lt;td colspan='2'&gt;&lt;strong&gt;Exporte der BRD in die DDR (in Millionen Mark)&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td colspan='2'&gt;&lt;strong&gt;Exporte der DDR in die BRD (in Millionen Mark)&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1986&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1987&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1986&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1987&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Rohstoffe und Halbfabrikate&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3615&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3333&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3292&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;3179&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;Maschinen und Investitionsg&#252;ter&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;2089&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;2669&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;978&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;981&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Konsumg&#252;ter&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;862&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;647&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1867&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;1768&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_even even'&gt;
&lt;td&gt;Landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;782&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;641&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;655&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;651&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr class='row_odd odd'&gt;
&lt;td&gt;Total&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;7454&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;7406&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;6844&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;6650&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;i&gt;Les Deux Allemagne 1984-1989&lt;/i&gt;, Paris, La Documentation fran&#231;aise, 1990, S. 198.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Fall wurde der spekulative Angriff auf die schwachen W&#228;hrungen durch die Einf&#252;hrung einer Parit&#228;t 1:1 zwischen der Mark der BRD und der Ostmark der DDR beg&#252;nstigt (w&#228;hrend gleichzeitig die Bundesbank vorgeschlagen hatte, den Wechselkurs von 1:8 auf maximal 1:4 zu erh&#246;hen). Darauf folgte eine Explosion der Inflation (ungef&#228;hr 2.5% im August 1990 und 6.5% im M&#228;rz 1992), danach logischerweise eine pl&#246;tzliche Erh&#246;hung der Zinss&#228;tze der Bundesbank, die zur Folge hatte, dass die Investoren von den deutschen Obligationen angezogen waren. Zudem konnte das durch die Erh&#246;hung der &#246;ffentlichen Ausgaben ausgel&#246;ste Wachstum des deutschen BIP in Anbetracht der Rezession im fast ganzen Rest des Kontinents das Misstrauen der Investoren gegen&#252;ber den &#8222;Grundprinzipien&#8220; der anderen L&#228;nder nur verst&#228;rken. Das erlaubt uns, eine andere grosse Besonderheit des Euros zu erw&#228;hnen: die Abwesenheit eines Mechanismus zur Kompensierung von &#8222;asymmetrischen Schocks&#8220; (z.B. einem wirtschaftlichen Einbruch in einem Gebiet und nicht im anderen). In den nationalen Zusammenh&#228;ngen wird dieser Mechanismus normalerweise durch die steuerliche Umverteilung garantiert. Aber jenseits der sprichw&#246;rtlichen deutschen Obsession f&#252;r budget&#228;re Zw&#228;nge einerseits und der brutalen Liquidierung des (zumindest veralteten) Produktionsapparats der DDR andererseits sollte die Bedeutung der budget&#228;ren Anstrengung der ehemaligen BRD zur Kompensation ihres eigenen grundlegenden &#8222;asymmetrischen Schocks&#8220; (der Wiedervereinigung) betont werden. Diese Anstrengung geht auch heute noch weiter, sie entspricht einer j&#228;hrlichen Gesamtsumme, die etwa 4% des deutschen BIP repr&#228;sentiert und von der ehemaligen BRD in die neuen L&#228;nder umverteilt wird, sie repr&#228;sentiert 7% des BIP, wenn man das demographische Gef&#228;lle ber&#252;cksichtigt (nur 20% der deutschen Bev&#246;lkerung lebt heute in der ehemaligen DDR). Und das, obwohl die Resultate hinsichtlich der Wiederbelebung des wirtschaftlichen Wachstums in den unterentwickelten Gebieten der ehemaligen DDR schwach oder inexistent sind (der italienische Mezzogiorno ist keine Ausnahme!), &lt;i&gt;wie es fast physiologisch ist in jedem W&#228;hrungsraum mit grossen Entwicklungsgef&#228;llen&lt;/i&gt;. Aber es ist eben genau die steuerliche Umverteilung, die solche Gef&#228;lle innerhalb nationaler W&#228;hrungsr&#228;ume haltbar macht &#8211; und das ist es, was dem Euro, sogar mit einem, wie es einige vorschlagen, auf 1.5-2% des nationalen Bruttoeinkommen der Mitgliedsstaaten erh&#246;hten europ&#228;ischen Budget (gegenw&#228;rtig ist es kaum mehr als 1%) fehlt und immer fehlen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr zusammengefasst kann gesagt werden, dass die inh&#228;renten inneren Dynamiken des Prozesses der deutschen Wiedervereinigung &lt;i&gt;die Gesamtheit des wirtschaftlichen und monet&#228;ren europ&#228;ischen Integrationsprozesses &#252;berdeterminiert haben&lt;/i&gt;. Dieser wahrscheinlich l&#252;ckenhafte Exkurs war notwendig, um einmal mehr zu bekr&#228;ftigen, dass einerseits der europ&#228;ische Aufbau in seiner aktuellen Form nicht andauern und andererseits jegliche Rekonfiguration davon nur ausgehend von Deutschland selbst geschehen kann &#8211; nicht ohne die Intervention eines &#228;usseren Anreizes und einer Ver&#228;nderung der politischen Klasse, auf der einen und/oder auf der anderen Seite des Rheins. Die Wahlen in Deutschland im September 2021 und in Frankreich im April 2022 werden Etappen sein, die es aufmerksam zu verfolgen gilt. Man wird dann sehen, ob und in welchem Ausmass die eventuell vertiefte Krise die jeweiligen W&#228;hlerschaften polarisiert haben wird. Auch wenn sich in Deutschland eine gem&#228;ssigte Koalition durchsetzen w&#252;rde, w&#228;re sie vermutlich mit einem ungez&#252;gelten Neogaullismus oder Neobonapartismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Uns fehlt hier der Platz, um mehr zum Bonapartismus zu sagen. Es gen&#252;gt, zu (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; auf der anderen Seite der Grenze konfrontiert. Unter anderen Dossiers ist das von der EU und China Ende Dezember 2020 unterzeichnete und den europ&#228;ischen Multinationalen den Zugang zum chinesischen Markt erleichternde Investitionsabkommen imstande, Deutschland die Geduld verlieren zu lassen. Dieses Abkommen ist zur Stimulierung der deutschen Exporte wesentlich, aber es wird dem Joch der Ratifizierung in den Parlamenten der 27 Mitgliedsstaaten der EU auch nicht entkommen. Andere unmittelbarere Reibungsfl&#228;chen werden w&#228;hrend der Impfkampagne auftauchen, wenn die Lieferungen von Pfizer und AstraZeneca dem von den Exekutivgewalten vorgesehenen intensiven Rhythmus nicht nachkommen (Merkel hat sich schon gegen&#252;ber der Importm&#246;glichkeit von Sputnik V offen gezeigt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T&#252;rkei, Bergkarabach usw.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach den Kriegen in Libyen, im Jemen, in Syrien und in der Ukraine stellt der Krieg um Bergkarabach, der am 27. September 2020 ausbrach, eine neue kriegerische Episode dar, die k&#252;nftige Konfrontationen zwischen sich noch konfus bildenden Bl&#246;cken vorbereitet. Das Element der Vorwegnahme ergibt sich hier allen voran aus der &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt; selbst, welche die T&#252;rkei, mithilfe ihres aserbaidschanischen Verb&#252;ndeten, ihrer indirekten Intervention auf dem Bergkarabach gegeben hat, eine mehrheitlich armenische Enklave, die auf dem Territorium Aserbaidschans liegt und 1991 eine von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannte unabh&#228;ngige Republik proklamierte. Der massive Einsatz von Drohnen mit klar offensivem Zweck gegen die mehrheitlich zivile Bev&#246;lkerung der Hochebene gibt einen Vorgeschmack auf einen Aspekt unter anderen der Kriege von morgen. Gleichzeitig bringt die Episode die harte Konkurrenz im Energiesektor (und haupts&#228;chlich im Gassektor) an den Tag, sie betrifft ein weites Gebiet, das sich vom Schwarzen Meer bis zum Kaukasus, vom &#246;stlichen Mittelmeer bis Nordafrika (Libyen), S&#252;deuropa und zum Balkan erstreckt &#8211; eine Konkurrenz, die dazu tendieren wird, die Karte der Kan&#228;le der Energieversorgung in diesem Gebiet neu zu zeichnen und die Gelegenheiten diplomatischer Reibungsfl&#228;chen zu multiplizieren. Die T&#252;rkei ist &#8211; zwangsl&#228;ufig und aufgrund geopolitischer Gegebenheiten &#8211; im Zentrum dieser Dynamik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In j&#252;ngster Zeit basierten die russisch-t&#252;rkischen Beziehungen auf einer Realpolitik, in welcher weder die N&#228;he zwischen Washington und Ankara, noch die Konkurrenz bez&#252;glich den &#214;lpipelines (siehe das Projekt Burgas-Alexandroupolis, um Baku-Tiflis-Ceyhan zu kontern) oder das Auftauchen scharfer Kontraste in der Ukraine und in Syrien den Fortbestand einer gewissen gesch&#228;ftlichen Synergie an anderen Fronten verhinderten. Die T&#252;rkei &#8211; die fast die Gesamtheit ihres Gasbedarfs importiert &#8211; verf&#252;gt mit der russischen Gaspipeline Blue Stream immer noch &#252;ber eine wesentliche Versorgungsquelle. Vergessen wir auch nicht, dass die T&#252;rkei 2017 das russische Raketenabwehrsystem S-400 &#252;bernommen hat und 2020 weltweit zum zweiten Importeur russischer agrarindustrieller Produkte geworden ist. Zu guter Letzt wird aktuell das von der russischen Firma Rosatom gef&#246;rderte Bauprojekt eines Atomkraftwerks im S&#252;den der T&#252;rkei, in Akkuyu, realisiert. Russland braucht seinerseits gute Beziehungen zur T&#252;rkei, um den Balkan und &#214;sterreich via TurkStream mit Gas versorgen zu k&#246;nnen, eine seit Januar 2020 aktive Gaspipeline, die das Schwarze Meer durchquert und an der griechisch-t&#252;rkischen Grenze auf eine andere Gaspipeline trifft, welche durch die Balkanhalbinsel in Richtung Norden f&#252;hrt. Trotzdem steht die t&#252;rkische Strategie der &lt;i&gt;Blauen Heimat&lt;/i&gt; der Entwicklung dieser russisch-t&#252;rkischen Synergie im Weg. Hinsichtlich der Energieversorgung hat sie zum Ziel, zugleich die Abh&#228;ngigkeit gegen&#252;ber Russland und die Zukunftsf&#228;higkeit der russischen Versorgungskan&#228;le in S&#252;deuropa zu reduzieren. In diesem allgemeinen Rahmen sind zwei Initiativen objektiv in Konkurrenz zu Blue Stream und TurkStream:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034; role=&#034;list&#034;&gt;&lt;li&gt;Die im November 2019 eingeweihte Gaspipeline TANAP, welche die Felder Bakus via Tiflis und Ankara mit Griechenland verbindet; mit der TANAP ist die im Oktober 2020 vollendete TAP verbunden, sie verl&#228;ngert die Gaspipeline von Kipoi in Richtung Albanien und Italien; f&#252;r die T&#252;rkei entspricht die TANAP sechs Milliarden Kubikmeter an zus&#228;tzlichem Gas pro Jahr;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die im Januar 2020 lancierte milit&#228;rische Intervention in Libyen zur Unterst&#252;tzung des Pr&#228;sidenten Al-Sarraj gegen die Offensive des Generals Haftar gegen Tripolis; jenseits der Unterst&#252;tzung f&#252;r die eine oder die andere Fraktion ist der wahrhafte Zankapfel hier die Unterzeichnung (am 26. November 2019) des t&#252;rkisch-libyschen Memorandums &#252;ber die ausschliesslichen maritimen Wirtschaftszonen, das den t&#252;rkischen Unternehmen die Erkundungs- und Ausbeutungserlaubnis f&#252;r Gas in den libyschen Hoheitsgew&#228;ssern garantiert; beil&#228;ufig kann erw&#228;hnt werden, dass die T&#252;rkei hier verschiedenen Akteuren auf die F&#252;sse tritt, dazu geh&#246;rt Italien (ENI muss sich langsam in Acht nehmen), aber auch Israel (siehe die Gaspipeline East-Med, die bis 2025 fertiggestellt werden soll).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Illustration 3: Die Gaspipelines TANAP und TAP&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_35 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L350xH206/100000000000015e000000ce25820ba7859762ab-608f7.jpg?1784181573' width='350' height='206' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die T&#252;rkei &#252;bt eine mittlerweile &#8211; wie wir es mehrmals gesehen haben &#8211; hemmungslose regionale Machtpolitik aus, beg&#252;nstigt durch die neue Europa- und Nahostpolitik der USA (erstere war schon unter Obama an der Tagesordnung, letztere war betonter unter Trump). Erdogan st&#252;rzt sich in alle erreichbaren Schlachtfelder, ohne sich allzu sehr weder um seine Feinde, &lt;i&gt;noch um seine wirklichen oder vermeintlichen Verb&#252;ndeten&lt;/i&gt; zu sorgen; er spielt die Rolle des Unruhestifters innerhalb der NATO (wovon die T&#252;rkei Mitglied ist) und gegen&#252;ber der Europ&#228;ischen Union (welche den vom deutschen Kanzler Kohl 1997 ge&#228;usserten Beitrittsvorschlag betreffend der T&#252;rkei nie komplett ad acta gelegt hat); er setzt auf die unentwirrbare Interessenverflechtung, welche das Mittelmeer darstellt, um ohne Repressalien Positionsgewinne zu erzielen. Und er handelt als zus&#228;tzlicher Trennungsfaktor der deutsch-franz&#246;sischen Beziehungen. Die offen einger&#228;umten Haltungsunterschiede von Merkel und Macron bez&#252;glich der Spannungen zwischen der T&#252;rkei und Griechenland letzten Sommer zeigen es einmal mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg um Bergkarabach &#8211; in welchem Russland unauff&#228;lliges Verhalten bevorzugte und von seiner Einbringung absah, ausser als vermittelnde und friedenswahrende Kraft &#8211; macht die Zerbrechlichkeit der russisch-t&#252;rkischen Beziehungen und die m&#246;gliche Eskalation auf bekannten oder noch unbekannten Schlachtfeldern offensichtlich. Der Konflikt ist durch ein prek&#228;res Abkommen zur Einstellung der Feindseligkeiten beendet worden, es sieht f&#252;r Armenien den Verlust der Territorialgewinne nach dem j&#252;ngsten Konflikt mit Aserbaidschan (1988) vor. Man kann wetten, dass die Geschichte hiermit nicht zu Ende ist. Russland ist sich dessen bewusst und sieht nicht tatenlos zu. Als der Krieg um den Bergkarabach ausbrach, fand im Kaspischen Meer die See&#252;bung Kaukasus 2020 statt, an ihr beteiligten sich auch iranische Kriegsschiffe. Zudem fanden gemeinsame russisch-&#228;gyptische Seeman&#246;ver letzten November im Schwarzen Meer statt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Igor Delano&#235;, &#8222;Erdogans Drohnen, Putins Raketen&#8220; in Le Monde (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung: Das Abrutschen der Kontinente, und &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;von einem&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; davon im Besonderen&#8230;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nichts wirklich Entscheidendes, weder im Bereich der Konfrontation zwischen entgegengesetzten Fraktionen des Kapitals, noch zwischen Klassen, geschah bis anhin in dieser &lt;i&gt;ersten Phase&lt;/i&gt; der Krise. Die schon existierenden Linien der Abgrenzungen zwischen Klassen und Klassenfraktionen vertiefen sich jedoch, w&#228;hrend andere sich sichtbarer abzeichnen. Ausserdem gelangen nicht aufgel&#246;ste Knoten eines ganzen sich aufzehrenden Akkumulationszyklus (siehe weiter oben, die schwarze Frage in den USA, die deutsche Frage in Europa, die Bauernfrage in Indien und China) an die Oberfl&#228;che, sie machen das Gesamtbild komplexer und zerkl&#252;fteter. Es &lt;i&gt;wird&lt;/i&gt; zu einer Verschlimmerung der Krise &lt;i&gt;kommen&lt;/i&gt;, obwohl deren Form und Antriebe schwer vorhersehbar sind. Nachdem die Globalisierung nach den Krisen von 2008 und 2020 in den Stand-By-Modus gesetzt worden ist, sollten wir uns &#8211; sei es nur &#8222;intellektuell&#8220; &#8211; auf eine Phase des Zerfalls des globalen Zyklus des Kapitals mit dem Auftauchen verschiedener eiserner Vorh&#228;nge vorbereiten. Das bedeutet nicht, dass die gegenw&#228;rtig im Entstehen begriffenen Bl&#246;cke und internen Fragmentierungen von heute auf morgen zu dichten R&#228;umen werden. Die Entglobalisierung ist ein &lt;i&gt;Prozess&lt;/i&gt; und jeder Prozess dieser Gr&#246;sse setzt Beschleunigungen, Zwischenhalte und R&#252;ckschritte gefolgt von neuen Beschleunigungen voraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein zentraler Punkt, der betont werden muss, ist die aktuelle Polarisierung zwischen gesellschaftlich und politisch stabilen Gebieten, die &#8211; und das ist kein Zufall &#8211; mit bedeutenden produktiven Kapazit&#228;ten assoziiert werden, und instabilen Gebieten, Schaupl&#228;tzen von manchmal starken gesellschaftlichen Spannungen, die keine oder fast keine bedeutenden Produktionskapazit&#228;ten haben &#8211; und somit gleichzeitig &#252;ber kein industrielles Proletariat verf&#252;gen. Einige Beispiele reichen nicht, um dieser Feststellung zu widersprechen. Wir haben tats&#228;chlich &#8211; von Beirut bis Neapel, aber auch in gewissen Regionen der USA, die besonderes Interesse f&#252;r die antirassistische Bewegung zeigen &#8211;, unabh&#228;ngig vom auf der Strasse kontextuell erreichten Niveau der Gewalt, klar gesehen: Wenn die Polizei, die Gesch&#228;fte und das urbane Mobiliar einmal geb&#252;hrend angegriffen worden sind, was tun? Wohin gehen? Wenn es nichts anderes anzugreifen gibt, drehen wir uns im Kreis. Der &#8211; f&#252;r eine ganze philosophische und literarische zeitgen&#246;ssische Str&#246;mung &#8211; sakrosankte Riot mit einem grossen R zeigt darin seine grundlegende Schw&#228;che.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf dem alten Kontinent zu bleiben, ist es interessant, eine Passage Bordigas, geschrieben Ende der 1950er Jahre, zu zitieren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kann man es wagen, die Umrisse der zuk&#252;nftigen internationalen Revolution zu skizzieren? Das Zentrum dieses Gebietes wird in den L&#228;ndern liegen, die auf die Verw&#252;stungen des zweiten Weltkriegs mit einem m&#228;chtigen Wiederaufschwung der Produktivkr&#228;fte reagierten: in erster Linie Deutschland, Ostdeutschland eingeschlossen, Polen und die Tschechoslowakei. Die erbarmungslose Enteignung aller Besitzer &#8218;volkskapitalistischen&#8216; Verm&#246;gens [d.h. innerhalb der damaligen &#8218;Volksdemokratien&#8216;, AdA] wird einem proletarischen Aufstand folgen, dessen Kerngebiet zwischen Berlin und dem Rhein liegen wird. Norditalien und der Nordosten Frankreichs werden rasch in die Bewegung einbegriffen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine derartige Perspektive wird den geistig Umnebelten nicht zug&#228;nglich sein, die keinem der kapitalistischen L&#228;nder auch nur eine Stunde des &#220;berlebens zugestehen wollen. F&#252;r sie sind alle kapitalistischen L&#228;nder gleich und reihenweise zu exekutieren, selbst wenn sie daf&#252;r nur &#252;ber Hinterladerspritzen anstelle von Atomraketen verf&#252;gen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Der Marxismus und Russland&#8220;, 1976 [1957].&#034; id=&#034;nh4-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr als 60 Jahre sp&#228;ter kann man kurioserweise feststellen, dass sich die Welt kaum ver&#228;ndert hat, zumindest hinsichtlich der Verteilung der Produktionskapazit&#228;ten. F&#252;gen wir Bordigas Panorama vor 60 Jahren Ungarn hinzu, geben wir Berlin (verwahrlost im Zustand des Kindergartens des mond&#228;nen Partylebens&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Obsession f&#252;r Partys hat &#252;brigens den Vorteil, dass sie die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und das weitgehend desindustrialisierte Ostdeutschland auf, ersetzen wir sie mit dem Industrieg&#252;rtel, der von Bremen bis nach M&#252;nchen reicht und Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-W&#252;rttemberg durchquert und wir haben die Karte des Industriekerns Europas und der haupts&#228;chlichen Arbeiterkonzentrationen (siehe weiter unten) erstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Illustration 4: Arbeitsstellen in der Industrie in Europa (in %, Daten von 2015)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_36 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L327xH331/10000000000001d6000001dba673f5a6aee33dac-cf593.png?1784181573' width='327' height='331' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Wir haben somit ebenfalls die Umrisse eines Grossdeutschlands skizziert, das, obwohl es keine politische Konsistenz hat, objektiv in der tentakelartigen Ausdehnung der deutschen Auslagerung in Richtung Osten (L&#228;nder der Visegr&#225;d-Gruppe) und S&#252;den (Lombardei-Venetien) existiert. Wagen wir es also, die leidige Frage zu stellen: Und falls es dieses in der &#220;berst&#252;rztheit der Ereignisse schaffen w&#252;rde, politisch zu existieren? Wenn man mal die sowohl positiven als auch negativen vorhersehbaren Folgen abgewogen hat &#8211; wozu die Balkanisierung Italiens geh&#246;rt, davon haben wir in einem anderen Text gesprochen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Il Lato Cattivo, &#8222;Il demos, il Duce e la crisi&#8220;, Dezember 2018.&#034; id=&#034;nh4-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; kann man dann legitimerweise behaupten, dass ein solcher Ausgang grunds&#228;tzlich schlimmer w&#228;re als &lt;i&gt;dieses&lt;/i&gt; Europa?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entgegen weit von jeglichem Realit&#228;tsprinzip entfernten hypersubjektivistischen Sichtweisen ist keine Konkretisierung der kommunistischen Perspektive in Europa ohne Bruch der gesellschaftlichen Gleichgewichte in seinem produktiven Kern m&#246;glich. Genossinnen und Genossen, die noch ein Hirn und ein Minimum an Scharfsinn besitzen, wird es nicht im Geringsten schwerfallen, uns bis hierher zu folgen. Was schwieriger zugestanden werden kann &#8211; vor allem f&#252;r jene, welche, wie wir, von einem reinen proletarischen Internationalismus kommen &#8211; und man jedoch den Mut haben muss, es zu tun, ist die Tatsache, dass die Bedingungen eines solchen Bruchs gleichwesentlich jene eines definitiven Bruchs der nationalen Gleichgewichte in Europa oder gar der R&#252;ckkehr des Krieges auf seinem Territorium sind. Das ist der Preis einer &lt;i&gt;Wiederkehr des Verdr&#228;ngten&lt;/i&gt;, das gleichbedeutend ist mit der Weltgeschichte, die &#8211; wie es schon Hegel wusste &#8211; kein &#8222;Boden des Gl&#252;cks&#8220; ist. Nach dem Mauerfall wurde ihr angebliches &#8222;Ende&#8220; &#252;berall gefeiert, in West- und Zentraleuropa ausgerechnet begleitet von der &lt;i&gt;Ode an die Freude&lt;/i&gt; von Beethoven und Schiller (geschrieben &#8211; und das ist kein Zufall &#8211; als die deutsche Einheit noch nicht vollendet war). Nach der &lt;i&gt;Marseillaise&lt;/i&gt;, die von den Gelbwesten lauthals unter dem Triumphbogen gesungen wurde, w&#252;rden wir wetten, dass ihre definitive R&#252;ckkehr vom Lied der Deutschen begleitet sein &#8211; oder nicht sein wird. Wie ging es schon wieder? Ach ja&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;center&gt;&#8222;Deutschland, Deutschland, &#252;ber alles,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;&#252;ber alles in der Welt,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;Wenn es stets zu Schutz und Trutze,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;br&#252;derlich zusammenh&#228;lt, von der Maas bis an die Memel,&lt;/center&gt;
&lt;center&gt;von der Etsch bis an den Belt...&#8220;&lt;/center&gt;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2021/02/ancora-su-covid-19-e-oltre.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italiano&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=19391&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Fran&#231;ais&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb4-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Covid-19-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nikolai Bucharin, &#8222;Zur Theorie des imperialistischen Staates&#8220;, 1915. &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/archive/bukharin/works/1915/state.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar auf Englisch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &#8222;Nachwort zur zweiten Auflage&#8220; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;In Opelousas im Bundesstaat Louisiana wurde eine Genossenschaft f&#252;r den Handel mit S&#252;sskartoffeln gegr&#252;ndet. Eine Gruppe von Landwirten hat das Land gekauft, bebaut es gemeinsam und verkauft das Produkt zu ihrem eigenen Vorteil. Die Genossenschaft [&#8230;] z&#228;hlt momentan 375 schwarze Landwirte. Der Erfolg des Unternehmens hat 15 weisse Kleinbauern ermutigt, sich ihm anzuschliessen. Die Spezialmethoden und die Markttechniken, die dort gelernt worden sind, werden in anderen Regionen des Landes angewandt werden. Es ist ein Beispiel von Black Power im wirtschaftlichen Bereich.&#8220; (Floyd B. McKissick, &#8222;Programs for Black Power&#8220; in Floyd B. Barbour [Hg.], &lt;i&gt;The Black Power Revolt&lt;/i&gt;, New York, Collier Books, 1968.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Abraham L&#233;on, &lt;i&gt;Die j&#252;dische Frage. Eine marxistische Analyse&lt;/i&gt;, Essen, Arbeiterpresse-Verlag, 1995 [1946].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Jahr 2017 bekr&#228;ftigten wir, dass &#8222;die M&#246;glichkeit neuer &#8218;Verwachsungen&#8216; zwischen Proletariat und Mittelklassen &#252;berhaupt nicht ausgeschlossen ist, sowohl in den zentralen Zonen (beispielsweise in Form einer schwarzen Bewegung gegen den Rassismus in den USA), als auch in den halbperipheren (beispielsweise in Form von Bewegungen gegen die Regierung, die f&#228;hig sind, alle Beg&#252;nstigten der Umverteilung der &#214;lrente in den heute leidenden schw&#228;chsten Produktionsl&#228;ndern zusammenzubringen)&#8220;. (Il lato cattivo, &#8222;Della difficolt&#224; ad intendersi&#8220;, Januar 2017, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2017/01/della-difficolta-ad-intendersi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Betreffend der tats&#228;chlichen Verwaltung der Pandemie, die in den USA, wie in vielen anderen L&#228;ndern, alles andere als brillant war, muss man die Aufteilung der Kompetenzen zwischen der Bundesregierung und den Bundesstaaten ber&#252;cksichtigen. Letztere wandten verschiedene Modalit&#228;ten der Verwaltung der Pandemie an, die nicht notwendigerweise durch ihre politische Couleur determiniert waren. Nur Arkansas, Iowa, Nebraska, Nord- und S&#252;ddakota, Utah und Wyoming &#8211; Staaten, wo die Bev&#246;lkerung zahlenm&#228;ssig schwach und wenig konzentriert ist &#8211; waren gegen &lt;i&gt;jegliche&lt;/i&gt; Begrenzung der Mobilit&#228;t f&#252;r die Einwohner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Trotz dem in absoluten Zahlen offensichtlichen Vorteil (ungef&#228;hr 7 Millionen Stimmen) war die Marge von Bidens Wahl &#8211; aufgrund der Besonderheiten des indirekten amerikanischen Wahlsystems &#8211; viel geringer: 50&#8216;000 &#252;bergelaufene demokratische Stimmen f&#252;r Trump h&#228;tten gereicht, um das Resultat zu &#228;ndern. Wenn man das nicht ber&#252;cksichtigt, erscheint die juristische Schlacht Trumps gegen den angeblichen Betrug schlichtweg als unverst&#228;ndlich.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Raffaele Sciortino, &#8222;Dopo Trump?&#8220;, 7. Dezember 2020, &lt;a href=&#034;https://www.infoaut.org/global-crisis/dopo-trump&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Milit&#228;risch betrachtet ist die amerikanische Aussenpolitik weit davon entfernt, sich aus S&#252;dostasien zur&#252;ckgezogen zu haben. 60% der amerikanischen Kriegsschiffe und 70% der Infanterie der amerikanischen Marine sind gegenw&#228;rtig im Indopazifik konzentriert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Brendan O&#8216;Leary, &lt;i&gt;The Asiatic Mode of Production. Oriental Despotism, Historical Materialism, and Indian History&lt;/i&gt;, Oxford, Basil Blackwell, 1989.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Daf&#252;r gibt es heute nur einen Weg: die Vereinigung der Staaten der europ&#228;ischen Zivilisation in einem Bunde mit gemeinsamer Handelspolitik, einem Bundesparlament, einer Bundesregierung und einem Bundesheer &#8211; die Herstellung der Vereinigten Staaten von Europa.&#8220; (Karl Kautsky, &lt;i&gt;Die Neue Zeit&lt;/i&gt;, 28. April 1911; zitiert von Rosa Luxemburg, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1911/05/utopien.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Friedensutopien&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 1911.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220; in &lt;i&gt;Il Programma comunista&lt;/i&gt;, Nr. 11-12, 1962, &lt;a href=&#034;https://www.quinterna.org/archivio/1952_1970/mito_europa.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Grunde genommen wurde die gesamte Geschichte Europas durch die deutsche Frage determiniert. Die Balkanisierung Europas und Deutschlands ergibt sich aus der Niederlage der den gesamten Kontinent am Anfang des 16. Jahrhunderts heimsuchenden revolution&#228;ren Welle (Niederlage von 1525). Mit dem Dreissigj&#228;hrigen Krieg wird Deutschland geteilt und macht hinsichtlich der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse R&#252;ckschritte. Indem sie Holland verlor, verlor die deutsche Nation die erste grosse Gelegenheit einer schnellen Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise; es geschieht letztendlich erst nach 1870. Somit stellt sich zwischen dem Beginn des 16. Jahrhunderts und der gegenw&#228;rtigen Epoche die Frage der deutschen Einheit. Die Tatsache, dass die &#8218;Alliierten&#8216; es nach dem Zweiten Weltkrieg f&#252;r notwendig hielten, nicht den deutschen Militarismus zu zerst&#246;ren, denn ab 1950 war die BRD wieder bewaffnet, sondern die Macht des Proletariats, indem es in die verschiedenen Konzentrationslager fragmentiert wurde, welche die kapitalistischen Nationen ihrem Wesen nach sind, beweist, dass die kapitalistische Klasse die Lehren aus der Vergangenheit verstanden hatte. Die Repression 1953 gegen die aufst&#228;ndischen Bewegungen in Ostberlin und in Posen, dann 1956 in Posen und in Ungarn, schliesslich jene in Polen 1970-1971 (in einem geringeren Ausmass jene in der Tschechoslowakei 1968) beweist, dass das globale Kapital auf keinen Fall eine gewaltt&#228;tige Wiederaufnahme des Klassenkampfes in diesen L&#228;ndern tolerieren kann. Die Diktatur wird dort immer entschlossen sein. Einzig die Lockerung der durch die EG und die UdSSR aufrechterhaltene Schlinge wird eine Wiederaufnahme erlauben k&#246;nnen, doch sie wird auf keinen Fall jener nach dem Ersten Weltkrieg &#228;hneln.&#8220; (Jacques Camatte, &lt;a href=&#034;https://revueinvariance.pagesperso-orange.fr/kapd.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le KAPD et le mouvement prol&#233;tarien&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt;, Reihe II, Nr. 1, November 1971, S. 51, Fussnote 43.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Trotzdem zeigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe im Mai 2020 &#252;ber die Verfassungswidrigkeit der expansionistischen Geldpolitik der EZB zumindest die Zur&#252;ckhaltung einflussreicher Teile des deutschen Staatsapparats gegen&#252;ber der Rettung des Euros um jeden Preis.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Um diese Erfahrung wirklich zu verstehen, muss man sich jeglichen Deutschenhass verbieten. Die Lekt&#252;re eines Autors wie W.G. Sebald kann diesbez&#252;glich hilfreich sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hans Magnus Enzensberger, &lt;i&gt;Sanftes Monster Br&#252;ssel oder Die Entm&#252;ndigung Europas&lt;/i&gt;, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2011. Es w&#228;re korrekter, von direkter Gewalt zu sprechen im Gegensatz zu indirekter oder potenzieller Gewalt. Es ist klar, dass der Griechenland auferlegte Rettungsplan z.B. ein enormer Akt der Gewalt war. Trotzdem ist auf formeller Ebene gewissermassen auch grunds&#228;tzlich die Troika (EZB, IWF und Europ&#228;ische Kommission) direkt daf&#252;r verantwortlich, nicht Deutschland.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Il mito dell&#8216;Europa unita&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt;, 1871.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe das Interview des &lt;i&gt;Corriere della Sera&lt;/i&gt; mit Giuliano Amato, dem damaligen Premierminister Italiens: &#8222;Ich schlug es den Franzosen vor. Der Druck auf die Lira war dramatisch, wir k&#228;mpften f&#252;r den Verbleib innerhalb der Bandbreite des EWS und wir setzten auf ein Realignment aller W&#228;hrungen gegen&#252;ber der Mark. Das w&#228;re gleichbedeutend gewesen mit der Entwertung der deutschen W&#228;hrung statt der alleinigen Entwertung unserer W&#228;hrung. An einem Sonntagnachmittag Ende August ging ich nach Paris und schlug es Pierre B&#233;r&#233;govoy vor. [&#8230;] Er sagte mir: &#8218;Giuliano, ich werde es nicht tun.&#8216; Er zeigte mir die Zahlen. Am 20. September sollte das Referendum &#252;ber die Ratifizierung des Vertrags von Maastricht in Frankreich stattfinden: Der Ja-Anteil ging zur&#252;ck. Wenn sie die Parit&#228;t mit der Mark verloren h&#228;tten, h&#228;tte der franz&#246;sische Stolz das &#8218;Nein&#8216; unbesiegbar gemacht und das Projekt der W&#228;hrungsunion w&#228;re den Bach runtergegangen.&#8220; (Federico Fubini, &#8222;Giuliano Amato: 25 anni dopo la notte della lira&#8220;, Homepage des &lt;i&gt;Corriere della Sera&lt;/i&gt;, 15. September 2017.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Uns fehlt hier der Platz, um mehr zum Bonapartismus zu sagen. Es gen&#252;gt, zu pr&#228;zisieren, dass es sich um ein typisches Ph&#228;nomen der Geschichte der franz&#246;sischen Politik handelt, das periodisch wiederkehrt. Einige Aspekte sind von Sergio Bologna in &#8222;Karl Marx als Korrespondent der &lt;i&gt;New York Daily Tribune&lt;/i&gt;&#8220; in Beilage zu &lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt; Nr. 85 und Maximilien Rubel in &lt;i&gt;Karl Marx devant le bonapartisme&lt;/i&gt;, Paris, Mouton &amp; Co., 1950 behandelt worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Igor Delano&#235;, &lt;a href=&#034;https://monde-diplomatique.de/artikel/!5731775&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Erdogans Drohnen, Putins Raketen&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, Dezember 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/upt/kompro/art/cidmarurud.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Der Marxismus und Russland&#8220;&lt;/a&gt;, 1976 [1957].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Obsession f&#252;r Partys hat &#252;brigens den Vorteil, dass sie die Verdauungsst&#246;rung einer Welt aufdeckt, die sich bet&#228;uben muss, um zu vergessen: Die Hauptstadt des b&#252;rgerlichen Europas hat an einer zu belastenden Vergangenheit schwer zu schlucken.&#8220; (Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1325&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Dyspepsie berlinoise&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2017.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Il Lato Cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2018/12/il-demos-il-duce-e-la-crisi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il demos, il Duce e la crisi&#8220;&lt;/a&gt;, Dezember 2018.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Il lato cattivo &#8211; Covid-19 und dar&#252;ber hinaus</title>
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&lt;p&gt;Nichts f&#252;rchtet der Mensch mehr als die Ber&#252;hrung durch Unbekanntes. &lt;br class='autobr' /&gt;
In einer wirtschaftlich besch&#228;digten, doch politisch stagnierenden Welt muss der Schock manchmal &#8222;von aussen&#8220; kommen, von Faktoren oder Ereignissen, die urspr&#252;nglich weder strikt wirtschaftlich noch politisch sind, und, im gegenw&#228;rtigen Fall, nicht einmal strikt menschlich. Nicht dass Epidemien als rein biologisches Ph&#228;nomen qualifiziert werden k&#246;nnten, doch es scheint uns offensichtlich, dass diese Episode des ewigen (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Covid-19" rel="tag"&gt;Covid-19&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton68.png?1689273855' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='90' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Nichts f&#252;rchtet der Mensch mehr als die Ber&#252;hrung durch Unbekanntes.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Elias Canetti.&#034; id=&#034;nh5-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;In einer wirtschaftlich besch&#228;digten, doch politisch stagnierenden Welt muss der Schock manchmal &#8222;von aussen&#8220; kommen, von Faktoren oder Ereignissen, die urspr&#252;nglich weder strikt wirtschaftlich noch politisch sind, und, im gegenw&#228;rtigen Fall, nicht einmal strikt &lt;i&gt;menschlich&lt;/i&gt;. Nicht dass Epidemien als rein biologisches Ph&#228;nomen qualifiziert werden k&#246;nnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Ausl&#246;sung der gegenw&#228;rtigen Pandemie selbst &#8211; genau wie jene der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch es scheint uns offensichtlich, dass diese Episode des ewigen Kampfes zwischen dem Menschen und den Krankheitserregern, der heute den Namen Covid-19 tr&#228;gt, deswegen eine so dramatische Wende nimmt, weil er mit jener besonderen Umwelt verbunden ist &#8211; die ihrerseits rein gesellschaftlich ist &#8211; in welcher er sich abspielt. Dass auf wirtschaftlicher Ebene ein &#8222;perfekter Sturm&#8220; aufziehen w&#252;rde, das wussten wir schon lange&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vor mehr als einem Jahr machten wir eine Bestandesaufnahme der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dass er mit einer grossfl&#228;chigen Pandemie einhergehen w&#252;rde, war schwer vorauszusehen. Diese Tatsache ist definitiv ein neues Element im Szenario, das vorsichtig und n&#252;chtern analysiert werden muss: Zu h&#228;ufig ist gesagt worden, dass &lt;i&gt;nichts mehr wie zuvor sein w&#252;rde&lt;/i&gt; aufgrund irgendwelcher absolut unbedeutender Verschiebungen. Trotzdem ist die konkrete Lebensweise eines steigenden Teils der Weltbev&#246;lkerung schon stark davon betroffen (&lt;i&gt;auf dem Papier&lt;/i&gt; etwa drei Milliarden in Quarant&#228;ne am 25. M&#228;rz) und die Tendenz wird wahrscheinlich weiter in diese Richtung gehen. Die wenigen Leute, die glauben, dass sie nach drei Wochen &lt;i&gt;leichter&lt;/i&gt; Quarant&#228;ne in Begleitung von Netflix ihren grauen Alltag wiederfinden werden, d&#252;rften letztendlich entt&#228;uscht sein. Nicht nur und nicht wirklich, weil der ber&#252;hmte H&#246;hepunkt der Epidemie auf sich warten l&#228;sst, sowohl in Italien, als auch anderswo (Frankreich, Spanien usw.), sondern vor allem, weil die R&#252;ckkehr zu einer &lt;i&gt;scheinbaren&lt;/i&gt; Normalit&#228;t in der wirtschaftlichen Aktivit&#228;t und der t&#228;glichen Mobilit&#228;t zu einem Zeitpunkt erfolgen wird, wo die Epidemie immer noch andauern und betr&#228;chtliche Kontrollmassnahmen und Sicherheitsdispositive zur Folge haben wird, um eine zweite Welle der Ansteckung und des Todes zu verhindern. Das gilt allen voran f&#252;r jene L&#228;nder, wo die neomalthusianische Versuchung der &#8222;Herdenimmunit&#228;t&#8220; mehr oder weniger abgelehnt worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit bleibt der Gegenstand der kommunistischen Theorie immer der gleiche: Das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als Tr&#228;ger seiner eigenen &#220;berwindung &lt;i&gt;oder&lt;/i&gt; seiner Reproduktion auf einer h&#246;heren Ebene &#8211; ein Ausbeutungsverh&#228;ltnis zwischen antagonistischen Klassen, das, unter all jenen, die historisch existierten, zum widerspr&#252;chlichsten und &lt;i&gt;somit zum dynamischsten&lt;/i&gt; geh&#246;rt. Inmitten eines Gew&#252;hls der Tatsachen und der Diskurse &#252;ber die Tatsachen geht es darum, die in dieses Verh&#228;ltnis eingebrachten Auswirkungen der gegenw&#228;rtigen Entwicklungen zu erfassen, sowohl kurz- als auch langfristig. Was, es sei nur nebenbei gesagt, das Gegenteil der Leichtigkeit darstellt, mit welcher einige den &#8222;Zusammenbruch des Kapitalismus&#8220; heraufbeschw&#246;ren &#8211; ein Ausweg, dank welchem alles einfach wird, weil man &lt;i&gt;die Wirklichkeit&lt;/i&gt; einfach verschwinden l&#228;sst, obwohl sie ungleiche sozio&#246;konomische und institutionelle Deklinationen, Temporalit&#228;ten der Ausbreitung des Virus und der Ansteckung und verschiedene Strategien der Reaktion auf den Gesundheitsnotstand hervorbringt. Dar&#252;ber hinaus sollte man die ungleiche Verteilung der Verluste zwischen den verschiedenen individuellen Kapitalfraktionen im Kontext der Wirtschaftskrise nicht vergessen. Die Ungleichm&#228;ssigkeit der Entwicklung ist immer noch die Regel im historischen Prozess. Die folgenden Anmerkungen &#8211; kaum mehr als ein Patchwork &#8211; sind nur eine leichte Anpassung im Fokus, zu unserem Gebrauch und f&#252;r jene, die mitlesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es soll zuerst gesagt werden, dass die von der internationalen Ausbreitung der Pandemie determinierte Situation definitiv eine gewisse Anzahl dem generell als &#8222;Globalisierung&#8220; definierten Akkumulationszyklus inh&#228;renter Grenzen entbl&#246;sst und gleichzeitig von den betroffenen Akteuren (Unternehmen und Machtzentren auf jeder Ebene) verlangt, sich diesen Grenzen zu stellen, indem sie &lt;i&gt;dringend&lt;/i&gt; unmittelbare Antworten vorbereiten m&#252;ssen, wovon sich einige (die wenigsten) &#8211; wie immer im Rahmen der Konkurrenz &#8211; als angemessen und zur Verallgemeinerung geeignet herausstellen, w&#228;hrend andere (die meisten) im M&#252;lleimer der Geschichte landen werden. Um eine Formel wieder aufzugreifen, auf welcher wir oft beharrt haben, &#8222;das geheime Labor der Produktion&#8220; ist genau das: Ein Labor, wo sich die Agenten der Akkumulation unabl&#228;ssig bewegen &#8211; sogar in den hoffnungslosesten Situationen &#8211; um sich den jedes Mal neu gegebenen Bedingungen anzupassen und sie zu ihrem Vorteil zu modifizieren, sobald sich dazu die Gelegenheit bietet. Nehmen wir als eine kurze Untersuchung der erw&#228;hnten Grenzen vor, nicht ohne einige Hypothesen bez&#252;glich der Antworten aufzustellen, welche sie ausl&#246;sen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allen voran bringt die aktuelle Notsituation die Zerbrechlichkeit der globalisierten &lt;i&gt;supply chains&lt;/i&gt; und der Option &lt;i&gt;zero stock&lt;/i&gt; ans Licht. In den USA hat man feststellen k&#246;nnen, inwieweit die Versorgung mit Medikamenten und medizinischem Material von den Pazifik &#252;berquerenden Lieferungen abh&#228;ngt. Es ist allgemein bekannt, dass sich die Ausbreitung von Covid-19 in China deutlich verlangsamt hat und die Produktion wieder aufgenommen wird. Der H&#246;hepunkt der Epidemie in den USA d&#252;rfte hingegen im April oder im Mai mit einer voraussichtlichen Inzidenzrate von 30 bis 40% der Bev&#246;lkerung erreicht sein. Die Erh&#246;hung der Nachfrage wird massiv sein. Es ist also wahrscheinlich, dass die USA gezwungen sein werden, Massnahmen zur Relokalisierung der Produktion in diesem Sektor zu ergreifen, sei es nur teilweise, f&#252;r gewisse pharmazeutische Produkte oder medizinische Ger&#228;te. Die durch den Defense Production Act erlaubte Requisition von General Motors zur Fabrikation von Beatmungsger&#228;ten ist ein erster Schritt in diese Richtung. Falls sich diese Tendenz verst&#228;rkt, w&#228;re es eine betr&#228;chtliche Beschleunigung des chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt;, das in anderen Sektoren schon begonnen hat (allen voran in der Milit&#228;rindustrie). Im Vereinigten K&#246;nigreich haben die durch den Ansturm auf die Superm&#228;rkte ausgel&#246;sten Verknappungen die Abh&#228;ngigkeit bez&#252;glich Nahrungsmittel eines Landes deutlich hervorgehoben, welches 50% seiner Nachfrage nach Grundnahrungsmittel mit Importen abdeckt (haupts&#228;chlich aus der EU) und in welchem der sprunghafte Anstieg der st&#228;dtischen Bodenrente die Lagerkapazit&#228;ten betr&#228;chtlich reduziert hat, gleichzeitig hat er zum Niedergang der lokalen Landwirtschaft beigetragen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Heute ist [in Grossbritannien] ein Hektar Land hundertmal rentabler, wenn (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Frankreich hat der Wirtschaftsminister Bruno Le Maire w&#228;hrend einer Pressekonferenz am 9. M&#228;rz die zutage tretenden Szenarien zur Kenntnis genommen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich bin &#252;berzeugt, dass es ein Zuvor und Danach bez&#252;glich dieser Epidemie des Coronavirus und der Organisation der globalen Wirtschaft geben wird. Es ist klar, inwieweit es in gewissen Bereichen wichtig ist, &#252;ber eine bessere Organisation der Verwertungsketten, die Relokalisierung gewisser strategischer Aktivit&#228;ten, besonders im Gesundheitssektor, und den Aufbau einer Globalisierung nachdenken zu m&#252;ssen, wo die Verwertungsketten besser gesch&#252;tzt und unabh&#228;ngiger sind, damit auf diese Art und Weise manchmal nutzlose Bewegungen vermieden werden, wenn gewisse Produkte in der N&#228;he hergestellt werden k&#246;nnen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass man eine solche Rede halten und sich dabei immer noch auf die Globalisierung beziehen kann, obwohl man in Wirklichkeit von ihrer Demontage spricht, ist nur ein f&#252;r einen Politiker typisches Oxymoron: Die W&#252;rfel sind gefallen. Man k&#246;nnte unendlich viele &#228;hnliche Beispiele, Hinweise und Vorschl&#228;ge aufz&#228;hlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens bringt die aktuelle Notsituation jene Risiken ans Licht, welchen die kapitalistische Akkumulation in einem Kontext der Unterfinanzierung der &#246;ffentlichen Gesundheitssysteme und der Infrastrukturen im Allgemeinen ausgesetzt ist. Vergessen wir nicht, dass die Notwendigkeit und die Strenge der Massnahmen der Ausgangsbeschr&#228;nkung haupts&#228;chlich von der F&#228;higkeit des Gesundheitssystems abh&#228;ngen, die wirklichen Ansteckungen innerhalb der Bev&#246;lkerung ausfindig zu machen und sich um sie zu k&#252;mmern. In einem hypothetischen Szenario einer &#220;berf&#252;lle an Spitalbetten und einer massiven und unmittelbaren Verf&#252;gbarkeit der Tests w&#228;re die Ausgangssperre alles andere als unumg&#228;nglich und k&#246;nnte vermieden werden. Ohne sich Illusionen zu machen &#252;ber den Weitblick oder die edle Gesinnung der Entscheidungstr&#228;ger und Regierenden dort, war das klar ersichtlich in S&#252;dkorea, ein Land, das nicht so gross ist wie China, aber auch nicht so klein wie San Marino (50 Millionen Einwohner), und obwohl das Durchschnittsalter zweifellos niedriger ist als jenes Italiens (42.1 gegen 46.3), hatte es Anfang M&#228;rz zweimal mehr offizielle Ansteckungsf&#228;lle. Man wird nicht erstaunt sein, dass in S&#252;dkorea die Anzahl Spitalbetten pro 1&#8216;000 Einwohner 12.27 betr&#228;gt, gegen&#252;ber 3.18 in Italien (Zahlen von 2017). Was Italien betrifft, hat unl&#228;ngst ein Bericht des Observatoriums GIMBE&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Observatorium GIMBE, &#8222;Il definanziamento 2010-2019 del Sistema sanitario (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; die Budgetk&#252;rzungen im Bereich der &#246;ffentlichen Gesundheit zwischen 2010 und 2019 auf 37 Milliarden gesch&#228;tzt, etwa die H&#228;lfte davon betraf die Infrastrukturen, die Ger&#228;te und das Material und die andere H&#228;lfte die Neuanstellungen und die Lohnerh&#246;hungen (besonders &#196;rzte, Verwaltungs- und F&#252;hrungspersonal). Wir werden freilich nicht jene beklagen, welche Marx als Mitzehrer der &lt;i&gt;Surplusvalue&lt;/i&gt; anprangerte, doch es soll gesagt sein, dass die hohen L&#246;hne gewisser Berufskategorien nicht nur die Ausl&#246;sung von Prestige oder Ehrfurcht seitens der Benutzer oder des untergeordneten Personals zum Ziel haben, sondern auch &lt;i&gt;den Korpsgeist und die Bereitschaft zur individuellen Aufopferung&lt;/i&gt; unter den Betroffenen &#8211; ausser man glaubt, es w&#228;re w&#252;nschenswert, dass ein Chirurg den Operationssaal mit der gleichen Haltung betritt wie ein spezialisierter Arbeiter sich ans Fliessband begibt. Insoweit als dass diese Einkommensniveaus in sich zusammenfallen, geschieht das selbe mit ihrer subjektiven Konsequenz. Was soll man sagen &#252;ber die pensionierten &#196;rzte in der Lombardei, wovon sich nur 10% bereit erkl&#228;rt haben, wieder zum Dienst anzutreten? Was soll man sagen &#252;ber die Region Lombardei, die gezwungen war, &#196;rzte und Virologen aus China, Kuba, Venezuela und Russland zu importieren? Die Tatsache, dass der &lt;i&gt;Ostwind&lt;/i&gt; angefangen hat, &#252;ber der Hauptstadt des eurokompatiblen Autonomismus der Liga des Nordens und der linken Movida zu wehen, deren Forderung der Aperitif um jeden Preis ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gleichzeitig scheint es in Venetien, als ob der Pr&#228;sident der Region Luca Zaia von der koreanischen Schule bekehrt worden ist: massive Fr&#252;herkennung mit mehr als 20&#8216;000 Tests pro Tag &#252;ber drei Wochen hinweg. Es ist auf jeden Fall klar, dass die drastischsten Massnahmen der Ausgangsbeschr&#228;nkung, die eingef&#252;hrt worden sind, um die Implosion eines h&#228;ufig sowieso schon atemlosen Gesundheitssystems zu verhindern, bez&#252;glich der Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivit&#228;t extrem schmerzhaft sind. Der daraus hervorgehende Widerspruch ist also, dass die st&#228;ndige Bem&#252;hung um die Verschonung des Gesundheitssystems zeigt, dass ein etwas aggressiveres und t&#246;dlicheres Virus reicht, damit das BIP zehn Punkte verliert. Ausser man entscheidet sich, die Leute einfach krepieren zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drittens bringt die aktuelle Notsituation &#8211; besonders innerhalb der Europ&#228;ischen Union &#8211; die Defekte einer &lt;i&gt;multilevel governance&lt;/i&gt; zutage, welche nunmehr zwangsl&#228;ufig, aufgrund der &#8222;Subsidiarit&#228;t&#8220; und der Umverteilung der Kompetenzen des Nationalstaates gegen unten und oben (Regionen und internationale Organismen), unf&#228;hig ist, irgendwelche Ordnung hervorzubringen. Das ist nicht neu: Man konnte es schon w&#228;hrend der Migrationskrise 2015 beobachten. Aber heutzutage ist die Sache viel schlimmer, zumindest in Italien, besonders weil die Regionen direkt betroffen sind, sie sind verantwortlich f&#252;r die Planung und die Organisation der Gesundheitsdienste. Und wir haben gesehen, wie in diesem Bereich jeder tut, was er f&#252;r richtig h&#228;lt. Die verschiedenen L&#228;nder der EU halten das &#252;brigens ebenfalls so. In einem in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; am 23. M&#228;rz erschienenen Interview hat der Vorstehende der Nationalbank Italiens, Ignazio Visco, einmal mehr den den Umst&#228;nden entsprechenden Wunsch nach einer &lt;i&gt;ever closer Union&lt;/i&gt; wiederholt: &#8222;Die Krise des Coronavirus muss es uns erlauben, in Richtung eines vereinigten Europas zu gehen.&#8220; Aber wer glaubt noch daran? Ob uns das gefallen mag oder nicht, Marine Le Pen ist unvergleichbar mehr im Einklang mit der Wirklichkeit, als sie vor den Mikrophonen von RT France (25. M&#228;rz) verk&#252;ndet, dass &#8222;die Europ&#228;ische Union das erste Opfer des Coronavirus ist&#8220;. Es ist eine neue Tatsache, dass das Diktat einer strengen Haushaltspolitik nun auch in Deutschland gefallen ist, was die Gefahr einer allgemeinen Lockerung der Sparzw&#228;nge mit sich bringt. Macron hat von der Gelegenheit profitiert, indem er schon am 25. M&#228;rz einen &#8222;massiven&#8220; Investitionsplan f&#252;r das Gesundheitssystem angek&#252;ndigt hat. Jenseits der sch&#246;nen Worte wird sich zeigen, wie viel Geld wirklich auf den Tisch gelegt werden wird. Doch wenn die EU nicht mehr f&#228;hig ist, ihre Mitglieder (PIIGS oder auch nicht) zu disziplinieren, wird sie f&#252;r diese (oder ihre k&#252;nftigen Mitglieder) zu einer Melkkuh verkommen und wird somit komplett nutzlos, sogar f&#252;r jene, welche bis anhin in ihrem Schatten fett geworden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Thema der &lt;i&gt;governance&lt;/i&gt; schrieben wir vor fast drei Jahren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Integration zwischen Staat und privater Unternehmung [&#8230;] ist zu gross geworden, sogar vom rein kapitalistischen Standpunkt ihrer optimalen Funktionsweise aus betrachtet. [D]iese Koexistenz/Kombination des Managements und der parasit&#228;ren Verwaltung der staatlichen Sph&#228;re mit all ihren Verflechtungen beschr&#228;nkt die Effizienz und die Reaktivit&#228;t des staatlichen Handelns in seinem Verh&#228;ltnis gegen&#252;ber der Gesellschaft betr&#228;chtlich, vor allem in einer Situation der Verknappung des Mehrwerts. [&#8230;] Vom Standpunkt der heute zerstreuten &#8218;Partei der Subversion&#8216; aus betrachtet, ist der aktuelle Zerfall des getrennten Staates eine gute Neuigkeit, denn sie verk&#252;ndet die M&#246;glichkeit einer kompletten institutionellen L&#228;hmung in Anbetracht eines eventuellen aufst&#228;ndischen Bruches. Doch h&#252;ten wir uns vor einem einfachen Optimismus: Ein revolution&#228;rer Aufschwung, oder wom&#246;glich einfach eine starke fordernde Dynamik, k&#246;nnte dieser Tendenz entgegenwirken, statt sie zu verst&#228;rken.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il lato cattivo, &#8222;Foto dal finestrino&#8220;, September 2017.&#034; id=&#034;nh5-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der prinzipielle Mangel dieser Analyse ist, dass sie die Funktionsst&#246;rung des Nationalstaates nur vom Standpunkt des &#8222;Endziels&#8220; bewertet und ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die &#8222;Bewegung&#8220; vernachl&#228;ssigt. Ist eine institutionelle L&#228;hmung in Abwesenheit einer unmittelbaren revolution&#228;ren Perspektive w&#252;nschenswert, wenn dazu &#8211; hypothetisch &#8211; noch eine schlimme Gesundheitskrise kommen w&#252;rde? Es steht jedem frei, in seinem tiefsten Inneren das Chaos oder die Apokalypse herbeizusehnen, aber es soll sich dann niemand beklagen dar&#252;ber, dass seine Eltern und Grosseltern letztendlich wie Hunde krepieren, zu Hause oder in G&#228;ngen von ausser Kontrolle geratenen Spit&#228;lern. Zudem ist der Inhalt der gesellschaftlichen Instanzen und Forderungen, insoweit als die Funktionsst&#246;rungen des &lt;i&gt;Operettenstaates&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Behelfsm&#228;ssige &#220;bersetzung des Begriffs lo stato coglione, den Bordiga (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, mit welchen wir heute konfrontiert sind, heftige Auswirkungen auf das allt&#228;gliche Leben jener haben, welche keine Alternative zum &#246;ffentlichen Dienst haben &#8211; nicht nur auf die Arbeiter und Angestellten, d.h. den wesentlichen Teil der aktiven proletarischen Armee, sondern auch immer mehr auf die niederen Mittelkassen, entlohnt oder nicht &#8211; von dieser Sachlage &#252;berdeterminiert. Zusammengefasst kann man sagen, dass, je weniger der Staat funktioniert, die Frage der Reform in einem souver&#228;nistischen Sinn desto mehr den allt&#228;glichen Klassenkampf und die politischen Launen der sogenannt &#8222;subalternen&#8220; Klassen kontaminiert und in verschiedener Auspr&#228;gung mit der direkten Konfrontation mit diesem oder jenem anderen Kapital oder Chef kombiniert wird. Wenn man nicht den Bauchredner der K&#228;mpfe der anderen spielen und ihnen in den Mund legen will, was uns passt, ist es unm&#246;glich, die Tatsache zu verschweigen, dass w&#228;hrend der immer noch andauernden Streikwelle in Italien die Forderungen &#252;ber die Arbeitsbedingungen (Sicherheitsmassnahmen) und die Unterbrechung der unwesentlichen Sektoren gleichzeitig an die Arbeitgeber und den Staat gerichtet sind und letzteren verpflichten, sich gegen&#252;ber Confindustria und Co. weniger gef&#228;llig zu verhalten, d.h. eine relative Autonomie gegen&#252;ber der dominanten Fraktion der Arbeitgeberschaft an den Tag zu legen. Ging die latente Bedrohung der Pl&#252;nderungen, welche Giuseppe Conte dazu bewegt hat, die Einf&#252;hrung von Lebensmittelgutscheinen anzuk&#252;ndigen, nicht in die gleiche Richtung &#8211; objektiv, oder gar subjektiv betrachtet? Werden diese Massnahmen, zusammen mit anderen, die schon ergriffen worden sind oder noch ergriffen werden, nicht endlich die europ&#228;ische Zwangsjacke zerreissen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug zum vorhergehenden Punkt heben die Ausbreitung und die Folgen von Covid-19 die Grenzen der liberalen Subjektivit&#228;t, des souver&#228;nen Individuums mit seinem freien Willen und Inhaber seines eigenen K&#246;rpers hervor. In Anbetracht der Ansteckung oder der Gefahr der Ansteckung f&#252;r sich selbst &lt;i&gt;und die anderen&lt;/i&gt; zeigen die Prinzipien &#8222;ich mache, was ich will&#8220; oder &#8222;mein K&#246;rper geh&#246;rt mir&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pr&#228;zisieren wir, falls es notwendig ist, dass das Recht auf Abtreibung oder (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; all ihre Relativit&#228;t auf, dies aus dem einfachen Grund, dass die Verbindung des Individuums mit der Gesellschaft, sowie seine &lt;i&gt;Abh&#228;ngigkeit&lt;/i&gt; von ihr, ihre Anspr&#252;che geltend machen. Man muss eine erfolgreiche Schriftstellerin sein und sich dar&#252;ber emp&#246;ren, nicht ins Schuhgesch&#228;ft gehen zu k&#246;nnen, oder ein Philosoph der Biopolitik mit einem Heiligenstatus innerhalb der radikal-schicken Intelligenzia, um das nicht zu erkennen. Muss man noch erstaunt dar&#252;ber sein, dass Liberale und Libert&#228;re sich in der Verurteilung vermeintlich &#8222;freiheitsbedrohender&#8220; Massnahmen Seite an Seite wiederfinden?&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_43 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L486xH163/100002010000031e0000010c0ad73d9ebce6de17-a211f.png?1784175850' width='486' height='163' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;(Fuani Marino: &#8222;Wir sind dabei, wesentliche Dinge wie das Recht auf Bildung, die Sozialit&#228;t und schliesslich die Wirtschaft im Namen jener Leute zu opfern, welche &#228;lter als 75 Jahre sind.&#8220;; Giorgio Agamben: &#8222;Der Ausnahmezustand ausgel&#246;st von einer ungerechtfertigten Dringlichkeit.&#8220;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowohl von einem theoretischen als auch von einem praktischen Standpunkt stellt die Notsituation von Covid-19 ein viel tiefergehendes Problem dar als die individuelle Moral oder die Solidarit&#228;t zwischen Generationen, das &#8211; wenn man genau hinschaut &#8211; die Grundlage sowohl der einen als auch der anderen ist: Was ist die &lt;i&gt;Gesellschaft&lt;/i&gt;? Diese Frage ist alles andere als unerheblich und zwingt uns, die Wurzel der Dinge zu betrachten. In dieser Hinsicht hat der gute alte Karl einige aufschlussreiche Passagen hinterlassen. Hier einige davon:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Da&#223; der gesellschaftliche Zusammenhang, der durch den Zusammensto&#223; der unabh&#228;ngigen Individuen entsteht, zugleich als sachliche Notwendigkeit, und zugleich als ein &#228;u&#223;erliches Band gegen&#252;ber ihnen erscheint, stellt &lt;i&gt;eben ihre Unabh&#228;ngigkeit&lt;/i&gt; dar, f&#252;r &lt;i&gt;die das gesellschaftliche Dasein zwar Notwendigkeit&lt;/i&gt;, aber nur &lt;i&gt;Mittel ist, also den Individuen selbst als ein &#196;u&#223;erliches erscheint, im Geld sogar als ein handgreifliches Ding&lt;/i&gt;. Sie produzieren in und f&#252;r die Gesellschaft, als gesellschaftliche, aber zugleich erscheint dies als blo&#223;es Mittel ihre Individualit&#228;t zu vergegenst&#228;ndlichen. Da sie weder subsumiert sind unter ein naturw&#252;chsiges Gemeinwesen, noch andrerseits als bewu&#223;t Gemeinschaftliche das Gemeinwesen unter sich subsumieren, mu&#223; es ihnen als den Unabh&#228;ngigen Subjekten gegen&#252;ber als ein ebenfalls unabh&#228;ngiges, &#228;u&#223;erliches, zuf&#228;lliges, Sachliches ihnen gegen&#252;ber existieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Urtext von &#8222;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&#8220; in Grundrisse der Kritik (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Je tiefer wir in der Geschichte zur&#252;ckgehen, je mehr erscheint das Individuum, daher auch das produzierende Individuum, als unselbst&#228;ndig, einem gr&#246;&#223;ren Ganzen angeh&#246;rig: erst noch in ganz nat&#252;rlicher Weise in der Familie und in der zum Stamm erweiterten Familie; sp&#228;ter in dem aus dem Gegensatz und Verschmelzung der Stamme hervorgehenden Gemeinwesen in seinen verschiednen Formen. Erst in dem 18. Jahrhundert, in der &#8218;b&#252;rgerlichen Gesellschaft&#8216;, treten die verschiednen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhangs dem Einzelnen als blo&#223;es Mittel f&#252;r seine Privatzwecke entgegen, als &#228;u&#223;erliche Notwendigkeit. Aber die Epoche, die diesen Standpunkt erzeugt, den des vereinzelten Einzelnen, ist gerade die der bisher entwickeltsten gesellschaftlichen (allgemeinen von diesem Standpunkt aus) Verh&#228;ltnisse. Der Mensch ist im w&#246;rtlichsten Sinn ein &lt;i&gt;&#950;&#8183;&#959;&#957; &#960;&#959;&#955;&#953;&#964;&#953;&#954;&#972;&#957;&lt;/i&gt;, nicht nur ein geselliges Tier, sondern ein Tier, das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einleitung von 1857 in MEW, Bd. 13, S. 615.&#034; id=&#034;nh5-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir &#8222;Gesellschaft&#8220; nennen, ist nichts anderes als &lt;i&gt;der gegenseitige Zusammenhang zwischen Individuen als von den Individuen selbst autonomer Zusammenhang&lt;/i&gt;, es ist ihre eigene Gemeinschaft, die &lt;i&gt;ausserhalb von ihnen selbst&lt;/i&gt; hervorgebracht und reproduziert wird und die f&#228;hig ist, sich jedem als &#228;ussere Zwangsmacht aufzudr&#228;ngen. Diese von den Individuen unabh&#228;ngige Gesellschaft findet ihre Verl&#228;ngerung im Staat, ohne sich auf denselben zu beschr&#228;nken. Letzterer artikuliert sich nicht gegen&#252;ber der Gesellschaft als &#228;usserer K&#246;rper, als Parasit: Er macht nichts anderes, als &lt;i&gt;die Entfremdung&lt;/i&gt; zu vergegenst&#228;ndlichen &#8211; hier verstanden ohne jegliche humanistische, essentialistische oder psychologische Konnotation &#8211; d.h. die Diskrepanz zwischen individueller und global gesellschaftlicher T&#228;tigkeit. Eine Diskrepanz, welche die grossen modernen b&#252;rgerlichen Denker unaufh&#246;rlich thematisierten, von Mandeville bis Max Weber, und dazwischen Hobbes, Vico, Smith und Hegel, einerseits in ihrer optimistischen Form der privaten Laster, die zu &#246;ffentlichen Tugenden werden, andererseits in der pessimistischen Form der guten Vors&#228;tze, welche den Weg zur H&#246;lle pflastern.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_44 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L302xH181/100002010000012e000000b51a03916105f5d1e0-0c5ad.png?1784175850' width='302' height='181' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zum Verh&#228;ltnis zwischen Proletariat und Kapital ist der Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft kein Widerspruch, er ist der Motor von nichts und untergr&#228;bt nicht die Grundlagen seiner eigenen Reproduktion; doch das bedeutet nicht, dass er nicht konkrete &lt;i&gt;Auswirkungen&lt;/i&gt; hervorbringt. Bez&#252;glich diesem die Individuen transzendierenden Zusammenhang zwischen Individuen muss allen voran der unabwendbare Druck unterstrichen werden, welche er unmittelbar auf die Individuen selbst aus&#252;bt. Der verbindliche Zwang der Gesellschaft k&#246;nnte nicht besser dargestellt werden als im ber&#252;hmten Bild des Leviathans, dessen K&#246;rper eben genau aus einer Vielzahl von Individuen besteht. Gem&#228;ss Hobbes ist der Leviathan der gr&#246;sste Zwang, denn er &#8222;kommt von allen&#8220;, und niemand kann sich ihm entziehen, denn jeder ist ungewollt daran beteiligt. Im Gegensatz zu den verworrenen Konzeptionen der Vertragstheorie, die auf ihn folgen, ist der (komplett fiktive) Gesellschaftsvertrag von Hobbes nicht ein Vertrag zwischen dem Staat und den Individuen, sondern ein Vertrag &lt;i&gt;zwischen den Individuen&lt;/i&gt;, der &lt;i&gt;logischerweise&lt;/i&gt; dem Staat &lt;i&gt;vorausgeht&lt;/i&gt; und seine Existenz gr&#252;ndet. Was ist dieser imagin&#228;re Vertrag, wenn nicht die ideologische &#220;bertragung &#8211; der Vertrag als Resultat einer &#8222;freien Entscheidung&#8220; &#8211; eines objektiven Zusammenhanges, den das Individuum als immer schon vorhanden vorfindet? Obwohl letzteres ihn &#8211; wie es Marx formuliert &#8211; als reines Mittel benutzen kann, um seine eigene Individualit&#228;t zu vergegenst&#228;ndlichen, erweist sich dieser instrumentale Gebrauch jenseits einer gewissen Schwelle als konterproduktiv. Das ist der wahre Kern, der im an uns als Teenager von unseren Eltern gerichteten Vorwurf enthalten ist: &#8222;...und wenn es alle so machen w&#252;rden wie du?&#8220; Wir zuckten nat&#252;rlich mit den Schultern und sahen &#8211; unter Androhung von lauten Ohrfeigen &#8211; von der einzigen Antwort ab, die uns in den Sinn kam (&#8222;Das ist uns scheissegal!&#8220;). Aber wenn man die Frage ernst nehmen m&#246;chte, m&#252;sste man antworten, dass &lt;i&gt;die Gesellschaft f&#228;hig ist, sich zu verteidigen&lt;/i&gt;. Dort, wo sich der gesellschaftliche Druck auf das Individuum (durch Verbote, Br&#228;uche, Normen usw.) lockert, verkehrt sich der anf&#228;ngliche Gewinn an individueller Autonomie, wenn er dazu tendiert, sich zu verallgemeinern, in sein Gegenteil, denn das Zusammenleben verschlechtert sich dermassen, dass die privaten Ziele aller kompromittiert sind. Und zu diesem Zeitpunkt wird ein Verteidigungsmechanismus aktiviert, der zum Ziel hat, ein Umfeld wieder herzustellen, in welchem die Erm&#228;chtigung des Individuums wieder m&#246;glich wird. Diesbez&#252;glich geht es selbstverst&#228;ndlich nur um die Grenzen, innerhalb welcher sich die &#8211; stets partielle &#8211; Hervorbringung des gesellschaftlichen Individuums innerhalb gesellschaftlicher und besonders kapitalistischer Klassenformationen in einem Kontext des relativen zivilen Friedens bewegt. Dieser Diskurs stellt weder die Unterteilung der Gesellschaft in Klassen, noch den Klassencharakter des Staates in Frage. Doch er erkl&#228;rt, weshalb sich die Individuen und besonders die proletarischen Individuen unter gewissen Bedingungen veranlasst sehen, &lt;i&gt;den gesellschaftlichen Druck zu verst&#228;rken&lt;/i&gt;, d.h. den Spielraum der individuellen (gesellschaftlich akzeptierten und/oder juristisch erlaubten) Autonomie als Anerkennung der Effizienz ihres gegenseitigen Zusammenhanges zu reduzieren. Gibt es f&#252;r die Schw&#228;chsten eine andere Art und Weise, gegen den Neomalthusianismus zu k&#228;mpfen, wenn die pers&#246;nliche Freiheit die Freiheit des Virus im freien H&#252;hnerstall ist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend dieser Verbindung muss die aussergew&#246;hnliche Widerstandsf&#228;higkeit unterstrichen werden. Die Anh&#228;nger &#8222;des Zusammenbruches des Kapitalismus&#8220; und andere &lt;i&gt;Kollapsologen&lt;/i&gt; haben nicht nur ein kurzes Ged&#228;chtnis, sondern auch eine total verdinglichte Sichtweise der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. In China hat der Zusammenbruch der industriellen Produktion 1961 fast 40% erreicht; in Russland 1992 25%. In den USA betrug er zwischen Juli 1929 und M&#228;rz 1933 insgesamt 52%. Wieso haben solche Katastrophen, die allenfalls Hungersn&#246;te oder demographischen Zusammenbruch zur Folge haben, nie gereicht, um zum Verfall der bestehenden Produktionsverh&#228;ltnisse zu f&#252;hren? Schlicht und einfach, weil die Gesellschaft nicht eine Addition von Individuen und/oder Gegenst&#228;nden (seien es Fabriken) ist. Das d&#252;rfte reichen, um sich von zwei alles in allem ziemlich banalen Dingen zu &#252;berzeugen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Erstens sind die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse etwas vom unergr&#252;ndlichsten und unentzifferbarsten und die Reproduktion der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse erfordert manchmal immense Opfer unter ihren materiellen Tr&#228;gern (Dinge und Personen);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; zweitens und aus dem gleichen Grund k&#246;nnen diese Verh&#228;ltnisse weder absichtlich modifiziert, noch von einem Automatismus der Geschichte (einem &#8222;Zusammenbruch&#8220; zum Beispiel) aufgel&#246;st werden. Das bedeutet nicht, dass die kapitalistische Produktionsweise ewig ist, aber dass die Frage, wie sie &#252;berwunden werden kann, eine &lt;i&gt;theoretische&lt;/i&gt; Frage im wahrsten Sinne des Wortes ist, die ernst genommen und systematisch behandelt werden muss. Jene, welche sich damit begn&#252;gen, Parolen zu br&#252;llen, machen sich nicht nur l&#228;cherlich, sondern umgehen auch die Frage, statt sie zu beantworten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollte schliesslich angemerkt werden, dass die Demontage der Globalisierung sehr wahrscheinlich einen Widerruf jener Postulate implizieren wird, bez&#252;glich welchen sich die heftigsten Kritiker des Kapitalismus und seine Apologeten eine Zeit lang einig sein konnten, besonders der antidialektischen &#220;berzeugung, die &#196;ra des Staatskapitalismus und der damit verbundenen Problematiken sei &lt;i&gt;definitiv&lt;/i&gt; &#252;berwunden. Die &#220;berwindung der Globalisierung, sollte sie gelingen, wird gewiss keine R&#252;ckkehr zum alten Keynesianismus sein. Sind wir allerdings nicht schon dabei, ein &lt;i&gt;neues Ende des laisser-faire&lt;/i&gt; zu erleben? In diesem Sinne sollte angemerkt werden, dass, entgegen unserer eigenen Prognosen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Il lato cattivo, &#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh5-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die &lt;i&gt;big bazooka&lt;/i&gt; weiterhin schiesst. Und nicht nur ein bisschen! Man kann jedoch jetzt schon bekr&#228;ftigen, dass ihre zuk&#252;nftigen Auswirkungen und Modalit&#228;ten im Verlauf der Monate immer weniger jenen der vorhergehenden Sch&#252;sse &#228;hneln werden. Trotz den wiederholten Versuchen, eine Kettenreaktion der Konkurse zu verhindern und verfaulte Banken durch eine massive Injektion von Geldfl&#252;ssigkeit und einfachen Krediten zu retten, besteht der Graben zwischen rentablen Unternehmen mit wirklichen Kapazit&#228;ten der Selbstfinanzierung und Investition &#8211; die nicht zahlreich sind, aber sie existieren sehr wohl &#8211; und den untergehenden Unternehmen fort und vertieft sich. Nur erstere werden sich auf autonome Art und Weise dem aus dem aktuellen Schlamassel hervorgehenden wirtschaftlichen und produktiven &#214;kosystem anpassen k&#246;nnen. Wahrscheinlich werden viele andere gerettet und eventuell verstaatlicht werden m&#252;ssen, doch das wird nur unter gewissen Bedingungen geschehen und nur wenn sie als strategisch betrachtet werden. Donald Trump hat schon seine Unterst&#252;tzung f&#252;r die Idee eines Verbots der &lt;i&gt;buybacks&lt;/i&gt; &#8211; d.h. des Kaufs der eigenen Titel, um ihren Wert an der B&#246;rse zu steigern &#8211; f&#252;r die geretteten Unternehmen ausgedr&#252;ckt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Trump Says He Wants Stock Buybacks Prohibited in Virus Stimulus&#8220; in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Dies w&#252;rde schon ein erstes Kriterium der Konditionalit&#228;t (die Wiederbelebung der Investitionen) f&#252;r den &lt;i&gt;bailout&lt;/i&gt; setzen. Zudem drohen die Entwicklungen der n&#228;chsten Monate, in Anbetracht des von den amerikanischen Unternehmen Ende 2019 erreichten Verschuldungsgrades (15.5 Billionen Dollar sowohl grosser als auch kleiner und mittlerer Unternehmen), die alte Frage des Beginns des letzten Jahrhunderts zum Verschwinden zu bringen: &lt;i&gt;Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus?&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Werner Sombart.&#034; id=&#034;nh5-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es versteht sich von selbst, dass das nicht ohne eine Umstellung einer betr&#228;chtlichen Fraktion der amerikanischen und &#8211; indirekt &#8211; internationalen kapitalistischen Klasse weg von der Verteidigung des ultraliberalen Status Quo hin zu einer offenen Haltung gegen&#252;ber hohen Dosen an gelenkter Volkswirtschaft und Dirigismus geschehen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auf der anderen Seite des Pazifiks? China ist selbstverst&#228;ndlich weder in keiner Weise gesch&#252;tzt vor der ausbrechenden allgemeinen Krise, noch unbeteiligt an den wirtschaftlichen Pathologien, die den Rest der Welt heimsuchen (besonders die &#220;berverschuldung). Die von der Wirtschaftspresse ver&#246;ffentlichten Zahlen sprechen von einer Senkung von 13.5% der industriellen Produktion Chinas zwischen Januar und Februar. Das ist kein Pappenstiel und es ist auch m&#246;glich, dass die Zahl zu tief gesch&#228;tzt ist, doch f&#252;hren wir uns vor Augen, dass es sich in diesem Fall nur um zwei Monate handelt, w&#228;hrend die Daten sich in den weiter oben zitierten Beispielen auf viel l&#228;ngere Zeitr&#228;ume beziehen. Fortsetzung folgt. Die grundlegende Unbekannte ergibt sich aus der auf chinesischem Boden g&#252;ltigen Dreiteilung der Kapitale (Staatsunternehmen, chinesische Privatunternehmen, ausl&#228;ndische oder hybride Unternehmen), die in den Auslegungen in Begriffen der nationalen Buchhaltung (BIP usw.) regelm&#228;ssig verschleiert werden: Wie werden die Verluste unter diesen drei Fraktionen aufgeteilt werden? Die chinesische Wirtschaft ist nicht im Block gegossen, sie ist eine Cremeschnitte. Kann man dennoch die Tatsache vernachl&#228;ssigen, dass der chinesische &lt;i&gt;Staat&lt;/i&gt; im Moment bez&#252;glich internationaler Beziehungen die einzige Macht ist, die eine Anziehung, eine Zentripetalkraft aus&#252;bt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Verlauf der letzten Wochen hat China die Erz&#228;hlung der Epidemie neu geschrieben und sie von einer Geschichte der Skandale, der Verschleierung und der schlechten Verwaltung der chinesischen Regierung in eine Geschichte des Triumphs, der Kraft und der Grossz&#252;gigkeit der Chinesen, oder gar der &#220;berlegenheit ihres Regierungssystems verwandelt. Die Funktionsst&#246;rungen des Weissen Hauses, und vielleicht bis zu einem gewissen Grad auch jene von Downing Street, haben der chinesischen Regierung gewiss geholfen, diese Erz&#228;hlung zu konsolidieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Yangyang Cheng, Cornell University.&#034; id=&#034;nh5-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt keine Solidarit&#228;t Europas. Es ist ein M&#228;rchen auf Papier. Ich glaube an meinen Bruder und Freund Xi Jinping und an die Hilfe Chinas. Was alle anderen betrifft, danke, dass ihr nichts getan habt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aleksandar Vu&#269;i&#263;, Pr&#228;sident der Republik Serbiens, 17. M&#228;rz 2020.&#034; id=&#034;nh5-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Afrikanische Union hat schon 2&#8216;000 Test-Kits von der chinesischen Regierung bekommen und rechnet mit 10&#8216;000 weiteren sowie anderen dringend notwendigen medizinischen Lieferungen, die gebraucht werden, um die Ausbreitung von Covid-19 auf dem Kontinent zu bek&#228;mpfen. Die Verteilung der gespendeten medizinischen Ausr&#252;stung ist von den Afrikanischen Zentren f&#252;r Krankheitsbek&#228;mpfung und Schutzmassnahmen der Afrikanischen Union in &#196;thiopien zentralisiert worden. Jack Ma, ein chinesischer Tech-Milliard&#228;r und Mitgr&#252;nder der Online Shopping Plattform Alibaba, versprach, mithilfe seiner Stiftungen 20&#8216;000 Test-Kits, 100&#8216;000 Masken und 1&#8216;000 Schutzanz&#252;ge an jeden der 54 afrikanischen Staaten zu spenden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zeenat Hansrod, &#8222;China Makes Massive Donations of Medical Supplies to Fight (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im letzten Zitat erw&#228;hnten Spenden m&#246;gen &lt;i&gt;peanuts&lt;/i&gt; sein, doch was taten die anderen Riesen der Welt in der Zwischenzeit? Nichts. Grossbritannien, Frankreich und Japan schickten im Januar einige Masken nach China, um den Schein zu wahren, sie hofften tief im Herzen, dass die Epidemie der Welt alle Probleme und R&#252;ckst&#228;nde dessen ans Licht bringen w&#252;rde, was in ihren Augen grunds&#228;tzlich nie aufgeh&#246;rt hat, &lt;i&gt;the sick man of Asia&lt;/i&gt; zu sein. Jetzt zeigt sich: Wer anderen eine Grube gr&#228;bt, f&#228;llt selbst hinein. Dies bringt uns zum chinesisch-amerikanischen &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt; und zur Thukydides-Falle zur&#252;ck. Vor genau 160 Jahren prophezeite Marx:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dann wird der Stille Ozean dieselbe Rolle spielen wie jetzt das Atlantische und im Altertum und Mittelalter das Mittell&#228;ndische Meer &#8211; die Rolle der gro&#223;en Wasserstra&#223;e des Weltverkehrs; und der Atlantische Ozean wird herabsinken zu der Rolle eines Binnensees, wie sie jetzt das Mittelmeer spielt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Friedrich Engels, &#8222;Revue&#8220; in Neue Rheinische Zeitung, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist unsere j&#252;ngste Vergangenheit und unsere Gegenwart. Vielleicht nicht mehr lange. Es ist unm&#246;glich, zu wissen, was darauf folgen wird. Um einen anderen ber&#252;hmten und kontroversen Deutschen zu paraphrasieren: Das Schicksal der Weltgeschichte wird einmal mehr eine Geschichte des Kampfes von Seem&#228;chten gegen Landm&#228;chte und von Landm&#228;chten gegen Seem&#228;chte sein &#8211; ein Kampf, wovon der kriegerische Ausgang immer noch der wahrscheinlichste ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eben genau betreffend der milit&#228;rischen Frage zeigt die j&#252;ngste Exhumierung des Themas der &#8222;Aufstandsbek&#228;mpfung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Chuang, &#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China&#8220;, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; einmal mehr die Kluft zwischen einem gewissen aktivistischen oder &#8222;radikalen&#8220; &lt;i&gt;storytelling&lt;/i&gt; und der Wirklichkeit. Dass die Doktrinen und die Praktiken der Aufstandsbek&#228;mpfung zum Ziel haben, Massenbewegungen niederzuschlagen oder in Schach zu halten, ist schlicht und einfach absurd. In Wirklichkeit betreffen sie Kontexte der milit&#228;rischen Intervention im Ausland, in welchen die Feinde minorit&#228;re kriegf&#252;hrende Subjekte sind, die jedoch un&#252;bersichtlich und innerhalb einer bunt gemischten, mehrheitlich feindlichen Zivilgesellschaft zerstreut sind, welche von der Besatzungsmacht so gut wie m&#246;glich kooptiert werden muss. Die &lt;i&gt;insurgency&lt;/i&gt; gegen die &lt;i&gt;counterinsurgency&lt;/i&gt; ist der Bandenkrieg, die Guerilla, die Handlung der Partisanen. Es handelt sich nicht um &lt;i&gt;riot&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;insurrection&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;uprising&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;upheaval&lt;/i&gt;. Es ist nat&#252;rlich m&#246;glich, dass diese Doktrinen und Praktiken gegen Bev&#246;lkerungen des gleichen Staates benutzt werden k&#246;nnen wie jener, welchem die sie anwendende Armee angeh&#246;rt &#8211; obwohl es nicht ihr urspr&#252;nglicher oder vorherrschender Zweck ist. Doch das setzt einen &#228;hnlichen Kontext voraus wie jener einer Intervention im Ausland, so wie wir sie eben beschrieben haben, zum Beispiel ein Sezessionsversuch nationaler Minderheiten. Was den Rest betrifft, kann der &#8211; wie auch immer geartete &#8211; Einsatz der Armee nie etwas anderes als erg&#228;nzend zu jenem der Polizei sein, aus dem einfachen Grund, dass der Kontext nicht undurchsichtig ist und die Funktionen der &lt;i&gt;intelligence&lt;/i&gt; und der Kontrolle des Territoriums &#8211; auf eine &lt;i&gt;mit den verf&#252;gbaren Mitteln&lt;/i&gt; kompatible Art und Weise &#8211; schon abgedeckt sind. Somit kommt Zweifel auf: War die ber&#252;hmte &#8222;Militarisierung der Territorien&#8220; &#8211; in Italien und anderswo &#8211; nur ein Projektionsschirm, hinter welchem sich die Unterfinanzierung der Bullen versteckte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das ist nicht alles. Wenn es, wie es der Fall ist, wahr ist, dass die Doktrinen der Aufstandsbek&#228;mpfung Gegenstand zahlreicher, vom Ort ihrer Herkunft selbst (der amerikanischen Armee) kommender Kritiken waren und eine &#8211; freilich nicht einheitliche &#8211; Gegenbewegung der &#8222;R&#252;ckkehr zu den Grundlagen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r jene, welche das Thema vertiefen m&#246;chten, gibt es eine ausschweifende (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ausl&#246;sten, so h&#228;ngt das nicht nur mit den ungl&#252;cklichen Resultaten der Missionen im Irak, in Afghanistan usw. zusammen &#8211; vor allem, wenn man sie mit den Kosten und der banalen Feststellung vergleicht, dass &#8222;vollst&#228;ndig regul&#228;re bewaffnete Kr&#228;fte, ohne Doktrin der Aufstandsbek&#228;mpfung oder besonderem Training, in der Vergangenheit regelm&#228;ssig Aufst&#228;ndische besiegten, indem sie einige bew&#228;hrte Methoden benutzten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Edward N. Luttwak, &#8222;Modern War: Counterinsurgency as Malpractise&#8220; in (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn der Ansatz der Aufstandsbek&#228;mpfung ist gleichwesentlich mit dem &lt;i&gt;unipolaren amerikanischen Moment&lt;/i&gt;: Eine Welt, in welcher die milit&#228;rische Intervention und Besatzung als etwas konzipiert werden konnten, das losgel&#246;st von einem konsequenten Einsatz von Bodentruppen und der Einsetzung einer Regierung oder Verwaltung im besetzten Territorium war; eine Welt, in welcher man glauben konnte, dass es keine grossen Kriege mehr geben w&#252;rde, ausser gegen das Proletariat oder die &#8222;Verdammten dieser Erde&#8220; in den peripheren L&#228;ndern. Das Problem ist, dass sich diese Welt in Benghasi und Aleppo in Schall und Rauch verwandelt hat. Jene, welche beim Bericht der NATO von 2003 (&#8222;Urban Operations in the Year 2020&#8220;) stehen geblieben sind, haben wom&#246;glich einige Episoden im Verlauf der letzten 17 Jahre verpasst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Vorhergehende &#228;ndert nichts oder fast nichts an der Gesamtlage: Das Eintreten in eine besonders krampfhafte und entscheidende historische Phase, deren Ausgang offen ist und in letzter Instanz vom Klassenkampf abh&#228;ngen wird (und dies vor allem auf beiden Seiten des Pazifiks). Je weiter wir im Unwetter fortschreiten, desto geringer wird die &#8222;Sichtweite&#8220;. Und insoweit als akkumulierte/&#252;bermittelte &#8222;revolution&#228;re&#8220; Gewissheiten der allt&#228;glichen Erkundung Platz machen werden m&#252;ssen, werden &#220;berlegungen wie diese und die Existenz theoretischer &#8222;Pole&#8220; selbst wie unserem ihre Daseinsberechtigung verlieren. Es ist weniger eine Frage der Wahl, denn eine Frage einer allgemeinen &#196;nderung der &#8222;Atmosph&#228;re&#8220;: &lt;i&gt;Die ruhigen Zeiten sind vorbei&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/http://illatocattivo.blogspot.com/2020/04/covid-19-e-oltre.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/http://dndf.org/?p=18437&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Franz&#246;sische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20230326180608/https://rentry.co/covid19ymasalla&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb5-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Elias Canetti.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Ausl&#246;sung der gegenw&#228;rtigen Pandemie selbst &#8211; genau wie jene der notorischsten Epidemien der j&#252;ngsten Vergangenheit (Ebola, SARS, MERS, Zika usw.) &#8211; kann nicht als ein strikt &#8222;nat&#252;rliches&#8220; Ereignis betrachtet werden, da der sogenannte &lt;i&gt;spillover&lt;/i&gt;, d.h. die &#220;bertragung &#8222;neuer&#8220; Virenarten von den Tieren auf die Menschen, durch den Druck der kapitalistischen Produktionsweise auf die Umwelt beg&#252;nstigt wird. Siehe Laura Scillitani, &lt;a href=&#034;https://www.scienzainrete.it/articolo/aids-hendra-nipah-ebola-lyme-sars-mers-covid%E2%80%A6/laura-scillitani/2020-03-18&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Aids, Hendra, Nipah, Ebola, Lyme, Sars, Mers, Covid&#8230;&#8220;&lt;/a&gt;, 18. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vor mehr als einem Jahr machten wir eine Bestandesaufnahme der &#220;berverschuldung, sowohl &lt;i&gt;corporate&lt;/i&gt; als auch &lt;i&gt;non-financial&lt;/i&gt;. Siehe Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2018/12/il-demos-il-duce-e-la-crisi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;&lt;/a&gt;, Januar 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Heute ist [in Grossbritannien] ein Hektar Land hundertmal rentabler, wenn auf ihm gebaut, als wenn er f&#252;r die Landwirtschaft genutzt wird.&#8220; Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2019/12/15/land-and-the-rentier-economy/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Land and the Rentier Economy&#8220;&lt;/a&gt;, 15. Dezember 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Observatorium GIMBE, &lt;a href=&#034;https://www.gimbe.org/osservatorio/Report_Osservatorio_GIMBE_2019.07_Definanziamento_SSN.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il definanziamento 2010-2019 del Sistema sanitario nazionale&#8220;&lt;/a&gt;, September 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;http://illatocattivo.blogspot.com/2017/09/foto-dal-finestrino.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Foto dal finestrino&#8220;&lt;/a&gt;, September 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Behelfsm&#228;ssige &#220;bersetzung des Begriffs &lt;i&gt;lo stato coglione&lt;/i&gt;, den Bordiga im Text &#8222;Struttura economica e sociale della Russia d&#8216;oggi&#8220; verwendete. Eine deutsche &#220;bersetzung davon scheint nicht zu existieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pr&#228;zisieren wir, falls es notwendig ist, dass das Recht auf Abtreibung oder die Verh&#252;tungspille &#8211; die wir ohne zu z&#246;gern als aussergew&#246;hnliche Errungenschaften hinsichtlich der bewussten Regulierung seiner eigenen Reproduktion durch das menschliche Geschlecht definieren &#8211; hier nicht in Frage gestellt werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Urtext von &#8222;Zur Kritik der politischen &#214;konomie&#8220;&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;Grundrisse der Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, Berlin, Dietz Verlag, 1953, S. 909.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Einleitung von 1857&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 13, S. 615.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Il lato cattivo, &#8222;Il demos, il Duce, la crisi&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-20/trump-says-he-wants-stock-buybacks-prohibited-in-virus-stimulus&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Trump Says He Wants Stock Buybacks Prohibited in Virus Stimulus&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Bloomberg&lt;/i&gt;, 20. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Werner Sombart.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Yangyang Cheng, Cornell University.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aleksandar Vu&#269;i&#263;, Pr&#228;sident der Republik Serbiens, 17. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zeenat Hansrod, &lt;a href=&#034;http://www.rfi.fr/en/international/20200323-china-africa-coronavirus-alibaba-health-medical-equipment&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;China Makes Massive Donations of Medical Supplies to Fight Coronavirus in Africa&#8220;&lt;/a&gt;, RFI, 23. M&#228;rz 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, Friedrich Engels, &#8222;Revue&#8220; in &lt;i&gt;Neue Rheinische Zeitung&lt;/i&gt;, Januar/Februar 1850 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 7, S. 221.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/aktuell/a112_socialcontagion.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2020, mehrere &#220;bersetzungen davon zirkulieren online. Ein freilich sehr interessanter Text, der jedoch mit Vorbehalt gelesen werden muss. Abgesehen von einigen mehr als zweifelhaften Irrungen bez&#252;glich der Aufstandsbek&#228;mpfung und einer gewissen Ambivalenz &#252;ber das gesellschaftliche Wesen des maoistischen Chinas, ist die Einsch&#228;tzung der Massnahmen gegen Covid-19 in der Region Hubei klar durch eine Untersch&#228;tzung der Reaktionsf&#228;higkeit des Zentralstaats verzerrt. Der gewiss stimulierendste Vorschlag des Textes, der am ehesten geteilt werden kann, ist folgender: &#8222;Auf theoretischer Ebene bedeutet dies, zu verstehen, dass die Kapitalismuskritik verarmt, wenn sie von den harten Wissenschaften abgetrennt wird.&#8220; (Ad&#220;: Der letzte Teil des Textes wurde in der &#220;bersetzung von &lt;i&gt;Wildcat&lt;/i&gt; kommentarlos weggelassen, w&#228;hrend die Passage in einer &lt;a href=&#034;https://barrikade.info/article/3274&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;anderen &#220;bersetzung&lt;/a&gt; f&#228;lschlicherweise als eine &#8222;Kritik an den &#8218;harten Wissenschaften&#8216;&#8220; dargestellt wird. Wer des Englischen m&#228;chtig ist, liest am besten die &lt;a href=&#034;http://chuangcn.org/2020/02/social-contagion/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion&lt;/a&gt;.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r jene, welche das Thema vertiefen m&#246;chten, gibt es eine ausschweifende Bibliographie. Der heftigste Kritiker der Aufstandsbek&#228;mpfung innerhalb der amerikanischen Armee ist der Oberst Gentile. Siehe Gian P. Gentile, &#8222;A Strategy of Tactics: Population-Centric COIN and the Army&#8220; in &lt;i&gt;Parameters&lt;/i&gt;, Nr. 39, Herbst 2009; Gian P. Gentile, &#8222;Les mythes de la contre-insurrection et leurs dangers: une vision critique de l&#8216;US Army&#8220; in &lt;i&gt;S&#233;curit&#233; globale&lt;/i&gt;, Nr. 10, 2009, S. 21-34; Gian P. Gentile, &lt;i&gt;Wrong Turn: America&#8216;s Deadly Embrace of Counterinsurgency&lt;/i&gt;, The New Press, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Edward N. Luttwak, &#8222;Modern War: Counterinsurgency as Malpractise&#8220; in &lt;i&gt;Politique &#233;trang&#232;re&lt;/i&gt;, 2006/4, S. 859-861.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste &#8211; Zum &#8222;Strukturalismus&#8220;, oder pr&#228;ziser, zum &#8222;Althusserschen Strukturalismus&#8220; von Th&#233;orie communiste</title>
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		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
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&lt;p&gt;Die Problematik ist nicht wirklich brandaktuell, doch da das Internet eine grosse, sehr por&#246;se &#8222;Echokammer&#8220; ist, haben die Genossen der Zeitschrift Th&#233;orie communiste Wind von der Tatsache bekommen, dass auf gewissen sozialen Netzwerken die Frage ihres Strukturalismus und besonders ihres vergangenen und gegenw&#228;rtigen Interesses f&#252;r Althusser aufgeworfen wurde. Daher haben sie uns gebeten, diesen kleinen Text zum Thema als Beteiligung an der Debatte zu ver&#246;ffentlichen [Anm. von dndf]. &lt;br class='autobr' /&gt;
Dass (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton66.jpg?1689275359' class='spip_logo spip_logo_right' width='96' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die Problematik ist nicht wirklich brandaktuell, doch da das Internet eine grosse, sehr por&#246;se &#8222;Echokammer&#8220; ist, haben die Genossen der Zeitschrift &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; Wind von der Tatsache bekommen, dass auf gewissen sozialen Netzwerken die Frage ihres Strukturalismus und besonders ihres vergangenen und gegenw&#228;rtigen Interesses f&#252;r Althusser aufgeworfen wurde. Daher haben sie uns gebeten, diesen kleinen Text zum Thema als Beteiligung an der Debatte zu ver&#246;ffentlichen [Anm. von dndf].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; &#8222;strukturalistisch&#8220; oder pr&#228;ziser &#8222;althusserisch-strukturalistisch&#8220; sein mag, wo ist das Problem? Falls es nur darum geht, eine konzeptuelle Genealogie zu erstellen, ist das Interesse gering. Gehen wir sogar von einer affirmativen Beantwortung der Frage aus, das heisst eines Strukturalismus von TC, oder gar, welch schrecklicher Gedanke, eines &#8222;Althusserschen Strukturalismus&#8220;. Ist das gut oder nicht gut? Wo liegt das Problem, wo das Streitobjekt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage wird erst abh&#228;ngig davon wichtig, wo man sie situiert, wo man sie theoretisch positioniert, was sie politisch bedeutet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint, als ob es nicht &#8222;gut&#8220; w&#228;re, &#8222;strukturalistisch&#8220;, oder noch schlimmer, &#8222;althusserisch-strukturalistisch&#8220; zu sein, es sei irgendwie problematisch. Nie hat jemand auf die gleiche Art und Weise die gleiche Frage bez&#252;glich der von Rubel (Ikone der Ultralinken) geerbten humanistischen Albernheiten gestellt, als ob sie selbstverst&#228;ndlich w&#228;ren, oder bez&#252;glich der grossen Hegelianischen Ausschweifungen betreffend der Arbeit und ihrer Aufhebung, die immer noch als ziemlich chic und &#8222;radikal&#8220; gelten. Sie sind nur l&#228;ssliche S&#252;nden. Was problematisch ist mit dem Strukturalismus, ist die Tatsache, dass man dazu tendiert, den &#8222;Leuten&#8220; nicht mehr einen Spiegel vorzuhalten, in welchem sie sich als &#8222;Personen&#8220; wiedererkennen k&#246;nnen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss zuerst pr&#228;zisiert werden, dass die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen der &#8222;Theorie der Kommunisierung&#8220; und dem &#8222;Strukturalismus&#8220; sich nur f&#252;r TC stellt und nicht im Allgemeinen f&#252;r die &#8222;Theorie der Kommunisierung&#8220;. Astarian besitzt die Arbeit; Dauv&#233; den Menschen und die Permanenz einer Revolution, die, einmal gereinigt von ihren &#8222;Irrt&#252;mern&#8220; und &#8222;M&#228;ngeln&#8220;, vielleicht das n&#228;chste Mal erfolgreich sein wird; Coupat die Praxis. Unter den Produktionsverh&#228;ltnissen und der mit ihr gleichbedeutenden Konfiguration der Ausbeutung haben Dauv&#233;, Astarian, Coupat und vor ihnen Camatte immer ein definiertes Objekt des Wissens, eine sich gem&#228;ss ihrer Sichtweise (d.h. ihrer Problematik) im Bestehenden manifestierende finale und transzendente Quelle, die sie (als Verwirklichung) best&#228;tigt. &#201;changes et mouvement best&#228;tigt sogar in ihren Verneinungen eine Norm des Klassenkampfes und der Revolution. Das sogenannt &#8222;strukturalistische&#8220; Problem von TC ist gleichbedeutend mit der Tatsache, dass nichts unter dem Klassenkampf von hier und jetzt, jenseits oder &#252;berh&#228;ngend von ihm existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir den Text von Camatte &#8222;Contre une trop lente disparition&#8220; (Anhang zur Nr. 2 der dritten Serie, ver&#246;ffentlicht im Februar 1978, der Text selbst ist auf Dezember 1977 datiert) wieder lesen, so geht es darin nie um Strukturalismus und noch weniger um TC (das ist schade). Es war lange danach Christian Charrier, der in &lt;i&gt;La Mat&#233;rielle&lt;/i&gt; die Fragestellungen von Camatte in diesem Text zu Ende gef&#252;hrt hat. Die Kritik Camattes des &#8222;proletarischen Subjekts&#8220; und seines &#8222;zu langsamen Verschwindens&#8220; sei paradoxerweise eigentlich strukturalistisch, wenn sie nicht in einem verr&#252;ckten und &#252;berhistorischen Vitalismus m&#252;ndet. Es war letztendlich Charrier, der Camattes Kritik des &#8222;proletarischen Subjekts&#8220; zu Ende gebracht hat, aber er liess uns in einer Welt, in welcher die Atome niederst&#252;rzen, ohne dass uns ein Clinamen auch nur die geringste Hoffnung lassen w&#252;rde. Er sprach von Pascal, vom leergelassenen Himmel, vom in der Dunkelheit voranschreitenden Klassenkampf und von &lt;i&gt;Moby Dick&lt;/i&gt;, wo Ahab auf Gott b&#246;se ist, weil er nicht existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste Nummer von TC ist auf April 1977 datiert und sie ist noch vom &#8222;Menschen&#8220;, &#8222;dem Gattungswesen&#8220;, dem &#8222;Widerspruch der Arbeit&#8220;, den &#8222;&#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von 1844&#8220; und anderen Belanglosigkeiten gepr&#228;gt. In der Entwicklung von TC situiert sich der Schnitt (epistemologisch oder nicht) in den &#8222;Notes de travail 3&#8220; (Mai 1978) und den &#8222;Notes 5&#8220; (September 1978). Diese &#8222;Notes 5&#8220; (&#8222;Individu, soci&#233;t&#233;, praxis&#8220;) k&#246;nnen schon als sehr unschuldig &#8222;althusserisch&#8220; verstanden werden, doch &lt;i&gt;Die Frage war&lt;/i&gt;, obwohl die Beginne von TC vielleicht erst sp&#228;t vom Zeitgeist gepr&#228;gt waren (siehe weiter unten), &lt;i&gt;den Programmatismus theoretisch zu &#252;berwinden&lt;/i&gt;. Daf&#252;r war das erste Moment (siehe den Anhang zu Althusser in TC 21) Rubel, der theoretische Humanismus, &#8222;der junge Marx&#8220;, wie es Christian Charrier formulierte. Doch wir endeten dort in einer absolut unbefriedigenden Hegelianischen Konstruktion der Gesamtgeschichte wie in TC 1. Sechs Monate sp&#228;ter ist die Kritik von TC 1 in der Niederschrift von den &#8222;Notes 3&#8220; theoretisch, wenn auch nicht &#8222;intellektuell&#8220;. In TC 1 war der Klassenkampf als reelle Hervorbringung der Geschichte abwesend, er war nur Verwirklichung, ein Unfall, &#8222;die Enth&#252;llung einer vorher festgelegten Wirklichkeit&#8220; (&#8222;Notes 3&#8220;, S. 38). Es war, wie es der Titel dieser &#8222;Notizen&#8220; zusammenfasst, ein &#8222;unm&#246;glicher Programmatismus&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geburtsurkunde des &#8222;Strukturalismus&#8220; von TC erscheint auf der R&#252;ckseite der &#8222;Notes 3&#8220;: &#8222;Auf allgemeine Art und Weise kann man sagen, dass der Programmatismus auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes gr&#252;ndet, in welchen eine der Klassen in ihrer Stellung die Grundlage der Aufhebung des Widerspruches und der Fundamente der k&#252;nftigen gesellschaftlichen Organisation findet, die zu einem zu &lt;i&gt;verwirklichendem Programm&lt;/i&gt; wird. Im Klassenkampf zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist das Proletariat in seiner Stellung das positive Element, das den Widerspruch aufhebt und somit die Affirmation des Proletariats hervorbringt. Die Aufhebung des Widerspruchs wird als einer ihrer Begriffe gesetzt. Man sucht im Proletariat das, was es widerspr&#252;chlich zum Kapital macht und setzt somit diesen Widerspruch nicht als kapitalistisches gesellschaftliches Verh&#228;ltnis, welches das Proletariat, durch seine Stellung im Verh&#228;ltnis, abschaffen muss.&#8220; Abgesehen von einigen Details findet man heute immer noch diese vierzigj&#228;hrige Definition in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kein &#8222;revolution&#228;res Wesen&#8220; des Proletariats mehr, kein an sich revolution&#228;res &lt;i&gt;Subjekt&lt;/i&gt;, sondern eine Stellung in einem allgemeinen Verh&#228;ltnis, der kapitalistischen Produktionsweise. Dort war es, wo der Humanismus des &#8222;jungen Marx&#8220; f&#252;r die &#220;berwindung des Programmatismus obsolet war, wir mussten auf die Produktionsweise zur&#252;ckkommen, &lt;i&gt;so wie sie selbst ist&lt;/i&gt;. All das war polemisch, der Klassenkampf musste als etwas erkannt werden, das wirklich hervorbringend ist, und die Geschichte als konkreter Prozess, nicht als Verwirklichung (was &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; im Gegensatz zu unseren Genossen damals erlaubte, von Restrukturierung zu sprechen). Es war ihre &#220;berwindung des Programmatismus, die &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; dazu brachte, als &#8222;strukturalistisch&#8220; etikettiert zu werden, nicht der &#8222;Althussersche Zeitgeist damals&#8220;; umso mehr, als dass ein anderes Ziel existierte, der ganze haarstr&#228;ubende Dunstkreis des Allt&#228;glich-Begehrenden im Stile von Vaneigem. Das Streitobjekt war eine Positionierung dem Klassenkampf gegen&#252;ber, gegen den &#220;berhang (der Mensch, die Arbeit, das Individuum oder die immer gleiche Revolution, die endlich erfolgreich sein w&#252;rde) oder des &#8222;Daneben&#8220; (die Ideologie der Allt&#228;glichkeit). Es war notwendig, einzutauchen. Es war notwendig, zu wissen, ob das, was wichtig war, dieser Kampf war oder &#8222;tempor&#228;r&#8220; die theoretischen Waisenkinder des Kommunismus zu sein, oder, dar&#252;ber hinaus, eine &#8222;Ziegenalternative in der Ard&#232;che&#8220; aufzubauen. Es gab kein Ausserhalb, weder ausgehend von der sogenannten &#8222;Theorie des Kommunismus&#8220;, noch jedweder Lebensweise. Es ist wahr, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; damals nicht ohne Grund als &#8222;strukturalistisch&#8220; qualifiziert werden konnte, aber, alles in allem, ist das ein Makel? Die &#220;berwindung des Programmatismus ist gleichbedeutend mit keinem &#8222;Ausserhalb&#8220;, keinem &#8222;Darunter&#8220;, alles war da, kein verstecktes Signifikat. Mit einer leichten Ironie auf strukturalistische Art und Weise: die Beziehung zwischen den Signifikanten war ihr Signifikat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das war es, was als &#8222;strukturalistisch&#8220; erschien. Wieso nicht? Niemand sorgt sich hingegen darum, das zu definieren, was als &#8222;strukturalistisch&#8220; verstanden wird, als ob es selbstverst&#228;ndlich w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was bedeutet die Verwandtschaft mit dem Strukturalismus im Falle von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;? Jedes Element eines Ganzen hat erst im Verh&#228;ltnis zu den anderen Elementen einen Wert (die Linguistik ist die Geb&#228;rmutter des Strukturalismus). Die Betrachtung der Produktionsweise als eine Totalit&#228;t, in welcher kein Element modifiziert werden kann, ohne dass es zu einer Modifikation aller anderen f&#252;hrt; die &#8222;Prinzipien der Anordnung&#8220;, wie es Foucault damals formulierte (&lt;i&gt;Die Ordnung der Dinge&lt;/i&gt;); oder aber Barthes, &#8222;das Netzwerk, gem&#228;ss welchem sich die Dinge gegenseitig betrachten&#8220; (&lt;i&gt;&#201;l&#233;ments de s&#233;miologie&lt;/i&gt;). Das Ganze ist eine &#8222;logische Maschine&#8220;, ein &#8222;Ordnungsapparat&#8220; (Barthes), jedes Element setzt das ganze System voraus (die Referenzen sind mehr oder weniger zuf&#228;llig). Im Nachhinein scheint es dummerweise, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; in ihrer theoretischen Ausarbeitung Althusser oder L&#233;vi-Strauss (dessen Werke mit einer Werbung f&#252;r blaue Hosen f&#252;r Ethnologen assimiliert wurden) unbeachtet gelassen hatte. Es ist allerdings wahr, dass eine andere Komponente des Strukturalismus, die nicht direkt mit sozialer oder politischer Theorie verbunden war, auf Umwegen eine Rolle spielen konnte. Es handelt sich um die Lekt&#252;re der Zeitschriften &lt;i&gt;Tel quel&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Cahiers du cin&#233;ma&lt;/i&gt; (Rivette sagt, dass die Geschichte in einem Film die Art und Weise ist, wie die Abfolge der Bilder organisiert wird, das ist das Szenario, es gibt nichts anderes), des &#8222;neuen Romans&#8220;, von Barthes, Jakobson, Todorov, Derrida (1960er Jahre). W&#228;hrend den Diskussionen und Polemiken mit den Genossen von &lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt; vor der Konstitution von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; konnten hingegen die Religion und v.a. die Kunst mit ihrem &#8222;Bedeutungsexzess&#8220; (Adorno), die Hervorhebung des Surrealismus und seiner &#8222;Revolution&#8220; (nach Camatte) nur auf einen menschlichen Sinn der Geschichte verweisen. &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; sch&#228;tzte nie weder den &#8222;Menschen&#8220;, noch die Gef&#252;hle (ausser wenn man sie auf ihrer Ebene als &#8222;ideologische Wirksamkeiten&#8220; betrachtet). Es ist also wahr, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; in den Strukturalismus eingetaucht war, aber nicht ausgehend von direkt mit sozialen oder politischen Theorien verbundenen Texten, sondern von dem, was man damals in der Literatur und anderswo den &#8222;Formalismus&#8220; nannte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn es also nach gewissem Nachdenken exakt ist, dass gewisse Punkte des Strukturalismus auf Umwegen verf&#252;hrerisch sein konnten, so war das so, weil sie bei der &#220;berwindung des Programmatismus als theoretische Bausteine gebraucht werden konnten. Doch es ist nicht die Verf&#252;hrung durch den Strukturalismus, die zu seiner &#220;berwindung f&#252;hrte. In &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; war die intellektuelle Reflexion stets &#8222;k&#228;mpferisch&#8220;, d.h. von Streitobjekten determiniert. Daher kommt die &#8222;Bastelei&#8220;, damit die Gesamtheit in der Abfolge der Streitobjekte des Moments stets mehr oder weniger koh&#228;rent bleibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; kann &#8222;strukturalistisch&#8220; genannt werden, weil eine wahrhafte &#220;berwindung des Programmatismus impliziert, dass in der Produktionsweise kein Element sein Verh&#228;ltnis zu den anderen und zum Ganzen &#252;bersteigt, es gibt keinen Metadiskurs und keine Metawirklichkeit. In einem Text im Anhang zu den &#8222;Notes 3&#8220; (Mai 1978) schrieben wir: &#8222;Der Widerspruch des Produktionsverh&#228;ltnisses und des kapitalistischen Produktionsprozesses, der Fall der Profitrate, ist gleichbedeutend mit dem Klassenwiderspruch, der Proletariat und Kapital einander entgegensetzt, die Entwicklung des Kapitals ist nicht seine Verwirklichung, sondern seine wirkliche Geschichte, &lt;i&gt;sie nimmt keine anderen Formen an, denn sie ist nichts anderes als diese Formen, welche die Dynamik ihrer eigenen Transformation darstellen&lt;/i&gt; [im Text unterstrichen].&#8220; Und im gleichen Text wird der Fall der Profitrate dahingehend analysiert, dass er direkt der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital und zwischen dem Proletariat und sich selbst ist. Zwar erscheint das Thema der Restrukturierung erst in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 3, doch man muss in diesem Vorschlag sehen, dass ihr m&#246;gliches theoretisches Verst&#228;ndnis offen war, wie das, was Barthes &#8222;semiologische Retusche&#8220; nannte, &#8222;die Umgliederung der Sektoren innerhalb einer in ihrer Gesamtheit unver&#228;ndert gebliebenen Klassifizierung&#8220;; die von den Mutationen &#8222;der Anordnung in ihrem Prinzip&#8220; zu unterscheiden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eben genau in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 2 (Gr&#252;ndungstext), wo der &#8222;Strukturalismus&#8220; von TC, falls er existiert, eingerichtet, als der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital definiert worden ist (jedes Element eines Ganzen hat nur im Verh&#228;ltnis zu den anderen einen Wert). Dort werden die zentralen und miteinander verbundenen Themen der Ausbeutung als Widerspruch, der gegenseitigen Verstrickung und der Selbstvoraussetzung des Kapitals entwickelt. Der Widerspruch wird als &#8222;gegenseitige Verstrickung&#8220; definiert, doch das reicht nicht: &#8222;[E]s ist notwendig, dass die Bewegung, welche die Ausbeutung darstellt, ein Widerspruch ist f&#252;r die gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisse, deren Bewegung sie ist...&#8220; (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 2, S. 10.) Weiter unten: &#8222;[D]ieses Verh&#228;ltnis des Proletariats zum Kapital tr&#228;gt in sich seine Aufhebung, nicht aufgrund des besonderen Wesens einer Klasse, sondern durch die jeweilige und komplement&#228;re Situation der Arbeit und ihrer Bedingungen in der kapitalistischen Produktionsweise, was durch den Fall der Profitrate ausgedr&#252;ckt wird.&#8220; (S. 13.) Und ab der Einleitung von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 2 fassten wir die Sache folgendermassen zusammen: &#8222;Proletariat und Kapital reproduzieren sich gegenseitig, doch ihre gegenseitige Verstrickung ist f&#252;r beide von ihnen ein Widerspruch in Bezug auf das andere und somit in Bezug auf sich selbst.&#8220; (S. X.) Diese Definition des Widerspruches wird dreissig Jahre sp&#228;ter in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 22 (Februar 2009) wieder aufgenommen und komplettiert. Doch in der Zwischenzeit (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 8) liegt die Definition der gegenseitigen Rolle der Begriffe des Widerspruches innerhalb desselben. Vom &#8222;Widerspruch, der in sich selbst seine Aufhebung tr&#228;gt&#8220;, sind wir zur &#8222;Aufhebung durch die spezifische Handlung einer seiner Begriffe&#8220; gekommen. All das kulminiert in der Formulierung in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 22 auf S. 175: &#8222;Es ist das Objekt als Totalit&#228;t, das &lt;i&gt;im Widerspruch zu sich selbst durch den Widerspruch seiner Elemente&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen) ist, dieser Widerspruch in Bezug zum anderen ist f&#252;r jedes Element ein Widerspruch mit sich selbst, insofern als dass das andere &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt; Anderes ist.&#8220; Obwohl das immer noch &#8222;strukturalistisch&#8220; aussah, hatte jede &#8222;Endlichkeit&#8220; ihre Identit&#228;t und l&#246;ste sich nicht in &#8222;der Unendlichkeit&#8220; als einfache Selbstdeterminierung des Ganzen auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff des &#8222;Strukturalismus&#8220; hat TC (bis heute) als eine mehr oder weniger &#8222;schimpfliche&#8220; Bezeichnung getroffen, denn wir hatten einen unabh&#228;ngig von seinen Varianten allgemein geteilten Glaubensartikel getroffen: Das Proletariat &lt;i&gt;ist&lt;/i&gt; revolution&#228;r oder &#8222;besitzt eine kommunistische Bestimmung&#8220;. Sogar Camatte hatte mit seiner Menschheit &#8222;eine Kraft&#8220;, die &#8222;einkehrt&#8220;, aussenstehend, trotz den &#196;rgernissen der Zeit. Danach musste jeder sich mit der Koinzidenz, der Nicht-Koinzidenz, der &lt;i&gt;notwendigen&lt;/i&gt;, aber behinderten Verwirklichung dieser dem Proletariat im zuf&#228;lligen Verh&#228;ltnis zu den Bedingungen inh&#228;renten Tendenz herumschlagen. Die Ausbeutung &#8222;als solche&#8220; als Widerspruch genommen war eine unumwundene Aggression gegen&#252;ber all jenen, f&#252;r welche er &#8222;Verwirklichung&#8220; und von einem anderen mehr oder weniger wesentlichen oder universellen Widerspruch begleitet war: die &#8222;kommunistische Bestimmung des Proletariats&#8220;, sein &#8222;negatives Wesen&#8220;, diese ber&#252;hmte Klasse, welche &#8222;schon keine Klasse der kapitalistischen Gesellschaft mehr war&#8220;. Das Wesen der Klasse war immer noch da und man sprach zwar von Selbstnegation, Abschaffung der Arbeit, doch nichts hatte sich ge&#228;ndert, es ging immer noch darum, die gleichen Fragen zu beantworten. Wenn &#8222;Strukturalist&#8220; zum Namen der Bestie geworden war, so weil wir &lt;i&gt;Pers&#246;nliches&lt;/i&gt; ber&#252;hrt hatten. Der &#8222;Kommunist&#8220; will zwar durch die Qualen der Geschichte gehen, es st&#246;rt ihn nicht, ein Unverstandener zu sein (er gef&#228;llt sich sogar h&#228;ufig darin), der unmittelbare Verlauf der Dinge interessiert ihn jedoch nur insofern, als dass sie eines Tages gem&#228;ss ihrem Wesen verlaufen werden. Wenn man ihm &#8222;das grundlegende&#8220; und momentan geheime &#8222;Wesen&#8220; beseitigt, wovon sein Dasein als Kommunist abh&#228;ngt, t&#246;tet man ihn. Seit dem Zusammenbruch des Programmatismus und dem Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t (die seine beste und unerl&#228;ssliche Gegenspielerin war) braucht er einen Glaubensartikel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint also, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; betreffend diverser Aspekte und von Anfang an als strukturalistisch bezeichnet werden kann. Man kann sogar sagen, wenn man sich die Dinge auf seine Weise zurechtlegt, dass es nicht nur das Resultat einer endogenen Entwicklung war und dass, obwohl eine ernsthafte Lekt&#252;re Althussers erst sp&#228;t stattfand, durch die Vermittlung der Linguistik, der Literatur und des Kinos eine gewisse Atmosph&#228;re existierte. Aber dennoch war die erste Bewegung, die Dynamik, welche uns dazu brachte, die Molek&#252;le dieser Atmosph&#228;re zu treffen und zu absorbieren, unsere Besch&#228;ftigung mit der &#220;berwindung des Programmatismus in einer aus nicht immer h&#246;flichen theoretischen Polemiken und Konfrontationen bestehenden historischen Konfiguration.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben der &#220;berwindung des Programmatismus muss auch die Kritik des radikalen Demokratismus erw&#228;hnt werden, obwohl sie weniger grundlegend ist. In &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 17 (September 2001) half uns ein sehr kritischer R&#252;ckgriff auf die &#8222;ideologischen Staatsapparate&#8220; f&#252;r die Analyse des radikalen Demokratismus, unser grosses Anliegen damals. Der Text &#8222;El&#233;ments pour une grille de lecture du d&#233;mocratisme radical&#8220; stellt die &#8222;Apparate&#8220; Althussers die, trotz ihrer Autonomie, immer auf die &#8222;Determination in letzter Instanz&#8220; verweisen, den &#8222;Feldern&#8220; Bourdieus entgegen, das erlaubt es, einen wichtigen Unterschied zwischen Programmatismus und radikalem Demokratismus zu unterstreichen. (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 17, S. 49-51.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Lekt&#252;re von Althusser (und Balibar) f&#252;r die Konstitution des Korpus von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; bedeutend war, so war das auch, weil wir auf strukturiertere und philosophischer argumentierende Art und Weise gewisse grundlegende Themen von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; wiederfanden. So werden z.B. in den &lt;i&gt;Fondements critiques d&#8216;une th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt; einige Seiten des kleinen Buches von Balibar &lt;i&gt;Marx&#8216; Philosophie&lt;/i&gt; zum Humanismus &#252;bernommen. Bez&#252;glich Althusser selbst betrifft die &#220;bernahme (u.a.), neben der Kritik des &#8222;theoretischen&#8220; Humanismus, die radikale Unterscheidung zwischen dem Konzept und dem Konkreten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Unterscheidung ist &#8222;verlockend&#8220; und f&#252;gt sich in die Problematik von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ein, wenn man diese radikale Unterscheidung nicht macht, bricht die ganze Kritik des &#8222;Wesens der Klasse&#8220; zusammen oder ist zumindest bedroht. Die Anerkennung der Autonomie, des eigentlichen Denkprozesses und der konzeptuellen Hervorbringung ist &#8222;paradoxerweise&#8220; die Garantie des Materialismus. Zudem schliesst diese Unterscheidung mit allen Metageschichten ab, f&#252;r welche die Abfolge der Produktionsweise gleichbedeutend mit der Verwirklichung eines Prinzips ist: die Trennung von Mensch und Natur bei Camatte, die Arbeit bei Astarian, die menschliche Unbeugsamkeit bei Dauv&#233;, das Leben bei Vaneigem, das Individuum und die Gemeinschaft bei &lt;i&gt;Temps critiques&lt;/i&gt;. Man muss hier anmerken, dass es unm&#246;glich ist, auf diese Art und Weise Debords &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt; zu kritisieren: Die Kritik des Spektakels ist total in sich geschlossen (das ist sogar das Problem, mit welchem der Text entlang der Thesen k&#228;mpft und sich manchmal nicht mehr zurechtfindet). Es gibt auch keine Alternative, keine malerischen ZAD, &#8222;Kommunen&#8220; oder einen &#8222;kommenden Aufstand&#8220;, und auch nicht ihr theoretisch schickeres Alter Ego im Stile der &#8222;Commons&#8220;. Bevor Dardot und Laval ihr erb&#228;rmliches Werk &lt;i&gt;Commun. Essai sur la r&#233;volution au XXIe si&#232;cle&lt;/i&gt; schrieben, mussten sie das Terrain r&#228;umen mit ihrem &lt;i&gt;Marx, pr&#233;nom Karl&lt;/i&gt;, das vollst&#228;ndig der Ausradierung Althussers gewidmet war (man fragt sich h&#228;ufig, ob sie ihn gelesen haben), die Mumie bewegt sich wohl noch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Althusser das Objekt des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; definiert (gegen Foucault: &lt;i&gt;Das Kapital lesen&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Die Ordnung der Dinge&lt;/i&gt; erscheinen fast gleichzeitig), handelt es sich um &lt;i&gt;die Kombination der verschiedenen Elemente der Produktion untereinander&lt;/i&gt;, deshalb ist der Widerspruch M&#228;nner/Frauen &#8222;methodologisch&#8220; in Bezug zum hier Gesagtem, obwohl er in der Entwicklung von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; politisch sehr bedeutend war, nur eine zunehmende Komplexit&#228;t der Kombinatorik. F&#252;r Foucault (wenn man etwas vereinfacht und karikiert) schliesst Marx nur die L&#252;cken Ricardos und &#8222;historisiert ihn&#8220;, doch der eine wie der andere beziehen alle Kategorien der politischen &#214;konomie auf eine &#8222;tiefe Tatsache&#8220;: die sie hervorbringende T&#228;tigkeit, die Arbeit und die Bed&#252;rfnisse. Die &lt;i&gt;Kritik&lt;/i&gt; der politischen &#214;konomie bleibt gewissermassen eine mit der Geschichte gekreuzte Anthropologie. Als Althusser das Objekt des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; definiert, kritisiert er all das: Die Arbeit ist nicht gegeben, weil das Bed&#252;rfnis nicht gegeben ist, sie sind Teil einer Struktur der Produktion (es gibt die Bed&#252;rfnisse der Produktion, die ihrerseits von dieser Struktur definiert werden; die Natur der verf&#252;gbaren Produkte; das &#8222;Zivilisationsniveau&#8220;; die H&#246;he der Einkommen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf etwas provokative Art und Weise k&#246;nnte man sagen, dass Althusser der wichtigste Theoretiker der Kritik des Programmatismus ist oder, weniger provokativ, seines Endes. Es gibt bei ihm keinen Ausweg aus der gegenseitigen Verstrickung und der Produktionsweise als Kombinatorik ihrer Elemente &lt;i&gt;ohne &#8222;Tiefe&#8220;&lt;/i&gt; (seine Theorie des Konzepts ist seinem Konzept der Produktionsweise ad&#228;quat). Alles ist an der Oberfl&#228;che, eine Oberfl&#228;che ohne Tiefe (siehe &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 23, &#8222;Fin de meeting&#8220; und &#8222;Autopr&#233;supposition du capital: essence/surface/f&#233;tichisme&#8220;), der Fetischismus maskiert keine Wirklichkeit, er ist ihre einzige Existenz, was, wenn man dar&#252;ber nachdenkt, nicht ohne grossen Konsequenzen sein kann in Bezug auf die Konzeption und die ber&#252;hmte &#8222;Rolle der Theorie&#8220;. Sie enth&#252;llt nichts und die Aktivisten sind abgefeimte Idealisten. Man kann die Hervorbringung der Ideologie bei Althusser kritisieren (obwohl Isabelle Garo, die man in der Regel zitieren kann, ohne sich &#8222;sch&#228;men&#8220; zu m&#252;ssen, nicht weit davon entfernt ist) und die instrumentale Simplifizierung der &#8222;ideologischen Staatsapparate&#8220; (sowie die Trennung zwischen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Reproduktion, auf welcher sie gr&#252;ndet), doch als Althusser auch die Gewerkschaften und die Arbeiterparteien in diese Kategorie steckt, gibt das zu denken, es ist nicht sehr g&#228;ngig in diesem Milieu. Und dann setzt er das &#8222;Subjekt&#8220; als Grundlage der Ideologie, das macht Freude, sei es nur der Polemik halber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wo liegt also der &#8222;Fehler&#8220; von Althusser? Wie hat, um ihn zu parodieren, sein &#8222;theoretisches Feld&#8220; das Sichtbare und das Unsichtbare konditioniert? Was ist sein &#8222;Ausgeschlossenes&#8220;, wenn, um seine Begriffe zu &#252;bernehmen, das Ausgeschlossene als ausgeschlossen von der Problematik definiert wird? Man muss auf Althusser seine eigene Methode anwenden, eine &#8222;symptomale Lekt&#252;re&#8220;. Althusser beurkundet, indem er aus Marx die Aufgabe des &#8222;tiefen Konzepts&#8220; der Arbeit herausliest, das Ende des Programmatismus. Wir erkl&#228;ren in einem Anhang zu &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 21, wie Althusser den Programmatismus beerdigt, ihn aber in guter Gesundheit beerdigt, er &#8222;rettet&#8220; ihn zum Preis seiner T&#246;tung dort, wo er am wesentlichsten ist: seine Verbindung mit der unmittelbarsten praktischen Bewegung der k&#228;mpfenden Klasse. Genau wie Ricardo (gem&#228;ss Althusser) durch den Wert seiner Nahrungs- und Reproduktionsmittel zum Oxymoron des &#8222;Werts der Arbeit&#8220; gelangt, best&#228;tigt Althusser ein revolution&#228;res Wesen des Proletariats &lt;i&gt;in seiner Theorie&lt;/i&gt; und durch seine Trennung von seiner Theorie, all das, ohne dieses &#8222;theoretische Wesen&#8220; ausserhalb der Theorie rechtfertigen und ohne es anders als durch seine Prozeduren legitimieren zu m&#252;ssen. Genau wie Ricardo die Frage des Werts der Arbeitskraft in den Begriffen des &#8222;Werts der Arbeit&#8220; beantwortet hat, ohne sie gestellt zu haben, beantwortet Althusser die Frage der proletarischen Positivit&#228;t, doch indem er das tut, setzt er in seine Antwort etwas ganz anderes ein: die Obsoleszenz des Programmatismus in den Begriffen dieser &#8222;Positivit&#228;t&#8220; selbst. Um ihn selbst zu parodieren: Da er die Frage, welche er in Tat und Wahrheit beantwortet, nicht besitzt, manifestiert Althusser in seiner Antwort die Abwesenheit &lt;i&gt;ihrer&lt;/i&gt; Frage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann also zahlreiche Bausteine seiner &#8222;Antwort&#8220; &#252;bernehmen, aber indem man ein neues &#8222;Objekt&#8220; definiert, eine neue &#8222;Episteme&#8220;, wie die Strukturalisten sagen w&#252;rden, d.h. indem man die von Althusser nicht formulierte Frage formuliert, seinen &#8222;Fehler&#8220;: &#8222;Wie kann eine Klasse, die strikt als Klasse handelt, die Klassen abschaffen?&#8220; Eine Frage, die (ohne genau verifiziert zu haben) in der &#8222;Introduction&#8220; der Nr. 2 von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; erscheint. Durch die &#196;nderung des Objekts, welche die &#8222;Bausteine&#8220; als Antworten auf eine Frage situiert, die leider nicht gestellt worden ist, &#228;ndern diese &#8222;Bausteine&#8220; ihre innere Bedeutung und ihren Inhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Althusser gelangt &lt;i&gt;theoretisch&lt;/i&gt; ans Ende der Obsoleszenz des Programmatismus, welche nicht ein Ereignis ist, das ein f&#252;r allemal an einem Zeitpunkt der Geschichte situiert werden kann, doch sie ist seit dem Anfang der 1970er Jahre eine strukturelle Komponente des Klassenkampfes und der Theorie (die Grenze des Klassenkampfes ist der Kampf als Klasse). Bei Althusser ist die revolution&#228;re Positivit&#228;t, die immer noch im Proletariat angelegt ist, nur der Effekt seiner Stellung als Element der Produktionsweise. Es handelt sich um eine Definition, die zerst&#246;rt, was sie eigentlich definieren sollte, wie es Althusser richtigerweise von der Definition des &#8222;menschlichen Wesens&#8220; in der sechsten These &#252;ber Feuerbach formuliert. Dieser begriffliche Widerspruch f&#252;hrt zu einer der Hauptformeln in &lt;i&gt;Das Kapital lesen&lt;/i&gt;: Die Gesetze der Dynamik einer Struktur unterscheiden sich radikal von jenen ihrer Aufhebung/Abschaffung. Daher, als Ausweg aus der Sackgasse, die Notwendigkeit einer genialen Partei und eines noch genialeren Anf&#252;hrers, der es versteht, den &lt;i&gt;kairos&lt;/i&gt; zu erfassen (man findet irgendwo in &lt;i&gt;Das Kapital lesen&lt;/i&gt; diese Lobrede auf die bolschewistische Partei und Lenin).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Konzept der Konjunktur bei TC unterscheidet sich davon radikal, denn wir haben &#8222;Die Frage&#8220; gestellt und dadurch hat sich das theoretische Objekt ver&#228;ndert: Es geht nicht mehr um das Verh&#228;ltnis der Klasse zu &#8222;ihrer Theorie&#8220;, sondern um das Verh&#228;ltnis der Klasse zu sich selbst in ihrem Verh&#228;ltnis zum Kapital. Wir &#252;bernehmen all die Begriffe der &#8222;&#220;berdeterminierung&#8220;, &#8222;Determinierung in letzter Instanz&#8220;, &#8222;Dominante&#8220;, &#8222;Organisation der Instanzen&#8220; und die ber&#252;hmte &#8222;einsame Stunde, die nie schl&#228;gt&#8220;. Doch alles ist anders: Die Reproduktion der Regel (Dynamik der Struktur) ist eine Spannung hin zur Abschaffung der Regel; die &#8222;Dynamik der Reproduktion der Struktur&#8220; ist im Widerspruch zu sich selbst im Widerspruch ihrer Elemente. Weshalb also die Revolution als Konjunktur definieren und nicht bei der einfachen Tendenz der kapitalistischen Produktionsweise bleiben, welche ihre Aufhebung in sich tr&#228;gt, um letztendlich zur &#8222;Vernunft in der Geschichte&#8220; zu gelangen? Aus mehreren Gr&#252;nden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens gibt es keine von Natur aus revolution&#228;re Klasse, keine Positivit&#228;t am Werk und keine Befreiung/Affirmation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem (und das hat damit zu tun) gibt es keine Einheit der Klasse vor ihrer Abschaffung, die also der Ort aller inneren Konflikte all ihrer Differenzierungen ist; in ihrem Widerspruch zum Kapital wendet sich die Klasse gegen sich selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter: Die Dynamik des Kampfzyklus ist innerhalb dessen situiert, was ihre Grenze konstituiert: Handeln als Klasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und schliesslich, um &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 26 zu zitieren (S. 308): &#8222;Obwohl die kapitalistische Produktion eine &lt;i&gt;Spannung hin zur Abschaffung ihrer Regel&lt;/i&gt; darstellt, ist die Revolution ein qualitativer Sprung insofern, als dass sie sich gegen das richtet, &lt;i&gt;was sie hervorgebracht hat&lt;/i&gt;, d.h. gegen die &#214;konomie als Grundlage der gesellschaftlichen Reproduktion. Dieser Umschwung ist gleichbedeutend mit der Umw&#228;lzung der Hierarchie der Instanzen der Produktionsweise (von den Strukturen bis zum &#220;berbau, von der &#214;konomie bis zu den Rechten und Ideologien), welche die Mechanik ihrer Selbstvoraussetzung war, diese Umw&#228;lzung definiert eine Konjunktur. [&#8230;] Solange diese Umw&#228;lzung nicht stattgefunden hat, solange das Proletariat innerhalb des Klassenkampfes nicht in der &#214;konomie den notwendigen Fortbestand derselben erkannt hat, kann der Klassenkampf nur auf die Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise hinauslaufen.&#8220; In &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 25 schrieben wir am Ende des Leitartikels &#8222;Comme un marasme&#8220; (S. 36): &#8222;Das Konzept der &lt;i&gt;Konjunktur&lt;/i&gt; weist darauf hin, wie man auf der einen Seite &#8218;systematisch&#8216; das Verschwinden des &#8218;Sinns der Geschichte&#8216;, der &#8218;Dialektik der Geschichte&#8216;, und, auf der anderen, das Verst&#228;ndnis des Verlaufs des Kapitals und des Klassenkampfes als eine &#8218;Spannung hin zur Abschaffung seiner Regel&#8216; setzen kann. Die &lt;i&gt;Konjunktur&lt;/i&gt; sagt, dass es keine &#8218;Dialektik der Aufhebung&#8216; mehr gibt, sie ist kein Gesetz mehr: &lt;i&gt;Die Revolution in ihrem Prozess ist ein Umschwung gegen das, was sie hervorgebracht hat&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn der Widerspruch zwischen Proletariat und dem Kapital sich auf der Ebene der Reproduktion situiert, bezeichnet das Konzept der Konjunktur eine Krise der Selbstvoraussetzung der kapitalistischen Produktionsweise. Die wirtschaftliche Determinierung, welche den Klassenkampf strukturiert, ist die Grundlage dieser Krise selbst und ihrem potenziellen Werden als Konjunktur durch das Handeln des Proletariats. Die Revolution verl&#228;sst also den Determinismus der Wiederholung der &#214;konomie als Grundlage der Gesellschaft. Sie schafft den sie hervorbringenden Determinismus ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen in der Gegenwart die G&#252;ltigkeit dieses Konzepts als Werkzeug zur Analyse der K&#228;mpfe in all ihrer Vielfalt, ihrer Diversit&#228;t sich &#252;berschneidender Ebenen beurteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die von ihm eingef&#252;hrte zunehmende Komplexit&#228;t ist motiviert durch das Bed&#252;rfnis, den empirischen Verlauf des Klassenkampfes, in welchem kein Subjekt &#8222;rein&#8220; ist (Klasse, Klassensegment, unternehmerischer oder korporatistischer Patriotismus, Geschlechterrollen, Rasse&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Es w&#228;re eigentlich offensichtlich, aber da die deutschsprachige Szene (&#8230;)&#034; id=&#034;nh6-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, lokale Geschichte, Nachbarschaftsbeziehungen, Religionen, usw.) und wo alle Praktiken unter mehreren ideologischen Verh&#228;ltnissen operieren, ausserhalb der einfachen Feststellung von Umst&#228;nden und Unw&#228;gbarkeiten zu theoretisieren. Diese &#8222;Unw&#228;gbarkeiten&#8220; haben gegenw&#228;rtig einen Sinn im Klassenkampf. Von der Religion bis zur &#8222;authentischen Staatsb&#252;rgerschaft&#8220; k&#246;nnen sie zum gegenw&#228;rtigen Zeitpunkt der Weg jeglicher Barbarei sein, doch wenn die &#246;konomische Determinierung die Grundlage bleibt, k&#252;ndigen sie auch in einem auf der Ebene der &lt;i&gt;Reproduktion&lt;/i&gt; situierten Widerspruch die Infragestellung der determinierenden Hierarchie der Instanzen der Produktionsweise an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die ber&#252;hmte &#8222;einsame Stunde&#8220; nie schl&#228;gt, dann ist das umso besser, w&#252;rde sie im Verlauf einer &#8222;revolution&#228;ren Bewegung&#8220; schlagen, w&#228;re das gleichbedeutend mit der Ank&#252;ndigung, dass die Konterrevolution ganz in der N&#228;he der Revolution ihre Zelte aufschl&#228;gt. W&#228;hrend es scheint, dass TC hier ein &#8222;copypaste&#8220; von &lt;i&gt;F&#252;r Marx&lt;/i&gt; gemacht hat, ist es eben genau in dieser Konzeption der Revolution als Konjunktur, wo die Frage des Strukturalismus von TC jetzt situiert werden muss, denn dort ist er problematisch und dort entfernen wir uns am weitesten von ihm. Falls es ein aktuelles Streitobjekt zur Frage des &#8222;Strukturalismus von TC&#8220; gibt, ist es insofern, als dass er gegen den &#8222;Strukturalismus&#8220; an die Konzeption der Revolution als Konjunktur ankn&#252;pft, &#8222;eine Situation, die ihre Ursachen &#252;bersteigt, die sich gegen sie wendet&#8220;; &#8222;der Umschwung, als Klassenkampf und in den K&#228;mpfen, der Gesetze der Reproduktion der Produktionsweise gegen sich selbst&#8220; (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 25, S. 157).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In unserem Milieu kann die Frage des Verh&#228;ltnisses von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; zum Strukturalismus und Althusser eine wahrhaftige und interessante Frage sein, doch unter zwei Bedingungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Erstens&lt;/i&gt;, auf eine ihrem Objekt innere Art und Weise, unter der Bedingung, dieses Verh&#228;ltnis in den theoretischen Problemen von TC zu situieren und es und sein &#8222;Gebrauch&#8220; in der TC eigenen Problematik und ihren Fragestellungen zu artikulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Zweitens&lt;/i&gt;, auf &#228;ussere Art und Weise, unter der Bedingung, dass man ausf&#252;hrt, weshalb man sich jetzt diese Frage stellt, inwiefern sie interessant und problematisch ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sonst verwandelt man den &#8222;Strukturalismus&#8220; und &#8222;Althusser&#8220; in Namen irgendeiner Bestie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oktober 2018&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=17307&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb6-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Es w&#228;re eigentlich offensichtlich, aber da die deutschsprachige Szene eine Hochburg des Idealismus ist, muss es wohl pr&#228;zisiert werden: TC hat den Begriff nicht von den Nazis &#252;bernommen, sondern gebraucht ihn im Sinne einer gesellschaftlichen Konstruktion wie es im angels&#228;chsischen Raum g&#228;ngig ist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Hic Salta - Elemente zur Periodisierung der kapitalistischen Produktionsweise: Geschichte des Kapitals, der Krisen und des Kommunismus (1997)</title>
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		<dc:subject>Hic Salta</dc:subject>

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&lt;p&gt;Die folgenden Anmerkungen sind ein kurzer Kommentar zu einem Schema, das die Gesamtheit des historischen Verlaufs der Kapitalakkumulation zeigt. Das Interesse der Erstellung einer Gesamtschau der Geschichte des Kapitals liegt darin, zu zeigen, dass diese Geschichte einen globalen Prozess darstellt, der einer widerspr&#252;chlichen Logik gehorcht, dass er einen Anfang und ein Ende hat und dass seine Invarianz (die Wiederkehr der Krisen) eine Entwicklung hin zur Hervorbringung der tats&#228;chlichen (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton2947.png?1689278929' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die folgenden Anmerkungen sind ein kurzer Kommentar zu einem Schema, das die Gesamtheit des historischen Verlaufs der Kapitalakkumulation zeigt. Das Interesse der Erstellung einer Gesamtschau der Geschichte des Kapitals liegt darin, zu zeigen, dass diese Geschichte einen globalen Prozess darstellt, der einer widerspr&#252;chlichen Logik gehorcht, dass er einen Anfang und ein Ende hat und dass seine Invarianz (die Wiederkehr der Krisen) eine Entwicklung hin zur Hervorbringung der tats&#228;chlichen Bedingungen der kommunistischen Revolution nicht ausschliesst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Inhalt dieses Textes w&#252;rde es verdienen, gr&#252;ndlich &#252;berarbeitet zu werden. Er begeht besonders den Fehler, f&#252;r die vierte Periode jegliche R&#252;ckkehr zur absoluten Form der Mehrwertextraktion auszuschliessen, was von der Entwicklung von L&#228;ndern wie China widerlegt wird. Man wird andere M&#228;ngel und Ungenauigkeiten in den anderen Perioden finden. Weil mir scheint, dass das allgemeine Schema der Analyse g&#252;ltig bleibt, ver&#246;ffentliche ich den Text in seinem Zustand von 1998.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B.A.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2010&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_54 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/png/1000020100000556000003009629152bdd4f345d.png?1689278920' width='500' height='281' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise besteht aus zwei Hauptperioden (formelle und reelle Unterordnung), die selbst in zwei lange Zyklen unterteilt werden, die wir durch die Modalit&#228;ten der Mehrwertextraktion voneinander unterschieden haben. Jeder Zyklus enth&#228;lt seinerseits konjunkturelle Variationen, die im Schema nicht dargestellt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die historische Analyse der kapitalistischen Produktionsweise wird simultan in den Begriffen der Unterordnung und der Ausbeutung vorgenommen. Man muss n&#228;mlich unterscheiden zwischen der Ausbeutung, die auf der Teilung des Arbeitstages in notwendige Arbeit und Mehrarbeit gr&#252;ndet und aus der unentgeltlichen Aneignung der Mehrarbeit durch den Kapitalisten besteht, und der Unterordnung des Proletariats unter das Kapital, die gleichbedeutend ist mit der Gesamtheit der Mittel und Bedingungen, welche im Klassenverh&#228;ltnis eine solche Teilung erlaubt und die Modalit&#228;ten jeder Periode definiert. Die Unterordnung ist das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zwischen den beiden Klassen und es konkretisiert sich in jedem der drei Momente der Reproduktion des Proletariats. Auf allgemeine Art und Weise ist das Proletariat dem Kapital durch die einfache Tatsache untergeordnet, dass dieses das Monopol der Produktions- und Reproduktionsmittel besitzt und dass das Proletariat somit reservelos und gezwungen ist, seine Arbeitskraft im Tausch f&#252;r den Lohn zu verkaufen. Jenseits dieser brutalen Realit&#228;t wird die Unterordnung des Proletariats in drei komplement&#228;ren Momenten analysiert:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. dem Arbeitsmarkt, wo &#252;ber den Wert der Arbeitskraft verhandelt wird;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. dem Arbeitsprozess, wo die eigentliche Ausbeutung stattfindet;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. der unmittelbaren Reproduktion, oder dem Privatleben, des Proletariats, wo der Wert der Arbeitskraft durch den Preis des Lebensunterhalts best&#228;tigt und der Proletarier als auf den Arbeitsmarkt zur&#252;ckzuschickende Arbeitskraft reproduziert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weder der Kapitalist noch der Proletarier wissen, was die Ausbeutung ist. Weder der eine noch der andere wissen, wann die notwendige Arbeit aufh&#246;rt und die Mehrarbeit beginnt. Doch die beiden Klassen wissen sehr wohl, was die Unterordnung ist, und auf diesem Terrain sind sie t&#228;glich miteinander konfrontiert. Je nach den Unw&#228;gbarkeiten der Ausbeutung, die sich in konjunkturellem Steigen und Sinken der Profitrate ausdr&#252;cken, f&#252;hrt die Klassenkonfrontation zu Anpassungen in den Modalit&#228;ten der Unterordnung. Wenn die Rentabilit&#228;t des Kapitals hoch ist und die Kapitalakkumulation eine bedeutende Nachfrage nach Arbeitskraft erschafft, profitiert das Proletariat davon, indem es eine Entlastung seiner Unterordnung fordert. Und umgekehrt, wenn die Rentabilit&#228;t sinkt, versucht das Kapital eine Verschlimmerung der Unterordnung durchzusetzen, um den &lt;i&gt;Zwang zur Mehrarbeit&lt;/i&gt; zu st&#228;rken, die Daseinsberechtigung der Unterordnung. Die Krise&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir sprechen hier von sozialen Krisen, charakterisiert durch den Aufstand (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bricht aus, wenn diese Verschlimmerung die Unterordnung im einen oder anderen dieser drei Momente unertr&#228;glich macht. Die Krise wird dann als &lt;i&gt;Krise der Insubordination&lt;/i&gt; definiert. In sehr allgemeinen Begriffen erhebt sich das Proletariat, weil seine Unterordnung ihre Gegenleistung verloren hat, die unmittelbare Reproduktion. Die Krisenaktivit&#228;t besteht also f&#252;r das Proletariat darin, jene Unterordnung anzugreifen, mithilfe welcher das Kapital es an jenem Ort h&#228;lt, wo dieses es eben genau f&#252;r notwendig h&#228;lt, sie zu verschlimmern, um seine Profitrate wiederzuerlangen. Dieser Ort variiert hinsichtlich der Perioden und er ist es, der die historische Spezifit&#228;t der Aufst&#228;nde genau wie auch den projizierten Inhalt des Kommunismus determiniert. Die Krise der Insubordination ist immer &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; des Proletariats als lebendes Element des Verwertungsprozesses gegen die Verschlimmerung der Modalit&#228;ten der Unterordnung, welche es in seinem Leben bedroht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;I Erste Periode: Formelle Unterordnung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Definition&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx definiert die Periode der formellen Unterordnung durch die Tatsache, dass der Arbeitsprozess weitgehend seine vorkapitalistischen Eigenschaften beh&#228;lt und sich als solcher in die &lt;i&gt;Form&lt;/i&gt; der Lohnarbeit einf&#252;gt. Der Kapitalist ist Befehlshaber &#252;ber eine Arbeit, die mehr oder weniger die gleiche ist wie jene des Handwerkers und er begn&#252;gt sich damit, ihr eine Disziplin, eine Regelm&#228;ssigkeit und eine Ausdehnung zu geben, was den Unterschied ausmacht zwischen Werkstatt und Manufaktur. Diese Erfassung der formellen Unterordnung ist in Wirklichkeit nur eine auf das weiter oben definierte zweite Moment der Unterordnung beschr&#228;nkte Definition. Wenn man das Verh&#228;ltnis des Kapitals zur Gesamtheit der Gesellschaft betrachtet, besteht die Definition der formellen Unterordnung darin, auch zu sagen, dass die vorkapitalistischen Produktionsweisen (kleine Warenproduktion, feudale Landwirtschaft&#8230;) nicht verschwunden sind und dass das Kapital seine Herrschaft &#252;ber die Gesellschaft mit den herrschenden Klassen dieser anderen Produktionsweisen teilen muss. Dieser Aspekt ist bedeutend, um zu verstehen, weshalb Marx in einem anderen Ansatz der Frage auch formelle Unterordnung und absolute Mehrwertextraktion gleichsetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#220;berleben der vorkapitalistischen Produktionsweisen impliziert n&#228;mlich, dass gewisse Elemente des Kapitalverwertungsprozesses sich dem Einfluss des Kapitals entziehen. Einerseits werden gewisse Elemente des kapitalistischen Produktionsprozesses ausserhalb davon produziert. Das kann der Fall sein in Bezug auf Rohstoffe oder sogar Maschinen. Das ist auch der Fall in Bezug auf einen bedeutenden Anteil der Nahrungsmittel, die von einer noch nicht kapitalistischen Landwirtschaft produziert werden. Das bedeutet, dass das Kapital noch nicht selbst oder nur auf sehr unvollkommene Art und Weise den Wert der zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Waren determiniert und insofern sind die L&#246;hne f&#252;r das Kapital eine exogene Variable. Andererseits bedeutet das &#220;berleben vorkapitalistischer Produktionsweisen, dass die Arbeitskraft nicht direkt und ausschliesslich mit dem kapitalistischen Monopol &#252;ber die Produktionsmittel konfrontiert ist, und somit ist der Zwang zur Mehrarbeit nicht unmittelbar und direkt. Die Lohnarbeitskraft hat die M&#246;glichkeit, einstweilen seine Arbeit f&#252;r den Kapitalisten zu verlassen, um sich in der famili&#228;ren Landwirtschaft oder im Handwerk zu besch&#228;ftigen. Und man weiss, dass das Problem der Disziplinlosigkeit der Lohnarbeiter eine permanente Sorge der Kapitalisten dieser Periode war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Modalit&#228;ten der formellen Unterordnung des Proletariats unter das Kapital ergeben sich aus diesem allgemeinen Kontext:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. Arbeitsmarkt: Das Kapital ist gezwungen, den Arbeitsmarkt stets mit neuen Proletariern zu versorgen. F&#252;r ersteres geht es nicht nur darum, die zu seiner Expansion notwendige Arbeitskraft zu finden, sondern auch, die Konkurrenz zwischen den Arbeitern zu st&#228;rken, welche nicht nur ein hohes Qualifikationsniveau haben, zumindest viele davon, sondern auch die M&#246;glichkeit, sich aus dem Markt in die vorkapitalistischen Produktionsweisen zur&#252;ckzuziehen. Das Kapital erzwingt also die Landflucht, indem es mit Gewalt die vorkapitalistische Landwirtschaft zerst&#246;rt (siehe die &lt;i&gt;clearances&lt;/i&gt; in Irland und Schottland sowie die Kolonialpolitik), um ein zahlreiches Proletariat auf den Markt der St&#228;dte zu werfen, welchem es zudem jegliche Vereinigungsfreiheit und jegliches Recht auf politische Bet&#228;tigung abspricht. Der Zwang zur Arbeit und zur Mehrarbeit ist auch von einer Politik der sehr niedrigen L&#246;hne begleitet, die zu Frauen- und Kinderarbeit f&#252;hrt. Noch einmal, die Gewalt spielt eine zentrale Rolle in der Durchsetzung dieser Politik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. Arbeitsprozess: Der Kern des Arbeitsprozesses wird von qualifizierten Arbeitern ausgef&#252;hrt. Das Produktionsniveau und eine gewisse Rationalisierung in den zugeh&#246;rigen Operationen machen jedoch den Einsatz einer zahlreichen unqualifizierten Arbeitskraft notwendig. In Anbetracht eines Arbeitsprozesses, dessen zentrale Elemente er nicht kontrolliert, hat der Kapitalist kein anderes Mittel zur Steigerung der Produktivit&#228;t als die Durchsetzung einer Disziplin, die so strikt wie m&#246;glich ist. Gegen&#252;ber dem qualifizierten Arbeiter handelt er wie ein &#228;usserer Zwang, er interveniert jederzeit, um die Regelm&#228;ssigkeit und die Intensit&#228;t der Arbeit zu garantieren. Sei es der St&#252;cklohn, das Bussensystem, betr&#252;gerische Manipulationen der Stempeluhren, der Kapitalist interveniert immer von aussen, um den Zwang zur Mehrarbeit auszu&#252;ben. Er versucht jedoch allen voran, die Arbeitsdauer soweit wie m&#246;glich zu verl&#228;ngern, denn es ist, da der Lohn tats&#228;chlich dem Existenzminimum entspricht, die einzige ihm zu Verf&#252;gung stehende M&#246;glichkeit, den Anteil der Mehrarbeit zu vergr&#246;ssern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. Unmittelbare Reproduktion: Sie geschieht im absoluten Elend, derartigem Elend, dass einige b&#252;rgerliche Kritiker den kontraproduktiven Charakter jener Lebensbedingungen selbst erkennen, welche das Kapital dem Proletariat auferlegt. Sie betonen die zu schnelle Abnutzung der Arbeitskraft und das damit einhergehende Potenzial zur Revolte (gef&#228;hrliche Klassen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil es also eine zentrale Bedeutung im unmittelbaren Arbeitsprozess hat, ist das Proletariat dem Kapital auf extrem zerst&#246;rerische Art und Weise in den Momenten 1 und 3 untergeordnet. Es ist ein h&#228;ufig wiederkehrendes Thema in den Aufst&#228;nden des 19. Jahrhunderts: Wir sind die ausschliessliche Quelle des Reichtums, wir wollen am gesellschaftlichen Leben wirtschaftlich und politisch teilhaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Periodisierung der formellen Unterordnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Periode beginnt mit den Urspr&#252;ngen der kapitalistischen Produktionsweise. Unser Schema setzt den Beginn des Kapitals der Einfachheit halber am Ende des 18. Jahrhunderts. Die formelle Unterordnung ist mit dem Ende der grossen Depression vollendet, in den letzten Jahren der 1890er Jahre.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die beiden langen Zyklen der Periode sind durch eine Phase voneinander getrennt, die vom Standpunkt des Kapitals eine entscheidende Bedeutung hat. Die 1840er Jahre sind n&#228;mlich jene, w&#228;hrend welchen das Kapital in seinem Kampf gegen den vorkapitalistischen Grundbesitz entscheidende Siege verbuchen kann. In Frankreich verliert er nach der Revolution von 1848 definitiv die Kontrolle des Staates. Die nationalen Revolutionen der anderen europ&#228;ischen L&#228;nder entsprechen ebenfalls der Schw&#228;chung dieser Form der politischen Herrschaft. Doch es ist, in wirtschaftlichen Begriffen, in England, wo es zur eindeutigsten Z&#228;sur kommt. Die Corn Laws, welche die Grundrente der Getreideproduzenten sch&#252;tzte, werden n&#228;mlich 1844 abgeschafft. Diese Gesetze waren 1815 in Kraft getreten und verboten den Import von Getreide solange der Inlandspreis nicht ein gewisses (hohes) Niveau erreicht hatte. Die Abstimmung &#252;ber diese Gesetzgebung hatte &#252;brigens Krawalle und Pl&#252;nderungen seitens der englischen Arbeiter ausgel&#246;st. Die Abschaffung der Corn Laws ist das Ergebnis eines gemeinsamen Kampfes der industriellen Bourgeoisie und des Proletariats. Sie erschafft f&#252;r den englischen Kapitalismus eine bedeutende M&#246;glichkeit, die L&#246;hne zu senken, indem Getreide importiert wird, und erlaubt somit eine erste Einbringung des relativen Mehrwerts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann davon ausgehen, dass die Kapitalverwertung w&#228;hrend des ersten langen Zyklus dieser Periode ausschliesslich auf dem absoluten Mehrwert basiert. Im zweiten Zyklus kommt es zu einer ersten Kombination von absolutem und relativem Mehrwert. Diese erste Kombination wird durch die Tatsache charakterisiert, dass nur ein Teil der Nahrungsmittel kapitalistische Waren sind. Der Mechanismus des absoluten Mehrwerts beh&#228;lt seine Vorrangstellung und bleibt die haupts&#228;chliche Grundlage der Akkumulation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf schematische Art und Weise geschieht die Penetration des Kapitals in die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So beschr&#228;nkt sie auch sein mag, die Einbringung des relativen Mehrwerts erlaubt gleichwohl einen bedeutenden Aufschwung der Akkumulation nach der Phase der langen Wirtschaftsflaute in den Jahren 1820-1840. Es kommt also zu einer Phase der schnellen Akkumulation von fixem Kapital, die selbstverst&#228;ndlich von einem ersten Angriff gegen die vorkapitalistischen Qualifikationen der Arbeitskraft begleitet ist, u.a. in der Form einer Anstrengung der Umschulung mithilfe des Erziehungswesens. In Frankreich ist diese Tendenz v.a. in der zweiten Phase des zweiten Zyklus offensichtlich, d.h. zu Beginn der Dritten Republik. Andere bedeutende Elemente des Endes der Periode entsprechen der gleichen Anpassung der Modalit&#228;ten der Unterordnung des Proletariats und der Einbringung des relativen Mehrwerts. Das gilt besonders f&#252;r die Entwicklung der Gewerkschaften und der Arbeiterparteien, die gleichbedeutend ist mit der progressiven Integration der Gesamtheit der Faktoren der proletarischen Reproduktion in die Selbstvoraussetzung des Kapitals. Gewerkschaften und Parteien treten also in Konfrontation mit dem Kapital &#252;ber das, was f&#252;r das Kapital in seinen permanenten Anstrengungen der Unterordnung des Proletariats dabei ist, zu einem Archaismus zu werden: Fehlen gewerkschaftlicher und politischer Rechte, Arbeitszeit, Lohnniveau. Doch das betrifft nur das Ende der Periode und den &#220;bergang hin zur Periode der reellen Unterordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Krisen der formellen Unterordnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das Proletariat sich erhebt, dann immer, weil der Tausch der Arbeitskraft unm&#246;glich wird. Die Gr&#252;nde dieser Unm&#246;glichkeit k&#246;nnen genauso wenig wissenschaftlich bestimmt werden, wie es unm&#246;glich ist, ein f&#252;r allemal die Liste der zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Waren und ihren Wert zu bestimmen. Die Krise bricht zu einem durch die Umst&#228;nde gegebenen Zeitpunkt aus, weil die von den Kapitalisten erstrebte Verschlimmerung in den Modalit&#228;ten der Unterordnung zur Senkung der L&#246;hne unzumutbar wird. Wir haben weiter oben gesehen, dass, in den spezifischen Bedingungen der formellen Unterordnung, die Kapitalisten die den Lohn bestimmenden Bedingungen auf politische und polizeiliche Weise beeinflussen. Die Diktatur der Kapitalisten ist nicht verkappt, sie ist direkt und gr&#252;ndet auf dem Ausschluss der Proletarier vom politischen Leben. Es ist ihre Art und Weise, auf die quantitative und v.a. qualitative Zentralit&#228;t der lebendigen Arbeit im Arbeitsprozess sowie auf die Tatsache zu reagieren, dass die Parameter des Werts der Arbeitskraft sich ihnen weitgehend entziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Zeitpunkt, wo der Ausbruch der Krise den Tausch der Arbeitskraft verunm&#246;glicht, besteht der Aufstand in allen F&#228;llen darin, sich selbst gegen jene Gesellschaft zu best&#228;tigen, welche sie ausschliesst. Die Unm&#246;glichkeit des Lohnaustausches bringt das Proletariat in eine Situation der Irreproduzierbarkeit, welche es dazu zwingt, zu revoltieren, seinen Platz in der Gesellschaft zu verteidigen. Die unmittelbare Aktivit&#228;t des Proletariats in der Krise ist immer nur diese Verteidigung gegen die extremsten Angriffe der Kapitalisten, die versuchen, seine Unterordnung zu st&#228;rken, um eine Lohnsenkung zu erhalten. Das Proletariat erhebt sich nicht, um &#8222;den Kommunismus zu machen&#8220;. Doch der Kommunismus, der gleichzeitig seine Negation darstellt, ist seine einzige konsequente Verteidigung insofern, als dass das objektive Element der &#220;berakkumulation des Kapitals jegliche &#220;berwindung der Krise im Rahmen der Lohnarbeit ausschliesst, die nicht gleichbedeutend w&#228;re mit der Verschlimmerung der Unterordnung des Proletariats unter das Kapital. In jeder Krise st&#252;tzt sich die Affirmation des Proletariats auf diese Elemente seiner Unterordnung, wo der kapitalistische Druck am geringsten ist, und konzentriert sich auf diese anderen Elemente, wo der kapitalistische Druck einen proletarischen R&#252;ckzug anstrebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den Bedingungen der formellen Unterordnung beruht die Affirmation des Proletariats auf der Zentralit&#228;t der lebendigen Arbeit und die von der Erhebung getragene Forderung ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Das dr&#252;cken Aufst&#228;nde wie jene von Lyon 1831, Paris 1848 und 1871 aus. Die Arbeiterquartiere werden zu mit unz&#228;hligen Barrikaden befestigten Bollwerken. Es ist charakteristisch, dass die Arbeitspl&#228;tze nicht betroffen sind, als ob sich alle Produktivkraft in den H&#228;nden der Arbeiter selbst bef&#228;nde und &#252;berhaupt nicht die Form von konstantem Kapital ann&#228;hme. Die Arbeiterhochburgen bilden eine Art Schandfleck in der Stadt und sind da, um die Teilhabe am politischen Leben zu fordern. Das Ziel der Barrikaden ist nicht die St&#246;rung der Produktion, doch sie stellen das politische Leben der Stadt auf den Kopf. Sie best&#228;tigen die Existenz des Proletariats in der Stadt mehr als in der Werkstatt und dienen als Basis f&#252;r proletarische Angriffe in Richtung der Orte des politischen Lebens. Sie haben h&#228;ufig das Rathaus zum Ziel, was wohl der Tatsache entspricht, dass die Bourgeoisie auf kommunaler Ebene pr&#228;senter ist als auf nationaler. Der Juniaufstand 1848 enth&#228;lt allerdings nicht dieses Element, welches im Februar 1848 pr&#228;sent war. Im Juni hat das Proletariat n&#228;mlich schon das Maximum an unter den damaligen Bedingungen m&#246;glicher politischer Teilhabe (die Kommission des Luxembourg) und genau diesbez&#252;glich greift die Bourgeoisie es an. Der Aufstand ist somit eine reine Einsperrung des Proletariats in seinen verbarrikadierten Hochburgen und die Heftigkeit der Repression Cavaignacs dr&#252;ckt aus, inwiefern diese Affirmation des Proletariats in der Gesellschaft f&#252;r die damalige franz&#246;sische Bourgeoisie unzumutbar war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gr&#246;sste Krise der zweiten Periode, die Pariser Kommune, ist nicht g&#228;nzlich frei von Voraussetzungen der ersten Periode. Der Aufstand, welcher die Antwort auf den Angriff Thiers gegen die Kanonen der Nationalgarde war, enth&#228;lt freilich keine verbarrikadierten Arbeiterhochburgen auf dem Niveau von Juni 1848, doch er hat einmal mehr das Rathaus zum Ziel. Von Anfang an k&#228;mpft das Proletariat gemeinsam mit der republikanischen und kommunalistischen Kleinbourgeoisie von Paris gegen die monarchistische Bourgeoisie und die l&#228;ndlichen Klassen. Die folgenden K&#228;mpfe zur Verteidigung von Paris sind auch nicht mit den Barrikaden von 1848 vergleichbar. Es handelt sich also weniger um eine Selbsteinsperrung einer proletarischen Hochburg gegen den Rest der sie ausschliessenden Gesellschaft, sondern eher um die milit&#228;rische Verteidigung einer politischen Erhebung, in welcher die Interessen der kommunalistischen/republikanischen Kleinbourgeoisie und des Proletariats unentwirrbar miteinander verkn&#252;pft sind. Denn hinter den K&#228;mpfen auf den Befestigungen von Paris, die verkn&#252;pft sind mit der dubiosen Politik der in Konkurrenz zueinander stehenden Machtinstitutionen Zentralkomitee und Kommune, war die Erhebung von einer eigentlich proletarischen, oder gar programmatischen Praxis gezeichnet. Ein Buchhalter und ein Arbeiter werden ernannt, um die Kontrolle &#252;ber das Finanzministerium zu &#252;bernehmen &#8211; und lassen die Tresore unber&#252;hrt! Die Nachtarbeit der Arbeiter in den B&#228;ckereien wird verboten; die R&#252;ckgabe der vom Monte di Piet&#224; beschlagnahmten G&#252;ter existiert als Projekt, genau wie die Schaffung von Gemeindemetzgereien; ein nicht kumulierbarer Mindestlohn wird f&#252;r die Funktion&#228;re eingef&#252;hrt; die Kommune entscheidet auch die Trennung von Kirche und Staat, die Abschaffung der Budgets f&#252;r die Messen und die Beschlagnahmung der G&#252;ter der Kirche&#8230; Es ist wahr, dass ein Teil der von der Kommune ergriffenen Massnahmen in einem Projektzustand verblieben sind. So konnte die Abschaffung des Monte di Piet&#224; und ihr Ersatz durch ein System der Arbeitslosenversicherung nicht durchgef&#252;hrt werden; ein sehr komplettes Projekt der Volksbildung, deren Prinzipien von der Dritten Republik &#252;bernommen werden, wird nur sehr partiell angewendet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die revolution&#228;re Natur der Kommune bestand allen voran in der von ihr erfundenen politischen Form, jene der direkten lokalen Demokratie mit Abwahlrecht. Zwischen dieser Form und dem den Arbeitern von der Regierung der Zweiten Republik zugestandenen Klappsitz steht die gesamte kapitalistische Entwicklung der 1850er und 1860er Jahre, so wie sie auf die Extraktion von absolutem Mehrwert fokussiert war, doch unterst&#252;tzt vom Erscheinen des relativen Mehrwerts: Das Proletariat blieb politisch ausgeschlossen, aber hatte an Bedeutung gewonnen. Diese Form wird w&#228;hrend dem revolution&#228;ren Schub der Jahre 1918-1920 ausgiebig erw&#228;hnt, denn sie kritisierte bereits die politische Teilhabe des Proletariats an der b&#252;rgerlichen Demokratie, obwohl sie noch in ihren Kinderschuhen steckte. Sie unterscheidet sich jedoch betr&#228;chtlich von den R&#228;ten der Jahre 1918-1920 insofern, als dass die Wahlbasis der Kommune ausschliesslich das Quartier war und nie die Fabrik. Das f&#252;hrt zu einer gewissen &#8222;Klassenunreinheit&#8220;, die wohl dem noch beschr&#228;nkten Stadium des Pariser Kapitalismus 1871 entspricht. Erst nach den im Verlauf der grossen Depression durchgef&#252;hrten Restrukturierungen verschafft das Thema des Generalstreiks der Produktion Einlass in die proletarische Anfechtung der Macht der Bourgeoisie. Doch das Thema wird nie in die Tat umgesetzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Der theoretische Kommunismus in der formellen Unterordnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der theoretische Kommunismus st&#252;tzt sich auf die Krisenaktivit&#228;t des Proletariats, um eine L&#246;sung des gesellschaftlichen Widerspruches zu projizieren, welche den Modalit&#228;ten der Insubordination des Proletariats entspricht. Unter den Bedingungen der formellen Unterordnung ist diese L&#246;sung in erster Linie in der politischen Sph&#228;re verortet, denn dort befindet sich die zentrale Waffe der Bourgeoisie, um das Proletariat zur Mehrarbeit zu zwingen. Die Diktatur des Proletariats pr&#228;sentiert sich freilich auf unterschiedliche Art und Weise zwischen dem ersten und dem zweiten Zyklus der Periode, doch es ist immer ausserhalb der eigentlichen Sph&#228;re der Produktion, wo der theoretische Kommunismus sich &lt;i&gt;zuerst&lt;/i&gt; platziert, um den gesellschaftlichen Widerspruch aufzul&#246;sen. Im ersten Zyklus geht es um die &#8222;Erk&#228;mpfung der Demokratie&#8220; (Manifest), denn &#8222;[d]ie Demokratie hat [&#8230;] die politische Herrschaft des Proletariats zur notwendigen Folge, und die politische Herrschaft des Proletariats ist die erste Voraussetzung aller kommunistischen Ma&#223;regeln.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F. Engels, 7.10.1847, MEW 4, S. 317.&#034; id=&#034;nh7-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Auf dieser Grundlage ist die Feststellung frappierend, dass die zehn vom Manifest vorgeschlagenen Massnahmen nie die Dauer oder die Bedingungen der Arbeit erw&#228;hnen und letztendlich auf die &#8222;assoziierten Produzenten&#8220; als gesellschaftliche Form verweisen, innerhalb welcher die Klassen abgeschafft sind. Man findet die gleiche Problematik im zweiten Zyklus nach der Kommune, doch dieses Mal mit der Betonung auf der Transformation des Staates anstelle der Erk&#228;mpfung der Demokratie. Diese politische Dimension des proletarischen Programms zeigt anschaulich, wie der Kommunismus ausgehend von der konkreten Realit&#228;t der Unterordnung und nicht von der abstrakten Analyse der Ausbeutung projiziert wird. Es geht nicht darum, die Mehrarbeit zu beseitigen (im Gegenteil, das proletarische Programm ist auch ein Programm der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, welche die Mehrarbeit voraussetzt), sondern den Zwang zur Mehrarbeit, so wie er von der Bourgeoisie unter historisch spezifischen Bedingungen durchgesetzt wird. Es wird argumentiert, dass die Ausbeutung einzig und allein durch die Tatsache beseitigt ist, dass die Arbeiter assoziiert sind und die Nutzung des Mehrprodukts kontrollieren, damit wird der gesellschaftliche Widerspruch als tats&#228;chlich aufgel&#246;st gesetzt. Diese angebliche &#220;berwindung des Zwangs zur Mehrarbeit l&#228;utet eine Herrschaft der Freiheit ein, die fundamental gleichbedeutend mit der Freiheit der Arbeit im Sinne der Hervorbringung von Mehrarbeit &lt;i&gt;ohne Zwang&lt;/i&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;II Zweite Periode: Reelle Unterordnung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Definition&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die formelle Unterordnung muss die reelle Unterordnung des Proletariats unter das Kapital auf zwei Ebenen analysiert werden. Einerseits wird der Arbeitsprozess spezifisch, reell kapitalistisch. Das bedeutet, dass sein Inhalt nun direkt ans grundlegende Ziel der kapitalistischen Produktion angepasst wird, dieses Ziel ist weniger die Warenproduktion, sondern die Kapitalverwertung. Diese Anpassung ist gleichbedeutend mit einer zweiten Enteignung des Arbeiters. W&#228;hrend die ersten Kapitalisten die Arbeiter von den objektiven Bedingungen ihrer Arbeit enteignet haben, d.h. die Werkzeuge und die Rohstoffe, betrifft die Enteignung nun das, was ihnen in der ersten Phase blieb: ihre Qualifikation. Die Akkumulation des fixen Kapitals transferiert progressiv die Kenntnis vom Arbeiter hin zur Maschine und die ihm bleibende Qualifikation ist nun vollst&#228;ndig diesen Maschinen untergeordnet und muss sich ihrer kontinuierlichen Perfektionierung anpassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits vereinigt der Gesamtprozess des Kapitals die Gesellschaft nun vollst&#228;ndig. Die vorkapitalistischen Produktionsweisen sind dermassen zur&#252;ckgegangen und dieser R&#252;ckgang gen&#252;gt, um dem Arbeiter jeglichen R&#252;ckzug aus dem Lohnverh&#228;ltnis zu verbieten. Die Gesamtheit der Sektoren der gesellschaftlichen Produktion werden nun vom Kapital kontrolliert, was die systematische M&#246;glichkeit der Produktion von relativem Mehrwert durch die Anwendung der Methoden der kapitalistischen Produktion auf die Gesamtheit der den Einkaufskorb der zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Nahrungsmittel determiniert. Die Modalit&#228;ten der Unterordnung des Proletariats k&#246;nnen also auf folgende Weise zusammengefasst werden:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. Arbeitsmarkt: Sobald die Produktion/Reproduktion der Arbeitskraft zu einer rein endogenen Variable des Kapitals wird, entstehen Institutionen, die es erlauben, den Arbeitsmarkt zu regulieren. Die Gewerkschaften werden nun legalisiert und die Arbeitgeberschaft betrachtet sie schon bald als notwendige Partner, z.B. zur Abschliessung von sektoriellen Abkommen und Gesamtarbeitsvertr&#228;gen. Die Gesetzgebung &#252;ber die Arbeit entwickelt sich und die Einsetzung eines Arbeitsministeriums ist gleichbedeutend mit dem Aufstieg der Arbeiterreproduktion zu einer legitimen Sorge des Staates. Die besonderen Bedingungen des Ersten Weltkrieges beschleunigen diese seit der Jahrhundertwende begonnene Entwicklung betr&#228;chtlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. Arbeitsprozess: Wie wir es schon gesagt haben, die Transformation des Arbeitsprozesses hat eine zweite Enteignung des Arbeiters als Inhalt. Taylor stellt fest, dass &#8222;die Werkstatt in Wirklichkeit von den Arbeitern und nicht den Vorarbeitern gef&#252;hrt wurde&#8220;. Als Werkstattaufseher stellt er fest, dass &#8222;die Summe der Kenntnisse und der Erfahrung der Arbeiter [&#8230;] exakt zehnmal gr&#246;sser war als seine&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zitiert von Dock&#232;s und Rosier: Rythmes &#233;conomiques, Crises et changement (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Und er wird es sich zur Aufgabe machen, diese Machtbasis der Arbeiter in der Produktion zu zerst&#246;ren. Die Arbeitsdisziplin wird nun vom fixen Kapital organisiert und nicht mehr nur polizeilich. &#220;brigens nicht ohne Konflikte, denn die Arbeitsvers&#228;umnis wird zu dieser Zeit bedeutend. Durch die Beseitigung der implizierten toten Zeit ist die Taylorisierung der Arbeit zudem eine der Arten, absoluten Mehrwert auf der Grundlage von relativem Mehrwert (intensiver Kapitalakkumulation) zu extrahieren. Die Taylorisierung &#246;ffnet den Weg f&#252;r den Fordismus, er ist die Vollendung davon (siehe den n&#228;chsten Absatz).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. Unmittelbare Reproduktion: Die relative Erh&#246;hung der L&#246;hne und die relative Senkung des Werts der Nahrungsmittel determinieren einen Anstieg des Konsums der Arbeiter. Doch es ist v.a. die Zusammensetzung des Einkaufskorbes der Nahrungsmittel, welche R&#252;ckschl&#252;sse auf die Modifikationen der Modalit&#228;ten der Unterordnung des Proletariats in diesem dritten Moment erlaubt. Die intensive Kapitalakkumulation ist z.B. von einer bedeutenden Entwicklung der Urbanisierung begleitet und der Konsum der Arbeiter muss sich diesen neuen Lebensweisen anpassen (Grosswohnsiedlungen, Transporte). Gleichzeitig verlangt die Intensivierung der Arbeit f&#252;r das k&#246;rperliche und psychische Gleichgewicht der Arbeitskraft einen systematischen Konsum von medizinischen Diensten und Freizeitangeboten usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das neue Gleichgewicht dieser drei Momente nennt man gemeinhin den &#8222;fordistischen Kompromiss&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Periodisierung der reellen Unterordnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Periode beginnt mit dem Ende der langen Depression Ende des 19. Jahrhunderts. Sie dauert bis heute an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Periode der reellen Unterordnung kann in zwei Zyklen aufgeteilt werden, die vom Zweiten Weltkrieg voneinander getrennt werden. Der erste Zyklus ist jener der zweiten Kombination der beiden Extraktionsweisen des Mehrwerts. Der Taylorismus, dessen erste praktische Anwendung auf 1899 datiert werden kann, ist gleichbedeutend mit der Erschaffung der spezifisch kapitalistischen Arbeit. Doch seine progressive Durchsetzung l&#228;sst noch Raum f&#252;r die absolute Mehrwertextraktion. Noch besser: Er erfordert sie. Das ist u.a. der Grund, weshalb die rivalisierenden Fraktionen des Kapitals auf dem Terrain des Kolonialismus immer noch in Konfrontation zueinander stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die beiden Zyklen unterscheiden sich durch den Taylorismus und den Fordismus voneinander. Die Taylorisierung der Arbeit beruht auf ihrer &#8222;wissenschaftlichen&#8220; Aufgliederung in elementare Handgriffe, jeder reserviert f&#252;r einen Arbeiter, was global einen Zeitgewinn erlaubt. Der Fordismus unterscheidet sich durch die Einf&#252;hrung eines zentralen Elementes, des F&#246;rderbandes, das es einmal mehr erlaubt Zeit zu gewinnen, indem die Maschine einen bestimmten und identischen Rhythmus f&#252;r jede elementare Operation durchsetzt. Die Taylorisierung der Arbeit geschieht w&#228;hrend der Jahrhundertwende, w&#228;hrend das erste Fliessband erst 1913 entsteht, es verbreitet sich erst nach 1920 in den USA und nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Der &#220;bergang vom Taylorismus zum Fordismus setzt eine bedeutende Fixierung von Kapital im Fliessband voraus. Er setzt auch voraus, dass der Widerstand der Arbeiter gegen die Einf&#252;hrung der neuen, vom Fliessband gebrachten Arbeitsmethoden besiegt wird. Hier verortet sich der Begriff des &#8222;fordistischen Kompromisses&#8220;. Dieser Kompromiss besteht darin, dass die Bosse, und an erster Stelle Ford selbst, die L&#246;hne betr&#228;chtlich erh&#246;hen mussten, um die Arbeitsvers&#228;umnis und die Personalfluktuation, welche durch die neuen Bedingungen der Fliessbandarbeit ausgel&#246;st worden sind, zum Verschwinden zu bringen. In Europa spielte der Erste Weltkrieg eine fundamentale Rolle im Sieg des Kapitals gegen diesen Widerstand. Nicht nur, weil die qualifizierten Arbeiter, welche Widerstand gegen die Einf&#252;hrung der neuen Methoden geleistet hatten, an die Front beordert wurden und durch andere (haupts&#228;chlich Frauen) ersetzt wurden, die gef&#252;giger waren, sondern auch aufgrund des Kontexts der Union sacr&#233;e, der zugunsten der Kriegsanstrengung vorherrschend war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch erst im Verlauf der Depression der 1930er Jahre und des Zweiten Weltkrieges werden die den fordistischen Kompromiss bildenden Elemente eingef&#252;hrt. Diese Einf&#252;hrung steht besonders unter dem Einfluss der heftigen gesellschaftlichen Konflikte, die in den USA 1933 und 1934 stattfanden und die zur sozialen Dimension des New Deal (Wagner Act) gef&#252;hrt haben. Durch diesen wird die gesetzliche Arbeitszeit reduziert, die Gewerkschaften werden endg&#252;ltig legalisiert und bem&#228;chtigt, Gesamtarbeitsvertr&#228;ge abzuschliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der letzte bedeutende Effekt der Krise in der USA ist der durch die Ruine der Landwirtschaft ausgel&#246;ste Aufbruch der Agroindustrie, welche die Produktion der Nahrungsmittel von einem Ende zum anderen der Nahrungskette industrialisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesamtheit dieser Elemente, zusammen mit der amerikanischen Herrschaft &#252;ber den globalen Zyklus des Kapitals 1945 f&#252;hrt dazu, dass sich nach 1945 eine schnelle Akkumulationsphase auf der Grundlage der fordistischen Arbeitsmethoden und einem ausgiebig spielenden Mechanismus des relativen Mehrwerts entwickeln kann, die Gesamtheit des Einkaufskorbes der Nahrungsmittel sind nun das Produkt von Kapital, das intensiv akkumuliert worden ist. Diese Phase kulminiert im Wendepunkt in den 1970er Jahren, der die lange Depression er&#246;ffnet, die wir gegenw&#228;rtig kennen, und deren Bedeutung es rechtfertigt, dass wir weiter besonders auf sie eingehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der zweite Zyklus ist gleichbedeutend mit dem definitiven &#220;bergang zur amerikanischen Hegemonie mit ihrer Begleitung amerikanischer Institutionen wie dem GATT, dem Weltw&#228;hrungsfonds oder der Weltbank. Hinsichtlich der Modalit&#228;ten der Akkumulation bedeutet das nach 1945 die absolute Vorrangstellung des relativen Mehrwerts als Extraktionsweise des Kapitals. Diese Entwicklung &#228;ussert sich besonders durch die Eliminierung des Kolonialismus und die Ausweitung des amerikanischen Modells des Arbeiterkonsums auf die Gesamtheit der entwickelten L&#228;nder. Der Wohlstand der &#8222;Dreissig Glorreichen&#8220; beruht wesentlich auf der Ausbeutung der Produktivit&#228;tsreserven im zweiten Sektor (Konsumg&#252;ter) und somit des relativen Mehrwerts. In diesem Zusammenhang zeigt das fordistische Modell in Europa und in Japan all seine Effizienz. In Frankreich kann man eine wahrhafte Modernisierung der Modalit&#228;ten der Unterordnung beobachten. Es ist die definitive Formalisierung von Institutionen wie der sozialen Sicherheit, die Verallgemeinerung der Fliessbandarbeit (Autos, Haushaltsger&#228;te&#8230;), die Entwicklung der Vorst&#228;dte und der Grosswohnsiedlungen, um nur einige Beispiele zu zitieren, die durch die Erschaffung der modernen Universit&#228;t erg&#228;nzt werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Krisen der reellen Unterordnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend dem Ende der Periode der formellen Unterordnung und dem Beginn der reellen Unterordnung hat das Proletariat der industrialisierten L&#228;nder die politische Staatsb&#252;rgerschaft gewonnen und konnte jenem extremen Elend entfliehen, welches urspr&#252;nglich sein Schicksal im Rahmen der Grenzen des absoluten Mehrwerts war. W&#228;hrend dieser Phase, wie wir es erw&#228;hnt haben, ist das grosse Problem des Kapitals die Unterordnung des Proletariats unter die durch den Taylorismus und den Fordismus spezifisch hervorgerufenen kapitalistischen Methoden. Unter diesen Bedingungen pr&#228;sentieren die Krisen der Periode der reellen Unterordnung klar unterschiedliche Eigenschaften im Vergleich zur vorhergehenden Periode.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freilich haben die Krisen immer die gleiche unmittelbare Ursache. Die konjunkturelle Verlangsamung der Akkumulation hat eine Blockierung des Tausches f&#252;r Lohn und die daraus resultierende Irreproduzierbarkeit des Proletariats hat seine Erhebung zur Folge. Aber dieses Mal kommt es zu einer Umkehrung im Verh&#228;ltnis zwischen den verschiedenen Momenten der Insubordination in der Krisenaktivit&#228;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Krisen der Periode der reellen Unterordnung, und am klarsten w&#228;hrend jener des ersten langen Zyklus, best&#228;tigt sich das Proletariat auf der Grundlage der erworbenen B&#252;rgerschaft &#8211; wenn sie auch in ihrer b&#252;rgerlichen Form kritisiert wird, und versucht, sich dem kapitalistischen Druck hin zur Taylorisierung/Fordisierung des Arbeitsprozesses zu widersetzen. Die Krisenaktivit&#228;t ist freilich keine Verteidigung und Illustration der proletarischen Teilhabe am demokratischen Leben. Diese ist im Gegenteil durch die Entwicklung der R&#228;te mit einer radikalen Kritik konfrontiert. Doch es ist auf der Ebene der unmittelbaren Produktion, wo diese Form all ihre Vitalit&#228;t findet. Die R&#228;teform ist zu diesem Zeitpunkt jene Form, welche es erlaubt, auf der Ebene der unmittelbaren Ausbeutung die zweite, vom Kapital seit dem Beginn der Periode der reellen Unterordnung begonnene Enteignung in Frage zu stellen, deren Mitverwaltung die Gewerkschaften und die Parteien nun akzeptieren. Indem es nach der Kontrolle der Fabriken strebt, versucht das Proletariat das zur&#252;ckzuerobern, was die lebendige Arbeit in der Akkumulation von fixem Kapital schon objektiv an Qualifikation und an Autonomie verloren hat. Im Namen dieses Verlustes und um ihn zu vertiefen (zweite Enteignung), versucht das Kapital, die Unterordnung der Arbeit in der unmittelbaren Ausbeutung zu verst&#228;rken. Und im Namen seines durch die Demokratie erlangten Rechts, bez&#252;glich der Verwaltung der Gesellschaft mitzureden, widersetzt sich das Proletariat dieser kapitalistischen Offensive und versucht, seine Kontrolle &#252;ber die Produktion durchzusetzen. Indem es das tut, kann es nat&#252;rlich nicht gleichzeitig die Formen der b&#252;rgerlichen Demokratie in Frage stellen, umso weniger, als dass sie selbst in den Zonen kapitalistischer Schw&#228;che, wo die Krisen ausbrechen (Deutschland, Italien, Spanien), unvollendet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Ausbruch der deutschen Revolution ist diesbez&#252;glich charakteristisch. Sie beginnt mit einer Meuterei von Marinesoldaten in Kiel und wird erst zu einer eigentlichen revolution&#228;ren Krise, als der Aufstand sich auf die Arbeiterklasse von Hamburg ausweitet. Hinsichtlich der Tatsache, dass das milit&#228;rische Leben, so wie es vom Krieg 1914-1918 erfunden worden ist, eine Form der Unterordnung des Proletariats unter das Kapital darstellt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sie wirkte zur Niederschlagung des Widerstands des Proletariats gegen die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sind die Meutereien eine eigentlich proletarische Revolte gegen die Aufhebung der demokratischen Mechanismen durch die Bedingungen des Krieges. Sie wird den &#8222;Hamburger Punkten&#8220;, die von den Soldatenr&#228;ten zur Umgestaltung der milit&#228;rischen Disziplin im November 1918 durchgesetzt worden sind, all ihre Bedeutung geben. Die Krise beginnt also mit einer B&#252;rgert&#228;tigkeit. Die Meutereien sind die proletarische Form des Pazifismus. Doch erst danach, Anfang 1919, als der Kampf sich direkt auf die Sph&#228;re der Produktion ausweitet, wird der Aufstand all seine Kraft erlangen. Im Ruhrgebiet oder in Zentraldeutschland konzentriert sich der bewaffnete Kampf der R&#228;te f&#252;r die Sozialisierung &#8222;von unten&#8220; direkt auf die Sph&#228;re der Produktion und geht klar &#252;ber die Ebene des politischen Protests hinaus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Italien ging die Erfahrung der R&#228;te bez&#252;glich Selbstverwaltung am weitesten (April, dann September 1920), denn die Besetzung der Fabriken kulminierte in einigen F&#228;llen in der Wiederaufnahme der Produktion. Es ist wahrscheinlich, dass diese teilweise Wiederaufnahme der Arbeit mit einer relativ geringen Akkumulation von fixem Kapital zu tun hat. Das gleiche gilt unter gleichen Bedingungen f&#252;r den Fall der spanischen Selbstverwaltung. Was jedoch in allen F&#228;llen charakteristisch ist f&#252;r die Krisenaktivit&#228;t in dieser Periode, ist die Art und Weise, wie sie in die Sph&#228;re der Produktion eindringt, um mithilfe der Selbstverwaltung zu versuchen, die zweite Enteignung zu &#252;berwinden, sie ist n&#228;mlich die St&#228;rke des Angriffs des Kapitals zur St&#228;rkung der Unterordnung des Proletariat und zum Wachstum der Mehrwertrate.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zweite H&#228;lfte des zweiten Zyklus der reellen Unterordnung (seit 1970) ist andernorts ausf&#252;hrlich analysiert worden, wir werden hier nur von der ersten H&#228;lfte des zweiten Zyklus (1945-1970) sprechen. Diese Periode enth&#228;lt zwei prinzipielle Arten der Krise. Es handelt sich einerseits um die Krisen, welche im &#246;stlichen Teil des globalen Kapitalismus ausbrechen. Ihr Inhalt ist zu stark von den spezifischen Bedingungen der Kapitalakkumulation in diesen Gebieten determiniert, um sie in dieser Skizze behandeln zu k&#246;nnen. Man m&#252;sste hierf&#252;r den globalen Zyklus des Kapitals in der Nachkriegszeit in seiner Einheit definieren, jenseits der Trennung von Ost und West &#8211; und das ist eine Frage, die nach wie vor offen ist. Die andere Art der Krise ist die Gesamtheit der sozialen Bewegungen der 1960er Jahre, wovon Mai 68 in Frankreich am ehesten einer typischen Krise &#228;hnelt. Situiert auf dem H&#246;hepunkt des zweiten langen Zyklus der reellen Unterordnung ist die Krise von Mai 68 eine Form des &#220;bergangs zwischen den typischen Krisen der vorhergehenden Periode und dem, was man von den kommenden Krisen antizipieren kann. Sie wiederholt die Problematik der R&#228;te und der Fabrikbesetzungen, ohne wirklich daran zu glauben, das, was man damals den verallgemeinerten Protest nannte, ist kennzeichnend f&#252;r sie, und sie stellt eine Ank&#252;ndigung einer neuen Form der Krisenaktivit&#228;t dar, genau wie die Kommune &#8211; ebenfalls der H&#246;hepunkt eines Zyklus &#8211; die Krisen der folgenden Periode ank&#252;ndigte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Neuheit, f&#252;r welche eine vertiefte Studie notwendig sein wird, besteht in der Tatsache, dass die drei Momente der Unterordnung ebenfalls das Ziel der kapitalistischen Offensive sind. Die Bedingungen der Affirmation des Proletariats in der Krise werden von ihr zutiefst dahingehend modifiziert, dass die Grundlagen dieser Affirmation von Anfang an vom Kapital in Frage gestellt wird und dass das Proletariat keine erlangte Legitimit&#228;t hat, welche ihm erlaubt, seine Offensive auf andere Punkte der Unterordnung zu st&#252;tzen. Obwohl es zunehmend wahr ist, dass die quantitative und qualitative Bedeutung der Arbeit in der unmittelbaren Produktion jegliche Affirmation auf dieser Grundlage verbietet, ist es hingegen relativ neu, dass die Staatsb&#252;rgerschaft des Proletariers auf dem Arbeitsmarkt und in seiner unmittelbaren Reproduktion zunehmend zu einer leeren H&#252;lle wird, deren Kritik es nicht einmal mehr erlaubt, die Affirmation der Klasse sehr weit zu treiben. Ob es sich um die Gewerkschaften und die Lohnverhandlung oder die Bedingungen der unmittelbaren Reproduktion (Lebensstandard, Ausbildung, soziale Sicherheit, Renten&#8230;) handeln mag, es ist mittlerweile klar, dass es sich nicht um Errungenschaften handelt, die einen neuen Kompromiss wie den fordistischen Kompromiss, der eben genau auf den Verzicht auf eine gewisse Stellung im Arbeitsprozess im Tausch gegen Rechte in den anderen Momenten der Unterordnung gr&#252;ndete, erlauben w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegenteil, diese alten Errungenschaften werden nun in Frage gestellt, &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; verst&#228;rkt sich die Offensive an den Arbeitspl&#228;tzen, was dazu f&#252;hrt, dass die Aktivit&#228;t des Proletariats k&#252;nftig dazu gezwungen sein wird, von Anfang an alle Formen der kapitalistischen Sozialisierung in Frage zu stellen &#8211; davon war der verallgemeinerte Protest im Mai 68 ein Vorgeschmack. Daraus resultiert, dass die Krisenaktivit&#228;t notwendigerweise kurz und destruktiv sein wird. Die Pr&#228;zisierung der Eigenschaften dieses kritischen Prozesses ist das zentrale Ziel von &lt;i&gt;Hic Salta&lt;/i&gt; und alles Vorhergehende ist nur ein historisches Panorama der Problematik dieser Recherche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Der theoretische Kommunismus in der reellen Unterordnung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es erschliesst sich aus dem Vorhergehenden, dass zwei zentrale Elemente im theoretischen Kommunismus der ersten H&#228;lfte der Periode der reellen Unterordnung vorherrschen: die Problematik der Selbstverwaltung und die Kritik der Politik, besonders in ihrer demokratischen/parlamentarischen Form. Im Vergleich zur Periode der formellen Unterordnung ist die Entwicklung in der theoretischen Produktion der deutschen Revolution absolut klar. W&#228;hrend die KPD versucht, die definitiv kompromittierte sozialdemokratische Problematik zu retten, indem sie voraussetzt, dass eine eingefleischte Arbeiterpartei sehr wohl letztendlich den Parlamentarismus akzeptieren kann und muss, sieht die KAPD und noch mehr die AAUD nur in den Basisorganen der Arbeiterpartei, den R&#228;ten, die Grundlage f&#252;r eine Umsetzung des proletarischen Programms, das sich direkt auf die Kampforgane st&#252;tzt, um die Arbeit von den extremsten Formen ihrer Unterordnung zu befreien und im gleichen Zug den Inhalt der anderen Momente der Unterordnung zu transformieren. Was zuvor, in der Periode der formellen Unterordnung, eine unmittelbare Affirmation der Arbeit war, wird nun zur Affirmation der Verwaltungsf&#228;higkeit der Arbeiter. Das kommunistische Modell der &#8222;assoziierten Produzenten&#8220; auf einer mehr oder weniger handwerklichen Grundlage wird nun durch eine Verwaltungsassoziation gesamter Fabriken ersetzt, welche die Basis einer R&#228;tepyramide bildet, innerhalb welcher die direkte Demokratie die Freiheit aller auf eine Art und Weise garantiert, die letztendlich gleichbedeutend mit einer Verinnerlichung des Wertgesetzes ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die theoretische Erneuerung, hervorgerufen durch die Krisen Ende der 1960er Jahre und durch die gegen die Arbeit gerichtete Bewegung, die durch die spezialisierten Arbeiter in diese Richtung gedr&#228;ngt wird, wird sehr schnell dieser Grenze begegnen. Daraus resultiert eine systematische Kritik des proletarischen Programms in all seinen Formen und die Entstehung einer kommunistischen Theorie, die als Grundlage ihrer Recherche das Prinzip setzt, dass die Revolution nicht ein Auswuchs der Affirmation des Proletariats in der Krise und a fortiori in seinen allt&#228;glichen K&#228;mpfen ist. Die Beseitigung des Kapitals ist auch Selbstnegation des Proletariats. Hic salta.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oktober 1997&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.hicsalta-communisation.com/hic-salta-98/elements-sur-la-periodisation-du-mpc-histoire-du-capital-histoire-des-crises-histoire-du-communisme&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb7-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir sprechen hier von sozialen Krisen, charakterisiert durch den Aufstand des Proletariats, und nicht einfach von Wirtschaftskrisen, wovon eine solcher Aufstand h&#228;ufig nicht Teil ist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf schematische Art und Weise geschieht die Penetration des Kapitals in die Gesamtheit der Wirtschaft folgendermassen:&lt;br class='manualbr' /&gt;Formelle Unterordnung:&lt;br class='manualbr' /&gt;Erster Zyklus: Produktion von Produktionsg&#252;tern f&#252;r das Kapital und Konsumg&#252;tern f&#252;r den Export in Richtung Pr&#228;kapitalismus&lt;br class='manualbr' /&gt;Zweiter Zyklus: Landwirtschaft&lt;br class='manualbr' /&gt;Reelle Unterordnung:&lt;br class='manualbr' /&gt;Erster Zyklus: Konsumg&#252;ter f&#252;r die Arbeitskraft (ausserhalb der Agroindustrie);&lt;br class='manualbr' /&gt;zweiter Zyklus: alle Produktion ist kapitalistische Produktion, auch die Agroindustrie.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F. Engels, 7.10.1847, MEW 4, S. 317.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zitiert von Dock&#232;s und Rosier: Rythmes &#233;conomiques, Crises et changement social. Une perspective historique, Paris, 1983, S. 137, FN 14.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sie wirkte zur Niederschlagung des Widerstands des Proletariats gegen die Einf&#252;hrung des Fordismus (siehe Dock&#232;s und Rosier, S. 149-150).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Normative Geschichte und kommunistische Essenz des Proletariats (2000)</title>
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&lt;p&gt;Kritik von Gilles Dauv&#233;s &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;. &lt;br class='autobr' /&gt;
Wir haben uns in der Kritik der Brosch&#252;re &#8222;Catastrophe et r&#233;volution&#8220; schon mit der &#8220;normativen&#8220; Konzeption der Geschichte besch&#228;ftigt, im Text von Dauv&#233; haben wir diese Konzeption im Reinzustand. &lt;br class='autobr' /&gt;
Auf der dritten Seite bringt er das Vokabular dieser Problematik in Stellung: &#8222;hat verpasst&#8220;, &#8222;war verpasst worden&#8220;. Der gesamte Text erw&#228;hnt sehr wohl den Faschismus und den Nazismus als Resultate der Grenzen der Klassenk&#228;mpfe der (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://kommunisierung.net/Gilles-Dauve" rel="tag"&gt;Gilles Dauv&#233;&lt;/a&gt;, 
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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton74-2.jpg?1689282097' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Kritik von Gilles Dauv&#233;s &lt;a href=&#034;http://www.wildcat-www.de/zirkular/50/z50dauve.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben uns in der Kritik der Brosch&#252;re &#8222;Catastrophe et r&#233;volution&#8220; schon mit der &#8220;normativen&#8220; Konzeption der Geschichte besch&#228;ftigt, im Text von Dauv&#233; haben wir diese Konzeption im Reinzustand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der dritten Seite bringt er das Vokabular dieser Problematik in Stellung: &#8222;hat verpasst&#8220;, &#8222;war verpasst worden&#8220;. Der gesamte Text erw&#228;hnt sehr wohl den Faschismus und den Nazismus als Resultate der Grenzen der Klassenk&#228;mpfe der vorhergehenden Periode, doch diese Grenzen werden im Verh&#228;ltnis zum Kommunismus definiert und nicht in den K&#228;mpfen dieser Periode. Gleichzeitig wird die Geschichte des Kapitals auch auf einen sie &#252;bersteigenden Widerspruch bezogen, einen allgemeinen Widerspruch der Geschichte: die Trennung zwischen dem Menschen und der Gemeinschaft, zwischen menschlicher T&#228;tigkeit und Gesellschaft. &#8222;Die Demokratie [&#8230;] wird niemals das Problem der am meisten gespaltenen Gesellschaft in der Geschichte aufl&#246;sen k&#246;nnen.&#8220; Doch das war auch nie ihre Absicht. Die Individuen sind durch die demokratische Politik nicht isolierter oder st&#228;rker miteinander verbunden, als dass sie im Feudalismus pers&#246;nlich miteinander verbunden waren. Es ist jene Gesellschaft, in welcher die Beziehungen zwischen den Menschen am weitesten entwickelt und am st&#228;rksten sind, welche die Fiktion des isolierten Individuums hervorgebracht hat. Es geht nie darum, zu wissen, wie Individuen, definiert in gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen, die durch eine Produktionsweise determiniert sind, miteinander durch eine politische Form verbunden sind, sondern weshalb diese Verbindung die Form der Politik annimmt. Genau wie das Individuum, so auch die Gemeinschaft; die Individuen bilden eine Gemeinschaft, die genauso beschr&#228;nkt ist wie sie selber. Die Demokratie (der Staat allgemein) ist die Form dieser Gemeinschaft auf politischer Ebene, nicht die Antwort auf eine nicht existierende allgemeine Trennung. Wenn die Antwort der Demokratie auf diese Trennung &#8222;schlecht&#8220; ist, so bedeutet das, dass diese allgemeine Trennung, f&#252;r welche sie eine &#8222;schlechte&#8220; Antwort liefert, die allgemeine Dynamik der Geschichte ist (weitgehend entwickelt in &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie hat die Arbeiter zusammen mit den Parteien und den Gewerkschaften besiegt, doch was waren (in Italien, in Deutschland, in Spanien) die Ziele, der Inhalt der Arbeiterk&#228;mpfe, das bleibt im Text stets ungesagt. Wir sind mitten in der Problematik des &#8222;Verrats&#8220; durch die Parteien und die Gewerkschaften. Die Arbeiter gehorchen den reformistischen Bewegungen, genau das h&#228;tte ausgehend von der Natur dieser Arbeiterk&#228;mpfe selbst erkl&#228;rt werden m&#252;ssen, statt die D&#228;monen der Manipulation und des Betrugs zu evozieren. &#8222;Die Proletarier vertrauen auf die Demokraten&#8220;, diese gleichen Proletarier, welche &#8222;mit diesen Methoden und eigenen Zielen gegen das Kapital handel[n]&#8220;, Handlungen, Methoden und Ziele, die nie pr&#228;zisiert werden. Dauv&#233; wagt die Frage &#8222;Wer hat die proletarische Energie besiegt?&#8220;, doch nie wird irgendetwas &#252;ber den Inhalt, die Formen, die eigenen Grenzen dieser Energie gesagt. Es ist die proletarische Energie und das ist alles. &#8222;Wie kann die Arbeiterklasse beherrscht werden?&#8220;, doch bevor diese Frage gestellt wird, h&#228;tte eine andere gestellt werden m&#252;ssen: &#8222;Was macht die Arbeiterklasse?&#8220; Das scheint immer offensichtlich zu sein, es ist &#8222;die proletarische Energie&#8220;. Wieso war also die Beherrschung 1921 und 1943 (betreffend Italien) erfolgreich? Das sind die Fragen, welche der Text nur auf anekdotische Art und Weise beantwortet; oder aber mit einer &#8222;grundlegenden&#8220; Erkl&#228;rung, wie wir weiter unten sehen werden: Die Arbeiter sind gescheitert und geschlagen worden, weil sie nicht die Revolution gemacht haben, wir sind mitten im Reich der Tautologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleiche Unbestimmtheit der &#8222;revolution&#228;ren Energie&#8220; finden wir in der Analyse der Niederlage der Arbeiter und des Sieges des Nazismus in Deutschland: &#8222;Die deutsche Niederlage von 1918 und der Zerfall des Reichs l&#246;sten einen proletarischen Angriff aus [NdA: Es handelt sich wohl um eine Manifestation der &#8222;proletarischen Energie&#8220;.], der stark genug war, die Gesellschaft zu ersch&#252;ttern, aber nicht stark genug, um sie umzuw&#228;lzen und der die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften zur Grundlage des politischen Gleichgewichts machte.&#8220; Man sagt uns nicht mehr &#252;ber diesen &#8222;proletarischen Angriff&#8220;. Warum ist er nicht stark genug, um die Gesellschaft umzuw&#228;lzen? Das ist n&#228;mlich die Frage, und zwar die einzige. Die Dinge scheinen offensichtlich, es gen&#252;gt, &#8222;Proletariat&#8220; und &#8222;Revolution&#8220; zu sagen. Pl&#246;tzlich liefert der Autor allerdings einen schnellen Hinweis, &#8222;die radikale Bewegung strebte eine Arbeiterwelt an&#8220;, doch diese grundlegende Anmerkung wird nicht entwickelt, sie ist eine Art Detail, die nicht als L&#246;sung f&#252;r das Scheitern fungieren kann, diese Eigenschaft wird sofort mithilfe der Allgemeinheit des &#8222;proletarischen Angriffs&#8220; kleingeredet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schl&#252;ssel f&#252;r die Gesamtheit der Problematik wird in einer fast schon beil&#228;ufigen Bemerkung gegeben: &#8222;Aber die konservative Revolution nahm auch alte antikapitalistische Tendenzen wieder auf (R&#252;ckkehr zur Natur, Flucht aus den St&#228;dten ...), welche die Arbeiterparteien, auch die extremistischen, geleugnet oder untersch&#228;tzt hatten aufgrund ihrer Unf&#228;higkeit, die nicht-klassenbezogene und gemeinschaftliche Dimension des Proletariats miteinzubeziehen, die &#214;konomie zu kritisieren und sich die zuk&#252;nftige Welt anders vorzustellen denn als eine Verl&#228;ngerung der Gro&#223;industrie.&#8220; Wir werden nichts zum Kampf der Machtstrukturen der Nazis gegen die grosse Industrie sagen, uns interessiert &#8222;die proletarische Energie&#8220;. Diese Energie beruht auf dieser nicht-klassenbezogenen und gemeinschaftlichen Dimension. Gehen wir, wenn diese Dimension einmal proklamiert ist, davon aus, dass alles andere, d.h. die wirkliche Geschichte des Klassenkampfes, nur noch die Aufeinanderfolge gegen&#252;ber dieser Dimension mehr oder weniger minderwertiger Formen sein kann. Die allgemeine Mechanik ist also die folgende: Mensch und Gesellschaft sind getrennt, das ist die Grundlage aller Geschichte, alle historischen Formen menschlicher Gesellschaften gr&#252;nden auf dieser Trennung und versuchen, sie aufzul&#246;sen, aber in den Formen der Entfremdung. Das Kapital ist die Gesellschaft, in welcher die Trennung ihren H&#246;hepunkt erreicht, doch gleichzeitig (m&#246;ge Hegel zu Hilfe eilen!) ist es die Gesellschaft, welche eine Klasse hervorbringt, die eine gemeinschaftliche, eine nicht-klassenbezogene Dimension hat. Das Kapital ist seinerseits gezwungen, auf die gleiche Frage der Trennung zu antworten (die, wiederholen wir es, nur eine Form der gesellschaftlichen Verbindung darstellt), durch den Staat, die Demokratie, die Politik. Das f&#252;hrt zur einfachen Opposition zwischen zwei Antworten auf die gleiche Frage, das Proletariat und das Kapital sind nicht mehr die Begriffe eines Widerspruches innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise, sondern die vom Proletariat getragene menschliche Gemeinschaft und die Politik (der Staat) stehen sich gegen&#252;ber, das einzige, das sie verbindet, ist die Tatsache, zwei verschiedene Antworten auf das transhistorische Problem der Trennung zwischen dem Mensch und der Gesellschaft, dem Individuum und der Gemeinschaft darzustellen. Man findet diese ganze Problematik in &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt;, &#8222;Le Roman de nos origines&#8220; (Nr. 2). Diese ganze Problematik verkennt das grundlegende Axiom des Materialismus: Genau wie das Individuum, so auch die Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat hat keine gemeinschaftliche oder nicht-klassenbezogene Dimension, es hat, durch seine Stellung im Widerspruch mit dem Kapital, die F&#228;higkeit, das Kapital und die Klassen abzuschaffen und die Gemeinschaft (die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums) hervorzubringen, doch das ist nicht eine Dimension, die es in sich tr&#228;gt, weder als von seiner Situation in der kapitalistischen Produktionsweise kommende Natur, noch (weniger) als endlich entdeckte historische Figur der allgemeinen Tendenz der Geschichte hin zur Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da Dauv&#233; in einer solchen Problematik die Geschichte der Klassenk&#228;mpfe nicht als reale Geschichte ihrer unmittelbaren Formen, ihren besonderen historischen Inhalt nicht als die Totalit&#228;t des Geschehenden aussch&#246;pfend betrachten kann (statt als historische Form von etwas anderem), sagt er uns nie, weshalb die Revolution scheitert oder weshalb die Tatsache, dass die Parteien, sogar die extremistischen, die gemeinschaftliche Dimension vernachl&#228;ssigt haben, zu diesem Scheitern gef&#252;hrt hat, weshalb es jedes Mal funktioniert, wenn der Staat, die Parteien, die Gewerkschaften den revolution&#228;ren Elan zerschlagen wollen. &#8222;Gerade auf dem revolution&#228;ren Terrain siegt die Konter-Revolution, das ist unvermeidlich&#8223;, das stimmt, doch in diesem Text erfahren wir nie, weshalb die Konter-Revolution im Verh&#228;ltnis zu den historischen Eigenschaften der Revolution siegt. Der Autor sagt uns zwar, wie es geschieht, doch dabei bleibt es. In Anbetracht der allgemeinen Problematik ist die einzige Erkl&#228;rung gezwungenermassen tautologisch: Die Revolution scheitert, weil sie nicht weitergegangen ist. Indem man das sagt, hat man nichts &#252;ber das real existierende Scheitern der real existierenden Revolution gesagt. &#8222;Demokratie und Sozialdemokratie sind somit unerl&#228;&#223;lich f&#252;r den deutschen Kapitalismus, um die Arbeiter einzugliedern, den Geist der Revolte in der Wahlkabine zu t&#246;ten, von den Unternehmern eine Reihe von Reformen zu erhalten und die Revolution&#228;re zu zerstreuen.&#8223; Aber man erkl&#228;rt uns nicht das Verh&#228;ltnis dieser T&#228;tigkeit der kapitalistischen Klasse und der Sozialdemokratie mit dem historischen Inhalt der Revolution selbst, nur das w&#252;rde uns erkl&#228;ren, wieso &#8222;es funktioniert&#8223;, es handelt sich um den notwendigen toten Winkel dieser Problematik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Kapitel &#252;ber Spanien erreichen die Sackgassen dieser Problematik ihren H&#246;hepunkt. Dauv&#233; beschreibt die Konter-Revolution pr&#228;zis (wir sind uns diesbez&#252;glich einig), doch er spricht von der Revolution nur auf der Grundlage von dem, was sie nicht getan hat, im Verh&#228;ltnis zu dem, was sie h&#228;tte tun sollen, und als Abfolge von &#8222;fatalen Irrt&#252;mern&#8223;. &#8222;Nachdem sie die Reaktion in vielen St&#228;dten besiegt haben, haben die Arbeiter die Macht. Aber was sollen sie damit machen? Sie dem republikanischen Staat zur&#252;ckgeben oder sich ihrer bedienen, um weiterzugehen in einem kommunistischen Sinn?&#8223; Wir kennen die Antwort und Dauv&#233; erkl&#228;rt uns ausgiebig den &#8222;fatalen Irrtum&#8223; der spanischen Revolution&#228;re, die nicht die legale Regierung, den Staat angriffen. Doch wieso geschah ihnen dieser Irrtum, war er nicht mit der Natur des &#8222;proletarischen Angriffs&#8223; selbst verbunden (freilich fatal, ein Irrtum, das ist weniger sicher)? Das sind die wirklichen Fragen, mit welchen sich diese Problematik nicht besch&#228;ftigen kann. &#8222;[Im Mai 1937 ist d]ie F&#228;higkeit, sich gegen den Staat [&#8230;] zu erheben, [&#8230;] immer noch vorhanden, aber nicht die, den Kampf zum Bruchpunkt zu f&#252;hren.&#8223; Existierte diese F&#228;higkeit also im Juli 1936? F&#252;r Dauv&#233; werden die Massen &#8222;get&#228;uscht&#8223; von der CNT und der POUM, die Angst haben, den Staat aufzugeben: &#8222;Weil sie die Vermittlung &#8218;repr&#228;sentativer Organisationen&#8216; und den Rat zur M&#228;&#223;igung von seiten der POUM und der CNT akzeptiert haben, weichen dieselben, die im Juli 36 die faschistischen Milit&#228;rs besiegt haben, im Mai 37 kampflos vor den republikanischen Gendarmen zur&#252;ck.&#8223; Wenn wir dieser Interpretation folgen, dann sind die spanischen Proletarier Idioten. Es ist aussergew&#246;hnlich, Ausdr&#252;cke wie &#8222;die Massen vertrauen&#8223;, &#8222;fataler Irrtum&#8223;, &#8222;glauben die meisten Proletarier, da&#223; sie trotz allem die wirkliche Macht behalten k&#246;nnen&#8223;, &#8222;weil sie die Vermittlung [&#8230;] akzeptiert haben&#8223; zu benutzen, ohne auch nur einen Moment zu zweifeln und sich eine Frage der Art zu stellen: Aber wieso funktioniert es? Wieso vertrauen sie? Wieso dieser Irrtum? Wieso dieser Glauben? Obwohl diese Fragen im Text nicht einmal gestreift werden, m&#252;ssen wir uns hingegen fragen, wieso diese Fragen nicht gestellt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Text ist das Proletariat n&#228;mlich von Natur aus revolution&#228;r oder, noch besser, kommunistisch. Man weiss, dass die Geschichte jene der Trennung zwischen dem Menschen und der Gesellschaft ist, die Proletarier sind &#8222; als Ware behandelte Wesen, die nicht mehr als Ware existieren k&#246;nnen noch wollen, und deren Revolte die kapitalistische Logik zum Platzen bringt&#8223;. Die Proletarier sind in sich selbst widerspr&#252;chliche Wesen und dadurch tragen sie die Gemeinschaft, den Kommunismus in sich. Daraus folgt, dass, wenn sie nicht die Revolution machen, sie sich t&#228;uschen oder get&#228;uscht werden. Damit wird das, was nicht geschehen ist, zur Erkl&#228;rung f&#252;r das, was geschehen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Als Ware behandelte Wesen&#8223; usw., die Formulierung l&#228;sst h&#246;chst schwierige und determinierende Fragen im Dunkeln. Die Proletarier sind hier der Sitz eines inneren Widerspruches, wovon einer der Begriffe nicht ausgesprochen wird und selbstverst&#228;ndlich zu sein scheint: Ware auf der einen Seite, aber im Namen welches Anderen wollen sie es nicht mehr sein? Grundlegend: Sie sind Menschen. Die gesellschaftliche Definition des Proletariats in einer bestimmten Produktionsweise l&#228;sst Raum f&#252;r eine hybride Definition: Ware und Mensch. Doch was ist also dieser Mensch, der nicht die Gesamtheit dieser gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ist, durch welche er nur eine Ware ist? Wir verweisen hier auf die Kritik der Positionen von Carlos in der Debatte &#252;ber den &#8222;zerstreuten Fordismus&#8223;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Moment an, wo man eine revolution&#228;re Natur des Proletariats wie diese widerspr&#252;chliche Hybridisierung von Mensch und Ware konstruiert, verschwindet die Geschichte der Klassenk&#228;mpfe und pr&#228;ziser jene der Revolution und des Kommunismus. Der Kommunismus ist ein f&#252;r allemal in der Natur des Proletariats eingetragen. Die Tatsache, dass das Proletariat nicht mehr bleiben will und kann, was es ist, ist nicht ein innerer Widerspruch seiner Natur, eine Gegebenheit seines Wesens, sondern Ausdruck seines widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zum Kapital in einer historisch spezifischen Produktionsweise. Es ist das Verh&#228;ltnis dieser besonderen Ware, welche die Arbeitskraft darstellt, zum Kapital als Ausbeutungsverh&#228;ltnis, welches das revolution&#228;re Verh&#228;ltnis ist. So gesetzt ist es gezwungenermassen eine Geschichte, jene dieses Widerspruches. Der Klassenkampf in Barcelona im Mai 1937 war nicht die Bewegung des Kommunismus im allgemeinen (nicht einmal unter besonderen Bedingungen), welche aus Gr&#252;nden nicht zu Ende gebracht wurde, welche man nie wird hervorbringen k&#246;nnen, sondern die Revolution so wie sie real existierte. D.h. als Affirmation des Proletariats, das die Kraft und den Inhalt seiner Autonomie aus den Bedingungen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst sch&#246;pfte. Die &#8222;Irrt&#252;mer&#8223; erscheinen dann als das, was sie sind, inh&#228;rente Grenzen in jenem Sinne, als dass die Revolution selbst ihre Konter-Revolution impliziert. Die Affirmation der Autonomie des Proletariats impliziert die Affirmation dessen, was es ist im Kapital, dort findet es seine Macht und die Daseinsberechtigung seines Handelns und gleichzeitig wird die wesentliche Verbindung dieses Handelns mit der Konter-Revolution hervorgebracht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Behauptung eines &#8222;nicht-klassenbezogenen&#8223;, &#8222;gemeinschaftlichen&#8223; Aspekts des Proletariats ist nur das Resultat eines falschen Verst&#228;ndnisses einer Epoche des Klassenkampfes (bis zu den 1840er Jahren) und nicht einer revolution&#228;ren Natur des Proletariats. Sie erlaubt es jedoch, die Proletariat als Figur der Menschheit zu konstruieren, als Repr&#228;sentation eines Widerspruches, der einen weiten Weg hinter sich hat. Der Kommunismus wird auf Anhieb als Spannung vorausgesetzt, welche sich schon in der kapitalistischen Produktionsweise dem Kapital widersetzt und nach seiner Zerst&#246;rung strebt. Was sich von der Behauptung unterscheidet, gem&#228;ss welcher der Kommunismus die Bewegung der Aufhebung der bestehenden Bedingungen ist, d.h. die Bewegung des inneren Widerspruches dieser Bedingungen. Ausserdem ist der historische Prozess des Klassenkampfes, wenn man dem Proletariat diese Dimension verleiht, nicht mehr wirklich notwendig im Verh&#228;ltnis zur Revolution, er ist nur ein Prozess der Verwirklichung, das verursacht das Abgleiten der Analyse hin zu einem Widerspruch zwischen dem Kommunismus und dem Kapital, welcher den Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital ersetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf den Spanischen B&#252;rgerkrieg zur&#252;ckzukommen, so wie er im Text dargestellt wird, ist das Frappierende die Benutzung der M&#246;glichkeitsformen: &#8222;H&#228;tten sie die Revolution aus den republikanischen Gebieten hinaustragen wollen, so h&#228;tten sie auch diese Zonen selbst revolutionieren m&#252;ssen.&#8223; Was nicht geschehen ist, ist stets die Erkl&#228;rung f&#252;r das Geschehene: &#8222;Aber selbst Durruti ist sich nicht &#252;ber die Tatsache im klaren, da&#223; der Staat fortbesteht.&#8223; Es ist, als ob ein grosses, bis zur Kommunistischen Revolution (menschliche Gemeinschaft) kalibriertes Thermometer existierte, man taucht es in einen sensiblen Punkt der Ereignisse und man schaut, bis wo das Quecksilber steigt, dann erkl&#228;rt man, dass es nur bis dorthin gestiegen ist, weil es nicht h&#246;her gestiegen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch &#8222;Durruti und seine Genossen verk&#246;rpern eine Energie, die nicht auf 1936 gewartet hatte, um sich an die Erst&#252;rmung der Welt zu wagen.&#8223; &#8222;Die proletarische Energie&#8223; spielt eine grosse Rolle in dieser Sichtweise der Geschichte, sie ist das, was das Quecksilber im Thermometer steigen l&#228;sst. Sie ist, wie in der alten Physik, eine dieser unnennbaren Kr&#228;fte, die dazu dienen, alle Tautologien zum Abschluss zu bringen. Es soll beil&#228;ufig angemerkt werden, dass &#8222;die Energie&#8223; verk&#246;rpert wird, genau wie &#8222;der Elan&#8223;. Indem Dauv&#233; nicht erkl&#228;rt, weshalb die spanische Revolution nicht weitergeht und was ihr wesentliches Verh&#228;ltnis zur Konter-Revolution ist, akkumuliert Dauv&#233; alle &#8222;wie&#8223;, die absolut zutreffend sind, doch ohne uns je den Beginn einer Erkl&#228;rung zu liefern, ausser im Konjunktiv, was gemacht h&#228;tte werden m&#252;ssen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; &#8222;[D]ie Proklamierung der sofortigen und bedingungslosen Unabh&#228;ngigkeit des spanischen Teils von Marokko [h&#228;tte] zumindest Durcheinander unter den Sto&#223;truppen der Reaktion ges&#228;t.&#8223;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; &#8222;Die gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen, ohne die die Revolution ein leeres Wort ist, m&#252;ssen sich, um sich zu konsolidieren und auszuweiten, in ein antagonistisches Verh&#228;ltnis zum Staat setzen, der eindeutig als Gegner bestimmt ist. Nun war aber die Existenz einer &lt;i&gt;Doppelherrschaft&lt;/i&gt; nach Juli 36 nichts als Schein. Die aus dem Aufstand hervorgegangenen proletarischen Organe und die, die danach die Vergesellschaftungen durchf&#252;hrten, tolerierten nicht nur den Staat, sondern sie gestanden ihm auch den Vorrang im antifaschistischen Kampf zu, als ob der Weg, Franco zu besiegen, notwendigerweise taktisch &#252;ber den Staat laufen m&#252;sse.&#8223;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; &#8222;Kommunistische Ma&#223;nahmen h&#228;tten die Grundlagen beider Staaten (des republikanischen und des nationalistischen) unterminieren k&#246;nnen, wenn nur mit der L&#246;sung der Agrarfrage begonnen worden w&#228;re: in den 30er Jahren war mehr als die H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung unterern&#228;hrt. Eine subversive Bewegung brach los, allen voran die am meisten Unterdr&#252;ckten, die am meisten vom &#8218;politischen Leben&#8216; Ferngehaltenen (zum Beispiel Frauen), aber sie schaffte es nicht, bis zum &#196;u&#223;ersten zu gehen und die Dinge an der Wurzel zu packen.&#8223;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weshalb? Um diese Frage zu beantworten, muss die Natur der Revolution anders definiert werden denn als &#8222;revolution&#228;rer Elan&#8223;, &#8222;revolution&#228;re Energie&#8223;, &#8222;kommunistisches Potential&#8223;, &#8222;abgetriebene Revolution&#8223;. Man muss den Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital als Verh&#228;ltnis der gegenseitigen Verstrickung verstehen und somit die Revolution und den Kommunismus als historische Hervorbringungen und nicht als Einheit, die zur Natur der revolution&#228;ren Klasse geh&#246;ren, welche ein f&#252;r allemal als solche definiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Dauv&#233; zeugen die deutsche, russische oder spanische Revolution von &#8222;einer kommunistischen Bewegung, die die ganze Gesellschaft ver&#228;ndert&#8223;. Doch es ist eben genau die Natur dieser kommunistischen Bewegung zu diesem Zeitpunkt der Geschichte des widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen Proletariat und Kapital, welche definiert werden muss, wenn man ihre Grenzen und ihre Beziehung zur Konter-Revolution anders, als durch das, was h&#228;tte getan werden m&#252;ssen und nicht getan worden ist, erkennen will. Der Autor liefert jedoch eine Erkl&#228;rung der Grenzen der Revolution, aber er scheint sie selber nicht f&#252;r sehr aussagekr&#228;ftig zu halten: &#8222;Der Krieg in Spanien beweist sowohl die revolution&#228;re Energie der gemeinschaftlichen Formen und Verbindungen, die vom Kapital durchdrungen, aber noch nicht direkt reproduziert werden, als auch ihre Machtlosigkeit, &lt;i&gt;aus sich selbst heraus&lt;/i&gt; eine Revolution zu sichern. Ohne Angriff auf den Staat und die Schaffung anderer Verh&#228;ltnisse auf landesweiter Ebene waren sie zu einer bruchst&#252;ckhaften Selbstverwaltung gezwungen, bei der Wesen und sogar Formen des Kapitalismus weiterbestanden, besonders das Geld und die Aufteilung in Unternehmen.&#8223; Und falls es diese Verbindungen und Formen gewesen w&#228;ren, welche eben genau &#8222;den Angriff&#8223; verhindert hatten? Und falls wir es bloss mit einer besonderen Form der Affirmation des Proletariats zu tun h&#228;tten? Dauv&#233; stellt sich nicht diese Art von Fragen, denn f&#252;r ihn sind die besonderen Bedingungen immer nur Bedingungen im Verh&#228;ltnis zu dem, was die Revolution tun muss, und nicht die Form der Revolution selbst zu einem gegebenen Zeitpunkt. In dieser kurzen, sehr interessanten Passage &#252;berwindet er die Problematik objektive Bedingungen/revolution&#228;re Natur nicht. Diese besonderen Bedingungen, welche er beschreibt, h&#228;tten jene sein sollen, unter welchen allerdings ein Angriff gegen den Staat h&#228;tte stattfinden sollen. Als Konsequenz wird diese Erkl&#228;rung der Grenzen gegeben, doch sie interveniert nicht in das allgemeine R&#228;sonnement. Wenn sie interveniert h&#228;tte, w&#228;re Dauv&#233; gezwungen gewesen, &#8222;die revolution&#228;re Energie&#8223;, den &#8222;revolution&#228;ren Elan&#8223; historisch zu spezifizieren, und h&#228;tte nicht mehr von &#8222;abgetriebener Revolution&#8223; oder &#8222;kommunistischem Potential&#8223; sprechen k&#246;nnen. Er k&#246;nnte nicht mehr das, was getan worden ist, mit dem erkl&#228;ren, was nicht getan worden ist, und all die &#8222;h&#228;tten m&#252;ssen&#8223; h&#228;tten keinen Sinn mehr. Er begn&#252;gt sich damit, eine ahistorische Sichtweise der Revolution und des Kommunismus und die historischen Bedingungen, die ihr Form und Gestalt geben, nebeneinander zu stellen. Die Geschichte des Klassenkampfes ist hier stets doppelt: Einerseits das kommunistische Prinzip, der revolution&#228;re Elan oder die revolution&#228;re Energie, die das Proletariat antreiben, eine transzendente Geschichte; andererseits die begrenzte Manifestation dieser Energie, eine anekdotische Geschichte. Zwischen diesen beiden Aspekten existiert eine Hierarchie. Die transzendente Geschichte ist die &#8222;reale&#8223; Geschichte und die reale Geschichte ist nur die zuf&#228;llige Form ersterer, so dass erstere konstant die Richterin &#252;ber letztere ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann der Bemerkung Dauv&#233;s &#252;ber den Zustand der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse im Spanien der 1930er Jahre nur beipflichten, doch entweder war es m&#246;glich, das zu tun, was er sagt, dass man h&#228;tte tun m&#252;ssen, und somit h&#228;tten diese Bedingungen &#252;berwunden werden k&#246;nnen oder es war nicht m&#246;glich und somit verlieren die Konjunktive Dauv&#233;s jegliche rationelle Bedeutung. Eine solche Situation w&#228;re &#252;berwunden worden, wenn der revolution&#228;re Elan jener gewesen w&#228;re, welcher er f&#252;r seine Analyse voraussetzt. Doch es handelt sich um einen programmatischen Kampf, eine solche Situation (gemeinschaftliche Verbindungen) ist ein Rohstoff, der dieser gem&#228;ss seiner eigenen Natur bearbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann davon ausgehen, dass die Gesamtheit dieses historischen Texts ein Nachdenken dar&#252;ber ist, was die Revolution jetzt sein muss und kann. Doch das Problem Dauv&#233;s ist, dass er das auf ewige und zeitlose Weise pr&#228;sentiert, so dass, wenn wir danach auch mehr wissen, wir bez&#252;glich der wesentlichen Frage nicht wirklich weiter gekommen sind: Wieso k&#246;nnte die Revolution jetzt etwas sein, das sie zuvor nicht war?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man soll uns nicht falsch verstehen, wir sind absolut einverstanden mit der Abfolge der Tatsachen, welche uns Dauv&#233; pr&#228;sentiert, sowohl bez&#252;glich Deutschland als auch bez&#252;glich Spanien (einige Vorbehalte bez&#252;glich Russland). Seine Konzeption der kommunistischen Revolution teilen wir vollst&#228;ndig bez&#252;glich ihrem Inhalt und den kommunistischen Massnahmen, bez&#252;glich ihres Verst&#228;ndnis als Kommunisierung und nicht als Vorbedingung f&#252;r diese Kommunisierung. Wo wir uns hingegen &#252;berhaupt nicht einig sind, ist bez&#252;glich dem Verst&#228;ndnis des Verlaufs des Klassenkampfes als Gegen&#252;berstellung von einem gegebenen, bekannten Prinzip des Kommunismus, das im Wesen des Proletariats verankert ist, und eine Geschichte, die sich damit begn&#252;gt, es auf partielle, konfuse, abgetriebene Weise auszudr&#252;cken. Es ist nicht eine Frage der Analysemethode der Geschichte, es handelt sich nicht um einen Streit zwischen Geschichtsphilosophen. Wie immer steht das Verst&#228;ndnis der gegenw&#228;rtigen Periode auf dem Spiel. Die Methode Dauv&#233;s macht das Verst&#228;ndnis einer &#220;berwindung des Programmatismus, der Revolution als Affirmation des Proletariats unm&#246;glich. Die kommunistische Revolution, so wie wir sie heute konzipieren k&#246;nnen, so wie sie sich in diesem Kampfzyklus pr&#228;sentiert, ist f&#252;r ihn in der russischen, deutschen und spanischen Revolution schon da (beschr&#228;nkt, abgetrieben, mit Irrt&#252;mern, Illusionen usw.). So dass, wenn wir sagen, dass wir einverstanden sind mit der Konzeption der Revolution, die er am Ende seiner Brosch&#252;re pr&#228;sentiert, dann ist das so, weil ihm nicht bewusst ist, dass diese Revolution nicht, nicht mehr das ist, was die russische und die anderen Revolutionen waren. Es waren Revolutionen dieses Kampfzyklus, jener der Affirmation des Proletariats, das ist heute nicht mehr der Fall. Die Verwirrung ist nicht folgenlos bez&#252;glich der Theorie, die man vom Verh&#228;ltnis zwischen Proletariat und Kapital in der gegenw&#228;rtigen Situation machen kann, bez&#252;glich dem Verst&#228;ndnis der gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe und der Revolution als hervorgebrachte &#220;berwindung dieses Kampfzyklus. D.h. bez&#252;glich der Art und Weise, wie man diese K&#228;mpfe als wirklich ihre &#220;berwindung hervorbringend er&#246;rtert (praktisch und theoretisch) und nicht als etwas, das man in Bezug auf diese schon als Norm gesetzte &#220;berwindung beurteilen muss. Die Geschichte des Klassenkampfes ist Hervorbringung, nicht Verwirklichung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von Kommunisierung.net&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 16, 2000.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/normative-history-and-communist-essence-proletariat-theorie-communiste&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=15503&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://illatocattivo.blogspot.com/2018/07/storia-normativa-ed-essenza-comunista.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Maria Desmers - Befreit die Feminisierung die Frauen?</title>
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&lt;p&gt;&#8222;Das Maskulinum siegt &#252;ber das Femininum&#8220;, zumindest in der Grammatik, wenn es darum geht, die W&#246;rter im Plural zu deklinieren, wie wir das alle in der Schule gelernt haben. Ist diese Herrschaft des Maskulinums in der Sprache in einem derart direkten Verh&#228;ltnis mit der M&#228;nnerherrschaft im Leben, dass ein Kr&#228;fteausgleich des Geschlechterverh&#228;ltnisses in der Sprache zu einem Kr&#228;fteausgleich in den realen Geschlechterverh&#228;ltnissen f&#252;hren w&#252;rde? Bedeutet das, dass der Mond die Sonne, der (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='http://kommunisierung.net/IMG/logo/arton5903-d54fd.jpg?1689286290' class='spip_logo spip_logo_right' width='106' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Das Maskulinum siegt &#252;ber das Femininum&#8220;, zumindest in der Grammatik, wenn es darum geht, die W&#246;rter im Plural zu deklinieren, wie wir das alle in der Schule gelernt haben. Ist diese Herrschaft des Maskulinums in der Sprache in einem derart direkten Verh&#228;ltnis mit der M&#228;nnerherrschaft im Leben, dass ein Kr&#228;fteausgleich des Geschlechterverh&#228;ltnisses in der Sprache zu einem Kr&#228;fteausgleich in den realen Geschlechterverh&#228;ltnissen f&#252;hren w&#252;rde? Bedeutet das, dass &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Mond &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Sonne, &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Gefangene &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; W&#228;rterin unterdr&#252;ckt? Die Feminisierung der Sprache weist das Maskulinum zurecht. Freilich, doch was bringt dieser den Endungen der Adjektive und definierten und undefinierten Artikel verpasste Denkzettel der Emanzipation der Frauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ziel dieses Textes ist die Infragestellung einer der Schlachten des Krieges der Geschlechter wie er heute gef&#252;hrt wird, sowohl innerhalb der staatlichen Verwaltung wie auch der Milieus mit subversivem Anspruch: Der Kampf f&#252;r die Feminisierung der Sprache, oder, wie es die linguistischen Beh&#246;rden des Staates heute nennen, der Kampf f&#252;r die Durchsetzung der sogenannt &#8222;einschliessenden&#8220; Schreibweise, die sich als praktische L&#246;sung (in den beiden Bedeutungen des Begriffes, sowohl konkret, als auch einfach zu verwirklichen, schliesslich w&#252;rde eine kleine Anstrengung gen&#252;gen, um unsere Art und Weise zu sprechen und die damit einhergehenden Repr&#228;sentationen zu ver&#228;ndern) zum Beitrag der Befreiung der Frauen pr&#228;sentiert. In Anbetracht des zwingenden Charakters dieser Sprachreform, die sich viele auferlegen und anderen auferlegen und der strukturellen und strukturierenden Bedeutung der Sprache f&#252;r uns Menschen, kann man sich ehrlich die Frage stellen, was die Feminisierung der Sprache zur Emanzipation der Frauen beitr&#228;gt, und sich wundern, dass diese Frage so selten gestellt und fast nie debattiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; Auf der symbolischen Ebene ist es ziemlich offensichtlich, dass die Herrschaft in dieser Welt auf der Seite der M&#228;nnlichkeit ist. Es sei erlaubt, aus Schalkhaftigkeit hinzuzuf&#252;gen, dass es &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Macht und &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Gewalt ebenfalls sind. Die Zweiteilung der menschlichen Wesen in Geschlechter tr&#228;gt selbstverst&#228;ndlich dazu bei, diese symbolische Herrschaft effektiv zu machen, und es ist also ganz konkret schwieriger, in dieser Welt Erfolg zu haben, wenn man eine Frau ist (oder dieser Rolle zugewiesen ist). Diese Diskriminierung als solche betrifft uns nicht mehr oder weniger als andere symbolische, von dieser Welt hervorgebrachte Formen der Diskriminierung und der Niederschlagung: Die Forderung nach, und die Erlangung durch diverse Formen der Lobbyarbeit, einer Chancengleichheit zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist ein Traum radikaler Demokraten und stellt die Bedeutung des Erfolgs in dieser Welt nicht radikal in Frage, nicht einmal die damit verbundenen Geschlechtermerkmale. Was uns hingegen st&#228;rker besch&#228;ftigt, sind die Formen der Herrschaft und der Entfremdung, welchen wir alle durch diese Welt unterworfen werden, indem sie uns zu ihren Bedingungen zu M&#228;nnern und Frauen macht. Und diesbez&#252;glich scheint es sehr wohl, dass jene Lesart, welche darin besteht, sich mit der Feststellung zu begn&#252;gen, dass, weil &lt;i&gt;das Maskulinum&lt;/i&gt; auf symbolischer Ebene &lt;i&gt;siegt&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; M&#228;nner herrschen und uns entfremden, oder gar &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Frauen ausbeuten, gef&#228;hrlich vereinfachend ist und durch dem diesem &#8222;Sieg&#8220; beigemessenen Wert, das, was die Welt &lt;i&gt;Erfolg&lt;/i&gt; nennt, f&#252;r g&#252;ltig erkl&#228;rt. Diese Vereinfachung findet man z.B. wieder in jenen Analysen, die von einer Pr&#228;misse ausgehen, gem&#228;ss welcher im Modell der Ehe, in welchem der Mann f&#252;r einen Chef arbeitet, w&#228;hrend die Frau sich um die Hausarbeit k&#252;mmern muss (ein Modell, das &#252;brigens heute immer weniger hegemonisch ist), der Mann deshalb &#8222;der Chef&#8220; der Frau sei. Viel interessanter ist es, in dieser Situation zu erkennen, dass der Chef des Mannes eher auch jener der die t&#228;gliche R&#252;ckkehr des Mannes zur Arbeit garantierenden Frau ist. Die Ausbeutungssituation ist somit gewiss auf inakzeptable Art und Weise von Geschlechterrollen gepr&#228;gt, doch sie ist als solche geteilt und man kann somit nicht mehr behaupten, die M&#228;nner w&#252;rden die Frauen ausbeuten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Analyse findet man z.B. im Buch der Feministinnen Selma James und (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, in diesem Fall beuten die Chefs M&#228;nner &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; Frauen aus. Diese Vielschichtigkeiten w&#252;rden weitere Entwicklungen verdienen, doch wir werden sie heute als Hintergrund gebrauchen, um eine der Geschlechterschlachten zu analysieren, so wie sie heute gef&#252;hrt wird, innerhalb der staatlichen Verwaltung bis in die Milieus mit subversiven Anspr&#252;chen hinein: der Kampf f&#252;r die Feminisierung der Sprache, oder, wie wie es die linguistischen Beh&#246;rden des Staates nennen, die Schlacht f&#252;r die Durchsetzung der sogenannt &#8222;einschliessenden&#8220; Schreibweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;W&#246;rter sind keine Ampeln&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den aktivistischen Praktiken, die als einfach anwendbare L&#246;sungen angeboten werden, um die dieser Welt inh&#228;renten Formen der Ungerechtigkeit zu korrigieren &#8211; und es ist eine der Eigenschaften der Epoche, zu glauben, dass aktivistische Praktiken zu Wundermitteln erhoben werden k&#246;nnen &#8211; ist es offensichtlich notwendig, den Kampf um die &#8222;Feminisierung&#8220; der Sprache in seinen Voraussetzungen, Wirkungen und Folgen seiner sich systematisch wollenden Anwendung ernsthaft zu untersuchen. Diese &#8222;Feminisierung&#8220; der geschriebenen Sprache, oder &#8222;einschliessende Schreibweise&#8220;, pr&#228;sentiert sich als praktische L&#246;sung (in den beiden Bedeutungen des Begriffes, sowohl konkret und einfach realisierbar, da eine kleine Anstrengung angeblich reichen w&#252;rde, um unsere Art zu sprechen und die damit einhergehenden Repr&#228;sentationen zu &#228;ndern), um zur Befreiung der Frauen beizutragen &#8211; wieso w&#252;rde sonst zu ihrer Entwicklung beigetragen und sie auferlegt, wie es der Fall ist mit einigen Portalen des Milieus mit subversivem Anspruch?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das aktivistische Infoportal der Region Toulouse IAATA feminisiert z.B. auf (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; In Anbetracht des zwingenden Charakters dieser Sprachreform, die viele sich selber und anderen auferlegen, und der strukturellen und strukturierenden Bedeutung der Sprache f&#252;r uns als menschliche Wesen, kann man sich ehrlich fragen, was die Feminisierung der Sprache zur Emanzipation der Frauen beitr&#228;gt, und sich wundern, dass diese Frage so selten gestellt und fast nie debattiert wird. In Wirklichkeit bequemen sich nur wenige, sogar unter ihren Verteidigern, zu jeglicher Rechtfertigung oder Erkl&#228;rung f&#252;r diese Entscheidung, die somit als unerheblich erscheinen kann. Es kann schon mal gesagt werden, dass die Pr&#228;sentation eines Vorschlags als Offensichtlichkeit schon als Mittel der &#220;berzeugung dient, gleichzeitig erspart man es sich, zu seiner Rechtfertigung argumentieren zu m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ist diese Praxis wirklich unerheblich?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden uns hier auf eine gewisse aktivistische Erfahrung st&#252;tzen, die Erinnerung an das Aufkommen der Feminisierung der Sprache im Laufe der 1990er Jahre in den alternativsten Sektoren, danach hat sie sich durchgesetzt und war vorherrschend, sowie auf die seltenen und stets kategorischen Argumente, um die Verbreitung dieser neuen Norm zu rechtfertigen. Das wird auch die Gelegenheit sein, sich die Frage zu stellen, wie es m&#246;glich geworden ist, zu denken, dass wir die Wege der Emanzipation mithilfe von Normen und Prozessen der Reglementierung finden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollte es notwendig sein, die Bedeutung dieser Frage zu belegen, kann man von einer Norm sprechen, es gen&#252;gt, anzumerken, dass die Feminisierung der geschriebenen Sprache, nachdem sie in gewissen aktivistischen Milieus eingef&#252;hrt worden ist (das geht so weit, dass sie dazu beigetragen hat, eine Art Idiom, eine identit&#228;re Folklore zu konstituieren), heutzutage sogar innerhalb der Institutionen &#252;bernommen worden ist, in diesem Fall z.B. vom Bildungsministerium, das nun bei Hatier ein komplett in &#8222;einschliessender Schreibweise&#8220; feminisiertes Schulbuch f&#252;r Primarsch&#252;ler anbietet. Gleichzeitig f&#252;hren gewisse franz&#246;sische Universit&#228;ten die Feminisierung in der Verwaltungssprache ein und die Acad&#233;mie fran&#231;aise &#228;ussert sich zur Frage mit all ihrer reaktion&#228;ren Finesse, deren Geheimnis nur sie kennt. Der Erfolg dieses Durchbruchs ist nat&#252;rlich das Resultat einer aktiven Lobbyarbeit, nicht nur in unseren Milieus, sondern auch im Kern der Macht, und er verursacht eine Polemik, in welcher die reaktion&#228;rsten Verteidiger der &lt;i&gt;langue fran&#231;aise&lt;/i&gt; die B&#252;hne betreten und sich dar&#252;ber emp&#246;ren, dass alles den Bach runtergeht, und &#252;ber das, was man unseren lieben blonden K&#246;pfen beibringt, obwohl sie eher einen Auto fahrenden Papa und eine kochende Mama brauchen w&#252;rden und Maurras lesen sollten, wodurch der anscheinend subversive Charakter des Vorschlags validiert wird. Aber vielleicht haben diese freundlichen Damen und Herren der Acad&#233;mie fran&#231;aise trotzdem Recht?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sprechen hier nat&#252;rlich aus einer anderen Position und wir m&#246;chten annehmen, dass, wenn man eine aktivistische Praxis verteidigt oder kritisiert, man es mit einem Minimum an Autonomie tun kann, die notwendig ist, um sich nicht unmittelbar innerhalb der Debatte zu verorten, wie es der Zeitgeist gerne h&#228;tte. Wenn man etwas dar&#252;ber nachdenkt, dr&#228;ngt sich mit dieser &#220;bernahme der Feminisierung durch die Institutionen, wodurch die anti-autorit&#228;ren Milieus und die Anordnungen des Staates nun gleich t&#246;nen, nicht eine erneute &#220;berpr&#252;fung dieser so einfach integrierbaren und integrierten Praxis auf? Ist es ein historischer Schritt f&#252;r die Emanzipation der Frauen, die gleiche Art historischer Schritt wie die Institutionalisierung der Forderung nach der Gleichstellung von M&#228;nnern und Frauen in den politischen Parteien und der Regierung? Sollten wir uns damit begn&#252;gen, die Tatsache zu beklagen, dass diese Gleichstellung nicht respektiert wird und dass Macrons Verordnungen nicht feminisiert sind und somit uns f&#252;r einen Radikalismus der Institutionalisierung der Normen dieses Vorschlags einsetzen? Wir werden sie hier eher von einem revolution&#228;ren und verwaltungsfeindlichen Standpunkt aus in Frage stellen (ein anderer Standpunkt also), d.h. uns fragen, ob die Feminisierung der Texte, sei sie von Gertrud in ihrem besetzten Haus, von Zebulun in seinen Brosch&#252;ren oder dem Staat in seinen Schulb&#252;chern oder seinem Strafgesetz praktiziert, ein Beitrag zur Befreiung der Frauen sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Sonne hat eine Verabredung mit dem Mond&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viel mehr als andere Sprachen ist die franz&#246;sische eine Sprache, die man als grammatikalisch geschlechterspezifisch bezeichnen kann. D.h., dass die Polarisierung des Maskulinums und des Femininums sich darin verallgemeinert hat, denn man sagt &lt;i&gt;le soleil&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;la lune&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;une girafe&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;un &#233;l&#233;phant&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;un arbre&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;une feuille&lt;/i&gt;&#8230; Diese Polarisierung hat das genau wie das Maskulinum und das Femininum in alten Sprachen wie Latein oder Griechisch und in vielen heute noch gesprochenen Sprachen pr&#228;sente Neutrum fast zum Verschwinden gebracht. Ausgehend von einer falschen Offensichtlichkeit h&#246;rt man h&#228;ufig, dass dieses Verschwinden des Neutrums &#8222;zugunsten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir werden sehen, dass diese Art von Ausdruck metaphorisch ist, denn es ist (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; des Maskulinums geschehen ist, dieses dient dazu, feminine und maskuline W&#246;rter zu verallgemeinern oder zu gruppieren, im Gebrauch der Kongruenzen des Plurals z.B. Man h&#246;rt auch, dass &#8222;das Maskulinum &#252;ber das Femininum siegt&#8220;. Ausgehend von dieser Beobachtung geht das Prinzip der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220; davon aus, dass die Sprache eine Herabsetzung der Frauen beurkundet und bewirkt und dass also im Namen dieser Gleichheit des Daseins in der Sprache das Geschlechtergleichgewicht wieder ausgeglichen, das Maskulinum zurechtgewiesen werden muss, indem ihm systematisch durch diverse Mittel das Femininum zur Seite gestellt wird. Doch &#8222;zugunsten&#8220; und &#8222;siegt&#8220; werden hier als Metaphern gebraucht. D.h., dass, indem man den Zustand der Sprache als Schlachtfeld darstellt, man eine kleine Fabel der Worte konstruiert, die Siege und Niederlagen in Szene setzt, ein bisschen wie Victor Hugo in &lt;i&gt;R&#233;ponse &#224; un acte d'accusation&lt;/i&gt; (siehe nebenan [in der Zeitschrift]). Es ist offensichtlich, dass er sich in diesem Gedicht am&#252;siert, indem er uns eine Fabel der Gesellschaft erz&#228;hlt, in welcher die W&#246;rter soziale Kategorien repr&#228;sentieren, und eine Revolution, die sie dank ebendiesem Gedicht umst&#252;rzt, und dass er nicht glaubt, dass dieser &#8222;Sturm im Tintenfass&#8220; ohne Vermittlung und in sich selbst ein sozialer Sturm ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kann freilich &#252;ber den Sinn dieser metaphorischen Konstruktion in einem allgemeinem Kontext, in welchem das Maskulinum &#252;ber das Femininum &#8222;siegt&#8220;, nachgedacht werden, doch es ist gewiss absurd, die Metapher wortw&#246;rtlich zu nehmen. Die metaphorische Schlacht findet nicht im wirklichen Leben statt, und umgekehrt. Zudem handelt es sich um eine falsche Offensichtlichkeit, gest&#252;tzt auf eine zu hastige Beobachtung. Die Geschichte der Errichtung der grammatikalischen Genera, so wie sie rekonstruiert werden kann, lehrt uns, dass in &#228;lteren, von der hypothetischen indoeurop&#228;ischen Sprache (eine sehr fragw&#252;rdige Hypothese, die nur zum Verst&#228;ndnis von &#196;hnlichkeiten und Unterschieden zwischen verschiedenen gegenw&#228;rtigen Sprachen dient) repr&#228;sentierten Formen die Zweiteilung der linguistischen Genera zur Unterscheidung des Beseelten vom Unbeseelten dient. Dann interveniert das Femininum, das aufgrund seiner Morphologie dem k&#252;nftigen Neutrum &#228;hnelt und z.B. zum Ausdruck abstrakter Konzepte dient (das ist im Franz&#246;sischen immer noch der Fall, man sieht es an allen Substantiven mit den Suffixen -t&#233; wie &lt;i&gt;libert&#233;&lt;/i&gt; oder -tion wie &lt;i&gt;r&#233;volution&lt;/i&gt;). Erst ziemlich sp&#228;t wird es zur Spezialit&#228;t des genannten &#8222;Femininums&#8220;, beseelte Wesen zu beschreiben, die &#8222;feminin&#8220; genannt werden. Die Tatsache, dass &#8222;das Maskulinum siegt&#8220;, z.B. in der Kongruenz des Plurals, erkl&#228;ren gewisse Linguisten, abgesehen von den Unw&#228;gbarkeiten der Sprache, welche zu diesem Zustand gef&#252;hrt haben, der, wie all ihre Zust&#228;nde, zwingend provisorisch ist, mit der Tatsache, dass das Maskulinum unmarkiert ist, somit steht es dem Neutrum n&#228;her und ist besser f&#228;hig, verschiedene Genera zu gruppieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch ist es heute unbestreitbar, dass einige Sprachen, und besonders die franz&#246;sische, das Neutrum zum Verschwinden gebracht haben, um eine geschlechtliche Polarisierung maskulin-feminin herbeizuf&#252;hren, die scheinbar der von dieser Welt auferlegten geschlechtlichen Zweiteilung der lebenden Wesen angemessen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese einfachen Feststellungen werfen gewisse Fragen auf. Ist die Stellung der Frauen zwingend unterschiedlich, wenn die Sprache nicht auf dieser Polarisierung basierend funktioniert und inwiefern?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann ans Englische denken, oder an alle anderen Sprachen, die einen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; W&#228;re weniger Maskulinum und Femininum in der Sprache gleichbedeutend mit weniger Geschlecht oder anderen Geschlechterverh&#228;ltnissen in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen? Die Realit&#228;t der Sprache jenseits der Konstruktion der linguistischen Genera dementiert diese Hypothese. Die Motivation des Genera der Nomen sind dermassen komplex und entsprechen kaum einem System (geschweige denn einer Motivation), dass sie nicht in einer vereinfachenden ideologischen Hypothese gelesen werden k&#246;nnen, welche aus ihnen das Resultat eines inh&#228;renten Sexismus macht. Nat&#252;rlich kann man mit den Repr&#228;sentationen spielen, indem man ihre Motivationen in personifizierten und allegorisierten Formen ver&#228;ndert. Der Mond kann ein Junge werden und die Sonne ein M&#228;dchen, in Gedichten und Liedern, weil man darin mit der Phonetik und der Grammatik spielt, man versucht die Konnotationen der Begriffe wieder zu beleben, aber nicht im wirklichen Leben, nicht mehr als dass ein Tisch etwas maskulines und eine Decke etwas feminines h&#228;tte. &#8222;Eine Person&#8220; im Femininum spricht nicht mehr von Frauen als &#8222;ein Individuum&#8220; im Maskulinum. Die Zuteilung der Genera im Franz&#246;sischen ist zutiefst willk&#252;rlich, was nicht bedeutet, dass sie nicht f&#252;r jeden Begriff eine komplexe Geschichte hat, sinnlos ist oder man nicht dar&#252;ber nachdenken k&#246;nnte. Was Sinn macht, ist sehr wohl diese Besonderheit einer verallgemeinerten Polarisierung und die Tendenz hin zu einer Fixierung der Genera, welche die Interferenzen und Variationen zum Verschwinden bringt, diese erlaubten es z.B. vor einigen Jahrhunderten, dass gewisse Begriffe den Genus wechseln, maskulin sind im Singular und feminin im Plural (&lt;i&gt;d&#233;lice&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;amour&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;orgue&lt;/i&gt; bezeugen das heute noch). Diese Verabsolutierung der Polarisierung der linguistischen Genera geht mit der Verweigerung und Korrektur &#8211; Merkmale eines gewissen Klassizismus &#8211; aller syntaktischen und orthographischen Skurilit&#228;ten einher. Deshalb sind die Texte vor dem 17. Jahrhundert f&#252;r jene so schwierig zu lesen, welche wie wir an eine normierte Sprache gewohnt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man schl&#228;gt also vor, das Geschlechtergleichgewicht wieder auszugleichen, den in der Sprache schon beurkundeten &#8222;Sieg&#8220; des maskulinen Genera zu bestreiten, indem ein Arsenal an Regeln durchgesetzt wird (mehrere Vorschl&#228;ge stehen im Konflikt zueinander, man kann sich fragen, welcher wirklich institutionalisiert werden wird und aufgrund welcher Kriterien), um das feminine Genus wieder als sein Gleiches in einer Art gleichberechtigtem &lt;i&gt;Gesellschaftsvertrag&lt;/i&gt; der W&#246;rter zu institutionalisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man darf sich auf dieser Ebene ebenfalls als Revolution&#228;r die Frage stellen, was an diesem Gesellschaftsvertrag genau subversiv sein soll. Es scheint n&#228;mlich, dass man sich jetzt schon fragen kann, weshalb, statt dass man der Reglementierung noch mehr Reglementierung hinzuf&#252;gt, man nicht eher mit Formen der &lt;i&gt;Dereglementierung&lt;/i&gt; experimentieren sollte. Diese Frage w&#252;rde es verdienen, ernsthaft gestellt zu werden. Es gab eine Zeit, die von der sogenannt &#8222;klassischen&#8220; Epoche definitiv begraben worden ist, wo es nicht offensichtlich war, dass ein Wort immer gleich geschrieben werden musste oder dass jeder Gebrauch davon der linguistischen und jakobinischen Normativit&#228;t einer offiziellen und von der zentralen Beh&#246;rde validierten Sprache unterstehen sollte. Auf jeden Fall ist es gewiss, dass die Regeln der Feminisierung dieser grundlegend progressistischen und zur gleichen Epoche wie der ber&#252;hmte Sieg des Maskulinums &#252;ber das Femininum entstandenen Idee Tribut zollen, welche m&#246;chte, dass die Sprache sich durch sukzessive Normalisierung und Uniformisierung verbessert und die Sprache von heute somit zwingend besser ist als jene von gestern, denn sie ist in den Genuss der vermeintlichen &#8222;Fortschritte&#8220; der Wissenschaft und des Egalitarismus gekommen. Alles in allem wird es wom&#246;glich diese gleiche Ideologie des Fortschritts sein, welche es z.B. geschafft hat, aus der Polizei, den Gef&#228;ngnissen oder der Atomkraft etwas &lt;i&gt;normales&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;akzeptables&lt;/i&gt; zu machen, welche es schaffen wird, der &#8222;einschliessenden&#8220; Schreibweise zum Sieg zu verhelfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es bleibt eine Feststellung: Der Genus in der Sprache ist nicht das Geschlecht im Leben und die St&#228;rkung des Femininums in der Sprache st&#228;rkt nichts ausser die Pr&#228;senz einer grammatikalischen Kategorie, worin wir kein Interesse sehen. Hinzu kommt, dass diese Praktiken der Feminisierung die Polarisierung der Sprache st&#228;rken, z.B. indem man sich dem Gebrauch des Neutrums verweigert und gewisse unmarkierte Begriffe markiert wie im Falle von &lt;i&gt;gens&lt;/i&gt; [Leute], ein jenseits dieser Kategorien stehendes Wort, dessen Genus durch seine zwingende Pluralform neutralisiert wird. Der Gebrauch von &lt;i&gt;gen-tes&lt;/i&gt; rekonstruiert maskulin und feminin dort, wo es f&#252;r einmal so etwas wie ein Neutrum gab. Die Feminisierung der Sprache ist somit weit davon entfernt, die Omnipr&#228;senz der geschlechtlichen Polarisierung zu &#252;berwinden, sie st&#228;rkt sie sogar, schliesslich ist in Anbetracht dieser Polarisierung allen voran das Neutrum schwer zu konzipieren. Einmal mehr werden die M&#246;glichkeiten von etwas anderem, einer &#220;berwindung des Geschlechts oder eines Ausstieges aus diesen Rollen ge&#228;chtet, diesbez&#252;glich sind die Anh&#228;nger der Feminisierung alles andere als eine Ausnahmeerscheinung. Doch ist es &#252;berhaupt das Ziel dieser Praxis, die sich f&#252;r subversiv h&#228;lt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Erinnerung: &lt;i&gt;Die W&#246;rter&lt;/i&gt; sind nicht &lt;i&gt;die Dinge&lt;/strong&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu glauben, dass die W&#246;rter die Dinge sind, dass das Wort Fisch ein Fisch ist, dass das Wort Hund beisst oder dass das Maskulinum und das Femininum der Sprache das Geschlecht in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen ist, ist ein Standpunkt, der einen Namen hat. Es ist der Kratylismus, vom Namen einer gegen&#252;ber Sokrates inszenierten Person in einem Dialog Platons mit dem selben Namen. Kratylos verteidigt darin gegen Sokrates die Idee einer Transparenz der Sprache mit dem, was sie beschreibt, einer &lt;i&gt;nat&#252;rlichen Richtigkeit&lt;/i&gt; der W&#246;rter. Der Kratylismus kann eine Art und Weise sein, sowohl die Welt als auch die Sprache zu verzaubern. Kinder, Dichter und Verr&#252;ckte, um Platon zu paraphrasieren, &#8211; oder das Kind, der Dichter oder der Verr&#252;ckte, der in uns allen sein kann &#8211;, k&#246;nnen die M&#246;glichkeit einer solchen Unmittelbarkeit er&#246;ffnen und verletzt werden vom Wort &#8222;verletzt&#8220;, sich vom Wort &#8222;Hund&#8220; gebissen f&#252;hlen, Musik h&#246;ren im Wort &#8222;Musik&#8220; oder die Farbe der Vokale beschreiben. Doch man kommt nicht um die Feststellung umhin, dass diese verr&#252;ckte, poetische und kindliche Verzauberung der Sprache das Gegenteil einer Reglementierung ist, die zum Ziel h&#228;tte, ihren Gebrauch zu normalisieren, indem sie versucht, sich aufzudr&#228;ngen, wie es der Fall ist mit der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220;. Es handelt sich eben genau um das, wovon wir zuvor sprachen, eine Dereglementierung, das Gegenteil also. Kinder, Dichter und Verr&#252;ckte sind &#252;brigens sowieso jene, welche auf dieser Ebene wie auf anderen auch definitionsgem&#228;ss marginal sind gegen&#252;ber einer Position der Autorit&#228;t, und ganz sicher nicht in einer Position, um Gesetze oder Normen zu erlassen. Es handelt sich um individuelle, erheiternde, kreative und grundlegend &lt;i&gt;anormale Gebr&#228;uche&lt;/i&gt;, welche diese &#252;blichen und normierten Inhalte der Sprache durcheinander bringen, indem sie sie f&#252;r eine Weile aus ihren kommunikativen Funktionen herausreissen, und welche nur in Ausnahmef&#228;llen geteilt werden. In Wirklichkeit also das genaue Gegenteil jener, welche sich daf&#252;r einsetzen, die Feminisierung der Sprache aufzudr&#228;ngen. Doch es ist nicht das einzige Gebiet, wo die Kinder, die Dichter und die Verr&#252;ckten einen weit subversiveren Weg gehen als die politischen Aktivisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r jeden und in ihrem banalen Gebrauch ist die Sprache eine Vermittlung zwischen &lt;i&gt;den W&#246;rtern&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;den Dingen&lt;/i&gt;, zwischen dem Sprechenden und der Welt. Die W&#246;rter (und die Art und Weise ihrer Kombination) sind grundlegend willk&#252;rlich und die Aneignung dieses willk&#252;rlichen Verh&#228;ltnisses ist komplex. Die W&#246;rter sind nicht die Dinge, nicht einmal der Code der Dinge, wenn man den Code als ein einfaches vermitteltes Verh&#228;ltnis betrachtet, das direkt was wir sagen und was wir sagen wollen miteinander verbindet. Die rote Ampel ist ein Code, er ist willk&#252;rlich, doch er sagt uns unmittelbar, dass wir anhalten m&#252;ssen. Die W&#246;rter sind keine Ampeln, sie sind subtile &lt;i&gt;Zeichen&lt;/i&gt;, und die von ihnen durchgesetzte Vermittlung im Verh&#228;ltnis zur Welt ist komplex. Es ist diese Komplexit&#228;t, welche auch den Reichtum im Verh&#228;ltnis zur Sprache ausmacht, die M&#246;glichkeit, mit den W&#246;rtern zu spielen, sie von ihrem Gebrauch abzubringen, um sie mehr, weniger oder etwas ganz anderes sagen zu lassen, als das, was sie die Willk&#252;r des Zeichens sagen l&#228;sst. Sie haben eine &lt;i&gt;Bezeichnung&lt;/i&gt;, einen einfachen Sinn, der vom W&#246;rterbuch definiert werden kann und die Kommunikation erlaubt, doch auch eine Vielzahl variabler &lt;i&gt;Konnotationen&lt;/i&gt; (die von ihnen ausgel&#246;sten Gedanken, Tr&#228;ume, Gef&#252;hle&#8230;) auf der Ebene sozialer Gruppen, aber auch kleinerer Gruppen oder gar auf individuellem Niveau. Die Bedeutung ist nicht eine mechanische Operation, die schlichtweg jedes Wort mit einem Ding verbindet, es ist eine undurchsichtige, reiche und komplexe Operation, die Unverst&#228;ndnis genau wie das Gegenteil hervorbringt, M&#246;glichkeiten zur &#220;berraschung auf jeden Fall. Und genau deswegen ist die &#220;bersetzung eine sowohl riskante als auch spannende Operation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deshalb braucht es ein Minimum an Feinf&#252;hligkeit, wenn man versucht, zu verstehen, was die Sprache &#252;ber die Wahrnehmung der Welt sagt, umso mehr jener, welche von ihr durchdringt ist. Und es ist genau diese Etappe der Analyse, die eigentlich selbstverst&#228;ndlich sein sollte, wenn man &#252;ber die Sprache &lt;i&gt;intervenieren&lt;/i&gt; will &#8211; ein Projekt, das in sich schon fragw&#252;rdig ist, wir werden darauf zur&#252;ckkommen &#8211;, welche unsere einschliessenden Aktivisten scheinbar &#252;bergangen haben. Eine extreme und mechanische Vereinfachung ersetzt sie: Die Sprache widerspiegelt die Wirklichkeit der Welt und der sich in ihr ausbreitenden Verh&#228;ltnisse und die Tatsache, dass das Maskulinum &#252;ber das Femininum &#8222;siegt&#8220;, widerspiegelt die Herrschaft der M&#228;nner &#252;ber die Frauen. Und wir werden an all diesen aktivistischen Vereinfachungen sterben. Erste Vereinfachung, die wir schon weiter oben dekonstruiert haben (denn wir dekonstruieren lieber Argumente als Leute): Dieser Vorschlag w&#252;rde bedeuten, dass der Genus in der Sprache das Geschlecht im Leben ist. &#8222;Siegen&#8220; wird bequem wortw&#246;rtlich genommen und der hinkende Vergleich kann pl&#246;tzlich laufen, die M&#228;nner siegen im wahren Leben &#252;ber die Frauen genau wie das Maskulinum &#252;ber das Femininum siegt. Das &#8222;Privileg&#8220; des Maskulinums, z.B. eine neutralisierende Funktion der Genera im Plural zu haben, wird zu einem &#8222;Privileg&#8220; der M&#228;nner &#252;ber die Frauen. Man sorgt sich dar&#252;ber, dass das Maskulinum das Femininum&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man k&#246;nnte daraus den lustigen Vorschlag eines Schreibzwangs ohne (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, dass &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Mond &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Sonne, &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Gefangene &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; W&#228;rterin unterdr&#252;ckt. Auf jeden Fall ist, wie wir es weiter oben gesehen haben, dieses exzessiv vereinfachte Verst&#228;ndnis der Mechanismen der Sprache schon sehr anfechtbar. Von einem revolution&#228;ren Standpunkt aus betrachtet, ist es nicht erstaunlich, dass diese Forderung sich ein Stelldichein mit den &#8222;neuen&#8220; Forderungen der postmodernen &#228;usseren Linken gibt: Gegen die Diskriminierung die Ordnung der Dinge akzeptieren, gegen den Rassismus mit der &#8222;Rasse&#8220; denken, gegen den westlichen den &#246;stlichen Block w&#228;hlen und gegen die geschlechterspezifische Herrschaft &#8222;einschliessend&#8220; schreiben, die Buben mit rosaroten und die M&#228;dchen mit blauen Kugelschreibern. Und ganz &lt;i&gt;kratylisch&lt;/i&gt; wird der Sexismus alsobald zusammenbrechen&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Danach folgt gem&#228;ss der gleichen Logik ein noch akrobatischerer Schritt: Die Intervention &#252;ber die Sprache durch die systematische Anf&#252;gung femininer Markierungen habe einen ausgleichenden Einfluss auf die realen Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Wir werden hier nicht l&#228;nger auf die Tatsache eingehen, dass dieser Vorschlag die geschriebene gegen&#252;ber der gesprochenen Sprache privilegiert, was nicht unbedeutend ist und eine grundlegende Machtlosigkeit offenbart: Es gibt Sprachen ohne Schriftsprache, wie werden sie feminisiert werden k&#246;nnen? Die diversen vorgeschlagenen schriftlichen Kunstst&#252;cke sollen, durch einen durch und durch kratylischen Zauber, eine tiefe Modifikation der realen Geschlechterverh&#228;ltnisse zur Folge haben, oder uns zumindest davor bewahren, diese Herrschaftsform zu reproduzieren. Doch wir finden, dass dieser Vorschlag nicht nur von einer verst&#246;renden illusorischen Naivit&#228;t zeugt, sondern dass auch die einfache Idee, dass die Anf&#252;gung des Femininums den Frauen eine bessere Stellung verschafft, &#252;berdacht werden sollte. Man sagt uns n&#228;mlich, dass, und es ist eine der einzigen Behauptungen zur Durchsetzung dieser Praxis, die einem Argument &#228;hnelt, die Feminisierung der Sprache notwendig sei, damit die Frauen im Diskurs existieren, das neutrale Maskulinum spreche nur von M&#228;nnern. Doch ist das wirklich so?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Sie&#8220; ist keine Frau, eine Frau ist eine Frau&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; Es kann also die folgende grundlegende Frage gestellt werden: &lt;i&gt;Existiert etwas&lt;/i&gt; im Diskurs, und &lt;i&gt;was&lt;/i&gt;, durch die Feminisierung? Existieren &#8222;die Frauen&#8220; durch das Pronomen &#8222;sie&#8220; [elles] in einem Satz, in dem, was er aussagt? Existieren das Subjekt, der Andere oder die Anderen &lt;i&gt;als Frauen&lt;/i&gt; tats&#228;chlich durch die Feminisierung der Pronomen, Nomen und Adjektive? Man kann mit der Tatsache einverstanden sein, dass in dieser Welt, wo die M&#228;nnerherrschaft auf der symbolischen Ebene stabil ist, &#8211; was die Stellung des Maskulinums in der Sprache wahrscheinlich bezeugt, aber auf eine komplexe und spezifische Art und Weise&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In anderen Sprachen, in welchen das Maskulinum nicht vorherrschend ist, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; die Sprache in ihren gew&#246;hnlichsten Gebr&#228;uchen nicht ad&#228;quat ist, um &#8222;von Frauen&#8220; als Frauen zu sprechen. In ihren normalen Gebr&#228;uchen ist die Sprache stets auf der Seite der Durchsetzung und der St&#228;rkung der Norm. Sie festigt die Gew&#246;hnlichkeit, woraus diese Welt besteht, mit all ihren Gegebenheiten, sie versteinert die Ideologie, wovon die Geschlechterverh&#228;ltnisse Teil sind. &#220;ber die Wirklichkeit der Bedingung als Frau zu sprechen ist gleichbedeutend mit einer Bearbeitung der Sprache, um sie das sagen zu lassen, woran sie nicht gew&#246;hnt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Glauben an die Tatsache, dass man durch die sogenannt &#8222;einschliessende&#8220; Schreibweise nur kosmetisch die Form bearbeitet, zeugt allerdings von einer erstaunlichen Naivit&#228;t. Es handelt sich darum, allen Dimensionen der Sprache etwas Wirklichkeit der Wesen und ihrer Verh&#228;ltnisse einzuhauchen. Inwiefern spricht ein feminisierter Text mehr von mir, von dir oder von ihr als Frau. Kann das, wovon wir sprechen wollen, ernsthaft mit der Transformation von Pronomen oder der Beif&#252;gung von -in zusammengefasst werden? Als Louise Labe im 16. Jahrhundert ein Gedicht &#252;ber die weibliche Lust &#8211; subversives Thema schlechthin im 16. Jahrhundert, und nicht nur &#8211; schreibt, ben&#252;tzt sie keine formell femininen Markierungen, sondern die erste Person (&#252;brigens geschlechtlich nicht markiert, genau wie die zweite, wahrscheinlich, weil es eben genau darum geht, eine &lt;i&gt;Singularit&#228;t&lt;/i&gt; zu beschreiben), und sie bearbeitet die Sprache dahingehend, dass sie sagen kann, was normalerweise mit ihr nicht gesagt wird (siehe nebenan [in der Zeitschrift]). Und dadurch kann diese in Poesie verwandelte Sprache eine universelle Reichweite erlangen: Ein feminines Ich existiert durch dieses Gedicht und es kann unmittelbar von allen geteilt werden. Um Montaigne und seinen relativistischen Universalismus, ungef&#228;hr das Gegenteil des universalisierten Relativismus der Postmodernit&#228;t, zu paraphrasieren, es tr&#228;gt in sich die gesamte Form der menschlichen Bedingung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist es dar&#252;ber hinaus nicht offensichtlich, dass diese Schwierigkeit der Sprache &#8211; als Ort und Werkzeug der Norm und der Normalisierung &#8211;, die Realit&#228;t auszudr&#252;cken, woraus jeder gemacht ist, insofern als dass sie sich eben genau dieser Norm entzieht, oder gar allgemeiner die Welt auszudr&#252;cken, ihre Gewalt und ihre Leichtigkeit, ihre Dunkelheit genau wie ihr Licht, das, was in ihr erlebt und nicht erlebt wird, was alles in allem ihre Materie und diejenige der sie bev&#246;lkernden Wesen ausmacht, eine Gegebenheit ist, mit welcher alle, Mann wie Frau, meistens &#252;brigens jenseits der Frage, ob man &lt;i&gt;ein Mann oder eine Frau ist&lt;/i&gt;, konfrontiert sind? Die Sprache gr&#252;ndet auf Kategorien (wovon das Maskulinum und das Femininum Teil sind) und institutionalisiert sie, sonst w&#252;rden wir uns nicht verstehen, und man muss ihr Gewalt antun, um mit ihr das Besondere, das Minorit&#228;re, das hoffnungslos Andere zu sagen. Der Ausdruck und das Verst&#228;ndnis der Welt so wie sie ist, der Verh&#228;ltnisse so wie sie sind, erfordern die Abwendung von den gew&#246;hnlichen normalisierenden Gebr&#228;uchen dieser konstitutiv sozialen Vermittlung, welche die Sprache ist. Es ist eine Anstrengung, die weit &#252;ber die Frage der Genera hinausgeht und von der man nicht ernsthaft glauben kann, dass man sie sich durch rein kosmetische und d&#252;mmlich formelle Reglementierungen und Verzeichnisse ersparen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf die Frage des Genus zur&#252;ckzukommen, wenn man &#8222;LandwirtIn&#8220; schreibt, spricht man nicht von Landwirtinnen, und es ist nicht einmal eine notwendige Bedingung, um von ihnen zu sprechen. Um von der spezifischen Situation der Landwirtinnen zu sprechen (und es gibt dazu etwas zu sagen), muss man von dem sprechen, was sie erleben. Und wenn man von &#8222;Landwirten&#8220; spricht, h&#228;ngt die Tatsache, ob die Landwirtinnen Teil davon sind oder nicht, strikt davon ab, &lt;i&gt;was man dar&#252;ber sagt&lt;/i&gt;. Deshalb ist der Ausdruck &#8222;einschliessende Schreibweise&#8220; eine Absurdit&#228;t, ein falsches Versprechen: Sie wird nie etwas anderes einschliessen als grammatikalische Kategorien, sicher keine Lebewesen und das, was sie erleben. Um Lebewesen und das, was sie erleben, einzuschliessen, muss man das ver&#228;ndern, wovon man spricht. Die Fokussierung auf die Form des Ausdrucks und der naive Glaube an ihre Allmacht entfernt die Sprache nur noch weiter von diesen Wirklichkeiten, von denen man behauptet, sie w&#252;rden &#8222;eingeschlossen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man &#252;brigens &#252;ber die eigentliche semiologische Dimension der Feminisierung der Sprache nachdenkt, erkennt man schnell, dass durch die Tatsache der Feminisierung nicht viel mehr existiert als sie selbst: Durch die Feminisierung existieren nicht &#8222;die Frauen&#8220;, man existiert einfach selbst als die Sprache feminisierend. Sie dient also dazu, sich zu bekr&#228;ftigen, sich abzugrenzen, und nicht dazu, die Utopie der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220; zu verwirklichen. Wenn man z.B. von ZahlerInnen spricht, ist es die Tatsache, dass man von ZahlerInnen statt Zahlern spricht, die bemerkt wird und Aufmerksamkeit erschafft, nichts anderes, auf jeden Fall wird es st&#228;rker bemerkt, als das, wof&#252;r dieser oder jene gezahlt hat. Wenn man jedoch die willk&#252;rlichen Prinzipien der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220; nicht verteidigt, schliesst &#8222;Zahler&#8220; die Frauen nicht aus, das Wort sagt nichts &#252;ber ihre Anzahl oder ihre politische Identit&#228;t, es ist &#252;brigens viel &lt;i&gt;anonymer&lt;/i&gt;. Doch zwischen der Anonymit&#228;t und dem Streben nach Anerkennung durch den Unterdr&#252;cker muss nat&#252;rlich irgendwann endg&#252;ltig entschieden werden, denn die beiden Vorgehensweisen, die allerdings gleichzeitig verteidigt werden, sind inh&#228;rent h&#246;chst widerspr&#252;chlich. Man positioniert sich schliesslich in einer gewissen Distanz zur Norm, was eine andere Norm notwendig macht, und das ist fast alles, dadurch existiert man selber als sprechend im Diskurs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Vermittlung zwischen den menschlichen Wesen und der Welt ist die Sprache eine lebendige, fluktuierende, strukturelle und strukturierende Materie, ein Schlachtfeld zwischen der Gew&#246;hnlichkeit der Norm und den Besonderheiten ihrer Gebr&#228;uche. M&#246;gen sie subversiv oder beherrschend sein, ihre Gebr&#228;uche ver&#228;ndern sie permanent. Deshalb sind jene einer sich stets erneuernden Illusion verfallen, welche behaupten, &#252;ber sie Gesetze zu erlassen und sie zu reglementieren. Sie sind immer dabei, das festzustellen, was existiert, w&#228;hrend sie daran denken, das durchzusetzen, was existieren muss. Das gilt z.B. f&#252;r die traditionelle normative Grammatik, die sich als Ensemble an anwendbaren Regeln pr&#228;sentiert, obwohl sie nichts anderes als eine Art und Weise ist, einen Gebrauch zu formalisieren, der ihr vorausgeht und an welchen sie sich mit ein bisschen Versp&#228;tung anpasst. Es gen&#252;gt, die &#8222;Ausnahmen&#8220; zu betrachten, die jede grammatikalische oder orthographische Regel begleiten: Sie betreffen immer die am h&#228;ufigsten benutzten Begriffe (man kann an die sogenannt irregul&#228;ren Verben denken, z.B. die Hilfsverben &#8222;sein&#8220; und &#8222;haben&#8220;, die eben genau die am h&#228;ufigsten benutzten und die irregul&#228;rsten sind). Der sich stets in Bewegung befindende und notwendigerweise sozialisierte wirkliche Gebrauch der lebendigen Sprache dereglementiert sie permanent und die normative Grammatik rennt pathetisch hinter diesen Dereglementierungen her, um sie als neue Regeln zu institutionalisieren. Diese Feststellung f&#252;hrt zur Einsicht, dass die Reglementierung der Sprache an sich eine vergebliche und reaktion&#228;re Unternehmung ist, der nicht einmal der in Frankreich seit einigen Jahrhunderten vorherrschende grundlegende und z&#246;gerliche Klassizismus Effizienz verschaffen kann. Als die Acad&#233;mie fran&#231;aise Mitte der 1990er Jahre im Namen der Verteidigung der Sprache beabsichtigt, die Einf&#252;hrung von aus dem Englischen stammenden Begriffen (die ber&#252;hmten &#8222;Anglizismen&#8220;) aufzuhalten, indem sie schon benutzte W&#246;rter mit anderen ersetzt, die einheimisch sein sollen (sie m&#246;chte z.B. durchsetzen, dass man &lt;i&gt;bouteur&lt;/i&gt; anstelle von &lt;i&gt;bulldozer&lt;/i&gt; benutzt), beweist sie unmittelbar und offenkundig die Vergeblichkeit ihrer Rechtsprechung. Man sagt schon &lt;i&gt;bulldozer&lt;/i&gt; und keine Reglementierung wird es verhindern k&#246;nnen&#8230; Sie kann befriedigt feststellen, dass man ihr gehorcht, wenn sie die Tatsache reglementiert, dass das h von &lt;i&gt;haricot&lt;/i&gt; nicht mehr aspiriert sein muss und die Bindung mit dem -s des Artikels im Plural m&#246;glich ist, dann ist das so, &lt;i&gt;weil es&lt;/i&gt; im Gebrauch &lt;i&gt;ohnehin schon der Fall ist&lt;/i&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann &#252;brigens davon ausgehen, dass die Feminisierung der Sprache im Gange ist, entsprechend der Ver&#228;nderung der Stellung der Frauen in der Gesellschaft, im Kapitalismus, in Machtpositionen und in den Repr&#228;sentationen, doch ebenfalls, dass es gewiss ist, dass diese Feminisierung der Sprache nicht emanzipatorischer sein wird als die Stellung, welche der Kapitalismus und der Staat den Frauen heute einr&#228;umen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand kann sich ernsthaft anmassen, in einer Kammer und von oben die Gebr&#228;uche der Sprache zu reglementieren. Jene, welche sich diese Rolle geben und dadurch Prestige und Macht erlangen, sind nicht schlauer und nicht minder l&#228;cherlich als der Vater Ubu. Und kann man wirklich rund um den Vater Ubu eine revolution&#228;re Mythologie konstruieren? Wir bezweifeln es.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau aus dem gleichen Grund bleiben Projekte wurzellos geschaffener, universeller Sprachen zur Erm&#246;glichung der &#8222;V&#246;lkerverst&#228;ndigung&#8220; wie z.B. Esperanto, davon abgesehen, dass sie sich auf eine sehr armselige Konzeption der Sprache und ihres Gebrauchs st&#252;tzen, zum Gl&#252;ck bestimmt vergeblich, kl&#228;glich utopistisch und illusorisch. In seinem Text &#8222;Lernt nicht Esperanto!&#8220; zeigt Gustav Landauer, inwiefern das Projekt und die Erfindung dieser Sprache abwegig sind, sowohl in ihren Zielen als auch ihrer Methode. In ihren Zielen allen voran, denn in einer Art Umkehrung von Wirkungen und Ursachen st&#252;tzt sich das Projekt auf die (urspr&#252;nglich religi&#246;se) Idee, dass die Vielfalt der Sprachen die Ursache der Teilung der Menschen ist. Diese Illusion ist ein vereinfachtes Echo des biblischen Mythos des Turms von Babel: Die Vielfalt der Sprachen ist eine g&#246;ttliche Strafe, die zu Unstimmigkeit und Krieg f&#252;hrt. Zweite Illusion: Die Wiedererschaffung einer sprachlichen Einheit erlaube die Wiedererschaffung einer menschlichen Einheit, die Wiederentdeckung des verlorenen Paradieses einer befriedeten Menschheit. Man findet die gleichen theoretischen Vereinfachungen und die gleichen Mechanismen zur Identifikation eines Problems und zu seiner einfachen L&#246;sung wie bei den Anh&#228;ngern der Feminisierung wieder. Grundlegender zeigt sich gut, wie dieses falsche R&#228;sonnement sich auf eine armselige und reduzierende Konzeption der Sprache st&#252;tzt: Indem man diese Sprache fabriziert, begn&#252;gt man sich damit, sich auf den Ausdruck des schon Bekannten zu beschr&#228;nken, auf eine Funktion strikter Kommunikation ohne Erfindungsgabe, ohne Traum, ohne Poesie. Eine behauptete &#8222;Gleichheit&#8220; der Menschen in der Sprache, stets nach unten angeglichen, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, ein weiterer Traum der Demokraten. &#8222;[D]as k&#252;nstliche Gem&#228;chte ist nichts worin der Mensch weiterdenken und Neues schaffen kann; es ist ja nur eine &#220;bersetzung des Breitgetretenen, und das Wichtigste, das Feinste, das Unaussprechliche l&#228;sst sich darin nicht sagen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gustav Landauer, &#8222;Lernt nicht Esperanto!&#8220; in Die freie Generation, Bd. 2, (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die &#252;berhaupt nicht subversive (oder gar anti-subversive) Vergeblichkeit einer Sprache, welche nur schon Bekanntes vermitteln, Normales, schon Integriertes in die Welt, so wie sie ist, und im besten Fall dazu dienen w&#252;rde, das Bestehende so wie es ist aufrechtzuerhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erzwungene Feminisierung der Sprache kann sich dieser Vergeblichkeit nicht entziehen: Man kann nicht die Sprache bearbeiten, wie ein Chirurg einen bet&#228;ubten K&#246;rper oder der Gerichtsmediziner eine Leiche bearbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Und wenn es funktionierte, was w&#252;rde aus uns und der Welt werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch m&#252;ssen diese Sprachutopien als das gedacht werden, was sie sind, denn sich damit zu begn&#252;gen, ihre Vergeblichkeit festzustellen, reicht nicht. Es geht darum, durch die Sprache in jene Welt einzugreifen, welche sie vermittelt, und besonders in die Vorstellungen, welche sie ausl&#246;st. Die Sprache wird auf verschiedenen Ebenen sowohl durch individuelle als auch kollektive Vorstellungen bearbeitet und gleichzeitig werden diese von ihr bearbeitet, quer durch Jahrhunderte des Gebrauchs im Rahmen des allt&#228;glichen Lebens. Wenn der s&#252;sse kratylische Traum einer bez&#252;glich der Ideen, Wesen und Dinge transparenten Sprache sich in einer reglementierenden und normativen Unternehmung verk&#246;rpert, die zum Ziel hat, sich allen mit Aggressivit&#228;t und Exklusivit&#228;t aufzudr&#228;ngen, haben wir es mit einem verr&#252;ckten und beunruhigenden Projekt der Herrschaft &#252;ber die Vorstellungen und Repr&#228;sentationen zu tun und somit, wenn man es weiter denkt, mit einem Produkt der Machtergreifung oder, banaler, der Ergreifung des bisschen Macht, die man findet, dort wo man sich befindet. Man arbeitet daran, diesen &#8222;neuen Menschen&#8220; zu konstruieren, wovon die &#8222;neue Sprache&#8220; die Pr&#228;misse sein wird. Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, inwieweit dieses Projekt, mag der Charakter des Ziels, das es sich gibt, auch noch so scheinbar lobenswert sein (sei es die &#8222;V&#246;lkerfreundschaft&#8220; oder die Aufl&#246;sung der Geschlechterverh&#228;ltnisse), aufgrund der Mittel, durch welche es sich verwirklichen will, eine zutiefst autorit&#228;re Dimension enth&#228;lt. Man braucht sich nur vorzustellen, was geschehen k&#246;nnte, wenn es funktionierte: Man h&#228;tte die menschlichen Wesen durch die &#196;nderung ihrer Sprache ge&#228;ndert. Ein solches Projekt kann zum Tr&#228;umen verleiten &#8211; und beunruhigen. Andere versuchten es schon und sie geh&#246;ren zu den besten unter den verr&#252;cktesten Diktatoren. Eine der Spezifit&#228;ten des Regimes der Roten Khmer in Kambodscha war es z.B., der Reglementierung der Sprache eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, einer Transformation der Sprache, der W&#246;rter und ihrem Sinn, u.a. durch Parolen und Propaganda, welche, da sie durch die charakteristischen Zwangsinstrumente dieser schrecklichen Diktatur tempor&#228;r wirksam gemacht worden sind, es nicht schaffen, die Vorstellungen zu ver&#228;ndern, um den &#8222;neuen Menschen&#8220; zu konstruieren, sondern nur, die Menschen zu vernichten. Einige wenig konventionelle Gedanken zur Funktionsweise dieser Regime, wie jene, welche man im Film &lt;i&gt;Das fehlende Bild&lt;/i&gt; von Rithy Panh findet, zeigen die verheerende Wirkung dieser perversen Manipulation, die sich nicht damit begn&#252;gt, den K&#246;rper zu bearbeiten, sondern auch die Sprache und die sie bearbeitenden Repr&#228;sentationen foltert, bis zu einem Punkt, wo der Traum, das Denken, die Revolte verunm&#246;glicht werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Brosch&#252;re &#8222;L&#8216;image, la m&#233;moire et l&#8216;oubli&#8220;, die f&#252;r die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Vom Zeitpunkt an, wo sie versuchen, sich zu verwirklichen, sind die Sprachutopien nicht weniger beunruhigend als andere Utopien: Wenn man sich wirklich ernsthaft die Mittel gibt, um bei der Durchsetzung der Art und Weise, wie gesprochen werden muss, bis ans Ende zu gehen, so will man die durch die Sprache bezeugte, spontane, diffuse und lebendige Entwicklung der Vorstellung und des Denkens beherrschen und vernichten. Das wird durch diese Rechtfertigung der Verteidigung der Feminisierung der Sprache auf der Sammelseite f&#252;r Brosch&#252;ren mit mehr oder weniger subversivem Anspruch infokiosques.net in ihrer Rubrik &#8222;Feminisierung der Sprache&#8220; bezeugt: &#8222;Die Umgestaltung der Sprache ist gleichbedeutend mit der Verweigerung einer Herrschaftsform, der Konstruktion eines anderen kollektiven Unbewussten.&#8220; Wenn man diese Behauptung ernst nimmt, kann man eher behaupten, dass das Ziel der &#8222;Konstruktion eines anderen kollektiven Unbewussten&#8220;, wenn es mit einer autorit&#228;ren Reglementierung der Sprache einhergeht, eben genau gleichbedeutend mit dem Traum der Institutionalisierung neuer Herrschaftsformen ist. Das ist schlichtweg Propaganda und wer auch immer das Unbewusste des anderen konstruieren will, oder gar schlicht und einfach Unbewusstes konstruieren, ist nichts anderes als ein totalit&#228;rer und repressiver Gr&#246;ssenwahnsinniger. Doch ist es letztendlich so erstaunlich auf einem Portal, das haupts&#228;chlich postmoderne, vertrags&#228;hnliche Brosch&#252;ren vertreibt, die stets normativ von den menschlichen Verh&#228;ltnissen sprechen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich kann man auf die Polemik verweisen, welche dieses &#8222;kollektive&#8220; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man ist nat&#252;rlich mit der Feminisierung der Sprache sehr weit von der erschreckenden Effizienz des Regimes der Roten Khmer entfernt und die Vergeblichkeit ist eher der Horizont dieser Unternehmung, umso mehr, weil sie sich auf formelle, die schriftliche Sprache betreffende Aspekte beschr&#228;nkt, das dar&#252;ber hinaus in Formen, die unm&#246;glich in die m&#252;ndliche Sprache &#252;bertragen werden k&#246;nnen (obwohl sich heutzutage einige &#252;berm&#228;ssig anstrengen, um den einschliessenden Vorschlag auf die m&#252;ndliche Sprache zu &#252;bertragen, mit Resultaten, die an Monty Python erinnern), was etwas &#252;ber die Vorgehensweise aussagt. Ihre Verbreitung setzt sich nur in gewissen aktivistischen und professionellen Milieus durch, in welchen sie tats&#228;chlich als Reglementierung und Norm fungiert. Sie wird dort zu einem Idiom, das einsperrt und die gegenseitige Wiedererkennung in der beruhigenden Behaglichkeit zwischen &#8222;Anti-Autorit&#228;ren&#8220; oder &#8222;toleranten&#8220; und &#8222;einschliessenden&#8220; Personen erlaubt. Die &#220;bereinstimmung mit dieser Norm, die h&#228;ufig angewendet wird, statt sich um die wirklichen Verh&#228;ltnisse zu sorgen, dr&#252;ckt allen voran eine ideologische und getrennte Zugeh&#246;rigkeit aus. Die Besonderheiten einer Sprache, die sich als Jargon konstituiert, schweissen die Gemeinschaft zusammen, tragen dazu bei, sie zu konstituieren, indem sie vom Rest der Welt abgeschnitten wird &#8211; der Jargon f&#252;hrt dazu, dass wenige Leute wirklich Zugang haben zum Inhalt einer technischen Konversation zwischen zwei Gerichtsmedizinern oder zwei Atomingenieuren z.B. Alle sektiererischen Vorgehensweisen &#228;ussern sich ebenfalls in der Sprache, und das ist kein Zufall, denn durch die Sprache vereinheitlicht und trennt man (vom Lateinischen &lt;i&gt;sectum&lt;/i&gt;). Dank den &#8222;ielles&#8220;, &#8222;-teurese&#8220; und &#8222;-E&#8220; erkennt man sich gegenseitig wieder und schliesst sich in einer folkloristischen und identit&#228;ren Behaglichkeit ein, die weit entfernt von jenen emanzipatorischen Zielen ist, die man sich gibt, und in einem gegenseitigen und verallgemeinerten gesellschaftlichen Unverst&#228;ndnis im Verh&#228;ltnis zum Rest der Welt, wie, sagen wir es noch einmal, die Sekten und Gemeinschaften. An Passanten verteilte Flugbl&#228;tter, auf Mauern geklebte Plakate sind nicht mehr verst&#228;ndlich f&#252;r den Normalsterblichen (der &#252;brigens verachtet wird, insbesondere aus diesem pr&#228;zisen Grund, dass er nicht gem&#228;ss den institutionalisierten Vorgaben der diversen, derzeit g&#252;ltigen praktischen anti-autorit&#228;ren Handb&#252;cher lebt, isst, seine Fusspilze behandelt oder sich ausdr&#252;ckt), nicht weil der Inhalt zu komplex ist, sondern schlicht und einfach, weil er nicht die gleiche Sprache benutzt. Wer w&#252;rde sich an die Schriften Baudelaires oder Bakunins erinnern, wenn sie unter solchen normalisierenden und anti-poetischen Zw&#228;ngen der Szene geschrieben worden w&#228;ren? Ihre Kraft und ihre Verbreitung kommen eben genau von der poetischen Universalit&#228;t und der unbeugsamen Singularit&#228;t ihrer Sprache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dem Schlachtfeld der Sprache ist die Denkweise der Reglementierung und der Normalisierung und die Fokussierung auf die Form gezwungenermassen, was auch immer das angek&#252;ndigte Ziel sein mag, gleichbedeutend mit der Tatsache, sich selber als Verwalter der gesellschaftlichen Gebr&#228;uche zu setzen und sich in jenem Lager zu verorten, welches den darin umk&#228;mpften emanzipatorischen und anti-autorit&#228;ren M&#246;glichkeiten im Weg steht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit nein, die Feminisierung befreit die Frauen nicht, &#252;brigens auch sonst niemanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re Zeit, diese tendenziell normativen und autorit&#228;ren Haltungen aufzugeben, deren Makel darin liegt, sich Illusionen hinzugeben, um nach &lt;i&gt;der Befreiung&lt;/i&gt;, in der Sprache, aber v.a. &#252;berall sonst, &lt;i&gt;aller lebenden&lt;/i&gt;, m&#228;nnlichen, weiblichen oder anderen &lt;i&gt;Wesen&lt;/i&gt; zu streben und sie m&#246;glich zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Sprache, welche unterwegs erfunden werden wird, wird nicht das Werk einer Reglementierung sein, sondern eines Wirbelwindes des Lebens, von Kontingenzen, &#220;berraschungen, Spontaneit&#228;ten und Abenteuern. Einzig das &lt;i&gt;Unbekannte&lt;/i&gt; ist imstande, die Sprache zu ver&#228;ndern, und das &lt;i&gt;Unbekannte&lt;/i&gt; ist &#252;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maria Desmers&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://non-fides.fr/?La-feminisation-libere-t-elle-les-femmes&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstmals erschienen in der Zeitschrift &lt;a href=&#034;https://desruines.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Des Ruines&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Nr. 3/4, Anfang 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Brosch&#252;re bei &lt;a href=&#034;https://ravageeditions.noblogs.org/post/2019/06/29/la-feminisation-libere-t-elle-les-femmes%e2%80%86-maria-desmers-2/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ravage &#201;ditions&lt;/a&gt;, Juli 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb8-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Analyse findet man z.B. im Buch der Feministinnen Selma James und Mariarosa Dalla-Costa &lt;i&gt;Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft&lt;/i&gt;, sie wird jedoch meistens an einer vereinfachenden feministischen Sauce serviert, welche sie behaupten l&#228;sst, der Mann sei der Chef der Frau.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das aktivistische Infoportal der Region Toulouse IAATA feminisiert z.B. auf autorit&#228;re Art und Weise die zur Ver&#246;ffentlichung vorgeschlagenen Texte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir werden sehen, dass diese Art von Ausdruck metaphorisch ist, denn es ist nicht wirklich ersichtlich, wie ein grammatikalischer Genus irgendwie oder irgendjemandem n&#252;tzen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann ans Englische denken, oder an alle anderen Sprachen, die einen verallgemeinerten Gebrauch des Neutrums kennen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man k&#246;nnte daraus den lustigen Vorschlag eines Schreibzwangs ohne &#8222;cis-maskuline&#8220; W&#246;rter ableiten, genau wie Perec in &lt;i&gt;Anton Voyls Fortgang&lt;/i&gt; den Vokal verschwinden l&#228;sst, doch daf&#252;r m&#252;sste man wahrscheinlich Zugang zu einem Streben nach Kreativit&#228;t und einer Verweigerung der Norm haben, davon scheinen die Anh&#228;nger der Feminisierung allerdings bewusst Abstand zu halten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In anderen Sprachen, in welchen das Maskulinum nicht vorherrschend ist, seien es andere Eigenschaften, welche diese reale Herrschaft bezeugen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gustav Landauer, &lt;a href=&#034;https://www.anarchismus.at/anarchistische-klassiker/gustav-landauer/6465-gustav-landauer-lernt-nicht-esperanto&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Lernt nicht Esperanto!&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Die freie Generation&lt;/i&gt;, Bd. 2, Nr. 5, November 1907, S. 147-150.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://www.non-fides.fr/?L-image-la-memoire-et-l-oubli&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L&#8216;image, la m&#233;moire et l&#8216;oubli&#8220;&lt;/a&gt;, die f&#252;r die Filmvorf&#252;hrung von &lt;i&gt;Das fehlende Bild&lt;/i&gt; von Rithy Panh in der anarchistischen Bibliothek La Discordia im Januar 2017 herausgegeben worden ist, man kann den Text auch in dieser Nummer [der Zeitschrift] auf der S. 89 lesen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich kann man auf die Polemik verweisen, welche dieses &#8222;kollektive&#8220; Portal (welches von einer eisernen Hand ohne Samthandschuh gehalten wird) dazu gebracht hat, den anarchistischen Verleger Ravage &#201;ditions auszuschliessen, nachdem dieser anti-autorit&#228;re Kritiken dieser neuen alternativistischen Machthaber der Dekonstruktion und wahrhaften neuen Polizisten des Denkens und der Sitten innerhalb linker politischer Szenen herausgegeben hat &#8211; z.B. die sch&#246;ne Brosch&#252;re Aviv Etrebilal, &lt;a href=&#034;http://www.non-fides.fr/?Papillons-amour-libre-et-ideologie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Papillons, amour libre et id&#233;ologie. Lettre sur l&#8216;incons&#233;quence&#8220;&lt;/a&gt;, 2013 oder die Brosch&#252;re Un contributeur du n&#233;gatif, &lt;a href=&#034;https://ravageeditions.noblogs.org/post/2015/05/04/de-la-banalisation-des-theses-ethno-differencialistes-et-communautaristes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;De la banalisation des th&#232;ses ethno-diff&#233;rencialistes et communautaristes en milieu militant&#8220;&lt;/a&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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